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Koordinaten: 47° 35′ 46″ N, 19° 20′ 52″ O

Schloss Gödöllő
Das Schloss Gödöllő (auch Schloss Grassalkovich
oder selten deutsch Schloss Getterle) liegt ca. 25
Kilometer nordöstlich der ungarischen Hauptstadt
Budapest in der Stadt Gödöllő. Es wurde im 18.
Jahrhundert für den Grafen Antal Grassalkovich I.
errichtet und ist auch unter dessen Namen bekannt. In
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es die
bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und
ungarischen Königin Elisabeth („Sisi“). Nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss unter der
sozialistischen Regierung Ungarns stark
vernachlässigt und drohte zu verfallen. Es wird seit
Die der Stadt zugewandte Fassade des Mittelbaus,
1996 in Abschnitten restauriert und ist seitdem für
hinter den großen Bogenfenstern befindet sich der
Besucher zugänglich.
Festsaal
Das Schloss ist – gemessen an der überbauten
Grundfläche – der größte Barockpalast Ungarns.[1]

Inhaltsverzeichnis
Geschichte des Schlosses
Vorgeschichte der Schlossanlage
Die Ära der Grassalkovichs
Das Schloss als Residenz des ungarischen
Königshauses
Das Schloss im 20. Jahrhundert
Das Schloss in der Gegenwart Blick aus dem Oberen Garten auf die Westfassade
des Schlosses
Baulichkeiten
Das Schloss
Die Schlossgebäude
Die Gebäude um den Ehrenhof
Die Gartenflügel
Die Innenausstattung
Gödöllő als Vorbild seiner Zeit
Der Park
Der Obere Garten
Der Untere Garten
Einzelnachweise
Literatur
Weblinks
Geschichte des Schlosses

Vorgeschichte der Schlossanlage

Gödöllő wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt, doch hatte der Ort bis zum Erwerb durch Antal
Grassalkovich I. keine bedeutende Rolle in der Landesgeschichte gespielt. Bis zum 18. Jahrhundert war
Gödöllő eine kleine, unbedeutende Bauernsiedlung in einem von niedrigen Hügeln begrenzten Tal. Die
Ländereien gehörten unterschiedlichen Gutsherren, die Besitzverhältnisse änderten sich mehrfach, auch
unterbrochen durch die osmanische Herrschaft über Ungarn. Den Kern des Dorfes bildeten ein bescheidenes
Herrenhaus und eine kleine Kirche, auf deren Stelle das spätere Schloss errichtet wurde.[2]

Die Ära der Grassalkovichs

Nach der Vertreibung der Osmanen bildete sich in Ungarn ab dem Ende des
17. und mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts eine neue Aristokratie heraus.
Zu einem der bedeutendsten Vertreter seines Stands und seiner Zeit gehörte
Antal Grassalkovich I., der es aus niederem kroatischen Landadel bis an den
Wiener Hof schaffte und dort zu den Vertrauten Maria Theresias gehörte.

Grassalkovich erwarb zwischen 1723 und 1748 die Gödöllőer Ländereien


von ihren früheren Besitzern und begann ab 1735 mit der Errichtung des
Schlosses und eines groß angelegten Gutsbetriebs. Das Schloss wurde als
dreiflügeliger Bau, der noch heute den Innenhof umschließt, innerhalb von
zehn Jahren bis 1745 errichtet und anschließend von 1746 bis 1749 und
noch einmal von 1752 bis 1759 erweitert.
Der Bauherr des Schlosses,
Antal Grassalkovich erhielt 1732 den Titel eines Barons und wurde 1743 Antal Grassalkovich I., auf
durch die Kaiserin in den Grafenstand erhoben. Der Bau des Schlosses war einem Gemälde des 18.
Jahrhunderts
demnach nicht nur Zeichen seines selbst erworbenen Reichtums, sondern
sollte auch seine politische Stellung widerspiegeln. Maria Theresia und den
Grafen verband ein freundschaftliches Verhältnis, und der Kaiserin wurde
eine Zimmerfolge im Schloss eingerichtet, die sie 1751 kurze Zeit bewohnte.

Der Graf starb 1771 und hinterließ den Besitz seinem einzigen Sohn, Antal Grassalkovich II., der 1784 in
den Fürstenstand erhoben wurde. Dieser hatte jedoch kein großes Interesse an dem abgelegenen Landsitz
und residierte bevorzugt in Wien und Pressburg, der damaligen ungarischen Hauptstadt. An Gödöllő ließ er
zwar einige Umbauten vornehmen, doch wurde das Schloss in dieser Zeit zumeist von einem Kastellan
verwaltet. Von 1789 an ließ er sich das Palais Grassalkovics in Wien bauen. Dem Sohn mangelte es an den
ökonomischen Fähigkeiten seines Vaters, und der einstmals reiche Besitz wurde zunehmend mit Schulden
belastet, die 1794 an Antal Grassalkovich III. übergingen. Der junge Fürst vergrößerte den Schuldenberg
noch, und die Gödöllőer Ländereien wurden ab 1796 unter Zwangsverwaltung gestellt. Erst ab den 1820er
Jahren hielt sich Antal Grassalkovich III. öfter in Gödöllő auf, das er vorher kaum genutzt hatte. Zu dieser
Zeit ließ er den alten Barockgarten in einen Landschaftspark umgestalten und er empfing hier häufig den
Reformer István Széchenyi.

Der Fürst starb 1841 ohne männlichen Erben, wodurch die Grassalkovichs im Mannesstamm ausstarben;
seine Witwe, die letzte Fürstin Grassalkovich, wurde am 27. Dezember 1864 in Gödöllö bestattet.[3] Das
noch immer unter Zwangsverwaltung stehende Schloss ging an eine weibliche Erblinie aus der Familie
Viczay. 1849 diente die Anlage dem ungarischen Revolutionskämpfer Lajos Kossuth und seinen Truppen
kurzfristig als Basis. 1850 / 1851 wurde der Besitz an den Bankier Georg Simon von Sina verkauft,[4] nach
dessen Tod das Anwesen 1864 an eine belgische Bank gelangte.[5]

Das Schloss als Residenz des ungarischen Königshauses

1866 diente das Schloss als Lazarett für verwundete Soldaten des
Deutschen Krieges. In dieser Zeit besuchte die österreichische
Kaiserin Elisabeth das Schloss zum ersten Mal und äußerte den
Wunsch, es zu erwerben, was jedoch wegen der Kosten des Krieges
nicht die Zustimmung des Kaisers fand.

1867 war das Jahr des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs, mit


dem die Habsburger auf dem ungarischen Königsthron bestätigt
wurden. Am 15. März des Jahres leistete die Regierung ihren
Die königliche Familie vor dem
Treueid auf Franz Joseph I. und am 8. Juni des Jahres fand die
Schloss, Stich von 1869
Krönung in Buda statt. Das alte Schloss der Grassalkovich’, an dem
die Königin im Jahr zuvor Interesse zeigte, wurde durch den
ungarischen Staat erworben und als Krönungsgeschenk an den
König und seine Frau übergeben. Anlässlich der Krönung wurde das Schloss restauriert und umgebaut und
der Park aufgeforstet. Die damals neu geplante Bahnlinie wurde am Schloss vorbeigeführt und für die
königliche Familie ein eigener Wartesalon eingerichtet.

Das Schloss wurde zu einem der bevorzugten Aufenthaltsorte Königin Elisabeths, die den strengen
kaiserlichen Hof im Wiener Schloss Schönbrunn und der Hofburg hasste. In Gödöllő konnte sie, abseits von
Protokoll und Hofzeremoniell, ein freieres Leben als in der österreichischen Hauptstadt führen. Bis zu ihrem
Tode 1898 hat sie mehr als 2000 Tage, vorwiegend im Frühjahr und im Herbst, hier verbracht.[6][7] Der Ort
erlebte durch die regelmäßigen Besuche des Königshauses einen wirtschaftlichen Aufschwung und Gödöllő
wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts eine beliebte Sommerfrische der Budapester Oberschicht.

Nach dem Mord an Elisabeth besuchte Franz Josef das Schloss immer seltener, zuletzt weilte er hier 1911.
Sein Nachfolger Karl I. hielt sich nur kurze Zeit in Gödöllő auf, sein letzter Aufenthalt fand im Oktober
1918 statt und die Ereignisse des verlorenen Ersten Weltkriegs machten eine Rückkehr unmöglich.[8]

Das Schloss im 20. Jahrhundert

Ab 1918 stand das Schloss unter der Verwaltung des ungarischen Finanzministeriums. Infolge der
politischen Wendungen kam ab 1919 kurzzeitig die ungarische Räterepublik an die Macht, unter der das
Schloss geplündert und zu einem Waisenhaus umfunktioniert wurde.

Nach Zusammenbruch der Räterepublik wurde Miklós Horthy ab 1920 als sogenannter Reichsverweser
eingesetzt, der das nun königslose Ungarn verwaltete. In seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Königs
erhielt er das Nutzungsrecht am Schloss von Gödöllő und bezog die früheren Räume Franz Josephs, seine
Frau erhielt die Zimmerflucht Königin Elisabeths. Das Schloss wurde dafür im Inneren umgestaltet und
erhielt eine neue Möblierung. Horthy nutzte Gödöllő für repräsentative Zwecke und empfing hier
bedeutende Mitglieder der Gesellschaft seiner Zeit, wie Viktor Emanuel III. von Italien oder den späteren
britischen König Eduard VIII.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges erhielt das Schloss einen Bombentreffer, blieb aber ansonsten
unbeschädigt. Ab Dezember 1944 besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht das Schloss, die kurz darauf
von der Roten Armee vertrieben wurden. In der Folgezeit wurde das Gebäude geplündert und anschließend
militärischen Zwecken zugeführt. Den Nordflügel bezogen Einheiten der ungarischen Armee, der Südflügel
wurde von sowjetischen Soldaten bezogen. Ab 1958 wurde das mittlerweile stark vernachlässigte Schloss zu
einem Altenheim umfunktioniert. In die königlichen Salons wurden einfache Eisenbetten gestellt, der
Festsaal zu einem Fernseh- und Aufenthaltsraum degradiert. Die Balkone des Hofs und die Durchfahrt
durch den Mittelrisalit dienten als Kohlenbunker, in der Orangerie wurde eine Wäscherei eingerichtet und
im Südflügel Wohnungen installiert. Obwohl das Gebäude bereits 1951 unter Denkmalschutz gestellt wurde,
fand keine Sicherung der Bausubstanz statt und das Schloss begann zusehends zu verfallen. Ab 1981
wurden erste Pläne zu einer Sanierung aufgelegt, die jedoch aus finanziellen Gründen nicht in Angriff
genommen werden konnte. 1984 stürzte das Dach des Reitschulenflügels ein.

Ab 1990 verließen die im Schloss angesiedelten Institutionen das Haus und bis 1994 war es komplett
geräumt. In diesem Jahr wurde eine gemeinnützige Stiftung gegründet, welche sich die Restaurierung und
den Erhalt des Schlosses zum Ziel gesetzt hat. Ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude wurde erarbeitet
und die Sanierung in Teilen begonnen. Die Dachstühle und Fassaden des Hauptbaus und der südlichen
Flügel wurden erneuert, Wandmalereien freigelegt und der Stuck ausgebessert. Die Innenräume mussten
aufwendig rekonstruiert werden. Im August 1996 wurde der wiederhergestellte Mittelflügel der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[9]

Das Schloss in der Gegenwart

Das Königliche Schloss in Gödöllő wird jährlich von mehr als 200.000
Menschen besucht.[10] Seit seiner Öffnung 1996 ist es eines der
bedeutendsten Ausflugsziele in der Umgebung von Budapest. Das Schloss
beherbergt ein Schlossmuseum, in dem derzeit knapp 30 Räume zu
besichtigen sind. Der Fokus des Museums wurde auf die königliche Zeit
Gödöllős und das Leben Königin Elisabeths gelegt. In den unteren Räumen
werden zudem regelmäßig wechselnde Ausstellungen präsentiert. Das
Schloss ist in eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen wie Konzerte und
Theateraufführungen eingebunden. Eine private Anmietung verschiedener
Räume für Festlichkeiten oder Konferenzen wird angeboten, außerdem
wurde ein gastronomischer Betrieb eingerichtet.

Gleichwohl ist die vollständige Sanierung des Gebäudes bis heute nicht
abgeschlossen. Die nördlichen Flügel sind weiterhin in einem ruinösen
Zustand und der Zeitpunkt einer vollständigen Restaurierung bisher nicht Konzert im Oktober 2017
absehbar, gleiches gilt für die Parkanlage. Das Mitte der 1990er Jahre
erarbeitete Nutzungskonzept konnte nicht in allen Punkten umgesetzt
werden, so war im Südflügel die Einrichtung eines Hotels geplant, doch eine entsprechende Vermietung ist
bis heute nicht erfolgt.

Baulichkeiten

Das Schloss

Die Schlossgebäude

Als Baumeister des Schlosses wurde der Salzburger Architekt Andreas Mayerhoffer verpflichtet, der unter
anderem auch die Budapester Universitätskirche und die Mariä Verkündigungs-Kirche in Szentendre
entwarf.
Die Gebäude um den Ehrenhof

Zwar war das Schloss zur Erbauungszeit bereits als höfische


Residenz geplant, dennoch wurde der Hauptflügel aus
Sicherheitsgründen mit niedrigen Bastionen in Richtung der Stadt
geschützt, die Fenster des Erdgeschosses mit Gittern versehen und
die seit 1785 mit Mansarddächern verzierten Eckpavillons
ursprünglich als niedrige Türme gestaltet.

Entgegen der sonst üblichen Gliederung barocker Schlossanlagen, in


denen sich ein Ehrenhof in Richtung der Stadt öffnet und der
zentrale Bauflügel unmittelbar auf die Gartenanlage weist, ist dieses Blick in den Ehrenhof, der von den
Prinzip in Gödöllő ins Gegenteil verkehrt. Das Corps de Logis bildet drei Ursprungsflügeln des Schlosses
umgeben ist. Hinter den hohen
zwar auch hier den Mittelpunkt der Anlage, der Ehrenhof und die
Bogenfenstern des Mittelbaus
ihn umgebenden Seitenflügel weisen jedoch in den Garten hinein,
verbirgt sich auf dieser Seite das
während sich die Hauptfassade in Richtung der Stadt präsentiert.
große Treppenhaus
Den Hauptflügel der lediglich zweigeschossigen Anlage bildet der
Mittelbau, von dem nördlich und südlich die den Ehrenhof
rahmenden Seitenflügel ausgehen. Der Mittelbau wird in seinem Zentrum von einem hohen,
kuppelbekrönten Risalit durchschnitten, der den zentralen Festsaal und das Haupttreppenhaus enthält. Die
den Bau bekrönenden Kuppeln sind reine architektonische Dekoration, weder der östlich gelegene Festsaal,
noch das nach Westen ausgerichtete Treppenhaus verfügen über ein entsprechendes Gewölbe. Die Kuppeln
wiederholen sich in vereinfachter Ausführung über den Winkeln der Eckpavillons der gartenseitigen Flügel.
Das Portal des Schlosses ist als Durchfahrt in den Garten ausgebildet, die Zugänge der Treppen führen von
hier zu einem inneren, dem Festsaal vorgelagerten Vestibül. Aus dem Mittelbau betritt man den 1000 m²
großen Ehrenhof, der von den beiden Seitenflügeln begrenzt wird. Dieses von 1735 bis 1745 errichtete,
hufeisenförmige Bauensemble bildet den Ursprung des Schlosses und beinhaltete nach der Übergabe an das
Königspaar 1867 die Wohnräume Franz Josephs (im nördlichen Flügel) und Elisabeths (im südlichen
Flügel).

Die Gartenflügel

Von den Königsflügeln des Ehrenhofs führen rechtwinklig weitere Gebäuderiegel weg, welche die
Grundform des Schlosses erneut aufnehmen, in größerem Maßstab wiederholen und im Garten
gewissermaßen einen zweiten Ehrenhof umschließen. Die Gebäude stammen aus der zweiten Bauphase von
1746 bis 1749. Der vom Ehrenhof nach Norden führende Trakt enthält dabei die Schlosskapelle, der
südliche Trakt beherbergt den Marstall. Die Endpunkte dieser Flügel sind mit überkuppelten Pavillons
akzentuiert, denen die sich gegenüberliegen langen Trakte den äußeren Hofs folgen. Diese Trakte stammen
aus der Zeit der dritten Erweiterung von 1752 bis 1759. Der südliche Flügel nahm weitere Ställe, die
Reitschule und das Hoftheater auf, der nördliche Flügel enthielt im Untergeschoss die erste Orangerie, die
unter Antal Grassalkovich III. durch ein großes Marmorbad und in der königlichen Zeit durch Beamten- und
Gästewohnungen ersetzt wurde. Bedingt durch diese Umbauten wurde eine neue Orangerie rechtwinklig an
den äußeren Nordflügel angefügt und bildet dort den Endpunkt des Schlosses. Diese beiden nördlichen
Trakte befinden sich bis heute im unsanierten Zustand.

Die Innenausstattung

Im Obergeschoss befinden sich die repräsentativen Wohnräume und Salons des Schlosses, während das
Erdgeschoss vorwiegend Wirtschafts- und Gästeräume aufnahm. Zur königlichen Zeit verfügte das Schloss
über 136 Wohnräume, wovon 67 Räume für die Unterbringung der Bediensteten genutzt wurden.[11] Das
Schloss wurde im 19. Jahrhundert
mit jeglichem modernen Komfort
ausgestattet, 1874 erhielt es
Gasbeleuchtungen, 1898 elektrisches
Licht. Zusätzlich zu den Kaminen
und Öfen wurde eine
Heißluftheizung installiert.

Aus der Zeit der Grassalkovichs hat


sich kaum etwas an beweglicher
Ausstattung erhalten. Auch die Luftaufnahme der Schlossanlage. In
der Bildmitte der von zwei Kuppeln
Möblierung aus der königlichen Zeit
überragte Mittelbau samt Ehrenhof
ist nicht mehr vollständig vorhanden
Blick in das große und den ihn umgebenden
und größtenteils durch Plünderung
Treppenhaus des Seitenflügeln. Nach links führen die
oder mangelnde Pflege verloren Flügel mit den Stallungen und dem
Mittelrisalits gegangen. Das Schlossmuseum hat Theater, nach oben führen der
es sich zur Aufgabe gemacht, Kapellentrakt und daran
authentische Stücke aus der anschließend der alte und der neue
königlichen Zeit zu sammeln und auszustellen und, sofern möglich, Orangerieflügel
frühere Ausstattungsgegenstände für die Sammlung
zurückzuerwerben.

Die heute rekonstruierten und für Besucher zugänglichen 26 Räume des Schlossmuseums entsprechen in
ihrer Farbgebung und ihrem Wandbehang weitgehend dem Zustand von 1867. Die ausgestellte Möblierung
entstammt, ebenso wie die Stuckdekorationen, vorwiegend dem Rokoko und dem Neobarock. Zu den
bedeutendsten Räumen des Schlosses zählen der in weiß-goldenen Tönen gestaltete, 166 m² große Rokoko-
Festsaal im Mittelrisalit und das anlässlich ihres Besuches 1751 installierte „Maria-Theresia-Zimmer“, das
später als Schlafzimmer Königin Elisabeths diente. Das für 100 Zuschauer konzipierte Schlosstheater ist
eines der ältesten erhaltenen Theater Ungarns, wenngleich es 1867 durch den Einzug von zwei
Zwischendecken zerstört und erst im Zuge einer Sanierung 1986 wieder rekonstruiert wurde. Die Hofkirche
im Nordflügel des Schlosses dient heute auch als Gemeindekirche der Stadt Gödöllő.

Gödöllő als Vorbild seiner Zeit

Nach der langen türkischen Herrschaft über Ungarn und der


anschließenden Zeit politischer Wirrungen im Lande, war das
Schloss in Gödöllő einer der ersten größeren, höfischen
Profanbauten. Es wurde dadurch zum Vorbild weiterer
Schlossanlagen Ungarns, die im sogenannten „Grassalkovich-Stil“
errichtet wurden. Häufig wiederkehrende Merkmale sind die
zweistöckige Ausführung mit einem niedrigen Untergeschoss und
einer repräsentativen Beletage im Obergeschoss, ein vorspringender,
dreiachsiger Mittelrisalit mit schwungvollem Dachaufbau oder eine
Palais Grassalkovich, in ihm befindet
Ausrichtung des Hofs auf die Parkanlage. Zu den Grassalkovich-
sich der Sitz des Präsidenten der
Schlössern zählen beispielsweise folgende Bauwerke:
Slowakei
Am südwestlichen Stadtrand Budapests befindet sich das Schloss
Nagytétény, das die Hoffassade des dreiflügeligen Hauptbaus
Gödöllős nahezu exakt kopiert. Das Palais Grassalkovich in Bratislava, zur Erbauungszeit unter ungarischer
Verwaltung und ebenfalls ein Werk Andreas Mayerhoffers, orientiert sich an den Bauformen Gödöllős und
erscheint als eine breitere Variante des dortigen Corps de Logis, ebenso wie das Schloss in Hatvan oder das
Schloss Ráday in Pécel, östlich von Budapest. Die umgekehrte
Ordnung vom sich zum Garten öffnenden Ehrenhof findet sich
außerdem wieder am Schloss Festetics in Keszthely.

Der Park

Zum Schloss gehörten einst zwei ausgedehnte Gartenbereiche; der


sich vor dem Mittelflügel erstreckende Untere Garten und der auf
Das Schloss in Hatvan ist eines der den Ehrenhof folgende, nach Westen gerichtete Obere Garten.
sogenannten „Grassalkovich-
Schlösser“
Der Obere Garten

Der Westfassade des Schlosses wurde unter Antal Grassalkovich I.


ein großer, französischen Vorbildern folgender Barockpark
vorgelegt. Der mit geometrisch gegliederten Broderieparterres
gestaltete Garten war mit zeittypischen Skulpturengruppen der
griechischen Mythologie geschmückt. Er dehnte sich bis auf eine
Länge von 440 Metern vor dem Schloss aus und endete an einer den
Park umfassenden Mauer. Von den Pflanzungen dieses alten
Barockgartens, zu denen auch ein Heckenlabyrinth gehörte, sind
heute kaum noch Reste vorhanden. Zu den wenigen Relikten, die an
Der Königspavillon im Oberen
die barocke Gestaltung erinnern, gehört eine auf den Südflügel
Garten
zuführende Kastanienallee. Erhalten hat sich auch der sogenannte
„Königspavillon“, ein sechseckiges Teehaus von 1760, dessen
Innenwände mit Porträts ungarischer Fürsten geschmückt sind.

Nachdem das Schloss und die Gärten in der Zeit Antal Grassalkovich II. vernachlässigt wurden, ließ Antal
Grassalkovich III. auf Anregung seiner Frau Leopoldina Esterházy den Oberen Garten ab 1817 im Stil
Englischer Landschaftsgärten umgestalten. Die Mauer wurde abgebrochen, der Garten erweitert und mit
verschlungenen Wegen und Baumgruppen gestaltet. Dieser neue Park verwilderte in der Zeit der unsicheren
Besitzverhältnisse nach dem Tode des Herzogs.

Anlässlich der Übergabe an das ungarische Königshaus wurde die


Gartenanlage ab 1867 aufgeforstet und neu gepflegt. Zu dieser Zeit wurde,
gewissermaßen als Pendant zur nördlichen Orangerie, das südlich gelegene
Palmenhaus errichtet. Es befindet sich heute in Privatbesitz einer
ortsansässigen Gärtnerei. Die Aufenthalte der Königsfamilie in Gödöllő
fanden unter einem weniger aufwendigen Zeremoniell statt, als Aufenthalte
in den Wiener Schlössern. So brauchte auch der Garten weniger
repräsentative Aufgaben erfüllen und konnte eher privaten Vergnügen
dienen. Aus diesem Grund wurde auch eine Kegelbahn angelegt, ebenso wie
ein Schießstand zum Wurfscheibenschießen. Nach dem Tode Königin
Elisabeths wurde an die nordwestlichen Ausläufer des Oberen Gartens 1898
der sogenannte „Elisabethpark“ angefügt, ein waldähnlicher Parkbereich,
der mit 98 verschiedenen Arten immergrüner Sträucher und Bäume
Das Elisabeth-Denkmal im bepflanzt ist und 1901 mit einem Denkmal der Königin versehen wurde.
Schlosspark
Unter Miklós Horthy wurden nur kleine Veränderungen vorgenommen, so
wurde im Ehrenhof ein Springbrunnen und außerdem ein (erhaltenes)
Schwimmbecken samt Badepavillon und ein Tennisplatz angelegt.
Während des Zweiten Weltkrieges zog die Front im Dezember 1944 durch Gödöllő und die Gartenanlagen
wurden verwüstet. In der Zeit der sowjetischen Besatzung und der anschließenden Nutzung des Schlosses
als Altersheim wurde der Garten nicht mehr gepflegt, auf den Wiesen stattdessen Garagen errichtet und viele
der alten Bäume als Brennholz gefällt.

Seit 1994 findet eine langsame Rekonstruktion des Landschaftsgartens statt, die aber bis heute nicht
abgeschlossen ist und aus finanziellen Gründen auch nur langsam vonstattengeht. Der Garten macht
weiterhin einen naturbelassenen Eindruck und typische Gestaltungsmittel, wie Sichtschneisen oder
Gewässer, fehlen fast völlig. Seit 1997 steht der 28 Hektar große Obere Garten unter Naturschutz.

Der Untere Garten

Der Untere Garten erfüllte eher nützliche, als dekorative Zwecke. Er


diente ursprünglich der Versorgung des Hofs, denn hier lagen die
Küchengärten, eine Fasanerie und die Wildgehege. Unter Antal
Grassalkovich III. wurde auch dieser Gartenbereich umgestaltet und
vor der Hauptfassade des Schlosses zwei große Schwanenteiche
angelegt, die in der königlichen Zeit wieder zugeschüttet wurden.
Der Untere Garten war – im Gegensatz zum Oberen Garten – auch
für die Bevölkerung weitgehend zugänglich. Im August 1933 fand
das 4. World Scout Jamboree der internationalen
Das Schloss betrachtet vom Unteren
Pfadfinderbewegung mit fast 26.000 Teilnehmern aus 34 Ländern in
Garten, 1869. Ausschnitt aus einem
diesem Bereich statt.[12] Gemälde Sándor Brodszkys

Abgesehen von den rekonstruierten und bepflanzten Bastionen vor


dem Mittelflügel des Schlosses sind im Unteren Garten kaum noch
sichtbare Spuren vorhanden, die auf eine geplante Gestaltung des
Geländes hinweisen. Die Anpflanzungen sind verwildert und
erscheinen als weitgehend natürlich gewachsene Landschaft. Nach
dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Gartenbereich zudem durch die
Stadt Gödöllő in Besitz genommen und partiell mit Wohnhäusern
und anderen Gebäuden bebaut.

Einzelnachweise
Übersichtsplan des 4. World Scout
1. Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 23 Jamboree um Schloss Gödöllő, 1933
2. Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi:
Das Schloß von Gödöllő, Seite 12
3. Amtliche Tageszeitung Wiener Zeitung, 3. Jänner 1865, S. 18 (http://anno.onb.ac.at/cgi-conten
t/anno?aid=wrz&datum=18650103&seite=2&zoom=33)
4. Amelie Lanier: Die Geschichte des Bank- und Handelshauses Sina (http://www.alanier.at/Grun
dbesitz.html), in der Reihe Europäische Hochschulschriften, Peter Lang, Internationaler Verlag
der Wissenschaften, Frankfurt am Main usw. 1998, ISBN 978-3-631-33747-9, Abschnitt VI.2.3
5. Über die Zeit der Grassalkovich: Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 17, 19, 21
6. Allgemeine Informationen über Schloss Gödöllő auf staedte-reisen.de (https://web.archive.org/
web/20080920001108/http://www.staedte-reisen.de/budapest/sightseeing/ausfluege)
(Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive)
7. Kurzbeschreibung auf ungarn-tourismus.at (https://web.archive.org/web/20040719035851/htt
p://www.ungarn-tourismus.at/schloesser.htm) (Memento vom 19. Juli 2004 im Internet Archive)
8. Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 31,
33, 35, 37, 39
9. Alle Informationen aus diesem Abschnitt aus Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 67,
69, 79
10. Homepage des Schlossmuseums (http://www.kiralyikastely.hu/index.php?mid=187)
11. Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő, Seite 35
12. Jamboree-Geschichte. (https://ppoe.at/international/internationale-veranstaltungen/world-scout
-jamboree/) Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs, abgerufen am 30. Mai 2020.

Literatur
Ildikó Faludi: Das Schloß von Gödöllő. Königliches Schlossmuseum Gödöllő, 1998, ISBN 963-
04-9662-3.

Weblinks
Commons: Schloss Gödöllő (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Royal_Palace_of_G%
C3%B6d%C3%B6ll%C5%91?uselang=de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Schloss Gödöllő (http://www.kiralyikastely.hu/), Website der Schlossanlage mit
Schlossgeschichte, Besucherhinweisen und Veranstaltungskalender

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Diese Seite wurde zuletzt am 30. Mai 2020 um 15:22 Uhr bearbeitet.

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