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I~

VOM UMGANG MIT SCHÖNHEIT,


ÄSTHETISCHEM URTEIL UND DEM
KATER DANACH
Das Thema ist kompliziert. Wie könnte es auch anders sein, wenn Wissenschaftlichen Studien verschiedener Güte gibt es zu dieser
schon das Wort ,lookism' derart sperrig ist. Für den aus dem Beobachlung zu Genüge.
englischen Sprachgebrauch entliehenen Begriff gibt es keine direkte So konnte bei Versuchen rnit IingiertenBewerbungsmappen beispiels-
deutscheübersetlung. weise nachgewiesen werden, dass ein und derselbe Lebenslauf
wesentlich besst~ ChanCl,'ß hatte rum Bewerbungsgesptäch eingeladen
Verstanden wird unter ,Lookism', analog zu anderen strukturellen zu werden, wenn ein Foto mit einer ~attraktiven Person" beilag, Das
gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnissen (etwa Rassismus oder Fehlen eines Fotos oder auch die Beigabe eines wenig gelungenen
Sexismus), diskriminierendes Verhalten gegen Personen auf Grund Schnappschusses brachte deutlich weniger Erfolge. Auch auf
ästhetischer Urteile. Darunter falleu nicht uur offensichtliche Frechheiten das Wahlverhalten hat die ,Schönheit' der Kandidat)nnen Einfluss.
und T<i.tlichkeiten, sondern auch abschätzige Blicke, zweideutige Kom· Analog dazu werden jedoch auch gegenläufige Effekte konstatiert.
mentare oder sonstige versteckte ausgrenzende Soualtechniken. So geben vor allem Akademikerinnen oftmals an, sich bewusst ,unat-
,Schönheit', so lautet die vordergründige These, ist unter den Menschen traktiver' zu machen, da bestimmte Formen von ,Schönheit' als Kar-
ungleich verteilt, spielt jedoch in sozialen Beziehungen eine wichtige rierehemmnis und Einfallstor für negative Zuschreibungen gefürchtet
Rolle. Ästhetische Urteile seien rur Individuen w ie Gruppen hochgradig werden. Wer ,schön' ist hat oft auch Angst, nicht für voll genommen
handlungsleitend und führten zu einer ungerechten und diskriminie- zu werden: ~Die hat ein hübsches Gesicht und nichts dahinter", oder
rendensoziaJen Praxis, die sich durch alle z.entralen Lebensbereiche rieht. HDer hat einen niedlichen Arsch und dasscheintanzukommen ... "
Das Mitschwingen boshafter und oftmals auch seJ:ualisiener Zuschrei-
bungen zeigt,wie janusgesichtig die Sache mit der Schönheit ist.

Um der Frage nach der Rolle von ,&hönheit'undästhetischen Urtei·


len in sozialen Beziehungen nachzugehen, treffe ich mich mit Atlanta
am Ufer.
HW; Ich frage mich die ganze Zeit schon, was ,Schönheit' überhaupt
ist und worauf sich in dieser Debatte bezogen wird. Denn trotz aUer
vordergriindigenÜberzeugungskraftdes ei!1gangsskizriertenArguntents
ist mir das bisher vergleichsweise unklar. Ich habe mal eine aristote
tische Definition gelesen, derzufolge Schönheit ~Ordnung, Symmetrie
nnd Eindeutigkeit" sei. Was schön ist, das wäre demnach also eckig,
oder mnd, auf jeden Fall aber nicht krumm und wahrscheinlich auch
nicht neonfarben, denn letzteres kommt auf der Farbskala nicht vor.
Und ,natürlich' ist es ein Mann oder eine Frau und nichts anderes und
schon gar nichts dazwischen, oder? So eine Definition muss minde-
stens all jene nervös machen, die überzeugt sind, dass auch jenseits Also als etwas, das durchaus veränderlich ist, sich aber dennoch als
von Marschmusik ästhetisches Emplinden möglich ist. Deshalb frage bestimmte fund möglicherweise vehemente) Form der (An-)Forderung
ich mich: kann man mit der Frage ~Was ist Schönheit überhaupt?" in sozialen Beziehungen manifestieren kann.
eigentlich wirldich anfangen mit dem Fragen? Allerdings würde ich hier gerne noch mal genauer nachfragen. Denn
wenn ich an mich selber denke: Bestimmte Schönheitsideale oder
A: la und nein, würde ich sagen. Die eine Definition davon, was als die Fi:J:ierung auf bestimmte Objekte, die mit Sexyness und Coolness
schön gilt, gibt es sicher nicht. Und das ist auch gut so, kommt man verlinkt sind, kann ich in einer Situation als stressig empfinden und
doch bei der Suche nach einer allgemeingültigen Delinition schnell in genauso können sie mir in anderen Situationen unheimlich egal sein oder
düstere Fahrwasser. Bei mir werden da beispielsweise Assouationen aUenfalls einen verschwindend geringen Teil des Problems ausmachen.
an das faschistische Körperideal geweckt. Schon deshalb halte ich es Ein etwas banales Beispiel: Ich kann mich erinnern, dass ich spitze
für wenig sinnvoll, ein Ideal erkennen und beschreiben zu wollen. Schuhe mit schwindelerregenden Absätzen erst wahnsinnig unästhetisch
Schönheit, so wird ja gerne gesagt, läge im Auge der Betrachtenden. fand und mir schließlich doch welche gekauft habe, weil ich sie mit
Diese Definition trägt meiner Meinung nach einmal dem Umstand der Zeit doch schön fand. Und die Thtsache, dass mein Empfinden,
besser Rechnung, dass sich gängige Schönheitsideale über die Jahr mein Stil und meine Selbstsicherheit so korrupt sind, dass ich auf
hunderte auch immer wieder verändert haben - von Dürers Frauen· Werbung und die füße der Ladies auf der Straße damit regiere, dass
bild über Marilyn Monroe, zu Twiggy, Kate Moss zu Beth Ditto ist vieles ich auch so aussehen will, fand ich schon von Zeit zu Zeit stressig.
schon mal da und doch immer wieder andersgeweseIL In der Mehrheits- Umgekehrt fand ich den Weg von Kate Moss zu mir immer so weit,
gesellschaft wird Schönheit vor allem immer noch mit Weiblichkeit dass es mich nie gestresst hat nicht auszusehen wie sie. Und selbst
assoziiert, auch wenn sich da sicher etwas getan hat und überhaupt ein wenn ich mich an Magerkuren oder sonstige Essstörungen und die
Augenmerl< auf männliche Schönheit gelegt wird. Ob das nun unbedingt damit einhergehenden Kontrollversuche von aUen möglichen Lebens-
ein Fortschritt ist, sei einmal dahingestellt. Eine andere Parallele im Main- äußerungen erinnern kann, dann habe ich nicht das Gefühl, dass es
stream scheint die Verlmüpfung von Schlanksein und Schönheit zu sein. mir wirklich darum ging, nur einem Sdlönheitsideal hinterherzulaufen.
Kuhurelle Norm von Schönheit ist beispielsweise auch sowas wie Du hast das in unserem letzten Gespräch sehr schön ausgedrückt:
Rasieren oder nicht - besonders bei Frauen, mittlerweile aber auch HWir kotzen doch nicht wirl<lich für die Norm .. ."
bei Männern, die Bärte aus Style·GrÜnden tragen. Gerade diese
Normen scheinen mir bedeutsam in der Wertung dessen, was als A; Die Veränderbarkeit dieser Ideale zeigt es ja bereits sehr schön,
schön gesehen wird. Und - um den Bogen zurück zur Schönheit in dass sie üher gesellschaftliche Diskurse dessen, was gerade schön ist,
den Augen der Betrachtenden IU schlagen - natürlich betrachten wir als Norm in Kraft treten. Klarzustellen wäre zunächst auch einmal, ob
auch innerhalb der Unken Menschen als schön. Diese Betrachtungs· es so etwas wie die eine, homogene Mehrheitsgesellschaft mit ihren
weisen mögen sich an hinterfragten Sdlönheitsidealen entlang heraus Idealvorstellungen von Schönheit überhaupt noch gibt oder ob dieser
bilden - beispielsweise gibt es gerade ja das Fat-Movement, um der Block nicht längst zerfallen ist in viele einzelne Gruppen und ihre Vorstel·
Diskriminienmg auf Grund von Gewicht etwas entgegenzusetzen. In lungen davon. Rockabillys, EItremsportler~innen, Hipster usw. - die
manchen Teilen der Linken gilt das Rasieren bei Frauen eher als uner- orientieren sich ja auch an eigenen Rollen- und Gesellschaftsbildern
wünschte Anpassung an Mainstream·Ideale denn als schön - im Grunde und entwickeln darin ihre -letztlich selbst wieder normativ wirkenden -
also als unschöfL Und dann ist da natürlich der viel kritisierte Kleider- Vorstellungen von Schönheit.
kodex. Schwarz ist sexy, bunt eher suspekt. Was ich also sagen will: Da Bewertungskategorien wie Körpermaße, Haut, Körperhygiene etc.
Ich denke schon, dass es in der Linken eine Auseinandersetzung mit aber weiter existieren, müssen wir wohl von beidem sprechen. Und
mehrheitsgesellschafttichen Schönheitsidealen gegeben hat und sie ich denke, dass sich aus diesen beiden Strängen auch die eigenen
auch weiter gibt. "Ii"otzdem kommen wirnicht wnhin, auch eigene (Gegen-) Schönheitsvorstellungen in der linken zusanunensetlen. Die Frage
Vorstellungen davon, was schön oder sexy ist, zu reprodurieren. Damit nach dem Rasieren wird dann zum Beispiel tricky. Das war für mich-
wirken wir auf andere Weisen ausschließend. ganz anders als die spitzen Schuhe übrigens - oft ein Thema. Rasier
ich mir die Beine oder nicht? Es nicht zu tun, entspräche meinem
HW; Mich überzeugt es dun:haus, eine essentialistische Definition von emanupierlen Anti-Sdlönheitsideal. Gleichzeitig finde ich es manchmal
,Schönheit' zu verwerfen und Schönheit mehr als Norm zu verstehen. sogar selbst schön, glatte Beine zu haben. Wirkt da dann doch das
jahrelange Brainwashing meiner nicht·Jinke·Szene·Umgebung? Kann ich
nicht manchmal glaue Beine schön linden und manchmal unrasierte
und das so halten, wie ich es richtig linde? Damm geht es doch am Ende.
Aber wie werde ich dann von den anderen gelesen? Und was ist, wenn
genau die Person, die ich total toll linde, meine unrasierten Beine nicht
schön lindet? Die eigenen Ansprüche an eine bessere Gesellschaft,in
der der Mensch um seiner selbst Willen zählt, verkomplizieren eine
Auseinandersetzung mit den im Kopf eben doch verankerten Idealen.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie ein, sagen wir mal,lang·
haariger Mann mit langem, ungepflegten Bart in die Gruppe kommt.
Sagen wir auch mal,die Körperllygiene ist nicht so ganz perfekt. Was
denkst du, welche Auswirkungen das hätte? Ich denke ganz ehrlich,
dass ihm zwar das Gefühl gegeben wird, willkommen zu sein. Aber HW: Klar, Schönheit (oder um es zu erweitern: die Einhaltung von
tatsächlich wird er sich wohl durch andere Qualitäten seinen Platz in SchönheitsnormenI, sagt ja noch nichts über Intelligenz, Originalität
der Gruppe erobern müssen - etwa, dass er über viel Wissen verfügt oder Qualifikation einer Person. aus. Die Frage, die sich allerdings
oder Aufgaben annimmt und die gut erfüllt. Was zeigt das über unhinter· automatisch stellt, ist, nach welchen Kriterien denn in einer besseren
fragte Normen, die wir dann eben doch einhalten und teilen? Manche Gesellschaft bewertet werden könnte. Die Schlagworte, die ich hier
Realitäten werden aIso auch einfach unter den TIsch gekehrt - weil man eingeworfen habe, passen ja sicher traditionell erstmal in einen Kontext,
nicht verletzen oder nichts Falsches machen will. Und so bleibt die ganze in dem Konkurrenz als grundlegendes Verhältnis der Individuen zuei·
Debatte um die Ausschlüsse und Normen weiter ein Phantomthema. nander eine bestimmende Rolle spielt. In einem Gespräch mit einem
Freund über dieses Thema wurde mir mehr oder weniger durch die
Blume gesagt, dass Lookism eben letztlich doch eine Art ,Nebenwider·
spruch' sei, einProblem, das nur in einem System kapitalistische r
Konkurrem überhaupt eine Rolle spiele und nur durch Abschaffung
des grundlegenden sozialen Konkurrenzverhältnisses wirklich effektiv
bekämpft werden könne.

A: Ich sehe das nicht so. Etwas zum Nebenwiderspruch zu erldären


heißt eigentlich meistens, sich nicht damit beschäftigen zu wollen.
Geht es nicht ganz banal auch um Sexismen? Um Objektivierungen?
Das Thema steht ja nicht im luftleeren Raum.
Nach welchen Maßstäben wir dann bewerten, wird auch davon abhän·
gen, welche Fragen wir heute stellen und wie wir diskutieren. Stell dir
mal vor, die Revolution hätte in Deutschland 1955 stattgefunden. Hätte
sich beispielsweise die Frauenfrage danach von aIIeine gelöst? Ich denke
nicht. Sie ist ja viel präriser erst später formuliert worden. Also deshalb:
Immer schön offen bleiben für neue Diskussionen!
Ich hoffe natÜtlich immer noch auf eine freie Assoriation freierlndivi·
duen,ebenkeineBe· undAbwertung.

HW: Ich linde es auch grundsätzlich problematisch, soziale Konflikte


oder das Nachdenken über Probleme in sozialen Beziehungen auf
"nach der Revolution" zu vertagen. Auch wenn ich mit der Feststellung,
dass bestimmte Probleme in einer kapitalistisch~n Gesellschaft not·
wendig virulent und umkämpft bleiben viel anfangen kann.
Aber kehren wir zur Debatte ins Hier und Jetzt zurück, nachdem wir
einen kleinen Ausblick gewagt haben: Welche Rolle spielen beispiels·
weise Klassen· oder Altersunterschiede für die aktuellen Debatten um
Lookism? Und ist es tatsächlich so, dass die Kategorie Gender (noch)
immer eine wesentliche Rolle für den Umgang mit dem Thema spielt?

A:Klassenunterschied~ spielen ganz sicher eine Rolle, denk beispiels·


weise mal an das Thema Zähne. Schöne Zähne gelten als sexy.
Wer allerdings nicht einigermaßen gut verdient, kann sich im jetzigen
Gesundheitssystem nur "Zähne zweiter Klasse" leisten. Und wird
eben auch so wahrgenommen werden. Beim Thema Alter liegt es auf
der Hand: &hönheit meint meistens auch, ein bestimmtes ,Haltbar
keitsdatum' nicbt überschritten zu haben. Oder wie viele 7Q·Jährige
kennstDu,denennochimmernachgesagtwird,sehrschönzusein?
GenderspieltaufganzverschiedeneArteneineRolle,ganzklassisch
schon durch dieVerknÜpfungSchÖnheitlSchönheitsideale - weib·
liehe Körper. Die sind nun mal von Objektivierung, Bewertung und
Kommentierung viel stärker betroffen. Wer weder den normativen
Kategorien Mann noch Frau entspricht, wird mehrheitsgesellschaftlich
doch vor allem als Freak gesehen, als schön dagegen überhaupt nicht.
So als müsste sich das eben ausschließen.
Und klar gibt es auch Werturteile über die Schönheit von Männern,
die handlungsleitend sind darin, wem wir gerne zuhören, wen wir
ernst nehmen und wessen Vorschläge in Gruppendiskussionen Ix!i
uns gut ankommen. Interessanterweise wird das an Männern
nur in dieser Form nicht verhandelt. VieUeicht einerseits, weil wir
uns an den Mainstreamdiskursen mit ihren geschlechtlichen (EnH
Privilegierungen abarbeiten. Andererseits wäre es wert lU fragen, Zur entnannten Schönheit im Alter würde ich zum Beispiel auch _hat
was genau uns davon abhält, den Zusammenhang von männlicher ein freundliches Gesicht- hinzufügen. Das gilt ja häufig als schön bei
Schönheit und deren sozialer Bewertung zu analysieren. Ist es die alten Menschen, wohl deshalb, weil es zeigt, dass man nicht verhärmt ist,
Angst, sich als miinnlidt privilegiertes Geschlecht mit der Frage danach nicht verbittert. Das wiederum hat natürlich auch wieder was mit gesell·
in den Vordergrund zu drängen (und damit die Angst, Sexismen zu schaft1ichen Vorstellungen zu tun, wie wir sein soUel\.wenn wir alt sind.
reproduzieren)? Ist es eine wertkonservative Haltung, die ganz banal
von dem Fehlen der Auseinandersetzung um solche ,weichen' Themen HW: Vielleicht lässt sich hier auch gut überleiten zu meinem vorerst
zeugt und damit nur (vorsichtig formuliert) den Stellenwert der letzten Punkt. Ein spannender Aspekt, den du eben schon aufgebracht
Debatte in der nach wie vor (thematisch) männlich·weiß dominierten hast: Die Frage nach Strategien gegen bestimmte Schönheitsnormen.
Linken anzeigt? Denn Slogans wie "Big i5 beauliful~ oder ,,40 ist the new 20~ retten
eineß ja im Einzelfall trotzdem nicht davor, sich manchmal fett oder alt
HW: Interessanter Gedanke. Es wäre zu prüfen, ob das Thema und (was wohl das entscheidende ist) dadurch weniger begehrenswert
Schönheit und Attraktivität bei Männern möglicherweise oftmals zu fiihlen. Ist also eine Strategie, die sagt: HWas ihr hässlich findet, finden
einfach anders benannt und diskutiert wird. Also, man bedient sich wir aber schön!" schon Teil der Lösung? Oder isl es allenfalls ein Anfang,
eines ,Charisma'· Begriffes oder nennt es Ausstrahlung oder Durch· der aber sowsagen das bestehende Koordinatennetz für ästhetische Urteile
setzungsfähigkeit, an Stellen, wo der gleiche Umstand bei Frauen weiterhin benutzt, innerhalb dessen ,schön' und ,nicht schön' weiterhin
möglicher Weise als "Schönheit, die TIiren öffnet~ entnannt oder (um wesentliche Unterscheidungen sind?
es neutraler zu fonnulierenl umgedeutet werden würde. Und wenn wir uns aber drauf einigen könnten, dass es dennoch gut ist,
Aber müsste man dann nicht evtl. doch noch mehr Gewicht darauf überhaupt einen Anfang zu wagen: Was käme danach?
legen, danach zu fragen, welche Funktion die Be' und Entnennung
von Dingen und Personen als ,schön' in den jeweiligen sozialen A: Das ist eine schwierige Frage. Nur eine Anti·Norm zu postulieren und
Kontexten hat und was es aussagt, wenn bestimmte Dinge eben nicht es dabei zu belassen, kann wie gesagt keine sinnvolle Strategie sein. Das
mehr vorrangig als schön bewertet werden. Also, um dein Beispiel hieße ja, sich pennanent an dem abzuarbeiten, was andere als Nonnen
von eben aufzugreifen: was ersetzt die Bewertung ,schön' im Alter? setzen. Der Kern des Problems ist doch die Enge der Norm und die Aus
WIJ'S sind es für Systeme, die an ihre Stelle treten? Ich erinnere mich, schlüsse, die darüber produziert werden. SeH'Empowerment ist natürlich
dass es bei meiner Großmutter irgendwann ,gepnegt' war. Wobei ich ein guter Anfang, sich dem Schönheits-, Schlankheits' oder was auch
die These wagen würde, dass der ehemals vielleicht auf ,Schönheit' immer Diktat zu entziehen. Eigentlich greift da meines Erachtens immer
getrimmte ,wertende Blick' eben nur umbenannt wird und nicht noch eine ganz simple, alte feministische Forderung: Mein Körper gehört
verschwindet. mir. In der Lookism·Bewegung geht es ja genau darum, dafür zu sensibi
lisieren, andere Körper eben nicht zu bewerten, zu beurteilen und damit
A; Ja, ich denke, du hast damit Recht. Meine erste Assoziation tu ihre 'fräger)nnen quasi zu ,enteignen'.
,Charisma' wäre auch, HNaja, der sieht wahrscheinlich gut aus~ . Was danach kommt: Ein respektvollerer Umgang miteinander und mit
Manchmal ist bei Männern ja auch von ,Schönlingen' die Rede. Bei dem eigenen Körper natürlich auch. Vielleicht auch ein ganz anderes
Frauen dagegen interessanterweise nicht. Und ,Schönling' klingt auch Empfinden davon, welche Schuhe du haben willst ... Vielleicht auch
abwertend, gerade in dem Sinn, dass jemand auf die - für Männer nicht - das wäre dann guten Gewissens einfach deine Sache.
nicht ausreichende - Qualität seines Aussehens reduziert wird. Also
muss der Schönling, um wertig zu sein, auch weitere Qualitäten haben. Das Gespräch fiiJuteJt HeUce IIlId AUtutta AtlaeJl8.
Eine davon könnte dann sicher auch mit Otarisma benannt werden.
Da wird es dann wirklich absurd, weil es ja tatsächlich auch um
Attraktivität geht, nur das Ganze eben nicht so benannt wird.