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Hochspannungsfelder

Folie: 1
Hohe Spannungen
Warum werden in der Energietechnik hohe Spannungen verwendet?
Beispiel: Bei einem Gleichstromgenerator werden Spannungen in Leiterschleifen
aus Kupfer induziert. Bei Anschluss eines Verbrauchers muss der elektrische Strom
über den elektrischen Widerstand dieser Leiterschleifen fließen. Es entsteht ein
Spannungsfall an diesen inneren Widerständen. Dieser Spannungsfall steht an den
Außenklemmen nicht als Klemmenspannung zur Verfügung. Die Spannung bricht
ein. I U
Der Klemmenstrom
I= 0

Ui=Ri.I
beträgt:
R +R i V
Der Maschenumlauf
liefert die U =U − I ⋅R
K 0 i
U0 UK Klemmenspannung:
RV

Mit der
RV
Spannungs-
UK = U0 ⋅
teilerregel
ergibt sich: Ri + RV Folie: 2
Maximale Verbraucherleistung
Maximale Leistung:
Die Quelle gibt die maximale Leistung ab, wenn: Ri = RV
Damit ergibt sich die maximal abgebbare Leistung:

2
R U0
PK = U 0 ⋅
2 i
⇔ PMax =
(Ri + Ri )2
4 ⋅ Ri
Der Wirkungsgrad im Arbeitspunkt der maximalen Leistungsabgabe ergibt
sich zu:
PV
η= da Ri = RV ⇒ Pi = PV
PV + Pi PV
η= = 0,5 Wirkungsgrad!
Schlechter

2 PV Folie: 3
Maximaler Wirkungsgrad
In der elektrischen Energieversorgung geht es weniger um Leistungsanpassung
als um die Erzielung eines möglichst hohen Wirkungsgrades.

PV I ⋅ RV RV
η= = =
PV + Pi I ⋅ (RV + Ri ) (RV + Ri )
RV / Ri
η= Der Wirkungsgrad wir umso höher, je größer RV

(RV / Ri + 1) zu Ri ist!

Merke: Um einen hohen Wirkungsgrad zu erzielen, muss der Verbraucher-


widerstand groß im Vergleich zum Innenwiderstand der Quelle gewählt
werden!
Folie: 4
Wirkungsgradkennlinie
10 0
Das Diagramm zeigt die die

η
% Kennlinien für die im Verbraucher
umgesetzte Leistung sowie für den
80 Wirkungsgrad als Funktion des
Widerstandsverhältnisses (RV/Ri).

60 Großer Verbraucherwiderstand RV
und gleichzeitig große
Verbraucherleistung PV lassen sich
η 40
jedoch nur bei hoher Spannung
erreichen, - in der Energietechnik eine
P V /P iK Maßgabe für die Übertragung großer
P V /P i Leistungen über weite Entfernungen von
20 den Kraftwerken hin zu den
Verbrauchsschwerpunkten mit Hilfe von
Hoch- und Höchstspannunngs-
0 Freileitungen und -Kabeln.
0 2 4 6 8 10

RV / Ri P = U / RV2
K Folie: 5
Hohe Spannungen
Physik und Technik der hohen Spannungen sind dadurch gekennzeichnet,
dass bei ihnen nicht die integralen Größen, wie Spannung und Strom, als
vielmehr die differentiellen Größen, wie
- elektrische Feldstärke und
- elektrische Stromdichte
für die physikalischen Abläufe maßgebend sind.
Ob eine Isolierstrecke durchschlägt,
wird nicht von der momentanen
Spannungshöhe, sondern von der
räumlichen Verteilung, der Höhe und
dem zeitlichen Verlauf der elektrischen
Feldstärke bestimmt.
Damit sind Größe und räumliche
Verteilung der elektrischen Feldstärke
für die Bemessung von
Isolieranordnungen maßgebend.

Folie: 6
3) Isolierung eine 380-kV-Kabels
Hohe Spannungen
Hierbei interessiert zunächst das
elektrostatische Feld, das stationär
und von
Ladungsträgerbewegungen
unbeeinflusst ist. Die räumliche
Verteilung des Elektrischen
Feldes ist bestimmt durch die
Ladungsverteilung auf den
Elektroden und damit durch die
Elektrodengeometrie.
Elektrodengeometrien im Hochspannungslabor
Im Folgenden einige Grundlagen zum elektrischen Feld:
Ladungen sind immer ein Vielfaches der Elementarladung e = 1,6.10-19 C .
Für 1 Coulomb (1 C = 1 As) als Einheit der elektrischen Ladung benötigt man
6,25.1018 Protonen bzw. Elektronen!
Ladungen üben im Raum Kräfte aufeinander aus.
Das elektrische Feld
Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab, ungleichnamige Ladungen ziehen sich
an. Es existiert also eine Kraftwirkung zwischen den Ladungen, die anhand
eines Modells erklärt werden soll.
Eine Ladung verändert den Zustand des Raums in dem sie sich befindet; es
wird ein „elektrisches Feld“ aufgebaut. Im Folgenden werden Punktladungen
betrachtet.
Q2

Wird eine zweite Ladung Q2 auf die


Q1 Ladung Q1 zu bewegt, so muss Arbeit
gegen das elektrische Feld verrichtet
werden. Auf die Ladungen wirkt die
Kraft:
r Q1Q2
F =
4πεr 2
Folie: 8
Das elektrische Feld
Ist die Kraftwirkung auf eine Punktladung Q2 in einem vorhandenen elektrischen
Feld: r r V
F = Q2 ⋅ E1 [E] =
m
dann verursacht die erste Punktladung Q1 eine elektrische Feldverteilung:
r Q1
E1 =
E 4πεr 2 4πr2

Q1
ε
~1/r2

Q1 Folie: 9
r
Die Permittivität ε
• Befindet sich im Feldraum nicht Vakuum, sondern ein Isolierstoff, so
verschieben sich die positiven und negativen Ladungen innerhalb der
Atome des Isolierstoffes unter der Kraftwirkung des elektrischen Feldes.
Die Atome bleiben zwar auf ihren festen Plätzen, werden aber deformiert
und stellen somit elektrische Dipole dar. Dieser Effekt wird
Elektronenpolarisation genannt.
• Bei Materialien, deren Gitter aus positiven und negativen Ionen
aufgebaut ist, werden diese ebenfalls ausgerichtet. Dies nennt man
Ionenpolarisation.
• Bei Materialien, deren Ladungsschwerpunkte bereits ohne Feld
verschoben sind (z. B. Wasser ist eine polare Flüssigkeit), richten sich
die Dipole nach dem Feld aus, man spricht von
Orientierungspolarisation.

Folie: 10
Die Permittivität
ε ist die Permittivität und drückt die Polarisierbarkeit eines Materials aus.

As
Die Permittivität des Vakuums beträgt: ε 0 = 8,854 ⋅10 −12

Vm
Die Polarisierbarkeit eines Materials wird meistens als relative Größe
bezogen auf das Vakuum angebeben, es gilt:

ε = ε0 ⋅εr

Die folgende Tabelle gibt die relative Permittivität einiger gebräuchlicher


technischer Werkstoffe an:

Folie: 11
Die Permittivität
Werkstoff εr bei 20°C

Glas 3,5...8
Glimmer 5...8
Butylgummi 4
Hartporzellan 5,5...6,5
Luft 1,0006
Papierisolierung, imprägniert 2,5...4
Polyethylen 2,3
Polyurethan 3,1...4
Quarzglas 4,2
Ölkabel-Isolierung 3,3...3,7

Folie: 12
Überlagerung von Ladungen
Die zweite Punktladung baut natürlich ebenfalls ein elektrisches Feld auf. Bringt
man sie in den Raum der ersten Ladung, überlagern sich die Felder zu einem
Gesamtfeld (Superpositionsprinzip).

Feldverteilung zweier gleich großer Feldverteilung einer positiven und


positiver Ladungen negativen Ladung Folie: 13
Überlagerung von Ladungen
Positive Ladungen stellen Quellen (Anfang), negative Ladungen die Senken
(Ende) der Feldlinien dar.
Dementsprechend ist des elektrische Feld ein Vektorfeld, d. h. die Feldstärke hat
einen Betrag und eine Richtung.

Das Feld einer positiven Punktladung Q zeigt in radialer Richtung:


r Q1 r Q1 r
E1 = ⋅ er = ⋅r
4πεr 2
4πεr 3

Allgemeine Berechnung des Feldes mehrer Punktladungen:

r n
Qi r
Ep = ∑ ⋅ ri
i =1 4πεri
3

Folie: 14
Überlagerung von Ladungen
Berechnung der Feldstärke am Beispiel von zwei Ladungen:

y EP

Q1 xP
yP
y1 x1

y2 x

Q2

x2

Folie: 15
Überlagerung von Ladungen
Abstandsvektoren definieren:

y
rp-rQ1 EP

Q1
rQ1 rP
rp-rQ2

x
rQ2
Q2

r r
rp − rQ1 = ( xp − x1 ) + ( yp − y1 ) + ( z p − z1 )
2 2 2

r r
rp − rQ2 = ( xp − x2 ) 2 + ( yp − y2 ) 2 + ( z p − z 2 ) 2 Folie: 16
Überlagerung von Ladungen
Ergebnis:
r r r
r Q1 ( xp − x1 ) ⋅ ex + ( yp − y1 ) ⋅ ey + ( z p − z1 ) ⋅ ez
Ep = ⋅
4πε ( xp − x1 ) + ( yp − y1 ) + ( z p − z1 )
2 2 2
3

r r r
Q2 ( xp − x2 ) ⋅ ex + ( yp − y2 ) ⋅ ey + ( z p − z 2 ) ⋅ ez
+ ⋅
4πε ( xp − x2 ) + ( y p − y 2 ) + ( z p − z 2 )
2 2 2
3

Das hier vorgestellte Superpositionsprinzip kann man anwenden, um die


Kapazitätsbeläge einer Mehrleiteranordnung zu berechnen, z. B. bei Freileitungen
(siehe Kapitel 3.8 Feldverteilungen und Kapazitäten von Mehrleiteranordnungen).
Folie: 17
Feldverzerrung durch leitende Materialien
Wird ein leitendes Material in ein elektrisches Feld eingebracht, durchsetzen
die Feldlinien das Material. Auf die freien Elektronen werden Kräfte ausgeübt,
die Elektronen bewegen sich. Die Ladungsverschiebung erfolgt innerhalb von
t<10-12 s.

Durch die Ladungsverschiebung entsteht ein sekundäres Feld, welches sich


dem ursprünglichen überlagert, ein Feld, welches dem ursprünglichen
Folie: 18
entgegengerichtet ist.
Feldverzerrung durch leitende Materialien
Ein Gleichgewicht stellt sich ein, wenn das Innere des Leiters feldfrei ist. Dann
ist die Kraft, die die Ladungen verschiebt, Null und keine weiteren Ladungen
werden mehr verschoben.

Die Feldlinien der resultierenden Feldverteilung stehen senkrecht auf dem


elektrischen Leiter, werden quasi in den Leiter „hineingesaugt“. Folie: 19
Feldverzerrung durch leitende Materialien
Praxis Hochspannungstechnik:
Metallene Elektroden werden abgerundet,
um Feldspitzen zu vermeiden:
Die Verschiebungsdichte D
• Das vorherige Experiment wird mit zwei leitenden Platten wiederholt.
• Die Platten werden in ein elektrisches Feld eingebracht, die Ladungsträger
verschieben sich (Influenz).
• Trennt man die Platten im elektrischen Feld, so ist der Feldraum dazwischen
feldfrei.
• Bringt man die Platten außerhalb des Feldes, bleibt die Ladung erhalten und
zwischen den Platten kann ein Feld gemessen werden.

Folie: 21
Die Verschiebungsdichte D
Die influenzierte Ladung erzeugt ein Feld D, welches Verschiebungsdichte oder
elektrische Erregung genannt wird.
D beschreibt die Flächenladungsdichte, also die influenzierte Ladung pro
Plattenfläche:

C As
[ D] = 2 = 2
m m
Die elektrischen Ladungen sind die Ursache der Verschiebungsdichte. Legt man
eine Integrationshülle um ein Gebiet und integriert über die Verschiebungsdichte,
erhält man Informationen über die Ladungen innerhalb der Integrationshülle. Es
gilt:

r r
∫∫ D ⋅ n dA = Q 1. Grundgesetz der
Elektrostatik

Folie: 22
Die Verschiebungsdichte D
Wird die Verschiebungsdichte von Raumladungen verursacht, gilt:
r r
∫∫ D ⋅ n dA = ∫∫∫ ρ ⋅ dV = Q
V

Wandelt man das Flächenintegral in ein Volumenintegral um, erhält man:

r
∫∫∫
V
div ( D ) d V = ∫∫∫ ρ ⋅ d V
V
Es ergibt sich das erste Gesetz der Elektrostatik in differentieller Form:
r
div D = ρ
Merke: die Raumladung ist die Quelle der Verschiebungsdichte! Folie: 23
Die Verschiebungsdichte D
Beispiel: Integralhülle um die Platte mit der influenzierten Ladung (Streufelder
werden vernachlässigt):

n
Ohne Streufeld liefert
Integralhülle
+ + + ++ + + + nur die der anderen
+ + + ++ + + + Platte zugewandte
+ + + ++ + + + Plattenfläche einen
Beitrag. Da die
Verschiebungsdichte
zwischen den Platten
homogen ist, geht das
Integral in eine
Multiplikation über:
- - - - - - - -
- - - - - - - -
- - - - - - - - Q = D⋅ A
Folie: 24
Elektrisches Feld und Verschiebungsdichte
r r r
Zwischen dem elektrischen Feld und der Verschiebungsdichte gilt der

D = ε0 ⋅ε r ⋅ E = ε ⋅ E
Zusammenhang:

Damit gilt für die Verschiebungsdichte von Punktladungen:


r Q
4πr2 D=
4πr 2

Q
vergleiche elektrisches Feld einer
Punktladung:
r Q
E =
Merke: 4πεr 2

Die elektrische Feldstärke E beschreibt die Kraftwirkung auf eine Probeladung


und damit die Intensität eines elektrischen Feldes (materialabhängig über ε).
Die Verschiebungsdichte D ist ein Maß für die Anzahl der Ladungen und damit
Folie: 25
ein Maß für die Ursache (nicht materialabhängig!).
Das elektrische Potential
Experiment: Betrachtet wird wieder eine positive Kugelladung Q.
Eine zweite, kleine positive Ladung, q befinde sich (am Punkt P0) fest in der
Nähe der Kugelladung.
r r
Das elektrische Feld übt eine Kraftwirkung auf die kleine
Ladung aus. F = q⋅E
Wird sie los gelassen, beschleunigt die Ladung, entfernt sich von der
Kugelladung und und besitzt am Punkt P1 die kinetische Energie Wkin.

Nach dem Energieerhaltungssatz


q muss die kinetische Energie vorher als
q P1 potentielle Energie Wpot vorhanden
Q1 gewesen sein.
P0

r r P1 r r
P1
Wkin = ∫ Fds = ∫ q ⋅ E ds
P0 P0 Folie: 26
Das elektrische Potential
r r
P1
Wkin ist die vom Feld geleistete Wpot = −Wkin = − q ∫ E ds
Arbeit:
P0
P1 r r
ϕ = − ∫ E ds
Zur Beschreibung der potentiellen Energie einer
Ladung an einem Punkt im elektrischen Feld wird
das elektrische Potential ϕ eingeführt:
P0

Die Einheit des elektrischen Potentials ist Volt: [ϕ ] = V


Bildet man den Gradienten des Potentials, gelangt r
man zur elektrischen Feldstärke: Die elektrische
Feldstärke zeigt somit in Richtung des E = −grad (ϕ )
stärksten Potentialgefälles. Folie: 27
Feldlinien und Äquipotentialflächen
Flächen gleichen Potentials werden Äquipotentialflächen genannt. Feldlinien
zeigen immer in die Richtung des größten Gradienten. Somit stehen Feldlinien
immer senkrecht auf den Äquipotentialflächen.
Beispiele: Das elektrische Feld der zwei planparellen aufgeladenen Platten
(Elektroden) ist senkrecht zu den Platten orientiert. Alle zu den Elektroden
parallelen, waagerechten Flächen sind Äquipotentialflächen.
Bei der Punktladung sind die Äquipotentialflächen konzentrische Kugeln.

Folie: 28
Das elektrische Potential
Beispiel: Das elektrische Potential einer Punktladung
r
r
Q r r
r
Q ⎡ Q ⎤
ϕ = −∫ ⋅ r dr = − ∫ ⋅ dr = ⎢ 1⎥
r0
4πε r 3
r0
4πε r 2
⎣ 4πε r ⎦ r0
r
⎡ Q ⎤ Q Q Q
ϕ=⎢ ⎥ = − = +K
⎣ 4πε r ⎦ r 4πε r 4πε r0 4πε r
0

Geht man davon aus,


dass das elektrische lim ⎛ Q ⎞
Potential im unendlich ϕ= ⎜⎜ + K ⎟⎟ = 0 ⇒ K = 0
fernen Punkt r → ∞ ⎝ 4πε r ⎠
verschwindet, so gilt:

Q
Damit ist das Potential einer positiven Punktladung: ϕ=
4πε r Folie: 29
Die elektrische Spannung
Wird eine kleine Ladung von P1 nach P2 auf die
Punktladung zu bewegt, steigt das Potential.
Es gilt:
Q Q
ϕ ( P2 ) = > ϕ ( P1 ) =
q
4πε r2 4πε r1
q P1 wenn r < r .
2 1
Q1 P2
Die Potentialdifferenz wird als elektrische
Spannung bezeichnet:

r r P2
ϕ ( P1 ) − ϕ ( P2 ) = ∫ E ⋅ ds = u12
P1
Folie: 30
Die elektrische Spannung
Merke: Die elektrische Spannung ist die Potentialdifferenz zwischen zwei
Punkten.
Die elektrische Spannung u entspricht damit der Arbeit W, bezogen auf die
Ladung q, die vom elektrischen Feld geleistet wird, wenn diese Ladung q von
Punkt P1 nach Punkt P2 transportiert wird. Es gilt:
u =W /q
+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + P1 Zur Richtung des Spannungspfeils:
Die Spannung ist positiv, wenn in
Richtung des Feldes integriert wird,
dementsprechend negativ, wenn
die Integration in Gegenrichtung
d E erfolgt.
u = u12 >0

Es gilt:

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - P2 u12 = −u21 Folie: 31


Die elektrische Spannung
Beispiel: Die elektrische Spannung zwischen den Platten

r r
P2
u12 = ∫ E ⋅ ds = E ⋅ d
P1
Q Q d
mit D = ε 0ε r E und D= folgt: u12 = ⋅
A ε 0ε r A

Folie: 32
2. Grundgesetz der Elektrostatik
Dass das elektrische Feld eine Potentialfunktion u besitzt, deutet daraufhin,
dass es sich beim zeitunabhängigen elektrischen Feld um ein konservatives
Feld handelt. Bei einem konservativen Feld ist das Ergebnis der Integration
unabhängig vom Integrationsweg: P2 r P2 r
r r
u12 = c1 ∫ E ⋅ ds = c 2 ∫ E ⋅ ds
+ + + + + + + + + + + + + + + + + + + P1 P1 P1
P2 r r P2 r
r
c1 c1 ∫ E ⋅ ds − c 2 ∫ E ⋅ ds = 0
d u12 c2 P1 P1

Das Vertauschen der


Integrationsgrenzen…
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - P2 P2 r r P1 r
r
c1 ∫ E ⋅ ds + c 2 ∫ E ⋅ ds = 0
P1 P2
Folie: 33
2. Grundgesetz der Elektrostatik
führt zum 2. Grundgesetz der Elektrostatik: Die beim Transport einer Ladung im
elektrostatischen Feld geleistete Arbeit ist bei einem geschlossenen Weg immer
Null.
Das Integral der elektrischen Feldstärke längs eines geschlossenen Weges
verschwindet somit zu Null.
r r
∫ E ⋅ ds = 0
2. Grundgesetz der
Elektrostatik

Wandelt man das Kurvenintegral mit dem Satz von Stokes in ein Fächenintegral
um, erhält man: r r r
∫ E ⋅ ds = ∫∫ rot( E )dA
A
Und damit die differentielle Form des 2. Gesetzes der Elektrostatik:
r
rot ( E ) = 0 Folie: 34
Die Poisson‘sche Differentialgleichung
r
div D = ρ
Aus dem ersten Gesetz der
Elektrostatik in differentieller Form

r r r
lässt sich mit der Materialgleichung D = ε0 ⋅ε r ⋅ E = ε ⋅ E
r
und E = −grad (ϕ )
eine Differentialgleichung für das elektrische Potential aufstellen:
r
div (ε ⋅ E ) = div[ε ⋅ ( - gradϕ )] = ρ
ρ ρ
div(gradϕ ) = − ⇔ ∆ϕ = −
ε ε Folie: 35
Die Poisson‘sche Differentialgleichung
Der Laplace- oder Delta-Operator lautet in Kartesischen Koordinaten

∂ϕ ∂ϕ ∂ϕ 2
ρ 2 2
∆ϕ = 2 + 2 + 2 = −
∂x ∂y ∂z ε
Für raumladungsfreie Gebiete geht die Poisson-Gleichung in die Laplace-
Gleichung über:
∆ϕ = 0
Diese formal einfachen Differentialgleichungen beschreiben alle denkbaren
Feldkonfigurationen exakt. Im konkreten Fall vorgegebener Randbedingungen kann
die analytische Berechnung der Feldverteilung allerdings so schwierig sein, so dass
zur Berechnung aufwendige Feldberechnungsverfahren herangezogen werden
müssen.
Folie: 36
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
Die elektrische Feldstärke ist abhängig vom Material. Befinden sich
unterschiedliche Materialien im elektrischen Feld, stellt sich die Frage, wie sich das
Feld an der Grenzschicht verhält.
Betrachtet werden senkrecht und waagerecht geschichtete Dielektrika.

r r
∫ E ⋅ ds = 0
+++++++++++++++++++

ε1 ε2
r r
E1 l
t
c E2 E1 ⋅ l − E2 ⋅ l = 0
r r r r
E1 = E2 bzw. E1 = E2
--------------------------

Grenzschicht senkrecht zu den Elektroden Folie: 37


Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
Merke: In der Grenzschicht ist die Feldstärke, die parallel zur Grenzschicht der
Materialien liegt, stetig!

Ist die Feldstärke nicht parallel zur Grenzschicht orientiert, so ist die
Tangentialkomponente der Feldstärke stetig. Es gilt allgemein:

r r r r
+++++++++++++++++++ E1 ⋅ t = E2 ⋅ t
ε1 ε2
bzw.
t
E1 l c E2
Et1 = Et2

--------------------------
Folie: 38
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
Merke: Die Tangentialkomponente der elektrischen Feldstärke ist stetig!

Dt1 Dt2
Aus Et1 = Et2 folgt mit D =ε ⋅E ⇒ =
ε1 ε2
Die Tangentialkomponente der elektrischen Verschiebungsdichte springt in der
Grenzschicht um:

ε r2
Dt2 = ⋅ Dt1
ε r1

Folie: 39
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
Ist die Grenzschicht waagerecht zu den Elektroden angeordnet, ergibt sich mit:
r r r r r r
∫ D ⋅ n dA = Q ⇒ D1 ⋅ n1 A + D2 ⋅ n2 A = 0
( )
r r r r
− D1 ⋅ n12 + D2 ⋅ n12 A = 0
+++++++++++++++++++ r r r r
ε D n
D 2 ⋅ n12 − D1 ⋅ n12 = 0
( )
1 1

r r r
1

n12 D2 − D1 = 0
ε2 D2 n12 A
oder:
r r r r
n2
D1 ⋅ n12 = D2 ⋅ n12
-------------------------- Folie: 40
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
Merke: An einer Grenzschicht, die senkrecht zur Verschiebungsdichte orientiert ist
und in der keine Ladung gespeichert ist, ist die Verschiebungsdichte stetig!

Allgemein gilt: Ist die Grenzschicht nicht senkrecht zur Verschiebungsdichte


orientiert, so ist die Normalkomponente der Verschiebungsdichte stetig!

r r r r
D1 ⋅ n12 = D2 ⋅ n12
Aus D1n = D2n folgt mit D = ε ⋅ E ⇒ ε 1 ⋅ En1 = ε 2 ⋅ En2
Die Normalkomponente der Feldstärke springt in der Grenzschicht um:

ε r1
En2 = ⋅ En1
ε r2 Folie: 41
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika
ε r1
En2 = ⋅ En1
Dass die Normalkomponente der elektrischen
Feldstärke wesentlich von den Permittivitäten abhängt,
ε r2 ist in der Energietechnik von großer Bedeutung!

Immer dann, wenn innerhalb eines Isoliermaterials ein schmaler Gasspalt


(Hohlraum oder Stoßfuge in einer Isolierung) auftritt, der vornehmlich
senkrecht zur Feldrichtung orientiert ist, wird die Feldstärke um die
Dielektrizitätszahl des Isoliermaterials angehoben (d.h. üblicherweise um den
Faktor 2...6). Damit wird aber gerade der elektrisch schwächste Bereich der
Isolierung – der Gasspalt - am stärksten beansprucht, so dass Durchschläge
oft von solchen Fehlstellen ausgehen.

Folie: 42
Grenzbedingungen geschichteter Dielektrika

Das elektrische Potential ist gemäß Definition eine r rP1


Integralfunktion und somit differenzierbar und
stetig. Aus diesem Grund muss das elektrische ϕ = − ∫ E ds
Potentialfeld auch an der Grenzschicht stetig sein:
P0

Merke: Das elektrische Potential ist in der Grenzschicht zwischen zwei


verschiedenen Materialien stetig! Es gilt:

ϕ1 = ϕ 2

Folie: 43
Brechungsgesetz der Felder
Kombiniert man die Grenzbedingungen für die tangentialen und normalen
Komponenten: r r r r r r r r
D1 ⋅ n12 = D2 ⋅ n12 und E1 ⋅ t = E2 ⋅ t
erhält man das Brechungsgesetz:

ε 1 ⋅ E1 ⋅ cos α1 = ε 2 ⋅ E2 ⋅ cos α 2
E1 ⋅ sin α1 = E2 ⋅ sin α 2
tan α1 ε r1
=
tan α 2 ε r2

Bei Austritt aus einem Material hoher in ein Material niedriger Dielektrizitätszahl
werden die Feldlinien zur Flächennormalen hin gebrochen.
Kondensatoren
Kondensator:
In den vorherigen Kapiteln wurden Ladungen auf
zwei parallele Metallplatten aufgebracht, bzw.
gespeichert. Diese Anordnung nennt man + + + ++ + + +
Kondensator bzw. Plattenkondensator. + + + ++ + + +
+ + + ++ + + +
Je größer die angelegte Spannung an den
Elektroden ist, umso größer ist die gespeicherte u
Ladung auf den Platten. Es gilt:

Q = C ⋅U - - - - - - - -
- - - - - - - -
- - - -- - - - -

Den hierbei wirksamen Proportionalitätsfaktor


nennt man die Kapazität C der Anordnung. Die
Einheit der Kapazität ist:

[C ] = = F
As Farad: zu Ehren des englischen
Physikers und Chemikers
„Michael Faraday“
V Folie: 45
Kondensatoren
Berechnung der Kapazität eines Plattenkondensators:
r r
Q A∫∫ D ⋅ n dA
D⋅ A
C= = r r ⇔C=
E ⋅d
U ∫ Eds c
ε 0ε r E ⋅ A
mit D = ε 0ε r E folgt: C=
E ⋅d
A
C = ε 0ε r ⋅
d
Folie: 46
Kondensatoren
Der Zylinderkondensator:
Koaxialkabel (z.B. Antennenkabel) besitzen den Aufbau eines
Zylinderkondensators. Der Innenleiter ist von einer koaxialen
Isolierung umgeben auf der eine Schirmung aufgebracht ist.
r r
Q A∫∫ D ⋅ n dA Zur Berechnung wird die elektrische

C= =
Feldstärke E bzw. Verschiebungsdichte D
r r benötigt!
U ∫ E d s
r q
c
E =
2πεr
q r q
D=
2πr
Folie: 47
Kondensatoren
Kapazität des Zylinderkondensators:
l 2π
q
l Q=∫∫ rdαdl =
0 0
2πr
l 2π
q
ri ra 2π ∫ ∫ dαdl =
0 0

q
⋅ l ⋅ 2π = q ⋅ l

r r ⎛ ra ⎞
ra
q q
U = ∫ Eds = ∫ dr = ⋅ ln⎜⎜ ⎟⎟
c ri
2πεr 2πε ⎝ ri ⎠
Folie: 48
Kondensatoren
q ⋅l
Kapazität des Zylinderkondensators:
Q
l C= =
U q ⎛ ra ⎞
⋅ ln⎜⎜ ⎟⎟
2πε ⎝ ri ⎠
ri ra

2πε ⋅ l Potential und

C= elektrischer

⎛ ra ⎞
Feldstärke als
Funktion des
ln⎜⎜ ⎟⎟ Radius:

⎝ ri ⎠ Folie: 49
Geschichtete Dielektrika
Ebenes, geschichtetes Dielektrikum:

Beispiel: Ein Plattenkondensator, dessen


Isolierung um die Luftspaltdicke sL von einer
Platte abgehoben sei.

r r
P2
U = ∫ E ⋅ ds
P1

U = E1 ⋅ sL + E2 ⋅ ( s − sL ))
D sL s − sL
U= ⋅( + )
ε0 ε r1 ε r2 Folie: 50
Geschichtete Dielektrika
Ebenes, geschichtetes Dielektrikum (Fortsetzung):

D sL s − sL
U= ⋅( + )
ε0 ε r1 ε r2
mit Q = C ⋅U
ergibt sich die Kapazität des Kondensators
mit parallel geschichtetem Dielektrikum zu:

A ⋅ε0
C=
s L / ε r1 + ( s − s L ) / ε r2
Folie: 51
Geschichtete Dielektrika
Ebenes, geschichtetes Dielektrikum (Fortsetzung):

besteht das Dielektrikum zum Beispiel aus


Polyethylen mit εr=2,3, so ist aufgrund

ε r1
En2 = ⋅ En1
ε r2
die Feldstärke im Luftspalt 2,3 mal so hoch
wie im Dielektrikum!

Durchschlagfeldstärke der Luft: 3,3 kV/mm


Durchschlagfeldstärke von PE: ca. 400 kV/mm

Folie: 52
Geschichtete Dielektrika
Zylindrisches, geschichtetes Dielektrikum:
Beispiel: Zwei koaxiale, zylindrische
Elektroden, die Innenelektrode ist mit
einem Isolierstoff der relativen isoliert.
Der verbleibende, von der
Außenelektrode umschlossene Raum,
r r
U = ∫ Eds
sei mit Luft gefüllt.

ri2 c
q
U= ∫ 2πε ε
ri1 0 r1 r
dr

ra
q
+∫ dr
ri2
2πε 0ε r2 r Folie: 53
Geschichtete Dielektrika
Zylindrisches, geschichtetes Dielektrikum (Fortsetzung):
q ⎛ ri2 ⎞
U= ⋅ ln⎜⎜ ⎟⎟
2π ⋅ ε 0 ⋅ ε r1 ⎝ ri1 ⎠
q ⎛ ra ⎞
+ ⋅ ln⎜⎜ ⎟⎟
2π ⋅ ε 0 ⋅ ε r2 ⎝ ri2 ⎠

mit Q = C ⋅U

Folie: 54
Ui 1
Ei ( r ) = ⋅
ln( r2 i / r1i ) r

Geschichtete Dielektrika
Zylindrisches, geschichtetes Dielektrikum (Fortsetzung):
ε r1 ε r2
C = 2πε 0l ( + )
⎛ ri2 ⎞ ⎛ ra ⎞
ln⎜⎜ ⎟⎟ ln⎜⎜ ⎟⎟
⎝ ri1 ⎠ ⎝ ri2 ⎠
Für die Feldstärken ergeben sich:
U1 1
E1 (r ) = ⋅
ln(ri 2 / ri1 ) r
U2 1
E2 ( r ) = ⋅
ln(ra / ri2 ) r
Folie: 55
Ui 1
Ei ( r ) = ⋅
ln( r2 i / r1i ) r

Geschichtete Dielektrika
Zylindrisches, geschichtetes Dielektrikum (Fortsetzung):

Da die Dielektrizitätszahl der


Isolierung höher ist als die der Luft
(z.B. Polyethylen εr1= 2,3 und Luft
εr2= 1), springt die elektrische
Feldstärke in der Grenzschicht.

Folie: 56
Aufladen des Kondensators
i
Legt man an die ungeladenen
Platten eines Kondensators eine +++++++++++++++++++
Gleichspannung wie im
nebenstehenden Bild an, dann
fließen die Elektronen von der
oberen Platte ab und werden zur u(t) u0
E
unteren Platte transportiert. Es
entsteht ein elektrischer Strom:

dq (t )
i (t ) =
--------------------------

dt
Mit dem Strom lädt sich der
du
mit q = C ⋅u folgt i =C⋅ Kondensator auf und die
Spannung u(t) zwischen
dt den Platten wächst.
Folie: 57
Aufladen des Kondensators
Ist der Verlauf des Ladestroms bekannt, so kann die Spannung zwischen den
Platten berechnet werden:
t0
1
i ⋅ dt = C ⋅ du ⇒ u (t 0 ) = ∫ i (t ) dt
C0
Weisen die Platten zu Beginn t0 bereits eine Ladung auf, so dass zwischen den
Platten bereits eine Spanung besteht, dann gilt:

t1
1
u (t 1) = U 0 + ∫ i (t ) dt
C t0

Folie: 58
Energieinhalt des Kondensators
Die im Kondensator gespeicherte Energie berechnet sich mit Hilfe des Energie-
inhaltes des elektrischen Feldes
Gedankenexperiment: Es soll das elektrische Feld zwischen zwei Platten
vergrößert werden.
Ein elektrisch neutrales Teilchen wird getrennt
und –dQ gegen das Feld auf die gegenüber
+dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ liegende Platte transportiert.
Hierzu muss die Arbeit
r r P2
dW = dQ ∫ E ds
d E -dQ

P1
-dQ -dQ -dQ -dQ -dQ -dQ -dQ aufgewendet werden, die als zusätzliche
Energie im el. Feld gespeichert wird.

Q
Es ergibt sich: dW = dQ ⋅ ⋅d
ε 0ε r A Folie: 59
Energieinhalt des Kondensators
Gedankenexperiment: Es soll das elektrische Feld zwischen zwei Platten
vergrößert werden.
Ein elektrisch neutrales Teilchen wird getrennt
und –dQ gegen das Feld auf die gegenüber
liegende Platte transportiert.
+dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ +dQ
Hierzu muss die Arbeit
r r P2
d E -dQ
dW = dQ ∫ E ds
P1
-dQ -dQ -dQ -dQ -dQ -dQ -dQ aufgewendet werden, die als zusätzliche
Energie im el. Feld gespeichert wird.

Q
Es ergibt sich: dW = dQ ⋅ ⋅d
ε 0ε r A
Folie: 60
Energieinhalt des Kondensators
Stellt man sich vor, dass das gesamte Feld zwischen den Platten so entstanden
ist, muss über die Ladung der Platten integriert werden:

Q⋅d d ⋅Q
W Q Q 2
d
Wel = ∫ dW = ∫ dQ = ∫ Q dQ =
0
εε A
0 0 r
ε 0ε r A 0 2ε 0ε r A
Q d 1
mit: U= ⋅ erhält man: Wel = Q ⋅ U
ε 0ε r A 2
Q Q
mit der Kapazität C= ⇔U =
U C
1 Q2
erhält man: WKon = Folie: 61
2 C
Schaltsymbol
Das Bauelement „Kondensator“ stellt ein passives Bauelement dar.
Es wird durch das nachstehende Ersatzschaltbild erfasst durch ein
Schaltzeichen mit Richtungspfeil für Strom und Spannung. Strom und Spannung
zeigen in dieselbe Richtung (siehe Verbraucher-Bezugspfeilsystem).

Kondensator

Folie: 62
Kondensatoren
Technische Bauformen von Kondensatoren:

Die folgende Abbildung zeigt Folien- und Keramikkondensatoren

Stirnkontaktierter Keramik-Vielschicht-
Aufbau eines Wickelkondensator Kondensator
Kondensatorwickels
Folie: 63
Hochspannungsfelder
Ende