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Terminologisches aus dem Vinaya

I der Mahäsämghika-Lokottaravädin
Von Gustav Roth, Göttingen

1. Zu Beginn des 5. Jhs. n. Chr. gelangte der chinesische Pilger Fa-


HsiEN nach Pätaliputra — dem heutigen Patna in Bihar —, wo er im
südlich vom Aäoka-StOpa gelegenen Devaräja-Vihära* eine Handschrift

des Disziplinskodex der buddhistischen Ordensgemeinde der Mahäsäm¬

ghika entdeckte. In China übersetzte Fa-Hsien zusammen mit dem


Inder Sri Buddhabhadba das ganze Werk in den Jahren 416—418 n.
Chr. in die chin. Sprache^.

Bisher war der Vinaya (Disziplinskodex) der Mahäsämghika mu in


dieser von Fa-Hsien besorgten chin. Übersetzung bekannt.
Unter zahlreichen aus Indien stammenden Handschriften fand Sri

Rähula SÄüfKBTYÄYANA 1934 Im Za-lu Kloster bei 2i-ga-rtse in Tibet


im 11. bzw. 12. Jh. n. Chr. geschriebene Palmblatthandschriften, die als

Disziplinartexte der Mabäsämgbika-Lokottaravädin — einer Abzwei¬


gung der Mahäsämghika —, unter den Titeln Bhik§wn,i- Vinaya (Abk. :
Bhi-Vin (Mä-L)), Bhikfu Pratimolc§a-Svtra (Abk.: Bhu Prätim {Mä-L)),
Bhiksu Abhisamäcärika-Dharma (Abk. : Bhu Abhis.-Dh. (Mä-L)) identi¬
fiziert werden kormten*.

Die folgenden Bemerkungen zur Terminologie beziehen sich auf die


drei eben genannten Texte. Hauptsächlich wird hierfür der Bhi-Vin
(Mä-L) Text herangezogen werden, der von mir im Auftrage des K. P.
Jayaswal Research Institute in Patna (Indien) bearbeitet worden ist
und dort gedruckt wird. Bhi-Vin (Mä-L), sowie Bhu Prätim (Mä-L)*

1 Diese Angaben finden sich in Fa-Hsiens „Meine Bemerkimgen zum


Mahäsäihghika-Vinaya" am Ende des dem Bhik?unl-Praklrnaka des Bhi-
Vin (Mä-L) entsprechenden Abschnittes von chin. Mä in Taisho XXH,
p. 548 Z. 4—9 r. Femer in Fa-Hseens A Record of BuMhistic Kingdome or
His Travels in India and Ceylon (A. D. 399—414), transi. and annotated by
J. Legge, Oxford 1886, pp. 98, 99 u. p. 78.
' Fa-Hsiens Übersetzung des Mahäsämghika-Vinaya (Abk. : chin. Mä)
hegt in der Taisho-Ausgabe Vol. XXII, pp. 227a — 549a vor.
* Bhi-Vin (Mä-L) u. Bhu Abhis.-Dh. (Mä-L) wurden von R. SäStk^tyä-
YANA, Palm-Leaf MSS. in Tibet, Joimial of the Bihar and Orissa Society,
21 (1935), Patna, p. 28 unter HI. 3. 12 vorläufig als Bhikpi-praklnyihi-
vinaya bezeichnet.
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 335

\ind Bhu Abhis.-Dh. {Mä-L)* sind in einem sansliritisierten Prakrit ab¬

gefaßt, welches der Sprache des Mahävastu (Abk. : Mv) der Mahäsäm¬
ghika-Lokottaravädin {Mä-L) nahesteht. Zxu: Sprache der drei Patna-
Texte s. die Bemerkungen in meinem Aufsatz Bhiksunivinaya and Bhik-

^jyrakinjaka and Notes on the Language, Journal of the Bihar Research


Society 52 (1966), Patna, pp. 29—51 u. pp. 37 ff. im besonderen.
Der Bhi-Vin {Mä-L), ein Disziplinar für Buddhistische Nonnen, glie¬
dert sich wie folgt :

1. Astau Guru-Dharmäh ,,Acht gewichtige Verpflichtungen", die der


Buddha seiner Pflegemutter Mahäprajäpatl Gautami durch Änanda
als Voraussetzung der Zulassung von Frauen in den Orden verkünden

läßt (§§ 1—110)6.

2. JShiksuv^inäm Prätimoksa-Vibhangah „Kommentar zu den Präti-

moksa-Disziplinsregeln der Nonnen (§§ III —254).

3. Anhang Nr. 1: Bhiksurß-Praklrnakam „Verschiedenes über die Non¬


nen" (§§ 255—293).

4. Anhang Nr. 2: Bhik§u-Prakirnakam ,, Verschiedenes über die Mön¬


che" (§§ 194—296).

JBhi- Vin beginnt mit der für die Mä-L typischen Wendung : Om namo

Buddhäya. Ärya-Mahäsämghikänäm Lokottaravädinäm madhy'-uddeSi-


känärh päthena Bhiksuni-Vinayasyädih-
Charakteristisch für die Mä-L ist diese Wendung deshalb zu nennen,

weil sie in den entsprechenden Stellen von chin. Mä nicht vorkommt.

Bekannt ist die das Mahävastu {Mä-L) einleitende Formel: Ärya-

Mahäsämghikänäm Lokottaravädinärh Madhyadesikänärh päthena Vina-


yajpitakasya Mahävastuye ädi \ (Mv I. 2, 13—14, Senaet ed.).
Unterschiedlich in beiden gleichlautenden Wendungen ist ledighch
die Bezeichnung madhy'-uddeSikänärh (beachte den mittelindischen

Sandhi) vor päthena im Bhi-Vin und madhyadesikänärh vor päthena im


Mv. Auf den ersten Blick mögen die beiden Lesarten für Varianten des

gleichen Bedeutungsinhaltes „der zum Mittellande gehörigen" gehalten


werden.

* Zu Bhu Prätim {Mä-L) s. SäStk^tyäyaiia, o. c, p. 42 unter IV. Ngor


monastery XXXIX. 1. 177. Der Text ist ediert von W. Paohow u. R. Mish-
»A, The Prätimok^a-Sütra of the Mähäsämghikaa, AUahabad 1956. Bhu
Abhis.-Dh. (Mä-L) ist noch im Druck. Die Handschriften-Fotokopien dieser
Texte sind mir durch die Freundlichkeit der Büiar Research Society, Patna,
zugänghch gemacht worden.
" Bezieht sich auf die in der Edition von mir durchgeführte Paragraphen-
einteUimg.
336 Gustav Roth

Am Schluß von Bhu Abhis.-Dh. (Mä-L)* tritt uns diese Wendung

noch in folgender Fassung entgegen: Äbhisamäcärikäh samäptäh, \


Ärya-Mahäsämghikänäm Lokottaravädinärh madhy'-uddesa-päthakänäm

pätheneti | (Abhis.-Dh. 16B. 6. 2).


Die Wortfolge -uddesa-päthaka schränkt die Möglichkeit ein, uddesa

hier im Sinne von ,, Platz, Gegend" aufzufassen, der in häufig vorkom¬

menden Sanskrit Ausdrücken wie vanoddesa oder upavanoddesa gegeben


ist. Wo päthaka ,, Rezitierender, Interpret, Kenner einer Wissenschaft"
als Schlußglied eines Kompositums auftritt, bezeichnet das davor¬
stehende Glied des Kompositums gewöhnlich das Objekt oder die Sache,

mit der ein päthaka vertraut ist. Es sei an dharma-pätakaJi' in Manu XII.
III erinnert, der als manv-ädi-smrti-sästräntäm adhyetä in Medhätithis

Manuhhäsya charakterisiert wird. Welche Bedeutung wir für uddesa in


der Wortfolge uddesa-päthaka bzw. uddesa-pätha im Rahmen unserer

Vinaya-Texte anzusetzen haben, ist aus einem Passus von pataniya-


dharma 8 im Skt. Bhiksuni-Karmaväcanä* S. 141, Z. 2 zu erschließen.
Wir lesen dort, wie eine Nonne zu einem Mönch, der aus der Ordens¬

gemeinde ausgeschlossen ist u.a. folgendes sagt: ... aham äryasya


pätreya ctmrer}a ... uddeiena päthena^ svädhyäyena yogena manasi-

kärena yena yenäryasya vighäto bhavati tena tenävighätarh kari§yämi


(dasselbe noch einmal S. 141, Z. 10—11), ,,wo immer für den Ehrwürdi-

• Dieser Vinaya-Text, auf 50 Palmblättem doppelseitig niedergeschrie¬


ben und in 7 varga mit 70 Abhisarnä/iärika-'K&^iteln. eingeteUt, liegt voll¬
ständig vor. Br gehört zum Prakirnaka-TeW des Mä-L Vinaya, in dem
Themen der Ordensdisziplin außerhalb des Rahmens des Prätimok§a be¬
handelt werden.
' Vgl. femer Ausdrücke wie iästra-päthän in Lahtavistara 57. 6 (Lef-
man), veda-su/pina-päthäye ib. 57. 1 oder suvina-lakkhana-pädhagänam
gihäirh in Bhagavai (Viyähapannati) 11. 11, in SuUägame I, p. 638, 30 (Övet.
Jaina Kanon).
' C. M. Riddinq and L. de la Valläe Poussin, Bhik^nl-Karmaväcanä,
BSOS I, Part 3, 1917—20, pp. 124—143, Abk.: Skt. Bhik. In der Eüdeitung
(p. 124) wird Skt. Bhik. den Sarvästivädin zugewiesen. Wahrscheinlicher
ist die Zugehörigkeit des Textes zu den Mülasarvästivädin. Vgl. z.B. den
Wortlaut der patanlya-dharmä 1—8 von Skt. Bhik. 136. 21—141. 19 mit der
entsprechenden tibetischen Fassung der Ihun-bai chos brgyad im Vinaya-
k^udraka-vastu (tib. 'adul-ba phran-tshegs-kyi gzi) Peking-Edition (P) Vol. 44,
p. 166 Ne 110b. 5 — p. 167 Ne 114a. 8.
' Die entsprechende SteUe ün tibetischen Bhik^nl-Karmaväcanä lautet
nach der Peking Edition (P) des Tibetan Tripitaka ed. by D. T. S. Suzuki,
Tokyo-Kyoto 1958, Vol. 44, p. 167 Ne 113b. 8— 114a. 1: bdag-gis 'aphags-
pa khyod-kyi Ihuh-'azed dan chos-gos dan ... klog-pa dah kha-ton dah rrud-
'äbyor-yid-la bya-ba dan (die fimf Termini des Skt. Textes von uddeSena bis
manasikärena sind im Tibetischen auf diese drei reduziert) 'aphags-pa-la ci
dan eis brel-bar gyur-pa de dan de-dag thams-cad bdag-gis mi-lrrel-bar sbyar-ro
(Schluß nach der wiederholten Stelle ebenda Ne 114a. 5 zit.).
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 337

gen beim Rezitieren, Lesen, Studieren, bei der Ausübung spiritueller


Disziplin und in der geistigen Sammlung ein Hindernis vorliegt, dort
will ich das Hindernis mit Bettelschale, Gewand ... für den Ehrwürdi¬

gen beseitigen"!".
Dieselbe Wortfolge vddesa-pätha ist mit Hilfe der tibetischen Über-

setzung*! noch in Skt. Bhik. 143. 2—3 am Schluß des Bhiksuni-Karma-


väcanä in folgender Wendung nachzuweisen : samäna-prätimoksa-sütrod-

desa-[pathatä] sä te adyägrenärägayitavyä rm virägayitavyä^^. ,,Von heute


ab sollst du deine Freude an der [mit dem festgelegten Wortlaut] gleich¬

mäßig übereinstimmenden Rezitation und Lesung des Leitfadens der


Ordensdisziplin haben, und nicht sollst du keine Freude daran haben".
In den sich an das Ordinations-Verfahren anschließenden Schlu߬

bemerkungen der beiden Vinaya-Texte Upasavipadä-Jnaptifi S. 26. 7


und Skt. Bhuk S. 29. 19— S. 30. 1 ist ferner folgende feststehende Wen¬

dung überliefert: adyägrena te uddestavyarh pathitavyarh svädhyäyitav-


yarfi^^ „Von heute an ist das [PrätimoksasOtra] von dir zu rezitieren, zu
lesen und zu studieren".

Die vorgelegten Stellen zeigen, daß uddesa und pätha in feststehenden


Reihen nahezu synonymisch in der Diktion buddhistischer Vinaya-
Texte nebeneinander stehen.

Der offenkundig enge Sinnzusammenhang zwischen uddesa und pätha

legt es nahe, einen solchen auch in den oben zitierten Eingangs- bzw.
Schlußformeln von Bhi- Vin (Mä-L) und Abhis.-Dh. (Mä-L) anzunehmen.

Dazu gesellt sich die Schlußbemerkung von Bhu Prätim (Mä-L) MS


fol. 44 ob 5: samäptarh Prätimoksa-sütrarh Ärya-Mahäsärhghikänäm

10 Vgl. dieselbe Stelle in tib. Päräjika-Dharma 8 des Bhi Prätim-Vibh,


die in E. Waldschmidts, Brachstücke des Bhiksuni-Prätimok?a der Sarvästi¬
vädins, Leipzig 1926 auf S. 83 zitiert u. auf S. 82 übersetzt ist.
Im Anschluß an die zum dritten Male wiederholten acht guru-dharmä
(tib. : tyrgyad bla-mai chos) der Nonnen im Bhik. des tibetischen Vinaya-
k^ttdraka-vastu (tib. 'adul-ba phran-tshegs-kyi gii) wird nach einigen Sätzen
diese Stelle im Tibetischen wie folgt übersetzt: so-sor-thar-bai mdo kha-
ton klog-par mtshuns-pa-la deh-pfian-chad khyod-kyis mnes-par byao mi-
mnes-par mi byao | (P 44, p. 168 Ne 115b. 3).
12 Dieselbe Stelle lautet jedoch im Bhikßu-karmaväkya (Skt. Bhuk) ed.
A. Ch. Bauerjee, I. H. Quart., Vol. XXV, No. 1, p. 29. 14—15 sowie in
Upa.sampadä-Jriaptih, ed. B. Jinanakda, Patna 1961. p. 25. 22: ... samäna-
prätimok^a-sütroddeiatä sa te .. ., vgl. die tib. Fassung des im Vinayavastu
(tib. : 'adul-ba-gii) stehenden pravrajyä-vastu (tib. : rab-tu-'abyun-lxii gii) in
,P 41. p. 27 Khe 64a. 7—8.
Ujjasampadä-Jitaptih und Skt. Bhuk stimmen im Wortlaut völlig überein.
1" Diese Formel fehlt in Skt. Bhik., da der Schluß des Textes im Manus¬
kript nicht erhalten ist. Die entsprechende tib. Fassung lautet: deri-phyin-
chad khyod-kyis luh-mnod-par bya, klag-par liya, kha-ton byao ... (P 41,
p. 28 Khe 64b. 4).
338 Gustav Roth

Lokottaravädinärh Madhyoddesikänärh pätheneti \ wobei die Lesung


Madhyoddeiikänäih — abweicbend von der in Bhi-Vin und Abhis.-Dh.
—, regekechten Sanskrit Sandbi aufweist.
Demnach werden wir für uddeia bzw. vddeiaka vor päthaka bzw.

pätha in den drei Stellen der zitierten Mä-L Vinaya-Texte die Bedeutimg
„Verlautbarung, Rezitation", bzw. ,, Vortragender, Rezitator" und

nicht ,,Platz, Gegend" anzusetzen haben. Es stehen hier die Lesungen


madhy'-uddesikänärh päthena in Bhi-Vin (Mä-L), madhyoddeäikänärh

päthena in Bhu Prätim (Mä-L) und madhy'-uddeia-päthakänärh päthena


in Bhu Abhis.-Dh. der Lesung madhya-deäkänärh päthena in Mv (Mä-L)
gegenüber**.
Die Gegenüberstellung zeigt, daß die drei ersten Lesungen auf eine

gemeinsame Quelle zurückgehen, in der deia bzw. desika hinter madhya


weggeblieben ist, während uddeia bzw. uddeiika in der Jfv-Lesart fehlt.
Die große Ähnhchkeit im Klange und der Schreibweise der benachbarten
deia-uddeia oder des'-uddesa führte haplologisch jeweils zum Verlust des

einen oder anderen, wobei madhya in allen Fassungen stehen geblieben ist.
Der ursprüngliche Wortlaut dieser bedeutsamen Formel wird etwa

folgendermaßen gelautet haben: Ork namo Buddhäya | Ärya-Mahäsärh¬


ghikänäm Lokottaravädinärh Madhyadei'-uddesa-päthakänärh (oder: -ud-
deiikänärh) päthena Bhiksurf,t- (oder: Bhiksu-)-Vinayäsyadih „Der Be¬

ginn des Bhik^urf.i- (bzw.: Bhik§u)-Vinaya nach dem Vortrag der die
Verlautbarungen [der Disziplinsdekrete] im Mittellande vortragenden
Ärya MaMsämghika-Lokottaravädin."
Wir gewinnen damit die einleitende feierliche Wendung zum Disziplins¬
kodex einer Ordensgemeinde, die nicht nur Auskunft über ihren ideellen

Lehrgehalt (lokottaraväda) und ihren ideellen Wirkungsbereich {madhya-


deia) gibt, sondern auch den Orden als Disziplinsgemeinschaft vorstellt,

der sich ausdrücklich auf die richtunggebende Unterweisung (uddeia)


der Disziplinsdekrete und deren Vortragende beruft, die in den sich an¬
schließenden Vinaya-Texten dieser Schulrichtung vorliegen. Der Ver¬

gleich der einleitenden bzw. abschließenden Wendung dieser Texte mit


der des Mv zeigt, daß sich beide Überlieferungen nicht einander aus¬
schließen, sondem gegenseitig ergänzen.
Die Ausdrucksweise der oben drei genannten Mä-L Vinaya-Texte ist
somit nicht als bloße orthographische Variante zu madhya-deiika in Mv
anzusehen. Es ist jeweils deia hinter madhya zu ergänzen. Madhya-deia

„Mittelland" hat mehr als nur Geographisches zu seinem Inhalt. Es ist

das heüige Land der Arier, die in seinen sich ausweitenden Grenzen

" Zu der Formel im Mv vgl. E. Windisch, Die Komposition des Mahä¬


vastu, Bd. 27 der Abh. d. Phü.-Hist. Kl. d. königl. Sächsischen Gesellschaft
der Wissenschaften, Leipzig 1909, p. 469fF.
TennmologiBches aus dem Vinaya der Mahäs&mghika 339

leben, irmerhalb dessen Bereich sich die Lehren Buddhas und Mahä-
Viras entfalteten. Madhya-deia war eine ganz geläufige, heilig gehaltene

Bezeichnxmg, an welcher unverändert festzuhalten traditionelle Ge¬


wohnheit war, was diese spezielle Bezeichnung angeht. Es waren auch
noch andere Bezeichnungen wie Ärya-desa = tib. 'aphags-pai yul (in
der einleitenden Wendung zu Tärairäthas Werk) in Umlauf. Die Be-

zeichntmg Madhya-deia wird in den mittelindischen Sprachen jedoch

entsprechend beibehalten, wie in Pali majjhima desa und in den Prakrits

majjha desa und majjha esa zeigen. Es ist deshalb auch aus diesem
Grunde unwahrscheinlich, daß ein lusprünglicbes madhyadeiika zu

madhy'-uddeiika abgewandelt worden sein sollte, während es umgekehrt


leichter einzusehen ist, daß ein ursprünglich vorliegendes madhya-des'-
uddeiika (oder: -uddeia-päthaka) haplologisch zu madhya-deiika ver¬
einfacht wurde.
Was uddeia selbst betrifft, so ist zu bemerken, daß dieser Ausdruck

als terminus technicus der Vinaya Sprache im Sirme von ,, Rezitation

des Prätimoksa-SOtra" verwendet wird. Es sei nur an die Wendung ...


anvardha-mäsam sütre prätimok§e uddeiam ägacchanti (§ 183., 6A. 4. 3
meiner Edition) „... halbmonatlich gelangen sie (die 141 POcaUika-

Dharmu) im Rahmen des Prätimoksa-SOtra zur Verlautbarung", er¬


innert. Die gleiche eiiüeitende Wendung findet sich jeweils vor den Dis¬

ziplinsgruppen der 4 Päräjika-Dharma, der 13 Sarhghätiiesa-Dharma,


der 2 Aniyata-Dharma, der 30 Nissargika-Päcattika-Dharma, der 92
Svddha-Päcattika-Dharma, der 4 Prätidesanika-Dharma, der 67 Saiksa-

Dharma, der 7 Adhikarana-Samatha-Dharma und der beiden Dharma-


Antidharma in Bhu Prätim (Mä-L). Die entsprechende Wendung findet
sich an entsprechender Stelle auch im Pali Vinayapitaka, außer im
Falle von Dharma und Anudharma, welche Disziplinsgruppe ausschlie߬
lich dem Mä-L Vinaya angehört.

Dazu gehört die im Pali häufige Wendung pätimokkh'-uddesakena vattab-


bo ,,He should be told by him, who recites the Pätimokkha". (Vin II
264. 23 (Oldenbebg ed.) = CuUavagga X. 9. 4.
Auch im Sirme von ,, Andeutimg" und nicht von „Platz" ist uddeia

in folgenden Wendungen belegt : sävadänarh pirfdäya caranto tasya grharh.


goto uddeie sthitah, \ Bhi-Vin (Mä-L), in Sarhghätiie^a 6, § 144., 3B. 8. 3.

Oder : dariana-iravanapathe na däni vaktavyarh | pindapätarh mahäpui),ye


dehi, atha khalu tüsnikena uddeie sthätavyaih \ Abhis.-Dh. (Mä-L) ISA.
8. 2. ,, Nicht ist auf Seh- und Hör-Reichweite zu sagen: gib mir um
[deines] großen Verdienstes willen Almosen. Vielmehr soll man schweigend
in Andeutung dastehen".
Wo in unseren Mä-L Vinaya-Texten „Platz, Gegend" ausgedrückt
werden soll, steht in der Regel pradesa. So lesen wir z.B. alihhun4e vä
340 Gustav Roth

atipräkate vä pradese in Bhi-Vin, § 99., 2B. 6.1 unter Guru-Dharma 6.


,,In einem allzu abgelegenen oder allzu öffentlicben Platz", womit adeie

,,an einem ungeeigneten Platz", wo Nonnen nicbt zu unterrichten sind,


kommentiert wird. Es lassen sich aus genannten Texten noch eine Fülle

weiterer Beispiele anführen.

Die ausschließliche Verwendungsweise von uddesa im Mä-L Vinaya in


den oben notierten spezifischen Bedeutungen, macht es vollends unwahr¬
scheinlich, daß diesem die Bedeutung „Platz, Gegend" in den erörterten

Einleitungs- bzw. Schlußwendimgen des Mä-L Vinaya zukommt.

2. Wenden wir uns nun der Terminologie zu, die im Vinaya der
Mabäsämgbika-Lokottaravädin zur Bezeichnung der einzelnen Diszi¬
plinsgruppen des Prätimoksa-SOtra bzw. des Bhiksuni Prätimoksa-
Vibhahga im Bhi-Vin im Gebrauch ist.
Wir stoßen hier gleich zu Anfang auf einen Terminus, der den Gesamt¬

komplex der Disziplinsgruppen des Prätimok^a-Sütra umreißt, nämlich

auf pärivenikä, welcher Ausdruck in diesem Zusammenhang innerhalb


des Bhi Prätim-Vibh (Mä-L) und des Bhu Prätim (Mä-L) nicht mehr

vorkommt und auch außerhalb derselben im Pali Vinaya und Vinaya-


Texten anderer Schulen vorläufig nicht zu belegen ist. In unserem Bhi-

Vin, Chiru-Dharma 2, § 68., 2B. 2. 5 wird im Anschluß an das erfolgreich


durchgeführte Ordinationsverfabren die jimge Nonne kurz (samksiptena
ovädo) über die verschiedenen Disziplinsgruppen wie folgt unterrichtet:
pärivertikä : a§tau päräjikä dharmäh | ekünavirhsati sarhghätisesä dharmäh

I trirhsan nihsargika-päcattikä dharmäh | \eka-cattälaih satam suddha-


päcattikä dharmäh^^] \ asta prätidesikä dharmä \ catu-sasti sekhiyä dhar¬

mäh I sapta adhikarana-samathä dharmäh | dvau dharmau dharmo 'nudhar-


mas ca |
Die in dieser Kurzübersicht aufgezählten Termini der einzelnen Diszi¬

plinsgruppen werden in dieser Form konsequent sowohl im Bhi Prätim-


Vibh (Mä-L) als auch im Bhu Prätim (Mä-L) beibehalten. Die einzige
Ausnahme stellen die sekhiyä dharmäh dar, welche stattdessen in Bhi
Prätim-Vibh (Mä-L) § 253., 9A. 5. 2 saiksä und in Bhu Prätim (Mä-L)
MS 37 ob 5 saik§ä^^ dharmä genannt werden.
Der Ausdruck pärivenikä ist in der oben zitierten Stelle des Bhi-Vin

(Mä-L) einmalig belegt. Der Terminus parivena dagegen ist häufiger


nachzuweisen, so in Bhi-Vin § 158., 4B. 5. 3, § 180., 6B. 2. 5, § 181., 6A.
3. 3. Nach Childeks ist parivena ,,a hermit's cell", pärivenikä dürfte

dann als Vrddbi-Ableitung von parivena anzusehen sein und „das sich

1» Ergänzt nach der Einleitung zu den Päcattikä Dharmäh § 183., 6A. 4. 3.


** Pachow-Mishra (35) lesen in der einleitenden Wendung zu den Saiksä
Dharmä falsch 6ik?ä, welches nach Bhu Prätim (Mä-L) MS 37 ob 6 zu äaikfä
zu verbessem ist.
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 341

auf den mönchischen Zellenbereich Beziehende" bedeuten. Im vor¬

liegend zitierten Textzusammenhang ist pärivenikä auf die folgende Auf¬


zählung der Prä<imofaa-DÄarma-Disziplinsgruppen zu beziehen. Ich
versuche deshalb, pärivenikä folgendermaßen zu übersetzen: ,, Disziplins¬

regeln, die im mönchischen Zellenbereich gelten". Dieser Ausdruck um¬


faßt somit die Gesamtheit der Prätimoksa-Sütra-Disziplinsdekrete, die
sich Mönche und Nonnen vor Augen zu halten haben, die als solche in

einem pariv&iia — einer Klosterzelle ihre vorschriftsmäßige Unterkunft


haben*'.

Die acht Päräjikä Dharmäh (§§ 111—137) stellen die erste Disziplins¬

gruppe dar, in der Vergehen behandelt werden, die den unwiderruflichen


Ausschluß aus der Ordensgemeinde zur Polge haben. Bekannt dürften
die Erklärungsversuche der Pali Kommentatoren sein (päräjiko hotiti

paräjito paräjayam äpanno), die mit der Wurzel ji ,, siegen" und Prae-
verb parä operieren, ferner S. LÄvis Erklärimg als Sekundärableitung
von paränc», paräc», welches über *päräcika nach seiner Ansicht** durch
Erweichung des zwischenvokalischen c zu päräjikä wurde und schlie߬
hch U. WoGiHAKAS*» wichtiger Hinweis auf das j mistische Äquivalent

päranciya, in dem er eine Vrddhi Ableitung von parä(h)c sieht, um dann


gleichfalls die Grundform *päräcika anzunehmen, die deshalb zu der
Neubildung päräjayika führte, ,,weil man bei den nördlichen Buddliisten
wie bei den südlichen darin die Wurzel ji vermutete und das damit ge¬
kennzeichnete Vergehen als ,, hervorgegangen aus einer (geistlichen)

Niederlage (paräjayä) deutete.


Uns interessiert hier vor allem, mit welcher Erklärung nun die Mahä-

säihghika-Lokottaravädin an päräjikä herantreten. In Bhi Prätim- Vibh,


Päräjikä 5 = § 123., 3A. 2. 7 heißt es: päräjiketi päram nämocyate
dhamui-jnänarh, tato jinä qjiim sarhjinä parihinä, tenäha päräjiketi.

„Päräjikä: pära in der Tat bedeutet [in diesem Ausdruck] das Dharma-
Wissen, von dem sie [die Nonne] abgekommen ist, dessen sie verlustig

gegangen ist, dessen sie sich völlig entäußert hat, wovon sie abgefallen
ist, deshalb heißt sie päräjikä".
In dieser Deutung wüd offenbar das Hauptgewicht auf den Abfall
vom Dharma-Wissen gelegt. Die Nonne bzw. der Mönch haben dadurch

unwiderruflich ihren Anteil an der Disziplinsgemeinschaft des Ordens


verloren.

" In der entsprechenden Übersicht über die Prätimok^asütra-Dharma


von chin. Mä, Taisho XXII, p. 473a. Z. 24 r,.gibt es keine Entsprechung zu
pärivenikä.
1* S. LÄvi, Sur une langue pr&canonique du Bouddhisme, Journal Asiatique,
Paris 1912, Dixiöme Sörie, Tome XX, p. 505—506.
1" U. Wogihaba, Aaahga's Bodhisattvabhümi, Inaugural Dissertation,
Leipzig 1908, Zweiter TeU: Lexikalisches aus der Bodhisattvabhimü p. 36.

24 ZDMG II8/25
342 Gustav Roth

Päräjikä wird hier in die beiden GUeder pärarh und jinä „deprived
of" (PTSD) aufgelöst. Auch die Jaina Kommentatoren sehen in dem
ersten Gliede pära und argumentieren im Bfhatkalpabhäsyarh, Vol. V.

5135—37: pärarh tirarh gacchati yena präyaScittenäsevitena tat päränci-

kath „Durch welche vollzogene Sühne er an das jenseitige Ufer gelangt,


das ist päräncika"^.
So bedeutsam die parallel laufenden Spekulationen mit pära im Präti-

moksa-Vibhanga der Mähäsämgbika-Lokottaravädin und bei den jinisti-


schen Kommentatoren für die Kenntnis späterer Auffassungen sind,

zmr Klärung der ursprünglichen Bedeutung von päranciya bzw. päräjikä


tragen sie nicht bei.
Wichtiger für das Verständnis von päranciya scheint mir der Umstand
zu sein, daß derselbe Ausdruck als pärancika im Kautiliya Arthaäästra
III. 19. 13 wiederkehrt. Wir lesen dort: ... hasta-päda-pärancikarh vä
kurvataJjfi^ pürvah saJmsa-dandah "or for one causing dislocation of the
hand of foot (the punishment shall be) the lowest fine for violence**."

Gehen wir von der in paränc liegenden Bedeutung „abgewandt, ge¬


trennt" aus, so dürfte es sich bei pärancikarh um eine Art der Körperver¬
letzung handeln, bei der Glieder aus ihrer normalen Lage gebracht, von
den sie tragenden Körperteilen oder Körper weggedreht und damit
funktionslos gemacht werden.
Dieser Vorgang ist auf die Wegwendung eines Ordensmitgliedes von

der Körperschaft der Ordensgemeinde übertragbar und mit dieser imd


deren Folgen für den Betreffenden vergleichbar. Wenn z.B. bei den
Jainas ein dutthe^^ ,, Übeltäter", ein pamatte „ein den Disziplinsregeln
gegenüber Indifferenter", oder ein anna-m-annarh karemärie ,,sich gleich¬
geschlechtliche Befriedigung Verschaffender" als pärancie gebrandmarkt
wird, so ist hiermit eben eine disziplinswidrige Verhaltensweise charak¬

terisiert, welche die Wegwendung von der Disziplinsgemeinschaft des


Ordens bedeutet und unwiderruflich die Trennung von ihr zur Folge hat.
Der Betreffende ist durch diese Wegwendung so zusammenhanglos und
funktionslos wie der durch eine Gewalthandlung abgetrennte Fuß oder
die Hand geworden. Der gemeinsame Grundgedanke der Wegwendung,
der Abkehr eines Einzelgliedes von einem tragenden übergeordneten

Organismus hat es offenbar zustande gebracht, daß päranciya bzw.

2» S. Bh. Deo, History of Jaina Monachism, Poona 1956, p. 377—378.


21 B. P. Kanole, The Kaufütya Arthaäästra, Part I, University of Bom¬
bay 1960, p. 125.
2" Derselbe, The Kaufülya Arthaäästra, Part TL, University of Bombay
1963, p. 288.
" Vide Thäne HI. 4. 264 in der Suttägame-AuBgahe p. 218, ferner W.
Schubbino, Das Kalpa-Sütra, Inaugural-Dissertation Leipzig 1905, p. 28,
Z. 1—2.
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 343

pärancika einmal in der Nomenklatm- der Straffälle des Arthasästra auf¬


taucht, zxun anderen als Gruppenbezeichnung disziplinswidriger Ver¬
haltensweisen im Jaina Kanon und als päräjifca-Disziplinsgruppe in den

Vinaya-Texten der Buddhisten Verwendung finden koimte.


Der Ubergang von päranciya zu päräjikä ist über die anzunehmenden

Zwischenstufen *päräciya, *päräjiya erklärbar. Alle Spekulationen

späterer Kommentare, die mit Wurzel ji oder Wurzel aj operieren**,


gehen eben von dieser letzten Ausprägung des Terminus aus.
3. Die Disziplinsgruppe der Sarhghätisesä Dharmäh 1—19 wird in

jedem ihrer einzelnen Fälle im Bhiksuij.i-Prätimoksa-Vihhanga (Bhi


Prätim-Vibh) der Mä-L ausführlich behandelt. Bedeutsam ist, daß im

vorliegenden Text konsequent der Terminus sarhghätisesä beibehalten


wird. Niemals stoßen wir hier auf den bei den Sarvästivädin-Mülasar-

västivädin gebräuchlichen Ausdruck sarhghävasesa. Dasselbe gilt für


Bhu Prätim (Mä-L), wo die zu dieser Disziplinsgruppe gehörigen 13
Fälle mit ausschließlicher Konsequenz als sarhghätisesä dharmä bzw.

sarhghätiieso am Schluß eines jeweihgen Disziplinsdekretes bezeichnet


werden. Daraus ist zu schließen, daß sarhghätisesä zum festen Bestand¬

teil der Terminologie des Mahäsamghika-Lokottaraväda-Vinaya gehört.


Es vdrd damit LÄvis Bemerkung eingeschränkt, wonach außerhalb des

Pali alle anderen Vinaya diese Disziplinsgruppe als samghävaiesa^^ be¬


zeichnen. Ltvi (504) bemerkt ferner dazu: ,,La nomenclature des p6ch6s

s'ouvre par les päräjikas qui impliquent l'exclusion definitive; il est


tout naturel de placer aussitot aprfes ceux qui, impliquant une exclusion

temporaire, laissent au d61inquant, 'un rest de communaute'; la vertu


de l'ordination n'est pas entierement efFac^e. Le mot sarhghävasesa

traduit ä merveille cette id6e. Mais le terme avasesa a un synonyme de


formation analogue, atiiesa, qui insiste sur l'idöe de 'reste' en la combi¬

nant avec la notion de 'surplus' (ati). II me parait evident que le pali


sanghädisesa conserve fidehnent une forme archaique equivalente au
sanscrit sahghätisesa^^, mais alt6r6e par l'adoucissement de la consonne

intervocalique". lAwi sieht somit in Skt. samghätisesa die Vorstufe zu

Pali sarhghädisesa, welcher Terminus im Pali Vinaya konsequent der


Klassifikation der zweiten Disziplinsgruppe dient, die nicht den soforti¬

gen Ausschluß aus der Ordensgemeinschaft vorsieht. Die Möglichkeit in

Zu den verschiedenen Theorien päräjikä betreffend siehe E. Wau)-


SOHMIDT, Bruchstücke des Bhik^rß-Prätimok?a der Sarvästivädins, Leipzig
1926, S. 71—72.
S. Lävi, Sur une langue prScanonique du Bouddhisme, J. A., T. XX,
Paris 1912, p. 504.
Mahävyutpatti 8359(2) notiert unter tra/yodaia samghävaSe^äh : sam-
ghädiie?a, samgha -f ädi -j- iesa, samgha -f ädiäesa, samghätiäe§a, sarhghäva-
ie^a.
24»
344 Gustav Roth

sarhghätisesä die Vorstufe zu sehen, wird dadurch eingeschränkt, daß


atisesa und atisista im Sanskrit vorkommen, im Pali aber ein spezifisches
atisesa fehlt, während avasesa belegt ist. Wahrscheinlich liegen die Ver¬
hältnisse gerade umgekehrt, wonach Pali sarhghädisesa der Vorläufer

eines sanskritisierten sarhghätisesä ist. Die Schluß Wendung von Sarhghä-


tisesa-Dharma l (sarhcaritrarh), § 138., 3A. 7.1, deutet an, daß dem
Ausdruck sarhghätisesä ursprünglich ädi zueigen gewesen zu sein scheint.

Am Schluß dieses Disziplinsdekretes heißt es: ayarh Dharmo prathamä-


jxUtiko Sarhghätisesä wpädiSeso sarhgho Sarhgham evädhipati hiya nihsa-
raxklyo.
,,Das ist der Fall Sarhghätisesä, der gleich beim ersten Vorfall ein Ver¬

gehen darstellt — [Sarhghätisesä] ist die Gruppe (sarhgho) von Disziplins¬


verstößen, welche die Ergänzung (sesa) zur Anfangsgruppe (upa -f- ädi)
[der Gruppe der Päräjikä] ist —, den Samgha allein als Autorität an¬
erkennend, ist dieses Vergehen durch reumütiges Bekennen aufzu¬
geben".

In der Schlußwendung dieses Disziplins-Sütra steht upadiseso sarhgho


als Zwischenbemerkung sarhghätiiesa erklärend, wobei mit ädi-sesa und
nicht mit ati-sesa operiert wird.

Der Vibbahga-Kommentar zu Sarhghätisesä 4, § 140., 3B. 7. 4—5,


äußert sich zu sarhgha in sarhghätis'esa wie folgt : sarhgho tä näma vuccanti

asta Päräjikä Dharmä ,, Samgha*' nämlich werden die acht Päräjikä


Fälle genannt".
Sarhgha bezeichnet hier eine Disziplinsgruppe von Regeln, und zwar

die erste und schwerwiegendste unter den Prätimo^;sa-Disziplinsgruppen.


Wie Sarhgha im größeren Rahmen die zu einer Disziplinsgruppe zusam¬
mengeschlossene Gremeinschaft der Mönche und Nonnen bezeichnet,

so bedeutet Sarhgha im kleineren Rahmen die in der ersten Gruppe zu¬


sammengefaßten acht Päräjikä Dharmä. Sarhghätisesä als sarhgha +

ädi + ^ef« verstanden, ließe sich dann wie folgt übersetzen: ,, Ergänzung
zur Disziplinsgruppe der acht (bzw. vier) Päräjikä als dem Anfang der
Prätimoksa-Disziplinsgruppen", oder: ,, Ergänzimg zur Disziplinsgruppe
der acht Päräjikä und so weiter", wenn wir der Deutung des Mä-L
Vibhahga unseres Bhi- Vin folgen.

" In der entsprechenden Stelle von chin. Mä, Taisho XXII, p. 518a,
Z. 13 r, heißt es nach Dr. Akira Hirakawas Übersetzung: "Samgha means
the eight Päräjikä. AvaSesa means a room is left regarding this offence, be¬
cause Sarhgha can forgive her, after the Samgha has duly performed the
karma and has given penalty to her. It is, therefore, that this offence is
called SarhghävaSesa. This offence is allowed to be confessed by her in the
middle of the Sarhgha and expiation has to be performed by her. It is due
to that, that this offence is called sarhghävaSesa.
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 345

Die einzelnen Fälle der Äamg'Aäiis'esa-Disziplinsgruppe stellen in der

Tat im engeren tmd weiteren Sinne Ergänzungen zu den Fällen der


Päröji/fca-Gruppe dar, nur daß im Unterschied zu dieser mildernde Um¬
stände eingeräumt werden.
Kehren wir zu der Definition des Vibhahga samghatiseia betreffend
zurück und lesen diesen noch einmal im Zusammenhang mit der darauf

folgenden Bemerkung: sarhgho tä näma muxanti asta päräjikä dharmäh,


tesäm iyam äpattih sävasesä sa-pratikarmä (Unter Sarhghätisesä 4., § 140.,
3B. 7. 4—5*8, „Sarhgha bedeutet nämlich die acht Päräjikä Dharmä,

das Vergehen dieser schließt in der Gruppe der Sarhghätisesä einen Rest,
Wiedergutmachung in sich ein". Diese Erklärung des Kommentars
zeigt, wie nahe die unter der Klassifikation Sarhghätisesä zusammen¬
gefaßten Disziplinsverstöße der Gruppe der Päräjikä angeschlossen
werden. Die hier mit dem ,,Rest" operierende Auffassimg trägt jedoch
deuthch den Stempel sekimdärer Bedeutungsentwicklung an sich**.
Die in unserem Text vorhandenen Hinweise deuten indes in die Rich¬

tung, daß Pali sarhghädisesa gegenüber Mä-L sarhghätisesä im Vinaya


Bereich die ältere Ausdrucksweise darstellt und als sarhgha -f ädi +
se§a im oben angegebenen Sinne aufzufassen ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der im Mä-L Vinaya
konsequent beibehaltene Terminus sarhghätisesä zusammen mit Pali
sarhghädisesa gegenüber dem Ausdruck sarhghävasesa des Sa und Mü
Vinaya — auch gegenüber dem phonetisch ausgedrückten san-ghya-po-
sf-sa^ {sarhghävasesa) der chin. Mä-Version — die altertümlichere Aus¬
drucksweise bewahrt^*.

4. Im Bhi Prätim-Vibh {Mä-L) folgen die Nihsargika-Päcattikä Dhar¬

mä als dritte, sowie die 141 Svddha-Päcattikä Dharmä als vierte Gruppe
disziplinarischer Vergehen der Gruppe der 19 Sarhghätisesä Dharmä.

Die Termini nihsargika, manchmal nissargika geschrieben, und päcattikä


werden im Text konsequent so beibehalten. Genau die gleichen Termini

werden auch im Bhu Prätim {Mä-L) durchgehend verwendet. (S. die


Liste der Disziplinsgruppen in § 2, p. 340). Die Termini nihsargika und
vor allem päcattikä = Pali päcittiya gehören somit ebenfalls zxun festen

^ Die Paragrapheneinteüung bezieht sich auf die meiner Textausgabe


des Bhi-Vin (Mä-L). Zahlen wie 3B. ün Unterschied zu 3A. beziehen sich
auf das so von R. SÄifx^TYÄVAYA jeweüs bezeichnete Fotoblatt der um¬
seitigen Pahnblätter, 7 bedeutet fol. 7 auf dem Fotoblatt, 4—5 die Zeüen.
2' Zu vergleichen sind die von WAX,DSCHMmT, o.e., S. 84, aus chin. Sa,
Mü u. Mi übersetzten Konunentaren.

3» Akira Hibakawas vorgeschlagene Umschrift nach Taisho XXII, p.


520b.

äl V. Tkenknebs, a critieal Pali Dictionary, Vol. II, Fasc. 1, Copenhagen


1960, p. 56 unten, ist zuzustimmen, das sanghädi-sesa unter ädi einreiht.
S4ß GtrsTAV Roth

Bestandteil der Vinaya-Terminologie der Mahäsämghika-Lokottaravä-

din. In der Schulriclitung der Sarvästivädin-Mülasarvästivädin (Abk.:


Sa-Mü) bingegen ist keine so konsequent durchgeführte Einheitlichkeit
festzustellen. Hierbei ist allerdings der fragmentarische Zustand der

Turfan-Funde mit in Rechnung zu stellen, der eine eindeutige Bestim¬


mung der Schulrichtung manches Blattes erschwert. Bei den Sa über¬
wiegen die Ausdrücke nihsargika^^ und pätayantika^^ — soweit das frag¬
mentarische Material vorliegt —, bei den Mü die Termini naissargika^,
päyattika^^ bzw. päyantika.
Unser Text bietet für päcattikä keine Erklärung. Mä-L päcattikä =

Pali päcittiya erinnern an Mittelindisches (AMg) päyacchitta und pacchit-


ta^, welches Sanskrit präyascittika^'' ,,zur Sühne gehörig, sühnbar"

(PW) an die Seite zu stellen ist. Es wird hier folgende Entwicklung an¬
zunehmen sein: AMg päyacchittiya > *päyaccittiya > Pali päcittiya =
Mä-L päcattikä, wobei unter Einfluß des Morengesetzes auf pä folgendes
cci nach der Kontraktion zu ci vereinfacht wiude**.

L. FiNOT, Le Prätimok^asütra des Sarvästivädin^, JA, T. 2, 11. S.,


Paris 1913.
ä' Vgl. Waldschmidt, o.e., pp. 33, 38, 41 etc. Aus einem Fragment Paj,
V c. Uest W. p. 32 päca[tt]i.
Weitere Beispiele für pätayantika s. V. Rosen, Der Vinaya-Vibhanga
zum Bhiksuprätimok§a der Sarvästivädins, Berlin 1949. Akademie-Verlag,
pp. 25, B 3, 28 R 5 etc.
naissargikä päyattikä (päyantikä), seltener naisargikä wird im GUgit
MS geschrieben. Vgl. Raghu VraA — Lokesh Chandba, Qügit Buddhist
Manuscripts (FaesimUe Edition), Pt. 1, New-DeUii 1959, Serial No. 3, fol. 13
(33) 6 — fol. 21 (49) 2. A. C. Banebjeb, Prätimok^asütram {Mülasarvästi¬
väda), Calcutta 1954, setzt stattdessen regelmäßig naisargikä päyantikä in
den Text. Eine solche Einheitlichkeit liegt jedoch in den Gilgit MSS nicht
vor. Die Sehreibung päyattikä scheint mir z.B. in NP 14, fol. 18 (43) 2, NP
23, fol. 19 (45) 5, P 10, fol. 22 (51) 2, P 11, fol. 22 (51) 4 etc. vorzuliegen.
Oft ist es schwierig, zwischen den Ligaturen tti u. nti zu unterscheiden.
as Mvy 8360 (3) notiert imter päyattikäh noch folgende Varianten: päyan¬
tikä, päpattikä, päpantikä, päcittiyakä, pätayantikä, präyaicittikä, päcittiya,
payti, päyacchitika, päcchitta.
Zvu Etymologie von Skt. präyaScittika und Pali päcittiya s. S. Lfivr, J. A.,
20 (1912), p. 506; und E. Waldschmidt, o.e. (s. Anm. 24), pp. 116—117.
a* R. Pischel, Orammatik der Prakrit Sprachen, Straßburg 1900. § 165.
»' Etymologie ist noch nicht befriedigend erklärt trotz weiterer Versuche
von W. Gampebt, Die Sühnezeremonien in der altindischen Bechtsliteratur,
Prag 1939, p. 24 u. p. 28. Bibliografisches zu diesem Thema bei A. Minabd,
Trois ^Jnigmes sur les Cent Chemins. Recherches sur le Satapatha-Brähmana.
II (Paris 1956) §§ 750—-756. Vgl. dazu C. Caillat, Les Expiations dans le
Rituel Aneien des Religieux Jaina, Paris 1965 (Publication de l'Institute
de Civilisation Indienne, Fasc. 25), p. 16.
R. C. Childebs, a Dictionary of the Pali Language, London 1785, hat
bereits imter päciUiyo dieses mit präyaScittika in Zusammenhang gebracht.
Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika 347

Auch für den Rest der Disziplinsgruppenbezeichnungen des Präti-

mok?a ist Übereinstimmung im Prätim Vibh unseres Bhi-Vin (Mä-L)


und in Bhu Prätim (Mä-L) festzustellen: 8 (4) Prätidesanikä Dharmä,

66 (67) Saiksä Dharmä, 7 AAhi-kararia-samMha Dharmä und als Ab¬


schluß die beiden Dharma: Dharma und Anudharma. Letztere Gruppe
ist den Ifö^' und den Mä-L eigentümlich und hat in den Vinayas anderer
Schulrichtimgen keine Entsprechung. Sie wird zwar nur kurz abgehandelt,
ist aber als gesonderte Disziplinsgruppe gekennzeichnet \md steht am
Ende von insgesamt 8 Gruppen des Bhi Prätim und von 9 des Bhu
Prätim*".
Die beiden Mä-L Vinaya-Texte sthnmen somit nicht mu dort in ihrer

terminologischen Ausprägung miteinander überein, wo sie den Pali


Termini besonders nahe stehen, wie bei Mä-L Sarhghätisesä = Pali

Sarhghädisesa und Mä-L Päcattikä = Pali Päcittiya, sondern auch dort,


wo sie von der Pali Lesart abweichen. So haben wir in beiden Mä-L

Texten Saiksä Dharmä und nicht Pali Sekhiyä entsprechendes. Nur in


einer zusammenhängenden Kurzübersicht fanden wir die dem Pah nahe¬
stehende Ausdrucksweise Sekhiyä Dharmä (s. S. 340).
Die Übereinstimmungen zeigen, daß Bhu Prätim (Mä-L)*^ und Bhi-

Vin (Mä-L) nicht nur nach ihren Titelbezeichnungen zu ein und der¬
selben Mä-L Redaktion eines bestimmten Zeitabschnittes gehören, über
den sich aber noch nichts genaues sagen läßt. Die Mä-L Vinaya-Texte
wurden wahrscheinlich im 2. Jh. n. Chr. im Westen Indiens überar¬

beitet und später (10.—12. Jh. n. Chr.) in buddh. Klöstern des östlichen
Indiens in Nälandä oder Vikramaäilä abgeschrieben, von wo sie nach

Tibet gelangten. Über diese Vorgänge ist in der Einleitimg zu meiner


im Druck befindlichen Arbeit, Bhiksurti-Vinaya ineluding Bhiksurß-

Prakirrjaka and a Summary of the Bhiksu-Prakirnaka of the Ärya-Mahä-

särhghika-Lokottaravädin ausführlicher gehandelt.


5. Eine für den Mä-L Vinaya besonders charakteristische Eigentüm¬
lichkeit findet sich außerhalb des Prätimoksa noch unter den stehenden

Wendungen der formelhaften Anträge tun Zulassung zum Noviziat und


schließlichen Ordination, die in Ouru-Dharma 2 behandelt werden. Am

" Mein Freimd Dr. Bishbadeb Mukherjee stellte diese Gruppe in ent¬
sprechenden Stellen von chin. Mä fest.
*° Vide Übersicht unter pärivenikä S. 340.
*i Dieser Text ist am Schluß mit der für die Schulrichtung der Mä-L
typischen Wendung gekennzeichnet, die von mir in Abschn. 1 behandelt
worden ist. Die Herausgeber Pachow u. Mishba haben statt Mahäsämghika-
Lokottaravädin nur Mahäsämghika auf das Titelblatt ihrer Ausgabe gesetzt.
Erstere stellt eine Abzweigung der letzteren dar, der gegenüber sie einige
spezifische Eigentümlichkeiten entwickelte. Inbezug auf die Komposition
ihres Vinaya-Textes lehnt sich Mä-L weitgehend an Mä an.
348 Gustav Roth, Terminologisches aus dem Vinaya der Mahäsämghika

Schluß eines einführenden, der Information des Kapitels dienenden


Antrages, dem sich der dreimal vorgetragene Antrag zwecks Abstim¬

mung und Einbringung des Antrags anschließt, steht folgende ab¬


schließende Feststellung: | ovayikä esäjnaptih \ Sie ist in § 25., BI. 5. 4,
§ 52., BI. 8. 3, § 65., 2A. 2. 7, § 80., 2A. 4. 3 und in noch fünf weiteren

Stellen unseres Bhi-Vin zu belegen. Als Varianten bieten sich lediglich

I ovasikäye esäjnaptih | § 30., BI. 6. 1 imd | ovayilcä esä prajnaptih | an.


Die Lesung | ovayilcä esä jnaptih | ist indes noch in einem anderen
Text, nämlich in der Einleitung zu Bhu Prätim (Mä-L) erwähnt. Sie
steht im MS fol. 4 ob Z. 1 und ist dort eindeutig lesbar**. Es wird deshalb

dieser Lesung den Varianten gegenüber der Vorzug zu geben sein.


Ovayikä ist hier gewiß attributiv zu jnaptih ,, Antrag" aufzufassen.
Ovayika, lexikalisch nicht belegt, ist ein mittelindisches Wort, welches

an die Seite von Skt. aupayika "leading to an object, fit, proper, right"
(MW) zu stellen ist.
Das Wort begegnet an anderer Stelle, in einem ähnlichen Zusammen¬

hang in Skt. Bhik. 128. 25—26: tri-sarana-gamanät panca-siksäpada-

dhärii),yä bhiksunyä vaktavyam | aupayikam iti | tayä vaktavyarh | sädhv


iti I

Dementsprechend würde die Übersetzung von | ovayikä esä jnaptih \


lauten: „Dies ist der ordnungsgemäß der Sache dienende Antrag".
Diese in unserem Bhi-Vin häufig belegte Wendung ist weder im Pali
Vinaya noch in den bisher bekannt gewordenen Displinarien anderer

buddh. Schulrichtungen nachweisbar*^. Es ist auch ovayika Entsprechen¬


des nichts in den Parallelstellen von chin. Mä überliefert, wie Dr. Akira

HraAKAWA** festgestellt hat. Wir werden deshalb in ovayilcä einen


späteren Zusatz zu esä jnaptih sehen dürfen, der für die Redaktion des
Mä-L Vinaya besonders charakteristisch ist.

Pachow-Mishba, o.e., p. 4, Z. 5 lesen falsch: ovadikä trayäjnapteh 1


" Im PaU Vüi II 273 26 (Oldenberg) = CuUavagga 10. 17. 7 steht z.B.
an entsprechender SteUe lediglich : esä natti. Über die in den Kapitelverhand¬
lungen der Sa u. Mü vorgetragenen stereotypen Wendungen s. Ausführliches
bei H. Häbtbl, Karma-väcanä, Formulare für den Gebrauch im buddhisti¬
schen Oemeindeleben aus ostturkestanischen Sanskrit-Handschriften, Berlin
1956. Akademie Verlag.
** Dr. Akira Hibakawa hat während seines Aufenthaltes in Göttingen
(Juli bis Oktober 1960) Teile von chin. Mä ins Englische übersetzt und damit
zum Verständnis dieser Texte beigetragen.
A critical Appraisal of the Sad-Gati -Kärikä

ascribed to ASvaghosa

By Biswanath Bhattachaeya, Shantinibetam (West-Bengalen) —

This work is known through the following Tibetan and Chinese trans¬
lations: —

The Tibetan version entitled the Sad-dhurrna-smrty-upasthäna-kärikä

(= dam-pahi chos dran-pa ne.bar.bzag-pahi thsig.lehur byas-pa)^, or the


'>.upctsthäna-sad-gati-kärikä (= "ne.bar bzag-pahi hgro-ba drug-gi thsig lehur
byas-pa) as in the colophon to this translation, was made by the Indian
mkhan-po (upädhyäya) Dhabmäkaba and the zu.chen.gyi lo-tsä-ba
(mahä-samäodhaka) Devendbabak§ita (of Rtsahs). This translation is
found twice in the Mdo-hgrd {Sütra-vrtti) section of the Bstan-hgyur (fols.

100b, 5—105», 4 and 276»», 3—281», 7 — Cobdieb, vol. 3, p. 345, no. 33/

38 and p. 427, no. 94/24; = Ne. SSb»- 39a' and 82a»—86a« — Sendai
CcUcdogue, nos. 4179 and 4502). It is divided into six sections. The Sanskrit
text has been ascribed to Chos-ldan eab-9BYOB dbyaüts (Dhäbmika-
Subhütighosa).
There are two* Chinese translations of this work. The first one named

the "Liu-täo-cie-tho-cin" (Sütra of the Gäthäs on the six paths = Sad-

bhava-gäthä-sütraf was made by Fä-thien (Dhabmadeva?) in 973—981


A.D.* Nanjio informs us that this translation covers eight leaves. This

version does not mention the name of the author of the Sanskrit original.

1 The Sendai Catalogue (imder nos. 4179 and 4502) shows this title with a
slight difference as the " giag-pahi ".
2 The Sendai Catalogue (under nos. 4179 and 4502) refers also to another
Chmese translation entitled the "Tä-yun-phu-sä-fan-pieh-yeh-päo-lüeh-cin"
[= Sütra on the fruits of karman briefly explained by the Bodhi-sattva
Ärya-äüra = Ärya-äüra-bodhi-saUva-nirdesa-karnui-phala-sanlc^ipta-siitra
(Mahä-äüra-" — sic.) — Nanjio, col. 301, no. 1349 and Appendix II, col.
416, no. 80]. This rendermg was made m 434 A.D. by SaStghavabman
(< SaSt-cie-poh-mo in Chinese transcription; = CuN-khäi in Chinese trans¬
lation) of the earlier Sun dynasty of the Liu famUy (420—479 A.D.). Nanjio
informs us that this translation covers twelve leaves.
However, this version ascribes the Sanskrit original to Äbya-ÖÜba —
and not to A^vaghosa.
» Nanjio, col. 189, no. 821 and Appendix H, col. 450, no. 159.
* Fä-thien belonged to the later Sun dynasty (960—1127 A.D.).