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Arbeit 4.

0 - wie Datenbrillen die heutige Arbeitswelt beeinflussen / Digitale Superkraft durch


Wearable ...

Markt & Technik, Heft 49/2018, S. 38

Arbeit 4.0 - wie Datenbrillen die heutige Arbeitswelt beeinflussen


Digitale Superkraft durch Wearable Computing
Entscheidend für die Digitalisierung manueller Arbeitsprozesse sind adäquate Mensch-Maschine-Schnittstellen, die
das Arbeiten 4.0 ökonomisch effizient und für den Arbeiter sinnvoll gestalten - dabei kann Wearable Computing ein
wichtiger Baustein sein.
Am Körper tragbare Computergeräte, wie Tablets, Smart phones oder Datenbrillen, statten den Werker mit Zusatzfunktionen
aus. Sie bilden quasi eine Art digitale Superkraft, die den Arbeiter zum Teil der Smart Factory werden lässt. Wearable
Computing fungiert so als Brückentechnologie, die die individuelle Leistungseffizienz des einzelnen Arbeiters drastisch
verbessern kann.

Friederike Truthe, PR & Marketing Manager bei Ubimax, erläutert dies an einem Beispiel: "Trägt ein Montagearbeiter ein
Head-Mounted-Display - kurz HMD - wie eine Datenbrille, werden ihm mithilfe von Augmented Reality alle relevanten
Informationen und Arbeitsschritte direkt im Sichtfeld angezeigt. Der Montageprozess kann mit Aufsetzen der Brille sofort
beginnen, Bauanleitungen werden digital auf die Datenbrille übertragen. Tritt im Prozess nun außerplanmäßig ein Problem
auf, startet der Werker per Sprachbefehl oder Knopfdruck einen Videoanruf mit seiner Vorarbeiterin, die mithilfe des von der
Kamera an die Brille übertragenen Videobildes präzise Hilfestellung geben kann." Die Datenbrille wird also zum praktischen
Tool, das den Arbeiter schneller macht und seine Ergonomie verbessert. Indem er beide Hände frei hat, kann er sich flexibel
bewegen: eine Aufwertung seines Arbeitsprozesses mit gleichzeitiger Effizienzsteigerung.

Produktivitätssteigerung und Mitarbeiterzufriedenheit

Die Vorteile liegen laut Truthe auf der Hand und zeigen sich auf verschiedenen Ebenen: "Durch die visuelle oder
sprachgesteuerte Unterstützung der Arbeiter, die kontext- und zeitrelevante Anweisungen erhalten, lassen sich überflüssige
Prozessschritte minimieren und Fehlerraten senken. Papierbasierte oder statisch positionierte Produktionsanweisungen
können so ersetzt und Laufwege der Arbeiter optimiert werden." Final übernehmen die Brillen eine automatisierte
Qualitätssicherung, zum Beispiel durch Abfrage zentraler Tätigkeiten, Soll-Ist-Vergleiche oder die visuelle Dokumentation per
Foto- oder Videoaufnahme. Da die Brillen meist mit ERP- oder Lagerverwaltungssystemen verbunden sind, automatisiert sich
die Warenwirtschaft simultan. Gleichzeitig tragen Wearables dazu bei, die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen und den
Arbeiter auf mögliche Gefahren frühzeitig aufmerksam zu machen.

Eine Produktivitätssteigerung zeigt sich unter anderem in verkürzten Stillstandszeiten. Die Reparatur von defekten Teilen kann
schneller vollzogen werden, wenn der Arbeiter Unterstützung durch die Datenbrille bekommt. Auch die Problemdefinition und
-behebung während des laufenden Prozesses werden optimiert, wenn bei kritischen Fragen Experten aus der Ferne per
Videotelefonie hinzugezogen werden können.

In Hinblick auf den Personaleinsatz hilft Wearable Computing Unternehmen gerade bei hoher Personalfluktuation oder
saisonalen Schwankungen der Auftragslage. Zudem werden durch den Fernzugriff per Remote-Experten Reisekosten
reduziert und Reaktionszeiten verkürzt. "Auch ungelernte Arbeitskräfte können durch HMDs schnell und flexibel an
verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt werden, was dem derzeitigen Facharbeitermangel entgegenwirken kann. Die
präzisen Schritt-für-Schritt-Anleitungen ersetzen langwierige Schulungen und leiten die Arbeiter durch Montageabläufe",
erläutert Friederike Truthe.

Nicht weniger relevant ist der Einsatz auch für die Mitarbeitergewinnung, -zufriedenheit und -bindung. Laut einer Studie von
Dell und Intel im Jahr 2016 würden 42 % der Millennials ihren Arbeitsplatz aufgrund minderwertiger Technologiestandards
verlassen. "Der Einsatz von Datenbrillen eignet sich daher, um Mitarbeiter zufriedenzustellen und sie bei ihrer täglichen Arbeit
zu unterstützen. Wichtig ist, Arbeitnehmern die Vorteile durch die Geräte aufzuzeigen und sie frühzeitig in die sich veränderten
Abläufe einzubeziehen sowie entsprechend zu schulen", so Truthe weiter.

Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen

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Wearable ...

Um den einzelnen Arbeiter im Optimierungsdrang nicht zu verlieren bzw. den Arbeitsplatz entsprechend umzugestalten,
werden innovative Mittel benötigt. Wearable Computing bietet wertvolle Ansatzpunkte zur Problemlösung und kann
Unternehmen gleichzeitig den messbaren Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb verschaffen. Unternehmen, die vorne mit
dabei sein wollen, nutzen den First-Mover-Advantage und verringern wirtschaftliche Risiken. Sie sind schneller und liefern
höhere Qualität und sie bieten ihren Mitarbeitern attraktive Jobs.

Gleichzeitig bleibt mithilfe von Wearable Computing die Daseinsberechtigung des Menschen innerhalb industrieller Abläufe
erhalten. Seine Tätigkeiten werden erleichtert, wodurch der Mitarbeiter verbesserte Leistungen abrufen kann. Seine Effizienz
steigt und er bleibt im digitalen Wettkampf konkurrenzfähig. Was ihn nämlich auszeichnet: Der Mensch behält seine taktilen
Fähigkeiten, die sich in gänzlich computergesteuerten Geräten nur sehr schwer realisieren lassen und auch seine
selbstinitiierte Assoziationsfähigkeit, die den künstlichen Intelligenzen fehlt, zeichnet ihn aus. Neue Aufgaben oder
Arbeitsstrukturen, wie der Einsatz von Datenbrillen, werden schnell erlernt und ermöglichen eine noch bessere Reaktion auf
kurzfristige Veränderungen. Maschinen führen ihre Tätigkeiten zwar sehr schnell und mit hoher Genauigkeit aus, können aber
nur auf die Situationen eingehen, für die sie im Vorfeld erdacht wurden. Anders als bei ihren menschlichen Kollegen ist ihre
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit stark begrenzt.

"Durch den Einsatz von Wearable Computing hat der Arbeiter die Nase wieder vorn. Als technologisch unterstützter Mensch
wird der Arbeiter patenter Gegenspieler zur vollautomatisierten Maschine", resümiert Friederike Truthe. (zü)

Quelle: Markt & Technik, Heft 49/2018, S. 38


ISSN: 0344-8843
Dokumentnummer: MT111830026

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