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4 Energielieferant Meer Windp

dass k
vorher
Welch gewaltige Energie im Meer steckt, wird vielen Men_ lagen g
schen erst bewusst, wenn Zerstörungen und Schäden in zu Ons
Millionenhöhe auftreten oder sogar Menschen zu Scha_ Einu,är
den kommen. Doch diese Kraft wird auch zunehmend sichtlic
genlfizt, zum Beispiel zur Energiegewinnung. Dazthat Vogelzr
die wachsende Erkenntnis beigetragen, dasi die heute Meeres
eingesetzten fossilen Energiequellen endlich sind. Auch ErfahrL
die Diskussionen um die Folgen des Klimawandels und derung
die notwendige Reduktion von Treibhausgasen rücken Wasser
den Einsatz erneuerbarer Energien immer itärker in den skandir
Vordergrund. Umfangreiche Forschungsprogramme be_ zusamr
fassen sich in diesem Sinne mit der NuLungäer Energie land u e

,,aus dem Meer", zum Beispiel erzeugt durch die Gezei_ geplant
tenbewegungen, aber auch mit der Energiequelle, die am tung. I(r
Standort,,Meer" besonders günstige Voraussetzungen hat: und teu
der Windenergie. einem I
weilen l

,,Borkur
Windenergie von Bor
liegen jt
Die europäischen I(üstenländer sind d,erzeit weltweit ,,Aussch
fy.hr..1d in der Stromgewinnung durch Windenergie, sie nicl.u
allerdings ist der Anteil an der Gesamtenergiemenge der 200
noch gering. In Deutschland betrug er 2005 zum Bei_ schaftet
spiel nur vier Prozent. Auch wenn durch sogenanntes die Winr
,,Repowering" (technische Aufrüstung und Mädernisie- wie Sch
rung bestehender Windkraftanlagen) eine 40_prozentige Im Verg
L,eistungssteigerung seit 1990 erreicht wurde, kann vor zung sc
allem in Europa eine Ausweitung der Windenergie nur Realisier
durch Windparks an Offshore-Ständorten erreicht werden sehbarei
(Abb. 119.1). Denn im Gegensatz zu außereuropäischen weiteste
Standorten wird in Europa das Land fur neue Siandorte Wellene
an der Küste (und im Binnenland) durch zunehmende und mit
Planungseinschränkungen (zum Beispiel Landschafts_ satz. Arr
118.1 Errichtung einer Offshore-Anlage
schutz) immer knapper. Forschur


IVordsee v ü Ä E

!§, Leistung
:,:t!!t' .L 3s00
l.!ü!* o,
B Proiekt innerhalb der i-l-- @
1 2-sm-Zone Osfsee 3000
! genehmigtes Pro1ekt \ 2500
l*
Kabeltrasse 2000
-
Staatsgrenze 1 500
-
----- Seegrenze dKlel

12-sm-Zone 1 000
riRostock
Lübeckr 500
0 50 100km
H
alr) .Btemerhaven 0
.HambUrg
1 990
118.2 Genehmigte Offshore-Windparks
119.1 Wi
118

-.i
Windparks auf hoher See haben zudem den Vorteil, Gezeiten- und Strömungskraftwerke
dass konstantere und höhere Windgeschwindigkeiten
vorherrschen. Auch können auf dem Meer größere An- Gezeitt!ff.können in abgesperrten Buchten bei ausrei-
lagen gebaut werden, die darüber hinaus - im Gegensatz chendem Tidenhub zur Energiegewinnung genutzt wer-
zu Onshore-Anlagen - kaum Anwohner stören. Intensive den. Bereits im 11. Jahrhundert wurde die Kraft des Ti-
Einwände gibt es jedoch von Naturschutzverbänden hin- dehubs zurh Betrieb von Gezeitenmühlen in England
sichtlich einer möglichen Gefährdung von Nationalparks, und Frankreich verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts
Vogelzugrouten oder Auswirkungen von Schallwellen auf wurde in Frankreich zum ersten Mal mithilfe der Ge-
Meerestiere. Die Offshore-Technik orientiert sich an den zeiten Strom gewonnen. Es wird damit die mechanische
Erfahrungen aus dem Bereich der Erdöl- und Erdgasför- Kraft der Wellenbewegung, des ein- und ausströmenden
derung und ist von der Entfernung zur I(üste und von der Wassers ausgenützt, um Wasserturbinen und Genera-
Wassertiefe abhängig. Im Vergleich zu bereits bestehenden toren anzutreiben. Bei den wenigen in Betrieb genom-
skandinavischen und britischen Anlagen (500 Anlagen mit menen Anlagen (zum Beispiel St. Malo in Frankreich
zusammen 600 MW) werden Offshore-Parks in Deutsch- (Abb. 119.2), Annapolis Royal/Kanada) wurden die
land weit vor der I(üste in bis zu 40 Meter tiefem Wasser Flussmündungen durch einen Damm abgesperrt, in den
geplant. Die technischen Anforderungen (Turmbau, War- die Turbinen eingebaut wurden. Gründe für die geringe
tung, Kabellegung) sind dadurch um ein Vielfaches höher Anzahl von Gezeitenkraftwerken liegen im Mangel an ge-
und teurer. In der Nordsee müssen die Anlagen zustitzlich eigneten Standorten mit entsprechend hohem Tidenhub.
einem Tidenhub von bis zu 4,5 m und in der Ostsee bis- Dazu kommen hohe Baukosten, die Beeinträchtigung
weilen Eisgang widerstehen. Die deutschen Pilotprojekte der Schifffahrt sowie der Flora und Fauna z.B. durch
,,Borkum West" (bzw. ,,alpha ventus"), 45 km nördtich Veränderungen der Uferzonen. Am besten funktionieren
von Borkum, und ,,Butendi ek" , 34 km westlich von Sylt, Gezeitenkra-ftwerke in einer Lagune, da hier Ebbe und
liegen jenseits der nationalen l2-Seemeilen-Zone in der Flut optimal ausgenutzt werden können.
,,Ausschließlichen Wirtschaftszone (AW Z)" . D amit liegen
sie nicht mehr im deutschen Hoheitsgebiet, aber innerhalb
der 200-Seemeilen-Zone, die von Deutschland bewirt- 1966 wurde in der Mündung die Rance bei St. Malo ein
schaftet werden darf. Innerhalb der AWZ konkurrieren Kraftwerk in Betrieb genommen, das den Tidenhub von
die Windenergieanlagen aber mit anderen Nutzergruppen ca. L4 m (deutsche Nordseeküste 5 m) nutzt. Die Anlage
wie SchiffJahrt, Fischerei oder Bergbau (Abb. 118.2). liefert mit 24Turbinen insgesamt 500 Mio. kWh im |ahr.
Im Vergleich zur Windenergie, deren kommerzielle Nut- Die Turbinen wurden in einen 750 m langen Damm einge-
zung schon weit fortgeschritten ist, ist die technische baut, der den Flussauslauf zum Meer her abtrennt Bei Flut
Realisierung anderer Energiesysteme aufgrund unüber- strömt das Wasser durch die Turbinen in das landesseitige
sehbarer Kostenfaktoren noch ziemlich offen. Bisher am Becken. Bei Ebbe leert sich das Becken in Richtung Meer.
weitesten entwickelt sind Gezeiten-, Strömungs- und Je nach Strombedarf kann das ablaufende Wasser auch
Wellenenergie-Anlagen. Sie stehen - zumindest regional verzögert werden. Durch den ständigen Zulauf der Rance
und mit kleinen Anlagen - vor einem kommerziellen Ein- in das abgesperrte Becken zeigten sich aber Funktionsstö-
satz. Andere Meeresenergiesysteme sind noch Teil von rungen bei der Stromgewinnung durch den ,,Flutbetrieb".
Forschungspro grammen. Daher erzeugt die Anlage nur im ,,Ebbe-Modus" Strom.

ffi Onshore ffi Onshore-Repowering ffiSOffshore


Leistung pro Jahr in lVlW
52353-1rS 1
3500
Oue e: Hamburger tvlesse: Energiestudie 2oo4

3000

2500

2000

500

000

500

0
1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010

119.1 Windenergie in Deutschland 119.2 Gezeitenkraftwerk St. Malo (Frankreich)

119
Wellenkraftwerke
Pelamis
Vor der schottischen Nordküste wird seit 2000 die Wel-
lenenergie zur Stromgewinnung genutzt. Entscheidend
für das Leistungspotenzial einer Welle sind die Wellen-
höhe und die Wellenperiode. Acht Meter hohe Wellen
können bei einer Periode von circa zwölf Sekunden rund
500 kW/m erzeugen. Die von den Wellen erzeugten Auf-
und Abbewegungen werden dabei innerhalb einer ,,Stahl-
schlange" über hydraulische Zylinder in Rotationsbewe-
gung umgewandelt, durch die ein Generator angetrieben
wird. Die am Meeresboden verankerten ,,Schlangen,,
(griech.: Pelamis) können sich immer quer zum Wellen- 12t.r (
kamm ausrichten. Pelamis ist auch durch großen Seegang
nicht gefährdet, sogenannte Monsterwellen werden von Schu.in
der Anlage untertaucht. Der optimale Abstand zum Mee- durch r
resboden wird mit 50 Metern angegeben, bei Wellenhö- durch d
hen zwischen drei und fünf Metern. mern kc
Die 150 Meter lange Testanlage erzeugt rund 500 Kilowatt und dab
in der Spitzenleistung und ist heute schon so ausgereift, Verankr
dass sie in ,,Wellen-Farmen" mit mehreren zusammenar-
beitenden ,,Schlangen" an der portugiesischen Nordküste Tapcha
bis 2010 kommerziell eingesetzt werden soll (AguEadou- Dieses \
ra). Die Farmen sind ftinf I(lometer vor der Küste in besteht r
einem Abstand von einem Kilometer geplant. Insgesamt an der \'
werden rund 8,5 Millionen Euro investiert. Fördergelder ser der
120.1 Seaflow fließen auch durch die Europäische Union. Allerdings das drei
liegen die Kosten derzeit rund dreieinhalbmal höher als Resen.o
Kraftwerke, die die Gezeiten- beziehungsweise Meeres_ bei Windenergie, da der Anschluss per Unterseekabel an erzeugt
strömungen zur Energiegewinnung ausnutzen, l<önnen das Stromnetz an Land relativ teuer ist. bei diest
weitgehend unabhängig vom Tidenhub arbeiten. Seit 2005
ist das Unterwasserströmungskraftwerk,,Seaflow,, als Ver-
des Wcll
Mit der Ifuaft, die Wellenerzevgen, wenn sie über Hin-
suchsanlage vor der Küste Großbritanniens in Betrieb. dernisse schlagen bzw. diese überschwemmen, arbeiten
Es funktioniert wie eine Windkraftanlage: In 20 Meter mehrere unterschiedliche Systeme, die bisher nur als Ver-
tiefem Wasser, rund zwei I(lometer von der I(üste entfernt,
Wärmr
suchsprojekte laufen. Es sind daher vor allem kleinere
kreist ein elf Meter großer Rotor in der Meeresströmung. Anlagen mit einer geringen Energieerzeugung. Teilweise Energieg
Uber Wasser ragt - abhängig vom Wasserstand - ein funf werden dabei natürliche Hindernisse (2.8. Felsküsten) schen de
bis zehn Meter hoher Turm heraus. Anders als bisherige genutzt oder Beton- bzw. Stahlkonstruktionen gebaut. verhältni
Wasseranlagen, bei denen Turbinen in einem geschlos_ Dazu gehören zum Beispiel: lich-tech
senen Rohr drehen, steht der SeaIlow-Rotor frei. Da sich
die Meeresströmung fast das ganze Jahr konstant in die Wave Dragons
gleiche Richtung bewegt, ist die Itaftwerksleistung kalku- Zwei30 Meter lange ,,Wave Dragons,,erzeugen vor der dä-
lierbar. Bei Strömungsänderungen dreht der Rotor auto- nischen Küste mit der überschwemmungstechnik Strom.
matisch in die optimale position. Neuere Modelle arbeiten Die Anlagen sind in circa 20 Meter Tiefe am Seeboden
mit zwei Rotoren, die kleiner sind und sich langsamer verankert, schwimmen aber an der Oberfläche. Die Wellen
drehen (,,SeaGen) und damit auch mit geringerer Strö- schwappen über eine Rampe in die Mitte der Anlage, wo
mungsgeschwindigkeit arbeiten können. In der planung das Wasser durchsickert und die Turbinen antreibt.
sind inzwischen mehrere,,Unterwasser-Energieparks,;.
Allein in Nordeuropa wurden dafür mehrere Hundert Oscillating-Golumn-System (OSC)
geeignete Standorte gefunden, die eine geforderte maxi- Bei ausreichenden Wassertiefen kann die Energie der
male Strömungsgeschwindigkeit von zwei bis drei Meter Brandungswellen ausgenützt werden. Wasserwellen drin-
pro Sekunde aufweisen. Diese Anlagen können auch auf gen in eine unter der Wasseroberfläche liegende Kammer
ehemaligen Förderplattformen installiert werden. ein und versetzen eine eingeschlossene Wassersäule in 727.2 Pe
t20
,t
Turbine

L
j lli"-
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L.

r
f" 121.1 OSPRAY-Anlage mit OSC-System 121.5 Oscillating-Column-Systeme (OSC)
r*
Schwingungen. Die darüberliegende Luftmasse erueugt Meereswärmekraftwerk OTEC
durch das ,,Auf- und Abpumpen., Strömungsenergie, Die Energiegewinnung erfolgt durch Nutzung der Tempe-
durch die dann Turbinen angetrieben werden. Diese Kam- raturunterschiede zwischen den Wasserschichten im Meer.
mern können direkt in der I(üstenlinie eingebaut werden In tropischen Regionen betragen diese Unterschiede circa
und dabei natürliche Gegebenheiten nutzen (zum Beispiel 20 Grad Celsius. Diese Differenz l<ann zur Verdampfung
Verankerung in Felsspalten oder -rinnen). von Flüssigkeiten dienen. Dieser Dampf wiederum kann
dann Turbinen antreiben, die wie bei einem Wärmekraft-
Tapchan werk Energie erzeugen. Der technische Aufivand ist durch
Dieses Wellenenergie-Kraftwerk in der Nähe von Bergen die notwendigen langen Leitungssysteme sehr groß, der
besteht aus einem IGnal, der eine 60 Meter weite öffnung Wirkungsgrad durch geringe Temperaturdifferenzen rela-
an der Wellenanlaufseite hat und spitz zuläuft. Das Was- tiv gering. Die auf Hawaii gebaute Versuchsanlage wurde
ser der Brandungswellen wird in ein Reservoir geftihrt, daher inzwischen eingestellt.
das drei Meter über der Meeresoberfläche liegt. Aus dem
Reservoir fließt das Wasser zu einem Turbinenhaus und Osmosekraftwerk
erzeugt wie in einem Laufl<raftwerk Strom. Nachteilig Auf der Basis unterschiedlicher Druckverhältnisse von
bei diesem System ist die Abhängigkeit von der Stärke Flüssigkeiten mit zum Beispiel unterschiedlichem Salz-
des Wellengangs. gehalt kann der Druck, der beim Durchströmen einer
Membran erzeugt wird, zur Energiegewinnung heran-
gezogen werden (daher auch Salzgradientenkraftwerk).
Wärme- und Osmosekraftwerke Voraussetzung dafür ist aber ein ausreichend großes I(on-
zentrationsgefälle zwischen Süßwasser und Salzwasser.
Energiegewinnung durch Temperaturunterschiede zwi- Gute Standorte sind daher zum Beispiel Flussmündungen.
schen den Wasserschichten oder unterschiedliche Drucl<- Ungeeignet sind Gezeitenküsten, da an diesen eine zu
verhältnisse von Flüssigkeiten sind weitere wissenschaft_ große Wasserdurchmischung erfolgt. Somit sind weltweit
I ich-tech nische Ansätze :
sehr wenige Standorte denkbar.

121.2 Pelamis 121.4 TAPCHAN-Modell

t21
Mine
Scl-rrve
tanerz.
Flusslä
wurder
Zeit ab
vor allt
Mincla
Grüna
anischt
dort. rt
bilden
dringer
Riesenquallen für Kosmetik 122.2 S alzgärten zur Meersalz gewinnung ( Spanien) auf, es
Die glibberige Masse von Riesenquallen enthält einen
serstoll
Stoff, der als Ztsatz für Nahrungsmittel, I{osmetika und
entsteh
Arzneimittel genutzt werden könnte. Der Eiweißstoff, der 5 Rohstofflieferant Meer Im Urr
auch im Speichel und Schleim enthalten ist, könnte zum
Metalll
Beispiel als Feuchtigkeitsspender für Cremes oder als Ma-
und Sil
gensaftersatz dienen, sagen japanische Forscher. Bis zu Neben der zunehmenden Bedeutung des Meeres für die im Rot,
60 Gramm des Stoffes ,,Qniumucin" lassen sich aus einer Fischerei, den Tourismus, die Handelschifffahrt oder die Bcrgba
etwa 200 I(logramm schweren Riesenqualle gewinnen. Energiegewinnung gerät es in Zeiten weltweit zuneh- bietcn
mender §ChC@flv.gfkggppg-C- in den Blickpunkt der Abbau
Seegras - ein Naturprodukt für Wärmedämmung Widscha"flund damit- der-lMirs-ensqhaft,trnd der Politik. Papua
Seegras wird über das Markteinfu hrungsprogramm,,Dämm- Ob Erdgas oder Erdöl, Manganknollen oder Gold, im deit es
stoffe aus nachwachsenden Rohstoffen', des Verbraucher- Meer lagern viele Rohstoffe, deren Abbau jedoch tech- tiven R
schutzministeriums gefördert. Es besitzt hervorragende Ei- nisch noch sehr aufwendig ist. Mit steigenden Rohstoff- Meeru
genschaften als Dämmstoff, ist schwer entflammbar, leicht preisen werden aber der Meeresbergbau, die Forschung Pumpa
zu verarbeiten und ökologisch problemlos abbaubar. Da nach Rohstoffvorl<ommen und die Entwicklung von För- es jedor
das Meersalz konservierend wirkt, enthält der Meeres- dertechniken immer wichtiger. Ticfseel
dämmstoff keine chemischen Zusätze. Naturdämmstof- Neben der Förderung von Erdöl und Erdgas erfolgt eine Gescl.rä
fe sind derzeit das einzige Wachstumssegment auf dem Gewinnung von marinen Rohstoffen in größerem Maß- bis 600
Dämmstoffmarkt und in großen Mengen verfugbar, denn stab bislang nur bei Salzen, Sanden und Kiesen (vor allem dischen
es wird überall an Strände gespült und muss bei der Strand- in Europa und lapan) sowie von Diamanten (zum Beispiel knapp,
reinigung vor Saisonbeginn eingesammelt werden. vor der südafrikanischen Küste): lung ge
. In ariden und subtropischen Küstenregionen wird Salz
I(obalt.
Alleskönner Alge - vom Sushi bis zur Biotechnologie seit Jahrhunderten in Salzgärten (Abb. 122.2) gewonnen: len-Gür
In Japan sind Algen von der Speisekarte nicht wegzu- Flache Becken werden mit Meerwasser gefüllt und die dene L:
denken und auch in Deutschland tauchen Algenpräparate Sole wird unter Einwirkung der sommerlichen Verduns- Lizenze
als Nahrungsergänzungsmittel auf. Auch diejenigen, die tung eingetrocknet, bis sich das Salz abgeschieden hat. Lizenz5
sich nicht vorstellen können, Algen zu verspeisen, tun Jeder Liter Meerwasser enthält 3,5 Prozent Kochsalz. die dic l
dies meist in Form von Eiscreme, Pudding, foghurt und . Sande und Kiese werden in Schelfgebietenzum Beispiel
Nationt
in zahlreichen anderen Lebensmitteln, die mit Algenpro- der Nord- und Ostsee mit Saugbaggern und Eimerket- der ..
t'e
dukten hergestellt werden. Algen enthalten Wirkstoffe, mit ten aus 20 bis 60 Metern Tiefe abgebaut. Das Material derzeit :
denen man Viren, Bakterien und Pilze zu Leibe rücken dient zur Aufspülung von Industrie- und Hafenflächen, renden
kann. Damit sind sie ftir die pharmazeutische Forschung in Sylt auch zur Küstensicherung. Das neuste Projekt im in der T
interessant. Zudem sind sie möglicherweise der Treibstoff Nordseeraum ist die Aufspülung einer Landverbindung Sedime
der Zukunft. Denn setzt man bestimmte Grünalgen auf zwischen den zwei Teilinseln von Helgoland. Der I(es- nach ot
eine Schwefeldiät, reduziert sich ihr Stoffwechsel. Die und Sandabbau ist wegen der ökologischen Folgen sehr könnter
überschüssige Energie, die bei der Fotosyrrthese entsteht, umstritten, da der gesamte Meeresgrund ,,abgeräumt" dcrtecht
wird entsorgt, indem Algen Wasserstoff produzieren. Und wird. Es kommt dabei zu Totalverlusten der Bodenle- dic die
Wasserstoff ist der Energierohstoff für Brennzellen. bensgemeinschaften und zur Beeinträchtigung der ge- meterla
samtenNahrungskette.Sigllubltc;ig$.g"_q+d-l,j!tg- oder Pi:
122.L Organische Rohstoffe der Meere emissionen bedrohen weiträumi§ Floia ünd Fauna. anschlit
1.22
,ii;äi§s*x:ffi§r䧧1,*iff#§§,i§,§s§#*§ffi!ffii, §r#:*!§#r§1§#*:ii§§*!§§ ä*.;.,",..,.-....:.:r;.-,.;.

Mineral ische Rohstoffe

I Schwermineralsande (marine Seifen) mit Diamanten, Ti-


tanerz, Zinnstein, Magnetite, Gold oder Platin, die über
Flussläufe aus fossilen Flusslagerstätten angeschwemmt
wurden, werden aus geringen Tiefen schon seit Iängerer tlr
Zeit abgebatt Ergiebige Ylinerallagerstätten werden aber
vor allem im Tiefseebereich vermutet und erforscht.
ItAiiiqialtagerstätten entstehen zumeist an den mitteloze-

l
alischqn Rücl1en, wo sich neue Erdplatten bilden, oder
dort, wo Erdptatten zusammenstoßen. In diesen Regionen
bilden sich Risse in der Erdkruste, in die Meerwasser ein-
dringen kann. Aufquellende heiße Lavaheizt das Wasser
auf, es vermischt sich mit Mineralien und Schwefelwas- 125.1 Schwarze Raucher (black smoker)
serstoff (Metallsulfide) und schießt wieder nach oben. Es
entstehen große Schlote, sogenannte Schwarze Raucher.
Im Umfeld dieser Schwarzen Raucher werden U&!ügS [...] Mehrere Firmen planen, Meta1lsulfide abzubauen;
Metallkrusten aufgeb4ut, di_e reich an Kupfer, Zink, Gold am weitesten fortgeschritten ist die kanadisch-australische
und Silber sind. Allein das Erzyqrko_ruLIlen ,,Atlantis II" Nautilis Minerals Inc. Die Pioniere in Sachen Tiefseeberg-
tta
im Roten Meer wird auf 100 Mio. Tonnen geschätzt. bau haben in der Bismarcksee vom Staat Papua-Neuguinea
aa Bergbauunternehmen haben bereits in verschiedenen Ge- für verschiedene Gebiete Explorationslizenzen erworben.
::' bieten Explorationslizenzen erworben. Für 2009 ist der Bereits Ende 2009 soll im Gebiet Solwara 1 in einer Was-
:
-=-__ Abbau größerer Metallsulfid-Lagerstätten vor der I(üste sertiefe von rund 1700 Metern mit dem Abbau begonnen
L Papua-Neuguineas in 1700 m Tiefe geplant. Dabei han- werden [...]
':: delt es sich um inaktive Raucher, da im Umfeld von ak- Dass sich der Abbau von Metallsulfid im Umfeld der
:::- tiven Rauchern zu hohe Temperaturen und säurehaltiges schwarzen Raucher lohnen könnte, zeigen folgende Zah-
:' l
Meerwasser den Geräten (ferngesteuerte Planierraupen, len: Laut Nautilus wiesen die 88 analysierten Gesteinspro-
-: Pumpanlagen)zusehrzusetzen.§:sße *p_.edeUlie1Lg.tbl ben aus dem Prospektionsgebiet Solwara t hochgerechnet
CLigdSSh hinsichtlich der ökologischen Schäden, die dei durchschnittlich 15,5 Gramm Gold und 108 Kilogramm
Tiefsgebau verursachen könnte. Kupfer pro Tonne auf. Das seien erstaunlich große An-
:: Geschätzt 10 Mrd. Tonnen Mänganknollen liegen in 4000 teile - für I(upfer beispielsweise etwa zehnmal mehr, als
i"_
bis 6000 Meter Tiefe vor allem des Pazifiks und des In- Lagerstätten an Land enthielten. Dies überzeugt auch
dischen Ozeans. Die kartoffelgroßen Brocken bestehen zu bedeutendere Bergbaufirmen, wie beispielsweise Teck
t: knapp einem Drittel aus Mangan, das für die Stahlvered- Cominco und Barrick Gold, die in größerem Umfang in
lung gebraucht wird, und aus Beimengungen von I(upfer, das Projekt investieren. Nautilus geht davon aus, dass das
Kobalt, Zink und Nickel. Im sogenannten Manganknol- Gebiet Solwara 1 eine mineralisierte Zone von mindes-
i- len-Gürtel zwischen Hawaii und Mexiko haben verschie- tens 1,3 Kilometern Länge und 80 bis 200 Metern Breite
:. dene Länder, u.a. Deutschland und die USA, imJahr 2006 umfasst und acht Millionen Tonnen abbauwürdigen erz-
Lizenzenfür die Erforschung der Manganfelder erworben. haltigen Gesteins enthält. Bei der angestrebten Förderka-
:-_ Lizenzgeb er ist die Internationale Meeresbodenbehörde, pazität von rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr würde
:
die die Bodenschätze der Tiefsee im Auftrag der Vereinten das Abbaugebiet demnach in etwa
-a Nationen verwaltet. Allerdings ist aufgrund der Lagetie- in vier Jahren erschöpft sein.
-
='- fe der ,,Kartoffelfelder" an einen wirtschaftlichen Abbau Nautilus ist überzeugt, dass
;-
"- derzeitnichtzu denken. Noch-fehlt es an einer funktionie- sich die Metalle zu kon-
renden Tiefseebergbautechnik, äie den Druckbedingungen kurrenzfähigen Preisen
in der Tiefe standhält,.sich ferngesteuert auf dem weichen abbauen lassen. Bevor es
:: Sedimentboden fortbewegt, die Knollen einsammelt und so weit ist, sind allerdings
:§ nach oben transportiert. Mit steigenden Rohstofforeisen noch zahlreiche technische
:: könnten aber auch heute als futuristisch angesehene För- Probleme zu lösen.
.:- dertechniken rentabel arbeiten, wie z. B. Raupenfahrzeuge, (nach: Neue Ziicher Zeitung
die die Ifuollen vom Ozeanboden absaugen, oder kilo- Ontine, 14. Febnrar 2007, Mar-
ra
meterlange flexible Rohrsysteme, die von Förderschiffen tin Leuch) Mangankno e
: oder Plattformen mit riesigen Pumpen die Manganknollen
anschließend in die Frachträume saugen.
T
123.2 Berybau in der Tiefsee

1,23

I
über den Bohrlöchern gehalten werden. Die Entwick-
lung der Fördertechniken erlaubt heute eine Ölförderung Seit de
aus über 1800 Meter Tiefe (Brasilien). Während in der der I(c
Nordsee die Fördermengen seit 2000 rückläufig sind, wird wie? F
die Offshore-Förderung in anderen Regionen (Karibik, haben
Südamerika) verstärkt. Treibh
Exploration, Förderung und Transport von Ö1 bleiben Man li,
nicht ohne Folgen: lahr für lahr gelangen mehrere Tau- des Ä11
send Tonnen ö1, aber auch Chemikalien durch Unfälle das Po
oder den Bohrschlamm ins Meer. Bei der Abfackelung verbrar
von Gas reichern sich Millionen Tonnen Kohlenstoffdi- sie es.
oxid, Methan und Stickoxide in der Atmosphäre an. Dabei das IIe
124.1 Erdölplattform könnte zumindest Methan ein Rohstoff der Zukunft wer- dert. di
den. Mithilfe von Bakterien wird in einer Pionieranlage in auf. Sre

Energierohstoffe Norwegen aus Methan Eiweiß prciduziert, das bereits als sollte o

Futtermittel von der EU offiziell zugelassen wurde. den. scr

Die gewinnträchtigsten marinen Bodenschätze sind Erd- Gashydrate wie z.B. Methan könnten auch als Energie- dass eir
ö1 und Erdgas, die in den Offshore-Regionen gewonnen rohstoff der Zukunft eine bedeutsame Rolle spielen. Ein Diese I.
werden. Die Offshore-Produktionsmengen machen ge- I(ubikmeter Gashydrat ist unter Wasser so sehr kompri- atmen L

genwärtig etwa ein Drittel der Weltproduktion aus. Zu miert, dass es an der Oberfläche das 164-Fache an Volumen AlgenfL
den größten Offshore-Förderregionen gehört die Nordsee ergeben kann. Die Gase könnten mit Kohlenstoffdioxid chiges I
mit mehr als 450 fest verankerten Plattformen. Ab einer gefördert werden, das in das Speichergestein gepresst wird. ökosr s
Wassertiefe von 500 Metern werden mobile Plattformen Forscher rechnen weltweit mit riesigen Vorräten, die ausfal- Statt di
bzw. Bohrschiffe eingesetzt, die durch Computer gesteuert lende Erdöl- und Erdgaslagerstätten ersetzen könnten. ßen un
daran. t
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I(ohlenc
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Rohstoffvorkommen
.a
.a
Kohle
Eisen
* Kupfer
Chrom
[-r-_l Manganknollen fi) eraol- und Erdsas-
Fördergebiete und
schädige
(nach: Sr
@
o Zinn o Titan
t I
Roter Tiefseeton - Lagerstätten im Schelfbereich
23.07.01:
o Gold, Platin o Quecksilber
-
mit Aluminium-, Eisen-
und Mangangehalt
mit Zahl der arbeitenden
Bohrinseln 008_1<iinr
4) Diamanten

L24.2 Bodenschätze im Meer t25.L Da

t24
T

A1 Analysierön Sie die Entwicklung der Windenergie-


Seit dem Kyoto-Protokoll ist klar, dass auf der ganzen Welt
anlagen in Deutschland (Abb. 119.1).
der I(ohlendioxidausstoß verringert werden muss. Aber
wie? Findige Wissenschaftler, Unternehmer und politiker A2 Erörtern Sie den Ausbau./Neubau von Offshore_
haben einen Traum: Wäre es nicht schön, wenn man das Windanlagen (Abb. 11S.2) unter ökologischen und öko-
Treibhausgas einfach verschwinden lassen könnte?
nomischen Gesichtspunkten.
f:- Man könnte es zum Beispiel im Meer versenken. Forscher
des Alfred-Wegener-Instituts düngten in ihrem Experiment
43 Erörtern Sie die wirtschaftliche Realisierung von
das Polarmeer mit Eisensulfat. Der Hintergrund: Algen
Meeresenergieanlagen (S. 118 - 121).
verbrauchen Kohlendioxid, denn wie alle pflanzen binden
sie es, um daraus Biomasse aufzubauen. Wenn man also A4 ,,Die Vorteile von marinen Energiegewinnungs_
das Meer düngt und damit das Wachstum von Algen för_
anlagen liegt in ihrer regionalen Verfügbarkeit.,, Begrün-
dert, dann nehmen sie entsprechend mehr I{ohlendioxid den Sie diese Aussage (S. 118- 121).
auf. Sterben die Algen ab und sinken auf den Meeresgrund,
sollte das Treibhausgas mit ihnen in die Tiefe verschwin_ A5 Informieren Sie sich (2. B. Internet) über weitere
den, so zumindest die Theorie. Die Experimente zeigten, marine Energiegewinnungssysteme und referieren Sie.
dass ein Teil der Algen von l{einkrebsen gefressen wird.
Diese Krebse dienen anderen Tieren als Nahrung _ und die AO Beschreiben Sie die Verteilung mariner Rohstoffe
atmen das I(ohlendioxid dann wieder aus. Der Effekt des (Abb. 124.2, Atlas).
Algenfutters ist deshalb nicht so groß wie erhofft. Großflä-
chiges Düngen wäre außerdem ein massiver Eingriff in das
A7 Erörtern Sie die Chancen eines marinen Bergbaus
ökosystem - Kritiker warnen vor unabsehba.Ä Folg"rr. (s. 125).
Statt das I(ohlendioxid erst in die Atmosphäre auszusto_ il
ßen und es dann wieder zu entfernen, arbeiten Forscher A8 Begründen Sie die strategisch-politische Bedeutung
daran, es gleich da abzufangen, wo es entsteht _ zum Bei_ von,marinen Rohstoffquellen am Beispiel der Mangan_
spiel in Iftaftwerl<en. Dazu müsste aber die Kohle anstatt knollen (S. 125).
mit Luft mit reinem Sauerstoff verbrennen _ dann besteht
däs Abgas aus fast reinem I(ohlendioxid. Es kann gekühlt
A9 Beurteilen Sie die Erdöl-Offshoreförderung unter
und gelagert werden. Doch dann gibt es das nächste pro_ wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten
blem: Wohin mit dem im Iftaftwerk gesammelten Koh_ (s. t24).
lendioxid?
Forscher des Monterey Bay Aquarium Research Institut A1O Referieren Sie über Vor- und Nachteile von I(oh_
in I(alifornien untersuchen deshalb, ob I(ohlendioxid in Iendioxidlagerung in Meeressedimenten (Abb. l2S.L).
der Tiefsee versenkt werden kann. Es könnte in pipelines
dorthin gepumpt werden. Die Experimente zeigen: in 5600 All Analysieren Sie die Abbildungzur zeitlichen Ent-
Meter Tiefe ist der Wasserdruck so hoch, dass das I(ohlen_
wicklung der Entdeckung von Förderung von Erdöllager_
dioxid flüssig wird. Es entstehen kleine I(ugeln aus einem stätten (Abb. 125.2).
Kohlendioxid-Meerwasser-Gemisch. Sie sammeln sich auf
dem Boden und können in Mulden auf dem Ozean Seen 412 ,,Das Meer als mineralisches Rohstoffreservoir ist
bilden. Allerdings stirbt darin alles Leben ab und selbst, eher wünschenswerte Vision als realistischer Ausblick in
wenn man das in I(auf nähme, ist es keine dauerhafte Lö- die Zukunft". Interpretieren Sie diese Aussage.
sung. Denn dieses Kohlendioxid-Meerwasser_Gemisch ist
nicht sehr stabil. Wenn Strömungen die obersten Schichten
des unterirdischen Sees aufwirbeln, verteilt sich mit der Olfeld ffi Onshore
160 n\
Zeit das I(ohlendioxid im Ozean. Welchen Einfluss dies auf 140 I
t E Offshore
Produktion
das Meer hat, ist noch nicht erforscht. Sollte sich aber das c(§ 120
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I(ohlendioxid im Wasser lösen, trüge es zur Versauerung 100
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des Meerwassers bei und würde damit Meeresorganismen d 80
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schädigen. 6 bU

(nach: Schultes, E. und M. Fuhs: Müllkippe


.9)
(, 40 I fl iei
fur I(ohlendioxid;
23.01.07 ; www.wdr.deltvlquarks/sendung 20
sbeitu aege/ 2O0T / 0 13 O / 0
008-klima.jsp)
1920 1930 1940 19s0 1960 1970 1980 1990 2000
Quel e: IHS
52353 125-2
125.1 Das Meer: Müllkippe für das Kohlendioxid? 125.2 Entwicklung d. ölfunde und der ölproduktion

72.5