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GEDENKORTE STANDORTE EHEMALIGER NS-LAGER

pirna
Der Standort des Lagers „Dachs VII“ befand sich an der Lohmener
Straße, von Pirna kommend Richtung Lohmen auf der linken Seite.
Etwa 300 Meter nach dem Kaufland biegt die Arthur-Thiermann-
Straße nach links ein, die eine Zufahrt zum Lager war.

MOCKETHAL-ZATSCHKE HOHNSTEIN

PIRNA
Im hinteren Teil des Pirnaer Friedensparks befindet sich PORSCHDORF
ein kleiner Gedenkstein mit der Aufschrift:
STRUPPEN HALBESTADT
„Hier ruhen 13 Opfer des Faschismus 1945“
An dieser Stelle wurden Häftlinge des Konzentrations-
KÖNIGSTEIN
lagers Dachs VII begraben.

lohmen

HERAUSGE BER

AKuBiZ e. V.
Gartenstraße 37
01796 Pirna
Auf dem Friedhof in Lohmen steht ein weiterer Gedenk- www.akubiz.de
stein mit der Aufschrift:
in Kooperation mit
„KZ — Die Toten mahnen — 1944–1945“ der Stadt Pirna
Auch an dieser Stelle liegen die Leichen ehemaliger Büro für Demokratie:
Häftlinge aus Pirna-Zatschke. Telefon 03501 556213

geförtert durch den


Lokalen Aktionsplan

WWW.GEDENKPLAETZE.INFO
In der Zeit vom 10. Januar 1945 bis Mitte April 1945 „Es ist mir bekannt, dass die Arbeitsbedingungen in jenem Nach Aussagen von Häftlingen waren zwei Baracken im
bestand in Pirna Mockethal-Zatzschke ein Außenlager des Steinbruch, wo Stollen in den Felsen gegraben wurden, für den Bau Lager schon fertiggestellt, eine für die Gefangenen, eine
bayrischen Konzentrationslagers Flossenbürg. von Treibstofflagern, wie es hieß, furchtbar waren, und dass die für die Wachmannschaften. Die Häftlinge sollten ein
Gefangenen, die aus Schwäche nicht mehr arbeiten konnten, mit großes Lager für 2.000 Menschen aufbauen (wahr-
Genau wie die anderen Außenlager in der Region Sächsi-
Schlägen getötet wurden. Solche Vorfälle haben sich sicher auch auf scheinlich für weitere Geilenberg-Projekte wie in König-
sche Schweiz, Königstein und Porschdorf, unterstand das
der Strecke zwischen dem Lager und dem Steinbruch ereignet. Ich stein und Porschdorf). Bisher ist noch unklar, wie viele
Lager in Pirna Mockethal-Zatzschke dem Geilenberg-Stab.
selbst habe die Tötung zweier meiner Kameraden miterlebt, die Baracken letztlich hier standen, die Rede ist häufiger von
Edmund Geilenberg sollte die durch Luftangriffe zerstörte
durch Unterernährung völlig entkräftet waren, ein gewisser Andrea 4–5 Baracken. Das Lager war, nach Aussagen späterer
Treibstoffindustrie wieder in Gang bringen. Er war Wehr-
Cerlin und Not, beide aus Görz. Beide wurden durch Hiebe mit einer Verhöre der Wachmannschaften, mit Stacheldrahtzaun
wirtschaftsführer und mit seinen Programmen verantwort-
Spitzhacke getötet.“ umgeben und hatte keine Wachtürme. In genaueren
lich für den Tod von tausenden Gefangenen. Für seine Taten
Aussagen wird übereinstimmend die Lage am Waldrand
wurde er aber nie zur Verantwortung gezogen. Bewacht Über Morde an Häftlingen durch die SS-Leute, die unter der
und an der Bahnlinie genannt.
wurde das Außenlager durch den Kommandoführer und Führung des Lagerkommandanten Erich von Berg standen, und dem
SS-Oberscharführer Erich von Berg sowie durch weitere kriminellen Lagerkapo Popowski, gibt es mehrere Berichte ehemali- Nach den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945
SS-Bewacher. Gegen Berg ermittelte die Staatsanwaltschaft ger Häftlinge. diente das Außenlager Pirna Mockethal-Zatzschke als
Würzburg, die Ermittlungen stellte sie aber 1979 wegen Auffanglager für Häftlinge aus den Flossenbürger Außen-
Auf einem der ersten Transporte befanden sich auch Anneliese
Verjährung ein. lagern in Dresden. Es wurden alle Frauen und die meisten
Mietke, Mathilde Grascha und Hedwig Köhler, die ihre Erinnerungen
Männer aus dem Außenlager in der Schandauer Straße in
Die Häftlinge mussten zum Teil Zwangsarbeit in den im September 1945 in Mockethal zu Protokoll gaben. Sie kamen mit
Dresden für zwei Wochen nach Pirna Mockethal-Zatzschke
Sandsteinstollen in der nahe gelegenen Herrenleite für die mehreren Frauen aus dem KZ Ravensbrück.
gebracht. In der Zeit wurden sie von den übrigen Häftlin-
„Deutsche Gasolin AG“ Berlin leisten. Dort wurde seit
„In den Räumen unserer Baracken befanden gen getrennt.
August 1944 unter den Decknamen
sich weder Betten noch Waschgelegenheiten
Carnallit (HASAG Leipzig) und Rogenstein Am 13. April 1945 sind 131 Häftlinge in Mockethal
sowie Aborte. Auch hier mussten wir, nur mit
von der Organisation Todt unter Ausnut- registriert. 13 Tote sind in den Flossenbürger Nummern-
einer dünnen Decke versehen, auf dem Fußbo-
zung ziviler Zwangsarbeiter Stollensys- büchern vermerkt, Zeugenaussagen sprechen jedoch von
den schlafen. Es wurde auch keine
teme gegraben und noch im selben mindestens 53 Toten. Häftlinge berichten von Erschie-
Rücksicht auf Kranke genommen, auch
Jahr in den Destillationsanlagen ßungen. Sie wurden zur Beisetzung nach Lohmen
für sie beschaffte man weder Stroh
„Ofen 19–22“ Erdöl destilliert. Es gebracht, schreiben die drei Zeitzeuginnen. Und weiter:
noch Bett. Die jüdischen Häftlinge
wurde Erdöl aus dem Wiener
hatten noch nicht einmal eine Decke.“ „Fast jeder Einwohner Pirnas kann sich wohl entsin-
Becken bei Zistersdorf verarbei-
nen, wie wir vor dem Rathaus standen und auf Unter-
tet, das per Bahn in Kesselwagen berichten die drei Frauen.
bringung warten mussten.“
eintraf.
Im Pirnaer Lager interniert waren
Todkranke Gefangene wurden ins Außenlager Leitme-
Bis zum Ende des Krieges zunächst etwa 100 Häftlinge, vor allem
ritz abgeschoben. Mitte April 1945 mussten die Häftlinge
wurden 20 % der Anlage fertig Handwerker. Jeweils 30 Italiener und
zunächst in Richtung Erzgebirge marschieren. Sie wurden
gestellt. Über die Arbeitsbedin- Russen, 14 Polen sowie Angehörige
dann jedoch nach Leitmeritz gebracht und dort etwa drei
gungen in der Herrenleite sagte neun weiterer Nationen. Unter ihnen
Wochen später befreit.
der ehemalige italienische Häft- auch fünf Juden, sie sollten Baracken
ling Sergio R. folgendes aus: für ein größeres Häftlingslager errich- Quellen: Stadtarchiv Pirna
ten und wurden zu Straßenbauarbeiten Gedenkstätte Flossenbürg
gezwungen. Benz/Diestel „Flossenbürg“
C. H. Beck, München 2007

Die Zeitzeugen Salomonovic zu Gast in Pirna.


Im Januar 2010 besuchten die beiden Brüder
das ehemalige Lagergelände und erzählten
über ihre Erlebnisse als Gefangene.