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Wearables: Schlüssel zum sicheren Arbeitsplatz

Maschinenmarkt Nr. 007 vom 26.03.2018 Seite 060

Wearables: Schlüssel zum sicheren Arbeitsplatz


Ob Smartwatches oder Fitness-Tracker, E-Textilien oder vernetzte Brillen Wearables sind inzwischen Teil des
Mainstreams und haben die Verbrauchermärkte im Sturm erobert. Solche Geräte sind mit vielen praktischen
Funktionen ausgestattet und vereinen modernste Technik mit dem täglichen Leben.
Cleo Cabuz ist Vice President of Engineering bei Honeywell Industrial Safety in 23560 Lübeck, Tel. (04 51) 7 02 74-0,
info-germany.hsp@honeywell.com

Der Trend zu Wearables macht sich auch in den verschiedenen Bereichen der Industrie bemerkbar. Im Bereich Gesundheit
und Arbeitsschutz verfügt die neueste Generation an persönlicher Schutzausrüstung (PSA) nun über ein ausgeprägtes Maß
an Konnektivität. Intelligente Geschirre, die Körpertemperatur und Blutdruck des Mitarbeiters messen, um seinen
Belastungsgrad zu ermitteln, und diese wichtigen Informationen über drahtlose Verbindungen den Sicherheitsfachkräften
zugänglich machen, sind bereits Teil der Realität. Was also treibt diese Fortschritte auf dem Gebiet der Wearable-Technik
voran. Und noch wichtiger: Was bedeutet all dies für die Mitarbeiter des Bereichs Gesundheit und Arbeitsschutz für die
Zukunft?

Erhöhung der Sicherheitsstandards

in der Industrie

Die Entwicklung in Richtung tragbarer und vernetzter Technik hat sich nicht über Nacht ereignet. Im Verlauf der letzten 30
Jahre ist es dank der Entwicklung von miniaturisierten Sensoren und Elektronik in Kombination mit Batterien hoher
Energiedichte möglich geworden, Sicherheitseinrichtungen zu entwickeln, die sich für den ununterbrochenen Betrieb während
einer 12-Stunden-Schicht eignen. Zwar gibt es diese Technik schon seit einiger Zeit, aber erst kürzlich hat der Boom der
tragbaren Technik begonnen, eine Kostensenkung im Bereich der miniaturisierten Elektronik herbeizuführen. Parallel dazu ist
die Konnektivität extrem zugänglich und leistungsstark geworden. Infolgedessen ist die Beliebtheit dieser Technik auch in der
Industrie zusehends gewachsen.

Was sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert hat, ist die Denkweise der Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sind auch
Verbraucher und ihre Akzeptanz der tragbaren Technik hat zugenommen, da sie Teil ihres täglichen Lebens geworden ist.
Dies bedeutet, dass die psychologischen Barrieren für die Nutzung von Wearables bei der Arbeit sinken und vielmehr genau
das Gegenteil eintritt. In zunehmendem Maße erwarten die Mitarbeiter selbst, dass die Technik, die man ihnen bei der Arbeit
zur Verfügung stellt, jener ähnelt, die sie zu Hause verwenden.

Indem sie diese Technik den Anforderungen der Arbeitsumgebung anpassen, entwickeln die Hersteller von
Sicherheitsausrüstung Geräte und Vorrichtungen, die ebenso benutzerfreundlich sind wie Verbrauchertechnik, ohne jedoch mit
denselben Risiken verbunden zu sein. Zum Beispiel können Personen, die in explosionsgefährdeten Atmosphären arbeiten,
jetzt für Gefahrenbereiche zertifizierte Smartphones über ein Mobilfunknetzwerk verwenden. Jüngste Erfahrungen von
Honeywell mit Kunden zeigen, dass dank dieses Ansatzes selbst in Branchen, die bezüglich der Einführung neuer Technik
bisher eine eher konservative Haltung eingenommen haben, immer mehr Unternehmen beginnen, tragbare Gasdetektions-
und Sicherheitssysteme mit drahtloser Konnektivität zu fordern.

Ein weiterer wichtiger Antriebsfaktor für die Entwicklung von Wearables ist das wachsende Bewusstsein dafür, wie wichtig die
Erhöhung der Sicherheitsstandards in der Industrie ist. Größere Industrieunfälle haben immer mehr Unternehmen veranlasst,
ihre Gesundheits- und Arbeitsschutzstrategien neu zu überdenken. Dies ist nicht nur für den Schutz der Arbeitskräfte wichtig,
sondern stellt auch eine effektive Möglichkeit für Unternehmen dar, sich von ihren Wettbewerbern zu differenzieren, ihre
Reputation zu verbessern und für die größten Talente attraktiver zu werden.

Lärmbelastung in Echtzeit messen

und kontrollieren

Neben der Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen und des Wettbewerbsvorteils ist auch das Bewusstsein für die Frage
der Gesundheit am Arbeitsplatz gestiegen. Im Jahr 2016 kam es allein in Deutschland zu über 1 Mio. meldepflichtigen
arbeitsbedingten Unfälle. Das Wissen über die vielen und oft unsichtbaren Gefahren, denen die Mitarbeiter ausgesetzt sind,
wächst. Zum Beispiel möchten Arbeitgeber in der Lage sein, die Konzentrationen von schädlichen Stoffen wie Silikatstaub,
Schwefelwasserstoff oder flüchtigen organischen Verbindungen sogar unterhalb der Grenzwerte nachzuweisen, die den
Vorschriften zufolge als sicher gelten können. Dies liegt daran, dass sie sich dessen bewusst sind, dass selbst geringe

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Gefährdungen langfristig die Gesundheit ihrer Mitarbeiter schädigen könnten.

Die neueste tragbare Technik kann den Arbeitgebern auf viele unterschiedliche Arten helfen, die Sicherheitsstandards im
Zuge der Bekämpfung von Berufskrankheiten zu erhöhen. Transportable, tragbare Gasdetektoren sind die populärsten
technischen Entwicklungen dieser Art, wobei einige der neuesten Modelle zwei Jahre lang ununterbrochen verwendet werden
können, ohne dass die Sensoren ausgetauscht oder die Akkus aufgeladen werden müssen. Die Kombination von drahtlosen,
tragbaren Gasdetektoren mit Standortdaten und Software ermöglicht es den Sicherheitsfachkräften, die Exposition der
Mitarbeiter gegenüber toxischen Gasen, Sauerstoffmangel, brennbaren Gasen, Partikeln, Strahlung und sonstigen Gefahren
sofort und über einen längeren Zeitraum dezentral und in Echtzeit einzusehen.

Die tragbare Technik kann helfen, neben der Exposition gegenüber Gas auch früher vernachlässigte Probleme wie den
lärminduzierten Gehörverlust (NIHL), eine der weltweit am häufigsten auftretenden dauerhaften und vermeidbaren
Verletzungen des Menschen, zu bewältigen. Durch die Integration intelligenter, tragbarer Sensoren mit modernster Software
und cloudbasierten Diensten kann die hochmoderne Technik Sicherheitsfachkräften wie Mitarbeitern helfen, die
Lärmbelastung in Echtzeit zu messen und zu kontrollieren.

Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem tragbare Technik einen entscheidenden Unterschied ausmachen kann, ist die
Bewegungsbeobachtung. Zum Beispiel sind die meisten der neuesten tragbaren Gasdetektoren jetzt mit Totmann-Alarmen
(Meldungen, wenn der Träger am Boden liegt) ausgestattet, dank derer Sicherheitsfachkräfte besser entscheiden können, wie
zur Rettung des betreffenden Mitarbeiters und gegebenenfalls zur Evakuierung anderer, potenziell gefährdeter Personen
vorzugehen ist.

Neues Konzept: automatisierter Arbeitsschutz

Heute ist es sogar möglich, mithilfe von in die PSA integrierten Sensoren Informationen zur gestischen Kommunikation zu
erfassen. Nehmen wir zum Beispiel einen Ersthelfer, einen Feuerwehrmann oder einen Polizisten einer Spezialeinheit, der
sich in eine gefährliche Situation begibt. Wenn er wichtige Informationen zurück an die Zentrale der Wache beziehungsweise
der Station übertragen muss, dies aber nicht in gesprochener Form tun kann, könnte er dank der tragbaren Technik
stattdessen Gesten verwenden.

Tragbare Technik kann sogar dazu beitragen, Stürze zu verhindern. So waren in den Jahren 2009 bis 2016 mehr als ein
Viertel der Absturzunfälle tödlich. Laut Statistiken der Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ereignet sich die Mehrheit der
Unfälle bei Arbeiten in der Höhe. Fast zwei Drittel davon durch Stolpern, Rutschen oder Stürzen. Sensoren, die in einen
Auffanggurt integriert sind, der wiederum an einem Höhensicherungsgerät befestigt ist, können zum Beispiel ein
automatisches System auslösen, das den Mitarbeiter zurückzieht, wenn er zu nahe an eine Kante tritt.

All diese vernetzte, tragbare Technik ermöglicht auch ein neues Arbeitsschutzkonzept: den automatisierten Arbeitsschutz.
Sicherheitsfachkräfte müssen heute dafür sorgen, dass die Mitarbeiter regelmäßig geschult werden, häufig für drei oder vier
verschiedene Gefahrenbereiche. Sie müssen auch die PSA und andere Arten von Sicherheitsausrüstung, die sie regelmäßig
verwenden, überprüfen, um sicherzustellen, dass sie den Vorschriften entsprechen und auf dem neuesten Stand sind. Die
manuelle Nachverfolgung all dieser Informationen führt zu einem hohen Kosten- und Zeitaufwand.

Dank der Automatisierung dieses Prozesses durch vernetzte Sicherheitslösungen, die Radiofrequenz-( identifikation (RFID),
Sensoren, Software und Cloud-Technik miteinander verbinden, können Sicherheitsfachkräfte jetzt auf enorme Datenströme
zugreifen. Diese Informationen können verwendet werden, um auf einen Blick zu beurteilen, ob die Mitarbeiter die richtige
Schulung zur Verwendung ihrer PSA durchlaufen haben und ob diese Ausrüstung hinsichtlich der Einhaltung der Vorschriften
auf dem neuesten Stand, in gutem Zustand und für den jeweiligen Zweck geeignet ist.

Informationsbeschaffung

über mobile Geräte

Aufgrund der Integration von QR-Codes in die PSA können die Mitarbeiter selbst sofort wichtige Informationen auf ihren
industriellen Smartphones einsehen, beispielsweise Checklisten zur Verwendung von Geräten. Industrielle Smartphones
können außerdem abgefragt werden, um auf Anweisungen zuzugreifen. Die jüngste Generation an Anwendern ist es gewohnt,
die von ihnen benötigten Informationen über mobile Geräte ausfindig zu machen, und es ist wichtig, ihnen dies auch am
Arbeitsplatz zu ermöglichen.

Honeywell geht davon aus, dass die Verwendung tragbarer Technik in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen wird bis
zu dem Punkt, an dem es unvorstellbar wird, dass ein Mitarbeiter sie nicht verwendet. Die PSA-Industrie derzeit ein
27-Mrd.-Dollar-Markt wird expandieren, da riesige aufstrebende Märkte wie China und Indien beginnen, strengere
Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften durchzusetzen.

Gleichzeitig setzen viele multinationale Konzerne, die neue Anlagen in diesen Regionen eröffnen, dort die gleichen
Arbeitsschutzstrategien um, die sie ( auch in ihren Herkunftsländern umsetzen würden, und erhöhen so die Gesundheits- und
Sicherheitsstandards. Tragbare, vernetzte Technik spielt bei ( dieser grundlegenden Umstellung auf eine sicherere und
produktivere Arbeitsumgebung eine wichtige Rolle. MM
Cleo Cabuz

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Bildunterschrift: Abbildung 1: Honeywell geht davon aus, dass die Verwendung tragbarer Technik in den kommenden Jahren
dramatisch zunehmen wird bis zu dem Punkt, an dem es unvorstellbar wird, dass ein Mitarbeiter sie nicht verwendet.
Abbildung 2: Honeywell
Abbildung 3: Die tragbare Technik kann helfen, neben der Exposition gegenüber Gas auch früher vernachlässigte Probleme
wie den lärminduzierten Gehörverlust, eine der weltweit am häufigsten auftretenden dauerhaften und vermeidbaren
Verletzungen des Menschen, zu bewältigen.
Abbildung 4: Honeywell

Quelle: Maschinenmarkt Nr. 007 vom 26.03.2018 Seite 060


ISSN: 0341-5775
Artikeltyp: Fachbeitrag
Dokumentnummer: 451363430

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