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Eintauchen in die

Digital-Fotografie
Workshop

• Kamerahaltung

• Scharfstellen

• Belichtung

• Brennweiten

• Bildgestaltung

• Die Blende

• Der Verschluss

• ISO-Werte

• Kameratechnik

ph zürich > Digital Learning Center | Mai 2015


Autoren: Urs Stauber, David Gavin
Lektorat: Susanna Bürsing und Jürg Fraefel
Fotos und Gestaltung: Urs Stauber, David Gavin

© 2010 PH Zürich
Digital Learning Center
phzh.ch/digitallearning
5., überarbeitete Version, Mai 2015
PDF-Download unter www.medienbildung.ch/dossiers
Kameras sind für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gratis ausleihbar.
Eintauchen in die

Digital-Fotografie
Workshop

Inhalt

Direkt ins kalte Wasser – Kamera korrekt halten 4


Richtig scharfstellen 5
Richtig belichten 6
Brennweiten und ihre Wirkung 7
Bildgestaltung – Themen 8
Bildgestaltung – Aufteilung 9
Die Blende 10
Die Verschlusszeit 11
Der ISO-Wert 12
Das Verhältnis zwischen Blende, Verschluss und ISO 13
Ein bisschen Fototechnik 14
Smartphone-Fotografie 15
Bildbearbeitung 16
Kreative Fotoprojekte 17
Wichtige Begriffe 18
Literatur und Links 19
Direkt ins kalte Wasser – Kamerahaltung

Richtige Kamerahaltung, mit beiden Händen Einhändig ist die Verwacklungsgefahr grösser Auflage suchen für verwacklungsfreie Bilder

Kamera richtig halten Kamera richtig einstellen Übung 1


Um die Verwacklungsgefahr und die Im Vollautomatikmodus erbringen die
daraus entstehende Unschärfe beim meisten Kameras sehr gute Ergeb- Kamera ruhig halten
Auslösen zu minimieren, ist die nisse, vielmals sogar die besseren als Wir überlassen alle Einstellungen dem
richtige Haltung der Kamera nicht zu bei manuell eingestellten Werten. Automatik-Modus und versuchen, ein
unter­schätzen. Auch einem Profifotografen kann es vorbeifahrendes Fahrzeug mit ruhig
Mit beiden Händen halten wir die ab und zu passieren, dass er in der gehaltener Kamera abzulichten.
Die Verschlusszeit sollte mindestens
­Kamera, legen die Ellbogen am Körper Hektik vergisst, einen wichtigen Wert
1/500 Sekunde betragen, damit keine
an und spreizen die Beine leicht für richtig einzustellen. Bewegungsunschärfe entsteht. Bei zu-
einen guten Stand. Die Luft anhalten wenig Licht muss die ISO-Zahl erhöht
– klick! Manuelle Einstellung werden.
Für Aufnahmen mit längerer Ver- Trotzdem ist es sicher spannender Aufnahmemodus: Auto
schlusszeit verhindert ein Stativ und manchmal notwendig, für
Verwackelungen. Wer kein Stativ gewisse Bildwirkungen die Werte
Objekt und
mitschleppen will, findet evtl. andere manuell einzustellen. Umfeld scharf
Auflagemöglichkeiten, wie ein In Übung 2 versuchen wir, die Kamera
Geländer oder einen flachen Stein. nicht ruhig zu halten, sondern sie
«mitzuziehen».

Digitalkamerakamera (Powershot G-Modell von Canon) Übung 2

Kamera mitziehen
Objektiv
Wir überlassen alle Einstellungen aus-
ser der Verschlusszeit der Automatik.
Belichtungskorrektur: Wir stellen den Aufnahmemodus auf
Helligkeit erhöhen Zoom «Tv», um die Verschlusszeit manuell auf
oder reduzieren Auslöser ca. 1/30 Sekunde einzustellen. Wir fo-
kussieren nun ein heranfahrendes Fahr-
zeug und verfolgen es mit der Kamera,
bis es auf unserer Höhe ist und drücken
den Auslöser. Mit etwas Glück wird das
fahrende Auto scharf abgebildet und
der Rest verwischt.
Aufnahmemodus: Tv

Objekt scharf,
Hintergrund
Äusserer Ring: Innerer Ring: verwischt
ISO-Einstel- Aufnahme­
lung modus

4 Einführung in die Digitalfotografie


Richtig scharfstellen

Der Fokus liegt auf der Mitte, das Portrait wird Das Hauptmotiv anvisieren, Auslöser halb .... den Fokus «einfrieren», damit nicht wieder
unscharf. durchdrücken und nach links schwenken ... der Hintergrund scharf wird.

Autofokus in der Bildmitte Schärfentiefe Übung 3


Vor dem Auslösen muss man sich im Wenn der Hintergrund eines Portraits
klaren sein, was auf dem Bild scharf trotzdem unscharf bleibt, ist das Auto-Gesichtserkennung
sein soll. Die häufigste und meistens vielleicht gewollt, damit sich die Im Menü wechseln wir unter Aufnahme­
auch sinnvollste Fokuseinstellung ist Person von einem unruhigen Hinter- einstellungen den AF-Rahmen auf Ge-
die Bildmitte. Wenn auf dem fertigen grund besser abhebt. Das erreicht sichtserkennung und richten die
Bild das Hauptobjekt nicht in der Mitte man mit weit offener Blende (siehe Ka­mera zuerst auf ein Gesicht. Sobald
sein soll, zielen wir zuerst auf das Seite 10). sich ein Rahmen um das Gesicht bildet
kann man auslösen..
Objekt, um mit halb durchgedrücktem Damit auch der Hintergrund scharf Dasselbe versuchen wir noch einmal
Aus­löser scharfzustellen. Ohne den abgebildet wird, müssen wir «abblen- mit mehreren Gesichtern im Bild.
Auslöser los­zulassen, können wir jetzt den», also die Blende verengen. Aufnahmemodus: Auto
einen passenden Bildausschnitt Die Schärfentiefe (siehe Seite 10) ist
wählen, die Schärfe bleibt auf dem bei Kompaktkameras meistens sehr
Objekt. hoch, lässt sich aber umgekehrt nur in
den wenigsten Situationen verklei-
Auto-Gesichtserkennung nern. Das Gegenteil bewirken grosse
Dieses Vorgehen erübrigt sich, wenn Sensoren und lichtstarke Objektive,
man die automatische Gesichtserken- wie sie an teuren Spiegelreflexkame-
nung aktiviert, wie sie in vielen ras verbaut werden.
neueren Digitalkameras vorhanden
ist. Diese Funktion kann für Portraits Unschärfe durch zu wenig Kontrast Übung 4
nützlich sein, bei mehreren Gesich- Motive, bei denen alles etwa gleich
Halb durchdrücken
tern im Bild aber auch verwirren. hell ist, können den Autofokus leicht
Einige Kameras können sich dann verwirren. Ähnliches passiert auch, Der Fokus ist auf die Bildmitte einge-
nicht entscheiden, welches Gesicht wenn man im starken Gegenlicht stellt. Wie in den oberen Bildern darge-
scharf sein soll oder versuchen, alle fotografiert. In solchen Fällen emp- stellt, soll das Gesicht scharf sein und
rechts im Bild stehen. Wir fokussieren
Gesichter scharf zu stellen. Letzteres fiehlt es sich, manuell zu fokussieren
das Gesicht und schwenken mit halb
bringt kaum Vorteile gegenüber der oder einen kontrastreicheren Fokus- durchgedrücktem Auslöser nach links
Vollautomatik. punkt zu suchen. und drücken den Auslöser ganz durch.
Beim Schwenken ist wichtig, sich nicht
zu weit nach vorn oder hinten zu
bewegen.
Aufnahmemodus: P

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 5


Richtig belichten

Hauptmotiv ist zu dunkel, der Belichtungsmes- Mit den unten beschriebenen Einstellungen Mit einem schwach eingestellten Blitz
ser orentiert sich am hellen Hintergrund. erhöhen wir die Belichtung. aufgehellt.

Grosse Kontraste Bei unseren Modellen befindet sich Übung 5


Wenn wir auf ein sehr helles Objekt die Speichertaste auf der Rückseite Belichtung regeln
wie z. B. einen Schwan fokussieren, der Kamera oben rechts. Wenn wir die
kann es vorkommen, dass die Umge- Kamera von einer hellen in eine Das Hauptmotiv befindet sich im Schat-
bung zu dunkel abgelichtet wird, weil dunklere Umgebung schwenken, ten und wirkt unterbelichtet, weil die
für die Belichtungsmessung der passt sich die Belichtung automatisch Umgebung im grellen Sonnenlicht
steht. Im Auto-Modus ist diese Einstel-
weisse Schwan als Referenz gilt. Auch an. Das ist in vielen Fällen optimal, in lung nicht möglich, wir drehen darum
sehr starke Kontraste, z. B. grelles gewissen Situationen bringt aber eine den «P»-Modus auf. Wir drehen den Be-
Sonnenlicht und schattige Gassen, manuelle Beeinflussung der Belich- lichtungsregler in den Plusbereich und
bewirken ein entweder überbelichte- tung deutlich bessere Ergebnisse. prüfen auf dem Display die Wirkung,
tes oder auf die sonnigen Teile des bevor wir auslösen.
Bildausschnittes fokussiert unterbe- Welche Methode? Aufnahmemodus: P
lichtetes Bild. Die Methode in Übung 6 ist sicher
schneller eingestellt und sinnvoll,
Belichtung regeln wenn ganz klar ist, was richtig belich-
Abhilfe gegen zu dunkle tet sein soll, etwa ein spektakulärer
oder zu helle Bilder schafft Abendhimmel.
u. a. der Belichtungsregler Mit unseren Kurskameras kann man
Übung 6
auf der linken Oberseite der dafür mit der Methode in Übung 5
Kamera. Wenn das Hauptmotiv zu über das Display die Einstellung Belichtung «einfrieren»
dunkel abgelichtet wird, drehen wir laufend prüfen.
den Regler in den Plusbereich und Wie in Übung 5 versuchen wir das Motiv
aufzuhellen. Wir richten nun die Kame-
prüfen auf dem Display vor dem Eventuell Blitzlicht einsetzen
ra auf einen nicht zu dunklen und nicht
Auslösen die Wirkung. In den Minus- Wenn das Hauptmotiv wie das Portrait zu hellen Bereich und drücken die AE-
bereich drehen wir den Regler, wenn im Bild oben links zu dunkel wird, Taste. Jetzt schwenken wir wieder auf
das Hauptmotiv zu hell wird. kann auch ein nur schwach eingestell- den gewünschten Bildausschnitt. Die
ter Blitz für genügend Licht sorgen. Belichtung verändert sich so nicht
mehr. Im Auto-Modus ist diese Einstel-
Belichtung «einfrieren» Ein zu stark eingestellter Blitz führt lung nicht möglich.
Eine andere Möglichkeit ist aber zu unnatürlicher Aufhellung des
Aufnahmemodus: P
die Belichtungspeicherung. Hauptmotivs.
Viele Kameras verfügen über
diese sogenannte AE-Spei-
cherung (Auto-Exposure).

6 Einführung in die Digitalfotografie


Brennweiten und ihre Wirkung

Aufgenommen mit Brennweite 50 mm: Abbruchhaus im Aufgenommen weiter hinten mit Brennweite 100 mm:
Vordergrund grösser, Häuser im Hintergrund kleiner. Abruchhaus ca. gleich gross, Hintergrund deutlich grösser.

Brennweiten von Objektiven Wirkung der verschiedenen Brennweiten


Auf allen Objektiven ist der Brennweitenbereich Die Brennweite verändert nicht nur die Distanz
in Millimetern angegeben. zum Objekt, sie verändert auch die Bildwirkung.
Diese Grösse bestimmt den Bildaus- Objekte im Hintergrund werden grösser und
schnitt. Mit Brennweite 16 mm wird erscheinen näher. Das Alpenpanorama von
140 o von der Umgebung erfasst, fast Zürich aus fotografiert wirkt sicher imposanter
die Hälfte eines 360 o-Kreises. Hier mit einem Teleobjektiv als mit einer Normal-
spricht man schon von extremem oder Weitwinkelbrennweite.
Weitwinkel. Ohne die Blendenöffnung zu verändern, erreicht
Eine Brennweite von 50 mm (45 o) man im Telebereich weniger Schärfentiefe, was
bezeichnet man als Standard- oder durchaus gewollt sein kann. Bei einer Portrait-
Normalbrennweite, weil sie ungefähr der aufnahme mit Teleobjektiv wird der Hintergrund
Wahrnehmung des menschlichen Auges unscharf abgebildet.
entspricht.
Im Telebereich verengt sich der Abbildungsbe-
reich, bei 800 mm z. B. sind es nur noch 3 o.

Aufgenommen mit Brennweite 24 mm: Aufgenommen weiter hinten mit Brennweite


100 mm:

Eine Portrait-Aufnahme mit Brennweite 24 mm, Eine Portrait-Aufnahme mit Brennweite 100 mm,
also sehr weitwinklig und sehr nahe am Objekt, also im Telebereich, bildet das Gesicht realis-
vergrössert den Vordergrund (Nase) zu stark. tischer ab.

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Bildgestaltung – Themen

Motiv ist zu weit weg. Lösung: näher rangehen Das Hauptmotiv wurde herangezoomt; jetzt Noch mehr heranzoomen kann durchaus
oder näher heranzoomen. erkennt man mehr. interessant wirken.

Portraits Landschaftsaufnahmen Übung 7


Wie die Bilder oben zeigen, ist es Landschaftsaufnahmen, bei denen der
wich­­tig, sich zu überlegen, wie ein Vordergrund einbezogen wird, Portraitaufnahme
Portrait wirken soll. Den Hinter­grund bekommen so mehr Tiefe. Ein Ge- Wir versuchen, mit verschiedenen Ka-
darf man sicher auch mit einbeziehen, büsch, Schilf oder ein Stein können im merapositionen ein Portrait aufzuneh-
sollte aber trotzdem darauf achten, Vordergrund stehend das Bild räum- men, zuerst in der Halbtotale (wie oben
dass die abgebildete Person erkenn- licher erscheinen lassen. Mitte) und danach eine Nahaufnahme
bar bleibt. (wie oben rechts). Dasselbe versuchen
wir nochmals mit dem Lichteinfall von
Selten gelingt ein interessantes Architektur der Seite und danach mit dem Licht von
Portrait, wenn die Sonne direkt von Viele Architekturaufnahmen werden schräg hinten.
vorn auf die Person scheint, vor allem mit einem Weitwinkelobjektiv aufge- Aufnahmemodus: Av
um die Mittagszeit, wenn die Sonne nommen. Mit dieser Einstellung ist die
hoch steht. Statt den Augen ist Gefahr gross, dass Gebäude trapezför-
meistens nur eine dunkle Höhle zu mig verzogen werden.
erkennen. Um das zu verhindern, muss die Übung 8
Am besten experimentiert man mit Kamera waagrecht gehalten werden.
Architekturaufnahme
verschiedenen Positionen. Licht von Natürlich ist bei Hochhäusern wie
der Seite oder leicht von schräg hinten dem Empire State Building nicht viel Landschaften aufzunehmen ist nicht
erzeugen eine plastische Wirkung. auf dem Bild, wenn man sie unten auf einfach in der Stadt. Deshalb beschrän-
Tief stehende Sonne oder auch die der Strasse waagrecht hält. Die ken wir uns auf ein interessantes Ge-
bäude. Das Objektiv so weitwinklig wie
Zeit kurz nach Sonnenuntergang stürzenden Linien können in so einem
möglich einstellen, dann zuerst mit der
eignen sich besonders gut für stim- Moment dem Bild durchaus Dynamik Kamera in waagrechter Position auslö-
mungsvolle Bilder. verleihen. sen. Danach richten wir sie nach oben,
lösen aus und schauen, wie stark sich
die vertikalen Linien trapezförmig ver-
zogen haben.
Aufnahmemodus: P

Landschaftsaufnahmen mit Gegenständen im Kamera waagrecht gehalten: Kamera nach unten gerichtet:
Vordergrund geben dem Bild mehr Tiefe. Die vertikalen Linien bleiben gerade. Die vertikalen Linien werden verzogen.

8 Einführung in die Digitalfotografie


Bildgestaltung – Aufteilung

Der Himmel und die Berge im Hintergrund nehmen ca. 1/3, das Meer 2/3 Kamera in Bodennähe ergibt eine andere, evtl. interessantere Perspektive
der horizontalen Einteilung ein. Das hier sehr kleine Hauptmotiv befindet
sich im linken oberen Drittel, also ungefähr im goldenen Schnitt.

Goldener Schnitt oder die Drittelsregel Perspektiven


Eine wichtige Gestaltungsgrundlage eines Bildes Nicht nur bei Portraits sondern auch bei Land-
ist der goldene Schnitt, auch das «Mass aller schafts- oder Architekturaufnahmen kann eine
Dinge» genannt. In der Praxis nehmen wir aber ungewöhnliche Perspektive ein Bild interes-
die einfachere Drittelsregel zu Hilfe. santer machen. Also auch mal in die Knie gehen
Eine wirkungsvolle Aufteilung des Bildes besteht oder eine erhöhte Position suchen.
aus 1/3 zu 2/3. Im Bild links befinden sich diese Wiederum ist die horizontale Aufteilung unge-
Punkte immer dort, wo sich die Raster­linien fähr im goldenen Schnitt: Steine, Meer und
kreuzen. Der Himmel ist im oberen Drittel, das Himmel nehmen je 1/3 des Bildes ein.
Hauptobjekt ungefähr im goldenen Schnitt. Mit
einem in der Mitte platzierten Horizont würde Übung 9
die Komposition deutlich an Spannung verlieren.
Andere Perspektive
Das gleiche Mass gilt auch für eine vertikale
Aufteilung. Die Bildwirkung wird vielmals Wir wähle ein Motiv in der Umgebung
interessanter, wenn wir das Hauptobjekt nicht in aus und fotografieren es zuerst ste-
der Mitte platzieren. hend. Das gleiche Motiv vom selben
Oftmals wirken aber Bilder auch, die gerade von Standpunkt aus fotografieren, aber
diesmal kniend. Evtl. versuchen, die Ka-
dieser Vorgabe total abweichen und das Auge so mera noch mehr in Bodennähe zu hal-
irritieren. Das kann die Bildspannung wiederum ten und den Bildausschnitt durch das
erhöhen. Deshalb gilt auch hier: Keine Regel Display prüfen.
ohne Ausnahme. Aufnahmemodus: P

Kamera waagrecht gehalten: Kamera leicht nach unten gerichtet:


Zu viel Raum über dem Portrait. Das ist nur sinnvoll, wenn Die Person auf dem Bild als wichtigstes Element nimmt so
im oberen Bereich etwas Wichtiges passiert. mehr Raum ein .

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 9


Die Blende

Die Pupille der Kamera


Die Blende ist einer der drei Faktoren, welche die
Belichtung beeinflussen. Die Einstellung der
Blende gehört somit zu den Grundlagen der
Foto­grafie.
Man kann in Abb. 1 gut erkennen, wie sich die
Blendenöffnung auf die Schärfentiefe auswirkt.
Viele Fotografen sprechen beim Einstellen der
kleinstmöglichen Blende eines Objektives von
«voll abblenden». Die grösstmögliche Blende
wird häufig auch als «weit offen» bezeichnet.
Bei sehr hellen Lichtverhältnissen, z. B. am
sonnigen Strand um die Mittagszeit, muss
abgeblendet werden, da auch die kürzeste
Verschlusszeit eine Überbelichtung nicht
verhindern kann. Umgekehrt verhält es sich z. B.
in der Dämmerung.

Abb.1: Jeweils auf die mittlere Figur scharf gestellt, ergeben sich bei
unterschiedlichen Blendenöffnungen verschiedene Schärfentiefen
(roter Bereich).

Blende f/3.5 Let‘s go creative: Schärfentiefe


Die Blende ist nicht nur da, um die Menge des Lichtes zu steuern,
sondern sie beeinflusst auch die Schärfentiefe.
Die Schärfentiefe ist der Umfang oder das Ausmass des im Bildes
scharf darge­stellten Bereiches. Man kann mit der Blende also einen
krea­­tiven und kompositorischen Einfluss auf das Bild ausüben. Je
kleiner die Blende, d ­ esto grösser die Schärfentiefe und umgekehrt.
Bei einer kleinen Blende erhöht sich allerdings auch die Verschluss-
zeit, da durch die kleine Öffnung weniger Licht fällt und dadurch
länger belichtet werden muss.
grosse, offene Blende =
kleine Schärfentiefe
Die ­Schärfentiefe ist aber nicht nur von der Blende, sondern auch von
der Brennweite­abhängig. Im Weitwinkel­bereich braucht es sehr
lichtstarke Objektive, um eine kleine Schärfentiefe zu erreichen. Die
Blende f/32 meisten Kompaktkameras können mit ihren kleinen Sensoren trotz
offener B ­ lende nur im Telebereich eine kleine Tiefenschärfe erreichen.
Zusätzlich verliert das Bild im Telebereich an Tiefe; Vorder- und
Hintergrund rücken zusammen, was wiederum eine gewollte Wirkung
haben kann. Weit entfernte Berge wirken beispielweise näher und
grösser.
Siehe auch Kapitel «Brennweiten» (Seite 7), wo die Unterschiede der
Bildwirkung mit verschiedenen Brennweiten augenfällig werden.

kleine, geschlossene Blende =


grosse Schärfentiefe Die Blende kann in den ­Ein­stellungen
Av (Zeitautomatik) oder P (Programm­
automatik) angepasst werden

10 Einführung in die Digitalfotografie


Die Verschlusszeit

Sekundenbruchteile Blende f/20


Wenn wir auf den Auslöser unserer Kamera
drücken, dann öff­net sich in der Kamera ein
Verschluss, der für eine bestimmte Zeit Licht auf
den Sensor fallen lässt. Diese Zeit­spanne ist die
Verschluss- oder Belichtungszeit.
Um ein scharfes Bild zu bekommen, muss die
Ver­schlusszeit entsprechend kurz gewählt
­werden. J­e länger die Verschlusszeit ist, umso
grösser ist die Wahrscheinlichkeit, das Bild zu Lange Verschlusszeit: f/22, 1 Sek. Belichtungszeit
verwackeln.
Beim Fotografieren aus der Hand (ohne Stativ)
gilt die Faustregel, dass die Belichtungszeit Blende f/2.2
mindestens den Kehrwert der Brennweite haben
sollte. Bei einem Objektiv mit einer Brennweite
von 200 mm, sollte die Verschlusszeit also
mindestens 1 / 200 Sekunde betragen.
Bei Kompaktkameras mit kleinen Sensoren muss
dieser Wert mit 1.5 multipliziert werden (siehe
auch Seite 14, Sensor­grössen).

Kurze Verschlusszeit: f/2.2, 1/1250 Belichtungszeit

Let‘s go creative: Wischbilder


Der kreative Einsatz der Verschlusszeit
bezieht sich vorwiegend auf so
genannte «Wischbilder». Wie beim
Bild links lässt man Teile oder sogar
das ganze Bild mit Absicht unscharf
erscheinen. Diese Bilder sollen in der
Regel Bewegung wiedergeben. Für ein
zufriedenstellendes Resultat braucht
es meistens einige Versuche.
Durch eine Belichtungszeit von einer
Sekunde konnte dem Wasserfall oben
mehr Dynamik verliehen werden.
Damit nur die bewegten Teile im Bild
unscharf werden ist ein Stativ oder
eine feste Unterlage notwendig.
Die Verschlusszeit beträgt nur 1/13 Sek.
Beim Mitziehen der Kamera entsteht so ein Wischeffekt.

Die Verschlusszeit kann in den Einstellungen


Tv (Zeitautomatik) oder P (Programm­
automatik) angepasst werden

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 11


Der ISO-Wert

Nachtsichtgerät ISO 100


Die ISO-Einstellung ist die dritte Eigenschaft im Das Bild links ist mit ISO 100 aufgenommen
«Bund der Belichtung». Sie ist häufig der Retter wor­den. Es ist so gut wie keine Körnung zu
in der Not, wenn die Lichtverhältnisse nicht so erkennen.
mitspielen, wie man will. Eine niedrige ISO-Zahl bedeutet einen weniger
Die ISO-Einstellung legt fest, wie empfindlich der empfindlichen Sensor, eine höhere ISO Zahl
Sensor auf einfallendes Licht reagiert. Die einen empfindlicheren Sensor. Bei einer nied-
meisten Kamerasensoren arbeiten mit einem rigen ISO-Zahl empfängt jeder der Sensoren für
Bayer-Filter. Die Oberfläche des Bayer-Filter sich eine bestimmte Menge Licht. Die Oberflä-
besteht aus einzelnen Sensoren, die lichtemp- che des jeweiligen Sensors ist relativ klein und
findlich auf grünes, rotes oder blaues Licht benötigt viel Licht.
reagieren. Die Verteilung der drei Farben ist dem
menschlichen Sehen angepasst. Es gibt deshalb ISO 1600
mehr grünempfindliche Sensoren als rot- oder Erhöht man nun die ISO-Zahl, schaltet man die
blauempfindliche. kleinen Sensoren zusammen. Dadurch hat der
Die Mischung aus diesen drei Farben ergibt die «neue» Sensor eine grössere Oberfläche und
Farbe der jeweiligen Pixel. Dies geschieht kann deshalb in der gleichen Zeit mehr Licht
entweder schon in der Kamera oder erst im empfangen. Der Sensor wird empfindlicher.
RAW-Konverter. Wenn nun mehrere der kleinen Sensoren zu
einem grösseren Sensor zusammengeschaltet
werden, dann ist natürlich die Auflösung nicht
mehr so hoch. Das Bild rauscht, es wird grober
und körniger. Es kann sogar zu Streifenbildung
kommen.
Bei Aufnahmen mit bewegten Motiven ist man
häufig dazu gezwungen, höhere ISO-Zahlen zu
nutzen, um eine kurze Belichtungszeit zu
erreichen.

ISO 100: In der Vergrösserung rechts sind Flächen sauber und störungsfrei. Wenn man die Werte für die Blende oder den
Verschluss ändert, ist meistens auch eine
ISO-Anpassung nötig. Eine Landschaftsaufnah-
me, für die man stark abgeblendet hat, damit
auch alles schön scharf ist, braucht höhere
ISO-Werte als ein Portrait mit offener Blende,
auch bei genau gleichen Lichtverhältnissen.
Viele neuere Kameras besitzen aber eine brauch-
bare automatische ISO-Einstellung, damit man
sich ganz dem kreativen Fotografieren widmen
kann.
ISO 1600: Bei hohem ISO-Wert wird Bildrauschen sichtbar, in dunklen Bereichen sogar
ein deutliches Farbrauschen.

Um eine möglichst gute Qualität des Bildes zu


erreichen heisst das Motto: «ISO so niedrig wie
möglich, aber so hoch wie nötig einstellen».

12 Einführung in die Digitalfotografie


Das Verhältnis zwischen Blende, Verschluss und ISO

Blende, Verschlusszeit und ISO-Einstellung sind die Grund­lagen der Belichtung. Das
Zusammenspiel von Verschlusszeit, Blende und ISO ergibt zusammen die Belichtung.
Jeder der Faktoren kann durch den anderen kompensiert werden.

Verschiedene Situationen
Verschlusszeit: 1/60 Um eine Landschaft mit einer mög-
Blende: f/16
ISO: 100
lichst grossen Schärfentiefe zu
fotografieren, müssen wir abblenden.
Eine Blende von 16 oder mehr garan-
tiert, dass das Bild von vorne bis
hinten scharf ist.
Dafür nehmen wir gerne eine längere
Verschlusszeit in Kauf. Die statische
Landschaft braucht keine schnelle
Verschlusszeit.
Landschaft: Lange Verschlusszeit, kleine Blende, tiefe
ISO-Werte.

Verschlusszeit: 1/1000 Wenn wir einen Schwan im Flug


Blende: f/5.6
ISO: 400
fotografieren möchten, dann brau-
chen wir eine Verschlusszeit von 1/500
oder kürzer für eine scharfe Abbil-
dung. Wir haben die Wahl, die Blende
etwas mehr zu öffnen oder den
ISO-Wert zu erhöhen.
Wir wählen einen hohen ISO-Wert und
eine kleine Blende, weil bewegte
Objekte einfacher einzufangen sind
Bewegte Objekte: kurze Verschlusszeit, mittlere Blende mit mehr Schärfentiefe.
mittlere ISO-Werte.

Verschlusszeit: 1/100 In einem schlecht beleuchteten


Blende: f/2
ISO: 1600 Konzertraum sind wir jedoch gezwun-
gen, die Blende weit zu öffnen und die
ISO-Werte hoch zu schrauben, weil
sonst die Verschlusszeit zu lang wird
und dadurch die Verwackelungsge-
fahr zunimmt.

Dunkle Verhältnisse: Verschlusszeit so kurz wie möglich,


offene Blende, hohe ISO-Werte.

Die Belichtung ist kein statischer Prozess,


die Kombination von Blende, Verschluss und
ISO muss immer der Situation entsprechend
angepasst werden.

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 13


Ein bisschen Fototechnik

Size matters
Die Abbildung rechts zeigt die Grössenverhält- Sensorgrössen
nisse der verschiedenen Kamera-Sensoren.
Um die Kameras (und Objektive) möglichst klein Massstab 1:1
zu halten, setzen die Kamera-Hersteller gerne
die kleinen Sensoren ein. Viele CCD-Zellen auf Die vom analogen Fotofilm Kleinbildgrösse
einem kleinen Sensor bedeutet aber, dass jede übernommene Grösse wird in
teuren Spiegelreflexkameras
einzelne weniger Licht abbekommt. Die Kamera verwendet. Die Pixel sind bei 12
hat dann geringere Basis-Lichtempfindlichkeit Megapixel enorm viel grösser als
bei einer Kompaktkamera mit
und stärkeres Rauschen («Körnigkeit»), wenn
gleicher Pixelzahl, was mehr
nicht die Signalaufbereitung entsprechend Lichtaufnahme und weniger
verbessert wird. Besonders kritisch wird das, Bildrauschen bedeutet. Die
Brennweite von Objektiven
wenn man höhere ISO-Werte einstellt. entspricht ihrem tatsächlichen
Wert an Kleinbild-Kameras.
Pixelwahn
Die Technik macht laufend Fortschritte, und auch Der APS-C-Sensor wird in den APS-C
Kameras mit kleineren Sensoren «rauschen» meisten erschwinglichen
immer weniger. Trotzdem sind grosse Sensoren Spiegelreflexkameras verwendet
und besitzt gegenüber den
den kleinen immer noch deutlich überlegen – KB-Kameras den Faktor 1,5. Ein
ganz einfach, weil mehr Platz vorhanden ist für Objektiv mit Brennweite 50 mm
die einzelnen Pixel. vergrössert sich z. B. auf 75 mm.
Mehr als 10 Megapixel bei Kompaktkameras sind
hauptsächlich ein Marketinginstrument und Bei Four/Third-Kameras ändert
Four/Third
tragen nicht zu besseren Bildern bei. sich das Bildformat auf 4:3. KB-
Wer nicht grössere Formate als A3 ausdrucken und APS-C-Sensoren haben ein
Verhältnis von 3:2, das 4:3-Bild ist
will, ist mit einer 10-Megapixel-Kamera sehr gut somit weniger breit.
bedient.
Kompaktkamera lassen den
Digital-Spiegelreflexkameras (DSLR) kreativen Einsatz von begrenzter Kompaktkamera
Kleinbild-, APS-C- und Four/Third-Kameras sind Schärfentiefe nur im extremen
Telebereich zu, sind dafür klein
Spiegelreflexkameras. Dank dem Spiegelsystem
genug für die Manteltasche.
bekommt man im Sucher ein klareres Bild als bei
herkömmlichen Kameras, was die Bildkompositi- Bei Ultrakompaktkameras lässt Ultrakompakt
on sehr viel angenehmer macht. Dafür braucht die Bildqualität deutlich nach,
das Spiegelsystem viel Platz und die Kamera dafür lassen sie sich auch in
Badehosen verstauen.
wird deshalb grösser und schwerer.

Welche Kamera kaufen?


Am besten lässt man sich die Modelle im
Fachgeschäft zeige. Wie liegt die Kamera in der
Hand? Wie gut sind die verschiedenen Kontroll-
knöpfe zu erreichen? Wie einfach ist das Menü
zu bedienen?
Viele Fotografen bevorzugen schwerere Kame-
ras, die ruhiger gehalten werden können. Einstei-
ger-DSLRs sind zum Teil billiger als Kompaktka-
meras und können zudem mit Wechsel­­­­-
objektiven ausgebaut werden. Eine Kompakte
kann aber trotzdem mehr Sinn ergeben, weil
man diese eher auf sich trägt als die grossen und Bei aller Technik - das Bild entsteht
schweren DSLRs. immer noch im Auge des Fotografen

14 Einführung in die Digitalfotografie


Smartphone-Fotografie

Die beste Kamera ist diejenige, die man immer dabei hat.

Der überwiegende Teil der Millionen Richtig fotografieren


täglich ins Internet geladener Fotos Mit Smartphonekameras kann man
wird heute mit Smartphones gemacht. richtig gute Bilder machen, wenn man
Diese Bilder werden oft direkt auf dem ihre Eigentheiten nutzt und ihre
Gerät bearbeitet und ins Netz gestellt. Schwächen kennt.
Dieser einfache Ablauf vom Erstellen •• Nicht zoomen, sondern die Bilder
bis zum Teilen von Fotos ist - neben nach der Aufnahme zuschneiden.
der ständigen Verfügbarkeit - ein •• Eine Kamera-App wählen, welche
Grund für die Beliebtheit der Smart- schnell ist und die wichtigsten
phonekameras. Ein anderer ist auch Einstellungen ermöglicht (Blende,
die Bildqualität, welche unterdessen Verschlusszeit, ISO).
an diejenige von Kompaktkameras •• Mit ruhiger Hand und präziser
heranreicht. Fokussierung dafür sorgen, dass die
Bilder scharf sind. Je leichter die
Eigenheiten Kamera, desto sichtbarer ist das
Die kompakte Bauweise von Smart- kleinste Handzittern.
phonekameras hat auch Auswir- •• Dank des Bildschirms können Bilder
kungen auf die Bildgestaltung und die auch aus ungewohnter Perspektive
fotografischen Möglichkeiten. gemacht werden, beispielseise auf
•• Grosse Schärfentiefe: Ein Portrait mit dem Boden oder über dem Kopf.
unscharfem Hintergrund ist nicht •• Linse putzen: Der verletztlichste Teil
möglich. der Kamera will regelmässig mit
•• Weitwinkelobjektiv: Die meisten einem weichen Tuch abgewischt
Smartphonekameras haben eine werden, um klare Sicht zu behalten.
sehr kurze Brennweite, weshalb man
sich dem Motiv nähern muss. Bilder sichern und teilen
•• Makroaufnahmen: Durch die Die Bilder sollten unbedingt regelmäs-
kompakte Bauweise kann man auch sig auf dem Computer oder im
kleinste Details ganz aus der Nähe Internet gesichert werden.
fotografieren. Viele Clouddienste bieten die Mög-
•• Bildrauschen: Der winzige Sensor ist lichkeit, Fotos im Internet abzulegen
bei schlechten Lichtverhältnissen und zu teilen, beispielsweise Flickr,
schnell überfordert. Instagram, iCloud oder Dropbox.

Smartphones besitzen kleine Linsen, winzige


Sensoren und LED-Blitze mit wenig Reichwei­
te. Diese Schwächen machen sie aber durch
intelligente Software wett.

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 15


Bildbearbeitung

Wahrnehmung und Realität 2. Farbe: Einen eventuell vorhandenen


Die Kamera funktioniert ganz anders Farbstich entfernen und die Sätti-
als das menschliche Auge. Auch wenn gung korrigieren.
wir im Halbschatten problemlos sehen 3. Ausschnitt: Durch Wahl eines
können, stösst die Kameratechnik hier geeigneten Ausschnitts ein Bild
an ihre Grenzen und bietet zuwenig interessanter gestalten oder die
Kontrastumfang, um von den dun- Bildaussage verstärken. Es ist auch
kelsten bis zu den hellsten Bildbe- möglich, gegebenenfalls den
reichen alles abzubilden. Und obwohl Horizont zu begradigen.
wir bei Kunstlicht Papier als weiss 4. Klarheit und Schärfe: Durch
wahrnehmen, wird auf dem Foto das vorsichtiges Einstellen des Reglers Das Histogramm
gleiche Blatt gelb-orange sein. Das für Schärfe kann ein Foto an Klarheit
liegt daran, dass das Gehirn unsere und Details gewinnen. Dabei ist Für die Bildbearbeitung ist das
Umgebung fortwährend interpretiert Augenmass gefragt. Wenn man über Histogramm ein wichtiges Werk-
zeug, weshalb es in allen guten
und unsere Wahrnehmung anpasst, das Ziel hinausschiesst, kann das Bildbearbeitungsprogrammen
während die Kamera nur einen Bild schnell unnatürlich wirken. eingeblendet werden kann. Es zeigt
Moment als Ganzes festhält. Auch 5. Retuschieren: Störende Bildele- die Verteilung von Helligkeit und
wenn die Technik immer besser wird, mente können mit dem Reparatur- Farbwerten im Bild. Die horizontale
kann es deshalb sinnvoll sein, Bilder in pinsel entfernt werden. Dies Achse geht von schwarz auf der
linken Seite zu weiss am rechten
der Nachbearbeitung nachträglich funktioniert am besten vor einem Rand. Je höher der Kurve darüber,
unserer Wahrnehmung eines Motivs einfarbigen Hintergrund wie dem desto höher der Anteil dieses Wertes
anzupassen. Himmel oder einer Wand. im Bild.
Gut beheben lassen sich leichte Neben diesen Korrekturen bieten Das obige Beispiel zeigt eine
Fehlbelichtungen oder Farbabwei- Bildbearbeitungsprogramme viele ausgeglichene Helligkeitsverteilung
mit einer blauen Spitze im helleren
chungen. Echte Bildfehler können zusätzliche Möglichkeiten, Fotos zu Bereich (Himmel).
aber nur in den seltensten Fällen und verbessern oder künstlerisch zu Bei der Bearbeitung sollte man
mit viel Handarbeit behoben werden. verfremden, zum Beispiel durch darauf achten, dass die Kurve nicht
Ein unscharfes Bild wird nie so gezielte Unschärfen oder die Um- rechts oder links aus dem Histo-
korrigiert werden können, dass es sich wandlung in ein Schwarzweissbild. gramm hinaus ragt, da sonst
Bildinformationen verloren gehen.
nicht lohnen würde, schon beim Dies kann passieren, wenn man die
Fotografieren auf die richtige Schärfe Ein Wort zum Dateiformat Heligkeit zu stark verringert oder
zu achten. Viele Kameras bieten unterdessen die anhebt.
Möglichkeit, Bilder neben dem
Bildverbesserung in 5 Schritten üblichen JPEG-Format auch im
Es lohnt sich, bei der Bildbearbeitung RAW-Format zu speichern. RAW-Da-
immer den gleichen Arbeitsablauf zu teien enthalten viel mehr Informatio-
befolgen. Mit den folgenden fünf nen und können deshalb besser
Schritten können die häufigsten nachbearbeitet werden. Dafür muss in
Aufnahmefehler behoben werden. Kauf genommen werden, dass die
1. Helligkeit und Kontrast: Zu helle Dateien bis zu zehn mal mehr Spei-
oder dunkle Bilder korrigieren und cherplatz beanspruchen.
Bilddetails sichtbar machen, welche Trotzdem lohnt es sich, das RAW-For-
im Licht oder im Schatten ver- mat zu wählen, wenn man die Fotos
schwinden. bearbeiten möchte.

Bildbearbeitung ist wie das Polieren eines Diamanten.


Sie kann einem Foto Glanz verleihen, aber keine Qualität
hinzufügen, die nicht schon vorhanden ist.

16 Einführung in die Digitalfotografie


Kreative Fotoprojekte

Übung macht den Meister, aber ich kann ja nicht einfach hinausgehen und irgendwas
Beliebiges fotografieren, oder?
Doch! Packen Sie Ihre Kamera und knipsen sie, was Ihnen vor die Linse kommt. Das schult
Auge und Reflexe und Sie werden bald merken, dass es überall interessante Motive gibt.
Und wenn es einmal an Inspiration mangeln sollte, helfen Ihnen vielleicht einige der
folgenden Ideen auf die Sprünge.

VERWISCHEN / ZOOMEN
Nach oben schauen
NACH OBEN SCHAUEN
VOGELPERSPEKTIVE Am Boden liegend fotografieren wir aus der
HIMMEL & WOLKEN Froschperspektive. Ein Weitwinkel verstärkt
die stürzenden Linien und bringt Dramatik ins
FENSTER & TÜREN Bild.
MIT LICHT MALEN
MOND & STERNE
SCHWARZWEISS Mond & Sterne
SPIEGELUNGEN
LICHTSIGNALE Mit der Kamera auf einem Stativ versuchen wir
bei langer Belichtung die Lichter der Nacht
FARBFLECKEN
einzufangen. Mit dem Selbstauslöser arbeiten,
TETRISSTEINE um ein Verwackeln auszuschliessen.
SILHOUETTEN
AUGEN-BLICK
KATZ & HUND 100 Fremde
MAUERRISSE
100 FREMDE Ein Fotoprojekt, das etwas Mut braucht. Wir
fragen auf der Strasse 100 fremde Menschen,
KONTRASTE ob wir ein Portrait von ihnen machen dürfen.
SYMMETRIE
GESICHTER
ÜBERGANG
AM BODEN Nah dran
SCHATTEN
Wir schalten den Makromodus der Kamera ein
NAH DRAN und suchen winzige Motive. Die Herausforde-
EINFARBIG rung dabei ist die geringe Schärfentiefe.
BRÜCKEN
TREPPEN
SOMMER
365TAGE 365 Tage
WASSER
Ein Jahr (oder einen Monat) lang fotografieren
GEFAHR wir täglich das gleiche Sujet und dokumentie-
ALLEEN ren so anders kaum wahrnehmbare
A BIS Z Veränderungen.
HÄNDE
NÄGEL Erklärungen zu diesen Projekten und weitere Projektideen
LINIEN findet man über Google oder in Flickr-Gruppen.

LIEBE
RUHE
NEU „Die ersten 10‘000 Bilder sind die schlechtesten.“
- Helmut Newton -

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 17


Wichtige Begriffe

AF - Autofokus CF - Compact Flash Card Makrofotografie


System der Kamera zur automatischen Speicherkarte, die nur in grösseren → DSLR zum Ber der Makrofotografie werden Objekte im
Scharfstellung. Einsatz kommt. Massstab 1:1 oder grösser abgebildet.

AWB - Automatic White Balance Digitalzoom M - Manuelle Belichtung


Automatische Korrektur der → Farbtemperatur Beim Digitalzoom wird der Bildausschnitt Bei der manuellen Belichtung werden
des Lichts bei der Aufnahme. verkleinert. Im Gegensatz zum optischen Zoom Belichtungszeit, Blende und ISO manuell
wird das Objektiv dabei nicht verstellt. eingestellt.
Aufhellblitz
Einsatz des Blitzgerätes bei Tageslicht, um das DSLR RAW (Dateiformat)
Motiv z.Bsp. bei Gegenlicht aufzuhellen. Digitale Spiegelreflexkamera. Bei RAW-Formaten werden die Sensordaten
unverarbeitet aufgezeichnet. Dadurch lassen
Belichtung EXIF - Exchangeable Image File Format sich RAW-Bilder besser nachbearbeiten,
Die korrekte Belichtung ergibt sich aus der EXIF-Daten sind direkt in der Bilddatei beanspruchen aber auch mehr Speicherplatz.
richtigen Kombination der Blende, der gespeicherte Metadaten wie Blende, Belich-
Belichtungszeit und der Empfindlichkeit des tungszeit, Aufnahmeort, Kameramodell, usw. Schärfentiefe
Sensor. Die Schärfentiefe bezeichnet die räumliche Tiefe,
Empfindlichkeit in der eine Aufnahme das Motiv scharf abbildet.
Belichtungszeit Lichtempfindlichkeit des Sensors, wird in ISO
Die Zeit, in der Licht durch das Objektiv auf den angegeben. Je höher die Empfindlichkeit, desto SD - Secure Digital Card
Sensor fällt. Sie wird in Sekundenbruchteilen kürzere Belichtungszeiten sind möglich. Speicherkarte, die in den meisten Digitalkame-
(oder Sekunden) angegeben und durch den ras verwendet wird.
Verschluss der Kamera gesteuert. Farbtemperatur
Mass, um den Farbeindruck einer Lichtquelle zu Teleobjektiv
Belichtungskorrektur bestimmen. Geht von kalt/blau (=tief ) bis warm/ Teleobjektive sind Objektive mit einer Brennwei-
Bewusste Abweichung von den durch den orange (=hoch). te, die oberhalb der Normalbrennweite (50mm)
Belichtungsmesser der Kamera gemessenen liegt, zum Beispiel 100mm. Mit Teleobjektiven
Belichtungsdaten (+/-). Format kann man gut weit entfernte Motive abbilden.
Längen-Breitenverhältnis und äussere Form des
Bewegungsschärfe Bildes (quer, hoch, quadratisch, Panorama,…). Universalzoom
Die Kamera wird während der Belichtung Objektive mit verstellbarer Brennweite, die
nachgezogen, wodurch das Objekt scharf, aber Goldener Schnitt unterhalb der Normalbrennweite (50mm)
der Hintergrund unscharf dargestellt wird. Der Goldene Schnitt ist ein mathematisches beginnt und oberhalb derselben endet, z.Bsp.
Teilungsverhältnis. Eine Anordnung des Motives ein 28-300mm-Objektiv.
Bildauflösung im Goldenen Schnitt wird als harmonisch
Die Einheit der Bildauflösung ist Megapixel empfunden. USB - Universal Serial Bus
(Millionen Bildpunkte). Sie bezeichnet die Anzahl Anschlussstandard zur Verbindung eines
der Bildpunkte aus der sich ein Bild zusammen- Histogramm Computers mit externen Geräten, wird bei den
setzt. Zeigt die statistische Häufigkeit von Grau- und/ meisten Digitalkameras verwendet.
oder Farbwerten. Je höher ein Balken angezeigt
Bildrauschen wird, desto mehr Farb- oder Helligkeitsanteil ist Verschlusszeit
Fehlerhafte Wiedergabe von Pixeln im Bild. in diesem Bereich vorhanden. Links sind die Die Verschlusszeit ist die Zeit, in der der
Durch die Erhöhung des ISO-Wertes zeigt sich dunklen Anteile, rechts die hellen Anteile des Verschluss den Weg zwischen Objektiv und
dieser Fehler besonders in dunklen Bereichen Bildes. Sensor freigibt.
des Bildes.
ISO Weitwinkel
Blende → Empfindlichkeit Weitwinkelobjektive sind Objektive mit einer
„Pupille“ eines Objektivs, d.h. die Größe des Brennweite, die unterhalb der Normalbrennwei-
Lochs, durch das Licht durch das Objektiv JPEG (Dateiformat) te (50mm) liegt, zum Beispiel 18mm. Weitwinkel-
hindurch auf den Sensor fallen kann. Dateiformat, welches Bilddaten komprimiert, objektive weisen in der Regel eine Verzerrung
wodurch Dateien kleiner werden, Bilddetails auf.
Blendenautomatik aber verloren gehen.
Bei der Blendenautomatik wählt man die Zeitautomatik
gewünschte Belichtungszeit manuell. Die Kunstlicht Bei der Zeitautomatik wählt man die gewünsch-
Blende wird dann von der Kamera errechnet Alle nicht-natürlichen Lichtquellen: Kerzen, te Blende manuell. Die Belichtungszeit wird
und automatisch eingestellt. Glühlampen, Neonröhren, Blitzlicht, LED,… dann von der Kamera errechnet und automa-
tisch eingestellt.
Blendenvorwahl Langzeitbelichtung
→ Zeitautomatik Aufnahmen mit langer Belichtungszeit. Damit Zeitvorwahl
können verwischt dargestellt oder extrem → Blendenautomatik
Brennweite dunkle Motive (Nachthimmel) abgelichtet
Im Brennpunkt sammeln sich die Strahlen, die werden. Zubehörschuh
parallel zur optischen Achse der Linse einfallen Ein Zubehörschuh (oder Blitzschuh) ist ein
(z.Bsp. der Punkt, wo die Lupe das Sonnenlicht Lichtstärke Anschluss auf der Kamera, an der Zubehörteile
bündelt). Die Brennweite wird meist in Grösste Blendenöffnung dividiert durch die wie Blitzgeräte, Belichtungsmesser,… ange-
Millimetern angeben. Brennweite eines Objektivs. Grosse Lichtstärken steckt werden können.
werden vor allem bei ungünstigen Lichtverhält-
nissen benötigt.

18 Einführung in die Digitalfotografie


Literatur und Links

Literatur

Cora und Georg Banek René Stucki Peter Jenny


Fotografieren lernen Digital-Fotografie: ein praktischer Notizen zur Fototechnik
Band 2: Bildgestaltung und Bildsprache Ratgeber Zürich: vdf Hochschulverlag
Heidelberg: dpunkt-Verlag, 2011 Ebnat-Kappel: Belcolor, 2003, inkl. CD-ROM an der ETH, 2005

Ohne starre Regeln aufzustellen, Geschichte, Technik, Foto-Tipps, In diesem Buch wird jeder Aspekt der
werden in diesem Buch Bildgestal- Archivierung, Veröffentlichung, Bilder Fotografie sehr detailliert beschrie-
tungsmittel aufgezeigt. Nicht die scannen, Bildbearbeitung, Drucken, ben. Auch analoge Fotografie und
Fototechnik, sondern die Komposi­ Bilder aus dem Labor, digitales Ent­wicklung, Fotostudio-Setups und
tion verschiedener Arten der Fotogra- Fotolabor, Online-Bildbestellung, Ge­­staltungsthemen werden aus-
fie werden hier vorgestellt. Bilder für Webseiten, Bilder mailen führlich beleuchtet.

Diese Bücher u. v. a. zum Thema Fotografie sind in der Bibliothek der PH Zürich ausleihbar.

Links

andreashurni.ch picswiss.ch
Schöner Fotografieren: Texte zur Fotografie, Tipps zu Bildarchiv zur Schweiz.
Bildgestaltung, Bildsprache und Technik.
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dpreview.com Kostenlose Online-Bildbearbeitung, mit der man schnell
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Materialien und Hinweise zu Literatur und Links.

PH Zürich > Digital Learning Center | April 2014 19