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Der Besuch der alten Dame

Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 in Konolfingen, einem Dorf im Kanton


Bern, geboren. Der Vater, Reinhold Dürrenmatt, war bis 1935 Pfarrer dieser Gemeinde. Seine
Kindheit verbrachte Friedrich Dürrenmatt in dem kleinen Ort, eine Zeit, die ihn prägte.
»Der Besuch der alten Dame« ist eine tragische Komödie von Friedrich
Dürrenmatt aus dem Jahre 1956. Sie spielt in der Kleinstadt Güllen in der Nähe der deutsch-
schweizerischen Grenze. Die Geschichte handelt von der Milliardärin Claire Zachanassian,
die nach Güllen zurückkehrt, um Rache an ihrem ehemaligen Geliebten Alfred Ill zu nehmen.
In ihrer Jugend wird Klara Wäscher von ihrem damaligen Freund Alfred Ill
schwanger. Dieser jedoch leugnet seine Vaterschaft. Einen Prozess gegen ihn gewinnt Ill,
indem er Zeugen besticht. Daraufhin verlässt Klara die Kleinstadt Güllen verarmt und entehrt.
Durch mehrere Ehen wird Klara sehr vermögend. Die Milliardärin nennt sich nun
Claire Zachanassian.
Nach über 45 Jahren kehrt die alte Dame in ihren Heimatort zurück. Güllen ist
mittlerweile verkommen und schmutzig. Claires ehemaliger Liebhaber Alfred ist inzwischen
70 Jahre alt.
Neben ihrem siebten Ehemann und Bediensteten bringt Claire einen Sarg mit sich. Die
Bewohner und der Bürgermeister sind sehr aufgeregt. Sie erhoffen sich finanzielle
Unterstützung durch den Besuch der Milliardärin.
Bei einem Begrüßungsfest verspricht Claire der Stadt und ihren Bewohnern eine
Milliarde und verlangt dafür Gerechtigkeit. Sie setzt das Geld auf den Kopf von Alfred Ill aus.
Das verlockende Angebot schlägt der Bürgermeister entsetzt aus. Alfred Ill ist davon
überzeugt, dass er sich auf seine Mitbürger verlassen kann. Doch mit der Zeit bemerkt Alfred,
dass seine Nachbarn und Freunde immer mehr Geld ausgeben. Sie kaufen neue Schuhe und
Kleidung. Alfred bekommt es mit der Angst zu tun und geht zur Polizei.
Jedoch trägt auch der Polizist neue Schuhe. Gleichzeitig versichert er Alfred, dass
dieser in einem Rechtsstaat lebe und nichts zu befürchten habe. Alfreds Angst wächst
allerdings. In seiner Verzweiflung wendet er sich an den Bürgermeister. Auch bei diesem
bemerkt Alfred neue Schuhe, eine neue Krawatte und eine neue Schreibmaschine. Der
Bürgermeister verspricht, dass Alfred nichts passieren wird.
Der Pfarrer von Güllen empfiehlt Alfred, die Stadt zu verlassen. Der verängstigte
Mann will dem Rat des Geistlichen folgen, jedoch bricht er auf dem Bahnsteig zusammen,
bevor er den Zug besteigen kann. So bleibt Alfred in Güllen.
Mit der Zeit ändert sich die Stimmung der Bürger und sie fangen an, Alfreds früheres
Verhalten zu verurteilen. Alfred verspürt eine immer größere Feindschaft gegen ihn. Eines
Tages bringt der Bürgermeister Alfred ein Gewehr mit der Bitte, sich das Leben zu nehmen.
Alfred lehnt ab. Auf einer Stadtversammlung beschließen die Bürger einstimmig, Alfred Ill
für seine Tat zu bestrafen und ihn umzubringen.
Als Alfred bei der Versammlung eintrifft, bilden die Mitbürger eine Gasse für ihn,
wobei plötzlich das Licht ausgeht. Als der Raum wieder erleuchtet ist, liegt Alfred tot am
Boden. Der Stadtarzt gibt als offizielle Todesursache einen Herzinfarkt an.
Claire lässt den toten Alfred in den mitgebrachten Sarg legen und übergibt dem
Bürgermeister einen Scheck über eine Milliarde. Daraufhin verlässt die alte Dame die Stadt.
Die Definition der deutschen Literaturepoche der Postmoderne, wird durch die
Wortbestandteile "post" und "modern" hergeleitet, die "nach" (post) und modern bedeuten.
Die Epoche der Postmoderne ist also die, auf die Epoche der Moderne folgende Zeit der
deutschen Literaturgeschichte. Ein genauer Anfang dieser Epoche wird nicht definiert, man
spricht von den Neunziger Jahren, also der Zeit nach 1980.
Die Epoche der Postmoderne folgt also auf die Zeit der Moderne. Die Bewegung der
damaligen Zeit, war von geistigen und kulturellen Aspekten geprägt. Das wohl wichtigste Ziel
der Postmoderne: Das Auflösen der in der Moderne so stark zentralisierten Strukturen. Waren
es hier noch klare und vernünftige Ideologien, wurde in der Postmoderne ein Begriff in viele
verschiedene Begriffe aufgelöst. Die Zeit war geprägt von Technik, Medien und Kultur, alles
zusammen ergab eine neue unentdeckte Welt. Die Literatur der Postmoderne setzte sich zum
Ziel, diese unterschiedlichen Faktoren miteinander zu verbinden.
Es ging den Autoren und Dichtern der Postmoderne darum, eine möglichst heterogene
Entwicklung herbeizuführen, die neben der Gesellschaft auch die Kultur umfasste. Dabei
nahmen sich die Autoren und Dichter sogar eine phasenweise Bewertung der
unterschiedlichen Aspekte heraus.
Die Autoren der Postmoderne verarbeiten den Gedanken, dass der Mensch keinen Platz in der
modernen Welt hat.
Ihrer Ansicht nach sucht er nach Rollen und Lebensmodellen. Die vielschichtige,
inkonsistente und komplexe Welt mit einer nicht objektiv wahrnehmbaren Realität ist aber
kaum erfassbar und so findet der Mensch nicht seinen Platz.
In der Postmoderne findest du alte Ideen und Themen, die abgeändert und neu verwendet
werden. Ehemals große Themen wie beispielsweise die Liebe verlieren an Bedeutung.
Merkmale In der Epoche der Postmoderne waren es die Wiederverwendung von alten Ideen
oder Zielen unter dem Aspekt, etwas Neues zu erschaffen, was die Autoren als Ziel
verfolgten. Dabei war es meist dem Zufall überlassen, zu welchem Ergebnis diese
Neuschaffung führte: Die aus der Aufklärung hervorgehende Idee der Vernunft wurde
verworfen; Es wurde gesagt, die Identität der Menschen sei instabil; Medien und Technik
rückten in den Mittelpunkt; Das traditionelle Gemeinschaftsgefühl ging verloren, und es
wurden gesellschaftliche Individuen geschaffen; Es galten künstlerische und kulturelle
Freiheit

Das Werk zählt zur Epoche der Postmoderne. Die postmoderne Literatur nutzte bereits
bekannten Stilmittel. Durch Vermischungen und Neuinterpretationen wurden neuartige und
unkonventionelle Werke geschaffen.
Mit »Der Besuch der alten Dame« etablierte Friedrich Dürrenmatt eine völlig neue Art von
Tragikomödien in der Theaterwelt.
Friedrich Dürrenmatt vermischt Elemente der Komödie mit denen der Tragödie.
Protagonisten der Tragödie hatten einen hohen sozialen Stand, erlitten schwere
Schicksalsschläge und fielen gesellschaftlich tief. Dürrenmatt bevorzugte für seine Werke die
»einfachen« Charaktere einer Komödie, mit denen sich das Publikum identifizieren konnte.
Da die Weltlage zu Lebzeiten Dürrenmatts fragil und von politischen Konflikten geprägt war,
eigneten sich laut ihm weder Tragödie noch Komödie als Theaterform. Er führte daraufhin
groteske Komponenten ein, die beim Publikum sowohl Entsetzen als auch befreiendes Lachen
erzeugen.
Das Groteske zeigt sich in einer lächerlich starken Übersteigerung und absonderlichen
Verzerrung von Charakteren oder Situationen.
In »Der Besuch der alten Dame« wird zum Beispiel die Figur Claires als wandelnde Groteske
beschrieben. An ihrem von Prothesen zusammen gehaltenen Körper ist nichts mehr echt und
sie wird nur noch von dem Wunsch nach Rache am Leben gehalten.
Auch die Dorfbewohner werden als grotesk beschrieben, denn im Laufe der Geschichte
werden sie käuflich und handeln letztlich unmenschlich.
Friedrich Dürrenmatts tragische Komödie Der Besuch der alten Dame ist ein typisches Werk
der literarischen Postmoderne, derjenigen Strömung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
die die Moderne ablöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch Dürrenmatt schreibt, setzen
sich die postmodernen Schriftsteller mit dem Sinnverlust der Menschen auseinander. So
prangert Dürrenmatt in Der Besuch der alten Dame mit der Darstellung des gierigen und
skrupellosen Städtchens Güllen die blinde Technikgläubigkeit.