Sie sind auf Seite 1von 10

1 VERSUCHSZIEL

Im Versuch sollen die Kenntnisse über das prinzipielle Verhalten der Grundschaltungen der Leistungselektronik
gefestigt und erweitert werden. Die hier als Beispiele behandelten Stromrichter bieten keine Möglichkeit, den
Energiefluß zu steu-ern; sie werden als nicht steuerbar oder ungesteuert bezeichnet.

2 LITERATUR
Rainer Jäger: Leistungselektronik. vde-verlag Berlin Offenbach 1993.
Klemens Heumann: Grundlagen der Leistungselektronik. B. G. Teubner Stuttgart 1991.
Klaus Bystron: Leistungselektronik. Carl Hanser Verlag München Wien 1979.
Manfred Schulze, Eberhard Brenner, Klaus Girndt: Leistungselektronik. Lehrbriefe für die Fernstudienbrückenkurse.
TFH Berlin 1994.
Joachim Specovius: Grundkurs Leistungselektronik. Springer Vieweg Wiesbaden 2018.

3 GRUNDLAGEN
Die hier behandelten Schaltungen dienen durchweg der Gleichrichtung von Wechselspannung, d. h. der Erzeugung
einer Gleichspannung aus einer Wechselspannung. Die Umwandlung geschieht nicht ideal, die erzeugte
Gleichspannung ist keine ideale Gleichspannung, wie sie beispielsweise aus einer Batterie kommt. Zur Umwandlung
werden schnell arbei-tende Schalter, hier Dioden, eingesetzt, die nur die Zustände „ein“ und „aus“ kennen.
Demzufolge kann die abgegebene Spannung sich nur aus Ausschnitten der speisenden Wechselspannung
zusammensetzen. Wie diese Ausschnitte aussehen, hängt in erster Linie von der Schaltung der Gleichrichter ab.

3.1 Definition der zu messenden Größen


Weil die in der Stromrichtertechnik auftretenden Gleichgrößen nicht zeitlich konstant, sondern
Mischgrößen sind und weil die hier auftretenden Wechselgrößen auch nicht nur sinusförmig sind, wurden
einige neue Größen eingeführt, die im Folgenden definiert werden. Selbstverständlich gelten die unten
genannten Definitionen (mit veränderten Indizes bzw. veränderten Buchstaben) auch für Mischströme.

Die Ausgangsspannung der Gleichrichter stellt eine periodische Mischgröße (Periodendauer T), für
ungesteuerte Schal-tungen sogar eine periodische Gleichgröße, dar. Diese Größe ud(t) kann man
sich aus einen Gleichspannungsanteil (arith-metischen Mittelwert)
1tT
Ud U T t ud (t) dt (1)
und aus einem Wechselspannungsanteil
u H (t) u d (t) Ud (2)
zusammengesetzt vorstellen. Der Effektivwert des überlagerten Wechselspannungsanteils läßt sich
mit Hilfe der Glei-chung
U U2 U2 (3)
H d rms d
berechnen, wobei
t T
U 1 u 2 (t) dt (4)
d rms d
T t

der Effektivwert der Ausgangsgleichspannung ist. Interessant sind weiterhin die


Effektivwertwelligkeit der Ausgangs-spannung
2
U
w UH d rms
(5)
U
Ud Ud 1
und der Formfaktor
U d rms
F 1 w2 .
U U (6)
Ud
Eine weitere wichtige Größe ist die Grundfrequenz der überlagerten Wechselspannung
1
f , (7)
H T
die im stationären Betrieb der Gleichrichter immer ein ganzzahliges Vielfaches der Netzfrequenz ist.
T ist die Perioden-dauer der Ausgangsgleichspannung.

3.2 Stromrichterschaltungen
3.2.1 Der Einpulsstromrichter M1

Die einfachste Stromrichterschaltung besteht gemäß Bild 1 aus nur einem Ventilzweig. Die Diode geht beim Überschrei-ten der
Schleusenspannung in Vorwärtsrichtung in den Durchlasszustand über; eine Spannung dieser Richtung wird also
– nur um den Ventilspannungsabfall verringert – an der Belastungsimpedanz wirksam. Spannungen in
Rückwärtsrichtung werden durch die Diode gesperrt, solange sie kleiner als die Durchbruchspannung bleiben.

Bild 1: Einpulsstromrichter M1 mit Widerstandslast


Nach Einführung einer bezogenen Zeit = t erhält man für die einspeisende Wechselspannung

uS = ÛS sin = 2 US sin . (8)


Der arithmetische Mittelwert der Ausgangsspannung ergibt sich dann zu
1 ÛS 2 (9)
Ud uS d US 0,450 US
2 0
und für den Effektivwert der Ausgangsspannung erhält man
1 u2d ÛS S U
U 0,707 U . (10)
d rms S S
2 0 2 2
Damit wird der Effektivwert der Oberschwingungen
1 2
U U
H
2 2 S 0,545 US . (11)
Bezieht man diesen Wert auf Ud, dann ergibt sich für die Welligkeit
2
w
U
4 1 1,21 (12)
und für den Formfaktor
FU 1,57 . (13)
2
Die Schaltung besitzt damit den höchsten Wechselspannungsanteil (Brummspannung) der
Ausgangsgleichspannung UH in Höhe von 121 % der Ausgangsgleichspannung Ud.

3.2.2 Die Zweipulsstromrichterschaltungen M2 und B2

Bei der Zweipulsgleichrichtung werden beide Halbwellen der Wechselspannung ausgenutzt. Sie benötigt
aber entweder zwei Dioden und eine Trafomittelanzapfung (M2, Bild 2) oder vier Dioden (B2, Bild 3).
Der arithmetische Mittelwert der Ausgangsspannung ergibt sich hier zum Doppelten der Einpulsschaltung
U 1 u 2ÛV 2 2 U
d V d V 0,900 UV , (14)
0

aber für den Effektivwert der Ausgangsspannung erhält man lediglich den 2 -fachen Wert
Û
U 1 u2 d
U . V (15)
d rms V V
2 0

Damit besitzen die Schaltungen einen wesentlich kleineren relativen Wechselspannungsanteil der
Ausgangsgleichspan-nung in Höhe von 48 %. Sie werden für Stromrichter kleinerer Leistung und
speziell bei Bahnanwendungen auch bei größten Leistungen eingesetzt.

Bild 2: Zweipulsmittelpunktschaltung M2U mit Widerstandslast. a) Schaltung b) Verläufe von Strom und Spannung

Bild 3: Zweipulsbrückenschaltung B2U mit Widerstandslast


3.2.3 Die Dreipulsmittelpunktschaltung M3

Bei der Speisung der Gleichrichter aus Drehstromnetzen ist in theoretischer Hinsicht die Dreipulsmittelpunktschaltung
(M3, Bild 4) interessant, da bei ihr alle wesentlichen Effekte der Stromrichtertechnik (ideales Verhalten, Kommutierung,
Überlappung, Spannungsabfälle) relativ einfach dargestellt und theoretisch berechnet werden können. Ihre praktische
Bedeutung ist wegen einiger Nachteile (Gleichstromanteil in den Wechselstromkreisen und damit schlechte
Trafoausnut-zung, relativ hohe Welligkeit, relativ hohe Spannungsabfälle) gering. Lediglich in Form einer Speisung aus
einem Trafo in Zick-Zack-Schaltung (Bild 5) besitzt sie eine Bedeutung für Gleichrichter kleiner Leistung.

Der arithmetische Mittelwert der Ausgangsspannung ergibt sich hier zu


/3
Ud 3 2US cos d 36U 1,17 U S . (16)
S
2 /3 2
US ist die unverkettete Sekundärspannung des Transformators. Die Schaltung besitzt nur noch eine
Welligkeit der Aus-gangsgleichspannung in Höhe von 19 %.

3.2.4 Die Drehstrombrückenschaltung B6

Die heute bedeutendste Stromrichtergrundschaltung ist die Drehstrombrückenschaltung (B6, Bild 6).

Bild 4: Dreipulsmittelpunktschaltung mit ohmsch-induktiver Last. a) Schaltung b) Gleichspannung


und Stromverlauf bei ideal geglät-tetem Strom

Bild 5: M3-Schaltung mit Speisung aus einem Trafo der Schaltgruppe Yz5
Bild 6: Drehstrombrücke B6U mit Widerstandslast
Die Schaltung kann man sich aus einer Reihenschaltung von M3-Schaltungen zusammengesetzt vorstellen. Der
arithme-tische Mittelwert der Ausgangsspannung ergibt sich damit zum Doppelten der Gl. (16)
3 /6 36
U d 6U S cos d US 2,34 U S . (17)
/6
Die Schaltung besitzt nur noch eine Welligkeit der Ausgangsgleichspannung in Höhe von 4,2 %. Sie
findet in allen Ge-bieten der Stromrichtertechnik breiteste Anwendung. Stromrichter höchster
Leistung werden aus Gruppen von Dreh-strombrücken zusammengesetzt.

3.2.5 Die Saugdrosselschaltung M3.2

Für Anwendungen mit kleinen Ausgangsspannungen und sehr großen Strömen (Elektrolysen) findet
noch die Saugdros-sel-Schaltung (M3.2, Bild 7) Verwendung. Sie entspricht der Parallelschaltung
von zwei M3-Schaltungen und liefert gegenüber der Drehstrombrücke die halbe Spannung und den
doppelten Strom. Die Welligkeit der Ausgangsspannung entspricht der der Drehstrombrücke.

Bild 7: Saugdrosselschaltung M3.2U


4 VERSUCHSVORBEREITUNG
Machen Sie sich mit den Stromrichtergrundschaltungen vertraut. Studieren Sie dazu insbesondere das Buch von Jäger. Zeichnen
Sie für die Stromrichterschaltungen M1, M3, B2 und B6 die Verläufe von ud und id der Gleichspannung und einer Ventilbelastung
(uV, iV) bei Widerstandslast in die Bilder 10 bis 13 ein. Erläuterung: Bild 11 und Bild 13 zeigen jeweils ein Drehstromsystem mit den
(unverketteten) Stern- und den (verketteten) Dreieckspannungen.
Stellen Sie eine Tabelle mit den Gleichungen zur Berechnung der idealen Gleichspannung Udi und
der Effektivwerte der Stromrichterausgangsspannung Ud rms für die Schaltungen M1, B2, M3 und
B6 auf. Leiten Sie daraus die exakten Werte für die Oberschwingungsspannung UH, für die
Welligkeit wU und für den Formfaktor FU ab. Berechnen Sie die Gleichungen und die Zahlenwerte!
Berechnen Sie die Frequenz der überlagerten Wechselspannung fH für die verschiedenen
Schaltungen bei einer Spei-sung aus dem 50-Hz-Netz.

5 VERSUCHSDURCHFÜHRUNG

5.1 Einpulsschaltung (M1)


Bauen Sie die Schaltung nach Bild 8 auf!
Messen Sie für Leerlauf und vier verschiedene Lastwiderstände RL die Größen U2, Ud, Ud rms, Id, UH, fH!
Tragen Sie die Messwerte in eine Tabelle ein!
Drucken Sie das Oszillogramm der Ausgangsspannung und der Ventilspannung für einen Belastungswiderstand!

5.2 Dreipulsschaltung (M3)


Erweitern Sie die Schaltung nach Abschnitt 5.1 zur Dreipulsschaltung!
Wiederholen Sie die Aufgaben unter 5.1!

Bild 8: Messschaltung zur Untersuchung des Einpulsstromrichters


5.3 Zweipulsbrückenschaltung
Bauen Sie die Schaltung nach Bild 9 auf!

Bild 9: Messschaltung zur Untersuchung der Schaltung B2


Wiederholen Sie die Aufgaben unter 5.1!

5.4 Sechspulsbrückenschaltung – Drehstrombrücke (B6)


Erweitern Sie die Schaltung nach Abschnitt 5.3 zur Drehstrombrückenschaltung!
Wiederholen Sie die Aufgaben unter 5.1!

6 VERSUCHSAUSWERTUNG
Alle Messwerttabellen sind in das Protokoll zu übernehmen!
Aus den Messwerten Ud rms und Ud ist UH zu berechnen und mit dem direkten Messwert zu vergleichen.
Aus den Messwerten sind wU und FU zu berechnen und in die Tabellen aufzunehmen!
Die berechneten Werte wU und FU sind mit den Vorausberechnungen zu vergleichen!
Jeder Tabelle sind die entsprechenden Oszillogramme beizufügen!
Von allen Schaltungen ist Ud = f(Id) in einem Diagramm grafisch darzustellen! Woraus leitet sich der
stromabhängige Spannungsabfall her? Ist er auf die nicht ideale Kommutierung zurückzuführen?
Die ideellen Ausgangsspannungen (Mittelwert Ud, Effektivwert Ud rms und Wechselspannungsanteil
UH) aus den Vo-rausberechnungen zu ermitteln und mit den gemessenen Werten zu vergleichen!
Vergleich heißt immer: Die prozentualen Abweichungen sind zu berechnen!
Alle Ergebnisse sind zu diskutieren!
Bild 10: Verläufe für die Stromrichterschaltung M1

Bild 11 Verläufe für die Stromrichterschaltung M3


Bild 12 Verläufe für die Stromrichterschaltung B2

Bild 13: Verläufe für die Stromrichterschaltung B6


Uv Ud Ud rms UH Id fH RL wU FU

V V V V mA Hz % %

Tabelle 1: Messergebnisse nach Abschnitt 5.1 (Einpulsschaltung M1)

Uv Ud Ud rms UH Id fH RL wU FU

V V V V mA Hz % %

Tabelle 2: Messergebnisse nach Abschnitt 5.2 (Dreipulsschaltung M3)

Uv Ud Ud rms UH Id fH RL wU FU

V V V V mA Hz % %

Tabelle 3: Messergebnisse nach Abschnitt 5.3 (Zweipulsbrückenschaltung B2)

Uv Ud Ud rms UH Id fH RL wU FU

V V V V mA Hz % %

Tabelle 4: Messergebnisse nach Abschnitt 5.4 (Drehstrombrückenschaltung B6)