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30. 03.

2020

Bertolt Brecht (1898 – 1956)


• schrieb Gedichte, Erzählungen und Dramen
• ein radikaler Erneuerer des Dramas – entwickelte das epische Theater
Episches Theater
• diese Bezeichnung ist ein Widersruch in sich:
episch = erzählend, alles wird durch einen Erzähler vermittelt (auch
kommentiert)
dramatisch = alles wird auf der Bühne durch Schauspieler präsentiert
(ohne Kommentare)
Brecht stellt alles auf den Kopf. Er verbindet beides.

Warum will Brecht das Theater revolutionieren?


Aristoteles
hat auf folgende Dinge den Akzent gelegt, wenn es um das Theater
geht:
Das Theater soll die Zuschauer berühren. Die Zuschauer sollen sich
einfühlen. Sie sollen mit den Figuren auf der Bühne fühlen.
Sie sollen eine Art moralische Verwandlung erleben.
Brecht
will aber einen kritischen, nachdenklichen Zuschauer. Um das zu
erreichen benutzt er die Mittel der Verfremdung. Er zerstört durch
die Mittel der Verfremdung die oben genannte Einfühlung.

Der Verfremdungseffekt (Sammelbegriff für die Mittel der Verfremdung)


• wird erreicht, indem die Dramenhandlung unterbrochen und
kommentiert wird (zum Beispiel durch Erzähler, Chöre, Lieder, Ton-
und Filmdokumente)
• sorgt dafür, dass der Zuschauer sich nicht mit den
Protagonisten identifiziert, sondern in kritischer Distanz zu dem
Dargestellten steht.

Das epische Theater hat als Ziel die Veränderung des


Einzelnen und der Gesellschaft.

Was sagt Brecht dazu?


B. Brecht, Über eine nichtaristotelische Dramatik
„Der Zuschauer des dramatischen Theaters sagt: Ja, das habe ich auch schon
gefühlt. – So bin ich. – Das ist nur natürlich. – Das wird immer so sein. – Das Leid
dieses Menschen erschüttert mich, weil es keinen Ausweg für ihn gibt. – Das ist
große Kunst: das ist alles selbstverständlich. – Ich weine mit den Weinenden, ich
lache mit den Lachenden.
Der Zuschauer des epischen Theaters sagt: Das hätte ich nicht gedacht. – So darf
man nicht machen. – Das ist höchst auffällig, fast nicht zu glauben. – Das muss
aufhören. – Das Leid dieses Menschen erschüttert mich, weil es doch einen
Ausweg für ihn gäbe. – Das ist große Kunst: da ist nichts selbstverständlich. – Ich
lache über den Weinenden, ich weine über den Lachenden.“
Bertolt Brecht (bzw. Eugen Berthold Friedrich Brecht) wurde 1898 in
Augsburg geboren. Formal studierte er in München Medizin und Philosophie. Er
konzentrierte sich aber viel mehr auf die Vorlesungen zur Gegenwartsliteratur.
1924 zog Brecht nach Berlin um. In Berlin arbeitete er zuerst als
Theaterdramaturg, später als freier Schriftsteller und Regisseur. Von 1926 bis 1930
beschäftigte er sich intensiv mit der Theorie des Marxismus. Mit seiner
Dreigroschenoper (1928) führte er das von ihm konzipierte epische Theater ein.
In diesem Stück geht es um den Konkurrenz- und Existenzkampf zwischen zwei
„Geschäftsleuten“, dem Kopf der Londoner Bettelmafia (Peachum), der Bettler
erpresst und einem Verbrecher (Macheath, genannt Mackie Messer), der gute
Beziehungen zum Polizeichef von London hat.
Brecht wollte mit der Dreigroschenoper die Doppelmoral und die Egozentrik in
der Gesellschaft kritisieren.