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Gunda Brentano (1780-1863)

und Friedrich earl von Savigny


(1779-1861)
Romantik und Recht
Barbara Dölemeyer

Von Folianten rings umgeben


Sitzt der stolzeJacopone;
Hochgeehrt von den Klienten
Ist derjunge weise Doktor.
So zeichnet Clemens Brentano in seinen Romanzen vom Rosenkranz l
ein einfühlsames Bild seines Freundes und Schwagers Friedrich Carl von
Savigny voll historischer Anspielungen.
"Romantik und Recht", Idealismus und Recht,2 "Ideal wird, was Natur
war"3 - wenn wir den wechselseitigen Einflüssen nachspüren wollen, die
der Jurist Savigny im Brentano-Kreis und in seiner Beziehung zu Gunda
empfing und ausübte, soll neben biographischen Bezügen vor allem der
kulturhistorische und philosophische Hintergrund betrachtet werden.

1 Romanze XI, Z. 1-96, in: Frühwald/Gajek/Kemp (Hrsg.), Clemens Brentano,


Werke 1, 2. Aufl., 1978, S. 794 ff.; Hans Kiefner, Friedrich Carl von Savigny (I),
in: Ders., Ideal wird, was Natur war: Abhandlungen zur Privatrechtsgeschichte
des späten 18. und des 19. Jh., Goldbach 1997, S. 173 ff., hier S. 234. Die Zu-
eignung des Herausgebers Christian Brentano spricht es aus: "In eurem gastlich
lieben Hause ward / Begonnen einst die wundersame Dichtung, / und zu dem
edlen Bilde Jacopones, / Des hellen Sterns am Himmel der Juristen, / hat manchen
schönen Zug, mein Savigny, / von dir der Bruder liebevoll entnommen." Vgl.
Adolf StolI, Friedrich Kar! von Savigny. Ein Bild seines Lebens mit einer Sammlung
seiner Briefe, I-III, Berlin 1927 ff. I: Der junge Savigny. Kinderjahre, Marburger
und Landshuter Zeit Friedrich Karl von Savignys. Zugleich ein Beitrag zur
Geschichte der Romantik, S. 177.
2 Joachim Rückert, Idealismus, Jurisprudenz und Politik bei Friedrich Carl von
Savigny, Ebelsbach 1984.
3 Vgl. die Ausführungen zum Hölderlin-Zitat Savignys bei Hans Kiefner, Ideal wird,
was Natur war, in: Ders., Ideal wird, was Natur war. Abhandlungen zur
Privatrechtsgeschichte des späten 18. und des 19. Jh., Goldbach 1997, S. 137 ff.;
dazu Rückert, Idealismus (Anm. 2), S. 141 ff.; S. 254 ff.

B. Heidenreich (ed.), Geist und Macht: Die Brentanos


© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000
160 Barbara Dölemeyer

Die Frage, ob, wie und in wie weit Savignys juristisches Werk durch
diesen Romantikerkreis beeinflußt war, ist in der Literatur sehr häufig -
und kontrovers - erörtert worden, wobei die Beurteilungen seitens der
Juristen, speziell der Rechtshistoriker, anders akzentuiert sind als die, die
ihn in die allgemeine Geistesgeschichte einzuordnen suchen. 4 Es sei hier
nur versucht, diesen Teilaspekt seines Lebens und Denkens schlaglichtar-
tig zu beleuchten. Über Gunda Brentano-Savigny ist eigentlich weniges
bekannt und geschrieben worden. Der Germanistik war offenbar dieses
Mitglied der berühmten Familie keine nähere Nachforschung wert.
Etliche ihrer Briefe sind zwar in Editionen zugänglich und es finden sich
einige Informationen in allgemeinen Arbeiten zur Familie Brentano und
zum "Romantikerkreis". Briefe wurden in diesem Familien- und Freun-
deskreis in großer Zahl ausgetauscht, und wenn hier der Versuch
unternommen wird, den privaten Bezügen nachzugehen, ist es vor allem
die Korrespondenz, auf die man sich stützen kann. Die Briefe waren ja im
allgemeinen auch dazu bestimmt, im Freundeskreis vorgelesen zu
werden, Abschriften und Zitate aus Briefen wurden weiter versandt; man
nutzte die Korrespondenz auch zum Informationsaustausch im größeren
Kreis. Zur Beziehung zwischen Friedrich earl von Savigny und Gunda
Brentano hat Ingeborg Schnack in ihrer Einleitung zur Ausgabe des
Briefwechsels zwischen Savigny und Stephan August Winkelmann, in der
sich auch Briefe Gundas befinden, einiges beigetragen. 5 Die Freunde
monierten an Savignys Korrespondenz die "Briefkürze, die immer das
Beste vergißt, um das Nothwendigste zu sagen ... " - wie Achim von Arnim
an die Brüder Grimm schreibt. 6
Zunächst seien I. einige kurze Hinweise zur Herkunft und Familie
Savignys und Gundas, zu ihrem Zusammentreffen und ihrem späteren
Leben gegeben. Dann soll 11. den weitgefächerten, wechselnden, intensi-
ven und zum Teil chaotischen Anregungen nachgegangen werden, die
von dem Romantikerkreis um die Brentanos ausgingen und die auch auf

4 Friedrich Schaffstein, Friedrich Carl von Savigny und Wilhelm von Humboldt, in:
Zeitschrift der Savigny-Stiftung, Germanistische Abteilung [SZGerm] 72 (1955),
S. 154 ff., hier S. 160 f.
5 Ingeborg Schnack, Der Briefwechsel zwischen Friedrich Carl von Savigny und
Stephan August Winkelmann (1800-1804) mit Dokumenten und Briefen aus dem
Freundeskreis, Marburg 1984, Einleitung, S. 82 ff.
6 Arnim an die Brüder Grimm, 6.12.1811, vgl. Reinhold Steig, Achim von Arnim
und die ihm nahestanden. I: Achim von Arnim und Clemens Brentano, Stuttgart
1894; 11: Achim von Arnim und Bettina Brentano, Stuttgart 1913; III: Achim von
Arnim und Jacob und Wilhelm Grimm, Stuttgart 1904; hier III, S. 173.