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Was bringt eine Fußmassage?

Die Füße zu verwöhnen tut gut, zum Beispiel durch eine Selbstmassage. Manche glauben sogar, dass eine
Reflexzonenmassage positiv auf den gesamten Organismus wirken kann. Belegt ist das allerdings nicht.
Was die Augen mit den Zehen zu tun haben? Laut indischer Volksmedizin eine ganze Menge. Die so weit
auseinanderliegenden Bereiche des Körpers sind demnach über Energiebahnen miteinander verbunden. In
einem Ayurveda-Lehrbuch heißt es daher, dass die Massage der Füße mit Öl oder Ghee (geklärter,
medizinisch aufbereiteter Butter) vor Sehstörungen schützen könne, ebenso vor Rückenschmerzen und
Gefäßverengungen.
Nebenbei beseitigt die Behandlung natürlich auch Trockenheit, Müdigkeit und Taubheit an Sohlen und Zehen
selbst. Die Annahme, dass eine Massage der Füße Fernwirkungen auf innere Organe erzielt, ist nicht nur in
Indien populär. Auch in der Tuina-Massage der traditionellen chinesischen Medizin spielt sie eine Rolle.
Werden bestimmte Druckpunkte an den Fußsohlen stimuliert, bringt das angeblich die stockende
Lebensenergie Qi wieder ins Fließen.
Unsere Füße - Spiegel des Körpers?
Fernöstliche Behandlungsmodelle wie diese beeinflussten wiederum die westliche Naturheilkunde. Ergebnis
ist das Konzept der Fußreflexzonentherapie. Als ihr Erfinder gilt der US-amerikanische Hals-Nasen-Ohren-
Arzt William Fitzgerald (1872 bis 1942). Dieser Massageform liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Füße
unseren Körper verkleinert spiegeln.
Kopf und Nacken beispielsweise sollen den Zehen entsprechen, die Mitte der Fußsohle dem Brustraum.
Knöchel und Fersen seien mit den Bauchorganen und dem Becken verbunden. Leichtes Massieren, Ziehen
oder Kneten soll über die Nervenbahnen das zugehörige Organ am anderen Ende der Leitung stimulieren. So
weit zumindest die Theorie.

"Dass eine Verbindung zwischen den Füßen und den Organen existiert, konnte wissenschaftlich nicht
nachgewiesen werden", betont Bernhard Bojanowski aus Raubling (Oberbayern). Dass die Behandlung – wie
jede andere Fußmassage – positive gesundheitliche Wirkungen erziele, sei jedoch unbestritten, sagt der
Ausbilder und Dozent für Fußreflexzonentherapie beim Verband Physikalische Therapie. "Sie beeinflusst das
vegetative Nervensystem und stabilisiert dadurch das körperlich-seelische Wohlbefinden."

Seelische und körperliche Entspannung


Bojanowski hat die Erfahrung gemacht, dass unter anderem Patienten mit Rückenschmerzen die Behandlung
als sehr angenehm empfinden und über eine Linderung ihrer Beschwerden berichten. Eine schon ältere Studie
der Universität Jena zeigte, dass eine Fußreflexzonentherapie bei
moderater Kniearthrose die Schmerzen verringert.
Dr. Christian Kessler vom Immanuel- Krankenhaus in Berlin kann die Hypothesen der Fußreflexzonentherapie
aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls nicht nachvollziehen. Doch auch er bestätigt, dass die Massagen
allgemein sowohl lokal als auch systemisch positive Gesundheitswirkungen erzielen können. Dem Internisten
und Ayurveda-Experten zufolge sind Effekte beispielsweise zu erwarten bei Gelenkproblemen,
Durchblutungsstörungen und trockener Haut. Wegen ihrer entspannenden Wirkung sei die wohltuende
Behandlung auch bei Nervosität und innerer Unruhe angezeigt.

Einsatz im Krankenhaus und im Wellness-Berreich


Kessler ist als Oberarzt am naturheilkundlich orientierten Immanuel-Krankenhaus tätig und setzt dort
Fußmassagen manchmal auch ergänzend bei Herz- oder Krebserkrankungen ein. "Sie sind in der Regel sehr
gut verträglich und daher besonders für geschwächte Patienten geeignet, für die eine Ganzkörpermassage mit
intensiven Reizen oft zu belastend wäre."

Fußreflexzonenmassagen sind ein alternativmedizinisches Verfahren. Deshalb sollten Patienten vorab klären,
ob ihre Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung übernimmt. Häufig werden die Maßnahmen auch in
Wellnesseinrichtungen oder Fußpflegepraxen angeboten. Durchgeführt werden sie in der Regel von speziell
ausgebildeten Masseuren.
Selbst wer nicht davon überzeugt ist, dass eine Fußmassage auch außerhalb von Sohlen und Zehen wirkt,
sollte dem tragenden Teil seines Körper ab und an ein wenig Fürsorge gönnen. Immerhin legen sie mehrere
Tausend Schritte am Tag zurück. Also mehr als hunderttausend Kilometer im Lauf eines Lebens: zweieinhalb
Mal um den Globus.

Barfuß gehen
Die zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bänder in den unteren Extremitäten sind großen Belastungen
ausgesetzt. Meist stecken die Füße den ganzen Tag in Schuhen. Wenn diese nicht optimal passen, begünstigt
das Fehlstellungen. Die häufigsten Beschwerden und orthopädischen Probleme reichen von Hühneraugen und
Hornhaut bis hin zu Krallen- und Ballenzehen (Hallux valgus).
Der einfachste Weg, den Füßen etwas Gutes zu tun: barfuß laufen. Das stimuliert die Nerven, Muskeln und
Sehnen in der Sohle und stärkt ihr Zusammenspiel – vor allem, wenn man über natürliche Untergründe
wandelt. Übungsparcours für Einsteiger sind die Barfußpfade in Urlaubsregionen und Kurorten, auf denen die
nackten Fußsohlen Kontakt mit verschiedensten Materialien wie Sand, Kieseln und Rindenmulch haben. Man
kann aber auch einfach mal während eines Waldspaziergangs Socken und Schuhe ausziehen und ein Stück
barfuß gehen.

Übungen für die Füße


Außerdem macht spezielles Training unseren Füßen mitunter Beine. Zum Beispiel wenn man sich
abwechselnd auf die Zehen und Fersen stellt. Eine weitere gute Übung ist der Einbeinstand auf weichem
Untergrund, etwa auf Sand oder Rasen. Jeweils eine Minute lang so bleiben, dann wechseln. Wer das
Gleichgewicht bereits gut halten kann, malt mit dem Bein, das nicht auf der Erde steht, kleine Kreise oder
Rechtecke in die Luft.

Fortgeschrittene balancieren über eine knapp über dem Erdboden gespannte Slackline oder auf einem
Wackelbrett. Dieses Gymnastikgerät ist auch in vielen Fitnessstudios populär und wird hier in Kursen
eingesetzt.

Wer es weniger aktiv mag, gönnt sich eine Selbstmassage der Füße – besonders wirkungsvoll ist das vor dem
Schlafengehen. Dazu etwas Körperöl in den Handflächen verreiben. Dann Fußrücken und -sohlen je zwei
Minuten kräftig durchkneten. Die Zehen und ihre Zwischenräume nicht vergessen.