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Corona-Virus: Keine Entspannung in Sicht    

Es ist eine düstere Prognose: Der Chef der Expertengruppe der chinesischen
Regierung, Zhong Nanshan, geht davon aus, dass sich die Corona-Epidemie erst zu
Ende April stabilisiert. So lange dürfte die Zahl der Infizierten und Toten weiter
steigen. Aktuell melden Chinas Behörden fast 72.500 Infizierte und 1868 Tote.
Damit wurden 98 neue Todesfälle registriert, die meisten davon in der Provinz
Hubei, in der die Epidemie begonnen hat und die von den Behörden weitgehend
von der Außenwelt abgeschottet wurde.
Zhong Nanshan leitet nicht nur die Expertengruppe der chinesischen Regierung, er
gilt auch als einer der führenden chinesischen Experten für das Coronavirus.
Er geht davon aus, dass der Ausbruch von COVID-19 Ende Februar seinen
Höhepunkt erreichen könnte. "Den Höchststand zu erreichen, bedeutet aber nicht
den Wendepunkt", so der renommierte Mediziner. Allerdings würden die radikalen
Maßnahmen zur Eindämmung des Virus Wirkung zeigen. Selbst die jetzt laufende
Rückreisewelle von Wanderarbeitern nach den wegen des Virus verlängerten
Ferien zum chinesischen Neujahrsfest würde "möglicherweise keinen großen
Anstieg" bringen, so Zhong.
Krankenhauschef unter den Opfern
Zum ersten Mal ist auch ein Krankenhauschef der neuen Lungenkrankheit zum
Opfer gefallen. Liu Zhiming, der Direktor des Wuchang Hospitals in Hubeis
Provinzhauptstadt Wuhan ist am Montag gestorben. Alle Bemühungen zur Rettung
seines Lebens seien vergeblich gewesen, berichtete der staatliche Fernsehsender
CCTV. Ein Kollege des Krankenhausdirektors berichtete, der Chefarzt sei in
gutem Gesundheitszustand gewesen und hätte selbst nicht erwartet, dass er an
der Lungenkrankheit sterben würde.
Insgesamt sind damit nach offiziellen chinesischen Angaben mindestens sieben
Mitarbeiter des medizinischen Personals des Landes durch die Epidemie gestorben.
Weitere 1716 Ärzte und anderes medizinisches Personal haben sich angesteckt.
Besonders großes Aufsehen erregte der Tod des jungen Augenarztes Li Wenliang,
der Anfang des Monats an der Infektion gestorben war. Li hatte als einer der ersten
vor dem Virus gewarnt. Nach seiner Schilderung versuchte die Polizei jedoch, ihn
mundtot zu machen. Sein Tod löste in chinesischen Online-Netzwerken große
Bestürzung aus, vielfach wurde der Ruf nach Meinungsfreiheit laut.
Immer mehr Auswirkungen auf die Wirtschaft
Wegen der Epidemie wird die internationale Automesse im April in Peking
verschoben. Wie die Veranstalter mitteilten, sei die Entscheidung getroffen
worden, "um die Gesundheit und Sicherheit der Aussteller und Teilnehmer zu
gewährleisten". Die wichtigste Messe auf dem weltgrößten Automarkt sollte
eigentlich vom 21. bis zum 30. April in der chinesischen Hauptstadt abgehalten
werden. Wann die Ausstellung nachgeholt wird, ist noch offen.
Der Apple-Konzern wird wegen des Coronavirus-Ausbruchs seine erst wenige
Wochen alte Umsatzprognose für das laufende Quartal verfehlen. Bei iPhones gebe
es Lieferengpässe, weil die Produktion in China langsamer hochgefahren werde als
geplant. Alle Produktionswerke liefen zwar wieder. Die iPhone-Lieferengpässe
würden aber vorübergehend den Umsatz weltweit beeinträchtigen. Zudem sei der
Absatz von Apple-Geräten in China zuletzt gedämpft gewesen, da viele Geschäfte
zeitweise geschlossen blieben und schlecht besucht worden seien.
"Diamond Princess" weiter vor Japan unter Quarantäne
Hunderte von Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess", das
im Hafen der japanischen Stadt Yokohama festliegt, müssen aufgrund des Corona-
Virus weiter an Bord ausharren. Das Schiff steht seit zwei Wochen unter
Quarantäne. Anlass war der Fall eines 80-Jährigen aus Hongkong, der positiv auf
das Virus getestet worden war. Der Mann war am 20. Januar in Yokohama
zugestiegen und fünf Tage später in Hongkong von Bord des Kreuzfahrtschiffes
gegangen.
Bisher sind 454 der über 3000 Passagiere und Crewmitglieder positiv getestet
worden, 20 Betroffene sollen schwere Symptome haben, sie werden in Kliniken
betreut. Für etwa die Hälfte der Passagiere liegen allerdings noch keine
Testergebnisse vor. Die USA haben ihre Staatsbürger von Bord des
Kreuzfahrtschiffes geholt; die 338 Amerikaner sind inzwischen auf der
kalifornischen Luftwaffenbasis Travis und dem texanischen Stützpunkt San
Antonio-Lackland angekommen.
US-Heimkehrer müssen erneut in Quarantäne
Nach Angaben des US-Außenministeriums sind unter den Heimkehrern 14
Menschen, die mit dem Virus infiziert sind. Sie wurden in den Flugzeugen von den
anderen Passagieren getrennt. 13 der 14 Infizierten wurden nach Angaben von US-
Behördenmitarbeitern als "Hochrisikofälle" eingestuft. Sie wurden für weitere
Tests und zur Behandlung zu einem medizinischen Zentrum der Universität von
Nebraska weitergeflogen.
Alle in die USA zurückgeholten Menschen von Bord der "Diamond Princess"
müssen weitere zwei Wochen in Quarantäne verbringen. Weitere rund 40 US-
Bürger von Bord des Kreuzfahrtschiffs werden derzeit in japanischen
Krankenhäusern wegen Infektion mit dem Virus behandelt.