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Grundbegriffe

Definition in der Normung

Der Begriff Netzplantechnik umfasst nach DIN 69900-1 „alle Verfahren zur Analyse, Beschreibung,
Planung, Steuerung und Überwachung von Abläufen auf der Grundlage der Graphentheorie, wobei Zeit,
Kosten, Einsatzmittel bzw. Ressourcen berücksichtigt werden können. Ein Netzplan ist die graphische oder
tabellarische Darstellung von Abläufen und deren Abhängigkeiten“.

Vorgang

Ein Vorgang ist im Rahmen der Netzplantechnik eine abgegrenzte Arbeitseinheit, die zu einem bestimmten
Zeitpunkt begonnen und einem bestimmten späteren Zeitpunkt beendet wird. Allgemeiner ausgedrückt: „Ein
Vorgang ist ein Ablaufelement, welches ein bestimmtes Geschehen beschreibt.“[6]

In der Netzplantechnik wird von „Vorgang“ gesprochen, im Gegensatz zur Terminologie des
Projektmanagements, die die Bezeichnung „Arbeitspaket“ als Planungseinheit bevorzugt.

Vorgänge sind in der Regel Abschnitte des Projektablaufs; beim Ausnahmefall des Wartevorgangs findet
jedoch kein Ablauf statt. Ein Vorgang kann mit anderen Vorgängen verknüpft sein: Beispielsweise müsste
ein Vorgang Socken anziehen beendet sein, bevor ein Vorgang „Schuhe anziehen“ begonnen werden kann.
Auf diese Abhängigkeiten wird weiter unten detailliert eingegangen.

Ein solcher Vorgang besitzt eine wesentliche Eigenschaft, seine Dauer. Aufgabe der Netzplantechnik ist,
unter Berücksichtigung der Dauer der einzelnen Vorgänge und unter Berücksichtigung ihrer Abhängigkeiten
zu ermitteln, wann die jeweiligen Vorgänge stattfinden. Der Rechenprozess beginnt je nach Bedarf entweder
bei den Startvorgängen, und setzt von diesen ausgehend den frühestmöglichen Starttermin der
nachfolgenden Vorgänge fest (Vorwärtsplanung), oder bei den letzten Vorgängen des Netzes (die keinen
Nachfolger mehr haben), und setzt dann die spätesten Fertigstellungstermine der jeweils vorgelagerten
Vorgänge fest (Rückwärtsplanung). Durch Kombination beider Methoden, ausgehend von einem definierten
Start- und einem definierten Endtermin, ergeben sich dadurch für jeden Vorgang neben der Dauer folgende
vier weitere wichtige Eigenschaften:

Frühester Anfangszeitpunkt (FAZ) (aus Vorwärtsplanung)


Frühester Endzeitpunkt (FEZ) (aus Vorwärtsplanung und jeweiliger Dauer)
Spätester Endzeitpunkt (SEZ) (aus Rückwärtsplanung)
Spätester Anfangszeitpunkt (SAZ) (aus Rückwärtsplanung und jeweiliger Dauer)

Termine eines Vorgangs :

: Frühester Anfangszeitpunkt eines Vorgangs

: Frühester Endzeitpunkt eines Vorgangs

: Spätester Endzeitpunkt eines Vorgangs (unter Einhaltung des Projektendtermins)

: Spätester Anfangszeitpunkt eines Vorgangs (unter Einhaltung des


Projektendtermins)
Kantenschlupf

(Kurzform KS) bezeichnet den Spielraum, den eine Anordnungsbeziehung (AOB=Vernetzung nach DIN
69900) zum nachfolgenden Vorgang bezogen auf die Früheste Lage hat.
Aus dem kleinsten Kantenschlupf aller nachfolgenden AOB wird der freie Puffer (Kurzform FP) eines
Vorgangs berechnet.

Standardmäßig werden folgende grafischen Darstellungsformen im Netzplan verwendet:

KS=0 ->> Doppelpfeil = Terminbestimmende AOB = AOB schiebt den Nachfolger


KS>0 -> Einfacher Pfeil = AOB hat Spielraum/Schlupf = AOB geht ins „Leere“
KS<0 ->>> Dreifachpfeil = AOB klemmt um den negativen Wert des Kantenschlupfes
(Zum Beispiel, weil der Nachfolger bereits einen festen Starttermin hat und nicht mehr
verschoben werden kann.)

Darstellung des Kantenschlupfes im Netzplan

Bei Projektmanagement-Software-Produkten, die nach der Metra-Potenzial-Methode rechnen, lassen sich


über den Kantenschlupf die terminbestimmenden Ketten nachverfolgen.

Beispiele:

bei PRIMAVERA wird die terminbestimmende AOB mit * markiert


bei ACOS PM Software wird der Kantenschlupf sogar mit Zahlenwert angezeigt und ist auch
selektierbar

Pufferzeit

Die Pufferzeit ist ein zeitlicher Spielraum für die Ausführung eines Vorganges, so genannte Zeitreserven.
Dieser Spielraum kann durch Verschiebung des Vorganges und/oder durch Verlängerung (Dehnung) der
Vorgangsdauer genutzt werden.

Aus den Angaben mehrerer Vorgaben lassen sich im Netzplan anschließend vier Arten von Pufferzeit
bestimmen:

Der Gesamtpuffer eines Vorgangs ist die Zeitspanne, die ein Vorgang gegenüber seinem
frühesten Beginn (bzw. Dauer) verschoben werden kann, ohne das Projektende zu gefährden

Ein Vorgang ist kritisch, wenn sein Gesamtpuffer gleich 0 ist.