Sie sind auf Seite 1von 4

WORTBILDUNG (WB)

Fachliteratur:Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild: Wortbildung der


deutschen Gegenwartssprache. 2., durchgesehene und ergänzte
Auflage. Tübingen 1995Schippan, Thea: Lexikologie der deutschen
Gegenwartssprache. Tübingen 1992Glück, Helmut / Sauer, W.W.:
Gegenwartsdeutsch. 2., überarb. und erw. Aufl. Stuttgart, Weimar
1997 (Kapitel 6)Erben, Johannes: Einführung in die deutsche
Wortbildungslehre. 3., neubearb.Aufl.Berlin 1993

STELLUNG DER Wortbildung IN DER LINGUISTIK


Die Wortbildungslehre ist traditionell neben der Phraseologie ein
Teil der Lexikologie, oder diese zwei Disziplinen werden als
selbstständige sprachwissenschaftliche Disziplinen betrachtet (T.
Schippan).

Gleichzeitig überschneidet sich der Forschungsbereich der WB mit


der Grammatik (Morphologie und Syntax), weil:
1) die Entstehung neuer Wörter gewissen Regeln unterliegt
(Grammatik stellt die Regeln einer Sprache auf, es ist ein
geschlossenes System)
2) die WB ein Ausdruck sprachlicher Kreativität ist: mit einem
begrenzten Inventar von Elementen und Regeln lässt sich eine
unbegrenzte Menge von neuen Kombinationen erzeugen (es ist ein
offenes System)
Die WB hängt eng mit der Bedeutung der Wörter zusammen – enge
Beziehungen mit der Semantik.
Unter WORTBILDUNG verstehen wir die Bildung neuer Wörter
aus/mit vorhandenen Elementen nach Mustern und Modellen.
Gegenstände der Wortbildungstheorie sind daher:
• das zur Bildung neuer Wörter vorhandene Inventar an
Wortbildungsmitteln

• die Prozesse der Wortbildung

• die genutzten Muster und Modelle

•die Resultate der Wortbildungsprozesse -


Wortbildungskonstruktionen

•DAS WORT ALS SPRACHLICHE EINHEIT

• Die Sprache ist ein System von sprachlichen Zeichen – Wörtern.


• Definition:Wörter sind reproduzierbare Einheiten aus einem
Formativ (materielle Basis – lautliche oder schriftliche Form)
und einem Semem (Bedeutung / Inhalt des Wortes), die als
solche fixiert, gespeichert und für die Bildung von Sätzen und
Texten reproduziert werden. Mit der Bedeutung werden auch
Regeln der Verwendung gespeichert.
• Als phonologische Einheit besteht das Wort aus zwei oder
mehreren Phonemen. Aus morphologischer Sicht besteht das
Wort aus einem oder mehreren Morphemen (das Morphem ist
die kleinste bedeutungstragende Einheit).
• Nach der Bedeutung und dem Grad ihrer Selbständigkeit
unterscheiden wir a) freie und b) gebundene Morpheme.
a)BASIS- / GRUND- / KERNMORPHEME
b)WORTBILDUNGSMORPHEME = DERIVATEME
b)FLEXIONSMORPHEME = FLEXEME
Bsp. Ver–ständ–ig–ung-en
- Unter dem Begriff „Wortbildung“ werden Kombinationen von
Morphemen verstanden, durch die neue Wörter gebildet werden.
Die neuen Wörter bestehen aus mindestens zwei Morphemen (z.B.
Alt-stadt, Schön-heit) oder aus einem Morphem, das in einer anderen
als der im Lexikon primär vorgesehenen syntaktischen Kategorie
verwendet wird (z.B. das Ich), weiter entstehen neue Wörter durch
Kürzung.
- Als WB bezeichnen wir weder syntaktische Fügungen noch
Flexionsformen – z.B. alt-e Städt-e.
- Es ist auch zwischen einem Wort und einem Lexem zu
unterscheiden. Ein Wort ist eine intuitive Einheit der Sprache,
ein geschlossenes lautliches oder graphisches Gebilde: Haus, der,
schöner, dort. Ein Lexem ist eine untrennbare Einheit von Form und
Inhalt, wobei ein Lexem aus mehreren Wörtern bestehen kann. Im
Satz „Hier ist der Österreichische Rundfunk“ ist „der
Österreichische Rundfunk“ eine konkrete mediale Anstalt in
Österreich, d. h. ein Denotat – und es sind drei Wörter,
üblicherweise wird die Abkürzung ORF gebraucht – ein Wort?
Lexeme sind die kleinsten semantischen Einheiten: blau,
blauäugig, blauer Montag
Es gibt drei WB-Arten: Kombination, Konversion und
Kürzung.
Bei der KOMBINATION sind folgende Subklassen zu
unterscheiden:
1. Zusammensetzung – ZS / Komposition: Kombination aus
zwei oder mehreren Wortkern-Morphemen / Basismorphemen,
z.B. wider-sprechen, Misch-wald, partei- treu

2. Ableitung / Derivation: Kombination aus Basismorphem und


nachstehendem WB- Suffix (Suffix, Derivativ), z.B. lack-
ieren, Wäld-chen, treu-los

3. Präfigierung / Präfixbildung: Kombination aus Präfix und


Basismorphem, z.B. er- blühen, Ur-wald, un-treu. Neuere
WB-Theorien fassen Ableitung und Präfigierung zusammen
als Derivation i.w.S. oder Affixableitung.

4. Präfix-Suffix-Ableitung als Mischtyp aus Präfigierung und


Ableitung, z.B. be- nachricht-igen, Ge-sing-e, un-er-klär-lich

5. Zusammenbildung als Mischtyp aus Zusammensetzung und


Ableitung: Die Basis der Ableitung besteht aus einem
mehrwortigen Syntagma, z.B. über+nacht-en, Drei+mast+er,
Kenntnis+nahm+e, ein+äug+ig