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KONVERSION / Wortartwechsel ist die Verwendung eines

Wortes einer Wortart als einer Einheit einer anderen Wortart. Z.B.
der Hamster – er hamster-t, huraa – die Hurra-s.
Hier wird ein Substantiv als Verb, eine Interjektion als Nomen, ein
Substantiv als Adjektiv verwendet.
In der strukturalen WB-Lehre wird Konversion oft als Ableitung mit
Null-Elementen erklärt.
Die Infinitivendung –en bei Verben ist ein Flexiv / Flexem, ebenso
wie andere Verbflexive –e,-st,-t. Die für die WB relevante
Grundform der Verben lautet nicht lachen, reden, sondern lach, red
usw. – nur der Stamm.

Konversion aus mehr als einem Morphem – traditionell


Zusammenrückung genannt – ist die syntaktische Transposition
einer Wortgruppe, z.B. sein Danke-schön, das Von-der-Hand-in-
den-Mund-Leben, (Satzinfinitive, Bindestrichinfinitive,
Durchkoppelung)das Vergissmeinnicht, der Dreikäsehoch

KÜRZUNG
Nach dem grammatischen Verhältnis zwischen Vollform und
Kurzform sind zu unterscheiden:
1. Kurzwörter: Kopfformen – Ober(kellner), Uni(versität),
Schwanzformen – (Omni)bus, Kombination aus Kopf- und
Schwanzform – Tilgung der Mitte: Bier(glas)deckel
2. Rückbildungen: um WB-Affixe gekürzte WB-Syntagmen mit
Konversion, wobei eine Zusammenbildung wie eine einfache
Ableitung behandelt wird: Not+land+ung → not-land-en,
frei+müt+ig → Freimut, hoch+müt+ig → Hochmut, blöd+sinn+ig
→ Blödsinn
3. Abkürzungen / Abreviationen / Akronyme
• Initialwörter: sie werden aus Anfangsbuchstaben der
Einzelmorpheme eines WB-Syntagmas gebildet; die
Aussprache a) nach Buchstaben Lkw, WM –
Weltmeisterschaft, oder seltener mit Phonemsequenz-
Aussprache – UFO – unbestimmtes Flugobjekt, DIN –
deutsche Industrienorm, Aids – acquired immune deficiency
syndrom

• rein graphemische, so nicht gesprochene Kürzungen: Dr. für


Doktor, m für Meter

• TERMINI WBK – Wortbildungskonstruktionen sind


Morphemgefüge, d.h. Kombinationen von Morphemen. Unter
dem Blickwinkel der Flektierbarkeit gelten Simplizia (1
Morphem) und Morphemgefüge (WBK) als Stämme – sie
können mit Flexemen verbunden werden.

• AFFIXE sind Präfixe und Suffixe, sie kommen nicht frei vor, aber
sie tragen wie Grundmorpheme eine lexikalisch-begriffliche
Bedeutung, sie modifizieren die Bedeutung der Basiswörter:
fallen: auf-, ver-, ein-, durchfallenEin Derivationssuffix ordnet
das Wort kategorial in eine bestimmte Wortklasse ein: les-en,
Les-er, Les-er-in, les-bar, das letzte Suffix zeigt die Wortart
an.

• AFFIXOIDE (Halbaffixe) – in der aktuellen Diskussion ist dieser


Begriff umstritten.Es gibt Einheiten, welche wie ein
Grundmorphem wortfähig sind, aber in spezifischen
Kombinationen mehr oder weniger von ihrer freien
Entsprechung abweichen:voll = „gefüllt“ - volles Glas =
„vollständig, ganz“ – volles Vertrauen-voll – zum Ausdruck
des „Vorhandenseins des Basisinhaltes“: kunstvoll, liebevoll,
wirkunksvoll Nach Bußmann: Ein Affixoid ist ein Morphem
mit einem selbständigen Pendant, das reihenbildend affigiert
wird:-werk, -zeug, -wesen-frei, - arm, -voll Affen-, Mords-,
Riesen-; stink- tod-

Riese = Märchengestalt, jmd. von außergewöhnlicher Größe


Riesendummheit, - applaus = starke Intensität
Zum Nachweis der Bedeutungsabweichung dient die
Paraphrasierung des komplexen Wortes durch eine Wortgruppe.
Wenn die entsprechende Wortgruppe semantisch nicht adäquat ist,
gilt das Element als Affixoid; ebenso dann, wenn ein solches
Element als Zweitglied einer WBK nicht die ganze Konstruktion
repräsentiert: liebevolle Gäste - * volle Gäste. Riesenkrach - *
Krach eines Riesen; Krach, wie ihn ein Riese macht
KONFIXE / KOMBINEME
Es gibt eine Vielzahl entlehnter Elemente, die nur in Kombination
mit anderen Morphemen auftreten: therm-o-dynamisch, Bio-energie,
Geo-logie, Stief-mutter, Schwieger-vater, Agro - nom, Phil-o -loge,
Biblio / Vino / Disko –thek, Foto-graf, Aqua-naut, poly-glott.Sie
werden „gebundene Grundmorpheme“ (Fleischer 1985, 210) oder
Konfixe (Schmidt 1987, 50) oder Kombineme (Schmidt 1987, 37;
Eichinger 2000, 53) genannt.
Konfixe können auch als Basen für Ableitungen fungieren: elektr-
isch, elektr-ifizieren, Elektr- izität; zyn-isch, Zyn-iker, Zyn-ismus
INTERFIX
Als Interfixe werden semantisch „leere“ Segmente in der
Kompositions- oder Derivationsfuge von WBK bezeichnet:Arbeit –
s – anzug, Lieg – e – stuhl, theor - et – isch, will – ent – lich, afrika
– n – ischAls Interfixe gelten heute: -e-, -(e)n-, -(e)s-, -ens-, -er-, -i-,
-o-
Wart-e-raum, Sonne-n-schein, arbeit-s-los, Herz-ens-angelegenheit,
Kind-er-buch, Prof-i- boxer, Elektr-o-mobil
Interfixe sind weder eindeutig der ersten noch eindeutig der zweiten
Konstituente einer WBK zuzuordnen.
INFIXE kommen in den indoeuropäischen Sprachen nur als
Resterscheinung vor, sie sind semantisch relevant und werden in die
Derivationsbasis eingefügt. Im Deutschen z.B. als eine Art
Infigierung.ver – un – zieren = gâter verzieren = décorer
hinlaufen – das Hin-ge-laufe; arbeits – un – fähig

UNIKALE MORPHEME
Es sind Morpheme, die nur in einem einzigen Wort vorkommen und
mit ihnen sind keine Neubildungen möglich – das ist auch der
Unterschied zu den Derivatemen und Konfixen. Him- beere, Brom-
beere, Mett- wurst, Bräut –i- gam, Nachti- gall, Lind-wurm

ZIRKUMFIXE
Sie umrahmen die Ableitungsbasis, es sind z.B.
- von Substantiven abgeleitete Kollektiva mit Ge- + -e: Gehäuse,
Gelände
- - von Verben abgeleitete Nomina actionis mit Ge- + -e: Gerede
(racontar), Gebrülle (hurlements)
- - von Subst. und Verben abgeleitete Adjektive: abseitig,
gefräßig, geläufig, gelehrig- Pseudo-/Scheinpartizipien (=von
Subst. abgel. Adjektive, deren Form dem Partizip II ähnlich
ist) gestiefelt, bestrumpft