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Die Ostbewegung der deutschen Sprache

Author(s): Walther Mitzka


Source: Zeitschrift für Mundartforschung, Jahrg. 19, H. 1/4 (1943/1944), pp. 81-140
Published by: Franz Steiner Verlag
Stable URL: https://www.jstor.org/stable/40499525
Accessed: 31-05-2020 08:00 UTC

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache.
I. Siedelgeschichte und Mundartgeographie - II. Die Sprach -
einheit am rechten Flügel: das Bairische - III. Der Ausgleich in
den alten Siedelmundarten - i . Oberdeutsch - Mitteldeutsch : vom
Egerland bis Mähren - 2. Oberdeutsch - Mitteldeutsch - Nieder-
deutsch: von Obersachsen bis Siebenbürgen - 3. Niedersächsisch:
von Holstein bis Pommern - 4. Niederdeutsch - Friesisch : Ostpom-
mern - 5. Niedersächsisch - Niederfränkisch: von der Altmark bis
Ostpreußen - IV. Die Hochsprache der Deutschbalten - V. Mund-
artmischung und Ausgleich in der Neuzeit - VI. Schriftum

I. Siedelgeschichte und Mundartgeographie.

Die deutsche Sprachfläche des Ostens gewinnt der deutsche Bauer.


Der deutsche B ürger aber begründet darüber hinaus deutsche Sprach-
geltung.
Die Ostwanderer erweitern seit dem frühen Mittelalter den Sprach-
raum des Altlandes ,in breiter Front durch : Nach'barsie dl ungi.
Weiter weg legen sie Sprachinseln an. Solche Horste können weit-
hin die früheste Form der Raumbildung jenseits der alten Ostgrenze
sein. Vom neugewonnenen Volksboden wird die deutsche Sprache wieder
in die Nachbarschaft oder aber in die Ferne durch Tochterkoloni-
sation weitergetragen. Die Mundartkarte kann die Wanderung als
Siedelbahn anzeigen. In riesigen Streifen setzen sich aus dem Altlande
das Ober-, das Mittel- und das Niederdeutsche nach Osten fort.
Wir haben es bei den ostdeutschen Dialekten gewöhnlich mit Mund-
artmischung zu tun. Dabei gehen die Merkmale, mit denen die Her-
kunft der Ostwanderer festzulegen wäre, durch Ausgleich unter den
verschiedenen mitgebrachten Heimatmundarten oft verloren. Entweder
haben sich solche Siedlergruppen in der neuen Heimat der Mundart
anderer angeschlossen, oder es entsteht insgesamt eine neue Mundart,
in der die Herkunft nur im allgemeinen Umriß zu erschließen ist. Diese
Erfahrung läßt sich an alten und neuen Siedelmundarten gewinnen, für
die durch glückliche Umstände geschichtliche Nachrichten über die
Herkunft der ersten Siedler vorhanden sind. Doch solche Quellen sind
recht selten. Von der Herkunft der breiten Schicht, vor allem der
Bauern, ist nur ausnahmsweise und dann kaum einmal klar genug ein
Zeugnis erhalten geblieben. Im Mittelalter ist einzig in seiner Art der
zeitgenössische Bericht Helmolds über Ostholstein.
Zs. f. Mundartforsch. Teuth. XIX. 6

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Die Siedelbahnen sind nicht imm


setzen. Beide beschäftigen uns a
sobald wir eine Zwischenheimat suchen. Dort mischen sich
Mundarten, vor dem Weiterwandern wird schon dort die neu
einheit vorgeprägt- Siedelbahnen können durch Verlust der d
Mundart unterbrochen werden, so eine Zeitlang im Warthela
schlossene Sprachflächen entstehen außer durch Siedler no
Eindeutschung. Wir wiederholen auch hier, daß diese Leistung
der Gewinnung neuen Volksbodens vor allen und in allen Zeit
deutsche Bauer vollbringt.
Die deutsche Mundarterikarte zeigt vorzugsweise in der Mit
im Norden, daß auch dort, wo heute Nachbarsiedlung und
bahnen erscheinen, ursprünglich wohl Sprachinseln gewesen
wachsen oft genug dem Altlande entgegen. Die Sprachbewegu
also dann sogar nach Westen.
Die Mundarten ändern sich in einem fort. Altes schwindet und
Neues kommt auf. Dies wird durch Sprachströmungen weitergetrage
oder anders gesehen durch Anschluß. Die Nachbarn schließen sich
an oder verschließen sich1 gegen eine Neuerung. Im alten Süden und
Westen wirken sich sehr oft politische Grenzen am nachhaltigsten im
späten Mittelalter aus. Es kommt also darauf an, einmal den ursprüng-
lichen Sprachraum der Siedlerzeit und dann die spätere Umformung,
die nicht mehr von der Ostwanderung abhängig ist, zu unterscheiden.
Und das ist nicht immer möglich. Hier setzt der Streit der Forschung
ein, und wir selber haben im folgenden oft genug vor gewagten Deu-
tungen der Sprachkarte haltzumachen.
Wir rechnen auch1 für ferne Vergangenheit damit, daß die einzelnen
Mundartlandschaf ten, etwa das Barrisene und das Fränkische oder in
größeren Einheiten das Ober-, Mittel- und Niederdeutsche kaum ein-
mal auf kurzer Strecke durch eine klare Grenzlinie voneinander ge-
schieden sind. Wir haben es immer wieder mit Grenzstreifen zu tun.
In diesem können sich mehr oder weniger Merkmale zu einem starken
Grenzstrang zusammenfinden. Da liegt im Altlande gewöhnlich eine
wichtige politische Grenze zugrunde. Im Neulande aber sind solche
Grenzzonen und Grenzlinien auf die Siedelgeschichte zurückzuführen.
Dort grenzen verschiedene Siedelgemeinschaften aneinander, aus mehr
oder weniger verschiedener Stammheimat zusammengesetzt. Oder es ist
die Eindeutschung, von solchen Siedlerkernen aus, dort zu einer Naht
zusammengewachsen. Auch im Neuland bringen Sprachausgleich,
Sprachströmung oder Sprachanschluß weitere Veränderungen hervor.
Unsere Karte verbindet die Urheimat mit dem Neuland, soweit die

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Mundart eine solche Beziehung bietet. Die Wanderwege selbst brauchen


nicht gradlinig zu sein. Chronikalische Nachrichten melden manches
Stück Stammestum, das die Sprachkarten nicht bringen. Da ist unklar,
ob und inwieweit es überhaupt eine erhebliche bestimmte Gruppe von
Ostwanderern gewesen ist, z. B. für Pr. Holland in Ostpreußen; oder
die Nachricht ist viel jünger als das Siedelzeitalter, z. B. für nieder-
rheinische Leute im südöstlichen Ostpreußen; oder die Gruppe ist
bald nach der Ansiedlung anscheinend vernichtet worden, z. B. die
Friesen in Ostholstein (Helmold). Und wenn die Nachrichten stimmen,
dann ist auf der heutigen Mundartenkarte eben nichts mehr davon zu
merken. Die Karte ist von einigen Linien, die quer durch Deutschland
zu zeichnen wären, entlastet. Da fehlen für die Neuzeit die Züge der
Salzburger, der Nassauer und der Schweizer nach Ostpreußen, ihre
Mundart hat keine oder nur geringe Spuren in der Sprachlandschaft
hinterlassen. Auch fehlt die Einzeichnung der nach Rußland ziehenden
Rheinfranken, Schwaben usw., kleine Gruppen wie die livländische der
Rheinpfälzer des 18. Jahrhunderts. {
Die Mundarten der Urheimat und des Neulandes wandeln sich. Sie
sind also nicht ohne weiteres in der Gegenwart in einem fort vergleich-
bar miteinander.
Die Ostwanderer des Mittelalters haben selten (Balten) eine Er-
innerung an ihre Herkunft bewahrt. Erst die neuzeitliche Mundart-
forschung hat die alte Heimat wiederentdeckt. Das Mittelalter kennt
und benötigt, wenn überhaupt, im Osten die nationalsprachige, all-
gemeifn völkische Zuordnung. Gerade im Osten erhebt sich kleinräu-
mige Herkunftserinnerung zum völkischen Bewußtsein.
Da von der Heimat der Ostwanderer nur ganz gelegentlich1 eine
zuverlässige zeitgenössische Nachricht vorliegt, wendet sich die
Geschichtswissenschaft an die Sprachforschung, die ihr aus allen
Mischungen und Verlagerungen der Mundarten jene Frage nach der
Herkunft der Siedlergruppen lösen soll. Eine Mundai tengeographie
Ort für Ort ist aber nur in der Gegenwart möglich.
Die Geschichtsschreibung nennt die Ausgangslandschaft der Ost-
bewegung oft genug. Und zwar sind es die Namen der alten Stämme,
wie Bayern, Franken, Sachsen, Friesen, oder die Stammesgebiete
sind durch Landschaftsnamen aufgegliedert. Ein Aufruf der Reichs-
versammlung in Magdeburg 1108 lädt Sachsen, Franken, Lothringer,
Flandrer zu Waffentat und Siedlung im Neulande ein (Hampe). Hel-
mold (um 1070) nennt Holsten, Westfalen, Holländer, Seeländer.
Die alten und die neuen Stämme müssen in ihrem Gemeinschafts-
gefühl eine gemeinschaftliche Verkehrssprache mindestens be-
6*

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gründet haben. Am wenigsten gelungen ist


räumigsten, des Fränkischen. Nicht bloß die
die darüber liegende Verkehrssprache zeigen
Aufgliederung, vom Main bis zur Rheinmün
neuerung des fränkischen Stammesgebiets in
wie bei andern Stämmen einen Großteil vere
ist sogar auf den z. T. erst spät hinzukomme
kend festgelegt worden. Die Begriffe Ostfra
zwar auch1 in allgemein geographischem Sin
gewandt worden, aber einigermaßen scharf b
erst von der heutigen Mundartforschung. Ihr
Jahrzehnte selbstverständlich geworden, daß
Stammesgefühl oder landschaftlichem Ein
Grenzzonen auch die sprachlichen Merkmale
Drei Großgruppen von Siedelzügen zeich
ab: im Süden der bairische Vorbruch nach der Schlacht auf dem Lech-
felde 955. In der Mitte geht, bald nach 11 00 deutlicher faßbar, unter
mitteldeutscher Führung zusammen mit Oberdeutschen und Nieder-
deutschen der Marsch über die Saalefront vor sich. Diese Bewegung
durchmißt seit 1141 in der Wanderung vom Westen hinter dem Rhein
nach Siebenbürgen weiteste Räume. Im Nordabschnitt kommt die Be-
wegung mit der niederländischen Wanderung in die Marschen bei
Bremen 11 06 in Gang. 1108 werben von der Mittelelbe aus Koloni-
satoren in jenem Westen. Nach 11 50 ist Raum geschaffen für den
Ausgriff über die Ostgrenze des niedersächsischen Stammes von der
Ostsee bis zur Saalemündung. Vom alten Süden unterscheiden sich die
beiden anderen Abschnitte der mittelalterlichen Ostbewegung in der
Art, wie der Raum gewonnen wird, im Aufbau der Gesellschaft und in
Herkunft aus mehreren Stämmen.
Die neuzeitliche Ostbewegung erhält ihre Auslösung zum bäuerlichen
Masseneinsatz im Norden, und zwar wieder aus den Niederlanden. Von
1527 an wandern von dort Siedler in das Weichselland. Im Osten, aus
der Neumark und aus Ostpommern, beginnt bald hernach der Ein-
marsch in das Wartheland und das mittlere Weichselland auch wieder
für Jahrhunderte. Vom Ende des 17. Jahrhunderts , an, nach den
Türkenkriegen wird der deutsche Siedler in den fernen Südosten, vor
allem nach Ungarn, gerufen. Die nun alle Stämme ergreifende Ost-
bewegung drängt in den weitesten Osten und kann sich dort ver-
lieren. Heute ruft das Mutterland zurück. Eine Westbewegung zurück
bis an den Rand des Mutterlandes bereitet die Schaffung einer Sprach-
fläche vor, die auch in der Mundart einheitlich werden will.

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II. Die Spracheinheit am rechten Flügel:


Das Bairische

Die Bayern sind an sich der jüngste der Altstämme, wie sie sich
in der Völkerwanderungszeit gebildet hatten. Die riesige Sprachfläche,
die die Bayern in ihrem Alt- und später Neulande geschaffen haben,
ist vergleichsweise groß. Sie sind die ersten, die zum Zuge nach dem
Osten angetreten sind. Da die Sprache so erstaunlich einheitlich ist,
bezeichnen wir in der Sprachwissenschaft den Gesamtraum bis nach
Ungarn hin als bairisch. Süd-, mittel- und nordbairisch teilen als
Untermundarten diese Fläche über die bayrische Ostgrenze hin auf.
Der Vorbruch der Bayern ins Neuland hat seit Beginn der deutschen
Geschichte, also der Karolingerzeit, begonnen. Die Niederwerfung der
Awaren durch Karl d. Gr., die Rückschläge der Ungarneinfälle, ihre
Beendigung durch Otto d. Gr., werden von der Geschichtsschreibung!
als tragende Ereignisse bei dieser, still ohne besondere Nachrichten er-
folgenden, Ostwanderung genannt.
Jenseits der Enns und der Tauern gibt es zunächst nur deutschen
Großgrundbesitz. Vor 863 entstehen zwischen Enns und Ybbs Am*
stetten und Zeilern (40, 44), aus Cidalaribach. Im Jahre 888 werden
in Kärnten nicht weit vom Ossiacher See deutsche Leibeigene ge-
nannt, die mit den beiden deutschen Orten Feldkirchen und Viscahä,
das wäre Fischach, in Beziehung gebracht werden. Im 10. Jahrhundert
entsteht das deutsche Mautern als Zollstation. Vor allem das Tullner
Feld zieht seit dem 9. Jahrhundert deutsche Siedler an. Stärker als
in der Steiermark ist deutsche Siedlung in Kärnten, vor allem im
Klagenfurter Becken bezeugt. Die deutsche Siedlung hält sich viel-
mehr zunächst an das Donautal. Im Jahre 907 gehen die deutschen
Siedlungen jenseits der Enns wieder verloren. Anders als sonst an der
Naht zwischen Alt- und Neuland ist im gesamtbairischen Räume auf
der Mundartenkarte kein Einschnitt, kein Grenzzug mit Sprachlinien zu
finden, was jenen Übergang von Alt- und Neuland in den andern Be-
reichen des deutschen Neulandes sonst so deutlich macht. Das muß
seine besonderen Gründe haben, in der Siedelzeit den der unmittelbar
Nachbarsiedlung.
Dort im Süden der Ostbewegung, an der Ostgrenze des altbaye-
rischen Stammlandes muß die Siedlerbewegung unmittelbar aus dem
Altlande in breiter Fläche hinüber gegangen sein. Jedenfalls ist
mundartlich eine sprachinselartige Siedlung im Vorfeld nicht zu er-
kennen. Nicht braucht wie in der Mitte und im Norden des Ostlandes
wesentlich mit der Ansetzung weiter weg liegender Siedlerhorste ge-

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rechnet zu werden. Diese wird es


Mittelalter die vorgeschobene Sp
ist bairische Mundart bei den
des Karpathenlandes. Auf jeden
dung von Bayerns Ostmark an
dann die Abtrennung in einem
Territorialgeschichte von vielen
kaum einen Eindruck hinterlas
erscheinungen, die durch nachtr
strömung oder Anschluß ohne S
festlegen, wo der Verkehr zwisc
hemmt ist.
Beim Vergleich mit dem Mittel- und Nordabschnitt der
deutschen Ostbewegung fällt ein weiterer grundsätzlicher Unterschied
auf. Er ist soziologischer Art. Im letzten Grunde hängt dies mit
der zeitlichen Schichtung zusammen. Aus der Landesgeschichte hören
wir immer wieder, welche Herrenge schlechter, auch außerhalb
des bayerischen Raumes, etwa vom Rhein oder aus Sachsen in die
höchsten Stellungen dieses südöstlichen Neulandes einrücken. Von der
Masse der Bauern hören wir in dieser Frühzeit kaum etwas. Es ist
nun einmal so, daß das stärkste Licht auf die bäuerliche Siedlungs-
geschichte im deutschen Nordosten fällt. Nur dort im Gebiete des
Deutschen Ordens mit seiner Beamtenorganisation und seinem Schrift-
gebrauch, z. B. für die Ausstellung von dörflichen Handfesten, wissen
wir oft Gut für Gut und Dorf für Dorf, wann deutsche Siedler einge-
zogen sind. Das ist aber bald ein halbes Jahrtausend später, nachdem die
ersten Wellen deutscher Ostsiedlung im Südosten vorgebrochen waren.
Da ist schon eine ganze Weile der Bürger in geschlossener Masse
an der deutschen Ostsiedlung beteiligt. In jener Frühzeit des Süd-
ostens bis zur vollen Ausbildung des städtischen Bürgertums geht mit
dem Bauern der einzelne Gutsherr, zugleich der Geistliche in den
Osten. Gewiß ist der deutsche Kaufmann schon seit germanischer Zeit
auch in und durch den Osten gezogen, aber er siedelt ja dort nicht
auf die Dauer. Die Geistlichen, auch in den Klöstern, pflegen das
Latein, lernen wohl in der Mission die nichtdeutsche Nachbarsprache,
handhaben jedenfalls das Deutsche nicht so ausschließlich wie die
andern. Die Masse der Herren kann kein Latein, sie spricht zu Hause,
im Beruf und von Burg zu Burg deutsch. Dort im Südosten wird sich
eine deutsche Herrensprache ausgebildet haben, die nicht angewiesen
ist auf die vielfach sicherlich nach ihnen einziehende Mundart. Das
Mittelhochdeutsche als Sprache dieser Herren erscheint uns aufs

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Feinste ausgebildet als Sprache der Dichter unter ihnen, oder von
Leuten in ihrem Dienste.
Der österreichische geschlossene Sprachraum ist siedlerisch im
ganzen bis um 1250 ausgefüllt. Den Einzug nach Oberösterreich, in
jener durch Zeugnisse kaum erhellten Frühzeit nach 800 kann man
auch noch zur bayerischen Landnahme am Ausgang der Völkerwan-
derungszeit rechnen. Im Osten wird möglicherweise schon längst vor
der Mitte des 13. Jahrhunderts die Grenzzone erreicht worden sein,
hinter der sich das ebenfalls aristokratisch bestimmte Volk der Ungarn
eingerichtet hatte. Im Süden ist die Siedlung ohne scharfe Grenze mit
den Karantanen verzahnt. Von dort aus, aus Kärnten kommt eine
Gruppe von Sprachmerkmalen, die für unser Neuhochdeutsch kenn-
zeichnend geblieben ist. Der Ortsname Itwik erscheint e. 1106 als
Eitwiggi, Reichersberg (ensi) 1136, Trautmannus 1247, Hunenburch
11 62 zeigt sich 1226 als Honenburch (55). Diese Sprechweise taucht
schon auf, als die Ostbewegung im Mittelabschnitt sich eben zum Auf-
bruch anschickt. Sie ist erst nach Jahrhunderten in das Ostmittel-
deutsche eingemündet. Jenem äußersten Süden mit seiner Herren-
sprache hat sich also der ganze Südosten und dann die große Mitte
Deutschlands angeschlossen. So stark wirkte das Vorbild der Sprech-
weise des Südens. Bis in jene deutsche Mitte haben die Bauernmund-
arten dies übernommen.
Das deutsche Neuland nördlich vom Bairischen hat gewiß ebenfalls
H erren sprachen. Sie sind am deutlichsten im Bereich des Deut-
schen Ritterordens zu erkennen, auf preußischem Boden ostmittel-
deutscher, im livländischen Zweig mittelniederdeutscher Herkunft.
Der Deutsche Ritterorden ergänzt sich aus den Söhnen der weiter
westlich liegenden deutschen Alt- und Neulande. Neben seinen Burgen
legt der Deutsche Orden im Osten sofort wohleingerichtete deutsche
Bürgerstädte an. Die Vertreter dieser beiden Stände sind es erstmals,
die während des einen großen Teils des 13. Jahrhunderts sich mit den
Altpreußen auseinandersetzen. Die Bauern ziehen am Ende des Jahr-
hunderts und während der ersten Hälfte des nächsten im breiten Strom
nach. Das Bürger turn ist in der Masse der deutschen Sprachträger der
Zahl nach eine ganze Weile allen anderen Ständen weit überlegen. Da
jedoch die Bauern aus ganz andern Mundartgebieten als dort die
Bürger stammen, bleiben die Sprache der Stadt und des Landes bis
zum heutigen Tage nach dieser Herkunft verschieden. Solche mund-
artlichen Unterschiede der Herkunft zeigen sich je näher dem Alt-
lande umso weniger. In der Mitte und im Norden ist die stammhafte
Mischung nach dem Zeugnis der Mundarten typisch.

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Ganz anders muß dies von vornherein im Südosten gewesen sein.


Und damit kommen wir noch auf einen weiteren wesentlichen Unter-
schied der bairischen Ostbewegung zur Mitte und zum Norden.
Das ist die stammheitlijche Einheit der ausziehenden Siedler.
Die Masse auch der Herren wird aus dem Bayerischen stammen. Zu-
sätze von andern Stämmen sind in der Sprachgeschichte nicht zu er-
kennen, sie sind von da aus gesehen zu geringfügig. Die Siedlungsge-
schichte selbst denkt an einen stärkeren Zuschuß von Franken. Die
Ostmark war an das Geschlecht der Grafen im Nordgau gekommen,
dies ist das glänzende Geschlecht der Babenberger. Diese haben sich
mit ritterlichen Dienstmannen aus ihrer fränkischen Heimat umgeben.
Die Mundartforschung lehnt solchen Siedlereinzug ab, ob fränkischer
Einfluß über Wien und seine Hofsprache möglich ist, wird erwogen
(34, 36, 66, 91). Der Nordgau ist wesentlich bairisch, doch sind aller-
dings mit ostfränkischen Siedlern dorthin Merkmale von deren Sprache
mit eingezogen.
Das Nordbairische gilt als Ergebnis des Zusammenwachsens eines
bairischen Siedler Stromes aus der Naablandschaft und in Nebenzügen
eines ostfränkischen, der über die Mainquelle, ebenfalls in Nachbar-
siedlung, zum Fichtelgebirge vordrang. Das Südbairische hat wichtige
heutige Mundartmerkmale, etwa erhaltenes l gegen mittelhairische
Vokalisierung : soitz „Salz" schon lange. Also die breite Mitte hat da
Neuerungen aufgebracht. Jene Erhaltung des Alten war dem Südbai-
riischen gerade durch seine Lage am Südhang der Alpen erleichtert.
Die Grenze, besser Grenzzone, läuft auf dem Kamm der Alpen, aber
wieder in einem breiten, in den Einzelerscheinungen auseinander-
fasernden Linienbündel, zwischen Mittel -und Südbairisch. Wenn alte
Tochtersiedlungen am Ostrande und darüber hinaus nach diesen
beiden Mundarten heute eingestuft werden können, so wird bei den
verwendeten Merkmalen vorauszusetzen sein, daß sie schon in der
Zeit der Auswanderung in jenen beiden Hauptmundarten verschieden
waren.

Vom 13. Jahrhundert an wird eine Änderung im Vok


die zur Unterscheidung von Mittel- und Südbairisch f
innerhalb des Raumes entstanden sein. Von außen her, vom Nord-
westen, wird in die Mitte um die Donau die binnenhochdeutsche Kon-
sonantenschwächung hineingetragen. Diese Sprechsitte dringt auch in
die Randgebiete, sogar in die Sprachinsel ein. Dieser Vorgang be-
schäftigt uns zunächst nicht, denn er hat mit der alten Siedelbewegung
nichts zu tun. Jene älteren Lautänderungen könnten trotz ihres späten
schriftlichen Auftretens in das Siedelzeitalter zurückgreifen und spielen

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 89

bei der Bestimmung der Siedlungsbahnen eine wichtige Rolle. Das


nördliche Niederösterreich zeigt ui in bruider „Bruder" (DSA 37). Das
Gebiet ist ehedem größer gewesen (67). Wenn auch erst 13 14 schriftlich
belegt, muß ui in der gesprochenen Sprache schon eine ganze Weile
vorher dagewesen sein. Seine Reichweite bis in die Gegend von Neu-
haus vom östlichen Nieder Österreich her mag die Richtung der Siedel-
bewegung anzeigen. Das Waldviertel, also der Nordwesten Nieder-
österreichs nördlich der Donau, ist von Osten und von Süden her auf-
gesiedelt. Dies bezeugt schon die Landesgeschichte.
Oberösterreich, also das Land bis zur Enns, ist alter Siedlungsboden.
Die Kernlandschaft ist das durch den Salzhandel altberühmte Land
an der Traun. Die Querlagerung breiter Streifen auf der Mundartkar
zeigt die allgemeine Siedlungsrichtung von den älter besetzten Ge-
bieten südlich der Donau quer zu dieser nach Norden hin (bruader).
Das Donautal selber strahlt in junger Zeit Sprachänderungen nach
Süden und Norden aus, wobei Wien natürlich besonders stark beteiligt
ist. Dies führt längst aus der Siedelzeit heraus.
Über diesen geschlossenen Donauraum hinaus trifft das Bairische
vielfach mit Siedlern anderer Mundarten zusammen. Im Sudetenraum
bis zum Südrand des Schlesischen, weiterhin in den nach Osten und
Südosten vorgelagerten Sprachinseln finden sich Merkmale des Koloni-
sationszuges des Bairischen, z. B. p - für b - gebrennt für gebrannt,
Ausfall des e in „ge" und Schwund am Wortende. Die landschaftliche
Forschung sucht dabei nach feineren Unterschieden und greift auf
die Teilung der Sprache des bairischen Altlandes zurück.
Kennzeichen des großbairischen Raumes sind z. B. enk „euch",
er tag, mit seinen Spielformen, „Dienstag* ' geblieben. Erst an den
Rändern werden solche innerbairischen Merkmale durch andere ersetzt.
Im Osten und Norden wird es fraglich, wie weit diese anderen Kenn-
zeichen überhaupt noch bairisch sind. Für die Ostbewegung kommt
bei einer Unterteilung des Bairischen die Unterscheidung vor allem
von Mittel- und Nordbairisch in Betracht. Das Nordbairische füllt
den Nordgau aus und greift von da aus über das Gebirge nach dem
Osten aus. Es teilt mit der fränkischen Nachbarschaft die gestürzten
Zwielaute: mittelhochdeutsch ie und üe zeigen sich dort als ei, mhd.
uo als ou. Das Mittelbairische hat dafür ia und ua. Also „Bruder" ist
hier bruader und dort brouder.

Das Mittelbairische ist über das trennende Gebirge nach Osten bis
an die tschechische Sprachgrenze herangerückt, und drüber hinaus
in die Sprachinseln. Es hat dort Urboden gerodet.
Der Böhmerwald wird durch mittel- und südbairische Mundart

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überlagert. Von Süden her haben in neuer


nach Norden verlagert. Zwischen Taus un
und die nordbairisdhen Merkmale durcheinander, die alte Siedlung
zeigt die Naht noch heute mit nordbairischen Merkmalen, z. B. tout
„tut" im Süden. Der Böhmerwald ist im Süden aus der Nachbarschaft
von Altbayern, von Ober- und Niederösterreich her aufgesiedelt worden.
Das erfolgte schon 1 1 50, da wird von Niederösterreich her ein Einzug
von Grazen aus erfolgt sein. Wohl von dort aus ist die Budw eiser
Insel um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden. Die Mundart
weist in diese Gegend. Weiter nördlich ist am Böhmerwald um Schütten-
hofen schon früh, nämlich wieder in der zweiten Hälfte des 12. Jahr-
hunderts deutsches Volkstum festzustellen. Die Sprache des Marktes
Wallern führt nach Geschichte und Mundart in die Gegend südlich
von Passau zurück. Das Bairische reicht nach Norden über das Fichtel-
gebirge in das Ascher Ländchen bis an die Duppauer Berge östlich
Karlsbad, also ins Egerland. Es gehört zum Nordbairischen, auch nordr
gauisch genannt, und wenn die ältere Ausgangslandschaft gemeint ist,
oberpfälzisch. Von der Masse des Nordbairischen ist im Süden eine
besondere Gruppe durch den Paß von Taus abgetrennt, es sind die
„künischen" Bauern im mittleren Böhmerwald. Sie waren einst wirklich
„königliche*4 Freibauern, stellten sich unmittelbar unter den König in
Böhmen. Im 18. Jahrhundert entstanden dort viele Neusiedlungen, da
wurde neuerlich durch Zuzug aus der Oberpfalz die nordbairische
Haltung der Mundart verstärkt. An der Ostgrenze des nordbairischen
Siedlungszuges lag zunächst Ödland. Dorthin kam von Norden her,
von Freiberg über das Gebirge mit dem Bergbau, erst im 16. Jahr-
hundert ein anderer Siedlerstrom.
Die Sprachinsel Gottschee (29, 102) erscheint zuerst in Urkunden
im 14. Jahrhundert. Die ersten Siedler mögen 1320 - 1330 einge-
troffen sein. Die Herkunftsfragen hat die Gelehrten seit der Huma-
nistenzeit beschäftigt: am Südhang der Alpen könnten Germanenreste
deutscher Siedlung aufgenommen und erneuert worden sein. Trotz
ihrer Absonderung ist die Sprache nicht einheitlich, es sind sechs
Mundarten zu unterscheiden. Die Mundartforschung weist sprachliche
Beziehung zu anderen Resten im Nordwesten den Zimbern, und im
Nordosten zu Kärnten und zum mittleren Tirol nach, damit also
zu bairischem Mundartgebiet. Geschichtliche Angaben und Namen
machen einen schwachen Anteil des Alemannischen wahrscheinlich.
Die Untersuchung wird jetzt gelegentlich der Umsiedlung in die Unter-
steiermark erneut aufgenommen. Die bairischen es, enk finden sich
wieder nicht. Es ist auch in andern altertümlichen Randgebieten der

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 91

Fall, daß die Fürwörter (Plural und Dual) sich anders ausgeg
haben, daß nämlich hier wie sonst außerhalb des Bairischen die
formen aufgegeben worden sind. Eine Nachricht späterer Ze
hauptet, daß Franken und Thüringer beteiligt gewesen wären. S
lich ist davon nichts zu merken. Die heutige Umsiedlung in die
steiermark geschieht innerhalb des Südbairischen (121).
Ungarn (79) und der weitere Südosten erhält deutsche Sie
schon im Zuge der ältesten bairischen Ostwanderung. Wie w
davon unter steter Erneuerung durch Zuzug der folgenden
hunderte deutsche Sprachfläche erhalten hat, ist nicht auszuma
Zuletzt haben die Türkenkriege sehr viel zerstört. Wenn auch d
wohner aus geschützter Nähe die Rückkehr in die östliche H
gewagt haben mögen, so müssen doch jedenfalls sehr viel ne
wanderer mit dabeigewesen sein. Eine alte Gruppe von sehr
bewußten deutschen Bauern sitzt im Hügellande südlich vom Neu-
siedlersee. Das sind die im Schrifttum viel behandelten Heanzen. Ihr
Name ist nicht gedeutet, ihre Urgeschichte ebenfalls nicht. In ihrer
mittelbairischen Mundart zeigen sich sehr viele Sonderheiten. Wenn
nicht gar früher, möchte die Sprachforschung und Landesgeschichte
ihr Einrücken auf das 12. und 13. Jahrhundert festlegen.
Diese Heidebauern bilden in ihrem Gemeinschaftsgefühl und Stolz
eine verhältnismäßig einheitliche Sprachgruppe. Doch dies wird wieder
erst das Ergebnis eines langdauernden Ausgleiches sein und dabei
sind gewiß stammheitliche Sprachspuren aufgegeben worden. Auch
hier hat man im Anschluß an einzelne geschichtliche Angaben an
eine stärkere Beteiligung von Franken gedacht. Aber das ist unwahr-
scheinlich. Etwas ganz anderes ist der fränkische Anteil der letzten
Jahrhunderte an der deutschen Ostbewegung weiter nach Osten hin.
Ein Außenposten alter Siedlung aus den ersten Jahrhunderten der
deutschen Ostbewegung ist die sehr merkwürdige alte Bergwerks-
siiedlung Neu-Pilsen, in einem schwer zugänglichen Gelände nördlich
vom Donauknie, wie Mundartproben beweisen. Deutsch-Pilsen war eine
Bergwerkstadt, in der Kupfer, Gold und Schwefel gefördert wurde.
Die Deutschen müssen schon im 13. Jahrhundert nach Ausweis von
Ortsnamen dort angesessen gewesen sein. Die Sprache wird für kärnt-
nerische Mundart mit mitteldeutschem Einschlag gehalten (Gréb,
Z. f. Mda. 1922, 137). Also wären dort Bergleute vom Süden und
aus der Mitte Deutschlands zusammengekommen.
Die Südwestecke der Slowakei um Preßburg ist in ihren deut-
schen Dörfern ebenfalls mittelbairische Sprachlandschaft von Beginn
an. Es ist der alte Rand der geschlossenen deutschen Sprachfläche des

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92 Walther Mitzka

Mittelalters. Die Reste alten deutschen


selbst sind mittelbairischer Herkunft (
deutsche Gründungen, sie werden seit d
hunderts angelegt. Deutsche Bauern zieh
stückes der bairischen Fläche bis an d
Deutschtum gehören dort auch Bergbau
ins Südbairische. Schwere Kriegszeiten
viele deutsche Orte wüstgelegt und i
vielerorts vernichtet. Aus dem Steirischen ragt an der Raab eine
Gruppe von deutschen Dörfern nach Ungarn herein. Ihre Mundart
hat die Sprachgeschichte der großen Fläche miterlebt, an deren Ost-
rand sie liegen. Aus der nördlichen Nachbarschaft zeigen sich dazu
heanzische Merkmale. Das Steirische als solches gehört zum Süd-
bairischen. Wie schon das Gebiet der Heanzen, so ist auch jener Rand
von Dorf zu Dorf sprachlich nicht einheitlich.

III. Der Ausgleich in den alten Siedelmundarten.

1. Oberdeutsch-mitteldeutsch: vom Egerlandbis Mähren.


Die Mundart des Egerlandes (4, 71) gehört zum Nordbairischen.
Mit der Wissenschaft meint auch das Volk, das Egerländische reiche
so weit nach Osten wie seine vielen Zwielaute klingen, also die nord-
bairischen gestürzten Zwielaute z. B. in bruder: brouder. Die Karten
12 und 37 des DSA. zeigen, wie von Nürnberg her das ganze Nord-
bairische damit bedeckt ist. Nach den Ortsnamen zu schließen, ist
das alte Egerland bereits im 12. Jahrhundert eingedeutscht. Der
Einzug der breiten Masse ist aus der Landesgeschichte wieder nicht
in ihren Einzelzügen zu erkennen. Das Nordbairische, nördlich von
Regensburg, ist selbst schon Ergebnis einer Kolonisation, die ihre
Siedler in die Waldtäler des Fichtelgebirges und dann weiter nach
Nordosten weiterschickt, etwa nach zwei Jahrhunderten seit der bai-
rischen Landnahme. Nichtdeutsche Bevölkerung wird von den in das
Mainquelleñgebiet aufsteigenden Ostfranken, die auch ins Nordbai-
rische gelangen, überwandert.
Das Egerländische ist in seiner Grundlage nordbairisch. Mit ost-
fränkischen Siedlern sind Merkmale aus deren Mundart weit in den
Südosten des Egerlandes getragen worden. Am Nord- und am Ostrand
sind Mitteldeutsche eingezogen: appel „Apfel" (auf Karte 31 des
DSA.). Da sind über das Gebirge vom Norden her Bergleute ein-
gezogen. Es müssen Thüringer gewesen sein (83). Die Mundarträume
haben sich im ganzen so erhalten, wie sie in der Siedelzeit entstanden

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 93

sein müssen. Nicht haben hier Verwaltungsgrenzen umgestaltet. Nach


Norden und Osten hin finden sich die mundartlichen Kennzeichen in
einer bemerkenswerten Einheitlichkeit zu einem starken Linienbündel
zusammen. Auch der östlich vom Ascher Ländchen nach Süden vor-
springende vogtländische Keil hat wie das Vogtländische selbst nord-
bairische Mundart bewahrt. Auch dies reicht in die Siedelzeit zurück.
Das Vogtländische (3) ist also mundartgeographisch recht scharf
gegen das Egerländische abgegrenzt, wobei dies, wie wir eben sahen,
nach Norden ins Vogtland übergreifen kann. Die deutschen Siedler
haben sich hier seit dem 12. Jahrhundert durch Rodung Raum ge-
schaffen. Die Orte mit -rode weisen nach Thüringen, doch ist der
etwas später einsetzende Einzug der Ostfranken, für die die Ortsnamen-
bildung auf -grün in Anspruch genommen wird, stärker und nachhal-
tiger gewesen. Sie müssen es gewesen sein, die die Form des .Wald-
hufendorfes das Erzgebirge entlanggetragen haben. Die Siedlung
breitet sich bis an die obere Mulde an ein weites Waldland heran.
Über das südliche und östliche Vogtland reicht die Bezeichnung kno
„Hügel* ' aus der Oberpfalz in das Kirchberg-Becken und die He
schaft Schönfels-Weida. Für diesen Strich südlich Zwickau ist die
Kolonisatorentätigkeit eines Vogtes von Weida um 1200 erschlossen.
Sie geht also zugleich mit der vogtländischen und von dieser gespeis
zusammen. In welchem Ausmaß Oberpfälzer mit ihrem Nordbairisch
beteiligt sind, ist ganz unsicher. In den Rand im Norden und Ost
gerät ostmitteldeutsches Gut, wohl nur durch Sprachströmungen hine
Doch bleibt es dabei, daß die Grundlage der Mundartgeographie
Vogtlandes auf die Siedelzeit zurückgeht. Nachher hat die politis
Einheit im Lande der Vögte von Plauen die beiden alten Siedlung
kerne um Plauen und um Mylau im Sprachausgleich stärker zusammen
geholt. Die ostfränkische Grundschicht ist hier innerhalb der säch-
sischen Mundarten am besten erhalten (5), vor allem mit den eigentli
vogtländischen Kennzeichen ue in „Brot" usw. Es schließt Kirchberg
noch heute ein. An der oberen Mulde hörte das zunächst besiedelte
Bauernland auf. Östlich davon ziehen Bergleute aus dem Egerland
nach Ortsnamen zu schließen, vom Fichtelgebirge her ein. Nach
1470, als am Schneeberg große neue Silberfunde den Bergbau und die
Wanderung der Bergleute mächtig anregen, kommt vom Osten eine
starke Welle heran, und zwar erst, als dort im Osten der bergmännisch
Ertrag zurückgegangen war.
Wir verfolgen zunächst in der Mundartengeographie die Ostbe-
wegung im Süden des Obersächsischen weiter. Eine fünffache
Siedlerbewegung (3, 5, 6, 19) erstreckt sich in und über das Gebirge.

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94 Walther Mitzka

Am Anfang bringen die kolonisierend


ins Land. Dann erfolgt eine erste be
allem dem Zinn und dem Eisen gilt.
nach Abschluß der bäuerlichen Kolo
hunderts und belebt bis 1470 jene alte
noch wenig zu merken. Schon längs
reichen Silberfunde machte man erst
eine lebhafte Siedler be wegung ins
Fremde. Aus jener Zeit stammen die
Bergbauorten, vor allein Städten. D
und 17. Jahrhundert. Sie wird aus d
dem Nachlassen des Silberbergbaus w
baut. Da kommt es zu zahlreichen dör
bisherigen Waldgebieten.
Den Osten des Vogtlandes nimmt also
art in Besitz. Immer noch stark ist der ostfränkische Anteil im West-
erzgebirgi sehen im Strich Zwickau- Annaberg. Er reicht durch
Siedluugsausweitung über den Kamm des Erzgebirges und die Landes-
grenze nach Süden an das Egerländische, und um Komotau, Kaaden-
Saaz und Brüx an das Nordwestböhmische. Auch dies ist auch noch
stark ostfränkisch bestimmt. Beide Mundarten zeigen schon mittel-
deutsche Eigenheiten, die ihren ganzen Raum ausfüllen.
Das Westerzgebirgische ist ein recht festumgrenzter Mundartraum.
Der Kamm des Gebirges ist im Zuge jener großen Bergmannswande
rung seit den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erschlosse
worden, und zwar vor allem von Norden her. Im Norden war die
bäuerliche Siedlung weit vor dem Kamm liegen geblieben, auch im
Süden hatte das Egerländische ihn nicht erreicht. Es kamen Ein-
wanderer von weit her, die Bergleute siedelten sich nicht nur in den
Städten an. Seitdem ist die Bevölkerungsdichte dort so hoch. Der
Bergbau mit seiner Binnenwanderung hat im Westerzgebirgischen jene
besondere Einheitlichkeit der Sprachfläche geschaffen. Sie ist, ver-
glichen mit den Nachbarmundarten und abgesehen vom Meißischen
in der nördlichen Nachbarschaft, recht groß. Aus den bäuerlichen
Mundarten erwuchs durch die Bergmannswanderung eine neue ein-
heitliche Mundart, waren doch die Bergleute auch in die Dörfer ge-
zogen. Die ostfränkischen Grundzüge blieben erhalten, nun wurden die
kleinlandschaftlichen Unterschiede in jener großen Fläche ausge-
glichen. Dabei sind allerdings mit obersächsischen Siedlern auch
Kennzeichen von deren Mundart miteingezogen. Weitere Änderungen
brachten Sprachströme aus der meißnischen Verkehrssprache.

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 95

Das Nordwestböhmische (6) erreicht also nicht den Kamm.


Sein Bereich ist wie überhaupt der Südhang später als der Nordhang
deutsch besiedelt worden. Die Mundart ist jedoch wie so oft am Süd-
hang altertümlicher geblieben. Dabei beteiligt sich der ältere Norden,
so mit Leuten aus dem Westerzgebirgischen und mit Ostfranken, die
vom Main her, weniger aus dem Egerland einwanderten. Das bairische
enk „euch" reicht vom Egerland aus etwas über den Süden des Nord-
westböhmischen hinein. Erst durch jüngere Sprachströmungen, die
von Dresden und Leipzig hergeleitet werden, haben sich Mundartlinien
auch an der Grenze auf dem Kamm festgelegt.
Im Osterzgebirge ist die erste bäuerliche Kolonisation aus der
Oberpfalz und aus Mainfranken herzuleiten. Die Kolonisation greift
diesmal von Süden über das Gebirge. Die zunächst stark ostfränkische
Mundart ist erst später, nicht durch Siedlung, sondern durch Sprach-
strömungen aus dem Elbtal mehr obersächsisch geworden. Östlich vom
Chemnitzer Klosterland liegt in der ersten Zeit ein Bezirk, der Hersfeld
untersteht. Dort muß die Besiedelung schon in der Mitte des 12. Jahr-
hunderts im Gange gewesen sein. 1162 erscheinen dort deutsche Dorf-
namen. Die Bergstadt Freiberg entsteht dort erst später. In der Neu-
zeit haben böhmische Flüchtlinge vieles von ihrer Mundart in die
Dörfer um Seiffen, dicht nördlich der Grenze, getragen.
Außerhalb des Bergbaugebietes, überhaupt des Sandsteins wegen
auch für die Bauern wenig verlockend, liegt das Gebiet der Säch-
sisch-böhmischen Schweiz (70, 93). Hier sind der Zeitpunkt der
Besiedlung, die Richtung, die Heimat aus der Geschichte nicht weiter
bekannt. Aus einer großen Urkunde von 1228 ergibt sich die Tatsache
einer Deutsch bes iedlung, die schon vor 1200 eingesetzt haben muß.
Weiterab östlich von Dresden, vor allem im Gebiet von Stolten ist
aus jener Urkunde zu schließen, daß dorthin aus der Lausitz heraus
gesiedelt worden ist. Im Ganzen ist die Herkunft der Siedler in diesem
Zwischenland von Süd, von Ost von West, wo auch Sprachströmungen
die ursprüngliche Mundartgliederung abgelöst haben können, undurch-
sichtig.
Ost Sachsen beginnt mit der Städtegründung ca. 1220: Kamenz,
Ostritz, Löbau, Görlitz, Lauban, nach der Mitte des Jahrhunderts
Zittau und Seidenberg. Danach kann man bäuerliche Siedlung an-
setzen, die möglicherweise schon vor den Städten begonnen hatte. Die
Siedlerwelle erreicht dies Gebiet offenbar ein Jahrhundert nach dem
Übergang über die Saale. Bei der Frage nach der Herkunft der Siedler
müssen wir immer 'wieder bei solcher zeitlichen Abstufung starke
Tochtersiedlung aus dem eben gewonnenen Neulande einrechnen. So

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g6 Walther Mitzka

ist für diese Gegend die Herkunft der Ei


Mark Meißen und weiter zurück aus Th
graphisch erkennbar.
Über das Gebirge nach Süden ist wiederu
einzug aus der nächsten nördlichen Nachb
karte wahrscheinlich. Das Gebiet um Zi t tau ist zunächst böhmisch
und etwas später wohl in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts
das Gebiet um Friedland.
Überhaupt ist vom Norden des Erzgebirges und der Sudeten nach
Maßgabe der breiten Querstreifen der Mundartgebiete quer über das
Gebirge nach Böhmen hinein jedesmal ein solcher Siedlerzug zu er-
schließen: aus dem Gebiet von Chemnitz-Zwickau über das Nord-
böhmische, vom Altenburger Bereich in die Gegend von Brüx un
Leitmeritz, vom Meißner und Dresdner Becken ins Tetschner Land,
vom Zittauer Land in den Rumburger Zipfel und die Gabler-Reichen
berger, wohl von Görlitz aus in 'die Friedländer Ecke (84). Jene
S taf fern in Obersachsen müssen sich schon im 12. und 13. Jahrhund
ausgebildet haben und setzen sich dabei mit besser erhaltenem La
der Grenzen in Böhmen fort.
Die deutschen Mundarten der Lausitz (6) gliedern sich vor
allem in das Oberlausitzische mit Löbau und Zittau und das ins Ober-
sächsische einmündende Neu lausitzische um Bautzen.
Das Oberlausitzische ist schon durch die gemeinsame Landesge-
schichte der Siedelzeit innig mit dem Nordostböhmischen um Fried-
land, Reichenberg und Böhmisch-Leipa verbunden. Mundarterschei-
nungen setzen sich an der Grenze erst in der Neuzeit nach der politischen
Trennung ab. Uns beschäftigt jedoch nur die Siedelzeit und ihre
Gestaltung der Mundartgliederung. Während der ersten Hälfte des
13. Jahrhunderts, dem wichtigsten Abschnitt des Einzuges deutscher
Siedler, gehörte die Oberlausitz zu Böhmen. D.ie Besiedlung der Ober-
lausitz vollzog sich sichtlich durch Ausdehnung von Horsten im Innern.
Am besten ist die Siedlungsgrenze, wie so oft auf der Mundartenkarte,
südlich des Gebirges erhalten, im Norden ist sie durch jüngere Sprach-
strömungen nach Osten gedrückt. Im weiteren Lauf der Geschichte
hat sich der große böhmisch-schlesisch-lausitzische Bereich zu einer
großen Einheit zusammengeschlossen. Da breitet sich eine großland-
schaftliche Sprache schlesischer Färbung auch über die Lausitz und
Nordostböhmen aus. Dabei hat sich die Gemeinsamkeit mit dem
Schlesischen stark entwickelt, auch behält das Schlesische viele
Eigenheiten mit Obersachsen gemeinsam. Das Wörtchen ock „nur" hat
einmal weithin gegolten und hat sich heute im Schlesischen, Ober-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache. 97

lausitzischen und Nordostböhmen ein großes Zufluchtsgebiet gesicher


An diesem Wort erkennen die Nachbarn die Herkunft, im Wartheland
werden die Mundartsprecher von den anderen „Hockerlinge" genannt
Das Neulausitzische nimmt die Ebene im Nordosten ein. Hier setzt
sich im Vorgang der Eindeutschung das Neuhochdeutsche der Ver-
kehrssprache durch, aber in mundartlicher Formung: ni „nicht",
stückl „Stückchen", appel „Apfel". Es ist nicht die Hochsprache, die
sich da ausbreitet, sondern die obersächsische Umgangssprache, die
vor allem in den Städten des östlichen Sachsens entstand. Die ost-
preußische Mundartforschung ist durch Laut- und Wortgeographie a
der Suche nach der Heimat des Hochpreußischen auf die Nieder-
lausitz gestoßen (59). Es müssen die hochpreußischen Siedler der
ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gerade von dorther gekommen sei
die deutschen Bauern müssen also nach einiger Zeit weitergewandert
sein, damit die alte mitteldeutsche Mundart.
Für den Schönhengst (7) 'zu beiden Seiten des böhmisch-
mährischen Höhenzuges wird als Grundlage das Ostfränkische des
Thüringer Waldes und des Saalegebietes angesehen. Der Einzug der
bürgerlichen und bäuerlichen Deutschen geht seit Mitte des 13. Jahr-
hunderts vor sich. Im Osten ist der Zusammenhang mit der geschlos-
senen deutschen Fläche erst im 19. Jahrhundert unterbrochen worden.
Im Osten dieses schmalen Durchbruchs ist dabei bei der geschlossenen
deutschen Sprachfläche Meedl mit Schönhengster Mundart ge-
blieben. Das Dorf Wachtl der nordmährisch sprechenden Deutsch-
Brodeker Insel ist vom nördlichen Schönhengst aus im 16. Jahr-
hundert besiedelt. Maxdorf bei Brunn ist als eine junge Gründung auch
an der Mundart erkennbar. Der Schönhengst gliedert sich in sechs
einigermaßen einheitliche Sprachräume. Aus dem Frankenwald mit
der Landschaft bis zur oberen Saale stammen nach Ausweis der Mund-
art die Siedler des breiten Südens und der Mitte. Bairische und schle-
sische Zuschüsse zeigen sich verschieden stark, so in den einheitlichen
Strichen um m. Trübau - Türnau im Südosten, um Landsberg und
Landskron im Norden. Das Rothmühler Gebiet im Südwesten wird
auf die Gegend Frankenwald bis zur Rhön bezogen, wohl mit schle-
sischer Zwischenheimat. Die Nordbaiern, etwa aus der Nordpfalz,
kommen dazu '(83)- Am äußersten Südostrand liegen Kornitz und
Dorf les, ihre Mundart ist eine Mischung aus Nordbairisch und Ost-
fränkisch. Der Wortschatz des Schönhengstes ist ehedem gewiß stärker
bairisch gewesen, nachher ist mitteldeutsches Gut eingezogen (52).
Für das Kuhländchen (114, 115) um Neutitschein kommen als
Ausgangslandschaften Hessen und Thüringen, mit einer Zwischen-
Zs. f. Mundartforsch. Teuth. XIX. 7

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98 Walther Mitzka
heknat in Mittel- und Oberschlesien und Glatz in Betracht. Südlich
des Altvatergebirges liegt ein altes deutsches Bergbaugebiet mit de
Stadt Freuden thai, gegründet vor 12 13. Ringsherum liegen deutsche
Bauerndörfer, die etwas später auf Rodeland entstanden sein werden.
Dies Gebiet gehört zum Schlesischen, in dies Sudetenschlesische reicht
die Nordspitze eines ostfränkischen Keiles. Es ist weniger gemein-
schlesisch als die Nachbarschaft, das Kuhländchen. Rhönisch-ful-
daische Einschläge sind wie im Glätzischen und im Oberschle-
sischen auch hier spürbar. Beim Vorbruch in das Römerstädter Gebiet
sind, nach der Mundart zu schließen, auch Siedler aus dem Freuden-
thaler Bereich eingezogen. Die Gegend des schlesischen Freudenthal
und des mährischen Römerstadt ist 1474 weithin wüst geworden, die
reichsschlesischen Neusiedler (112) haben sich der bodenständigen
Mundart angeschlossen .
In den Sprachinseln in Mähren (84, 85) trifft sich Bairisches,
Ostfränkisches, Ostmitteldeutsches. In Nordmähren ist die Grund-
lage ostfränkisch mit bairischen, genauer nordbairischen Zügen.
Die Nachbarlandschaften nördlich, westlich und östlich zeigen stärker
gesamtschlesischen Charakter (119). Ende des 15. Jahrhunderts werden
manche Dörfer öde, die Neusiedlung hat aber den Grundriß der Land-
nahmezeit in der Mundartgliederung nicht verändert.
Die ostfränkischen und die bairischen Merkmale, die dem Mittel-
deutschen gegenüberstehen, lassen sich oft nicht trennen. Da werden
von der Forschung zur Entscheidung andere Zeugnisse, wie Volks-
bräuche herangezogen. Mittelbairisches ist in die Gegend von Olmütz
und östlich Mährisch- Neustadt gelangt. Es sind nicht bloß Sprach-
strömungen, sondern bäuerliche Siedlung ist beteiligt. Um Olmütz
müssen bairische Bauern gesiedelt haben. Auch für Südmähren kann
umgekehrt mitteldeutscher Siedeleinzug von Bauern angenommen
werden, die Grundlage bleibt bairisch. Die ostmitteldeutsche Siedel-
bewegung läuft also im Osten Südmährens, das Mittelbairische über
Olmütz aus.
Von Auspitz und Nachbarschaft wird um 12 50 das Wischauer Deutsch-
tum und das untergegangene von Deutsch-Pruß nördlich davon her-
zuleiten sein. Das Mitteldeutsche, das bis Wischau, Brunn und wohl
bis Auspitz schön früh vom 13, Jahrhundert an einwanderte, ist gewiß
schlesisch, nach dem Merkmal / - für pf - am ehesten die Gegend
nördlich Olmütz und östlich von Mährisch- Neustadt. Südmähren ist etwa
11 50 - 1300 aus dem benachbarten Niederösterreich deutsch besiedelt
worden (8), das selber die Zwischenheimat von Altbaiern darstellt,
wobei nordbairisch - oberpfälzische Siedler beteiligt sein werden.

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 99

Nach Südwestmähren und im Waldviertel strahlt Nordbairisches aus.


Aber das Mittelbairische bleibt Grundstock. Im östlichen Südmähren
ist mitteldeutsche Siedlung in der Mundart als mitbeteiligt sichtbar.
Zum Südmähtischen (8) gehört auch die Gegend von Neuhaus und
Neu-Bistritz. Dorthin sind von Süden her kolonisierende Herrenge-
schlechter in den Grenzwald eingedrungen. Das ganze südliche Mähren
zeigt bis Brunn und Wischau hin schon im 13. Jahrhundert deutsche
Ortsnamen. Wie diese und die Geschichte führt auch die Sprache auf
Niederösterreich zurück. Die Mundart ist, je weiter nach Norden, um
so altertümlicher geblieben. Sie bewahrt dort altes bairisches Gut.
Heute zeigt die Mundartkarte solche Reste also in einer Randlage. Aber
die für die sprachliche Ostbewegung maßgebende Grundlage hat jene
erste Siedlungszeit gegeben. Die alte Stadtsprache Brunns ist mittel-
bairisch. Die Mundart weist auf das Bairische Südmährens und das
Niederösterreichische zurück. Später erscheinen mitteldeutsche Ein-
flüsse. Auch die Dörfer südlich von Brunn haben altertümliches Bai-
risch. Der schmale nichtdeutsche Streifen zum Brünner Gebiet hin
zeigt noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutsche Sprach-
reste. Um Wischau liegen heute 7 deutschsprachige Dörfer, die Insel
ist ehedem größer gewesen. Ringsum gab es deutsche Dörfer, aus denen
Amtsbücher mittelbairischer Sprache erhalten sind, etwas stärker ost-
mitteldeutsch als heute im Rest der Wischauer Insel (115, 116), die
im 13. Jahrhundert von der Auspitzer Gegend her begründet ist. Noch1
1880 sprachen alte Leute in umliegenden Dörfern deutsch. In manchem
ist diese Gruppe altertümlicher geblieben als die Brünner Nachbarschaft.
Da gilt noch Deichsel für das Wort Wagenstange, das in jüngerer
Zeit von Süden herangekommen ist. Nach der Siedelzeit führt auch
die ostmitteldeutsche Verkehrssprache über die mährische Hauptstadt
Brunn manches in die Mundarten der beiden von Hause aus bairischen
Inseln (67, 84). Die Mundart der Olmützer Sprachinsel (84) ist jetzt
im Grunde schlesisch. Das Bairische ist mitbeteiligt. Die Sprache der
Stadt selbst ist noch zu erkunden. Das westlichste Dorf Nebotein ist
um 1250 von Deutschen angelegt worden, es hat altertümliche mittel-
bairische Mundart mit mitteldeutschem Einschlag. Es werden dieselben
Kolonistengruppen gewesen sein, die das Mittelbairische Südmährens
auch nach Brunn und Wischau getragen haben. In ihrer Sprachinsel-
lage hatten die Mundarten jedesmal besonders altertümliche Züge be-
wahrt. Das Ostmitteldeutsche wird nicht nur durch verkehrssprach-
liche Ausbreitung eingedrungen sein. Wieweit in die Städte so etwas
auch durch Einwanderer mitgebracht ist, bleibt so lange fraglich, als
Nachrichten über die Stadtbürger fehlen. Im 30jährigen Kriege wird
7*

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100 Walther Mitzka

die Bevölkerung solche Verlust


aus dem benachbarten Ostmitte
rische Herrensprache der Neuzei
Aus der nordbairischen Siedelz
hundert, stammt ein wesentlich
wird sehr merkwürdig gegliede
ist nordbairisch, das zeigen die
etwa in „Stumpf" und „Apfe
deutsche Kennzeichen. Die Heimat der Bauernmundarten liegt am
ehesten im Süden des Nordbairischen, in der mittleren und südlichen
Oberpfalz (83). Der Einzug der ostmitteldeutschen Verkehrssprache
ist als Sprachströmung nicht von stärkerer Siedlung abhängig. Am
stärksten nordbairisch ist der Nordteil der Insel, er ist sehr beharrsam,
da gilt z. B. noch mhd. twark „Quark". Die Stadt Iglau spricht selber,
soweit sie Mundart hat, ostfränkisch, mit jenen ostmitteldeutschen
Merkmalen. Das letztere mag der Bergbau hereingetragen haben. Am
Nordzipfel der Iglauer Gruppe liegt eine junge Gründung des 18. Jahr-
hunderts, dort wird schlesisch gesprochen (114).

2. Ober-, Mittel- und Niederdeutsch: von Obersachsen


bis Siebenbürgen.
Von Süden, der Mitte und in wenig gesichertem Ausmaße von
Norden führen Siedelbahnen die Ostwanderer im Neuland rechts
der Saale zusammen. Im Slawensturm von 983 war das Land zwische
der untersten. Saale, Elbe und der Mündung der Mulde, die spä
Heimat des Verfassers des Sachsenspiegels Eike von Repgow, ni
verlorengegangen. Allerdings ist deutscher Masseneinzug erst bald
nach n 60 unter Albrecht dem Bären und den Magdeburger Erz-
bischöfen sichtbar (11). Es werden westelbische und westsaalische
Siedler sein.
Im Norden Thüringens saßen im Ausgang der Völkerwanderungs-
zeit Sachsen, Friesen und Nordschwaben. Die aus Italien zurückkeh-
renden Nordschwaben waren von den Sachsen geschlagen worden und
gehen wie die Friesen in diesen auf. Das Gebiet wird von den Franken
unterworfen. Der Sachsenspiegel unterscheidet noch im 13. Jahrhundert
Schwaben und Sachsen. Aus Flurnamen wird geschlossen (4), daß aus
dem linkselbischen Schwabengau die Gegend zwischen Mulde und
Saale kolonisiert worden sei. Dort läuft seit altersher als Siedlungs-
grenze die Mundartenscheide zwischen dem Niederdeutschen und dem
Mitteldeutschen. Auf Niederfranken läßt der Name der Stadt Aken
schließen, nach Aachen benannt und wohl noch von Albrecht dem

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache. IOI

Bären begründet. Zu Wespen an der Saalemündung wird Weesp a


Mündung der Vechta in die Zuidersee gestellt (88).
Obersachsen zeigt schon im 12. Jahrhundert deutschen Ein
ohne daß die Anfänge im einzelnen urkundlich deutlich sind
doch gibt es dort eine genauere Nachricht: 1 104 hat Wiprecht Gr
Ostfranken aus der Heimat seiner Mutter, aus der Gegend von L
feld bei Würzburg, in das Land an Pleiße und Mulde als Siedler
gerufen. Ostfränkisches -heim reicht bis Meißen. Die Rundung von
mhd. iu>oi in „euch" führt heute in die Würzburger Gegend, die
Bamberger hat ai, ei. Aber solche Lautvorgänge, wie gerade Rundung
und Entrundung, können eine ganz junge Gliederung des Stammlandes
bedeuten. Lassen wir es bei allgemeiner Umgrenzung der Stamm-
heimat, wenn nicht sicherere Merkmale vorliegen.
Den Einbruch breiten Siedlereinzuges müssen wir uns von 1100 an
denken. Die Mundarten zeigen breite Bänder, die sich quer über das
Land legen. Die Forschung nennt sie Staffeln (26). Sie müssen sich
im 12. und 13. Jahrhundert gebildet haben und zwar aus jeweils etwas
anders gemischter Zusammensetzung der beteiligten Altstämme. Nach-
dem dort etwa ein ganzes Jahrhundert lang sich Horste zwischen
den altbesiedelten vordeutschen Flächen gebildet hatten und Siedler-
überschuß im Neulande entstand, wird nach Ausweis der Mundarten-
karte im Zuge jener breiten Streifen das Gebirge nach Böhmen hin
überschritten. Dort ist die ursprüngliche Gestalt dieser Siedlungs-
streifen besser als im Norden erhalten. Im Norden wirkt sich in der
Zeit der frühen Neuzeit vor allem Dresden und später und schwächer
Leipzig durch sprachliche Ausstrahlungen so aus, daß alte Nähte
zwischen den ehemaligen Siedlungsstreifen aufgelöst und verschoben
werden (5). Der Siedlerüberschuß strömt nach Ausweis der Mund-
artgeographie auch nach Osten nach Schlesien ab. Wesentlich durch
Sprachströmung erfolgt seit dem späten Mittelalter im Norden ein
mächtiger Vorbruch, der noch gegenwärtig im Gange ist. Da ist
niederdeutsches Gebiet mitteldeutsch geworden. Eine Sprachströmung
neueren Datums ist auch das Zurückfluten von sprachlichen Neue-
rungen nach Thüringen. Von dort her muß zu Beginn der Siedelzeit
ein Großteil von Siedlereinzügen über die Saale nach Osten erfolgt
sein. Die Geschichte stellt für den Ausgang des Mittelalters eine
Sachsengängerei nach Thüringen und Hessen, die wegen besserer
Löhne erfolgt sei, fest (26). Aber das ist ja nicht echte Siedelbe-
wegung.
Auf jeden Fall ist das Ergebnis der Sprachgeschichte dies,
daß ein so wichtiges Merkmal wie anlautendes / statt westmittel-

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102 Walther Mitzka

deutschem p im Grenzzug zw
gischen östlich von Kassel zu liegen kommt. Dieser Laut / -
für obd. pf - , westmd. und nd. p - wird auch von der schrift-
deutschen Umgangssprache im gesamten westmitteldeutschen und
und niederdeutschen Gebiet gebraucht und zwar in allen Schich-
ten, bis oben hin. Wir schreiben dort pf - , sprechen aber ein
/ - z. B. in Pferd. Die Mundarten der riesigen Fläche des Mittel-
deutschen und des Niederdeutschen haben in ihrem Lautvorrat seither
kein pf, nur p « - und /, nicht nur anlautend, sondern überhaupt. , Thü-
ringen hat einen Einbruch von pf - von Süden aus dem Oberdeutschen
her erlebt Wo nun im Ostlande p - und pf - Sprecher durchein-«
andergerieten, also beim Marsch in den Osten, haben die ersten sich
den andern angeschlossen, nach ihrer Gewohnheit / eingesetzt. Das
tun wir in der westmitteldeutschen Landschaft von der Pfalz bis Kassel
und im ganzen niederdeutschen Bereich, wenn wir das Hochdeutsche
mündlich gebrauchen. Im Ostmitteldeutschen schlössen da zwei Sied-
lerbahnen zusammen, und in jenen beiden andern Großräumen die
Mundart mit der hochdeutschen Schriftsprache. Dort eine sprachgeo-
graphische, hier eine sprachsoziologische Lautsubstitution, und zwar
ganz und gar innerhalb deutscher Sprechweise. Ob niederdeutsche
Siedler dabei sind, ist daran nicht zu erkennen, pf - ist in das Vogt-
land und ins Egerland gewandert, und zwar aus den benachbarten
ostfränkischen Mundartgebieten.
Mit dem Westmitteldeutschen und Niederdeutschen hat das Ost-
mitteldeutsche inlautende - pp - gemeinsam: appel. Diese Linie
läuft im Neulande mitten "durch solche Gebiete hindurch, die sonst
eine ziemliche Einheit zeigen.
Ins Obersächsische sind nach Ausweis der Mundarten ostfränkische
Gruppen eingezogen. Kennzeichen ihrer Sprache finden wir bis in die
Lausitz hinein, auch südlich des Gebirges und schließlich im Schle-
sischen. Die Forschung legt auch hier das Ostfränkische manchmal
genauer fest und spricht dann vom Mainfränkischen oder Ostmainf rän-
kischen oder Oberfränkischen. Es kann sich da immer nur um die
Festlegung auf der Mundartkarte der Gegenwart handeln. Aber die
Karte hat in der Siedelzeit nicht so ausgesehen. Es sind also Annähe-
rungswerte. Wir wiederholen: die historische Tiefe der Mundartgeo-
graphie ist aus Schriftbelegen der Siedelzeit selten, und auch da nur
punkthaft nach der Kanzlei zu fassen.
Aus der Sprachatlaskarte „trocken*' wird mittelfränkischer Einzug
gefolgert (35). Westmitteldeutsches drüge ist im Osten troige u. ä.
geworden. Das führt auf den Köln-Trierer Raum zurück. Die Mundart-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 103

f orschung hat für das ferne Siebenbürgen für eine ganze Reihe we
Erscheinungen einen Auszug jener Ostwanderer vom Rhein he
schlossen. Die Wanderbahn kann sehr wohl nördlich des Erzgebirg
über Schlesien und die Zips in der Slowakei gedacht werden. Ü
dort gibt es Sprachmerkmale, die dazu stimmen. Für das Ober
sische ist diese Geographie von „trocken" das wichtigste Belegs
Wir möchten dazu wissen, ob die heutigen Flächen der verschiede
Formen ungestört durch alle Zeiten hindurchgerettet sind, doch
Begriff „trocken" wird in den Schriftdenkmälern an sich selten
gewandt.
Das süddeutsche und zugleich schriftdeutsche „trocken" ist ganz
anders gebildet und hat anscheinend seit dem Mittelalter nach Norden
mächtig ausgegriffen. Das Niederdeutsche reicht mit Fortsetzungen
von dröge sehr weit in die Gegend von Halle und Leipzig hinein. Dies
ist eine andere Ablautstufe als jene aus dem Mittelfränkischen her-
geleitete. Die Kanzleisprache von Halle ist zunächst niederdeutsch.
Das Altenburgische (6) um Altenburg und Zeitz zeigt in seiner
Grundlage das obersächsische Mitteldeutsch. Es zeigt insgesamt alte
obersächsische Formen. Da haben Sprachströmungen nicht so sehr
gestört. Das Oberdeutsche und das Mitteldeutsche haben im Räume
zwischen Naumburg im Norden und Greiz und Schleiz im Süden zu
einer wesentlich mitteldeutschen Siedlungsmundart sich zusammenge-
funden, auch soll das benachbarte Niederdeutsch beteiligt sein, was
nicht genügend begründet ist. Das Oberdeutsche ist in der südwest-
lichen Nachbarschaft, um Gera herum, stärker durchgedrungen.
Der Norden des Landes Sachsen, wie westlich anschließend der von
Thüringen, das Oster ländische, spricht mitteldeutsch, aber mit
Merkmalen, die auf Siedlereinzug vom fernen Westen her hinweisen.
Nach Norden hin ist es außerhalb des Landes Sachsen noch nicht be-
arbeitet worden. Die Geschichte berichtet von flämischen Siedlern im
Leipziger Lande (47). Im Thüringischen werden bei Schulpforta Hol-
länder angegeben, sonst ist in unserem Bereich immer von Flandrern,
Flandrenses, die Rede. Der Fläming heißt sonach' flämischen Siedlern.
Überhaupt wird weiter nördlich in der Magdeburger Gegend und vor
allem in der Mark niederländischer Wortschatz deutlich. Das ist wieder
niederdeutsches, genauer niederfränkisches Gut. Aber die Auseinander-
setzung zwischen Mitteldeutsch und Niederdeutsch am unteren Rhein
ergibt kein scharf gegeneinander abgegrenztes Mundartgebiet. Zudem
hat sich mitteldeutsches Gut im Mittelalter am Rhein dauernd nach
Norden verschoben. Der Ausdruck Flandrer wird nicht auf Flandern
allein begrenzt werden können, sondern geht auf das Niederfränkische,

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104 Walther Mitzka

aber mit unsicherer Abgrenzung zum un


das Kennzeichen der Mundart von Leipzi
in „Kind" zum Kölnischen gehalten wird
k in mitteldeutschem Munde mit g wi
zeugt dies. Zum kölnischen ; für g stimm
sagt". Es ist heute am Rhein nicht im eig
Norden, sondern im Kölner Raum vor
nicht niederdeutsche Merkmale.
Am Anfang des Schlesischen (41, 42, 43) stehen wieder Nach-
richten über Flandrenses. Mundartliche Spuren sind im Süden zu
finden. Dort liegen seit der Siedelzeit jene Sprachinseln, die die alte
Sprache besonders gut erhalten haben können. Manches davon muß
ehedem im Schlesischen verbreiteter gewesen sein. Durch Schlesien
legt die Forschung auch den Weg der Flandrer Siebenbürgens.
Zwischen Leobschütz und Cosel liegt die Sprachinsel Kostenthal.
Die (1 1 1 ) deutschen Siedler werden 1225 genannt, bald vorher muß
das deutsche Dorf angelegt worden sein. Es bekam das deutsche Recht,
das Zülz schon hatte. Nach Kostenthal hatte sich aus dem deutsch
durchsiedelten deutschen Gebiet um Neiße und Leobschütz ein Keil

vorgeschoben, erst später schrumpfte er zu einer Sprachinsel zusamm


-cheti, z. B. Steckchen „Stückchen", gilt nicht vor s, st, seh, tz und
da steht -ken: katzken „Kätzchen", besken „bischen", Schaff ken
„kleines Schaff", „Schrank", Dies stimmt zum Siebenbürgischen und
wird Erbstück aus der Wanderung der „Flandrer" sein. Manche Merk-
male stimmen zu Schönwald: gegen sonstiges schlesisches -lein hat
sich an beiden Stellen altschlesisches -chen erhalten. Auch borstel
„Handbesen" ist ein Flandrer- Wort (57). Es kommt im östlichen Su-
detenschlesien (aber nicht in Kos ten thai) und im angrenzenden Nord
mähren vor. Die Deutschen kamen nach Ausweis der Mundart aus dem
Räume um Zülz, wo damals das Mitteldeutsche, genauer das Schle-
sische, mittel- oder gar niederfränkische Züge gezeigt haben muß.
Das Land östlich der Saale wird Zwischenheimat gewesen sein. Aus
dem Räume Neiße-Neustadt-Leobschütz sind überhaupt die Bielitzer
Sprachinsel, Schön wald und altschlesische Inseln in Galizien (84) her-
zuleiten. Zuletzt noch ein Wortzeuge aus dem südlichen Schlesisch und
zwar nach dem Deutschen Wortatlas: „Veilchen" lautet im Gebirgs-
schlesien öfters velken (13). Die Endung stammt nicht aus dem Ost-
niederdeutschen, wo -ke zu erwarten ist, sondern aus jenem Westen.
Ins Niederdeutsche der nördlichen Nachbarschaft führen kaum
sichere Beweisstücke. Was das Niederdeutsche angeht, so zeigen d
heutigen Mundartverhältnisse keine Beziehungen zwischen dem Schle

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 105

sischen einerseits und dem Brandenburgischen oder Pommersch- West-


preußischen andererseits (41). Das Brandenburgische ä wird oft e
geschrieben, z. B. in „Wiese" (Karte 41 des DSA.). Im Netzegebiet
weiter zu ai. Im Nordschlesischen entspricht nun einem langen i ein ai,
an den Rändern wird es ein e. Die „Wiese" lautetalso im Norden Wes un
Wais, im Süden, also im Schlesischen mit den gleichen Stammsilben-
lauten, die Endung ist weithin als -e erhalten. Jedesmal ist im Stamm
aus verschiedener Sprachgeschichte das gleiche ai herausgekommen.
Solche jeweils aus eigner Lautgeschichte abzuleitende Gleichung trifft
auch für die übrigen gleichklingenden Lauterscheinungen zu, so fü
die Bruder-Karten 12 und yj des DSA. Aus der Reihe der Stamm-
silbenformen sind im Südostpommerschen einige äu, eo, in der Frau-
städter Ecke einige iu, im Schönhengst iu, io, iou herauszuheben, au
des Neiderländischen und des Netzegebietes gehen auch hier auf ver-
schiedene Herkunft zurück, dort auf ü und hier auf o. Die äu, eo in
Ostpommern sind vom West- und Ostfälischen herzuleiten (59).
In weise fällt das Schluß-^ in der Netzegegend und in einem
Teil des Nordschlesischen weg. Die Netzegegend stimmt zum Nieder-
deutschen im weitesten Umkreis, aber im Schlesischen liegt ein be-
sonderer Fall vor. Wie in einem großen Bereich des Obersächsischen
gilt dieser Wegfall auch im ältesten Siedelgebiet des Schlesischen,
um Löwenberg. Im westlichen Wartheland ist in den jungen „Hau-
ländereien", das sind schlesische Tochtersiedlungen, um Neutómischel
dasselbe der Fall. Ihre Streuung reicht an die niederdeutsche Mund-
artgrenze heran.
Südlich von Gleiwitz hat sich durch die Jahrhunderte aus einer
deutschen Gruppe Schönwald mit seiner altertümlichen Mundart er-
halten (33, 34). Es wird 1283 zugleich mit Stanitz und Deutsch-
Zernitz, jetzt Stansdorf und Haselgrund, als deutsches Dorf erwähnt.
Die heutige Mundart zeigt Merkmale, die auf verschiedene schlesische
Teilmundarten zurückführen und auf dort unterdessen verklungene
Lautformen und damit wie die andern alten oberschlesischen Sprach-
inseln auf das Altschlesische überhaupt zurückschließen lassen. Die
Mundart von Schönwald stammt aus der Gegend nördlich von Neu-
stadt (80).
Aus einer ehemals großen Insel ist die Mundart von Bielitz-
Biala (117) erhalten. Die ersten deutschen Dörfer werden um 1305
genannt. Als oberschlesische Zwischenheimat ist die Gegend zwischen
Leobschütz und Katscher gesichert, von dort führen, wie so oft im
südlichen Schlesischen, sprachliche Beziehungen in die Fuldaer Gegend
und weiter östlich zurück. 1880 hört ein Mundartforscher (106) noch
dot „das" ,det „dies", gesot „gesagt", etta „jetzt", und zwar nur noch

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I06 Walter Mitzka

von älteren, alteingesessenen (


kommt dit in Thüringen im Mitt
sogar bis ins 19. Jahrhundert.
wir selber doch weiter im rheinischen Westen suchen. Da wäre ein
Rest gefunden, von dem man wieder nicht sagen kann, wie weit er
mittelfränkisch, also nicht niederdeutsch ist.
Nordöstlich von der Bielitzer Sprachinsel liegt der heutige Markt-
flecken Wilmesau, eine Gründung wohl aus der Mitte des 13. Jahr
hunderts. Die Mundart stimmt in der Hauptsache zu jener. Die Mund-
art der Alten von Alt- und Neu- Anhalt, Alt- und Neugatsch (105
und Nachbarschaft, südöstlich von Kattowitz, paßt wesentlich zu Wil-
mesau. Die Sprecher stammen aus dem 7 km entfernten Seibendorf
nordöstlich von Bielitz-Biala und sind von dort in der Neuzeit um-
gesiedelt worden.
Die deutsche Bürgersprache Galiziens ist schlesisch, gemäß dem
hauptsächlichen Herkunftsgebiet. Krakau verbanden seit Ende des
14. Jahrhunderts viele Beziehungen mit Nürnberg, das ist vor allem
aus der Kunstgeschichte bekannt.. Überhaupt sind die Städte Galiziens
Freistadt, Landshut, Landskron bis nach Lemberg (Löwenburg) hin
lange Zeit deutsch. Altschlesische Mundart ist im mittelalterlichen
Deutschen im mittleren Galizien erloschen. Sie ist auf denselben Aus-
gangsraum wie die obersehlesischen Inseln, die noch erhalten sind, aus
dem gesamtschlesischen Bereich zurückzuführen (83). Der erste Stadt-
schreiber von Krakau., den wir namentlich kennen (1300 - 1305), war
ein Deutscher aus Schlesien (45). Deutsche Eintragungen finden sic
bis ca. 1600. Die Geschichte des Deutschtums in Krakau wird seit
1228 deutlich.
Das einzige alte Dorfschöffenbuch aus dem gesamtdeutschen Be-
reich, das bisher vollständig veröffentlicht wurde (22, 23), ist das von
Krzemienica, 3 km westlich der Stadt Lancut in Mittelgalizien (24).
Kasimir d. Gr. von Polen hat auch in diesem Grenzgürtel zwischen
polnischem und ukrainischem Volkstum deutsche Siedler angesetzt. Im
Zuge dieser Ostwanderung ist das erst etwas später erwähnte Landshut
und das deutsche Dorf Krzemienica gegründet. Sie werden 1378 als
deutsche Stadt bzw. deutsches Dorf in der Gründungsurkunde für ein
nachher untergegangenes deutsches Dorf Langenau genannt. Es sind
dort noch andere Schöffenbücher erhalten, so mit deutschen Eintra-
gungen von 1428 - 61 für das Dorf Kroscienko. Während sonst das
Deutschtum in Kleinpolen und Rotrußland im 16. Jahrhundert stark
zurückgeht, zeigt ein zweites Schöffenbuch von Krzemienica noch am
Ende des Jahrhunderts deutsche Sprache. Nur deutsch ist das älteste

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 107

erhaltene Schöffenbuch van Markowa 1 591 - 1624. Dort ist noch


18. Jahrhundert deutsch gesungen worden. Die Sprache ist ostmi
deutsch, genauer wohl schlesisch.
Die Deutschen der neuzeitlichen Siedlung Machliniec in ukrainis
Umgebung (78) stammen aus dem Egerland, zumeist aus der Tacha
Gegend, und deren Mundart hat sich heute durchgesetzt.
Im 14. und 15. Jahrhundert führen breite deutsche Streifen
Sprachinseln, von Oberschlesien durch Klein-Polen nach Lemberg
vom Norden Schlesiens vom Fraustädter Ländchen über Kosten nach
Posen. Die Stadt Posen ist 1253 als deutsche Stadt von einem Lokator
aus Guben angelegt. Das Posener (12) Kanzleideutsch ist schlesisch.
Manche Sprachmerkmale führen nach Nordschlesien. Auch läßt sich
bei einem Schreiber die Verbindung mit dem Nordschlesischen ge-
nauer erweisen. Im südlichen Warthegau liegt die Stadt Punitz. Von
dort sind deutsche Texte von 1471 - 76 erhalten. Sie sind gleichfalls
schlesisch.
Die alten Deutschsiedlungen, die seit dem 12. Jahrhundert östlich
und südlich der Hohen Tatra um die Burg Zips entstehen, haben in
ihren Mundarten Bairisches und Ostmitteldeutsches, doch kommen für
manche Stücke noch weitere Stammlandschaften in Frage. In weiterem
Umkreise liegen dort ehemals deutsche Bergstädte, so Sillein und
Karpfen, dessen Recht dort vorbildlich wurde. Die höchste Blüte er-
lebten die Städte im 14. Jahrhundert. Das Silleiner Stadtbuch (bis 1429)
zeigt schlesische Sprache (110). Das Bürgertum ist danach aus Ost-
schlesien, genauer Teschener Gebiet, herzuleiten.
Die Mundarten dieser Städte zeigen Herkunft aus dem Mittel- und
Nordbairischen und Schlesischen (28).
Die Zipser Deutschen verteilen sich über mehrere Mundartgebiete:
die Oberzipser Mundart gilt um Käsmark und Leutschau. Die Berg-
städte im Süden liegen in den sogenannten Gründen oder in der
Niederzips mit Dobschau. Im Nordosten ist Hopgarten mit eigener
Mundart (schlesisch) als Rest einer besonderen Sprachinsel erhalten
geblieben. Zips ist die Burg, nach der das Land ringsum benannt
wurde. Der Name der Stadt Käsmark bezeugt die ausgezeichneten
Weidewirtschaften.
Sehr rätselhaft ist zunächst die Oberzips. Sie zeigt sehr starke
Mischung: niederfränkische Spuren, wohl von Holländern deutscher
Zwischenheimat. Die Siebenbürger Sachsen können sehr wohl über dies
Gebiet eingewandert sein (84). Ungarn hat an seiner Nordgrenze und
an seiner Südostgrenze Deutsche zum Grenzschutz angesetzt. Mittel-
deutsche Merkmale finden sich auch von dort aus in den Zipser

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I08 Walther Mitzka

Gründen mit Dobschau. Die bairischen Merkmale weisen auf die Be-
siedlung der Bergstädte durch bairische Bergleute hin. Sie müssen über
Niederungarn als Zwischenheimat und zwar schon im 13. und 14. Jahr-
hundert eingezogen sein. Bauern und Ackerbürger werden aus der
Oberzips gekommen sein. Aus dem Eergbaustädtchen Zipser Neudorf
ist ein deutsches Stadtbuch (von 1383 an) erhalten (113). Die Sprache
weist wieder auf die Oberzips.
Die ostmitteldeutschen Siedler der Deutsch-Probener und
Kremnitzer Inseln sind nicht direkt aus Schlesien oder Nordmähren,
sondern vom Dunajec gekommen (84), wo Deutsch vor dem Tataren-
sturm von 1241 vorhanden gewesen sein mag, aber bis heute hat nur
Hopgarten in nächster Nachbarschaft der Zips die deutsche und zwar
schlesische Mundart bewahrt. Die Kremnitzer und Deutsch-Probener
Orte sind in erster Linie Bergbausiedlungen. Sie trieben vor allem
Goldbergbau. Die Mundart hat eine schlesische Grundlage. Bairisch
ist z. B. mit enk „euch" dazugekommen. Die weiblichen Hauptwörter
haben bairisches -n z. B. achn „Eiche". Es gelten in Deutsch-Proben
mitteldeutsche -pp-, in der Zips oberdeutsche -pf-. DSA. Text S. 1 54.
Krömnitz ist als typische deutsche Kolonialstadt kurz vor 1328 ge-
gründet, Deutsch-Proben 1337 oder kurz vorher. Beide Städte werden
Mittelpunkte dörflicher Siedlung im weiten Ablauf des 14. Jahrhunderts.
Gründungsurkunden sind seit 1342 erhalten. Aus dem Dunajecgebiet
in Galizien greift Rodesiedlung nach Ausweis der schlesischen hau-
Orte über die Karpathen nach Süden hinunter. Im Norden kommt sie
bis in die Landshuter Gegend. In Hopgarten, gegründet 131 5 am
Dunajec, also der einzig erhaltenen schlesischen Sprachinsel, wird eine
Mundart gesprochen, die wieder aus dem altbesiedelten Räume Neiße,
Neustadt, Hotzenplotz, Leobschütz stammt (84).
Innerhalb des heutigen Schlesisch läßt sich nach 600 Jahren und
nacK der Sprachmischung keine Teillandschaft allein als Urheimat
festlegen. Die Siedler kamen auch aus den verschiedensten Gegenden
und dazu nicht in einem Schub, sondern in Jahrzehnten, sogar in
Jahrhunderten. Doch manche Merkmale weisen auf eine Mehrheit von
südschlesischen Siedlern, es stimmt Wichtiges zum Schönhengst, dort
ist in jenen Sprachinseln altes schlesisches Gut bewahrt. Zuerst war an
das Bergbaugebiet Mährens als Zwischenheimat gedacht worden.
Nach 1141 sind „Flandrer" nach Siebenbürgen gezogen (48, 74).
Dieser Teil des Auslandsdeutschtums hat sich in der Neuzeit zuerst um
die Herkunftsfrage mit Mitteln der Sprachforschung bemüht. Es ist
kein geringerer als Leibniz, der auf die Wichtigkeit der Erforschung
des Siebenbürgischen hinwies. Die Siebenbürger Sachsen haben dann

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 109

von sich aus festgestellt, daß sie nicht aus der Völkerwanderung
sondern aus deutschem Mutterlande abzuleiten sind. Man dachte an
das Sächsische im alten Sinne. Die siebenbürgischen Mundarten zeigen
untereinander starke Unterschiede, aber auch Merkmale, die auf eine
engumgrenzte Stammheimat zurückführten. Bei einer Untersuchung
des Konsonantenbestandes (Marijenburg, Keintzel) richtete sich seit
1845 der Blick auf das Mittelfränkische, genauer (Kirsch, Huß) auf das
Luxemburgische. Daran hatten schon vorher einige Beobachter, ohne
sprachwissenschaftliche Begründung, gedacht. Die Krisis der bis dahin
selbstsicher gewordenen Urheimatforschung (48 a) trat 1905 ein, als
eine Gruppe von siebenbürgischen Wissenschaftlern nach Luxemburg
reiste und dort die Mundarten selbst abhörte. Wenn auch manches nicht
übereinstimmte, so war doch die Gleichung zwischen dem Neulande
und dieser Urheimat in so vielen andern Stücken offensichtlich. Am
Deutschen Sprachatlas war unter Wrede unterdessen die methodische
Erkenntnis erwachsen, daß die Sprachzustände jener vermeintlichen
Urheimat in alter Zeit viel weitere Räume eingenommen haben müssen.
Die Verlagerung südlicher Erscheinungen nach Norden rheinabwärts
wurde der neuen Dialektgeographie deutlich (Frings). Dazu trat aus
Siebenbürgen die Erkenntnis (A. Scheiner, Huß), daß bei den sieben-
bürgischen Mundarten mit einer Mischung urheimatlicher Mundarten
zu rechnen ist. Luxemburg stimmt deswegen in vielen Zügen zum
Siebenbürgischen, weil es als enüegenes Randgebiet in der Gegenwart
viele altertümliche Sprachmerkmale bewahrt hat. Im Zeitalter der Aus-
wanderung, also von 11 41 - 1300 müssen nicht nur aus der weiteren
Umgebung im Norden und Osten Luxemburgs, es können auch aus
ganz entfernten Urheimatgebieten Siedlerzüge ausgegangen sein.
Die Siebenbürger Sachsen haben sich in drei getrennten Räumen
festgesetzt, um Hermannstadt, um Bistritz, 121 1 - 1225 unter dem
Deutschen Orden im Burzenland um Kronstadt. Alle siebenbürgischen
Mundarten haben das Leitmerkmal des Ostmitteldeutschen, nämlich
anlautendes / für p. Doch bleiben manche Wörter, auch über die aus
dem Neuhochdeutschen abgeleiteten hinaus mit p - wie in Westmittel-
deutschland und im Niederdeutschen erhalten. Als Sprachströmung
späterer Zeit läßt sich dies nicht gut werten. Da in Ungarn von den
Deutschen auch Bergbau betrieben wurde, denkt man nunmehr auch
an obersächsischen Einfluß, das soll vor allem für das Nordsieben-
bürgische in Betracht kommen. Dem Siebenbürgischen spricht man
stärkeren rheinischen Einschlag zu. Es kommen dabei Zwischensta-
tionen, in denen die Siedler mehr oder minder lange Zeit gesessen
haben, in Frage. Der Versuch mußte einmal gemacht werden, an

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HO Walther Mitzka

Hand von Gruppen von wiede


Möglichkeiten einer Zwischen
Versuches bleibt eine Linienfü
donauabwärts über Wien (64,
manischen Einschlag möchte di
erkennen.
Das Ostmitteldeutsche könnte, wenn nicht gleich zu Beginn der
Wanderung, durch später einziehende Nachsiedler aus Obersachsen
hineingekommen sein, es wäre in den städtischen Mundarten stärker
durchgekommen, während in den bäuerlichen Mundarten das Rhei-
nische stärker durchblickt (75).
Die Endung -ken, die in Siebenbürgen weit verbreitet ist, muß aus
dem Rheinischen stammen. Die heute als niederdeutsch zu bezeich-
nende Verkleinerungsendung kann für die Auswanderungszeit noch
recht weit in kien Süden gereicht haben, also auch mittelfränkisch1
gewesen sein. Es ist also sicher Niederdeutsches nicht gefunden.
In allem bleibt die sehr merkwürdige vielfältige Übereinstimmung
der siebenbürgischen Mundarten mit dem heutigen Moselfränkischen
Das Burzenland um Kronstadt stimmt in manchem heute zur Land-
schaft an Ruhr und Wupper (Scheiner). Die Verteilung kann in der
Siedelzeit anders gewesen sein. So viele Mitwanderer auch aus andern
Landschaften dabei gewesen sein mögen und so stark sich die rhei-
nische Landschaft auch verändert hat, das Mittelfränkische herrscht
im Siebenbürgischen immer noch stark vor.

3. Niedersächsisch: von Holstein bis Pommern.


Der nördliche Abschnitt des alten Stammlandes rechts der Elbe wird
durch die Grafschaften Stormarn und Holstein gebildet. Von dort
schiebt sich die Siedlung nach Osten über Wagrien an die Trave vor.
Der Nachbar, Heinrich der Löwe, gründet Lübeck.
Für Wagrien haben wir einen zeitgenössischen Beobachter des deut-
schen Einzuges, nämlich Helmold (31). Die Kolonisation geht vom
Grafen Adolf II. von Schauenburg 1143, wie H. angibt, aus. H. hat
unter den Kolonisten selbst gewirkt, ist anscheinend als Kind mit den
Eltern schon vor jener bäuerlichen Siedlung, aus Ostfalen eingewan-
dert (124). Das erste Buch seiner Chronik mit dem Kap 57 hat H. kurz
vor 11 68 geschrieben. Im Westen bei Segeberg bis an den Plöner See
siedelten Holsten. Das Dargener Land um Ahrensbüttel südlich von
Lübeck erhielten Westfalen, das Eutiner Land, wo Helmold dann in
Bösen wohnte, Holländer, Süssel westlich Neustadt Friesen. Heut-
zutage ist dieser Teil von Ostholstein dem Gesamtholsteinischen

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache III

angeschlossen. In einem Aufstand wurden die ersten Siedlunge


nichtet. Heute haben die Holsten von weiterher kommende nieder-
deutsche Einschüsse so gut wie ganz aufgesogen. Nur noch alte Leute
verwenden in der beharrsamen, altertümlichen Bauernlandschaft öst-
lich von Kiel in der Probstei, die ostfälischen Formen dik, mik „dir,
dich, mir, mich" für die sonst im Niederdeutschen, also auch im
Holsteinischen ringsum geltenden di, mi.
Im Osten Holsteins und mehr noch in der östlichen Nachbarschaft
läuft in breitem Gürtel ein Linienbündel, der Übergang vom Holstei-
nischen zum Mecklenburgischen (30). Da treffen sich u. a. westliches
wai und östliches waddik, warrik ,, Molken", westlich bäsbom, östlich
wüsbom „Heubaum auf dem Erntewagen".
Das Mecklenburgische (95,99) ist unter den Neulandmundarten
ein recht geschlossener Sprachraum. Es gilt nun wie immer nicht für
alle Spracherscheinungen, daß sie die gesamte Fläche ausfüllen. Die
Westgrenze besteht in jener Zone zum Holsteinischen hin. Recht ein-
heitlich ist die Grenzzziehung nach Brandenburg zu. Im Osten hält
sich die Sprachgrenze ganz und gar nicht an die alte politische
Grenze Mecklenburgs. Das Mecklenburgische geht ohne Hemmung in
das Vorpommersche über. Der Raum des Mecklenburgischen wird in
neuer Zeit auch durch die noch in der Literatur verwendete Verkehrs-
sprache bei Fritz Reuter und John Brinkmann vereinheitlicht. Die
Linien laut- und wortgeographischer Art zeigen, wie wenig die Land-
schaft gegliedert ist. Das Ganze ist ein Zeugnis einer stetigen Landes-
geschichte, nach ' erfolgtem Ausgleich zwischen den eingezogenen
Untermundarten. Diese müssen aus der westlichen Nachbarschaft und
von weiterher aus dem Westfälischen her erfolgt sein. Auf dies Letztere
werden die Zwielaute ai und au für sonstiges niederdeutsches ë und ö
bezogen.
Jene -/: -^«-Grenze mag ehedem westlich von Lübeck gelaufen
sein, -en ist ein Kennzeichen der mittelniederdeutschen Schrift-
sprache. Und diese hatte ihre Hauptkanzlei in Lübeck. Dorthin laufe
die Verkehrsstränge des Hansischen Raumes von Flandern und West
und Ostfalen, Riga, Gotland und Nowgorod zusammen. Im Neulande
ist das Niederdeutsche zunächst Herrensprache. Die Städte sind erst
Inseln, aber auch die Bauernsiedlungen müssen wir uns als solche v
stellen. Durch ein Heranrücken von Osten nach Westen an das Stamm-
land heran, nicht durch ein Überwalzen der altstammlichen Ostgrenze
ist jene Naht zwischen altem und neuem Lande auf der Mundartkarte
zu verstehen. Das Wendland und die Jabelheide zeigen dort, wie ander-
wärts noch im Gange befindliche entsprechende Vorgänge z. B. in

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112 Walther Mitzka

Ostsachsen und Südbranden


Front der deutschen Ostbewe
(bis zum 18. Jahrhundert) l
den Urkunden anzeigen, ist die Siedelzeit das zweite Viertel des
13. Jahrhunderts (32). Wenn dort an der Landesgrenze sich doch
einige schwache Mundartlinien finden, so liegt das nicht an Naht-
stellen der Siedlung, sondern irgendwo westlich oder östlich später
aufkommende Sprechmoden finden da eine Hemmstelle z. B. „mähen"
mei g en: meiden.
Nach dem Aufkommen deutscher Flurnamen zu schließen (63) er-
scheinen in Mecklenburg solche vor 1200 zuerst im Westen nahe der
Küste und im Süden. Im weiteren Verlauf der Ostwanderung der
Flurnamen zeichnet sich auf der Karte eine Bahn an der Küste entlang
von Westen her ab, ebenso erweitert sich der Ansatz im Süden nach
Norden hin. Die Landgebiete der Jabelheide und in der Mitte im Seen-
bereich um Waren bleiben frei. Auf jener west-östlichen Bahn möchte
man holsteinsche, allgemeiner nordniedersächsische Beziehungen aus
geographischen Gründen suchen, auf jener im Süden beginnenden
Bahn wiederum west- und ostfälische. Aber letztere hatten wir schon
im Ostholsteinischen getroffen. Nach Westfalen weisen eindrucksvolle
Merkmale, wie kind für „Kind" (Karte 17 des DSA.): ringsum Osna-
brück breitet sich ein großer Bezirk mit dieser Länge aus, und im Herzog-
tum Lauenburg, also in der Ratzeburger Siedellandschaft, bis über
Schwerin hinaus auch in jenem Süden Mecklenburgs. Das Zahlwort
„vier" lautet in weiten Strichen West- und Ostfalens wie im Westteil
Mecklenburgs: veier (Karte 57 des DSA.). Ostfalen ist bei der Be-
heimatung der Siedler aus anderen Gründen von der Forschung mit-
genannt worden, wenn auch im Vorbehalt (95). Das Nordniedersäch-
sische ergibt die eine Grundlage des Mecklenburgischen, dazu kommt
starker Einschuß von Süden her, bestimmt aus dem Westfälischen,
möglicherweise auch aus Ostfalen.
So einheitlich in vielen Spracherscheinungen Mecklenburg ist, es
läßt sich wieder mit andern Merkmalen, z. B. der Wortgeographie
der Westen gegen den Osten, der Süden gegen den Norden ausgliedern.
Da spiegeln sich Vorgänge der Siedelzeit und späterer Ausgleich
wieder. Der ganze Raum wird durch solche Kennzeichen wie (spiran-
tisches) g in bugefi „bauen" ausgefüllt, in älterer Zeit des Neumecklen-
burgischen tauchen auch die zu einem Teile West- und Ostfalens
stimmende Form mit -gg- auf (98).
Der Übergang von Mecklenburg nach Vorpommern ist mundart-
geographisch ziemlich ungehemmt. Zu beiden Seiten der Grenze geht

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 113

die Gemeinsamkeit auf einheitlichen Klosterbesitz zurück. Der Siedler-


einzug , Irrmß nach Aussage ' der Flurnamen im zweiten Viertel des
13. Jahrhunderts erfolgt sein. Auch die Wasserstraße der Peene wird
sofort überschritten und der Westteil der Insel Usedom einbezogen.
Die heutigen Mundarten zeigen den stärksten Einschnitt östlich der
Swine, so daß also die ganze Insel Usedom und einige Dörfer der zu-
nächst wichtigsten Fahrstraße der Schiffahrt nach Westen einbezogen
sind. Außer Tochtersiedlung kommt an solchen Stellen die Ein-
deutschung mit in Rechnung. Sie rückt von den entgegengesetzten
Seiten dort zusammen. Die Insel Wollin wird später einbezogen.
Zugleich mit dem ersten Ansatz im äußersten Westen Pommerns an
der "mecklenburgischen Grenze zeigt sich im Süden der Keil, der vom
Brandenburgischen ausgeht. Er wird von der Oder und der Ihna ein-
gegrenzt. Da erscheinen die ersten deutschen Dorfnamen ani Madüsee
1 175 und 1180. In den nächsten Jahrzehnten verstärkt sich sichtlich
diese Gruppe.. Im Süden wird das linke Oderufer einbezogen, dann
gebietet ein Waldbezirk zunächst Halt, im Osten breitet sich der Keil
bis an die Drage aus.
Die Küstendeutschen wandern in der allgemeinen Ostrichtung nach
Ostpommern weiter. Dabei können Mecklenburg- Vorpommern immer
wieder Zwischenheimat sein. Der mecklenburgische Sprachraum hatte
sich erst selber zu seiner Eigenart abzuklären. Das Nordniedersäch-
sische dehnt sich weiter in den Osten bis an die Stolpe aus.
Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts tauchen Horste von deutschen
Flurnamen, wie wir sie aus der Mundartgeographie des Ostens vielfach
beobachten, in der Gegend von Kolberg und weiter weg in der vori
Köslin auf. Rechtsgeschichtlich ist eine Verbindung mit Greifswald
gesichert.
Das Westfälische wird um Beibuk (63) an der Rega und in einer
recht geschlossenen Gruppe bis zum heutigen Tage um Bublitz in der
heutigen Mundart erkennbar. Um Bublitz zeigt sich in einem verhält-
nismäßig großen Bezirk westfälischer Zwielaut z. B. in teid „Zeit"
oder beiten „beissen" (Karte 6 des DSA.). Für die Sprachgeschichte
fällt dabei die Erkenntnis ab, daß die westfälische Diphthongierung,
die in der mittelniederdeutschen Schriftsprache nicht auftritt, von den
Bauern schon im Mittelalter aus dem Stammland ins Neuland getragen
worden ist.
Eine seltsame Lautgruppe gilt in der ganzen Ecke von Kammin bis
in den Belbuker Bereich (64). Das ist der Wandel von -n zu -ng
z. B. in „Beine" baiye. Der Sprachatlas meldet auch ming für „mein".
Es ist an palatales n zu denken. Der Wandel von ?i zu r) ist für das
Zs. f. Mundartforsch. Teuth. XIX. 8

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114 Walther Mitzka

Mittelfränkische am Rhein, also den Köl


Herkunft von dort ist zu erwägen.

3. Niederdeutsch-Friesisch.
Das „Friesische" um 1000 in Merseburg ist altsächsisch (E. Rooth).
Auf Friesen in Nordthüringen weist der alte Landschaftsname Friesen-
feld. In der Volkssprache der Gegenwart ist nicht Friesisches erhalten.
Friesen waren nach dem zeitgenössischen Bericht von Helmold in
Ostholstein angesiedelt worden. Er meldet aber auch von einem
Einfall der Slaven, der diese ersten Ansätze bäuerlicher Siedlung dort
vernichtet hat. Eine Erneuerung aus demselben Stammestum ist an-
scheinend nicht erfolgt. Auf jeden Fall ist von friesischer Mundart
auch dortzulande nichts zu spüren.
Das Ostpommersche wird vom Mecklenburgisch-Vorpommerschen
durch jenen breiten Keil, der vom Brandenburgischen her ans Stettiner
Haff und an die See reicht, also durch das Mittelpommersche, ge-
trennt. Östlich davon ist die Mundartkarte recht bunt, sie ist nicht
so sehr in der Lautgeographie eine Fortsetzung des Küstennieder-
deutschen von Mecklenburg her. Eher ist von der Wortgeographie
manches Zeugnis zu erwarten. Lautlich ist außer aus dem West- und
Ostfälischen manches auch auf das Friesische zu beziehen, und zwar
auf das Westfriesische.
In vollem Licht der Geschichte geht die Begründung der ersten
großen Keimzelle im westlichen Ostpommern vor sich; das ist der
Bezirk des Klosters Beibuk an der unteren Rega. Und zwar ist es,
meldet die Geschichte, durch Westfriesen besetzt worden, endgültig
vom Jahre 1208 an. Einige Jahrzehnte später wird wieder von West-
friesland aus ein weiteres Kloster begründet (89). Die Verbindung
bleibt also gerade in den Jahrzehnten lebendig, in denen die Bauern
eingezogen sein werden. Dazu stimmen aus der heutigen Mundart der
Landschaft manche Merkmale, z. B. sia „sehen" (69). Sonst ist wie so
weithin in Ostpommern gerade im Belbuker Bereich das Westfälische
als Siedlersprache deutlich.
Eine weitverbreitete Erscheinung im Ostrx>mmerschen ist der Wandel
von k zu tchy z. B. tchinty tschint „Kind**. Da sie sich auch im Kaschu-
bischen findet, also in dem Resit der vordeutschen Sprache, könnte
der Wandel von daher herstammen. Nun hat das Friesische (außer
niederfränkischen, Zipser und siebenbürgischen Mundarten) auch
diese k. Die Eindeutschung ist in breitester Fläche im deutschen Osten
durch die deutschen Bauern erfolgt. Dies ist der eigentliche germani-
satorische Stand. Die andern lernen beim Anschluß an das Deutsche,

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 115

im Mittelalter erst recht, die deutschen Mundarten. Ist dies friesisch


dann muß die Ausgangslandschaf t um Beibuk diese Erscheinung z
Gunsten des verkehrssprachlichen k aufgegeben haben, wie auch öst-
lichere Striche (um Schlawe), aus denen Anfang des 17. Jahrhunderts
Siedler mit diesem Mundartmerkmal in die „Hüttengegend" s. w.
Danzig (S. 114) weitergezogen sind. Diese tch, tsch gelten auch in der
„Koschneiderei" ringsum Konitz. Dort hat sich, als Tochtersiedlung
aus dem ostpommerschen Bereich, eine Gruppe deutscher Dörfer mit
eigenartiger Mundart seit dem Mittelalter erhalten.
Unter den Mennoniten ist der Name Fresse, Fröse noch heute im
Weichselland und von da aus in den weiter nach Osten ziehenden
Gruppe vertreten. Die Aufgliederung in Bekenntnisgruppen un
Sekten ist von Anfang an in dauernder Bewegung und Änderung be-
griffen. In diesem Bereich wird der Begriff „f riesisch" von den Menn
niten selbst verwendet. Westfriesland und das unter niederländischem
Einfluß liegende Ostfriesland gehören überhaupt mit zu dem Gebiet
des urheimatlichen Mennonitentums. In der Mundart des übernom-
menen Weichselplatt ist nichts Friesisches zu bemerken.

5. Niedersächsisch-Niederfränkisch: von der Altmark


bis Ostpreußen.
Nach der Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Ostgrenze des nieder-
sächsischen Altlandes wie allenthalben auch in der breiten Mitte in
Bewegung geraten. Bei dem Aufbruch sind alle niederdeutschen Teil-
stämme bis einschließlich der Niederfranken dabei. Die Altmark und
das Magdeburger Gebiet werden vorzugsweise von ostfälischen Sied-
lern, besagt die Mundartgeographie, in breitem, bäuerlichen Strom be-
setzt. Die Mundart (21 ) der Börde reicht im Norden bis an die Ohre, die
eine Grenzscheide seit Beginn der Geschichte war. Die westliche un-
mittelbare Nachbarschaft ist jener in der Völkerwan derzeit stark ge-
mischte Winkel, in dem zuletzt die Sachsen unter fränkischen Einfluß
geraten waren. Dieser äußerste Südostflügel des sächsischen Stamm-
landes und seine nahe Nachbarschaft im Neulande zeigen seit Jahr-
hunderten eine lebhafte Anschlußfreudigkeit des alten Niederdeutsch
an das mitteldeutsche Neuland im Süden (15). Von der Ohre an nach
Norden breitet sich in starker Einheitlichkeit das Altmärkische aus.
Dies Neuland geht in vielen Dingen mit der Sprachgeschichte der
rechtselbischen Nachbarschaft zusammen.
In diese Mitte Norddeutschlands werden außerdem offenbar statt-
liche Gruppen von „Niederländern" geholt. Helmold berichtet als Zeit-
genosse (cp. 88): Albrecht schickte nach Utrecht und an den Rhein,
8*

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Il6 Walther Mitzka

besonders zu denen, die am Mee


und Flandrer, und holte sie in s
Böhmerwald gezogen. So weit
Sprachspuren. Zahlreich aber sin
Altmark und in der rechtselb
von Süden gegen das Haff hin s
niederfränkische Züge, wie sie
traut geworden sind. Im letzte
deutsche Siedlung die Insel Rü
in den letzten Jahrhunderten m
über See durch Fischer mitgeb
nicht schon sowieso zur deutsch
Siedlerbewegung. Überhaupt w
Wörter in oft große Entfernung
Das Brandenburger (87, 88) N
ie ue für sonstiges è, õ, z. B.
Diese besonderen Merkmale treten schon im amtlichen Niederdeutsch
des Mittelalters in der Mark auf. Die Zwielaute finden sich im Thü-
ringischen wieder und können einen Siedlereinzug von dort an zeigen.
Die Laute gelten nach Osten bis in die Neumark (96) hinein.
Dorthin führt eine Siedelbahn mit jenen Merkmalen über Anger-
münde bis an Schwedt heran und über Soldin hinaus. Doch lassen sich
diese Laute auch1 aus dem Niederländischen herleiten, wo neben schrift-
sprachlichen Einlauten, geschrieben ie, oe, in den Mundarten jene
Zwielaute vorkommen.
Südlich von Landsberg grenzt im Oder-Warthewinkel das Nieder-
deutsche ans Schlesische.
Im Oderbruch (97) trifft sich das Brandenburgische von der Mittel-
mark her mit einem Einschlag aus der Uckermark. Damit kommen
wieder niederländische Wörter mit. Von Süden greift das Schlesische
hinein. Im ganzen ist das Oderbruch erst in der Neuzeit kultiviert
worden. Eine Gruppe von Rheinpfälzern hat keine Sprachreste hinter-
lassen.
Die Provinz Brandenburg wird mundartlich in das Märkische,
das sind die niederdeutschen Mundarten der Mitte und des Nordens,
und das Obersächsische im Süden, gegliedert (82). Daß die Südgrenze
des Niederdeutschen einst südlicher lag als heute, zeigt die nieder-
deutsche Namensform von Wittenberg. Aus der Kolonisatorentätigkeit
Albrechts des Bären ist zu folgern, daß der 11 50 erfolgten Besitz-
nahme des Havellandes und xier Landschaft der Zauche deutscher
Einzug bald folgte. Seine Nachfolger erwarben vor 1200 die östlich

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache I17

Priegnitz und das Land Löwenberg (Ruppin), Barnim, Teltow, Lebus


um 1230, die Uckermark und die vordere Neumark um 1250, Beeskow-
Storkow, die Niederlausitz bis um 1300, bald hernach Crossen, und
Züllichau/Schwiebus. Das nordmärkische und mittelmärkische Gebiet
ist also 11 50 bis 1250 unter deutsche Herrschaft gekommen. Von der
Frau Herke wird zwischen Elbe und Harz vor der Saale bis zur süd-
lichen Altmark erzählt. Das belegt eine der ersten volkskundlichen
Karten (von Schwartz), das Vorkommen umfaßt das zugehörige Neu-
land rechts der Elbe, nämlich Havelland, Zauche, Ruppiner Land,
Barnim und Teltow. Eine Sachsenspiegelglosse bald nach 1325 bietet
eine Überlieferung, wonach die Schwaben und rheinische Leute einge-
wandert sind. Die ersteren sind die Nordschwaben zwischen Bode und
Saale. Das Gebiet gehörte Albrecht. Die rheinischen Einwanderer
werden wir mit dem Fläming in Verbindung bringen. Er ist aber hier
nicht gemeint, da 1er noch nicht zur Mark gehörte. Im 16. Jahr-
hundert wird um Jüterbog eine alte Flamingia von einer anderen rechts
der Elbe gegenüber Magdeburg mit Burg, Genthin, Möckern und
Lohburg unterschieden. Jene alte ist der Fläming im Südwesten der
heutigen Provinz Brandenburg.
Wörter niederländischer Herkunft häufen sich in den heutigen
Mundarten in zwei Kerngebieten, im Fläming und in jenem Havel-
Elbe- Winkel (10), die also beide einmal Flamingia hießen. Von dort
aus zeichnen sich die Wanderwege dieser Wörter nach dem Stettiner
Haff und in die Neumark ab (96, 100).
Niederländisches Gut reicht nach Mecklenburg in das Land Stargard
hinein (98).
Niederfränkischer Anteil für die mittelalterliche Wanderung ist im
Niederpreußischen nicht gesichert (lautlich, Formenlehre). Neuzeit-
lich sind die niederfränkischen Restwörter im Danziger Gebiet. Die
ostpommersche Mundart und die niederpreußische, beide im Wesent-
lichen niedersächsisch, stoßen an der Westgrenze der Lauenburger
Landschaft aneinander und bilden dort ein dichtes Mundartlinien-
bündel (94).
Wenn wir von einem Einzug der Deutschen sprechen, so ist immer
wieder zu betonen, daß sie überall hin in den Osten von nichtdeutschen
Machthabern hereingeholt worden sind, außer im Deutschordensgebiet.
Dies Land ist dem Orden von der obersten Spitze der Kirche ausdrück-
lich zur Eroberung anbefohlen worden. Es ist in breiter Fläche der
deutschen Sprache angeschlossen worden, so weit der deutsche Bauer
mit einzog.
Der Nord teil von Posen, wie Teile von Westpreußen, sind unter pol-

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Il8 Walther Mitzka

nischer Herrschaft weithin im A


Sprache verlorengegangen. Aber
Ostpommern und der Neumark s
aus dem niederdeutschen Bereich
Ins Weichselland sind im 16. u
franken eingezogen, ihre Haupt
niten. Sie kultivieren die unter d
Weichseldeltas. Andere haben diese, in ihrer Heimat wohlbewährte
Art des Ackerbaus und der Viehzucht weiter südlich im alten Über-
schwemmungsgebiet der Stromweichsel bis über Thorn hinauf über-
tragen.
Die Eindeichung der Weichselwerder hatte allerdings schon der
Deutsche Orden besorgt. Wie weit er Vorfahren jener Niederländer
dazu herangezogen hat, ist nicht klar. Östlich von Elbing hat er kurz
vor 1300 Holländern die Besetzung und Anlage der Stadt Preußisch-
Holland übergeben. Damit ist nicht gesagt, daß die breite Bürgerschaft
selbst von dort herstammt.
Nach Westpreußen hinein haben wir es mit mehr oder minder gut-
erhaltenen Sprachinseln des Mittelalters zu tun, die aber, trotz allen
Einbrüchen durch Entdeutschung, oft genug Brücken zueinander ge-
schlagen haben. In diesen manchmal entlegenen Gebieten haben sich
auch im verstärkten Maße eigene Neuerungen ausbreiten können. So
ist die Netzemundart an der Endung - o für sonstiges - e, auch für n
wio „Wein" sofort ' herauszuhören (Karte 7 des DSA.). Eine noch
immer schallkräftigere Endung als jenes e schließt sich nordwestlich
davon als - a an. Das sind Eigenheiten, an denen die Herkunft der
Siedler nicht abzulesen ist. Sie sind im Neulande selbst entstanden.
Aber in der Gegend von Tuchel und Schlochau treten Zwielaute
auf, z. B. breuder „Bruder", die in den Westen nach Ostfalen zurück-
führen. In andern Dingen, z. B. tu in „Bauern" ist auch Westfalen
einzuschalten (Karte 12 des DSA.). Die Streu- und Randlage ist so
recht geeignet, Altertümlichkeiten zu bewahren. Bei dichterer Nach-
barschaft zu ein&nder sind sonst die Mundarten der alten Siedlungen
im Osten ausgeglichen und bilden große, einheitliche Flächen.
Schon im Mittelalter ,nach schweren Rückschlägen, verstärkt vom
16. bis 18. Jahrhundert, zieht das Ostpommersche an und über die
mittlere Weichsel. Im Süden der Netze muß für das Mittelalter
die deutsche Sprache als breiter Streifen vom Ostmitteldeutschen
bis an und über die mittlere Weichsel eingezeichnet werden. Die
Sprache dieser städtischen Wanderungsbahn ist ostmitteldeutsch. Als
städtische und bäuerliche Nordostbewegung strömt sie in Ostpreußen

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache Hg

in der Gegend von Heilsberg; und Elbing aus. Dort trifft sie im
14. Jahrhundert auf einen quer zur ihr an der Küste entlang laufenden
niederdeutschen Strom und wird vom 16. Jahrhundert an auf ihrer
Bahn im Wartheland durch niederdeutsche Mundarten, nunmehr die
ostpommersche und neumärkische, abgelöst.
Etwas ausgedehnter ist ein Bezirk an der mittleren Netze, dessen
Nordteil weit ins Ostpommersche hineinreicht, da wird l vokalisiert,
z. B. Sprachatlas: „viel" veia; Wortatlas: brenneita „Brennessel" (We-
ber =106 a).
Der Kreis Deutsch-Krone (101) spricht südliches Ostpommersch, das
im Nordosten des Kreises Pyritz, im Kreise Arnswalde, im Norden
von Friedeberg und im Dramburger Bezirk gilt, doch reicht von der
Neumark märkisches Niederdeutsch [ie, uo) hinein. Die mittelalter-
liche Deutschsiedlung des 14. Jahrhunderts, unter der Herrschaft der
brandenburgischen Markgrafen, wird seit 1570 erneuert. In den Nord-
osten des Kreises werden von polnischen Grundherren aus der Nachbar-
schaft, also auch wieder aus der Neumark deutsche Bauern hereinge-
rufen.
In breitester Front geht in der Neuzeit das Ostpommersche vor. Die
Netzegegend wird von der Mitte des 16. Jahrhunderts an durch
pommersche und neumärkische Bauern, die dem Bauernlegen entgehen
wollen, besiedelt; das Netze tal seit Ende dieses Jahrhunderts (65).
80 deutsche Dörfer entstanden im westlichen Netzegau, in der Gegend
von Schloppe, Koknar, Füehne, Scharnikau auf Rodeland, bis zur
preußischen Zeit (1773), 21 alte werden durch Zuwanderung ganz oder
überwiegend deutsch, in 23 zog eine starke Gruppe (bis zur Hälfte) ein.
Diese niederdeutsche Siedlung in Rodedörfern schließt bis dicht an
die Stadt Posen und weit in den Kreis Wreschen heran. Solche Mund-
artinseln entstehen durch unmittelbaren Zuzug jener älteren nieder-
deutschen Gegenden in Ostpommern und in der Neumark, bis ins
19. Jahrhundert, dazu dann Tochtersiedlungen aus den jungen Be-
zirken. Die Wanderung reicht bis in fernste Gegenden Rußlands.
Von Süden erlebt das Wartheland erneut von Schlesien her deut-
schen Zuzug. Da entstehen schlesische Hauländereien, also wieder
Rodesiedlungen, bis über die Stadt Posen hinaus.
Im Deutschordensland Preußen zieht nach der Gründung der
deutschen Städte Kulm und Thorn ostmitteldeutsches Bürgertum in
die Städte, die in einem weiten Bogen an der Nogat und dem Frischen
Haff entlang bis ins Samland angelegt werden, wo gelegentlich des
Kreuzzuges, an dem König Ottokar von Böhmen teilnahm, Königsberg
1255 gegründet wurde. Das Land links der Weichsel, das Herzogtum

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120 Walther Mitzka

Pommerellen hatte gleichfalls


Norden. Von 1309 an hat der n
Orden, auch dort deutsche bäue
zieht niederdeutsche Mundart ein. Von Ostmitteldeutschland her haben
wir eine breite Einzugsbahn quer über die mittlere Weichsel bis in
die Gegend von Elbing und an die Ostgrenze des Ermlandes beob-
achtet. Dieser Streifen ist im Posenschen dann aufgelöst und hat vom
16. Jahrhundert an niederdeutsche Bauern aus der nordwestlichen
Nachbarschaft hereingeführt. Rechts der Weichsel, doch nicht ganz
an ihre Ufer reichend, ist das Hochpreußische als größte mittel-
deutsche Insel im niederdeutschen Gebiete liegengeblieben. Vom Süden
her bis ins Posensche hinein gilt Schlesisches. Auch dieser große Block
am Ende der mitteldeutschen Siedelbahn des Mittelalters !ist aus
Schlesien und seiner westlichen Nachbarschaft mundartgeographisch
herzuleiten. „Schlesisch" ist für das Hochpreußische ein zu enger Be-
griff. Gerade die Niederlausitz muß stark beteiligt sein. Diese deut-
schen Bauern sind in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach
Preußen gezogen. Dort kennen wir aus der ausgezeichneten Urkunden-
Überlieferung den Vorgang und Zeit der Dorfgründung. Aber aus
Ausgangslandschaf ten sind jene Nachrichten über eine solche Weiter-
wanderung nicht überliefert.
Nach' mehr als zwei Jahrhunderten hat gerade in jener dortigen
Umgebung der erste Herzog von Preußen, Albrecht, Holländer auch
auf dem flachen Lande angesiedelt. Und zwar sind die meisten dieser
Niederländer tatsächlich aus Holland. Nach anderthalb Jahrzehnten
ziehen sie wieder ab und verlieren sich 1527 f. Das Erlöschen des
Niederländischen im Weichsellande trat zuletzt um 1800 ein. Einige
Resterscheinungen erinnern noch an die alte Sprache. ,
Es sind niederländische Flüchtlinge, die vor allem unter der Schrek-
kensherrschaft Albas seit 1527 nach Osten ziehen. Sie übernehmen also
die Sprache ihrer deutschen älter eingesessenen Nachbarn. Mit diesem
Weichselplatt wandern sie in einem ersten großen Schub 1787 an
den Dnjepr in die Steppe bis zur Krim und in die Krim selbst. Nach!
1804 sind auch wohlhabendere Kreise beteiligt. Die Hauptausgangs-
landschaft ist das Weichseldelta. Von hier aus haben die ersteh Gruppen
ein im Laufe der Wanderungszeit um 1800 verändertes Platt mitge-
nommen. Auch hier können wir die ehemalige Mundart der Ausgangs-
landschaft erschließen. Die ersten Auswanderer haben jenes ältere
Niederpreußische des Weichsellandes nach Südrußland mitgenommen
und bis heute festgehalten. In der Weichsellandschaft sind diejenigen
aus diesem angesehenen und gediegenen Bauerntum zurückgeblieben,

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 121

die sich zum Waffendienst bekennen. Das hatten die Auswanderer auf
Grund der mitgebrachten Überzeugung abgelehnt. In Rußland haben
sie sich mit Tochterkolonien, immer zu den führenden deutschen
Bauern gehörend, bis zur Wolga und über Sibirien bis zum Amur aus-
gebreitet. Das Niederländische ist im Hausgebrauch um 1700 noch in
Kalendereintragungen südlich vom Weichseldelta an der Stromweichsel
erhalten. Niederländer, vor allem Mennoniten, sind auch in den Nord-
osten Ostpreußens gewandert, in die Tilsiter Niederung. Auch dort
liegt Marschenland für die hochwertige Kulturarbeit solcher Siedler
bereit. Die Streusiedlung ist dort von Anfang an so weitläufig ge-
wesen, daß der Übergang in das benachbarte Niederpreußische dort
sehr rasch erfolgt sein muß.
In Rußland wurde von ihnen der Waffendienst 1874 verlangt, da
setzt nun eine weitere Abwanderung nach Nordamerika und Mexiko
ein. Der jüngste Auszug ging 1930 über Deutschland, das Ziel war
wieder Nordamerika und nun auch Paraguay, der Gran Chaco. Überall-
hin haben sie das Weichselplatt mitgenommen.
Nördlich und östlich des Hochpreußischen ist das ganze Land vom
Niederdeutschen bedeckt. Auch im Niederpreußischen läßt sich die
Anlage der ersten einzelnen Horste an mundartlichen Nähten in der
Landschaft ausgezeichnet beobachten. Der erste Kern von deutschen
Dörfern wird, typischerweise in Rodegebiet, zwischen altpreußische
Räume, auf der Elbimger Höhe angelegt. Das beginnt in den letzten
Jahren des 13. Jahrhunderts. Das nächste Halbjahrhundert bringt
neuen Zuzug und Binnenwanderung. Die folgenden Jahrhunderte deut-
schen die schmalen Zwischenräume mit altpreußischer Sprache ein,
die im 18. Jahrhundert ausklingt. Im Nordermland liegt ein kleiner
eigenwilliger Mundartbezirk quer über der Hauptverkehrsader aller
Zeiten. Dort gilt hit „heiß*4, sonst hët, heit, ruk „Rauch", sonst rõk
rouk; als erstes wortgeographisches Zeugnis aus dem Wortatlas (125)
ostfälisch allorn „Holunder'* (hier auch Ahorn) von Mittelweser über,
Lüneburg hinaus, dort am Frischen Haff attore.
Die Herkunft der Siedler läßt sich allgemein in die Gegend der
unteren Weser und unteren Elbe für das Niederpreußische überhaupt
ansetzen.

Das West- und Ostfälische ist auf der breiten Fläche des Nieder-
preußischen sonst nicht zu spüren. Allerdings in einem kleinen ent-
legenen Bezirk am Ostrande des Hochpreußischen bei Rößel sind
ostfälischie Reste erhalten. „Bruder" lautet dort breod u. ä. (DSA.
Karte 12).
Im 16. Jahrhundert taucht bei einem Chronisten, der Zugang zu

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122 Walther Mitzka

den Urkunden hatte, die Nach


aus Geldern und Cleve einge
Dorf aus der Gründungszeit m
Halten wir dazu noch den Flußnamen Rhein, an dem das deutsche
Städtchen Rhein liegt, so muß man an rheinische Herkunft denken.
Allerdings ist der Wandel von -nd zu -ng, der im Hochpreußischen
weiter westlich auf noch weitere Sprachfälle ausgedehnt ist, im nieder-
deutschen Osten verbreitet. Über das Hochpreußische ist er von der
Bahn des Ostmitteldeutschen herzuleiten. Die Karte 54 des D SA.
„Kind" meldet für die nächste Nachbarschaft im östlichen Hoch-
preußisch kingd. Eine unmittelbare Herleitung durch rheinische Ost-
wanderer ist sprachlich nicht zwingend.
Der Osten Ostpreußens ist auf lange Zeit eine breite Wildnis, die
aus militärischen Gründen als solche im großen und ganzen erhalten
bleibt. In ihrer Mitte allerdings schmälert sie sich durch Auf Siedlung
frühzeitig. Von Osten her kommen seit 1422 nach dem mit Litauen
geschlossenen Frieden auch Litauer in das ursprünglich altpreußische
Memelland. Sie sickern auch in das älter besiedelte Gebiet ein. Mit
Ablauf des 14. Jahrhunderts war der deutsche Zuzug aus dem ferneren
Westen allmählich spärlich geworden. Der bäuerliche Einzug ström
im allgemeinen am Pregel aus. Darüber hinaus geht Binnensiedlun
und Eindeutschung weiter.
Masuren hat nicht jene eingestreuten über die ganze Fläche ausge-
breiteten Horste deutscher Mundarten, sondern ist in seinem allezeit
energischen Anschlußwillen an die deutsche Sprachfläche auf das ein-
gelagerte deutsche Bürgertum angewiesen. Diese auf Sandboden, ver-
kehrsentlegen und aus mehrfacher Bevölkerungsmischung entstandene
Landschaft ist in der frühen Ordenszeit, abgesehen von den wenigen
Städten, eine siedlungsarme Grenzwildnis. Das dortige Altpreußentum
und die Deutschen schmelzen mit den einsickernden Masoviern zu einem
eigenen Volkstum zusammen. Das Bekenntnis seit der Reformationszeit
ist das des übrigen protestantischen Herzogtums Preußen, aber zu-
nächst wird als kirchliche Hochsprache das Polnische gebraucht. Der
Wille zum Zusammenschluß auch in einer sprachlichen Einheit hat
aus äußeren Gründen das gewünschte Tempo nicht erreichen können.
Es fehlten eben in dieser Sand- und Waldgegend als unmittelbare
Nachbarn die Pioniere der deutschen Sprache, nämlich die Bauern
im Innern des Landes. In der Gegenwart bieten sich zahlreiche andere
Gelegenheiten, vor allem in Schule und Heer für die Durchführung
auch des sprachlichen Abschlußstrebens. Die Sprachform muß bei der
aus dem Innern der Landschaft hervorgehenden sprachlichen An-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 123

Schlußbewegung die hochdeutsche Verkehrssprache sein. Sie ist in


Lautgestalt mundartlich gefärbt, vor allem aber im Wortscha
ist die seither in den kleinen Städten des Landes gebrauchte ostpr
ßische Verkehrssprache, also die Bürgersprache. Sie liegt gleichm
über dem Nieder- und dem Hochpreußischen und zeigt Merkmale
beiden gemeinsam sind. So heißt es in der Bürgersprache jen „geh
nei „nein", kaddik „Wachholder' '„

IV. Die Hochsprache der Deutschbalten


Die Überseekolonie der deutschen Ostbewegung sind Livland,
land und Kurland. Im Mittelalter spricht man insgesamt von Livl
Da dies Stück, des Auslanddeutschtums über das Meer aufgesiedelt
wurde und der deutsche Bauer des Mittelalters mit seinem Vieh und
Wagen nur auf dem Lande wanderte, ist dort bäuerlicher Einzug aus-
geblieben. Es ist der Bremer Kirchenfürst, der schon 1201 Riga grün-
dete. Die ersten Zellen sind Kaufmannsstädte mit ihren Geistlichen.
Die militärische Aufgabe, das flache Land einzubeziehen, bekam der
eigens dafür begründete Deutsche Schwertorden. Er ist nach wenigen
Jahrzehnten in dem allein für eine so große Aufgabe gerüsteten Deut-
schen Ritterorden aufgegangen. Nach Livland zog man in der Regel
über den größten Auswanderhafen der Zeit, über Lübeck. Und zwar
sind es nach Ausweis der Familiengeschichte vor allem westfälische
und ostfälische Geschlechter. Ihre Nachkommen sind zum Teil bis
zum heutigen Tage unter den baltischen Geschlechtern zu finden. Der
deutsche Bauer fand seinen Weg durch Litauen, das bis zum Ende des
14. Jahrhunderts heidnisch und feindselig blieb, versperrt. Und wenn
das nicht gehindert hätte, so ist zu bedenken, daß näher nach der
Stammheimat hin in Preußen für die Wanderer aus den breiten Küsten-
strichen immer noch genügend gutes Land zur Verfügung stand. Jeden-
falls hat das Ausbleiben des deutschen Bauern die Eindeutschung in
breiter Fläche unmöglich gemacht.
Die deutsche Hochsprache ist im preußischen Deutschordensanteil
das Ostmitteldeutsche. Von den Mundarten stimmt dazu offenbar
die Bürgersprache deis Landes, mehr oder minder stark ist im Mitte
alter das Mittelniederdeutsche in Danzig und Elbing beteiligt. Nicht
stimmen in breiter Fläche zur Herren- und Herrschaftssprache des
Landes die niederdeutschen Bauernmundarten.
Die Verkehrs- und Umgangssprache, überhaupt der Gebrauch der
deutschen Sprache in jeder öffentlichen oder privaten Verwendung i
in Livland bis in die Neuzeit hinein niederdeutsch. Sie wird von den
Bürgern mit den Geistlichen und den rittermäßigen Gutsbesitzern i

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124 Walther Mitzka

den regierenden Kreisen des Deutschen Or


braucht. Die Grundlagen sind das Westfäl
Erst in den letzten Jahrhunderten wird die
Verbindung mit Ostpreußen inniger. Im 1
in den baltischen Ländern das Neuhochdeuts
indem die jungen Leute nicht nur auf Rei
bisherige Niederdeutsch aufgeben. In der
manches Stück, vor allem des Wortschatzes, niederdeutsch. Das alte
Niederdeutsch ist jedenfalls bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts
bekannt geblieben. Das letzte Sprachdenkmal des Baltischen Nieder-
deutsch ist ein im Familienkreise in Riga verfertigtes Gedicht von
1703 (58). Schon das mittelalterliche Niederdeutsch der Balten liegt
seiner ganzen Herkunft nach über den Bauernmundarten und hat
offenbar von vornherein als Herrensprache die Ausgeglichenheit und
großlandschaftliche Weite einer solchen besessen. In der Neuzeit gilt
im deutschen Osten überhaupt die deutsche Hochsprache. Sie ist, wo
Bauernmundarten fehlen, alleinige Sprachform des Deutschen auch im
Familienverkehr und in der Dorfgemeinschaft. Es ist da schon nicht
mehr so einfach wie bei den Bauernmundarten nach lautlichen, eher
schon nach wortgeographischen Anzeichen zu suchen, wenn man nach
Sprachlandschaft oder stammhafter Herkunft fragt.

Y. Mundartmischung und Ausgleich in der Neuzeit


In den 1520er Jahren waren Niederländer wieder nach dem deut-
schen Osten aufgebrochen. Die zweite große Ostwanderung, die der
Neuzeit, hebt mit ihnen an. Mit ihnen tritt das östliche Niederdeutsch1
selber zum Vormarsch an. Im Wartheland war unter fremder Herr-
schaft weithin mitteldeutscher Boden im 15. Jahrhundert durch Ent-
deutschung verloren gegangen. Aus Ostpommern und der Neumark
ziehen vom 16. bis 18. Jahrhundert dauernd Bauernsiedler in die öst-
liche Nachbarschaft weiter. Im Anfang des 18. Jahrhunderts hatte die
Pest auch dort z. B. in der Umgegend der Stadt Posen, aber vor allem
in Ostpreußen große Lücken in die Siedlung gerissen. Zugleich bricht
der deutsche Südosten auf, als die Türken wieder herausgedrängt
sind. Überall aber im Osten außerhalb deutschen Staatsbodens sind
auch wieder fremde Herrscher und Grundbesitzer um deutsche Siedler,
Bauern für das flache Land und Handwerker für die Städte, bemüht.
In das nördliche Westpreußen, in die Kaschubei sw. von Danzig,
ziehen pommersche Bauern seit 1605 ein. Auch sie werden von pol-
nischen Grundherren geholt. Sie roden den Wald, errichten Hütten
für Pottasche, die für den Danziger Handel außerordentlich wichtig

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 125

war. Als Holzarmut dies Gewerbe zum Erliegen brachte, wurd


Holzwirtschaft der eigentliche Beruf. In jenem Hügelgeländ
viele dieser Orte mit -kütte gebildet. Da war schon im Mittel
ein deutsches Dorf Glashütte begründet worden, das mit einem an
zusammen dort zu vereinzelt lag, als daß die deutsche Sprache dur
gehalten hätte. Jene neuzeitlichen Dörfer der Hüttengegend spre
eine pommersche Mundart, die auf die Gegend von Schlawe zu
führt. Die Schwaben östlich von Kulm haben ihre rheinfränkisch-
schwäbische Mischmundart bis heute bewahrt.
Die Bamberger bei Posen sind in der ersten Hälfte des 18. Jahr-
hunderts in mehreren Schüben rings um die Stadt Posen, eine kleine
Gruppe im Westen des Warthèlandes, angesetzt worden. Texte ihrer
Heimatsprache sind am Deutschen Sprachatlas erhalten (125). Mit-
samt der Mundart ist auch die deutsche Sprache trotz eigenen Wider-
standes am Ende des 19. Jahrhunderts verloren gegangen. Die Ein-
wandererlisten lassen sich nur ganz bnichs tückartig herstellen. Was
aber an solchen Nachrichten da ist, stimmt zu dem Mundartbefund,
der in die weite Umgegend südlich von Bamberg zurückgeführt hat.
Im östlichen Ostpreußen (120) sind vor allem im Kreise Eben-
rode und im Süden des Kreises Schloßberg Salzburger, weiter
Nassauer, dazu Schweizer, Pommern, Ostfalen aus der
Magdeburg- Halberstädter Gegend eingewandert. Die Salzburger
Mundart kennen gegenwärtig nur noch einige Alte, bis in den siebziger
Jahren war es in Pellkawen sogar noch Verhandlungssprache in der
Gemeindeversammlung. Das Nassauische ist aus einigen Orten gleich-
falls gebucht. Doch schließt sich alles dem Niederpreußischen der
Landschaf tan. In der Hauptsache ist die Wiederbesiedlung aus größerer
Nähe, nämlich dem benachbarten Niederpreußischen und dem Hoch-
preußischen erfolgt. Wenige Pfälzer, überhaupt einzelne Familien,
auch aus andern Gegenden.
Erst in neuer Zeit sind deutsche Bauern in das Baltikum ge-
wandert (122). Weit südöstlich von Riga werden von der russischen
Regierung solche in Hirschenhof und Helfreichshof angesetzt. Sie
haben ihre Sprache bis in die Gegenwart erhalten. Die Mundart^
forschung hat ihre Herkunft vor allem für die Rheinpfalz festgelegt.
Nach Einwanderungslisten ist dies Ergebnis unterdessen bestätigt
worden. In ihrer neuen Heimat haben sie manches altertümliche balten-
deutsche Wort übernommen, das die Balten selbst unterdessen aufge-
geben haben. Sie bewahren also altes baltendeutsches Gut, das man
sonst nur in kleinbürgerlichen Schichten, in Handwerkerkreisen hören
kann.

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126 Walther Mitzka

Nach Kurland sind verstreut nach


gesiedelt worden.
Im östlichen War the land hatte das Mittelalter mit den deutschen
Städten weithin auch deutsches Bürgertum. Bäuerliche Kolonisation
setzt seit ungefähr 1600 ein. Sie ist die Fortsetzung der ins Wartheland
seit dem 16. Jahrhundert einströmenden Siedlung von Südwest und
Nordost her. Diese Bewegung setzt sich bis nach Wolhynien weit ins
19. Jahrhundert fort (16, 17, 50). An der Weichsel oberhalb von
Thorn rückten niederdeutsche Marschenbauern an beiden Ufern vor.
Sie gehören mitsamt den Mennonitenzu den niederdeutschen Bauern
deren erster Kern im 16. Jahrhundert Holländer waren. Solche hatten
sich auch im Netzetal angesiedelt. Sie sprechen das Weichselplatt und
bilden die selbstbewußteste und stolzeste Gruppe auf großen Höfen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sie Tochtersied-
lungen bis in die Sumpfgegenden des Cholmerlandes und Wolhyniens
vorgeschoben. Das sind die sogenannten Niederunger. Im 18. Jahr-
hundert kamen nördlich der Weichsel auf armen Sandboden in die
heutigen Kreise Rippin und Leipe deutsche Bauern zum Roden. Diese
Siedlungen werden nach einem auf pohlischen Boden weit verbrei-
teten Ausdruck, der auf den Landkarten erscheint, „Rumunki" d. h.
„Räumungen44 genannt. Er entspricht dem sonst so gewohnten Begriff
Holländerei, Hauländerei, Hauland. Sie kommen aus dem benach-
barten Preußen und sprechen die niederdeutschen Mundarten des
Weichselgaus. Nach 1800 schicken sie Streusiedlungen in das Ge-
biet des Narew und des Bug nach Osten weiter. Über die Landschaft
der oberen Netze gehen zahlreiche Gruppen von Pommern in das
Nachbargebiiet in allgemeiner Richtung auf Litzmannstadt und in die
Gegend der mittleren Warthe zu. Wieder roden sie armes Waldland.
Auch wenn sie der stärkste Teil dieser Deutschen in Mittelpolen ge-
worden sind, reichlich ein Drittel, so haben sie doch etwa 50 Dörfer
wieder aufgeben müssen und sind weiter nach Wolhynien gegangen.
Sie sprechen ostpommersche Mundart.
In das Gebiet von Kaiisch und vor allem nördlich davon bis zur
Warthe sind Deutsche schlesischer Mundart eingezogen. Wie die
Niederungen ist diese Gruppe mehr als ein Viertel der ländlichen deut-
schen Bevölkerung stark. Eine selbstbewußte Gruppe bilden die „mär-
kischen44 Bauern (die „Brücher44) in den Warthebrüchen rings um
Konin. Sie haben eine große Kulturleistung vollbracht und sitzen seit
1750 dort. Der eine Teil ist aus der Priegnitz, der andere aus der
Neumark und zwar aus dem Netzetal östlich Landsberg, gekommen.
Die Mundart haben sie aufgegeben. Mit jenen sind Ostpommern be-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 127

sonders aus dem oberen Netzetal eingezogen. Diese halten an ihre


Mundart fest. Am Ende des 18. Jahrhunderts bis 1806 kommen süd-
westdeutsche Wanderer nach Mittelpolen. Sie sind auf den Staats
domänen weit verstreut, gehen aber vielfach im folgenden Jahrzehn
nach Bessarabien weiter. Durchgehalten hat eine Gruppe dicht südlic
von Warschau, wenn auch im völkischen Kampf manches verlore
ging. Diese sogenannten „Schwaben" machten etwas weniger als
ein Zehntel aus. Die größte Gruppe hat den Raum um Litzmannsta
bezogen, und von dort liegt jetzt eine eingehende Mundartbeschreibun
vor (80). Die Siedler der zwischen Litzmannstadt und südlich liegende
Dörfer Grombach, Neu-Sulzfeld, Wiacyn, Königsbach und Grünberg
heißen zwar wieder Schwaben, aber nur der kleinere Teil stammt aus
dem Nordwesten Schwabens, der größere aus dem Norden Badens,
und zwar aus dem Kraichgau, und hier spricht man rheinfränkisch.
Die Sulzfelder Gruppe, näher an der Stadt, gibt die Mundart jetzt auf.
Eine kleine Zahl stammt aus dem Nordelsaß. Die Mundarten dieses
Striches sind rheinfränkisch mit einigen schwäbischen Eigenheiten. Ein
Vergleich führt in den Kraichgau zurück. An die alte Heimat erinnern
die Ortsnamen wie Sulzfeld, Grombach und Königsbach.
Die einzelnen Gruppen der Litzmannstädter Gegend sind aus dem
Posenschen, dann aus jenem südwestdeutschen Gebiet, eine dritte aus
der Gegend zwischen Frankfurt und dem Vogelsberg, die vierte aus
dem Sudetenland, eine fünfte aus der Lausitz und die sechste aus
Thüringen gekommen (50).
Das wolhynische Deutschtum des flachen Landes entsteht in der
Zeit kurz vor 1800 bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein.
Zuerst sind es Mennoniten, die von der unteren Weichsel ausgegangen
sind. Sie bleiben etwa ein Menschenalter in Wolhynien und gehen dann
in die Gegend nördlich der Krim weiter. Ihre Höfe übernehmen andere
Deutsche. Auch sind Evangelische, Polen deutscher Abstammung,
dabei. Das sind die sogenannten „Holländer", die in vereinsamten
Streusiedlungen ihre deutsche Sprache aufgegeben hatten. Mit jenen
Niederungern kommen sogenannte Hochmennoniten. Die Mennoniten
trieben vor allem Viehzucht. Das sind Rheinpfälzer, die über Galizien
und Rußland hereinkommen. Mit der Einführung der militärischen
Dienstpflicht 1872 für die Mennoniten geben sie ihre Höfe auf und
und wandern aus. Nachrückende deutsche Bauern lösen sie ab. So sind
die zu Anfang des 19. Jahrhunderts eingewanderten Schlesier heute
die in Wolhynien älteste ansässige Gruppe. Als Waldarbeiter, die etwas
Viehzucht treiben, sind sie nicht seßhaft. Sie haben aber sehr viele
Tochtersiedlungen von Kleinbauern und Waldarbeitern ausgeschickt.

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128 Walther Mitzka

Sie heißen nach ihrem Beruf als Waldarbeiter „Stabschläger". Sie


sind arm geblieben und bleiben gern unter sich. Ihre schlesischie
Mundart ist darum länger erhalten geblieben. Um 1815 sind die ersten
Pommern aus dem Osten der Provinz und den benachbarten Strichen
des Weichsel- und Warthegaues eingezogen.
In die wolhynischen Städte zogen nach 1830 bis weit nach Süd-
rußland deutsche Tuchmacher, die ihre alten Zunftordnungen und
Bräuche länger als im Mutterlande bewahrt haben. Im Zeitalter der
Maschine löste sich diese Gruppe auf, ein Teil wurde Bauern.
Bis i860 lagen die deutschen Siedlungen in Wolhynien weithin ver-
streut. Die einzelnen Gruppen der Einwanderer hatten miteinander
wenig Verbindung. So konnte die Mundart lange Zeit ungestört bleiben.
Das wird dann anders. Nach Aufhebung der Leibeigenschaft in Ruß-
land im Jahre 1861 verlor der wolhynische Adel seine billigen urkrai-
nischen Arbeiter. Er sucht jetzt Pächter. Die Deutschen Mittelpolens
strömten, oft ganze geschlossene Kolonien, dorthin ab. Vor allem gab
die kujavische Seenplatte und östlich anschließend das Waldroder
(Gostyniner) Land davon sehr viel Deutsche ab. Zwar sind auch in
Wolhynien die Gruppen nach ihrer Herkunft räumlich geschieden, die
stammheitliche und damit die mundartliche Aufgliederung wird dabei
allerdings stark aufgelöst. Am längsten haben die galizischen Pfälzer
ihre Sonderart erhalten. Sie siedeln auf gutem Boden vor allem bei
Luzk und südlich davon. Ein Teil stammt aus Nordostgalizien, ein
anderer aus Westgalizien. Bei ihnen also ist Mundart heute noch, wenn
auch im Abklingen, erhalten. Westlich von ihnen sitzen Kleinbauern,
die vor allem schlesischer Abkunft sind, daneben Pommern. Sie haben
auf ihren langen Wanderungen als Waldarbeiter sich endlich in Wol-
hynien festgesetzt und ihren Beruf eingetauscht.
Ein mundartliches Rückzugsgebiet lag mit dünnerem deutschen
Besatz östlich von dieser größten wolhynischen Insel. Pommersche
Siedler aus dem Wartheland treffen sich da mit Tochterkolonien der
Preußengemeinden, der Altschlesier und der sogenannten „Holländer".
Hier sind die Letzteren von ihren evangelischen Nachbarn in der dörf-
lichen Gemeinschaft wieder zum Deutschtum zurückgeführt worden.
Nordwestlich von Luzk lag das dichteste deutsche Gebiet. Dorthin
sind aus dem Südwesten Mittelpolens, wo Pommern und Schlesier (die
sogenannten Hockerlinge von dem Wörtchen ock) zusammenstoßen.
Diese beiden Stämme geraten natürlich in Wolhynien durcheinander.
Dazu kommen Schwaben aus Mittelpolen, die Letzteren bleiben nur
hier und da für sich. Gerade diese haben für die Auflösung der mund-
artlichen Sonderung besonders gewirkt. Überhaupt ist dieser dicht ge-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 129

siedelte Raum die Ausgangslandschaft für das Kolonistenhoch-


deutsch. Die deutsche Sprache der Wolhynier erscheint auch im
privaten Gebrauch allgemein als hoch- und Schriftdeutsch (56a). Öst-
lich dieser großen Insel bildete sich eine zweite, wenn auch lockerer
zusammengesetzt. Hier hat sich jene Gruppe, die von der kujawischen
Seenplatte und dem Gostyninerland (Waldrode) zusammengefunden.
Es sind Ostpommern mit einigen Niederungern, Schwaben und
Märkern. Nach Polesien zu lagen Niederunger Siedlungen. Diese
Deutschen werden mit dem Sumpfgebiet am besten fertig. Sie haben
das Weichselplatt wie gewöhnlich die Niederunger bewahrt. Viel später
wurde der Raum um Wladimir- Wolynsk meist um 1806 besiedelt. Es
sind Wanderer aus östlichen Teilen Mittel-Polens. Der Kern sind Ost-
pommern, doch auch sie geben ihre mundartliche Sonderart auf.
Mecklenburger sind in südpreußischer Zeit um 1800 bei Schrötters-
burg angesiedelt. Sie sprechen jetzt die ostpommersche Mundart der
Nachbarn. In gleicher Zeit zogen Mecklenburger auch weiter nord-
östlich in den Bialystocker Bezirk, die sogenannten Narewdeutschen.
In Ungarn (79) sind nach den Türkenkriegen zum alten Deutsch-
tum am Westrande zahlreiche Sprachinseln begründet worden. So sind
die Deutschen im Bakonyergebirge, in das Schildgebirge und die
Ofener Berge also mit dem großen Einzug nach den Türkenkriegen
hereingekommen. Da sind zu den Bayern Franken gestoßen, und zwar
Rheinfranken. Diese Mischdialekte sind nun für die weite Fläche des
Südostens als Typ bezeichnend, aber sie wechseln in ihren Merkmalen.
Es bleibt dabei, daß die Geschichtsquelle der Einwandererlisten die
einzige zuverlässige ist, wenn man den Stammbaum bis auf kleinste
Gruppen oder gar den einzelnen Einwanderer zurückführen will. Wenn
schon Listen erhalten sind, so sind sie oft nicht vollständig. Es ist eine
Ausnahme, wenn in jenem Großraume eine Dorfschaft von vorne-
herein so einheitlich zusammengesetzt ist, daß die Mundart einheitlich
bleiben kann, so Elek bei Arad, im Südosten Ungarns. Das ist ein
einzig dastehender Fall, daß die ostfränkische Mundart in der Ur-
heimat recht genau festgelegt werden kann und zwar zwischen Spessart
und Rhön (Stumpf in 79).
Die Deutschen des Bakonyergebirge s nördlich von Plattensee halten
sich selbst für Deutsch-Böhmen, gemeint ist der Böhmerwald.
In der Siedlung überhaupt ist das Rheinfränkische des 18. Jahr-
hunderts sehr stark vertreten, auch in der Batschka oder der soge-
nannten Schwäbischen Türkei.
Das unter den Deutschungarn allgemein sogenannte ,, Schwäbische"
„Donauschwäbische4' ist stark rheinfränkisch und überdeckt in der Ver-
Zs. f. Mundartforsch. Tcuth. XIX. g

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130 Walther Mitzka

kehrssprache die ganze Landschaft, di


Großlandschaft zeigt dazu Merkmale
die Vielfalt von Stammundarten sehr bu
die der Einwandererlisten.
Die reiche Bauernlandschaft des Banats wird in drei großen Zügen
während des 18. Jahrhunderts mit Deutschen besetzt. Binnensiedlung
der Folgezeit vervollständigt den Bestand (79).
Im zweiten Viertel des Jahrhunderts werden 54 deutsche Dörfer an-
gelegt, sie werden im Kriege zerstört und nur zum Teil wieder er-
neuert. Ein großer Zustrom kam unter Maria Theresia, ein weitere
unter Josef II. herein. Der Auszug aus dem Reich geht auch über die
Jahrhundertwende weiter. In dem großen Weißkirchen sind unter den
Einwandern die meisten aus dem Österreichischen, fast ebensoviel aus
Böhmen, weniger aus Mähren und aus Bayern. Mit einigen Familie
sind der Reihe nach Oberschlesien, Baden, Württemberg, Lothringen,
Obersachsen, Elsaß, Hessen, Moselfranken, Westfalen und andere ver-
treten. Das ist aber für die Spanne bis i860 jedesmal doch eine
geringe Zahl, die überhaupt der Herkunft nach festgelegt ist, am
höchsten ist noch die erste Gruppe von 67 Siedlern. Wir fragen bei
solchem geschichtlichen Befund nach den Mundarten. Die Mundart
von Franzfeld führt in das alemanische Südbaden, ins Schwäbische,
Rheinpfälzische, wobei Hessen nicht ausgeschaltet ist. Bairischer Anteil
ist aus Sprachströmung zu erklären. Das zeigt sich auch an der Weiß-
kirchener Stadtmundart, die heute außerdem rheinfränkische und ost-
mitteldeutsche Züge aufweist. In Franzfeld ist das Rheinfränkische
aus einer Minderheit durchgedrungen, und zwar paßt der südlichste
Rand desselben um Karlsruhe am besten. Nach den Listen ist aber die
stärkste Gruppe aus Württemberg gekommen. Es ist der gleiche
Fall wie bei der schwäbischen Kolonie bei Kulm in Westpreußen. Auch
da hat das Rheinfränkische über das Schwäbische gesiegt. Das liegt
daran, daß die siegende Mundart der neuhochdeutschen Schriftsprache,
sowohl in Westpreußen wie auch1 in diesem Banater Dorf, nahesteht.
Aus dem Rheinfränkischen sind die Siedler der Dörfer Kömlöd und
Kér ganz im Norden der Schwäbischen Türkei 1784. Auch die
Nachbarschaft des Rheinfränkischen ist beteiligt. Die mittelfrän-
kischen Siedler in Kömlöd haben sich nahezu ganz angepaßt.
Werschetz gehört in die rechtsrheinische Rheinpfalz mit Südhessen,
dazu sind wieder bairische Merkmale eingedrungen. Dies ist auch der
Fall bei der Mundart von Rudolf sgnad, wo wieder das Rheinpfälzische
vorherrscht. In andern Dörfern tritt insbesondere die Südwestpfalz
hervor. Zwischen Orb und Spessart wird die Mundart von Zichydorf

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 13 1

beheimatet. Immer ist das Bairische beteiligt. Hier aber ist nicht n
die Sprachströmung verantwortlich. In dem entlegenen Kudritz ist
Grundlage Moselfränkisch. Von fielen Dörfern ist die Sprache noch
erkundet. Die Mundartforschung hat zusammen mit der Siedlungs-
geschichte ganze Gruppen deutscher Dörfer der Baranya in d
Gegend von Fulda beheimaten können. Auch die Volkskunde beteili
sich daran. Diese Bauern werden von den andern Stifoller genannt
(71), d. h. „aus dem Stift Fulda". Wieder geben Einwanderungslisten,
auch wenn sie lückenhaft sind, manchen Hinweis auf die Herkunft,
deren punktmäßige Festlegung man von einer Mischmundart, über-
haupt von einer Siedlungsmundart nicht erwarten darf. Genauer
untersucht ist Himeshaza (25), östlich von Fünfkirchen, ist 1722 be-
siedelt worden. Die Herkunftslisten führen ins Quellgebiet der Fulda.
Dorthin weist auch die heutige Mundart. Ein weiteres Hessendorf der
„Schwäbischen Türkei", wie die Gegend bei Fünfkirchen auch genannt
wird, ist Kistormas, 1724 gegründet. Die Einwandererlisten weisen auf
Oberhessen und das nördliche Nassau, die Mundart stimmt heute zur
Wiesbadener Gegend, also zum Nassauischen (104). Am Nordrand der
Schwäbischen Türkei liegt Zavod. Nach der Mundart zu schließen,
stammen die Deutschen aus dem Elsaß oder dem südlichen Baden,
sie sprechen also niederalemannisch.
Im Banat haben die Westfalen, auch wo sie geschlossen zusammen-
sitzen wie in Deutsch-Tscharnad, ihre Mundart aufgegeben (46, 49).
Das Waldarbeiterdorf Deutsch- Mokra östlich von Muncatsch am
Südhang der Karpathen ist 1776 von Holzknechten aus dem Trauntal
in Oberösterreich begründet. Die Siedlung hat sich ausgebreitet und
spricht noch heute die Heimatmundart (90).
Nach Mischung und Ausgleich zwischen Heimatmundarten ist das
mundartliche Bild in der Batschka (101) das, daß dort in den pro-
testantischen Dörfern überwiegend rheinpfälzische, in den katholischen
nordbadische Mundarten, also aus dem dortigen Übergangsstreifen
vom Alemanischen zum Fränkischen, gesprochen werden. Das West-
schwäbische und das Bairische sind nur in je einem Dorf zu Hause,
das erstere in dem ältesten Dorf Novoselo, das andere in Tschawel.
Doch diese beiden Mundarten, z. B. das bairische enk „euch", sind
auch sonst beteiligt. Das Pfälzische führt in den Südwesten der Rhein-
pfalz.
Die Deutschen werden also im ganzen Südosten „ Schwaben* 'genannt.
Sie nennen sich sogar selber so. Die auslanddeutsche Wissenschaft
unterscheidet genauer Nenn-Schwaben und Abstammungsschwaben. Im
Innern Ungarns kommen echte Schwaben nur in Hajos im Norden des
9*

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132 Walther Mitzka

Batschkadeutschtums vor. Das Herkunft


ist der Strich zwischen Riedlingen und M
gibr es Schwabensiedlungen nur vereinzelt auf breiterer Fläche im
alten Komitat Sathmar, also in Nordostungarn. Jedenfalls ist die
Sathmarer Gruppe mit ihren 24 Dörfern die weitaus größte schwäbische
Einheit. Ihre Mundarten sind öfters untersucht worden (61). Die Her-
kunft ist nach der Geschichte ziemlich deutlich, die gemeinsamen
Züge der Mundarten weisen in das Gebiet zwischen Donau, Hier und
Bodensee, was zu den erhaltenen Einwanderungslisten stimmt.
Aus der Batschka wandern im 19. und noch im 20. Jahrhundert
viele Deutsche nach Süden in den Winkel zwischen Drau und Save,
das ist also nach Slawonien und östlich davon nach Syrmien (47a).
Zu dieser Hauptgruppe kommt etwas über ein Zehntel süddeutsche,
vor allem rheinpfälzische Mundart dazu, außerdem eine kleinere
Gruppe von Sudeten-deutschen. Die Alten sprechen noch die Mundart
ihrer Herkunftslandschaft, aber sonst mündet alles in das Rheinfrän-
kische der „donauschwäbischen' * Verkehrssprache ein, mit örtlichen
Resten aus dem Schwäbischen und dem Bairischen.
Eine Wanderung von größeren Ausmaßen aus dem Südbairischen
erfolgte nach Siebenbürgen. Dorthin zogen vertriebene« Protestanten
1734 - 1772 in mehreren geschlossenen Gruppen aus dem Salzkammer-
gut, Oberösterreich, Karaten, Steiermark vor allem in die Nachbar-
schaft von Hermannstadt ein, überhaupt in die Südwestecke des
Siebenbürger Sachsenlandes. Die Mundarten dieser „Landler" sind
z. T. noch erhalten. Sie sind aber noch nicht bearbeitet worden.
In das Buchenland, Bukowina (54), zieht das Deutschtum im
breiten Strome nach dem Erwerb durch Österreich. Da setzen sich jene
beiden Siedlergruppen, die sogenannten „Schwaben" und die Deutsch-
Böhmen in der gleichen Sonderling nach Lebensart und Sprache fort.
Die Böhmen sitzen auch hier in entlegeneren Waldgebieten und zeigen
mit ihrer Einfachheit große Widerstandskraft. Im Südwesten liegen
alte Bergwerksorte. Sie sprechen Zipser Mundart und gehören in die
Unterzips. Die Siedler der Glashütten und Waldbauerndörfer im mitt-
leren Hügelland sprechen bairisch und zwar führen die Sprachformen
in die Mitte und Süden des Böhmerwaldes zurück.
Die sogenannten „Schwaben" im Flachlande sind wieder Rhein-
pfälzer Bauern. Daneben sind Leute aus Württemberg, Hessen-Nassau
und Baden-Durlach mitgezogen, aber das Rheinfränkische hat wieder
gesiegt, wie wir es aus der Mundartmischung des galizischen und
ungarländischen Deutschtums kennen. Und zwar sind es einmal die
westlichen ein andermal die östlichen Formen innerhalb des Rhein-

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 133

pfälzischen. Im Einzelnen untersucht ist die Mundart von Illisch


(39, 40, 86), eine Gruppe von Dörfern im Südostwinkel des B
landes. Es sind drei Gruppen von Ansiedlern dort eingezog
Gründer der Kolonie, die von weither kommen, dann die Zuwan
aus den Schwesterkolonien und die übrigen nicht wie jene erste G
nach ihrer Herkunft erkennbaren Zuwanderer.
Von der ersten Gruppe kennt die Einwanderungsgeschichte die
Herkunft von etwas mehr als die Hälfte. Davon wieder stammt der
größte Teil aus der Rheinpfalz mit Saarbrücken. Die übrigen kommen
aus der Rheinprovinz, Hessen- Nassau, Baden und Württemberg. Die
Mundart ist wieder derartig gemischt, daß sich alle Züge derselben
nicht auf ein enges Heimatgebiet gemeinsam zurückführen lassen. Ein
Großteil von Mundartmerkmalen paßt in die Gegend von Alzey.
Das flache Land außerhalb der Städte hat sich also zuletzt in die
Gruppen der sogenannten „Schwaben*' mit wesentlich rheinfränkischer
Mundart, die der Zipser und der Deutschböhmen gegliedert.
Das Deutschtum des Mittelalters, in rund 200 deutschen Orten, ist
aus weiten Räumen Galiziens (45, 53, 56) auf die Bielitz-Bialaer
Insel (117) zusammengeschrumpft, die mit einem kleinen Teil in ihrem
Osten zu Galizien gehört. Sie gehört zur schlesischen Sprachfläche,
woher sie immer aufgefrischt worden ist. In der breiten Mitte Galiziens
zeigt sich außer an Ortsnamen wie Lancut (ehemals deutsch Landshut)
altes Deutschtum in dem Namen der Gluchoniemcy, das sind „Taub-
deutsche". Im 16. und 17. Jahrhundert waren mit den deutschen
Bürgern auch die Bauern im andern Volkstum verlorengegangen.
Was die Deutschen kolonisiert hatten, wurde also polnisch. Mit der
Erwerbung durch Österreich 1772 beginnt ein neuer Einzug. Im
18. Jahrhundert sind es ganz überwiegend Rheinpfälzer, zu denen für
die Waldgebiete Deutsch-Böhmen kamen, und zwar Egerländer und
Böhmerwäldler. Diese beiden Gruppen haben ihre Eigenart bewahrt,
also auch die Sprache. Die Rheinpfälzer sind erst im Neulande aus
einzelnen Auswandern zu Siedelgemeinschaften zusammengestellt wor-
den, und haben die weniger zahlreichen Einschüsse aus andern Stämmen
und Landschaften aufgesogen. Im Sprachinselkampf sind sie selber
manchmal verlorengegangen, nicht nur durch Auswanderung. Das
Kulturgefälle von ihrer rheinischen Heimat zu dem primitiveren Neu-
land ist ihnen oft schwer gefallen. Anders bei den Deutsch-Böhmen,
sie kommen aus harter Waldarbeit lind sind in ihrer einfacheren
Lebensart in diesem Kampfe sehr viel gesicherter gewesen. Von ihre
Siedlungen ging nichts verloren. Und zwar siedeln sich auch dies
beiden Gruppen innerhalb einzelner Siedlungen zusammen, aber d

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134 Walther Mitzka

Abstand ist geblieben, was sich in der E


muß. Sehr viel kleiner ist eine Gruppe v
Insgesamt ist das Rheinfränkische in
18. Jahrhunderts, bei der auch Moself
beteiligt ist, durchgedrungen.. „Schwabe
außer den Deutsch-Böhmen selbst. Sie unterscheiden die Mundarten
nach Kennworten als e-, o-, a- Schwäbisch. Die Böhmen sind von vorne-
herein aus geschlosseneren Ausgangsgebieten ausgezogen und haben
sich auch im Neulande dicht beisammen angesetzt. So lassen sich für
einzelne Gruppen von ihnen die Landschaft um Tachau westlich von
Pilsen und Wallern im südlichen Böhmerwald nach Einzugslisten um-
grenzen.
Die deutsche Siedlung in Rußland (21, 76, 77, 81, 103) geht
1764 bis ins 19. Jahrhundert hinein vor sich. Zuerst wird das Wolga-
deutschtum gegründet, und zwar von 1764 an. Die weiteren Gruppen
sind: 1789 f. Jekaterinoslaw und Chortiza am Dnjepr, 1804 f. Mo-
lotschna südöstlich davon, und um Odessa, 18 14 f. Bessarabien, 1823 f.
am Asowschen Meer um Mariupol. Wenn auch die Hauptmasse west-
mitteldeutscher Herkunft ist, so sind doch das Oberdeutsche und das
Niederdeutsche beteiligt. Eine einheitliche niederdeutsche Gruppe sind
die Mennoniten, die lange Zeit durch besonderes Recht, überhaupt
eigenes Gemeinschaftsleben sich als Sondergruppe erhalten und mit
Tochtersiedlungen weithin ausstreuen. Ihre Mundart ist jedesmal das
Weichselplatt mit seiner dortigen niederdeutschen Ausprägung.
Mehr als die Hälfte der rund 200 Dörfer des Wolgagebietes ist
hessisch. Im ganzen ist beim Vergleich der Mundarten mit denen der
Heimat das Rheinfränkische in Rheinhessen, das Oberhessische außer
seinem Osten, die Gegend um Aschaffen bürg, die Rheinpfalz, die
Gegend um Wetzlar und Kreuznach, also das Rhefoif ränkische außer
dem Niederhessischen und dem Lothringischen die Heimat der meisten
Auswanderer. 'Aus dem Süden werden außerdem Leute aus Baden,
Württemberg, Bayern, Elsaß usw. neben Niederdeutschen genannt.
Dieser Anteil ist an den Mundarten nicht mehr zu merken. Im einzelnen
können die Mundarten am Vogelsberg und Spessart oder im Rheingau
oder in der Rheinpfalz bis in den Nordelsaß beheimatet werden.
Die Siedler der jüngeren im1 Gebiet des unteren Dnjestr angelegten
Kolonien nennen sich Schwaben. Sie sind aber nur zum Teil aus
Württemberg gekommen. Die Mundarten führen in den Norden d
Elsaß. Dort reicht die Mischzone aus dem Heimatland bis in die Süd-
pfalz hinein.
Von 1803 - 23 wanderten aus dem nördlichsten Elsaß (92) Deutsche

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Die Ostbewegung der deutschen Sprache 135

ins russische Schwarzmeergebiet, sie legten Dörfer bei Odessa,


Speyer, an. In der Stammheimat sind manche Merkmale unterdess
nach Norden in die Pfalz gedrängt. Daß Schweizer vertreten si
meldet gelegentlich die Einwanderungsgeschichte, außerdem ist
ganze Reihe von Ortsnamen schweizerisch. So finden wir an der W
im Norden des deutsch besiedelten Gebietes die Namen Schaffhausen,
Glarus, Basel, Solothurn, Zürich und Luzern am Ufer entlang auf-
gereiht.
Vor der Rücksiedlung ist auch das Bessarabiendeutsche der
Mutterkolonien bearbeitet worden (27). Die Dörfer sind in und nach
den Befreiungskriegen von 18 14 an gegründet, woran die Namen Katz-
bach, Paris, Arzis, Brienne, Leipzig, Kulm, Wittemberg, Dennewitz er-
innern. Die Einwanderung vollzog sich direkt aus Westdeutschland
her, zugleich kamen Deutsche aus Polen. Der Zuzug reicht bis in die
1830er Jahre, unterdessen hatte Tochtersiedlung eingesetzt. Die Mund-
art ist eigentlich nur noch bei den Alten einigermaßen erhalten und
hat auch da einen erheblichen Ausgleich erlebt. Im allgemeinen zielte
die Sprachgeschichte auch hier auf ein Schriftdeutsch ausgerichtetes
Kolonistendeutsch. Jene Mutterkolonien sprachen in 15 Dörfern ober-
deutsch, in 7 niederdeutsch, in einem mitteldeutsch. Ein weiteres hatte
schon jenes Hochdeutsch auf ostmitteldeutscher Grundlage erreicht.
Das Oberdeutsche führt in die Mitte Württembergs zurück, dies stimmt
zur Siedlungsgeschichte. Genauer ist das Ergebnis ein Schwäbisch,
Schwäbisch-Fränkisch und ein Neuschwäbisch. Das Niederdeutsche
gehört, mit einer Zwischenheimat in Mittelpolen, in die Netzegegend
Dabei ist nach ihren Mundarten das Dorf Paris dem Westen, Neu-Arzis
in den Osten um Bromberg, Arzis und Brienne dem ostpommersc
niederpreußischen Grenzgürtel weiter im Nordosten zuzuordnen. Das
Mitteldeutsche ist in Krosna vertreten gewesen und gehört ins Rhein
fränkische.
Durch die Ansiedlung seit 1886 bis zum Weltkriege sind im Lande
Posen und in Westpreußen sehr verschiedene Stämme vertreten.
Aus Westfalen sind im Laufe der Jahre an 2500 Familien dorthin
gegangen, nahezu die Hälfte ist, in 45 Gemeinden, geblieben (46).
Weiterhin haben recht viele Galiziendeutsche durchgehalten, auch
Pommern, Württemberger, Brandenburger, Obersachsen und Hessen-
Nassauer.
Westfälische Mundart ist vereinzelt noch vorhanden, wie die Auf-
nahmen zum Wortatlas 1942 zeigen, von den übrigen Mundarten wissen
wir nichts.

In das Wartheland (60, 72, 106 a, 118) erfolgt in den letzten Jahren

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136 Walther Mitzka, Die Ostbewegung der deutschen Sprache

eine mundartlich vielfältige Westwanderung durch Rücksiedlung


Deutscher aus dem Cholmer Land, Wolhynien-Bessarabien, Galizien,
Buchenland, vom Schwarzen Meer. Die beiden ersten Gruppen bringen
schlesisch gefärbte 'hochdeutsche Umgangssprache zurück. Hochdeutsch
ist auch das Bai tendeu tsche mit mancher Eigenheit des Wortschatzes.
Die Bessarabiendeutschen haben schwäbische Mundart mitgebracht,
das Ostniederdeutsche einiger Kolonien ist bisher im Wortatlas noch
nicht aufgetaucht. Das Niederdeutsche vom Narew (61 a) ist jetzt nörd-
lich des Warthelandes und nördlich von Schröttersburg eingezogen.
Das Galiziendeutsche zeigt sich immer wieder als rheinfränkisch, das
Buchenländische als bairisch, es sind die Böhmerwälder. Diese Gruppen
sind meist durcheinandergesiedelt, mancher Ort hat mehrere Mundarten
aus ihnen. Das Ergebnis der sprachlichen Mischung kann nur das
überlandschaftliche Hochdeutsch sein. Was wortgeographisch dabei
eigenlandschaftlich werden wird, muß die Zukunft lehren (106a).
Das Niederdeutsche des Warthelandes war noch 1879 m ^mer statt-
lichen Dörfergruppe dicht östlich und südöstlich von Posen-Stadt, in
der Pudewitzer Gegend, vertreten. Da erscheint es 1942, im Wortatlas,
nur noch gelegentlich in Altersmundart. Unterdessen war von Süden
und Südwesten her in breitem Zug das (schlesische) Ostmitteldeutsch
oder wenig mundartliches Hochdeutsch eingezogen und hatte die Mitte
der Provinz Posen bis an den Nordrand bedeckt.
Die Netzeniederung selber wird nur in der Gegend östlich von
Kolmar erreicht, sonst ist die Mundart des breiten Nordrandes nieder-
deutsch geblieben, genauer südostpommersch. Im jungen Osten süd-
lich von Leslau liegt eine niederdeutsche Dörfergruppe um Moosburg
beisammen. Die Mundart führt an die mittlere Netze und die nord-
westlich davon gelegene Nachbarschaft zurück. Außerhalb liegen nur
wenige niederdeutsche, zu dieser Mundart stimmende Einzeldörfer.
Die geschlossene niederdeutsche Fläche reicht von Norden aus den
Kreisen Rippin und Leipe bis über die Weichsel. Die Weichselniede-
rund iselbst (hat miederpreußische Mundart vom Unterlauf der Weichsel.
Das Binnenland nördlich davon hat nordostpommersche Mundart
(118), mit der dort beheimateten Palatalisierung (k>tch). Ost-
pommersch sprechende Dörfer gibt es auch östlich von Litzmann-
stadt (60).

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Marburg (Lahn) Walther Mitzka

Hausdruckerei Dr. Martin Sandig oHG., Niederwalluf

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