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Essay: „Wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein“

(Arthur Schopenhauer):
Um Schopenhauers Zitat vollständig zu verstehen, sollte man zunächst auf Schopenhauer selbst und
seine Philosophie eingehen. Auffällig ist, dass Schopenhauers Verständnis von Ethik zu seiner
Lebenszeit (1788-1860) einzigartig in der westlichen Kultur war und gleichzeitig Parallelen zum
Buddhismus aufweist. Die Grundlage dieser Ethik ist das Mitleid. Durch dieses Mitleid wird eine Art
Barriere zwischen dem „Ich“ und dem „Du“ temporär abgebaut, sodass man mit dem „Du“, also
einem Anderen, mitleidet. Im Buddhismus ist man ähnlicher Überzeugung, dort sagt man, dass alle
Lebewesen miteinander verbunden seien. Des Weiteren erkenne man sich selbst in anderen
Lebewesen, daher auch das Mitleid. Die sogenannte Mitleidsethik bezieht sich dabei nicht nur auf
Menschen, sondern auch auf alle anderen Lebewesen, wie eben Tiere (siehe Zitat).

Wieder zum Zitat: Schopenhauer spricht von Grausamkeit gegen Tiere. Durch die Nutzung dieses
Begriffes wird deutlich, dass er absichtliche Gewalt oder eben Grausamkeit gegenüber Tieren meint.
Dies schließt eine mögliche Frage oder ein Gegenargument direkt aus. Ein derartiges Argument gegen
Schopenhauers sogenannte Tierethik wäre folgende Problematik: Wäre man ein grausamer Mensch,
wenn man ein Tier unabsichtlich verletzt? Nein, weil man nicht absichtlich „grausam“ gehandelt hat.

Ich persönlich vertrete ebenfalls die Meinung, dass das Mitleid essentiell für ethisches Handeln ist,
denn man versetzt sich durch Mitleid in die Lage eines Anderen und handelt somit in seinem Sinne.
Ohne Mitleid gäbe es so wahrscheinlich gar keine Ethik, weil man sich nicht in andere Lebewesen
hineinversetzen könnte und eben nicht ethisch handeln könnte. Jedoch sehe ich die Tierethik, wie sie
in Schopenhauers Zitat beschrieben wird, nicht so extrem wie Andere. Während manche Menschen
aus Gründen der Tierethik beispielsweise vegetarisch oder vegan leben wollen, bin ich der Meinung,
dass das Essen von Tieren unter bestimmten Bedingungen nicht grausam, also ethisch vertretbar, ist.
So wie es bei anderen Tieren auch der Fall ist, ist Fleisch bei den meisten Menschen ein wichtiger
Bestandteil der Ernährung. Eine der oben angesprochenen Bedingungen kann der Verzicht auf
Massentierhaltung und ein möglichst „natürliches“ Leben der Tiere sein; jedoch ist der momentane
Fleischkonsum der Bevölkerung zu hoch um dies zu gewährleisten, denn wenn die Nachfrage an
Fleisch hoch ist, müssen die Produzenten immer effizienter werden und auf Massentierhaltung
zurückgreifen. Deswegen kann es ausreichen, seinen eigenen Fleischkonsum zu verringern, um im
Sinne der Tierethik zu handeln. Eine wichtige Anmerkung ist, dass man laut Schopenhauer auch
grausam handelt, indem man Produkte kauft ,die aus Grausamkeit gegen Tiere entstanden sind.

Eine weitere Kontroverse hinsichtlich der Tierethik sind Versuche an Tieren. Aus ethischer Sicht
dürften wir Menschen den Tieren keinen Schaden zufügen und ihr Leben in diesem Falle nicht durch
Versuche riskieren, da wir mit ihnen gleichgestellt sind (aus Sicht der Tierethik). Diese Gleichstellung
besteht in der Leidensfähigkeit der Tiere, welche auch bei Menschen vorhanden ist. Aus diesem
Grund sollte es eigentlich verboten sein, Versuche an Tieren durchzuführen; und doch kommen
solche vor. Meiner Meinung nach sind Tierversuche in Maßen in Ordnung, da es Notsituationen gibt
in denen solche Versuche extrem hilfreich sind. Man stelle sich beispielsweise folgende Situation
vor: Nach dem Ausbruch einer ansteckenden Krankheit, die sich schnell verbreitet, hat ein Forscher
ein Heilmittel entwickelt, welches jedoch tödliche Nebenwirkungen hat, um die er nicht weiß. Testet
er das Mittel an einem Tier kann der Tod vieler Menschen verhindert werden, während bei den
Versuchen verhältnismäßig wenige Tiere sterben.
Auch wenn es tierethisch nicht richtig ist, bin ich der Meinung, dass in
einigen Situationen, wie die oben genannte, Tierversuche angebracht sind.
Auch aus juristischer Sicht wird das Thema der Tierethik behandelt. Allgemein werden Tiere in der
heutigen Zeit als Wesen mit Gefühlen und dem Streben nach dem eigenen Wohlbefinden angesehen.
Aus diesem Grund steht im Deutschen Tierschutzgesetz (§1) , dass es die Verantwortung des
Menschen sei, das Wohlbefinden des Tieres als Mitgeschöpf zu schützen. Des Weiteren darf Tieren
ohne vernünftigen Grund, kein Schaden zugefügt werden. Auch dadurch werden Dinge wie
Massentierhaltung nicht verhindert, denn vernünftige Gründe sind nicht unbedingt moralische
Gründe.

Nicht nur die Mitleidsethik, sondern auch der Utilitarismus beschäftigt sich mit der Tierethik. So ist
moralisches oder ethisches Handeln nur moralisch, wenn dadurch eine Nutzenmaximierung erzielt
wird. Die beste Handlung ist (nach dem Utilitarismus) also diejenige, die am meisten Lust bzw. am
wenigsten Unlust bei den Beteiligten auslöst. Da auch Tiere Lust und Unlust fühlen können, sind
diese miteinbezogen. Aus diesem Grund ist zum Beispiel das Schlachten von Tieren solange ethisch
vertretbar, solange die Unlust, also das Leiden, der Tiere insgesamt kleiner ist, als die Lust der
Konsumenten. Wenn also der Fleischkonsum pro Person jedoch so hoch ist, dass die Tiere viel mehr
Leid/ Unlust durch ihren Tod (und eventuell nicht zufriedenstellendes Leben) erleiden als der
Konsument Lust erfährt, sollte der Fleischkonsum soweit verringert werden, dass der Konsument
mehr Lust empfindet als das Tier Unlust. Dies ist auch auf Tierversuche übertragbar. So ist es
utilitaristisch richtig Tierversuche durchzuführen, wenn sie vielen Menschen nützen bzw. das Glück
der Menschen, die Unlust des Tieres übersteigt. Der Utilitarismus bezieht demnach keine deutliche
Stellung gegenüber der Tierethik.

Abschließend bin ich noch immer der Meinung, dass die Tierethik viele sinnvolle Überlegungen
beinhaltet, jedoch sehe ich die Thematik nicht so extrem wie andere Menschen. Als
Orientierungshilfe für tierethisch richtige Entscheidungen sehe ich den Utilitarismus und die
Mitleidsethik, welche Schopenhauer thematisiert, als hilfreich zumal die Ethik selbst zum Teil auf
dem Mitleid beruht. Aus den oben genannten Gründen, komme ich zu dem Schluss, dass man es nie
jedem Wesen recht machen kann und deshalb eine Nutzenmaximierung bzw. der Utilitarismus, von
dem auch Tiere profitieren können, sinnvoll ist.