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Symposion ERNST TUGENDHAT

PHILOSOPHISCHE SCHRIFTENREIHE

BEGRÜNDET VON MAX


MÜLLER, BERNHARD WELTE, ERIK WOLF ΤΙ ΚΑΤΑ TINOΣ
HERAUSGEGEBEN VON
ROBERT SPAEMANN,
KLAUS HEMMERLE, ALEXANDER HOLLERBACH EINE UNTERSUCHUNG
ZU STRUKTUR UND URSPRUNG
ARISTOTELISCHER GRUNDBEGRIFFE

VERLAG KARL ALBER FREIBURG/MÜNCHEN


Die vorliegende Arbeit wurde im Sommer 1956 unter dem Titel
„Die Zwiefältigkeit des Seins bei Aristoteles" von der Philosophischen Fakultät
der Universität Freiburg i. Br. als Dissertation angenommen.
Meinen akademischen Lehrern danke ich für Belehrung und Anregung.
insbesondere Professor Karl Ulmer, unter dessen steter Forderung die Untersuchung
entstanden ist.
DEM ANDENKEN
Ε. Τ.
MEINES VATERS

FRITZ TUGENDHAT

CIP-Titelaufnähme der Deutschen Bibliothek


Tugendhat, Ernst::
Ti kata tinos: e. Unters, iu Struktur g, Ursprung
arisrotel. Grundbegriffe / Ernst Tugendhat, -4.,
unveränd. Aufl. - Freiburg (Breisgau); München:
Alber, 19S8
(Symposion; 2)
Zugl.: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 1956
u. d. T.: Tugendhat, Ernst: Die Zwiefäkigkeit
des Seins bei Aristoteles
ISBN 3-495-44031-3
NE:GT

4., unveränderte Auflage 1988

SYMPOSION 2
Alle Rechte vorbehalten - Printed in Germany
ι Verlag Karl Alber GmbH Freiburg/München 1958/1988
Druck: Offsetdruckerei j. Krause, Freiburg i. Br.
ISBN 3-495-44031-3
INHALT i

I. Einleitung: Der Ursprung des τί κατά τινός als einer Zwiefältig


keit des Seins aus der ontologischen Frage nach der Einheit des
Mannigfaltigen ....................................................................................... 1
5 1. Wahrheit und Präsenz als ausschließlicher Sinn des Seins bei
Platon............................................................................................... 6
5 2. Aristoteles' Frage über die Präsenz hinaus nach dem An
wesen des Vorliegenden selbst; seine vorgängige Bestim
mung der Präsenz als solcher (τό τί ἧν ε ναι) ............................... 13
§ 3. Die Zwiefältigkeit des Seins; die Kategorie als Präsenz des
Vorliegenden ................................................................................... 2Ü
§ 4. Die Entdeckung einer Kategorie des Selbständigen (τόδε τι)
und die Unterscheidung der Kategorien in oberste Gattungen 23
5 5. Der neue Begriff der ουσία und die Stellung der Zwiefältigkeit
innerhalb der ausdrücklichen Frage nach dem Sein; Gliede
rung der Untersuchung.................................................................... 29

II. Die Zwiefältigkeit zwischen den übrigen Kategorien und der ουσία 37
§ 6. Das Verhältnis der übrigen Kategorien zur ουσία in der Kate
gorienschrift .................................................................................... 38
§ 7. Das Verhältnis der übrigen Kategorien zur ουσία in Metaph. Z1 44
§ 8. Die Einheit der mannigfaltig vorliegenden Präsenzen (das
συμβεβηκός) . ." ........................................................................... 49
§ 9. Das Problem einer notwendigen Einheit der vorliegenden
Präsenzen (das συμβεβηκός καθ' αυτό) ........................................... 55

ΠΙ. Die Zwiefältigkeit innerhalb der ουσία (Metaph. Z).................................... 67


§ 10. Die Einführung der Frage nach einet eigentlichen ουσία inner
halb des Vorliegenden in Metaph. Z3-6 .......................................... 69
§ II. Das selbständig Vorliegende als Zwiefältiges; die Ursprüng
lichkeit der einfachen Präsenz gegenüber dem Zusammen
gesetzten ......................... ........................................................ 72
5 12. Die einfache Präsenz als πρώτη ουσία; Erweis ihrer Selb
ständigkeit ........................................................................................ 81
§ 13. Die Zwiefältigkeit der ουσία als ενέργεια (εντελέχεια) eines
δυνάμει όν; die Einheit und Anwesenheit des mannigfaltig
Vorliegenden . .............................................................................. 88
§ 14. Die Wesensbestimmung des Allgemeinen und die Einbezie
hung der ύλη in die Definition ........................................................ 102
§ 15. Das Problem der Mannigfaltigkeit der einfachen Präsenz als
solcher und die Wesensbestimmung der Gattung als δύναμις 115

VII
IV. Das Vermittelnde der Zwiefältigkeit als Grund........................................... 121 VERZEICHNIS DER ZITIERTEN LITERATUR
§ 16. Die Lösung des Problems der notwendigen Einheit der vorliegenden
Präsenzen durch den Entwurf einer begründenden
Wissenschaft (έπιστήμη άποδεικτική) ...................................., 122
5 Π. Die Einheit von Begründung und Definition (Anal. Post.
Bl-10) ............................................................................................. 134
§ l8. Begründung und Definition bei der ουσία; Grenze der ari
stotelischen Fragestellung und letzte Vorstöße............................... 144
Das Verzeichnis soll keinen Überblick über die Literatur
Stellenregister.................................................................................................... 155 geben, sondern nur die Identifizierung der im Text zitierten Schriften erleichtern. Die
Bezugnahme auf Literatut wurde im Interesse der einheitlichen Gedankenentwick-
lung auf das Nötigste beschränkt. Daher fehlen im Verzeichnis viele hervorragende
Beiträge zur aristotelischen Logik und Metaphysik, während umgekehrt auch weniger
bedeutende angeführt sind, nur weil es in einem bestimmten Zusammenhang sinnvoll
schien, auf sie einzugehen.
Nur mit Verfassernamen zitiert werden die Schriften der im Verzeichnis nur
einmal vertretenen Autoren, ebenso die jeweils an e r s t e r Stelle angeführten
Schriften der übrigen.

Allan, D. j.. The Philosophy of Aristotle. Oxford 1952.


Apelt, O., Die Kategorienlehre des Arisioteles, in: Beiträge zur Geschichte der
Griechischen Philosophie. Leipzig 1891, S. 101-216.
— Platonische Aufsätze. Leipzig und Berlin 1912.
Alpe, C, Das τί ήν εϊναι bei Aristoteles. Hamburg 1938.
Bonitz, H., Über die Kategorien des Aristoteles. Sitzungsber, WienX (1853), S. 591-
645.
— Anstotchs Mctaphysica. Bonn 1848/49.
— Index Aristotelicus (Arist. Opera ed. Acad. Borussica. Vol. V). Berlin 1870. Fried
lande r, P., Platon I. Berlin Μ 954.
Fritz, K. v., Der Ursprang der aristotelischen Kategorienkhre, in: Archiv
für Gesch. der Philos. XL (1931), S. 44ΪΜ96. Gohlkc,P.,Dic Entstehung der
aristotelischen Prinzip ienlehrc. Tübingen 1954.
— Aristoteles: Kategorien und Hermeneutik. Paderborn 1951.
Heidegger, M., Sein und Zeit. Halle 1927.
— Platons Lehre von der Wahrheit. Bern 1947.
— Holzwege. Frankfurt a. M. 1950.
— Vorträge und Aufsätze. Pfnllingen 1954.
jaeger, W., Aristoteles; Grundlegung einer Geschichte seiner Entwicklung.
Berlin 1923, «1955. Joachim, H. H., Aristotic: On Coming-To-Be and Passing-
Away (De Gene-
ratione ct. Corruptionc). Oxford 1922. Kant, L, Kritik der
reinen Vernunft. 2. Aufl. („B") 1787.
— Kritik der Urteilskraft. 1790.
Kapp, E., Greek Fonndations of Traditional Logic. New York 1942. Maier, !
L, Die Syllogistik des Aristoteles. Tubingen 1896/1900.

IX
Minio-Paluello, L., Aristotelis Categoriae et Liber de Interpretatione. Oxford 1949. /. Einleitung \
Natorp, P., Platons Ideenlehre. Leipzig 1903.
Owens, J., The Doctrine of Being in the Aristotelian Metaphysics. Toronto 1951.
Preiswerk, Α., Das Einzelne bei Platon und Aristoteles. Philologus Supplement bartd Der Ursprung des τί κατά τινός als einer Zwiefältigkeit des Seins
XX XII, 1 (1939).
Rijk, L. M. de, The Place of the Categotics o£ Being in Aristotle's Philosophy. aus der ontologischen Frage nach der Einheit des Mannigfaltigen
(Diss.) Uteecht 1952.
Ritter, J., Die Lehre vom Ursprung und Sinn der Theorie bei Aristoteles
(Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nord rhein-Westfalen,
Heft 1, S. 32 ff.). Köln 1952. Ross, W. D., Aristotle's Metaphysics. Oxford
1924. (Zitiert „Metapfi.")
— Aristotle's Prior and Posterior Analytics. Oxford 1949. (Zitiert „Anal.")
— Aristotle's Physics. Oxford 1936. (Zitiert „Phys.") Schwegter, Α.,
Die Metaphysik des Atistoteies. Tübingen 1847.
Smith, J. Α., ΤΟΔΕ ΤΙ in Aristotle, in: Classica! Review XXXV (1921), S. 19. Unvoreingenommenen Lesern der metaphysischen Schriften des Aristoteles fällt
Solmsen, F., Die Entwicklung der aristotelischen Logik und Rhetorik. Berlin 1929. auf, wie wenig in ihnen die ontologischen Grundbegriffe, in deren Rahmen sich die
Teichmülter, C, Geschichte des Begriffs der Parusie (Aristotelische Forschungen einzelnen Probleme und Gedankengänge abspielen, geklärt und motiviert werden.
III). Halle 1873. Die charakteristischen aristotelischen Begriffe, von denen wir doch wissen, daß sie
Trendeknburg, Α., Geschichte der Kategorienlehre. Berlin 1846. teils erst von ihm selbst überhaupt geprägt wurden, jedenfalls aber erst bei ihm ihre
— Das τό ενί ε ναι, το άγαθφ ε ναι, etc. und das τό τί ήν ε ναι bei Aristoteles, bestimmte terminologische Bedeutung erhalten haben — wie ουσία und κατηγορία,
in: Rhein. Mus. Ιί (1828), S. 457-483. τί ήν ε ναι und συμ,βεβηκός, τόδε τι und ενέργεια —, sie alle treten uns von
Ulmer, K., Wahrheit, Kunst und Natur bei Aristoteles. Tübingen 1953. Anfang an als fettige Gebilde entgegen. In ihren Bahnen bewegt sich das Denken
Waitz, Th., Atistotelis Organon. Leipzig 1844. scheinbar so selbstverständlich, als ob sie schon immer dagewesen wären.
Weiss, IL, Kausalität und Zufall in der Philosophie des Aristoteles. Basel 1942. An der Metaphysik des Aristoteles entfaltete sich dann eine Kommentations- und
Wundt, M., Metaphysik des Aristoteles. Stuttgart 1953. Interpretationsüberlieferung, die an Umfang, Kontinuität und wissenschaftlicher
Zeller, E., Die Philosophie der Griechen II, 2. Leipzig =1879. Akribie in der Geschichte philosophischer Traditionen einzig ist. Aber die
aristotelischen Grundbegriffe — etwa Substanz und Akzidens, Akt und Potenz,
Notwendigkeit und Zufälligkeit — blieben nun auch für alle spätere Metaphysik trotz
wesentlicher Verwandlungen der selbstverständliche Boden. Und so war es nur
natürlich, wenn auch Aristoteles selbst bloß mit Hilfe seiner eigenen Begrifflichkeit
interpretiert wurde, die sich mehr und mehr verfestigte. Sie schien jetzt mit der Natur
des Menschen gegeben und keiner weiteren Explikation bedürftig oder auch nur
fähig.
Das konnte jedoch nur gelten, solange die Tradition der Metaphysik unerschüttert
blieb. Als sie nach Hegel abbrach, mußten sich für die Aristotelesinterptetation neue
Möglichkeiten eröffnen. Sie konstituierte sich jetzt als freie
philosophiegeschichtliche Forschung und konnte versuchen, mit den Mitteln der
modernen Philologie und Historie das aristotelische Werk objektivierend zu
rekonstruieren, zunächst systematisch, seit W. Jaeger (1912) auch in seiner
Entwicklungsgeschichte. Die Gelegenheit jedoch, nun die, metaphysischen
Grundbegriffe selbst zu thematisieren und aus ihrer Selbstverständlichkeit
herauszuheben, ist nicht sofort erkannt worden. Über die Nachzeichnung eines
Gedanken-

1 Tugendhat, Τί κατά τινός 1


ganges hinaus in einer metaphysischen Struktur als solcher eine eigene Zum Wesen der Metaphysik gehört der Bezug auf ein Übersinnliches und
Problematik finden zu wollen, mußte der sich in ihrer Befreiung von der Zeitloses als dem eigentlicher. Sein. Demgegenüber ist jetzt, bei Hegel noch
Metaphysik zunächst als positive Wissenschaft verstehenden. Forschung als vom metaphysischen Sein bestimmt und einbehalten, dann diesen Rahmen
Rückfall in Metaphysik erscheinen. Um so weniger konnte es ihr bewußt sprengend, allenthalben die Geschichte auch als thematisches
werden, wie sehr sie den metaphysischen Begriffen und Vorstellungen — philosophisches Problem in den Vordergrund getreten. In einer
nunmehr untergründig — weiterhin verhaftet blieb. grundsätzlichen Durchführung läßt es sich bei Heidegger (1927) fassen: hier
So wurde auch die Entwicklungsgeschichte des Aristoteles nicht so sehr tritt das Geschichtliche nicht an die Stelle des Seins, sondern der Sinn des
in der „Arbeit des Begriffs" gesehen als in dem äußerlichen Schema einer Seins bestimmt sich selbst aus der Zeitlichkeit. Damit wird das Problem der
allmählichen Abwendung vom „Transzendenten" zum „Empirischen". Die Geschichte in eine der Metaphysik gleichgeordnete Dimension gehoben und
neuen metaphysischen Begriffe hatte er dann entweder schon vorher, man eine Ontologie1 (Theorie des Seins) entworfen, die gleichwohl nicht mehr im
weiß nicht woher und wieso, oder sie haben sich ihm bei dieser Umwendung engeren Sinn des Wortes „metaphysisch" genannt werden kann.
von allein ergeben als die selbstverständlichen Denkstrukturen — nun nicht Mit dieser Erweiterung des Gegenstandes der Metaphysik selbst, des
der „Natur des Menschen", sondern des „naiv-realistischen Bewußtseins". Seins, über das metaphysische Sein hinaus war es nun auch möglich ge-
Doch mußte die ent-wicklungsgescliichtliche Forschung aus ihrem worden, das Neue dem Alten nicht nur entgegenzustellen, sondern dieses
eigentümlichen Ansatz heraus unvermeidlich auf das Problem der Genesis selbst aus der erweiterten Dimension im ganzen neu zu bestimmen. Daher
der Grundbegriffe stoßen. Heute setzt sich langsam die Auffassung durch, konnte Heidegger auf Grund seiner noch unveröffentlichten Interpretationen
daß sie zu kon-kreten Resultaten nur kommen kann, wenn die Vorstellung antiker Philosophie und im Hinblick auf den neuen, sich aus der Zeitlichkeit
von den Motiven und Fragestellungen des aristotelischen Philosophierens, bestimmenden Sinn des Seins zu der These kommen, der unausgesprochene
die ihr zugrunde liegt, erst einmal vertieft und das heißt auf die ontologische Sinn des Seins innerhalb der griechischen Ontologie sei als „Anwesenheit"
Ebene gebracht wird, die dem Gegenstand angemessen ist. zu verstehen*. Darin liegt, zunächst grob gesehen, das Doppelte, daß der
Die Notwendigkeit einer Thematisierung der metaphysischen Grund- Sinn des Seins aus seinem Begegnungscharakter für ein Vernehmen (νοεΐν,
begriffe ergibt sich jedoch zugleich und in erster Linie aus der gewandelten λέγειν) verstanden wird und daß das Wesen dieser Begegnung spezifisch als
Lage der Philosophie, die heute nicht mehr glaubt die Metaphysik einfach Gegenwart gemeint ist.
hinter sich lassen zu können. Hat die Philosophie im vorigen Jahrhundert das Die hier anstehende Problematik ist bisher verkannt worden, indem man
Vergangene, da sie sich von ihm zu lösen meinte, der geschichtlichen an dieser Deutung auf der einen Seite als an einer wortmystischen Schrulle
Forschung freigegeben, so ist inzwischen aus dieser historischen vorbeigegangen ist, auf der anderen von ihr aus sich in allerlei Tiefsinn
Wissenschaft innerhalb der Philosophie ein Geschichtsbewußtsein verbohrt hat. So konnte nicht beachtet werden, daß sie sich genau an die
erwachsen, das sie nun ihrerseits an die historische Forschung bindet. Heute Bestimmung hält, die die Metaphysik selbst vom Sein gibt und sie doch
scheint die Tradition, wenn sie abgerissen ist, damit noch nicht überwunden. zugleich so übertrifft, daß damit das metaphysische Sein im ganzen auf einen
Weil sie sich untergründig um so hartnackiger durchhält, stellt sie vor die einzigen einheitlichen Begriff gebracht wird. Die Anwesenheit entspricht
Aufgabe ausdrücklicher Wiederaneignung. nämlich der Intelligibilität, der metaphysischen Bestimmung des
Die geschichtüche Forschung muß sich dann freilich auch ihrerseits eigentlichen, unwandelbaren Seins, umgreift aber zugleich auch das zu jeder
wandeln. Verstehende Wiederaneignung von Vergangenem kann nicht Metaphysik gehörige uneigentliche Sein, die Phänomenalität des Sinnlichen.
gelingen, wenn man das Vorgegebene bloß in abbildender Rekonstruktion Dieses ist gegenüber der beständigen Gegenwart des Intelligiblen ein nur je
wiederholt. Nur indem es zugleich in gewisser Weise überstiegen wird, kann und je Gegenwärtiges und wieder Verschwindendes und wird somit ebenfalls
das in der Tradition Selbstverständliche in ein ausdrückliches Verständnis als eine Weise von Anwesenheit verstanden. Der außerhalb der Metaphysik
gehoben werden. Die in der Überlieferung verfestigten metaphysischen gelegene und gleichwohl ontologische Standort ermöglichte es, das dem
Begriffe und Problemzusammenhänge der aristotelischen Ontologie sind νοητόν und αΐσθητόν Gemeinsame in den Blick zu heben, was innerhalb der
nicht nur wiederherzustellen, sondern müssen verflüssigt und aus den Metaphysik nir-
ursprünglichen und einheitlichen Fragestellungen, denen sie erwachsen sind,
1
neu aufgerollt werden. Das kann nur in dem Maße gelingen als der Abstand Das Wort „ontologisch" — dies sei ein für allemal zur Vermeidung von
zur metaphysischen Tradition neue Perspektiven eröffnet, die gleichwohl in Mißverständnissen betont ■— wird in der Folge einzig in obigem weiten Sinn
die Dimension der Metaphysik zurückreichen. („das Sein [ov] bzw. dessen Erkenntnis [λίγος] betreffend") gebraucht und im-
pliziert weder einen „realistischen Standpunkt" noch einen Gegensatz zum
Logischen,
1
ebensowenig wie das Wort „Sein".
Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, S. 25f.

2 t* 3
gends geschehen ist, weil ihr Wesen darin bestand, innerhalb dieses bloß zu behaupten, sondern auf dem Boden des parmenideischen Seins-
Gegensatzes zu stehen. begriffs selbst, der weiterhin bestimmend blieb, ontologisch zu denken, um
Sollte sich Heideggers These im einzelnen bestätigen, so stünde die so das Seiende, wie es faktisch vorliegt, als Seiendes (Anwesendes)
Forschung offenbar vor ganz neuen Möglichkeiten eines einheitlichen begreifen zu können. Das war nur durchführbar, wenn steh der Sinn von οv
Verständnisses der Problematik und Begrifflichkeit der antiken Onto-logie. und εν umdenken ließ. Sollte sich dies aber innerhalb des par-menideischen
Umgekehrt besteht nun aber auch der Prüfstein für einen philosophischen Seinsbegriffes selbst (der Anwesenheit) vollziehen, dann mußte dieser einen
Grundbegriff in seiner Fähigkeit, die konkrete Einzelproblematik zu gewissen Spielraum seiner möglichen Erweiterung in sich enthalten,
erschließen. Hat die „Anwesenheit" dem griechischen Philosophieren bloß andererseits der Bewältigung des Problems von εv και πολλά durch ihn eine
als Fundament zugrunde gelegen, so daß sie auf seine einzelnen Grenze gesetzt sein.
Fragestellungen und Begrifflichkeiten nur gleichmäßig abfärbte, dann bleibt Diese Grenze, die durch den der Anwesenheit ursprünglich zugehörigen
es jedem überlassen, sie hinzuzudenken oder wieder wegzudenken. Begriff der Wahrheit (άλήθεια) vorgezeichnet ist und letztlich darin gründet,
Zwingend würde sie erst, wenn sich zeigen ließe, daß sie selbst die einzelnen daß die Anwesenheit in der griechischen Metaphysik wohl modifiziert, aber
Schritte des Fragens und Denkens in Bewegung gesetzt und auseinander nicht als Sinn des Seins aufgegeben werden konnte, zeigt sich erst bei
hervorgetrieben hat. In ihnen müßte sie sich dann aber auch gewandelt Aristoteles, und zwar dadurch, daß er sie überschreitet und damit über sie
haben. hinausweist, gleichzeitig aber in ihren Bannkreis zurückgesogen wird. Es ist
So käme es also auf einen Versuch an, diesen Begriff zum Leitfaden der zwar Platon, in dessen Spätdialogen das Problem von εv και πολλά
geforderten Verflüssigung antiker metaphysischer Begrifflichkeit zu machen ausdrücklich als solches thematisch ist. Aber das Fehlen des Problemtitels
und damit zugleich nach seinen eigenen Modifikationen zu fragen, in denen bei Aristoteles ist nur ein Index der größeren Radikalität, mit der er das
er sich nicht nur neu ausweisen, sondern nun auch näher bestimmen und Problem in Angriff nimmt. Für Platon blieb die in den mittleren Dialogen
konkretisieren müßte. Weil die „Anwesenheit" aber kein eigener vollzogene, wesentlich an Parmenides anknüpfende Festlegung des Sinns
ausdrücklicher Begriff des griechischen Denkens ist, müßte sich ein solcher von ν und εν bestimmend, und so hat er innerhalb gewisser Grenzen eine
Versuch zur methodischen Kontrolle in erster Linie an einem ausdrücklichen ursprüngliche Zusammengehörigkeit von Einheit und Mannigfaltigkeit zwar
Fundamentalproblem der antiken Metaphysik orientieren, das mit dem faktisch aufzeigen, aber nicht ontologisch begründen können. Erst bei
Problem der Anwesenheit verschränkt und ihm in Weite und Aristoteles führt die Frage nach Sein und Einheit des Mannigfaltigen zu
Ursprünglichkeit ebenbürtig ist. neuen ontologischen Begriffen, zu neuen Weisen von έν und ν, die den
Ein solches Fundamentalproblem ist das Problem von Einheit und Bezug zum Mannigfaltigen in ihr eigenes Wesen aufnehmen, so daß die
Mannigfaltigkeit (έν και πολλά). Die griechische Ontologie setzt damit ein, Problemformel εν και πολλά gegenstandslos wird.
daß Parmenides Das Sein als Das Eine denkt, und zwar als das schlechthin Gerade weil das Problem von Einheit und Mannigfaltigkeit bei Aristoteles
Eine, das keine Mannigfaltigkeit und keinen Wechsel mitumgreifen kann, weniger an der Oberfläche in Erscheinung tritt, dafür aber die ontologischen
weil es als Sein alles Nichtsein aus sich ausschließen muß. Dieses Fragen und Begriffe als untergründiger einheitlicher Strom aus sich
ausschließende Wesen des Seins läßt sich einzig durch seinen von hervorgehen und ineinander übergehen läßt, kann es hier in eins mit dem
Parmenides auch ausdrücklich hervorgehobenen Anwesenheitscharakter Problem der Anwesenheit zum Leitfaden einer Verflüssigung dienen. Der
verstehen: im Unterschied zu einem zeitlichen (auf Vergangenes und Versuch einer Verflüssigung bedeutet nicht, daß die festen Grenzen
Zukünftiges bezogenen) Vernehmen ist das Vernehmen, das sich in einer verwischt, sondern daß sie neu, nämlich aus der einheitlichen Linienführung
Gegenwart erfüllt (νυν έστιν όμοϋ παν)a, ohne Bezug auf Abwesendes, und einer ontologischen Fragestellung nachgezeichnet werden sollen.
das ihm gegebene ,,ist" daher frei von allem „ist nicht" und von allem Bezug Das aristotelische Problem von Sein und Einheit des Mannigfaltigen ist
auf Mannigfaltiges. Indem das Eine Sein als schlechthin in seiner hier nicht nach allen seinen Aspekten im Ganzen systematisch darzustellen,
Einfachheit;Erfülltes nicht das Eine von Mannigfaltigem sein kann, rückt es sondern soll auf seinen eigentlichen Kern zusammengezogen werden, der
— somit nicht als dessen „ist" (Sein), sondern selbst als „Das Seiende" — indem Gefüge des τι κατά τινός zu erkennen sein wird. Das τΐ κατά τινός,
diesem gegenüber. Dadurch wurde aber das Mannigfaltige und Wechselnde das in der bisherigen Forschung nur als „logische"4 Struktur behandelt
in der Faktizität seines Vorhandenseins nur um so aufdringlicher, und für worden ist, wird sich als eine Zwiefältigkeit des Seins selbst erweisen, mit
Platon und Aristoteles (in anderer Weise auch für die Atomistik) ergab sich der sich der Sinn des Anwesens so modifiziert, daß das, was ist, nicht mehr
die Aufgabe, ein Eines des Mannigfaltigen und ein Bleibendes des wie für Parmenides Das Eine und nicht mehr wie für Platon ein jeweilig
Wechselnden — nun nicht Eines (Etwas) ist, sondern jeweils ein „Etwas
3
Parmenides VIII, 5 (Diels).

4 5
Etwas". Diese Struktur ist zugleich das Ursprungsfeld der Grund-riffe der die allen Aspekten der ideenlehte zugrunde liegtf. Hier müssen einige wenige
aristotelischen Metaphysik. Die Untersuchung des ontologischen Wesens des τί κατά Hinweise genügen, mit denen nicht die platonische Problematik als solche erhellt
-τινός "η nur; an Hand einer Abhandlung des Aristoteles durchgeführt werden, in werden kann, sondern nur ein Ausgangspunkt £ür das Aristotelesverständnis
der die Frage nach dem Sein (τι το ν;) ausdrücklich gellt und behandelt wird: das gewonnen werden soll'.
geschieht in ausgezeichneter Weise im Buch Ζ der Metaphysik (vgl. 1028b2fh)*. Das Gehen wir von der geläufigen Bedeutung von Wahrheit im Sinn des wahren
Buch Ζ steht aller-Itlgs wie jede aristotelische Abhandlung schon mitten in der Sache, Sagens aus, so ist für Platon der λόγος άληθ-ής (Crat. 385b5) derjenige, der ,,das
und die Begriffe und Problemstellungen sind bereits selbstverständlich ^vorhanden Wahre" aussagt (άληθη λέγειν, b2), und „das Wahre" ist „das Seiende wie es ist" (τα
und mit diesen auch die Zwiefältigkeit des Seins (vgl. ■;5029a23f.). So muß zuvor οντά ώς εατιν b7), das Seiende selbst, während der falsche ?ιάγος es so aussagt, „wie
frei von einem bestimmten Text gezeigt .Werden, wie die Frage nach Sein und es nicht ist" (b8). Da das, was in einer Aussage gemeint ist (ganz gleich, ob sie wahr
Einheit des Mannigfaltigen zu der Zwiefältigkeit des Seins rührt \(§§ 2-3) und wie oder falsch ist), immer schon das Seiende ist und nicht ein immanenter Bewußt-
diese sich gliedert ,(§4). Von daher kann sich dann erst die Einteilung unserer Unter- seinsinhalt, bedeutet die „Wahrheit" eines Ausgesagten also nicht, daß es mit dem
suchung ergeben und sich zugleich bestimmen lassen, was für eine 'Stellung diese Seienden „übereinstimmt", sondern daß hier das Seiende „selbst" (,,so wie es ist")
Zwiefältigkeit innerhalb der ausdrücklichen Durchführung der Seinsfrage im Buch Ζ aufgezeigt wird, und es ist das Seiende, was in erster Linie „wahr" genannt wird, und
einnimmt (§5). Die Voraussetzung einer Untersuchung der Zwiefältigkeit als eines zwar spezifisch, sofern es in bezug auf ein Aufzeigen „so ist wie es ist" („es selbst").
neuen Sinns des Seins (Anwesens) ist aber eine Verständigung über den Sinn des Und so kann Platon erklären, daß ein Sagen „wahr ist, offenbar weil es die Wahrheit
Sems, von dem sich Aristoteles dabei absetzt: das ist die platonische „Idee", in deren. des Seienden aufzeigt (τήν άλήθειαν τών ίίντων)" (Crat. 438d7 £,) und meint dabei
Gestalt das einfache Sein des Parmenides für Aristoteles lebendig war und umgedacht mit „Wahrheit des Seienden" das „es selbst" des Seienden (αυτά, 438e7, 439bl, b7).
werden mußte (§ 1). Wie ist nun die Wahrheit im Sinn dieser „Selbigkeit" des Seienden näher zu
verstehen? „Es selbst", darin liegt; „es selbst und nicht . . ." Durch das „es selbst"
wird das Seiende abgesetzt, doch wovon? Man sagt: vom Bewußtsein: „es selbst" ist
das „an sich", „das Wahre"
§ 1. Wahrheit und Fräsen^ als ausschließlicher Sinn des Seins bei Pia ton
4
Die nachfolgende Interpretation fußt auf Heideggers Deutung der άλή&εια als
Die entscheidende;Festlegung dessen, was im eigentlichen Sinn „ist", geschieht „Unvetborgenheit", aber deckt sich nicht mit ihr (vgl. die Anm. 10). —
Charakteristisch für die gewöhnliche Auffassung ist das in der 2. Auflage von P.
bei Platon in den Dialogen der taktieren Periode, in denen idie Ideenlehre in ihrer Friedländers Platonbuch (1954) neu hinzugekommene Kap. XI; „Aletheiä (Eine
„klassischen" Form entfaltet wird (vgl. z, B. Phaid. 65d-67b, 78c-d f Symp. 211aff., Auseinandersetzung mit Martin Heidegger)", S. 233-242, Friedländer stellt
Staat 508d-e, 475e-^79c)6; fie bleibt auch noch in den spätesten Dialogen zusammenfassend fest, daß Wahrheit überhaupt im Griechischen und ebenso (S. 242)
unangetastet (vgl. ζ. Β. Phil, 59b-c). Der zentrale Begriff, der mit dem 6ν bei Placon „1. die Richtigkeit des Sagens und Metnens, 2. die Wirklichkeit des
Bestehenden, Seienden, 3. die . . . Wahrhaftigkeit des Menschen" (S. 236) bedeutet,
gleichgesetzt (vgl. z. B. Phaid. 66b-67b) und zum stehenden Terminus für die „Idee" und übersieht, daß mit einer solchen lexikalischen Nebeneinanderstellung von
wird (Phaidr. 247d4, 248c3, Symp. 212a5), ist das άληθ-ές, das „Wahre". vornherein das Problem preisgegeben ist, um das es Heidegger geht, nämlich wieso
Für uns bedeutet Wahrheit entweder die Übereinstimmung einer Erkenntnis, einer das Wort für die „Richtigkeit des Sagens" zugleich das Wort für die „Wirklichkeit des
Aussage, mit der Sache oder in einem vagen Sinn Echtheit, Eigentlichkeit, Bestehenden" ist und was demgemäß „Wirklichkeit" bedeutet. — Er ist damit über
den Gesichtspunkt etwa O. Apelcs nicht hinausgekommen, der in seinen
Wirklichkeit, Objektivität von etwas. Man hat daher den platonischen Gebrauch des „Platonischen Aufsätzen" das Problem der „Wahrheit" in einem eigenen Kapitel
άληΐΐες für die „Idee" lediglich im Sinn einer unbestimmten Betonung ihrer behandelt hat (S. 31-50). Wahrheit bedeute für Platon eigentlich Urteils Wahrheit,
„Eigentlichkeit" und ,,Wirklichkeit" verstanden und übersehen, daß das αληθές bei aber „überträgt sieh . . . auch auf die Dinge selbst", nämlich „das objektiv wirklich
Platon eine zwar vielschichtige, aber strenge und einheitliche Bedeutung hat, Vorhandene" (S. 30).
7
........... ---------------------------------■ *
Vor allem kann der Zusammenhang zwischen der „Idee" und dem αγαθόν, der
1 ebenfalls im αληθές (qua ύρ&όν) gründet und den eigentlichen Boden der Ideenlehte
Aristoteles wird im folgenden nach der Ausgabe der Preuß. Akademie ohne bildet, nicht berücksichtigt werden, da er für Aristoteles nicht mehr lebendig war.
Angabe der jeweiligerf Schrift Meiert. Alle Bezüge des Sich-Richtens nach . , . (6μοίωσις, μίμη-σις), nicht nur des
* In der zuletzt genannten Stelle wird die Nahe zu Parmenides am deutlichsten. Menschen, sondern auch des übrigen Seienden, alles „so sein wie —" (εϊδωλον,
είκών usw.) ist auf ein άληθΐς orientiert (vgl. ζ, Β, Pol. 300c5f., Staat 586b8, 587c9,
Symp. 212a4f.)·
7
6
ist das .jObjektive" im Gegensatz 2um Subjektivens. Aber das Seiende ist „es Selbst" Ausschluß des Andersseins) dann besteht, w^bar Zü;seiri|i(S
gerade füi das Erkennen, dtks sich nach ihm richtet; nur als solches Wonach eines 508el). Dadurch kommt die Wahrheit nicht unter die Botmäßigkeit
Sich-Richtens wird es „es selbst" (wahr) genannt* Schaltet man alle Wissens, denn das Wesen des Wissens ist ja seinerseits geiade'^CU
theoretisierendeo Vormeinungen aus, dann kann man nur sagen: das Seiende ist „es aus dem Bezug zur Wahrheit gedacht. Daß sich das Wahre "einemfe
selbst", „ist wie es ist" und nicht — wie es nicht ist; ist das „Wahre" und nicht — das nehmen darbietet, ist nicht etwas Weiteres, was zu seiner, Selbigkl
Falsche. Der Wahrheitscharakter (das „es selbst") des Seienden ist somit zunächst hinzukäme, sondern als Reines i s t es von vornherein lichthaft,
spezifisch das, wodurch dieses als etwas Eigenes nicht dem Vernehmen überhaupt, Einheit des Reinen und Lichthaften kommt in einem Begriff zumVA^
sondern dem Belieben des Vernehmens gegenübersteht (Crat. 386e-387a) und was druck, mit dem Platon das άλη&ές wiederholt erklärt und glcichsötSil
dadurch das Vernehmen gerade an das Seiende hält und bindet. Und da das (Phaid. 67bl, Phil. 53a8£., 59c3) und das als dessen höchste und präzise
Vernehmen erst Vernehmen (Wissen) ist, wenn es Vernehmen des Seienden selbst Wesensbestimmung zu begreifen ist: das ειλικρινές10. .^
ist, ist ihm das Wahre so wenig entgegengesetzt, daß es, erst wenn es das Wahre er- Wenn nun das Wesen des Seins (wie schon für Parmenides) besteht, seiend
reicht hat, sich selbst erreicht hat'. und nicht nichtseiend zu sein (Staat 476eff.), alles Anderssein und somit alles
Doch die Absetzung, die in dem „es selbst" liegt, ist, wenn sie eine Absetzung ISSichthafte aber gerade auf Gtund der Selbig-J? keit aus dem Seienden
gegen das Falsche ist, nicht nur keine Absetzung gegen das Vernehmen überhaupt, ausgeschlossen ist, dann fällt die Wahr hei t^fijjl und d.h. die Wißbarkeit, mit dem
sie erschöpft sich auch nicht darin, Absetzung gegf α ein bestimmtes (das falsche) Wesen des Seins zusammen (477a3);'^'
Vernehmen zu sein. Denn das Falsche (also das, was ein falsches Meinen vom Und so ist es auch bei Platon (ebenso wie in der neuzeitlichen Er^. kenntnistheorie)
Seienden sagen kann) ist das dem Seienden Fremde, Nicht-Dazu gehörige, Andere. nichts anderes als das Wesen der Wahrheit, wodurch. das Seiende im Ganzen und der
Voraussetzung dafür, daß das Seiende vom Vernehmen als „es selbst" und nicht als Bezug des Menschen dazu in einer fundamentalen Spaltung au seinander tritt, aber
etwas anderes erkannt wird, ist dann aber, daß es von vornherein in sich „es selbst" dies ist hier nicht eine Spaltung zwischen Subjekt und Objekt, sondern (gemäß dem
ist und nicht anderes. Das ist die eigentümlich griechische und spezifisch platonische anders verstandenen Wesen der Wahrheit) zwischen einem Bereich der Selbigkeit
Wendung des Problems. Als αληθές muß das Seiende mit anderem unvermischt (Einfachheit, Ständigkeit, Wahrheit), der sowohl das eigentlich Seiende als auch das
(άμεικτον, άκρατες, Phil. 53a, Symp. 21iel) und d. h. rein (καθαρόν, Phil. 53a-b, 55c, eigentliche Vernehmen umfaßt, und einem Beteich der TJnselbigkek
59c3, Symp. 211el) sein. Als unvermischtes muß das αληθές schlechthin einfach, (Mannigfaltigkeit, Wechsel, Schein), der
ohne Zusammensetzung sein (άσύν&ετον Phaid. 78c-d), und als solches zugleich
unbeweglich, ohne Möglichkeit, anders zu sein, notwendig, in bleibender Selbigkek
10
(άεί κατά ταώτά και ώααύτως έχον, Phaid. 78c-d, Phil. 59b), ständig (βέβαιον, Phil. Heideggers Bestimmung der αλήθεια als „Unverborgenheit" trifft also
genau, jedoch nur, wenn damit ein schlechthinniges Enthülltsein verstanden
59b). wird, das alle Verborgenheit aus sich ausschließt. Wenn Heidegger von
Also nicht bloß das Vernehmen kann nur unter einer bestimmten Bedingung seinem eigenen Wahrheitsbegriff der „Un-Verborgenheit" sagt, zu ihm ge
„wahr" sein (d. h. die Sache selbst erblicken), wenn es nämlich von allem Fälschen höre „das Verweigern in der Weise des Verbergens" und die Wahrheit sei
(der Sache Fremden) frei ist, auch die Sache kann nur unter einer bestimmten nicht „eitel Unverborgenheit, die sich alles Verborgenen entledigt hat"
Bedingung „wahr" (und d. h. eine „Sache selbst") sein, und zwar unter der gleichen (Holzwege, S. 43), so ist zu beachten, daß genau dieser aus dem zeitlichen
Wesen des Seins gedachte Charakter der Wahrheit in der griechischen Onto
Bedingung wie das Vernehmen: wenn sie von allem „Falschen" (Anderen) frei togie fehlt und fehlen muß. Während Heideggers „Wahrheit" eine Un
"(rein, einlach, unbewegt) ist. Diese Selbigkeit der Sache selbst ist also nichts Verborgenheit ist, die die Verborgenheit in sich umgreift, ist die griechische
anderes als die Bedingung, vom Vernehmen unverhülit erblickt zu werden (vgl. άλήθεια „eitel Unverborgenheit", die die Verborgenheit aus sich ausschließt
Soph. 249b--c). Die Wahrheit (Selbigkeit) steht also so wenig in einem Gegensatz ebenso wie das Anwesen die Zeitlichkeit. Alle Bestimmungen, die Platon und
schon Parmenidcs von der Wahrheit geben, zeugen dafür. Dann läßt sich
zum Vernehmen als vielmehr ihr Wesen (der auch bei Platon nicht, wie Heidegger in „Platons Lehre von der Wahrheit"
dartun will, ein „Wandel des Wesens der Wahrheit" von der αλήθεια zur Ιδέα
feststellen, sondern die ιδέα ist, wie sich zeigen wird, nichts anderes als der
* Vgl. Apelt oben Anm. 6. schlechthin adäquate Ausdruck der αλήθεια, ist das ν, sofern es nur und
* Vgl. Phaid. 66: Das „Erlangen" (b6), und d. h. „Erblicken" (d7) des „Wahren", einzig von der αλήθεια her bestimmt ist. Heidegger konnte dem griechischen
und d. h. des „Seienden" (c2), ist identisch mit dem „Erlangen des Wissens" (e6). Wahrheitsbegriff nicht voll gerecht werden, weil er über dessen oben entwickelten
Charakter der Selbigkeit hinweggesehen hat. Das hat wohl letztlich
8 seinen Grund darin, daß er in seinem eigenen Denken durch den von Husserl
im Zusammenhang mit der „Evidenz" neu erarbeiteten Begriff der „Selbig
keit" auf die „Unverborgenheit" hin durchgestoßen ist, ohne daß es ihm
gelungen wäre, die „Selbigkeit" dabei zu bewahren und in die zeitliche Auf
fassung von Sein und Wahrheit mit aufzuheben. ■:' ί
ebenfalls sowohl „Seiendes" als auch Vernehmt» umgreift, wobei sich nun hin Anwesenden liegt, sondern gerade sein eigentümlicher Anwesenheitsc ha
das eigentlich Seiende und das eigentliche Vernehmen gegenüber dem takter setzt voraus, daß das, was mit anderem wechselt und vermischt ist, als
uneigfentlichen spezifisch dadurch auszeichnen, daß jedes von beiden sich solches schlechthin Eines und schlechthin Anwesendes ist. Das schlechthin
einzig aus der Möglichkeit zur schlechthinnigen Begegnung mit dem Anwesende ist das eigentliche Anwesen des uneigentlich Anwesenden, das
milderen bestimmt. eigentlich Eine, Bleibende und Wahre des Mannigfaltigen, Wechselnden und
Diese schlechihinnige, weil in sich erfüllte Begegnung ist schiecht- Scheinenden, aber — weil es Anwesendes und daher Ausschließendes ist —
hinnige Gegenwart. So erweist sich aus dem Wesen der Wahrheit die so, daß es dieses nicht in sich aufheben kann, sondern ihm gegenübertritt.
schlechthinnige Anwesenheit als das Wesen des Seins. Die Auffassung des Seins als Anwesen (Gegenwart) schließt also
Aber auch das Wesen des uneigendich „Seienden" wird aus seinem Bezug notwendig in sich, daß zwei Weisen von Anwesen auseinandertreten. So
auf ein Vernehmen und d. h. hinsichtlich seiner Weise zu begegnen kann die Frage nach den möglichen Modifikationen (S. 4) nicht nur auch an
verstanden. Da „Begegnung" nur als „Gegenwärt" denkbar ist, ist auch der die Anwesenheit wie an irgendeinen behebigen Begriff gestellt werden,
Bereich dieses „Seienden" ein Bereich des Anwesens, aber im Unterschied sondern ist von vornherein gerade durch ihr besonderes Wesen vorgegeben.
zum schlechthin Anwesenden ist alles, was hier dem Vernehmen begegnet, Das Anwesen des schlechthin Einfachen, das im Unterschied zum je und je
jeder Anblick (εΐοος), der sich hier zeigt, von solcher Art, daß er immer auch ins Abwesen übergehenden Anwesen alles Abwesen aus sich ausschließt, soll
schon ins Abwesen herausgerissen ist: Er ist nur je und je gegenwärtig im folgenden terminologisch als Präsenz festgehalten werden. Da der Sinn
(erscheint und verschwindet) und ist auch in seiner jeweiligen Gegenwart des Anwesens sich für Platon in der Präsenz erfüllt, wird bei ihm das
nicht in sich abgeschlossen, sondern mit anderem vermischt. Nur weil Sein Anwesende des anderen Bereiches nur negativ als das Unselbige, Nicht-
Gegenwärtigsein bedeutet, kann das Seiende, wie es faktisch in unserem Präsente, uneigentlicher Anwesende verstanden. Wenn dann aber bei
Umkreis vorliegt, als Wechselndes und mannigfaltig Vermischtes verstanden Aristoteles ein Eines des Mannigfaltigen gedacht werden wird, das nicht
werden. Als solches ist es unselbig (unwahr); jedes ε δος, das sich biet mehr aus dem Mannigfaltigen heraustritt, so bedeutet das, daß der Sinn des
zeigt, ist nie ein ,,SCJ und nicht anders", sondern immer ein „so und auch , . . Seins (Anwesens) über die Präsenz hinausweisen und sich erst in einer
uud auch . . . und schon nicht mehr und auch anderswo und mit anderem". bestimmten Verbindung mit dem anderen Bereich von Anwesen erfüllen
Diese Weise des Begegnens und d. h. Seins, in der das Wahre nicht vom können wird, welcher dann seinerseits zu einer positiven ontologischen
Falschen geschieden (das Seiende somit unselbig) ist, nennt Platon Bestimmung kommen muß. Bei der Zwiefältigkeit des Anwesens, die sich
„Scheinen" (φαίνεσθοα, Phaid. 74b8f., Staat 476a, 479a usw.). daraus ergeben wird, wird aber nicht nur die einfache Präsenz weiterhin die
Daß das jeweilige ε δος aber überhaupt je und je begegnen kann, set2t eine Seite ausmachen, sondern auch das Ganze wird getragen und zugleich
voraus, daß es in bezug auf sich selbst (αυτό καθ' αυτό, Phaid. 78d ; Symp. begrenzt weiden von dem Begriff der Wahrheit, der also mit der Präsenz
211bl usw.) ein Selbiges ist. Als das, was es s e i h s t ist (αύτο ο ecmv, Phaid. nicht zusammenfällt, sondern sich in ihr nur am eigentlichsten erfüllt (vgl. §
78d usw.) und worauf wir uns in der Frage, was es ist (-π Ιστιν), eigens 9).
richten können, ist das ε δος im Gegensatz zu seinem vielfältigen Scheinen Für Platon hingegen ist Anwesendes noch gleich Präsenz, aber nicht mehr
ein schlechthin einfacher Anblick (μονοετές, Phaid. 78d, Symp. 21 IM usw.) wie für Parmenides Die Eine Präsenz, sondern eine jeweilige Präsenz
und diesem kommen alle Bestimmungen zu, die zum αληθές gehören (vgl. ζ, (ε δος), nicht mehr Das Seiende, sondern jeweils ein Seiendes, etwas (TL,
Β. Symp. 211a ff.). Ein solcher einfacher Anblick ist alles, was wir jeweils Staat 476e). Damit ist bereits ein Mannigfaltiges gegeben, doch jede Präsenz
mit Einem Wort (Namen) benennen und dabei, obwohl es vielfach und ist zunächst ein schlechthin Einfaches und Eines.
vermischt erscheint, als Eines und Einfaches im Blick haben (Staat Aber das ε δος ist ein Eines, das auch vielfach erscheint. In dem Maße
596a6f.)11. Und weil sich bei Platon der Sinn des Seins im αληθές erschöpft, als dann auch dieses Viele nicht bloß als Unseibiges, sondern selbst
ist das reine ε δος ein schlechthin Eines, das in sich selbst ruht: seine irgendwie (aber noch ontologisch unbestimmt) als je Eines und Seiendes
Selbig-keit (sein „αυτό καθ' αυτό") ist zugleich Selbständigkeit („Idee"). verstanden wurde, mußte die Frage erwachsen, wie das Eine Seiende auch
Somit ist der Bereich des uneigentlich Seienden nicht nur auch ein vieles Seiende sein kann. Die Schwierigkeiten, die sich hier ergeben, hat
Bereich des Anwesens, der bloß neben dem Bereich des schlecht- Platon in den späteren Dialogen selbst entwickelt (Parm. 131 äff., Phil. 15b),
11
Der Vorrang ganz bestimmter einfacher Wesenheiten, der im άγαθήν- aber zu einer prinzipiellen Lösung konnte er nicht kommen. Man versichert
und ip&dv-Charakter des αληθές gründet, kann hier unberücksichtigt blei zwar vielfach, die Antworten auf die Schwierigkeiten, die Platon im Blick
ben. Vgl, Anm. 7. $■ ' gehabt haben müsse, liegen auf der Hand, wenn man sich das ε δος nur
nicht dinglich als ein Seiendes denke. Als was

11
es dann aber positiv gedacht werden soll, läßt man offen, oder man greift auf § 2. Aristoteles' Frage über die Präsen^ hinausSiach dem Ληινε$εη des
Vorstellungen zurück, die teils ontologisch undurchsichtig, teils erst auf dem Vorliegenden selbst; seine vorgängige Bestimmung der Prase/t^ als solcher
Boden der aristotelischen Philosophie denkbar sind, wie ja überhaupt (το χι ήν ε ναι)
gewöhnlich übersehen wird, daß die Selbständigkeit der Idee eine
Οntologische Notwendigkeit war und nur durch einen neuen ontlologischen Die bestimmte Lokalisation des „εν και πολλά "-Problems bei Platon
Ansatz überwunden werden konnte". Indem für Platon der Sinn des Seins gründet im eigentümlichen Ansatz der Ideenlehre. Thema wird das
sich in der einfachen Präsenz erschöpft — und daran hält er Ms zuletzt fest Verhältnis der Ideen unter sich und ihr Verhältnis zum Vielen des Bereichs
(vgl. Phil. 59c) —, ist das ε δος ein schlechthin Eines, das in sich selbst der Unselbigkek, jedoch nicht die Frage nach einem εν innerhalb dieses
ruht. Als schlechthin Eines ist es selbständig Seiendes. Soll die einfache Bereiches selbst, obwohl auch diese Frage, sogar als eine „landläufige",
Präsenz als Eines von Vielem ontologisch gedacht und nicht bloß behauptet Platon bekannt war (Phil. 14d4ff.), aber von ihm nicht als ontologisches
werden, so darf erstens der Sinn des Seins dieses Einfachen nicht mehr in Problem gestellt wurde. Und doch konnte die platonische Aporie bez. des
ihm selbst erfüllt, seine Einheitlichkeit nicht in sich geschlossen sein, Verhältnisses zwischen der Einen Präsenz und dem Vielen Einzelnen nur
zweitens muß jenes, Wovon es Eines ist, selbst ontologisch positiv als angegangen werden, wenn erst einmal der Öv- und εν-Charakter dieses
jeweiliges οv und έν gedacht werden können. Beides geschieht dann bei Einzelnen selbst auf eine positive ontologische Bestimmung gebracht
Aristoteles, während für ihn der Begriff, in dem Platon das Verhältnis worden war. Denn zunächst war auf dem Beiden der Ideenlehre das
zwischen dem einen εΐδος und den vielen Einzelnen denkt, die μέ&εξις innerhalb des Bereiches der Unselbigkek Erscheinende gerade kein Öv und
(Teilhabe), eine „poetische Metapher" ist (991a21f., 987b9ff.). So wird εν und war, sobald es als solches gefaßt werden sollte, vielmehr ein „αυτό
Platon von der aristotelischen Kritik auf seine mittlere Periode καθ-' αυτό" und somit schon nicht mehr in diesem Bereich.
gewissermaßen festgenagelt. Das aristotelische Problem von £v και πολλά hat sein Zentrum in der
Ebenso ontologisch unberechtigt erscheint Aristoteles die in den späteren Frage nach einem ev und Öv innerhalb dieses Bereiches selbst, einem £v
Dialogen entwickelte Verbindung unter den Präsenzen selbst, die κοινωνία also, dessen Einheit nicht in der Einfachheit aufgeht, einem 5v, dessen
των γενών. ;Platon erkannte, daß jede Präsenz trotz ihrer Einfachheit ein Anwesen sich nicht in der Präsenz erschöpft. Bedenkt man, daß die einfache
Mehrfaches sein mußte, und im Zusammenhang damit entdeckte er im selbständige Präsenz bisher den Sinn von (Sv und εν bildete und auch für
„Sophistes" das eigentümliche Wesen des λόγος, in dem im Unterschied Aristoteles das eigentlichste Sein bleibt (vgl. § 5), dann läßt sich schon im
zum einfachen Erblicken des νους etwas als etwas aufgezeigt, etwas also voraus erwarten, daß es der höchsten philosophischen Anstrengung bedurfte,
von etwas anderem gesagt wird, wobei dann auch das αληθές nicht mehr für um zu dem von der Forschung gewöhnlich als so verständlich und
die schlechthinnige Selbigkeit eines τι, sondern für die Selbigkeit (das „so selbstverständlich hingestellten „Ding des naiven Bewußtseins" zu kommen.
und nicht anders") eines τι κατά τινός steht (vgl. § 9). AU dies lag auch Aristoteles unternimmt es also, das, worin der Mensch sich unmittelbar
schon von vornherein im ursprünglichen Sinn der „τί έοτι''-Frage, auf die ja vorfindet und was für ihn das unmittelbar Anwesende ist, als Anwesendes zu
nicht wie für Antisthenes nur tautologisch mit dem Namen des Befragten denken. Nichts anderes geschah bereits bei Platon, doch indem das
geantwortet werden sollte. Der Sinn des Seins ist aber ohne unmittelbar Anwesende als Anwesendes gedacht wurde, Anwesen aber
Berücksichtigung dieser,Zusammenhänge in den mittleren Dialogen ak Präsenz bedeutete, wurde das, was das eigentliche Anwesen des unmittelbar
schlechthinnige Selbigkeit festgelegt worden, das εΐδος als μονοειδές, und Anwesenden war, aus diesem entrückt. Gegenüber „diesem Seienden" (τάδε
als die Mehrfältigkeit der Präsenz in den Spätdialogen Thema wurde, konnte τά Οντα 990bl), wie es um uns herum offenbar zutage liegt (τά φανερά,
auch sie nur mit Hilfe der μέθ-εξις verstanden werden, als Teilhabe der 992a25), wurde es ein „Jenes" (έκεΐνα, 990b6), das schlechthin Anwesende
verschiedenen Präsenzen aneinander, wobei der £v-Charakter der also für den faktischen Menschen in gewisser Weise zu einem
miteinander verbundenen Präsenzen wieder ontologisch unangetastet blieb „Abwesenden". Demgegenüber nennt Aristoteles das uns umgebende
und sie folglich, wie Aristoteles sagt (1045a7ff.), zusammen nur einen Anwesende „das unmittelbar vor uns Liegende" (τά υποκείμενα) „das
bloßen „Haufen" bilden konnten. faktisch Votliegende" (τά υπάρχοντα), ύποκείμενον und υπάρχον sind die
beiden Grundbegriffe, in denen das Anwesen des unmittelbar Gegebenen
11
So sagt auch Aristoteles (1040b27f.), es sei ganz richtig, daß die Präsenz gedacht werden wird: sie erhalten dann eine speziellere Bedeutung, tteten
verselbständigt wird, wenn sie ούαΐ« (d. h. schlechthin Eines, vgl. S. 29f.) ist, einander gegenüber und werden die beiden Seiten der „τι κατά τινός''-
wenn sie also ihr bisheriges ontologisches Wesen behält. Struktur bilden, dies aber nur auf dem Boden der weiten Bedeutung des
Anwesens im

12 13
Sinn des gegenwärtigen faktischen Vorliege η s, die hei Aristoteles vor allem in dem ein Problem wort. Die aristotelische Frage nach bv und εν des Mannigfaltigen ist die
vorterminologischen Gebrauch dieser Worte faßbar wird". Von den Platonikern sagt Ftage nach dem Anwesen des Vorliegenden. Aber der Sinn von Anwesen liegt
Aristoteles, sie seien „des Vorliegenden unkundig geworden" (ά-θΐώρετοι των weiterhin in der Präsenz. Nur von daher wird auch jet2t das Anwesen des
υπαρχόντων, 316a9). Vorliegenden begriffen werden können14. So muß also zuerst gefragt werden, wie
Mit derri „Vorliegen" ist jetxt eine positive Bezeichnung für das Anwesen Aristoteles die P r ä s e n zen des Vorliegenden als solche bestimmt.
innerhalb des Bereiches der Unsedbigkeit gegeben, aber im Unterschied zum Dabei ergibt sich zunächst ein der platonischen Problemlage ähnliches Bild. Zum
Anwesen im Sinn der „Präsenz" ist es zunächst lediglich Vorliegenden gehört es, daß der Mensch in seinem verstehenden Umgang mit ihm je
und je eine einfache Präsenz (ε δος), ein ν und τι im Blick des νους hat und mit
11
ύκάρχειν ist im aligemeinen Sprach gebrauch schon früh von „anfangen, lls erster einem Wort der Sprache bezeichnet (vgl. 1006a28-bl3). Ein solches ε δος ist bloß,
etwas tun, antizipieren" zu „von vornherein dasein, vorliegen, zur Verfügung stehen" was es selbst ist, und schließt alles andere aus (b13f.). Es liegt innerhalb des Vor-
(Pindar, Pyth. IV, 205) übergegangen und meint schließlich ganz allgemein jedes
„faktische Vorhandensein", wobei das Moment des „zuerst" in den Hintergrund tritt, liegenden mit unbestimmt vielen anderen Präsenzen vor, aber ist mit ihnen bloß
aber die Bezogenheit auf etwas, das dadurch betroffen werden kann, im ύπό weiter zusammengekommen: es sind seine συμβεβηκότα. Es ist diese dann auch, aber nur
erhalten bleibt: die υπάρχοντα liegen nicht einfach herum, sondern sie sind das κατά συμβεβηκός, in Hinsicht auf sein Zusammengekommensein; dagegen ist es in
unmittelbar Angehende, Tangierende, aktuell Gegenwärtige, Bedrängende, sind Bei- Hinsicht auf sich selbst (καθ' αυτό) das, was für es sein Sein (vor allem
Seiendes, Anwesendes, Vor-liegendes: das ύπο ist auf einen Dativ angelegt, in dem
das Bestimmte (meist Menschen) genannt werden kann, was durch das υπάρχον Zusammengekommensein) schon war: τό τί ν εΐναι (a33). Das τί ν ε ναι ist der
betroffen Wird (ζ. Β, Soph., Antig. 932: τοϊσιν ίγουσιν κλαύμα&' υπάρξει — es wird dem platonischen α τό εστίν entsprechende Begriff; ebenso wie dieses, ist damit
Tränen für sie geben). So sind dann auch für A r i s t o t e l e s τά υπάρχοντα zunächst das ε δος gemeint spezifisch als das, was es als es selbst (καθ1 αυτό) ist (1029bl3f.).
ebenso wie im sonstigen zeitgenössischen Sprachgebrauch die Dinge, die vorhanden Es ist schlechthin einfach (άπλοϋν 1027b27, άδί*ίρετον 430.126, άσύνθ-ετον 1051
sind in dem Sinn, daß sie zur Verfügung stehen, gebraucht, genossen, bearbeitet
werden können (vgl. 183a38, b36, 194a35, 982b23, T169b5), der Besitz (1Ί21α34), b!7) und als solches schlechthin wißbar
das Jetzige im Gegensatz zum Zukünftigen und Vergangenen (10fi5al9, 1384alS, Wer ein Wissen vom Allgemeinsten hat, „weiß auch irgendwie πάντα τά υποκείμενα"
1421a26), das an einem Ort Vorliegende (279al3). υπάρχοντα sind dann auch Dinge — nicht „alles Darunterfallende", wie gewöhnlich falsch übersetzt wird (denn vgl.
füreinander, wenn sie unmittelbar beieinander sind, so daß sie wechselweise b4J), sondern; „alles taktisch Vorliegende". Diese υποκείμενα sind die υπάρχοντα,
aufeinander einwirken können, wobei das ύπάρχειν hier ausdrücklich als παρεΐναι deren die Platoniker „unkundig" geworden sind (316a9). — (Bei Poiybios heißt dann
verstanden wird (324b 16f., 1048al2-t5); der ausgezeichnete Sonderfall dieses τά υποκείμενε die gegenwärtigen Zustände genauso wie τά υπάρχοντα; vgl. auch
Anwesens ist das unmittelbare Gegebensetn für die Wahrnehmung (tl74b30i., schon Demosthenes 348,24 at ύποκείμεναι ελπίδες: die gegenwärtigen Hoffnungen.
417b25). Am häufigsten wird ύπάρχειν, auch noch nicht ganz terminologisch, mit In der späteren Grammatik bedeutet ό υποκείμενος χρόνος das grammatische
Dativ gebraucht, um auszudrücken, daß etwas einer Sache eignet, ihr zugehört (ζ. Β. „Präsens".)
das Leben dem Lebewesen 4t3a33f., vgl. auch ζ. Β. 982a22, a31, 996a22>. Als 11
Die Begriffe „Präsenz1- und „Vorliegen" finden sich als Termini für
terminologisch fassen wir dann das υπάρχει, das lediglich die Faktizität des Vor- „Anwesenheit" bereits in Heideggers Interpretationen griechischer Philosophie,
liegens von etwas ausdrückt (sein ίοτι, 1064a3) und dessen An-wesenheit, da es ohne jedoch in anderer Bedeutung. Während sie dort mit dem Begriff der Anwesenheit
Dativ gebraucht wird, an kein bestimmtes Ding mehr gebunden ist und damit frei mehr oder weniger synonym gebraucht werden, stehen sie in der vorliegenden
wird, eine ontoiegische Bedeutung zu bekommen (vgl. ζ. B. 1064a3, a35, 999b31, Untersuchung für ganz bestimmte Modifikationen der Anwesenheit, und zwar so, daß
1040b26f„ 1048a31). Daraus erst ergibt sich' dann der terminologische Gebrauch mit ihre Bedeutung zunächst noch so weit offenbleibt, als sie sich in der Folge gerade
Dativ, der für das ε ναι der „Copula" steht, vgl. unten S. 21 und 51. durch ihr eigenes gegenseitiges Verhältnis in mannigfacher Weise weiterbestimmen
τά υποκείμενα in der bestimmten (spezifisch aristotelischen) vorterminologischen werden. Die aristotelischen Probleme und Begriffe stehen also nicht auf dem Boden
Bedeutung, aus der sich dann die terminologische ergeben wird, meint das Seiende in der Anwesenheit, sondern bilden gewissermaßen das Gewebe, als welches sich die
seinem Vorliegen für Wissen, Wahrnehmen und Umgang des Menschen (vgl. Anwesenheit aus ihrer eigenen Aporerik heraus selbst fortspinnt.
1355a36, b27f„ 1216bl4, 9U7-11, 425bl4, 426b8), wobei das 6πο ebenso wie bei Dann ist aber diese „Anwesenheitstermjnologie" kein bloßer „Heideggerismus",
ύιτάρχειν soviel wie „vor", „bei" ineint, wie aus solchen Ausdrücken ersichtlich ist der den folgenden Untersuchungen nur als äußerliche „Färbung" anhaftet und vom
wie τά ΰπ& την αΕσθησιν (1174b 15, 19, 23), τά ύφ'αυτήν (τήν έπκιτήμην) επιστητά Leser nach Belieben beseite gelassen oder „in seine eigene Sprache übersetzt" werden
(1063b37) (vgl. auch 7öa39, 647a, 17 f., 12b6, b9). Dabei ist für den bestimmten könnte. Genau in dem Maße, in dem er dies tut, verschüttet er wieder das, worauf es
Anwesenheitscharakter, der im ύποκείμενον im Unterschied zur Präsenz liegt,, hier primär ankommt, nämlich die Übergänge, in denen die Begriffe in ihrer Genesis
wichtig zu beachten, daß die υποκείμενα das dem Verstehen sich Gebende nicht sind durchsichtig werden. Man läßt dann alles beim Alten und mag fortfahren, wie bisher
in dem Sinn, daß sie sich bereits in einem bestimmten Ausseher, zeigen als das, was „Substanz" und „Akzidenz", „Kategorie" und „Akt", „Idee" und „Ding", „Essenz"
sie sind, sondern gemeint ist die Faktizität des Vorgegebenseins eines bestimmten und „Existenz" als starre Größen empirisch aus dein Texten und aus ihrer Selbstver-
Bereiches von Seiendem oder alles Seienden, das dann erst nach bestimmten ständlichkeit für den „common sense" zu übernehmen.
Hinsichten betrachtet (106lb3lf.) und nach seinem Wesen und nach seinen Gründen
befragt werden kann (982a23/b2--l·, 1003B37). 982a22f. heißt es:

14 15
(1031b20f.), und d. h. zugleich schlechthin wahr, weil bei einem Einfachen die diese Auffassung, indem man das ε δος soglekh^ins Logische und Subjektive
Möglichkeit des Falschen ausgeschlossen ist (43Üb28, 105ibl7ff.)u. In ihm zeigen wendet, etwa als „Begriff" versteht und diesen ontologisch ungeklärt läßt,
sich also wieder die bereits bekannren Wesenszüge der Präsenz als sc hie chth selbstverständlich finden; ontologisch gesehen, ist sie zunächst paradox, weil ihr
inniger Anwesenheit. zufolge das Einfache nicht schon ein in sich geschlossenes E i n e s ist,
Weil dieses εν nur eimt ist, e i n εν unter anderen, hat seine Selbigkeit, wie auch Fragen wir noch, wie Aristoteles zu dem seltsamen Terminus το τί ήν ε ναι
schon bei Platon, spezifisch den Charakter des Umgrenztseins gegen anderes gekommen ist, so wird sich schon an dieser Formulierung selbst vorläufig zeigen, wie
( ριστόν). Als in solchem Umgrenztsein Unverwechselbares ist es das schlechthin Aristoteles der Selbigkeit der Präsenz einerseits eine gewisse Selbständigkeit
Bestimmte. Die ausdrückliche Explikation des im νοεΐν einfach Geschauten ist daher zugesteht, anderseits die eigentliche Selbständigkeit abspricht, wobei der Grund dafür
die Umgrenzung, „Definition": der ορισμός oder ορός. Die Umgrenzung geschieht zunächst noch nicht zu erkennen ist:
als Unterscheidung von allen anderen Präsenzen; unterschieden werden kann aber Der Ausdruck ist eine Abkürzung für το τί ν ε ναι έκάστω (1029b20), an
nur solches, was auch gleich ist (1054b25f.): der ορισμός vollzieht sich daher als dessen Stelle meist bloß το έκάστω εἶναι (1032a5f.) gesagt wird (wobei das εκαστον
Festlegung der spezifischen Differenz (διαφορά) innerhalb des gemeinsamen für den Namen des jeweiligen εΐδος steht), manchmal sogar nur το εἶναι (135all),
Wesens, der Gattung (γένος), welche ihrerseits vermittelst einer weiteren Differenz woraus schon erhellt, daß dies das Grundwort des Ausdrucks ist. im Unterschied zu
einer höheren Gattung bestimmt wird (139a28f., 1037b29ff.). Erst in solcher diesem εΐναι wird das έκαστο ν selbst (also das noch unexpiizierte ε δος) einfach ßv
Explikation, die nicht mehr einfaches vosiv ist, sondern sich als λόγος vollzieht genannt (141a35).
(101b39), wird das Jeweilige als das unverwechselbar Eine gewußt, das es ist. Der Der platonische Terminus αυτό δ εστίν, genauer αυτό εκαστον δ έΌτιν (Phaid,
ορισμός ist, wie auch schon für Platon, nicht bloß die semantische Festlegung einer 78d3), „was das jeweilige selbst ist", kann von Aristoteles nicht übernommen
„Bedeutung", sondern der Wissensbezug selbst, der γνωρισμός der jeweiligen werden, weil darin nicht nur die Selbigkeit, sondern die volle Selbständigkeit der
Präsenz (90blo). Daß das Wissen des τί ήν ε ναι nicht nur νοεΐν, sondern auch jeweiligen Präsenz ausgedrückt ist. Statt dessen versubstantiviert er durch ein
λέγειν ist, daß die Präsenz also, obgleich einfach, doch auch irgendwie mehrfach ist, vorgesetztes τό die Formel, in der nach dem καθ' αυτό des εΐδος, also nach der
übernimmt Aristoteles zunächst (etwa in der Topik) von Platon und macht es erst „Definition" gefragt wird. Diese Frage lautete ursprünglich einfach: τί έστι.
später, mit Hilfe der inzwischen aus dem „Vorliegenden" gewonnenen Begrifflich- Aristoteles nennt daher das τί ήν εΐναι auch öfters τότί έστι (ζ. Β. 1027b28), aber das
keit, zum ontologischen Problem (vgl. § 15). τί έστι ist noch mehrdeutig, und zwar auf Grund seiner eigentümlichen Frage-
Indem das εΐδος also von allen συμβεβηκότα getrennt und verselbständigt wird Intention: indem es nämlich fragt, was Etwas ist, fragt es im Gegensatz zu anderen
(χωριστόν), muß es zugleich, um in dieser Selbigkeit in ein explizites Wissen zu Fragen, wie ζ. Β. „Wo?", „Wann?", „Wieviel?", nicht nach irgendeinem Zustand,
kommen, von allen übrigen Präsenzen unterschieden werden (opto-τόν). In der Beschaffenheit usw. von Etwas, sondern nach einem Etwas selbst, und d. h. nach
ursprünglichen Zusammengehörigkeit dieser beiden Loslösungen gründet es, daß mit einem Selbständigen. Die Frage: „Was ist das?" hat, indem sie etwas καθ-' αυτό
dem τι ήν εΐναι nicht nur das Einfache gegenüber der Mannigfaltigkeit seines betrachtet (vgl. 103b36f,), die Intention auf ein Selbständiges, sei es, daß es schon als
faktischen Vorliegens gemeint ist, sondern zugleich der explizierte ορισμός dieses Selbständiges gegeben ist, sei es, daß es erst in der Frage verselbständigt wird. Für
Einfachen gegenüber diesem selbst als bloßem Wort (102al, 1029bl9f.). Platon ist das, was nach seinem τί έστι befragt wird, so wie es im Bereich der Uns
Die Präsenz als solche führt auch hier, so wie bei Platon, aus der Mannigfalt des eibig keit gegeben ist, zunächst nicht selbständig und kehrt, indem es befragt wird, in
Vorliegens hinaus, weil es von vornherein in ihrem einfachen und in sich umgrenzten seine ihm ursprünglich zugehörige Selbständigkeit zurück. Die Antwort auf die Frage
Wesen liegt, alles Fremde von sich abzustoßen, den Blick des Vernehmens auf ihre τί έστι ist: αύτλ δ εστί. Auch bei Aristoteles wird die jeweilige Präsenz in der
eigene Selbigkeit (καθ1 αυτό) gewissermaßen festzubannen und sich ihm als Definitionsfrage aus ihren συμβεβηκότα herausgehoben und also in gewisser Weise,
Losgelöstes und d. h. Selbständiges (χωριστών) zu präsentieren. Gleichwohl ist die wenn auch nicht schlechthin, verselbständigt. Somit wäre τό τί έστι eine angemessene
P&isenz für Aristoteles im Gegensatz zu Platon nicht schlechthin selbständig (απλώς Bezeichnung gewesen, wenn dieser Ausdruck von Aristoteles nicht auch (wie sich
χωριστόν), sie ist kein selbständiges Seiendes. Man mag noch zeigen wird) für dasjenige in Anspruch genommen worden wäre, was für ihn
das schlechthin Selbständige ist. Außer dieser Zweideutigkeit der Frageformel τί έστι
" Näher kann auf das Problem des Wahren bei Aristoteles erst in § 9 eingegangen hat auch noch eine andere dazu beigetragen, sie durch
werden.

16 2 Tugendhat, Tl itnxi τινός 17


τό elvat wurde das in der ,,τί έστι''-Frage Erfragte bereits bei Platcn genannt (ζ. Β.
einer. Kuristausdruck zu ersetzen: auch sie gründet darin, daß die ,,-ci έστι''-Frage
Phaid. 78dl), weil es nämlich als das schlechthin Seiende (ov) das war, von dem auch
ein Selbständiges intendiert: als sülehe erwartet sie nämlich eihe Antwort, die das
schlechthin gesagt werden konnte, daß es sei (εστί) VJ. Das ε ναι und ebenso sein
Befragte ebenfalls als Selbständiges anspricht; als Selbständiges wird aber die
Äquivalent ουσία (Phaid. 78dl) ist eine Substantivierung dieses έστι. Dabei besteht
Präsenz nicht nur durch den ορισμός, sondern auch im Nennen der Gattung für sich
für Platon kein Unterschied zwischen der ουσία (dem ε ναι) des Ov und diesem
oder auch des bloßen Wortes in seiner substantivischen Form (als „Name") inten-
selbst (vgl. Phaid. 78dl ff.). Daß auch von Aristoteles das aus dem Zusammen-
diert1'. Dagegen kann auf die Frage τί ήν το αΰτω εΐναι („Was war das ihm
gekommensein isolierte εΐδος ein εΐναι genannt wird, hat einen doppelten Sinn:
eigentümliche Sein?") nur mit dem ορισμός an Stelle des bloßen Namens
einerseits ist es auch für ihn ein schlechthinniges Sein im Sinn der Präsenz; anderseits
geantwortet werden (αντί ονόματος, 102al; vgl. auch 1029b!9f.), weil der Name
soll es als solches gerade kein Seiendes, kein 6v sein: man kann davon nicht mehr
bereits in der Frageformel enthalten ist, und es kann auch nur mit dem ganzen
sagen ,es ist'; das ε ναι wird nicht mehr als substantiviertes £<m verstanden. Diesem
ορισμός geantwortet werden, indem keine dazugehörige spezifische Differenz fehlen
τό ε ναι setzt nun aber auch Aristoteles den Terminus ουσία gleich (ζ. Β. 146b3f.,
darf (146b31 f.), weil das εἶναι mit dem Dativ das αυτό ganz umfaßt und ganz aus
263b8f.), so daß ουσία zu einem Äquivalent des τί ήν ε ναι wird (ζ. Β. 140a34,
allem anderen herauslöst17. Diese Formulierung kann jetzt auch nicht mehr wie das τί
143al8), und das ist nun insofern von besonderer Bedeutung als ουσία bei Aristoteles
έστι auf das eigentlich Selbständige bezogen werden: indem sie nach dem fragt, was
zum Terminus für das Selbständige fixiert worden ist und sonst ebenso wie das τί
dem Jeweiligen sein Sein war", beläßt sie das Befragte in seinem unselbständigen
εστίν das schlechthin Selbständige meint*0.
Vorliegen und hebt nur das Erfragte — das εΐναι — in eine gewisse Selbständigkeit:
Die Bestimmungen, in denen sich das τί ήν ε ναι gezeigt hat — χωριστόν, τί έστι,
ουσία *— bestätigen einerseits den eigentümlichen Selbständigkeitsanspruch, der in
>* Vgl. 102*34 f., 103b29f., 36f. Hingegen tst die spezifische Differenz für sich der Präsenz auf Grund ihrer Selbigkeit liegt und rechtfertigen damit rückläufig von
keine mögliche Antwort auf die „τί έατι"-Frage, weil durch sie nicht das Gegebene
direkt angesprochen, sondern die Gattung qualifiziert wird. Arisroieles her die schlecht-hinnige Selbständigkeit, die ihr zukam, solange noch kein
11
Dieses Verhältnis kann durch den Geniiiv (der in seltenen Fällen auch vorkommt, anderer Seinssinn entdeckt war; anderseits weist ihre Zweideutigkeit, auf Grund deren
ζ. Β. 1032b2) nicht so scharf zum Ausdruck kommen. Im Geniiiv liegt nur, daß das sie hier noch keine schlechthinnige Selbständigkeit bezeichnen sollen, auf einen
εἶναι irgendwie zu dem jeweiligen gehört, während der „possessive" Dativ durch das neuen Begriff der Selbständigkeit vor, dem die Einfachheit der Präsenz nicht mehr
εἶναι gleichsam betroffen und d. h. ganz erfaßt wird,
ls
Die vielumstrittene Frage nach der Bedeutung des Imperfektum ήν im Begriff genügt. Und wenn die Präsenz, insofern man nur auf ihren Selbigkeitscharakter
des τί ήν εϊναι findet, wie schon angedeutet, darin ihre Lösung, daß das τ( ήν ε ναι reflektiert, zwar aus dem Bereich des Vorliegens hinausführt, als solche aber nicht
ursprünglich der Gegenbegriff zum αυμβεβηκός ist {vgl. ζ. Β. 210bl6-t8,263b7f.). mehr selbständig sein soll,
Gegenüber einem faktischen Vorliegen von Präsenzen, das als
Zusammengekommensein verstanden wird, kann die Selbigkeit der jeweiligen
Präsenz nur als das begriffen werden, was sie vor diesem Zusammengekommensein " Es ist dies nichts anderes als das έατι im αυτά έΊαχστον 6 εστί (78d3), worin ja
schon war. Jenes Perfekt und dieses Imperfekt weisen wechselseitig aufeinander nicht nur liegt: „das, was es selbst ist", sondern: „das selbst, was ist" (vgl. ζ. Β. Staat
zurück; selbstverständlich ist keines von beiden naiv zeitlich zu verstehen. Daß diese 507b7).
10
Erklärung, die schon dadurch auf der Hand liegt, daß das τί ήν εΐνοα als das bestimmt Unhaltbar ist die Konstruktion von Arpe (S. 17f.), dergemäß beim τί ήν elvaL
wird, was etwas καθ' αυτί ist (1029L13f.) und das καθ' αυτά den Gegenbegriff zum immer zwei Dative mitzudenken wären, deren „zweiter" ein „durch Assimilation
κατά αυμβεβηκίς bildet (vgl, 5 8), bisher nirgends erwogen wurde, hat seinen Grund entstandener prädikativer Dativ" sei und das εΐνκι lediglich kopulative Bedeutung
einerseits in der Verwirrung, die allgemein über das σομβεβηκός und seine verschie- habe (also etwa: τί ήν τφ Σωκράτει τ!> άνθρώπψ ε ναι — was bedeutet es für
denen Bedeutungen herrscht (vgl.ξ 8 und § 9), anderseits darin, daß man steh beim τί Sokrates, Mensch zu sein). Dagegen ist vor allem festzustellen, daß gerade in der
ήν ε ναι seit Trendelenburgs maßgebendem Aufsatz (Rhein. Mus. 1828) immer nur Topik, auf die sich Arpe beruft, die substantivische Bedeutung des ε ναι und seine
an der ersten Kategorie orientiert hat; das bedeutet eine Verengung, die A. selbst in Gleichsetzung mit ovaia eindeutig ist (vgl. ζ. Β. I35a1l, 141a3S, 146b3f.). Auch wäre
Met. Ζ durchführt, die aber ursprünglich nicht gegeben war und von der man nicht das vor dem „zweiten' (eigentlich primären) Dativ stehende τό unbegreiflich.
ausgehen darf. Erst Arpe hat, anknüpfend an Natorp (Platoris Ideenlehre, S. 2) Schließlich widerspräche es überhaupt dem Wesen der Definition, die doch gerade
gezeigt, daß die Form des Ausdrucks nur aus der Definitionssituation verstanden das allgemeine ε δος als solches heraushebt, wenn man immer dessen „Prädizierung
werden kann und sich, wie am besten aus der Topik zu ersehen ist, auf jede beliebige . . . von einem faktischen Subjekt" (ζ. Β. Sokrates) mitdenken müßte. Für die wahre
Kategorie bezieht. Aber seine von Natorp übernommene subjektivistische Erklärung Bedeutung des gelegentlichen doppelten Dativs vgl, unten S. 80 Anm. — Vgl. gegen
des ήν als „Imperfekt der gedanklichen Voraussetzung" (3. 17) trifft zu kurz, wie Arpe auch Owens S. 353f., der allerdings nur wieder auf die Auffassung von
auch seiner weiteren Erklärung des Ausdruckes jedes Verständnis für die Trendelenbutg zurückgreift und das Imperfekt aus dem Verhältnis des βίδος zur υλη
ontologische Bedeutung der „Definition" abgeht, vgl. unten Anm. 20. erklärt (S. 355f.). Inwiefern allerdings doch auch diese Erklärung innerhalb eines
bestimmten Rahmens richtig ist, wird noch zu zeigen sein (S. 91 f. Anm.).

18 Ζ* 19
dann weist sie damit auf das Vorliegen zurück, da sie als unselbständige in ein Verhältnis, sondern in einen Anweseriheitsbezug zu ihm treten. Das
ihren Stand jetzt in einem anderen haben muß. Aber weder diese Unselb- ύπαρχε ι ν der Präsenz bedeutet jetzt nicht nur die Faktizität ihres Anwesens
ständigkeit noch jene neue Selbständigkeit ist aus dem Wesen der Präsenz in diesem Beteich, sondern in eins damit ist es ein ύπάρχειν τινί, ein An-
als solcher zu ersehen. Soll bei der Frage nach dem Anwesen des wesen, Bei-Sein (παρεΐναι) bei etwas21. Das wechselnde Erscheinen und
Vorliegenden dieses selbst nicht wieder übersprungen werden, soll das Verschwinden der Präsenz wird als Anwesenheit und Abwesenheit (άπουαία
Anwesen des Vorliegenden als Vorliegenden in det Präsenz liegen können, και παρουσία, 191a7) bei dem unbestimmt Vorliegenden verstanden.
dann kann auch dem Anwesen der Präsenz selbst ihr Präsenz-Charakter als Die zunächst unbestimmt auf das votliegende Seiende weisenden Titel
solcher nicht mehr genügen, sondern muß sich seinerseits erst im Vorliegen υπάρχον und ύποκείμενον treten jetzt in bestimmter Bedeutung auseinander,
erfüllen. υπάρχοντα heißen spezifisch die Präsenzen, sofern sie vorliegen, und dieses
ihr ύπάρχειν bedeutet erstens die Faktizität ihres Anwesens innerhalb dieses
Bereiches und zweitens und in eins damit ihr Anwesen bei dem unbestimmt
Vorliegenden, Dieses selbst wird jetzt als ύποκείμενον in einem betonten
£ ί. Die Zmefältigkeit des Seins; die Sinn verstanden, indem das ύπo zwar weiterhin „vor", „bei" bedeutet,
Kategorie als Fräsen^ des Vorliegenden zugleich aber auch im Sinn von „darunter" gemeint ist (vgl. 1042a33/b2f.).
Es wird gewissermaßen als der Boden verstanden, det den Präsenzen eine
Das Vorliegende kann als Anwesendes und d. h. Präsentes nur gedacht Stätte für ihr jeweiliges Vorliegen bietet, det als ein Einer ihrer
werden, wenn es gelingt, die Präsenz nicht nur als solche (καθ1 auxr>), Mannigfaltigkeit zugrunde hegt und sich als Zugrunde-Bleibender
sondern als vorliegende zu denken, ohne daß sie ihr Wesen als Präsenz (ύπομένον) innerhalb ihres Wechsels durchhält. Nur auf einem solchen
verliert. Mit dem „Vorliegen" einer Piiisenz meinen wir ihr faktisches Boden kann die Anwesenheit der Präsenz innerhalb dieses Bereiches einen
Anwesen (ύπάρχειν) innerhalb dieses Bereiches. Was bedeutet für die Stand gewinnen und als υπάρχον mit dem ύποκεΐμενον, indem sie sich
Präsenz ihr Anwesen im Bereich des Vorliegenden? Die Präsenz als solche gegenseitig anwesen, ein Zusammenvorliegendes (συγκείμενον, 105 lb4)
ist das schlechthin Bestimmte (όριστόν). Dagegen ist das Vorliegende als bilden.
solches (wenn also von den vorliegenden Präsenzen abstrahiert wird) das Doch ist das Bei-Sein (ύπάρχειν, παρεΐναι) noch nicht der adäquateste
schlechthin Präsenzlose (αμορφον) und Unbestimmte (αόριστοι). Aristoteles Ausdruck des Verhältnisses der Präsenz zum ύποκείμενον, denn er legt das
nennt es υλη (Iü29a20f., 19iai0, 20%9). Das eigentümliche Wesen des Mißverständnis nahe, daß es sich dabei um ein Beieinandersein von zwei
Unbestimmten ist aber, daß es kein Etwas für sich sein kann (332a35£., Seienden handelt. Es wird darin noch nicht sichtbar, daß es vielmehr der
1029a27f.), sondern immer nur das Unbestimmte des Bestimmten ist. Nur an Seinssinn und Anwesenheitscharakt er des einen und des anderen ist, det von
diesem kann es als Unbestimmtes walten. Die υλη ist daher das von sich aus diesem Zusammenkommen betroffen wird. Die Präsenz kommt nicht einfach
unbestimmt Vorliegende, aber je und je von Präsenzen Bestimmtwerdende mit dem Unbestimmten zusammen, sondern ihr eigenes Wesen, das
(όριζόμενον) (1029al 8-21). Als Unbestimmtes wird es nun (a) immer schlechthinnige Bestimmtsein, bricht aus seiner Geschlossenheit in sich
zugleich von unbestimmt vielen und (b) auch immer wieder von anderen heraus und wird zu einem Bestimmend sein des Unbestimmten. Das
Präsenzen bestimmt. Das „Vorliegen" (υπάρχει) bedeutet also für die Vorliegen (ύπάρχειν) der Präsenz im Sinn des faktischen Anwesens
Präsenz, daß sie erstens nicht mehr nur in sich Bestimmtes, sondern innerhalb dieses Bereiches hat als Vorliegen bei (ύπάρχειν τινί) einem
Bestimmendes eines Unbestimmten ist und daß sie damit zweitens in unbestimmt Zugründe-Vor-liegenden (ύποκείμενον) den näheren Sinn,
schlechthinnige Mannigfaltigkeit und Wechsel verstrickt wird. Präsenz DES Vorliegenden zu sein.
Halten wir uns zunächst nur an den ersten Aspekt, dann ist jedenfalls Indem das Bestimmtsein als Bestimmendsein jetzt auf ein anderes (Zu-
deutlich, daß das Vorliegen der Präsenz, wenn es überhaupt positiv gedacht Bestimmendes) bezogen ist, braucht es noch nicht die Einfachheit und
werden kann, nicht nur ein faktisches Vorhandensein in diesem Bereich Selbigkeit seines Wesens zu verlieren, es bleibt diese bestimmte
bedeutet, sondern eine Modifikation ihres Präsenz- und An- unverwechselbare Präsenz, aber indem es die Präsenz des Vorliegenden ist,
wesenheitscharakters. Denn das, wohin die Präsenz in ihrem Vorliegen ist es nicht mehr selbständig. In ihrem jeweiligen Vorliegen in solcher
gerät, ist als das präsenzlos Vorliegende selbst ein Anwesendes, und zwar 31
Vgl. S. 14 Anm. 13. ~ τιαρεΐνοά τινι gebraucht Α. häufig gleichbedeu-
von solcher Art, daß sein Anwesen in nichts anderem besteht als dem tend mit diesem ύπάρχειν, vgl. 44a4, 45al0, 126b22, b24, 1018a23/5. Bereits
schlechthinnigen Geöffnetsein für Bestimmung. Weil das präsenzlos TeichmuHcr (Gesch. d. Pamsic S. 6f.) hat auf diesen Zusammenhang hin-
Vorliegende in solcher Weise auf den Anwesenheitscharakter der Präsenz gewiesen und ύπάρχειν mit ,,Anwesen" übersetzt.
eingespielt ist, kann auch die Präsenz nicht nur überhaupt
21
20 J f |
liegenden läßt sich nicht als „Beisein", „ZusammeAsein", „Insem", oder wie
Weise aus sich heraustreten kann die Präsenz nur, wenn sie auch schon vor auch immer sonst, fassen, denn jede solche Erklärung kommt von außen und
ihrem jeweiligen Vorliegen nicht in sich selbst ruht, trotz ihrer Einfachheit noch verdinglicht; weil es einzig vom „ist" der Aussage getroffen wird, ist das
kein schlechthinniges £v, noch kein selbständiges tiv ist. Daß ihre Anwesenheit λέγεσ&αι bzw. κατηγορεΐσ&αί τι κατά τινός (83a22f., 49a6f.) als die
mit einet anderen Anwesenheit sich verbinden kann, setzt voraus, daß sie in sich eigentliche Wesensbestimmung des ΰπάρχειν τι τινί (49a6) und als die
noch offen, noch nicht erfüllt ist, daß sie somit, um überhaupt s e i n zu können, ontologisch höhere und präzisere Formulierung zu
sich mit der anderen Anwesenheit verbinden muß. Das Sein (Anwesen) ist bezeichnen.
wesens mäßig zwiefältig geworden, und von jeder der beiden Seiten kann man Das λέγεσθαι κατά (κατηγορεΐσθ-αι.) bedeutet nicht eine urteilsimmanente
nur sagen, sie sei, wenn sie mit der anderen verbunden ist. Das Anwesen der Beziehung und meint auch nicht primär (wie sich aus den Worten nahelegen
Präsenz ist ihr Vorliegen (ύπαρχειν) und das Anwesen des Vorliegenden könnte) die Beziehung des Seienden zum Aussagen, nicht das faktische
(ΰποκείμενον) seine Präsenz. Der Sinn des ε ναι, welches die jeweilige Angesprochenwerden des Seienden, sondern es steht für eine bestimmte
einfache Präsenz ist, liegt darin, ein εΐναι des υποκείμενου zu sein (vgl. 996b Seins struktur, da es lediglich die Bezeichnung für die Beziehung der Präsenz
14-18). Man kann vom ΰποκείμενον nur sagen „es ist", wenn man ein solches zum Vorliegenden ist, sofern diese Beziehung von jenem zwiefaltigen έστι
εΐναι von ihm sagt; man sagt dann „es ist das ε δος χ". Erst dann „ist" auch erst getragen wird, das nicht „in" der Aussage „vorkommt", sondern zur Aussage
das ε δος. Dieses „ist", die sogenannte Copula, verbindet nicht zwei nur gehört, weil es das Sein des von ihr gemeinten Seienden ist. Und so ist
Vorstellungen oder Dinge, sondern es bringt zum Ausdruck, daß das ε ναι der auch κατηγορία die vollkommen angemessene Bezeichnung des neuen
Präsenz das ε ναι des Vorliegenden ist und daß somit diese beiden, jedes nur Wesens der Präsenz; das Wort deckt sich nicht mit υπάρχον, denn es steht für
im anderen, seiend sind. die Präsenz selbst, ob sie faktisch vorliegt oder nicht. Die Kategorie ist
Weil die Art und Weise, in der hier die Sprache selbst das Verhältnis ebensowenig subjektiv, aber auch ebensowenig objektiv wie die platonische
ausspricht, die einzig angemessene, weil nicht verdinglichende ist, bezieht Idee: daß die Präsenz nicht mehr Idee ist, sondern Kategorie, das bedeutet,
Aristoteles von hier seine für diesen Zusammenhang entscheidende daß ihr Wesen nicht mehr darin besteht, in sich geschlossen und somit
Terminologie. Da das Anwesende zwiefältig ist, muß auch das Vernehmen selbständig zu sein: sie ist eine „Präsenz von": das τι als Kategorie enthält
zwiefältig sein: es vollzieht sich nicht mehr als einfaches Schauen (νοεΐν), von vornherein den möglichen Bezug zum ΰποκείμενον: auch wenn es noch
sondern als Rede (λόγος), und zwar spezifisch als aufzeigende Rede (λόγος nicht je und je faktisch vorliegt und sich zu einem τι κατά τινός erfüllt, ist es
άποφαντικός. 17a8), in der etwas als etwas, das ΰποκείμενον hinsichtlich der bereits „τι κατά —".
oder der es bestimmenden oder nicht bestimmenden Präsenz angesprochen
und kundgetan wird: Der Redende spricht dabei dem vor ihm Liegenden eine
Präsenz zu (κατά) oder ab (άπό). Die von ihm vernommene und aufgezeigte
Zwiefältigkeit („etwas ist etwas") ist ein τι κατά τινός (17a25f.). § 4. Die Entdeckung einer Kategorie des Selbständigen ('τόδε τι)
Jetzt erst wird der .Zusammenhang zwischen dem ΰποκείμενον als
Vorliegendem und als Zugrundeliegendem und das Wesen dieses Zu- uud die Unterscheidung der Kategorien in oberste Gattungen
grundeliegens deutlich: das ύπο entspricht dem κατά des λέγειν. Und die
Präsenz, die auf das vorliegende ΰποκείμενον gleichsam herabgesagt wird, Von den beiden Aspekten, in denen das Unbestimmte sich an der vor-
ist ein λεγόμενον, Gesagtes (z. B. 1045b30f.), genauer: ein Darauf-zu-und- liegenden Präsenz manifestiert (S. 20), wurde bisher nur der erste betrachtet:
hetab-Gesagtes, von ihm Prädiziertes und es dabei als das, was es ist, die Präsenz wird als Bestimmendes des Unbestimmten zur Kategorie. Bei
Kundtuendes: κατηγορούμενων (1017a25 usw.). κατηγορία (10ίί9α9 usw.). dem anderen Aspekt wird sofort die Frage akut, die bisher zurückgestellt
Die οντά (Präsenzen) selbst werden λεγόμενα genannt (1045b30), jedes έν wurde, wie das Vorliegen der Präsenz überhaupt möglich ist, ohne daß sie ihr
τι των όντων (i089al2, b7, b20) eine κατηγορία, nicht weil das öv Wesen einbüßt. Denn in der schlecht-hinnigen Mannigfaltigkeit und dem
innerhalb des Urteils untersucht wird (Apelt), sondern umgekehrt: weil das, schlechthinnigen Wechsel scheinen die Präsenzen halt- und standlos zu
was seiend ist, sich zwiefältig, als „Präsenz von Vorliegendem" zeigt, ist sein werden und sich im Unbestimmten zu verlieren, es müßte sich denn
Vernehmen ein λέγειν τι κατά τινός, und weil das Seiende einzig innerhalb innerhalb des Vorliegenden ein Eines und Bleibendes fassen lassen, dessen
des ihm entsprechenden Vernehmens zuganglich ist, wird die Struktur des τι Einheit nicht bloß von der Art der Sich-selbst-Gleichheit der Präsenz wäre,
κατά τινός maßgebend für die ontologische Bewältigung dieses Seins sondern ein Eines des Mannigfaltigen und ein Bleibendes des Wechselnden,
Zusammenhanges. Das einzigartige Verhältnis zwischen der Präsenz und dem das den mannigfaltigen und wechselnden Präsenzen Stand und Orientierung
Vor- gewährte.

23
22 '
Aber hat sich nicht|schon das unbestimmt Vorliegende selbst als die τί εστί wäre die Kategorie eines jeweiligen „Das", die Kategorie des τό8ε τι-2.
ses Eine und Bleibende gezeigt? Das υποκείμενων ist als das Wovon des Nach einer solchen selbständigen Präsenz braucht nicht erst gesucht zu werden.
Gesagtwerdens (καθ-' οΰ λέγεται, 1028b3o) dai Eine, das den mannig Sobald die Frage nach ihr ausdrücklich gestellt ist, ist sie auch schon entdeckt. Es
faltigen Präsenzen zugrunde liegt, und als solches zugleich das Zugrunde- zeigt sich, daß tatsächlich alle anderen Präsenzen, die in ihrem Vorliegen nicht als
Bleibende (ϋπομένον, 1029al2; Phys. A.7), das sich in ihrem Wechsel selbständig angesprochen werden können, weil sie von etwas gesagt werden, nicht
durchhält; f. von einem Unbestimmten, sondern von einer Präsenz gesagt werden, die ihrerseits
Doch dieses „Eine" ist zunächst bloß das schlechthin Unbestimmte (άόριοτον, υλη) von keiner anderen Präsenz gesagt wird und daher als vorliegende mit der „τί ecm"-
und also das aller Einheit schlechthin barie. Während die Einheit der Präsenz als Frage angesprochen werden kann. Von einem Vorliegenden läßt sich ζ. Β. sagen: es
solcher die schlechthinnige Einfachheit ist, die alle Mannigfaltigkeit ausschließt, ist weiß, groß, auf der Erde, jung, später alt — und noch unbegrenzt vieles andere;
kann dagegen das unbestimmt Vorliegende das Mannigfaltige wohl aber was ist es? Zum Beispiel ein Mensch. Und diese ausgezeichnete Präsenz, die
zusammenschließen, aber nicht in Eines. Statt daß die Präsenz in solchem „erste" Kategorie, ist nicht nur selbständig, sondern zugleich die einige
Zusammenschluß einen Stand gewinnen könnte, wird sie vielmehr gerade darin in versammelnde Stätte der Mannigfaltigkeit und Bewegung der anderen Präsenzen,
eine schlechthin unbestimmte Mannigfaltigkeit entlassen. Indem sie als τί κατά nicht ah bloße Unterlage, sondern die Präsenzen sind als Kategorien ihre weiteren
„τινός" von solchem gesagt wird, was αόριστον ist, wird sie gar nicht von einer» τι Seinsbestimmungen, sind die Präsenzen des Vorliegenden, so daß es selbst es ist, was
gesagt (1029a24), sondern von nichts bzw. von allem, was das Unbestimmte auch sich mannigfaltig präsentiert und bewegt, dabei aber hinsichtlich seiner eigenen
noch ist. Das τί κατά τινός ist als Iv καθ' ενός zu verstehen (ζ. Β. 93b36), und nur Präsenz einfach und beharrlich bleibt (es ist der. Mensch selbst, der weiß und groß
dann, wenn die als Kategorie aus ihrer Geschlossenheit heraustretende Präsenz nicht und jung ist und alt wird, dabei aber als solcher immer nur Mensch bleibt; vgl. Phys.
sogleich in das Zusammensein mit einer unbestimmten Mannigralt hinausgleitet, A7).
sondern zunächst in Einem gleichsam festen Fuß fassen kann, wird ihr Vorliegen, d. Damit ist ein Eines und Bleibendes (Anwesendes) entdeckt, auf dessen Boden so
h. ihr Bezug zum ΰποκείμενον (das τΐ κατά τίνος) und damit das Anwesen des etwas wie Bewegung und Mannigfalt überhaupt erst als solche in den Blick treten
Vorliegenden ontologisch positiv, d. h. als eine neue Weise von Üv und εν, gedacht können, statt nur negativ verstanden zu werden als Nicht-Bleibendes und Nicht-Eines.
werden können. Solange das Eine und Bleibende nur die Präsenz als solche war, führte es sogleich aus
Das ΰποκείμενον kann ein £v nur dann sein, wenn es nicht 5λϊ), sondern selbst dem Vorhegenden hinaus. Ebenso müßte jede der vielen Präsenzen und jedes
bereits Präsenz ist. Das Vorliegende kann als Anwesendes also nur gedacht werden, Bewegungsstadium in sich isoliert bleiben, wenn das eine und bleibende
wenn ein neues ev entdeckt wird, das nicht nur, wie die Präsenz überhaupt, ein Zugrundeliegende nur das schlechthin Unbestimmte wäre". Von Mannigfaltigem (und
Einfaches ist, sondern als einfache Präsenz zugleich ein Mannigfaltiges und nicht bloß Vielem), von Bewegtem (und nicht bloß Wechselndem) läßt sich erst
Wechselndes, von dem es bestimmt wird, zusammenschließen kann. Mit andern sprechen, wenn ein in sich bestimmtes Eines
Worten: die Um-deutung der Präsenz von der Idee zur Kategorie erzwingt zugleich
eine Unterscheidung verschiedener Arten von Präsenzen, die Herausstellung einer
ausgezeichneten Kategorie, die vom ΰποκείμενον nicht als von einem anderen " Der Ausdruck τόδε τ: meint nicht „dieses Was", sondern „ein Das", wie aus dem
ebenso häufigen Gebrauch des bloßen τώδε (vgl. die Obersicht bei Apelt, S. 139-141)
weitere Bestimmungen aussagt, sondern es an ihm selbst bestimmt (83a24ff.). Eine zu ersehen ist und aus dem analogen Gebrauch von τοιόνδε τι (178b38), ποιόν TL
solche "Präsenz muß sich zugleich dadurch von den anderen unterscheiden! daß sie (3bl5f.). — Auf die bisherigen Erklärungen (vgl j. A. Smith, ΊΌΔΕ TI in Α.; Ross
gerade als vorliegende nicht mehr von etwas anderem gesagt wird und somit Metaph. 1 S. 247f.; Preiswerk S. 84ff.; Owens S. 39Bf.) braucht hier nicht
selbständig ist. Dem Selbständigen entspricht die Frage τί στι (S. 17). So muß also eingegangen zu werden, weil sie, statt von der Selbständigkeit, immer nur von der
„Einzelheit" ausgehen, was zu einer einseitigen Erklärung des τό8ε τι lediglich im
eine Präsenz gefunden werden, die mit einem τί έστι angesprochen werden kann, Hinblick auf seine Rolle innerhalb der ersten Kategorie geführt hat, ohne daß sein
nicht erst wenn sie von ihrem Vorliegen isoliert und verselbständigt wird, sondern Verhältnis zu den übrigen Kategorien berücksichtigt wurde. — Ganz fernzuhalten ist
von vornherein als vorliegende: gesucht wird eine Kategorie des τί eem. So wie dem die vulgäre Vorstellung, als sei mit dem τόδε τι speziell das unmittelbare sinnliche
Dieses gemeint. Vielmehr ist es als „Das" der allgemeine Terminus für das
„Wie groß?" (πόσον) ein „So groß" (τοατόν8ε),^εηι „Wie geartet?" (ποίον) ein „So Selbständige als solches und kann ebenso ein übersinnliches, wie ein sinnliches
geartet" (τοιόνδε) als Antwort entspricht, so dem „Was ist es?" (τί έστι) ein „Das" Selbständiges bezeichnen (vgl. unten S. 31).
(toSe). Mit dem Demor|strativum „Das" wird ebenso wie mit dem „Was ist es?" " Hier liegt der wesentliche Unterschied zwischen dem aristotelischen
jeweils ein Selbständiges intendiert: ein Etwas. Die Kategorie des ΰποκείμενον und dem πανδεχές des platonischen Timaios (48eff.).

24' f 25
und Bleibendes und d. h. jet2t zugleich ein Etwas (τόδε τι) gefußt werden
zen, sondern als Präsenzen des Vorliegenden (vgl. 1028al5-18; unten 5 7)·
kann, was mannigfaltig und bewegt ist.
Dadurch daß das ύποκείμενον nicht ein Unbestimmtes, sondern ein Etwas
Das unbestimmte ΰποκείμενον (die υλη) ist aber damit nicht ver-
ist, stehen die Präsenzen in ganz bestimmten Bahnen, die den möglichen
schwunden. Indem das τι έατι das ύποκείμενον an ihm selbst bestimmt, kehct
Seinsweisen des Etwas entsprechen. Darin liegt aber: die Auffassung der
innerhalb dessen, wovon die übrigen Kategorien gesagt werden, die Differenz
Präsenz als Kategorie führt, sobald das ύποκείμενον als τόδε τι begriffen
zwischen Bestimmendem und Bestimmtem wieder. Das ev, wovon die
wird, dazu, daß bereits der innere Gehalt der Präsenz (ihr τί ήν ε ναι) an
übrigen Präsenzen gesagt werden, ist nicht eine „Präsenz als solche" (TL),
bestimmte Möglichkeiten gebunden ist, die vom Vorliegenden vor
sondern wiederum ein Vi κατά τινός (1029a23f.). Weil aber das, wovon die
gezeichnet sind: die Präsenz kommt in einen Bezug zum ύποκείμενον nicht
zugrundeliegende Präsenz ihrerseits gesagt wird, υλη, und d. h. kein Etwas,
erst, wenn sie jeweils faktisch vorhegt, sondern dieser gehört bereits zu
ist, verliert sie, indem sie ein mit dieser Zusammengesetztes (σύνολον,
ihrem inneren Wesen.
1029a5) ist, nicht ihre Selbständigkeit. Doch scheint jetzt der feste Boden, der
So ergibt sich aber aus der Herausstellung einer ausgezeichneten und
mit dem τόδε τι erreicht werden sollte, überhaupt wieder verlorenzugehen:
„ersten" Kategorie zugleich die Notwendigkeit einer Unterscheidung auch
wir stehen wieder vor einem τι κατά τινός, bei dem das „τινός" eigentlich
innerhalb der übrigen Kategorien, und zwar einer Unterscheidung besonderer
kein τι., weil kein £v ist. Aber die Schwierigkeit hat sich wesentlich
Art. Die Unterscheidung von anderen Präsenzen gehört zur Präsenz als
verschoben: Die Präsenz kommt zwar als σύνολον mit einer unbestimmten
einem άριστον von vornherein (S. 16). Das Selbe aber, woraufhin jede
Mannigfalt anderer Präsenzen zusammen, aber diese werden jetzt von ihr
Unterscheidung geschehen muß (1054b25f.), ist beim ορισμός der Präsenz
selbst als deren ύποκείμενον gesagt und haben in ihr einen einheitlichen Ort.
zunächst jenes, was beide unterschiedenen Präsenzen selbst sind: die Gattung
Die unbestimmte Mannigfalt, von der sie ihrerseits gesagt wird, ist nicht mehr
(1054b30f.). Diese ist das, woraufhin als ein Eines (καθ-' έν, 1030b3) die
eine Mannigfalt von Präsenzen, sondern von Teilen. Jedes Selbständige
beiden Präsenzen selbst angesprochen werden können. Wird dann weiterhin
innerhalb des Vorliegenden ist als kontinuierlicher Körper (σώμα συνεχές)
nach der Gattung der Gattung geEragt usw., dann müßte die oberste Gattung
schlechthin teilbar (διαιρετόν εις äel διαιρετά, 268a6L); -aus den Teilen
sämtlicher Präsenzen das sein, was sie letztlich als Präsenzen sind, nämlich
entsteht es, und in sie vergeht es. So bewahrt das Vorliegende seinen
ßv und εν. Statt dessen lehrt Aristoteles, daß öv und εν (die nicht identisch
Unbestimmtheitscharakter, indem auch das, was der Mannigfalt und
sind, aber immer zusammengehen, 1003b23f.) keine Gattung sind
Bewegung des übrigen als Eines und Bleibendes zugrunde hegt, selbst
(1053b23f.)" und es vielmehr eine begrenzte Anzahl höchster Gattungen
mannigfaltig und vergänglich ist. Es wird daher als Anwesendes nur gedacht
gibt, von denen jede nichts anderes als eine Weise von Sv und εν ist
werden können, wenn das τόδε τι in dieser Mannigfalt nicht
(1045a36ff.) und die in kein weiteres εν „aufgelöst" werden können
auseinandergerissen wird und untergeht, d. h. wenn der εν-Charakter dieser
(1024bl5f,). 6v und e'v haben daher keine einfache, sondern von vornherein
Präsenz über die bloße Einfachheit hinaus als Vereinigung der ihr zugrunde
eine so vielfältige Bedeutung, wie es oberste Gattungen von Präsenzen gibt
liegenden Teile begriffen werden kann, ebenso wie als Vereinigung der
(1003a33, 1017a23f., 1054al3f.). Das Öv ist dabei aber nicht bloß ein
Präsenzen, denen sie selbst zugrunde liegt.
gemeinsames Wort für sachlich Disparates (Homonymie, 1003a34), sondern
Die Unbestimmtheit, d. h. der hyletische Charakter des τόδε τι zeigt sich
die höchsten Gattungen stehen, obwohl sie nicht auf ein Eines hin, das sie
aber nicht nur in seiner eigenen Vergänglichkeit und Teilbarkeit, sondern
gleichermaßen selbst sind, angesprochen werden können (καθ1 εν), doch in
auch in der Bestimmbarkeit durch weitere Präsenzen. Diese Bestimmbarkeit
einem Bezug auf ein Eines (προς ev, 1030b3,1003a33).
betrifft nicht das immanente Wesen der zugrundeliegenden Präsenz selbst,
auch nicht die schlechthin unbestimmte üXrj für sich, sondern sie bedeutet,
daß das selbständig Vorliegende außer seiner eigenen Präsenz noch weitere 11
Seinsweisen hat, die ihm erst in den übrigen Kategorien zugesagt werden. Es ist üblich geworden, für die Lehre, daß das 6v keine Gattung sei, auf
B3,998b22ff, tu verweisen (vgl. z. B. Heidegger S. u. Z., S. 3; Ross zu 1053b23),
Den weiteren Seinsweisen entsprechen weitere Fragen, in denen nicht mehr offenbar aus keinem anderen Grund, als weil das die ausführlichste Stelle ist,
gefragt wird: „Was ist es?", sondern: „Wie beschaffen, wie groß, wo, wann an der diese Auffassung dargelegt wird. Aristoteles begründet sie hier nur mit
usw. ist es?" Diese Fragen betreffen weder das τόδε τι als solches noch die dem formalen Argument, daß (nach Top. 122b20f,, 144a31ff.) eine Gattung
anderen Präsenzen als solche — denn dies vermag in beiden Fällen nur die nicht von einer spezifischen Differenz prädiziert werden könne, jede Differenz
aber ein Öv und h) sei. Den eigentlichen Grund, warum das öv keine Gattung
,,τί έστι"-Frage —, sondern befragt wird immer das τόδε τι („es"), aber ist, verschweigt A. hier gerade, so wie er auch sonst im Aporienbucfi Β mit
gerade auf die anderen Präsenzen hin: diese werden erfragt, nicht als Präsen- seiner eigentlichen Lehre zurückhält. Schließlich kann sogar bezweifelt wer-
den, daß dieses formale Argument auf dem Boden der nachher in der „Meta-
physik" durchgeführten Klärung des Seinscharakte ts der spezifischen Diffe-
renz (vgl. § 15) überhaupt noch irgendeine Gültigkeit hat.
26
27
Dieses Eine ist das τόδε τι (vgl. iOQ3boff., bt6-18) und jene höchsten § 5. Der neue Begriff der ο σία und die Stellung der Zmejältigkeit inner-
Gattungen sind seine verschiedenen Seins weisen: voran sein eigenes „Was halb der ausdrücklichen Frage nach dem Sein; Gliederung der Untersuchung
es ifet", ferner das „Wie beschaffen" (ποιόν), das „Wie groß" bzw.
„Wieviel·'(ποσόν) usw. (1003b6ff„ 1017a25f.)- Sie lassen sich nicht in ein Mit dem τόδε τι ist innerhalb des Vorliegenden ein je und je Eines
Ein« „auflösen", weil das Selbe, in bezug worauf sie unterschieden sind, entdeckt. Erst auf diesem Boden kann die Frage nach dem Verhältnis
geride nicht das ist, was sie selbst sind (ihre Gattung), sondern das, wovon zwischen der Einen (allgemeinen) Präsenz und dem mannigfaltigen
sie gesagt werden. Das heißt aber, daß der Bezug auf das ύποκείμενον bereits Einzelnen (S. 13) mit Sinn gestellt werden. Wie wenig selbstverständlich
ursprünglich zum Gehalt det Präsenz gehört, und wenn die obersten dieser Boden ist, zeigt sich an dem (von Platon her gesehen) unerwarteten
Gattungen „Gattungen det Kategorien" heißen (2. B. I03b20) und meist Ergebnis, daß es Eines (Einzelnes) nur innerhalb einer Gattung von
einfach „die Kategorien" genannt werden, so sind sie dies im vollen Sinn des Präsenzen gibtBS. Und vor die Frage, wie der Bezug der Einen allgemeinen
Wortes. Daß die aristotelische κατηγορία tatsachlich als κατηγοροΰμενον Präsenz zu der Mannigfalt ihrer Vereinzelungen zu denken ist, schiebt sich
(„Prädikat") zu verstehen ist, wird also dadurch bestätigt, daß es gerade ihr jetzt die Frage nach dem Verhältnis des Einen und Mannigfaltigen innerhalb
„Prädikatscharakter" ist, aus dem sich sowohl die Hinsicht der des Einzelnen selbst; erst mit den ontologischen Begriffen, die sich hier
Unterscheidung in die verschiedenen Gattungen ergibt als auch der Grund, herausbilden, wird dann auch sie bewältigt werden können". Das
warum sie nicht in einer höchsten Gattung zusammenkommen. Die Vorliegende wird sich als Anwesendes denken lassen, weil ein Eines
Gattungen der Kategorien (γένη των κατηγοριών) sind daher zugleich die entdeckt wird, das ein Eines von Mannigfaltigem ist, und dies in zweierlei
Formender „Aussage" (σχή-μ*τα της κατηγορίας, 10i7a23, 1024b23). Weil Richtung, die sich jedesmal als eine Zwiefältigkeit des Seins zeigt,
der Bezug zum Vorliegenden die Hinsicht der Unterscheidung abgibt, sind solcherart, daß Sein (Anwesen) den näheren Sinn bekommt, Präsenz eines
die verschiedenen Arten der δντα als Präsenzen zugleich die verschiedenen Vorliegenden zu sein: τΐ κατά τίνος υποκειμένου, Das Mannigfaltige
Weisen des lern der „Copula" (49a6f.). versammelt sich also um das Eine in den Bahnen zweier Zwiefältigkeiten,
Wenn dagegen, wie bei Bonitz, der Prädikatscharaktet der Kategorie die, obwohl ihre Struktur äußerlich dieselbe ist, von ganz verschiedener Art
geleugnet und die Bedeutung der Kategorieneinteilung darin gesehen wird, sind und vor ganz verschiedene Probleme stellen werden.
einen „Überblick über den Inhalt des erfahrungsmäßig Gegebenen sicher zu Sie unterscheiden sich zunächst dadurch, daß bei der einen das Be-
vermitteln" (Sitzb. [1853] S. 606), so bleibt, von anderem abgesehen, stimmende eine unselbständige und das Bestimmte eine selbständige Präsenz
ungeklärt, warum das „Gegebene" gerade in diese und keine anderen ist, während bei der anderen das Bestimmende die selbständige Präsenz und
Gattungen eingeteilt wird. Ebenso verkehrt ist aber die Annahme, die das Bestimmte überhaupt keine Präsenz ist. In beiden Fällen ist das
aristotelische Kategorienlehre sei aus einer Untersuchung des Urteils Schwergewicht des Verhältnisses — nämlich das gründende Eine —, das
entstanden (Trendelenburg, Apelt, Kapp). Solange man sich in der hier auf der einen, dort auf der anderen Seite liegt, dasselbe: die selbständige
Alternative bewegt, die Gattungen der Kategorien stellen entweder eine Ptäsenz. Bevor das Verhältnis dieses Einen zu der einen und der anderen
Einteilung des Seienden oder der Urteilsprädikate dar, haben entweder einen Mannigfalt erörtert werden kann, muß der εν- und d. h. ίίν-Charakter des
„ontologisehen" oder einen „logischen" oder einen ontologischen und Selbständigen als solchen geklärt werden . Die Entdeckung eines
daneben einen logischen Ursprung (K. v. Fritz), aber auch wenn man sich Selbständigen innerhalb des Vorliegenden führt nämlich nicht nur zu einem
bei der bloßen Feststellung beruhigt, daß für Aristoteles kein solches Zusammenhang von Einem und Mannigfaltigem, sondern zuvor zu einem
Entweder-Oder besteht (ζ. Β. de Rijk), muß der eigentliche Ursprung der neuen Begriff des schlechthin Einen, und dieser wird in ganz bestimmter
Kategorienlehre unsichtbar bleiben, demzufolge sich hier der Weise maßgebend werden für die ausdrückliche Durchführung der Frage
Grundcharakter des Seins selbst von der „selbständigen Präsenz" (τι) zur nach dem Sein (dem Seienden als Seienden), in der das Problem der
„Präsenz des Vorliegenden" (τΐ κατά τίνος) wandelt und erst dadurch das Zwiefältigkeit seinen Ort haben muß, wenn in ihr ein neuer Sinn des Seins
„Logische", nicht in einem Gegensatz zum „Ontologischen", sondern zum enthalten sein soll.
„Noetischen", in den Vordergrund tritt. Das schlechthinnige ev ist sowohl für Platon als auch für Aristoteles das
schlechthin Seiende, weil es eine geschlossene, autarke Begegnung für das
Vernehmen ermöglicht (vgl. 1052a30f., unten S. 106) und

" Für das Verhältnis zwischen Allgemeinem und Einzelnem innerhalb der
iibtigen Kategorien vgl. unten S. 45. *' Vgl. die §5 Hund 15.

28 29
Mit dem καθ' υποκειμένου λέγεσθαι ist eine positive ontologische
daher ein schlechthin Anwesendes ist: es heißt dann eine „Seiendheit", Bestimmung für die Unselbständigkeit eines Einfachen gewonnen und damit
ουσία, Wdhn sich daher der Sinn des schlechthinnigen εν und somit der
zugleich ein Kriterium für die wahre Selbständigkeit einer Präsenz, wodurch
ουσία wandelt, so ist das nicht ein Bruch, sondern bleibt innerhalb des
sich das απλώς χωριστόν vom λόγω χωριστόν, mit dem es platonisch
gleichen fundamentalen Seinssinnes; ja die grundsätzliche Wandlung des
gesehen noch zusammenfallen mußte, unterscheidet und wodurch etwas als
platonischen zum aristotelischen Seinsbegrifferweist sich, wenn man nur die
„ein Das" (τόδε τι) ansprechbar wird: das μή καθ-' υποκειμένου λέγεσθαι ist
üblichen äußerlichen Vorstellungen von „transzendent" und „immanent1',
„Idee" und „Begriff" usw. beiseiteläßt undiurenontologischen Charakter die aristotelische „Definition" der ουσία (1038b 15, 1029a8). In ihr wird
betrachtet, als so „geringfügig", daß sie lediglich in einer IJmkehrung des a r t i k u l i e r t , was in den Begriffen ουσία, τόδε τι und απλώς χωριστόν, die
Rang Verhältnisses zwischen Einfachheit und Selbs t ä n d i g k e i t innerhalb alle dasselbe meinen-', genannt ist.
des Begriffs des schlechthin Einen besteht: Der neue Begriff der Selbständigkeit führt nicht zu einer Verdrängung der
Für Platon ist das schlechthin Eine (Seiende) die selbständige einfache einfachen Präsenz aus dem Sinn des Seins, sondern zu ihrer Differenzierung.
Präsenz, wobei sich die Selbständigkeit als αυτί» καθ-'αυτό noch in der Erstens wird die Selbständigkeit zur Auszeichnung einer bestimmten Gattung
selbstverständlichen G e f o l g s c h a f t der Selbigkeit des Einfachen befindet. von Präsenzen; die Präsenzen innerhalb der anderen Gattungen sind nur als
Dabei besteht noch kein Grund und auch keine Möglichkeit, überhaupt einen καθ-' υποκειμένου λεγόμενα (185a31f., 190a36f.) und als solche jede ein εν
gegenüber der Einfachheit eigenen Begriff der Selbständigkeit zu denken. und öv (1030bl0f.), aber kein schlechthinniges εν und also keine ουσία. So
Dazu kommt es erst, wenn es Einfaches gibt, das nicht mehr als wird der Begriff der ουσία neben τί εστί zum Titel für die 1. Kategorie2".
selbständiges verstanden werden kann, und wenn es zugleich gelingt, auch Aber zweitens wird auch innerhalb dieser ausgezeichneten Kategorie die
diese Unselbständigkeit positiv ontologisch Präsenz als solche, sofern sie die Eine Allgemeine ist, zwar nicht von einer
zu fassen; anderen Präsenz (κατ' άλλου υποκειμένου, 83a25I.) wie die übrigen Katego-
Selbständigkeit bedeutet für Aristoteles zunächst formal, daß etwas (und d. h. rien, aber immer noch καθ·' υποκειμένου gesagt (1038M6); sie „bedeutet"
immer: eine Präsenz) nicht nur in sich einfach, sondern zugleich ohne anderes daher zwar noch eine ουσία (οϋσίαν σημαίνει, 83a24f.), aber ist keine
(άνευ άλλων, 1019a3), d.h. losgelöst (χωριστόν) und d.h. bloß in Bezug auf sich (1038MSf.); selbständig ist sie nur als εν αριθμώ (108öb26) und dieses ist
selbst (καθ' αυτό) sein kann. So wesentlich gehört nun, nicht nur für Platon, gegenüber dem Allgemeinen das Einzelne (καθ' εκαστον, 999b33f.).
bereits zur Einfachheit und Selbigkeit als solcher ein Selbständigkeitscharakter, Selbständig ist also nur eine bestimmte Präsenz und auch diese nur als je
daß Aristoteles diese Begriffe und auch den Begriff der ουσία zunächst ebenfalls und je vorliegende. Das heißt aber nicht, daß das „Vorliegen" an sich zum
auf jede einfache allgemeine Präsenz als solche anwendet, so wie sie im ορισμός Begriff der Selbständigkeit gehört und die Präsenz als solche ihm nicht
für sich betrachtet und als τί ήν εΐναι entfaltet wird (§2). Aber das τι, das im genügen könnte. Das ist vielmehr nur dann der Fall, wenn es sich um eine
ορισμός isoliert wird, ist wesensmäßig ein „τί κατά"; es weist, obwohl es Präsenz handelt, die im Bereich des Vorliegenden an-wesen kann; denn dann
unverwechselbar ist, was es ist, über sich hinaus auf ein ΰποκείμενον. Und weil ist sie notwendigerweise „Präsenz von —" und nur dann nicht schon als
es als das Selbe, was es ist, mehrmals vorliegen kann und also ein solche selbständig. Für Aristoteles gibt es aber auch (warum, ist hier nicht zu
„Allgemeines" (καθόλου) ist, ist es wohl Eines hinsichtlich seines einfachen zeigen) eine ausgezeichnete Präsenz (τί ή ν ε ναι, 1074a35), die nicht im
Präsenzcharakters (εϊδει εν), aber nicht ein schlechthin Eines im Sinn eines Bereich des Vorliegenden an-wesen kann und daher keine „Präsenz von —"
nur einmal Zählbaren (αριθμώ έν). Indem dieses „Eine" also in doppelter und somit bereits in sich ein τόδε τι ist: die göttliche ουσία. Hier zeigt sich
Weise ein Nicht- ^ Eines ist, da es erstens auf ein anderes angewiesen und daher die universal-ontologische Bedeutung des neuen Begriffs: die göttliche ουσία
zweitens ^ noch kein Eines der Zahl nach ist, läßt es zwar eine in sich umgrenzte ist kein ύποκείμενον, denn sie ist kein Vor- und anderen Präsenzen
{ und bestimmte, aber keine ganz geschlossene Begegnung zu und ist somit Zugrundeliegendes, aber sie ist ein τόδε τι (μή καθ* υποκειμένου
keine eigentliche ουσία. Es ist also nur hinsichtlich seines Prä-senzcharäkters, λεγόμενον); sie ist nicht das Einzelne eines Allgemeinen (καθ' εκαστον),
und d. h. hinsichtlich des ορισμός (λόγος), ein Selbständiges (λόγω χωριστών), aber sie ist ein Eines der Zahl nach (£v αριθμώ, 1074a36f.). — Und weil
kein schlechthin Selbständiges (απλώς χωριστόν), kein selbständig Seiendes. Platon
Die Präsenz als solche (das reine αληθές) entscheidet nicht mehr darüber, ob
etwas seiend ist oder nicht, geschweige denn ob es selbständig ist. Seiend kann » Vgl z.B. 135a3tf., 1001b32, 1039a30-32, 1060hlf.; für das in diesem Sinn
etwas, was als τί κατά auf ein anderes angewiesen ist, erst sein, wenn es von seltenere κα&> αυτό vgl. 73b5ff., 1028a23, 1060b2. *a Vgl. die Aufstellung
diesem als einem Zugrundeliegenden (καθ' υποκειμένου) gesagt wird. bei Apelt S. 139.
31
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auch diejenigen Präsenzen, die im Bereich des Vorliegenden anlesen können, als und dem σύνολον nur die einfache Präsenz als solche (das τι ν ε ναι) haben. Hier
selbständig denken mußte, da zwischen Einfachheit und Selbständigkeit überhaupt ergibt sich jedoch eine Schwierigkeit: die einfache Präsenz ist das Allgemeine, hat
noch nicht unterschieden wurde und diese daher in jener noch enthalten war, kann also keine Selbständigkeit und ist folglich überhaupt nicht ουσία. So scheint hier eine
Aristoteles das von Platon u«ausdrücklich mitgedachte Moment der Selbständigkeit Differenzierung nicht möglich zu sein, da die beiden Wesensseiten des schlechthin
ausdrücklich hervorheben, indem er auch auf die platonische Idee seine Begriffe Einen auseinandergerissen werden. Die Einfachheit (das schlechthinnige αληθές, und
ουσία, τόδβ τι, Üv αριθμώ und άπλοι; χωρίστόν anwendet*». d. h. das έπιστητόν, 999a27f., 1003al4) gehört auch für Aristoteles so wesentlich zur
Wenn aber für Aristoteles die Einfachheit über die Selbständigkeit nicht mehr ουσία, daß in der aporetischen Darstellung im Buch Β der „Metaphysik" b e i d e n
entscheidet, so gehört sie doch immer noch wesentlich zur ουσία als dem schlechthin Seiten — dem einfachen Allgemeinen und dem unbestimmten Selbständigen —der
Einen. Selbständig kann immer nur Eine Präsenz sein, und diese ist wesensmäßig ουσία-Charakter abgesprochen werden muß (1003a5ff.). Die Aporie wird im Buch Ζ
einfach. Und dennoch: die selbständig vorliegende Präsenz ist zwar nicht Präsenz gelöst werden, indem es gelingt, die einfache Präsenz seihst (das τι ή ν ε ναι)
einer anderen Präsenz, aber „Präsenz eines Unbestimmten"; sie ist nicht die einfache zugleich als einzeln vorliegend und somit doch als selbständig zu denken. Durch
beständige Präsenz als solche, sondern als σύνολον teilbar und vergänglich (S. 26). diese eigentliche ουσία (πρώτη ουσία, 1037a28) wird dann auch der οΰσία-Charakter
Daß trotzdem auch sie, ja in uneigentlicher Weise sogar die υλη ουσία genannt wird des σύνολον und der υλη begründet und somit eine vorliegende ουσία überhaupt erst
(ζ. B. I()35a2), zeigt, daß sich das Rang Verhältnis zwischen der Einfachheit und der denkbar und zugleich die oben genannte Differenzierung ermöglicht. Auch diese
Selbständigkeit innerhalb des schlechthin Einen umgekehrt hat. Differenzierung ist von solcher Art, daß das Unterschiedene auf keine höhere Gattung
Weil nun aber die Einfachheit trotzdem wesentlich zur ουσία gehört, führt sie zu einer zu reduzieren ist (1024bl2), sondern sich ebenso wie die Gattungen der Kategorien
Differenzierung zwischen eigentlichem und uneigentlichem Selbständigen (ουσία), auf ein Eines b e z i e h t (προς ev, 1043a37), wobei dieses Eine ebenso wie dort das
ebenso wie die Selbständigkeit eine Dif^ ferenzierung zwischen eigentlicher und πρώτον selbst ist.
uneigentlicher Präsenz (Öv) ergeben hatte (S. 31 f.). Der Begriff der Selbständigkeit Die in der Berücksichtigung des eigentümlichen Anwesens des Vorliegenden
ist also nicht nur nicht an das Vorliegende gebunden, er e r f ü l l t sich überhaupt nur gründende Unterscheidung der beiden Seiten des schlechthin Einen (der Einfachheit
in jener ουσία, die als göttliche (1026a20) nicht nur selbständig (1026*16), sondern und der Selbständigkeit) führt also zu einer dreifach gestaffelten Differenzierung des
zugleich einfach (1072a31 f.) und beständig (102oalo)unddaher die eigentlichste sich jedesmal als zwei- oder mehrdeutig erweisenden έν und d. h. 6v, und zwar
(πρώτον, 1074a36) ist. Weil die göttliche ουσία und die vergängliche (φύσις) immer in eigentliches (πρότερον, bzw. πρώτον) und uneigentliches, wobei das
ebensowenig auf eine höhere Gattung reduzierbar sind wie die obersten Gattungen der eigentliche jeweils das ist, in dem sich der Sinn des Seins (die schlechthinnige An-
Οντά (Kategorien), ist nicht nur das ov, sondern auch die ουσία keine Gattung wesenheit als einfache beständige selbständige Präsenz) mehr oder ganz erfüllt.
(1053b24), vielmehr von vornherein in diese beiden Gattungen unterschieden Diese Differenzierung ist maßgebend geworden für die ausdrückliche Durchführung
(1004a2ff., 1026a24f., 1005a34). Die Einfachheit ist nun aber weiterhin nicht nur das der Frage nach dem Sein bei Aristoteles. Weil das jeweils Differenzierte auf keine
Kriterium-der Unterscheidung zwischen göttlicher und vorliegender ουσία, sondern höhere Gattung reduzierbar ist, die uneigentlichen Weisen aber als defiziente Modi
führt zugleich innerhalb dieser letzteren zu einer Differenzierung ihrer eigentlichen der eigentlichen verstanden werden und diese daher jedesmal den Sinn des Seins
und uneigentlichen Momente: eigentlichen ουσία' Charakter kann innerhalb der auch der übrigen erfüllt, vollzieht sich die Frage nach dem Seienden als Seienden (δν
vorliegenden ουσία gegenüber der ολη η ov 1003a21) im Allgemeinen (καθόλου, 1003a24), so wie sie als „erste
——■— i Philosophie" in Γ1-2 der „Metaphysik" entworfen und im Buch Ζ teilweise
ΐβ durchgeführt wird, als stufenweiser Rückgang von den defiziente n Gattungen des fiv
Vgl. z.B. 1039a25-32, Das χωριστοί* ist dann spezifisch ein κεχωριαμένον (ζ, Β.
1039a31f.), weil es nicht nur in sich selbständig, sondern von dem, was (da es an ihm zur eigentlichen und schließlich eigentlichsten*0.
teilhat) unselbständig ist (1019a3£.), getrennt ist und ihm g e g e n ü b e r l i e g t
(1086b4), während das aristotelische Selbständige als υποκείμενο ν (1019a5) dem 10
Unselbständigen zugrundeliegt. Die Unhaltbarkeit der Jaegerschen Konstruktion, dergemäfS die Bestimmungen
der ersten Philosophie als Frage nach dem Seienden als Seienden im allgemeinen und
Auch die platonische Idee ist für Aristoteles (ebenso wie seine eigene gött als Frage nach dem höchsten Seienden auf verschiedene Entwicklungsstadsen
liche oyala.) ein -roSe ti (103va32), aber kein ύποκείμενον (1031bl5f.), doch iurückgeheu, wurde neuerdings von Owens sehr eindringlich gezeigt. Die Frage nach
wird sie im Unterschied zur göttlichen ουσία nicht nur Sv άριθμφ, sondern dem Seienden im Allgemeinen sieht sich ebenso auf die Gattung des Göttlichen
auch κα*' ϊχαστον genannt (1040a8f., 1080a34), weit sie von Aristoteles als ein, verwiesen wie zuvor auf die Gattung der αύσία. Jedesmal ist dann gerade das πρώτον
wenn auch ausgezeichneter, Einzelfall einer Präsenz betrachtet wird (vgl, das 6v ■/) <>v (lÜ61a8, 10o4a29, b7).
1040a8ff., unten S. 76 Anm.). ί 3 Tugtodhit, TL κατά ti\&<;

32 < 33
der vergänglichen ουσία (1072blff., 415a29ff.), die ουσία überhaupt als Selbständiges
Daraus ergibt sich hinsichtlich des Ortes, d^n die Frage nach dem Sein des der Grund des Vorliegens und Zum-Stand-Kommens der übrigen Präsenzen3', das τί
Vorliegenden innerhalb der aristotelischen Ontologie einnimmt, ein Doppeltes: Erstens ήν ε ναι als schlechthin einfache Präsenz der Grund des Sich-Präsentierens des
wird die Betrachtung des Vorliegenden nicht nur (obwohl auch) einer lediglich auf unbestimmt Vorliegenden (1041b7f.).
diesen Bereich gerichteten Wissenschaft (der επιστήμη φυσική als zweiter Vom Gründungscharakter der göttlichen ουσία kann hier abgesehen werden, weil
Philosophie, 1004a3f., I037al4f.) überlassen, sondern, sofern nach dem Anwesen, d. erstens dieses Begründungsverhältnis für das Problem der Zwiefaltigkeit ohne
h. nach öv und εν, des Vorliegenden gefragt wird, in die erste Philosophie, in die Frage unmittelbare Bedeutung ist und weil zweitens die Rückgangsbewegung innerhalb des
nach dem Sein überhaupt, mit aufgenommen. Zweitens ist aberder Sinndesovals Buches Ζ zwar als Vorbereitung für die Betrachtung des höchsten ov durchgeführt
schlechthinniges, von aller Mannigfalt ungebrochenes εν auch für Aristoteles noch so wird3-, aber nicht bis zu ihm durchstößt. Das Buch Ζ bleibt noch innerhalb des
maßgebend, daß zwar auch andere Weisen von ί>ν anerkannt werden, aber zunächst Vorliegenden, und indem es die Frage nach dem Seienden als Seienden von den
nur als defi-ziente Modi d e s s e l b e n Seinssinnes. Die Zwiefaltigkeit als ein eigener Präsenzen überhaupt zur selbständigen Präsenz (ZI) und vom Selbständigen zum
Sinn von öv und εν liegt somit nicht in der ausdrücklichen Intention dieses Denkens einfach Selbständigen (Z3-17) forttreibt, dabei aber das πρώτον zugleich als αρχή
und muß sich gegen den bisherigen und auch für Aristoteles maßgebenden Sinn des versteht, werden die Kategorien gegenüber der ουσία und die ύλη und das σύνολον
Seins erst durchkämpfen. Weil dieser nicht aufgegeben werden kann, wird es zu keinen gegenüber dem ε δος (τί ήν ε ναι) nicht nur als das geringere ev herausgestellt,
eindeutigen Lösungen kommen. Es handelt sich also um lebendiges Philosophieren, sondern in eins damit auf das ursprüngliche EV znrückgebogen. Indem somit,
und die Interpretation darE nicht ein vermeintliches System rekonstruieren wollen, gewissermaßen im Dienst des bisherigen Seinsbegriffs (des schlecht-hinnigen εν), die
sondern muß versuchen, der Bewegungsrichtung dieses Denkens nachzugehen, die Defizienz der uneigentlichen Modi durch den Bezug auf das πρώτον wenigstens so
schließlich über es hinausweist. Weil der gekennzeichnete Rückgangscharakter der weit ausgeglichen wird, daß sie überhaupt anv/esen können, tritt, da sich ihr εν und
ausdrücklichen Durchführung der Frage nach dem Sein im Buch Ζ die ausführlichere ov jetzt gerade in diesem Bezug erfüllt, unter der Hand der neue Sinn des Seins in
Entfaltung des neuen Seinssinnes zuweilen nicht erlaubt, wird vielfach auf andere Erscheinung. Die Defizienz des εν-Charakters der uneigentlichen Modi kann jetzt
Bücher innerhalb und außerhalb der „Metaphysik" zurückzugreifen sein. Trotzdem ist positiv expliziert werden als die Kehrseite ihrer "Zugehörigkeit in eine Zwiefaltigkeit.
eine Untersuchung über die Zwiefaltigkeit als Sinn des Seins in erster Linie an die Und die Herausstellung eines vollkommenen εν (5ν) — was trotz allem das
Abhandlung verwiesen, in der Aristoteles die Frage τι το civ ausdrücklich stellt (ZI, eigentliche'Thema von Ζ bleibt — verbindet sich mit einer Steigerung seines ev-
1028b4), und hier gewinnt sie denn auch einen festen Anhalt, weil es schließlich doch Charakters über die Einfachheit hinaus: indem das πρώτον als αρχή zur einen Seite
gerade ein bestimmter Aspekt der Rückgängsbewegung zum schlecbthinnigen εν ist, einer Zwiefaltigkeit wird, muß es auf das Defiziente eingespielt sein, nicht indem es
bei dem die Zwiefaltigkeit herausspringt: ebenfalls zu einem Defizienten würde, denn dann wäre das Ganze ohne Halt, sondern
Die Frage nach dem Seienden als Seienden versteht sich nämlich genauer als Frage indem es als selbständig Einfaches zugleich Stätte einer Mannigfaltigkeit wird.
nach den ursprünglichsten Gründen (πρώται άρχαΐ κ«ί αίτίαι) des Seienden als Auch der Aufbau des Buches Ζ ist zwar in erster Linie durch die Frage nach, dem
Seienden (982b9, i003a31f.), und die Ursprünglichkeit des jeweiligen πρώτον πρώτον bestimmt, doch zugleich der Problemstruktur der Zwiefaltigkeit so
gegenüber den defizienten Modi besteht nicht nur in seinem Seinsrang, sondern auch angemessen, daß die Gliederung unserer Untersuchung sich ihm einordnen kann.
darin, daß es, jedesmal auf andere Weise, zugleich Grund (αρχή) des übrigen ist, was Demnach wird im zweiten Abschnitt an Hand von ZI und mit Hilfe anderer
nicht heißt, daß das übrige auf das Ursprüngliche zurückgeführt wird, de^in es ist dazugehöriger Stücke die Zwiefaltigkeit zwischen den übrigen Kategorien und der
eigenen Wesens, wohl aber in ihm den Halt gewinnt, dessen es, um zu sein, auf ουσία zu untersuchen sein und im dritten Abschnitt auf dem Wege einer Interpretation
Grund seiner Defizienz bedarf. Gerade weil Anwesen beständige einfache von Z3-16 die Zwiefaltigkeit innerhalb der ουσία selbst; dabei wird sich in beiden
selbständige Präsenz ist, kann es nicht genügen, die uneigentlichen Modi als dem Fällen zeigen, wie Aristoteles durch die Ηerausarbeitung
Seinrang nach geringer dem Ursprünglichen gegenüberzustellen, wenn sie als
anwesende gedacht werden sollen. Sie sind jeweils hinsichtlich desjenigen EV-
Charakters, der ihnen selbst fehlt, auf das Ursprüngliche angewiesen. Die göttliche " In 2 unausdrücklich (vgl. ξ 7); ausdrücklich 189a31f.
3i
ουσία, der „ursprünglichste und eigentlichste Grund" (1064a37f.), ist als das Vgl. 1029a33 f., 1037al3f., 1041 a7 f. Ob diese Stellen mit jaeger (S. 205f.) als
spätere Zusätze anzusehen sind, kann hier offenbleiben. Der Sache nach gehören sie
schlechthin Beständige das Worumwiüen der Beständigkeit von vornherein dazu.
;
34 '
35

3*
der Zwiefältigkeit (§§6 und 7; §§10-12) zur Bewältigung des Problems der II \
Einheit des Mannigfaltigen (der Anwesenheit des Vorliegenden) gelangen
konnte (§§8 und 9; §§11-15). Im vierten Abschnitt wird dann das
Die Zwiefältigkeit '^wischen den übrigen Kategorien
Schlußkapitel von Ζ im Zusamrneahang mit den Analytica Posteriota den
Anhalt bieten für eine Untersuchung der αίτια als des die Zwiefältigkeit dei und der ovaia
TL κατά τι,νός Vermittelnden (μέσον), wobei zugleich die beiden zunächst
gesondert betrachteten Zwiefältigkeitefi in ihrer einheitlichen Struktur vor
den Blick treten wetden.

Die erste der beiden Hauptfragen, in die sich die Ausgangsfrage (S. 15
nach dem Anwesen und d. h. der Einheit des mannigfaltig Vorliegenden
gegliedert hat (S. 29), ist die Frage nach dem Anwesen und der Einheit der
mannigfaltig zusammenliegenden Präsenzen. Um das Vorliegende als
Anwesendes und d. h. Präsentes zu begreifen, genügt es nicht, je und je
vorliegende Präsenzen zu denken, sondern das Zusammensein (συγκεϊσθ-αι)
und d. h. das Zusammengekommensein (συμβε-βηκέναι) der Präsenzen muß
selbst als ein Sein (Öv) und Einssein (Iv) und in einem Präsenzcharakter
gedacht werden können, nämlich als Wahr sei η (άληθ-ές). In diesem
letzteren gründet es, daß das Zusammensein der Präsenzen ah bloße
Zwiefältigkeit gedacht wird, als jeweiliges ov- und £v κατά συμβεβηκός
zwischen einer Präsenz und einer anderen Präsenz. Dabei wird das Sein und
Einssein des Zusammenseins von einet beliebigen Kategorie mit einer
beliebigen Kategorie begründet werden durch die Zurückführung auf die
Zwiefältigkeit zwischen den anderen Kategorien und der ersten Kategorie als
ein ausgezeichnetes ov und εν κατά συμβεβηκός (§ 8).
Da aber zur Wahrheit als Selbigkeit ursprünglich die Notwendigkeit
(άναγκαϊον) gehört, wird sich das Zusammensein erst dann als eigentlich
wahres (präsentes) begreifen lassen, wenn es gelingt, ein notwendiges
συηβεβηκός 2u denken. Indem das συμβεβηκός das xoc&J αϋτο in sich
aufnimmt, das ursprünglich die Präsenz als solche im Gegensatz zum
συμβεβηκένοα auszeichnet, witd durch das sich daraus ergebende
(τομβεβηκ&ς καθ1 αυτό der Boden gelegt für die in den Zweiten Analytiken
entwickelte neue Form von Wissenschaft, deren Wesen nicht mehr darin
besteht, das Einfache bloß als solches definitorisch zu schauen, sondern in
seiner Zwiefältigkeit und d. h. seinem Vorliegen zu begründen {§ 9).
Im 1. Kapitel des Buches Ζ der '„Metaphysik" wird die Zwiefältigkeit
nicht als eigenes £v und öv thematisch, aber die Unselbständigkeit und
Defizienz des Öv und £v der einen Seite, nämlich der vorliegenden
Kategorie, wird in ihrem Verhältnis zur ουσία so herausgearbeitet, daß sie als
„Präsenz von —" die Angewiesenheit auf die Zwiefältigkeit in ihr eigenes
Wesen aufnimmt; diese Unselbständigkeit der Kategorie als

37
™--» .....-.... -... -π.. . . ......^c^ ^miT^mmmmmmmmmmmimtiiiiiemm
καθ·* υποκειμένου λεγόμενον wird als Ausgang Üicnen für das Verständnis des δν καθ* υποκειμένου gesagt (2allf.), während die zweite ουσία καθ-' υποκειμένου von
κατά συμβεβηκός (§ 7). der ersten gesagt wird. Erste ουσία ist jedes einzelne Seiende, z. B. ein einzelner
Zugleich soll sie an Profil gewinnen, indem wir sie gegen die zeitlich wesentlich Mensch (6 τις άνθρωπος). Zweite ουσία ist das ε δος, „in dem" eine erste ουσία
früher liegende „KategorienschriEt'' abheben1, in der Aristoteles das Verhältnis der „vorliegt", (ζ. Β. „Mensch") oder das γένος des ε δος (2al5f.). Das gleiche
Kategorie zur ουσία noch nicht als καθ* υποκειμένου λέγεσ&οα verstehen kann; Verhältnis besteht aber auch innerhalb der anderen Kategorien (la29fr.): so wird ζ. Β.
weil die Lehre der Kategorienschrift keinen eigenen positiven Sinn hat, sondern die das γένος επιστήμη (das zur Kategorie des προς τι gehört, 6b3) καθ·' υποκειμένου
spätere Auffassung bereits vorhanden ist vmd sich nur noch nicht gegen den vom ε δος γραμματική επιστήμη gesagt und dieses ε δος wiederum καθ*
bisherigen Sinn des Seins (die einfache Selbständigkeit) durchzusetzen vermag, kann υποκειμένου von einer einzelnen γραμματική επιστήμη. Das „Einzelne" wird in den
die frühere Position erst rückläufig aus der bereits in der Einleitung vorbereitend Beispielen mit dem unbestimmten Pronomen τις und begrifflich als άτομον και έν
entwickelten späteren Lehre verstanden werden (§ 6). αριθμώ (Ibo, 3bl2) bezeichnet, an einer Stelle auch als καθ' έκαστο ν (2b 3).
Von daher kann nun auch die zweite der drei Einteilungen verstanden werden, in
der (la20ff.) das Seiende in vier Arten unterschieden wird: 1. was weder εν
ΰποκειμένω ist noch καθ' υποκειμένου gesagt wird (Einzelnes innerhalb der 1.
§ 6. Das Verhältnis der übrigen Kategorien %ur ούαία in der Kategorie); 2. was nicht έν ύποκειμενω ist, aber καθ' υποκειμένου gesagt wird (εΐδος
Kategorienscbrift und γένος innerhalb der 1. Kategorie); 3. was έν ΰποκειμένω ist, aber nicht καθ'
υποκειμένου gesagt wird (Einzelnes innerhalb der übrigen Kategorien); 4. was έν
DieBetrachtungdereinzelnenKategorien(Kap.5ff.)wirdinderKatego-rienschrift ΰποκειμένω ist und καθ' υποκειμένου gesagt wird (εΐδος und γένος innerhalb der
durch einige allgemeinere Ausführungen eingeleitet, zuerst (Kap. 1) die Erklärung übrigen Kategorien).
der Begriffe „homonym", „synonym" und „paro-nym", dann (Kap. 2-4) folgen drei Die Hinsicht dieser Einteilung ist die jeweilige Selbständigkeit und
Einteilungen: Unselbständigkeit. Die erste ουσία ist deswegen die eigentlichste, weil sie die
In der ersten (laloft.) wird alles „Gesagte" unterschieden in solches, was aus sage schlechthin selbständige ist, da sie „allem anderen zugrunde liegt" (2b37f.) und, wenn
maß ig zusammengesetzt ist (κατά συμπλοκής) (ζ. Β. „Mensch läuft"), und solches, sie nicht ist, „nichts von dem anderen sein kann" (2b5f.). ε δος und γένος der ersten
was nicht zusammengesetzt ist (άνευ συμπλοκής), aber mögliches Element einer ουσία sind zwar auch noch ουσία, weil sie jeweils eine erste ουσία in dem, was sie
solchen Zusammensetzung ist (ί. Β. „Mensch", „läuft"). ist, kundtun (2b30f.), aber sie sind bloß „zweite ουσία", weil sie trotz ihrer
Das ehne Zusammensetzung Gesagte wird dann in der dritten Einteilung {Kap, 4) Einfachheit kein eigentlich Eines sind (3bl6), sondern „von vielem gesagt werden"
in 10 Arten unterschieden, die nachher auch, γένη (lla38) und κατηγορίαι (10M9/23) (3bl6f.). Nur das Einzelne ist Eines der Zahl nach (εν αριθμώ) und unteilbar (ατομον)
genannt werden. An erster Stelle steht die ουσία, die sich von den anderen und daher τόδε τι (3bl0-12). Während sein Sein somit in sich geschlossen und also
Kategorien dadurch auszeichnet, daß sie nicht έν υποκείμενη ist (3a7). Alle anderen selbständig ist, hat die zweite ουσία ihr Sein jeweils erst in dem „ist", in dem sie καθ'
Kategorien sind έν υποκείμενη, nämlich in det ουσία. υποκειμένου von einem jeweiligen ύποκείμενον gesagt wird!.
Aus dem folgenden Kapitel über die ουσία geht hervor, daß es zwei Arten von
ουσία gibt. Beiden ist gemeinsam, daß sie nicht εν ύποκειμενω sind (3a7), aber die
eigentlichste und daher erste ουσία wird auch nicht
1
Das Kriterium der Differenzierung in eigentliche und uneigentliche ουσία ist hier
1
Ein ausdrücklicher Beweis, daß die Kategor lenschtift zum Frühesten gehört, was also die Selbständigkeit, während es später gelingt, das elSoq selbst als τόΒε τι zu
von Aristoteles erhalten ist, soll hier nicht gegeben werden; erstens ergibt es sich denken und dann innerhalb des Einzelnen zwischen eigentlicher und uneigentlicher
irnplicite aus der folgenden Darstellung, zweitens hat sich diese Auffassung auch ουσία zu unterscheiden, so daß dann das Kriterium die Einfachheit sein kann. Indem
sonst weitgehend durchgesetzt, vgl. Kapp, ρ. 40. Bei Kapp ist auch der enge die Kategorienschrift sowohl das Selbständige als auch die Präsenz ούαία nennt, löst
Zusammenhang zwischen det Kategorienschrift und der heute allgemein als sehr früh sie scheinbar die Aufgabe, die ουσία als Setbständigvorliegendes und Einfaches zu
feststehenden Topik erkannt. Ganz anders K. v. Fritz, der zwischen Topik und denken, und verdeckt doch durch die Verteilung auE zwei ούσίαι das Problem dieses
Kategorienschrift die Zweiten Analytiken einordnet (S. 490); für seine späte „und". — Weil in der Kategorienschrift das ε δος als zweite ουσία unmittelbar
Datierung ist eine bestimmte Auffassung des „έν ΰποκειμένφ" der Kategorienschrift neben das γένος rückt und sein Verhältnis zum vielen Einzelnen analog ist ium Ver-
bestimmend, das in der Interpretation, die im folgenden gegeben wird, gerade zum hältnis des γένος zu den mehreren ΕΪ8η, ist nicht bloß das γένος, sondern auch das
wichtigsten Argument für das frühe Datum wird, zumal es sich auch hier um eine ε δος, wenn auch in anderer Weise, weiter „teilbat". Daher ist hier und in der Topik
Kongtueni mit der Topik handelt (vgl. S. 40), (121a36, 122Ü21, 144b2) das Ατομον eine Auszeich-

33 , ■ 39
also auch sachlich nicht unterscheidet, ζ. ΒΪ Rind und Mensch lassen sich beide als
Diese Erklärung der Unselbständigkeit des Allgemeinen unterscheidet sich nicht Tier ansprechen und haben qua Tier auch die gleiche Definition (la8ff.). In einem
prinzipiell von der späteren Auffassung. Die Unselbständigkeit der jibrigen etwas anderen Sinn kann man dann auch sagen (3a33ff,, }09b6£.), daß Tier synonym
Kategorien hingegen, die Aristoteles später durchgängig ebenfalls als κα&' von Mensch und Mensch synonym vom einzelnen Menschen gesagt werden kann,
υποκειμένου λέγ/εσ&αι begreift, -wird hier und in der Topik (vgl. 127bt, 132b 19 ff.) weil auch hier sowohl Name als auch Definition des einen (nämlich des jeweils
als έν ϋποκειμένω et ναι verstanden1. Die Wandlung der ontologischen Auffassung, Allgemeineren) auch vom anderen gelten (109b6f.). Das Verhältnis ist jetzt aber
die sich in dieser geringfügigen Verschiebung der Terminologie verbirgt, läßt sich einseitig und betrifft nicht mehr die eindeutige Sachbezogenheit des Wortes, sondern
aus einigen Hinweisen und weiteren Aspekten der Kategorienschrift rekonstruieren: die Weise seines Sagens*. Diese zweite Bedeutung von Synonym hat nicht mehr in
Aus einer genaueren Erklärung (2al9fV.), wie das καί>' υποκειμένου λέγεσθαι von γένος der Homonymität, sondern in der Paronymität ihren Gegensatz.
und ε δος zu verstehen sei, ist zu ersehen, unter weichet Bedingung die Paronym (lal2ff.) ist etwas von einem anderen, wenn es zwar durch das gleiche
Kategorienschrift etwas als καΐτ' υποκειμένου λεγήμενον anerkennen kann: „Von dem, Wort, aber in einer durch πτώσις veränderten Form dieses Wortes angesprochen wird;
was καί>' υποκειμένου gesagt wird, muß sowohl der Name als auch die Definition vom so ist ζ, Β. „der Tapfere" paronym zur „Tapferkeit", „der Sitzende" oder auch eine
όποκείμενον ausgesagt werden" (können); „Name" (όνομα) ist das Wort spezifisch in fkiite Form des Verbums (vgl. 109b3f.), ζ. Β. „sitzt", paronym zum „Sitzen", πτώσις
seiner nominalen (substantivischen) Form, in der es auch der Definition entspricht, da es bedeutet im Unterschied zu der in der Stoa sich vollziehenden Verengung auf den
dann das Jeweilige als solches (καθ* αύτο) anspricht (vgl. S. 18). Von dem aber, was έν Casus des Substantivs bei Aristoteles noch jede grammatische Abwandlung einer als
ύποκειμένφ ist, also von den übrigen Kategorien, kann (2a27ff.) nur selten der Name und ursprünglich angesetzten Wortform*; paronym ist aber spezifisch nur eine solche
nie die Definition vom ύποκείμενον ausgesagt werden. Denn während man ζ. Β. von einem Modifikation durch πτώσις, bei der die ursprüngliche Wortfofm ein „Name" ist und
einzelnen Menschen sowohl den Namen als auch die Definition von „Mensch" (ε δος) mit dem modifizierten Wort ein gegenüber dem im Namen Genannten (ζ. Β. „die
und „Tier" (γένος) aussagen kann, ist es, wenn ζ, Β. „Blindheit" „im" Menschen ist Tapferkeit") anderes angesprochen wird (ζ. Β. ein Mensch), und zwar so, daß dieses
(12a39ff.), nicht möglich, zu sagen: „Der Mensch ist Blindheit", und ebensowenig kann nicht mehr genannt wird, sondern etwas anderes (ζ. Β. „tapfer"), was es nicht als
man den ορισμός von „Blindheit" auf den Menschen anwenden, sondern nur auf die solches ist, von ihm gesagt wird. Hier läßt sich dann ebensowenig wie bei der
einzelne Homonymität die Definition anwenden, aber nicht weil es sich beim gleichen Namen
Blindheit im Menschen. ηm eine andere Sache handelt, sondern weil das Wort überhaupt nicht mehr als Name
Diese Erklärung wird ergänzt durch einen zweiten Hinweis, den Aristoteles fungiert.
3a33ff. gibt (vgl. auch 10a27ff., Top. 109blff.): das γένος wird vom ε δος und das Wenn nun also Aristoteles sagt (3a33ff.), die Aussageweise von ε δος und γένος
ε δος und γένος vom Einzelnen συνωνύμως gesagt. Synonym ist nach der sei synonym, so ist damit nichts anderes gemeint als mit der ersten Erklärung, daß
Erklärung am Anfang der Kategorienschrift (lalff.), zunächst im Gegensatz zu ihre Namen und Definitionen vom ύποκείμενον gesagt werden können. Doch ist mit
homonym, was nicht nur den gleichen Namen, sondern auch die gleiche Definition der Paronymität jetzt zugleich eine andere Möglichkeit des καθ' υποκειμένου
hat, sich λέγεσ&αι sichtbar geworden, bei der das vom ύποκείμενον Ausgesagte nun nicht
nung des Einzelnen im Gegensatz tum γένος und zum εΐδας, während in der mehr als Name fungiert: Auch alles, was έν ποκείμενη ist, kann also καθ*
„Metaphysik" das αίτομον ein Charakter des εΐΒος im Gegensatz zum γένος ist υποκειμένου gesagt werden, wenn es nur paronym modifiziert wird (10a27ff.)e. Als
(998b29, 1058al8, blO, 105%36) und spezifisch dem ε δος auch im Gegensatz zum paronymes ist es aber nicht mehr, was es als
ούνολον zugesprochen wird (1058b 10). Put das Einzelne, insofern es vom εΐδος
unterschieden wird, steht ϋταμον innerhalb der Metaph. nur (obwohl auch da nicht 1
Dabei wird jetzt auch nicht mehr unterschieden zwischen dem Namen Tier und
ganz eindeutig) 995b29, 998M6 und 999al5, also im Aporienbuch B, das von der Sache (dem γένος) Tier. Das ist jetzt, da durch die Definition die Homonymität
früheren Anschauungen ausgeht, um die neuen Erörterungen vorzubereiten, und daher ausgeschaltet ist, also keine Differenz mehr zwischen Wort und Gemeintem besteht,
sachlich in vielem eine Zwischenstellung einnimmt; bezeichnenderweise wird im nicht mehr notwendig.
gleichen Zusammenhang das ίΐδος als ίο-χα-rov γένος betrachtet (995b29f., 998bl4ff.. ' Vgl. Trendelenburg, S. 27 f.
999a31). — Die Verbindung ϊτομον καΐ 6ν άριθμφ als Terminus für das Einzelne ' Daraus wird auch deutlich, warum gesagt wurde (2a29), daß doch auch bei
findet sich nur in manchem, was έν ύιτοκειμένφ ist, der Name vom ύποκείμενον gesagt werden kann;
der Kategonenschrif t. immer dann nämlich, wenn sich bei der griechischen Wortform die Paronymität von
"Der Ausdruck kommt allerdings auch noch De Interpr, 16b 11 vor, ist aber mit der Synonym (tat äußerlich nicht unterscheidet; der „Name" fungiert dann also gar
Recht von Minio-Paluello in der Oxford-Ausgabe gestrichen worden, da er hier vom nicht als Name.
Verbum gesagt wird, von dem A. nie, auch nicht in der Kategorienschrift, gesagt
hätte, es sei έν ύποκειμένω, vgl. S. 41 f. 41
40 ■ ■ k

r
solches (καθ1 αυτό) ist, sondern ist vielmehr als ein anderes (nämlich als das κατά τίνος, gefaßt wird (2a4ff.); und das τι κατά τινός und nicht das τι έν τινί
ΰποκείμενον): es ist in sich zwieiäLtig und steht gar nicht raeht als ein Etwas ist auch gemeint, wenn in der ersten Einteilung der Kategorienschrift (ialuff.)
im Blick, sondern ein Etwas ist in der paronymen Aussage nur noch das das Zusammengesetzte vom Unzusam menge setzten unterschieden wird (S.
ΰποκείμενον. 38), Neben diesem paronymen Verhältnis wird aber das eigene Einzelwesen
Wenn nun einerseits die Kategorie bereits als καθ' υποκειμένου λεγόμενο ν im ΰποκείμενον gedacht, und erst auf Grund seiner Anwesenheit in diesem
gesehen wird, anderseits dennoch nicht in ihrem Sein als solche bestimmt soll dann das ΰποκείμενον auch paronym nach ihm angesprochen werden
werden kann, so liegt das nicht an einer anderen positiven Konzeption der können (10a27L). Da dieses Einzelwesen die vorliegende Kategorie als ov
Sache, sondern lediglich daran, daß der bisherige Sinn des Seins (dasxuc0- ist, muß ungeklärt bleiben, was für einen Seinscharakter das paronym
'aix6) noch nicht so radikal um gedacht ist, daß die paro-nyme Form als das Gesagte hat, denn es ist weder die vorliegende Kategorie, da es nicht von
einem Öv angemessene Woit begriffen werden kann. So wesentlich steht die dieser, sondern vom ΰποκείμενον gesagt wird, noch ist es das ΰποκείμενον,
Kategorienschrift ontologisch noch auf dem Boden der Ideenlehre, daß als ov da es von ihm als von einem anderen gesagt wird. Sobald aber sein
eine Präsenz nur so gedacht werden kann, wie sie im ορισμός und in der Seinscharakter faßbar werden wird und es selbst also als ov denkbar, wird
nominalen Anrede im Blick steht. Auch später entspricht der auch das Einzelwesen hinfällig.
"Verselbständigung, die im ορισμός geschieht, dem λόγω χωριστάν, das Erst wenn dann das Verhältnis zum ΰποκείμενον als καθ' υποκειμένου
synonyme Ansprechen. Aber in dieser Frühschrift muß die Kategorie auch in λέγεσθαί gedacht wird, wird es überhaupt als ein Seins Verhältnis verstanden
ihrem Vorliegen, wenn sie überhaupt noch ein ov bleiben soll, als in sich werden. Dies mag verwundern, da doch vielmehr im έν ΰποκειμένω ε ναι
Selbständiges, als Etwas gedacht werden. Daher w i rd die ν ο r lie gende Ρ ras das Sein ausdrücklich ausgesprochen ist und man sich durch das λέγεσθαί
en ζ als ein eigenes Einzelwe se η ko η s truier t (άτομον καίένάριθμω, lb6- sogar zu der Aristoteles ganz fremden Erklärung verleiten ließ, das καθ'
3),das synonym an gesprochen wird und selbst von nichts weiterem gesagt υποκειμένου stehe für das logische Verhältnis im Unterschied zum έν
werden kann. So bleibt nichts anderes übrig, als sie irgendwie „im" ΰποκειμένω als dem realen1. Im λέγεσθαί κατά und ε ναι έν stehen sich
ΰποκείμενον zu denken; doch bleibt offen, wie dieses έν genauer zu verstehen nicht Logisches und Reales gegenüber, sondern zwei verschiedene sachliche
ist. εν ΰποκειμένφ „nenne ich, was in etwas f aber nicht als Teil, vorliegt und Strukturen: auch das λέγεσθαί κατά ist ein ε ναι, nämlich jenes „ist", das im
nicht getrennt von dem sein kann, in dem es ist" (la24f.). Eine positive Ansprechen von etwas als etwas gemeint ist, das also wohl das „Sein" des
Erklärung wird nicht gegeben und kann nicht gegeben werden, weil das έν Urteils ist, jedoch nur weil es das Sein des im Urteil aufgezeigten Seienden
ΰποκειμένω eine Verlegenheitslösung ist, mit der erreicht wird, die Präsenzen ist (S. 23). Aber nicht nur ist auch das λέγεσθαί κατά ein εΐναι, sondern
der übrigen Kategorien in einer faktischen Unselbständigkeit zu denken, ohne umgekehrt ist gerade das έν ύποκειμένω ε ναι nicht ein Seins Verhältnis,
daß dadurch ihr eigenes Wesen tangiert wird. Da das άτομον και έν αριθμώ weil dabei das Verhältnis zum ΰποκείμενον lediglich im έν liegt und das
die einzige Wesensbestimmung der Kategorienschrift für das τάδε τι ist ε ναι das bloße Vorhandensein bedeutet. Dagegen ist das etvat, für das das
(3Μ0-12), unterscheiden sich dann die übrigen Kategorien von der ersten λέγεσθαί κατά steht, selbst der Träger des Verhältnisses. Und gerade
ουσία schließlich nur dadurch, daß sie de facto nicht getrennt von ihr deswegen, weil hier das Verhältnis durch das ε ναι selbst hindurchgeht,
vorkommen. kann dieses ε ναι in der Kategorienschrift noch nicht als ε ναι gedacht
Wenn die übrigen Kategorien in ihrem Vorliegen nicht paronym, sondern werden. Da das ov zunächst als Einfaches verstanden ist, ist als
selbst je und je als ein Etwas gedacht werden, ist also ihr eigentümliches Seinsverhältnis nur jenes λέγεσθαί denkbar, in dem von etwas gesagt wird,
Wesen preisgegeben, demgemäß sie vielmehr Präsenzen von Etwas sind. In was es καθ' αυτό ist (γένος und εΐδος)fl. Hier aber ist ein λέγεσθαί zu denken,
dieser Verdinglichung unterscheiden sie sich weder voneinander noch vom
τόδε τι. Es hätte also zu der Unterscheidung der verschiedenen
Kategoriengattungen, die eine Unterscheidung hinsichtlich ihres ' Vgl. Trendelenburg, S. 18 f, — Auf dem gleichen Irrtum beruhen auch die
„Prädikatscharakters" ist (S. 28), gar nicht kommen können, wenn nicht Überlegungen von K. v. Fritz, S. 480 ff.
gerade ihr paronyrnes Wesen schon von vornherein für ihre Konzeption ' Die spezifische Differenz, nimmt hier naturgemäß eine ungeklärte Zwi-
schenstellung ein, denn sie sagt von der jeweiligen Präsenz nicht etwas anderes,
maßgebend gewesen wäre, sondern spricht sie καδ' αίιτύ ?.n, aber nicht als mögliche Antwort auf ein τί έστι (S.
Daher stehen die Kategorien in der Kategorienschrift immer auch in der 18, Anm. 16) und somit nicht als Selbständiges. Bei ihr kann daher wohl die
paronymen Form im Blick; in dieser treten sie in den Beispielen der Definition, aber gerade nicht die substantivische Wertform von der Präsenz gesagt
Aufzahlung des vierten Kapitels auf; als καθ' υποκειμένου λεγόμενα werden werden. Deshalb spricht A. in der Kategorienschrift meist nur von γένος und £Ϊ8ος,
aber 3a33-b9 setzt er sich über alle Schwierigkeiten hinweg und behauptet auch von
sie auch verstanden, wenn dort die Zusammensetzung dieses zunächst der Differenz die Synonymität.
Unzusammengesetzten als κατάφασις, d, h. als λέγεσθαί τι
42 43
in dem etwas als etwas anderes ist, als etwaSi was es nicht καθ' αυτά ist — nämlich ein bestimmtes ΰποκείμεναν haben — und das ist die ουσία und das
ein ε ναι also, das in sich gebrochen ist, und ein Öv, das in sich zwiefältig Einzelne (το καθ' εκαστον) —, was in einer derartigen Bezeichnung
ist. Solange das nicht gelingt, wird das ε ναι dieses λέγεσθαι nicht subjektiv miterscheint. Denn ,das Taugliche' oder ,das Sitzende' wird nicht ohne dieses
logisch, verstanden, sondern sein Sinn bleibt einfach offen. (das ύποκείμενον) gesagt. Also ist klar, daß (nur) auf Grund von dieser (der
Kategorie in der paronymen Form) auch jedes von jenen (den Kategorien in
der synonymen Form) seiend ist, so daß das eigentlichst Seiende und nicht
(nur) So-Seiende, sondern schlechthin Setende die ουσία wäre."
§ 7. Das Verhältnis der übrigen Kategorien ^ur ουσία in Mtiapb. ZI Weil also das Sein der jeweiligen Kategorie darin besteht, Seinsweise des
Vorliegenden zu sein, wird gerade das Paronyme als δν gedacht und
Die Erörterung der Kategorien in Metaph. ZI knüpft (l028alOf.) an das gegenüber dem Synonymen zur ursprünglicheren Form, und zwar aus
Kapitel Δ7 ah, in dem die Weisen des Öv (und des dazugehörigen έστι) nach demselben Grund, weswegen es in der Kategorienschrift noch nicht als öv
den verschiedenen Kategorie η unterschieden (1017a22ff.) und im ganzen als zugelassen werden konnte: weil in ihm zugleich ein anderes (das
das δν καθ·' αυτό dem δν κατά συμβεβηκός gegenübergestellt werden (a7f., ύποκείμενον) ,,miterscheint" und es somit in sich zwiefältig ist, Hand in
a22f.). Wenn in Ζ das 3v f) δν untersucht werden soll, so geht es also von Hand mit dem paronymen Charakter der Kategorie geht die neue Auffassung
vornherein nur um das δν καθ-' αυτό, d. h. um das Sein der jeweiligen der Einzelheit, Nur das ύποκείμενον ist Einzelnes (καθ1 εκαστον); für die
Präsenz als solcher, nicht um das Zusammensein mit anderen. Dabei hat das übrigen Kategorien steht an Stelle der Einzelheit die Zwiefältigkeit: gerade
καθ·' αυτό in Δ7 eine Bedeutung, die sonst ohne Parallele ist, weil es hier jenes andere, was in der paronymen Bezeichnung miterscheint, ist es, was
nicht bloß von der jeweiligen Präsenz, dem jeweiligen ίίν gemeint ist, die jeweilige Kategorie zu einer einzeln Vorliegenden macht. Es gibt nicht
sondern von seinem Εστί (a22, 24, 27,28, 29). Dieses £στι, das von einem mehr so etwas wie ein einzelnes Sit2en („in" einem Menschen), sondern nur
Öv gesagt wicd, bedeutet die Faktizität seines Vorliegens, und erst wenn den einzelnen Menschen, der sitzt: einen sitzenden Menschen.
dieses eVu von ihm gesagt werden kann, ist es ein Öv im eigentlichen Sinn. Auch in der Kategorienschrift wurde das Sein der Präsenz bereits in ihrem
Mit diesem Z\ καθ-' αυτό wird also von den συμβεβηκότα, aber nicht vom Vorliegen gesehen, aber dieses wurde noch aus dem Wesen der
Vorliegen abstrahiert; es meint nicht das Sein der Präsenz als solcher im verselbständigten einfachen Präsenz gedacht. Die Unselbständigkeit der
Sinn des τί ήν ε ναι, sondern das Sein der vorliegenden Präsenz als solches. übrigen Kategorien, ihr Bezug zur ουσία, war ihrem eigenen Sein noch
Nur wenn in dieser Weise einerseits von den συμβεβηκότα abgesehen äußerlich. Jetzt hingegen ist die ουσία das, als welches das übrige seiend ist:
werden kann, anderseits das jeweilige Öv in seinem vollen Sinn genommen der Bezug zur ουσία liegt im εστί der Kategorie selbst. Mit dieser inneren
wird, kann die Frage nach seinem Sein gestellt werden. Zwiefältigkeit der übrigen Kategorien, mit dem onto-logischen Charakter
Auch in ZI wird daher das Öv (die Präsenz) sogleich als Vorliegendes ihrer Unselbständigkeit ist zugleich auch erst die Seinsursprünglichkeit der
verstanden, und zwar im Gegensatz zur Kategorienschrift so, daß sein ουσία o n t o l o g i s c h erwiesen, da erst jetzt das Sein der Kategorie 1. in sich
Vorliegen und ,d. h. Sein darin besteht, daß es eine Seinsweise von einem defizient und daher 2. auf die ουσία angewiesen ist. Und so kann Aristoteles
τόδε τι ist: „Die übrigen werden Οντά genannt dadurch, daß sie von dem in in der oben zitierten Stelle unmittelbar ans der Priorität des Paronymen
dieser Weise Seienden (dem τόδε τι) Quantitäten oder Qualitäten oder gegenüber dem Synonymen auf die οΰσΐα als das πρώτως Öv folgern. Daß
Zustände oder etwas anderes sind" (alSf.)», Also 1. ist jedes von ihnen eine die ουσία nicht nur das πρώτον Öv, sondern auch das πρώτως Öv, nicht nur
Präsenz des Vorliegenden, und 2. besteht nur in diesem Bezug sein Sein. das eigentlichste Seiende, sondern das eigentlichst Seiende genannt wird,
In den anschließenden Sätzen -wird dann der Gegensatz zur Katego- darin liegt, daß die Eigentlichkeit das έστι (εΐναι) des δν betrifft, also
rienschrift voll sichtbar (a20ft\): „Daher könnte man daran zweifeln, ob ,das ontologisch gemeint ist.
Gehen' und ,das Sitzen' usw. jedes überhaupt ein Seiendes (Öv) bedeutet, Anschließend wird 1028a31-b2 diese Seinsursprünglichkeit eigens nach
ebenso bei jedem anderen derartigen. Denn keines von ihnen ist selbständig drei Seiten entwickelt: die ουσία ist das πρώτον hinsichtlich der Zeit
(καθ·' αυτό) oder imstande, von der ουσία getrennt zu werden (χωρίζεσθαι), (χρόνω), des Wissens (γνώσει) und der Definition (λόγω). Der Schlüssel zum
sondern eher, wenn überhaupt, sind das Gehende, das Sitzende usw. Verständnis dieser dreifachen Hinsicht, die sich mit keiner sonstigen
Seiendes. Diese scheinen eher Οντά zu sein, weil sie Gliederung der verschiedenen Bedeutungen des πρώτον genau deckt und aus
dem bestimmten Zusammenhang verstanden werden muß, ^iegt darin, daß
» Vgl. auch 996M6-18,1003b6ft\, 1061a8f. jede der drei Ursprünglichkeiten eine solche

44 45
des S e i n s (ε ναι) ist; nur so können sie die ουσία als das ιΐρώτως δν sichtlich ist (99obl4fT.): „Da man ein und dasse in vielfähiger Weise wissen
erweisen. kann, sagen wir, daß die es mehr erkennen, die es hinsichtlich des Seins (τω
Die Ursprünglich kek der Zeit nach-wird darin gesehen, daß „von den ε ναι) wissen, als die, die es hinsichtlich des Nichtseins wissen, von diesen
übrigen Khtegorien keine losgelöst (χωριστόν) ist, sondern allein diese" selbst aber der eine mehr als der andere, und am meisten der, der weiß, was
(a33f.), Diese kurze Erklärung genügt, weil sie durch die bisherigen es ist, und nicht der, der weiß, wie groß oder wie beschaffen oder was zu tun
Ausführungen des Kapitels vorbereitet ist. Die Priorität der ουσία zeigt sich oder zu leiden es fähig ist."
dabei1 1. im ursprünglicheren Sein, 2. im Grundsein für das Sein des Das ε ναι., um das es sich hier handelt, ist dasselbe έστι wie bei der
übrigen. Priorität hinsichtlich der Zelt, aber es wird nach einer anderen Seite seines
Diese Ursprünglichkeit des χωριστόν wird sonst nirgends χρόνω genannt, Wesens betrachtet: dort bedeutete das έστι das Vorliegen (ύπάρ-χειν) der
sondern πρότερον τω ε ναι (1077bl3) oder-rf) ουσία (1077b2f., 1019a2f.). Präsenz; hier sagt dieses selbe έστι die Präsenz vom ύποκεί-μενον aus: es
Was bei den übrigen Kategorien unselbständig, bei der ersten selbständig und fungiert als λέγεσ-9-αι κατά (,,Copula"). Auch nach dieser Seite des ε ναι
daher eigentlich ist, ist ihr ε ναι (εστί), nämlich jenes, das von der ist die ουσία das ursprünglichst Seiende, weil einzig das, was innerhalb der
jeweiligen Präsenz die Faktizitat ihres Seins (also tei jeder außer der 1. Kategorie vom ΰποκείμενον gesagt wird, dieses als solches (κα-9'1 αυτό)
göttlichen das „Vorliegen") aussagt. Wenn dieses ΐτρότερον τω εΐναι auch kundtut, nämlich als das, was es ist, während das έστι der übrigen Kategorien
πρότερον τϊ) ουσία genannt wird, so darf dabei ουσία natürlich nicht im Sinn dem ύποκείμενον seine weiteren Seinsweisen paronym zuspricht. Das, was
der 1. Kategorie verstanden werden10, Sondern das Wort Steht für eine als Selbständiges vorliegt (καθ-' αυτό ov) kann auch als Vorliegendes in
Substantivierung des ε ναι, bedeutet falso dasselbe wie τό ε ναι, wie zu seiner S e l b i g Iceit angesprochen werden (λέγεαθ-αι κα-fr' αυτό). In der
ersehen ist aus der Erklärung, τη ουσία πρότερα sei δσα χωριζόμενα τω εΐναι Kategorienschrift war dies das einzige λέγεσθαι (ε ναι), das zugleich das
υπερβάλλει (1077b2f.), „was, wenn es losgelöst wird, hinsichtlich des Seins έστι eines Öv sein konnte, jetzt bleibt es das eigentlichste.
weiterwährt"". Weil in ZI dieser Gebtauch von τη ουσία unmittelbar neben Im Gegensatz zur Kategorienschrift können die übrigen Kategorien nicht
ουσία als \. Kategorie verwirrend gewesen wäre und auch τω εΐναι hier nicht mehr als vorliegende καθ-' αυτό und synonym angesprochen werden, wohl
gesagt werden darf, da an dieser ausgezeichneten Stelle alles darauf an- aber noch dann, wenn sie aus dem Vorliegen herausgehoben und als λόγ(ι>
kommt, auch die beiden anderen Prioritäten als solche eines ε ναι er- χωριστά betrachtet werden. Als solche sind sie zwar überhaupt nicht mehr
scheinen zu lassen, wird diese Priorität χρόνω genannt; denn dieses ε ναι, seiend (vorliegend), aber das ε ναι im Sinn des λέγεσθ-αι kommt ihnen
also das ΰπάρχειν im Sinn der Faktizitat des Anwesens, ist ein Gegen- dann in der gleichen ursprünglichen Form wie der ουσία zu, und so kann
wärtigsein, und zu diesem gehört, wenn es als solches Bestand haben soll, Aristoteles in Zt als zweites Argument für die Ursprünglichkeit des der ουσία
das Bleiben, Die ουσία ist das eigentlichst Gegenwärtig seiende, weil sie eigentümlichen εΐναι hinzusetzen (blf.), daß wir „auch jedes von diesen
selbständig „hinsichtlich des Seins weiterwährt" und zugleich als Zugrunde selbst dann erkennen, wenn wir wissen, was das Wieviel oder Wiebe Schafte
bleibendes (ΰπομένον) der Grund jeglicher Dauer der Anwesenheit des η ist"11. Dieses Argument könnte in unserem Zusammenhang befremden,
übrigen ist. denn indem es .an die Möglichkeit der Verselbständigung (λόγω χω ρ ιστό ν)
Der innere Zusammenhang der drei Prioritäten wirdfdeutlich, wenn man auch der übrigen Kategorien erinnert und darin ihr ursprüngliches Sein
jetzt das γνώσει πρώτον vor dem λόγω πρώτον betrachtet: „Und wir meinen wenigstens nach einer Seite des εΐναι sieht, treten die Kategorien gerade in
etwas dann am meisten zu wissen, wenn whj erkennen, was der Mensch dem Aspekt ihres Wesens vor den Blick, der scheinbar nicht auf die ουσία
oder das Feuer ist, mehr als wenn wir ihr Wie-BeschafTen oder Wie-Groß angewiesen ist und aus dem sich daher auch keine Priorität der ουσία zu
oder Wro erkennen" (a36f.). Auch hier ist die gemeinsame Hinsicht ein Sein ergeben scheint.
(ε ναι), wie aus der einzigen Parallelstelle er- Doch wir stehen mit dem λόγω χωριστόν zugleich bei der dritten Priorität,
und hier sagt Aristoteles (a34f.): „Und auch hinsichtlich des λόγος ist dieses
10
Denn daraus ergäbe sich der Unsinn, daß die 1. Kategorie hinsichtlich das Ursprünglichste, denn notwendigerweise muß im λόγος von jedem der
ihrer selbst ursprünglicher sei als die übrigen, und das, im Hinblick worauf λόγος der ουσία mitenthalten sein," Damit wird den übrigen Kategorien nicht
verglichen
11
wird, wäre kein Drittes. nur das απλώς χωριστόν, sondern auch das λόγω χωριστόν abgesprochen.
Umgekehrr liegt vielmehr hier der Grund, warum oünta zum Titel für Natürlich kann die Präsenz immer noch aus ihrem jeweiligen Vorliegen
das τόΒε τι werden konnte: das τόδε τι ist jenes δν, dessen elvcti (οίιαία)
auf kein anderes angewiesen ist. Auch der andere terminologische Gebrauch herausgehoben, allgemein als,,
von ουσία (im Sinn des τ[ ήν εΐναι) hat seinen Ursprung in der Substanti
vierung eines (allerdings ganz anderen) εΐναι, vgl. S. 19. Für den vortermirto- la
Der entsprechende Zusatz findet sich auch in der Parallelstelle 996bi8ff.
logischen Gebrauch von ουσία im Sinn von τ£ι ε ναι auch in anderen Zu
sammenhängen vgl. Bonitz, index 544a26ff.

46 47
solche vorgestelLt und in ihrem τί ήν εΐνο« umgrenzt werden (sonst ließe sie Aristoteles abschließend folgern, daß „also das einst und jetzt und immer
sich überhaupt nicht als ein Bestimmteil in den Blick fassen); dabei muß Gesuchte und immer Erfragte, τί το ov, dies ist: τις ή ουσία . . „ und so
iwar von der bestimmten einzelnen ούατία abgesehen werden, aber müssen auch wir am meisten und ersten und sozusagen allein das in solcher
überhaupt von einer ουσία läßt sich auch das τί ήν ε ναι nicht mehr Weise Seiende bettachten" (1028b2rT.). So führt der bisherige Sinn des
isolieten. Dieser weitere Schritt, der die Zwiefältigkeit des Vorliegens über Seins (das schlechthin Eine) dazu, daß die übrigen Kategorien, sobald sie in
das faktische Vorliegen hinaus in das innere Wesen der einfachen Präsenz als ihrem zwiefältigen Sein entdeckt sind, auch schon aus der Untersuchung
solcher hineinträgt, ergibt sich notwendig aus der Konzeption der Kategorien ausgeschaltet werden, der neue Sinn des Seins also nicht eigens zum
als Seinsweisen des τάδε τι} denn als solche können sie nicht in einem ontologischen Problem gemacht wird. Deswegen zeigt sich auch in der
beliebigen Gehalt an einer beliebigen ουσία äußerlich auftreten, sondern metaphysischen Hauptuntersuchung nur der defiziente und daher auf die
dieser Gehalt muß sich aus dem bestimmen, als was sich die verschiedenen Zwiefältigkeit mit der ουσία innerlich bezogene Charakter des 6v und εν der
οόσίαι präsentieren können oder müssen. Weder können daher die übrigen Kategorien für sich, nicht aber der Sinn des δν und εν der
allgemeinsten Kategoriengattungen auch nur in den Blick gefaßt werden, Zwiefältigkeit selbst, des Zusam-men-Seins (συγκεΐσθαι) der Kategorie mit
ohne sie als ποιόν, ποσόν usw. von ουσία zu sehen, noch kann irgendeine der ουσία, des κατά im τί κατά τινός.
bestimmte Kategorie definiert werden ohne eine bestimmte ουσία: „das
Sitzen" ζ. Β. ist zwar nicht an diesen einzelnen Menschen, aber doch an
„Mensch" überhaupt oder jedenfalls „Tier" gebunden. Ohne diesen Bezug
§ 8. Die Einheit der mannigfaltig vorlügenden Präsenzen (das
kann es nicht nur nicht vorliegen, sondern gar nicht die Präsenz sein, die es
ist. Die Präsenz ist bereits als solche (καθ-* αυτό) jeweils eine „Präsenz des αυμβεβηχός)
Vorliegenden". Während in der Katego den schritt sogar das Vorliegen aus
der einfachen Präsenz verstanden wurde, wird hier sogar die Selbigkeit der Das Zusammen der Kategorie mitder ουσία war in der Kategorienschrift
Präsenz aus der Zwiefältigkeit des Vorliegens gedacht. das Zusammen von zwei Seienden und daher kein Zusammensein. Auf der
Im Unterschied zum χρόνω πρώτον wird das λόγψ πρώτον in ZI nur nach Position, die in ZI sichtbar wurde, zeigt sich dieses Zusammen dagegen als
der einen Seite erwiesen, detgemäß die ουσία der Grund des Seins des eine Zwiefältigkeit, weil das eine als das ändere seiend ist. Die Einheit (£v)
Übrigen ist. Erst in Z4-5 wird gezeigt, wie damit zusammenhängt, daß es ein und Seiendheit (öv) des Zusammen selbst, dergemäß wir sagen können „das
eigentliches τι ^v ε ναι überhaupt nur von der ουσία gibt: denn zur eine ,ist' das andere", liegt in jenem ε ναι, das sich in ZI beim γνώσει
Selbigkeit der Präsenz gehört ursprünglich die Einfachheit ; da in der πρώτον gezeigt hat und das wir als λέγεσθαι κατά erkannten (S. 47). Dabei
Definition der übrigen Kategorien immer noch eine andere Präsenz (die handelte es sich spezifisch um ein solches λέγεσθαι κατά, indem das
ουσία) enthalten sein muß (vgl. 1031alfT.), kann das τί ήν ε ναι hier seinem ΰποκείμενον nicht καθ-1 αυτό, d. h, dann aber: κατά συμβεβηκός
ursprünglichen Wesen nicht genügen. angesprochen wird. Demnach bedeutet das έα-α, das das Zusammensein von
Auch das λόγω πρώτον ist nichts anderes als die Priorität eines $ e i n s , Kategorie und ύποκείμενον trägt und zugleich das έ"στι der Kategorie selbst
nämlich des τί ήν clvatj das auch einfach το ε ναι genannt wird (S. 17)ia. Es ist, ein ov und Sv κατά συμβεβηκός.
ist dasjenige etvat, als welches die Präsenz als solche ist. So dringt das Sv κατά συμβεβηκός, das von vornherein zugunsten des δν
So ist also die ουσία nach allen Seiten des εΐναι (πάντως, 1028a32) als das κα&' αυτά aus der Untersuchung ausgeschaltet bleiben sollte (S. 44), in
πρώτως δν erwiesen, hinsichtlich des Vorliegens 4e,t Präsenz (χρόνφ), dieses selbst ein. Das liegt einerseits an der bestimmten und einzigartigen
hinsichtlich ihres Wesens als Präsenz des Vorliegenden (γνώσει) und Weise, in der das ov κα&' αυτό in Δ7 angesetzt wurde (S. 44), anderseits
hinsichtlich der Präsenz als solcher (λάγ(ύ). Und daraus kann aber auch an einem (ebenfalls in Δ7 faßbaren) neuen συμβεβηκός, von dem
11 aus e r s t e n s das, was bisher ov und εν κατά συμβεβηκός war, in seinem Sv-
Das λ6γφ πρήτερον, das sonst nicht auf die ούαία beschränkt ist und
allgemein von dem gesagt wird, was im λίγος eines anderen enthalten ist und έν-Charakter überhaupt erst begründet wird, und das zweitens selbst ein
(1018b34ff.) ( wird allerdings nie τψ tlv«i πρότερον genannt, weil dieser ausgezeichnetes ov κατά συμβεβηκός darstellt, innerhalb dessen sich die
Ausdruck für das βΐναι im Sinn des Vorliegens festgelegt ist (S. 46). Dagegen Möglichkeit eines wesensmäßigen (κα&' αυτό) συμβεβηκός ergeben wird.
ist τω ε ναι mit Ετερον genau umgekehrt fixiert worden, indem es immer die Man kann sich also bei der Frage nach fiv und εν des Zusammen-Seins der
Verschiedenheit des Präsenzcharakters von solchem meint, das in seinem Kategorie mit der ουσία nicht einfach auf das συμβεβηκός berufen, sondern
Votliegen gerade zusammen ist (18oa30f.). So ist τψ ε ναι έτερον (das auch
τη ουσία έτίρον genannt wird, 263b8f.) identisch mit τφ λόγψ έτερον (210bl6f.), dieses wird zugleich auch erst durch jenes eigentlich verständlich. Im Öv
dagegen τφ εϊναι πρότεραν dem λόγψ πρίτερον entgegengesetzt (vgl. 1077 und έν κατά συμβε-
a36-bl4).

48 ί -lugcndhat, T\ Kot-ri -ίινύς 49


etwas, was es nicht als solches ist. Aus dieser feusammensteliung ist schon
βηκός beantwortet sich nicht nur die Frage nach der Zwiefältigkeit zwischen zu erkennen, daß sich das κατά συμβεβηκός je nach dem καθ' αύτύ
Kategorie und ουσία, sondern die Ausgangsfrage nach der Einheit des modifizieren wird, und d. h. je nach dem ov, das so oder so angesprochen
mannigfaltigen Zusammenseins der Präsenzen überhaupt (dem Anwesen wird.
dßs. Vorliegenden). Daß die Hinsicht des λέγεσθαι (ε ναι), die dem καθ' αυτό entgegengesetzt
Das Buch Ζ allerdings läßt uns hier im Stich, denn es hält an der ist, gerade κατά συμβεβηκός genannt wird, gründet in dessen ursprünglicher
Ausschließung des ov κατά συμβεβηκός fest, so daß auch das ϊίν καθ·' αυτό, so Bedeutung, die der ursprünglichen Bedeutung des καθ' αυτό entspricht und
weit es die übrigen Kategorien umfaßt, in ZI ausgestoßen wird, sobald sich in bei der es sich um eine beliebige Präsenz handelt, die καθ* αυτό das ist, was
ihm selbst ein συμβεβηκός zeigt. Die Erörterung des ov κατά συμβεβηκός wird ihr das Sein vor dem Zusammengekommensein mit anderem war (τί ή ν
aber in der metaphysischen Hauptuntersuchung nicht nur versäumt, sondern ε ναι), so daß sie alles weitere, was von ihr als vorliegender gesagt werden
dieses Versäumnis wird noch dadurch verdeckt, daß dem Buch Ζ in E2 eine kann und was über ihr eigenes ε ναι hinausgeht, κατά συμβεβηκός ist. Die
ausführliche Erörterung eines ov κατά συμβεβήκός vorausgeschickt wird, weiteren Präsenzen, mit denen sie zusammenvorliegt, auch die 1. Kategorie,
woraus der Anschein entsteht, daß damit das συμβεβηκός überhaupt erledigt sind ihre συμβεβηκότα. So ist hier jede Präsenz gegenüber jeder anderen ein
sei. Das in E2 behandelte Phänomen umfaßt abet gar nicht das Sv κατά συμβεβηκός. Diese Bedeutung des συμβεβηκός, die sich auch später neben
συμβεβηκός, wie es in Δ7 kurz entwickelt ist, sondern lediglich das in diesem der anderen durchhält (vgl. ζ. Β. 225a24, 418a22, 1078a2, al7), ist in der
(wie sich zeigen wird) fundierte „zufällige" συμβεβηκός, bei dem auf Grund Kategorienschrift die einzige (vgl. 5a38-blO, 7a27-38).
seiner Unbestimmtheit (1027b34) eine Wissenschaft nicht möglich ist Sowohl beim κατά συμβεβηκός als auch beim καθ' αυτό stellt das ε ναι
(1026b3f,j lQ27al9rT.), und man daher ohne weiteres einsehen kann, daß es (λέγεσθαι) ein εν (Öv) her, das kein bloßes τι ist, sondern ein τι κατά τινός.
aus der eigentlichen metaphysischen Untersuchung „weggelassen werden Das τι κατά τινός bedeutet hier nicht das Gesagtwerden einer Präsenz vom
muß" (1028a3). Um also das eigentlichste £v καθ' αυτό im Sinn der οϋοία in Vorliegenden, sondern steht nivelliert allgemein für jede Möglichkeit, daß
seinem Anspruch auf das einzig eigentliche Sein möglichst zu sichern, wird etwas auf etwas hin angesprochen werden kann, etwas als etwas seiend ist;
ihm gerade das „uneigentlichste" ov κατά συμβεβηκός gegenübergestellt und entsptechend die nivellierte Terminologie, dergemäß allgemein j e d e s τι,
der Zwischenbcteich, in dem sich συμβε-βηκός und καθ' αυτά durchdringen, von dem etwas gesagt wird, ύποκείμενον, und j e d e s , das von einem
übergangen. Das hat Aristoteles nicht daran gehindert, eine neue Art von anderen gesagt wird, υπάρχον, und j e d e s τί κατά τινός ein συγκείμενον
Wissenschaft, die er dann in den Zweiten Analytiken als επιστήμη αποδεικτική genannt wird.
entwickelt, auf das Sv κατά συμβεβηκός aufzubauen11, das natürlich nicht Das συγκεΐσθαι (εν εΐναι) des λέγεσθαι καθ' αυτά ist dadurch ein
das in E2 erörterte ist, von dem es ja keine Wissenschaft geben soll, und es ist ausgezeichnetes, daß hier von einer Präsenz nur das gesagt wird, was sie
daher neben Δ7 ein Kapitel der 2, Analytiken (A22), das uns über den sich aus gerade ist (όπερ εστίν): es handelt sich also nicht um eine Zwiefälüg-keit mit
der Verschiebung der Kategorienlehre ergebenden neuen σuμßεßηκός- einem anderen. Daß dennoch nicht tautologisch dasselbe wiedetholt werden
Begrii:F, der dann dem zufälligen und notwendigen συμβε-βηκός muß, sondern statt des Namens das explizierte τΕ ή ν εΐναι (1029bl9f.),
gleichermaßen zugrunde liegt, den meisten Aufschluß gewährt. Das gründet darin, daß das Οπερ Öv der Präsenz in sich gegliedert istlö; so
Versäumnis jedoch, dieses ov κατά συμβεβηκάς innerhalb der ausdrücklichen können auch außer dem ganzen τί ή ν εΐναι die einzelnen Glieder (Gattung
Durchführung der Seinsfrage zum Thema'zu mächen, konnte nicht ohne und Differenzen) für sich καθ' αυτό von der Präsenz gesagt werden (73a34-
nachteilige Folgen bleiben und hat vor allem beim wesentlichen συμβεβηκάς, 7). Da hier das Prädizierte in das ε ναι der Präsenz selbst gebort, besteht
und d. h. bei der Konzeption der neuen επιστήμη, weitgehende Dunkelheiten kein Problem bezüglich des ßv- und £v-Charakters des ε ναι der
verschuldet. Zwiefältigkeit; schwierig ist nur, daß und wie überhaupt das Einfache in sich
Zunächst ist für das Verständnis des συμβεβηκός ganz allgemein fest- mannigfaltig und gegliedert ist (vgl. § 15).
zuhalten, daß es sich dabei immer um ein ε ναι κατά συμβεβηκός eines t>v Gerade umgekehrt ist es beim συγκεΐσθαι des λέγεσθαι κατά συμβεβηκός.
handelt und dieses einem εΐναι καθ' αυτό desselben Öv entgegengesetzt ist, Weil die Präsenz im τί ή ν εΐναι umgrenzt ist und ihr εΐναι sich also in sich
wobei das ε ναι beidemal ein λέγεσθαι κατά bedeutet, das in dem einen Fall selbst erschöpft, fällt alles weitere, was sich durch das Zusammen des
dem ov etwas zuspricht, was es als solches (καθ' αυτό) ist, etwas „was es Vorliegens ergibt, außerhalb dessen, was sie ist: sie ist es daher nicht,
gerade ist" (όπερ εστίν), und in dem anderen Fäll sondern ist bloß mit ihm zusammengekommen. Das ε ναι
11
14
Vgl. Iß6t)14i.: διαιρείται τα &xep Sv είς Sirep ίν τι δλλο (nämlich in Gat-
1059a32f.: ή μεν γαρ αποδεικτική σοφία ή περί τά συμβεβηκήια. tung und spezifische Differenz).
Vgl. auch 75a42f., 76bllff.
4* 51
50
(λέγεσθαι) wird κατά συμβεβηκός genannt, um 2um Ausdruck zu bringen, Weil dieses ε ναι κατά συμβεβηκός nicht menr das bloße In-Bezie-hung-
daß es aus dem εΐναι der Präsenz selbst (τί ήν εΐναι) herausfällt, also kein Stehen von solchem meint, was jedes für sich ein καθ·' αυτό ist, sondern das,
Eigentliches elvat sein kann. Aber ob eigentlich oder nicht, es ist nun einmal was hier κατά συμβεβηκός prädiziert wird, erst als so Prä-diziertes, als κατ'
ein εΐναι: das eine ist als das andere seiend (i>v) und mit ihm eines (έν). Die άλλου υποκειμένου λεγόμενον ist, sind jetzt die übrigen Kategorien
Berechtigung dieses ο ν und ev κατά συμβεβηκός qua ov und έν läßt sich auf wesensmäßig (und nicht nur in bezug auf ein anderes) συμβεβηκότα (vgl.
der Ehene dieses ursprünglichen συμβεβηκός-Begriffs, der lediglich vom 6v A22, 83a2SfF., MOff., bl7ff.; A4, 73b5ff.), und die erste Kategorie
im Sinn dei Präsenz ausgeht, nicht begründen. wesensmäßig (und nicht nur, wenn sie aus den Bezügen des Vorliegens
Das gelingt erst auf dem Boden des neuen συμβεβηκός-Begriffs, der sich herausgehoben wird) ein κα-ϊτ' αΰτο λεγόμενον (73b5ff,). Das συμβεβηκός
daraus ergibt, daß nicht nur jede beliebige Präsenz ein Öv ist, das καθ' αυτά ist kein bloßer RelationsbegrifF mehr, da die Relation zum Sein der übrigen
angesprochen werden kann, sondern auch das Vorliegende. Dieses kann Kategorien geworden ist16.
wiederum durch τί η\ elvat, Gattung und spezifische Differenz, aber auch Das συμβεβηκός-Verhältnis zwischen den übrigen Kategorien und der
und vor allem (da es sich nicht mehr um eine bloße Präsenz, sondern um das ersten stellt sich nun aber nicht als ein ausgezeichnetes συγκεΐσ&αι bloß
τάδε τι handelt) du ich das ε δος — alles dies aber jetzt nur innerhalb der neben das bisherige συμβεβηκός-Verhältnis von beliebiger Präsenz mit
ersten Kategorie —■ als das angesprochen werden, „was es gerade ist" (οπερ beliebiger Präsenz: vielmehr liegt es, wie Aristotele#s auch noch in Anal.
εστίν) (Anal. Post. A22, 83a24f.). Da die übrigen Kategorien davon immer Post. A22 zeigt (83al-20), diesem zugrunde und läßt es überhaupt erst in
nur so gesagt werden können, daß es selbst bereits in der 1. Kategorie seinem eigentlichen Sinn erscheinen. Jedes εΐναι κατά συμβεβηκός zwischen
feststeht, werden sie zugleich von einer anderen Präsenz gesagt, und so läßt Präsenz und Präsenz ist nämlich ein Verhältnis des Vorliegens und untersteht
sich auch das dem neuen καθ-' αυτό entgegengesetzte Gesagtwetden als daher den hier herrschenden Bestimmungen. Nun hat sich gezeigt, daß jede
κατά συμβεβηκές verstehen. Daß der συμβεβηκάς-Begriff aber auch für vorliegende Präsenz innerhalb der übrigen Kategorien, ganz gleich ob sie in
dieses Verhältnis, für das er nicht ursprünglich geschaffen wurde, zum einer Aussage an der Stelle des Prädikats steht oder nicht, schon als solche
Terminus wird, gründet in der hartnäckigen Vorrangstellung der Präsenz und paronym und συμβεβηκάς einer ουσία ist; ferner ist die einzige Präsenz, die
führt dazu, daß die Bedeutung des Seins Verhältnisses (ε ναι) 2wischen als vorliegende ein Etwas (Synonymes) ist, so daß anderes davon gesagt
Kategorie und ΰποκείμενον im Sinn des Bestimmendseins des Vorliegenden werden kann („es ist das und das"), die ουσία, ganz gleich ob sie in einer
zwar nicht verdrängt, aber doch überschattet wird durch das bloße Zusam- Aussage an der Stelle des Subjekts steht oder rieht. Und so wird jetzt
mensein von einer Präsenz mit einer anderen Präsenz. sichtbar, daß jede συμβεβηκός-Aussage, ganz, gleich was an der Stelle des
Eben darin unterscheidet sich aber gerade das neue ε ναι κατά συμ- Prädikats und des Subjekts steht, ihrer eigenen Intention nach immer nur eine
βεβηκός vom bisherigen, daß das ov, von dem es gesagt wird, sich nicht in andere Kategorie von der ουσία aussagt und das Zusammensein zweier
der Präsenz, die es καθ-' αυτό ist, erschöpft, sondern von sich aus auf die beliebiger Kategorien nur vermittels des Zusammenseins von jeder mit der
Mannigfalt weiterer Bestimmungen angelegt ist. Auf der anderen Seite ουσία. Sagt man ζ. Β. „das Große geht", so wird das Gehen gar nicht von
sind auch diese weiteren Bestimmungen, sobald sich die Auffassung der einer Größe ausgesagt, sondern von einer ουσία, die κατά συμβεβηκός groß
Kategorien als κα&' υποκειμένου λεγόμενα durchsetzt, von sich aus auf ist (83all f.). Und „wenn ich sage, daß das Weiße Holz ist, dann meine kh,
dieses Zusammensein angelegt, in ihm erfüllt sich ihr Sein, So kann daß das, dem das Weiße ein συμβεβηκός ist, Holz ist, und nicht, daß das
Aristoteles in Anal. Post. A22 sagen: „Das, was nicht ουσία bedeutet, muß ύποκείμενον von Holz das Weiße ist" (a4ff.). Weil in solchen Fällen das
von einem ύποκείμενον gesagt werden, und ein Weißes kann nicht sein, das Satz-Subjekt nur κατά συμβεβηκός das ύποκείμενον ist, wird dieses
nicht als ein anderes seiend weiß ist" (83a30ff.). Das δπερ &v, das die Prädizieren im Gegensatz zum eigentlichen κατηγορεΐν ein κατηγορεΐν κατά
Kategorie als solche ist, ist kein eigentliches 8v und έν, sondern erfüllt sich συμβεβηκός genannt (al4-17).
als ein solches erst, wenn es zu einem έτερον τι δπερ εστίν (73b8) wird (vgl.
auch 73b5ff., 83b22f.}. So handelt es steh hier also um ein εΐναι κατά 11
Jetzt wird auch sichtbar, an welcher Stelle in ZI der entscheidende Schritt
συμβεβηκός dessen Öv- und IVCharakter dadurch ermöglicht wird, daß das gegenüber der Kategorienschrift liegt: nicht in den einzelnen Prioritäten für sich,
sondern darin, daß das ε ναι im Sinn des λέγεσθαι mit dem εϊν<Η im Sinn der
έν der einen Seite sich steigert zu einem solchen, das über seine eigene Faktizität, also das ε ναι., das die Kategorie von der ouoU aussagt, mit dem εΐναι
Präsenz hinaus noch weitere Präsenzen in sein Sein aufnehmen kann, und der Kategorie selbst zusammenfällt, daß also die Kategorie (was in Ζ natürlich nicht
daß das £v der anderen Seite noch nicht in sich geschlossen ist und somit ausdrücklich werden kann) als συμβφηκός begriffen wird. In der Kategorienschrift
beide von vornherein auf das Bv und έν der Zwiefälügkett eingespielt sind. konnte die Kategorie selbst noch nicht in der paronymen Fotm gesehen werden, weil
es noch unbegreiflich war, daß das, was die ο υ σ ί α κίχτά συμβίβηκός ist, das Sein
der Kategorie sein soll.

52 53
Da sich der Vorrang der ουσία als Basis der συμβεβηκός-Verhälinisse im ev κατά συμβεβηκός, „weil sie συμβεβηκότα von einer ουσία" sind
konkreten Aussagen ganz von selbst ergibt, ist er bei Aristoteles bereits von (1015b21 f., vgl. auch b27, b30f.).
Anfang an de facto vorhanden gewesen, wie aus den -τόποι des συμβεβηκός Das ist der e r s t e Schritt in der Beantwortung der Frage nach der Einheit
in der Topik zu ersehen ist1'; philosophisch begründet werden kannte er etst, (Anwesenheit) der mannigfaltig zusammen vorliegenden Präsenzen, wobei
als die übrigen Kategorien in ihrem Sein ab συμβεβηκότα und d. h. als καθ' zugleich die Grenze der aristotelischen Lösung des Problems von Sv und
υποκειμένου λεγόμενα begriffen waren10. Anderseits kann natürlich auch πολλά greifbar wird. Dadurch daß die ουσία ein Eines von Mannigfaltigem
jetzt immer noch eine beliebige Kategorie καθ' αυτό (synonym) betrachtet ist, kann das Mannigfaltige zu einer Einheit kommen, die aber in der hloßen
und die übrigen mit ihr zusammen seienden Präsenzen als ihre αυμβεβηκότα Zwiefältigkeit von jeder Präsenz mit jeder anderen besteht („denn es können
verstanden werden (vgl. ζ. Β. i078al7f.), aber weil man dann die Kategorie nicht mehr als zwei verbunden werden", 1007bH.) und in der Zwiefältigkeit
aus dem Zusammen des Vorliegens herausgehoben hat, kann man die von jeder Präsenz mit der ουσία gründet. So wird das Mannigfaltige, um es
übrigen Präsenzen nicht von ihr κατά συμβεβηκός aussagen. Da es sich beim als Anwesendes denken zu können, nicht mehr in lauter Einfaches ausein-
κατά συμβεβηκός immer nur um Verhältnisse des Vorliegens handelt, muß andergenommen, wohl aber in lauter Zwiefältigkeiten, die aber nun doch
alles λέγεσθαι κατά συμβεβηκός auf diejenige Präsenz orientiert sein, die als auch ein Ganzes bilden, jedoch nur dadurch, daß die eine Seite von ihnen
vorliegende καθ' αυτό ist und daher a 1 s καθ-' αυτό Ansprechbares zugleich allen die Eine ουσία ist. Wenn nicht jede Präsenz in erster Linie eine
anderes κατά συμβεβηκός sein kann. Zwiefältigkeit mit der ουσία bilden würde, „könnte nicht aus allen ein Eines
Weil das ΰποκείμενον als £v zugleich Mannigfaltiges sein kann und auch entstehen" (1007bl0).
die übrigen Präsenzen zwar nicht zueinander, wohl aber zum ΰποκείμενον ,Der zweite Schritt besteht in der Herausarbeitung einer wesensmäßigen
von vornherein „geöffnet" sind (S. 52f.), ist mit der Fundierung der übrigen und notwendigen Einheit zwischen Präsenz und Präsenz. Der gleiche
συμβεβηκός-Verhältnisse in diesem ausgezeichneten zugleich die Wesenszug des συμβεβηκός-Verhältnisses zwischen Kategorie und ουσία,
Begründung ihres εν- und öV Charakters gegeben. Diese führt Aristoteles, der den ÖV und IVCharakter jedes συγκεΐσθαι κατά συμβεβηκός begründet
wenn auch nur sehr rudimentär, in der Erörterung des δν κατά συμβεβηκός in hat, ermöglicht jetzt auch diese Steigerung des έν-Charakters innerhalb des
Metaph. Λ7 und des ev κατά συμβεβηκός in Δ6 durch ". In Δ7 werden ausgezeichneten συμβεβηκός-Verhältnisses selbst: Denn da die ουσία
zunächst (1017a8-13) Beispiele für alle 3 Typen des ε ναι κατά συμβεβηκός wesensmäßig ουσία von irgendwelchen Kategorien ist und diese
gegeben (1. andere Kategorie von anderer Kategorie, 2. andere Kategorie wesensmäßig Kategorien von irgendeiner ουσία, ist der Boden gewonnen,
von ουσία, 3. ουσία von anderer Kategorie) und dann (al3-22) der 6v- auf dem jetzt auch nach einem wesensmäßigen Zusammenhang der
Charakter ihres ε ναι begründet, indem gezeigt wird, daß sie alle in der bestimmten Kategorie mit einer bestimmten ουσία gefragt werden kann,
ουσία als einem 6v verankert sind. In der Begründung des ε ναι κατά nach einem συμβεβηκύς καθ1 αυτό.
συμβεβηκός wird also nur auf das ΰποκείμενον als auf ein Sv
zurückgegriffen, nicht auf die Kategorie, weil diese ihrerseits erst durch das
συμβεβηκέναι zu einem Öv wird (vgl. 1017al8f. mit 1069a23L).
Entsprechend (wenn auch nicht so durchsichtig) wird in Δ6 (1015bt6fT.) das § 9. Das Problem einer notwendigen Einheit der vorliegenden Präsenzen
εν aller Typen des συμβεβηκός in dem 6ν begründet, das die ουσία ist: so
bilden ζ. Β. „das Gerechte und das Gebildete" ein (das σνμβεβηκός Ηα&αντό)

1 Die Forderung, das elvat des λέγεσθαι κατά συμβεβηκός nicht nur über-
Daß er in der Kategorienschrift nicht sichtbar ist, liegt an ihrem be- haupt als ovund £:v, sondern als wesens maß ige und not wendige Einheit zu
sonderen Thema, der Untersuchung der einzelnen Kategorien.
denken, geht von dem Anwesenheits- und d. h. Präsenzcharakter dieses 6v
" Typisch für die Verwirrung, die über diesen Zusammenhang allgemein
herrscht, ist der Satz von Trendeknburg (S, 19): „Die ausgesagten Begriffe und εν aus, den wir bisher nicht berücksichtigt haben: der Sinn des die
(κατηγορούμενα) . . . sind, real gefaßt, in dem Substrate (σνιμβεβηκότα)." Zwiefältigkeit vermittelnden έστι liegt in der Wahrheit (αλήθεια), und das 6v
Der erste, der erkannt hat, daß das συμβεβηκός die spätere Bezeichnung des und εν des συγκεΐσθαι ist jeweils ein αληθές '(Metaph. 010, 1051M-13,
Verhältnisses der Kategorie zur υύαία istj die an Stelle des έν ΰποκειμέυφ 34f.)2°.
tritt, ist meines Wissens Gohlkc (Ausgabe der Kateg-, S. 15), Aber Gohlke Auch bei Aristoteles bedeutet αληθές, wie schon bei Platon (§1),
sieht nicht, daß auch das συμβεβηκός eine Wandlung durchgemacht hat, und
betrachtet daher die Stellen, an denen das συμβεβηκάς in der Katcgotien-
schrift vorkommt, als spätere Zusätze. *· Vgl. auch z. B. 21b30f„ 22aB, 139a37ff.
» Vgl. auch Γ4,1007a33rT.

54 55
primär da$ Seiende in seiner Selbigkcit und d. h, Wißbarkeit (Präsenz) und erst und Bestimmtheit und d. h, der eindeutige Gegensatz 211m Falschen besteht nur
sekundär den das Seiende als es selbst vernehmenden Wissensbezug S1. Doch gelingt noch beim Zwicfäkigen, da hier etwas mit einem anderen entweder zusammenliegt
es jetzt, diese Selbigkeit auch auf das Zwiefältige auszudehnen. Dadurch daß jede oder nicht (Satz vom Widerspruch), mithin eine eindeutige Grenze zwischen dem
Präsenz in ihrem Vorliegen primär auf die Eine οϋαία bezogen ist und nicht sogleich „so" und dem „anders" gezogen ist (Satz vom ausgeschlossenen Dritten), so daß das
in eine unbestimmte Mannigfaltigkeit hinausgleitet, kann sie im Vorliegenden Fuß Zusammenvorliegende schlechthin anwesend (präsent) sein kann".
fassen, ohne ihre Bestimmtheit zu verlieren, und sich dann auch je und je mit einer Es gibt also ein Wahres (Seibig-Präsentes), das sich nicht in der einfachen Präsenz
mitvorliegenden anderen Präsenz zusammen iwlefaltig und dabei doch bestimmt und erschöpft, ja die Wahrheit ist sogar eigentlich im Bereich des λέγεσθαί Tt κατά τινός,
selbig präsentieren. Nicht nur die einfache Präsenz ist jetzt selbig, sondern auch ihr das aber nicht auf das λέγεσθαι κατά συμβεβηκός beschränkt ist, beheimatet, weil nur
jeweiliges Zusammensein mit einer anderen Präsenz ist deswegen, weil es lediglich hier auch ein Falsches, dem das Wahre entgegengesetzt sein kann, überhaupt möglich
das Zusammensein mit einer anderen Präsenz ist, ein „so und nicht anders". Im άλ- ist, nämlich jedes Zusammensein des τι mit einem τι, mit dem es faktisch nicht
η&ές liegt also auch der Grund, warum das Zusammensein der Präsenzen auf eine zusammen ist. Gerade deswegen erreicht aber die Wahrheit ihre höchste Möglichkeit
jeweilige Zwiefältigkeit beschränkt bleiben muß2U: denn die das Wesen der Wahrheit beim Einfachen, weil hier das Falsche nicht nur ausgesperrt, sondern unmöglich ist,
ausmachende Selbigkeit so daß das Vernehmen die Präsenz nur entweder in schlechthmniger Begegnung
„berührt" oder sie überhaupt nicht im Blick hat: täuschen kann es sich nicht (010,
u
Vorgreifend kann aus der Erörterung des ov ως αληθές (1026a34f.) in Λ7 1051M7-33, 35f.). Weil das Einfache als das eigentlichste Wahre das eigentlichst
(1017a31-5) gezeigt werden, wie beim Zwicfältigen das αληθές des Sagens im ίλτβίς Präsente ist, soll zur Vermeidung von Zweideutigkeiten im folgenden der Terminus
des Seienden gründet. Δ7 geht beim αληθές genauso wie bei den anderen „Präsenz" weiterhin auf das Einfache beschränkt bleiben, aber es darf nicht aus dem
Bedeutungen des 6v von einer bestimmten Bedeutung des έσ-rt aus, und zwar
zunächst von einem gan* besonderen έστι. Sagen wir nämlich von einer Aussage, daß Auge verloren werden, daß auch das übrige in dem Maße in den Machtbereich der
sie wahr sei, so können wir sagen: „Es ist wahr, daß Sokrafes gebildet ist", aber auch Präsenz (der scldechthinnigen Anwesenheit) hineingezogen wird, als es gelingt, es als
einfach; „Es ist so, daß Sokratcs gebildet ist", oder schließlich nur: „Sokrates i s t Wahres zu denken.
gebildet." Im Griechischen kommt dieses betonte „ist", das soviel besagt wie „es ist Das gleiche Wesen der Wahrheit (die schlechthinnige Anwesenheit als Ausschluß
wahr", prägnanter als im Deutschen durch die besondere Satzstellung zum Ausdruck
(vgl. a33f.). Von hier aus versteht nun aber Aristotetes ( Θ10, 1051b34f., des Falschen) führt nun aber auch zu einer Differenzierung» nnerhalbder Wahrheit
Δ29.1024bl7ff.) den Aussagesinn j e d e r Aussage und d. h. jedes έσ-u. Die Aussage des Ζ wiefältigen und d.h. zugleich innerhalb des entsprechenden Vernehmens,
kann auf ihre Wahrheit geprüft werden, nur weil sie in sich schon auf Wahrheit, auf nämlich der dem νους im engeren Sinn als Vernehmen des Einfachen
ein Aufzeigen der Sache, so wie sie selbst ist, Anspruch macht, indem sie immer gegenüberstehenden διάνοια (λόγος) (Met, Θ10, 1051M3-17, Anal. Post. A33). Denn
schon, mag sie faktisch wahr oder falsch sein, unausgesprochen sagt: „Sokrates ist in
Wahrheit gebildet," Was durch dieses „ist" der Aussage selbst „wahr" genannt wird, selbig im eigentlichen Sinn ist ein Zwiefältiges noch nicht, wenn es nur „so" ist ,;und
ist aber dann nicht mehr eine Aussage, sondern das Seiende in seiner Selbigkeit („es nicht anders", sondern erst, wenn es notwendig ist (άναγκαΐον) und d. h. wenn es
ist in Wahrheit so": „es selbst ist so".). Daher war es auch von vornherein nicht die nicht anders sein kann (μη ένδεχόμενον &Κλως έχειν) ". Das notwendige Zwiefältige
Aussage, die durch jenes besondere έσ-ti „wahr" genannt wurde, sondern das von der ist zugleich ein aligemeines (καθόλου): denn wenn das eine τι vom anderen τι nicht
Avissage Aufgezeigte wurde damit als das „Seiende selbst" bekräftigt. Entsprechend
versteht Aristoteles auch das „ist nicht" jeder Aussage als ψΕΰδος (1024bl7tt,, getrennt sein kann, dann
1051b34f.): : „falsch" ist nicht nur eine Aussage, sondern alles der Sache Fremde, was
durch ein „ist nicht" von ihr ferngehalten wird.
«'* So macht sich schon jetzt bemerkbar, was sich im folgenden immer wieder " Ebenso wie die Einheit des Seienden selbst findet auch die sachlich gebundene
bestätigen wird (S. 63, 94, 107f., 153) daß die αλήθεια, die ah Selbigkeit einen Einheit der Rede (λόγος) bereits beim Zwtefältigen ihr Ende, beim einfachen Urteil,
ursprünglichen Zug zum eindeutig Bestimmten und Einfachen har, nicht nur bei Pia in dem ein Prädikar von einem Subjekt gesagt wird. Nur dieser λόγος zeigt ein Eines
ton eine produktive Lösung der Frage nach der Einheit des Mannigfaltigen auf (ev 8ηλοί, 17al6); ist der λόγος komplizierter (wie ζ. Β, das „lüas-Gedicht"), so
ausschloß, sondern auch bei Aristoteles das retardierende Moment bleibt, das seiner besteht seine Einheit nur noch darin, daß er selbst „aneinandergereiht" ist (συνδέαμω
Bewältigung des Problems schließlich überhaupt eine Grenze setzt. Diese Rolle der εΙς) (vgl. 17a8f. 15E., 93b35f., 1030b8f., H57a29f.).
αλήθεια bleibt natürlich verdeckt, wenn man sie, über ihr Wesen als Selbigkeit und " Ebenso wie das eigentlichste αληθές ist aber auch das eigentlichste άναγκαΐον
έπιατητόν hinwegsehend, als „XJn-Verborgcnheit" versteht (S. 9, Anm. 10). Daher das schlechthin Einfache (1015blIL), weil es nicht einmal mehrere Seiten hat und
kann für Heidegger „das aristotelische Denken" Inder αλήθεια (Μα.ΘΙΟ) sogar seine daher das Anderssein können bei ihm von vornherein ausgeschlossen ist (bl2f.).
„Gipfelhöhe" erreichen (Platons Lehre, S. 44) und die Spannung zwischen der
αλήθεια und der ένέρ-,-EL« (unten §§ 13, 14, 18), troti Vortr. u. Aufs. S. 76f.,
unbemerkt bleiben.

56 57
ist es „immer und überall" mit ihm zusammen (87b32f.), und von allem (κοιτά lung des Wahren seihst. Das fiv-εν-άληθές des* Zwiefältigen ist erst all· άναγχαΐον
παντός), von dem das eine gesagt wird, muß auch das andere gesagt werden (?3a28ff.). ein eigentliches δν-έν-άληθ-ές, und nur soweit sich das Zwiefältige als Notwendiges
So wie das άλή&ές und das άναγκαϊον, muß auch das καθόλου, das sich zunächst als und Allgemeines und d, h. als Wißbares (επιστητών, 88b30) denken läßt, ist es
Charakter der einfachen Präsenz als solcher (allerdings nur, sofern sie eine Präsenz Präsentes im eigentlichen Sinn.
von Vor-liegendern ist) gezeigt hat (S. 30), aut das Zwiefättige übergreifen, wenn Zunächst scheint ein Wissen nur möglich zu sein innerhalb der λεγόμενα καίτ'
dieses als eigentlich präsentes denkbar werden soll". Wenn es hingegen auch anders αυτά im ursprünglichen Sinn (S. 51), d. h. nur bei solchem λέγεσθ-αι, in dem von
sein kann (d.h. z u f ä l l i g ist), wenn also die eine Seite des Zwiefältigen mit der einer Präsenz das gesagt wird, was sie gerade ist (δττερ εστίν), also nur als
anderen einmal zusammen ist und einmal nicht, dann ist es zwar jeweils wie es ist und definitorisches Wissen. Die Bestimmungen, um die es sich hier handelt, sind nicht
nicht anders, aber es hat sein Anderssein nicht au s gesperrt, so daß das Vernehmen verschiedene Präsenzen, sondern nur die verschiedenen Wesensseiten einer Präsenz
dieses Seienden, gerade wenn es an einem bestimmten Zwiefältigen als selbigem und gehören daher notwendig zusammen. Hingegen ist das, was eine Präsenz mit
festhält, falsch wird, sobald die beiden Seiten nicht mehr zusammen sind; das Seiende einer anderen zu einem εν κατά συμβεβηκός zusammenkommen läßt, das
ist hier zwar je und je „wahr", es besteht eine eindeutige Grenze zwischen Wahrheit Unbestimmte, die ϋλη (S. 20, 26), die wesensmäßig immer wieder von anderem
und Falschheit, aber diese Grenze besteht nicht ein für allemal (1051bt3f.). Der λόγος bestimmt werden kann, und da das Vorliegen der Präsenz ihre Vereinzelung ist,
dieses Vernehmens kann immer nur in be~ zug auf das je und je gerade gegenwärtige scheint ihr das, womit sie hier zusammenkommt, nur zufällig und nicht allgemein
Einzelne wahr sein (1036aof., 103%33 ff,)- Das Vernehmen des je und je und notwendig zuzukommen. Daher wird auch in der Topik, deren vierfache
Gegenwärtigen (Vorliegenden), das im Unterschied zum schlechthin Anwesenden Einteilung aller möglichen προβλήματα (101bl7fF.) in solche des συμβεβηκάς, des
(Präsenten) ein aus dem Abwesen heraustretendes und wieder zurücktretendes γένος (und διαφορά), des tStov und des τι ήν ε ναι noch ganz im Sinn der
Anwesen ist (vgl. S. 10), ist die Wahrnehmung (αΐσθησις, i040a3f.,428b28f,), und der Akademie auf den notorisches Wissen orientiert ist", das συμβεβηκός überhaupt als
in solcher Weise auf die Wahrnehmung angewiesene λόγος des Zufälligen heißt, weil das erklärt, was „ein und demselben zukommen und auch nicht zukommen kann"
er ohne Gewißheit ist, Meinung (δόξα, 89a2f., 1039b33ff.). Dagegen heißt der λόγος (102b6f.)", Wenn aber das Zusammenvor-
des notwendigen und allgemeinen Zwiefältigen Wissen (επιστήμη, 88b31f.): denn
obgleich hier das Falsche im Unterschied zum Einfachen möglich ist, ist sich das
" Vgl. auch Solmsen, S. 153f., und unten Anm. 26.
Vernehmen, wenn es einmal das Seiende selbst im Blick hat, der Wahrheit, und d. h. " Dagegen wird man gehend machen, daß an Stelle des notwendigen συμβεβηκός
des Ausgeschlossenseins des Falschen, gewiß und kann in dem Wahren in hier das ISiov steht. Aber die übliche Gleichsetzung des ISLOV und des späteren
schlechthinniger Begegnung ein für allemal ruhen. συμβεβηκός καθ'αυτά (vgl. ζ. Β. Ross zu l025a30, Κ. ν. Fritz, S. 489) ist irrig und
Weil nun auch das Zufällige je und je wahr ist, wird das „bloß Wahre" (das μόνον verdeckt nur die Entwicklung der Problematik. Denn 1. ist das ISiov, also das, was
mit der Präsenz, der es zukommt, wechselseitig .prädiziert werden kann
άληθες) zur unterscheidenden Kennzeichnung des Zufälligen im Gegensatz zum (άντικατηγορειται), aber nicht ihr τί ν εΐναι ist (102al8ff.), ein viel engerer Begriff
Notwendigen und Allgemeinen (i019b25f., 88b30-33, 1025al4f.)l· doch darf als das συμβεβηκύς καθ' Λυτά, so daß Α. in den 2. Analytiken (wo er das EStov
deswegen nicht übersehen werden, daß die Notwendigkeit nichts anderes ist als die genauso versteht) sagen kann, daß sich die apodeiktische Wissenschaft (deren
eigene Wesenserfül- einziger Gegenstand die αν;μβεβηκΰτα καθ' αυτά sind, 75bl) nut selten mit den iSia
beschäftigt (73a7/17f,), 2. bleibt der ontologische Charakter des Verhältnisses der
ISux zu der Präsenz, der sie zukommen, in der Topik gänzlich offen, und 3. geht es in
" Der Allgemeinheitscharakter des notwendigen Zwiefältigen unterscheidet sich der Topik bei der Erkenntnis der ESiot nicht um die Erkenntnis der Notwendigkeit
aber wesentlich vorn Allgemeinheitscharakter des Einfachen, da dieses eigentlich nur ihres Zusammenseins mit einer anderen Präsenz bzw. ihres Vorliegens, sondern sie
ein „Gemeinsames" (κοινόν, 1038bll) ist, ein solches, das unbestimmt oft vorliegen dienen nur zur weiteren Ausgrenzung der Präsen2, der sie zukommen, und fungieren
kann („Das nämlich wird allgemein genannt, was seiner Natur nach m'ehrerem bloß als deren Unterscheidungsmerkmale, sie ergänzen also lediglich die Definition,
zukommt", 1038bΠ f.), während erst beim Zwiefältigen ein eigentlich Allgemeines vgl. z.B. 130bl2ff.: „Unnütz ist nämlich dasjenige tStov, das nicht von anderem trennt
gegeben ist, etwas, was „von allem'* (κβτά πβντάς) gesagt wird. Jede einfache (unterscheidet); denn das als tötov Gesagte muß trennen, ebenso wie die Definition."
Präsenü schafft durch ihr mehrfaches Vorliegen überhaupt erst eine Vielheit, die In Wahrheit ist das notwendige αυμβεβηκής in der Topik noch ungehoben im
dann, wenn dieser Präsenz etwas anderes notwendig zukommt, Allheit ist, auf die als <ι\>μβεβηκός enthalten, und daher ergibt sich eine merkwürdige Diskrepanz
auf ein Ganzes (βλυν) das andere κ<*8-όλου zugesprochen werden kann. (Die beiden zwischen der oben im Text zitierten und auch nachher (120b30ff., 144a23ff.)
Weisen des Allgemeinen werden in anderem Zusammenhang genauer unterschieden wiederholten Definition und den τάποι des ουμβεβηχός, die dann faktisch im 2. Buch
bei Ulmer, S.71.) gegeben werden und mit zwei Ausnahmen (112a25ff., U3a20ff.) alle von solchen
αυμβεβηκήτα handeln, die ihrem Subjekt immer zukommen, vgl. besonders 109bl3ff.
und lllb24ff. Siehe auch Solmsen, S. 155.

59
liegende als im eigentlichen Sinn Anwesendes (Präsentes) begriffen werden soll, κότα" festgehalten werden sollen, sind es, die rn Met. E2 (und Δ30, 1025al4—30)
dann muß sich dn notwendiges Ov κατά συμβεβηκός denken lassen und damit eine erörtert werden (vgl. S. 50). Nur die Einheit dieser συμβεβηκότα gründet noch in der
Wissensetulft der συμβεβηκότα (1059a32t.) begründet werden können. ϋλη (1027al3), und nur von ihnen gibt es kein Wissen (1027a20). Das, wogegen sie
Das ist erst auE dem Boden des neuen, nicht mehr auf eine beliebige Präsenz, in E2 abgesetzt werden, ist nicht das δν καθ' αυτό im Sinn von Δ7, sondern die
sondern auf die ουσία orientierten συμβεβηκός-Begriffs möglich und Zugleich andere Art des συμβεβηκός !".
notwendig: Da die Kategorie als solche nicht mehr ein in sich geschlossenes Eines Diese andere Art, das συμβεβηκός καθ·' αυτό, wird in der obigen Physikstelle und
ist, genügt dem Wissen nicht mehr die definitorische Betrachtung ihres eigenen auch.überall sonst (vgl. 73a37f., 84al3f., 1030b23f.) als solches erklärt, in dessen
Wesens, sondern umgrenzt und bestimmt werden muß ihr Vorliegen und d.h. ihr Definition das enthalten ist, dem es zukommt. Dabei fällt auf, daß die beiden Arten
Zusammensein mit der ουσία, und dies wird dadurch möglich werden, daß die des συμβεβηκός nicht nach einer einheitlichen Hinsicht unterschieden werden.
Kategorie jetzt von vornherein wesensmäßig auf eine ουσία bezogen ist. Warum wird die zweite Art nicht als das notwendige und allgemeine συμβεβηκός
In Anal. Post. A22 werden die συμβεβηκότα, so wie sie dort vorher erklärt wutden erklärt? Als solches wird es von Aristoteles auch verstanden (74b6f.), aber
(als κατ*άλλου υποκειμένου λεγόμενα, S. 53), in zwei Arten eingeteilt: Notwendigkeit und Allgemeinheit genügen für sich allein noch nicht für seine
„συμβεβηκότα nämlich sind alle (genannt waren die übrigen Kategorien), aber die Wesensbestimmung*, die Notwendigkeit nicht, weil vielmehr gezeigt werden muß,
einen sind es καθ' αυτά, die anderen auf andere Weise" (83bl9f.). Gemeinsam erklärt was es zu einem Notwendigen macht und wodurch es als solches erkannt werden
werden diese beiden Arten nur an einer einzigen Stelle" (Phys. 186bl8ff.); kann; die Allgemeinheit nicht, weil erstens das beständige Zusammensein der beiden
„συμβεβηκός wird genannt entweder das, was zukommen (ΰπάρχειν) und nicht Präsenzen nur eine Folge ihrer notwendigen Wesenszusammengehörigkeit ist und
zukommen kann, oder das, in dessen Definition jenes enthalten ist, dem es ein weil zweitens der Mensch die Allgemeinheit des Zusammenseins nie unmittelbar
συμβεβηΐιόςϊδί, so wie (Beispiel für das erste) das Sitzen ein Trennbares ist und erfahren kann, da er im Hingeführtwerden vom Einzelnen
(Beispiel für das zweite) im Stumpfnasigen (σιμό-ν) der λόγος der Nase, der das
Stumpfnasige ein συμβεβηκός ist, enthalten ist." spricht dagegen, daß 1, die Behandlung des zufälligen συμβεβηκός in E2 an Δ7
anknüpft (aber vgl. S. 50) und daß 2. in der parallelen Erörterung des ταύτέι κατά
Die Zufälligkeit also, die in der Topik alle συμβεβηκότα betrifft, charakterisiert συμβεβηκός in Δ9 eindeutig das zufällige συμβεβηκός gemeint ist (vgl. 1017b33fF.).
hier nur den einen Teil. Diese, die Aristoteles meist schlechtweg συμβεβηκότα nenntia Dagegen darf aus den Beispielen, die ebenfalls auf das Zufällige weisen, nichts
und im folgenden als die „zufälligen συμβεβη- geschlossen werden, weil entsprechende Beispiele in Anal. Post. A22 gegeben
werden, wo es sich eindeutig um die weite Bedeutung handelt (vgl, 83bl9f., 84a7ff.).
Für die weite Bedeutung in Δ7 spricht vor allem die sachliche Erklärung, ferner auch,
17
Denn in Met. Δ30 werden die βυμβεδηκότοι καθ' αυτά nicht eigentlich erklärt, daß sonst das έστι im Sinn des συμβεβηκέναι καθ1 αυτό in Δ7 ganz ausgelassen wäre,
sondern nur negativ gegen das dennitorische καθ' αυτό abgehoben. denn das Sv καθ' αυτό von Δ7 darf natürlich nicht im Sinn eines συμβεβηκέναι κα&'
11
Dieser Gebrauch des gleichen Terminus für die eine Unterart und für die αυτό verstanden werden (denn vgl. 1017a28f.). — Man wird hier nicht eine bestimmte
übergeordnete Gattung hat natürlich wesentlich beigetragen zu der Verwirrung, die in Entscheidung erzwingen dürfen, sondern diese Unentschiedenheit ist selbst ein
der Forschung bei diesem Begriff weitgehend herrscht. Die Interpreten des 19. wesentlicher Charakter der aristotelischen Behandlung des αυμβεβηκός.
Jahrhunderts haben das zufällige συμβεβηκός und das συμβεβηκός καθ' αυτό als zwei " Dort und auch sonst (vgl. z.B. Phys. 196bl0f., Anal. Post. Λ30) werden sie
völlig heterogene und nicht aus einet gemeinsamen "Wurzel stammende Begriffe allerdings in einer gegenüber der obigen Physikstelk neuen und profilierteren Weise
erklart, indem sie beim letzteren das Wort συμβεβηκός aus dem Gebrauch von erklärt, nämlich als das, was „weder notwendig noch meistens (ώς έτιί τ6 πολύ)" ist
συμβαίνειν im Sinn von „evenire" (Bonitz Ind. 713bl0/b43f.) verstanden und es als (1025al5, 1026b32): das Anderssein könnende (ένΒεχόμενον ίλλως Κχειν) ist also
„Abgeleitetes" (Sehwegler III, S. 243) erklärten. Das καΰ' αυτά sei dann nur noch unterschieden worden in das, was meistens, und das, was weder notwendig noch
nachträglich zur Unterscheidung gegen das andere συμβεβηκός hinzugekommen meistens zusammen ist, und nur dieses letztere wird noch συμβεβηκός genannt. Das,
(Bon.Ind.713b52fF.), Diese Konstruktion (die sich auch noch z. B. bei Allan, S. 150, was wesensmäßig zusammengehört, kann sich im snblunaren Bereich gewöhnlich
findet) ist eindeutig widerlegt durch den oben zitierten Satz Anal. Post, Ä22 83bl9f. nicht immer gegen das Unbestimmte durchsetzen und ist daher nicht tmmet, sondern
Dagegen ziemlich richtig bereits Maier Syll. d. Α. Η, 2, S. 326, Anm. 2 (allerdings nur meistens zusammen; deswegen gehört es aber nicht weniger wesensmäßig
wird auch von ihm ebenso wie sonst überall die erste und ursprüngliche Bedeutung zusammen und ist daher ebenso wie das Notwendige ein Wißbares (1027a20f.,
des συμβεβηκός übersehen; man erklärt das (τυμβεβηκός immer nur im Verhältnis 87b22f.). Mit dem „meistens" erfährt also der Bereich der Wissenschaft eine
zum ύιτοκϊίμεΝον und hat sich dadurch auch den Zugang zum richtigen Verständnis abermalige Erweiterung. In unserem Zusammenhang ist der Unterschied zwischen
des τΐ ήν ε ναι versperrt (S. 18 Anm. 18]). dem „meistens" und dem Notwendigen nicht relevant, und wir halten daher an der
Es ist aber auch bei Aristoteles selbst oft schwer zu erkennen, ob jeweils das simplifizierenden Gegenüberstellung von „Notwendigem" und „Zufälligem"
συμβφηκός im weiten Sinn oder das zufällige ουμβεβηκός gemeint ist. Das trifft weiterhin fest. Zum Genaueren über das „meistens* und sein Verhältnis Eum
besonders für die Behandlung des βυμβεβηκός in Met. Δ7 zu, die wir in der weiten Notwendigen vgl. Ulmer, S, 89-91.
Bedeutung erklärt haben (S. 54). Für die enge Bedeutung

60 61
auf das Allgemeine (επαγωγή) nicht alle Fälle durchlaufen kann: er muß also delt, besteht hier also noch gar keine Notwendigkeit, Umgekehrt enthalten
auf die Notwendigkeit des Zusammen als auf eine Wesens- viele συμβεβηκότα, die Aristoteles unter die zufälligen zählt, ihr
zusarnmehgehörigkeit unmittelbar zurückgreifen und aus dieser erst der ύποκείμενον in der Definition. Die Gegenüberstellung der beiden Arten von
Allgemeinheit gewiß werden können. συμβεβηκότα in der obigen Physikstelle (S. 60) erweist sich somit doch als
Eine Nfresenszusarnmengehötigiceit, d. h. eine solche, die das καθ-1 οώτό uneinheitlich und gerade die dort gegebenen Beispiele machen das besonders
der Präsenzen betrifft, ist aber nur dann gegeben, wenn das eine im τί ήν deutlich: eine Nase ist nicht notwendig und nicht einmal meistens
ε ναι, also im ορισμός, des anderen enthalten ist. So gründet ja auch die „stumpfnasig", und umgekehrt kann auch das Sitzen nur einem Menschen
Notwendigkeit und Allgemeinheit, mit der die Gattung und die Differenzen oder jedenfalls einem Tier zukommen und enthält dieses also auch in seiner
einer Präsenz zukommen, darin, daß sie in der Definition der Präsenz Definition (vgl. S. 48). Es gibt allerdings auch zufällige συμβεβηκότα, die
enthalten sind und sie als solche (καθ-' αυτό) ansprechen, also υπάρχοντα das, dem sie zukommen, nicht in ihrer Definition enthalten: das ist aber nur
καθ-' αυτά sind (73a34ff,} S. 51). Daher muß auch das notwendige dann möglich, wenn beide Präsenzen innerhalb der übrigen Kategorien sind
συμβεβηκός ein υπάρχον καθ-' αυτό und d. h. dann ein συμβεβηκός καθ' (ζ. Β. „Der Gebildete sitzt") oder wenn das ύποκείμενον nicht gerade nach
αυτό sein, also ein solches, das der Präsenz auf Grund eines der Hinsicht genannt wird, nach der ihm das συμβεβηκός zukommt (ζ. Β.
Definitionsbezuges zukommt. Das συμβεβηκάς war ursprünglich als das dem „der Mensch ist weiß" im Unterschied zu „der Körper ist weiß"), jede
καθ·' αυτό und dem τί ήν ε ναι Entgegengesetzte konzipiert worden (S. 51 Präsenz innerhalb der übrigen Kategorien enthält aber nach ZI (1028a35)
f.); jetzt kann es, weil es auf das ύποκείμενον und nicht mehr auf eine irgendein ύποκείμενον in ihrem ορισμός und ist daher nach Z5, wenn sie nur
beliebige Präsenz orientiert ist, bei dem ausgezeichneten συμβεβηκός- mit ihrem eigenen ύποκείμενον zusamrnengeschen wird, als συμβεβη-κ&ς
Verhältnis zwischen Kategorie und ουσία das καθ' αυτό in sich aufnehmen50. καθ' αυτό zu bezeichnen (vgl, 1030b22ff./1031a2ff.) 3 braucht aber deswegen
Aber das υπάρχον ist hier im Gegensatz zu den definitotischen Prädikaten dem ύποκείμενον nicht notwendig zuzukommen.
nicht im ορισμός der ουσία enthalten, denn dieser erschöpft sich in deren So wird hier also eine weitere Unterscheidung erforderlich zwischen
eigener Gattung und Differenzen. Wohl aber ist umgekehrt die Kategorie συμβεβηκότα καθ' αυτά in einem weiten Sinn, die ihr ύποκείμενον in ihrer
nicht nur überhaupt wesensmäßig auf irgendeine ουσία bezogen, sondern Definition enthalten und also wesensmäßig darauf bezogen sind, und solchen
enthält auch gemäß der 3. Priorität von ZI eine bestimmte ουσία bereits in in einem engen Sinn, die darüber hinaus mit dem ύποκείμενον auch
ihrer Definition (S.48f,), und so ist es also diese Wendung der notwendig verbunden sind. Daß diese Unterscheidung bei Aristoteles nicht
Kategorienlehre, wodurch der paradoxe und doch genau angemessene ausdrücklich vollzogen wird, hat seinen Grund nicht nur in der bereits
Begriff des συμβεβηκός καθ-' αυτό ermöglicht wird und damit ein erörterten Außenstellung, die das συμβεβηκός in der eigentlichen
notwendiges συμβεβηκός und d. h. eine Wissenschart der συμβεβηκότα und Durchführung der Seinsfrage einnimmt (S. 50), sondern sachlich in der
d. h. ein eigentliches Anwesen des mannigfaltig Zusammen vor liegenden. Grenze, die der Bewältigung des Problems der Mannigfaltigkeit auch hier
Die ί>λη wird als Grund der Einheit der Präsenzen dadurch verdrängt, daß (vgl. schon S. 56) durch das αληθές, diesmal in seiner eigentlichen Gestaltals
das Zusammensein im Wesen der Präsenz selbst verankert wird. άναγκαΐον, gesetzt ist: die Bestimmtheit der Präsenz ist zwar nicht mehr so
Doch der anscheinend geringfügige Unterschied gegenüber den de- ausschließend, daß alles Zusammensein mit eineranderen
finitorischen Prädikaten, daß nämlich dort das Prädikat in der Definition de* Präsenzaußersieunddamitins Unbestimmte fällt, aber der ausschließende
Subjekts, bei den συμβεβηκότα hingegen das Subjekt in der Definition des Gegensatz zwischen schlechthin Bestimmtem (εΐδος) und schlechthi
Prädikats enthalten ist (73a34ff., 84al3£.), führt zu unerwarteten nUnbestimm tem (ϋλη) bleibt auch auf der neuen Ebene weiter bestehen. Ein
Schwierigkeiten, die aber zugleich den Weg weisen zum eigentlichen Wesen συμβεβηκός hat entweder einen Wesensbezug zum ε δος der ουσία und
der Wissenschaft der συμβεβηκότα. Denn auf Grund des Enthaltenseins in scheint ihm dann auch schon notwendig zukommen zu müssen, oder es
der Definition kommt wohl das Enthaltene dem Definierten notwendig zu, kommt ihm nicht notwendig zu und scheint dann auch schon lediglich in der
aber nicht umgekehrt. So kommt ζ, Β. die Gattung immerund notwendig ύλη 2u gründen und dem ε δος gänzlich äußerlich zu sein. Das εΐδος der
dem εΐδος zu, aber das ε δος nicht immer der Gattung. Da es sich bei den ουσία kann nicht die Unbestimmtheit selbst in sich aufnehmen und damit zu
συμβεβηκός- Aussagen um das Prädiziert-werden des Definierten von dem einem Spielraum von Möglichkeiten werden, die ihm gerade als variable
in seiner Definition Enthaltenen han- wesentlich zukämen (ζ. Β. Liegen-Sit2en-Stehen-Gehen usw. dem Tier)31.
Alles, was nicht notwendig ist, wird

" Wie sich dadurch auch ein „καθ' au τό"-Bezug innerhalb der übrigen " Am deutlichsten werden diese Zusammenhänge an einer Stelle, wo Ari-
Kategorien ergibt, wird später zu zeigen sein (S. 129). stoteles sich gezwungen sieht, ein συμβεβηκύς xccil·' αυτό als zufälliges αυμβεβη-

62 63
als der Präsenz äußerlich angesehen, und so Wferden eine ganze Reihe von sachlich Und so konnte es auch umgekehrt zunächst sii aussehen, als ob für die
verschiedenen und mehr oder weniger wesentlichen Weisen des Notwendigkeit des Zusammenseins die Wesenszugehörigkeit (der
Züsammenvorliegens ohne weitete Utiterscheidung unter die zufälligen ουμβεβηκάτα Dcfinitionszusammenhang) nicht nur eine notwendige, sondern auch eine
zusammengefaßt, nur weil sie in dem Negativen übereinkommen, daß sie nicht im hinreichende Bedingung wäre. Es wird sich zeigen, daß in der Entfaltung der
strengen Sinn wißbar sind". apodeiktischen Wissenschaft in den 2. Analytiken dieser Unterschied faktisch
berücksichtigt wird, ja für deren richtiges Verständnis grundlegend ist: anderseits ist
κός zu erklären: Er wirft in Met, 19 die „Aporie" auf, ob Weiblichkeit und das Versäumnis einer ausdrücklichen Klärung" wesentlich für die Dunkelheiten
Männlichkeit bei Menschen und Tieren Unterschiede hinsichtlich des ε δος sind. Da
diese αυμβεβηκάτα dem Tier wesensmäßig zukommen und es auch in ihrer Definition mitverantwortlich, mit welchen dieser Entwurf der apodeiktischen Wissenschaft
enthalten (1030b25f. > 1031a4), werden sie sonst als αυμβεβη-κότα καίΐ' χυτά erklärt behaftet ist.
(1030b21 ff.) und auch hier so eingeführt und solchen συμβεβηκοτα wie Weiß und Wenn mit der bloßen Wesenszu gehörig keit nicht schon die Notwendigkeit des
Schwarz zunächst entgegengestellt (1058a32f.). Die Aporie wird dann aber gerade Zusammenseins gegeben ist, so ist damit doch, indem die Kategorie dadurch
durch die Ahalogie mit diesen zufälligen συμβεβηκότα gelöst (1058bl—21):
Weiblichkeit und Männlichkeit sind nicht nur keine Unterschiede des ε δος, wesensmäßig auf die ουσία zurückbezogen ist, der Boden gewonnen, auf dem jetzt
sondern auch nicht in bezug auf das ε£8ος (b22) und gründen lediglich in der δλ-η auch nach dem gefragt werden kann, was sie an die ουσία bindet. Und da die
(b22f.). Für Aristoteles müßte der Unterschied dieser συμβεβηκύτα, wenn er sich auf Notwendigkeit, wie sich gezeigt hat, als Wesensgebundenheit in der Definition
das ε δος bezöge, dieses selbst in zwei εϊδη unterscheiden; das eine ε δος als verankert sein muß, wird über die bloße Zugehörigkeit hinaus diese Gebundenheit
solches kann sich für ihn nicht einmal so und einmal so Zeigen.
*' Die αυμβεβηκότα, die Aristoteles unter die zufälligen zählt, lassen sich etwa nur so erreicht werden können, daß auch das Bindende in die Definition selbst
folgendermaßen gliedern: aufgenommen wird, so daß sich der auf die ουσία zunächst nur offenstehende
.1. Andere Kategorie vom ύποκεΙμενο\ι: (a) Wenn das αυμβεβηκός das Definitionsbezug gleichsam schließt. Dieses den Bezug Schließende und die
ύποκείμενον nicht in seiner Definition enthält: es kommt ihm dann auE Gruna seiner Zwiefältigkeit der Kategorie mit der ουσία Vermittelnde wird sich im vierten
hyletischen Beschaffenheit oder seiner Gattung zu, ζ. Β. das Weiße dem Menschen
(vgl. 1030b24f.), das „Vorhandensein mehrerer Mägen" dem Rind (vgl. unten S. Abschnitt als Grund (αΜα) erweisen, und dann wird auch erst sichtbar werden,
128); solche βίιμβεβηκάτα können dem ύποκεΐμενον trotzdem notwendig zukommen warum die Wissenschaft der συμβεβηκότα spezifisch eine apodeiktische
und also Gegenstand der επιστήμη werden, (b) Wenn das συμβεβηκός das Wissenschaft werden muß.
ύποκείμενον in seiner Definition enthält, aber nicht immer bei ihm vorliegt. Hier gibt
es dann verschiedene Stufen von Wesentlichkeit, die sich außerdem noch dadurch aa
unterscheiden, daß manche dieser σ^μβεβηκό-να einem Einzelnen ein für allemal Zwar beachtet Aristoteles diese Schwierigkeit einmal ausdrücklich, aber
zukommen (ζ. Β, Männlich-Weiblich, Gerade-Ungerade), andere auch an einem verdeckt sie dabei mehr, als daß er sie klärt. Er sagt (73bl8ff., 74b8f.), bei den
Einzelnen wechseln (Sitzen-Liegcn-. . . usw.) (ausdrücklich unterschieden 1052a4ff.), αυμβφηκότα κα&' αυτά komme zwar nicht das συμβεβηκύς, aber doch e n t w e d e r
Auch hier ergibt sich die Möglichkeit der έηιατήμη, wenn nämlich bei dem συμβεβ- das σ\>μβεβηκός oder sein Gegenteil dem Subjekt notwendig zu, ζ. Β, eine Zahl ist
ήκός, das an sich dem ύτιοκείμενον nicht notwendig zukommt, eine Bedingung notwendig entweder gerade oder ungerade. Eine solche disjunktive Notwendigkeit
gefunden wird, unter der es ihm notwendig zukommt (z.B. „Eklipse", vgl, Anal. Post. genügt aber erstens gar nicht den Anforderungen, die den Aussagen in der
A8, unten S. 129). apodeiktischen Wissenschaft gestellt sind, und sie wird daher auch sonst nicht mehr
2, Andere Kategorie von anderer Kategorie, wenn sie nicht notwendig erwähnt; zweitens gibt es auch συμβεβη-κότα καί>' αυτά, die dem ύποκείμενον
zusammengehören (für die Notwendigkeit innerhalb der αυμβεβηκότα selbst vgl. S. a l l e i n ^notwendig zukommen (ζ, Β. das häufige Beispiel der „Summe der Winkel0
129). Auch hier ergeben sich wieder verschiedene Stufen von Wesentlichkeit, was gleich 180°" als συμβεβηκ&ς καθ' αυτά des Dreiecks, 102Sa32), anderseits aber auch
von Aristoteles ausdrücklich vermerkt wird (vgl. 195bt f./10t4a5; t97a21ff.) (ζ. Β. das solche, bei denen der 'Spielraum, zu dem sie gehören, mehr als nur zwei
Musikalische ist dem Bildhauersein „näher" als die helle Hautfarbe, 195b2f.). Möglichkeiten umfaßt (die Nase ζ. Β. hat die 3 Möglichkeiten der stumpfen, der
In einem besonders aufdringlichen Sinn, der sowohl bei (1) als auch bei (2) 4 geraden und der Adlernase [1309b23], ein Tier kann sitzen, gehen, stehen, liegen
wenn auch je verschieden, möglich ist, ist etwas dann ein zufälliges ουμβεβηκύς usw.). Vgl, auch Ross, Anal. S. 519 und 521 f.
von einem anderen, wenn es an Stelle eines Dritten tritt, mit dem das andere
sonst (meist) zusammengeht, zu dem das andere also naft' αυτά gehört, ζ. Β.
„Kälte" und „Sommer" (1026b33). Nur für diesen ausgezeichneten Fall
trifft die Erklärung E2, 1026b30f. zu, daß das "^meistens der Grund des
συμβεβηκάς sei (weil durch das „meistens" im Gegensatz zum Notwendigen
die Möglichkeit des Ausnahmefalls gegeben ist). So stellt sich also die Er
klärung, die Aristoteles in der Metaphysik vor der Betrachtung des 6v καθ' αυτό
vom 6M κατά συμβφηκΑς gibt, als Erklärung eines Sonderfalls einer Unter
art des αυμβεβηκάς heraus! In diesen Sonderfall gehören dann vor allem
τύχ·η und αΰτόματον (zu diesen [Phys. B4-f6] vgl. Ulmer S. 108ff.; eine Mono
graphie von Helene Weiss, „Chance in Ä^istotle", ist noch unveröffentlicht).
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5 Tugcntlhat, Tt καΐά τι^ώς öS


111 ί

Die Zwiefälügkeit innerhalb der ovoia (Metaph. Z)

Das Buch Ζ sucht {§ 5) nach dem schlechthin Anwesenden (fiv) als dem
schlechthin Einen (εν), und d. h. nach dem, was innerhalb det verschiedenen
Weisen des Anwesenden das Ursprünglichste ist (πρώτον). Jede Präsenz
innerhalb der übrigen Kategorien ist zwar einfach, aber in. ihrem Anwesen
und d. h. Vorliegen unselbständig und zwiefaltig. Weil sie immer auch als ein
anderes ist, ist sie kein schlechthin Eines und mußte daher in ZI aus der
Untersuchung ausgeschaltet werden. Dagegen wird die ουσία als das
ΰποχείμενον der anderen Präsenzen von keiner weiteren Präsenz gesagt und
ist somit selbständig; indem die übrigen Präsenzen ihre συμβεβηκύτα sind, ist
sie selbst nicht als ein anderes (73b7f.) und liegt also einzig in ihrer eigenen
Präsenz und d. Κ als Eines vor (ή ουσία εν τι και τό^ε τι., 1037b27). Die
Frage, τί τι) Sv reduzierte sich. daher in ZI auf die Frage τις ή ουσία (S. 49).
Aber die Präsenz der 1. Kategorie wird zwar nicht von einer anderen
Präsenz, jedoch immer noch von einem Zugrundevorhegenden gesagt,
nämlich vom zunächst präsenzlos Vorliegenden und schlechthin Unbe-
stimmten, der ΰλη (1029a23f.). Und indem die Präsenz ein mit der ΰλη
Zusammengesetztes (σύνολον) ist, bleibt sie zwar das Eine, was sie ist, und
somit selbständig, aber sie verliert in der schlechthinnigen Mannigfaltigkeit
des Unbestimmten ihre Einfachheit. So zeigen sich bei der ουσία sogleich
mehrere Seiten (die Präsenz als solche, die ΰλη, das Zusammengesetzte), bei
denen, anders als bei den Kategorien, nicht ohne weiteres zu sehen ist,
welche die ursprünglichste ist. Denn (Z3-5)· die eigentliche ουσία als das
schlechthin Eine muß sowohl ein Selbständiges (ϋποκείμενον) als auch eine
einfache Präsenz (ε δος, τίήν ε ναι) sein (§ 10). Und aus der genaueren
Untersuchung der vorliegenden (wahrnehmbaren) ουσία (Ζ7-11, 15) wird
sich ergeben, daß die allgemeine Präsenz, wenn sie jeweils einzeln vorliegt
und d. h. mit der ΰλη zusammengesetzt (σύνολον) ist, nicht mehr einfach und
unvergänglich, sondern mannigfaltig teilbar und vergänglich ist; dann kann-
weder das aus εΐδοςυηα ΰλη Zusammengesetzte noch das εΐδος als solches
eine eigentliche ουσία sein, da dieses nicht selbständig und jenes nicht
einfach ist (§ 11). Doch das unbestimmt Mannigfaltige könnte sich
überhaupt nicht in Eine Präsenz versammeln, wenn sich das ε δος nicht
auch innerhalb der Zusammensetzung mit der ΰλη zugleich in seiner
Einfachheit erhielte; läßt sich also nicht nur das σύνολον, sondern auch die
einfache Präsenz selbst als einzelne und selbständige denken, dann ist sie als
die ursprünglichste ουσία erwiesen {§ 12).

s· 67
Ist somit die Frage nach einer πρώτη ουσία innerhalb des Vorliegenden nicht auf § 10, Die Einjührung der Frage nach einerSigent liehen οναία innerhalb
ein Einfaches gerichtet, das alle Mannigfaltigkeit ausschließt, sondern auf ein
des Vorliegenden in Metaph. Z3-6
solches, das ein Einfaches von Mannigfaltigem ist, dann steht auch das Problem der
ουσία ebenso wie das der übrigen Kategorien in Zusammenhang mit der Frage nach Die Frage nach dem Seienden (öv) ist in ZI auf die Frage nach dem schlechthin
der Einheit des mannigfaltig Vorliegenden. Indem sich der Seins- und Seienden (απλώς Öv, ουσία, 1028a31) zurückgeführt worden. Diese selbst wird, nach
Einheitscharakter der einfachen Präsenz so verwandelt, daß sie als ενέργεια und einem kurzen geschichtlichen Überblick in Z2, in den folgenden Kapiteln sehr
εντελέχεια eines δυνάμει 6v nur noch die einzelne Präsenz des Vorliegenden und d. vorsichtig eingeführt. Da nicht von vornherein deutlich ist, welche ουσία die
h. das Vereinheitlichende des Mannigfaltigen ist, gelingt es, auch die unbestimmte ursprünglichste ist, nennt Aristoteles in Z3 (1028b34f.) zunächst vier vetschiedene
Mannigfaltigkeit der ολη als Eines und Anwesendes zu denken (§13). Bedeutungen von ουσία — ποκείμενο ν, τίήν ε ναι, κα&όλου und γένος—, ohne
Mit den Begriffen δάναμις und ενέργεια kann nun auch der Seins-und daß sogleich sichtbar wird, in was für einem Verhältnis diese zueinander stehen
Einheitscharakter des Allgemeinen und sein Verhältnis zu seinen mannigfachen sollen. Da jedoch das καΰόλου noch eigens neben dem τι ήν ε ναι genannt ist, wird
Vereinzelungen bestimmt werden; daneben wird sich ebenso wie bei den übrigen schon antizipiert, daß das τί ήν εΐναι nicht notwendigerweise ein Allgemeines zu sein
Kategorien auch hier ergeben, daß die Präsenz, wenn sie nur noch als Präsenz des braucht, καθόλου und γένος bieten sich als mögliche Bedeutungen von ουσία nicht
Votliegenden gedacht wird, nicht einmal als allgemeine und in ihrer Definition von aus Aristoteles' eigener Position an, sondern aus der platonischen Ideenlehre; sie wer-
ihrem ύποκείμενον getrennt Werden kann (§ 14). den erst in den Kapiteln 12-14 im Zusammenhang mit einer Kritik an den Ideen
Schließlich wird auf der Grundlage der neuen BegrifFlichkeit auch der Seins- und erörtert und scheiden dann auf Grund der inzwischen gewonnenen Klärung über
EinheitsCharakter des γένος geklärt werden können und damit das von Anfang an (S. ύποκείμενον und τίήν ε ναι aus.
16) zurückgestellte Problem der Mannigfaltigkeit innerhalb der einfachen Präsenz ύποκείμενον und τί ήν εΐναι repräsentieren zunächst einfach die beiden
selbst (§ 15). Bedeutungen, für die der zweideutige Terminus ουσία bei Aristoteles gebraucht wird,
Weil mit der ενέργεια ein neuer Seinssinn der einfachen Präsenz durchbricht und nämlich das Selbständige (απλώς χωριστον) und die in der Definition
damit der bisherige Sinn der Präsenz als schlechthinni-ger Wißbarkeit (έπιστητόν, verselbständigte einfache Präsenz (λόγω χωριστόν) (S. 30). Hier kann es sich jedoch
αλήθεια) überschritten wird, kommt Aristoteles beim Problem der ουσία zu keiner nur um die eigentliche Bedeutung des Wortes im Sinn des Selbständigen handeln
eindeutigen Stellung, und die Problematik wird in verschiedenen Zusammenhängen, (vgl. ZI). Das τί ήν εΐναι steht nicht nur für einen anderen Sinn des Wortes ουσία,
je nach dem Zwang der Sachen selbst, verschieden weit vorgetrieben. Im Buch X, wo sondern ist als einfache Präsenz (εΐδος) zugleich das, als welches das Selbständige
die Idee der schlechthinnigen Einheit als schlechthifiniger Anwesenheit für die erst zu einem ursprünglich Selbständigen (πρώτη ουσία) werden kann (S. 32f.). Mit
Rückgangs beweg ung leitend ist, ist naturgemäß der Widerstand gegen die neuen ύποκείμενον und τί ήν ε ναι sind also die beiden Wesensseiten genannt, die
Zusammenhänge, die sich dennoch durchsetzen, besonders hartnäckig. Das Buch Ζ zusammenkommen müssen, wenn ein schlechthin Anwesendes gedacht werden
bleibt daher in der Spannung zwischen den neuen ontologischen Anforderungen und können soll. Sie bilden den Horizont der ganzen Untersuchung des Buches Z,
dem bisherigen Sinn des Seins, und so wird hier das ganze Problem als Problem Gibt es eine ουσία nur dann, wenn das Selbständige und die Präsenz sich
greifbar. Die positive Bedeutung dieser schwebenden Haltung ist bisher verkannt verbinden, dann müssen von vornherein alle Bedeutungen von ύποκείμενον und τίήν
worden, weil man an Aristoteles mit einer Auffassung von Philosophie als System ε ναι wegfallen, bei denen das eine nicht auf das andere bezogen ist. Aber noch
herangetreten ist und infolgedessen die Unent-schiedenheit von Ζ entweder mehr: indem Aristoteles in diesem und den folgenden beiden Kapiteln diese
weginterpretiert hat (wie neuerdings wieder bei Owens) oder sie vorschnell in bloße Reduktion durchführt, zeigt er, daß das ύποκείμενον nicht nur nicht eine eigentliche
Widersprüchlichkeiten auseinandergelegt und damit verhättet hat (wie in ουσία, sondern überhaupt kein Selbständiges ist, wenn es nicht präsent ist (Z3), und
maßgebender Form bei Ed. Zeller). Das Buch Ζ ist nicht nach seiner Lehre zu
befragen, sondern nach der Bewegungsrichtung seiner Problematik, die über es selbst Kategorien, und der Forschung ist es bisher, sosehr sie auch seit Jaegers
hinausweist1. epochemachendem Werk gerade um dieses Problem kreist, nicht gelungen, sich auf
einen festen Rahmen zu einigen, auf den man zurückgreifen könnte. Der Verzicht auf
1
chronologische Einordnung der verschiedenen Textstücke schließt natürlich nicht aus,
Das entwicklungsgeschichtliche Problem bleibt in diesem Abschnitt ganz daß sich in der inneren Bewegung der Problematik selbst eine bestimmte Reihenfolge
beiseite. Die Dinge liegen hier wesentlich komplizierter als bei den erkennen lassen wird, die der entwicklungsgeschichtlichen Forschung evtl. neue
Kriterien liefern könnte.

68 69
daß das τί ήν ε ναι nicht nur nicht eine ουσία, sondern überhaupt keine Art, daß sie nicht nur, wenn sie in der Definition aus dem Vorliegen
einfache Präsenz ist, wenn es nicht das τί ήν ε ναι eines Selbständigen ist herausgehoben wird, einfach und kein άλλο κατ' άλλου ist, sondern bereits
(Z4-5); Bei jedem erfüllt sich sein eigener Seinssinn nur im anderen: Das als solches vorliegt. Eigentliches τί ήν ε ναι ist daher nur, „was gerade das
Selbständige wird in 23 nicht nur im strengen Sinn (S. 31) als μή κα&' τόδε τι ist" (6περ τόδε τι 1030a4)J.
υποκειμένου λϋγόμενον (1029a8f.) verstanden, sondern als ύποκείμενον Damit ist die Frage nach der ουσία so weit vorbereitet, daß aus dem
und d. h. als das, „wovon das übrige gesagt wird, es selbst aber von keinem mehrdeutigen ύποκείμενον die υλη und aus dem mehrdeutigen τί ήν ε ναι
anderen" (1028b36f.), also als das Zugrunde-Vorliegende, weil es sich in Ζ die übrigen Kategorien ausgeschaltet sind und das eigentliche ύποκείμενον
nur um die vorliegende (wahrnehmbare) ουσία handelt. Zu gründe und das eigentliche τί ήν εΐναι sich im τόδε τι getroffen haben. Erst nachdem
vorliegendes kann nun aber (1029a2ff.) sowohl das schlechthin Unbestimmte jetzt alle periphären Mehrdeutigkeiten der ουσία ausgeschaltet sind, steht die
(ύλη) sein als auch das aus diesem und einer einfachen Präsenz Untersuchung vor derjenigen Zweideutigkeit, die ihr eigentliches Thema
Zusammengesetzte (σύνολον) als auch die einfache Präsens selbst (εΐδος). Die sein soll: das τόδε τι kann als selbständig Präsentes entweder eine mit dem
erstaunliche Behauptung, daß nicht nur die δλη und das σύνολον, sondern Unbestimmten vermischte Präsenz (σύνολον) oder eine einfache Präsenz als
auch das ε δος selbst ein ύποκείμενον ist, antizipiert bereits die Lösung des solche sein. Nur wenn auch das letztere möglich ist, ist ein schlechthin
ganzen Problems der ουσία, wird aber hier nicht begründet. Aristoteles fügt Anwesendes (πρώτη ουσία) gefunden. Nach Z4 gibt es ein τί ήν ε ναι des
nur noch hinzu: gesetzt, die Präsenz ist das ursprünglicher Seiende als die τόδε τι, des Selbständigen: das ist nur möglich, weil dieses in einer Präsenz
ύλη, dann muß sie auch ursprünglicher als das σύνολον sein (a5-7). Auch das vorliegt; aber heißt das auch schon, daß es s e l b s t die einfache Präsenz ist
aber nur, wenn sie sich zugleich als ύποκείμενον erweisen wird. — In einem und die einfache Präsenz somit selbständig ist?
erneuten Ansatz (a9 ff.) zeigt sich dann, daß, wenn der Sinn von ουσία sich Den Übergang zu dieser Frage nach dem Zusammenhang zwischen
im ύποκείμενον erschöpft, die υλη die eigentliche ουσία sein müßte, denn einfacher Präsenz und selbständig Vorhegendem, die dann in den folgenden
diese ist als das an sich schlechthin Unbestimmte (a20f.) das schlechthin und Kapiteln Thema wird, bildet das Kapitel Z6, in dem zunächst ganz allgemein
auch der ersten Kategorie noch Zugrundeliegende (a23f.). Dieses ύποκείμενον gefragt wird, ob das τί ήν εΐναι des jeweiligen (έκαστον), wovon es τί ήν
kann aber nicht ουσία sein, weil die ΰλη als solche nicht losgelöst von einer ε ναι ist, mit diesem identisch ist oder nicht (1031al5i.). Diese Frage wäre
Präsenz vorliegt (χωριστόν) und folglich kein eigentlich Selbständiges gegenstandslos auf dem Boden des ursprünglichen τι ήν εΐναι, das von einer
(τόδετι) ist (a27£.). Daher ist das eigentlicher Selbständige jenes ύποκείμενον, einfachen Präsenz (εΐδος) gegeben wird. Denn dann ist das τί ήν ε ναι
das nicht nur ύποκείμενον, sondern auch präsent und somit τόδΈ τι ist, also selbstverständlich mit dem „Jeweiligen" identisch, da es nichts anderes als
die Präsenz und das σύνολον (a29f.J.So führt die Betrachtung des die ausdrückliche Entfaltung seiner Wesensseiten ist. Wenn es skhaber nach
ύποκείμενον von sich aus zu der anderen Bedeutung von ουσία, zum τί ήν Z4 um Vorliegendes handelt, besteht diese Identität nicht mehr ohne
εΐναι, und nun wird ebenso in Z4-5 gezeigt, daß auch das τί ήν ε ναι nur ein weiteres. Bei den anderen Kategorien, also bei dem, was κατά συμβεβηκός
eigentliches τί ήν ε ναι ist, wenn es sich mit dem ύποκείμενον trifft. Dabei gesagt wird, ist das 5v, das definiert wird (ζ. Β. λευκόν) zweideutig: es kann
wird zugleich das τί ήν ε ναι neu verstanden. Ursprünglich bedeutet es die einerseits die bloße Präsenz bedeuten, und dann ist es mit seinem τί ήν ε ναι
Definition einer aus dem Vorliegen; herausgehobenen einfachen Präsenz (§2). identisch; seiend ist es aber erst in der Zwiefältigkeit mit einem ύποκείμενον,
Weil sich aber nicht nur die einfache Präsenz, sondern auch das Vorhegende auf das seine paronyme Form von vornherein verweist, und dann ist es mit
κα&' αυτό ansprechen läßt, da die übrigen Kategorien als seine συμβεβηκότα
verstanden werden und es als solches lediglich in der ersten Kategorie vorliegt ■ Eine ausführliche Interpretation dieser schwierigen Kapitel kann hier nicht
(S. 52), kann auch eine Definition vorn Vorliegenden (τόδετι) in den Blick gegeben werden, obwohl sie heute ein dringendes Bedürfnis ist, nachdem che letzte
gefaßt werden (1029M4,1030a5). Und indem jetzt Aristoteles von daher auch gründliche Interpretation bei Arpe (S. 33-40) den Sinn von 24 ganz entstellt hat. Arpe
die übrigen zu definierenden Präsenzen in ihrem Vorliegen betrachtet, muß er hat die in ihren Grenzen richtige Erkenntnis von El Kapp, daß die ursprüngliche
Bedeutung des τί ήν εΐναι in der Topik zu finden ist, so übersteigert, daß er auch Met.
ihnen (Z4) das eigentliche τίήνεΐναι absprechen, weil sie als vorliegende Ζ nur noch von daher erklärt und für die neue Problemstellung blind ist, aus der sich
zwiefältig sind (άλλο κατ' άλλου, 1030a4, all; σύνθ-ετα, 1029b23) und es ein die Orientierung der Definition auf das Vorliegende ergibt. Auch seine Interpretation
eigentliches τί ήν ε ναι nur vom Einfachen gibt. Aber (Z5) sogar dann, wenn von Z6 (der unsere Untersuchung manches su verdanken hat) ist aus demselben
sie aus dem Vorliegen herausgehoben werden, enthalten die übrigen Grund ζ. Τ. verfehlt. Arpes Mangel an Verständnis für die Problematik von Ζ gründet
vor allem darin, daß er keinen Zusammenhang zwischen dem τί ίστι der Definition
Kategorien als συμβεβηκότα καθ-' αύτα eine ουσία1 in ihreS: Definition und und dem τί έατι der ersten Kategorie sieht, und letzdichinder unkritischen Trennung
sind folglieh nicht einfach (vglji'S, 63). Dagegen ist die 1. Kategorie von von,.Logischem1'und „Ontoiogischem".
solcher j-
70 ί * ' ■ ' . . ■ 71
i
ί
seinem τί ή ν ε ναι, in dem es lediglich als Einlaches auseinandergelegt Wesen ist noch ungeklärt. Jetzt erst wird gezeigt' daß jede Präsenz, die sich
wird, nicht identisch (1031b22-8)s. Dagegen* wird das Selbständige (τά καθ- mit dem unbestimmt Vorliegenden (der ολη) zu einem Selbständigen (τόδε
1
άύτά, a28, bl3) nicht von einet anderen Präsenz gesagt* und da die übrigen τί) zusammensetzt, als σύνολον ihr ursprüngliches Wesen verliert, indem die
Präsenien von ihm κατά συμβεβηκός gesagt werden, liegt es als solches Einfachheit der Präsenz in der Mannigfaltigkeit des Unbestimmten (ZI 0-11),
lediglich in der e i n e n Präsenz vor und scheint daher zunächst mit seinem τί die allgemeine Wißbarkeit in seiner Einzeh heit (ZI 5) und die
ήν ε ναι identisch zu sein5. Unvergänglichkeitin seiner Umbestimmbarkeit (Z7-9) untergeht. Zugleich
Und doch geht die eigentliche Absicht von Z6, die erst in den folgenden stellt sich nach jeder dieser Hinsichten die reine Präsenz als solche
Kapiteln sichtbar wird (vgl. 1037a33£f.), dahin, auch beim Selbständigen, gegenüber dem σύνολον ais das Ursprüngliche (πρώτον) heraus, weil sie als
nachdem hier die grundsätzliche Einheit von τί ήν ε ναι und εκαστον das Einfache, Unvergängliche und Allgemein-Wißbare sowohl selbst das
festgelegt ist, eine gewisse Nichtidentitat aufzuzeigen, die freilich von ganz eigentlicher Anwesende als auch der Grund des Anwesens des σύνολον ist.
änderet Art sein wird als bei den συμβεβηκότα. Erst bei jenem eigentlichen Indem sich allerdings gleichzeitig mit dieser Urspriinglichkeit der einfachen
τί ήν ε ναι, das ein τί ήν ε ναι des τάδε τι ist, wird die Frage nach der Präsenz als solcher ihr Unterschiedensein vom selbständig Vorhegenden
Identität zwischen τί ή ν εΐναι und ε κ άστο ν wirklich relevant, denn hier herausstellt, ist vorläufig nicht zu sehen, wie sie doch auch ihrerseits ein
wird sie zum Kriterium dafür, ob das in einer Präsenz selbständig Selbständiges sein kann; erst wenn das erwiesen ist, wird die Frage nach der
Vorhegende auch selbst eine einfache Präsenz ist. πρώτη ουσία in ihr Ziel gelangen.
Die Frage von Z6 wird in ZlO-tl aufgenommen, während die Kapitel Z7-9
das Verhältnis der vorliegenden ουσία zur einfachen Präsenz nach einer
anderen Seite betrachten und einen Anhang bilden, der jedoch ebenso
wesentlich und in diesem Zusammenhang unentbehrlich ist*.
§ 11. Das selbständig Vorliegende ah Zmefältiges ; die Urspriinglichkett der In Z10 sagt Aristoteles am Anfang: „Da der ορισμός ein λόγος ist und
einfachen Fräsen^ gegenüber dem Zusammengesetzten jeder λύγος Teile hat, und da die Teile des λόγος sich so zu den Teilen der
Sache verhalten wie der (gan2e) λόγος zur (ganzen) Sache, ergibt sich die
Das Buch Ζ sucht innerhalb des Vorliegenden nach einem schlechthin Schwierigkeit, ob der λόγος der Teile im λύγος des Ganzen enthalten sein
Anwesenden, einer πρώτη ουσία, und d.: h. nach einem Selbständigen muß oder nicht" (1034b20ff.). Damit wird die Frage von Z6 nach der
(ύποκείμενον, τόδε τι), das zugleich einfache Präsenz (ε δος, τί ήν εϊναι) ist. Identität zwischen dem Jeweiligen und seinem τί ήν ε ναι in eine neue
Die Untersuchung des selbständig Vorliegenden in seinem Verhältnis zur Richtung getrieben, indem jetzt beide nach ihren T e i l e n untersucht werden.
einfachen Präsenz wird nach den Vorbereitungen der vorangegangenen Wenn nämlich die ουσία keine weitere Präsenz in sich enthält wie die
Kapitel in Z7-11 und 15 durchgeführt. Bis auf zwei Bemerkungen in Z3 war συμβεβηκότα, so könnte sie doch noch Teile in sich enthalten, die nicht zu
vom σύνολον vorher noch gar nicht die Rede, und sein der einfachen Präsenz selbst gehören. Wenn das Jeweilige Teile enthält, die
in seinem τί ήν ε ναι nicht enthalten sind, kann es mit diesem nicht
s
Oder aber (1031al9ff.) man versteht das τί ήν ε ναι der übrigen Kate gorien in identisch und somit keine einfache Präsenz sein.
der Weise, in der es in Z4 in den Blick gefaßt wurde, nämlich so daß die Kategorien Allgemein sind Teile einer ουσία {und nur um solche geht es hier,
mit ihrem ΰποκείμενον zusammen, also als vorliegende definiert werden, ζ. Β. 1034b34) das, wohinein diese auseinandergelegt werden kann (vgl. Δ25),
„weißer Mensch". Auch dann ist das τί ήν ε ναι des Jeweiligen mit diesem nicht und sind insofern ihre πρότερα (1034b28ff.) und άρχαί (1035a24ff.). Nun
identisch, denn sonst müßte ζ. Β. das τί ήν ε ναι von „weißer Mensch" mit dem τί
ήν ε ναι von „Mensch" identisch sein, da der „weiße Mensch" ein „Mensch" und besteht der ορισμός in nichts anderem als der expliziten Auseinanderlegung
„Mensch" identisch mit dem τί ήν ε ναι von „Mensch" ist. Zum genaueren solcher άρχαί einer einfachen Präsenz (1035b4 ff., 1023b23f.). Da aber das,
Verständnis der schwierigen Steile vgl. man außer Bonirz und Ross ad loc. auch Preis was im ορισμός auseinandergelegt wird, einfach ist, handelt es sich dabei um
werk, S. 89 f. Wenn Aristoteles den Beweis a24f, in gewisser Weise wieder Teile, die nicht neben- und auseinander liegen können und nicht einmal
zueücknimmt, so geschieht dies doch (wie von Preiswerk mit Recht hervorgehoben gesondert in den Blick zu bringen sind, sondern lediglich die
wird) auf Grund des gleichen Tatbestandes, der hier gerade bewiesen wird, und ändert
daher letztlich an dem Beweis nichts. verschiedenen Seiten eines Unteilbaren dar-
4
Es wird hier πρώτον genannt (1031bl4, 1032a5) und πρώτον in diesem Sinn ist
in Z4 als das erklärt worden, was als όπερ τά8ε τι nicht ein ίίλλο κατ' ίίλλου ist • Man vgl. die 8. Aporic des Buches Β (unten S. 82), wo ebenfalls die gleichen
(1030alQ E./a4). beiden Probleme gemeinsam erörtert werden.
1
Auf die weiteren Aspekte des Kapitels und die Bedeutung der Bezugnahme auf
die Ideen (103ta29-bl3, b15-18) kann hier nicht mehr eingegangen werden.
73
72
stellenΊ: die Präsenz, die im τί ήν ε ναι auseinandergelegt wird und mit ihm εΐναι unterschieden ist (1037a23), und dies nicht (auf Grund einer weiteren Präsenz,
identisch ist, ist ein Unteilbares (άμερές), und als solches kann sie weder entstehen sondern weil es teilbar und vergänglich ist8.
noch vergehen (vgl. 258bl8). Das selbständig Vorliegende ist also als Ζwiefartiges (σύνολον) nicht selbst eine
Dagegdh gehört es zum Wesen des unmittelbar Vorliegenden (der ΰλη), daß es als einfache Präsent und daher keine eigentliche ουσία, aber es ist, um anwesen zu
Unbestimmtes ein schlechthin mannigfaltiges Auseinander istj ein dreidimensionales können, auf eine Präsenz angewiesen; diese ist nicht das selbständig Vorliegende
Kontinuum (συνεχές) (S. 26). Wenn dieses zunächst präsenzlos Vorliegende selbst, aber das ihm gegenüber Ursprünglichere, indem sie als Einfaches und
überhaupt anwesen können soll, muß sich das Mannigfaltige je und je in Eines Unvergängliches erstens das eigentlicher Anwesende und zweitens der Grund (das
zusammennehmen und d.h. in eine einfache Präsenzheraustreten. Die ούαία, als πρότερον, 1035M8L) des Anwesens des σύνολον ist.
welche es dann vorliegt, ist aber nicht selbst diese einfache Präsenz, da sie als
dreidimensional Kontinuierliches und d. h. als Körper (σώμα) schlechthin teilbar ist Aber die schlechthin nige Teilbarkeit ist nicht das Einzige, wodurch sich die
(vgl. 268a3-8), und zwar in Teile, die im Unterschied 2u den Teilen des τί ήν εΐναι vorhegende ουσία auf Grund der Unbestimmtheit der ihr zugrundeliegenden υλη von
auseinander liegen und solche άρχαί sind, aus dene'n die ουσία entsteht und in die sie der einfachen Präsenz als solcher unterscheidet. Auch die Allgemeinheit der Präsenz
vergeht (1035a24fF.). Zu unterscheiden ist also (1035alf.) 1. das als solches und die entsprechende Einzelheit des σύνολον gründen in der Unbestimmtheit der
präsenzlos Vorliegende, die υλη, 2. die Präsenz dieses Vorliegenden, das ε δος, das υλη. Die Allgemeinheit gehört keineswegs von vornherein zum Wesen der Präsenz
selbst einfach und unvergänglich ist, und 3. das in diese Präsenz herausgetretene als solcher, vielmehr ist jene Präsenz, die nicht eine Präsenz von Vorliegendem ist
Vorliegende, das zwtefältig Anwesende, das gewissermaßen ein aus dem (die göttliche ουσία), von vornherein ein zahlenmäßig Eines (εν άριθ-μω, 1074a36f,,
Vorliegenden und der Präsenz Zusammengesetztes ist (T6 ix τούτων, 1035al): das vgl. S, 31). Weil aber die υλη in unbestimmter Mannigfalt vorliegt, kann ein und
σύνολον, das teilbar und vergänglich ist. dieselbe Präsenz unbestimmt oft in ihr erscheinen (vgl. 278al5ff.), und eine Präsenz
Das σύνολον unterscheidet sich also vom ε δος, aber nicht hinsichtlich seines des unbestimmt Vorliegenden ist daher, für sich genommen, ein Allgemeines
Präsenzcharakters, vielmehr geht dieser in der einen Präsenz, in die das Vorliegende (καθόλου), das erst durch die „Zusammensetzung" mit der υλη zu einem ev άριθμω
heraustritt, ganz auf. Zwar liegt in der Unbestimmtheit der υλη nicht nur, daß die (τόδε τι) wird (1037alf.). Dasjenige ev άριθμω, das spezifisch ein Einzelfall eines
vorliegende ουσία schlechthin teilbar ist, sondern ebenso wesensmäßig, daß sie mit Allgemeinen ist, heißt καθ' εκαστον (Einzelnes) (S. 31), und daher wird in 210-11 das
unbestimmt vielen anderen Präsenzen, die sie dann auch irgendwie „ist", ούνολον vom εΐοος auch als καθ-' εκαστον vom χαθόλαυ unterschieden.
zusammenliegt. Aber diese gehören als συμβεβηκοτα nicht zu ihrem eigenen Von hier aus kann nun auch die Ursprünglichkdt der einfachen Präsenz gegenüber
Anblick. Und wenn die Teile selbst bereits bestimmte Charaktere haben, die eidetisch dem σύνολον hinsichtlich der Vernehmbarkeit verstanden werden, die neben der
faßbar sind, fallen diese Präsenzen (ζ. Β. das Goldene oder Erzene der Statue) auch Ursprünglichkeit hinsichtlich des Anwesens bereits in ZI0-11 und dann besonders in
unter die συμβεβηκότα". Das εΐδος wird also nicht gegenüber einem Partikulären zu ZI5 erörtert wird. Da das Wesen der Präsenz ursprünglich mit der schlechthinnigen
einer Abstraktion und Gattung. Wiß-
Daher ist die vorliegende ουσία ein t ,Jeweiliges", dessen τί 5]ν ε ναι im
* Die Weise, in der Aristoteles das ούνολον oft bezeichnet, könnte allerdings zu
eigentlichen Sinn sein τί ήν εΐναι ist, da es seine Präsenz voll umgreift, und das doch dem Mißverständnis führen, daß es sich dabei utn die Zusammensetzung zweier
nicht mit ihm identisch ist (1037a33ff.). Diese Nichtidentität ist also von ganz Präsenzen handelt. Er bezeichnet nämlich z.B. im Unterschied zum ε δος „Kreis"
anderer Art als bei den συμβεβηκοτα (S. 71 f.) ι dort war das Definierte (όριζόμενον) das σύνολον als „erzenen Krets" (1035a26) usw. Dabei ist jedoch das „Erz" nicht als
ais solches identisch mit seinem τι ήν εΐναι, aber faktisch immer zugleich mit einer eine weitere Präsenz gemeint, sondern als Sammelbegriff für die Teile, aus denen die
ουσία besteht und in die sie vergeht (vgl. 1035a31ff.). Weil man etwas immer nur
anderen Präsenz verbunden; hier ist es das όριζόμενον selbst, was von seinem τί ήν nach einer Präsenz, in der es sich zeigt, benennen kann (1035a7f.) und das ει8ος die
ganze Präsenz des Selbständigen als solchen umfaßt, gibt es für das σύνολον gerade
* Die Frage, wieso das einfache ε δος überhaupt Teile enthält und wie die keinen eigenen Namen (1035b2f., 1043a29rT.); deswegen muß es, wenn es doch, um
Einheit dieser Teile zu verstehen ist, verschiebt Aristoteles hier ausdrücklich es vura ε δος zu unterscheiden, als solches bezeichnet werden soll, mit Hilfe der
(1037al7ff.) auf später (Z12, H6), und wir können ihm darin folgen (§ 15). Präsenz genannt werden, die seinen Teilen eigentümlich, wenn auch ihm selbst
8
"Vgl. !92bl9 und unten S. 96 Anm. Doch wird diese Behauptung später noch äußerlich ist. Später wird sich allerdings zeigen, daß diese Präsenz der Teile doch
wesentlich zu qualifizieren sein. auch ihm selbst und seiner eigentlichen Präsenz wesentlich werden kann, aber auch
dann nicht als bloße weitere Präsenz, sondern ab eine bestimmte Beschaffenheit der
Teile.
74
75
barkeit (αλήθεια) zusammenfällt, bestünde keine Berechtigung, diese seiner Partikularität zu umgrenzen, noch weiterei Bestimmungen außer dem ε δος
Ursprünglichkeit gesondert von det vorigen zu betrachten, wenn sich hier nicht, wie hinzu, so ist es erstens immer möglich, daß ts auch noch ein anderes Seiendes mit
sich später zeigen wird, verborgenerweise eine Verschiebung im Wesen der Präsenz ebendiesen Bestimmungen gibt (1040a9-14, a33f.), und zweitens greift man damit
vollzöge, mit der die schlechthinnige Wißbarkeit nicht mehr Schritt halten wird. nur auf συμβεβηκότα zurück, die gar nicht zur ουσία selbst gehören (a29ff.). Es gibt
Das Virnehmen (Gegenwart ig haben) det Präsenz als des schlechthin also für Aristoteles kein partikuläres τι ή ν ε ναι. Es ist zur Vermeidung von Miß
Gegenwärtigen geschieht im νους, und wenn die Präsenz in einem ορισμός und d. h. Verständnissen, die sich aus späteren Anschauungen nahelegen, wicht.g, zu beachten,
in einem λόγος eigens auseinandergelegt wird, dann ist das ein Wissen (επιστήμη, daß für die Unmöglichkeit einer Definition des Einzelnen nicht etwa geltend gemacht
1039b32f., vgl. S. 58f.). Da die Präsenz von Vorliegendem als solche ein wird, daß im Einzelnen das Allgeme ne in einer partikulären und als solcher
Allgemeines ist, bezieht sich der ορισμός wie jedes Wissen auf ein Allgemeines unbestimmten Abwandlung gegeben ist: das Allgemeine ist für Aristoteles kein
(103oa28f.). Dagegen ist das Gegenwärtighaben, das auf das unbestimmt Abstraktes, sondern liegt in seiner ursprünglichen Reinheit einzeln vor, und das
Vorliegende (ολη) eingespielt und ein Vernehmen des Einzelnen (278alQf., Einzelne kann nur deswegen nicht definiert werden, weil es erstens vergängLich ist
417b22ff.) und je und je Gegenwärtigen und wieder Verschwindenden (S. 58) ist, die und weil es zweitens, gerade auf Grund seiner Reinheit, nicht einmalig ist
Wahrnehmung (αΐσΟ-ησις). So wie das σύνολον ein aus Präsenz und Vorliegendem Wenn es aber auch keinen ορισμός von der vorliegenden ουσία
„Zusammengesetztes'1' ist, ist auch das Vernehmen des σύνολον gewissermaßen ein als solcher gibt, wird sie doch, soweit sie überhaupt er : mittels !tannt wird, ver-
„Zusammengesetztes", indem es als Meinung (δόξα, 1039b33f.) auf das eines ορισμός erkannt (1036a7f., 1037a26-28). somit auch Die Präsenz ist
Gegenwärtighaben des Einzelnen in der Wahrnehmung angewiesen ist (1036a5ff., hinsichtlich der Vernehmbarkeit das Urs dem sie erstens selbst aDinglichere, in-
1040a2ff.), anderseits dieses als etwas nur vernehmen kann im Hinblick auf eine das schlechthin Wißbare ist u|nd zweitens der Grund der Vernehmbarkeit des σύνολον.
allgemeine Präsenz (1036a7L). Da es sich beim σύνολον nicht um etwas aus zwei
Präsenzen Zusammengesetztes handelt und eine Präsenz immer nur im ορισμός Zum Wesen des Unbestimmten gehört neben der schlechthinnigen
gewußt wird, reicht das Vernehmen des σύνολον gerade so weit, als es in einem Mannigfaltigkeit gleichursprünglich die Umbestimmbarkeit (S. 20, 26), und daher
ορισμός umgrenzt werden kann: hatte sich gleichzeitig mit der Teilbarkeit auch die Vetgänglichkeit der vorliegenden
Bei der Priorität hinsichtlich des Seins hatte sich gezeigt, daß der ορισμός (das xl ουσία ergeben (S.74). Zur Vergänglichkeit gehört aber, daß das jeweilige, um
ήν ε ναι) mit der vorliegenden ουσία zwar nicht eins ist, aber sie doch jeweils ganz anwesen zu können, immer erst entstehen muß (γίγνεσ&αι). So wie sich nun in ZlO-tl
umgreift (S.74). Versteht man aber den ορισμός Vom Vernehmen her als das und 15 gezeigt hat, daß die vorliegende ουσία kein ε δος sein kann, weil sie teilbat
Ausgrenzen, in dem das Wissen das jeweils Gewußte als Eindeutiges und und vergänglich ist, daß sie abe:: auf ein ε δος als ihr πρότερον angewiesen ist,
Unverlierbares präsent hat, so zeigt sich, daß es von der vorliegenden ουσία als wenn sie überhaupt anwesend und-vernehmbar sein soll, und somit als aus ΰλη und
solcher gar keinen ορισμός gibt (1039b28). Das wird von Aristoteles in Z15 nach ε δος „Zusammengesetztes" (Zwiefältiges) zu denken ist, ebenso wirc. in den
zwei Seiten erwiesen: Kapiteln Z7-9 erwiesen, daß die vorliegende ουσία, weil sie ein Entstehen hat, nicht
1. (1039b20-40a7) ist die vorliegende ουσία vergänglich: man hat da ein Ηδος sein kann, sondern als Zwiefältiges gedacht werden muß, daß sie aber, wenn
her, sobald sie nicht mehr in der Wahrnehmung unmittelbar gegenwärtig sie überhaupt entstehen können soll, auf ein unvergängliches εΐδος als auf ihr
ist, keine Gewähr, daß sie noch in dieser Präsenz steht und hat sie daher Ursprünglicheres angewiesen ist.
mit dem ορισμός dieser Präsenz nicht ein für allemal eingefangen. Diese Ursprünglichkeit der Präsenz für das Entstehen wird nach zwei Hinsichten
2, (1040a8-b4) ist die vorliegende ουσία ein Einzelfall eines Allge gezeigt. Die von der Sache her gesehen erste wird in Z8 durchgeführt11: Alles
meinen: da es beliebig viele andere ούσίαι in der gleichen Präsenz gibt, Entstehen setzt ein Zu gründe vor liegend es (ύπο-
läßt sich die jeweilige ουσία im ορισμός nicht als gerade diese einzelne
gegen die anderen ausgrenzen10. Fügt man, um das Einzelne doch in

10
Dieses zweite Argument betrifft nicht nur beweglich-teilbares (hyletisches) teles im folgenden Kapitel (1040b30ff.) sage, immer nur durch ein angehängtes
Einzelnes, sondern jedes Einzelne, dessen εΐδος mehrmals vorkommen kann, also „αυτή" ausgezeichnet werden (der Mensch selbst, das Pferd selbst). So versucht hier
auch die Ideen. Von der Idee, so zeigt hier Aristoteles, kann es ebensowenig wie von Aristoteles, Platon mit dessen eigenen Waffen zu schlagen. Eine ausführliche
hytetisch Einzelnem einen όριαμός geben, weit sie μεθεκτή sein soll (1040a27), und Interpretation dieses Stückes von Z1S findet sich bei Prets-werk, S. 118 f.
ihr ε δος also immer auch von mehrerem anderen gesagr werden kann (a26): 11
Sie steht auch in der kürzeren Parallelfassung in Λ3, wo die beiden Hinsichten
gegenüber diesem ist sie dann durch die Definition gar nicht in ihrer Eigenen deutlicher voneinander unterschieden sind, an erster Stelle, ;
Einzelheit zu fixieren und kann daher, wie Aristo-

77
κείμενον) und sich im Entstehen Durchhaltendes (ΰπομένον) voraus und κινήσεως), v/eil er diese vierte (τέλος, ουενεκα),^ίδ sich mitder ersten
auclieine. Präsenz, in die dieses heraustritt, fernet die Pcivation (στέρησις) inhaltlich deckt, gerade erst aufzeigen will. Alle γένεσις, so sagt er, ist
dieser Präsenz, aus der es dal>ei zurücktritt; das Entsprechende gilt für das entweder natürlich (φύσει.) oder künstlich (τέχν/j) oder sie geschieht „von
Vergehen (Phys. A7, Met, 1069b3ff.). Das Zugtunde-liegende muß sich als selbst" (άπο ταύτομάτου) (i032a12f,, 107Üa6f.). Sowohl beider natürlichen
solches durchhalten, aber hinsichtlich der entstehenden und vergehenden als auch bei der künstlichen γέν^σις erweist es sich, daß das ε δος immer
Präsenzen umbestimmbar sein: es ist ΰλη. Auch beim Entstehen und schon vor der γένεσις irgendwie da ist und die bewegende Ursache bestimmt:
Vergehen der übrigen Kategorien wird das Zugrundeliegende, das dort eine Bei der natürlichen γένεση steht das Erzeugende immer schon selbst in dem
ουσία ist, ΰλη genannt, weil die ουσία. dann primär hinsichtlich ihrer ε δος, das es in dem Entstehenden hervorbringt, „denn Mensch zeugt
weiteren Bestimmbarkeit und nicht hinsichtlich ihrer eigenen Präsenz Mensch" (1033b32, 1070a8); bei der künstlichen muß der herstellende
gemeint ist. Oberhaupt ist die Lehre von 28, wie Aristoteles ausdrücklich Mensch das εΐδος „ohne die ίίλη" (1032Μ2) immer schon im Vorblick („in
bemerkt, auch auf die übrigen Kategorien zu übertragen (Z9, 1034b7-19). der Seele" 1032bl) haben und seine Überlegungen und jeden Handgriff von
Bei den übrigen Kategorien ist das ΰποκείμενον aber nur in bezug auf daher leiten lassen (bo-21). Die von selbst geschehende γένεσις hingegen
weitere Präsenzen ΰλη, wahrend es bei der γένεβις der ουσία noch als solches zeichnet sich gerade dadurch aus, daß bei ihr das ΐΐδος nicht als Worumwillen
unbestimmt und ΰλη ist. Diese ausgezeichnete ΰλη ist immer zugleich ein leitend ist und sie trotzdem in das τέΐος trifft. Weil das aber nur
Agglo-merat von Teilen. Wenn nun jede γένεσις wesensmäßig ein Heraus- ausnahmsweise geschieht und sie folglich nur ein defizienter Modus der
treten eines Vorliegenden in eine Präsenz ist, dann muß die entstandene eigentlichen Entstehungsweisen ist (1070a9), ergibt es sich, daß die Präsenz
ούσί« ein Zwiefältiges sein (1033bl2f., 17f.), das auf das ΰποκείμενον und auch als τέλος „von allem" die αρχή (1034a31 f.) ist. Schließlich muß die
auf die Präsenz als auf die άρχαί seines Entstehens angewiesen ist, die als Präsenz auch nach dieser Hinsicht von TJrsprüngHchkeit nicht nur Grund des
solche vor dem Entstehen gleichsam „bereitliegen" müssen (πραϋπάρχειν, Entstehens des σύνολον, sondern zugleich das eigentlicher Seiende sein, denn
1034bl2f., vgl. auch 1033a31 f.). Dabei kann beim Entstehen des sie kann die Bewegung der ΰλη nur dirigieren, wenn sie selbst ,,ohne ΰλη"
Zusammengesetzten weder das ΰποκείμενον selbst noch die Präsenz selbst ist12.
entstehen (1033a28ff., 1069b35f.). Liegt das ΰποκείμενον bereits in einer
bestimmten Präsenz vor, in der es sich durchhält, ist es also selbst bereits ein Hat sich somit nach beiden Wesensseiten des Hyletischen (der Mannig-
Zusammengesetztes, so kann es in einem früheren Entstehungsgeschehen faltigkeit und der Beweglichkeit) ergeben, daß die vorliegende ουσία keine
dazu geworden sein. Die Präsenz hingegen kann prinzipiell nicht entstanden einfache Präsenz sein kann, aber als Zwiefältiges auf eine einfache Präsenz als
sein und kann daher auch nicht vergehen, da sie ja sonst, auf Grund dieses ihr πρότερον angewiesen ist, so muß noch beachtet werden, daß nach Z10 das
Wesens der γένεσις, selbst ein aus ΰλη und εΐδος Zusammengesetztes sein gleiche Verhältnis zwischen σύνολον und ε δος auch dort besteht, wo die
müßte (1033bllf.). So ist die Präsenz also das πρότερον, indem sie als das eine Ursprünglichkeit wegfällt, weil die ΰλη nur hinsichtlich der einen Seite
Unvergängliche erstens das ursprünglicher Anwesende und zweitens als ihres Wesens betrachtet wird, nämlich bei den Gegenständen der Geometrie.
solches der Grund des Entstehens der vorliegenden ουσία ist. Die Geometrie nimmt das Vorliegende lediglich als Kontinuierliches
Die Präsenz ist aber noch nach einer anderen Hinsicht die αρχή des (συνεχές, 1061a32f., 429bl9) und abstrahiert von seiner Beweglichkeit
Entstehens der vorliegenden ουσία (Ζ7, 9). Da das Vorliegende sich nicht (1077b27f.) und seinen wahrnehmbaten beweglichen Eigenschaften und
von sich aus in Bewegung setzen und in die Präsenz heraustreten kann Kräften (1061a29ff.). Diese ΰλη τών μαθηματικών (1059bl5f.) nennt
(984al9ff., t014b28), ist alles, was entsteht, nicht nur auf ein Zu- Aristoteles, da sie nicht als faktisch Vorliegendes wahrnehmbar ist, im
grundeliegendes und auf eine Präsenz als auf die Gründe seines Entstehens Gegensatz zur sonstigen ΰλη als der ΰλη κινητή und αισθητή in Z10 ΰλη
angewiesen, sondern immer zugleich auch drittens auf etwas, wodurch das νοητή (1036al0f., 1037a4f,). Auch das, was sich innerhalb dieser ΰλη
ΰποκείμενον in Bewegung gesetzt und in dieser gehalten wird (αρχή της präsentiert (Linien 1035al7f,, Kreise 1035a9f., al2, a33f. usw.), ist immer ein
.κινήσεως) (1032al3f., 984a26f.). Wenn nun aber die Bewegung nicht Zwiefältiges (σύνολον, 1036a2): indem das Mannigfaltige sich jeweils in eine
beliebig verläuft, sondern regelmäßig in die bestimmte Präsenz als inj ihr Präsenz zusammennimmt, unterscheidet es sich doch von dieser, weil es >:
Ziel (τέλος) trifft dann muß das ε δος bereits von vornherein irgendwie unbegrenzt teilbar (1035a33f.) und eine beliebig wiederholbare Ver-'
vorhanden sein und das Entstehungsgeschehen dirigieren. Das ist nur einzelung des allgemeinen εΐδος ist (1036a2f.). Auch hier ist daher das
möglich, indem es als τέλος das Worumwillen (οδ ένεκα) und damit die
!
1
αρχή der bewegenden Ursache ist. Aristoteles nennt am Anfang von Z7 nur Inwiefern die Präsenz auch bei der natürlichen γένεσι,ς bereits „ohne ολη"
die ersten drei άρχαί (ε δος, ίίλη, αρχή vorhanden ist, wird sich noch zeigen (vgl, S. 102 Anm. 28).

78 79
Anwesens der ίίλη und des σύνολον ist, wird eS die ursprünglichste ουσία, die πρώτη
τί ή ν ε ναι, mit dem έκαστον nicht identisch, aber der Grund seines Anwesens ουσία genannt (1032blf., 1037a5, a28, b3).
(103$al7ff., Iü36aiff.)13. Wenn jedoch die Ursprünglichkeit der beiden οΰσίαι nicht nur überhaupt, sondern
Alles also, was hyletisch ist, hat ein τί ήν ε ναι, mit dem es nicht identisch ik, und hinsichtlich ihres ούσία-Charakters aneinander gemessen wird, dann muß das Wort
immer ist dabei das τί ήν ε ναι, das Ursprünglichere. Weil nun auf Grund der ουσία in beiden Fällen denselben Sinn haben, d. h. es muß gemeint sein, daß die Präsenz
Zweideutigkeit des Terminus „ουσία" nicht nur das Selbständige, sondern auch das τί nicht nur als τί ήν εΐναι die ουσία des Selbständigen ist, sondern als s o l c h e selbst
ν ε ναι ουσία genannt wird, und zwar als das τί ήν ε ναι έκαστοι die ουσία ουσία (Selbständiges) ist. Daher wird sie auch in unseren Kapiteln meist einfach-hin
έκαστου (143al8f., 1031al8), die ουσία des jeweiligen, wovon es τί ήν ε ναι ist, ουσία genannt, ja sogar dem σύνολον schlechthin als „die ουσία" gegenübergestellt
deshalb wird in unseren Kapiteln das τί ήν ε ναι auch die ο υ σ ί α des σύνολον genannt (1035b22, 1037a24, a29). Wenn das ε δος nicht Selbständiges wäre, könnte es nicht
(I032b2, 1035bl5f.). Das, wovon das τί ν ε ναι ουσία ist, war gemäß dein nur nicht πρώτη ουσία genannt werden, es wäre überhaupt nicht das eigentlicher
ursprünglichen Sinn des τί ήν ε ναι das einfache ε δος (ζ. Β. 143alöf.), und der Anwesende (πρώτον) gegenüber dem σύνολον. Denn wenn auch die Einfachheit der
Bezug, der in dem Genitiv (έκαστου) zum Ausdruck kommt, bestand lediglich darin, daß Präsenz zum schlechthinnigen Anwesen wesentlich gehört, so gehört doch die
das eine die explizite definitorische Entfaltung des anderen war. Weil aber jetzt das τί Selbständigkeit noch ursprünglicher dazu (S. 32), und daher wurde auch in der
ν ε ναι nicht nur ουσία des ε δος, sondern auch ουσία des σύνολον ist, liegt in dem Kategorienschrift πρώτη ουσία vielmehr das selbständig Einzelne und nicht das
Genitiv und ebenso in dem Dativ des τί ήν ε ναι über das bloße Verhältnis von allgemeine ε δος genannt (S. 39). Soll jetzt das εΐδος als πρώτη ουσία verstanden
Definition zu Definiertem hinaus der Bezug der Präsenz zum Vorliegenden {vgl. werden, dann muß es vor seiner besonderen Auszeichnung als Präsenz zunächst einmal
1035bl5f.)u. Dadurch tritt der Unterschied zwischen τί ήν εΐναι (λόγος) und ε δος, der Selbständiges sein. Da es schließlich im Buch 2 einzig um den Rückgang zur ur-
ja ein Unterschied zwischen Identischem ist, in den Hintergrund, und zwischen diesen sprünglichsten ουσία im eigentlichen Sinn dieses Wortes geht, wäre die langwierige
Begriffen wird nicht mehr unterschieden (1032blL, 1035bt6, b32). Daraus ergibt Darlegung der Ursprünglichkeit des εΐδος zwecklos gewesen, wenn es damit nicht als
sich aber, daß auch das ε ΐ δ ο ς als ο υ σ ί α des σύνολον verstanden wird (1035bi5it. das ursprünglichste Selbständige erwiesen wäre. Wenn es aber, wie sich jetzt gezeigt
usw.). Doch auch das σύνολον wird ουσία genannt, und zwar in dem s t r e n g e n Sinn hat, nicht das selbständig Vorliegende, sondern nur dessen Präsenz und als solche von
dieses zweideutigen Wortes, in dem es das Selbständige bedeutet. Das ε δος ist also ihm unterschieden und ein Allgerneines ist, dann müßte es, wenn es als das Eine
die ουσία einet ουσία, wobei das Wort ουσία einmal für das τί ήν ε ναι und einmal für Allgemeine ein Selbständiges wäre, eine „Idee" sein.
das Selbständige steht. Weil sich nun aber das ε δος nach allen Hinsichten in dem
doppelten Sinn als das Ursprünglichere gegenüber der ΰλη und dem σύνολον erwiesen § 12, Die einfache Präsen^als πρώτη ουσία; Erweis ihrer Selbständigkeit
hat, daß es erstens das eigentlicher Anwesende und zweitens der Grund des
la Der im Buch Ζ durchgeführte Auf weis einer einfachen Präsenz, die vom
Es heißt sogar von den Segmenten des Kreises, daß sie (im Unterschied zu den
Teilen des λήγος) diejenigen Teile sind, in die dieser vergehe (1035a34, auch al7f.), so selbständig Vorliegenden unterschieden ist, aber von diesem, wenn es in einem
wie der Mensch in Knochen und Fleisch (a33), obwohl man doch meinen würde, der Anwesen stehen und in ein Anwesen heraustreten können soll, gefordert ist, wird in
Kreis sei unvergänglich. Aber die Unvcrgängüchkeit hat das einzelne geometrische seiner eigentümlichen Bedeutung erst erkannt, wenn er gegen den Hintergrund der
Gebilde nur von Gnaden des Vorstellens; es-kann zwar nicht von sich aus vergehen, Auseinandersetzung mit Platon gesehen wird, die in Ζ überall auch ausdrücklich
aber ebenso wie als bleibend kann es auch als In seine Teile aufgelöst gedacht werden.
— Wenn Aristoteles auch vom einzelnen geometrischen Kreis sagt, man könne nicht hervortritt, Aristoteles hat die Grundprobleme, die er in der Metaphysik behandelt,
wissen, ob er sei oder nicht sei, sobald er nicht mehr in der taktischen Anschauung zum Teil im Buch Β in der Form von Aporien eingeleitet, wobei er jeweils die spätere
steht (1036a2if.), so kann das nicht heißen, daß er inzwischen zugrunde gegangen sein Lösung dadurch vorbereitet, daß er das Problem in Anlehnung an bisherige, vor allem
könnte, sondern nur, daß das Sein seiner Einzelheit ebensowenig durch den ίφισμός platonische, Anschauungsweisen erst nur von der einen und dann nur von der anderen
festgelegt sei wie beim beweglichen ούνολαν; zwei gleiche Kreise, aber auch zwei
ungleiche Kreise lassen sich nur durch die Anschauung (die hier im Gegensatz zur Seite darstellt. Diese Apotien bilden daher, wie immer es um ihr chronologisches Ver-
Wahrnehmung νόηαις heißt, a6) und nicht durch den hältnis zu den anderen Büchern stehen mag1*, eine Folie, gegen die die
ορισμός unterscheiden. " Die chronologische Frage ist offenbar gerade bei dem Aporienbuch besonders
11
Beim τί ήν ε ναι kann aber neben dem σύνολον auch noch weiterhin das schwierig, da Aristoteles sich hier gewollt und manchmal fast
Ε δος im Dativ genannt werden, woraus sich dann eine Konstrukrion mit 6 Tugcodhat, ΤΙ καΐά τινός
doppeltem Dativ ergibt, ζ. Β. 64%22 τί ήν αύτω τδ αϊματι tlvat.
/ 81
80
nachfolgenden Erörterungen -fibgehoberj werderl wollen t um in ihren Intentionen :: (1038bl0) —■ sein τί ήν ε ναι (bl4) —, die „dem jeweiligen eigentümliche ist, die
verstanden zu werden1·. In der 8. Aporie (999a24-b24) wird in Anlehnung an Platon keinem anderen zukommt, während das Allgemeine gemeinsam ist ... und mehreren
gefordert, daß es außerhalb des Einzelnen (παρά τί κ*θ-' έκαστα, a26), das ein zukommt" (blOff.). Die ουσία von dem, was έν άριθμφ ist, muß selbst μία αριθμώ
unbestimmtes (άπειρον, a27), wahrnehmbares (b2), bewegliches und vergängliches sein (1040M7), und „keinem anderen kommt die ουσία zu als sich selbst und dem,
(b5) σύνολον (a33) sei, ein „Eiries und Selbiges" (a28) geben müsse, ein allgemeines welches sie hat und wovon sie die ουσία ist" (b23f.).
(a28), unbewegliches und unvergängliches (b4) ε δος (Mo), und zwar weil es Indem also dem aligemeinen τί ήν ε ναι die ουσία abgesprochen wird, witd sie
erstens (a26-b5) sonst keine Präsenz (Wißbarkeit) geben würde und weil zweitens an dessen Stelle nicht etwa dem jeweiligen σύνολον zugesprochen, sondern einer
(b5-16) das Vorliegende sonst nicht entstehen könnte. Hier wird also genauso wie in einzelnen ουσία des jeweiligen, einem einzelnen τί ν ε ναι. Nun gibt es aber, wie
Ζ und nach den gleichen Grund hin sichten ein vom "Vorliegenden unterschiedenes sich in den übrigen Kapiteln gezeigt hat, kein partikuläres τί ijv ε ναι (S. 77). Und
ε δος erwiesen, aber platonisch als „außerhalb" des Vorliegenden und d. h. als eine auch aus den Ausführungen in ZI 3 selbst ist 2u ersehen, daß mit dem jeweiligen
eigene ουσία („Idee") gedacht, wogegen dann die andere Seite der Aporie geltend einzelnen τί ήν ε ναι eines Einzelnen (ζ. Β. von Sok.rat.es, 1038b29) nur das
macht, daß die allgemeine Präsenz vielmehr kein Selbständiges und keine ουσία sein gemeint ist, was jeweils ein allgemeiner ορισμός umgrenzt (ζ. Β. „Mensch", vgl.
könne (999a29~32, vgl. auch 1003a5 ff.). Eine positive Alternative wird nicht 1038bl7f., b30L). Dieses einzelne τί ή ν ε ναι unterscheidet sich somit in seinem
angeboten. Gehalt gar nicht von dem allgemeinen τί ήν ε ναι.
Wenn nun Aristoteles auch im Buch Ζ die einfache Präsenz οΰσίά und πρώτη Wenn also in den übrigen Kapiteln das εΖδος die πρώτη ουσία genannt wird, kann
οΰοί« nennt, dann könnte das bedeuten, daß er zu der platonischen Auffassung, daß offenbar nur dieses zwar allgemeine, aber jeweils einzelne τι ήν ε ναι gemeint sein.
das allgemeine ε δος bereits in sich ein schlechthin Eines und Anwesendes sei, Und tatsächlich nennt Aristoteles in ZU die πρώτη ουσία das εΐδος ενόν (1037a29),
zurückgedrängt wird. Daß damit aber vielmehr das Entgegengesetzte gemeint ist, das in der ΰλη darinnen-seiende ε δος. So muß es auch gemeint gewesen sein, wenn
läßt sich zunächst aus ZI3 und Zt6 ersehen, wo Aristoteles das Allgemeine bereits in Z3 nicht nur das σύνολον, sondern auch das ε δος ein ΰποκείμενον ge-
(καθόλου) als eine mögliche Bedeutung von ουσία erörtert. nannt wurde (S. 70), Damit wäre die Frage nach der πρώτο ουσία im Buch Ζ und
In 213 wird gesondert für das allgemeine ε δος (τί ήν εΐναι) (1038b9-i5) und für zugleich die 8. Aporie des Buches Β gelöst, da nicht nur eine vom σύνολον
das γένος (bluff.) und in Z16 für die allgemeinsten Wesenheiten εν und ov unterschiedene einfache Präsenz, sondern diese zugleich als Selbständiges und ουσία
(1040bl6ff.) erwiesen, daß kein Allgemeines eine ουσία sein könne. Das erwiesen wird, die jedoch trotzdem nicht vom σύνολον getrennt ist. Aber dieses
Hauptargument, das für alle gilt, ist, daß ,,das Allgemeine immer καί)-' υποκειμένου allgemeine und doch einzelne ε δος ist zunächst eine Behauptung und nicht ohne
von etwas anderem gesagt wird" und somit nicht selbständig ist (1038bl5f.). Der weiteres verständlich. Warum muß außer dem aus εΐδος und ύλη Zusammengesetzten
scheinbare Widerspruch zu den übrigen Kapiteln, in denen gerade das ε δος (τί ήν noch eigens ein von diesem unterschiedenes reines ε δος, das doch auch in der όλη
εΐναι) ουσία genannt wird, klärt sich auf, wenn man den Beweis dafür, daß das ist, gedacht werden? Wie kann es ferner, wenn es die Präsenz des Selbständigen ist,
allgemeine εΐδος nicht ουσία sein könne, näher betrachtet. selbst ein Selbständiges sein? Und wenn schließlich auch verständlich ist, daß es im
Hier sagt Aristoteles nämlich, daß „die ουσία des jeweiligen" Einzelnen sein allgemeines Wesen bewahren könnte, weil der Präsenzcharakter des
σύνολον ganz in dem einen εΐδος aufgeht (S. 74), so bleibt doch zunächst unklar, wie
krampfhaft von eigenen Gesichtspunkten zurückhält (das ist bisher und vor allem von es sich im Teilbaren seine Einfachheit, im Vergänglichen seine Unvergänglich keit
Xaeger nicht genügend berücksichtigt worden; man vgl. ζ. B., wie Aristoteles erhalten kann.
1002b32ff. vermeidet, die ενέργεια zu erwähnen und sie viermal als das „andere" Über die mögliche UnVergänglichkeit des einzelnen ε δος findet sich in Z10 nur
gegenüber der δύναμις bezeichnet). Det entstehungsge-schichtliehe Zusammenhang eine Andeutung: im Unterschied zum σύνολον „vergehen" die Präsenzen „nicht,
von Β mit Ζ ist auch deswegen problematisch, weil die Aporien in Ζ nicht erwähnt
werden. Doch folgen wir den Intentionen von Atistoteies, wenn wir dort, wo Ζ gerade entweder überhaupt nicht oder jedenfalls nicht auf diese Weise" (1035a29f.). Etwas
die Lücke ausfüllt, die. in Β ab Frage offenbleibt, auf die Aporien als auf ein nicht aufschlußreicher ist die entsprechende Aussage in ZI5 (1039b23ff.): „, . . von diesem
notwendig zeitlich früheres, aber sachlich vorbereitendes Buch zurückgreifen.
11
(dem σύνολον) gibt es Vergehen, nämlich auch Entstehen, von der Präsenz hingegen
In der Einleitung (S. 33) wurde bereits die 14. Aporie erwähnt (1003a 5 ff.), in nicht so, daß sie vergeht ..., sondern ohne Entstehen und Vergehen ist sie und ist sie
der verlangt wird, daß die ουσία sowohl einfache Präsenz (ein schlechthin Wißbares
1003al4) als auch selbständig {τήδε■-ri, _a9) sein müsse, diese Verbindung sich aber nicht." Eine genauere Erklärung wird dann
ab unmöglich erweist, weil das Einfache allgemein und das selbständige Einzelne
unbestimmt ist. v' *· Ü 83
t
in H3 gegeben (I043bl4ff.): ,,Es ist notwendig, daß diese (die Präsenz) äur Präsenz von einem Vorliegenden wird. Ebenso wie dieyUbqgcrtj|; ~f~
entweder uhvergänglich ist (im Fall der göttlichen ουσία) oder vergänglich Kategorien ist sie nicht schon in sich ein geschlossenes Eines'ijn.4l^^ '"'
ohne zu vergehen und entstanden ohne ZU entstehen." Die einfache ^Präsenz wesendes, sondern von vornherein nur die eine Seite einer ZwlefäU"
kann also als jeweils vorliegende zwar nicht schlechthin unvergänglich sein, keit (Präsenz von—). . ■ ίΐ|$||
aber sie ist es noch, insofern sie auf Grund ihrer Einfachheit (vgl. 258bl8f.) Weil sich aber das ποκείμενο ν det ersten Kategorie wesensrriäßif
keinen Entstehungs- und Vergehungs-prozeß durchlaufen kann, sondern als von dem der übrigen Kategorien unterscheidet, ist auch die νΡίΑβ^Β^^-ίΒη^·
und entsprechend auch die Zwiefältigkeit hier von ganz anderet'iPÄtti^ ; Kl·
das, worauf der Entstehungs-prozeli des σύνολον als auf sein τέλος zuläuft,
Aus der Abhebung der besonderen Zwiefältigkeit der ουσία gegen'die,1 §1
sprungartig ins Sein tritt, um dann auch sprungattig zu verschwinden. Diese
der übrigen Kategorien muß nun auch ersichtlich werden, inwiefern· '''
Erklärung in Z10 und Z1S ist zugleich eine weitere Bestätigimg dafür, daß
die Präsenz nach ZI3 nicht nur als einfache e i n z e l n vorliegt, sondern ;
Aristoteles dort die allgemeine Präsenz als je einzelne meint, denn vom
als solche auch Selbständiges und d. h. Einzelnes ist. .: ;,
Einen Allgemeinen wäre die Aussage, daß es „ist und nicht ist", natürlich
Auch für die anderen Kategorien (ebenso für die Gattungen und die
gegenstandslos. allgemeinsten Wesenheiten εν und 6V) gilt der Satz, daß „kein All-
Die bestimmte Unvergängiichkek der einzelnen Präsenz gründet in ihrer gemeines außerhalb des Einzelnen getrennt besteht" (1040b26f|), weil es
Einfachheit, Wie kann nun aber die Präsenz als einzelne Präsenz eines nämlich immer nur ist, wenn es „καθ-1 υποκειμένου von etwasf gesagt wird"
mannigfaltig Teilbaren ihre Einfachheit bewahren? Diese Frage zwingt dazu; (1038bl6); s e i e n d sind also auch die übrigen Kategorien immer erst in
das bestimmte Wesen des σύνολον genauer zu fassen; ihre Klärung bildet ihrem jeweiligen e i n z e l n e n Vorliegen; weil aber ihr ύποκείμενον als τόδε
den entscheidenden Schritt zum Verständnis der aristotelischen Auffassung τι bereits selbst ein Eines ist, ist dabei immer nur das ύποκείμενον bzw. das
von der ουσία, bei dem nicht nur die Möglichkeit, sondern zugleich die in die Präsenz herausgetretene (mit ihm zusammengesetzte) ύποκείμενον
Notwendigkeit einer einzelnen einfachen Präsenz ein E i n z e l n e s : die Präsenz ist, weil das, wovon sie gesagt wird, Einzelnes
deutlich wird. ist, selbst nur Allgemeines, und es kann nicht neben dem in die Präsenz
Das Wesen der ύλη besteht in der Mannigfaltigkeit eines Kontinuum, und ihr herausgetretenen ύποκείμενον auch noch eine von diesem
Heraustreten in ein ε δος ist daher immer ein Zusammentreten in Eines (S. Zusammengesetzten unterschiedene einzelne Präsenz gedacht werden (außer
74). Ein Kontinuierliches, das in eine Präsenz zusammengenommen ist, jedes in der Kategorienschrift).
σύνολον also, ist ein Ganzes (Ολον, 1016bl2f.j 1052a22f.); das bedeutet, daß Dagegen wird die Präsenz der ersten Kategorie nicht von Einem gesagt,
seine Teile nicht nur faktisch zusammenhängen, sondern von der Einheit sondern macht ihr ύποκείμενον erst zu Einem. Die Präsenz ist daher nicht
einer Präsenz durchherrscht sind: ihre Anordnung ist dann nicht beliebig, und nur ein einfaches Eines, das zum Vorliegenden hinzukommt, eine
jeder hat seine bestimmte, von der Präsenz vorgezeichnete Stelle (1 Ol ob 13 geschlossene Bestimmung, die von ihm gesagt wird, sondern das Wesen
f., 1024al-3). Die Teile, die zusammen das teübare Ganze bilden, sind also in ihrer Einfachheit liegt darin, Vereinheitlichendes zu seih. Entsprechend ist
eine Einheit versammelt, die selbst nicht teilbar ist. Somit kann das εΐδος die Zwiefältigkeit hier nicht eine Zusammensetzung des Vorliegenden mit
nicht nur, sondern muß als Einfaches einzeln sein, wenn das σύνολον nicht der Präsenz, sondern die Zusammensetzung (σύνθεσις) des Vorliegenden
auseinanderfalten soll (vgl. 1045ä8f., lÜ77a21 ff.). Es muß als Einzelnes von d u r c h die Präsenz, und der Ausdruck „σύνολον" (το εκ τούτων) ist somit
der ΰλη (den Teilen) unterschieden bleiben, weil es nur als solches die Teile irreführend (vgl. 1041bllff., 1043b4fT.): Während bei der Zwiefältigkeit der
zusammenhalten kann. Unterscheidet sich nach Z10 das εΐδος vorn-σύνολον übrigen Kategorien das ύποκείμενον, da es als τόδε τι selbst bereits ein ev
dadurch, daß die hyletischen Teile nicht seine άρχαί sind, so doch nicht ist, unmittelbar und gewissermaßen ohne Zwischenraum in die Präsenz
deswegen, weil es von diesen Teilen unabhängig wäre, sondern weil es heraustritt und sie in dieser Zusammensetzung mit umgreift, ist bei der
vielmehr umgekehrt die αρχή dieser Teile als Teile eines Ganzen ist (1035b3- ουσία das ύποκείμενον, weil es Mannigfaltiges ist, in solchet Weise mit der
25). Weil also der Einfachheits-charakter der Präsenz als Einfaches eines Präsenz „zusammengesetzt", daß es auf sie z u g e s p a n n t ist. Als die
Ganzen von vornherein auf das Mannigfaltige als dessen αρχή eingespielt ist, versammelnde Mitte dieser Spannung, nicht dinglich als ein eigenes
kann dieses sie nicht aus-einanderteißen.daes vielmehr umgekehrt von ihr Seiendes, bleibt die Präsenz von dem in sie versammelten ύποκείμενον, und
zusammengerissen wird. Wenn die einfache Präsenz aber wesensmäßig d. h. vom σύνολον, unterschieden. In dieser Versammlung erst — als
versammelndes Prinzip (σύνθεσις, αρχή, i041b3l, 1043b6) von σύνολον also — wird das ύποκείμενον zu einem τάδε Tt, zu einem Etwas,
Mannigfaltigem ist, denn kann sie nicht nur auch als einzeln vorliegende einem εν, einer ουσία. Indem nun aber die Piäscnz das ist, wodurch es zu
gedacht werden, sondern ihr eigenes Wesen erfüllt sich überhaupt erst, wenn einem τόδε τι wird, ist sie als das Vereinigende des Einen gleichsam der
sie jeweils Zentralpunkt des τόδε τι. Sie ist selbst τόδε τι und ουσία, aber nicht als
84 85
t
Dieser Doppelcharakter der Präsenz kommt in aem das Buch Ζ zusammenfassenden
eine zweite ουσία ir* σύνολον, sondern nur als das Versammelnde, das in das Abschnitt in 111 zum Ausdruck, wo Aristoteles sagt (10421126 ff.): ,,Die ουσία ist das
Versammelte Yerschtänkt ist *. Beide bilden in dem einigen Gefüge ihres ύποκείμενον, auf eine Weise die υλη . . ., auf eine andere der λόγος und die Präsenz,
Unterschtedenseins ein τόο*ε Tt. So ist die ausgezeichnete Präsenz des Vorliegenden welche, als τάδε τι seiend, λόγω νωριστόν ist, drittens das Zusammengesetzte . . . "1S
die ουσία der ουσία, indem sie es nicht nur als τί vjv εΐναι in eine Präsenz (§ 11), Daher kann Aristoteles einerseits das reine ε δος als solches und nicht nur das σύνολον
sondern damit auch erst in die Selbständigkeit hebt. Sie ist als das Einfache des τόδε τι nennen (vgl. 1017b25, 1037b25-7, 1042a29, 1049a35, Ί070Λ'Π)" und ihm
selbständig Vorliegenden zugleich das Selbständige des selbständig Vorliegenden anderseits, sofern es spezifisch als das Eine v\llge-meine im Blick steht, den ,,τόδε τι''-
und damit πρώτη ουσία Charakter absprechen (i037alf., 1033b22), und daher kann er in Z13 das τί ήν ε ναι,
im vollen Sinn. sofern es vielem gemeinsam ist, aus der ουσία ausschließen und dieses gleiche τί ήν
Weil somit die Präsenz das ποκειμένων erst zu einem Einzelnen macht, ist ihr ε ναι, sofern es dem jeweiligen eigentümlich ist, als die ουσία erklären20. Wenn nun
Verhältnis zu ihm ursprünglich nicht von solcher Art, daß sie als Aligemeines καθ' aber das gleiche ε δος, das als Einzelnes ουσία und d. h, schlechthin Anwesendes ist,
ποκειμένου von ihm gesagt wird. Weder ist die einzelne einfache Präsenz als als Allgemeines nicht ουσία sein kann, ergibt sich die Frage, was für ein
V e r e i n h e i t l i c h e n d e s nur eine einfache Bestimmung, die von etwas gesagt werden Anwesenheits- und Einheitscharakter diesem Einen Allgemeinen dann noch zukommt.
kann, noch ist das ύποκείμενον als ίϊλη überhaupt schon ein Etwas und Eines, wovon Somit enthält die Auffassung der einfachen Präsenz als πρώτη ουσία zwei Probleme
etwas gesagt werden könnte. Daher erklärt Aristoteles in Ζ und auch sonst das ίΐδος, von E i n h e i t und Mannigfaltigkeit: Wie ist e r s t e n s der Einheits- und
sofern es spezifisch als Einzelnes gemeint ist, als ε δος έναν (1037a29), als das, was Anwesenheitscharakter der einzelnen einfachen Präsenz zu denken, wenn sie als
nicht καθ-1 υποκειμένου gesagt wird, sondern εν ύποκειμένω ist (1037b3f., 1036b23, Präsenz des Vorliegenden das Vereinheitlichende des Mannigfaltigen ist? Oder positiv
194bl3, 414a21f.),. und, insofern es als solches selbst τόδε τι und ποκείμενοι ist, als gewendet: Wie gelingt es, das in schlechthinnigerund unbestimmter Mannigfaltigkeit
ύποκείμενον έν ύποκειμένω (Phys. 192b34)n, Vom ύποκείμενον seinerseits wird Vorliegende in eine Einheit und Präsenz aufzubeben und somit als Anwesendes zu
gesagt, es ,,habe" (έχει) seine ουσία (1040b24 ( 192b33); diese ist ihr „Gehabe", ihre begreifen? (§ 13), Und welches ist zweitens das Verhältnis der Einen Allgemeinen
Verfassung (έξις, t070al2). So kehrt hier also in einem ganz anderen Zusammenhang, Präsenz zum Vorliegenden, d. h. (a) von was für einer Art ist die Einheit des
aber als Ausdruck für eine entsprechende ontologische Beziehung, die Terminologie der Allgemeinen, daß es sich mannigfaltig vereinzeln kann, und von was für einer Art sein
Sein, wenn sich die Präsenz, da sie Vereinheitlichendes ist, erst als Einzelnes erfüllen
Kategorienschrift wieder: liier wie dort geht es darum, das Verhältnis von etwas zu
können soll? und (b): wenn die Zwiefältigkeit mit dem Vorliegenden zum Wesen der
seinem ύποκείμενον zu bezeichnen, was selbst Einzelnes und Selbständiges ist. Ist nun
Präsenz gehört, in was für einem Verhältnis muß dann auch die Definition des
aber auch das εΐδος jeweils in ein bestimmtes ύποκείμενον verschränkt und einzeln, so ist
Allgemeinen zum hyletisch Mannigfaltigen stehen, d. h. wieweit ist die Präsenz
es doch hinsichtlich seines Was-Gehaltes, wie dieser in der Definition umgrenzt wird,
überhaupt noch ein λόγψ χωρίστόν? (§ 14).
vom jeweiligen ύποκείμενον unabhängig (λόγω χωριστόν) und als solches allgemein
(καθ-όλου). Daher kann es auch spezifisch als das Eine Allgemeine vorgestellt und dann
καθ' υποκειμένου von dem ποκείμενοι* gesagt werden (ζ. Β, 1029a23f.), das dann 18
Ausgeschlossen ist die Interpretation dieser Stelle bei Owenä (S. 241), wonach
aber seinerseits bereits als Eines und Etwas im Blick stehen muß. das ε δος gerade als τόδε τι 'λόγω χωριατών sein soll — vielmehr: es liegt als τήΒε
" Die Physikstelle lautet im ganzen: . . . φύσις μέν ouv εστί το ρη&έν* φύσιν 8έ τι vor, aber läßt sich auch losgelöst und als Allgemeines betrachten. — Vgl. auch
έχει ο σα τοιαύτη ν £χει αρχή«, και έστιν πάντα ταΟτα ουσία' ύποκείμενον γάρ τι καΐ 194bl2: die Präsenzen sind χωριστά μέν εϊδει, έν ΰλη 8έ.
18
.Entsprechend nennt er es auch έν άριΰμω (1040bl7), während det Begriff des
έν ύποκειμένω εστίν ή φύσις άεί. κα&' ίχαστον auf das σύνολον als das Unbestimmte-Teilbare beschränkt bleibt, das
Ich folge hier der in einem Freiburger Seminar mitgeteilten Auffassung von Heidegger, im Unterschied zum einzelnen εϊδος ein Einzelnes ist, das dein Allgemeinen
dcrgemäli das von Laas und Roas im letzten Satz hinter τι eingesetzte Komma zu streichen gegenübersteht.
und ziim- bisherigen Text zurückzukehren ist. Dem Argument von Ross (Phys. S. 501), 10
Eigentümlich ist es dem Jeweiligen nicht hinsichtlich seines V/asgehakes,
daß die φύσις (also das ε δος des φύσει öv) kein ποκείμενον sei, wird durch unsere sondern weil es als Vereinheitlichendes in das Jeweilige verschränkt und mit ihm
Erklärung des εΐδος der Boden entzogen. Da der Satt als Begründung angeführt wird für zusammen ein τό8ε τι ist. — Als ein weiteres Argument dafür, daß das Allgemeine
die vorhergehende Behauptung, daß „alles dies", nämlich das, was eine φύσις „hat" (also nicht ουσία sein könne, wird in Z13 angeführr, daß sonst in der einzelnen ουσία eine
das σύνολον) und die φύσις (das ε δος), ουσία sei im Unterschied zu den im folgenden zweite ουσία enthalten wäre (1039a3ff.); hingegen Ist das einzelne ε δος „Mensch"
erwähnten συμβεβηκότα, wird sowohl vorn einen als auch vom anderen gesagt, daß es die ουσία von „Sokrates", ohne dadurch eine zweite ουσία in der ουσία „Sokrates"
υποκείμενων sei. Sonst wurde der Satz auch eine sinnlose Wiederholung enthalten. zu sein.

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.86
τέλος in ihr.} Werk (έργον), das sie hervorbringt (202a23F.) und das jeweils
§ 13, Die Zwiejältigkeit der ovaia als evtqyHiiH (ίντελέγ/Μΐ) eines eine Präsenz ist, in die das Bewegte gebracht wird.
δυνάμει öi; die Einheit und Amvesenhüt dn mannigfaltig Vorliegenden Daß etwas ein Vermögen hat, bedeutet, daß, wenn sich die nötige
Konstellation zu einer solchen Tätigkeit einstellt (d. h. vor allem: wenn zu
Das Problem der Einheit und Präsenz des mannigfaltig hyietisch Vorliegenden dem Erwirkenden das Erleidende hinzukommt und umgekehrt), das Vermögen
Wird von Aristoteles dadurch bewältigt, daß er εΐδος und ύλη in einer h e r a u s t r i t t und seine Tätigkeit tatsächlich geschieht (1048a5fl.,
Zwiefältigkeh denkt. Diese Zwiefältigkeie bedeutet nicht, daß das ε δος als ein 324b8f.). Das heißt aber: es handelt sich hier um ein Phänomen, zu dem es
geschlossenes Eines sich der ύλη als einem Medium aufprägt, denn dann wäre die wesensmäßig gehört, daß es bereits vorhanden sein kann, ohne schon als das,
ϋλη an dieser Einheit unbeteiligt. Es wäre nicht das Vorliegende selbst, -was als was es ist, in Erscheinung zu treten; ja es muß sogar schon, bevor es in
Eines und Anwesendes gedacht würde. Die Zwiefältigkeit bedeutet, daß die Tätigkeit kommt, gewissermaßen auf dem Sprung sein, da es sonst von der
Präsenz das Vorliegende selbst zu einem Einen versammelt, daß also die Präsenz Gelegenheit dazu gar keinen Gebrauch machen könnte. In der Tätigkeit kommt
nicht nur Eines, sondern Vereinheitlichendes ist. Für dieses Wesen der Präsenz nichts Neues über das Seiende, vielmehr tritt nur das hervor, womit es an sich
reicht nun aber der Terminus ε δος {„Anblick"), der auf gar keine Zwiefältigkeit gehalten hatte. Der Untätigkeit (αργία, 416b3, 1219a25) wird nun von
angelegt ist, nicht mehr aus, ja er verdeckt es. Die Einfachheit des ε δος ist Aristoteles der „Gebrauch" des Vermögens (die χρήσις, 1219a24) als seine
ursprünglich in sich geschlossen, so daß es ebensogut allgemein wie einzeln Betätigung (ενέργεια, 416b3) entgegengesetzt. Das spezifisch herausgetretene
vorgestellt werden kann; und sofern in seinem Atiwesenheitscharakter der Bezug Vermögenwird jetzt als ενέργεια der δύναμις von der δύναμις als solcher eigens
auf ein anderes liegt, ist dies nur das vernehmende Blicken. Schließlich verleitet unterschieden. Durch diese Gegenüberstellung zur ενέργεια wird ein
das Wort ε δος dazu, sich die einfache Präsenz als „Bild" und „Gestalt" (μορφή) bestimmter Zug, der im Wesen des Vermögens schon von vornherein liegt,
vorzustellen, während sie doch nut das vereinheitlichende Prinzip eines Gebildes eigens herausgehoben: daß es als Vermögen zu . . . wesensmäßig Möglichkeit
sein soll. Der Rückbezug auf ein noch nicht präsentes Anwesendes, welches es in ist, nämlich Möglichkeit, in die Tätigkeit zu kommen oder auch nicht.
eine Präsenz herausreißt und in eine Einheit zusammenieißt, liegt im Dieser Charakter der δύναμις ermöglicht es nun, das δυνατόν zum
Anwesenheitscharakter des είδοξ ursprünglich nicht. Ebenso liegt im Begriff der universalen ontologischen Tetminus zu erheben, indem damit jetzt nicht
ολη noch kein positiver Bezug zur Präsenz. bloß das gedacht wird, was zu bewegen vermag oder auch nicht, oder bewegt
Eigens in ihrer Zwiefältigkeit werden ϋλη und εϊδος erst als δύναμις und zu werden oder auch nicht, sondern allgemein das, was als etwas (und d. h. als
ενέργεια (εντελέχεια) gedacht. Im Buch Ζ hält Aristoteles mit diesen eine Präsenz) zu sein vermag oder auch nicht (vgl. 1047a2Qf./a28f.). Dieses
Begriffen noch weitgehend zurück und läßt sie erst in den Nachträgen, die das δυνατόν, das ein δυνάμει ο ν ist, ist die ύλη (Ζ7, 1032a20-2). Als das
Buch Η bringt, die Untersuchung führen. Unausdrücklich sind sie aber bereits Unbestimmte-Bestimmbare ist die ϋλη von vornherein wesensmäßig das, was
in Ζ gegenwärtig (vgl. S. 107 Anm. 31), und die Lehre vom einzelnen εΐδος in eine Präsenz heraustreten kann oder auch nicht, und was immer auch dann,
kann ohne sie gar nicht verstanden werden, δύναμις und ενέργεια sind wenn es in der Präsenz steht, aus ihr zurücktreten kann. Diesen
zunächst im Bereich von Bewegung und Tätigkeit beheimatet. Dabei bedeutet Möglichkeitscharakter der υλη bezeichnet Aristoteles mit ένδεχόμενον εΐναι
δύναμις — ein vor philosophisches Wort — soviel wie „Vermögen": ein και μη ε ναι (1050Μ1): die υλη ist das, was sowohl das Sein als auch das
Mensch oder ein anderes Seiendes vermag das und das zu tun, in Bewegung Nichtsein als etwas zuläßt. Indem dieses ένδεχόμενον nun aber als δυνατόν
zu setzen, zu bewerkstelligen, ist dazu imstande, hat Kraft und Macht. So wird gedacht wird (1047a26f., lCl50bllfT.), wird von der ursprünglichen δύναμις
auch bei Pkton δύναμις verstanden als δύναμις άπεργάζεσθαί τι (Staat 477dl) im Sinn des BewegungsVermögens, das jetzt eigens als δύναμις κατά κίνησιν
und δύναμις τοΰ ποιειν και πάσχειν (Soph. 248c8). Daher die aristotelische von der neuen δύναμις qua ϋλη unterschieden wird (1048a25/b8f.), nicht nur
Erklärung von „Vermögen" als αρχή μεταβολής εν άλλοι (1046all), als das Moment der Möglichkeit, sondern auch das des Vermögens übernommen.
Ursprung eines Wechsels in einem anderen, wozu korrelativ in dem, was Im „Können" (δύνασθαι) der υλη liegt dann nicht nur: eine Präsenz sein zu
wechselt, eine αρχή μεταβολής παθητικής ύπ1 άλλου (a!2f.) gehört, ein können und auch n i c h t , sondern zugleich: die Präsenz sein zu können, d. h,:
Imstandesein zum Verändertwerden. Dabei steht die δύναμις in einem ganzen das Votliegende läßt es nicht nur zu, daß die Präsenz als etwas ihr Äußerliches
Gefüge von notwendig zusammengehörigen Bezügen; sowohl das aktive „über" sie kommt (έπιγίγνεσΰαι, 1035al2), sondern es selbst ist zu der Präsenz
als auch das passive Vermögen ist jeweils auf ein anderes bezogen, wodurch imstande, birgt sie bereits als noch ungehobene Möglichkeit in sich und
es erst in die Tätigkeit, die in ihm angelegt ist (κινεΐν oder κινεΐσ&αι), entfaltet sich in sie als ihr e i g e n e s Anwesen.
kommen kann, ujnd diese Tätigkeit hat dann ihrerseits ihr
\ 89
88 ■ ,
Daß Aristoteles das δυνατόν auch bei der ύλη in diesem vollen Sinn verstanden Aber nicht nur die Zwiefältigkeit zwischen der Präsenz der 1. Kategorie und ihrem
wissen will, ist schon daraus zu ersehen, daß er das, wozu die δύναμις ein Vermögen ύποκείμενον, sondern auch die der übrigen Kategorien wird jetzt als δύναμις und
ist, auch jetzt, da dies nicht mehr eine Tätigkeit, sondern eine Präsenz ist, ενεργεί« ενέργεια gedacht (1047a22, 1017a35ff.). Denn das ΰποκείμενον der übrigen
nennt. Daß das Korrelat zur δύναμις weiterhin die ενέργεια bleibt, ist keineswegs Kategorien hat ein zwiefaches Wesen: einerseits ist es selbst bereits bestimmt und
selbstverständlich, sondern der entscheidende Schritt. Denn darin liegt, daß die Prä- präsent, anderseits ist es, sofern es von weiteren Präsenzen bestimmt wird,
senz sich nicht nur faktisch am ύποκείμενον befindetiJ, sondern das unbestimmt-bestimmbar und ΰλη (S.78). Weil es präsent ist, ist die Zwiefältigkeit der
Herausgetretensein dessen ist, was schon von vornherein im ΰποκείμενον angelegt Kategorien mit ihm ein συμβεβηκέναι, d, h. ein Zusammengekommensein von zwei
war. In Met. Θ6, wo Aristoteles die ενέργεια bestimmen will, aber dann nur Beispiele Präsenzen (S, 52); weil es aber zugleich ϋλη ist, ist die Kategorie nicht nur mit der
aufzählt, weil man „nicht von allem eine Definition verlangen darf, sondern das ουσία zusammen, sondern die Präsenz der ουσία, und d. h. jetzt: das, wohinein die
Analoge zusammenschauen muß" (1048a36f.), wird die Erklärung vorausgeschickt: ουσία selbst heraustritt und wozu sie schon von vornherein das Vermögen haben
„Die ενέργεια ist also das Vorliegen (ύ7ϊάρχειν} der Sache, nicht so wie wir sagen muß. So kommt also mit δύναμις und ενέργεια doch auch jene Seite det
(daß sie) δυνάμει (vorliegt)" (1048a3lf\): Als ενέργεια wird also die Präsenz nicht nur Zwiefältigkeit der Kategonen zu ihrem Recht, die vom συμβεβηκός verdrängt zu
als vorliegende gedacht, sondern als ein Modus des Vorliegens des ΰποκείμενον werden drohte (S. 52). Die ενέργεια ist gegenüber dem συμβεβηκος, aber auch
selbst. Und indem nun die Begriffe ε δος und τι ν ε ναι mit dem Terminus gegenüber der κατηγορία, die ontologisch höhere und überhaupt die höchste Be-
ενέργεια gleichgesetzt (1043bl) und schließlich völlig synonym mit ihm gebraucht stimmung des zwiefältigen Wesens der Präsenz, weil einzig in ihr das Vorliegende
werden (so ζ. Β. durchgehend im Buch H), wird das Wesen der Präsenz als Heraus- und die Präsenz so zusammen gedacht werden, daß sich im Herausgetretensein ein
getretensein verstanden: d. h. die Präsenz wird nur noch aus der Zwiefältigkeit mit neuer Sinn von Anwesenheit ergibt. Aber gerade weil bei den übrigen Kategorien das
dem Vorliegenden und nur noch als einzelne (selbständige); gedacht: „ενέργεια ist ύποκείμενον bereits in einer Präsenz steht, sind δύναμις und ενέργεια für ihre
nämlich das ε δος, wenn es selbständigist" (1071a8f.). Mit der ενέργεια erst findet Zwiefältigkeit nicht entscheidend geworden: das ΰποκείμενον ist hier zwar jeweils ein
also die Lehre von der πρώτη ουσία ihre eigentliche Erklärung. Denn als ενέργεια δυνάμει Öv, aber das ov, wozu es veimögend ist und als welches es dann ενεργεία ist,
erfüllt sich das ε δος nicht nur in seiner Vereinzelung, sondern kann überhaupt nicht ist nur eine weitere Präsenz, die das ύποκείμενον als solches unberührt läßt; das
Allgemeines sein. Was es dann als Aligemeines ist, wird noch zu zeigen sein (§ 14). ύποκείμενον der ουσία hingegen ist selbst δυνάμει δν, nicht zu dem oder jenem,
Das, wohinein die ϋλη sich als δυνάμει ov entfaltet, ist die ενέργεια, doch sie geht sondern zu seinein eigenen Anwesen, es ist δυνάμει τόδε τι (1042a28) und d. h.
in dieser nicht auf, sondern steht gleichsam in ihr: sie ist als σύνολον ενεργείς 6v. Als δυνάμει εν. Und die ενέργεια ist hier nicht bloß das Herausgetretensein von etwas,
solches bleibt sie in ihrem Herausgetreten-sein ein δυνατόν ε ναι και μή ε ναι wozu das ΰποκείμενον vermögend ist, sondern das Herausgetretensein des
(vgl. i05öb8ff.): das ενεργεία δν schwebt, solange es in der Präsenz steht, in der ΰποκείμενον selbst.
Möglichkeit, sie zu verlieren. Darin Hegt aber zugleich, daß das Verhältnis zwischen Weil nun zur Anwesenheit wesensmäßig Präsenz und Einheit gehört, vollendet
der ύλη und dem ε δος auch dann, wenn es bereits hergestellt ist, ein lebendiges sich das Anwesen des Vorliegenden in seinem Heraus- und Zusammengetretensein.
bleibt. Die ΰλη ist δύναμις zum ε δος nicht nur bevor sie in dieses kommt; auch Daher wird das Herausgetretene als τέλειον und τέλος έχον (1023a34) und das ε δος
gerade wenn sie in der Präsenz steht, ist sie das wesende Vermögen zu dieser als sein τέλος (1023a34) gedacht, nicht bloß als das, woraufzu seine γένεσις geht,
Präsenz, und das, als was sie sich in dieser gleichsam im Schwingen bleibenden sondern als die vollständige Entfaltung seines Seins. Für diesen Charakter des ε δος
Bindung an das ε δος zeigt, ist das „σύνο~Λον"η. als das, worin die ϋλη ihr τέλος hat, hat Aristoteles den Terminus εντελέχεια. geprägt.
Die ενέργεια ist εντελέχεια, das ενεργεία ov εντελέχεια Öv. Ebenso wie in der
31
Das faktische Vorliegen der Präsenz könnte auch einfach £ιϊϊάρ/ίι.ν genannt ενέργεια liegt in der εντελέχεια im Unterschied zum ε δος von vornherein der
werden, wie auch in der Syllogistik dem Problematischen, bei dem Rückbezug auf etwas, wovon sie das ist, was sie ist21.
charakteristischerweise das ίνδεχύμενον maßgebend bleibt, das Assertorische als
ύπάρχειν (25alt, usw.), in anderen Zusammenhängen auch als άλΓ,Αές (22al3,
1019t>23fT. t Met. Θ4) entgegengestellt wird. In ύπάρχειν und αληθές kommt nur die einet 7-usammensctzung überwunden, die in den Begriffen σύνολοι, αύνθετον
Tatsächlichkeit des Zusammen Vorliegens zum Ausdruck, der Charakter des Bezuges (1043*30), συνειλ^μμένον (1035a23), μεμιγμένον (278al4), το ix τυύτων (1035ul)
zwischen beiden wird offengelassen. liegt; diese werden aber trotzdem neben ihm beibehalten, ebenso wie εΐοος (und
" Mit dem Begriff ενεργείαιβν ist auch die unangemessene Vorstellung μορφή 1043a3üf.) neben ενέργεια.
ia
Hingegen hat auch das τί ήν ε ναι als τί ν dvai έκάστφ von vorn-

90 91
Obwohl ενέργεια und εντελέχεια ursprünglich keineswegs dasselbe selbst heraustreten läßt und bei der daher Heraustreten und Heraus-
bedeuten,; werden sie schließlich bis zur Auswechselbarkeit synonym gettetensein zusammenfallen: das ist die lediglich in sich selbst schwin-
gebraucht. Dann kann aber diejenige ενεργεί«, bei der dieser Begriff seinen gende, sich zu nichts unterwegs befindende Tätigkeit des Lebendigseins.
Ursprung hat, nämlich die Tätigkeit, gar nicht mehr ohne weiteres als Auch von dieser Tätigkeit sagt Aristoteles allerdings, daß sie, weil sie nicht
ενέργεια gedacht werden : bloß vorhanden sei wie ein Ding (οϋχ υπάρχει ώσπερ κτημά τι, 1169b30),
Mit der Übertragung der δύναμης von der δύναμις κατά κίνησιν auf die ein Werden sei (γίγνεα&α'., 1169b30), und wenn er sie (1048bl8ff.) der
δύναμις zur Präsenz ist der Bereich der Bewegung nicht verlassen: es „bloßen" κίνησις (und dem γίγνεσθαι, 1153alOff.) entgegenstellt, so laßt er
handelt sich jetzt zwar nicht mehr um eine δύναμίς zu einer Bewegung, aber das ontologische Wesen ihres Bewegungs Charakters offen; wie immer es
das δυνάμει, 6v kann die Präsenz immer nur auf dem Wege übet eine damit stehen mag, es handelt sich Inier um etwas, bei dem ενέργεια qua
Bewegung, und d. h. vermittels δυνάμεις κατά χίνηαιν, erreichen. Daher Tätigkeit und ενέργεια qua Präsenz und εντελέχεια zusammenfallen21.
spielte auch umgekehrt die Präsenz bereits bei der δύναμις κατά κίνησιν eine
wesentliche Rolle, als das Werk, welches die Tätigkeit dieser δύναμις 11
Doch wird auch für die bloße Bewegung der Terminus ενέργεια nicht
hervorbringt (S. 88f.). Die ενέργεια qua Präsenz ist also nicht nur εντελέχεια fallengelassen. Das wird damit begründet, daß „auch die Bewegung eine ενέργεια ist,
einer υλη, sondern zugleich auch immer τέλος (έργον) einer ενέργεια qua allerdings eine unvollkommene (ατελής)" (De Anima 417al6). Man könnte meinen,
κίνησις, Nun sind κινεί ν und κινεΐσ&αι zwar hinsichtlich ihrer δύναμις hier werde einfach wieder auf die ursprüngliche ενέργεια zurückgegriffen, da sonst
jeweils ein Herausgetretenes, aber was da herausgetreten ist, ist selbst noch eine ενέργεια ατελής eine contradictio in adjeeto wate. Das ist aber nicht der Fall: An
anderer Stelle heißt es im gleichen Zusammenhang: „Die Bewegung ist die ενέργεια
unterwegs, an sich oder einem anderen eine Präsenz heraustreten zu lassen des Unvollkommenen" (De Anima 431a6). Beide Stellen berufen sich dabei auf etwas
und hat erst in dieser als seinem έργον sein τέλος. Dieses τέλος ist der schon anderswo über dit Bewegung Gesagtes. Das sind die Kapitel IT-3 der Physik,
Bewegung nicht äußerlich: κινεΐσθαι und κινεΐν sind vielmehr nichts als das wo die Bewegung definiert wird als ή του δυνάμει αντος εντελέχεια ή τοιούτον (201
all); die Bewegung ist das vollständige Herausgetretensem des δυνάμει Öv als
allmähliche Heraustreten bzw. Heraustretenlassen der Präsenz. Solange das solchen. Darin liegt nicht die Trivialität, die einige der Beispiele nahelegen können,
£ργον nicht fertig ist, ist auch die Bewegung in sich nicht fertig; ist aber das daß die faktische Bewegung eben das Herausgetretensein der ίύναμις zu dieser
έργον vollständig herausgetreten, dann ist die Bewegung überhaupt nicht Bewegung ist (die Definition von X wäre dann: ,Χ. ist die ενέργεια der δύναμις zu
mehr. Sie ist daher wesensmäßig ατελής (1048b29) und, wenn die ενέργεια X'). Vielmehr wird das δυνάμει öv hier nicht als das Vermögende zu einem
Bewegtwerden, sondern als Vermögendes zu einer Präsenz gedacht. Wie kann dann
εντελέχεια sein soll, keine ενέργεια (1048b 18 ff,). Diese Wendung der aber statt der Präsenz die Bewegung als Heraus-getretenscin dieses Vermögens
Dinge kommt nicht von außen über die ενέργεια κατά κίνησιν, sondern ist, verstanden werden? Darin liegt gerade die Schwierigkeit, und Aristoteles sagt daher
wenn ihr Wesen im Herausgetretensein gesehen wird, von vornherein in ihr am Ende (202alf.), nachdem er alle anderen Möglichkeiten, die κίνησις zu erklären,
zurückgewiesen hat; ,,Es bleibt die angegebene Möglichkeit, daß die Bewegung
vorgezeichnet. nämlich ενέργεια sei, aber eine solche, wie wir sie erklärt haben und wie sie schwer
Gleichzeitig führt (1048bl8ff.) diese Einschränkung der ενέργεια auf die zu sehen, aber doch möglich ist," Einige Sätze vorher wird gesagt, was für eine
εντελέχεια zur ausdrücklichen Abhebung einer eigentümlichen Tätigkeit, ενέργεια gemeint sei, und hier sind wir zugleich an der Stelle, auf die sich die Sätze
deren έργον die Tätigkeit selbst ist, die also nur sich aus De Anima beziehen: „Die Bewegung scheint eine ενέργεια zu sein, aber eine
unvollkommene; der Grund davon ist, daß das δυνατόν, wovon sie ενέργεια ist,
unvollkommen ist. Und deswegen also ist es schwer zu fassen, was sie isi" (20tb31f.).
Muli dann aber nicht, wenn sich aus der UnVollkommenheit des δυνάμει öv eine
herein einen Rückbezug auf etwas, wovon es \L ήν ε ναι ist. Das war zunächst nur Unvollkommenheit der ενέργεια ergibt, jede ενέργεια unvollkommen sein? Doch die
das εΐδος selbst, doch wurde bereits gezeigt (S. 80), daß die Bezogenheit auf ein ενέργεια überwindet gerade als ενέργεια des δυνάμει öv dessen bloßen
anderes, die sprachlich sowohl in diesem Terminus als auch in der ihm Möglichkeitscharakter. Jetzt erst wird verständlich, was die Definition der Bewegung
entsprechenden ουσία (έκάατου) votgebildet ist, jetzt den Bezug der Präsenz zum besagt und warum sie so schwer zu fassen sein soll: das Hcrausgetrctenscin dessen,
Vorliegenden in sich aufnimmt. Wird jetzt von einem τΐ ήν ε ναι τφ τοΐ("ι8ε σώματι wozu das δυνάμει öv vermögend ist, ist die jeweilige Präsenz; das Herausgetretensein
gesprochen (Z1Q, 1035bl6), so legt dieses τΐ ήν ε ναι nicht bloß die Präsenz selbst dieses gleichen δυνάμει ΐ>ν als solchen ist die Bewegung. In dieser präsentiert sich
im ορισμός auseinander, sondern hebt ein zunächst überhaupt nicht Präsentes in eine die δύναμις selbst als solche. So kann die ενέργεια der Bewegung jetzt als εντελέχεια
Präsenz. Erst in den Begriffen ένέργεκχ und £6ναμις tritt diese positive Seite der gedacht werden, nämlich als vollkommenes Herausgetretensein des Unvoll-
Differenz zwischen τι ήν ε ναι und Εκιχατον eigentlich hervor. ~ Mit dieser kommenen. Das ist der höchste Punkt der aristotelischen Lehre von δύναμις und
Verschiebung im τί ήν ε ναι ergibt sich auch ein neuer Sinn des ήν in diesem ενέργεια: die ενέργεια «ατά κίνησιν, die zuerst bloß ein Moment hergegeben hatte,
Terminus: es bedeutet nicht mehr bloß die Vorgüngigkcit dessen, was die einfache auf Grund dessen dieser Begriff auf die Präsenz „übertragen" werden konnte, witd
Präsenz vor allem συμβεβη-κέναι immer schon'war (S, 18 Anm. 18), sondern positiv jetzt ruckläufig aus dieser als έντελέχει.α neu gedacht, und das bedeutet ontologisch:
die Vorgängigkeit des ε δος gegenüber dem σύνολον ais dessen πρώτερον und das Wesen der Bewegung, also desjenigen
αρχή (vgl. ζ. Β, 640a33). Hier erst ergibt sich also die Bedeutung des ήν, die
T^endelenburg als einzige gekannt hat (oben S. 18 Anm. 18 und S. 19 Anm. 20).i

I 93
Aber nicht nur eine ausgezeichnete Tätigkeit wird durch die εντελέχεια mehrere Stufen von ύλη gibt. Das gleiche ergibt sich, wenn man umgekehrt vom neu
herausgehoben; auch innerhalb der Präsenzen ergibt sich jetzt auf Grund der bestimmten Wesen der υλη ausgeht. Weil die Präsenz die ενέργεια der ΰλη selbst ist,
εντελέχεια eine ganz bestimmte Stufenordoung, und es wird sich zeigen, daß muß diese sich selbst (wenn auch nicht durch sich selbst) in sie entfalten können und
diejenige Präsenz, die am eigentlichsten εντελέχεια ist, zugleich jene durch die folglich das bestimmte Vermögen zu dieser Präsenz und d. h. zugleich zur Entfaltung
εντελέχεια ausgezeichnete Tätigkeit sein muß (S. 101). in diese Präsenz haben. Aus einer beliebigen υλη kann nicht eine beliebige Präsenz
Die ί,ντελέχεια bedeutet das vollständige Herausgetretensein der ΰλη und d. h., da hervorgehen (1069b28f., 1043a 12£., 194b9), sondern jedes δυνάμει Öv ist
die Präsenz das Einfache undEine : ist und als ενέργεια das Eine des Mannigfaltigen, vermögend zu einem ganz bestimmten Umkreis von Präsenzen, die als ungehobene
das vollständige Auf gehobensein und Gebundensein der Teile und ihrer Mannigfalt von Möglichkeiten in ihm angelegt sind, Dabei liegt es im Wesen der
Bewegungsvermögen in einer Ganzheit. Steht das Vorliegende tatsächlich in δύναμις, daß man von einem Vorliegenden nur dann sagen kann, daß es δυνάμει eine
εντελέχεια, dann darf nichts mehr als noch ungehobene Möglichkeit und d. h. noch bestimmte Präsenz ist, wenn es gleichsam unmittelbar auf dem Sprung zu dieser
ungebundene Mannigfaltigkeit in ihm zurückgehalten sein. Faktisch gibt es jedoch Präsenz ist, d. h. wenn alles in ihm bereit liegt und nur darauf wartet, in die nötige
Seiendes, das bereits in einer Präsenz steht, aber in seiner Mannigfaltigkeit noch Bewegung, Zusammensetzung usw. gebracht zu werden (Met. 07). Aus der „ersten"
ungebunden ist und einen bloßen „Haufen" (σωρός, Ζ1ό } 1040b9) bildet (z. B. ein (schlechthin unbestimmten) ΰλη können aber die komplizierteren Gebilde nur durch
Klumpen Erde, ein Ziegelstein), Solchem Seienden wird, weil es selbst noch δύναμις wiederholte und verschiedenartige Veränderungen hervorgehen (1049a 17f.). Weil
und also ολη zu einem eigentlichen εν ist (1040b6, b9f.), der eigentliche ουσία- also die υλη als δυνάμει öv jetzt positiv als Vermögendes gedacht wird, Vermögen
Charakter (b5) und das τόδε τι (1070alO) abgesprochen. Es „scheint" bloß, weil es aber immer nur unmittelbares Imstandesein zu etwas ist, können sich alle außer den
irgendwie zusammenhängt, ein εν und -toSe τι zu sein (107Üal0) und ist eigentlich elementarsten Präsenzen gar nicht in der ersten υλη verwirklichen, sondern benötigen
nochυλη (1040b8). Dataus ergibt sich auf Grund der ενέργεια und εντελέχεια ein jeweils eine ganz bestimmte, d. h. selbst schon in einer Präsenz stehende ΰλη. Ein
Wesenszug des τόδε τι, der im Begriff des ε δος noch gar nicht enthalten ist: das solches bereits in ein ε δος Herausgetretenes ist ί'ιλη nicht nur in dem weiten Sinn
τόδε τι ist nicht nur das Eine Selbständige, das alle weiteren unselbständigen des Wortes, in dem auch die ουσία als δυνάμει öv der übrigen Kategorien ύλη
Präsenzen zu tragen vermag, sondern als solches zugleich die Eine Präsenz, worin die genannt werden kann, weil sie noch zu weiteren Präsenzen vermögend ist, sondern in
mannigfaltigen Teile (im Hegeischen Sinn des Wortes) „aufgehoben" werden. Für die dem strengen Sinn, in dem υλη das noch überhaupt nicht in eine Präsenz Entfaltete,
Einheit dieser Präsenz genügt jetzt nicht die schlechthin η ige Einfachheit des ε δος: das δυνάμει τόδε τι (1042a28) ist; denn es ist, obwohl es bereits in einer Präsenz
weil es als ενέργεια das Eine von Mannigfaltigem sein soll, muß dieses Einfache steht, gerade hinsichtlich seines eigenen Präsenzcharakters noch δυνάμει öv; das
zugleich einen Umfang haben, in den als Ganzheit das Mannigfaltige eingehen kann; „Noch-Nicht" (die στέρησις) der εντελέχεια, in die es sich entfalten wird, ist nicht,
und weil es als εντελέχεια die vollständige ενέργεια des Mannigfaltigen sein soll, ist wie bei den übrigen Kategorien, ein Zweites neben ihm, sondern der Charakter seines
keine Präsenz eigentliche ουσία zu nennen, die ihr Mannigfaltiges nicht vollkommen eigenen Herausgetretenseinsas, und daher geht seine bisherige Präsenz, wenn es in die
aufheben kann, mag sie in sich noch so einfach sein. Das Wesen des ev bestimmt sich εντελέχεια kommt, auf die eine oder andere Weise in die höhere Präsenz ein20.
nicht mehr primär aus seinem Bezug zum Wissen, dem es als eitel Präsenz leuchtet
(άληΟ-ές), sondern aus seinem Verhältnis zu einem Mannigfaltigen, das überhaupt >s
Dennoch muß, wie Aristoteles häufig betont, auch hier zwischen dem sich
erst ins Anwesen herausgerissen werden muß. durchhaltenden ύποκείμενον und der στέρησις, die es verläßt, unterschieden werden,
Gibt es verschiedene Stufen von Präsenz und werden die jeweils tieferen noch als wenn überhaupt mit Sinn von einer γένεσις gesprochen werden soll (192a3f.), Aber
δύναμις und ολη bezeichnet, so liegt datin, daß es auch diese στέρησις ist von ausgezeichneter Art, insofern sie nicht eine andere Präsenz
darstellt, die durch die neue Präsenz verdrängt wird, sondern lediglich die
Einheitslosigkeit (den „Haufen"-Charakter) des ύίτοκείμενον selbst. — Gohlkes
Behauptung, daß die Unterscheidung zwischen ΰποκεΐμενον und στέρησις durch die
Phänomens, das in gewisser Weise dem Sein als Anwesenheit gerade entgegengesetzt Lehte von der δύναμις überflüssig geworden sei (S. 66), ist irrig und wird schon durch
ist, wird selbst in den höchsten Begriff von Anwesenheit angefangen. — Diese die Tatsache widerlegt, daß in Λ und in H5 beide Aspekte gemeinsam vorgetragen
Interpretation geht im wesentlichen auf einen Hinweis von Heidegger in einem werden. Gohl-ke bemerkt dazu: Aristoteles behalte auch in Α die ατέρησις bei, weil
Freiburger Seminar zurück. — M. Wundt verkennt die sachlichen Zusammenhänge, „seine Schüler" sie „nun einmal ... im Kopfe hatten" (S, 66).
wenn er in einem Versuch zu einet entwicklungsgeschichtlichen Konstruktion (S. ie
Weil nun auf der anderen Seite die übrigen Kategorien nicht nur συμβεβη-
86ff.) diese Erklärung der Bewegung als ein e r s t e s Stadium der Übertragung <jkr
ενέργεια von der κίνηαις auf das ε δος interpretiert.

94 95
Durch diese Stufenfolge eines immer Vollständigeren Heran sgetreten-seins, einet Präsenz reicht, hindurchziehen. Die Elemente * entstehen aber auch nitht einmal in
immer durchgehenderen Vereinheitlichung, gelingt es, das zunächst itt dem Sinn durch σύνί}εσις, daß das, woraus sie sich zusammensetzen, zunächst
schlechthiriniger Mannigfaltigkeit und Unbestimmtheit Vorliegende als solches in unverbunden vorläge, da die erste ύλη nicht als solche vorliegen kann (332a35h),
einer Einheit und Präsenz und d, h. als Anwesenden zu denken: sondern immer schon in einem der Elemente erscheint, die vielmehr so entstehen, daß
Die „er&e" ϋλϊ) ist δύναμις einzig zu den Präsenzen, in denen sie sich als die sie sich gegenseitig zerstören und abwechseln (De Gen. et Corr. B4--S). Von σύνθ-
einfachen Elemente Erde, 'Wasser, Luft und Feuer konstituiert, die sich nicht durch εαις kann daher hier nur insofern gesprochen werden als jedes Entstehen eines
bestimmte Gestalten (307bl8f.), sondern durch je verschiedene Verbindungen der Elementes die Verbindung von zwei ursprünglichen dynamischen Qualitäten bedeutet
elementaren Taettmalitätcn Warm, Kalt, Feucht, Trocken unterscheiden (De Gen. et (646al6), die jedoch nie einzeln für sich vorkommen können.
Corr. 132-3); diese Qualitäten (πάθη) werden rein „dynamisch" verstanden: sie sind Insofern in dieser ersten ουσία das Mannigfaltige noch nicht zu einer Einheit
jeweils nichts anderes als bestimmte δυνάμεις ποιητικού und Λαθηπκού (329b24ff.) gebracht ist, bildet sie noch einen „Haufen" und ist keine eigentliche εντελέχεια,
und haben als solche ihre bestimmten ε'ργα (307b20£.), wie auch die einfachen sondern selbst noch ίίλη (1040b8, I070a19)!j. Dasselbe gilt auch noch von der
Elemente als ganze ihre eigentümlichen δυνάμεις (άρχαί κινήσεως) in ihrer Schwere nächsten σύνθ-εσις, in der nun aus den Elementen die sogenannten gleichteiligen
bzw. Leichtigkeit haben und ihr jeweiliges ε δος gerade in dieser δΰναμις besteht Substanzen (όμοιομερή) gebildet werden. Das Wesen dieser σύνθ-εσις ist μΐξις. Mit
(De Caelo Δ1 und 3). In den einfachen Elementen konstituiert sich das Vorliegende μΐξις ist nicht eine Mischung, sondern eine „chemische" Verbindung gemeint, in der
als Bewegliches. 2wei oder mehr Substanzen sich so verbinden, daß sie nicht einfach in ihren kleinsten
Aristoteles faßt die γένεσις. jeder Stufe von ουσία als σύν&εσις (O46al2), aber es Teilen zusammengefügt werden, die sich als solche noch erhielten, sondern
handelt sich jedesmal um eine σύνοεσις anderer Art. Auf der ersten Stufe wird das gemeinsam sich verwandelnd und aufhebend eine Substanz bilden, die ein neues εΐδος
Mannigfaltige noch nicht in eine bestimmte Gestalt zusammengefaßt, sondern bildet und d. h. neue dynamische Qualitäten hat und in der auch der kleinste Teil homogen
sich überhaupt erst einmal in bestimmte Qualitäten und d. h. Bewegungsvermögen ist und das Ganze daher ein „Gleichteiliges" (De Gen. et Corr. A10), Wenn sich in
aus, die sich dann gleichmäßig durch das ganze Kontinuum, so weit die jeweilige dieser Weise die Elemente nach verschiedenen Proportionen (λόγοι, 334b 15)
verbinden, entstehen solche gleichteiligen Substanzen wie ζ. Β. Gold, Erz, aber auch
κότα, sondern auch Herausgetretenes sind und ihr ύποκείμενον nicht nur Präsenz, Fleisch, Knochenmaterial, BluJ., Galle usw. (De Gen, et Corr. B7; Part. Anim.
sondern auch ΰλη (S. 91), und weil daher auch ihr Heraustteten (Entstehen) „analog" 647bl3f., 17f.); cüe letzteren lassen sich aber schon nur als enthalten in einer höheren
zu dum der ουσία (1070a32, 1071a33) durch die vier Gründe ΰλη, εΐ8ας., αρχή
κινήσεως und τέλος bestimmt ist (S. 78), kann ihre Zwiefältigkeit auch spezifisch εντελέχεια denken und weisen also von sich aus über sich hinaus: werden sie aus dem
nach dieser Seite, und d. h. dann „analog" (1043a5) zur Zwiefältigkeit der ούαΐα, Lebewesen, dessen Gewebe und Stoffe sie darstellen, gelöst, so verlieren sie ihre
betrachtet werden, so ζ. B, in A4-5, H2. Kommt somit jede der beiden eigentümliche δύναμις und d. h. ihr ε δος (Blut 2, B. stockt und erkaltet)
Zwiefäitigkeiten in ihrer Struktur der anderen entgegen, indem das ύττοκείμευον bei (649b30(f.).
beiden hyletisch und hei beiden auch schon präsent ist, so bleiben sie dennoch Auch die gleichteiligen Substanzen sind, da sie per definitionem homogen sind,
wesensmäßig unterschieden. Aber es gibt Grenzfälle: auch innerhalb der 2. Kategorie
(ποιόν) gibt es Präsenzen, die ein Vereinheitlichendes des Mannigfaltigen sind (ζ. Β. von der Art eines „Haufens" (i070al9, Z16) und teilen hoch mit der ersten Stufe den
„Stumpfnasigkeit", „Gesundheit"). Daher kommt es, daß Aristoteles die Stumpf- Charakter des undifferenzierten Kon-tinuum. Auf diesen beiden ersten Stufen kann
naslgkeit (σιμόνΓ,ς) als Beispiel sowohl für dab αυμβεβηκας καθ' αυτό verwendet daher auch nicht eigentlich von einem „Einzelnen" gesprochen werden, da zu diesem
(186b22f., .1030bl7ff., 28ff-, vgl. oben S. 60) als auch für die σύνολος ούαί* (194al3, als τόδε τι die Zusammenfassung zu einem aus seiner Umgebung eindeutig
■ 1025b32, 1035a4f. ( 1037a30rl, unten S. HO ff.), wobei im ersten FalLdie Nase
Cl030blv), im zweilcndas Fleisch (1035a5) als ύποκείμενον gedacht ist (aber auch im Ausgegrenzten und dadurch zählbar Einen (£v άριθ-μω) gehört. Zwar ist jeder
zweiten Fall wird manchmal die Nase als das ύποκείμενον genannt, z. B. 1025b32). Klumpen Erde oder gar ein Stein etwas aus seiner Umgebung Ausgegrenztes und also
Das entscheidende und schließlich eindeutige Kriterium für die l. Kategorie ist aber, Einzelnes und Zählbares; die Einheit dieses Einzelnen bestimmt sich aber bloß aus
daß die Präsenz selbständig vorliegen, d.h. synonym ansprechbar sein muß (245h6if., seinem kontinuierlichen Charakter selbst (1015b3ofL, 10l6bllf.), dessen Wesen
t049a27ff.; vgl, auch 1033al3rT.): Handelt es sich um eine οόαία, dann wird die
Präsenz (ζ. Β. „Statue", 1033al7) zwar vom ύποκείμενον, aber nicht von der Präsenz es ist, be-
des ύποκείμενον (ζ, Β. „Holz") gesagt, sondern diese selbst wird, wenn sie überhaupt
noch als solche faßbar ist und nicht in die neue Präsenz aufgegangen ist, paronym ,!
1070al9f. (οίον . . . τελευταία) ist mit Alexander und Ross hinter
modifiziert (245blH.) und als συμβεβηκύς von der neuen Präsenz gesagt („die Statue ύτκικεΐμενον 1070all zu lesen.
ist hölzern" 1033al7 f.).

96 7 Tugendhit. ΤΙ καΐά V/JÄt; 97


liebig oft auseinandergenommen werden zu können (268a6f.), wobei fcich Handlung zusammengefaßten Charakter hat. Und $aher kann jetzt auch
jedesmal wieder eine neue Mehrheit von „Einem und τ6δε rt" ergibt (1020a7 zweitens die Zusammenfassung der Teile in ein Ganzes nicht wie beim
f.). Daß etwas sich aus seiner Umgebung abhebt, gründet #anti also nur auf geometrischen ε δος in einer bloßen Zusammensetzung zu einer Figur, einer
der Diskontinuität des Kontinuierlichen und ist dem £ΐδος äußerlich. Hier Gestalt, einem Bild bestehen, sondern muß in erster Linie die Be-
kann folglich auch nicht mit Sinn ein einzelnes Vom allgemeinen εΐδος wegungsvermögen des Mannigfaltigen zu einer Einheit bringen und d. h. in
unterschieden werden. Diese Substanzen fallen daher nicht unter die Lehre Ein einheitliches Vermögen mit Einem einheitlichen έργον aufheben. Der
von der ουσία im Buch Z, außer in ihrer Eigenschaft als ΰλη höherer bestimmte Ort jedes Teiles ergibt sich nicht aus der Einheit einer Figur und
Präsenzen, als welche sie auch ausdrücklich gegen die eigentliche ουσία eines Bildes, sondern aus seiner bestimmten Funktion innerhalb des Ganzen;
abgehoben werden (ZI 6), was aber nur verständlich ist, wenn das ε δος als dieses ist kein bloßes Gebilde {σχήμα und μορφή), sondern ein
εντελέχεια begriffen ist. Funktionsgefüge, d.h. eine einheitliche δύναμις, ein bestimmtes Werk zu
Von einer σύνθ-εσις im eigentlichen Sinn spricht Aristoteles erst dort, wo vollbringen (vgl. 640b30ff.). Dieses einheitliche Vermögen, in das das Ganze
Verschiedenes so zusammengesetzt wird, daß das Ganze nicht mehr sich zusammenfaßt, ist das ε δος. Demnach ist der Zusammenhang des
homogen ist; dieses ist dann ein „Ungleichteiliges" (ανόμοιο με ρές) und ε δος als ενέργεια mit so etwas wie δόναμις ein mehrfacher. Nicht nut ist
wird als eigentliches σύν&ετον dem ομοι,ομερές als einem άτΐλοον das ε δος die εντελέχεια des δυνάμει Öv qua υλη (S. 90f.), und nicht nur ist
gegenübergestellt (647a2h). Die Ungleichheit der Teile bedeutet hier nicht das Herausgetretensein der ύλη auf ein Heraustreten und d. h. eine Bewegung
notwendigerweise (wenn auch meistens), daß die Teile von verschiedener und d. h. eine Betätigung von δυνάμεις κατά κίνησιν angewiesen (S. 92),
(qualitativer und d.h. dynamischer) Beschaffenheit sind: von einem sondern das Wesen des ε δος selbst besteht in einer δύναμις κατά κίνησιν.
Ungleichteiligen wird auch dann gesprochen, wenn sich ein Homogenes in Die εντελέχεια eines Beweglichen ist nichts anderes als ein einheitliches Ver-
einer bestimmten Gestalt präsentiert, deren Teile dann insofern verschieden mögen zu einer Tätigkeit.
sind als jeder an einer unauswechselbaren Stelle liegt (646b31ff.). Nur wenn Ist das εΐδος jeweils eine δύναμις, dann wird deutlicher als bisher, in-
in dem Ungleichteiligen nicht bloß verschiedene Stücke beliebig wiefern es nur als ενέργεια einer ύλη und also nur als Einzelnes sein kann
aneinandergeseizt werden, in welchem Fall die Einheit wieder nur in der und als Allgemeines gar nicht vorgestellt werden kann. Auch vom
Kontinuität besteht und von der Art eines Haufenä ist, nur wenn die Teile geometrischen εΐδος gilt schon, daß man es sich nicht als Bild und Gestalt
vielmehr in eine bestimmte Einheit und d.h., Ganzheit gebracht werden, denken darf, denn diese enthält das Mannigfaltige ab seine Teile; die einfache
konstituiert sich in dieser Zusammensetzung eine neue ουσία, in der die Präsenz ist als ενέργεια der Teile nur das einheitliche Prinzip, das das
Teile und deren Vermögen ihre Eigenständigkeit verlieren und sich in eine Mannigfaltige zu einem Bild und einer Gestalt versammelt und ist daher ohne
einheitliche Präsenz zusammennehmen, die jetzt zum erstenmal den die ΰλη überhaupt nicht denkbar. In solcher Weise, daß der Blick darin ruhen
Kontinuitätscharakter der ΰλη überwindet, indem sie ihn in sich aufhebt, bleibt, kann ein Allgemeines nur vorgestellt werden, wenn es ein Anblick ist,
Erst hier stehen wir also bei der ουσία im eigentlichen Sinn, so wie sie im d. h. wenn es das, als was es ist, bereits in sich ist und die Vereinzelung
Buch Ζ gemeint ist. Aber die Kenntnis ihrer Vorstadien ist für das seinem Was-Charakter äußerlich bleibt: so bei etwas, was schlechthin einfach
Verständnis ihres eigenen Wesens nicht zu entbehren, wenn sie ενέργεια ist und auch in seiner Vereinzelung in keinen positiven Bezug zu
einer δΰναμις sein soll: Mannigfaltigem kommt; so auch bei dem, worin bereits als Allgemeinem das
Weil die δλη erstens ein dreidimensionales Kontinuum ist, muß das Mannigfaltige enthalten ist, also bei einem Bild. Handelt es sich hingegen um
ε δος, in dem sie sich in eine Einheit präsentieren kann, eine Figur und das Prinzip der Einheit eines Mannigfaltigen, um die Einheit eines Ganzen
Gestalt sein (σχήμα und μορφή 640b33fT.); das gilt auch von der geo- und nicht ein Ganzes, dann kann es wohl allgemein, aber nicht als ein all-
metrischen ΰλη. Weil die wahrnehmbare ΰλη aber zugleich und ebenso gemeines Was (τι) vorgestellt werden, da es nicht nur hinsichtlich der
wesensmäßig Bewegbares ist, muß jedes ε δος, das innerhalb des un- Faktizität seines Vorliegens, sondern auch hinsichtlich seines Was-
mittelbar Vorliegenden erscheinen kann, wenn es die ε ν έ ρ γ ε ι α der ΰλη Charakters selbst darauf angewiesen ist, Einzelnes zu sein. Ist die Präsenz
sein soll,'gerade die Beweglichkeit der ΰλη in eine Einheit ver-sammeln^ nun sogar die Einheit eines BewegungsVermögens, dann kann nicht nur nicht
Daher konnte erstens die ΰλη in den ersten Stufen ihres Heraustretens sich die Präsenz selbst, sondern nicht einmal das σύνολον primär büd- und
nicht schon als Gestalt präsentieren, sondern mußte sich zunächst überhaupt gestalthaft gedacht werden (640b30ff.). So wird das ursprünglich in den
als bestimmtes Bewegliches und d. h. in bestimmte Bewegungs vermögen Worten ε δος und μορφή Liegende von der ενέργεια immer weiter
(δυνάμεις κατά κίνησιν) konstituieren, deren Tätigkeit noch, auf Grund der zurückgedrängt.
unbestimmt kontinuierlichen Beschaffenheit ihres Trägers, einen Hiffusen Weil nun die Präsenz ein Vermögen ist und das σύνολον ein Ver-
und in keine einheitliche
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98 ■i .'
mögendes (jetzt nicht nur zu der Präsenz, sondern zu einer Tätigkeit), jedes ist, so hebt anderseits die Präsenz des ganzen Lebewesens (die Seele) als
Vermögen aber sein τέλος in seiner Betätigung und diese wiederum ihr εντελέχεια σώματος c^avmou(412b5f.) die Οργανα in eine einheitliche
.τέλος in ihrem έργον (Werk) hat, ist die Präsenz auch jetzt noch nifcht ohne δύναμις auf, die αρχή und τέλος nicht mehr außer sich hat. Ebenso wie die
weiteres eine endgültige εντελέχεια, und es ergeben sich weitere Stufen von „organischen" ομοιομερή (S. 97), verlieren auch die άνομοιομερή ihre
ούαία, je nach dem Verhältnis zwischen dem Vermögjbn, der Tätigkeit und spezifische δύναμις und d. h. ihr ε δος, obzwar gerade nicht ihre Gestalt,
dem Werk. Eine ουσία, deren Wesen in dem Vermögen zu einer Tätigkeit sobald sie aus dem Ganzen gelöst werden (1036b31f., 1040bof., 640b36ff.),
besteht, ist nicht schon ein schlechthin E i n e s , wenn dieses Vermögen in und sind also nur als υλη von diesem und keine eigene ουσία (1040b6,
sich einheitlich ist, sondern nur dann, wenn die Tätigkeit sich nicht erst in 1070al9f.).
einem außer ihr liegenden τέλος vollendet, sondern mit ihrem τέλος Die τέχνη Οντά hingegen sind selbständige ούσ'ιαι (τόδε τι) und stehen
zusammenfällt, und letztlich erst dann, wenn auch zwischen der Tätigkeit daher in Ζ ebenso thematisch im Blick wie die Lebewesen. Weil ihnen aber
und dem Vermögen keine Differenz mehr besteht: die eigentliche εντελέχεια abgeht, da sie weder αρχή noch τέλος ihrer
Zunächst hat, wie gezeigt wurde (S, 92), jede Tätigkeit des Bewegt- Tätigkeit in sich enthalten und daher auch den Grund ihres Entstehens außer
werdens oder Bewegens ihr Werk und also ihr τέλος außer sich, weil sie dazu sich haben (während das Lebendige diesen zwar nicht in sich, aber doch in
immer nur unterwegs ist. Nun geschieht aber jede Bewegung, die nicht bloß seinesgleichen hat und ihm daher in gewisser Weise {415a28 f.] die
in einem τέλος faktisch zu Ende geht, sondern auf dieses als ihr Ziel zuläuft, Beständigkeit der Anwesenheit eignet, die zu deren εντελέχεια wesentlich
um willen des τέλος (S. 78 h). Etwas kann aber nur um willen eines Werkes gehört), deswegen wird ihnen in Met. Z-H der eigentliche ούσία-Charakter
tätig sein, wenn dieses entwedet sein eigenes Worumwillen ist oder das abgesprochen und der φύσις vorbehalten (1041b28ff., 1043b21ff., 1034a4).
Worumwillen eines anderen, in dessen Diehst dann das Tätige steht. Das Beim Lebendigen nun muß, wenn das τέλος seiner Tätigkeit schließlich in
eigene Worumwillen eines Tätigen kann jedoch ein Werk nur sein, wenn das ihm selbst liegen soll, seine eigene Präsenz und, da diese nichts ist als ein
τέλος des Werkes seinerseits in das Tätige zurückfällt, so daß dieses Letztlich Vermögen, dieses sich aber in der Tätigkeit erfüllt, die Tätigkeit selbst das
um seiner selbst willen handelt (vgl. 194a34f., 415bl5-21). Ein solches τέλος der Tätigkeit sein. Diese Tätigkeit des Lebendigen, die ihr eigenes
Handeln ist nur möglich, wenn nicht nur das τέλος, sondern auch die αρχή τέλος ist (das Leben, ζωή), ist jene höchste und vollkommene Tätigkeit, die
der Bewegung in ihm selbst liegt, und d. h., wenn es sich selbst in Bewegung keine κίνησις, sondern εντελέχεια ist (S.93L). Die höchste ενέργεια einer υλη
zu setzen vermag. Das Vermögen, sich selbst in Bewegung zu setzen, nennt (Präsenz) ist also Suva μις zur höchsten ενέργεια qua Tätigkeit. Eine solche
Aristoteles im Unterschied zu der Suva μις, die bloß von anderem bewegt zu Tätigkeit, deren έργον in ihr selbst liegt, kann allerdings die Seele als
werden oder anderes zu bewegen vermag, φύσις (1049b8f., 192b21f.). So εντελέχεια einer ύλη nur haben, indem sie ihren Körper in bestimmten
wie bei jedem Seienden überhaupt die einheitliche δύναμις zu seinem έργον Bewegungen hält, und d. h.'. sie kann sich in ihrer vollkommenen Tätigkeit
gerade sein ε δος ist, ist auch diese ausgezeichnete αρχή κινήσεως nichts nur erhalten, indem diese zugleich unvollkommen ist und d. h. έργα
anderes als das εΐδος des φύσει iiv (1015al3-19); ist dieses spezifisch ein vollbringt, zu denen sie jeweils nur unterwegs ist und die außerhalb ihrer
Lebewesen, so heißt die φύσις ψυχή (412a27f.). Dasjenige hingegen, was im liegen, deren τέλος aber schließlich doch wieder sie selbst ist. Nur der
Dienste des Worumwillens eines anderen steht, hat weder τέλος noch αρχή göttlichen ουσία und in gewisser Weise dem Menschen, so weit er am
der Bewegung in sich. Ein solches Seiende, dessen Wirken im Dienste eines Göttlichen teilhat und d. h. von ύλη frei ist, ist ein Leben möglich, das
anderen steht, ist ein Werkzeug (όργανον). schlechthin vollkommene Tätigkeit ist (νοεϊν).
Die Werkzeuge unterscheiden sich je nachdem, in was für einem Die göttliche Tätigkeit unterscheidet sich aber von jeder anderen und auch
Verhältnis sie zu dem Lebendigen stehen, dem sie dienen. Das Werkzeug ist dem νους des Menschen (1072bl5f.) vor allem dadurch, daß hier zwischen
entweder ein Teil des Lebendigen selbst („Organ"), oder es wird von ihm der „ersten" εντελέχεια (412a27), nämlich der Präsenz, die δύναμις ist, und
(was nur dem Menschen möglich ist) als selbständige ουσία hervorgebracht der „zweiten", nämlich deren Betätigung, nicht mehr geschieden werden
(τέχνη 6ν). kann (1071bl7ft.). Hier fallen also nicht nur ενέργεια und έργον, sondern
Das Werkzeug, das Teil des Lebendigen ist, ist dasjenige, worauf auch diese beiden mit der δύναμις zusammen. Weil die Präsenz hier nicht die
Aristoteles* eigentlich den Begriff des Ungleichteiligen (άνομοιομερές) εντελέχεια einer υλη ist, ist sie nicht, wie bei der endlichen ουσία, die Suva
anwendet (Part. Anim. Bl). So wie dieses die εντελέχεια der gleich-teiligen μις zu einer Tätigkeit, sondern ist die Tätigkeit.
Substanzen ist und seinerseits für seine Handlungen und Werke (πράξεις και Mit dem Ausblick auf die göttliche ουσία, die allein schiechthinnige
4ργα, 646bi3f.) auf deren bestimmte Vermögen angewiesen Einheit und Anwesenheit ist, haben wir den Bereich des Vorliegenden

100 10t
und der Zwiefaltigkeit überschritten. Wie sich mit der ενεργεία auch bei der bei der künstlichen γένεσις aber in gar keiner *όλη, sondern „in der Seele"
göttlichen ουσία, obwohl sie hier nicht mehr die ενέργεια eines δυνάμει o>, des Herstellenden (1032b 1).
eine „Präsenz von —" ist, das frühere Wesen der Präsenz als άλη&ές Und indem zweitens das εΐδος eine Präsenz von unbestimmt Man-
verwandelt, ist hier nicht mehr zu zeigen. Beim Vorliegenden aber ist nigfaltigem ist, liegt darin nicht nur, daß es jeweils als ενέργεια eine
sichtbar geworden, wie es sukzessive immer vollständiger laus der Mannigfalt in eine Ganzheit versammelt, sondern zugleich, daß es un-
Ungebundenheit seiner Mannigfaltigkeit und Beweglichkeit herausgetrieben bestimmt oft im Vorliegenden erscheinen kann (S. 75). Gegenüber seinen
wird und schließlich in eine vollkommene Einheit und Anwesenheit mannigfachen Vereinzelungen ist es daher zugleich auch das Eine
heraustritt, in der gerade die Mannigfaltigkeit und Beweglichkeit ganz Allgemeine, und dieses ist als solches nicht in einer υλη.
erhalten und ganz aufgehoben ist. Die Präsenz ist als die „εντελέχεια der Was für einen Seins- und Einheitscharakter hat nun diese Präsenz, die
Teile selbst" (413a6) in unlösbarer Einheit mit dem Vorliegenden: „Deshalb nicht in ΰλη ist? Wenn sie das τέλος des Entstehens und das Eine der
darf man nicht fragen, ob Seele und Körper eins sind ■ . ., und überhaupt mannigfachen Vereinzelungen sein soll, darf sie nicht ein schon in sich
nicht nach der Einheit der ϋλη von jeglichem'und dem, wovon sie ΰλη ist; geschlossenes Anwesendes (ουσία) sein. Offenbat steht das εΐδος auch als
denn das Eine (εν) und das Anwesen (ε ναι) werden zwar in verschiedenen Allgemeines, ebenso wie als τέλος des Herstellenden, in einem besonderen
Weisen gesagt, die eigentlichste aber ist die εντελέχεια " (412b6ff.). Weil Verhältnis zum νους (vgl. 430a3ff., 432a2), aber mit der Auskunft, das
also die εντελέχεια vom δυνάμδΐ äv nicht zu trennen ist, weil sie nur die eine Allgemeine sei jetzt bloß ,,hn:* νους oder das von diesem Vorgestellte oder
Seite der Zwie-fältigkiit ist, ist sie die eigentlichste Weise des έν. Denn als sein „Begriff", wird nicht geklärt, inwiefern dieses Eine keine ουσία zu sein
solche ist sie dasjenige Eine, das a 1 s Einfaches das Eine von braucht, geschweige denn wie sein Seins- und EinheitsCharakter positiv zu
Mannigfaltigem sein kann. denken ist. Denn daß die einfache Präsenz wesensmäßig auf den νους
bezogen ist, liegt in ihr von vornherein; aber gerade als solche war sie für
Platon selbständige ουσία und d. h. hi άριθμ,ω, ein in sich erfülltes und
§ 14. Die Wesensbestimmung des Allgemeinen und die Einbeziehung der geschlossenes Eines. Wird das Eine Allgemeine als εν άριθ-μω gedacht, so ist
es ουσία (τόδε τι), ganz gleich ob es nur „im" νοϋς^ oder nicht. Es geht um
νλη in die Definition
den onto-logischen Charakter von Sein und Einheit des Allgemeinen, nicht
Das Einfache ε δος mußte im Buch Ζ als vom σύνολον Unterschiedenes um seine äußerliche Verschiebung vom Transzendenten ins Immanente und
gedacht werden, nicht weil es in einen gegenüber dem Vorliegenden anderen vom Objektiven ins Subjektive. Wenn das Allgemeine aber nicht εν άρι&μφ
Bereich gehört, sondern weil das Vorliegende selbst, um entstehen und um sein soll, wie kann dann sein Einheitscharakter gedacht werden? Etwa als
anwesen zu können, auf ein solches εΐδος angewiesen ist. Das Wesen der εΐδει εν? Aber εΐδει εν ist das viele Einzelne, das unter das Allgemeine fällt,
Präsenz bestimmt sich.nur noch aus ihrem Verhältnis zum Vorliegenden. nicht dieses selbst. Alle Pferde ζ. Β, sind εΐδει εν, d.h. sie kommen in dem
Aber gerade das eigentümliche Wesen sowohl des Entstehens als auch der Einen ε δος überein; von welcher Art ist die Einheit dieses Einen selbst, das
unbestimmten Mannigfaitigkeit des Vorliegenden verlangt nicht nur ein der Mensch als Selbiges im Blick behalten kann, indem er von einem zum
jeweils als ενέργεια einzeln in der δλη vorliegendes ε δος, sondern auch ein anderen fortgeht?
solches, das überhaupt nicht in der ΰλη ist: Das Problem wird im Buch Β ap ο retisch erörtert. In der 9. Apo-rie
Denn das Entstehen eines Vorliegenden ist darauf angewiesen, daß das (999b24-1000a4) (und in einem entsprechenden Stück in MIO, 1086bi4fF.)
τέλος, auf das es zusteuert, seinen Gang selbst reguliert und folglich bereits fragt Aristoteles, ob die eidetischen άρχαί (εΐδος und γένος) εΐδε ι £ν oder
irgendwie vorhanden ist, bevor es in dieser ΰλη in Erscheinung tritt (S. 78f.), άριθ-μω εν sind. Sind εΐδος und γένος άριθμω £v und d. h. τ6δε τι (108όb26),
bei der natürlichen γένεσις in einer anderen ΟληΜ, sind sie also (wie in der Ideenlehre) schon in sich jeweils eine vollständige
ουσίας dann ist ihr ε v-Cha takter gleichsam in sich geschlossen und kann
" Nachdem inzwischen erwiesen ist, daß die Präsenz auch in der ΰλη ein- nicht ein Mannigfaltiges aus sich entspringen lassen und umgreifen. Es wird
fach .bleibt, ist jetzt verständlich, wieso auch bei der natürlichen γένεσις das dann außer den allgemeinen άρχαί nichts anderes geben (999b32f.), und das
Bewegende die reine Präsenz sein kann (vgl. S. 79 Anm. 12). So sagt Ari- Seiende wird nicht vielfältiger sein als sie (1086b21f.). Ist das γένος in sich
stoteles 1071a23, daß „dieses Β von diesem BA" die αρχή des (natürlichen) έν άριθμφ, dann kann es nicht mehrere et δη dieses γένος geben (1086b28f.),
Entstehens sei, wobei Α für die ΰλη und Β für das ε δος steht (vgl. auch
1032a24f.). Auch hier ist also eindeutig von einem einzeln (in der Ολη) und ist das ε δος in sich εν άριθ-μω, dann kann es nicht „als das Selbe
vorliegenden ε δος die Rede, das ohne υλη (,,Β") und d. h. mit dem σύνολον immer wieder ein anderes" sein (b30).
nic^B1identisch ist. Sind die eidetischen άρχαί hingegen εΐδει εν, so sind sie als ä-pyjzi des
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zelnen, die α'ίσθησις, die ebenfalls νους genannt werden kann (1143b5), weil
ständige und als je Eines Zählbare (εν άρι^μφ) das Einzelne des noch die
auch sie ein schlichtes Gegenwärtighaben ist. Bestimmt sich nun aber das
Möglichkeit der mannigfaltigen Vereinzelung in sich tragenden
jeweilige Eine, da es Anwesendes ist, aus seinem Verhältnis zum
Allgerrieinen. Gegenüber diesem eigentlichen Sv sind allgemeines ε δος
entsprechenden Vernehmen, dann ist das Eine im Sinn der einfachen Präsenz
und ΰλη auf je verschiedene Weise δυνάμει Iv. Aber die zwei Seiten der
daran gebunden, das Wißbare (έπιστητόν) und d. h. das dem Vernehmen in
Zwiefältigkeit werden dadurch, daß sie beide als solche δυνάμει sind, nicht
schlechthinniger Selbigkeit unverlierbar Gegenwärtige zu sein (αληθές). Das ist
nivelliert. Denn die ΰλη ist wesensmäßig δυνάμει 6Μ und ev und bleibt dies
nichts anderes als jene Ursprünglichkeit hinsichtlich der Vernehmbarkeit, die in
auch gerade in der Zwiefältigkeit; als ενεργεία ßv bewahrt sie ihre
Ζ neben den anderen Wesens-auszeichnungen der einfachen Präsenz zu deren
Mannigfaltigkeit und ist die wesende δύναμις zur Präsenz als dem
Unterscheidung vom σύνολον führte (S. 75 ff.). Inzwischen hat sich ergeben,
schlechthin Einen. Vor der Zwiefältigkeit ist sie noch überhaupt kein έν und
daß diese vom σύνολον unterschiedene Präsenz dennoch jeweils einzeln in ihm
wird auch zu einem άριθ-μφ εν erst durch das ε δος. Dieses hingegen ist
vorliegen muß, und das auch kann, weil sie als solche ihren allgemeinen
bereits als δυνάμει ev ein gewisses εν, nämlich Einfaches, und ist dann als
Wasgehalt, ihre Einfachheit und eine gewisse UnVergänglichkeit behält (§ 12).
einfaches Selbständiges nicht nur selbst schlechthin Eines, sondern die
Die Wißbarkeit ließen wir dabei zunächst unberücksichtigt, doch zeigte sich
Einigung des Mannigfaltigen, ev als εντελέχεια. Das einheitliche Getüge
bereits, daß mit dem einzelnen ε δος als ενέργεια Wesenszüge in die
dieser zwei Seiten des Iv zeigt sich in der Erklärung des εν der ουσία, die
Präsenz aufgenommen werden, die nicht mehr zu ihrem ursprünglichen
Aristoteles in Met. II (t052a30ff.) gibt, wo der Begriff des £v thematisch
Wesen als αληθές gehören (§ 13, S. 94, 99). jetzt aber wird deutlich, daß die
behandelt wird. Das £v, so heißt es dort, ist das, dessen νόηβις eine und d. h.
ενέργεια dieses Wesen sogar durchbricht: denn schlechthin wißbar in dem in
eine unteilbare ist, „unteilbar aber ist sie von dem, was selbst unteilbar ist,
Z15 geforderten Sinn ist nicht schon das Einfache und doch Einzelne, nicht
sei es hinsichtlich des ε δος oder der Zahl (άριθμφ). Der Zahl nach unteilbar
schon das Nicht-vergehen-Könnende und doch Vergängliche, sondern nur das,
ist das Einzelne (το καθ' ίκαστον), dem εΐδος nach das, was hinsichtlich
was" für das Wissen unverlierbar und eindeutig von allem anderen
seiner Wißbarkeit und Erkennbarkeit (unteilbar ist), so daß das eigentlichste
unterschieden ist (S. 76 f.), und das ist allein das Eine Allgemeine als solches.
Eine das ist, was dfir Grund der Einheit der ουσία ist." Es v/erden also nicht
Das einzelne εϊδος fällt zwat in seinem Wasgehalt mit dem Allgemeinen
nur zwei Weisen des Iv unterschieden, sondern das Wesen des einen — des
zusammen, aber daß es jeweils ist, ist nur durch Wahrnehmung vernehmbar.
Einfachen — besteht darin, „Grund der Einheit" des anderen — des
Daß die Grenze, die somit auch dem Problem der Einheit der ουσία
Einzelnen und Selbständigen — zu sein, und indem es in solcher Weise
ebenso wie dem Problem der Einheit der mannigfaltigen Präsenzen (S. 56,
gründend ist, ist es selbst Einzelnes und Selbständiges.
63) gerade durch den Begriff der αλήθεια gesetzt ist, nicht nur anderswo,
Diese Erklärung in Met. 11 ist Aristoteles' höchste Bestimmung des ev
sondern im Buch Ζ selbst überschritten wird, kann nicht bezweifelt werden;
auch deswegen, weil liier der ursprüngliche Zusammenhang von Einheit und
wenn anderseits in 2.10-11 das ε δος immer wieder das Allgemeine genannt
Anwesenheit ausdrücklich ausgesprochen wird. Die Einheit sowohl der
wird, ist damit nicht bloß das jeweils einzelne und nur in seinem Wasgehalt
Präsenz als auch des Selbständigen läßt sich nur aus der Einheitlichkeit der
allgemeine ε δος, sondern das Eine Allgemeine selbst gemeint31. Weil das
Begegnung für eine νόησις erklären. Nur weil das δν in der griechischen
schlechthin Anwesende (πρώτη ουσία)
Ontologte von vornherein als das einem Vernehmen Begegnende verstanden
wurde, konnte und mußte es als £v gedacht werden; deswegen gelingt aber 31
auch die Bewältigung des Problems des Iv letztlich nur in dem Maße, als DaiS in Ζ das ε δος auch als einzelnes gedacht wird, ist durch das, was
in §12 angeführt wurde, eindeutig gesichert. An einer Steile in ZU wird sogar
das Wesen der Begegnung und des Vernehmens weit genug gedacht ist. ausdrücklich von „dieser einzelnen Seele" (ή ψυχή ήδε, 1037a9) gesprochen,
Daher wird in der Erklärung von Met, II zugleich auch die Grenze deutlich, aus welcher (und nicht einem Allgemeinen) mit der ΰλη das einzelne αύνολον
die dem aristotelischen Problem der ουσία gesetzt ist: „zusammengesetzt" wird (ebenso Λ 5, 1071a28). Daß dieses einzelne εϊδος auch
Auch Aristoteles hält, trotz der neuen Radikalität der Problemstellung, in in Ζ als ενέργεια gedacht ist, obwohl es nicht so genannt wird, zeigt sich
gerade in dieser häufigen, scheinbar harmlosen Wahl von „Seele" als Beispiel
der sich das Wesen von 6v und έν verwandelt hat, am grundsätzlichen für das ε δος, dem dann „Mensch" oder „Tier" als das σύνολον
Charakter der Begegnung als Anwesenheit (Gegenwart) selbstverständlich gegenübergestellt wird. Wäre das ε δος im ursprünglichen Sinn gemeint, dann
fest, und das Vernehmen bleibt daher in zwei Weisen des Gegen- müßte vielmehr gerade „Mensch" als Beispiel für das ε δος fungieren. Bei
wärtighabens — Wissen und Wahrnehmung — auseinandergerissen. Daher „Seele" kann gar nicht mehr an das gedacht weiden, was als Allgemeines καθ'
υποκειμένου gesagt wird (wir können nicht sagen: Sokrates ist eine Seele),
ist auch in Met. II nicht eine einheitliche νόησις gemeint, sondern erstens sondern einzig an das ε δος ενόν (S. 86). Vor allern aber
eine νόησις, der das Eine „hinsichtlich Wißbarkeit" anwesend ist — also
νοδς und επιστήμη —, und zweitens eine νόησις des Ein-
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nicht ohne die schlechthin η ige Wifäbarkeit denkbar ist, mußte das Problem aligemein Vorgestelltes in seiner εντελέχεια, schrießt auch in sich, daß die
der πρώτη ουσία letztlich doch ungelöst und die Position des liucheB Ζ ΰλη dem Wasgehalt des ε δος, wie dieser im ορισμός umgrenzt wird,
unentschieden bleiben. Die αλήθεια wird also zwar überschritten, aber äußerlich bleibt. Liegt hingegen das ε δος nicht nur jeweils faktisch in einer
behauptet sich dennoch, indem sie das Denken in ihren Machtkreis ΰλη vor, ist es vielmehr als ενέργεια wesensmäßig Präsenz des
zurückzwingt. Vorliegenden, dann muß sich daraus ebenso wie bei den übrigen Kategorien
Weil das ursprüngliche Wesen der Präsenz als άλή&εια der Auflassung ergeben, daß es den Bezug zu seinem ύποκείμενον bereits als Allgemeines in
des ε δος als ενέργεια entgegensteht, widersetzt es sich auch den •weiteren seiner Definition enthält, daß es also kein schlecht-hinniges λόγω χωριστόν
Konsequenzen, die sich aus ihr dem ungeachtet ergeben haben oder sich ist.
hätten ergeben können. Daher hat sich auch die Lehre vom allgemeinen Mit dem Problem des λόγω χωριστόν stehen wir bei der zweiten Seite,
ε δος als δύναμις in Ζ nicht durchgesetzt und steht auch sonst vereinzelt nach der das Verhältnis des Allgemeinen zum Vorhegenden betrachtet
<5a. Daß die ενέργεια des Wissens im Wissen des Einzelnen besteht, wie in werden sollte (S. 87), So wie bei den übrigen Kategorien (S; 47 f.) bedeutet
MIO gesagt wird (S. 104), würde bedeuten, daß sein eigenes Wesen sich in die Erschütterung des λόγω χωριστόν auch hier die weiteste Einbeziehung
der αΐσ^σις erfüllt. Aristoteles lehrt aber sonst, daß die ενέργεια der der Präsenz in den Beteich des Vorliegenden, und ebenso wie dort ergibt sie
αΐσ&ησις allerdings das Vernehmen des Einzelnen ist, die ενέργεια der sich mit Notwendigkeit aus dem Verlust des απλώς χωριστών, sobald dieser
επιστήμη aber das Vernehmen des Allgemeinen (417b22f.). Und wo radikal genug gefaßt wird. Weil damit aber bei der 1. Kategorie das innere
Aristoteles eigens das Wesen des νους erörtert (De Anima Γ4—8), -wird Wesen des εΐδος in das αόριστον
dieser zwar (sofern er νους παθητικός ist) als δύναμις verstanden (430aB),
mit dieser δύναμις ist aber das Vermögen zum νοεΐν der allgemeinen
Präsenzen selbst gemeint: wenn das νοεΐν ein ε δος vernimmt, ist es in ter, der zum Möglichen gehört, auf dem Boden der griechischen Idee des Seins
seiner εντελέχεια (429a28f., b30f.). U nd sogar vom ε δος selbst wird („anwesendes Seiendes") nur negativ gedacht werden konnte. Auch die δύναμις wird
als eine Weise von Gegenwart (ύϊτάρχειν, 1048a3l) begriffen und als S e i e n d e s
gesagt es sei, sofern es in der υλη ist, noch δυνάμει; erst im νους komme es (δυνάμει Βν, Βυνάμ« ουσία): das δυνάμει Sv ist das Seiende, insofern in ihm bereits
in seine εντελέχεια (430auf.). Was es hier einmal δυνάμει und dann und noch die entgegengesetzten Möglichkeiten, die nicht zusammen in die ενέργεια
εντελέχεια ist, ist nicht sein Wesen als ενέργεια des Vorliegenden, Sondern treten können, in irgendeiner Weise anwesend sind, in einer Weise, die nicht weiter
als άληΰ-ες. Wenn also am άλη9 ές-Charaktet der Präsenz festgehalten wird, erklärt werden kann, sondern — eben nicht ενεργεία ist.
Wenn nun gar das Allgemeine als Βύναμις verstanden werden soll, dann fragt es
dann werden δύναμίς und εντελέχεια der Allgemeinheit und Einzelheit des sich, als was für ein δυνάμει αν und „wo" das Allgemeine zu denken ist. Man kann
ε δος gerade umgekehrt zugeordnet, als wenn es als ενέργεια der υλη hier wieder auf die Vernunft und das Subjekt rekurrieren. Doch damit wird
verstanden wird. ontologisch gar nichts erklärt. Ist denn das Allgemeine ein Seiendes „im" Subjekt?
Wird jedoch das καθόλου nicht als δυνάμει 6ν und έν gedacht, dann bleibt Oder müßte dann nicht das Wesen des Subjekts selbst aus seinem Bezug zu diesem
Möglichen und also selbst als Möglichkeit verstanden werden?
nieht nur sein Seins- und Einheitscharakter offen, und dann bleibt nicht nur Aus dem Wesen der endlichen Subjektivität ist der Begriff als Möglichkeit gedacht
die Berechtigung fragwürdig, mit der gesagt werden kann, es sei keine worden bei Kant (vgl. Kr. d. Urteilskraft § 76). Und hier wird denn auch das Wesen
ουσία52. Die Behauptung, das εΐδος sei bereits und gerade als des Begriffs eigens als Spielraum verstanden, wenn er als „Schema" erklärt wird. Das
Schema ist die bestimmte „Regel der Synthe-sis" eines Mannigfaltigen zu einem
„Bild", „ohne auf irgendeine einzige besondere Gestalt . . . eingeschränkt zu sein"
tritt damit der ursprüngliche Sinn des τί ήν ε ναι (der όριαμός) überhaupt in den (Kr. d. r. V. Β 180). (Kant erklärt fcwar nicht den Begriff selbst als Schema, sondern
Hintergrund, denn „Seele" ist nicht das spezifische εΐδος von,,Mensch", sondern die versteht das Schema als das „allgemeine Verfahren der Einbildungskraft, einem
ενεργεία von jedem Lebewesen. Das Einfache, worum es Atistoteies hier geht, ist Begriff sein Bild zu verschaffen" [B179f.]; faktisch ist damit aber ein vom Schema
also nicht meht primär das, wodurch das Jeweilige für das Wissen von anderem noch unterscheidbarer Begriff als solcher hinfällig geworden.) Wenn man bedenkt,
unterschieden wird, sondern das Vereinheitlichende des hyletisch Mannigfaltigen, daß auch bei Aristoteles das Wesen des ε δος nicht darin besteht, ein allgemeines
Damit fällt die entwtcklungs geschieht liehe Konstruktion von Gohlke, dergernäß die Was zu sein, sondern Prinzip (Regel) der Einheit von Mannigfaltigem, dann wird
Hauptteilc von 2 noch vor der Auffassung des ε δος als ενέργεια liegen, in sich deutlich, wie entschieden bereits in diese Richtung gewiesen wird. Durch das
zusammen. Zwar ist es wahrscheinlich richtig, daß das Buch H, in dem sich die „Schema" aber wird erreicht, daß jede Partikulan tat des Einzelnen nicht mehr als
ενέργεια auf einmal terminologisch ganz durchgesetzt hat, später ist, doch der „συμβεβηκός" außer den Begriff fällt (vgl. S. 63 f.), sondern eine Möglichkeit seiner
entscheidende Grund, warum die ενέργεια in 2 fehlt, liegt im Wesen der Frage nach selbst ist. Nur in dem Maße, in dem das ursprünglich Einfache als S p i e l r a u m
dem schlechthin Einen und Anwesenden, die auf die αλήθεια nicht verzichten kann. gedacht wird, kann es Mannigfaltigkeit in sich umgreifen. Einem solchen Spielraum
s!
Allerdings bleibt auch der ontologiache Sinn der δύναμις als Wesen des entspricht aber eine Weise von „Begegnung", die kein bloßes Gegenwärtighaben ist
Allgemeinen innerhalb des aristotelischen Denkens dunkel und die Rechtmäßigkeit (vgl, Heidegger, Sein und 2eit).
der ,,Übertragung^ dieses Begriffs aus dem Bereich der ÜXvj αίσΰητή ungeklärt,
zamal auch in diesem Bereich selbst der Spielraumcharak-

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der üXVj hineingezogen wird und dadurch auch nach dieser Seite seinen immer nur in Erz erscheinen würde, würde dies ei nicht zum ε δος selbst
ursprunglichen Sinn zu verlieren droht, liegt auch hier keine einheitliche gehören (a34rT.). Die bloße tatsächliche Beständigkeit des Zusammengehens
Lehre vor. In Ζ wird das Problem wieder nach Möglichkeit unterdrückt und bedeutet keinen Wesenszusammenhang. Und so werden auch (b3ff.)
bricht trotzdem durch: Knochen und Fleisch nicht zum ε δος Mensch gehören, obwohl es faktisch
In ZIO vollzieht Aristoteles (S, 73f.) die Unterscheidung zwischen ε δος immer nur in dieser δλη erscheint. Doch schließlich wird zugegeben, daß es
und σύνολον an Hand der Unterscheidung ihrer Teile: Das ε δος besteht (b23fT.) „vielleicht" „manches" gibt, was ein „dieses in diesem" (τόδε εν
nur aus den Teilen des ορισμός (Gattung und Differenzen), das σύνολον aus τφδε) ist, da ζ. Β. „der Mensch nicht ohne Teile zu sein vermag so wie der
εΐδος und ΰλη, und ά. h. 2ugleich: aus den mannigfaltigen Teilen, als welche Kreis wohl ohne Erz. Das ist nämlich nicht dasselbe. Denn das Tier ist ein
die ΰλη vorliegt und die dasjenige darstellen, woraus das σύνολον entsteht Wahrnehmbares: Man kann es ohne Bewegung nicht definieren und also
und wohinein es vergeht. Da aber die υλη, wie sich inzwischen aus ihrem nicht ohne die Teile und deren bestimmte Verfassung." Diese Möglichkeit,
Wesen als δώναμις gezeigt hat, auch schon immer in einer bestimmten daß die hyletischen Teile selbst zuc Definition gehören, wird hier wie ein
Präsenz vorliegt, ergibt es sich in ZIO ganz natürlich, daß auch von ihr im Ausnahmefall eingeführt („manches" b23) und auch nicht weiter erklärt.
allgemeinen gesprochen werden kann und auch von einem allgemeinen Zunächst scheint es so, als ob damit gerade das Kriterium, wodurch das τί ήν
σύνολον als dem aus einem allgemeinen ε δος und einer allgemein ε ναι in ZIO vom σύνολον unterschieden wurde (S. 73f.), in sich
gedachten ύλη Zusammengesetzten (1035 b27ff.). Obwohl daher mit zusammenfällt.
solchen Bezeichnungen wie „erzener Kreis", „hölzernes Standbild" usw. Das Problem ist am Eingehendsten in den Kapiteln Met. El und Phys. B2
zunächst das jeweils einzelne σύνολον gemeint ist (vgl. 1035a31f., oben S. behandelt, wo die Gegenstände der Naturwissenschaft („Physik") von
75 Anm. 9), stehen sie doch zugleich für ein Allgemeines, für einen erzenen denjenigen der Mathematik unterschieden werden. In Met. El heißt es u. a.
Kreis im allgemeinen, usw. Ein solches allgemein mit einer bestimmten ύλη (1025b30fT.): „Von dem, was definiert wird und ein τί έστι darstellt, ist
zusammen gedachtes ε δος wird Schließlich in manchen Fällen sogar mit manches so wie das Stumpfnasige' (σιμάν), anderes wie das ,Hohle' (κοΐλον).
einem eigenen Namen bezeichnet, z. B. „Hohlheit" in „Nase" (bzw. in Diese unterscheiden sich dadurch, daß das Stumpfnasige das mit der υλη
„Fleisch") mit „Stumpf-nasigkeit" (σιμότης)ss. Entsprechend gibt es auch Zusammengenommene ist — denn das Stumpfnasige ist ,hohle Nase' —, die
einen λόγος des σύνολον, der gerade nicht nur der λόγος im Sinn des τί ήν Hohlheit aber ohne wahrnehmbare ΰλη ist. Wenn nun alle φυσικά so wie das
ε ναι ist, sondern das ε δος mit der υλη nennt: τόδε εν τωδε (1035a22f., Stumpfnasige definiert werden, ζ. Β. Nase, Auge, Gesicht, Fleisch, Knochen,
1036b23). Auf die Frage τι εστί, die an das τόδε τι gestellt wird, kann an überhaupt Tier, Blatt, Wurzel, Rinde, überhaupt Pflanze — denn von keinem
Stelle des τι ήν ε ναι auch mit einem solchen λόγος des σύνολον von diesen ist der λόγος ohne Bewegung, sondern enthält immer δλη —,
geantwortet werden (1025b30f.), ja selbst mit der bloßen Nennung der ΰλη dann ist klar, wie man bei den φυσικά das τί έστι zu suchen und zu definieren
(1033a2f.). Dieser λόγος des σύνολον, der sogar als ορισμός bezeichnet hat und weswegen der Naturforscher auch eine gewisse Seele, nämlich die,
werden kann (1025 b30f,) } ist zwar allgemein, aber er meint allgemein das die nicht ohne ΰλη ist, betrachten muß." (Vgl. auch Phys. B2,194al-7.)
Einzelne gerade in seiner hyletischen Beschaffenheit und d. h. in seiner Daraus erhellt erstens, daß es sich nicht um einen Ausnahmefall handelt,
Teilbarkeit und Unbestimmtheit (vgl. 1035a22f./1037a27): denn der Name sondern um „alle φυσικά" (1025b34). Das einzige, was nicht betroffen ist, ist
der ΰλη steht dabei nicht primär für eine weitere Präsenz (συμβεβηκός), das Mathematische. Wenn man genauer zusieht, ist auch in ZU nichts
sondern für das der Präsenz Zugrundeliegende. anderes gemeint gewesen: „Mensch", so hieß es dort, kann nicht ohne ΰλη
Wenn jetzt also auch das Hyletische ei de tisch und in einem λόγος faßbar definiert werden, weil er ein „Wahrnehmbares" ist (lG36b28). Es handelt
ist, dann ist die Unterscheidung zwischen den Teilen des ε δος, und d. h. sich also um jede wahrnehmbare οόσία, auch um die τέχνη δντα (vgl. Phys.
des eigentlichen ορισμός (τί ήν ε ναι), und denjenigen des σύνολον nicht B2).
mehr so einfach (1036a26f.). Im folgenden Kapitel (ZU), das Aristoteles Zweitens geht aber aus dem Vergleich mit der „Stumpfnasigkeit" hervor,
zum großen Teil dieser Schwierigkeit widmet, lassen sich zunächst leicht daß das, wovon hier und in ZU gesagt wird, daß es nicht ohne die
diejenigen Fälle erledigen, bei denen dasselbe ε δος in eidetisch beweglichen Teile definiert werden könne („Mensch" usw.), jeweils nur ein
verschiedener ΰλη erscheinen kann, „wie ζ. Β. der Kreis in Erz und Stein allgemeines σύνολον ist. So scheint der ορισμός des ε δος selbst doch
und Holz" (103ua31ff.). Aber auch dann, wenn der Kreis unabhängig von den hyletischen Teilen zu sein, ebenso wie derjenige der
Hohlheit bei der Stumpfnasigkeit.
Doch was ist bei der wahrnehmbaren ουσία das ε δος, das der Hohlheit
" i035a4f.; vgl. zuc Stumpfnasigkeit oben S. 95 f., Anm. 26. Es ist hier 2u
beachten, daß das griechische σιμότης im Unterschied zur deutschen Über- entspricht? Für die Lebewesen wird es am Ende der zitierten Stelle genannt:
setzung kein zusammengesetztes Wort ist. die „Seele". „Seele" ist aber nicht das spezifische ε δος der

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jeweiligen ουσία so wie die Hohlheit das ε δος der Stumpfnasigkeit, sondern eine Daher stellt Aristoteles in Met El und Phys, B2 der hyletischen wahrnehmbaren
allgemeine Bezeichnung für das εΐδος eines Lebewesens überhaupt. Will man das ουσία nicht etwa die Präsenz dieser ουσία als ein von der ύλη Trennbares (λόγω
bestimmte ε δος und d. h, also die bestimmte Seele von einem bestimmten χωριστόν) entgegen, sondern nur das Mathematische. Dieses ist das einzige, was „in
Lebewesen, z. B. von. „Mensch'*, bezeichnen! dann kann man auch das ε δος nur der Vorstellung (τη νοήσει) von der Bewegung trennbar (χωριστά)" ist (193b34).
„Mensch" nennen (vgl. 1043b3L und däjju a29fT.). Wenn hier also ebenso wie bei Sogar in der νόησις also und im λόγος läßt sich das ε δος nicht mehr von der ίίλη
der Stumpfnasigkeit das σύνολον im Gegensatz zu so etwas wie „erzener Kreis" mit trennen. Und weiter: „Diejenigen, die Ideen behaupten, merken nicht, daß sie gerade
einem Namen bezeichnet wird, so unterscheidet sich doch die wahrnehmbare ούοία dies tun; denn sie trennen die φυσικά, obwohl sie weniger trennbar sind als das
auch noch von der Stumpfnasigkeit dadurch, daß hier der Name des σύνολον mit dem Mathematische" (b35ff,), Hier erreicht die aristotelischePlatonkrkik einen
Namen des εΐδος zusammenfallt. Daß der Name des σύνολον mit dem des ε δος Höhepunkt: nicht nur das απλώς χωριστών, sondern auch das λόγω χωριστόν wird
identisch ist, zeigte sich bereits am Anfang der Untersuchung der vorliegenden ουσία bestritten. Form und Inhalt lassen sich nicht mehr trennen: wenn das ε δος als
(vgl. S. 75 Ann. 9). Doch hatte das dort nur die Bedeutung, daß der Präsenz vorliegendes gedacht wird, wird nicht dasselbe ε δος bloß in die ΰλη transportiert.
Charakter des σύνολον ganz im ε δος aufgeht, der Name bezog sich lediglich auf Weil jetzt die Präsenz die εντελέχεια der beweglichen ΰλη ist und ihr „Inhalt" daher
das εΐδος als solches. Jetzt hingegen bezeichnet der gleiche Name, der das εΐδος nicht mehr in einem Anblick besteht — diesem ist die jeweilige Beschaffenheit der
nennt, das σύνολον als σύνολον, bezeichnet die ουσία gerade in ihrer Beweglichkeit ίίλη äußerlich —, sondern in einem einheitlichen Vermögen zu einem Werk (S. 99),
und Teilbarkeit. wird jetzt auch „alles hinsichtlich seines Werkes und (d. h.) seines Vermögens
Zu was für Konsequenzen diese Identität des Namens schließlich führt, wird erst d e f i n i e r t " (1253a23f„ vgl. auch 1035bl7, 416a5), und weil ein solches Vermögen
im letzten Abschnitt sichtbar werden (S. 146f,). Sie bedeutet nicht, daß das εΐδος notwendig auf eine bestimmte Beschaffenheit der Teile angewiesen ist, ist die
selbst mit dem σύνολον zusammenfällt, sondern gründet darin, daß es sich hier um Präsenz wesensmäßig an eine bestimmte bewegliche ΰλη gebunden, die bereits in
ein σύνολον handelt, dessen Seiten wesensmäßig zusammengehören, so daß das ihrer Definition vorgezeichnet sein muß (vgl. 200b5rT. I 642al2ff.). Die einzigen
ε δος ebenso notwendig wie das σύνολον, obwohl auf andere Weise, auf diese Ausnahmen sind diejenigen vom Menschen erzeugten Dinge, die nicht zu einem
bestimmten beweglichen Teile angewiesen ist: das σύνολον, weil es aus den Teilen; Gebtauch bestimmt sind, sondern lediglich ein Aussehen darstellen sollen, sei es eine
besteht; das ε δος, weil es die „εντελέχεια der Teile" ist (413aüf.)". In ZU war also geometrische Figur oder ein Gebilde der schönen Künste. So weit ist also das Seiende
nur der λόγος des σύνολον gemeint, aber es ist ein σύνολον, dessen λύγος für die davon entfernt, von sich aus ί-ein „ε δος" in einem Anblick zu haben, daß dies nur
Definition des ε δος selbst wesentlich wird. Der Vergleich mit der Stumpfnasigkeit dann der Fall ist, wenn es eigens dazu hergestellt wird, einen Anblick zu
verdeckt gerade das Entscheidende: während bei ihr das εΐδος (die Hohlheit), weil es repräsentieren, d. h. etwas anderes abzubilden. Daß aber unter den Beispielen des
ein mathematisches ε δος ist, „ohne wahrnehmbare υλη" ist (El, 1025b33f.), wird Buches Ζ Statuen, Kugeln und Kreise einen so unverhältnismäßig breiten Raum
beider wahrnehmbaren ουσία nicht nur vom σύνολον, sondetn auch von der Seele einnehmen, zeigt, wie nahe selbst für Aristoteles — und dies besonders innerhalb der
gesagt, daß sie „nicht ohne υλη" sei (El, 1026a6) « "■ »·. ausdrücklichen Frage nach dem schlechthin Anwesenden — die Versuchung liegen
mußte, beim ε δος an ein Bild zu denken.
11 Schließlich muß aber sogar das geometrische ε δος den Bezug zu einer
Vgl. H3, 1043a2y~3fj: Hier weist Aristoteles ausdrücklich darauf hin, daß mit
demseiben Namen sowohl das ούνολον als auch das εΐδος genannt wird, diese aber bestimmten υλη bereits in seiner Definition enthalten: wenn ihm auch die
unterschieden werden müssen. Als Beispiel gibt er (»34f.) „Tier", womit entweder Beweglichkeit und dynamische Beschaffenheit der Teile zufällig ist, so doch nicht
„Seele im Körper" (σύνολον) gemeint sein könne oder „Seele" (ε δος), diese aber die Teile als solche, denn es ist nichts anderes als das Einfache von Mannigfaltigem.
sei die „ενέργεια eines Körpers". Sowohl beim σύνολον als auch beim ε δος Daher wird in El auch das mathematische εΐδος „Hohlheit" nicht als schlechthinniges
müssen also beide Seiten genannt werden, aber beim ούνολον die ίίλη als die eine
Seite seines eigenen "Wesens, beim εΐβος als das, worauf es als ενεργεί* λόγω χωριστόν betrachtet: es ist nur „ohne wahrnehmbare ύλη" (1025b34).
wesensmäßig bezogen ist (vgl. auch 414al9rf.). Anderseits kann
JS
Das wird zwar aui eine „gewisse" Seele eingeschränkt; ausgenommen ist aber,
wie aus anderen Stellen zu ersehen ist, einzig der νους, weil er keine εντελέχεια eines
φύσει 5v ist (641a33ff.,' 413a6f.). Dagegen ist jede Seele, die das ε δος eiries
Lebewesens ist, „nicht ohne ύλη" (vgl. 414al9f.). wickelt, weil sie in einem ein Beispiel eines nur mit der ί>λη zu Definierenden an die
"Aristoteles hat das Problem gerade mit Hüte der „Stumpfnasigkeit" ent- Hand gibt und ein Beispiel eines ohne ΰλη Definierbaren, wogegen das erstere
abgehoben werden kann. Ein zweifelhafter Vorteil, wenn man bedenkt, daß es gerade
m } : ■ j j !■ dieser Umstand ist, wodurch dieses Beispiel\ unangemessen und irreführend witd.

8 Tugend Int. Tl κα-ri mit, 113


lieh, ob ein Einfaches von Mannigfaltigem als solches überhaupt noch einer
natürlidh auch der Präsenz einer wahrnehmbaren ουσία die bestimmte
Beschaffenheit einet ΰλγ} mehr oder weniger zufällig sein. Eine Axt ζ. Β. ist D e f i n i t i o n zugänglich ist oder ob das bisherige Wesen der Präsenz auch
auf Sin Material von bestimmtet Hätte usw. angewiesen, aber dazu eignen nach dieser Seite mit der Entwicklung der ontologischen Problematik nicht
bich mehrere Substanzen (z. B. Erz öder Eisen) (vgl. 642al0f.), von welchen mehr Schritt halten kann. Diese Frage wird erst in Zusammenhang mit dem
dann die eine tauglicher als die andere sein kann (640a38). Die uXv)-ist Problem des Grundes zu behandeln sein. Bevor auf sie eingegangen werden
immer nur gerade so weit in der Definition der Präsenz enthalten, als sie kann, muß betrachtet werden, auf welche Weise Aristoteles das Problem
spezifisch die δύναμις zu dieser ενέργεια ist. Je vollkommener die ϋλη in derjenigen Mannigfaltigkeit der einfachen Präsenz bewältigt, die zu dem von
das jeweilige ε δος ein- und aufgeht, je durchgängiger sie durch seine Platon übernommenen ορισμός von vornherein gehört.
Definition bestimmt ist, desto eigentlicher ist das ε δος εντελέχεια, am
eigentlichsten beim Lebendigen. Weil aber die ολη in unbestimmter
Mannigfaltigkeit vorliegt, bleibt das Verhältnis der Präsenz zum
§ 15. Das Problem der Mannigfaltigkeit der einfachen Präsert^ als solcher
Vorliegenden in j edem Fall spielraumartig: gegenüber dem jeweils
Einzelnen ist sie allgemein und λόγω χωριστόν, nicht weil sie an gar keine und die Wesensbestimmung der Gattung als δνναμις
υλη, sondern weil sie an keine einzelne ίΐλή gebunden ist.
Indem die Mannigfaltigkeit der ϋλη in ά&η λόγος mitaufgenommen wird, Ist das Eine Allgemeine nur dann nicht eine eigene ουσία, wenn es
wird dieser zu einem λόγος ένυλας (403a25), der mit dem λόγος des δύναμις ist, dann muß auch das Sein der übrigen allgemeinen Wesenheiten,
σύνολον keineswegs, wie gewöhnlich gemeint wird, zusammenfällt. Als weil sie jeweils nur die eine Seite einer Zwiefältigkeit sind, in der bloiäen
λόγος ενυλος verliert das εΐδος seine Einfachheit ebensowenig wie als £Ϊδος Möglichkeit 2u dieser Zwiefältigkeit bestehen. Daher waren auch bei der
ενόν, und das Kriterium, wonach in Z10 das ε δος vom σύνολον Erklärung des καθόλου als δύναμις in MIO (S. 104) die übrigen Kategorien
unterschieden wurde, bleibt also bestehen. Weil das εΐδος nicht ein Eines aus mitgemeintaa. Und in 07, 104°bU., wird von ihnen gesagt, sie seien ebenso
Mannigfaltigem, sondern ein Eines von Mannigfaltigem ist, ist es „nicht wie die ϋλη unbestimmt (αόριστα): zu einem Bestimmten werden sie erst
ohne ΰλη, aber nicht durch die υλη bestimmt" {Phys. B2, 194al4f.)3i. Gerade durch ihre Zwiefältigkeit mit einem ΰποκείμενον ώρισμένον (ZI, 102Sa26f.).
die Anwesenheit des σύνολον selbst ist darauf angewiesen, daß das ε δος, Eine durchgebildete Lehre vom Allgemeinen als δυνάμει δν findet sich
indem es als ενέργεια das Prinzip seines Zusammenstandes und als τέλος dh jedoch nur für die Gattung (γένος), und zwar deswegen, weil die
Direktive seines Entstehens ist, einfach und von ihm unterschieden bleibt, angemessene Erklärung ihres Allgemeinheitscharakters und d. h. ihres
denn reguliert und dirigiert werden kann Mannigfaltiges nur durch Verhältnisses zum ε δος zugleich die Lösung des Problems der mannig-
Einfaches. Aber auch nur durch ein Einfaches, das auf das Mannigfaltige
faltigen Teile des εϊδος bringen mußte. Denn das εΐδος wird, obwohl es doch
wesensmäßig bezogen ist. Daher ist im λόγος Ινυλος die ganze
ein Einfaches sein soll, in seiner Explikation durch den ορισμός in Gattung
Mannigfaltigkeit des σύνολον bereits vorhanden, aber gleichsam unter
und spezifische Differenzen auseinandergenommen (S. 16). Das, wohinein
umgekehrtem Vorzeichen. Der λόγος des σύνολον ist: ,die und die υλη in
etwas auseinandergenommen werden kann, sind seine Teile (vgl. Δ25), und
dem und dem εΐδος'; der λόγος cies εΐδος: ,das und das ε δος von der und
Gattung und Differenzen werden daher als die Teile des ορισμός bzw. des τι
der ολη'. So bei der Definition der Seele in De Anima: Der λόγος des
Lebewesens ist: ,ein natürlicher Körper, der das Vermögen zum Leben hat' ήν ε ναι verstanden {1023a35, 1034b20, 1037a20) und als solche auch den
(412al5f./20). Und das ε δος dieses σύνολον wird definiert als ,erste hyletischen Teilen des σύνολον gegenübergestellt (1035b31f., oben S. 73f.).
εντελέχεια eines natürlichen Körpers, der das Vermögen zum Leben hat, Weil sie aber doch Teile sind, werden auch sie in einem übertragenen Sinn
also eines organischen Körpers' (412a27f,/b5f.). Dieser ορισμός, der das ΰλη genannt und als „ολη des ε δος" von der ϋλη αισθητή und den Teilen
εΐδος einzig in seinem Bezug zur ύλη definiert und dennoch der λόγος nur des σύνολον unterschiedenas.
des ε δος selbst ist, nennt es als das, was es ist: als ένέργεια-είηεΓ-δύναμις.
Wenn das definierte ε δος aber auch einfach bleibt, so wird doch frag-
" Vgl. das Beispiel MIO, 1087al9£., ebenso in Θ8, 1050b36f.
** Diese ΰλη νοητή (1045a34) ist nicht mit der αλη νοητή des Geometrischen
" Der Ausdruck „ohne 6λη" ist also bei Aristoteles zweideutig: das gleiche zu verwechseln, da sie nicht nur nicht beweglich, sondern auch nicht konti-
εΐΚος, von dem gesagt werden kann, es sei „ohne ΰλη" (1032bl2, b!4), weil nuierlich istund υλϊΐ zunächst nur genannt wird, weil sie auch die Bestandteile
es keine όλη e n t h ä l t , ist „nicht ohne υλη" (194al4, 414a20, 1026a6), weil es von etwas ■ ildet. (Anders Ross, Metaph. II, 199.)
auf eine ΰλη wesensmäßig bezogen ist.
β*
115
114
Diese Teile der einfachen Präsenz seihst bilden ein Problem von Einheit tind nicht erst das εΐδος) die Gattung irgendwie „in sicUf', so daß die Gattung gar nicht
Mannigfaltigkeit, das für Aristoteles schon von vornherein vorgegeben war und erst eigens neben der Differenz genannt zu werden braucht.
bereits vonPkton übernommen wurde (S. 12, 16), das hier aber erst jetzt behandelt Daraus wird verständlich, inwiefern in Z12 aus dem zitierten Satz gefolgert
werden kann, weil Aristoteles es mit Hilfe derjenigen ontolügischen Begrifflichkeit werden kann, daß die Definition lediglich aus den Differenzen besteht (1038a8(.).
löst, die sich ihm bei der Klärung der Einheit des mannigfaltig Votliegenden ergeben Und wenn nun jede folgende Differenz wiederum die Differenz der vorhergehenden
hat. Die Frage, wie die Teile des ορισμός ein Eines und Einfaches bilden können, Differenz s e l b s t ist (a9ff.) und nicht κοιτά συμβεβηκός geschieht (a26f.), so
wird im Buch Ζ schon in ZU aufgeworfen (1037al8ft"., oben S.74 Anm. 7) und reduziert sich schließlich die ganze Definition auf die letzte Differenz (al9E.), die
anschließend in Z12 vorläufig erörtert; in Z14 folgt die entsprechende Platonkridk, dann nicht bloß ein Bestandteil, sondern das εΐδος und die ουσία selbst ist (a25f.).
und erst in H3 und H6 kommt es zur eigentlichen Losung der Aporie. Damit ist eine Klärung bereits erreicht, aber das bestimmte Verhältnis zwischen
212 geht von der Behauptung aas, daß „die Gattung schlechterdings nicht Gattung und Differenz und die Seinsweise der Gattung noch nicht ontologisch
außerhalb (der Differenz und d. h.) des ε δος sein kann" (1038a5f,)iO. Was damit begriffen. Negativ steht fest, daß Gattung und Differenz keine für sich bestehenden
gemeint ist, ist aus Met. 18 zu ersehen (1058a2fF.): „Das Gemeinsame muß nicht Wesenheiten und Bestandteile sein können. Für die Ideenlehre hingegen, so heißt es
bloß (mit im εΐδος) vorliegen, wie Ϊ. Β. daß beides Tiere sind, sondern in jedem von in Z14, mußten die Teile des ορισμός ebenso ουσία und τόδε τι sein wie das
beiden muß dieses s e l b s t — das Tier — verschieden sein; (es selbst ist) einmal allgemeine ε δος selbst (lü39a30-32, vgl. auch i040al8f.). Dann ergibt sich aber
Pferd und einmal Mensch; deshalb ist es das Gemeinsame (selbst), was in den beiden erstens sofort die gleiche Frage wie beim allgemeinen ε δος: wie kann die Gattung,
Fällen sich als ein dem εΐδος nach verschiedenes zeigt." Man darf sich die wenn sie schon in sich τόδε τι (und d. h. £v άριθμω) ist, Allgemeines sein und
Verschiedenheit der είδη eines γένος also nicht so denken, als sei da ein Gleiches und mehrfach auftreten, nämlich in den verschiedenen εΐδη (1039a33-b2)? Diese
auch noch eine Differenz, durch welche dann das ε δος, das beide Teile enthält, Schwierigkeit, die ja schon Platon selbst klar erkannt hatte (vgl. Parm. 131aff., Phil.
sich von einem entgegengesetzten εΐδος unterscheidet, von der aber die Gattung 15b, oben S, llf.), wird in Z14 ausführlich erörtert und in MIO, wie gezeigt wurde (S.
selbst gar nicht affiziert würde. Vielmehr (a6-8) „ist es also notwendig, daß diese 104), dadurch gelöst, daß das £v des κα&όλου (sowohl beim ε δος als auch beim
Differenz eine Verschiedenheit der Gattung ist. Denn mit der Differeni der Gattung γένος) als ein εν begriffen wird, das nicht εντελέχεια, sondern δυνάμει ist. Die weitere
meine ich jene Verschiedenheit, die diese s e l b s t verschieden macht." Die Differenz Schwierigkeit, in die die Ideenlehre verwickelt wird, wenn sie die Teile des ε δος
ist also nicht ein weiterer Bestandteil neben der Gattung, sondern nichts anderes als als τόδε τι (und d. h. εντελέχεια) versteht, ist die, daß sie die Einheit dieser Teile nicht
die Weise, wie sich jeweils die Gattung als dieses oder jenes εΐδος präsentiert. Da die erklären kann (1039b2-6). Denn wenn etwas in sich εντελέχεια ουσία ist, kann es
Differenz eine Verschiedenheit der Gattung selbst ist, enthält sie selbst (und nicht Teil einer anderen ουσία sein (1039a3f,), es bietet gleichsam keine
Berührungsfläche für weitere Teile und kann mit diesen daher nur einen „Haufen"
10
Es iolgt die parenthetische Bemerkung: „oder wenn doch, dann ist es als ΰλϊ)'', (σωρός) ausmachen, bei dem unklar bleibt, wodurch er überhaupt Eines ist (1044a4f.,
und als Betspiel wird das γένος der Buchstaben gegeben, das zugleich ihre ολη ist 1045a8fF.). Man kann also nicht einfach eine Zusammengehörigkeit von Mehrerem
(γένος κ α l, a6f.): die Stimme. Hier ist also mit ϋλη, nicht die dem ε δος in Einem behaupten, ohne gleichzeitig das Wesen des ev sowohl der Teile als auch
eigentümliche (Ιλη, sondern die ίίλη αία&ητή gemeinr, die in manchen Fällen mit der des Ganzen ontologisch neu zu denken41. Soll ein Eines ein Mannigfaltiges nicht bloß
Gattung zusammenfällt (vgl. S. 119 Anm. 42). Arpe hat daraus (S. 46) geschlossen,
daß Aristoteles die Gattung als solche überhaupt nie als αλη begriffen hat. Die ολη äußerlich umgreifen, sondern das Eine des Mannigfaltigen sein, dann muß sein Ein-
νοητή von H6 sei einfach (wie sich aus dem Beispiet 1045a35 nahelegt) die ΰλη des heitscharakter als εντελέχεια gedacht werden (1044a7-9); und wenn das Eine, das aus
Mathematischen, Mit dieser Interpretation läßt sich aber der ganze Zusammenhang den Teilen besteht, έντελεχεία sein und εντελέχεια eines sein soll, müssen sie selbst
von H6 nicht vereinbaren und die Auffassung der Gattung überhaupt als βλη ist durch δυνάμει sein und δυνάμει eines sein. Aisosowohl die Schwierigkeit des vielfachen
genügend andere Stellen der Metaph. gegen jeden Zweifel gesichert: vgl. 1023b2,
1024b9, l058a23f., auch 1016a27[. Aus t023b2 geht auch noch eindeutig hervor, daß Vorliegens der Einen Gat-
es sich hier um eine andere δλτ, als die ύλη οίο&τ,ττ, handelt, um eipe 6>Λ), mit der
die „Teile des elSos" .(vgL 1023a3ä) gemeinr sind. Als Bekpiel -wird hier 035 L) die
Zweibeinig5ceii Üs Teil der Detirütioti des. Menschen angeführr, also ein Teil ekies 11
Das wiederum ist nicht möglich, solange das Allgemeine als ουσία verstanden
νμσ^.^ (J2.n-eibeiai:gei Tier*!'), der gtü'iB nVrrnv um &χ, :χί&#τ;Η] urai zixh njchr-s wird. Min kann nicht einerseits von einer Vielfalt in Einem sprechen und anderieits
nsii r^Λγ~^ΐτΛ^τ_^τ €λ», ΖΪΪ HUI hat.. an der Idcenkhrc festhalten (1039a24-6, 1087a5f.); aurr.rs *ird Pkuion, i»ic bereu in
!' der Einleitung bemerkt wurde (S. 12), auf wäee rräuiere Periode feir-gcn^gclt.
116 Τ Ι
ί m
Pferd"), während das bei den Kategorien zwar auch ein mögliches, aber ein
tung als auch die der Einheit mit der Differenz löst sich auf, sobald die Gattung als
uneigentliches κατηγορεΐσθαι ist (S. 53). Hier 2eigt sich die besondere Analogie
δυνάμει 5ν und d. h. δυνάμει εν verstanden wird.
zwischen der Gattung und der υλη αίσθητή: So wie die ΰλη das dem ε δος
Die erste dieser Schwierigkeiten hatte sich ebenso für das allgemeine ε δος
Zugrundeliegende ist, ist die Gattung das Zug r u n d e l i e g e n d e der Differenz
ergeben, die zweite ist der Gattung eigentümlich. Aristoteles löst sie nun In H3 und
(1016a26, 1024b3, b9, blO). Die obersten Gattungen als die πρώτα υποκείμενα
H6 nicht etwa so, daß sowohl Gattung als auch Differenz jödes ein δυνάμει ov wären
(1024bl0) werden sukzessive durch die Reihe der spezifischen Differenzen immer weiter
(das verbietet sich aus dem bestimmten Charakter ihres Zusammenhanges, wie er
aus ihrem Möglichkeitscharakter herausgetrieben so wie die πρώτη ΰλη durch die
sich in Z12 und 18 gezeigt hat), sondern die Gattung ist das δυνάμει ov und die
immer vollkommener werdenden ένέργεΐαι. Präsentieren kann sich das γένος erst, wenn
Differenz ist ihre έ,νέργεια. Insofern \εψΐ überhaupt noch zwischen Differenz und
keine weiteren Möglichkeiten in ihm zu unterscheiden sind und es als das einfache
ε δος unterschieden werden kann, ist das ε δος das ενεργεία ΐ!ν, also
ε δος vorliegt, als welches es άδιαίρετον (999a2), άδιάφορον (1038al6), ατομον
gewissermaßen das Analogon zum ούνολον. So wie dieses die in die ενέργεια des
(1058al9) ist".
ε δος herausgetretene δύναμις der ύλη αισθητή ist, ist das εΐδος die in die ενέργεια
der spezifischen Differenz herausgetretene δΰ-ναμις der Gattung. Entsprechend wird Zum Schluß greifen wir noch einmal auf eine Aporie des Buches Β zurück. Am
jetzt auch vorn ε δος selbst als von einer ουσία συν&ετή νοητή gesprochen Anfang der „Metaphysik" ist die Aufgabe der Philosophie als die Betrachtung der
(1043b29f.) und von der Gattung als einer υλη νοητή (1045a34, 36). Hier bedeutet ersten άρχαί und αϊτίαι fetsgelegt worden (982b9). In der 6. Aporie (998a20-bl4)
jet2t aber ολη nicht mehr das gleiche wie dort, wo die Teile des ορισμός, also werden nun zwei mögliche Wege für das Philosophieren als das Fragen nach den άρχαί
Gattung und Differenz, die ΰλη des εΐδος genannt wurden (1023b2, oben S. 115). in den Blick gefaßt, keine theoretischen Möglichkeiten, sondern gerade diejenigen, die
Denn dort meinte ΰλη einfach soviel wie Bestandteil (στοιχεΐον). Jetzt hingegen im bisherigen Philosophieren, so wie Aristoteles es sieht, geschichtliche Wirklichkeit
handelt es sich gar nicht mehr um mehrere Teile, sondern um den einen „Teil", der geworden waren: der eine (a22-b3) geht den einfachen und letzten Bestandteilen
nicht durch Hinzufügung eines anderen Teiles, sondern durch das Heraustreten seiner (στοιχεία) nach, aus welchen das Vorliegende zusammengesetzt ist, der andere (b4-10)
eigenen δύναμις zum Ganzen wird: ΰλη heißt die Gattung jetzt nicht, weil sie den allgemeinsten Gattungen, aus denen die Präsenzen zusammengesetzt sind, auf die
Bestandteil, sondern weil sie δυνάμει ουσία ist. hin das Vorliegende jeweils angesprochen wird. Auch diese Gattungen sind
Der δΰναμι,ς-Charäkter der Gattung unterscheidet sich also we Bestandteile (στοιχεία, a21 f.). Nun soll aber die αρχή, die gesucht wird, gerade die
sentlich von dem des allgemeinen ε δος. Dieses bleibt öder wird gerade ο υ σ ί α des Vorliegenden sein. In welcher Art von στοιχεΐον liegt die ουσία? Beides
es selbst, wenn es in seine ενέργεια kommt; es muß nur δύναμις kann sie nicht sein, denn sie ist eine (bll f.). Und doch scheinen beide Wege richtig zu
sein, weil es eigentlich ενέργεια ist. Die Analogie zur ΰλη reicht da sein.
gegen beim γένος viel weiter, und daher hat sich seine Wesensbestim- Aristoteles löst die Schwierigkeit, indem er dasjenige als ουσία begreift, von dem
rnung als δύναμις auch eindeutiger durchgesetzt als beim allgemeinen jene Wege in entgegengesetzter Richtung ausgehen, ohne es selbst zu denken,
ε δος: ebenso wie die Ολη αισθητή kann sich das γένος als solches nämlich das vorliegende τόδε τι. Denn indem diese ουσία in doppelter Weise
überhaupt nicht präsentieren, sondern birgt noch eine Mannigfalt von ενέργεια einer δύναμις ist, weil sie
imgehobenen Möglichkeiten in sich. Seine ενέργεια bedeutet, daß
es überhaupt erst in eine Präsenz heraustritt; und in dieser bleibt es die 11
Die Analogie zur ΰλη hat sich auch noch dadurch besonders nahegelegt, daß bei
wesende Möglichkeit zu einem anderen. κ- den. πάθη die Gattung und die ΰλη αισθητή tatsächlich zusammenfallen. Die dem
Wird nun etwas (2.B. ein Pferd) im Hinblick auf seine Gattung genannt (ζ. Β, Umschlag der πάθη (ζ. Β. dem Warmen und Kalten) zugrundeliegende υλη^ ist
„Tier"), so wird es damit nicht als das τόδε τι, das es ist, getroffen; trotzdem wird zugleich deren γένος (323b31f., 324b7); dieses ist dann nicht nur überhaupt, sondern
gerade das ύτίοκείμενον selbst gemeint und nicht etwas von ihm gesagt, was es auch als ein jeweils cinzeLn Vorliegendes die Βύναμις zu seinen verschiedenen εϊΒη, die
noch ist (συμβεβήκός). Die Gattung „bedeutet" immer eine ουσία (ούσίαν σημαίνει, ineinander übergehen. Diese Art des γένος (das also gar nicht γένος einer ούοία ist)
hat in Met. I einen eigentümlichen und nicht expliziten Vorrang, vgl. z. B. 1054b28£.
83a24) und wird im Unterschied zu den übrigen Kategorien nicht κατ' άλλου υποκει- Bemerkenswert ist auch, daß für Aristoteles (in Antizipation von Κ. Ε. v. Baer)
μένου gesagt (83a26): sie wird zwar κα&' υποκειμένου gesagt, aber dieses die embryonale Umwicklung des Tieres eine fortschreitende Entfaltung von der
ύποκεΐμενον ist ihr gegenüber kein άλλο, da es nur eine „Verschiedenheit ihrer höchsten Gattung (Lebewesen überhaupt) bis zu seinem eigentümlichen ΕΪΒος ist, so
selbst" (18) und d. h. ihr eigenes Herausgetretensein ist, Deswegen kann sieh das daß sich hier tatsächlich das Heraustreten der Präsenz aus der (5λη αισθητή als ein
Heraustreten aus der ΰλη νοητή abspielt (De Gen. Anim. B3).
Verhältnis auch umkehren und gerade die Gattung als ύτίοκείμενον gedacht werden
(„das Tier ist ein 119

118

...*ϊί!Ι
als ε δος einer ύλη und als spezifische Differenz eines γένος vorliegt, IV *
«öffnet jsie jetzt zugleich die Frage-Wege nach beiden Richtungen; weil das
εν, das die ουσία ist, εντελέχεια ist, trifft sich in ihr zugleich das Das Vermittelnde der Zmefältigkeit als Grund
Mannigfaltige sowohl det ϋλη als auch der Gattungen, ohne daß ihre Einheit
dadurch angetastet wird, Die neue Konzeption der ϋύαίιχ als τάδε τι
Verneint weder das eine noch das andere, was bisher als ουσία gedacht
wurde, sondern hebt beides auf. Beides ist nicht mehr bloßes στοίχε ΐον,
aber es bleibt ουσία, nämlich als δυνάμει ουσία.
Das εΐδος als εντελέχεια aber ist jetzt nicht nur die πρώτη ουσία als das Das Seiende ist ursprünglich in der griechischen Ontologie verstanden
am eigentlichsten Anwesende, sondern zugleich — wenn auch nicht mehr worden als schlechthin Einfaches und Anwesendes, in dem ein Vernehmenin
qua στοίχείαν — als die eigentliche άρν_ή und αιτία des übrigen. Als solche schlechthinnigerBegegnung ruhen kann(S. 4). Solltedann dennoch, wie es für
wird die Präsenz schließlich ausdrücklich thematisch in Z17, dem letzten die Philosophie nach Partnenides notwendig wurde, ein Mannigfaltiges als
Kapitel dieses Buches. Seiendes gedacht werden, ohne diesen Sinn des Seins aufzugeben, so mußte
das Denken zu einem Einfachen zurückgehen, das dem Mannigfaltigen dann
zugrundeliegt. Das Eine des Mannigfaltigen ist Grund (αιτία). Dieser
Rückgang des Denkens kann zunächst so geschehen, daß das mannigfaltig
Zusammenliegende auseinandergenommen und schließlich bis zum
schlechthin Einfachen vorgedrungen wird. Das Einfache ist dann Bestandteil
des Mannigfattigen (στοιχεΐον, Met. Δ3), So ist es aber bloß das Eine inner-
halb des Mannigfaltigen, nicht das Eine des Mannigfaltigen selbst. Dieses
fällt als solches noch aus dem ursprünglich Einen heraus und wird als
Anwesendes erst denkbar, wenn der Grund nicht nur 2ugtunde-liegt, sondern
gründet, wenn er nicht nur selbst schlechthin seiend, sondern Grund des
Seins ist (αιτία του ε ναι, 1043a2, 90a9), nicht nur selbst einfach, sondern
Grund des Einsseins des Mannigfaltigen (αίτια ταυ εν εΐναι, 1045all),
Hat sich bei Aristoteles das, was anwesend ist, nach zwei Seiten als Zwief
ä l t i g e s , Präsenz von Vorliegendem (τι χατά τινός) herausgestellt und ist
dieses Anwesende beidemal ein Eines, das zugleich mannigfaltig ist, dann
muß sich die Frage nach seiner Einheit und Anwesenheit in der Frage nach
dem Grund erfüllen. Dabei ist der Grund der Einheit des Mannigfaltigen
beidemal zugleich der Grund der Einheit zwischen dem Vorliegenden und
der Präsenz und somit das Vermittelnde der Zwiefältigkeit (μέσον, 90a7).
Denn das Problem der Einheit der mannigfaltig zusammenliegenden
Präsenzen hatte sich auf die Frage nach der notwendigen Einheit der
jeweiligen Präsenz mit der zugrundeliegenden ουσία reduziert (S. 55ff.); und
bei der Einheit der υλη hat sich zwar bereits die Präsenz selbst als der Grund
der Einheit herausgestellt (S. 106), aber indem sie das mannigfaltig
Vorliegende in eine Einheit und Präsenz versammelt, vermittelt sie es
zugleich mit dieser1. Und so ist bei beiden Strukturen der Grund der Einheit
1
Das ist allerdings eine Vereinfachung, die nicht ganz zutrifft. Es wird
sich (§ 18) aeigen, daß die Zwiefältigkeit (τ! κατά τινός), die hier vermittelt
wird, strenggenommen gar nicht mehr die Zwiefältigkeit das Vorliegenden
mit der Präsenz ist.

121
des Mannigfaltigen zugleich auch, indem er als solcher das Vermittelnde das Sein des Zwiefältigen v e r l a n g t nach ihr und fst selbst nichts anderes
der Anwesenheit des Zwiefältigen ist, der Grund des Vorliegens der Präsenz als dieses Fehlen. Ebenso erschüttert ist bei einem solchen Anwesenden das
und des Herausgetretenseins des Vorliegenden. ursprünglich im Notwendigen ruhende Vernehmen. Das 8v-έν-άληθες steht
Dann ist aber die αιτία nicht nur das Eine, injdem sich jeweils die beiden ihm nur noch in der nackten und erst in dieser Befremdlichkeit eigentlich
Seiten des Zwiefältigen zusammenschließen, sondern mit ihr treten zugleich erfahrenen Faktizität seines „Daß es ist" (6τι εστίν, 89b37f.) entgegen. Die
die beiden Zw iefältigkeiten, die in den vorangegangenen zwei Abschnitten Verwunderung (θ-αυμάζειν), in die es dadurch gebracht wird, kommt aber,
gesondert betrachtet wurden, in ihrer gemeinsamen Struktur vor den Blick. wenn es im Durchlaufen des Einzelnen eine empirische Allgemeinheit und
In Met. ZI7 geht Aristoteles in der Erörterung der αιτία bei der ουσία {§ 18) Beständigkeit des Zwiefältigen feststellen kann, so wenig zu einem Ende, als
von der entsprechenden Struktur bei den συμβεβηκότα aus, und tatsächlich sie vielmehr erst dann eigentlich erwacht: denn der Bruch innerhalb des £v
wird in den Kapiteln Β1-Ί0 der 2. Analytiken das Problem der Begründung wird erst in in seiner ganzen Schärfe erfahren, wenn es sich auf der anderen
und der Zwiefältigkett für die ουσία und die συμβεβηκότα gemeinsam Seite durch seine empirische Beständigkeit bereits als eigentliches Ιν (άναγ-
behandelt, obzwar hier umgekehrt die συμβεβηκότα im Vordergrund stehen καΐον) ankündigt. Die Verwunderung vor dem „Daß es ist" ist daher kein
(§17)' Die beiden Stücke der Metaphysik und der Analytiken gehören Erstarren, sondern zugleich ein Suchen (ζητεΐν, 89b36) nach der fehlenden
zusammen, enthalten ζ, Τ. die gleichen Beispiele („Donner", „Eklipse"), Notwendigkeit, ist Fragen, „Warum es ist" (δια τί tiouv, 90al). Erst wenn das
entsprechen sich bis in einzelne Formulierungen (ζ. Β. 93a26f./1041al5, Weswegen (διότι, 89b29) gefunden ist (εύρεΐν, 89b36), kommen wir zu
b3f.) und sind getrennt nicht zu verstehen. Bevor jedoch auf diese einem Wissen (επίστασθ-aL, b23, 36) und damit zur Ruhe (πεπαύμεθα,
Zusammenhänge eingegangen werden kann, muß das Pirobtem des Grundes b27f.). Wo immer ein 6ν-£ν-άληθές sich zunächst ohne άναγκαΐον, und d. h.
bei den συμβεβηκάτα zunächst ohne Rücksicht auf die andere Zwiefäldg- als bloßes „Daß es ist", gibt, aber doch als άναγκαΐον erkannt werden kann,
keit geklärt werden (§ 16). geschieht dieses Erkennen im Rückgang auf ein Drittes und Vermittelndes
(μέσον, 90a7) als das Weswegen und d. h. als Grund (αίτιον, a7)s seines
„Daß es ist". Die aWia ist, bevor sie jeweils Grund von dem oder jenem sein
kann, ihrer ontologischen Natur nach in die vier das Wesen der schlechthin
§ 16. Die Lösung des Problems der notwendigen Einheit der vorliegenden rügen Wißbarkeit (Anwesenheit) ausmachenden Bestimmungen ν-έν-άληθ-
Präsenzen durth den Entwurf einer begründenden Wissenschaft (Ιπισχ-ημη ές-άναγκαΐον verklammert, und zwar so, daß sie überall dort auftreten muß,
wo die vier Bestimmungen nicht mehr von vornherein eins sind, aber doch
αποδεικτική) vereinigt werden können*. Weil aber die Notwendigkeit nur die
Wesenserfüüung des ν-έν-άλη^ές selbst ist, ist der Grund, indem er αΐτιον
Bei den mannigfaltig zusammenvorliegenden Präsenzen ist bereits das τοΰ άναγκαΐον εϊναι ist (1015bl0), zugleich auch erst das αΐτιον του αληθές
ϋποκείμενον selbst in gewisser Weise Grund (αρχή, 189a31), aber doch nur ε ναι (993b27), das αίτιον τοΰ έν ε ναι und das αίτιον τοΰ* ε ναι (90a9).
als die einheitliche Stätte des Anwesens der übrigen Präsenzen, wodurch Eine επιστήμη der συμβεβηκότα (1059a32f.) ist also nur möglich als
jeweils eine Zwiefähigkeit ermöglicht wird (S. 55). Diese ist dann zwar ein Wissen vom Grunde: „Schlechthin zu wissen meinen wir jegliches dann . . .,
ν-εν-άληθ-ές, aber das άλη&ές, und d. h. zugleich das Sv und εν, erfüllt wenn wir den Grund zu kennen glauben, durch den die Sache ist, daß es der
sich als eigentlich Anwesendes und Eines erst, wenn es άναγκαΐον ist (S. 57 Grund davon ist und daß dies nicht anders sein kann" (71b9ff., vgl. auch
f.). Für diese Notwendigkeit des ε ναι κατά συμβε-βηκός, auf Grund von 194bl8f.). Der Grund ist also nicht ein bloßes Mittel, wodurch sich der
welcher erst eine επιστήμη der συ μβ ε β ηκότα möglich wird (S. 59f.), hat Mensch das notwendige Zusammen des Zwiefältigen verständlich machen
sich sowohl die durch επαγωγή erreichbare env pirische Allgemeinheit (S. kann, sondern es ist der Grund „durch den die Sache ist". Sie hat ihre eigene
61 f.) als auch (S. 62fF.) der in der Definition verankerte Wesensbezug (das Notwendigkeit nur durch die Vermittlung des Grundes, und dieser steht nicht
συμβεβηκέναι καθ-' αυτό) als unzureichend erwiesen. Wie kann dennoch außer oder hinter ihr,
eine Notwendigkeit und eigentliche Allgemeinheit erkannt werden, und
welche Struktur muß dann die entsprechende Wissenschaft haben? * Die beiden Formen ctWa und αίτιον werden von Aristoteles promiscue
Weil das αναγκαίων gegenüber dem ν-εν-άληθές nicht etwas anderes, und gleichbedeutend gebraucht.
' Wo sich hingegen ein „Daß es ist" (ί\ι-ίίν-άλη-&ές) bereits von vorn-
sondern sein eigenes Wesen ist, ist das Anwesende, das sich ohne Not- herein als άναγκαΐον und d. h. „zureichend" präsentiert, „bedarf es keines
wendigkeit präsentiert, in sich gewissermaßen gebrochen: es ist irgendwie Weswegen" (1095buf.>.
und ist doch nicht; die Notwendigkeit fehlt nicht einfach, sondern
t 123
122 . | |
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sondern wird als Grund nur erkannt, wenn erkannt wird, „daß es det unti enthalten sie den in der Sache selbst liegendeA Grund des Schlußsatzes, dann ist
Grund davon ist", Was daher „nicht anders sein kann" (notwendig der συλλογισμός ein συλλογισμός επιστημονικός und heißt als solcher ά π ό δ ε ι ξ ι ς
ist), ist nicht bloß die begründete Sache selbst, sondern ihr Begründet (demonstratio)". Da der Grund nicht bloß ein Mittel zur Erkenntnis der
sein, nifcht nur die Zwietältigkeit, sondern die sich jetzt ergebende Drei+ Notwendigkeit des Zwiefältigen ist, kann die επιστήμη nicht durch die Prämissen nur
fältigkeit. ■. ;'i hindurchgehen und sie dann hinter sich lassen, sondern das Wissen des
Von hier aus kann zunächst die formale Struktur eines solchen B$+ „Schlußsatzes" ist nur im Vollzug des ganzen Schlusses selbst: „das Wissen ist das
griindungsverhältnisses verstanden werden. Das Zwiefältige kann als τι κατά τινός Haben der άπόδειξις" (71b28f„ 90b9f.).
durch ein weiteres -et als seine αίτια nur so vermittelt werden, daß die αίτια mit jeder So muß sich also das Wissen von der Notwendigkeit und Allgemeinheit des ε ναι
der beiden Seiten des Zwiefältigeh ihrerseits ein η κατά τινός bildet. Daß Α (das κατά αυμβεβηκός als Wissen vom Grunde zu einer επιστήμη αποδεικτική entfalten
συμβεβηκός) allgemein und notwendig dem C (dem ύποκείμενον) zukommt, wird (1059a32£., 71b20). Indem aber die Notwendigkeit und Allgemeinheit der
dann durch Β (die αιτία) dadurch begründet, daß Α allgemein und notwendig dem Β Zwiefältigkeit jeweils in einer άποδειξις durch die αιτία begründet wird, gründet die
und Β allgemein und notwendig dem C zukommt. Oder aber das Zusammen von άπόδειξις ihrerseits in der Notwendigkeit und Allgemeinheit der beiden Prämissen.
αιτία und υποκείμενο ν ist in sich nicht allgemein und notwendig, sondern nur das Die Zwiefältigkeit der Prämisse bedarf also selbst wieder einer Begründung ihrer
zwischen αΐτία und συμβεβηκός: dann kann ebenfalls ein notwendiges, allgemeines eigenen Notwendigkeit, doch geht das nach Aristoteles nicht ins Endlose so weiter, da
und also wißbares Zusammen begründet werden, das allerdings nicht mehr die Form auf solche Weise alles unbegründet bliebe (Anal, Post. A3). Der begründende
hat „C ist immer, weil es Β ist, A", sondern „C ist immer, wenn es Β ist, A" (Anal. Rückgang muß schließlich zu einer πρότασις gelangen, die nicht mehr vermittelt
Post. A8). Es besteht dann kein eigentliches Wissen von „C ist B", auch nicht von „C werden kann (πρότασις άμεσοζ) 72a7f., άναπόδεικτος, 84b28) und die daher, weil sie
ist A", wohl aber von ,,C-B ist A". (Die meisten Beispiele von als solche ein Erstes ist (πρώτον, 72a6, 8), αρχή genannt wird (72a7). Soll also das
Begründungsverhältnissen, die Aristoteles in den 2. Analytiken gibt, sind von dieser άλη&ές eines ε ναι κατά συμβεβηκός notwendig und d. h. begründbar sein können,
letzteren Art.) Die Notwendigkeit der Dreifaltigkeit gliedert sich also in drei dann muß es auch ausgezeichnete Zwiefältigkeiten geben, die den Grund ihrer
Zwiefältigkeiten, und dies so, daß die Notwendigkeit der ursprünglich in Frage Notwendigkeit in sich selbst haben (vgl. 99bl4). Das ist aber nur möglich, wenn die
stehenden Zwie-r fältigkeit (zwischen ΰποκείμενον und συμβεβηκός) in der Notwendigkeit des Zusammenseins dieser ausgezeichneten Zwiefältigkeiten bereits
Notwendigkeit der beiden anderen gründet *■. durch ihre Definition festgelegt ist, also nur bei υπάρχοντα καθ-' αυτά (74b5fF.), und
Dieselbe iormale Struktur hat die entsprechende επιστήμη. Sie ist ein λόγος (24b zwar können das zum Teil solche υπάρχοντα καθ-' αυτά sein, die selbst
18), der im ganzen ein „Schluß" ist (συλλογισμός, 24bl8f., 25b32fT,) und sich als
solcher aus drei λόγοι άποφαντικοί (τί κατά τινός) zusammensetzt, von welchen der
begründete συμπέρασμα (,,Schlußsatz", 53a8) genannt wird und die beiden * Vgl. 71bl6ff. Zur genaueren Unterscheidung zwischen συλλογισμός überhaupt
begründenden προτάσεις („Prämissen", 72a8}6. Sind die Prämissen wahr und und συλλογισμός αποδεικτικός, auf die hier nicht eingegangen weiden kann, vgl.
notwendig außer dieser Stelle auch 24a22ff. und Topik AI. Die obige Datstellung des
Syllogismus lediglich im Hinblick auf das hier interessierende Problem der
Apodeiktik darf selbstverständlich nicht dahingehend mißverstanden 'werden, als solle
* Aristoteles nennt daher nicht nur die zwischen υποκείμενο ν und αυμβφηκός damit die Syllogistik in der Apodeiktik fundiert werden. Trotzdem findet natürlich die
vermittelnde Wesenheit αιτία, sondern nennt (vor allem im 1. Buch der 2, Anal.) Tatsache, daß die aristotelische Schluß-logik sich im Unterschied zur modernen, aber
αίτίαι auch die Zwiefältigkeiten, in denen das Vermittelnde steht und in welchen auch schon zur stoischen Logik auf die Syllogistik beschränkt, ihre einfache Erklärung
allein es gründend ist (vgl. 71b2M.). Wir halten uns im folgenden weitet an die erste in dem Umstand, daß für Aristoteles das Seiende selbst die Struktur des τί κατά τινός
Terminologie, weil diese im 2. Buch der 2. Anal, die maßgebende ist. hat und daher nur die sich unmittelbar aus dieser Struktur ergebenden bzw. diese
* Die Bezeichnung πρύτασίς erstreckt, sich dann allerdings auch auf j e d e n λόγος Struktur vermittelnden Begrimdungsverhättnissc interessieren. Wie ja auch sonst das
(τί κατά τινός), 24al6f. — Die formale Bezeichnung für die beiden Glieder des λόγος, enge Verhältnis zwischen Logik und Ontologie viele Eigene tümlichkeiten der
gleichgültig ob es sich um das Subjekt oder Prädikat handelt, ist ορός (terminus), aristotelischen Logik, an denen man herumgerätselt hat, erklärt, so ζ. Β. die
24bt6f. (Diese Bedeutung von &ρος hat nichts zu tun mit ίίρος im Sinn von ορισμός, Auffassung, daß,das Ptädizieren einer Substanz von einem Akzidens ein
S. 16; zum Näheren vgl. Ross, Anal. S. 290.) Entsprechend werden die beiden uneigenüiches sei (83alff., oben S. 53), was selbstverständlich ;von einem abgelösten
vermittelten und die vermittelnde Wesenheit gemäß ihrer Stellung im syi logistischen formallogischen Gesichtspunkt aus sinnlos wäre. Merkwürdigerweise kann sich sogar
Gefüge formal πρώτος ίΐρος (terminus major), μέσος Ορός (terminus medius) und ein so ausgezeichneter Kenner der aristotelischen Metaphysik wie Ross diese Lehre
Ιαχατος δρος (terminus minor) genannt (vgl. 25b32ff.) und mit den Symbolen A ( B, nur durch gewisse Irreführende Eigentümlichkeiten der griechischen Sprache erklären
C bezeichnet, die auch hier verwendet werden mögen. (Anal. S. 577).

124 125
in der Definition des Subjekts enthalten sind (also Gattung oder spezifische wird somit als συμβεβηκος κα-ö·1 αυτό (b2öf.) von ihm gesagt, ist aber durch diesen
Differenz) (b7f.), zum Teil müssen es aber auch, da das Prädikat des Schlußsatzes Definitionsbezug allein noch nicht (wie bei der unbe-gründbaren αρχή) an das
und folglich zumindest auch das der 1. Prämisse immer ein συμβεβηκός ist, ϋποκείμενον gebunden, sondern ist dafür auf ein Drittes und Vermittelndes
συμβεβηκότα καθ1 αυτά sein, also solche υπάρχοντα, die ihrerseits das Subjekt in angewiesen". Für dieses Verhältnis einer koextensiven Allgemeinheit legt Aristoteles
ihrer Definition enthalten (b8f,). Μ ulke sich also die Wissenschaft der συμβεβηκότα, hier auch eine neue Bedeutung des καθόλου fest: dem καθόλου genügt nicht mehr das
weil das συμβεβηκένοα καθ' αυτό in dem weiten Sinn des bloßen Definitionsbezuges bloße κατά παντός (a28ff.; S. 58), sondern καθόλου soll nur noch das sein, was
(S. 63) noch keine Notwendigkeit bedeutet, zu einer begründenden Wissenschaft sowohl κατά παντός als auch καθ' αυτό ist (b2uf,). Das καθόλου wird jetzt also in
ausbilden, so muß doch diese Begründung ihrerseits letztlich in einem solchen einem strengen wörtlichen Sinn verstanden, demgemäß nicht nur das Prädikat den
συμβεβηκέναι καθ-' αυτό gründen, bei dem durch die Definition nicht nur ein offener ganzen Bereich des Subjekts bestimmt, sondern auch das Subjekt den ganzen Beteich
Wesensbezug, sondern ein notwendiges Gebundensein an das Subjekt gegeben ist. Im des möglichen Vorliegens des Prädikats umfaßt; dieses wird dann καθ-όλου von
καθ·' αυτό liegt dann nicht nur, daß das Zusammen im eigenen Wesen gründet, seinem ganzen eigenen Bereich gesagt, der nicht weiter (έπί πλέον, 74a3) reicht.
Sondern daß es in nichts anderem gründet: das κα-9·' αυτό ist μή κατ' άλλο (79a35f.). Genügt somit für die zu begründende Zwiefältigkeit nicht mehr die bloße
Die πρότασης άμεσος ist daher auch, obwohl sie ein τι κατά τινός ist (84b28f.), in Allgemeinheit" und Notwendigkeit, so scheint von der επιστήμη der συμβεβηκότα
gewisser Weise ein Einfaches, ein άδκχίρετον und άπλοϋν (84b35ff.), so daß jetzt sogar mehr verlangt zu werden, als was sie ursprünglich leisten sollte. Aber
Aristoteles das Vernehmen dieses ausgezeichneten τι κατά τινός schließlich nicht diese Forderung sichert nur die ursprüngliche Aufgabe dieser Wissenschaft gegen
einmal mehr επιστήμη, sondern νους nennt (85al, lÜ0bl2, 114la7f.) und den Begriff unzureichende Möglichkeiten, die sich aus der formalen Struktur ergeben, an die sie
der επιστήμη mitunter auf die επιστήμη αποδεικτική einschränkt und das επιστητό ν jetzt als επιστήμη αποδεικτική gebunden ist. Formal syllogistisch ist es nämlich am
auf das άποδεικτόν (vgl. 1139b31 f., 1140b35, lÜOblOf., dagegen z. B. 71bl6f., naheliegendsten und einfachsten, die Notwendigkeit der Zwiefältigkeit eines
1039b31i.)V συμβεβηκός mit einem ϋποκείμενον dadurch zu erweisen, daß das συμβεβηκος
Doch tritt das συμβεβηκός καθ-' αυτό in der επιστήμη αποδεικτική außer als bereits dem allgemeineren Wesen des ϋποκείμενον mit Notwendigkeit zukommt. Das
unbegründbare αρχή auch noch in einer anderen Bedeutung auf, von der aus über die entspricht dann aber gar nicht mehr der ursprünglichen Aufgabe, die Notwendigkeit
formale Struktur hinaus erst das eigentliche Wesen dieser Wissenschaft sichtbar der Zwiefältigkeit der einen Präsenz (συμβεβηκός) mit der anderen Präsenz (ουσία)
werden wird. Aristoteles verlangt nämlich (Anal. Post. A4-5), daß bei der zu erkennen, vielmehr wird diese Notwendigkeit bei einer solchen Folgerung
eigentlichen άπόδειξις nicht nur die Prämissen aus καθ' αυτό Verhältnissen bestehen vorausgesetzt und lediglich auf einen speziellen Fall übertragen. Sie selbst kann nur
müssen, sondern daß auch das Prädikat der begründeten Zwiefäldgkek seinem auf derjenigen Ebene begründet werden, auf der das συμβεβηκός in einem Verhältnis
Subjekt καθ' αυτό zukommt: Wenn nur bewiesen wird, daß jedes beliebige C (το zu seinem eigentümlichen ϋποκείμενον steht, dem es, wenn überhaupt allgemein, nur
τυχόν, 73b33) Λ ist, so sei das noch keine eigentliche Begründung, sondern C muß koextensiv allgemein zukommen kann.
auch das e r s t e sein (πρώτον, b/33), was Α ist, d. h. es darf kein Allgemeineres Die επιστήμη der συμβεβηκότα muß also zwar als begründende Wissenschaft
geben, was auch schon Α ist. C muß also das eigentümliche ϋποκείμενον von Α sein: syllogistisch sein, aber in dieser formalen Struktur erschöpft sich nicht ihr Wesen.
das Α muß dem C als solchem (fj αυτό, b29) zukommen, enthält es also in seiner Wenn es somit nicht genügt, die αίτια nur formal als das vermittelnde τι eines
Definition und Schlusses zu erklären, wie ist sie dann bestimmter zu verstehen? Durch was für eine
Wesenheit kann ein συμβεβηκός mit Notwendigkeit an eine ουσία gebunden
7 werden?"
Zugleich gewinnt jetzt die επαγωγή, das Η ingeführt werden vorri^ Einzelnen
zum Allgemeinen, eine neue Bedeutung: während bei dem Zwie-fäkjgen, das nicht
den Grund der Notwendigkeit in sich selbst hat, durch επαγωγή immer nur eine
relative Allgemeinheit und also gar keine Notwendigkeit erreicht werden konnte {S. * Diese zwei ganz verschiedenen Arten von συμβεβηκότα καθ' αυτά hat
61 f.), springt, sobald wir uns bei^einem solchen ausgezeichneten Zwiefältigen vor Aristoteles nie ausdrücklich unterschieden (vgl, S. 63),
das Einzelne bringen, seine Allgemeinheit und Notwendigkeit nach Aristoteles' * Diese Frage nach der konkreten Gestalt der Ιπιο-τήμη αποδεικτική ist dadurch
Auffassung unmittelbar in die Augen. Da der νους nach Aristoteles die άρχαί nicht erschwere, daß Aristoteles in den zweiten Analytiken nur ihre formale Struktur
von vornherein im Blick hat und sie anderseits auch nicht abgeleitet werden können, thematisch behandelt. Wir beschränken uns im folgenden durchgehend auf die
kommt er zu ihnen nur vermittels (wenn auch nicht durch) επαγωγή (Anal. Post. Wissenschaft der Natur, obwohl im ersten Buch der Anal. Post, die mathematischen
B19). Zum Wesen dieser ausgezeichneten Are von επαγωγή und ihrem Verhältnis Wissenschaften eine exemplarische Rolle einnehmen. Doch ist die Konzeption des
zum νους vgl. Rqss, Anal. S. 47-51, Aristoteles von der Geometrie und

126 127
Gehen wir wieder vom Formalen aus, so muß die αιτία einerseits in der ersten: ken" (94a7f.) und ist daher ein συμβεβηκός καθεαυτό von „Wolken", aber damit ist
Prämisse das Subjekt des συμβεβηκός, anderseits in der zweiten Prämisse das seine notwendige Bindung an dieses ΰποκείμενον noch nicht erkannt. Diese ist erst
Prädikat des ΰποκείμενον sein. Sieht man zunächst vor! der ersten Prämisse ab, so durch das weitere συμβεβηκός gegeben, daß in den Wolken Feuer auslöscht (94a4)u.
kann die αιτία als Prädikat eines ΰποκείμενον gemäß den verschiedenen Weisen des Ebenso kann gefragt werden: Warum kommt dem Mond das συμβεβηκός Eklipse
ΰπάρχειν καθ-' αυτό entweder eine Gattung oder die spezifische Differenz (bzw. ciie zu?,s Antwort: Weil es ihm zukommt, daß die Erde (indem sie sich zwischen ihm und
ganze Definitiorti vgl. § 15) oder ein weiteres συμβεβηκός καθ-' αυτό sein. der Sonne befindet, 1044bl4f.) das Licht absperrt (9üal7f.).
Außerhalb dieser drei Möglichkeiten ist eine syllogis tische Begründung, ob Das sind jetzt alles Beispiele einer eigentlichen άπόδειξις, weil hier das
eigentlich oder uneigentlich, nicht denkbar. συμβεβηκός nicht nur auf einen speziellen Fall übertragen, sondern überhaupt erst in
Eine άπόδειξις, bei der das Vermittelnde eine Gattung ist, ist ζ. Β. folgende: „Das seinem Vorliegen begründet und mit seinem eigenen ΰποκείμενον vermittelt wird.
Rind hat mehrere Mägen, weil es zur Gattung der Hörnertiere (Wiederkäuer) gehört", Und die vermittelnde αιτία, die innerhalb des Schlusses formal als ein συμβεβηκός
in expliziter syilogistischer Form: „Weil (a) alle Hörnertiere mehrere Mägen haben fungiert, als ein weiterer „Umstand", in dem sich das ΰποκείμενον befindet1-', enthüllt
und (b) das Rind in die Gattung der Hörnertiere gehört, hat (c) das Rind mehrere sich jetzt in ihrem bestimmteren Wesen (wie aus den Beispielen zu ersehen ist) als
Mägen."10 Eine solche Folgerung entspricht zwar vollkommen der formalen syllo- eine Ursache des Entstehens und Heraustretens, als αρχή κινήσεως oder τέλος. Weil
gistischen Struktur, ist aber keine eigentliche άπόοειξις, weil in ihr das nämlich das Zum-Vorliegen-Kommen der Präsenz ein Heraustreten des Vorliegenden
„Vorhandensein mehrerer Mägen" lediglich vom Allgemeineren auf das Spezifische ist, sind diese άρχαι der γένεσις'(5. 78f.) die einzigen αίτίαι, die die eigentliche
übertragen wird, von dem es zwar noch κατά παντός, aber nicht καθ·' αυτό gesagt Vermittlung zwischen συμβεβηκός-Präsenz und zugrundeliegender Präsenz zu leisten
werden kann. In dem Rückgang zur Gattung der Hörnertiere gelangt man noch nicht vermögen.
zu der αιτία, die das συμβεβηκός an das ΰποκείμενον bindet, sondern erreicht Zugleich zeigt sich, daß das Problem einer notwendigen Einheit zwischen den
allererst innerhalb des ΰποκείμενον die Ebene, auf der ihm das συμβεβηκός als κα-ί)1 mannigfaltig zusammenvorliegenden Präsenzen, das sich zunächst auf die Frage nach
αυτό zukommt: das „Vorhandensein mehrerer Mägen" enthält nicht das „Rind", wohl der notwendigen Einheit zwischen dem jeweiligen συμβεβηκός und der
aber das „Hörnertier" in seiner Definition, da dieses den ganzen Bereich seines zugrundeliegenden ουσία reduziert hatte, innerhalb der Beantwortung dieser Frage
Vorliegens umfaßt. Erst jetzt kann daher die Frage nach der αίτια dieses Vorliegens, jetzt auch zu einem notwendigen Zusammenhang zwischen einem συμβεβηκός und
nach der Bindung an das ΰποκείμενον, gestellt werden. einem anderen συμβεβηκός führt. Dieser Wesensbezug zwischen συμβεβηκός und
So läßt sich also weiterfragen; „Warum hat ein Hörnerner mehrere Mägen?" συμβεβηκός, dem nun auch eine neue Bedeutung des καθ1 αυτό entspricht (73bl0ff.),
Aristoteles steigt jetzt zu keiner höheren Gattung auf, sondern antwortet: „Weil es hat aber gar keine Eigenständigkeit, sondern ist einzig auf die Zwiefältigkeit mit dem
kein vollständiges Gebiß hat" (und daher 2um Ersatz für die geringere Leistung des ΰποκείμενον orientiert; ein συμβεβηκός Β kann wesensmäßig (καθ' αυτό) zu einem
Mauis eine ausführlichere Verdauungstätigkeit im Magen benötigt) (98al7, 674b8ff.). συμβεβηκός Α nur so gehören, daß es der Grund ist (St* αυτό, 73bl0), weswegen das
Das Vermittelnde ist jetzt ein weiteres συμβεβηκός. Kommt das zu begründende Α dem durch Β bestimmten ΰποκείμενον zukommt13.
συμβεβηκός der ουσία selbst und nicht erst ihrer Gattung καθ-* αυτό zu, dann fällt
11
natürlich der vorgängige Rückgang auf ein Allgemeineres ganz weg, so bei den zwei Diese Erklärung des Donners wird nur als ein methodisches Beispiel
häufigsten Beispielen in Anal. Post. B, „Donner" und „Eklipse". „Donner" bedeutet gegeben und entspricht inhaltlich nicht Aristoteles' eigener Auffassung (vgl.
Meteor. 369al0rT., Joachim p. XXVIII Anm.)
„Lärm in Wol- 12
Aristoteles versteht dabei „Eklipse" spezifisch als Mondfinsternis und
sieht von der Eklipse der Sonne (89b26) ab, so daß es sich also auch hier um
Arithmetik als syllogistischen Wissenschaften heute noch ebenso ungeklärt wie seine ein καί)' αυτά handelt. Eklipse bedeutet „Ausbleiben des Lichtes beim Mond'1.
Iia
Vorstellung von der Naturwissenschaft in syilogistischer Form. Eine kurze und nicht Man darf sich nicht dadurch irritieren lassen, daß solche Vethältnisse wie das
weitreichende, aber sehr klare Darstellung der naturwissenschaftlichen Methode, wie der Eide zum Mond, indem sie ihm das Licht absperrt, mit der übtichen Vorstellung
sie sich aus den Analytiken entnehmen läßt findet sich bei Joachim in der Einleitung von dem, was ein συμβεβηκός ist, wenig zusammenzustimmen scheinen. Indem sie
zu seiner Ausgabe von De Gen. et Corc. ρ. ΧΧΠ-ΧΧΧ. jeweils als Umstände, Situationen, Verfassungen, in denen das ΰποκείμενον steht,
L
° Für die άπόΒειξις vermittels der Gattung vgl. Anal. Post. B14, 98alff. Zum verstanden werden können, lassen sie sich als αυμβεβηκότα begreifen, und als solche
Beispiel und seinen weiteren Aspekten, von denen wir im folgenden Gebrauch müssen sie begriffen werden, wenn alle Seins Verhältnisse als „τι κατά τινός"-
machen, vgl. außer B14, 98alo-19 auch De Part. Anim. 663b32ff., 074b5fF.,675a5f. Verhältnisse verstanden werden sollen.
ia
Daß auch dieses ««&' αώτώ einen Definirionsbczug einschließt, wird sich noch
zeigen (§ 17).

128 £> Tugendhat, ΤΙ κοτά nwlc 129


Daß aber das Vermittelnde zwischen συμβεβηκάς und ουσία in einer Mannigfaft von Teilen, sondern auf deren ganz bestimmte Charaktere,
eigentlichen άπόδειξις immer eine αιτία des Entstehens sein soll, könnte Beschaffenheiten usw., also auf eine Mannigfalt von συμβεβηκότα
zunächst befremden, da es sich hier doch um die Begründung einer angewiesen ist und daher in seiner Definition als das τέλος und d. h. die αρχή
notwendigen und somit zeitlosen Zwiefaltigkeit handelt. Aber erstens wird ihres Entstehens umgren2t ist (402b25ff., 1034a31f., 200a34f.). Diejenigen
(S. 124) in der άπόδειξις nicht immer das notwendige Zusammen Von C und συμβεβηκότα, auf die das τί ήν ε ναι in dieser Weise unmittelbar be20gen
Α erwiesen, sondern meist nur das notwendige Zusammen, wenn die αιτία ist (z. B. das Hörnerhaben), ergeben sich daher aus der spezifischen
gegeben ist (ζ. Β. der Mond ist immer in Eklipse, wenn die Erde Differenz bzw. der Definition der ουσία ebenso unmittelbar und notwendig
dazwischensteht). Die zweite Prämisse (die Zwiefaltigkeit zwischen der wie sich dann wiederum aus diesen, da sie selbst wieder αρχή κινήσεως oder
αιτία und dem ύποκείμενον) ist dann ohne Notwendigkeit. τέλος von anderem sind, Weitere συμβεβηκότα (wie ζ. Β, die
Zweitens ist aber das Vermittelnde auch dann eine άίτίά des Entstehens, Unvollständigkeit des Gebisses) ergeben. Indem sich somit die notwendigen
wenn es sich nicht um eine bloß relative Notwendigkeit handelt, sondern συμβεβηκότα der ουσία als die bestimmten Charaktere der ϋλη herausstellen,
auch die zweite Prämisse notwendig ist und die οϋαία gar nicht ohne das ohne die das ε δος nicht vorliegen könnte, fällt hier schließlich das Problem
συμβεβηκός vorliegen kann. Auch dann e n t s t e h t nämlich das συμβεβηκός der Einheit der mannigfaltigen Präsenzen mit dem Problem der Einheit
(ζ. Β. das Vorhandensein mehrerer Mägen) immer erst, aber es entsteht dann innerhalb der ουσία selbst zusammen. So werden also die συμβεβηκότα
g l e i c h z e i t i g mit der ουσία selbst. Die Notwendigkeit dieser durch ihre Bindung an das ε δος nicht der υλη — dem ursprünglichen
Zwiefaltigkeit muß dann durch eine solche αίτια des Entstehens vermittelt Medium ihres Zusarrimengekommenseins — ent2ogen, sondern diese wird
sein, die ihrerseits durch eine weitere αίτια des Entstehtns mit Notwendigkeit selbst im gleichen Maße wie sie und in eins mit ihnen dem Unbestimmten
an die ουσία gebunden ist und letztlich mit dem in der Definition bzw. entrissen und in das ε δος als dessen δύναμις aufgehoben.
spezifischen Differenz festgelegten Wesen der ουσία selbst zusammenfallt. Ist jetzt über die formale Struktur hinaus der konkrete Sinn der eigent-
So gründet 2. B. (98al6f., 664al ff.) die ,,Unvollständigkeit des Gebisses", aus lichen άπόδειξις sichtbar geworden, so wird nun auf der anderen Seite
der sich bei Hörner-treren die Notwendigkeit mehrerer Mägen ergab, fragwürdig; wieweit sich eine solche koextensiv-allgemeine Begründung
ihrerseits im Vorhandensein von Hörnern (denn „die Natur" muß das überhaupt noch in der Form eines Syllogismus vollziehen kann. Denn zu
Übermaß an fester Materie, das sie bei den Hörnern „verbraucht", dadurch diesem gehört es (S. 124), daß der Terminus medius nicht nur In der zweiten
ausgleichen, daß sie es den Zähnen entzieht, o64aiff.); und das Prämisse als Prädikat, sondern auch in der ersten Prämisse als Subjekt
„Vorhandensein von Hörnern" selbst ist dann die spezifische Differenz dieser fungiert. Von der Begründung vermittels der spezifischen Dif-feren2 bzw.
Tierart, bzw. es gründet seinerseits unmittelbar in dieser als seinem τέλος und Definition kann hier abgesehen werden11; wie kann aber das Vermittelnde,
έργον, wenn es ein συμβεβηκός ist, in der ersten Prämisse ein Subjekt sein, d. h.:
Damit ist aber zugleich sichtbar geworden, in welchem Zusammenhang wie kann von einem συμβεβηκός etwas anderes gesagt werden?
nun auch jene dritte Art des Vermittelnden notwendig wird, die zusammen Selbstverständlich nur so, daß es mit seinem ύποκείμενον bereits
mit der Gattung und dem συμβεβηκός alle Möglichkeiten der syllogistischen zusammengedacht wird; anders kann ein συμβεβηκός überhaupt nicht in den
Begründung umfassen mußte (S. 128): Die άπόδειξις vermittels der Blick gefaßt werden, Das Subjekt von Α in der ersten Prämisse ist dann also
spezifischen Differenz bzw. Definition ist nicht nur wie diejenige vermittels nie ein bloßes B, sondern immer schon ein ,,B von C". Die Eklipse ζ. Β. kann
des συμβεβηκός ' eine eigentliche άπόδειξις (da das Vermittelnde und gar nicht der „Absperrung durch die Erde" für sich zukommen, sondern nur
folglich auch das Vermittehe mit dem ύποκείμενον koexfensiv ist), sondern dem durch diese bestimmten ύποκείμενον, also dem Mond. Dann enthält
j e d e άπόδειξις von συμβεβηκότα, die nicht nur in relativer Notwendigkeit aber die erste Prämisse bereits den gan2en Schluß, und dieser wird somit
an die ουσία gebunden sind und folglich letztlich im Wesen der ουσία selbst hinfällig.
gründen, muß schließlich auf einen Schluß zurückgehen, in dessen zweiter ,In einem Schluß muß man in der ersten Prämisse Β mit Α zusammensehen
Prämisse die spezifische Differenz bzw. Definition von der ουσία prädiziert können, ohne auch schon C mitzudenken. Wie kann das geschehen, wenn Β
wird. Diese Prämisse ist nicht nur eine πρότασις άμεσος, sondern eine αρχή ein συμβεβηκός ist? Nur so, daß das ύποκείμενον von Β in der ersten
in dem erfüllten Sinn, daß sich aus ihr übet ihre eigene Zwiefaltigkeit hinaus Prämisse noch nicht das spezifische C ist, also 2. B,
durch immer weitere Vermittlung eine ganze Mannigfalt von notwendigen
συμβεβηκότα ergibt, weil das ε δος einer wahrnehmbaren ουσία als
11
einheitliches Vermögen zu einem έργον nicht nur überhaupt auf eine Denn sie kommt faktisch unter den Beispielen in den Analytiken nicht vor,
und ihr eigentümlicher Charakter wird nicht thematisch; auch bei ihr würde
sich aber, wenn auch nicht ganz so offens ich dich, die gleiche Situation wie
bei der Begründung vermittels des συμβφηκός ergeben,
130 9·
131
„Planeten flimmern nicht, weil sie nah sind" (78a4GL), in expliziter mtinere des ύποκείμενον, und dies geschieht in einem Syllogismus von der
syllogististher Form: „Leuchtende Gegenstände, die nah sind, flimmern Form, die bereits mit dem Planeteηberspiel vorgeführt wurde, also etwa:
nicht; Planeten sind ieuchtende Gegenstände, die nah sind; Planeten „Bei einem leuchtenden Körper, der von einem anderen sein Licht empfängt
flirrirnern nicht." In einem solchen Schluß ist das Vermittelnde also, f orirtäl (verallgemeinertes ύποκείμενον) geht, wenn ein dritter Körper sich
gesehen, gar kein συμβεβηκάς für sich., sondern das συμβε-βηκός des dazwischenstellt (verallgemeinerte αιτία), das Licht aus (verallgemeinertes
(gegenüber C) allgemeineren Ci, unter welches dann C in der zweiten ατυμβεβηκός); der Mond ist ein solcher Körper usw."
Prämisse subsumiert wird. Eine andere Form kann eine syl-logistische jede eigentliche Begründung vermittels einer EntstehungsUrsache muß
Begründung vermittels eines (ϊυμβεβηκός nicht haben. Nun ist aber ein also auf ein allgemeines Prinzip zurückgreifen, das formal die e r s t e
solcher Schluß offensichtlich gar keine eigentliche άπόδει* ξις in dem Sinn, Prämisse eines Schlusses ist15. Diese αρχή ist, wie sich jetzt zeigt, eigentlich
wie sie in Anal. Post. A4 (oben S. 126f.) verlangt wird. Zwar nennt er nicht nie eine bloße Zwiefältigkeit, sondern immer bereits „dreifältig", d, h. sie
nur, wie der Schluß vermittels der Gattung, ein allgemeineres ύποκείμενον, umfaßt immer schon selbst einen allgemeinen Begründungszusammenhang
sondern auch die αΕτία des Vorliegens der Präsenz (beim „Nicht-Flimmern" im Ganzen (x ist y, weil es ζ ist). Die koextensiv-allgemeine άπόίϊει,ξις ist
die „Nähe"), aber sowohl diese αιτία als auch die Präsenz sind allgemeiner also zwar erstens syllogistisch und begründet zweitens vermittels einer
als das ύποκείμενον (die Planeten), und der Schluß besteht lediglich in der EntstehungsUrsache, aber die αιτία des Heraustretens als das Vermittelnde
Übertragung auf ein Spezifischeres, von Präsenz und Vorliegendem fällt strenggenommen nie mit dem Terminus
Wenn aber auch mit der koextensiv- allgemeine η Begründung die Form medius des Syllogismus zusammen, doch wird diese Schwierigkeit bei
des Syllogismus durchbrochen wird, so muß doch auch diese eigentliche Aristoteles nirgends explizit.
Begründung auf ein Allgemeineres zurückgreifen und vollzieht sich dabei in In der zweiten Prämisse der koextensiv aligemeinen άπάδειξις wird dann
einem Syllogismus. Das wird sofort deutlich, wenn man sich die Art und die αΙτία gleichzeitig auch schon als diese ganz spezifische vorgestellt; ihr
Weise, in der eine solche Begründung vor sich geht, konkret Spezifisches ist dabei kein neues Element, das in den Syllogismus von außen
vergegenwärtigt: hereingebracht wird, sondern besteht einfach darin, das συμβεβηκος d ie s e s
Man steht ζ. Β. vor der zunächst unverständlichen Faktizität des ύποκείμενον (des Mondes) zu sein. Während im formalen Syllogismus diese
wiederholt vorkommenden Zusamenenvorliegens von Mond und Eklipse Spezifikation dem Vermittelnden äußerlich bleibt, wird es hier eigens als
und fragt nach dem Grund des Vorliegens von Eklipse, also nach dem dieses Spezifische vorgestellt und evtl. auch benannt („Erde"). Die formale
Umstand, der diese Präsenz an dieses ύποκείμενον bindet. Sie ist dabei in der Struktur des Syllogismus wird dabei durchbrochen, da ihr gemäß der
bestimmten Art, wie sie sich hier zeigt, ein spezifisches und also koextensiv Terminus medius in beiden Prämissen derselbe sein müßte.
allgemeines συμβεβηκός dieses ύποκείμενον, und daher muß ebenfalls eine Ebenso wird jetzt im Schlußsatz das begründete συμβεβηκός nicht mehr in
spezifische und koextensiv aligemeine αΧτία. gefunden werden. Wie kann seiner Allgemeinheit vorgestellt („Ausbleiben von Licht"), sondern zu dem
das aber geschehen? Es lassen sich unzählige ουμβε-βηκότα des Mondes zurückgekehrt, was es spezifisch ist („Eklipse"). Und auch hier wird das
auffinden; woher haben wir eine Richtlinie, wo wir suchen müssen und Spezifische nicht äußerlich in den Schluß hineingebracht oder nur das wieder
welches der vorgefundenen αΌμβεβηκότα wir als die αιτία erkennen herbeigeholt, was bei dem Rückgriff auf das Allgemeinere (und d. h. auf die
können? Wir müssen offenbar schon im allgemeinen wissen, was Ursache erste Prämisse des Schlusses) zurückgelassen wurde, sondern das
von dem sein kann, was sich hier zunächst ganz allgemein als „Ausbleiben Spezifische der Eklipse ist nichts anderes als das, was sich im Schluß selbst
von Licht" (93a23) ansprechen läßt; ein sonst leuchtender Körper von der entwickelt: die Eklipse ist spezifisch jenes Ausbleiben des Lichtes, das am
Art des Mondes kann sein Licht verlieren, etwa (93b5f.) weil er ausgelöscht Mond und auf Grund der Zwischenstellung der Erde vorkommt (90alo).
ist oder weil er sich gedreht hat und sdne leuchtende Seite abkehrt oder, Dann ist also das Spe-
wenn er sein Licht von anderswo empfängt, weil ein anderer Gegenstand
sich dazwischenstellt. Erst jetzt, da wir das Allgemeine der Präsenz und ihrer i(
So wurde ζ. Β. auch bei der Begründung des Vorhandenseins mehrerer
möglichen Ursachen im Blick haben, können wir unter den συμβεβηκότα des Mägen (S. 128) auf die allgemeine Regel zurückgegriffen, daß bei einem
Mondes die Zwischenstellung der Erde als die spezifische Ursache der Lebewesen die mangelhafte Leistung eines Organs durch eine erhöhte Lei-
Präsenz in ihrem spezifischen Vorliegen beim Mond erkennen. Die stung eines entsprechenden anderen Organs ausgeglichen werden muß; und
bei der Begründung der Unvollständigkeit des Gebisses (S. 130) auf die all-
Entdeckung des spezifischen und nicht ohne dieses bestimmte ύποκείμενον gemeine Regel, daß bei einem Lebewesen ein Material, das an einer Stelle
denkbaren Grundes ist also nur möglich in eins mit einem Rückgriff auf das übermäßig verbraucht wird, an einer anderen eingespart wird (vgl. Rosa,
Allgemeinere der Präsenz, das Allgemeinere der αιτία und das Allge- Aiial. S. 664).

132 133
zifische, 2u dem jetzt zurückgekehrt wird, gär nicht mehr dasselbe, von dem vor der Kapiteln Bl-10 thematisch. Weil nämlich das Wesen der Präsenz selbst von der
Begründung und dem Schluß ausgegangen wurde, bzw. vor der Begründung ist jenes Zwiefältigkeit mit dem Vorliegenden nicht unberührt bleibt, kann die begründende
Spezifische nicht nur noch nicht in der Notwendigkeit seines Zusammenvorliegens^ Wissenschaft, die nach dem διά τί Ιστι fragt, sich nicht nur neben die definitorische
mit seinem όποκείμενον, sondern nicht einmal in seinem eigenen spezifischen Wesen Wissenschaft stellen, die nach dem τί έστι fragt, sondern die άπόοειξις muß
erkannt gewesen, Öieses wird gerade erst in der Begründung seines Vorliegens, und schließlich auch den ορισμός in sich hineinziehen, die αίτια wird nicht nur für ein
d. h. zugleich im Durchgang durch das Allgemeinere, erfaßt. Vor der Begründung bestimmtes Fragen und Wissen, sondern für alles Fragen und Wissen entscheidend.
hatten wir lediglich eine formale Anzeige, was mit dem Wort „Eklipse" gemeint ist, Bereits beim Problem des λόγω χωριστόν (S, Ali., 109fT.) hatte sich vorläufig
nämlich „Ausbleiben des Lichtes beim Mond"; damit war also schon das spezifische gezeigt, wie die Präsenz, die ursprünglich das Anwesende schlechthin ist und dann
Phänomen am Mond intendiert, aber erst nachdem ganz vom Spezifischen abgesehen nur noch die eine Seite des Anwesens ausmacht, schließlich auch die andere Seite in
und auf die bloße allgemeine Bestimmung „Ausbleiben des Lichtes" zurückgegangen sich aufnehmen muß. Dieser Rückschlag des Zwiefältigen in das Wesen des
und dadurch die Entdeckung des spezifischen Vermittelnden ermöglicht worden ist, Einfachen wird nun in Anal. Post. Bl-10 ausdrückliches Thema.
kann jetzt gesagt werden, was die vorliegende Präsenz selbst spezifisch ist. Damit wird aber zugleich eine Brücke geschlagen vom Problem der συμβεβηκοτα
Hierin bekundet sich aber nun zugleich und über das Problem der syllogistischen zum Problem der ουσία. Denn wenn auch die ουσία ebenso wie die συμβεβηκοτα
Form hinaus die eigentliche Auszeichnung der koexten-siv allgemeinen άπόδειξις: zwiefältig vorliegt, so scheint sich doch wenigstens ihr Präsenzcharakter in, einem
weil bei einer solchen άπάδειξις die Präsenz dem ύποχείμενον κα&* αδτό zukommt Einfachen zu erschöpfen. Als άπόδειξις und ορισμός stehen sich daher nicht nur das
und weil sich in diesem Zusammen also ihr eigenes Wesen bestimmt, wird hier nicht Wissen von der vorliegenden Präsenz und das Wissen von der einfachen Präsenz
nur die Notwendigkeit des; Zusammen begründet, sondern gleichzeitig auch allererst innerhalb der übrigen Kategorien gegenüber, sondern zugleich auch das Wissen von
das Wesen der Präsenz seihst erkannt. Weil die Präsenz nur noch als Präsenz eines der vorliegenden Präsenz innerhalb der übrigen Kategorien und das Wissen von der
Vorliegenden, als συμβεβηκός eines ύποκείμενον gedacht wird, gehört 2u ihrem vorliegenden Präsenz innerhalb der ersten Kategorie. Daher ergibt sich in Anal. Post.
ορισμός nicht nur das ύποκείμενον, sondern zugleich dasjenige, was sie mit diesem Bl-10 aus der Vereinigung der „SLa τί''-Frage mit der „τί έστι''-Frage zugleich auch,
zusammenschließt, und der eigentliche ορισμός kann erst in eins mit der άπόδειξις daß die συμβεβηκοτα und die ουσία jetzt in einer einheitlichen Struktur begriffen
gegeben werden. Die Frage τί έστι kann man nicht mehr ohne die Frage Si* τί ίΰτ ι werden können, und so wie sich bei den συμβεβηκοτα das Wissen vom Zwiefältigen
stellen, zugleich als das Wissen eines Einfachen herausstellt, enthüllt sich bei der ουσία das
Wissen vom Einfachen zugleich als das Wissen eines Zwiefältigen,
Im ersten Kapitel von Anal. Post. Β wird zunächst alles mögliche Fragen und
Wissen in vier Arten unterschieden. Wir fragen entweder erstens nach dem Daß
(οτι), womit die Faktizität eines Zusammenvor-liegens gemeint ist, ζ. Β. von Mond
§ 17. Du Einheit von Begründung und Definition (Anal. Post. Β1-10) und Eklipse, und können dann, wenn wir das „Daß" wissen, zweitens nach dem
Warum fragen (διότι). Oder wir können drittens nach dem Ob (ει εστίν) fragen,
MitderHerausarbeitung einer begründenden Wissenschaft als επιστήμη nämlich ob es etwas überhaupt gibt, ζ. Β. „Kentaur", und können dann, wenn wir
αποδεικτική ist es gelungen, das zwiefältig Anwesende (Präsenz-des-Vorliegenden)
Post, ein Frühwerk seien, die Behauptung aufstellt, die Apodeiklik gründe
jetzt auch als schlechthin Wahres (Notwendiges) und somit Wißbares zu denken. Das metaphysisch in der idecnlehre und passe nicht in Aristoteles' eigene Metaphysik,
Verhältnis dieser επιστήμη des Ζ wie-fältigen zum ορισμός, der als das Wissen von weil diese dem Allgemeinen das Sein abspreche {Log. u. Rhet. S. 91). Die übliche
der einfachen Präsenz bisher die einzige επιστήμη war1*, wird in den Zweiten naive Gegenüberstellung von Platon und Aristoteles an Hand des Schemas
„Allgemeines — Einzelnes" verdeckt das eigentliche ontologische Geschehen. Nicht
Analytiken in den nur daß das Allgemeine für Aristoteles nicht deswegen weniger wesentlich zu
werden braucht, weil es nicht mehr ein Selbständiges ist; sondern Aristoteles kommt,
" Bei Platon blieb alles Wissen (soweit es ontologisch fundiert war) auch noch indem er das Vorliegende als Vorliegendes in seinem Anwesen zu begreifen
dann, als bereif'ausdrücklich ein Mannigfaltiges mit aufgenommen wurde, und auch versucht, mit dem notwendigen 5 αυμβεβηκός gerade zu einem Allgemeinen, das
noch dann, als in diesem Wissen die Überbrückung des χωρισμός geleistet werden innerhalb der Ideenlehre noch gar nicht denkbar war.
sollte, defini torisch. Dagegen ist die επιστήμη αποδεικτική als die Wissenschaft der
συμβεβηκάτα einzig und allein auf dem Boden der aristotelischen Metaphysik
denkbar. Das muß betont werden gegenüber Solmsen, der zum Beweis für seine 135
Theorie, daß die Anal.

134
wissen, ob es ist, viertens danach fragen, was es ist (τί έσην). Von den vier ist der Grund (αίτιον), in allem Fragen aber wird dieser gesucht. %. B.,steht
Fragen gehören also je zwei so zusammen^ daß jeweils die eine die Faktizität er in Eklipse?', (d. h.:) ,gibt es einen Grund oder nicht?' Daraufhin, wenn wir
;erfragt und damit der anderen den Weg bereitet. Wie die Frage nach dem wissen, daß es einen (Grund) gibt, suchen wir, was er ist. Denn der Grund,
Warum aus dem Vernehmen des Daß des Zusammen-seienden hervorgeht, nicht nach dieser oder jener Hinsicht zu sein, sondern schlechthin die ουσία,
ist bereits gezeigt worden (S. 123). Schwieriger ist es, 211 verstehen, oder auch dessen, was nicht schlechthin ist, sondern ein καθ-' αυτό oder κατά
inwiefern auch die Frage nach dem τί e<m und d. h. (93al9f.) nach dem τί ήν συμβεβηκός, ist das Vermittelnde. Mit dem schlechthin Seienden meine ich
ε ναι einer Präsenz erst auf Grund der Kenntnis ihrer Faktizität möglich sein das ΰποκείμενον, so wie Mond oder Erde oder Sonne oder Dreieck, mit dem
soll. Diese Faktizität einer Präsenz selbst meint jenes £<m, das von der ,nach einer bestimmten Hinsicht' ζ. Β. Eklipse, Gleichheit, Ungleichheit, ob
Präsenz aussagt, daß sie seiend ist, und d. h, bei jeder außer der göttlichen (die Erde) dazwischen ist oder nicht. . ."
Präsenz: daß sie vorliegt (S. 44, 46)". Weil nun die „τί έστι''-Frage, die Nach verschiedenen Richtungen werden hier die im ersten Kapitel
wesensmäßig anE ein Einfaches gerichtet ist, erst auf das ει ίοχι folgen soll, gezogenen Trennungslinien durchbrochen. Erstens wird die Unterscheidung
wird sie im ersten Kapitel auf dasjenige beschränkt, was auch als der Faktizität der ersten und der übrigen Kategorien durch „Daß" und „Ob"
Vorliegendes einfach ist. Die übrigen Kategorien werden daher aus dieser aufgegeben und durch ,.teilweises" und „schlecht-hinniges" Daß bzw, Ob
Frage ausdrück-sich ausgeschlossen (89b33). Bei ihnen kann nur das Warum ersetzt10. Auch die Faktizität eines Zusammen-vorliegens (also das Daß) ist
ihres Zu-samrnenvorliegens erfragt werden. A l l e s Fragen und Wissen nämlich zugleich Faktizität der einfachen Präsenzen, nur daß das
bezieht sich somit auf die Präsenz als vorliegende. ύποκείμενον sich dabei nicht als solches und schlechthin, sondern nur nach
Die Unterscheidung der vier Arten des Fragens im ersten Kapitel, von einer bestimmten Hinsicht und „teilweise" präsentiert20. Und umgekehrt ist
denfcn jedes Paar von dem anderen Paar getrennt zu sein scheint, hat nur den die Faktizität der einfachen Präsenz der ουσία ebenfalls Faktizität eines
Zweck, ihre Vereinheitlichung vorzubereiten, die nun im zweiten Kapitel Zusammenvorliegens. Das wird nicht ausdrücklich gesagt, ist aber in der
durchgeführt wird. Dieses ist mit seiner kühnen und einmaligen weiteren Behauptung enthalten, daß das Fragen in beiden Fällen auf ein
Zusammenfassung aller hier mitspielenden Bezüge das zentrale Kapitel der Vermittelndes gerichtet sein soll.
ganzen Reihe und bildet trotz seiner geradezu trocken wirkenden Nach einer weiteren Hinsicht werden dann die" im ersten Kapitel
Schlichtheit einen Höhepunkt der aristotelischen Ontologie überhaupt18. Sein unterschiedenen Fragen zusammengebracht, indem nicht erst die Frage nach
erster Teil mag daher hier im ganzen angeführt dem Grund oder dem Was, sondern auch schon das vorbereitende Fragen
werden: nach der Faktizität ein Fragen nach dem Vermittelnden sein soll, nämlich
„Die Weisen des Suchens und, wenn wir gefunden haben, des Wissens nach seinem Daß. Damit wird zum Ausdruck gebracht, daß das Wissen von
sind also von solcher Art und Zahl (wie im 1. Kap. angegeben wurde). Wir der Faktizität gar nicht in sich ruhen kann, sondern unmittelbar in die Frage
suchen aber, wenn wir das Daß oder das schlechthinnige Ob suchen, ob es nach dem Grund übergeht: von vornherein wird die Notwendigkeit eines
davon ein Vermittelndes (μέσον) gibt oder nicht; haben wir das Daß oder das solchen auch schon im Fragen nach der'Faktizität in den BÜck gefaßt. Alles
Ob erkannt, sei es das teilweise (επί μέρους) oder das schlechthinnige Fragen sucht also entweder nach dem Daß oder nach dem Was eines
(απλώς), und suchen wir nach dem Warum oder .Was es ist', dann fragen Vermittelnden (90a5f.), und so kann Aristoteles an späterer Stelle des
wir, was das Vermittelnde ist. Mit dem teilweisen und dem schlechthin igen Kapitels alle vier Fragen in eins zusammenfassen, indem er sagt; „Das Fragen
Daß meine ich beim teilweisen z.B.,ob der Mond in Eklipse ist oder ob er geht auf das Vermittelnde" (90a24).
zunimmt; dabei fragen wir nämlich, ob etwas nach einer bestimmten So sind jetzt die Grenzen durchbrochen sowohl zwischen den beiden
Hinsicht ist oder nicht ist; schlechthin aber ζ. Β., ob der Mond ist oder nicht vorbereitenden Fragen unter sich als auch zwischen den vorbereitenden
ist, oder die Nacht. Es ergibt sich also, daß in allem Fragen entweder gefragt
wird, ob es ein Vermittelndes gibt oder was das Vermittelnde ist. Denn das " In den folgenden Kapiteln werden dann „Daß" und „Ob" durchweg
Vermittelnde auswechselbar
!0
gebraucht.
Hier zeigt sich ein weiterer Unterschied dieser Faktizität von der „exi-
" Der spätere Begriff der existentia ist aus mehreren Gründen fernzu- stentia". Von einer teilweisen Faktizität zu sprechen hätte keinen Sinn, wenn
damit nur das Vorliegen der Präsenz gemeint wäre; denn diese ist davon ganz
halten, zunächst schon deswegen, weil es sich hier nicht um die Paktiüität betroffen. Was hier nur teilweise „ist", ist vielmehr das Sich-Präsen-tieren des
eines Einzelnen handelt, sondern um die Faktizität des Vorliegens einer Frä- ΰποκείμενον; mit dem „existenzialen" Ist denkt Aristoteles nicht nur das „es
sern: im ^Allgemeinen, und weil der „essentia" die „existentia" äußerlich ist, liegt vor" einer Präsenz, sondern das „es präsentiert sich" des Vorliegenden
während
11
hier das Was im Daß erst gründen soll. Vgl. auch S. 137 Anm, 20. (ausdrücklich in Met. H2, 1042b25-1043a4).
Man wird ohne Übertreibung sagen können, daß das Kapitel bisher über-
haupt nicht verstanden wurde. Vgl. unten S, 143 Anm. 24.
137
136
und den folgenden Fragen. Wie steht es mit diesen selbst? In b e i d e n wird sowenig von der άπόδειξις selbst geleistet werden, als jeder Erweis, daß C Α
nach einem Vermittelnden und d. h. nach einem Grund gefragt. Für die οιίσία ist, den ορισμός von C und von Α vielmehr schon voraussetzen muß
ist das zunächst eine Behauptung. Und nun behauptet Aristoteles in dem auf (90b31f.).
das oben wtedergegebene Stück unmittelbar folgenden Satz weiter, in beiden Die folgenden Kapitel 4-6 erörtern und widerlegen verschiedene
werde mit dem Grund des Zusammen-vorliegens zugleich das τί έστι der Scheinmöglichkeiten, das τί ήν ε ναι vermittels eines Schlusses abzuleiten.
Präsenz genannt: „In allen diesen Fragen ist es klar, daß das τί έστι und das Sie können hier übergangen werden. Erst in B7 wird die eigentliche
Sta τί έστι dasselbe sind" (90al4f.). Und noch einmal zusammenfassend am Problematik weitergeführt, indem die Unzulänglichkeit des in B3 in den
Ende des Kapitels: „Wie wir also sagen, das Wissen des τι έστιν und des δια Blick gefaßten ορισμός gezeigt wird.
τί έ'στιν ist dasselbe, und dies entweder schlechthin und nicht von einem Das frühere Kapitel wird jetzt (92a34ff.) gleichsam beim Wort ge-
υπάρχον (also von einer ουσία) oder von den υπάρχοντα*' (a31 f.). nommen: der ορισμός, so hieß es in B3, soll etwas aufzeigen. Aufzeigen aber
Im Gegensatz zum ersten Kapitel soll jetzt also auch bei den υπάρχοντα, bei kann man nur ein Seiendes. Dasselbe liegt in der Frage τί έστιν (92b4 ff.). In
den übrigen Kategorien, ein τί έστι möglich sein, dieses aber gerade im Warum ihr wird nach dem τί έστιν eines 6v gefragt; dieses Öv muß dabei irgendwie
selbst gesucht werden. Und auf der anderen Seite soll auch die „τί έστι"-Frage gegeben, also in seinem 8τι έστι bekannt sein. „Wie kann man das τί έστι
bei der ουσία ein Zusammenliegendes vor sich haben und sich in einer αιτία aufzeigen? Nämlich der, der weiß, was Mensch oder irgend etwas anderes
erfüllen. Die Beispiele, die nun a 15-23 für den einen und für den anderen Fall ist, muß auch wissen, daß es ist. Denn vom Nicht seienden weiß niemand,
gegeben werden und die Lösung des ganzen Problems vorwegnehmen, was es ist; sondern (man weiß) was die Rede oder das Wort bedeutet
übergehen wir zunächst und halten uns auch im folgenden, dem eigentlichen (σημαίνει), wenn ich sage „Ziegenreh"21, was aber Ziegenreh ist, kann man
Anliegen von Anal. Post, Β1-10 entsprechend, primär an die υπάρχοντα. Das nicht wissen" (92b4ff.).
Problem der ουσία soll erst im § 18 an Hand von Met. 217 erörtert werden, Dieser Zusammenhang zwischen ορισμός und 6v ist nichts Neues, neu ist
und dann wird auf B2 noch einmal zurückzukommen sein. dabei nur der Sinn von Äv. Von vornherein war auch für Platon der ορισμός
Die eigentliche Klärung des Zusammenhanges zwischen τί έστι und Sta τί nicht etwa die semantische Festlegung einer Wortbedeutung, sondern das
Wissen der in sich selbigen und somit umgrenzten faktisch anwesenden
έστι wird erst in B8-10 gegeben und in den dazwischenliegenden Kapiteln
Sache selbst (6v). Für Aristoteles ist aber die Präsenz nicht mehr ohne
zunächst aporetisch vorbereitet. Das dritte Kapitel unterstreicht noch einmal
weiteres ein faktisch Seiendes. Wenn daher in der Topik das jeweils
das Ergebnis -des zweiten: „Daß alles Suchen ein Suchen nach dem
Definierte ein Öv genannt wird (S. 17), so doch nur auf dem Boden einer
Vermittelnden ist, ist also klar" (90a35f.), und geht dann zu der Aporie über,
Zweideutigkeit des Ov als Präsenz oder faktisch Seiendes. Jetzt hingegen soll
„ob es möglich ist, dasselbe nach derselben Hinsicht durch ορισμός und der ορισμός sich wieder so wie ursprünglich bei Platon nur auf das beziehen,
durch άπόδειξις zu wissen" (90b2f.), denn das ist es, was sich scheinbar was im eigentlichen Sinn „ist". Wenn aber der ορισμός wieder ein Wissen
ergeben müßte, wenn Grund .(δια τί έστιν) und Wesen- (τί έστιν) des Seienden sein soll, so muß er die Präsenz als vorliegende umgrenzen.
zusammenfallen. Das Kapitel kommt dann zu dem Ergebnis, daß es niemals Erst jet2t wird der bisherige ορισμός, der vom Vorliegen absieht, zur bloßen
vom Selben ορισμός und άπό-δειξις geben könne (91 a7 ff,). Die Argumente semantischen Worterklärung: er „gibt eine Bedeutung an, aber zeigt nicht
stehen teils auf dem Boden der bisherigen Trennung zwischen Einfachem auf" (σημαίνει μέν, δείκνυσι δ' oö, 93b39f.).
und Ζ wie fähigem, deren Einseitigkeit gerade überwunden werden soll; teils Es genügt aber auch nicht (92bl9ff.), wenn gleichzeitig mit dem ορισμός
sind sie aber auch für die neue Blickweise bindend und haben den Zweck, die auf Vorliegendes hingewiesen wird, das in dieser Präsenz steht. Sogar wenn
entgegengesetzte Einseitigkeit zu verhüten: die unkritische Vermischung von im ορισμός das ΰποκείμενον der definierten Präsenz genannt wird, ist er
Einfachem und Zwiefältigem. noch semantisch. In einem solchen ορισμός ist zwar das βτι'ίστι gegeben
άπόδειξις und ορισμός sind als Weisen des Wissens Weisen des Auf- (413al3), es wird aber nicht selbst aufgezeigt. Das Zusammen der Präsenz
zeigens und Kundtuns (δεικνύναι, 90b34, δηλοΰν 91 al), und ihre Zu- mit dem ΰποκείμενον ist in einem ορισμός wie „Eklipse ist das Ausbleiben
sammengehörigkeit oder Verschiedenheit bestimmt sich aus der Zu- des Lichtes beim Mond" zwar enthalten, aber dieses Zusammen ist nicht
sammengehörigkeit oder Verschiedenheit dessen, was sie aufzeigen selbst definiert und umrissen. Diese „landläufigen Definitionen" (92bl9)
(91al0£.). Jede άπόδειξις zeigt aber immer etwas von etwas (τί κατά τινός) „zeigen nicht, daß das in ihnen Gesagte möglich ist, und zeigen nicht, daß sie
und begründet, daß es ist oder nicht ist (90b33f., 91alf.); der ορισμός Definitionen von dem
hingegen sagt gar nicht etwas von einem anderen aus (90b34f.), et zeigt nicht
auf, daß etwas ist, sondern was es ist (91al). Dies kann " Ein Fabelwesen, vgl. Platon, Staat 488a.

138 139
(Vorliegenden) sind, wovon sie dies behaupten; vielmehr laßt sich immer zeigt jetzt, daß auch das vorläufige und unbegründete Daß nur so gegeben
fragen: Warum?'' (b23f,). „Auch de* Grund muß (in der Definition) sein kann, daß wir schon „etwas von der Sache selbst" (a22), von ihrem τί
mitenthalten sein und aufgezeigt werden" (413al5f.). έστι (a29), „haben". Denn als was wäre es sonst gegeben? So entspricht
Weil alsb der ορισμός das Wissen der einfachen Präsenz als eines L· sein unsere Kenntnis des Was jeweils der Weise, wie wir das Daß wissen (a28f.).
soll und zum öv wesens mäßig das Vorliegen gehört, kann sich auch die Jedes vorläufige Wissen vom Was, das nur „etwas vom τί έστι" hat, ist ein
Frage nach dem Was erst im Erkennen des Grundes erfüllen. So kann jetzt semantischer ορισμός, so daß sich der eigentliche ορισμός als Ergänzung und
Aristoteles am Anfang des achten Kapitels zur These von B2 zurückkehren: Vollendung des semantischen erweisen wird. Im semantischen ορισμός wird
„Dasselbe ist es, das-rl έστιζα wissen und den Grund des ει έστι" (93a4). Das die Präsenz entweder überhaupt ohne das υποκείμενο ν erklärt (ζ. Β. „Eklipse
begründende Aufzeigen der Faktizität vermitteis der αιτία geschieht jedoch in ist ein Ausbleiben von Licht", 93a23) oder das ΰποκείμενον wird genannt,
der άπόδειξις. Nun können aber nach B3 ορισμός und άπάδειξις nicht aber nicht die αιτία, ζ. Β, „Eklipse ist das Ausbleiben des Lichtes beim
zusammenfallen. Diese Auffassung ist zwar insofern überholt, als sich der in Mond", „Donner ist ein Lärm in den Wolken" (93a22L). Während der
B3 gemeinte ορισμός als eine bloß semantische Definition herausgestellt hat. vollständige ορισμός am Ende des Fragens steht, ermöglicht der semantische
Doch gilt es von jedem ορισμός überhaupt und wird auch in B7 mehrmals ορισμός, der schon das ΰποκείμενον, aber noch nicht die αιτία enthält, den
wiederholt, daß er niemals unmittelbar ein „Daß es ist" aussagen kann. Auch Anfang des Fragens.
wenn im ορισμός der Präsenz die Notwendigkeit ihres Vorliegens mitum- Soll überhaupt ein Fragen irgendeiner Art möglich sein, so muß das wie
grenzt wird, kann in ihm doch immer nur das ,,Was es ist" dieser Präsenz immer Befragte schon auf ein anderes (auf ein ΰποκείμενον) hin gesehen
selbst aufgezeigt werden und nicht die Faktizität ihres Zusammen-vorliegens. werden. Gefragt werden kann immer nur nach einem Zusammen; ein
Der ορισμός muß auch jetzt noch die Form haben: „A ist das und das", als Einfaches gibt einem Fragen überhaupt keinen Raum (1041a 10ff.). Fragen
Antwort auf die Frage: „Was ist A?", während jedes in einer άπόδειξις wir also erstens nach dem „Daß" bzw. „Ob", ζ. Β. ob es Eklipse gibt, so hat
erreichte Wissen die Form hat: „Cist A, weil es Β ist", als Antwort auf die diese Frage einen Sinn erst dann, wenn wir sie auf ein τί «ατά τινός bringen,
Frage: „Warum ist C A?" Wenn nun also der ορισμός die αιτία des wenn wir fragen, ob der Mond in Eklipse ist. Einen Sinn hat diese Frage aber
Vorliegens mitenthalten soll und diese nur in der άπό<5ειξις erreicht werden auch erst dann, wenn wir schon irgendein Wissen von dem haben, was
kann, der ορισμός aber nicht mit der άπόδειξις zusammenfallen darf, dann Eklipse ist, also eine semantische Definition. Fragen wir, ob der Mond in
scheint ein ορισμός überhaupt unmöglich zu sein und nur die bloße Eklipse ist, so fragen wir, ob beim Mond das Licht ausbleibt. Dieses erste τί
Worterklärung, der semantische ορισμός, übrigzubleiben. Ein Wissen vom τι έστι kann auch als ein erstes V er mir te In des zwischen „Mond" und
έστιν wäre dann ausgeschlossen (92b37f.). „Eklipse" angesehen werden, mit Hilfe dessen ihr Zusammen aber noch nicht
Dieses negative Ergebnis von B7 führt unmittelbar zu der Losung, die in begründet, sondern n|ir erst (vermittels der Wahrnehmung) in seiner
B8 gegeben wird. Der ορισμός darf weder unabhängig von der άποδειξις Faktizität festgestellt wetden kann: der Mond ist in Eklipse, „weil" ihm das
noch mit dieser identisch sein: also muß er, wenn er dennoch möglich sein Licht fehlt (vgl. 93a31-b2). Aristoteles nennt dahet den semantischen
soll, mit der άπόδειξις zusammen ein einheitliches Wissensgefüge bilden ορισμός auch den ορισμός, der lediglich das Daß kundtut (413al3).
können. Und indem jetzt auch dem semantischen ορισμός eine eigene und Haben wir das Daß festgestellt, so ist damit erst der Boden für das zweite
notwendige Funktion in diesem Ganzen zuerkannt wird, gelingt es, einen und eigentliche Stadium des Ftagens erreicht. Mit dem bloßen Daß Ist nicht
den Grund des Vorliegens mitumgreifenden ορισμός aufzustellen und auch schon das Warum offenbar, mit der semantischen Definition nicht auch
dennoch allen in B3 erhobenen Bedenken Genüge zu tun. schon das Was (93b2f.). Wir fragen also weiter: Warum ist Eklipse?, und d.
Atistoteies geht aus von den in B2 entwickelten Gedanken: „Dasselbe ist h. zugleich: Was ist Eklipse? Auch diese Fragen haben einen Sinn nur, wenn
es, das τί έστι zu wissen und den Grund des et lern" (93a4). ,,So wie wir das das Befragte sich in ein Zwiefältiges auseinanderlegen läßt und nach seinem
Warum suchen, wenn wir bereits das Daß haben, ' manchmal auch beides Vermittelnden gefragt wird. Ohne weiteres ist das nur bei der Warum-Frage
zugleich offenkundig wird, das Warum aber unmöglich vor dem Daß erkannt möglich, und die Frage nach dem Was kann also nur auf dem Wege über die
werden kann, ebenso kann offenbar auch das τί ήν ε ναι nicht ohne das Daß Frage nach dem Warum zu einer Antwort kommen:
sein" (aloff.). Das wird jetzt aber noch dahingehend ergänzt, daß auch das DiefFfage: „Warum ist Eklipse?", knüpft unmittelbar an die Antwort auf
Daß nicht ohne das Was gewußt werderf kann. Schon in B2 ist deutlich die Frage nach dem Daß an: „Der Mond ist in Eklipse." Warum ist der Mond
geworden, daß es das Daß selbst ist,jwas sich im Warum und im Was erfüllt, in Eklipse? Die Antwort vollzieht sich in einer άπάδειξις, die ebenso wie die
und Aristoteles Frage nach dem Daß die semantische Definition voraus-

140 ...* 141


setzt und damit der Forderung von B3 entspricht. Der Schlußsatz, der zu begründen kundig im Durchgang durch συλλογισμός und άπόδειξις. Also kann man das τί έστιν,
ist L „Der Mond ist in Eklipse", bedeutet soviel wie; „Dem Mond fehlt Licht." In ihm dessen Grund in etwas anderem liegt, einerseits nicht ohne άπόδειξις erkennen,
befinden sich also in anderer Anordnung genau die Termini, die auch der anderseits ist das Wissen davon nicht die άπόδειξις" (93bl6ff.).
semantische ορισμός enthält, und Aristoteles nennt daher den semantischen ορισμός Was bedeutet hier aber die Einschränkung „das τί έστιν, dessen Grund in etwas
mitunter geradezu den „Schlußsatz': der άπήδειξις (94a8f., 75b32, 413ato)ii!. anderem liegt"? Aristoteles gibt dazu folgende Erklärung (93b21 ff.): „Von manchem
Und so ermöglicht die αΕτία, durch die der Schlußsatz (das Daß) in der άπόδειξις liegt der Grund in etwas anderem, von manchem aber nicht, so daß es klar ist, daß
vermittelt -wird, zugleich die Vermittlung der Glieder des semantischen ορισμός und auch von den τί έστι manche unvermittelt und άρχαί sind, die sowohl hinsichtlich
damit seine Vollendung zum eigentlichen ορισμός. Fragen wir: „Warum ist der Mond ihres Daß als auch ihres Was vorausgesetzt oder auf eine andere Weise offenkundig
in Eklipse, bzw. warum fehlt ihm das Licht?", so ist die Antwort; „Weil die Erde das gemacht werden müssen. Was auch der Arithmetiker tut: er setzt voraus sowohl was
Licht absperrt," Fragen wir; „Was ist Eklipse, was heißt fehlendes Licht beim die arithmetische Einheit ist, als auch daß sie ist." Auch hier ist das Was nicht vor
Mond?", so ist die Antwort: „Absperrung durch die Erde." Mitunter nennt Aristoteles dem Daß gegeben, aber beide sind gleichzeitig und mit einem Schlag erkannt; ein
dieses Vermittelnde geradezu den ορισμός (93b6L, 99a21 f.); „Die Eklipse ist Fragen und Suchen gibt es nicht. Was für Wesenheiten sind hier gemeint? Das bleibt
Absperrung durch die Erde" (93b7). Genauer gesehen, ist es aber nur das vorher so dunkel, wie es letztlich die aristotelische Auffassung von den άρχαί überhaupt ist.
fehlende Moment des ganzen ορισμός, und der vollständige ορισμός ist der durch das Man könnte an die ουσία denken, die mit ihrer Definition die unvermittelte Prämisse
Vermittelnde ergänzte semantische ορισμός. Die Antwort auf die Frage; „Was ist eines Schlusses bilden kann (90b24f.; oben S. 130). Dann gäbe es die Möglichkeit
Eklipse?", ist jetzt: „Das Ausbleiben des Lichtes beim Mond auf Grund der Ab- einer Begründung und begründenden Definition nur bei den συμβεβηκόταia.
sperrung durch die Erde" (90alü), oder auf die Frage: „Was ist Donner?" — ;,Der Inzwischen ist jedoch in B2 behauptet worden, daß die „τί έστι''-Frage auch bei der
durch auslöschendes Feuer verursachte Lärm in den Wolken" (94a5). ουσία auf ein Vermittelndes und einen Grund orientiert ist", und in B7 werden bei der
Weil die Präsenz j etat von vornherein auf ihr Vorliegen hin gesehen wird und Forderung nach einer den Grund des Vorliegens enthaltenden Definition gerade
auch schon in der semantischen Definition ihr ΰποκείμενον genannt ist, erfüllt sich Beispiele von οΰσίαι gebraucht (92b5, 7, 10, 16, 22). Ferner ist das hier genannte Bei-
der ορισμός erst in der Umgrenzung ihres Vorliegens und d. h in der αιτία. Daher spiel (arithmetische Einheit) nicht ein ε δος, sondern das γένος der betreffenden
kann der ορισμός jetzt nur in eins mit der άπόδειξις erreicht werden, d. h. aber nicht, Wissenschaft (vgl. Anal. Post. A10); ein solches γένος wird auch sonst von
daß er mit dieser zusammenfällt. Weder die Frage nach dem Was noch auch ihre Aristoteles als αρχή erklärt, dessen Daß sowohl als Was von der Wissenschaft
Beantwortung fallt mit der Frage nach dem Warum bzw. ihrer Beantwortung vorausgesetzt werden muß (vgl. 76a31 fF., bl2f.). Schließlich ist daran zu erinnern,
zusammen. Die άπάδειξις zeigt das διά τί des δτι ίστι des Zusammen-vorliegens von daß für Aristoteles ein Fragen nur möglich wird, wo ein zu vermittelndes Zwiefaltiges
υπάρχον und ΰποκείμενον vermittels des μέσον; der ορισμός zeigt das τί έστι des gegeben ist (S. 141). Soll es also bei der ουσία ein Fragen nach dem τί ήν ε ναι
υπάρχον vermittels des ΰποκείμενον und des μέσον (vgl. 90al5ff., 94a3ff.). Der geben können (und τί ήν ε ναι i s t eine Frageformel), dann muß auch hier eine
ορισμός zeigt nicht die Faktizität und zeigt nicht das Zusammenvorliegen auf, entsprechende Struktur der Vermittlung erkennbar sein.
sondern sagt nur, was die Präsenz selbst ist, enthält aber in anderer Anordnung
(&έσει διαφέρων, 94a2) alle Termini der άπόδειξις. „So ist es der gleiche λόγος, der " So Ross, Anal. S. 633.
nur auf andere Weise gesagt wird" (94a6f.), ** Für Ross ergibt sich daraus keine Schwierigkeit, weil· er diese Erklärung von
B2 ohnehin nicht ernst nimmt, sondern für ein „over-statement" (Anai. S. 76) halt
Damit äst die Aporie bez. des Verhältnisses zwischen ορισμός und άπόδειξις der und gänzlich unbegreiflich findet (S. 76, 61 IL). „He does not seem to have thought
συμβεβηκότα gelöst: „Einen συλλογισμός und eine άπόδειξις des τί έστιν gibt es out die irinplications of his view" (S. 612). Daß das nicht zutrifft, wird sich im
nicht, doch wird es (das τί έστιν) offen- folgenden Paragraphen zeigen. Die weitere Behauptung, Aristoteles habe in B2 gar
kein Beispiel für eine begründende Definition bei der ούιίία gegeben (S. 612), ist
,s falsch, denn das Beispiel „Akkord" (yOalSff, unten S. 149) ist ein Beispiel für eine
Das: ist ebenso ungenau wie die Behauptung, der semantische 6ρισμάς zeige das ουσία und nicht für ein συμβεβηχΰς, wie auch schon Waitz ad loc. richtig gesehen
Daß (S. 141), Das Daß wird vielmehr in dem Schlußsatz ausgesagt, der die gleichen hat.
Begriffe enthalt wie die semantische Definition, aber in anderer Anordnung, Di6
semantische Definition verhält sich zum Schlußsatz ebenso wie sich die eigentliche
Definition zur ganzen άπόδειξις verhalten ■wird.

142 143
§ 18. Begründung und Definition bei der ουσία; Grek^e nämlich, was mehrere Teile hat, deren Summe nicht wie ein Haufen ist, bei dem
vielmehr außer den Teilen ein Ganzes ist, gibt es einen Grund,,.. den Grund des
der aristotelischen Fragestellung und letzte Vorstöße Einsseins" (H6, 1045a8ff.)2ä.
Und dieser vereinigende Grund des aus mannigfaltigen Bestandteilen (στοιχεία,
Die Erörterung der αιτία der ουσία wird im Buch Ζ im siebzehnten und letzten 1041b 13) Zusammengesetzten (σύνθ-εταν, bll), der selbst kein weiterer Bestandteil
Kapitel durchgeführt und dann in den anschließenden Nachträgen des'Buches Η nach (b25f.), sondern nur das Prinzip (αρχή, b31) der Zusammensetzung (σύνθεσις,
mehreren Seiten ergänzt. ZI 7 zerfällt in zwei Teile: 104U1O-M1 und bl 1-33. 1043b6) ist, ist die Präsenz selbst (1041 b27 f.; vgl. oben S. 84,106). So ist hier im
Im ersten Teil wird das Problem zunächst in enger Anlehnung an die Struktur der Unterschied zur Begründung der συμβεβηκότα die Präsenz gerade das Vermittelnde.
Begründung bei den συμβεβηκοΐα entwickelt, wie sie aus den Analytiken bekannt ist. Und daher wird im ersten Teil von Z17 auf die Frage; „Warum ist das ein Haus?", die
Grund (αιτία) ist das, wonach mit einem „Warum?" (δια τί) gefragt wird (1041 alO). Antwort gegeben: „Weil das τί ή ν εΐναι von Haus vorliegt" (b6). „So daß also der
Diese Frage kann aber immer nur fragen, warum etwas etwas ist (τι κατά τινός), sie Grund der ίίλη gesucht wird, wodurch sie etwas ist. Das aber ist die ουσία. "(b7f.).
kann nur an ein Zwiefältiges gestellt werden, und dieses muß in seinem „Daß es ist" Indem damit die einfache Präsenz als das, als was sie bereits in den vorhergehenden
bereits offenbar sein (alOf., al5f., a23f.). Die Frage, warum etwas es selbst ist, ist Betrachtungen von Ζ erkannt wurde, als αρχή und αίτια, jetzt auch ausdrücklich vor
daher ohne Sinn (al4f„ al6ff., a21 f.). Die jeweilige Präsenz ermöglicht also eine den Blick tritt, gelangt die Leitfrage nach der πρώτη ουσία in ihr Ziel.
Warumfrage erst, wenn sie in der Zwiefältig-keit mit einem anderen als ihrem Wenn nun aber die Präsenz selbst das Vermittelnde ist, was ist es dann, womit das
υποκείμενο ν gesehen wird (alOf., a25f.). Auch die Frage: „Warum donnert es?", Vorliegende vermittelt wird? Sollte es hier etwa, wie die bisherigen Ausleger meinen,
meint eigentlich: „Warum entsteht ein Lärm in den Wolken?" (a24f.) mit dem Vermittelnden identisch sein, so daß „A ist C" damit begründet würde, daß
Wie ist es dann aber bei der ουσία ? Wenn sie angesprochen wird, wird nicht, wie es eben C ist? Eine solche Begründung würde jedoch nicht das Herausgetretensein
bei den paronymen Kategorien, zugleich ein anderes mitgenannt, sie liegt bloß als des Vorliegenden vermitteln, sondern nur platonisch an der Selbigkeit der einen Seite
Eines vor (bl), und so scheint es, daß hier die Warumfräge gar keinen Raum hat; der Zwiefältigkeit festhalten und sich also letztlich mit jener Begründung von etwas
daher ist der ουσία auch in Anal. Post. Bl zunächst nur die „τί έό-u"-Frage als es selbst durch sich selbst decken, die am Anfang des Kapitels für sinnlos erklärt
zugeordnet worden. Und doch wird auch diese ausgezeichnete Präsenz von einem wurde (104tal6ff.).
υποκείμενων gesagt (nur daß dieses nicht eine weitere Präsenz, sondern ΰλη ist, b5) Nur weil das ύποκείμενον noch gar nicht Eines ist, ist hier die Präsenz selbst das
und enthält daher, wenn auch verborgenerweise (λανθάνει, a32), eine Zwiefältigkeit, Vermittelnde; und eben deswegen ist nun auch das, womit das Vorliegende vermittelt
die immer erst eigens auseinandergelegt werden muß (διορίζεις διαρθ-ρώσαι), bevor wird, nicht die Präsenz, sondern ist das Vorliegende selbst als Seiendes und Eines.
ein Fragen überhaupt ansetzen kann (a32-b4). Und dann kann gefragt werden, Weil das Heraustreten, das hier begründet wird, nicht wie bei den συμβεβηκότα ein
„warum die ΰλη etwas ist" (b5), also z. B.: „Warum ist das, etwa Ziegel und Steine, bloßes Hinübertreten in eine weitere Bestimmung ist, bei dem das Vorüegende sich
ein Haus?" 026 f.) selbst gerade zurückhält, sondern die auf die Präsenz zugespannte Versammlung des
Gibt es somit auch bei der oitfia eine Warumfrage, und entspricht sie in ihrer ganzen mannigfaltig Vorhegenden selbst (vgl. S. 85 f.), deshalb ist das, womit das
formalen Struktur der Warumfrage bei den συμβεβηκότα, indem auch sie nach dem Vorliegende hier vermittelt wird, nicht das ε δος (ενέργεια), sondern sein eigenes
Vermittelnden eines zwiefältig Anwesenden sucht, so hat sie doch — wie nun im Gefügtsein in das ε δος, das σύνολον (ενεργεία ov). In H6 sagt es Aristoteles
zweiten Teil von ZI7 (1041bllff,) sichtbar wird — einen ganz anderen Sinn, und zwar ausdrücklich: „Denn nichts anderes ist der Grund, daß das, was δυνάμει Kugel ist,
aus demselben Grund, weswegen die Zwiefältigkeit hier nicht so offensichtlich ist. ενεργεία Kugel ist, als das τί ήν εΐναι" (1045a31 ff.)21. Das τί ήν
Denn da das Zugrundeliegende υλή ist, ist es noch gar nicht ein Etwas und Eines, das
mit einem anderen vermittelt werden könnte. Vielmehr ist es gerade sein eigenes Sei " Im Sinn dieses Satzes ist zweifellos auch das Anakoluth Z17, 1041bllf. zu
ergänzen.
η und Einssein, womit es vermittelt werden soll. Hier wird flicht nach dem Grund " Das überlieferte ΐχατέρω arn Ende dieses Satzes nimmt ihm jeden Sinn und ist zu
gefragt, warum etwas das oder jenes ist und mit ihm eins ist, sondern nach dem streichen. Es ist aus allen Parallfclsteilen in Z17 und Η zu ersehen, daß der Gtund des
Grund, warum es überhaupt ist und eines ist (1.041 b28, Anal. Post. 90a9f.). Was hier Heraustreten« des δυνάμει ίν in das ενεργείς δν die ενέργεια, das τί ήν ε ναι ist; von
einem eigenen und unterschiedenen τί Jjv ε ναι des δυνάμει ov und des ένκργεία 8ν
vereinigt werden muß, ist die Mannigfaltigkeit des Vorliegenden selbst. „Von allem ist nirgends die Rede und wate auch ein Widersinn; in dieser Verdopplung könnte es
gerade kein Vermittelndes sein.
144 |. ■
10 TugLindhn, ΤΙ κατά τίνΰς 145
elytti ist also mir Grund von dem, dessen eigenes τί ήν ε ναι es ist, abät dieses einheitlich durchgesetztΐ;. Daß sie aber in Z17 und auch sonst faktisch vorliegt, kann
reicht über das -r£ ήν eTWt selbst hinaus. Das ist der posttiVe Sinn der in Z10-11 nicht bezweifelt werden: Wenn in Z17 gesagt wird, das zunächst einfach Vorgestellte
herausgestellten Differenz zwischen τί ήν etvtji und Jeweiligem (S. 73 ff.). Sie ist die (etwa „Mensch", 1041 bl) muß erst in sich gegliedert werden, um befragt werden zu
Spannung zwischen Grund urid Begründetem. Nur weil das.; : ti ήν ε ναι des τάδε τι können (S. 144), so ist dieses einfach Benannte und einfach Vorgestellte, aber nicht
mit diesem nicht identisch und doch eins ist, kann es αίτια und αρχή einfach Seiende, das σύνολον. Und deswegen müßte auch in ZU, El usw. (S. Ulf.) das
sein, ,.!..:. jeweils Vorgegebene und mit Einem Namen Benannte als τόδε έν τφδε definiert
Daß in Ζ17 bei der/;f&age, warum etwas ein Haus, ein Mensch usw. ist, mit diesen werden (1036b23): der Name meint immer zunächst das σύνολον, und von diesem
Namen jeweils das σύνολον und nicht das ε δος gemeint ist, ist nur deswegen'nicht muß die unexplizit mitgemeinte ΰλη ausdrücklich gelöst werden, damit dann erst als
sogleich zu erkennen, weil der Name des allgemeinen σύνολον rhu dem Namen des Drittes und beide Vermittelndes das ε δος erkannt werden kann.
ε δος zusammenfällt (S. 112). Wo sich die Präsenz hingegen mit einem eigenen Und so wird jetzt nach einer ersten Hinsicht verständlich, was in AnaL Post. B2
unterscheidenden Namen bezeichnen läßt, wird die eigentliche Bedeutung der gemeint war, wenn behauptet wurde, daß auch bei der ουσία die,, τι έστι''-Frage erst
Warumfrage auch äußerlich sichtbar: „der Körper ist ein Tier, weil in ihm Seele ist". So auf dem Boden der Faktizi tat gestellt werden kann und mit einer ,,διά τί''-Frage
meint also der : Name, mit dem jeweils das Vorliegende angesprochen wird („das ist ein zusammenfällt (S. 138). Auch in ZI7 heißt es nicht nur, es sei, wenn man das
Haus, ein Tier usw."), gar nicht mehr das εΐδος. Wfeil die Präsenz jetzt nur noch als akla zunächst einfach Gegebene nicht gliedert, kein Fragen nach dem Grund möglich,
und ενέργεια gedacht wird, kann sie überhaupt nicht mehr als das verstanden werden, sondern überhaupt kein Fragen (1041 b2-4). Auch nach dem τί έστι kann man nur auf
was καθ' υποκειμένου gesagt wird. Daß das ε δος als Vereinheitlichendes in seiner dem Boden dieser Gliederung fragen (bl). Ebenso wie bei den συμβεβηκότα enthält
.Ζwiefältigke|t nur noch als έν ϋποκειμένω begriffen werden kann, ist bereits früher auch beim σύνολον die Definition die αιτία des Vorliegens des Definierten bzw. des
gezeigt worden (S. 86), doch mußte es dort z u g l e i c h auch nochmals καθ·' Heraustretens des Vorliegenden, und ebenso wie dort umfaßt sie auch hier in anderer
υποκειμένου erklärt werden, weil der jeweilige Name καθ-1 »ποκειμένου gesagt wird (S. Anordnung die gleichen Termini wie die Begründung: Warum ist ein (organischer)
86). Erst jetzt, da sich inzwischen gezeigt hat, daß der allgemeine Name auch das Körper ein Tier? Weil in ihm Seele ist. Was ist ein Tier? Seele in einem (organischen)
σύνολον als σύνολον bezeichnet (f. 112), kann erkannt werden, daß das καθ-' υπο- Körper28. Was das zunächst einfach angesetzte σύνολον ist, springt gerade dann
κειμένου Gesagte ütprhaupt nicht das ε δος, sondern das σύνολον (ενεργείς Gv) heraus, wenn gefragt wird, warum es faktisch vorliegt und d. h. warum sich eine ολη
meint, i'daß also das Ή κατά τινός gar nicht für die Zwiefältigkeit des δυνάμει ν mit als dieses ενεργεία 6ν präsentiert. Als was dabei die ΰλη genannt werden muß (ζ. Β.
der ενέργεια steht, sondern für die durch diese begründete Zwiefältigkeit mit dem organischer und so und so organischer Körper) wird dann erst durch das τί ήν εΐναί
ενεργείς ν. Dann kann aber der Name hicht nur auch das σύνολον bezeichnen (S. 112), bestimmt. Und indem dieses als τέλος das ganze Heraustreten des Vor-
sondern es ist geradefdas σύνολον, worauf sich der Name einer ουσία eigentlich bezieht:
man kann auch die ενέργεια (die Seele) „Tier" nennen (1043a34f.,i;4O3oal6f.), aber " Daher besteht auch unsere Erklärung (S. 8öf.), das ε δος sei einerseits έν
das ist nicht die eigentliche Bedeutungsintentiori des Wortes (vgl. 1036al6f./a24), ύποκειμένω, anderseits καθ-' υποκειμένου, trotzdem zu Recht. Aristoteles hat dem
das vielmehr das Ganze seihst und nicht das vereinheitlichende Prinzip des Gan-. zen ε δος das καθ' υποκειμένου nie ausdrücklich abgesprochen und nennt sogar die
ενέργεια mitunter ein κατηγοραύμενον (vgl. 1043a6).
meint. So wird also das ε δος durch die ενέργεια von seinem anfänglichen Welen, sä
Von einer άπαδειξις kann hier nicht gesprochen werden, weil nur eine solche
das einzig auf das schlechthinnige Vernehmen orientiert waf, so weit abgedrängt, daß Begründung syllogistisch ist, in der das Vermittelnde auch mit jeder Seite des
es schließlich sogar seine ursprüngliche Bedeutung (S. 10, 15) verliert, das von einem Zwiefältigen ohne die andere aus am mengesehen werden kann (S. 131), während
Wort unmittelbar Gemeinte zu sein. Indem diese Bedeutung jetzt auf das hier, sobald die ενέργεια im Blick steht, gleichzeitig und mit einem Schlag die beiden
anderen Termini mitgegeben sind. Wie weit aber die Analogie für Aristoteles reichen
σύνολον übergeht, zeigt sich, daß das, was bei dem Namen einer ουσία jeweils als Eines mußte, wird deutlich, wenn man bedenkt, daß auch die eigentliche Begründung bei
unmittelbar und einfach vorgestellt wird, gar nicht eigentlich einfach ist, sondern als den συμβεβηκύτα aus demselben Grund der Form des Syllogismus nicht ganz
Ganzes eine unbestimmte Mannigfaltigkeit unausd rück lieh in sich trägt. entspricht (S. 131 ff,) und von Aristoteles in den Beispielen immer mit denjenigen
:
Diese Verschiebung im Wesen der Präsenz vollzieht sich bei Aristoteles nicht Tetmini erläutert wird, die sich gerade nicht syllogisüsch anordnen lassen (so etwa,
wenn bei der Eklipse als Terminus medius die „Absperrung durch die Erde" genannt
mehr ganz ausdrücklich und hat sich natürlich auch nicht wird, Anal, Post. B8). άπάδειζις wäre dann schließlich der allgemeine Name für alles
vermittelnd-begründende Wissen eines Zwiefältigen, auch wenn sich dieses nicht
146 mehr in der Satz-Reihenfolge eines Schlusses niederschlagen kann.

10 · 147
liegenden dirigiert (S. 78f., 130f.), umgrenzt das Vermittelnde hier stoteles in Ho: „Was aber weder ύλη νοητή ηοΰηνίσ-Οητή hat, ist jedes
ebenso wie bei den συμβεβηκάτα das Vorliegen des Definierten. sogleich ein όπερ εν τι, so wie auch ein δπερ ν τι: das τάδε, das ποιόν, das
Dazu gehügt freilich nicht, daß das ε δος bloß mit einem Namen genannt ποσόν — daher wird auch weder das ov noch das ev in den Definitionen
wird (der ja gewöhnlich nur der des σύνολον ist), sondern es muß - genannt"0 ■—, und das τί ήν ε ναι (von ihnen) ist sogleich ein εν und ein
weittirgefragt werden, was nun auch das εΐδος ist. Erst das im αριθμοί ßv; deshalb gibt es bei keinem von diesen noch ein anderes, das der Grund
auseinandergelegte und explizierte εΐδος ist das τί ήν ε ναι. In dieser ihres Einsseins und ihres Seins wäre; von vornherein ist nämlich jedes ein
Definition der Präsenz selbst scheint nun aber doch eine „τί ecm"-Frage &v und ein έν" (1045a36ff.). Nur das schlechthin Einfache und
beantwortet zu werden ohne Zusammenhang mit einem δια τί. Dann wäre Ungegliederte steht also außerhalb des Bereiches der αίτια.
die Behauptung von Anal. Post. B2, auch im τί έστι der ουσία werde nach Vollzieht sich somit auch die Definition des εΐδος selbst als Begründung,
einem δια τί gefragt, nur für die Definition des σύνολον gültig, und es gäbe so ist doch die Zwiefältigkeit, die dabei vermittelt wird, nicht die
dann entgegen der dortigen und auch in Z17 anklingenden These ein Fragen, Zwiefältigkeit von Präsenz und Vorliegendem, sondern befindet sich
das nicht nach einem Vermittelnden eines Zwiefältigen sucht. innerhalb der Präsenz selbst. In Ana). Post. Β wurde jedoch ein
Und doch nimmt jetzt Aristoteles auch die Definition des εΐδος selbst, in begründender ορισμός gefordert, um die Präsenz als vorliegende zu
der es in Gattung und spezifisch« Differenz(en) auseinandergelegt wird, in umgrenzen (S. 139 f.). Wie das auch für die Definition des ε δος selbst und
den Bereich der αίτια hinein. Am Anfang der endgültigen Behandlung des nicht nur für die des σύνολον zu verstehen ist, läßt sich aus dem Beispiel
Problems der Mannigfaltigkeit innerhalb der Präsenz selbst (Hu) sagt ersehen, das Aristoteles für die begründende Definition der ούσίαίη Anal.
Aristoteles: bei allem, was mehrere Teile hat und dennoch ein Ganzes Post. B2 gibt und das wir bisher übergangen haben (S. 138). Es bilder den
ausmacht, muß nach dem Grund seines Einsseins gefragt werden, also auch eigentlichen Höhepunkt des Kapitels B2 und muß hier im Ganzen angeführt
beim ορισμός (1045a7ff.). Es ist schon bemerkt worden (S. 116), daß werden (90al8ff.)30: „(A) Was ist ein Akkord (συμφωνία) ? Ein
Aristoteles das Problem der Mehrfältigkeit der einfachen Präsenz selbst mit Zahlenverhältnis (λόγος αριθμών) in Hohem und Tiefem. (B) Warum steht
den Begriffen löst, die ihm aus der Zwiefältig-keit von Präsenz und das Hohe und Tiefe in einem Akkord? Weil das Hohe und Tiefe ein Zahlen
Vorliegendem erwachsen sind, und es wurde gezeigt (§ 15), wie die Gattung Verhältnis hat. - (C) Ist das Hohe und Tiefe in einem Akkord?: (D) Ist das
als δύναμις und die Differenz als ενέργεια verstanden werden können. Es ist Hohe und Tiefe in einem Zahlenverhältnis? (E) Haben wir erfaßt, daß es ist,
diese Analogie zwischen γένος-διαφορά-εΐδος und&Xr)^i8o;-iriw^ov,aus der (dann fragen wir:) was für ein Zahle η Verhältnis ist es?"
sich nun auch das Auftreten der αιτία wie von selbst ergibt. Aristoteles Hier wird in größter Konzentration der ganze Zusammenhang entfaltet.
erklärt in H6, daß überall, Wo ein δυνάμει ov in ein ενεργεία 8ν heraustritt, Der Akkord ist das σύνολον, das Zahlenverhältnis das ε δος als
also sowohl bei der Αλη. αίαθητή als auch bei der Gattung als det ίίλη νοητή, vereinheitlichendes Prinzip, „Hohes und Tiefes" die ίίλη. Der Anfang des
die ενέργεια die αιτία sei (I045al4ff., insbes. a30-35). Beispiels entspricht genau der Auffassung, die sich bereits : aus Met. Z17
Wenn demnach auch die Frage nach dem τί έστι des ε δος als Frage nach entnehmen ließ: Das σύνολον, zunächst als Einfaches angesetzt, wird in der
der αιτία einer Zwiefältigkeit zu denken ist, so muß sie die Form annehmen: Warumfrage in Zusammenhang zu seiner ίίλη gebracht, so daß als
„Warum ist das und das γένος das und das ε δος?", z.B. „Warum ist das Tier vermittelnde αίτια das ε δος herausspringen kann (B). Und dieses
ein Mensch?" (vgl. S. 118f.), und die Antwort ist ' die spezifische Differenz. zusammen mit der ίίλη bildet die Antwort auf die Frage, was das σύνολον ist
Die Frage muß diese Form annehmen, weil das jeweilige ε δος einem Fragen (A). Die Frage, ob es ist, kann, wie auch bei den συμβεβηκότα (S. 141),
erst dann einen Angriffspunkt bietet, wenn bereits etwas davon verstanden ebenfalls nur im Zusammenhang mit dem ϋτΕοκειμενον gestellt werden (C).
wird. So sagt Aristoteles in Anal. PostsiBS, die Frage: „Was ist der Mensch?", Diese Frage nach der Faktizität ließ
geht davon aus, daß er „irgendein Tier" ist (93a24, vgl. auch Z17, 1041a20f.).
Die spezifische Differenz als das Vermittelnde gibt dann an, was für ein Tier.
Ebenso werden nun auch die übergeordneten Gattungen definiert, mit ** Diese Bemerkung bezieht sich nicht, wie Ross ad loc. meint, auf die
Ausnahme det obersten, die, da sie keine weiteren Gattungen und und also Definitionen der obersten Gattungen, denn von diesen gibt es gar keine Definitionen,
sondern auf die Definitionen der εΕ8η: in der vollständigen Definition des εΐΒος
keine „ΰλη" enthalten, nicht mehr zwiefältig sind und folglich für ihre werden die spezifischen Differenzen bis hinauf zur obersten Gattung genannt; da
Einheit keine αίτια benötigen. Die obersten Gattungen der Kategorien diese selbst schon nichts anderes ais ein 6v und iv ist, brauchen öv und Iv im ύριαμός,
können daher hinsichtlich ihres τί εστί nicht befragt werden und haben obwohl sie* zu ihm gehören (da jede Präsenz ein so und so bestimmtes £v-iiv ist),
nicht genannt werden.
keinen ορισμός (Η3, !Ü43b30f.). Von ihnen sagt Ari- Μ Zur Erleichterung der Interpretation sind die einzelnen Sätze mit Buchstaben
bezeichnet.

148 149
sich bei d^n ατυμβεβηκότα nur mit Hilfe des semantischen ορισμός be- wird. Damit stellt sich die Definition des εΐδος selbst (seine Gliederung in
antworten^ der „etwas vom τί έατι" ist: er ist dabei ein erstes Ver Gattung und spezifische Differenz) in den Dienst der Frage nach der
mittelndes^ und die Frage kann auf ihn reduziert werden („ist Eklipse?" Definition des σύνολον und nach dem Heraustreten der ΰλη. Alles Fragen,
undd, h.: „Ist der Mond in Eklipse?", auf: „Bleibt beim Mond das Licht das sich auf die ουσία bezieht, geht aus von der Frage: „Warum ist diese ΰλη
aus?") (S: 141). Etwas Analoges vollzieht sich nun auch hier: Die das und das?" Alles Fragen und Wissen überhaupt bewegt sich nur noch
Frage: „Ist ein Akkord?" und d. h.: „Ist ein Akkord im Hohen und innerhalb der Zwiefältigkeit des Anwesens.
Tiefen?" (C), reduziert sich auf die Frage: „ist ein Zahlenverhültnis im Die Definition kann jetzt also nicht mehr das jeweils mit Einem Namen
Hohen und Tiefen?" (D), und dann erst wird gefragt, was für ein Benannte und einfach Vorgestellte ohne weiteres und sogleich von anderem
Zahlenverhältnis es ist (E). Mit „Zahlenverhältnis" war also das εΐδος unterscheiden. Was bisher als Einfaches und Präsenz von aller ΰλη frei zu
noch gar nicht erkannt, sondern nur ganz unbestimmt genannt: „Zah- sein schien (ζ. Β. „Akkord"), wird als σύνολον verstanden, und von diesem
lenverhäknis in Hohem und Tiefem" ist bloß „etwas vom τί έστι" von muß zuerst die unexplizit mitgemeinte ΰλη eigens ausgegliedert werden, bis
Akkord, ein semantischer ορισμός. Weil dieser aber das ΰποκείμενον be man zum eigentlich Einfachen gelangt, das jetzt ein Einfaches der ΰλη ist.
reits mitnennt, kann mit ihm die Faktizität erkannt werden, und zwar Als was dieses Einfache in der Definition erklärt wird, bestimmt sich nicht
nicht nur die des σύνολον, sondern in eins damit auch die des ε δος (D). mehr primär aus seinem negativen Verhältnis zu dem Mannigfaltigen, wovon
Und nach der eigentlichen Definition des εΐδος wird erst jetzt, auf dem es unterschieden wird, sondern aus dem positiven Verhältnis 2u dem
Boden dieser Faktizität seines zwiefältigen Vorliegens, gefragt (E), weil Mannigfaltigen, das es in sich versammelt. Genauso wie beim „Akkord"
nur im Zusammenhang mit der ΰλη das ganz bestimmte Zahlen Verhält verhält es sich auch bei den gleichteiligen Substanzen (S. 97). Fragt man ζ.
nis und d. h, die ganz bestimmte Regei der σύνθ-εσις des Mannigfaltigen Β. nach dem τί ijv ε ναι von „Erz" oder „Fleisch", dann kann nicht mehr
erkannt werden kann. Ebenso ist die Erklärung der Seele als εντελέχεια sogleich das bei diesen Namen Vorgestellte von anderem Vorgestellten nach
eines natürlichen Körpers mit dem Vermögen zum Leben (De Anirna irgendwelchen Hinsichten unterschieden werden, sondern zuerst müssen die
412a27f.) nur eine vorläufige Definition, da auch hier das εΐδος zwar hyletischen Bestandteile eigens herausgehoben sein, und die Definition
bereits in seiner Zwiefältigkeit mit der ΰλη im Blick steht, aber noch besteht dann in der Erkenntnis der bestimmten Regel ihrer σύνθ-εσις. Bei
nicht in der ganz bestimmten Struktur seines Vereinheitlichens erkannt einem όργανον hingegen (S. 100 f.), sei es ein Teil eines Lebewesens oder
ist. Daher erinnert Aristoteles in „De Anima" gerade nach dieser De ein Gebrauchsding des Menschen, geht die Definition ebenso wie dann auch
finition (413al3ff.) an den Unterschied zwischen semantischem und beim ganzen Lebewesen von seinem έργον aus (S. 113), so z. B. beim Haus:
begründendem ορισμός und leitet damit die konkrete Untersuchung „Obdach für Menschen und Dinge gegen Zerstörung durch Wind, Regen und
der Seele; ein. Auch hier läßt sich die Frage: „Ist ein Tier?" und d. h.: Hitze" (403b4f., 1043al6f.). Für sich allein wäre das aber noch ein
„Ist ein Körper ein Tier?", auf die Frage reduzieren: „Ist im Körper semantischer ορισμός, der sich zum vollständigen ορισμός erst durch die sich
eine Seele und d. h, ein Vermögen zum Leben?", und erst auf dem daraus ergebende bestimmte Anordnung der hyletischen Bestandteile
Boden dieser Faktizität und d. h. auf dem Boden der im semantischen entfaltet, ihr ώδι κεΐσθ-αι (1043a8, a32), das der bestimmten Proportion bei
ορισμός ausgespannten Zwiefältigkeit kann dann nach dem näheren den gleichteiligen Substanzen entspricht.
Wesen des ε δος gefragt werden, aus dem dann auch erst das nähere Die weiteren bestimmten Eigenschaften und Charaktere der ΰλη, ohne die
Wesen d«s σύνολον erkannt wird. l
sie nicht in das einheitliche Vermögen zu diesem έργον heraustreten kann,
Die Beantwortung der Frage: „Warum ist diese ύλη das und das?", kann werden dann zwar nicht in der Definition selbst genannt, aber müssen als
also nicht auf das vermittelnde ε δος als auf eine bereits feststehende . αυμβεβηκότα κα&' αυτά aus ihr gefolgert werden können (S. 130 f.). So muß
Wesenheit einfach zurückgreifen. Wenn das ε δος nicht nur nebenbei* also das ε δος, indem es als das Eine und die αρχή des hyletisch
sondern in seinem Wesen Grund des Heraustretens von Vorliegendem ist, Mannigfaltigen definiert wird, zugleich als das Eine und die αρχή (402b25)
kann es auch selbst nur als Vorliegendes und d. h. in der Zwiefältigkeit mit seiner mannigfaltigen notwendigen. Präsenzen umgrenzt sein, und jede
einer ΰλη definiert werden. Vollzieht sich somit auch die Definition des Definition, aus der sich nicht auch die συμβεβηκότα erkennen lassen, ist
ε δος ebenso wie die der αυμβεβηκότα und des σύνολον in der Vermittlung „leer" und „dialektisch" (402b25ff.). So wie man vor der eigentlichen
seiner Zwiefältigkeit mit dem Vorliegenden, so ist doch das Vermittelnde Definition erst die ΰλη eigens herauslösen muß, muß man auch die
jetzt nicht ein weiterer Grund, sondern lediglich die vollständige Entfaltung συμβεβηκάτα zuvor empirisch (κατά φαντασίαν) kennengelernt haben
seines eigenen gründenden Wesens. Die in Anal. Post. B2 und B7 geforderte (402b21 ff.), ja dieser Rückgang zu den συμβεβηκότ« und jener Rückgang
begründende Definitidn des Vorliegens bedeutet also beim ε δος nicht, daß zur ΰλη ist ein und derselbe (vgl. S. 131). Nicht nu c be-
es verm i t t e i s eines Grundes, sondern daß es nur noch als Grund definiert

150 151
sich bei d£n αυμβεβηκότα nur mit Hilfe des semantischen ορισμός be- wird. Damit stellt sich die Definition des εΐδος selbst (seine Gliederung in
antworten! der „etwas vom τι έστι" ist: er ist dabei ein erstes Vermitteln deSi Gattung und spezifische Differenz) in den Dienst der Frage nach der
und die Frage kann auf ihn reduziert werden („Ist Eklipse?" und d. h.: „Ist der Definition des σύνολον und nach dem Heraustreten der ΰλη. Alles Fragen,
Mond in Eklipse?", auf; „Bleibt beim Mond das Licht aus?") (£u 141). Etwas das sich auf die οΰαία bezieht, geht aus von der Frage: „Warum ist diese ΰλη
Analoges vollzieht sich nun auch hier: Die Frage: ,,lst ein Akkord?" und d. h.: das und das?" Alles Fragen und Wissen überhaupt bewegt sich nur noch
„Ist ein Akkord im Hohen und Tiefen?" (C), reduziert sich auf die Frage: „Ist innerhalb der Zwiefältigkeit des Anwesens.
ein Zahlenverhältnis im Hohen und Tiefen?" (D), und dann erst wird gefragt, Die Definition kann jetzt also nicht mehr das jeweils mit Einem Namen
was für ein Zahlenverhältnis es ist (E). Mit „ZahlenVerhältnis" war also das Benannte und einfach Vorgestellte ohne weiteres und sogleich von anderem
εΐδος noch gar nicht erkannt, sondern nur ganz unbestimmt genannt: „Zah- unterscheiden. Was bisher als Einfaches und Präsenz von aller ΰλη frei zu
lenverhältnis in Hohem und Tiefem" ist bloß „etwas vom τι έστι" von sein schien (ζ. Β. „Akkord"), wird als σύνολον verstanden, und von diesem
Akkord, ein semantischer ορισμός. Weil dieser aber das ΰποκείμενον bereits muß zuerst die unexplizit mitgemeinte υλη eigens ausgegliedert werden, bis
mitnennt, kann mit ihm die Faktizität erkannt werden, und zwar nicht nur die man zum eigentlich Einfachen gelangt, das jetzt ein Einfaches der ΰλη ist.
des σύνολον, sondern in eins damit auch die des ε δος (D). Und nach der Als was dieses Einfache in der Definition erklärt wird, bestimmt sich nicht
eigentlichen Definition des ε δος wird erst jetzt, auf dem Boden ditser mehr primär aus seinem negativen Verhältnis zu dem Mannigfaltigen, wovon
Faktizität seines zwiefäftigen Vorliegens, gefragt (E), weil nur im es unterschieden wird, sondern aus dem positiven Verhältnis zu dem
Zusammenhang mit der 6ληdas ganz bestimmte Zahlen Verhältnis und d. h. Mannigfaltigen, das es in sich versammelt. Genauso wie beim „Akkord"
die ganz bestimmte Regel der αύνθεσι,ς des Mannigfaltigen erkannt werden verhält es sich auch bei den gleichteiligen Substanzen (S. 97). Fragt man ζ.
kann. Ebenso ist die Erklärung der Seele als εντελέχεια eines natürlichen Β. nach dem τι ήν ει VOLL von „Erz" oder „Fleisch", dann kann nicht mehr
Körpers mit dem Vermögen zum Leben (De Anima 412a27f.) nur eine sogleich das bei diesen Namen Vorgestellte von anderem Vorgestellten nach
vorläufige Definition, da auch hier das ε δος zwar bereits in seiner irgendwelchen Hinsichten unterschieden werden, sondern zuerst müssen die
Zwiefältigkeit mit der υλη im Blick steht, aber noch nicht in der ganz hyletischen Bestandteile eigens herausgehoben sein, und die Definition
bestimmten Sttuktur seines Vereinheitlichens erkannt ist. Daher erinnert besteht dann in der Erkenntnis der bestimmten Regel ihrer σύνθεσις. Bei
Atistoteies in „De Anima" gerade nach dieser Definition (413al3fF.) an den einem όργανον hingegen (S. 100f.), sei es ein Teil eines Lebewesens oder ein
Unterschied zwischen semantischem und begründendem ορισμός und leitet Gebrauchsding des Menschen, geht die Definition ebenso wie dann auch
damit die konkrete Untersuchung der Seele ein. Auch hier läßt sich die Frage: beim ganzen Lebewesen von seinem έργον aus (S. 113), so ■z, B. beim
„Ist ein Tier?" und d. h.: „Ist ein Körper ein Tier?", auf die Frage reduzieren: Haus: „Obdach für Menschen und Dinge gegen Zerstörung durch Wind,
„Ist im Körper eine Seele und d. h. ein Vermögen zum Leben?", und erst auf Regen und Hitze" (403b4f., 1043alü£.). Für sich allein wäre das aber noch
dem Boden dieser Faktizität und d. h. auf dem Boden der im semantischen ein semantischer ορισμός, der sich zum vollständigen ορισμός erst durch die
ορισμός ausgespannten Zwiefältigkeit kann dann nach dem näheren Wesen sich daraus ergebende bestimmte Anordnung der hyletischen Bestandteile
des εΐδος gefragt werden, aus dem dann auch erst das nähere Wesen d«s entfaltet, ihr ώδϊ κεΐσ&αι (1043a8, a32), das der bestimmten Proportion bei
σύνολον erkannt wird. den gleichteiligen Substanzen entspricht.
Die Beantwortung der Frage: „Warum ist diese ΰλη das und das?", kann Die weiteren bestimmten Eigenschaften und Charaktere der ΰλη, ohne die
also nicht auf das vermittelnde ε δος als auf eine bereits feststehende sie nicht in das einheitliche Vermögen zu diesem έργον heraustreten kann,
Wesenheit einfach zurückgreifen. Wenn das εϊδος nicht nur nebenbei, werden dann zwar nicht in der Definition selbst genannt, aber müssen als
sondern in seinem Wesen Grund des Heraustretens von Vorliegendem ist, συμβεβηκάτα κα&' αυτά aus ihr gefolgert werden können (S. 130 f.). So
kann es auch selbst nur als Vorliegendes und d. h. in der Zwiefältigkeit mit muß also das ε δος, indem es als das Eine und die αρχή des hyletisch
einer ΰλη definiert werden. Vollzieht sich somit auch die Definition des Mannigfaltigen definiert wird, zugleich als das Eine und die αρχή (4Ö2b25)
ε δος ebenso wie die der συμβεβηκότα und des σύνολον in der Vermittlung seiner mannigfaltigen notwendigen. Präsenzen umgrenzt sein, und jede
setner Zwiefältigkeit mit dem Vorliegenden, so ist doch das Vermittelnde Definition, aus der sich nicht auch die συμβεβηκότα erkennen lassen, ist
jetzt nicht ein weiterer Grund, sondern lediglich die vollständige Entfaltung „leer" und „dialektisch" (402b25ff.). So wie man vor der eigentlichen
seines eigenen gründenden Wesens. Die in Anal. Post. B2 und B7 geforderte Definition erst die υλη eigens herauslösen muß, muß man auch die
begründende Definition des Vorliegens bedeutet also beim ε δος nicht, daß συμβεβηκότα zuvor empirisch (κατά φαντασίαν) kennengelernt haben
es verm i t t e l s eines Grundes, sondern daß es nur noch als Grund definiert (402b21 ff.), ja dieser Rückgang zu den συμβεβηκότα und jener Rückgang
zur υλη ist ein und derselbe (vgl. S. 131). Nicht nur be-

150 151
wegt sich alles Fragen und Wissen nur noch innerhalb einer Zwiefältigkeit nicht um das ontoiogische Problem, sondern um\iie konkreten Bedürfnisse
(S. 151), sbndern die beiden Seiten des zwiefaltig Anwesenden, die Zwte- und Möglichkeiten der Naturkunde geht, wird auch die Frage nicht mehr
fältigkeit innerhalb der ουσία und die Zwiefältigkeit zwischen οΰαία und aufgenommen, die in der „Metaphysik" als die eigentliche απορία des
Kategorien, deren Struktur sich bereits als analog erwiesen hat, bilden nun ορισμός herausgestellt worden war, aber nur für die bisherige Definition
darübier hinaus ein einheitliches-in sich verschränktes Gefüge. Dabei ist die gelöst wurde (§15): wie das Mannigfaltige innerhalb der Präsenz zusammen
Definition der ουσία in der Spannung zwischen semantischem und ein Einfaches bilden kann.
vollständigem ορισμός Ausgangs- und Endpunkt der ganzen Die Vielfalt von Bestimmungen innerhalb des εΐδος selbst bedeutet nicht,
Durchforschung des rnannigfaltigen Vorliegens des zweiseitig zwie- daß es nicht mehr einfach ist, sondern daß seine Einfachheit sich verwandelt
fäitigen τάδε τι. hat, indem es selbst nicht mehr als Bestimmung, als mit einem Wort
Diese Einordnung in die Verhältnisse des Vorliegens ist dem von Platon eindeutig greifbares und umgrenztes „so und nicht anders" (αληθές)
übernommenen ορισμός ursprünglich fremd und auch bei Aristoteles nur ein verstanden werden kann, und daher, wenn es noch auf eine Bestimmung
letzter Ausblick; wäre sie im einzelnen vollständig durchgeführt worden, gebracht werden soll, nur noch mit mehreren Bestimmungen (seinen
dann hätte sie den Rahmen der Definition über* haupt sprengen müssen. verschiedenen „Aspekten") zu fassen ist.
Denn wenn Aristoteles in der Metaphysik und den Analytiken auch weiterhin Entsprechend kann auch in den Definitionsbeispielen in der „Metaphysik",
und ganz selbstverständlich daran' festhält, daß das ε δος wesensmäßig sofern sie überhaupt den neuen Anforderungen gerecht zu werden versuchen,
definierbar ist, so. läßt sich doch bezweifeln, Öaß der δρισμός, dessen die σύνθεσις der δλΐ) immer nur als „so und so" (ώδί) gekennzeichnet
Gliederung in Gattung und Differenzen einzig in seiner ursprünglichen werden, z. B. „ein Haus so und so zusammengesetzte Ziegel und Hölzer"
Aufgabe gründet, der Selbigkeit (αλήθεια) eines einfach Wißbaren durch (1043a8f.), „ein Akkord so und so gemischtes Hohes und Tiefes" (alOf.)
Unterscheidung ansichtig und gewiß zu werden*1, auch den neuen usw. Wie sich die konkrete Entfaltung dieser Abbreviatur noch im Rahmen
Ansprüchen gewachsen ist. einer Definition halten kann, ist zu' verstehen, wo nur ein einfaches
Und so hat Aristoteles schließlich auch im zweiten und dritten Kapitel der mathematisches Verhältnis anzugeben ist wie beim „Akkord"; bei einem
wahrscheinlich sehr späten Abhandlung, die als erstes Buch von „De Partibus „Ungleichteiligen", z.B. einem Haus, läßt sich das „so und so" offenbar gar
Animalium" überliefert ist, eine Destruktion der Definition wenigstens für die nicht mehr mit bloßen Worten erklären.
Arten der Lebewesen tatsächlich durchgeführt. Die Lebewesen nehmen bei Das einfache Wesen des εϊδος als ενέργεια und αίτια der υλη erschöpft
der Definition insofern eine Sonderstellung ein, als sie sich nicht durch sich dann nicht nur nicht in seinem Umgrenztsein (S. 151), sondern ist
verschiedene Werke, sondern durch die Verschiedene Gestaltung und schließlich überhaupt nicht mehr ein schlechthin Wißbares, nicht nur weil es
Durchführung ein und desselben, in sich vielfältig strukturierten „Werkes'' in seinem einzelnen Vorliegen nicht unverlierbar gegenwärtig bleibt (S.
(des Lebens) unterscheiden. Eine Definition vermhteis einer obersten Gattung 107), sondern weil es bereits in seinem einfachen (allgemeinen) Gehalt kein
und einer eingliedrigen absteigenden Reihe von Differenzen kann aber nur schlechthin Bestimmtes und Selbiges ist. Das konnte nicht ausdrücklich
einen einzelnen Aspekt aus dem Gesamtgefüge des Tieres herausgreifen (ζ. werden, und Aristoteles mußte an der Definition festhalten, weil es keine
Β. die Beschaffenheit der Füße, 644a5ff.), während sich das Lebendige Möglichkeit gab, das Wesen eines Einfachen, das nicht άλη&ές-έπιστητόν
faktisch immer in. der ganzen Vielfältigkeit seiner Struktur modifiziert. Und ist, positiv zu denken. Wiederum erweist sich die άλήθ-εια, die ja als
so fordert Aristoteles jetzt, daß jede Art durch eine Mannigfalt von Selbigkeit nichts anderes als die „schlechthinnige Anwesenheit" (Präsenz) ist
gleichgeordneten (nicht untergeordneten) Differenzen bestimmt werde (vgl. (S, 57), als die Grenze, über die Aristoteles nicht endgültig hinausgehen
besonders 643M3, b24,644a5ff,). konnte. In seiner Unbekümmertheit um Systematik und Konsequenz hat er
Ausdrücklich wird hier nur die Unzulänglichkeit des bisherigen ορισμός das Problem der Einheit des Mannigfaltigen sich so weit entfalten lassen, bis
erwiesen. Doch stellt ihm Aristoteles auch keine neue Definition gegenüber. er ihm selbst nicht mehr folgen kann. Indem das mannigfaltig Vorliegende
Es bleibt offen, ob diese Mannigfalt von BestimmungenM überhaupt noch als Anwesendes gedacht und d. h. in eine einfache Präsenz aufgehoben wird,
eindeutig begrenzt ist und sich zu einem endgültig geschlossenen ορισμός muß das Einfache seinerseits so tief in das Unbestimmte hineingezogen
zusammenfassen läßt. Und da es hier werden, daß es sich nicht mehr als Präsenz erhalten kann. Das Sein als
Anwesenheit, aus dem ursprünglich alle Mannigfaltigkeit ausgeschlossen
11 war, wird in seinen Möglichkeiten bis zum Äußersten erweitert und
Für den Ursprung von δριαμός und ätaipeatq aus der Sicherung gegen das |eöM
schließlich überspannt.
vgl. Phaidr. 262a/b, Soph. 253dl f.
" Diese befinden sich noch diesseits der αυμβεβηκίτα καθ* αυτά, die weiterhin An dieser Grenze konnte daher auf der ganzen Linie der Problematik
von dem, was die oüatatselbst ausmacht, unterschieden werden (643a27 f.).
153
152
das bei Aristoteles selbst immer noch übet sie hinwegoszillierende Fragen STELLENREGISTER?
einfrieren dnd zum mdierbaren Lehrbestand werden. Wie darum die
äußersten Vorstöße, die Aristoteles unter dem Zwang der Sachen selbst
(άνΑγκαζομεγος άκολου&εΐν τοις φαιναμένοις, 986b31) über diese Grenfce Stellen, die nur als Delege für Wo «erklär Lirigen und zur Erläuterung des
hinaus unternommen hat, nicht mehr bemerkt wurden, so blieb nun auch der Sprachgebrauchs angeführt wurden, ohne damit etwas zu ihrem eigenen Ver-
lebendige Zusammenhang der Begriffe und Probleme innerhalb dieser ständnis beizutragen, sind in das Register nicht mit aufgenommen.
Grenze weitgehend verdeckt. Denn das eine wie das andere wird nur AnalyticaPosteriora Seite
sichtbar» wunu es der Auslegung gelingt, nicht bei den festen Resultaten
stehenzubleiben, in die sich das Denken mannigfaltig auskristallisiett hat, Ul-15 40 f. A3, 73al7f. 59A.
lal4f. 42 A4-5 126 f.
sondern die Grundfrage 2u erkennen, die es im ganzen und einheitlich in lalo-19 38 43 A4,73a28ff. 58
Atem hielt. Ia20-b9 39 73a34ff. 51 02
So hat sich der Begriff der Anwesenheit, sofern er nur exakt gefaßt, lbo-8 42 73a37f. 73b5ff 61
angemessen gegliedert und nicht isoliert von anderen ontologischen 73bl0ff. 52 53 67
Crundproblemen (insbesondere dem des Sv) behandelt wird, nicht nur in Categoriac Seite 73bl8ff. 129 65A.
lb25ff. 38 42f. A5,74b8f. A6, 65A.
allen Modifikationen immer wieder als Grundbestimmung des Seins
bestätigt, sondern für ein einheitliches Verständnis der inneren Bewegung des
2allff. 38 f. 74b5 ff. Ά7. 61 125 f.
2al9-34 40 41A. 75a42f. A8 50A.
aristotelischen Philosophierens al s schlechthin unentbehrlich etwiesen, da er 2b5f. 39 A8, 75b32 A10, 124
diesem Denken nicht bloß zugrunde liegt, sondern iri seiner Spannung 2b3Qf. 39 76a31ff. 76bllff. AI 142
zwischen „Präsenz" und „Vorliegen" diejenige einheitliche und umfassende 2b37f. 39 5, 79a35f. A22, 143
απορία bildet, die Aristoteles der Reihe nach zu allen seinen Begriffen und 3a7f. 38 83al-20 83a24ff. 50 A. 143
Problemen fortgetrieben und die ganze Ausbreitung dieses Denkens aus 3a33ff, 40f. 43A. 83a30ff. 83b10ff 126
ihrem eigenen Wesen heraus hervorgebracht hat. Und so läßt sich mit Hilfe 3bl0ff. 39 42 83bl7ff. 83b22f. 53 125A.
dieses Begriffs und dem des ϊν die gesamte ontologische Problematik des 3bl5ff. 39 104A. 84a7ff. 84al3f. 24 31 52 53 Π8
10a27ff. 40f. 43 A23, 84b28f. 52
Aristoteles in einer einzigen Konsequenz bruchlos verstehen und in der
12a39ff. 40 84b35ff. A30 53
Interpretation das Prinzip durchhalten, keinen neuen Schritt und keinen neuen
Begriff als verstanden gelten zu lassen, solange er nicht auf seine De Interpretatione A31 f 87b32f. A33 53 60
Bl 52
ontologische Bedeutung und Struktur hin durchsichtig geworden ist, also B2, 8%36-90al4
16bll 40A. 61A.
sowohl alle sachfremden äußerlichen Vorstellungen, wie z. B. 90a7 90a9f. Ol 62
17a8f. 57A.
,)Transzendenz" und „Immanenz", auszuschalten, als auch keinen einzigen 17al5f. 57A. 90al4f. 90a15 126
der sich erst in der aristotelischen Problematik selbst ergebenden 21b30f. 55A. ff. 126
Grundbegriffe als gegeben und an sich selbst verständlich vorauszusetzen. 22al3 55Α. 90A 61
Wie einheitlich und erschöpfend aber die griechische Ontologte von dem 58
Verständnis des Seins als Anwesenheit bestimmt ist, zeigt sich endlich daran, Analytica Priora 57 f.
daß die Anwesenheit nicht nur den Ausgangspunkt bildet und nicht nur selbst A37, 49aGf. 23 28 123 135f.
auch das über diesen Ausgangspunkt hinaustreibende Moment ist, sondern 136 ff. 147 f.
schließlich auch selbst die Grenze markiert, die dieses Denken nicht 12! 123
Analytica Posteriora 144
endgülüg überschreiten kann, ohne sich aufzugeben. Was es über sich A2;71b9rT. 123 f. 138
hinaustreibt und was es zurückhält, ist ein und dasselbe: die Frage nach der 71bl6ff, 125A. 120 142
Präsenz des Vorliegenden. 71b28f. 125
72a6ff. 125
A3 125
154 155
AnalyticaPosteriore Stite Physich Seite
AI.
D2, 90al6 133 142 A2 A9 31
90al7f. 129 A3 Γ8, 51A.
90al8ff. 143A. 149 f Δ1 60 C3
90ä24 137 Λ& Δ3 35A, 122
9Öa31 f. 138 AI 24 £. 78
B3 138f. A7 31
B3, 90b9f. 125 De Caelo 20
185a31f. 95A.
90bl6 16 186bl4f. 268
90b24 f. 143 a3ff 74A.
186b18ff. 100
B7 139f. 143 189a31f. .
B8 !:40ff. 278 86
B3, 93a24 1^8 al5f 113
190a36f. 111
93b5f. 132 f.
B9, 93b21ff. 143 307 114
A9
BIO, 93b35f. 57A. M8f 100
Bl
94a2-9 142 f. 95
191al0
B14,98alff. 128 86 87Λ.
192a3f.
98al6fF. 128 192bl9f. 123
De
B17,99a21f. 142 l(J2b21£. 64A.
Gener
B18,99bl4 125 64A.
atione
B19 126A. B2 64A.
et
B19, lOOblOf. 126 192b32ff. 131
Corru
100bl2 120 193b34ff. 113
ptione
I94a1 ff. 93A.
Topica
194al4f. A2, 93A.
A4, 101bl7ff. 59 194a34£. 316 93A.
194b9 a9 89
A5, 101b39 16
102al 16 18 A7, 20
102al8ff. 59A. B3. 323 18A.
194bl2f. b31f 96A.
102a34f. 18A.
194b 18 f. . 74 84
102b6f. 59
195btf. 324
A7, 103b29f. 18A.
B4-6 b7
103b36f. 18A.
3
B2, 109bl ff. 40 f. 26 74 98 75 f. 96 96 96
B9, 24b
109M3ff. 59 Α.
8f.
B4, lllb24ff. 59A.
VI, A10
B6,H2a25ff. 59A. Γ2, B2
B7,113a20ff. 59A.
B3
Δ1,120b30ff 59A. Γ3,
14
Δ2, 122b20f. 27A. 39A. Δ2,
119A.
Δ6, 127blf. 40 Δ.3. 119A.
E2, 130b 12/F. 59A. 89
B5,197a21fF.
E4, 132bl9ff, 40 97
200a34ff. 96
E5, 135all 17 19A. 200b5ft.
ZI, 139a28f. 16 96
201all
139a36ff. 55A.
201b31f.
Z6, 144a23ff. 59A.
202al f.
144a31ff. 27A.
202a23f.
Z8, 146b31£. 18
209b9
210bl6ff.
H3, 245b6ff.
Θ6, 258M8
De Generatione 413a6f. De 112A.
Partibits 430b28 A6,987b9ff.16 12 1003a31f. 34
et Corruptione B2, 413al3£f.
Seite 140 ff.Γ7,
150431a6f.
Animalium A9,
Seite990bl
93A. 13 Γ2, 1003a33 27
B4 97 414al9ff. B2, Γ8, 432a2
112647M3£.
112A. 97 990b6103 13 1003b6ff. 28 44A.
414a21f. 86 99la21f. 12 1003b23f. 27
B5 97 415a28f.
B4, 101647bl7f. 97 992a25
De Partibus Anima ium 13 1004a2ff. Γ3, 32 34
B5, 332a35f. 20 97 415a29ff. B3,35 649b30ff. 97 996bt4-18
B2, 22 44A. 47
1005a34 32
B7 97 41Sbl5ff. Γ2,100663b32ff.
AI, 640a38 128A. 130
996bl8ff.
114 47A. Γ4, 1006a28-bl3 15
416a5 Γ14,
;113674b5ff. 640b30ff. 128998i20-bl4
B3, 98f. 101 Π9 1007a33ff. 54A. 55
De Anima 416b3 89 675a5£. 641a33ff.128A. 998bl4ff.
112A. 40A. Δ2, 1014a5f. 64A.
Al,402b21ff. B5,
151 417al6 De Α.
93Generatione642al0f. 119A. 998b22ff.
114 27A. Δ3 121
402b25ff. 131 151417b22ff. 76' 108
Animalium 642al2ff. 999a2 113 119 Δ4. 1015al3ff. 100
403b4f. Γ4,
151429a28f.
114 | 108 A2-3
B3 B4, 999a24-b24
152 73A. 82Δ5, 1015bllff, 57A.
Bl,412al5i, 429bl9f. 79 Bl, 646al2 96
999a27f. 33 Δ6, lülSbloff. 54 f.
646at6 97 1015b36ff. 97
4l2a27f. 100 429b30f.
101 114 150 108
Metaphysica 999b24-1000a4 103 f.
430a3ff. 103 646bl3 100
B6, 1002b32ff. 82A. 1016a26 119
412b5f. 101 114
108 646b31 ff. 1003a5ff.
98 33 82A. IC1016a27f. 116A.
412b6ff. 102 430aoff. A2, 982a22f. 14A.
413a5f. Γ6,
102430a26
112 15 982b9 647 a2 f. Γ1, 98
1003a21
34 119 33 lOlubllf. 97

156 157
Mctaphysica Stitk; Met apliysicii Seite Mctaphysica Seite Mctaphysica t Seite
Δ'δ, 1016bl2H. 84 Ζ5 70 f. Z14, 1039a25ff. 32A. 117A. Θ6, 1048bl8fF. 92 £.
A? ( 1017u8-fc2 54 60ί.Α. Ζ 5, 1030b22ff. 63 64Α. 1039a30-b6 117 Θ7 95
lÜ17a23-30 44 27 1030b23i. 61 Zt5 7511. Θ7, 1049a27ff. 96A.
1017*31-35. 56A. 1031 a2 ff. 63 Z15, 1039b23ff. 83 1049bl£. 115
t017 lt 35ff. 91 Z6 71 f. t039b31f. 126 Θ8, 1049b8f. 100
Δ8, I017b25 87 1039b33ff. 58 1050b8ff. 90
Zu 1031bl5f. 32A.
Δ9, 1017b3Jff. 61A. 103tb20L 16 1040a8ff; 32A, lQSOblt ff. 89
All, 1018b34fT. 48 Λ. *Z7 7Mf. 1040al8f, 117 1050b35ff. 104 115A.
1019a3 30 32A. Z7, 1032a20ff. 89 Z16,1040b6ff. 94 97 98 101 Θ10, 1051M-13 55
Δ12, 1019b23ff 58 90A. 1032a24f. 102A. 1040b26f. 85 1051M3-17 57 f.
Al3,1020a7f. 98 1032bl 103 1040b27£. 12A. 1051bl7 15
Δ24, l€23:i34 91 1033a2r. 110 1040b30ff, 76£.A. 1051bl7-33 16 57
Δ25,1023a35 115 116A. 1033;il3H. 96 Λ. Z17,1041a7f. 35A. 1051 b34£. 55 56A.
K)23b2 116A. 118 Z8 77 f. 1041alO-bll 144 ff. 1051b35£. 57
1Ü23b23f. 73 Z8 10331)211. 87104Λ.105 I041al0ff. 141 1052a4ff. 64A.
A26,1024alff. 84 1034a4 IUI 1041 b7f, 35 il,1052a30ff. 29 106
A28,1024bl 119 Z9 1034a31f. 131 1041b Uff. 85 144f. 12, 1053b23f. 27 32
1024b9l. 116A. 119 1034b7ff. 78 1041b28ff. 101 1054al3I. 27
1024M2 33 Z10 73ff.791f. 84 110 111,104232611. 87 13,1054b25f. 16 27
1024bl5f. 27 Z10,1034b20 115 1042a28 91 95 1054b28£. 119A.
A29,1ü24bl7ff. 56A. 1035;t2 32 H2 96A. 1054b301. 27
A30 60 Α. 61 1035a29f. 83 : H2,1043al2f. 95 18, 1058a2ff. 116
El,lÖ25b3Öff. 110-14 147 1035bl7 113 H3, I043a29ff. 75A. 112 112A. 1058a 19 119
1026alÖff. 32 1036.i6 f. 58 1043a34f. 146 1058a23f. 116A,
E2 50 61 64A. 1036al6f. 146 1043a36f. 33 19 641.A.
E4, 1027b27 16 1036a24f. 146 1043b3f. 112 19,1058blO 40 Α.
1028^3 50 Z11 73ff. 80f. ltOf. 1043b4ff. 85 Kl,1059a32f. 50A. 60 123 125
ZI, 1028al0f. 44 147 1043bl4ff. 84 1059bi5f. 79
1028al5-18 27 ZU,1036b31f. toi 1043b21ff. 101 K3,106U8 33Α. 44Α.
1028al8-31 44f. 1037alf. 87 1043b29£. 118 1061a29ff. 79
1028a 3 l-b2 45ff. 62f. 1037a9 107A, 1043b30f. 148 K.7,1064a29 33A.
1028b2-7 48 67 1037al3f. 35A. 1044a4f. 117 1064a37f. 34
Z2 69 1037al4f. 34 1044a7ff. 117 1064b7 33 Α.
Z3,1028b34f.. 69 1037a 17 if. 74A, 116 H6,1045a8ff. 84117144L148 AI, 1069a23f. 54
1028b36f. 24 70 1037a29 83 86 1045a14 ff. 148 1069b3ff. 78
1029a2ff. 70 : 1Ü37a33ff. 72 1045a31ff. 145 Λ2, 1069b28f. 95
1029a8 31 Z12,1037b26f. 87 1045a34ff. U6A. 118 148 A3, 1069b35ff. 77Α. 78f.
1029a9FT. 70 1037b29ff. 16 1045a36ff. 27 149 1070alO 94
1029a18 ff. 20 1038a5-27 llof. Θ1, 1046allff. 88 1070allE. 86 87
1029a2Üf. 20 70 1038al6 119 Θ3, 1047a20f. 89 1070al9f. 97 101
1029a23E. 6 24 26 67 70 86 Z13, 1038b9-15 821. 1047a22 91 Λ4-5 96Λ.
I029a27ff. 20 70 1038bllf. 58A. 1047a26f. 89 A4, 1070a32 96 Α.
1029a33fl. 35Λ. 1038bl5f. 31 82 85 1047a28f. 89 Λ5, 107U8E. 90
Z4 70f. 1038bl7i. 83 Θ4 89A. 107U23 102Α.
Z4, 1029bl3f, 15 18A. 1038b23ff. 104A. Θ5, 1048a5ff. 89 107ta28 107Α.
1029bl9f. 16 18 51 1038b25ff. 104A. Θ6, 1048a25 89 107 H33 96Α.
1030b3 ■ 27. 1038b30£. 83 1048a31f. 90 109A. Λ6, 1071bl7ff. 101
1030b8f. 57A. 1039a3ff. 87Λ. 105A. 117 1048a36f. 90 Λ7, 1072blff. 35
1030blOf. 31 1039al4-22 105A. 1048b8E. 69 1072b15f. 101

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Metaphysici Seite Ethica Nicömachea Seite »Symposion« ■* ^ .;v
AS, 1074a34f. 3175 Zu, 1140b3S 126
M2 t 1077a2iff. 84 1141a7i. 126
1077b2t. 46 Z12,H43b5 107 1. Theunissen, Michael: Der Begriff Ernst hex 29. de Guerenu, Ernesto: Das Gottesbild des
M3, 1077b2ti. 79 H13,1153alO£f. 93 Sären Kierkegaard jungen Hegel
MIO 103f. 105A. 115 I9,1169b29f. 93 2. Tugendhat, Ernst: Ti katä tinos 30. Dumpelmann, Leo: Kreation atlantisch-,
3. Gründer, Karlfried: Figur und Geschichte ontologisches Verhältnis ,,:.; ,
MIO, 1087aiL 117A.
Nl, 1088 bin". 105A. Politica 4. Marquard, Odo: Skeptische Methode im 31. jacobi, Klaus; Die Methode der Cusani-
Blick auf Kant schen Philosophie
AI, 1253a23f. 113
5. Körner, Franz: Das Sem und der Mensch 32. Inciarte, Fernando; Forma formarum
Ethica Nicömachea
Ä2, 1095b6f. 123A. Poetica 6. Otto, Maria; Reue und Freiheit 33. Step, Ludwig: Hegeh Fichtekritik und die
Wissenschaftslehre von }S04
Z3,1139b31f. 126 1457a29£. 57A 7. Floht, Hubert: Lehenswelt und Geschichte
B. Castellote Cubells, Salvador: Die Anthro- 34. Rehstock, Hans-Otto: Hegels Auffassung
des Mythos in seinen Frühschriften
pologie des Suarez
35. Eichhorn, Peter: Idee und Erfahrung im
9. Heftrich, Eckhard: Die Philosophie und
Spatwerk Goethes
Rilke
10. Hünermann, Peter; Trtnitarische An 36. Schweizer, Herbert: Zur Logik der Praxis
thropologie hei Franz Anton Staudenmaier 37. Poltner, Günther: Zu einer Phänomeno-
12. Demske, James M.: Sein, Mensch und Tod logie des Fragens
13. Hemmerle, Klaus: Franz von Baaders 38. Bracken, Joseph Α.: Freiheit und Kausali-
philosophiicher Gedanke der Schöpfung tät bei Schelling
14. Guzzoni, Ute: Werden zu sich 39. Kauz, Frank: Substanz und Welt bei Spi-
noza und Leibniz
15. Haider, Alois: Kunst und Kult
40. Retter, Josef: System und Praxis
16. Sciacca, Mtchele Fedenco: Akt und Sein
41. Weisshaupt, Kurt: Die Zeitlichkeit der
17. Schneider, Peter K.: Die wissenschaftsbe·
Wahrheit
gründende Funktion der Transzendental-
philoiophie 42. Scheier, Claus-Artur: Die Selbstentfal-
tung der methodischen Reflexion als Prinzip
18. Pttgliese, Orlando; Vermittlung und der Neueren Philosophie
Kehre
43. Hamann, Karl: F. H. Jacobis Philosophie
19. Tsouyopoulos, Nelly: Strafe im frühgrie-
der Freiheit
chischen Denken
44. Schachten, Winfried: lntelleaus Verbi. Die
20. Splett, Jörg: Die Trinilätslehre G. W. F,
Erkenntnis im Mitvollzug des Wortes nach
Hegels
Bonaventura
21. Walter, Jürgen: Sprache und Spiel tri
45. Ganter, Martin: Mittel und Ziel in der
Christian Morgensterns Galgenliedem
praktischen Philosophie des Aristoteles
22. Flaskamp, Reinhold J.: Spekulativer und 46. Hager, Achim; Subjektivität und Sein
phänomenologischer Persorsalismus
47. GeÜimann-Siefert, Annemark: Das Ver-
23. Rivera, Jorge: Konnaturales Erkennen hältnis von Philosophie und Theologie im
und vorstellendes Denken Denken Martin Heideggers
24. von Savigny, Eike: Die Uberprüfbarkeit 48: Maraldo, John C: Der hermeneutische
der Strafrechtssätze Zirkel
25. Wild, Christoph: Reflexion und Erfah
49. Schmidt-Biggemann, Wilhelm: Maschine
rung
und Teufel
26. Meinhardt, Helmut: Teilhabe bei Platon
50. Verweyen, Hansjürgen: Recht und Sitt-
27: Scannone, Juan Carlos: Sein und Inkar lichkeil in J. G. Fichtes Gesellschaftslehre
nation
51. Jergius, Holger; Philosophische Sprache
28. Wiegeis, Margot: Die Logik der Sponta- und analytische Sprachkritik
neität
Spracht;. Eitle sprach philosophische Unter- der Hegelschen Logik, Zur Idee einer Phä-
Suchung zu Thomas von Aquin und Ari- nomenologie des Ortes
stoteles 73. Becker, Wolfgang: Selbstbewußtsein und
53. Ueblein, Friedlich Α.: Kosmas und Sub Erfahrung. Zu Kants transzendentaler De-
jektiviiil. Lord Shiftesburys Philosophical! duktion und ihrer argumentativen Rekon-
Regimen struktion
54. Samson, Lothar: Naturteleologte und' 74. Schmidinger, Heinrich M.r Nacbidealisti
Freiheit bei Arnold Gebten sehe Philosophie und christliches Denken. Zur
55. dalmer, Hans-Peter: Freiheit statt Teleo- Frage nach der Denkbarkeit des Un-
lagia. Ein Grundgedanke von Nietzsche vordenklichen
56. Görtz, Heinz-jürgen: Franz von Baaders 75. Liske, Michael-Thomas: Aristoteles und
„Λ nthropologischer Standpunkt" der aristotelische Essentialismus. Individuum,
57. Wimmer, Franz Martin: Verstehen^ Be- Art, Gattung
schreiben, Erklären, Zur Problematik ge- 76. Nenon t Thomas: Objektivität und endliche
schichtlicher Ereignisse Erkenntnis. Kants transzendental-
58. Piepmeier, Rainer: Aporien des Lebens- philosophische Korrespondenwheorie der
begriffs seit Geringer Wahrheit
59. Wenzler, Ludwig: Die Freiheit und das 77. Heinrieb, Richard: Kants Erfahrungs-
Böse nach Vladimir Solov 'ev raum. Metaphysischer Ursprung und kritische
Entwicklung
60. . Ebelinp Hans: Selbsterbaltung und
Selbstbewußtsein. Zur Analytik von Freiheil 78. Tiedemann-Bartels, Hella: Verwaltete
und Tod Tradition. Die Kritik Charles Peguys
6 Li Fromm, Susanne: Wittgensteins Er 79. Ruiz-Pesce, Ramon Eduardo; Metaphysik
kenntniispiele contra Kants Erkenntnislehre als Metahistorik oder Hermeneutik des
unreinen Denkens. Die Philosophie Ma*
62. Ulke, Karl-Dieter: Agnostiscbes Denken
Müllers
im Vtkiorianiscbeh England
80. Kummer, Christian: Evolution als HO-
63. Wilson, Thomas f: San alt Text. Vom
hetentimcklung des Bewußtseins. Über die
Tlrtffiödeli als Martin1 Heideggers Denkmö- interttionalen Voraussetzungen der materiellen
tiell. fiirte funktionilistische Interpretation t4. Selbstorganisation
Magin, Michael N.: Ethos und Logos in Uer
81. Nagasawa, Kunihiko: Das Ich im deut-
Medizin
schen Idealismus und das Selbst im Zen-
65. Fetzt Reto L: 'Whitehead: Prozeßdenken Buddhismus. Fichte und Dogen
Und Substanzmetuphysik 82. Zehnpfennig, Barbara: Reflexion und
66. Hohn, Rainald: Die Theorie der Erfahrung Metarqßifxion bei Platan und Fichte. Ein
bei Popper und Kant. Zur Kritik des Kritischen Strukturvergleich des Platonischen „Char-
Rationalismus im transzendentalen Äpriori mides" und Fichres „Bestimmung des Men-
67. Schmidinger, Heinrich M.: Das Problem schen"
des Interesses und die Philosophie SÖren Kier- 83. Kaniata, Yasuo: Der junge Schopenhauer.
kegaards Genese des Grundgedankens der Welt als
68. Falk, Hans-Peuer: Das Wissen in Hegels ΰ Wille und Vorstellung
Wissenschaft der Logik " 84. Tettwsen, Rudolf; Familienähnlichkeit
69. Schumacher, Ferdinand: Der Begriff der und Analogie. Zur Semantik genereller
Zeit bei Franz von Baader Termini bei Wittgenstein und Thomas von
?Öi Kühler, Jochen; Die Grenze von Sinn. Zur Aquin
strukturalen Ne übest im rnung des 85. Bathen, Norbert: Tbomistische Ontotogie
Verhältnisses Mensch — Natur ?t,-Tfäckner, und Sprachanatyse
Wilhelm: Mensch und Gott in Uer Bhiftemdung 86. Gander, Hans-Helmuth: Positivismus als
oder die Krise der Subjektivität Metaphysik. Voraussetzungen und Grund-
struktureri von Diltheys Grundlegung der
Geisteswissenschaften