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Mechatronik

Die Mechatronik beschäftigt sich interdisziplinär mit dem


Zusammenwirken der Disziplinen Mechanik/Maschinenbau,
Elektronik/Elektrotechnik und Informatik/Informationstechnik. Sie
steht aber auch in enger Beziehung zu weiteren Disziplinen wie zum
Beispiel Adaptronik, Elektromechanik, Feinwerktechnik,
Mikrosystemtechnik, Optoelektronik und Optomechanik.

Inhaltsverzeichnis
Disziplinen der Mechatronik
Definition des VDI
Wortherkunft
Das mechatronische System
Mechatronik in der Makro-/Mikro-/Nano-Technik
Ausbildung
Berufsausbildung
Höhere Technische Lehranstalten
Technisches Gymnasium
Staatliche Fachschule für Technik
Studium
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Definition des VDI


Der Verein Deutscher Ingenieure definiert in seiner Richtlinie 2206 die Mechatronik als das synergetische
Zusammenwirken der Fachdisziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik beim
Entwurf und der Herstellung industrieller Erzeugnisse sowie bei der Prozessgestaltung.[1]

Wortherkunft
Das Wort Mechatronik ist ein Kunstwort, das durch Zusammenziehen der Wörter Mechanik und Elektronik
gebildet wurde (Kofferwort). Zuerst wurde es im japanischen Unternehmen Yaskawa Electric Corporation,
einem der weltweit größten Hersteller von Industrierobotern, durch den Ingenieur Tetsuro Mori als
englisches Wort mechatronics aus den Wörtern mechanics und electronics geprägt. Es hat seinen Ursprung
in der Feinmechanik, fand ca. ab dem Jahr 1969 Verwendung und war ab 1971 unter der
Registrierungsnummer „46-32714“ als Marke geschützt. Die Firma gab jedoch im Jahr 1982 das Recht zur
öffentlichen Verwendung seiner Wortschöpfung frei, so dass es in der Folge weltweite Verbreitung fand;
mittlerweile ist es in vielen Industriebereichen etabliert und hat eine grundlegende Bedeutung erlangt. In
Deutschland fand das Wort mit dem ersten Mechatronik-Studiengang im Jahr 1991 und der Anerkennung
des Ausbildungsberufs Mechatroniker im Jahr 1998 stärkere Verbreitung.

Das mechatronische System


Die Mechatronik soll Mechanik, Elektronik / Elektrotechnik,
Steuerungstechnik und Informatik miteinander verschmelzen und
anstelle von mehreren Modellen ein mechatronisches Gesamtsystem
beschreiben. Mechatronische Systeme haben die Aufgabe, mit
Sensorik, Prozessorik, Aktorik und Elementen der Mechanik,
Elektronik und Informatik (sowie anderer funktionell erforderlicher Mechatronisches System
Technologien) Energie, Stoff (Materie) und/oder Information
umzuwandeln, zu transportieren und/oder zu speichern.

Mechatronische Systeme können somit in Funktionsgruppen unterteilt werden, die meist Regelkreise bilden
und aus Modulen mit mechanisch-elektrisch-magnetisch-thermisch-optischen Bauelementen, Sensorik zur
Erfassung von Messgrößen des Systemzustandes, Aktorik zur Regelung und Steuerung sowie Prozessorik
und Informatik zur Informationsverarbeitung bestehen.

Beispiele: Automatisierte Getriebe • Fluidtronische Feder-Dämpfer-Module • Handhabungs-/Roboter-


Systeme • Werkzeugmaschinen-Module • Digitalkameras • Elektronische Waagen • Blu-ray-Spieler •
Computer-Festplattenlaufwerke • Antiblockiersysteme • Elektronische Fahrzeug-Stabilitätsprogramme •
Windkraftanlagen

Mechatronik in der Makro-/Mikro-/Nano-Technik


Das Aufgabengebiet der Mechatronik in der Technik betrifft heute technische Systeme, deren Dimensionen
mehr als 10 Größenordnungen umfassen. Die Mechatronik in der Makro-, Mikro- und Nanotechnik kann
stichwortartig wie folgt gekennzeichnet werden:[2]

Makrotechnik mit cm/m-Dimensionen ist die Technik der Geräte, Apparate, Maschinen und
technischen Anlagen. Kennzeichnend für die Mechatronik ist die Erweiterung der klassischen
Elektromechanik durch elektronische Schaltkreise und datenverarbeitende Module sowie der
Ersatz mechanischer Energie- und Informationsflüsse durch Elektrik, Elektronik, Magnetik,
Optik, z. B. Brake-by-wire-Bremsanlagen, „Fly-by-wire“-Flugzeugtechnik, Sensor-Aktor-
Regeltechnik, speicherprogrammierbare Steuerungstechnik.
Mikrotechnik mit mm/µm-Bauteilabmessungen ist das Gebiet der Feinwerktechnik und
Mikrosystemtechnik. Ein Mikrosystem vereint mit Mikro-Fertigungstechnik und miniaturisierter
Aufbau- und Verbindungstechnik Funktionalitäten aus Mikromechanik, Mikrofluidik, Mikrooptik,
Mikromagnetik, Mikroelektronik.
Nanotechnik nutzt nanoskalige Effekte der Physik, Chemie und Biologie. Die
Nanowissenschaft wurde 1960 durch Richard Feynman (Physik-Nobelpreisträger 1965)
begründet. Beispiele der nano-mechatronischen Gerätetechnik sind das
Rastertunnelmikroskop und das Rasterkraftmikroskop. Sie ermöglichen durch mechatronische
Piezo-Aktor-Module die Darstellung von Materialoberflächen im atomaren Maßstab und die
Bestimmung nanoskaliger Kräfte, zum Beispiel zur Optimierung magnetischer Datenspeicher
und elektronischer Mikrochips.
Biologische Mechatronik (auch Biomechatronik) schließlich ist ein Zwischenbereich, der durch die
Bestrebung einiger fernöstlicher (v. a. japanischer) Entwickler von humanoiden Baurobotern entstanden ist,
das Verknüpfen evtl. auch zumindest in begrenzten Maßen wachstumsfähigen und biologisch veränderbaren
Materialien sowie (z. Zt. vorwiegend) künstlich erzeugten „eindimensionalen“ Flüssigkeiten bzw.
Festkörpern zu erforschen und voranzutreiben.

Ausbildung

Berufsausbildung

Seit 1998 gibt es in Deutschland den anerkannten Ausbildungsberuf Mechatroniker/Mechatronikerin mit


einer Regel-Ausbildungsdauer von 42 Monaten. Der Beruf kann sowohl im Handwerk als auch in der
Industrie erlernt werden.

In Österreich gibt es den Lehrberuf Mechatroniker seit 1999. Die Gewerbeordnung nennt vier Handwerke
aus dem Bereich der Mechatronik (§ 94 Zif. 49 GewO): Mechatroniker für Maschinen- und
Fertigungstechnik, für Elektronik, Büro- und EDV-Systemtechnik, für Elektromaschinenbau und
Automatisierung und für Medizingerätetechnik. Per 1. Juni 2015 wurde der neue Modullehrberuf
Mechatronik eingeführt. Die Ausbildung im Modullehrberuf Mechatronik umfasst verpflichtend eine
zweijährige Ausbildung im Grundmodul Mechatronik und eine eineinhalbjährige Ausbildung in einem der
folgenden Hauptmodule:

Automatisierungstechnik
Elektromaschinentechnik
Fertigungstechnik
Büro- und EDV-Systemtechnik
Alternative Antriebstechnik
Medizingerätetechnik

Zusätzlich kann in einem weiteren halben Ausbildungsjahr eines der folgenden Spezialmodule gewählt
werden:

Robotik
SPS-Technik

Dauer der Lehrzeit:

3,5 Jahre: Grundmodul + ein Hauptmodul


4 Jahre: Grundmodul + ein Spezialmodul

Kombinationsmöglichkeiten: Die Hauptmodule sind untereinander nicht kombinierbar. Das Hauptmodul


"Büro- und EDV-Systemtechnik" ist auch mit keinem Spezialmodul kombinierbar. Alle übrigen
Hauptmodule sind mit beiden Spezialmodulen kombinierbar. Das Grundmodul "Mechatronik" in
Verbindung mit dem Hauptmodul "Automatisierungstechnik" kann auch mit folgenden Spezialmodulen des
Modullehrberufes Elektrotechnik kombiniert werden:

Eisenbahnelektrotechnik
Eisenbahnsicherheitstechnik
Eisenbahnfahrzeugtechnik
Eisenbahntransporttechnik
Eisenbahnfahrzeuginstandhaltungstechnik
Eisenbahnbetriebstechnik

Höhere Technische Lehranstalten

In Österreich besteht die Möglichkeit, an vielen Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) den
Ingenieurgrad (5 Jahre) oder den Techniker (4 Jahre) zu erwerben.

Technisches Gymnasium

Das Technische Gymnasium Telfs in Tirol bietet im Rahmen der AHS Matura eine Berufsausbildung im
Lehrberuf Mechatronik und im Lehrberuf Maschinenbautechnik mit dem Spezialmodul
Automatisierungstechnik an.

Staatliche Fachschule für Technik

In Deutschland gibt es die Aufstiegsweiterbildung auf Tertiärstufe, die mit dem Bestehen eines
Staatsexamen inklusive Projektarbeit und Kolloquium, zum geschützten Berufstitel Staatlich geprüfter
Techniker (engl.: State certified engineer), Fachrichtung Mechatronik, Schwerpunkt Maschinen- und
Anlagentechnik führt.

Studium

In einem typischen Mechatronik-Studiengang werden Mathematik, Technische Mechanik, Maschinenbau,


Thermodynamik, Strömungsmechanik, elektrische Schaltungen, Systemtheorie, Elektronik,
Kommunikationstechnologie, Regelungstechnik, Programmieren, digitale Signalverarbeitung und Robotik
gelehrt.

In Österreich gibt es an der Fachhochschule Technikum Wien, an der Johannes-Kepler-Universität Linz und
an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck zusammen mit UMIT in Hall in Tirol die Möglichkeit,
Mechatronik zu studieren. Der erste universitäre Lehrstuhl für Mechatronik in Deutschland wurde 1991 an
der Universität Duisburg (heute Universität Duisburg-Essen) gegründet. Ab 1994 kamen die Otto-von-
Guericke-Universität Magdeburg, die Fachhochschule Bochum (heute Hochschule Bochum) und die
Fachhochschule Kiel hinzu. Aktuell bieten über 25 deutsche Hochschulen den Studiengang zum Diplom-
Ingenieur[3] oder Bachelor/Master für Mechatronik an. Daneben gibt es Mechatronik auch als
interdisziplinäre Vertiefungsrichtung.[4][5] Regelstudienzeit für das Diplom an Universitäten ist zehn
Semester, an Fachhochschulen acht, für Bachelor/Master Studiengänge sechs oder sieben Semester
(Bachelor) bzw. zwei bis vier Semester zusätzlich für den Master. An Berufsakademien erlangt man
innerhalb einer Studiendauer von sechs Semestern den Bachelor of Engineering im Studiengang
Mechatronik.[6] An vielen weiteren Orten kann es studiert werden.

Auch an der Technischen Hochschule Chalmers in Schweden gibt es eine 5-jährige Ausbildung mit dem
Namen „Automation und Mechatronik“.

Siehe auch
Bewegungsregelung (Motion Control)

Literatur
Rüdiger G. Ballas, Günther Pfeiffer, Roland Werthschützky: Elektromechanische Systeme in
Mikrotechnik und Mechatronik. 2. Auflage. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-89317-2.

Weblinks
Wiktionary: Mechatronik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Mechatronics (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Mechatronics?uselang=
de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Berufsbeschreibung (https://www.bibb.de/de/berufeinfo.php/profile/apprenticeship/868686) des
Bundesinstituts für Berufsbildung
„Was ist Mechatronik?“ (http://193.196.117.22/extrahertz/07-archiv/2006-KWs/09-sept/060930/
P0057_Mechatronik_In/3Med-Mehr.htm) – Film eines Studentenprojekts der HS Karlsruhe für
Studieninteressierte
Mechatronik studieren an deutschen Universitäten (http://www.mechatronics-net.de/?part=mec
hnetev&site=Mechatronik_eV_Studieren) oder Übersicht: Mechatronik an deutschen
Hochschulen (mechatronik-portal.de) (http://www.mechatronik-portal.de/mechatronik_studium.
php)
TransMechatronic (http://www.TransMechatronic.de) – Fachportal zum Thema Mechatronik –
Fördermaßnahme vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
Mechatronik Trinational (http://www.trinational.net) – Portal des grenzüberschreitendem
technisch/wirtschaftlichem Hochschulstudium im Dreiländereck Schweiz – Deutschland –
Frankreich.

Österreich:

Berufs- und Brancheninfos für den Modullehrberuf Mechatronik (https://www.wko.at/Content.N


ode/Service/Bildung-und-Lehre/Lehre/Lehrberufe/Branchen/Berufs--und-Brancheninfo--Mecha
tronik.html) der Wirtschaftskammer Österreich
detaillierte Aus- und Weiterbildungsinfos für Österreich (http://www.bic.at/berufsinformation.ph
p?beruf=mechatronik_modullehrberuf&brfid=2423&reiter=1) des Instituts für
Bildungsforschung der Wirtschaft: BerufsInformationsComputer (BIC)

Einzelnachweise
1. Uni Stuttgart: Was ist Mechatronik? (http://www.mechatronik.uni-stuttgart.de/allgemeines/was-i
st-mechatronik/)
2. Horst Czichos: Mechatronik. Grundlagen und Anwendungen technischer Systeme. Vieweg,
Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-8348-0171-5.
3. Diplom auch nach 2010 (http://www.et.tu-dresden.de/etit/index.php?id=419)
4. Archivierte Kopie (https://web.archive.org/web/20070606232604/http://www.tu-braunschweig.d
e/zsb/studienangebot/studiengaenge-einzeln/mechatronik) (Memento des Originals (https://gift
bot.toolforge.org/deref.fcgi?url=http%3A%2F%2Fwww.tu-braunschweig.de%2Fzsb%2Fstudien
angebot%2Fstudiengaenge-einzeln%2Fmechatronik) vom 6. Juni 2007 im Internet Archive)
Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß
Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
5. Archivierte Kopie (https://web.archive.org/web/20121103030731/http://www.prt.fernuni-hagen.
de/lehre/MECHATRONIK/mechatronik-de.html) (Memento des Originals (https://giftbot.toolforg
e.org/deref.fcgi?url=http%3A%2F%2Fwww.prt.fernuni-hagen.de%2Flehre%2FMECHATRONI
K%2Fmechatronik-de.html) vom 3. November 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink
wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und
entferne dann diesen Hinweis.
6. Archivierte Kopie (https://web.archive.org/web/20080906181719/http://www.ba-stuttgart.de/the
men/studium/studienbereich-technik/mechatronik/konzeption-und-zielsetzung.html) (Memento
des Originals (https://giftbot.toolforge.org/deref.fcgi?url=http%3A%2F%2Fwww.ba-stuttgart.d
e%2Fthemen%2Fstudium%2Fstudienbereich-technik%2Fmechatronik%2Fkonzeption-und-ziel
setzung.html) vom 6. September 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch
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Diese Seite wurde zuletzt am 13. Mai 2020 um 04:29 Uhr bearbeitet.

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