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ICS 07.060, 13.040.

01 VDI-RICHTLINIEN Juli 2018

VEREIN Umweltmeteorologie VDI 3783


DEUTSCHER Vereinfachte Abstandsbestimmung Blatt 15.1
INGENIEURE für die Konzentration und Deposition von
Luftbeimengungen
Emission von NOX, SO2 und NH3
Entwurf
aus bodennahen Quellen

Environmental meteorology – Simplified deter- Einsprüche bis 2018-10-31


mination of the separation distances for concen- • vorzugsweise über das VDI-Richtlinien-Einspruchsportal
tration and deposition of air pollution – Ground http://www.vdi.de/einspruchsportal
level source emission of NOX, SO2, and NH3
• in Papierform an
VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft
Fachbereich Umweltmeteorologie
Zu beziehen durch Beuth Verlag GmbH, 10772 Berlin – Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf 2018

Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf

Vervielfältigung – auch für innerbetriebliche Zwecke – nicht gestattet


Inhalt Seite
Vorbemerkung ................................................................................................ 2
Einleitung ........................................................................................................ 2
1 Anwendungsbereich................................................................................ 2
2 Begriffe ..................................................................................................... 3
3 Formelzeichen.......................................................................................... 3
4 Verfahren .................................................................................................. 4
4.1 Grundlagen........................................................................................ 4
4.2 Umsetzung ........................................................................................ 4
4.3 Mindestabstände ............................................................................... 5
4.4 Summationsregeln ............................................................................ 6
Schrifttum ....................................................................................................... 7

VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss


Fachbereich Umweltmeteorologie

VDI/DIN-Handbuch Reinhaltung der Luft, Band 1b: Umweltmeteorologie


–2– VDI 3783 Blatt 15.1 Entwurf Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018

Vorbemerkung daher einen Mindestabstand, ab dem ein vorgegebe-


Der Inhalt dieser Richtlinie ist entstanden unter Be- ner Wert der Konzentration oder der Deposition un-
achtung der Vorgaben und Empfehlungen der terschritten wird.
Richtlinie VDI 1000. In der vorliegenden Richtlinie VDI 3783 Blatt 15.1
Alle Rechte, insbesondere die des Nachdrucks, der werden Methoden zur Bestimmung von Mindestab-
Fotokopie, der elektronischen Verwendung und der ständen für Quellen mit einer Bauhöhe von bis zu
Übersetzung, jeweils auszugsweise oder vollstän- 20 m beschrieben, die die Luftbeimengungen NOX,
dig, sind vorbehalten. SO2 und NH3 ableiten. In folgenden Blättern werden
Methoden für Linienquellen und für Quellen mit
Die Nutzung dieser Richtlinie ist unter Wahrung des
Bauhöhen, die größer als 20 m sind, behandelt.
Urheberrechts und unter Beachtung der Lizenzbe-
dingungen (www.vdi.de/richtlinien), die in den Bei den Abständen nach dieser Richtlinie handelt es
VDI-Merkblättern geregelt sind, möglich. sich um standortunabhängige Abstände zur Ein-
schätzung der Relevanz einer Emissionsquelle in
An der Erarbeitung dieser Richtlinie waren beteiligt:
Bezug auf das Langzeitmittel (üblicherweise Jah-
Friedrich Arends, Oldenburg resmittel) der Konzentration und Deposition. Ein-
Max Bangert, Ludwigshafen gangsgröße zur Berechnung des Mindestabstands
Dirk Bernotat, Leipzig ist lediglich die Emissionsrate der Luftbeimengung
für die Quelle. In dieser Richtlinie werden außer-
Dieter Geller, Dormagen
dem Methoden zur Bestimmung des Mindestab-
Markus Geupel, Dessau-Roßlau stands für Kombinationen aus mehreren Quellen
Uwe Hartmann, Mönchengladbach und verschiedenen Luftbeimengungen aufgezeigt
Markus Hasel, Gerlingen und das Verfahren auf Säureäquivalente erweitert.
Ulf Janicke, Überlingen
1 Anwendungsbereich
Thomas Krämerkämper, Castrop-Rauxel
Mit dem hier beschriebenen vereinfachten Verfah-
Helmut Lorentz, Radebeul ren wird der Mindestabstand zu einer oder mehreren
Anna Mahlau, Freiburg Emissionsquellen bestimmt, ab dem ein vorgegebe-
Wolfgang J. Müller, Laatzen ner Konzentrations- oder Depositionswert (hier als
Schwellenwert bezeichnet) im Jahresmittel nicht
Katja Pöllmann, Frankfurt
mehr überschritten wird. Das Verfahren beruht auf
Winfried Straub, Essen Ergebnissen detaillierter Ausbreitungsrechnungen
Frank Söllenböhmer, Essen unter Berücksichtigung der Deposition für die
Allen, die ehrenamtlich an der Erarbeitung dieser Stoffe NOX, NH3 und SO2.
Richtlinie mitgewirkt haben, sei gedankt. Bei dem Verfahren handelt es sich um eine Scree-
Eine Liste der aktuell verfügbaren Blätter dieser ning-Methode für die Einschätzung der Relevanz ei-
Richtlinienreihe ist im Internet abrufbar unter ner Emissionsquelle. Die Randbedingungen der zur
www.vdi.de/3783. Festlegung der Abstände durchgeführten Ausbrei-
tungsrechnungen wurden derart gewählt, dass der
Einleitung ermittelte Mindestabstand in Hauptwindrichtung in
Die Richtlinie VDI 3783 Blatt 15 mit ihren Teil- der Regel den tatsächlich erforderlichen Abstand
blättern beschreibt vereinfachte Methoden zur Ab- überschätzt (konservative Abschätzung des Ab-
standsbestimmung auf Basis der Berechnung von stands). Dies gilt umso mehr für die Orte, die außer-
Konzentrations- und Depositionswerten von Luft- halb der Hauptwindrichtung liegen. Somit führt eine
beimengungen aus Emissionsquellen mit unter- detaillierte Ausbreitungsrechnung in der Regel zu
schiedlichen Austrittsbedingungen. Die Konzentra- kleineren Abständen.
tion und Deposition der Luftbeimengungen NOX Die dem Verfahren zugrunde liegenden Ausbrei-
(Stickstoffoxide), SO2 (Schwefeldioxid) und NH3 tungsrechnungen wurden für bodennahe Quellen
(Ammoniak) sind in vielen Fragestellungen von Be- mit Bauhöhen bis 20 m, für Rauigkeitslängen zwi-
deutung, z. B. im Zusammenhang mit der Eutrophie- schen 0,1 m und 0,5 m, Quellabstände bis etwa
rung und Versauerung von Ökosystemen (siehe z. B. 10 km und für unterschiedliche, zum Teil auch to-
[1; 2]). Ab einer gewissen Entfernung von der Emis- pografisch geprägte meteorologische Datensätze
sionsquelle nehmen die bodennahe Konzentration durchgeführt. Dabei wurden Annahmen getroffen,
und die Deposition der durch die Emissionsquelle die eher zu höheren Konzentrations- oder Depositi-
verursachten Luftbeimengungen stetig ab. Es gibt onswerten und damit zu größeren Mindestabständen
Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018 Entwurf VDI 3783 Blatt 15.1 –3–

führten (siehe Abschnitt 4). Für Bauhöhen über Mindestabstand


20 m und Rauigkeitslängen größer als 0,5 m liefert Abstand von der Quelle, ab dem ein vorgegebener
das Verfahren in aller Regel zu große Mindestab- →Schwellenwert nicht überschritten wird (horizon-
stände. Für Quellabstände größer als etwa 10 km tal, unabhängig von der Richtung, bei mehreren
werden die Aussagen des Verfahrens zunehmend Quellen vom äußersten Rand)
unsicher.
Rauigkeitslänge
Lokale Besonderheiten wie extreme topografische Maß für die Bodenrauigkeit des Geländes [VDI 3783
Einflüsse oder Meteorologien sind in dem Verfah- Blatt 13]
ren nicht berücksichtigt und müssen gegebenenfalls Anmerkung: Die Rauigkeitslänge beträgt etwa 3 % bis 15 %
gesondert geprüft werden. der tatsächlichen Höhe der Bodenunebenheiten. [in Anlehnung
Das Verfahren kann beispielsweise zur Prüfung der an VDI 3783 Blatt 13]
Einhaltung von Irrelevanzwerten nach TA Luft so- Schwellenwert
wie weiterer Bagatellwerte, Abschneidekriterien →Konzentration oder Depositionswert, der nicht
oder Ähnlichem genutzt werden. Mithilfe dieser überschritten werden darf
Abstände kann auch die Größe von Beurteilungs-
und Rechengebieten für Ausbreitungsrechnungen Stickstoffoxide (NOX)
im Rahmen der Beurteilung von Einträgen in Ge- Oxidgruppe, die die Stickstoffoxide NO und NO2
biete mit gemeinschaftlicher Bedeutung ermittelt umfasst [in Anlehnung an DIN EN 45510-4-10,
werden. 3.2.2]
Anmerkung: Die NOX-Konzentration wird üblicherweise aus-
gedrückt in vppm oder in mg/m3, gerechnet als NO2. [in Anleh-
2 Begriffe nung an DIN EN 45510-4-10, 3.2.2]
Für die Anwendung dieser Richtlinie gelten die fol-
genden Begriffe: Säureäquivalent (S)
in eq
Ausbreitungsklassenstatistik (AKS) Größe, die 1 Mol einer einwertigen Stickstoffsäure
Häufigkeitsverteilung von verschiedenen Ausbrei- oder ½ Mol einer zweiwertigen Schwefelsäure ent-
tungssituationen [VDI 3782 Blatt 6] spricht
Deposition
Ablagerung eines Spurenstoffs an einer Grenzfläche 3 Formelzeichen
der Atmosphäre, z. B. Erdboden, Gebäudeoberflä- In dieser Richtlinie werden die nachfolgend aufge-
che [VDI 3782 Blatt 5] führten Formelzeichen verwendet:
Anmerkung: Man unterscheidet zwischen trockener Deposi- Formel- Bezeichnung Einheit
tion durch Anhaften, zufällige Berührung oder Sedimentation zeichen
und nasser Deposition infolge von Niederschlag. [VDI 3782
Blatt 5] F empirischer m2(µg/m3)/(Mg/a) oder
Faktor m2 (kg/(ha· a))/(Mg/a)
Depositionsgeschwindigkeit
(Depositionsparameter) j N-Deposition kg N/(ha∙a)
bei mehreren
Proportionalitätsfaktor mit der Dimension einer Ge-
Substanzen
schwindigkeit zwischen der Massenstromdichte
js Schwellenwert µg/m3 oder
und der →Konzentration eines Spurenstoffs in der
kg N/(ha∙a) oder
Nähe einer Oberfläche, an der eine →Deposition eq/(ha∙a)
des Spurenstoffs stattfindet [VDI 3945 Blatt 3]
Q Emissionsrate Mg/a
Emissionsrate Qa Emissionsrate, Mg/a
von einer Quelle freigesetzte Luftbeimengungen bei der im Ab-
pro Zeiteinheit stand ra der
Schwellenwert js
Immission erreicht wird
Luftbeimengungen, die von einem Akzeptor aus der
r Mindestabstand m
Atmosphäre aufgenommen werden
ra Fit-Abstand zur m
Konzentration Bestimmung von
über die charakteristische Lebenszeit turbulenter F
Strukturen gemittelte Masse eines Spurenstoffs je
Einheitsvolumen [VDI 3945 Blatt 3]
–4– VDI 3783 Blatt 15.1 Entwurf Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018

4 Verfahren Depositionswerte mit einem einheitlichen Faktor


Im Folgenden werden die Grundlagen und die Um- vorgenommen werden. Ebenso kann ein beliebiger
setzung eines standortunabhängigen Verfahrens für anderer Schwellenwert betrachtet werden.
die Bestimmung von Mindestabständen erläutert. Auf diese Weise lässt sich für eine gegebene Sub-
Für das Jahresmittel der Konzentration von NH3, der stanz, Emissionshöhe, Rauigkeitslänge und einen
Stickstoffdeposition durch NH3 und NOX sowie der gegebenen meteorologischen Datensatz eine Ab-
Säuredeposition durch SO2 werden Mindestabstände standskurve ermitteln, die angibt, ab welchem Ab-
angegeben, ab denen für eine vorgegebene Jahres- stand für eine vorgegebene Emissionsrate ein vor-
emission mit einer Überschreitung eines vorgegebe- gegebener Schwellenwert nicht überschritten wird.
nen Schwellenwerts nicht zu rechnen ist. Die Erwei- Da die Meteorologie standortabhängig ist, ist auch
terung auf mehrere Emittenten und die gleichzeitige die so ermittelte Abstandskurve standortabhängig.
Freisetzung mehrerer Stoffe werden erläutert. Für eine deutschlandweite Festlegung von Mindest-
4.1 Grundlagen abständen wurde mittels Ausbreitungsberechnung
Es wird das Langzeitmittel (in der Regel Jahresmit- eine Schar von Abstandskurven erzeugt und eine ge-
tel) der bodennahen Konzentration und der Deposi- eignete ausgewählt. Die zugrunde liegenden Aus-
tion (Summe aus trockener und nasser Deposition) breitungsrechnungen wurden für eine Vielzahl cha-
betrachtet, das von einem bodennahen, lokalen rakteristischer, über Deutschland verteilter meteoro-
Emittenten verursacht wird. Das Gelände wird als logischer Datensätze durchgeführt. Die Vielfalt der
eben angenommen und durch eine einheitliche, Standortgegebenheiten wurde zusätzlich durch eine
mittlere Rauigkeitslänge charakterisiert. Die Höhe Bandbreite von Rauigkeitslängen berücksichtigt.
der Immission, das heißt der Konzentration oder der Die Abstandskurve lässt sich in guter Näherung
Deposition, ist proportional zu der als zeitlich kon- durch eine einfache analytische Formel wiederge-
stant angenommenen Emissionsrate. Diese Propor- ben, sodass in der Anwendungspraxis der Mindest-
tionalität gilt streng, vorausgesetzt dass nicht lineare abstand nicht aus einem Abstandsdiagramm ausge-
atmosphärische Umwandlungsprozesse vernachläs- lesen werden muss, sondern unmittelbar anhand der
sigbar sind, was im Rahmen dieser Richtlinie der Formel berechnet werden kann.
Fall ist. Die räumliche Verteilung der Konzentra- 4.2 Umsetzung
tions- und Depositionswerte hängt von der Meteo-
Die im Folgenden beschriebene Umsetzung ist aus-
rologie ab, beispielsweise von der Häufigkeitsver-
führlich in [3] erläutert. Sie basiert auf demselben
teilung der Windrichtungen, und ist im Allgemeinen
Verfahren, das auch schon in der TA Luft zur Fest-
anisotrop. Die Depositionswerte hängen zudem von
legung der Abstandskurve für Ammoniak verwen-
den Depositionseigenschaften der betrachteten Sub-
det wurde (siehe [4]).
stanz ab, hier charakterisiert durch Depositionsge-
schwindigkeit und Auswaschrate (siehe VDI 3782 Es wurden zwei bodennahe, passive Emittenten be-
Blatt 5). trachtet, einmal emittierend über ein Vertikalinter-
vall von 0 m bis 5 m über Grund und einmal über
Mithilfe einer Ausbreitungsrechnung kann für eine
ein Vertikalintervall von 0 m bis 20 m über Grund.
vorgegebene, standortspezifische Meteorologie
Mit der vertikalen Aufweitung werden auf einfache
(Zeitreihe oder Statistik von Windgeschwindigkeit,
Weise mögliche Einflüsse von Gebäuden, die sich
Windrichtung, Schichtungsstabilität und Nieder-
in der Nähe des Emittenten befinden, auf das Aus-
schlag; siehe VDI 3783 Blatt 21) die räumliche
breitungsverhalten vorweggenommen. Für Quell-
Verteilung der Konzentration und Deposition in der
höhen von 5 m bzw. 20 m ist diese Vertikalaufwei-
Umgebung des Emittenten bestimmt werden. Das
tung bis zum Boden ein in aller Regel konservativer
räumliche Konzentrations- und Depositionsmaxi-
Ansatz in Bezug auf die ermittelten Konzentrations-
mum befindet sich in der Nähe des bodennahen
und Depositionswerte.
Emittenten und fällt dann stetig mit zunehmendem
Abstand vom Emittenten ab. Aus dieser räumlichen Als Rauigkeitslängen wurden die Werte 0,1 m und
Verteilung kann der Mindestabstand ermittelt wer- 0,5 m als typisch für die Umgebung bodennaher
den, ab dem ein vorgegebener Schwellenwert für Quellen betrachtet. Für die Meteorologie wurden
die betrachtete Substanz in keiner Raumrichtung 23 Ausbreitungsklassenstatistiken für charakteristi-
überschritten wird. Da die Konzentrations- und De- sche Standorte in ganz Deutschland herangezogen,
positionswerte proportional zur Emission sind, kann die um Niederschlag erweitert wurden, mit einer
diese Bestimmung ohne neue Ausbreitungsrech- Niederschlagsintensität von 1 mm/h in Situationen
nung für beliebige andere Emissionsraten durch mit indifferenter Schichtung und einem im Schnitt
Skalierung der berechneten Konzentrations- und angesetzten Gesamtniederschlag von 800 mm im
Jahr.
Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018 Entwurf VDI 3783 Blatt 15.1 –5–

Es wurden folgende vier Kenngrößen betrachtet: betrachteten Emissionsbereich hinreichend genau


• bodennahe Konzentration von Ammoniak (NH3) wieder. Andere Schwellenwerte und Fit-Abstände
führen zu anderen Werten von F . Tests haben ge-
• Deposition von Stickstoff (N) durch die Deposi-
zeigt, dass die daraus resultierenden Änderungen des
tion von NH3
Mindestabstands in einem weiten Parameterbereich
• Deposition von Stickstoff durch die Deposition kleiner als 10 % sind, sodass die hier gewählten
von Stickstoffoxiden (NOX) Werte eine unkritische Konvention darstellen.
• Deposition von Schwefel (S) durch die Deposi- Aus der so bestimmten Schar von jeweils 23 analy-
tion von Schwefeldioxid (SO2) tischen Abstandskurven wurde die vierthöchste
Die in der Ausbreitungsrechnung verwendeten De- Kurve ausgewählt. Diese Wahl war auch schon bei
positionsparameter der Trägersubstanzen wurden der Festlegung der Abstandskurve von NH3 in der
nach Richtlinie VDI 3782 Blatt 5 festgelegt. Für TA Luft getroffen worden. Mit ihr wird verhindert,
NOX wurde zur Bestimmung der Depositionsge- dass ein in Bezug auf die meteorologische Situation
schwindigkeit ein NO2-Anteil von 60 % angenom- allzu extremer Standort als Maßstab für ganz
men. Die Ausbreitungsrechnungen wurden mit ei- Deutschland dient.
nem Partikelmodell nach Richtlinie VDI 3945 Auf diese Weise ergaben sich für jede der vier Kenn-
Blatt 3 und dem Grenzschichtmodell nach Richtli- größen vier analytische Abstandskurven der Form
nie VDI 3783 Blatt 8 durchgeführt. nach Gleichung (1) mit jeweils eigenem Wert F .
Für jede der vier Kenngrößen, jeden der zwei Emit- Aus diesen vier Kurven wurde die mit dem größten
tenten und jede der zwei Rauigkeitslängen wurde je- Wert F (größter Abstand für eine gegebene Emis-
weils für alle 23 meteorologischen Datensätze sionsrate) ausgewählt, womit eine konservative Be-
durch Ausbreitungsrechnung die Konzentrations- trachtungsweise unabhängig von der konkreten
und Depositionsverteilung ermittelt. Aus dem Er- Quellhöhe und Rauigkeitslänge sichergestellt ist.
gebnis der einzelnen Ausbreitungsrechnungen Das Ergebnis ist eine
wurde durch numerische Auswertung und Umska-
• standortunabhängige,
lierung die jeweilige Abstandskurve ermittelt, das
heißt der Mindestabstand r in Abhängigkeit von der • für jeden bodennahen Emittenten einsetzbare,
Emissionsrate Q und einem vorgegebenen Schwel- • in der Regel konservative,
lenwert js. Tests haben gezeigt, dass jede so ermit- • einfache analytische
telte Abstandskurve näherungsweise durch die Glei-
chung Abstandsformel für jede der betrachteten vier Kenn-
größen.
F 4.3 Mindestabstände
r= Q (1)
js Auf Grundlage der in Abschnitt 4.2 beschriebenen
mit dem empirischen Faktor F wiedergegeben Vorgehensweise werden für Quellhöhen ≤ 20 m die
wird. Der Faktor wurde aus der daraus folgenden Mindestabstände r, mit denen bei vorgegebener
Beziehung bestimmt: konstanter Emissionsrate Q ein vorgegebener
Schwellenwert js im Jahresmittel nicht überschritten
j wird, wie folgt festgelegt (Gleichung (1)):
F = ra2 s (2)
Qa
F
Dabei ist Qa die Emissionsrate, bei der ein vorgege- r= Q
bener Mindestabstand ra bei vorgegebenem Schwel- js
lenwert js gerade eingehalten wird. Diese Rate Der Mindestabstand für die NH3-Konzentration
wurde von der numerisch bestimmten Abstands- ergibt sich mit folgenden Eingangsgrößen:
kurve abgelesen und daraus dann F nach Glei- F 120 000 m2(µg/m3)/(Mg/a)
chung (2) ermittelt.
Q NH3-Emissionsrate Mg/a
Der Wert F wurde für sämtliche Abstandskurven
js Schwellenwert in µg/m3
bestimmt, wobei als Schwellenwert für die Kon-
zentration 3 µg/m3 NH3 und als Schwellenwerte für Beispiel
die Deposition 0,3 kg N/(ha·a) und 0,3 kg S/(ha·a) Mit Q = 15,0 Mg/a und js = 1,0 µg/m3 ergibt sich:
gewählt wurden. Der Fit-Abstand ra wurde für die r = 1342 m.
Konzentration auf ra = 500 m und für die Deposition Mit Q = 15,0 Mg/a und js = 0,1 µg/m3 ergibt sich:
auf ra = 3000 m gesetzt; mit diesen Werten geben die r = 4243 m.
analytischen Formeln die Abstandskurven über den
–6– VDI 3783 Blatt 15.1 Entwurf Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018

Der Mindestabstand für die N-Deposition durch die und die Bedingung j(r) < js liefert den Mindestab-
Deposition von NH3 ergibt sich mit folgenden Ein- stand
gangsgrößen:
1 
F 345 000 m2(kg/(ha·a))/(Mg/a) = r
js
(
FN,NH3 QN, NH3 + FN,NOx QN,NOx (4) )
Q N-Emissionsrate in Mg/a (gleich 14/17 der
Emissionsrate von NH3) Beispiel
js Schwellenwert in kg/(ha·a) Für die gleichzeitige Emission von NH3 und NOX zu je
10,0 Mg/a ergeben sich die N-Emissionsraten zu
Beispiel QN, NH3 = 8,2 Mg/a und QN, NOx = 3,0 Mg/a.
Mit Q = 8,2 Mg/a (entspricht 10,0 Mg/a NH3) und
js = 0,3 kg/(ha· a) ergibt sich: r = 3071 m. Mit den oben festgelegten Werten
FN, NH3 = 345 000 m2(kg/(ha· a))/(Mg/a) und
Der Mindestabstand für die N-Deposition durch die
Deposition von NOX ergibt sich mit folgenden Ein- FN, NOx = 175 000 m2(kg/(ha· a))/(Mg/a) ergibt sich für
gangsgrößen: den Schwellenwert js = 0,1 kg/(ha· a) der Mindestab-
F 175 000 m2(kg/(ha·a))/(Mg/a) stand r = 5791 m.
Q N-Emissionsrate in Mg/a (gleich 14/46 der 4.4.3 Säureäquivalent
Emissionsrate von NOX, angegeben als NO2) Die Bestimmung des Säureeintrags wird anhand des
js Schwellenwert in kg/(ha·a) Säureaquivalents vorgenommen. Wenn beim Boden-
Beispiel eintrag von SO2, NOX und NH3 angenommen wird,
dass diese Komponenten zu Schwefelsäure (H2SO4)
Mit Q = 4,6 Mg/a (entspricht 15,0 Mg/a NOX, als NO2)
und js = 0,05 kg/(ha· a) ergibt sich: r = 4012 m.
und Salpetersäure (HNO3) oxidiert werden und ein
Salpetersäuremolekül ein H+-Ion und ein Schwefel-
Der Mindestabstand für die S-Deposition durch die säuremolekül zwei H+-Ionen bereitstellen, dann ent-
Deposition von SO2 ergibt sich mit folgenden Ein- spricht das Säureäquivalent S der Molanzahl der
gangsgrößen: H+-Ionen [1]. Ein Säureäquivalent S = 1 eq ent-
F 325 000 m2(kg/(ha·a))/(Mg/a) spricht damit 14 g Nitrat- oder Ammoniumstick-
Q S-Emissionsrate in Mg/a (gleich 32/64 der stoff oder 16 g Sulfatschwefel.
Emissionsrate von SO2) Analog zur Herleitung des Mindestabstands in Ab-
js Schwellenwert in kg/(ha·a) schnitt 4.4.2 ergibt sich für einen vorgegebenen
Schwellenwert js des Säureeintrags (in eq/(ha·a))
Beispiel und gegebene Raten der N-Emission durch NH3 und
Mit Q = 5,0 Mg/a (entspricht 10,0 Mg/a SO2) und NOX und der S-Emission durch SO2 (jeweils in
js = 0,05 kg/(ha· a) ergibt sich: r = 5701 m. Mg/a) der Mindestabstand zu
4.4 Summationsregeln
   1000 eq  
4.4.1 Mehrere Emittenten (
 FN,NH3 QN, NH3 + FN,NOx QN,NOx  ) 
1  14 kg   (5)
Werden mehrere bodennahe Emittenten als eine r=
js    
Einheit betrachtet, dann ist die Emissionsrate durch  + FS,SO QS,SO  1000 eq  
Summierung über alle Emittenten zu bilden, das   16 kg  
2 2

heißt die Jahresemissionen sind zu addieren und als


konstante Emissionsrate in Mg/a anzugeben. Der Beispiel
damit berechnete Mindestabstand ist vom äußeren Für die gleichzeitige Emission von NH3, NOX und SO2
Rand der Emittentengruppe aus zu rechnen. zu je 10,0 Mg/a ergeben sich die N-Emissionsraten zu
QN, NH3 = 8,2 Mg/a und QN, NOx = 3,0 Mg/a und die
4.4.2 Mehrere Substanzen
S-Emissionsrate zu QS, SO2 = 5,0 Mg/a. Mit den oben
Wird die N-Deposition aufgrund der Freisetzung von
festgelegten Werten
NH3 mit der N-Emissionsrate QN, NH3 und der gleich-
FN, NH3 = 345 000 m2(kg/(ha· a))/(Mg/a),
zeitigen Freisetzung von NOX mit der N-Emissions-
FN, NOx = 175 000 m2(kg/(ha· a))/(Mg/a) und
rate QN, NOx betrachtet, dann hat sie im Abstand r
den Wert FS, SO2 = 325 000 m2(kg/(ha· a))/(Mg/a) ergibt sich für
1  den Schwellenwert js = 100 eq/(ha· a) der Mindestab-
=j (r )
r2
(FN,NH3 QN, NH3 + FN,NOx QN,NOx ) (3) stand r = 1847 m.
Alle Rechte vorbehalten © Verein Deutscher Ingenieure e. V., Düsseldorf 2018 Entwurf VDI 3783 Blatt 15.1 –7–

Schrifttum VDI 3783 Blatt 21:2017-03 Umweltmeteorologie; Qualitätssi-


cherung meteorologischer Daten für die Ausbreitungsrechnung
Gesetze, Verordnungen, Verwaltungsvorschriften nach TA Luft und GIRL (Environmental meteorology; Quality
Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissi- assurance of meteorological data for dispersion calculation ac-
onsschutzgesetz (Technische Anleitung zur Reinhaltung der cording to TA Luft and GIRL). Berlin: Beuth Verlag
Luft – TA Luft) vom 24.07.2002 (GMBl, 2002, Nr. 25–29 VDI 3945 Blatt 3:2000-09 Umweltmeteorologie; Atmosphäri-
S. 511–605) sche Ausbreitungsmodelle; Partikelmodell (Environmental me-
teorology; Atmospheric dispersion models; Particle model).
Technische Regeln Berlin: Beuth Verlag
DIN EN 45510-4-10:1999-12 Leitfaden für die Beschaffung
von Ausrüstungen für Kraftwerke; Teil 4-10: Nebenanlagen; Literatur
Rauchgas-NOX-Minderungsanlage (DeNOX); Deutsche Fas- [1] Brünger, H.; Hartmann, U.; Heesen, R.; Hasel, M.; Heb-
sung EN 45510-4-10:1999 (Guide for procurement of power binghaus, H.; Janicke, U.; Lorentz, H.; Straub, W.: Prü-
station equipment; Part 4-10: Boiler auxiliaries; Flue gas de- fung der FFH-Verträglichkeit – Ermittlung der Deposi-
nitrification (De-NOX) plant; German version EN 45510-4- tion mithilfe von Ausbreitungsrechnungen. VDI-Sach-
10:1999). Berlin: Beuth Verlag standbericht. Düsseldorf, 2014
VDI 1000:2017-02 VDI-Richtlinienarbeit; Grundsätze und An- [2] Schaap, M.; Wichink Kruit, R. J.; Hendriks, C.; Kranen-
leitungen (VDI Standardisation Work; Principles and proce- burg, R.; Segers, A.; Builtjes, P.; Banzhaf, S.: Modelling
dures). Berlin: Beuth Verlag and assessment of acidifying and eutrophying atmos-
VDI 3782 Blatt 5:2006-04 Umweltmeteorologie; Atmosphäri- pheric deposition to terrestrial ecosystems (PINETI-2):
sche Ausbreitungsmodelle; Depositionsparameter (Environ- Part I: Atmospheric deposition to German natural and
mental meteorology; Atmospheric dispersion models; Deposi- semi-natural ecosystems during 2009, 2010 and 2011.
tion parameters). Berlin: Beuth Verlag UBA-Texte 62/2017. Abschlussbericht zum BMUB/
UBA UFOPLAN-Projekt 3712 63 240 – 1. Umweltbun-
VDI 3782 Blatt 6:2017-04 Umweltmeteorologie; Atmosphäri-
desamt. Dessau-Roßlau, 2017
sche Ausbreitungsmodelle; Bestimmung der Ausbreitungsklas-
sen nach Klug/Manier (Environmental meteorology; Atmo- [3] Janicke, U.; Janicke, L.; Bächlin, W.; Flassak, T.; Theu-
spheric dispersion models; Determination of Klug/Manier dis- rer, W.; Trukenmüller, A.: Weiterentwicklung ausgewähl-
persion categories). Berlin: Beuth Verlag ter methodischer Grundlagen der Schornsteinhöhenbe-
stimmung und der Ausbreitungsrechnung nach TA Luft.
VDI 3783 Blatt 8:2017-04 Umweltmeteorologie; Messwertge-
Berichte zur Umweltphysik Nummer 9, Auflage 1 (2017),
stützte Turbulenzparametrisierung für Ausbreitungsmodelle
Ingenieurbüro Janicke, ISSN 1439-8222
(Environmental meteorology; Turbulence parameters for dis-
persion models supported by measurement data). Berlin: Beuth [4] Janicke, L.; Janicke, U.: Entwicklung eines modellge-
Verlag stützten Beurteilungssystems für den anlagenbezogenen
Immissionsschutz. Forschungskennzahl 200 43 256, im
VDI 3783 Blatt 13:2010-01 Umweltmeteorologie; Qualitätssi-
Auftrag des Umweltbundesamtes (2003)
cherung in der Immissionsprognose; Anlagenbezogener Immis-
sionsschutz; Ausbreitungsrechnung gemäß TA Luft (Environ-
mental meteorology; Quality control concerning air quality fo-
recast; Plant-related pollution control; Dispersion calculation
according to TA Luft). Berlin: Beuth Verlag