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Saratow

Stadt in Russland

Saratow (russisch Саратов, Aussprache?/i)


ist eine Stadt in der gleichnamigen russischen
Oblast. Sie hat 837.900 Einwohner (Stand
14. Oktober 2010)[1] und liegt am rechten,
sogenannten „Bergufer“ der mittleren Wolga.
Saratow ist ein wichtiges Kultur- und
Wirtschaftszentrum sowie Universitätsstadt
und bildet zusammen mit dem auf der anderen
Seite der Wolga gelegenen Engels eine
Agglomeration mit rund 1,2 Millionen
Einwohnern.[2]

Stadt
Saratow
Саратов

Flagge Wappen

Föderationskreis Wolga

Oblast Saratow

Stadtkreis Saratow

Bürgermeister Michail Isaev

Gegründet 1590

Stadt seit 1590

Fläche 378 km²

Bevölkerung 837.900 Einwohner


(Stand: 14. Okt. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte 2217 Einwohner/km²

Höhe des Zentrums 50 m

Zeitzone UTC+4

Telefonvorwahl (+7) 8452

Postleitzahl 410000–410086

Kfz-Kennzeichen 64, 164

OKATO 63 401

Website www.saratovmer.ru

Geographische Lage

Koordinaten 51° 32′ N, 46° 0′ O

Lage im Westteil Russlands

Lage in der Oblast Saratow

Liste der Städte in Russland

Geographie

Geschichte

Saratow wurde 1590 als Zarenfestung


gegründet. Vorher war die Stadt „Hauptstadt“
der Goldenen Horde, des mongolischen
Teilreichs in Osteuropa und Westsibirien. Einige
Historiker vermuten, dass der Name der Stadt
aus dem Tatarischen stammt und so viel wie
„Gelber Berg“ bedeutet.

Nach einem Ukas des Zaren Fjodor


Iwanowitsch begann im Jahre 1590 an der
Wolga der Bau einer Bewachungsfestung,
nachdem an der Wolga bereits 1586 Samara
und 1589 Zarizyn gegründet wurden. Diese
Festung sollte die Steppengebiete des
Zarentum Russland an der Wolga schützen
und die Überfälle der Reitervölker aus den
Nachbargebieten eindämmen. Ebenso
wichtig war die Sicherung des Wasserweges
von Kasan nach Astrachan, der hier verlief.
Die Festung wurde unter der Leitung des
Heerführers Grigori Sassekin errichtet.
Saratow war dabei nicht mehr nur wichtiger
Militärstützpunkt, sondern auch großes
Handelszentrum als Umschlagplatz des
russischen Handels mit dem Orient
geworden.

Von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts


und bis zu den Deportationen im
Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg
lebten in Saratow zahlreiche Wolgadeutsche,
deren Tätigkeit auch in der Architektur der
Stadt Spuren hinterlassen hat. Sie kamen
überwiegend aus Bayern, Baden, Hessen, der
Pfalz und dem Rheinland und folgten in den
Jahren 1763 bis 1767 der Einladung der
deutschstämmigen Zarin Katharina II. Nach
dem Überfall des „Dritten Reiches“ auf die
Sowjetunion im Juni 1941 ließ Josef Stalin das
Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR
am 28. August 1941 den Erlass „Über die
Umsiedlung der im Wolgagebiet ansässigen
Deutschen“ beschließen. Die Wolgadeutschen
wurden der kollektiven Kollaboration
beschuldigt, nach Sibirien und Zentralasien
deportiert und dort in Arbeitslager der
„Arbeitsarmee“ (Трудармия) gezwungen,
wobei Tausende starben.

Während ihrer Blütezeit im 19. Jahrhundert


gehörte die Stadt zu den größten des
Russischen Reiches.

Adam Olearius: Moskowitische und


Persianische Reise (1647), Vierter
Teil, 6. Kapitel, Beschreibung des
Aufenthalts der schleswig-
holsteinischen Gesandtschaft in
Kasan

Bezogen auf die 1630er Jahre gibt es über


Saratow schriftliche Zeugnisse aus einer
Reisebeschreibung in deutscher Sprache, die
auch eine Abbildung der Stadt[3] enthält.[4]

Die Stadt im Jahr 1916

Die Moskauer Straße

Im Herbst 1856 wurde in Saratow ein


Priesterseminar und 1857 ein Knabenseminar
gegründet, das als Vorbereitungsschule für das
Priesterseminar dienen sollte. Im
Knabenseminar waren jährlich 25 Plätze für
Kolonistenkinder reserviert; dabei wurden
Waisen und Söhne aus armen Familien
bevorzugt. Von den Absolventen des
Knabenseminars besuchten nur etwa 20 % das
Priesterseminar, die überwiegende Mehrheit
ging als Lehrer in die Kolonien.[5] Vier
Absolventen des Saratower Priesterseminars,
Anton Johannes von Padua Zerr (1849 bis
1932), Dr. Josef Aloisius Keßler (1862 bis
1933), Dr. Alexander Frison (1873 bis 1937)
und Dr. Markus Glaser (1880 bis 1950) wurden
Diözesanbischöfe.

Im Ersten Weltkrieg war Saratow im Januar


1915 Zielort für Deportationskonvois von
Deutschen, Juden, Ungarn, Österreichern und
Slawen, die in den westlichen, frontnahen
Gebieten des Reiches als mögliche Gefahr
eingestuft wurden.[6]

Nach der Auflösung des Gouvernements


Saratow 1928 war Saratow in der Russischen
SFSR zunächst Zentrum der Oblast Untere
Wolga, aus der bereits im selben Jahr der bis
1934 bestehende Krai Untere Wolga wurde.
1932 wurde das Krai-Zentrum nach Stalingrad
verlegt. 1934 wurde der Krai Saratov gebildet
und schließlich 1936 die bis heute bestehende
Oblast Saratow.

Der erste Mensch im Weltall Juri Gagarin


studierte an der Technischen Universität in
Saratow und landete nach seinem legendären
Flug 1961 auch in der Oblast Saratow.

Bevölkerungsentwicklung

Pokrowskaja-Kirche

Jahr Einwohner

1897 137.147

1939 372.002

1959 584.092

1970 757.330

1979 855.702

1989 904.643

2002 873.055

2010 837.900

2014 840 785

2016 843.460

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Sehenswürdigkeiten

Saratow ist ein bedeutendes Kulturzentrum an


der Wolga. Die gesamte Altstadt ist sehr
malerisch und hier gibt es zahlreiche prächtige
Gebäudeensembles aus vielen Jahrhunderten,
so etwa in der ehemaligen Deutschen Straße,
heute Uliza Nemezkaja, jetzt Kirow-Prospekt
genannt. Auf dem Kirow-Prospekt, heute eine
reine Fußgängerzone, oder auf der Promenade
am Wolgaufer flanieren Touristen und
Einheimische. Prächtige Beispiele des
Jugendstils sind in Saratow allerorts zu finden
wie etwa die Villa Reinike von Fjodor Schechtel,
die er 1912 errichtete. Eine besonders
sehenswerte Kirche ist die Anfang des 20.
Jahrhunderts erbaute Kirche der
Gottesmutter-Ikone ''Lindere mein Leid''.
Lohnend ist eine Autofahrt über die drei
Kilometer lange alte Wolgabrücke, die das
Zentrum von Saratow mit der am
gegenüberliegenden Wolgaufer liegenden
Stadt Engels verbindet.

Brücke von Saratow über die Wolga

Radischtschew-Kunstmuseum

→ Hauptartikel: Radischtschew-Kunstmuseum

Radischtschew-Kunstmuseum

Eine der größten Touristenattraktionen der


Stadt ist das am 29. Juli 1885 eröffnete
Radischtschew-Kunstmuseum mit über 16.000
Exponaten. Es wurde von Alexei Bogoljubow
(1824–1896), dem Enkel von Alexander
Radischtschew, gegründet. Es ist eines der
größten Museen der Welt für russische Kunst.

Saratower Völkerkundemuseum

Das 1886 gegründete Museum mit einer


großen archäologischen Sammlung befindet
sich in einem prächtigen klassizistischen
Gebäude.

Saratower Oper

Die Saratower Oper wurde 1803 gegründet,


nicht nur wegen der prächtigen Architektur ist
sie einzigartig und genießt schon lange
internationalen Ruhm.

Drama-Theater Saratow

Das Saratower Dramatische Theater ist eins


der ältesten Theater Russlands. Gegründet
1803, kann es auf eine über 200-jährige
Geschichte zurückblicken.

Wirtschaft

Verkehr

Kultur und Bildung

Kultur

Saratower Oper

Saratow gilt im Wolgaraum als Stadt der Kultur,


zum einen wegen der langen und bedeutenden
Tradition der Stadt, zum anderen natürlich
wegen der umfangreichen Kunstsammlung, die
mit 16.000 Exponaten und mit Werken alter
Meister von globaler Bedeutung ist. Daneben
gibt es aber auch zahlreiche Theater, Kinos
und weitere große Kultur- und
Vergnügungsstätten. Zum Kulturaustausch gibt
es in der Stadt eine Vertretung des Goethe-
Instituts und ein Deutsches Haus. In Saratow
gibt es eine Oper, die schon längst über die
russischen Grenzen hinaus von sich reden
macht.

Religion

Christentum

Russisch-orthodoxe Kirche

Die russisch-orthodoxe Kathedrale


der Heiligen Dreifaltigkeit

1906 wurde die orthodoxe Kirche der


Gottesmutter-Ikone „Lindere mein Leid“
errichtet.

Römisch-katholische Kirche

In Saratow entstand am 11. Februar 2002 aus


der „Römisch-katholischen Administratur für
die Katholiken des lateinischen Ritus im Süden
des europäischen Russlands“ das katholische
Bistum St. Clemens. 2004 wurde das Bistum
staatlich anerkannt und ist dadurch eine Art
„eingetragener Verein“.[7] Die Bischofskirche
ist St. Peter und Paul.

Evangelisch-lutherische Kirche

Im Jahre 2018 waren es 225 Jahre her, seit in


Saratow die evangelisch-lutherische St.-
Marien-Kirche eingeweiht worden war. Sie lag
direkt im Stadtzentrum und wurde 1971 durch
Sprengung zerstört. Die Gemeinde
versammelte sich danach an verschiedenen
Orten und begann im Jahre 2008 mit dem Bau
einer neuen Kirche[8]. Es entstand ein
Gebäude, das über 200 Personen fassen kann
und über zahlreiche kleine und große Räume
verfügt. Am 13. Mai 2018 fand die Einweihung
der neuen St.-Marien-Kirche statt. An dem
Festgottesdienst beteiligte sich auch der
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland,
Rüdiger von Fritsch, der – als ordinierter
lutherischer Prediger – die Festpredigt hielt.

Bildung

Weiterführende Bildungseinrichtungen in
Saratow sind:

Staatliche Universität Saratow


(Tschernyschewski-Universität)

Baukolleg Saratow

Saratower Hochschule des


Innenministeriums Russlands

Saratower Militärinstitut für biologischen,


chemischen und Strahlenschutz

Saratower Militärisches Medizininstitut

Saratower Staatliche Agrotechnische


Universität

Saratower Staatliche Akademie für


Veterinärmedizin und Biotechnologie

Saratower Staatliche Medizinuniversität

Saratower Staatliche Rechtsakademie

Saratower Staatliche Wawilow-


Agraruniversität

Saratower Staatliche Sozialökonomische


Universität

Saratower Staatliche Technische Universität

Saratower Staatliches Konservatorium

Saratower Staatliches Pädagogisches Fedin-


Institut

Stolypin-Akademie des Wolgagebietes für


den Staatsdienst

Fakultät der Russischen Staatlichen


Öffentlichen Technischen Universität für
Verkehrswesen

Filiale der Militärischen Artillerieuniversität

Filiale der Russischen Staatlichen Universität


für Handel und Wirtschaft Moskau

Filiale der Russischen Akademie für Recht


des Wolgagebiets

Die Saratower Theaterschule ist weit über die


Grenzen Russlands hinaus bekannt. Hier
wurden viele bekannte Schauspieler
ausgebildet.

Sport

Zu den bekanntesten Sportvereinen der Stadt


gehört der Eishockey-Club HK Kristall Saratow,
der am Spielbetrieb Wysschaja Hockey-Liga
(WHL) teilnimmt. Seine Heimspielstätte ist die
1969 eröffnete Mehrzweckhalle Sport Palast
Kristall, die knapp 5.000 Zuschauerplätze hat
und außer für Eishockeyspiele auch für
Veranstaltungen in diversen Hallensportarten
sowie für Konzerte und Ausstellungen genutzt
wird. Die Halle wird ebenfalls Basketballklub BK
Awtodor Saratow genutzt, der in der VTB
United League spielt.

Im Fußball ist bzw. war die Stadt durch den


Verein PFK Sokol Saratow vertreten, der für
mehrere Saisons in der höchsten russischen
Klasse, der Premjer-Liga, spielte, gegenwärtig
jedoch zwischen dem eine Klasse tieferen
Perwenstwo FNL und dem drittklassigen
Perwenstwo PFL pendelt. Die Stadt besitzt mit
dem 1962 eröffneten und bis zu 15.000
Zuschauer fassenden Lokomotiv-Stadion eine
eigene Spielstätte.

Kriegsgefangenenlager des
Zweiten Weltkrieges

Söhne und Töchter der


Stadt

Weblinks

Einzelnachweise

Zuletzt bearbeitet vor 2 Monaten von Aka

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