Sie sind auf Seite 1von 4

24/5/2020 Goyazit – Wikipedia

Goyazit
Goyazit, auch als Bowmanit, Hamlinit Goyazit
oder Lusungit bekannt, ist ein Mineral
aus der Mineralklasse der Phosphate,
Arsenate und Vanadate, das an
verschiedenen Fundorten zum Teil
reichlich vorkommen kann, insgesamt
aber wenig verbreitet ist.

Goyazit kristallisiert im trigonalen


Kristallsystem mit der chemischen
Zusammensetzung
SrAl3[(OH)6|PO3OH|PO4][1] und
entwickelt meist durchsichtige Kristalle
von etwa zwei Zentimetern Durchmesser
mit tafeligem, rhomboedrischem oder
pseudokubischem Habitus und glas- bis
harzähnlichem Glanz auf unbeschädigten
Kristallflächen. Spaltflächen weisen Milchweiße Goyazitkristalle aus Rapid Creek, Yukon, Kanada (Sichtfeld: 20
dagegen Perlmuttglanz auf. Des mm)
Weiteren tritt Goyazit auch in Form Allgemeines und Klassifikation
körniger bis massiger Mineral-Aggregate Chemische Formel SrAl3[(OH)6|PO3OH|PO4][1]
auf. Mineralklasse Phosphate, Arsenate, Vanadate
(und ggf. Abteilung)
System-Nr. nach 8.BL.10 (8. Auflage: VII/B.36)
Strunz 42.07.03.03
Inhaltsverzeichnis und nach Dana
Ähnliche Minerale Arsenogoyazit
Besondere Eigenschaften
Kristallographische Daten
Etymologie und Geschichte Kristallsystem trigonal
Klassifikation Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch 32/m[2]

Bildung und Fundorte Raumgruppe (Nr.) R3m[1] (Nr. 166)


Gitterparameter a = 7,02 Å; c = 16,50 Å[1]
Kristallstruktur
Formeleinheiten Z = 3[1]
Verwendung
Physikalische Eigenschaften
Siehe auch Mohshärte 4,5 bis 5
Einzelnachweise Dichte (g/cm3) gemessen: 3,26; berechnet: 3,29[3]
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}
Weblinks
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß, rosa, violett,
zitronengelb, braun, grau, orange
Besondere Strichfarbe weiß
Eigenschaften Transparenz durchsichtig
Glanz Glasglanz bis Harzglanz,
Perlmuttglanz auf Spaltflächen
Reiner Goyazit ist farblos oder durch
Kristalloptik
Gitterbaufehler bzw. bei vielkristalliner
Brechungsindizes nω = 1,620
Ausbildung weiß. Durch
Fremdbeimengungen kann er aber auch nε = 1,630[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Goyazit 1/4
24/5/2020 Goyazit – Wikipedia

eine Doppelbrechung δ = 0,010[4]


Optischer Charakter einachsig positiv
Pleochroismus schwach in dicken Körnern: ω =
hellrosa; ε = gelblich, grünlich

graue, rosa bis violette, zitronengelbe, orange oder braune Farbe


annehmen. Die Strichfarbe ist jedoch immer weiß.

Etymologie und Geschichte


Goyazit wurde erstmals bei Diamantina im brasilianischen
Perfekt ausgebildeter, Bundesstaat Minas Gerais entdeckt. Analysiert und beschrieben
pseudokubischer und zitronengelber wurde das Mineral 1884 von Augustin Alexis Damour, der es
Goyazit aus Ilfeld im Thüringer Harz nach der benachbarten, für ihre diamanthaltigen Flusssande
(Sichtfeld: 0,4 mm) bekannte Provinz Goiás (ehemals Goyaz) benannte.[5]

Klassifikation
In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach
Strunz gehörte der Goyazit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur
Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit
Arsenocrandallit, Arsenoflorencit-(La), Arsenoflorencit-(Ce), Arsenoflorencit-(Nd), Arsenogorceixit,
Arsenogoyazit, Arsenowaylandit, Benauit, Crandallit, Dussertit, Eylettersit, Florencit-(La), Florencit-
(Ce), Florencit-(Nd), Gorceixit, Graulichit-(Ce), Kintoreit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit,
Springcreekit, Waylandit, Zaïrit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9.
Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Goyazit ebenfalls in die Klasse der
„Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen
Anionen; ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach der Größe der
beteiligten Kationen und dem Verhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw.
Vanadatkomplex RO4, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der
Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 3 : 1“ zu finden ist, wo es
zusammen mit Arsenocrandallit, Arsenoflorencit-(Ce), Arsenogorceixit, Arsenogoyazit, Benauit,
Crandallit, Dussertit, Eylettersit, Florencit-(Ce), Florencit-(La), Florencit-(Nd), Gorceixit, Graulichit-
(Ce), Pattersonit, Kintoreit, Philipsbornit, Plumbogummit, Segnitit, Springcreekit, Waylandit und
Zaïrit sowie den bisher nicht durch die IMA bestätigten Minerale Arsenoflorencit-(La),
Arsenoflorencit-(Nd) und Arsenowaylandit die unbenannte Gruppe 8.BL.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana
ordnet den Goyazit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ ein, dort allerdings in die
Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er zusammen
mit Crandallit, Gorceixit, Lusungit, Plumbogummit, Kintoreit, Benauit und Springcreekit in der
„Crandallitgruppe“ mit der System-Nr. 42.07.03 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserhaltigen
Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)3Zq × x(H2O)“ zu finden.

Bildung und Fundorte


Goyazit bildet sich in hydrothermal argillitisierten Verwitterungszonen (argillic alteration)
granitischen Pegmatiten, das heißt in dieser Zone wurden verschiedene Minerale in Tonminerale
umgewandelt[6]. Ebenso findet sich das Mineral aber auch in kaolinitisierten Lehmböden ehemaliger
vulkanische Tuffe und Karbonatite. Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Apatite, Baryt,

https://de.wikipedia.org/wiki/Goyazit 2/4
24/5/2020 Goyazit – Wikipedia

Diamant, Herderit, Kaolinit, Monazit, Pyrit, Quarz und


Sphalerit.[3]

Insgesamt konnte Goyazit bisher (Stand: 2011) an rund 120


Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität
Diamatina trat das Mineral in Brasilien noch an mehreren Stellen
des Jequitinhonha-Tals und bei Barreiro in Minas Gerais, in den
Karbonatiten von Goyaz sowie in den Gemeinden Viseu (Pará)
und Frei Martinho (Paraíba) auf.
Goyazit und Siderit (dunkelgrau)
In Deutschland fand sich Goyazit unter anderem in der Grube
aus Rapid Creek, Yukon, Kanada
Clara in Baden-Württemberg; am Rotenfels, bei Leupoldsdorf
und am Großen Waldstein im Fichtelgebirge und bei Hagendorf-
Waidhaus in der Oberpfalz in Bayern sowie an den
Greifensteinen und bei Sadisdorf in Thüringen.

In Österreich wurde das Mineral bisher am Katschberg zwischen Kärnten und Salzburg sowie an
mehreren Stellen der Fischbacher Alpen und am Galgenberg bei Leoben in der Steiermark gefunden
und in der Schweiz trat es bisher nur in den Kantonen Graubünden und Wallis auf.

Weitere Fundorte sind Australien, Bolivien, Burundi, China, Frankreich, Italien, Japan, Kanada,
Kasachstan, Kenia, Madagaskar, Malawi, Namibia, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Spanien,
Südafrika, Tschechien, Tunesien, Ukraine, Usbekistan und die Vereinigten Staaten von Amerika
(USA).

Kristallstruktur
Goyazit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166) mit den
Gitterparametern a = 7,02 Å und c = 16,50 Å sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Verwendung
Goyazit hat außer als Mineralprobe keine wirtschaftliche Bedeutung.

Siehe auch
Liste der Minerale

Einzelnachweise
1. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche
Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 462.
2. Webmineral – Goyazite (http://webmineral.com/data/Goyazite.shtml) (englisch)
3. Handbook of Mineralogy – Goyazite (http://www.handbookofmineralogy.org/pdfs/goyazite.pdf)
(englisch, PDF 63,9 kB)
4. Goyazite bei mindat.org (engl.) (https://www.mindat.org/min-1787.html)
5. A. Damour (1884): Note sur un nouveau phosphate d'alumine et de chaux, des terrains
diamantifères, in: BULLETIN DE LA SOCIETE MINERALOGIOUE DE FRANCE, Paris, 7, S.
204–205 (http://rruff.info/uploads/Bulletin_de_la_Societe_francaise_7_1884_204.pdf)
(französisch, PDF 147,8 kB)
6. Definition von argillic alteration (http://www.answers.com/topic/argillic-alteration)

https://de.wikipedia.org/wiki/Goyazit 3/4
24/5/2020 Goyazit – Wikipedia

Weblinks
Commons: Goyazite (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Goyazite?usel
ang=de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Mineralienatlas:Goyazit (Wiki)

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Goyazit&oldid=189781258“

Diese Seite wurde zuletzt am 22. Juni 2019 um 22:02 Uhr bearbeitet.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und
zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser
abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser
Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.

https://de.wikipedia.org/wiki/Goyazit 4/4