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Erhebung Galliens unter Vercingetorix hat Aquitanien nicht direkten


Anteil genommen. Aber nicht nur bei kriegerischen Unternehmungen
in der ersten Zeit römischer Herrschaft in Gallien, sondern auch in
Verwaltungsangelegenheiten betonen die Aquitani ihre Sonderstellung.
Bei der Neuorganisation Galliens durch Augustus verlangen die
Aquitani Scheidung von den stammfremden Galliern.? Die Angabe
des griechischen Geographen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. wird
auch durch die Untersuchungen moderner Forscher über die Sprache

ist
des linksgaronnischen Gebietes gestützt: sie nach Schuchardt
“eine etwas abseitsstehende iberische Mundart'.8
Darf man demnach das Vorhandensein starker iberischer Ele
Aquitanien als sicher ansehen,

so
sind andere, die ethno
in

mente
graphische Frage betreffende Probleme noch ungelöst. Welche Rassen
und Völker haben sich mit den Iberern den Aquitanern gemischt?

in
Die Meinungen der Forscher gehen diesem Punkte auseinander.

in
Otto Hirschfeld,“ Camille Jullian und Schulten glauben

in
5

6
Aquitanien eine wenn nicht gar ligurische,

so
doch mit starken

zu
ligurischen Bestandteilen durchsetzte Urbevölkerung erkennen, eine
Ansicht, die Hugo Schuchardt energisch bekämpft. Den Glauben
7

Keltisierung der Iberer Galliens, den Lu


an

eine durchgreifende
chaire” vertritt, lehnt Hirschfeld entschieden ab. Die Nicht
9

keltisierung Aquitaniens fällt nach Heinrich Zimmer auch bei

10
der Beurteilung der aquitanischen Sprache ins Gewicht. Während
im

nämlich übrigen Gallien zur Zeit der Romanisierung das Latein


eine bereits durch arische Denkformen hindurchgepreßt' gewesene
Sprache vorfand, handelte Aquitanien um die direkte Über
in
es

sich
tragung des Lateins auf die Urbevölkerung, ergaben sich
es

und
keltischen Gallien, die sich
im

andere sprachliche Erscheinungen als

im
dank der besonderen Entwicklung und der abgeschlossenen Lage
Gebiet links der Garonne erhielten.
Eine andere Frage, deren Beantwortung gerade für die Erklärung
der aquitanisch-südwestlanguedokischen Sprachgrenze von großer Be
deutung wäre, deren Lösung aber noch nicht gelungen ist, bleibt
aufzuwerfen. Waren die Iberer Gallien von jeher auf das Gebiet
in

links der Garonne beschränkt, wo Cäsar sie vorfand? Könnte dem

Hirschfeld, loc. cit. 214.


Desjardins, Géographie Gaule romaine III, 164.
de
la
*

Mitteilungen der anthropologischen Gesellschaft Wien, 1915, Bd. XLV,


in
*

Schuchardt steht mit seiner Ansicht auf seiten Luchaires, der


S.

den
in

117.
Origines die connexion intime der aquitanischen Sprache zur Zeit Cäsars
71
S.

un

mit der der spanischen Iberer fait incontestable nennt.


Gaule II, 12.
de
S.

Kleine Schriften 228. Histoire


la
5
*

Numantia Die Keltiberer und ihre Kriege mit Rom, München 1914,
S.

84.
I.
*

Mitteilungen der anthropolog. Gesellschaft 1915,


ff.
S.

112
"

Idiomes Pyrénéens, Paris 1879,


S.

96.
*

Loc. cit. 232, vgl. auch Allmer, Revue épigraphique


du

à de

midi
la

France
II, 1884–89,
*

...

l'Aquitaine
S.

195 restée entièrement fermée l'élément


.
.
.

celtique'.
Zimmer, Der Gascogner Virgilius Marogrammaticus Irland; Sitzungs
in
9

berichte der Akademie, Berlin 1910, 1074


f.