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Maria Fernanda Tapia Quito, Ecuador 2017

Aurora: Stilistische Analyse von Musikelementen und sephardischen Stimmressourcen in vier Themen des
Albums Aurora (2009) von Avishai Cohen, angewandt in zwei eigenen Kompositionen und gespielt in einem
Abschlusskonzert an der Universidad de las Américas - Ecuador.

Avishai Cohen, israelischer Kontrabassist und Komponist, veröffentlichte 2009 sein elftes Album,
Aurora, in dem er sich mit seinem kulturellen Erbe auseinandersetzte und traditionelle sephardische Lieder
spielt. Die Sephardim sind eine jüdische Gruppe, die eine starke Verbindung zur iberischen Kultur haben, weil
sie sich in Spanien, bis zu ihrer Vertreibung im Jahre 1492, niedergelassen hatten.
Um den sephardischen Einfluss in Aurora nachzuweisen, wurden vier Lieder des Albums in diesem
Werk analysiert. Durch die Analyse ließen sich für die sephardische Musik charakteristische Elemente in den
Liedern identifizieren, und die identifizierten Elemente wurden für zwei eigene musikalische Werke adaptiert.
Als erstes wurde der historische, kulturelle und soziale Kontext der Sephardim, der musikalische
Hintergrund ihrer Musiktraditionen und kurze biographische Informationen über Cohen und das Album
beleuchtet. Danach wurden ausgewählte Lieder des Albums transkribiert und die erwähnten Transkriptionen
wurden analysiert, basierend auf die vorher aufgefundene Information zu der Sephardim und ihrer Musik.
Nach der Analyse wurde die Kompositionarbeit ausgeführt. Inspiriert durch das Ergebnis der Analyse
wurden die identifizierten Elemente in zwei eigene Liedern benutzt. Schließlich wurden die Lieder von einem
musikalischen Ensemble, bestehend aus Gesang, Klavier, Kontrabass, Inuk, Schlagzeug und Darbuka, adaptiert
und interpretiert.
Nach der gemeinsamen Arbeit kam ich zu dem Ergebnis, dass sich in „Aurora“ sephardische Einflüsse
nachweisen lassen. Der erwähnte Einfluss ist aber nicht stärker als andere Einflüsse aus anderen Traditionen
(wie die türkischen oder aschkenasischen Tradition). Das bedeutet, Aurora konzentriert sich nicht
ausschließlich auf die sephardische Musik, sondern es wurde von mehreren Quellen beeinflusst.
Im Folgenden wird anhand eines Beispiels vorgeführt, wie bei der Analyse vorgegangen wurde:

Transkription 3
Titel Alon Basela (4’05’’) Autor Avishai Cohen

Rhythmische Variable und musikalische Form


Tempo 135 (Anfangstempo) – 145 (Endtempo) bpm
Taktart 12/8
Tempoänderungen Accelerando im Laufe des Werkes vorhanden

Bass: der Grundschlag wird markiert.


Rythmische Muster

Percussion: der Grundschlag wird markiert.


Oud: Unterteilung wird markiert
Intro: Bass und Oud. Die Percussion spielt „fills“.
A1: Oud und Gesang.
B1: Oud, Bass und Percussion. Das Klavier spielt die Melodie.
2
A : Rhythmussektion. Die Melodie wird von der Stimme gesungen. Eine zweite
weibliche Stimme harmoniert die Melodie eine Quinte aufwärts.
1
C : Oud, Bass und Percussion.Die Flöte spielt die Melodie.
3
A : Rhythmussektion. Die Melodie wird von der Stimme gesungen, und von einer
männlichen Stimme, die eine Quinte höher singt, und einer weiblichen Stimme, die
eine Oktave höher singt, harmoniert.
C2: Oud, Bass und Percussion. Flöte und menschlische Stimme spielen die Melodie.
D: Oud, Bass und Percussion.Das Flügelhorn spielt die Melodie.
F (solo): Percussions Improvisation.
G: „Stop-time“ stück von Rhythmussektion gespielt, während die Percussion
improvisiert (Bild). Beginnend mit Percussion und allmählich Klavier, Bass und Oud
Musikalische Form
machen mit.

1
B : Reprise
A4: Rhythmussektion. Die Melodie wird von der Stimme gesungen und von einer
männlichen Stimme, die eine Quinte höher singt, und einer weiblichen Stimme, die
eine Oktave höher singt, harmoniert. Rhythmussektion beendet das Lied mit einem
„Kick“ (Bild).

harmonische und melodische Variablen


Tonalität d Moll
D Dorisch: dorische Sexte(H)

Modus und
Tonleiter

Rot: dorische Sexte (H) in Melodie und Harmonie.


Akkordfolge Im IIm bIII IV Vm (IIIm/ bVII)
Dm Em F | G Am (Em/ C)*

Rot: dorische Sexte (H) *)harmonische Variation


Bogenkontur: Die Melodie steigt an und ab, wodurch eine Bogenform gezeichnet wird.

Melodiekontur
Aufsteigende Kontur: die Melodie steigt ständig an.

*Blau: Quinte (D/A)


Harmonisierung
*Grün: Oktave (F/F8va)
der Melodie
*Orange: Terz (A/C)
Silbische Melodie: in den meisten Phrasen gehört zu jeder Note eine Silbe des Songtextes.
Beziehung
Meistens wird der Grundschlag von der Melodie markiert.
zwischen
Melodie und
Songtext

Antizipation: A (Grundton) und E (Quinte) sind die Noten des nächsten Akkordes. Diese
werden gesungen, während ein anderer Akkord (G) gespielt wird.

Tonartfremde
Töne

Die meisten Noten der Melodie gehören zu den jeweiligen Akkorden. Es gibt sehr wenige
Noten, die nicht zur Harmonie gehören.

Variablen des Gesangs und Instrumentierung


Glissando: leichtes und kleines Glissando am Ende der mit Bogenkontur schließenden Phrasen.

Vibrato: leichtes Vibrato am Ende der Phrasen, die mit einer punktierten Halben schließen.

Verzierung des
Gesangsstückes
Appoggiatura: eine absteigend Appoggiatura wird vor der Schlussnote der Phrase gesungen.

Gesangston: ständige Benutzung des Bruststimmregisters. Offener, klarer Ton.


Gesang (3 Stimmen), Klavier, Kontrabass, Oud, Percussions (Darbuka, Becken, Zimbel),
Instrumentierung
Flügelhorn und Flöte