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Philosophische Fakultät

Seminar für Deutsche Philologie


Abteilung Interkulturelle Germanistik
Prof. Dr. Haymo Mitschian
Dr. Corinna Albrecht

DAS ERZÄHLENDE SPANISCHE TEMPUS pretérito imperfecto IM VERGLEICH


ZU DEN ERZÄHLENDEN DEUTSCHEN TEMPORA

Weinrichs Tempus Theorie als Mittel der Literaturinterpretation

Abschlussarbeit
im Master-Studiengang Interkulturelle Germanistik/
Deutsch als Fremdsprache
zur Erlangung des Akademischen Grades
„Master of Arts“ (M.A.)
der Georg-August-Universität Göttingen

vorgelegt am 30.05.2017
von Martha Lucía Afanador Pinzón
aus Bogotá, Kolumbien
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung...............................................................................................................................3

2. Theoretische Grundlagen........................................................................................................5

2.1 Textlinguistische Grundlagen Weinrichs Theorie zu den deutschen Tempus-Formen..........5

2.1.1 Tempus Register.................................................................................................................6

2.1.2 Sprechperspektive.............................................................................................................8

2.1.3 Reliefgebung.....................................................................................................................9

2.2 Rezeption der textlinguistischen Grundlagen von Weinrichs Theorie zu den


deutschenTempus-Formen.......................................................................................................12
3. Die deutschen und spanischen Erzähltempora: ein Überblick...............................................14

3.1 Das Erzähltempus des Deutschen schlechthin: das Präteritum............................................14

3.2 Die spanischen Erzähltempora: pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple............16

3.3 Das Plusquamperfekt: das Hintergrundtempus des Deutschen und des Spanischen...........17

4. Analyse.................................................................................................................................18

4.1 Methodisches Vorgehen......................................................................................................18

4.2 Analyse des erzählenden spanischen pretérito imperfecto im Vergleich zu seinen


deutschen Entsprechungen am Beispiel von García Márquez' Werk „El rastro de tu
sangre en la nieve” (1992)........................................................................................................20
4.2.1 Einleitung........................................................................................................................ 20

4.2.2 Analyse............................................................................................................................20

4.2.3 Ergebnisse........................................................................................................................30

4.3 Analyse des erzählenden spanischen pretérito imperfecto im Vergleich zu seinen


deutschen Entsprechungen am Beispiel von Thomas Manns Werk
„Der Tod in Venedig“(1986).....................................................................................................35
4.3.1 Einleitung........................................................................................................................35

4.3.2 Analyse............................................................................................................................36

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4.3.3 Ergebnisse........................................................................................................................57

4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse......................................................................................65

5. Fazit......................................................................................................................................67

Literaturverzeichnis..................................................................................................................76

Anhänge...................................................................................................................................78

Anhang I: Ausgewählte Fragmente aus der Erzählung „El rastro de tu sangre en la


nieve”(1992) von Gabriel García Márquez und die entsprechende deutsche
Übersetzung „Die Spur deines Blutes im Schnee“ (1993), Übersetzer:
Dagmar Ploetz und Dieter E. Zimmer.......................................................................................78

Anhang II: Ausgewählte Fragmente aus der Erzählung „Der Tod in Venedig” (1986)
von Thomas Mann und die entsprechende spanische Übersetzung
„La Muerte en Venecia“ (1985), Übersetzer: Martín Rivas.....................................................110

Erklärung

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1. Einleitung

Die Bedeutung und Funktion der Tempora einer Sprache sind grundsätzlich von ihrem
kulturellen sprachlichen Ursprung geprägt. Aufgrund dessen weisen die verschiedenen
Tempussysteme syntaktische, lexikalische und morphologische Unterschiede auf und dies
sogar dann, wenn sie aus der gleichen Sprachfamilie stammen. Trotzdem können die
unterschiedlichen Tempussysteme von anderen Sprachsystemen rezipiert werden. Mit anderen
Worten, ein gegebenes Tempussystem ist in der Lage, seine sprachlichen Entsprechungen in
den verschiedensten Sprachsystemen zu finden. Sicherlich hängt dies nicht nur mit der bloßen
Kenntnis der Tempora in ihrer syntaktischen Funktion zusammen. Zwar agieren die
syntaktischen Konstituenten als sprachliche Konventionen, indem sie sich als gemeinsames
Merkmal aller Sprachen erkennen lassen, dennoch finden sie erst ihr Sinnkonstituens, wenn
sie in ihrer wechselwirkenden Kombinatorik innerhalb des Textes betrachtet werden. Da die
Tempora in der traditionellen Grammatik des Spanischen nicht anhand von kontextbezogenen
sprachlichen Elementen, sondern anhand von isolierten Sätzen analysiert werden, bleibt ihre
Funktion als Sinnträger innerhalb eines gesponnenen Textgewebes unbeachtet.

Ziel der vorliegenden Abschlussarbeit ist es zu veranschaulichen, ob und inwiefern die von
Harald Weinrich entwickelte textlinguistische Theorie zu den erzählenden deutschen Tempus-
Formen im Spanischen Geltung bzw. Anwendung findet. Hierfür konzentriere ich mich auf die
erzählende spanische Tempus-Form pretérito imperfecto und seine Entsprechungen im
Deutschen. Dafür werden zunächst im ersten Teil die Grundlagen der textlinguistischen
Theorie Weinrichs zum erzählenden Tempussystem der deutschen Sprache konkretisiert. Im
zweiten Teil werden jeweils die erzählenden Tempus-Formen der deutschen und der
spanischen Sprache in ihrer erzählenden Funktion beleuchtet. Im dritten und letzten Abschnitt
wird die spanische Erzáhltempus-Form pretérito imperfecto mit ihren deutschen
Entsprechungen verglichen und analysiert. Zu diesem Zweck sollen zwei Analysen erfolgen:
die erste Analyse befasst sich damit, die Funktion des Erzähltempus pretérito imperfecto
anhand eines spanischen Originaltextes zu analysieren und mit seiner Entsprechungen im
Deutschen zu vergleichen. Die zweite Analyse, die im Gegensatz dazu erfolgen soll,
beabsichtigt, die Funktion des pretérito imperfecto anhand eines deutschen Originaltextes zu
analysieren und mit seinen Entsprechungen im Spanischen zu vergleichen.

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Hierfür dienen als literarische Grundlagen jeweils die Erzählung im Spanischen „El rastro de
tu sangre en la nieve“ von Gabriel García Márquez (1992) und ihre Übersetzung ins Deutsche
„Die Spur deines Blutes im Schnee“ (1993) sowie die deutsche Novelle “Der Tod in Venedig”
(1986) von Thomas Mann und ihre Übersetzung ins Spanische “Muerte en Venecia” (1985).

Gabriel García Márquez' Werk wurde hierfür als literarische Grundlage ausgewählt, da die
Verteilung der im Text auftretenden Tempora und die narrative Struktur einen erzählenden
Rahmen im Text bilden. Darüber hinaus gestalten die erzählenden Tempus-Formen dabei ein
deutliches sinntragendes Gewebe, was ein bekanntes Merkmal von García Márquez
Erzähltechnik darstellt. In diesem Sinne sind hier die erzählenden Tempora in ihrer
Zusammenfügung von Bedeutung, dadurch dass sie bei der Gestaltung des Sinnkonstituens des
Erzähltextes eine wichtige Rolle spielen. Besonders hervorzuheben sind in diesem
Zusammenhang die erzählenden Tempora, denn sie beeinflussen maßgeblich den Sinn eines
Erzähltextes.

Die Fähigkeit von García Márquez' Novellistik, die Aufmerksamkeit des Lesers von Anfang
an zu wecken und diese bis zum Ende des Buches zu halten, ist weit bekannt. Das hängt in
erster Linie mit dem textbezogenen Zusammenspiel der erzählenden Tempora zusammen, das
grundsätzlich aus der Kombination der erzählenden Tempus-Formen pretérito imperfecto und
pretérito perfecto simple gestaltet wird. Deswegen ist es García Márquez' Erzählung möglich,
eine anschauliche Schilderung der erzählenden Funktion des pretérito imperfecto im
Spanischen zu liefern.

Seinerseits wurde die deutsche Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann als
literarische Grundlage ausgewählt, da sein Werk ein sinntragendes gesponnenes Gewebe
verkörpert, das anhand von meisterhaften sprachlichen Elementen der deutschen Sprache
aufgebaut ist: jedes Wort, jedes Satzgefüge, jedes Fragment webt ein tadelloses erzählendes
Gefüge zusammen, in dem nicht einmal ein Wort dem Zufall oder der Willkürlichkeit
überlassen ist. Auf diese Weise agiert Thomas Manns Werk als ein bereichernder
Forschungsgegenstand, in dem die Erzähltempora, sowie jedes Wort der literarischen
Zeichnung der erzählenden Bilder einen großen Beitrag leisten. Darüber hinaus ist Thomas
Mann einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20.Jahrhunderts, da sein Werk eine große
Themenvielfalt umfasst, die die transzendentalsten Fragen der deutschen Kultur, der Welt und

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der Menschheit thematisiert. Diese Arbeit soll die hohe Relevanz seines Werks insbesondere
in der heutigen Welt zur Erinnerung bringen.

Zur Analyse der erzählenden Funktion der Tempus-Formen des Spanischen und ihrer
deutschen Entsprechungen stütze ich mich in dieser Arbeit auf die Textgrammatik von Harald
Weinrich (2007), in der er die Funktion der deutschen Erzähltempora veranschaulicht und auf
sein Werk Tempus, in dem er die Funktion der spanischen Erzähltempora bzw. des pretérito
imperfecto in den romanischen Sprachen bzw. in der spanischen Sprache konkretisiert. Die
folgenden Begriffe sollen hier zur Bezeichnung der behandelten Tempora dienen: pretérito
imperfecto, pretérito perfecto simple und pluscuamperfecto (vgl. Nueva Gramática de la
Lengua española (2010: 1680). Entsprechend gehören dazu die von Weinrich benutzten
Begriffe: Imperfekt, Perfecto simple und Plusquamperfekt (vgl.Weinrich, 1968). Abschließend
folgt ein Fazit, das den Gegenstand der Abschlussarbeit kritisch beleuchtet.

2.Theoretische Grundlagen

2.1 Textlinguistische Grundlagen Weinrichs Theorie zu den deutschen Tempus-Formen

Da in der vorliegenden Arbeit die Analyse der erzählenden Funktion der Tempora bzw. des
spanischen pretérito imperfecto im Vergleich zu den entsprechenden deutschen Erzähltempora
im Mittelpunkt steht, sollen die textlinguistischen Grundlagen in Form von Harald Weinrichs
Textgrammatik im Folgenden konkretisiert werden.

Der Text in seiner dialogischen Funktion steht im Mittelpunkt von Weinrichs textlinguistischer
Theorie der Tempora. Der Erzähler leitet den Leser an, wie dieser die verschiedenen
Verknüpfungen der Sprachzeichen im Text verstehen soll. Hierfür ist das Verhältnis zwischen
den verschiedenen Sprachmitteln entscheidend, da sich die Sinnkonstituenten des Textes erst
aus dem Zusammenspiel zwischen den sprachlichen Zeichen herauszubilden vermögen. Im
Grunde handelt es sich um eine textlinguistische Grammatik, die sich mit der Beschreibung
des Gebrauchs der Sprache anhand von vielfältigen Bezügen innerhalb eines Textes beschäftigt.
Aus diesem Grund spielt die Analyse der vom Autor vorgeschlagenen textuellen
Zusammenfügung eine große Rolle, da jede einzelne Verbindung als Determinationsgefüge im
Text auftritt.

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„[...]Ein Text ist nicht definierbar als bloße Reihung und Addition einzelner Zeichen.
Es kommt vielmehr zur Textkonstitution hinzu, dass alle diese Zeichen einander
determinieren. Unter der Geltung eines Zeichens im Text soll eben diese Fähigkeit
zur Determination anderer Zeichen in der kontextuellen Nachbarschaft verstanden
werden. Grundsätzlich, d.h. ohne die Kenntnis eines konkreten Zeichens in einem
konkreten Text, sind die Grenzen der Determinationskraft eines Zeichens nicht
anzugeben. Man kann durchaus die Ansicht vertreten, dass in einem längeren Text,
etwa einem Roman, das erste Wort noch das letzte Wort determinieren kann.[...]”
(Weinrich 2001: 24).

Von diesem Anhaltspunkt ausgehend bilden die im Text vorhandenen Tempus-Formen ein
sinntragendes gesponnenes Gewebe, in dem ihr wechselseitiges Verhältnis zur Geltung kommt
und der Vermittlung eines gegebenen Sinnkonstituens dient. Als substantielle Bestandteile der
Analyse der textbezogenen Interaktion der Tempora treten nach Weinrich drei sprachliche
Grundzüge auf: das Tempus-Register bzw. die Sprechhaltung, die Sprechperspektive und die
Fähigkeit der Tempora, Relief zu geben. Die Konturen dieser Grundzüge werden anschließend
veranschaulicht (vgl.Weinrich, 2001).

2.1.1 Tempus-Register

Weinrich zufolge will der Erzähler eine bestimmte Rezeptionshaltung des Lesers hervorrufen.
Aufgrund dessen nimmt auch dieser dem Leser gegenüber eine bestimmte Haltung ein. Daraus
ergibt sich eine konvergierende Kommunikationshaltung sowohl beim Erzähler als auch beim
Leser, die anhand von obstinaten sprachlichen Signalwerten aufgebaut wird. Nach Weinrich
lassen sich im Text, sei er schriftlich oder mündlich, zwei verschiedene sprachliche Welten
unterscheiden: die besprochene Welt und die erzählte Welt. Hierfür spielt die deiktische
Funktion, die zur Kennzeichnung des Ich-hier-jetzt-Punkt als die origo der personalen, lokalen
und temporalen Sprachelemente dient, eine große Rolle. In diesem Sinne agieren die immer
wiederkehrenden Morpheme der Tempora als entweder der erzählten oder der besprochenen
Welt innewohnende Signalwerte, die zugleich und dank ihres obstinaten Auftritts in der
Zeichenkette des Textes als Strukturmerkmale der Sprechhaltung fungieren (Weinrich, 2001:
45-47).

Nach der vom Erzähler nahegelegten Sprechhaltung sind zwei Tempus-Gruppen zu


unterscheiden und zwar die besprechenden und die erzählenden Tempora. Im Folgenden

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werden die von Weinrich häufig in der besprochenen und in der erzählten Welt zu findenden
Tempora aufgeführt: (vgl.Weinrich, 1968: 96)

Deutsche Tempora

Tempusgruppe I: Besprechende Tempora Tempusgruppe II: Erzählende Tempora

Präsens: Er singt. Präteritum: Er sang.

Perfekt: Er hat gesungen Plusquamperfekt: Er hatte gesungen.

Futur I: Er wird singen Konjunktiv II: Er würde singen.

Spanische Tempora

Tempusgruppe I: Besprechende Tempora Tempusgruppe II: Erzählende Tempora

Presente: Él canta Pretérito perfecto simple: Él cantó.

Pretérito perfecto compuesto: Él ha cantado. Pretérito imperfecto: Él cantaba.

Futuro: Él cantará. Pluscuamperfecto: Él había cantado.

Futuro Perfecto: Él habrá cantado Condicional: Él cantaría.

Condicional perfecto: Él habría cantado.

Pretérito Anterior: Él hubo cantado.

Durch die besprechenden Tempora schlägt der Erzähler dem Leser eine Redeweise vor, die den
Leser zu einer gespannten zuhörenden Haltung einlädt, da ihn die hier nahelegte Information
direkt anspricht (Weinrich, 2001:50). Es geht hier um eine sprachliche Interaktion, die ein
gegenseitiges Zusammenspiel zwischen Agieren und Reagieren seitens des Erzählers und des
Lesers verlangt. Die besprechende Tempus-Gruppe ist in der Regel in der Lyrik, im Drama, im
Dialog innerhalb eines literarischen Textes, im wissenschaftlichen Diskurs, und generell in der
formalisierten bzw. performativen Rede zu finden. Im Gegensatz dazu schlägt der Erzähler
dem Leser anhand der erzählenden Tempus-Gruppe eine Redeweise vor, bei der er (der
Erzähler) den Leser zu einer entspannten Haltung führt. Hiermit gibt der Erzähler dem Leser
zu begreifen, dass die mitgeteilte Information nur erzählt wird. Aus diesem Grund wird eine
Infragestellung oder Zustimmung seitens des Lesers zwar nicht ausgeschlossen, aber auch
nicht unmittelbar erwartet. Im Vergleich zu der besprechenden Haltung kann er die Erzählung
entspannt lesen.

Zu der erzählenden Tempus-Gruppe gehört jede Art von Erzählung bzw. Roman, Novelle,
Märchen und sogar Zeitungsberichte. Entscheidend ist hier, auf welche Sprechhaltung der

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Erzähler den Leser lenken möchte, und dafür stellt die erzählende Tempus-Gruppe bestimmte
Signalwerte zur Verfügung. Zwar treten Besprochenes und Erzähltes gemischt im Text auf,
jedoch wird ihre Geltungsweise erst durch die Anweisungen der erzählenden oder der
besprechenden Tempora jeweils signalisiert. Wenn ein Text in hohem Maße die Verwendung
von erzählenden Tempora aufweist, befindet man sich auf dem Gebiet der erzählten Welt, in
der man nur entspannt zuhört. Die sprachliche Gestaltung eines Textes erfolgt nicht anhand
einer willkürlichen Auswahl von sprachlichen Zeichen. Vielmehr erfolgt diese anhand eines
dynamischen Entscheidungsprozesses, der auf eine bestimmte Haltung des Lesers abzielt
(vgl.Weinrich, 2001: 48).

2.1.2 Sprechperspektive

Die Tempus-Perspektive ist eine Kategorie der Einstellung, mit der die Geltungsweise einer
Prädikation zeitlich festgelegt wird (vgl.Weinrich, 2007: 207). Weinrich analysiert die Zeit im
Text anhand des Kommunikationsprozesses und spürt dafür dem Interagieren der Tempus-
Formen in ihrem kommunikativen Fluss im Text nach. In diesem Sinne agiert jedes sprachliche
Zeichen als Sinnträger, indem es zusammen mit der auftretenden Vor- und Nachinformation
ein textuelles Gewebe zu spinnen vermag. Hierfür verfügen die verschiedenen sprachlichen
Zeichen über unterschiedliche Signalwerte, die je nach Form und Funktion unterschiedliche
Sinnkonstituenten gestalten. Deswegen muss der Leser ständig Informationen revidieren und
vorkonstruieren, um den Inhalt des Textes begreifen zu können. Bei den Erzähltempora sind
die sinntragenden Signalwerte von der Art und Weise abhängig, wie sich Erzähler und Leser
zur Information stellen und aus welcher Sprechperspektive sie miteinander kommunizieren.
Hierfür unterscheidet Weinrich zwischen zwei Zeitarten, und zwar der Textzeit und der
Aktzeit. Die Textzeit geht von dem origo-Bezugspunkt aus, der gegebenenfalls mit der Aktzeit
bzw. dem Zeitverlauf des Kommunikationsinhalts des Textes konvergieren kann. Es geht hier
um die Null-Perspektive, die einige Tempora zu signalisieren vermögen. Im Deutschen stellen
die Tempus-Formen Präsens in der besprochenen Welt und das Präteritum in der erzählten Welt
die Null-Perspektive dar. Im Spanischen bildet das Präsens die Null-Perspektive der
besprochenen Welt und die Tempora pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple die
Null-Perspektive in der erzählten Welt. Hierbei braucht der Erzähler die Aufmerksamkeit des
Lesers in keine andere Sprechperspektive zu lenken, da Textzeit und Aktzeit dank der null-

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perspektivischen Tempora hier zusammenfallen. Jedoch ist dies nicht immer der Fall, da
Textzeit und Aktzeit als dynamische relationale Instanzen, einen kontinuierlichen
Perspektivenwechsel aufweisen. Es geht hier um ein dynamisches Verhältnis zwischen Textzeit
und Aktzeit, das zum Ausdruck gebracht werden soll. Deswegen muss der Erzähler, in seiner
Rolle als Wegweiser innerhalb des Textes, dem Leser signalisieren, wo und wie ein gegebener
Perspektivenwechsel stattfindet. Zu diesem Zweck agiert das Perfekt als Rückschau-Tempus
und das Futur als Vorausschau in der besprochenen Welt des Deutschen. In der erzählten Welt
fungiert das Plusquamperfekt als Rückschau-Tempus und der Konjunktiv II als Vorausschau-
Tempus. Im Spanischen fungieren das pretérito perfecto compuesto als Rückschau-Tempus
und das Futur als Vorausschau-Tempus in der besprochenen Welt und in der erzählten Welt
treten das Pluscuamperfecto als Rückschau-Tempus und das Condicional als Vorausschau-
Tempus auf. Diese Tempora spielen hierfür eine nicht unerhebliche Rolle, da sie Information
zu rekonstruieren und vorwegzunehmen vermögen. Sie geben dem Leser zu verstehen, dass
Textzeit und Aktzeit nicht zusammenfallen und dass er aufgrund dessen seine Aufmerksamkeit
umlenken muss. Mit anderen Worten, die hier erläuterten Tempora signalisieren dem Leser, aus
welcher Sprechperspektive der Erzähler sich an ihn wendet und deuten zugleich darauf hin, wo
er sich befindet: in der besprochenen oder in der erzählten Welt.(vgl.Weinrich 2001: 73).

2.1.3 Reliefgebung

Die Komposition eines erzählerischen Textes wird anhand eines eng gesponnenen Gewebes
konzipiert, dessen Bindungen anhand von sprachlichen deiktischen Zeichen gebildet werden.
Leider bleiben ihre inhaltlichen kontextbezogenen Funktionen im Rahmen der traditionellen
Grammatik unberücksichtigt. Dies ist auch bei den Tempora der Fall, die mehr in ihrer bloßen
Funktion im Sinne der linguistischen Begriffe von Temporalität, Aspektualität und Aktionsart
und weniger in ihren kontextbezogenen Funktionen betrachtet werden. Nach Harald Weinrich
agieren die Tempora vielmehr als kommunizierende Röhren, deren kontextbezogene
Verknüpfungen in der Lage sind, dem erzählenden Text Relief zu verleihen. Das Verfassen und
die Lektüre von erzählenden Texten stellen eine anspruchsvolle Abstraktionsaufgabe dar,
indem sie anhand von rein sprachlichen Mitteln dargestellt werden. In diesem Sinne
beanspruchen sie die Einbildungskraft des Erzählers und des Lesers stärker als die
besprechenden Texte, bei denen die vielfältigen deiktischen Elemente aus der Situation heraus

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disponibel sind. Hierzu dient die Situation als Orientierungshilfe, indem sie signalisiert, was
als Vordergrund und was als Hintergrund zu erkennen ist. Jedoch verfügen das Deutsche und
das Spanische über sprachliche Mittel, die den Mangel einer außersprachlichen Bindung zu
kompensieren vermögen. Das sind die erzählenden Tempus-Formen. „[S]ie leisten in der
Erzählung, was in der Besprechung die Situation leistet, indem sie der Rede nach Vordergrund
und Hintergrund Relief geben.[...]”(Weinrich, 2001: 119).

Zwecks der Refliefgebung verfügt die spanische Sprache über zwei Tempora pretérito
imperfecto und pretérito perfecto simple. Aus der Sprechperspektive bilden sie die Null-
Perspektive und in diesem Sinne konstituieren sie das Tempus-Paar der erzählten Welt
schlechthin. Sie stehen als Metaphern jeweils für den erzählenden Hintergrund und den
erzählenden Vordergrund innerhalb der spanischsprachigen erzählenden Welt (vgl.Weinrich
2001: 148).

Im Vergleich zu dem Spanischen verfügt die deutsche Sprache zwecks der Reliefgebung über
eine syntaktische und stilistische Verfahrensweise, die eng an die Stellungsbedingungen des
Verbs im Satz gebunden ist. Das Präteritum konstituiert die Tempus-Form der deutschen
erzählten Welt schlechthin und seine Stellung im Satz ist für die Gestaltung des Reliefs im Text
zuständig. Wenn das Verb die zweite Stellung im Satz einnimmt, agiert es als
Vordergrundtempus. Sollte es in der Endstellung stehen, agiert es als Hintergrundtempus. Je
nach dem, an welcher Stelle das Verb im Satz positioniert ist, kann es die Funktion erfüllen,
Relief zur Rede zu bilden, wobei das Verb in seiner Zweitstellung die Rede in den Vordergrund
verschiebt und in seiner Endstellung, in den Hintergrund.(vgl.Weinrich, 1964: 211). Insofern
die Bedeutung und das Verständnis eines Erzähltextes erst aus dem Interagieren seiner ihm
innewohnenden Sätze entsteht, und nicht aus isolierten Sätzen oder Funktionswörtern wie
Konjunktionen, Relativpronomen u.a., verzichtet Weinrich auf die typisierte Unterordnung des
Satzes nach Hauptsatz und Nebensatz, da jeder Satz zum Verständnis sowohl des
vorhergehenden als auch des folgenden Satzes Bestandteil des Textes ist. In diesem Sinne ist
für das Verständnis der deutschen Tempora in ihrer Relieffunktion völlig unerheblich, ob die
Sätze den syntaktischen Begriffen Hauptsatz oder Nebensatz untergeordnet
werden.(vgl.Weinrich 1964: 214). Interessanter ist die Stellung des Verbs innerhalb des
Satzgefüges, dank derer der Leser die vordergründige und Hintergrundebene der erzählten
Situation erkennen kann.

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„[...]Gewiß, einige Sätze beginnen mit Konjunktionen, Relativpronomen usw., aber
das ist kein zuverlässiges Kriterium. Sätze mit Konjunktion können dem Sinne nach
übergeordnet, Sätze ohne Konjunktion dem Sinne nach untergeordnet sein. Das ist
Satz für Satz verschieden und ist einer Typisierung und Systematisierung kaum
zugänglich. Wenn eine Konjunktion oder ein ähnliches Funktionswort da ist, wird
die semantische Determination stärker gebündelt. Das ist alles. Dafür hat sich mehr
die Semantik als die Syntax zu interessieren. Eine strenge Unterscheidung von
Hauptsatz und Nebensatz ist daraus nicht abzuleiten.[...]”(Weinrich, 1964: 215).

Die Tempora des erzählten Hintergrunds sind meistens für die Vermittlung von
Nebenumständen, Beschreibungen, Reflexionen oder kontextbezogenen Informationen
zuständig, die der Erzähler in den Hintergrund verlagern will (vgl.Weinrich, 2001: 118).
Hierbei fällt das Thema der Rede mit der Situation, in der sich Erzähler und Leser befinden,
nicht zusammen, aber dank der Fähigkeit der Hintergrundtempora, die Rede in den Hintergrund
zu verschieben, kann der Erzähler dem Leser signalisieren, dass er (der Leser) sich jetzt auf
einer anderen Ebene der Situation befindet. Die Tempora des erzählten Hintergrunds sind
häufig im Verlauf des Textes zu finden, sofern sie auf die Nebenumstände hindeuten, aber sie
erscheinen auch häufig am Anfang oder am Schluss der Erzählung, wo der Erzähler dem Leser
eine einleitende oder abschließende Rede anbietet (vgl.Weinrich, 2001: 118).

„[...]Hintergrund ist im allgemeinsten Sinne das, was nicht unerhörte Begebenheit


ist, was für sich alleine niemand zum Zuhören bewegen würde, was dem Zuhörer
jedoch beim Zuhören hilft und ihm die Orientierung in der erzählten Welt
erleichtert.[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Die Tempora des erzählten Vordergrunds dienen meistens der Vermittlung von imminenten
Handlungen bzw. Haupthandlungen. Sie beweisen einen imminenten unmittelbaren Charakter,
insofern der Erzähler diese dem Leser nie im Vorfeld bekannt gibt. Sie signalisieren, dass das
Thema der Rede mit der Situation, in der sich Erzähler und Leser befinden, identisch ist
(vgl.Weinrich, 2001: 119). Auf diese Weise verweisen die Tempora des Vordergrunds auf den
Ort, an dem sich Erzähler, Leser, Spielfiguren und Handlungen zusammen einfinden. Es geht
hier um Tatsachen oder unmittelbare Handlungen, die das Leben der Figuren und infolge
dessen das Gemüt, die Werte, die Gefühle des Lesers unmittelbar treffen.

„[...]Vordergrund ist nach den Grundgesetzen des Erzählens gewöhnlich das, um


dessentwillen die Geschichte erzählt wird; was die Inhaltsangabe verzeichnet; was
die Überschrift zusammenfasst oder zusammenfassen könnte; was die Leute
überhaupt dazu bringt, für eine Zeitlang die Arbeit wegzulegen und einer Geschichte

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zuzuhören, deren Welt nicht ihr Alltag ist; mit einem Wort: die unerhörte
Begebenheit.[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Im Spanischen und Deutschen stellt das Plusquamperfekt ebenfalls eine Form des
Hintergrundtempus dar, indem es im Verlauf der Geschichte Informationen nachzutragen
vermag, immer wenn diese zum Verständnis der Geschichte notwendig sind. Jedoch ist hier
wichtig zu erwähnen, dass das Plusquamperfekt aus der Rück-Perspektive des Erzählers nicht
nur vorzeitige, sondern auch nachzeitige Informationen nachtragen kann, insofern es, genauso
wie das Präteritum in der deutschen Sprache und die spanischen Erzähltempora pretérito
imperfecto und pretérito perfecto simple an keine bestimmte Zeitstufe gebunden ist.
(vgl.Weinrich, 2007: 228).

Die Funktion der verschiedenen Erzähltempora lässt sich erst anhand der Analyse des
gegebenen kompletten Textes beschreiben, da die Verteilung der Tempus-Formen im Text ein
kontextbezogenes Determinationsgefüge bildet. Das heißt, dass jede Zeile des Textes zählt, und
zwar immer dann, wenn man die Relieffunktion der Erzähltempora innerhalb der erzählten
Welt ablesen will. Hierfür muss in Betracht bezogen werden, dass der Verteilung der Tempora
kein Gesetz zugrunde liegt, sofern ihre Bestimmung im Text im Ermessen des Erzählers und
der Erzähltechnik liegt. In diesem Sinne hängt die Verteilung der Tempora im Text davon ab,
was der Erzähler dem Leser vermitteln und wie er auf ihn wirken möchte. Aufgrund dessen
bildet jeder Erzähltext eine einzigartige sinntragende Konstellation (vgl.Weinrich, 2001: 118).

„[...]Grundsätzlich bleibt nämlich die Freiheit des Erzählers in der Reliefgebung


bestehen. Die Tempus-Wahl liegt im Belieben des Erzählers, der dieser kleinen
Szene mittels der gewählten Tempora Relief gibt.[...]“(Weinrich, 2001: 147).

Dank der Fähigkeit der Hintergrund- und Vordergrundtempora, dem Text Relief zu geben,
gelingt es dem Leser, Zugriff auf die verschiedenen situativen Ebenen der Rede in der erzählten
Welt zu erlangen.

2.2 Rezeption der textlinguistischen Grundlagen von Weinrichs Theorie zu den Tempus-
Formen.

Mit der kontextbezogenen Funktion der Tempus-Formen hat sich Harald Weinrich in seinem
Werk Tempus (1968) befasst und einen Beleg dafür vorgelegt, inwiefern seine textlinguistische
Theorie zu den deutschen Tempora in der Analyse der Funktion der spanischen Tempora auch

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Anwendung findet. Es geht um eine Neuinterpretation des Tempussystems. Er zieht die
statuierten Tempusfunktionen nicht in Betracht und legt stattdessen viel Wert auf den
kontextbezogenen Inhalt des Textes. Auf diese Weise findet Weinrichs Theorie in der Nueva
Gramática de la Lengua Española (2009) keinen Raum, da die Analyse der Funktion der
Tempora in der spanischen Grammatik sich auf den Satz beschränkt (Sánchez Prieto, 2010),
wo Harald Weinrich die Tempus-Formen in ihrer kommunikativen bzw. kontextbezogenen
Funktion innerhalb des Textes betrachtet. Der Text in seiner dialogischen Funktion steht im
Mittelpunkt von Weinrichs textlinguistischer Theorie der Tempora. Hierfür ist das Verhältnis
zwischen den verschiedenen Sprachmitteln entscheidend, da sich die Sinnkonstituenten des
Textes erst aus dem Zusammenspiel zwischen den sprachlichen Zeichen herauszubilden lassen
(vgl. Weinrich, 2001). Leider bleiben die inhaltlichen kontextbezogenen Funktionen der
spanischen Tempora von der traditionellen spanischen Grammatik unberücksichtigt. Die
spanischen Tempora werden mehr in ihrer bloßen Funktion im Sinne der linguistischen
Begriffe von Aspektualiät, Aktionsart und Temporalität und weniger in ihren kontextbezogenen
Funktionen betrachtet. Dieser Ansatz findet einen breiten Konsens innerhalb der Grammatiker
der spanischen Sprache und dafür spricht, die Tatsache, dass die Nueva Gramática de la
Lengua Española (2010) aus der Zusammenarbeit von zweiundzwanzig Sprachakademien aus
allen spanischsprachigen Ländern entstanden ist. Dies stellt ein großes Hindernis für die
Einführung der texlinguistischen Theorie Weinrichs in der Diskussion zur Funktion
insbesondere des pretérito imperfecto dar. Die Grammatiker der spanischen Sprache haben bis
heute eine langjährige Diskussion über die Funktion dieser Tempus-Form geführt. Dabei wird
diskutiert, auf welche inhaltlichen Aspekte das pretérito imperfecto aufweist und auf welche
nicht. Zu dieser Diskussion verfügt die spanische Sprache über umfangreiche Literatur, in der
die textlinguistische Theorie Weinrichs nicht in Frage kommt. Dennoch gibt es zwei
interessante Beiträge zur Funktion der spanischen Tempora im Vergleich zu den deutschen
Tempora, die Raum bieten, Weinrichs Theorie zu thematisieren: Tiempos verbales del español
y del alemán (2010) von Raúl Sánchez Prieto und Vergleichende Grammatik Spanisch –
Deutsch (1989) von Nelson Cartagena und Hans Martin Gauger. Sánchez Prieto skizziert einen
Überblick der verschiedenen Ansätze zur Funktion der spanischen Tempora und präsentiert die
deutschen Tempora im Vergleich. Hier tritt Weinrichs Theorie zu den Tempora unter der
Bezeichnung Teoría de la Narratividad auf, insofern Weinrich zwecks Klassifizierung der
Tempora zwischen besprochener und erzählter Welt unterscheidet. Leider befasst der Autor
sich mit Weinrichs Theorie nur grob und oberflächlich und gibt dem Leser mehr zu verstehen,
dass die textlinguistische Theorie Weinrichs den Grundlagen der traditionellen spanischen

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Grammatik zur Funktion der Tempora im Sinne der Aspektualität und der Temporalität kaum
zuzuschreiben sei (vgl.Sánchez Prieto, 2010). Cartagenas und Gaugers Beitrag (1989) stellt
eine vergleichende Grammatik Spanisch-Deutsch dar, in der die textlinguistische Theorie
Weinrichs im Vergleich zu den Grundlagen zu den spanischen Tempora thematisiert wird. Ein
wichtiger Beitrag stellt auch das Fernando Vallejos Werk Logoi, Una gramática del lenguaje
literario (1983) dar. Vallejo, ein angesehener zeitgenössischer kolumbianischer Schriftsteller,
hat eine Grammatik der literarischen spanischen Sprache entwickelt, welche die syntaktischen
Elemente des Spanischen in ihrer kontextbezogenen, kommunikativen und metaphorischen
Funktion analysiert. Er vertritt die Auffassung, dass die europäischen Sprachen, trotz ihrer
Unterschiede bei Morphologie und Syntax, eine gemeinsame erzählerische Dynamik
aufweisen, insofern die Kommunikation zwischen Erzähler und Leser erst aus den
Verknüpfungen der Erzählsignale entsteht. Leider wird Vallejos Grammatik zur spanischen
Sprache von der traditionellen Grammatik nicht anerkannt und infolgedessen in der Nueva
Gramática de la Lengua Española (2010) nicht berücksichtigt. Vallejo nimmt keinen Bezug
auf Weinrichs Theorie, aber er erkennt im Sinne Weinrichs Theorie zwei sprachlichen Ebenen:
besprochene und erzählte Welt. Zwar sind die oben erwähnten Beiträge von großer Wichtigkeit,
aber sie bleiben bedauerlicherweise unberücksichtigt wegen ihres Mangels an Geltung
innerhalb der spanischen Grammatik zugrunde liegenden Grundzüge.

3. Die deutschen und spanischen Erzähltempora: Ein Überblick

3.1 Das Erzähltempus des Deutschen schlechthin: Das Präteritum

Zu den deutschen Erzähltempora gehören grundsätzlich die Tempus-Formen Präteritum,


Plusquamperfekt und Konjunktiv II.(vgl.Weinrich, 1968: 96). Trotzdem stellen die von
Weinrich behandelten Tempora keine erschöpfend Auswahl dar. In dieser Hinsicht erläutert
Weinrich:

„[...]Die Paradigmata beider Sprachen haben nicht den Ehrgeiz, vollständig zu sein
und sind offen für alle Ergänzungen, sofern sie sich einer der beiden Tempusgruppen
zuweisen lassen.[...]”(Weinrich, 1964: 70-71).

Im Folgenden werden die Merkmale der Tempora Präteritum und Plusquamperfekt


veranschaulicht, insofern sie Gegenstand der vorliegenden Abschlussarbeit darstellen.

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Unter dem Gesichtspunkt des Tempus-Registers konstituiert im engeren Sinne das Präteritum
das Erzähltempus der deutschen Sprache. Im Vergleich zu der besprochenen Welt, in der das
Präsens als Tempus der Null-Perspektive eine handlungsbereite Rezeptionshaltung vom Hörer
verlangt, befreit das Präteritum ihn von jener. Da der Erzähltext eine abgeschlossene Einheit
bildet, braucht der Leser den Geltungsanspruch des Erzählers nicht unmittelbar zu überprüfen.
Mit anderen Worten: der Text verlangt kein unmittelbares Reagieren seitens des Lesers, und
falls er gegebene Inhalte in Zweifel ziehen sollte, braucht er nicht sofort nach einer Begründung
bzw. Argumente zu streben, insofern er zum einen, nicht direkt angesprochen wird, und zum
anderen da er nachträglich und zu jeder Zeit auf den Textabschnitt zurückgehen kann, um den
Geltungsanspruch des Erzählers zu überprüfen. In diesem Sinne verleiht das Präteritum dem
Leser einen Aufschub, dank dessen er nichts anderes zu machen braucht als dem zuzuhören,
was der Erzähler zu erzählen hat. Es geht hier um eine andere Sphäre, die nichts mit derjenigen
des Lesers zu tun hat.

„[...]Die Tempora der erzählten Welt besagen, dass nicht die Lebenswelt gemeint ist,
in der sich Erzähler und Leser befinden und unmittelbar betroffen sind. Sie besagen,
dass Erzähler und Leser für die Dauer der Erzählung mehr Zuschauer als agierende
Personen im theatrum mundi sind, auch wenn sie sich selber zuschauen. Diese Rede
lässt die Existenz des Erzählers und Lesers aus dem Spiel.[...]”(Weinrich, 2001: 62).

Aufgrund dessen verkörpert das Präteritum die Null-Perspektive der erzählten Welt. Immer
wenn der Leser in die erzählte Welt eintritt, tritt er in die origo-Ebene der Erzählung ein. Für
die Verkörperung der origo-Ebene der erzählten Welt sind die Signalwerte des Präteritums
verantwortlich. Es signalisiert, dass die Rede mit der Situation, in der sich Erzähler und Leser
befinden, identisch ist, und in diesem Sinne erfolgt das Verhältnis von Textzeit und Aktzeit
problemlos. Infolge dessen braucht der Erzähler die Aufmerksamkeit des Lesers auf keine
andere räumliche bzw. textuelle Ebene zu verlagern, da Textzeit und Aktzeit angesichts ihrer
jeweiligen origo bzw. null-perspektivischen Funktion zusammenfallen. Immer wenn der Leser
auf eine bestimmte Zeile des Erzähltextes zurückgeht, wird die erzählten Welt mit ihrer eigenen
Zeit nochmal in Gang gesetzt. Aus diesen Gründen ist das Präteritum in der Lage, auch auf
Nicht-Vergangenes zu verweisen und bei Weitem nicht nur auf Vergangenes.(vgl.Weinrich,
2007: 219-220).

„[...]Keine Zeitstufe und kein Zeitpunkt ist dem erzählenden Tempus Präteritum
unerreichbar. Die Hausmärchen markieren deutlich die Grenze zwischen der
erzählten Welt und der Alltagswelt. Die Märchenwelt ist ja zeitlos erzählte Welt .Es

15
geht nicht um eine andere Zeit, sondern um eine andere Sphäre. Eine Sphäre mit
ihrer eigenen Zeit, die der Zeit der Uhren nur entfernt ähnlich ist.[...]”(Weinrich,
2001: 65).

3.2 Die spanischen Erzähltempora: pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple

Laut Harald Weinrich gehören zu den spanischen Erzähltempora die folgenden Tempus-
Formen, die häufiger in der erzählten Welt zu finden sind: Imperfekt: pretérito imperfecto,
Perfecto simple: pretérito perfecto simple, Plusquamperfekt: pluscuamperfecto, Konditional
bzw. Konjunktiv II: condicional. In Hinblick auf diese Arbeit konzentriere ich mich auf die
erzählte Funktion des spanischen Erzähltempus-Paares: pretérito imperfecto und pretérito
perfecto simple.(vgl.Weinrich, 1968: 96).

Im Vergleich zum Deutschen, wo nur eine Tempus-Form, und zwar das Präteritum, als das
Tempus der erzählten Welt agiert, verfügt das Spanische über zwei Tempus-Formen, die dem
Leser signalisieren, dass er sich in der erzählten Sphäre befindet: das pretérito perfecto simple
und das pretérito imperfecto.

„[...]Für die spanische Sprache verfügen wir über die schönen Beobachtungen von
Knud Togeby, der in den spanischen Erzählungen einen mehr oder weniger
regelmäßigen Wechsel von Imperfekt und Perfecto simple bemerkt hat, dergestalt,
dass die Sätze im Imperfekt den Hintergrund, die Sätze im Perfecto simple den
Vordergrund der Erzählung bilden.[...]“(Weinrich, 2001:144).

Das pretérito perfecto simple und das pretérito imperfecto bilden die Null-Perspektive unter
dem Gesichtspunkt der Sprechperspektive und dadurch signalisieren sie, dass man sich in einer
anderen Sphäre befindet, und zwar in der Sphäre der erzählten Welt. Aufgrund dessen sind sie
keineswegs für das Nachholen oder Vorwegnehmen von Information im Text verantwortlich,
da diese Funktionen Aufgaben jeweils des pluscuamperfecto und des condicional darstellen.
(vgl.Weinrich, 2001: 115). Vielmehr deuten das pretérito perfecto simple und das pretérito
imperfecto jeweils auf die vordergründige und Hintergrundebene der erzählten Rede hin und
verleihen dadurch dem Text Relief. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung des
Erzähltextes im Spanischen: Das pretérito imperfecto ist das Tempus des Hintergrunds und das
pretérito perfecto simple ist das Tempus des Vordergrunds.(vgl.Weinrich, 2001: 117). Das
pretérito imperfecto ist für die Mitteilung von Nebenumständen, Beschreibungen, Reflexionen,
u.a. zuständig, die zum Verstehen der Erzählung notwendig sind. Im Grunde handelt es sich
hier um Begebenheiten, die zur Verständigung der laufenden Handlung beitragen. Dank der

16
Fähigkeit des pretérito imperfecto, Hintergrund zu signalisieren, kann der Leser die der
Haupthandlung zugrundeliegenden Argumente bzw. Umstände erfahren. Das pretérito perfecto
simple bringt in den Vordergrund diejenigen Begebenheiten, die dem Leser im Vorfeld nicht
bekannt sind. Es geht hier um Tatsachen und Ereignisse, die der Leser eventuell angesichts der
Hintergrundinformationen erahnen könnte, aber sie verbleiben als völlig unbekannte
Ereignisse, bis das pretérito perfecto simple sie in den Vordergrund als unwandelbare Tatsachen
platziert. Erst dann werden sie dem Leser explizit bewusst gemacht. Laut Weinrich verschiebt
das pretérito perfecto simple in den Vordergrund die unerhörten Begebenheiten, das
Ungewöhnliche, um dessen Willen eine Erzählung erzählt und gelesen wird. Im Gegensatz
dazu bleiben die nicht unerhörten Begebenheiten bzw. das Gewöhnliche, im Hintergrund der
Erzählung zurück.(vgl.Weinrich, 2001: 146).

Angesichts der Eigenschaft des pretérito imperfecto, der Rede im Hintergrund Relief zu
verleihen, ist es sehr häufig in der Einleitung und dem Schluss der Erzählung zu finden.
Gewöhnlich bietet der Erzähler am Anfang des Textes eine Einleitung unter der Verwendung
des pretérito imperfecto, die zur Einführung des Lesers in die erzählende Welt dient. Hierdurch
macht der Erzähler dem Leser die erzählerische Atmosphäre bekannt und lädt ihn dadurch ein,
sich in das Tempo der erzählten Sphäre einzufädeln. In gleicher Weise kann der Erzähler
gegebenenfalls anhand des pretérito imperfecto den Leser zum Schluss der Erzählung führen
und ihm dadurch zu verstehen geben, dass die Tür der erzählten Welt sich langsam zu
verschließen beginnt.(vgl.Weinrich, 2001: 117). Das pretérito imperfecto und das pretérito
perfecto simple treten in der Erzählung gemischt auf und ihre Verteilung liegt im Erachten des
Erzählers und der Erzähltechnik.

„[...]Es lässt sich also nur im großen, nicht im Einzelnen vorhersagen, wie ein Autor
in der Erzählung Hintergrund und Vordergrund verteilen will, hängt von der Art der
Erzählung ab und auch vom Temperament des Autors. Der eine verweilt länger im
Hintergrund, der andere hält sich lieber im Vordergrund auf. Das gibt der Erzählung
ein verschiedenes Tempo.[...]“(Weinrich, 2001: 120).

3.3 Das Plusquamperfekt: das Hintergrundtempus des Deutschen und des Spanischen

17
Unter dem Gesichtspunkt der Sprechperspektive bildet das Plusquamperfekt in beiden
Sprachen das Rückschau-Tempus der erzählten Welt. In seiner Bedeutung ist das
Plusquamperfekt durch zwei semantische Merkmale gekennzeichnet: das Register-Merkmal
Aufschub und das Perspektiven-Merkmal Rückschau. Wenn Informationen zur Vorgeschichte
zum Verständnis der Erzählung erforderlich sind, tritt das Plusquamperfekt auf. Es vermittelt
Begebenheiten, die häufig im Verlauf des Textes zu finden sind. Es geht meistens um
Ereignisse, über die der Leser informiert wird, um nachzuvollziehen, wie die Haupthandlungen
zustande gekommen sind. Die Rück-Perspektive des Plusquamperfekts stellt die wichtigste
Unterscheidung gegenüber dem Präteritum dar, das kein Perspektiven-Merkmal erkennen
lässt.(vgl.Weinrich, 2007: 227). Wenn Textzeit und Aktzeit nicht synchron sind, trägt diese
Tempus-Form Hintergrundinformationen nach. Insofern das Plusquamperfekt
Hintergrundinformationen zu dem null-perspektivischen Erzähltempo nachträgt, vermag es
sowohl Vorzeitiges als auch Nachzeitiges zu signalisieren. Aus diesem Grund ist diese Tempus-
Form an keine bestimmte Zeitstufe geknüpft und vor allem nicht ausschließlich auf die
Vorvergangenheit. Das Plusquamperfekt ist auch häufig in der Einleitung oder im erzählenden
Schluss des Textes zu finden, wenn Hintergrundinformationen zwecks der Exposition der
erzählenden Atmosphäre am Anfang oder zum Schluss notwendig sind.(vgl.Weinrich, 2007:
227-228).

4. Analyse

4.1 Methodisches Vorgehen

Zwecks der hier abgezielten Arbeit werden zwei Analysen vorgenommen: eine erste Analyse
zielt darauf ab, die Funktion des Erzähltempus pretérito imperfecto anhand eines spanischen
Originaltextes zu analysieren und mit seiner Entsprechungen im Deutschen zu vergleichen.
Eine weitere Analyse, die im Gegensatz dazu erfolgen soll, beabsichtigt, die Funktion des
pretérito imperfecto anhand eines deutschen Originaltextes zu analysieren und mit seiner
Entsprechungen im Spanischen zu vergleichen. Hierfür dienen als literarische Grundlagen
jeweils die Erzählung im Spanischen „El rastro de tu sangre en la nieve“(1992) von Gabriel
García Márquez und ihre Übersetzung ins Deutsche „Die Spur deines Blutes im Schnee“ (1993)
und die deutsche Novelle „Der Tod in Venedig” (1986) von Thomas Mann und ihre
Übersetzung ins Spanische „La Muerte en Venecia”(1985).

18
Angesichts der Hauptfunktion des spanischen Tempus-Paares pretérito imperfecto und
pretérito perfecto simple der Rede jeweils nach Hintergrund und Vordergrund Relief zu leisten,
wird jedes Fragment des spanischen Erzähltextes nach diesen beiden textuellen Ebenen
analysiert. Zugleich werden die vordergründigen und Hintergrundebenen des deutschen
Erzähltextes anhand der Verbstellung des Präteritums analysiert, insofern die Verbstellung für
das erzählerische Relief in der deutschen Sprache zuständig ist. Darüber hinaus wird die
Funktion des Plusquamperfekts beleuchtet, insofern es Informationen zu den oben erwähnten
null-perspektivischen Erzähltempora in beiden Sprachen nachträgt.

Aufgrund einer kontextbezogenen Analyse des pretérito imperfecto anhand der


textlinguistischen Theorie Weinrichs zu den deutschen Erzähltempora wurden aus dem
spanischen literarischen Text dreizehn Fragmente ausgewählt, die mit den Buchstaben von A
bis M bezeichnet sind. Von diesen dreizehn Fragmenten werden die Fragmente A, C, D, J, K
und L analysiert. Aus dem deutschen literarischen Text wurden zwanzig Fragmente ausgewählt,
die mit den Buchstaben von A bis T bezeichnet sind. Von diesen zwanzig Fragmenten werden
die Fragmente I, J, K, M, O, Q, S und T analysiert. Jedes Fragment folgt derselben Ordnung,
in der die Ereignisse in den Geschichten erscheinen. Dies ist wichtig, um die Tempus-Formen
in ihrem inhaltlichen kontextbezogenen Zusammenspiel analysieren und schließlich
vergleichen zu können. Die Fragmente sollen einen inhaltlichen roten Faden gestalten. Weshalb
wurden sie anhand des literarischen Inhalts selektiert, und nicht anhand von den in den
Fragmenten vorkommenden Erzähltempora.

Aufgrund des Umfangs jedes Fragmentes wurden gleichzeitig innerhalb der Fragmente
bestimmte kleinere Abschnitte ausgewählt, die den Gegenstand der vorliegenden Analyse
darstellen. Die hier erwähnten Abschnitte sind farblich markiert. Des Weiteren wurde jedem
Fragment eine Überschrift gegeben, um die Rahmenhandlung der Erzählungen und den roten
Faden, der sie durchzieht, wiederzugeben. Zu jedem Erzähltext soll eine tabellarische
Darstellung erfolgen, in der die ausgewählten Fragmente zwecks des auf den hier abgezielten
Vergleiches auf Spanisch und auf Deutsch zitiert sind. Die Fragmente werden nicht hier direkt
im Text transkribiert, sondern sind in der vorliegenden Arbeit als Anhang zu finden.

19
4.2 Analyse des erzählenden spanischen pretérito imperfecto im Vergleich zu seinen
deutschen Entsprechungen am Beispiel von García Márquez' Werk „El rastro de tu
sangre en la nieve“ (1992).

4.2.1 Einleitung

In der Erzählung geht es um ein kolumbianisches Ehepaar, Billy Sánchez und Nena Daconte,
das vor Kurzem geheiratet hat. Anlässlich ihrer Flitterwochen unternehmen sie eine Reise nach
Europa. In Madrid werden sie von der diplomatischen Vertretung ihres Heimatlandes
empfangen, da sie aus gut situierten Familien der Karibik kommen. Bei der
Empfangsveranstaltung bekommt Billy Sánchez ein luxuriöses Bentley Cabriolet, das seine
ganze Aufmerksamkeit raubt und Nena Daconte, einen wunderschönen Rosenstrauß, dessen
Dornen ihr leider eine Wunde im Finger verursachen, als sie den Strauß erhält. Nach dem
Empfangsfest fahren sie mit dem Auto nach Frankreich weiter. Im Grunde erzählt Gabriel
García Márquez in der Geschichte, wie Nena Daconte aus einem allmählichen und
fortschreitenden Blutverlust auf der Strecke von Madrid bis Frankreich ums Leben kommt.
Der Leser nimmt selbstverständlich an dieser Reise teil. Auf diese Weise erlebt er selbst, wie
sich eine blutige rote Linie von Anfang an bis zum Ende in der Erzählung allmählich aus
fallenden Blutstropfen gestaltet. Der Skizzierung dieser blutigen roten Linie und die daraus
gezogenen Folge stehen die spanischen Erzähltempora im Dienst, wie im Folgenden
veranschaulicht wird.

4.2.2 Analyse

Fragment A: Die narrative Einleitung.

In den ersten zwei Zeilen wird der Leser bereits in die erzählte Welt versetzt. Gleich zu Beginn
befindet er sich nicht mehr in der alltäglichen Welt der Menschen, sondern in einer anderen
Sphäre und unter anderem Tempo. Der spanische Erzähler verschiebt die erste und die zweite
Handlung in den Vordergrund und dadurch kann der Leser zum ersten Mal hören, wie die
Figuren heißen, wo sie sich befinden und was sie gerade machen. Anschließend verschiebt der
Erzähler die dritte Handlung in den Hintergrund und zeigt dadurch dem Leser, dass Nenas
Finger unaufhörlich blutet, auch wenn ihr dies erst eben bewusst geworden ist. Daraus ergibt
sich ein erzählendes Gefüge, welches darstellt, dass der Leser die drei Handlungen in ihrer

20
Gleichzeitigkeit wahrnehmen kann. Hierbei vermag der Erzähler dem Leser den einleitenden
Kontext zu inszenieren, auch wenn die erzählte Welt nur über sprachliche Mittel verfügt
(vgl.Weinrich 2001: 119). Die spanischen Tempus-Formen pretérito perfecto simple und
pretérito imperfecto agieren hierfür als Metaphern jeweils für den erzählenden Vordergrund
und für den erzählenden Hintergrund in der erzählten Welt.(vgl.Weinrich 2001: 148). Dank
dessen kann der Leser ein kontextbezogenes Verständnis der narrativen Situation erlangen.

Bei der Anwendung des pretérito perfecto simple und des pretérito imperfecto legt der Erzähler
dem Leser ein erzählendes Gewebe nahe. Nena Daconte und Billy Sánchez sind an der
französischen Grenze angekommen und bringen ein Problem mit sich, das sie bis jetzt noch
nicht bemerkt hatten: Nenas Finger blutet zwar unaufhörlich, aber sie bemerken es erst zu
diesem Zeitpunkt. Deswegen muss sich der Leser fragen, was hier passiert sein könnte.
Während Nena Daconte und Billy Sánchez sich mit den Begebenheiten an der französischen
Grenze beschäftigen, ist der Leser beim Beobachten des aus Nenas Finger fließenden Blutes.
Ab diesem Augenblick wird der Leser die ganze Erzählung durchlesen wollen, um
herauszufinden, was passiert sein könnte und wie es sich weiter entwickeln wird. Es handelt
sich hier auch um eine Erzähltechnik, bei der der Erzähler dank zweier verschiedener Tempora
gleich zu Beginn eine Erzählung in Gang zu setzen vermag. In der Novellistik von Gabriel
García Márquez lassen sich nicht wenige Werke ausmachen, deren Einleitung anhand des
Zusammenspiels zwischen pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple gestaltet werden.
Darin liegt die Fähigkeit von García Márquez' Novellistik, die Aufmerksamkeit des Lesers von
Anfang an zu wecken und diese bis zum Ende des Buches aufrecht zu erhalten. Es ist
anzunehmen, dass die Funktion des Reliefs der Tempus-Formen pretérito imperfecto und
pretérito perfecto simple ihm bewusst war.

Im Vergleich dazu wird in der deutschen Einleitung auch der Leser gleich zu Beginn in die
deutsche erzählte Welt eingeführt. Dank der Fähigkeit der deutschen Verbstellung der Rede
Relief nach Vordergrund und Hintergrund zu leisten, kann der Leser die drei einleitenden
Handlungen in ihrer Zusammenfügung wahrnehmen. Der Erzähler verschiebt die erste
Handlung mithilfe der Endstellung des Präteritums „kamen” in den Hintergrund. Dann rückt
er die zweite Handlung in den Vordergrund durch die Zweitstellung des Präteritums „merkte”.
Anschließend, mithilfe der Endstellung des Präteritums, verschiebt er die dritte Handlung
„blutete” in den Hintergrund. Im Vergleich zum Spanischen lässt sich im Wesentlichen eine
Unterscheidung ausmachen. Während das Spanische anhand des pretérito perfecto simple zwei

21
Ereignisse in den Vordergrund bringt“[...]Al anocher, cuando ”llegaron” a la frontera, Nena
Daconte ”se dio” cuenta de[…]”(García Márquez,1993: 67), und nur eine einzige Handlung
mithilfe des pretérito imperfecto “[…]le ”seguía” sangrando.[...]” (García Márquez,1993: 67),
in den Hintergrund rückt, verschiebt das Deutsche zwei Handlungen durch die Endstellung des
Präteritums in den Hintergrund: „[...]Bei Einbruch der Nacht, als sie zur Grenze kamen,[...]”
und „[…]daß der Finger mit dem Ehering immer noch blutete[...]”(García Márquez,1993: 197)
und bringt eine einzige Handlung mithilfe der Zweitstellung des Präteritums „merkte” in den
Vordergrund. Auf diese Weise erweist das Präteritum die Abfolge Hintergrund – Vordergrund
– Hintergrund und die spanischen Tempora Vordergrund - Vordergrund – Hintergrund. Im
Folgenden wird ein Versuch unternommen zu erklären, warum die deutsche Sprache die
Einleitung anhand eines Wechselspiels zwischen vordergründigen und Hintergrundtempus-
Formen gestaltet, wo García Márquez eine Ballung von Erzähltempora in den Vordergrund
bringt, und nur eine Handlung in den Hintergrund rückt. Dafür ist zuerst einmal notwendig,
auf die drei wesentlichen vorhandenen Hauptunterschiede zwischen dem deutschen und dem
spanischen Tempussystem hinsichtlich der Reliefgebung Bezug zu nehmen: Die Zahl der
Tempus-Formen, die Fähigkeit nach Tempus-Register Relief zu geben und die Art und Weise,
der Rede Relief zu geben.

Gegenüber dem Deutschen besitzt das Spanische im Allgemeinen circa doppelt so viele
erzählende Tempus-Formen. Auf diese Weise verfügt es durchschnittlich über zwei erzählende
Tempus-Formen, wo das Deutsche nur eine Tempus-Form besitzt. In unserem Fall: pretérito
imperfecto und pretérito perfecto simple gegenüber dem Präteritum. Jedoch vermag das
Deutsche diesen quantitativen Mangel an Formen zu überwinden, indem jede Tempus-Form
entweder an zweiter Stelle oder an letzter Stelle eines Satzes auftritt. Das bedeutet, dass jede
deutsche Tempus-Form die Fähigkeit besitzt, zweimal aufzutreten. Insofern der
Stellungswechsel des Verbs von der Zweitstelle zur Endstelle einen Funktionswechsel des
Tempus konstituiert, ist das gesamte deutsche Tempus-System in der Lage, sowohl
besprechende Rede als auch erzählende Rede nach Vordergrund und Hintergrund Relief zu
geben. Im Spanischen findet die Reliefgebung nur in der erzählten Welt statt. Denn die
Signalisierung der kontextbezogenen Ebenen der Rede im Fall der besprochenen Welt liegt im
Wesentlichen in der Situation.(vgl.Weinrich, 1964: 222). Zu dem Ökonomieprinzip des
Deutschen erläutert Weinrich:

„[...]Das ist eine sehr ökonomische Struktur des Tempussystems, da nicht die Zahl
der einzelnen Tempora additiv vermehrt wird, sondern die vorhandenen Tempora

22
durch ein Signal, das mit allen verbunden werden kann, nämlich das Signal
“Endstellung”, verdoppelt sind: Multiplikation statt Addition. Es gibt in der Sprache
viele Analogien für eine Ökonomie dieser Art. Die Formenlehre aller Sprachen ist
ohne das Ökonomieprinzip der Multiplikation kaum denkbar.[...]”(Weinrich, 1964:
222).

Natürlich wird eine bestimmte Wirkung hervorgehoben, je nach den sprachlichen Strategien,
anhand derer eine Sprache der Rede Relief zu geben vermag. Insofern die deutschen
Erzähltempora von der Verbstellung bestimmt sind, lässt sich ein prägendes und wirkendes
Relief innerhalb des einzelnen Satzgefüges konstatieren. Die Reliefgebung in der deutschen
Sprache ist auf die Kleinstruktur des Textes begrenzt. Jedoch vermögen die Erzähltempora in
ihrer Summierung in dem gesamten Text auf die Großstruktur zu wirken. Vor diesem
Hintergrund lässt sich ein auffallend regelmäßiges Wechselspiel von Zweitstellung und
Endstellung bzw. von Vordergrund und Hintergrund innerhalb eines einzelnen Satzgefüges
beobachten, wo im Spanischen sehr häufig eine Ansammlung von entweder vordergründigem
Tempus pretérito perfecto simple oder Hintergrundtempus pretérito imperfecto zu finden ist.
Aufgrund dessen wirkt die Reliefgebung in der deutschen Sprache zuerst auf die Kleinstruktur
und dann auf die Großstruktur.(vgl.Weinrich 1964: 224).

Aus diesem Gedankengang lässt sich ableiten, dass sich der kolumbianische Autor der
Fähigkeit der Erzähltempora, Relief zu geben, bedient. Dank der Anhäufung vordergründiger
Tempus-Form pretérito perfecto simple und der Platzierung einer einzigen Handlung mithilfe
des pretérito imperfecto im Hintergrund, gelingt es dem Autor, der Einleitung Relief zu geben.
Dadurch schafft er das Bild, dass aus dem Vordergrund plötzlich eine Blutquelle ausströmt.
Deswegen kann der Leser auch wahrnehmen, wie im Hintergrund das Blut unaufhörlich aus
Nenas Finger fließt, auch wenn sie es erst gerade merkt. In der ganzen Erzählung spielt das
Hintergrundtempus pretérito imperfecto eine wichtige Rolle, da der Leser dank dieser Tempus-
Form spüren kann, wie das Blut zunehmend den ganzen Text bzw. das Leben der Figuren
durchnässt, während sie der gravierenden Situation gar keine besondere Aufmerksamkeit zu
schenken scheinen. Dank dieses Zusammenspiels zwischen pretérito perfecto simple und
pretérito imperfecto schafft es der Autor schon zu Beginn, dem Leser eine problematisierte
Situation darzustellen, wobei das pretérito perfecto simple die Haupthandlung vorstellt und das
pretérito imperfecto die Nebenumstände.(vgl.Weinrich, 2001: 146).

Im Vergleich zum Spanischen schafft die deutsche Sprache das gleiche erzählende Relief und
folglich die gleiche erzählende Wirkung, nur die Art und Weise, wie das Deutsche die

23
erzählenden Tempus-Formen in der Einleitung verteilt, ist anders. Hier führt der Erzähler den
Leser dank der Endstellung des Präteritums „kamen” schon zu Beginn in die erzählte Welt.
Anschließend bringt er eine einzige Handlung in den Vordergrund: „merkte” und fordert
dadurch den Leser auf, sich unmittelbar wieder in den Hintergrund zu begeben: „[...]daß der
Finger mit dem Ehering immer noch blutete[...]”(García Márquez,1993: 197). Die Platzierung
einer einzigen Handlung in den Vordergrund agiert hier als eine unumstößliche Tatsache, die
angesichts ihres imminenten Charakters unbedingt Konsequenzen nach sich ziehen sollte.
Aufgrund dessen rückt der Erzähler anschließend die dritte bzw. die letzte Handlung in den
Hintergrund. Dadurch informiert er den Leser über die Nebenumstände, die an das imminente
Ereignis, bezeichnet durch „merkte”, gebunden sind. Deswegen tritt hier das Präteritum
„stammten” in seiner Zweitstellung bzw. in seiner vordergründigen Funktion auf. Es geht hier
um eine unerwartet und daher ungewöhnliche Begebenheit. Deswegen tritt hier das Präteritum
„blutete” in seiner endstelligen Funktion des Verbs auf. Angesichts der Häufigkeit des
Auftritts im Hintergrund und Vordergrund von Erzähltempora in ihrer wechselseitigen
Dynamik im Verlauf des Erzähltextes, kann der deutsche Erzähler dem Leser signalisieren,
dass im Hintergrund das Blut unaufhörlich aus Nenas Finger fließt, auch wenn sie es erst gerade
merkt. In der deutschen Einleitung erscheint die vordergründige Rolle des Präteritums
besonders auffällig, da der Leser dank des alleinigen Auftritts im Vordergrund des Verbs
„merkte”, anschließend unbedingt seine Aufmerksamkeit in den Hintergrund ablenken muss,
um die fehlende Information herausfinden zu können. Daher kann er zusammen mit dem
Erzähler wahrnehmen, wie das Blut zunehmend tropft, während die gravierende Situation
kaum ihre Aufmerksamkeit erregt. Dank des wechselseitigen Zusammenspiels zwischen
vordergründigen und Hintergrundtempora innerhalb des deutschen Satzgefüges vermag der
Erzähler den Leser unmittelbar gegenüber dem fließenden Blut zu platzieren. Von nun an wird
der Leser im Verlauf der Erzählung beobachten, wie das Blut allmählich und zunehmend den
ganzen Text bzw. das Leben der Hauptfiguren durchtränkt.

In beiden Sprachen handelt es sich im Grunde um ein enges Zusammenspiel zwischen


vordergründigen und Hintergrundtempora, wobei jede Sprache zwecks der Reliefgebung über
eine eigene sprachliche Dynamik verfügt. Besonders interessant im Hinblick auf die Einleitung
ist, dass die beiden Sprachen folgende Handlung in den Vordergrund bringen:

“[...]Nena Daconte se dio cuenta[...]”(García Márquez, 1992: 67).

24
„[...]merkte Nena Daconte,[...]„(García Márquez, 1993: 197).

Diese Handlung muss unbedingt vom Spanischen und vom Deutschen in den Vordergrund
gebracht werden, weil sie das erste Reagieren der Hauptfiguren gegenüber dem fließenden Blut
darstellt. In diesem Sinne konstituiert diese Tatsache das erste Geschehen der Haupthandlung.
Es handelt sich hier um eine ungewöhnliche bzw. unerhörte Begebenheit, um derentwillen die
Geschichte erzählt wird. Deswegen treten das spanische pretérito perfecto simple ”se dio
cuenta” und das Präteritum „merkte” in ihrer zweitstelligen Funktion auf. Sie signalisieren
die vordergründige Ebene der Geschichte. Von nun an will der Leser wissen, welche
Entscheidungen angesichts dieser noch nicht hinreichend gravierenden, aber beunruhigenden
Situation von Billy Sánchez und Nena Daconte getroffen werden und wie sich diese bis jetzt
geringe Blutquelle auf ihr Leben auswirken wird. Dank der Fähigkeit der Erzähltempora
sowohl des Deutschen als auch des Spanischen der Rede Relief zu geben, vermag der Erzähler
die Geschichte in einer bindenden Gestaltung zu inszenieren, in der das im Hintergrund
zunehmend fließende Blut zum Tod führen wird, weil das im Vordergrund dargelegte bloße
Bemerken seitens der Hauptfiguren nicht ausreichen wird, um es zu vermeiden.

Fragment C: Das Blut fließt weiter.

Hier lässt sich deutlich die vorhandene Äquivalenz zwischen den erzählenden Tempora des
Spanischen und des Deutschen zeigen. Interessant ist hier, dass das Spanische und das
Deutsche in diesem Fragment ein regelmäßiges Wechselspiel von vordergründigen und
Hintergrundtempora beweisen, wo es in der Regel eine Anhäufung von Tempora entweder im
Vordergrund oder im Hintergrund bevorzugt. Durch die alleinige Platzierung des
Hintergrundtempus unterstreicht der Erzähler die gravierende Situation, und zwar dass das Blut
weiter fließt. In diesem Sinne agieren das spanische pretérito imperfecto “[...]que seguía
fluyendo[...]”(García Márquez, 1993: 67) und das deutsche Präteritum in der Endstellung
„[...]das weiter floss[...]”(García Márquez, 1993: 197) als sprachliches Äquivalent des Fließens
des Blutes. Es handelt sich hier um eine nicht unerhörte Begebenheit. Dank des pretérito
imperfecto und des Präteritums in seiner Endstellung kann der Erzähler dem Leser zeigen, dass
das Blut weiter fließt. Das pretérito perfecto simple und das an zweiter Stelle stehende
Präteritum stehen im Vordergrund, denn es handelt sich um eine unerhörte bzw. eine
ungewöhnliche Begebenheit: „wickelte sie sich” und „schlief” - “se enrolló” und “se

25
durmió”. Nena Daconte wickelt sich ein Taschentuch um den Finger und schläft anschließend
tief ein, obschon sie in Wirklichkeit bereits vor langer Zeit hätte ins Krankenhaus gehen sollen.
Das pretérito perfecto simple und das Präteritum in der Zweitstellung agieren hier als
Äquivalent des Mangels an Bewusstsein und Verantwortung dem Leben gegenüber. Deswegen
ist der Leser dazu ermuntert weiter zu lesen, um herauszufinden, wie die Hauptfiguren
gegenüber dieser gravierenden Situation weiter reagieren werden. Die vordergründigen
Erzähltempora signalisieren meistens Begebenheiten, von denen der Leser vorher nicht gehört
hat. Erst wenn der Erzähler sie in den Vordergrund bringt, kann der Leser erfahren, wie die
Figuren gegenüber dem im Hintergrund zunehmenden Fließen des Blutes reagieren werden.
Es handelt sich hier um ein Zusammenspiel zwischen vordergründigen und
Hintergrundtempora, die dank ihrer Null-Perspektive der Rede nach Vordergrund und
Hintergrund Relief zu leisten vermögen.

Fragment D: Nena Daconte sticht sich mit einem Dorn in den Finger.

In diesem Fragment ist eine Ballung von Erzähltempora sowohl im Spanischen als auch im
Deutschen zu finden: “saludó”, “recibió”, “se pinchó”, “sorteó” - „begrüsste”, „erhielt”,
„stach sie sich”, „ging sie hinweg”. Eine Ansammlung von pretérito perfecto simple und
Präteritum in Zweitstellung tritt hier auf, weil das dargestellte Ereignis Haupthandlung der
Erzählung ist. Die Haupthandlung löst sich aus dem Hintergrund und tritt im Vordergrund auf:
Nena Daconte sticht sich mit einem Dorn des Rosenstengels in den Finger und aufgrund dessen
blutet ihr Finger. Auch wenn das Deutsche in der Regel nach einem ausgewogen Verhältnis
von Sätzen mit Zweitstellung des Verbs und Sätzen mit Endstellung des Verbs strebt, lässt sich
hier eine Ballung des Vordergrundtempus Präteritum in der Zweitstellung feststellen. Der
Erzähler setzt hier ausschließlich ein vordergründiges Tempus ein, weil der Leser nach einer
langen einleitenden Narration endlich auf die Ursache des fließenden Blutes Zugriff hat.
Deshalb erzählt der Autor jetzt ganz ausführlich und pausenlos, warum Nenas Finger
unaufhörlich blutet. Laut Weinrich verschiebt das pretérito perfecto simple das Ungewöhnliche
in den Vordergrund, um dessen willen eine Erzählung erzählt und gelesen wird. Im Gegensatz
dazu bleibt das Gewöhnliche, aus dem das Ungewöhnliche auftaucht, im Hintergrund der
Erzählung zurück.(vgl.Weinrich, 2001: 146). Besonders interessant hier ist, dass ein
alltägliches Ereignis wie dieses, sich mit einem Dorn in den Finger zu stechen, als
Ungewöhnliches im Vordergrund erscheint, während ein ungewöhnliches Ereignis wie wegen
des Stichs an einem Dorn allmählich zu verbluten als Gewöhnliches im Hintergrund auftritt.

26
Dies ist der Fall, weil ausgerechnet der Alltag der Hauptfiguren ungewöhnlich ist: sie haben
ihr eigenes Leben nicht in der Hand, sondern sind den Umständen völlig ausgeliefert. Zur
Gestaltung dieser widersprüchlichen und skurrilen Situation stehen hier die vordergründigen
Tempus-Formen: pretérito perfecto simple und Präteritum in der zweitstelligen Funktion des
Verbs.

Fragment J: Billy Sánchez kommt wieder zum Krankenhaus. Leider darf er nicht eintreten.

In diesem Fragment bringt der Erzähler eine Ansammlung von pretérito perfecto simple in den
Vordergrund, weil die Bewusstlosigkeit ein grundlegendes Leitmotiv der Geschichte darstellt:
“trató”, “se cagó”, “torció”, “llevó”, “tiró”, “empezó”. Hier agiert das vordergründige
pretérito perfecto simple als sprachliches Äquivalent des extrem unachtsamen Verhaltens von
Billy Sánchez und dessen irreparablen Folgen. Durch die vordergründige Implementierung
einer Anhäufung von pretérito perfecto simple signalisiert der Erzähler, wie sich die
Bewusstlosigkeit und deren Folge abrupt aus dem Hintergrund löst, und brutal in Billys Leben
ausbricht. Die Ballung des pretérito perfecto simple steht dort als Metapher für das plötzliche
Auftreten einer Anhäufung von imminenten Begebenheiten bzw. Konsequenzen. Alles
geschieht plötzlich und auf einmal. Seinerseits schafft die deutsche Sprache den imminenten
Charakter der Situation dank der wechselseitigen Dynamik zwischen Zweitstellung und
Endstellung des Präteritums innerhalb des Satzgefüges. Was das Spanische mit einem einzigen
Takt schafft, schafft das Deutsche mit drei Takten. Das Präteritum in Zweitstellung bringt eine
unwiderrufliche Ursache in den Vordergrund: Billy Sánchez versucht den Wärter
abzuschütteln: „versuchte”. Dann rückt das Präteritum in Endstellung die daraus gezogenen
Folge in den Hintergrund: Billy bekommt gewaltigen Ärger und wird unverzüglich des
Krankenhauses verwiesen: „ausstiess”, „drehte”, „schwebte”, „war”, „schleppte”, „warf”.
Anschließend bringt das Präteritum in Zweitstellung das irreversible Resultat in den
Vordergrund: Billy Sánchez beginnt endlich erwachsen zu werden: „begann”. Es geht hier um
drei imminente Momente, die in ihrer Summierung als ein plötzlicher Einfall von konsekutiven
irreparablen Handlungen wirken. Zu dieser syntaktischen Stilistik des Deutschen erläutert
Weinrich:

„[...]Was ihm die Syntax an Freiheit nimmt, muß er sich durch die Stilistik
wiedergeben lassen. Das klassische deutsche Prosa-Ideal will nun, daß ein ziemlich
abgewogenes Verhältnis von Sätzen mit Zweitstellung des Verbs und Sätzen mit
Endstellung des Verbs besteht. Es hält die Mitte zwischen einer übermäßigen

27
Häufung der Endstellung („Schachtelsätze“) und einer übermäßigen Häufung der
Zweitstellung („lakonischer Stil“).[...]”(Weinrich, 1964: 227).

Hier lässt sich die charakteristische Verteilung der Erzähltempora des Deutschen und des
Spanischen zeigen. Die deutschen Erzähltempora schaffen Relief im Text dank eines
regelmäßigen Wechselspiels von Zweitstellung und Endstellung des Verbs innerhalb eines oder
mehrerer Satzgefüge. In diesem Sinne ist die Verteilung der vordergründigen und
Hintergrundtempora auf die syntaktische Struktur beschränkt. Immer wenn der Autor das Verb
an das Satzende setzen will, muss er darauf achten, dass die Verbstellung in Konsonanz mit
den syntaktischen Regeln steht.(vgl.Weinrich, 1964: 227). Vor diesem Hintergrund wirkt die
Reliefgebung der Erzähltempora in der deutschen Sprache zuerst auf die Kleinstruktur des
Textes und erst dann in ihrer Summierung auf die Großstruktur. Im Unterschied zum Deutschen
ist im Spanischen normalerweise eine Ballung entweder von vordergründigen oder
Hintergrundtempora zu finden. Der Erzähler kann jedes Verb entweder in das pretérito
imperfecto oder pretérito perfecto simple setzen, ohne auf eine bindende syntaktische
Abhängigkeit achten zu müssen. Die Wahl hängt davon ab, wie der Erzähler auf den Leser
wirken will. Insofern das Tempus-Paar pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple die
null-perspektivischen Erzähltempora des Spanischen schlechthin konstituiert, ist das
Interagieren von beiden Erzähltempora entscheidend bei der Bildung von
Kontextdetermination, falls ein Mangel an Situationsdetermination ausgeglichen werden soll.

Fragment K: Dienstag. Billy kommt noch einmal ins Krankenhaus und erfährt, dass
Nena Daconte gestorben ist.

Da die Unachtsamkeit in diesem Fragment ihre gravierendste Folge nach sich zieht und zwar
Nena Dacontes Tod, sollen die dazu gehörenden Handlungen in den Vordergrund gebracht
werden. In diesem Dienst stehen das pretérito perfecto simple des Spanischen: “llamó”,
“levantó”, “pensó”, “reconoció”, “se quedó”, “dijo”, “supo”, und das zweitstellige
Präteritum des Deutschen: „sprach ihn an”, „hob”, „dachte er nach”, „erkannte”, „war”,
„sagte” und „erfuhr”. Sie signalisieren Tatsachen, die in der Geschichte als unerhört bzw.
ungewöhnlich erscheinen. Interessant hier ist, dass der Tod selbst nicht im Vordergrund
vorkommt. Was der Erzähler hier in den Vordergrund bringt, ist ein Anzeichen von Bewusstheit,
was in der Erzählung als etwas Ungewöhnliches auftritt: Zum ersten Mal ist die Realität Billy
Sánchez bewusst: Er erfährt von Nena Dacontes Tod, auch wenn der Arzt es nicht einmal

28
erwähnt. Die Realität ist so gravierend geworden, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als
wach zu werden. Leider zu spät. Deswegen muss der Arzt ihn anschließend unbedingt fragen,
wo er die ganze Zeit über war. Die Frage wird unmittelbar mithilfe des Plusquamperfekt
gestellt, da diese Tempus-Form Hintergrundinformationen nachzutragen vermag: „[...]-¡Pero
dónde diablos se había metido usted![...]”(García Márquez, 1992: 75). „[...]Aber wo zum
Teufel waren Sie denn abgeblieben?[...]”(García Márquez, 1993: 219-220).

Im folgenden Fragment wird die Funktion des Hintergrundtempus Plusquamperfekt näher


analysiert.

Fragment L: Nena Dacontes Tod und Beerdigung.


Insofern Billy Sánchez es erst nach einer Woche schafft, wieder ins Krankenhaus zu gehen,
tritt das Hintergrundtempus Plusquamperfekt im erzählenden Gewebe auf. Diese Tempus-
Form agiert als Äquivalent für die Auseinandersetzung mit dem bewussten Leben und vor
allem mit dem dazu gehörenden Tod. Während Billy Sánchez erfolglos gegen seine innere
Einsamkeit und gegen die aus der fremden französischen Umgebung entstandene Einsamkeit
gekämpft hat, haben Leben und Tod im Hintergrund miteinander ihren eigenen Kampf geführt.

Das Plusquamperfekt leistet der Erzählung Relief durch zwei wesentliche Merkmale: das
Register-Merkmal des Aufschubs und das Perspektiven-Merkmal der Rückschau. Dank der
Fähigkeit des Plusquamperfekts, Informationen in den Hintergrund aufzuschieben, kann der
Erzähler im vom Präteritum bezeichneten null-perspektivischen Erzähltempus so lange
verweilen, wie er es braucht, um dadurch den Akzent auf ein bestimmtes Leitmotiv zu setzen.
In diesem Fall setzt er den Akzent auf den bewusstlosen Charakter der Hauptfiguren und schafft
zugleich eine narrative Spannung. Erst wenn der Erzähler die aufgeschobenen Informationen
in der Erzählung nachträgt, tritt das Plusquamperfekt auf und damit die Auflösung der
Spannung. Jetzt informiert das Plusquamperfekt den Leser, wie der Tod Nena Dacontes
zustande gekommen ist und wie sich die Umstände um ihren Tod weiter entwickelt haben. Das
Plusquamperfekt bezieht sich in diesem Fragment auf Vorzeitigkeit. Es trägt
Hintergrundinformationen zur origo bzw. Null-Perspektive der erzählten Welt nach. Es geht
hier um einen Rückblick in die erzählte Welt aus der Rück-Perspektive des Erzählers.
Infolgedessen weist das Hintergrundtempus Plusquamperfekt auf keine bestimmte Zeitstufe
hin.

29
Im Deutschen lässt sich eine Anhäufung von Plusquamperfekt beobachten, bei der ein
wechselseitiges Zusammenspiel zwischen der Zweitstellung und der Endstellung der Verben
erfolgt. In der Tat ist ein gehäuftes Vorkommen bestimmter Verbformen im Deutschen nur
selten zu finden. Jedoch geht es hier um nachgetragene Hintergrundinformationen, die anhand
von vordergründigen und Hintergrundhandlungen gestaltet sind. Da das Plusquamperfekt in
der Zweitstellung und Endstellung des Verbs zur Reliefgebung jeweils nach Vordergrund und
Hintergrund der nachgetragenen Hintergrundinformationen dient und da die Verteilung der
vordergründigen und Hintergrundtempora im Deutschen zuerst auf die syntaktische
Kleinstruktur und erst dann auf die Großstruktur wirkt, erfolgt hier eine Anhäufung von
Plusquamperfekt. Im Spanischen lässt sich ein Wechselspiel zwischen pluscuamperfecto und
pretérito perfecto simple beobachten, wobei das pluscuamperfecto der Rede Relief nach
Hintergrund gibt und das pretérito perfecto simple, nach Vordergrund.

Das vordergründige pretérito perfecto simple und das deutsche zweitstellige Plusquamperfekt
werden hier gebraucht, weil es um Informationen geht, die auf die bewusste Einstellung seitens
Nena Daconte hinweisen. Auch wenn Nena Daconte im Sterben lag, hat sie alle notwendigen
Angaben gegeben, um ihren Ehemann und ihre Eltern auffinden zu lassen. Vor ihrem Sterben
hat sie sich bewusst und realitätsnah verhalten. Deswegen sollen diese
Hintergrundinformationen jetzt im Vordergrund nachgetragen werden, weil die bewusste
Einstellung Nena Dacontes zur Auflösung der narrativen Spannung dient. Nach langem
Verweilen in der Bewusstlosigkeit und in der Ungewissheit tritt die Bewusstheit endlich in der
Geschichte auf und damit die Umstände um Nena Dacontes Tod. In diesem Dienst erfolgt ein
Wechselspiel zwischen pretérito perfecto simple und pluscuamperfecto im Spanischen und ein
Wechselspiel zwischen Plusquamperfekt in Zweit- und Endstellung des Verbs im Deutschen.

4.2.3 Ergebnisse

Zwecks der Veranschaulichung der Ergebnisse ist es wichtig hierfür, in Betracht zu ziehen,
dass die hier analysierten Fragmente anhand des kontextbezogenen Inhalts des literarischen
Textes ausgewählt wurden und nicht in erster Linie anhand von den in den Fragmenten
vorkommenden isolierten Erzähltempora. Das heißt, dass der Wahl der Fragmente die Gabe
eines literarischen roten Fadens zugrunde liegt und zwar, die blutige rote Linie, die sich von
Anfang an bis zum Ende in der Erzählung allmählich und fortschreitend aus fallenden

30
Blutstropfen gestalten lässt und die daraus für die Hauptfiguren gezogenen Konsequenzen.
Deswegen gibt es Fragmente, in denen das pretérito imperfecto auftritt, und andere Fragmente,
in denen nicht. In der oben dargestellten Analyse wurde die erzählende Funktion der
aufgetretenen Erzähltempora analysiert und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen
ausführlich skizziert. Deswegen werden im Folgenden konkret die Ergebnisse zur
Erzählfunktion des pretérito imperfecto und seine Entsprechungen im Deutschen
veranschaulicht, in denjeniegen Fragmenten in den das pretérito imperfecto erscheint und zwar,
Fragmente A, C und L. Zu den Fragmenten D, J, K, in denen das pretérito imperfecto nicht
erscheint, werden die Ergebnisse zur Erzählfunktion der dort vorkommenden Erzähltempora
konkret dargelegt. Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass die Übersetzer des Deutschen und des
Spanischen mehrmals nicht die genaue Übersetzung der Verbformen auswählen, sondern
Synonyme oder Metaphern. Dennoch bleibt die im Originaltext vermittelte Bedeutung der
Verben.

Fragment A: Die narrative Einleitung.

Das pretérito imperfecto “seguía” in seiner Hintergrundfunktion findet seine Entsprechung im


Deutschen, dadurch dass das deutsche Präteritum „(noch) blutete” in seiner endstelligen
Funktion des Verbs der Rede Relief im Hintergrund verleiht.

Pretérito perfecto Pretérito Imperfecto Präteritum Präteritum (Endstellige


simple (Zweitstellige Funktion Funktion des Verbs)
des Verbs)
llegaron kamen
se dio (cuenta) merkte
seguía (sangrando) (noch) blutete

Fragment C: Das Blut fließt weiter.

Das pretérito imperfecto “seguía” in seiner Hintergrundfunktion findet seine Entsprechung im


Deutschen, dadurch dass das deutsche Präteritum „(weiter) floß” in seiner endstelligen
Funktion des Verbs der Rede Relief im Hintergrund verleiht.

31
Das vordergründige pretérito perfecto simple “se enrolló“ – “se durmió“ findet seine
Entsprechungen im Deutschen, dadurch dass das deutsche Präteritum in seiner zweitstelligen
Funktion des Verbs der Rede Relief im Vordergrund leistet: „wickelte sich“ – „schlief“.

Pretérito Pretérito Präteritum Präteritum


perfecto simple Imperfecto (Zweitstellungfunktion (Endstellige
des Verbs) Funktion des Verbs)
se enrolló wickelte sich
seguía (fluyendo) (weiter) floss
se durmió schlief

Fragment D: Nena Daconte sticht sich mit einem Dorn in den Finger.
Das vordergründige pretérito perfecto simple findet seine Entsprechungen im Deutschen,
dadurch dass das deutsche Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs der Rede
Relief im Vordergrund gibt.

pretérito perfecto simple Präteritum in seiner


zweitstelligen Funktion
des Verbs.
Vordergründige Vordergründige
Erzähltempora Erzähltempora
saludó begrüßte
recibió erhielt
se pinchó stach sie sich
sorteó ging hinweg

Fragment J: Billy Sánchez kommt wieder zum Krankenhaus. Leider darf er nicht eintreten.

Die Anhäufung von pretérito perfecto simple findet seine Entsprechung im Deutschen durch
das regelmäßige Wechselspiel von Zweitstellung und Endstellung des deutschen Verbs.
Angesichts der syntaktische Unabhängigkeit zwischen den Erzähltempora pretérito perfecto
simple und pretérito imperfecto, ist das Spanische in der Lage durch eine Anhäufung von
Verben entweder nach Vordergrund oder Hintergrund Relief zu schaffen. Seinerseits wirkt die

32
Verteilung der vordergründigen und Hintergrundtempora im Deutschen angesichts der
syntaktischen Abhängigkeit zwischen der Zweitstellung und der Endstellung des Verbs zuerst
auf die syntaktische Kleinstruktur und dann auf die Großstruktur.

Pretérito Präteritum Präteritum


perfecto (Zweitstellungfunktion (Endstellungfunktion
simple des Verbs) des Verbs)
trató versuchte
se cagó ausstieß
torció drehte
llevó schleppte
tiró warf
empezó begann

Fragment K: Dientag. Billy kommt noch einmal ins Krankenhaus und erfährt, dass Nena
Daconte gestorben ist.

Das vordergründige pretérito perfecto simple findet seine Entsprechung im Deutschen, dadurch
dass das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs der Rede Relief nach
Vordergrund leistet. Seinerseits findet das spanische Pluscuamperfecto seine deutsche
Entsprechung, dadurch dass das Plusquamperfekt in beiden Sprachen die Funktion besitzt, zu
den null-perspektivischen Erzähltempora Informationen vor oder nachzutragen. In diesem Fall
trägt das Erzähltempus Plusquamperfekt Informationen zum null-perspektivischen
Erzähltempus des Spanischen pretérito perfecto simple und zum null-perspektivischen
Erzähltempus des Deutschen Präteritum nach.

pretérito Pluscuamperfecto Präteritum Plusquamperfekt


perfecto (Zweitstellige
simple Funktion des Verbs)
llamó sprach an
levantó hob
pensó dachte nach

33
reconoció erkannte
se había metido waren geblieben
se quedó war bestürzt
dijo sagte
supo erfuhr

Fragment L: Nena Dacontes Tod und Beerdigung.

In diesem Fragment finden die vorkommenden spanischen Erzähltempora seine


Entsprechungen im Deutschen, dadurch dass sowohl im Spanischen als auch in Deutschen ein
regelmäßiges Wechselspiel zwischen vordergründigen und Hintergrundtempora zwecks der
Signalisierung der hier nachgetragenen Information erfolgt.

Das spanische Erzähltempus pretérito imperfecto “tenían”, das in diesem Fall


Hintergrundinformationen zu den vom Pluscuamperfecto nachgetragenen Informationen bringt,
findet seine Entsprechung im Deutschen, dadurch dass das deutsche Erzähltempus
Plusquamperfekt in seiner endstelligen Funktion des Verbs: „(reserviert) gewesen war” auch
Hintergrundinformationen zu den vom Plusquamperfekt in seiner zweitstelligen Funktion
nachgetragenen Informationen bringt.

pretérito spanisches pretérito deutsches deutsches Präteritum in


perfecto Pluscuamperfecto imperfecto Plusquamperfekt Plusquamperfekt seiner
simple in seiner in seiner endstelligen
zweitstelligen endstelligen Funktion des
Funktion des Funktion des Verbs
Verbs Verbs
había muerto war verblutet

había estado war gewesen

dio hatte suchen


lassen
tenían reserviert
gewesen war
dio hatte gemacht

waren

34
4.3 Analyse des erzählenden spanischen pretérito imperfecto im Vergleich zu seinen
deutschen Entsprechungen am Beispiel von Thomas Manns Werk „Der Tod in
Venedig“(1986).

4.3.1 Einleitung

In der Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann geht es um einen fünfzigjährigen
Schriftsteller, Gustav Aschenbach, der, angesichts einer sehr disziplinierten Erziehung seitens
seiner väterlichen Familie, bis ins hohe Erwachsensein hinein ein dienstorientiertes Leben
geführt hat. Überfordert von seiner höchst disziplinierten Arbeit und müde von seinem
eintönigen Alltag, der sich jahrelang auf den gleichen Wohnort beschränkte, entscheidet er
eines Tages, eine Reise in die Ferne zu unternehmen. Er reist nach Venedig, wo sein inneres
Leben vor ihm auftaucht und seine bis heute ausgeübte gewohnte Selbstdisziplin und
Selbstkontrolle mit unbekannten Eindrücken, Träumen und Gefühlen konfrontiert wird. Als
„Wegweiser“ in diesem neu entfalteten Leben steht Aschenbach ein vierzehnjähriger Jungen
namens Tadzio zur Seite, der ihn inspiriert und auf den Weg zu der rätselhaften Seite des Lebens
führt. Der Leser kann dank der vordergründigen Erzähltempora des Deutschen die Unfähigkeit
Aschenbachs miterleben, in der er versucht Kontakt zu dem rätselhaften Element des Lebens
aufzunehmen, was in der Diskrepanz seiner innerlichen Auseinandersetzung zwischen seiner
gewohnten Selbstdisziplin und den neu auftauchenden Gefühlen deutlich wird. Leider kann er
dieses neue und eindrucksvolle Leben, das sich nun vor ihm eröffnet, nur wie ein Zuschauer
betrachten und sich herbeisehen. Dennoch ist das sinnlicheres Leben für ihn da. Tadzio, dessen
Figur als Metapher für die Sonne bzw. das sinnlichere Leben steht, agiert als
„Wegweiser“ Aschenbachs. In diesem Dienst stehen die Hintergrundtempora, mit deren Hilfe
der Erzähler dem Leser signalisiert, dass Tadzio sich im Hintergrund wie die Sonne bewegt:
erscheint morgens früh am Strand, und verschwindet am Abend. Während dessen geht
Aschenbach alleine mit seiner Einsamkeit im Vordergrund der Geschichte weiter. Es geht um
zwei verschiedene Handlungsstränge, die sich trotz der schwierigen Umstände, in dieselbe
Richtung bewegen. Auch wenn Tadzio und Aschenbach weder syntaktisch noch mündlich
Kontakt zueinander aufnehmen können, zeigt Tadzio ihm den Rückweg nach dem Ursprung
des Lebens, aus dem das sinnlichere Leben auftaucht: nach Eos bzw. Morgenröte. Obwohl
Aschenbach von einem inneren Kampf zwischen Selbstkontrolle und neu endeckten intensiven
Gefühle im Vordergrund gefesselt bleibt, verzichtet er nie darauf, Tadzio bis zum Ursprung des
Lebens zu folgen. Im Dienst der Gestaltung des Zusammentreffens zwischen Aschenbach und

35
Tadzio und der Strecke, die sie bis zur Morgenröte bzw. Ursprung des Lebens zusammen
machen, stehen die Erzähltempora, wie im Folgenden dargelegt wird.

4.3.2 Analyse

Fragment I: Aschenbach sieht Tadzio zum ersten Mal.

In Fragment D erscheint die erste „(rote) Spur” des weiblichen Wesens in der Figur
Aschenbachs Mutter. „[...]rascheres, sinnlicheres Blut war der Familie in der vorigen
Generation durch die Mutter des Dichters, Tochter eines böhmischen Kapellmeisters,
zugekommen. Von ihr stammten die Merkmale fremder Rasse in seinem Äußern.[...]”(Mann,
1986: 499-501). Es geht um die Präsenz Aschenbachs Mutter in seinem Leben trotz der tieferen
Prägung der väterlichen Familie in seiner Erziehung. Diese Handlung ist mit dem Mythos Eos
bzw. der Morgenröte vergleichbar, insofern, als dass diese weibliche Präzens über ein
sinnlicheres Leben in Aschenbachs Existenz informiert, auch wenn es ihm lange
abhandengekommen ist. Nach dem Mythos steht Eos bzw. die Morgenröte jeden Tag auf, um
den Aufgang ihres Bruders bzw. der Sonne anzukündigen. Nach jedem Untergang geht die
Sonne zur Göttin zurück, um am nächsten Tag aufgehen zu können. Deswegen tritt Tadzio
anschließend im Aschenbachs Leben. Insofern Aschenbach sein Leben in Venedig auf den
Fersen Tadzios führt, da dieser für ihn das schönste strahlende Lebewesen verkörpert, steht
Tadzio in der Novelle als Metapher für die Sonne und infolgedessen als “Wegweiser” durch
Aufgang und Untergang, durch Tag und Nacht. Auf diese Weise signalisiert Tadzios Auftritt in
der Geschichte, dass Aschenbach von nun an den Rückweg in ein sinnlicheres Leben bzw. in
Richtung der weiblichen Essenz antritt. Tadzio bzw. die Sonne kennt den Rückweg zurück zur
weiblichen Essenz bzw. zum Ursprung des Lebens. Im Folgenden kann der Leser Aschenbachs
Rückweg nachverfolgen dank der erzählenden Vordergrund- und Hintergrundtempora.

„[...]Mit Erstaunen bemerkte Aschenbach, dass der Knabe vollkommen schön war.[...]”(Mann,
1986: 521-522). Der Erzähler stellt die erste Handlung mithilfe der Zweitstellung des
Präteritums „bemerkte“ in den Vordergrund. Es handelt sich hier um eine ungewöhnliche
Begebenheit. Es ist das erste Mal, dass Aschenbach das sinnliche Leben bewusst ist. Bis heute
hatte er sein Leben der Arbeit, dem Denken und der Genauigkeit gewidmet, weshalb er bis

36
heute die Welt der inneren Gefühle noch nicht erlebt hatte. Aber jetzt „bemerkte” er Tadzio
bzw. das strahlende Leben. Dann rückt der Erzähler durch die Endstellung des Präteritums
„war“ die zweite Handlung in den Hintergrund: Tadzio erscheint im Hintergrund der
Erzählung, aber auch im Hintergrund Aschenbachs Leben. Besonders in diesem Fragment ist
die Relieffunktion der erzählenden Tempora näher zu beobachten. Hier gibt der Erzähler dem
Leser zu verstehen, dass Aschenbach zwar das sinnlichere Leben bemerkt hat, aber er noch
nicht in der Lage ist, Kontakt zu diesem aufzunehmen. Deswegen muss er mit seinen Gedanken
und jüngst entdeckten Gefühlen im Vordergrund erst einmal alleine weiter gehen. Solange er
nicht weiß, wie man in das sinnliche Leben eintritt, müssen sie auf verschiedenen Wegen gehen:
Aschenbach im Vordergrund und Tadzio im Hintergrund. Zwar ist Tadzio sein Wegweiser, aber
Aschenbach ist noch nicht in der Lage, ihn zu erreichen bzw. zu integrieren.

Diesem Zweck dienen auch die null-perspektivischen Erzähltempora pretérito perfecto simple
und pretérito imperfecto im Spanischen: „[...]Aschenbach advirtió con asombro que el
muchacho tenía una cabeza perfecta.[...]”(Mann, 1985: 48-49). Das Tempus pretérito perfecto
simple rückt die Handlung „advirtió“ in den Vordergrund und das Tempus pretérito imperfecto
“tenía” rückt die Handlung in den Hintergrund. In diesem Fragment finden das pretérito
perfecto simple und das pretérito imperfecto ihre Entsprechung im Deutschen.

Fragment J: Tadzios und Aschenbachs Blicke begegnen sich zum ersten Mal.

„[...]Aus irgend einem Grunde wandte er sich um, bevor er die Schwelle überschritt, und da
niemand sonst mehr in der Halle sich aufhielt, begegneten seine eigentümlich dämmergrauen
Augen denen Aschenbachs, der, seine Zeitung auf den Knien, in Anschauung versunken, der
Gruppe nachblickte.[...]”(Mann, 1986: 524). Aschenbach hat vor kurzem das sinnliche Leben
bemerkt. Deswegen wendet sich Tadzio bzw. die Sonne um und nimmt mit Aschenbach
Kontakt auf. Tadzio als Aschenbachs Wegweiser zu der Morgenröte bzw. zum Ursprung des
Lebens nimmt Kontakt zu ihm auf. Ihre Blicke treffen sich zum ersten Mal und somit erscheint
Tadzio bzw. das sinnlichere Leben, wie die Sonne, in Aschenbachs einsamem Leben. Es geht
um ein Treffen der Augen bzw. der Seelen. In diesem Sinne geht es um eine außergewöhnliche
Begegnung bzw. Begebenheit, denn Aschenbachs Lebens wurde bis diesem Tage von Arbeit
und Disziplin geleitet. Zu diesem Zweck steht das null-perspektivische Präteritum in seiner

37
zweitstelligen Funktion „wandte er sich um” und „begegnete”, dessen Funktion es ist, der
Rede Relief nach Vordergrund zu geben. Die tiefere Bedeutung dieses Treffens wird dem Leser
noch deutlicher, indem es zum einen in komplett leerem Raum stattfindet, und zum anderen
dadurch, dass Aschenbach sehr aufmerksam und stillschweigend Tadzios Schritten folgt. Ein
komplett leerer Raum und ein aufmerksamer lebensdurstiger Mann sind der Begegnung der
Blicke Hintergrund und dazu dient das Präteritum in seiner endstelligen Funktion: „sich
aufhielt” und „nachblickte”. Dank der wechselseitigen Dynamik zwischen Zweitstellung und
Endstellung des Präteritums innerhalb des Satzgefüges schafft es der Erzähler dem Leser den
ersten tiefen und stillschweigenden Kontakt zwischen Psychagogen und Lehrling zu vermitteln.
Das Spanische schafft das gleiche sinntragende Gewebe durch ein regelmäßiges Wechselspiel
vordergründiger Tempora und Hintergrundtempora bzw. pretérito perfecto simple und pretérito
imperfecto: “se volvió” – “quedaba” und “se encontraron” – “seguía”. “[...]Por no sé que
razón, este último se volvió antes de penetrar por la puerta de cristales y, como no quedaba
en la estancia nadie más, sus singulares ojos soñadores se encontraron con los de Aschenbach
que, sumido en la contemplación, con su periódico en las rodillas, seguía al grupo con la
mirada.[...]”(Mann, 1985: 52-53). Interessant ist hier, dass das Spanische zwecks der
Reliefgebung anstatt eines Wechselspiels normalerweise eine Ansammlung von entweder
vordergründigen oder Hintergrundtempora bevorzugt, wie es im nächsten Fragment
veranschaulicht wird. In dem hier analysierten Fragment findet das pretérito imperfecto seine
Entsprechung im Deutschen.

Fragment K: Aschenbach taucht in das sinnlichere Leben ein, wodurch ein neuer Alltag sein
neues Leben prägt.

Nach dem geheimnisvollen Treffen mit Tadzio bei dem sich ihre beiden Blicke trafen, will
Aschenbach keine weitere Sekunde Tadzios Erscheinung verpassen. Deswegen steht er jeden
Tag früh auf und erwartet voller Vorfreude Tadzios Auftritt am Strand. Auf diese Weise macht
er aus seiner jüngst endeckten Lebensfreude eine zwar provisorische aber alltägliche Routine.
Interessant ist hier, dass der Erzähler aus diesem erst erworbenen Alltag einen festgelegten
regelmäßigen Alltag werden lässt und er dadurch dem Leser zu verstehen gibt, dass
Aschenbach nicht nur in die Welt der eigenen Emotionen und Gefühle eingetaucht ist, sondern
auch, dass er sich sogar in dieser für ihn neuen Welt einen regelmäßigen Alltag geschaffen hat.
Deshalb präsentiert der Erzähler dem Leser die Umstände dieses neu entstandenen Alltags als

38
Nebenumstände und nicht ja als neu geschehene Ereignisse, sondern als regelmäßige übliche
Umstände, die natürlicherweise und allmählich die innerliche Zufriedenheit Aschenbachs ans
Licht gebracht haben. Dieser Effekt wird durch die Erzähltempora in beiden Sprachen
geschaffen.

Die deutsche Sprache schafft den allmählichen, regelmäßigen Charakter dieser Situation dank
der wechselseitigen Dynamik zwischen Zweitstellung und Endstellung des Präteritums
innerhalb des Satzgefüges. Diese wechselseitigen Dynamik wiederholt sich von Anfang an und
zieht sich weiter bis zum Ende des hier analysierten Fragmentes. Im Deutschen gelingt es
mithilfe eines kontinuierlichen Wechselspiel zwischen Vordergrund und Hintergrund, dem
Leser zu signalisieren, dass Aschenbach in der Lage ist, durch eine alltägliche Routine in die
Welt der Gefühle einzutauchen. Das Präteritum in Zweitstellung steht hier als Metapher für
den einsamen Aschenbach, welcher im Vordergrund steht und die strahlende Sonne bzw. die
Anwesenheit Tadzios genießt, der sich jedoch weiter im Hintergrund aufhält. Das Präteritum
in seiner endstelligen Funktion dient zur Gestaltung dieses Hintergrunds. Aschenbach bleibt
im Vordergrund zwar alleine mit seinen neuen intensiven Gefühlen und Gedanken, aber er geht
parallel zu Tadzios Weg, der im Hintergrund zugleich zu sehen ist.

Das Spanische schafft den alltäglichen Charakter des Eintauchens Aschenbachs in sein neues
Leben mithilfe des pretérito imperfecto. Hierfür nutzt der Erzähler eine Ansammlung des
pretérito imperfecto für die Hintergrundinformationen und signalisiert damit dem Leser, dass
Aschenbach aus dem erst endeckten sinnlicheren Leben einen Alltag für sich werden ließ. Das
in einer Ansammlung dargestellte pretérito imperfecto signalisiert dem Leser, dass es hier um
nicht unerhörte Begebenheiten bzw. um das Gewöhnliche geht. Auf diese Weise kann sich der
Leser beim Beobachten des alltäglichen Spaziergangs von Aschenbach am Strand verlieren.
Aschenbach ist jetzt in eine entspannte Sphäre eingetreten und mit ihm der Leser. Dieser kann
nun die Geschichte in einer entspannten Haltung weiter lesen. Es handelt sich hier um den
narrativen Rhythmus und um das narrative Tempo, das der Erzähler hinsichtlich des
inhaltlichen Erzählgefüges seiner Erzählung geben will. Das Deutsche schafft hier den
Rhythmus der alltäglichen Regelmäßigkeit durch die kontinuierlichen wechselseitigen
Dynamik zwischen Zweitstellung und Endstellung des Präteritums innerhalb des Fragmentes.
Seinerseits schafft das Spanische den gleichen Rhythmus durch die anhaltende Häufung des
pretérito imperfecto. Es gelingt dem Deutschen und dem Spanischen den Rhythmus des Alltags
zu kreieren, denn das gelungene Relief durch das deutsche Wechselspiel zwischen der

39
Zweitstellung und Endstellung des Präteritums findet seine spanische Entsprechung nach
Weinrichs Theorie in der vertikalen Summierung von entweder dem pretérito imperfecto oder
pretérito perfecto simple, oder durch ein wechselseitiges Verhältnis zwischen dem pretérito
perfecto simple und pretérito imperfecto. In diesem Fragment erfolgt das Relief im Spanischen
durch die Summierung des pretérito imperfecto. Der spanische Erzähler rückt die Handlungen
im Hintergrund mithilfe des pretérito imperfecto und dadurch schafft er den verweilten
Charakter der Regelmäßigkeit. (vgl.Weinrich 1964: 222, 224). Das Plusquamperfekt spielt in
diesem Fragment eine wichtige Rolle sowohl in Deutschen als auch im Spanischen, insofern
der Erzähler zur Beschreibung des Alltags Aschenbachs in Venedig Hintergrundinformationen
zu den null-perspektivischen Erzähltempora nachträgt. Aus diesem Gedankengang kann
festgestellt werden, dass das pretérito imperfecto in diesem Fragment seine Entsprechung in
der deutschen Sprache findet.

Fragment M: Aschenbach wünscht sich Kontakt mit Tadzio aufzunehmen, weshalb jetzt die
Göttin Eos auftritt.

Aschenbach achtet nicht mehr auf Selbstkritik oder Selbstkontrolle. Anstatt dessen verliert er
sich in seinen Gefühlen. Er wünscht sich jetzt Kontakt mit Tadzio bzw. mit dem sinnlicheren
Leben aufzunehmen. Dafür lässt er sich darauf ein, in den alltäglichen Rhythmus Tadzios bzw.
der Sonne einzutauchen. Er steht morgens früh auf, kommt an den Strand, genießt die Präsenz
Tadzios und zieht sich zurück, als Tadzio und die Sonne verschwinden. Aschenbach ist jetzt in
den natürlichen Rhythmus des Lebens, tatsächlich und metaphorisch gesehen, eingetreten: Der
Ryhthmus, in dem die natürlichen Gegenüberstellungen des Lebens stattfinden: Tag und Nacht,
Helligkeit und Dunkelheit. Deshalb ist er jetzt bereit, sich daran zu erinnern, woher die
wunderbare Ausstrahlung der Sonne kommt bzw. woraus die Vielfältigkeit des Lebens an sich
entsteht. Um dies zu unterstreichen tritt nun die Göttin Eos ins Aschenbachs Leben nun auf:
Er setzt sich ans offene Fenster, um auf den Aufgang der Sonne zu warten und da begegnet ihm
der Schwester der Sonne: der Göttin Eos. Der Ursprung des Lebens ist dem fünfzigjährigen
Schrifsteller seit seiner Kindheit abhandengekommen und jetzt findet er ihn wieder.
Aschenbach erlebt das Auftauchen der Göttin Eos mit, und damit den Aufgang der Sonne bzw.
des ursprünglichen Lebens. Nach der griechischen Mythologie verkündet Eos den Aufgang
ihres Bruders Helios den Göttern und den Menschen. Sie fährt ihm über den Himmel im

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eigenen Wagen voraus. Eos, die Morgenröte, ist ebenfalls eine Tochter des Hyperion und der
Theia, also eine Schwester der Selene und des Helios. Ihr erster Gemahl war der Titan Asträos,
von welchem sie die Mutter der Winde Boreas, Zephyros, Notos und Euros (Nord-, West-, Süd-
und Ostwind) wurde, eine mythische Einkleidung der Tatsache, dass mit dem Erscheinen der
Morgenröte der Wind sich zu erheben pflegt. Eos ist eine herrliche, schöngelockte,
rosenfingrige Göttin, das treue Abbild der belebenden Frische des Morgens. Munter und rüstig
erhebt sie sich in aller Frühe von ihrem Lager und schirrt, mit safranfarbigem Mantel umhüllt,
ihre Rosse Lampos und Phaëthon (Glanz und Schimmer) an, um den dem Sonnengotte
vorauseilenden Göttern und Menschen den Tag zu verkündigen. Dieselben Anschauungen und
Fabeln übertrugen die Römer auf ihre Aurora.(vgl. Seemann, 1910: 100). Aschenbach erlebt
das ganze Ereignis der Schöpfung des neuen frischen Morgens bzw. des neuen Lebens mit,
indem der Erzähler den vollständigen Mythos der Göttin Eos in die Geschichte mit einbringt.
Auf diese Weise ist eine Geschichte innerhalb der Hauptgeschichte zu finden. Was die
Beschreibung des Mythos anbelangt, lässt sich im Deutschen ein regelmäßiges Wechselspiel
von Zweitstellung und Endstellung des Präteritums finden, wobei das vordergründige
Präteritum die Haupthandlungen, das Auftauchen der Göttin und die Verkündigung des
Aufgangs ihres Bruders Helios signalisiert: „ein Wehen kam“, „ein erstes Erröten geschah“,
„die Göttin nahte“, „ein Rosenstreuen begann“, „Amoretten im rosigen bläulichen Duft
schwebten“, „Purpur fiel“, „goldene Speere zuckten hinauf“, „der Glanz ward“ zum
Brande“, „Glut und Brunst wälzten sich herauf“, „heilige Renner des Bruders über den
Erdkreis stiegen empor“.(Mann, 1986: 550-552). Es handelt sich hier um eine ungewöhnliche
Begebenheit bzw. eine Epiphanie in Aschenbachs Leben. Eine lang vergangene vergessene und
verdrängte Information enthüllt sich. Jetzt hat er sich daran erinnert, dass das rätselhafte Leben
aus dem Zusammenspiel zwischen dem Weiblichen und dem Männlichen entstanden ist und
dass es letzten Endes im Zusammenspiel zwischen den natürlichen Gegensätzen seinen Sinn
findet.

„Epiphanie, die: (gr.-lat. Erscheinung einer Gottheit) “Offenbarwerden”, Einblick,


bei J.Joyce (Stephen Hero) die plötzliche geistige Manifestation, zu der Objekt oder
Handlung als Ergebnis der Erfassung seiner Bedeutung durch den Beobachter wird.
= ...he felt that the augury he had sought in the wheeling darting birds and in the
pale space of sky above him had come forth from his heart like a bird from a turret
quietly and swiftly. Symbol of departure or loneliness? [J.Joyce]”(Best, 1994: 151).

41
Seinerseits rückt das Präteritum in seiner Endstellungsfunktion des Verbs im Hintergrund die
Informationen, die mit den Umständen des Lebens der Göttin oder Nebenhandlungen zu tun
haben: „den Kephalos raubte“, „die Liebe des Orion genoß“, „das Meer, das ihn vorwärts zu
schwemmen schien“.(Mann, 1986: 550-552).

Aschenbach lässt sich auf dieses großartige Ereignis ein. Deswegen tritt das Präteritum in
seiner Zweitstellungsfunktion des Verbs im Vordergrund auf: „[...]Angestrahlt von der Pracht
des Gottes saß der Einsam-Wache, er schloß die Augen und ließ von der Glorie seine Lider
küssen“.[...]“(Mann, 1986: 550-552).

Wenn man das hier analysierte Fragment in seiner spanischen Version betrachtet, kann man
eine Abweichung von der Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie Weinrichs beobachten,
die eher eine Ergänzung zur Theorie darstellt. Im Folgenden wird es veranschaulicht.

Nach der textlinguistischen Theorie Weinrichs findet das deutsche Wechselspiel zwischen der
Zweit- und Endstellung des Präteritums seine spanische Entsprechung entweder in einem
wechselseitigen Verhältnis zwischen dem pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple
oder in einer Ansammlung des pretérito imperfecto oder pretérito perfecto simple. Dabei
besteht die Hauptfunktion des pretérito imperfecto darin, der Erzählung ein Relief auf der
Ebene des im Hintergrund befindlichen und diejenige des pretérito perfecto simple darin, ein
Relief nach dem im Vordergrund befindlichen zu geben. Zusammenfassend gesagt ist das
pretérito imperfecto das Tempus des Hintergrunds und das pretérito perfecto simple, das
Tempus des Vordergrunds.

„[...]Dann zeigt sich auch gleichzeitig, dass wir es hier nicht, wie manche meinen,
mit „Nebenfunktionen“ der Tempora zu tun haben, sondern dass auch im Spanischen
die Tempora Imperfecto und Perfecto simple innerhalb der erzählten Welt nur die
Hauptfunktion haben, der Erzählung nach Hintergrund und Vordergrund Relief zu
geben.[...]”(Weinrich, 2001: 144).

Infolgedessen verschiebt, laut Weinrich, das pretérito perfecto simple die unerhörten
Begebenheiten in den Vordergrund, das heißt, das Ungewöhnliche, um dessentwillen eine
Erzählung erzählt und gelesen wird. Im Gegensatz dazu bleiben die nicht unerhörten
Begebenheiten, das heißt, das Gewöhnliche, im Hintergrund der Erzählung zurück
(vgl.Weinrich, 2001: 146). Auf diese Weise stellt das pretérito perfecto simple diejenigen

42
Gegebenheiten in den Vordergrund, die dem Leser im Vorfeld nicht bekannt sind. Es handelt
sich hier um das Ungewöhnliche.

„[...]Vordergrund ist nach den Grundgesetzen des Erzählens gewöhnlich das, um


dessentwillen die Geschichte erzählt wird; was die Inhaltsangabe verzeichnet; was
die Überschrift zusammenfasst oder zusammenfassen könnte; was die Leute
überhaupt dazu bringt, für eine Zeitlang die Arbeit wegzulegen und einer Geschichte
zuzuhören, deren Welt nicht ihr Alltag ist; mit einem Wort: die unerhörte
Begebenheit.[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Seinerseits ist das pretérito imperfecto für die Mitteilung von Nebenumständen,
Beschreibungen, Reflexionen, u.a. zuständig, die zum Verstehen der Erzählung notwendig sind.
Im Grunde handelt es sich hier um nicht unerhörte Begebenheiten, die der Verständigung der
laufenden Handlung beitragen.

„[...]Hintergrund ist im allgemeinsten Sinne das, was nicht unerhörte Begebenheit


ist, was für sich alleine niemand zum Zuhören bewegen würde, was dem Zuhörer
jedoch beim Zuhören hilft und ihm die Orientierung in der erzählten Welt erleichtert.
[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Da die Erscheinung der Göttin Eos in Aschenbachs Leben eine ungewöhnliche Begebenheit
darstellt und da Aschenbach hier die Selbstkontrolle und die Selbstkritik endlich einmal loslässt
und sich anstattdessen von dem beeindruckenden Erlebnis berühren lässt, soll nach Weinrichs
Theorie diese Handlung im Spanischen im Vordergrund auftreten genauso wie sie im
Deutschen auch auftritt.

„[...]Um des Ungewöhnlichen willen wird die Geschichte erzählt. Es bildet daher
wie von selber die Vordergrundhandlung, und das Gewöhnliche, aus dem es
heraustritt, verbleibt im Hintergrund der Geschichte. Das ist die Grundstruktur allen
Erzählens, über die sich der einzelne Erzähler wohl einmal hinwegsetzen kann, die
er aber meistens instinktiv zu erfüllen trachtet. In der Hintergrunderzählung
erscheinen also eher gewöhnliche und gewohnheitsmässige Dinge, in der
Vordergrunderzählung ungewöhnliche und einmalige Dinge.[...]”(Weinrich, 2001:
146).

Dennoch verschiebt der spanische Erzähler das ganze Fragment durch eine Häufung des
pretérito imperfecto in den Hintergrund, mit Ausnahme eines einzigen Verbes: „gozó“, das im
pretérito perfecto simple im Vordergrund stehen bleibt. Deswegen muss man hier in erster Linie
zu den Grundlagen der Tempus Wahl der erzählten Welt im Spanischen zurückgehen. Die Wahl
des Tempus liegt im Ermessen des Erzählers und sein Ermessensspielraum ist durch die

43
Bedingungen, die dem vordergründigen und dem Hintergrundinhalt zugrunde liegen,
beschränkt. Diesbezüglich erläutert Harald Weinrich:

„[...]Auf der anderen Seite ist ebenfalls nicht a priori zu sagen, was in einer
Erzählung Vordergrund zu sein hat und deshalb im Passé simple (pretérito perfecto
simple im Spanischen) steht. Vordergrund ist, was der Erzähler als Vordergrund
aufgefasst wissen will. Der Ermessensspielraum des Erzählers ist jedoch auch hier
durch einige Grundbedingungen des Erzählens eingeschränkt. Vordergrund ist nach
den Grundgesetzen des Erzählens gewöhnlich das, um dessentwillen die Geschichte
erzählt wird; was die Inhaltsangabe verzeichnet; was die Überschrift zusammenfasst
oder zusammenfassen könnte; was die Leute überhaupt dazu bringt, für eine Zeitlang
die Arbeit wegzulegen und einer Geschichte zuzuhören, deren Welt nicht ihr Alltag
ist; mit einem Wort: die unerhörte Begebenheit. Von hier aus lässt sich umgekehrt
bestimmen, was in einer Erzählung Hintergrund ist. Hintergrund ist im allgemeinsten
Sinne das, was nicht unerhörte Begebenheit ist, was für sich alleine niemand zum
Zuhören bewegen würde, was dem Zuhörer jedoch beim Zuhören hilft und ihm die
Orientierung in der erzählten Welt erleichtert.[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Zwar finden diese Bedingungen der Tempus-Wahl in der spanischen Sprache Geltung, wie es
in dieser Arbeit nachgewiesen wird, aber die Tatsache, dass das Spanische zwei null-
perspektivische Erzähltempora unter dem Gesichtspunkt der Sprechperspektive besitzt, die
darüber hinaus syntaktisch voneinander unabhängig sind, spricht für ihre Freiheit bzw. Vielfalt
an Möglichkeiten in Bezug auf die Reliefgebung innerhalb der erzählten Welt. Mit den
Möglichkeiten des pretérito imperfecto als Erzähltempus, die in Weinrichs Theorie nicht
berücksichtigt werden, beschäftigt sich der Grammatiker Fernando Vallejo in seiner
Grammatik des Spanischen Logoi, Una gramática del lenguaje literario (2013).

Vallejo unterscheidet in seiner Grammatik zwischen besprochener und erzählter Welt im


Gegensatz zur spanischen und zur kolumbianischen Sprachakademie, die keine
Unterscheidung zwischen besprochener und erzählter Welt machen. Die spanische und die
kolumbianische Sprachakademie beschreiben die Funktion der Tempora nach dem Ansatz des
Aspektes. Auf diese Weise beschäftigen sie sich mehr mit der Funktion der Tempora innerhalb
eines Satzes und weniger mit der innerhalb eines kontextbezogenen Textes.(Weinrich,
2001:117).

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„[...]Wir vermerken hier zunächst methodisch, dass es bei diesen Überlegungen nicht
mehr um „Aspekt“, „Aktionsart“ oder dergleichen geht. Diese Begriffe – was immer
sie bedeuten mögen, beziehen sich auf Sätze. Hier wird stattdessen gefragt, was diese
Tempora in Texten leisten.[...]”(Weinrich, 2001:117).

Laut Vallejo verfügt das Spanische über Tempora, die ausschließlich literarisch sind. Er nennt
diese Tempora pasados literarios, deren Funktion bzw. Anwendung im Folgenden
veranschaulicht wird.(Vallejo, 2013: 414).

a) Das pretérito imperfecto: Dieses Tempus übernimmt die Funktion des pretérito perfecto
simple. Laut Vallejo erschien diese andere Anwendung bzw. Funktion des pretérito imperfecto
seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in der französischen Sprache und wurde aus dem
Französischen in die spanische und italienische Sprache übernommen.(Vallejo, 2013: 415).

b) Das pretérito perfecto simple: Wenn man das pretérito perfecto simple anstatt des pretérito
imperfecto benutzt, signalisiert es dem Leser, dass es um eine endgültige, kategorische sogar
imminente Handlung geht, das heißt, es handelt sich nicht mehr um eine alltägliche
gewöhnliche Begebenheit, die sich allmählich im Laufe der Zeit entwickelt hat.(Vallejo, 2013:
417).

Zur Gruppe der pasados literarios gehören noch das historische Präsens, das historische futuro
simple bzw. futuro compuesto und das gerundio, die in dieser Arbeit nicht thematisiert
werden.(vgl.Vallejo, 2013: 414).

Aus der oben von Vallejo erläuterten Funktion der pasados literarios bzw. der Erzähltempora
in der romanischen Erzählwelt kann man ableiten, dass das pretérito imperfecto und das
pretérito perfecto simple zwar die Funktion besitzen, der Rede jeweils ein Relief nach
Hintergrund und Vordergrund zu verleihen, jedoch die Funktion des pretérito imperfecto nicht
nur bzw. nicht immer alleine auf Hintergrund beschränkt ist. Das pretérito imperfecto hat nicht
nur die Funktion, Hintergrundinformationen hervorzuheben, sondern auch vordergründige
Informationen. Dies ist dann der Fall, wenn das pretérito imperfecto in der spanischen Sprache
auch die Bedeutung des pretérito perfecto simple hat. Die Frage nach der Tempus-Wahl
zwischen pretérito imperfecto und pretérito perfecto simple, falls der Erzähler dem Leser
vordergründige Informationen übermitteln möchte, liegt zwar im Belieben des Erzählers, aber
sein Ermessensspielraum ist nicht nur auf die von Weinrich erläuterten Bedingungen
beschränkt. Das heißt, dass das Tempus pretérito imperfecto der Rede ausschließlich Relief

45
im Hintergrund verleiht und dass es infolgedessen ausschließlich die Funktion hat,
Hintergrundinformationen zu übermitteln.(vgl.Weinrich, 2001: 118). Das hier analysierte
Fragment gilt als Beispiel für die vordergründige Funktion des pretérito imperfecto im Sinne
der vordergründigen Funktion des pretérito perfecto simple, wie es im Folgenden näher
veranschaulicht wird.

Die Erscheinung der Göttin Eos im Aschenbachs Leben stellt nach dem Original eine
Haupthandlung dar. Im Dienst der Signalisierung dieses entscheidenden Ereignis steht das
pretérito imperfecto, da die hier analysierten Verben, sogar das gerundio “dejando”, durch das
pretérito perfecto simple ersetzt werden können.

“[...]“Se acercaba la Aurora, seductora de mancebos, raptora de Céfalo y que, a


pesar de la envidia de todos los olímpicos, gozó los amores del bello Orión. Allá, al
borde del mundo, comenzaban a deshojarse rosas en un inefable resplandor divino
mientras unas nubes infantiles, iluminadas, esclarecidas, flotaban, como sumisos
amorcillos, en el aire rosa y azul; caía sobre el mar un manto de púrpura, que
parecía arrastrado hacia delante con sus olas levantadas; signos y manchas de oro
resplandecían sobre el mar; el resplandor se transformaba en incendio;
silenciosas y con divina pujanza se erguían las llamas, y la cuadriga divina corría
con sus cascos centelleantes sobre la superficie de la tierra. Iluminado por la pompa
del dios, el contemplador solitario cerraba los ojos dejando que el resplandor
divino besase sus párpados.[...]”(Mann, 1986: 93-94)

Es bedeutet:

Se acercó la Aurora, seductora de mancebos, raptora de Céfalo y que, a pesar de la envidia de


todos los olímpicos, gozó los amores del bello Orión. Allá, al borde del mundo, comenzaron
a deshojarse rosas en un inefable resplandor divino mientras unas nubes infantiles, iluminadas,
esclarecidas, flotaron, como sumisos amorcillos, en el aire rosa y azul; cayó sobre el mar un
manto de púrpura, que parecía arrastrado hacia delante con sus olas levantadas; signos y
manchas de oro resplandecieron sobre el mar; el resplandor se transformó en incendio;
silenciosas y con divina pujanza se irguieron las llamas, y la cuadriga divina corrió con sus
cascos centelleantes sobre la superficie de la tierra. Iluminado por la pompa del dios, el
contemplador solitario cerró los ojos y dejó que el resplandor divino besara sus
párpados.(Vgl.Mann, 1986: 93-94).

Das pretérito perfecto simple “gozó” stellt keine passende Übersetzung dem
Hintergrundtempus Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs dar: „genoß“,
insofern das Verb “gozó” sich auf die Lebensgeschichte bzw. Biographie der Göttin Eos
bezieht. Es handelt sich um den geschichtlichen Hintergrund der Göttin, der im Fragment nicht
das Ungewöhnliche bildet. Was hier das Ungewöhnliche bildet ist das Eintauchen bzw. die

46
Erscheinung der Göttin Eos bzw. Morgenröte im Aschenbachs Leben. Auf diese Weise hätte
der Erzähler zwecks einer geeigneten Übersetzung des deutschen Verbs „genoß“ das spanische
Erzähltempus pretérito imperfecto in seiner Hintergrundfunktion: „gozaba“ verwenden
müssen.

Das pretérito imperfecto “parecía” hat in diesem Fragment die Funktion der Rede Relief nach
Hintergrund zu leisten, insofern es sich um eine Beschreibung bzw. Erklärung handelt, wie das
Meer wirke. Die Haupthandlung hier ist das Fallen des Purpurs auf das Meer, da der Auftritt
der Morgenröte mit seinem Bruder im Aschenbachs Leben durch das Fallen des Purpurs
verkündet wird. Es geht um ein großartiges ungewöhnliches Ereignis in seinem Leben. Auf
diese Weise agiert hier das pretérito imperfecto “parecía” nicht als vordergründiges
Erzähltempus, sondern als Hintergrundtempus und von dem her kann das pretérito imperfecto
“parecía” in diesem Fall nicht mit dem pretérito perfecto simple “pareció” ersetzt werden.
Resümierend findet das pretérito imperfecto “parecía” seine Entsprechung im Deutschen
durch das Hintergrundtempus Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs „schien“.

„[...]Purpur fiel auf das Meer, das ihn wallend vorwärts zu schwemmen
schien[...]”(Mann, 1986: 551).

“[...]caía sobre el mar un manto de púrpura, que parecía arrastrado hacia delante
con sus olas levantadas[...]”(Mann, 1985: 94).

Diesem Gedankengang folgend kann man feststellen, dass die im Deutschen vordergründig
geschaffene Reliefgebung bezüglich der Schilderung der Erscheinung der Göttin Eos in
Aschenbachs Leben seine Entsprechung im Spanischen insofern findet, als dass das pretérito
imperfecto in diesem Fall auch die Bedeutung des vordergründigen Tempus pretérito perfecto
simple innerhalb der erzählten Welt übernehmen kann. Hier ist zu berücksichtigen, dass das
pretérito imperfecto die Funktion des pretérito perfecto simple nur dann übernehmen kann,
wenn das pretérito imperfecto tatsächlich der Bedeutung des pretérito perfecto simple
entspricht. In diesem Fall gelingt es dann dem pretérito imperfecto die Funktion des pretérito
perfecto simple zu übernehmen.(vgl.Vallejo, 2013: 415).

Fragment O: Aschenbach begnügt sich nicht mehr damit, Tadzio nur anzuschauen. Deswegen
begibt sich er nun auf die Spuren Tadzios und dieser erwidert ihm darauf.

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Nach seinem eindrucksvollen Erlebnis bei der Erscheinung der Göttin Eos und dem Aufgang
ihres Bruders, der Sonne bzw.Tadzio, begnügt sich Aschenbach nicht mehr damit, Tadzio nur
zu beobachten. Aschenbach hat sich neu daran erinnert, was seine Seele braucht, und möchte
dies nie mehr aus den Augen verlieren. Deswegen entscheidet er jetzt dazu, Tadzio zu folgen.
Nach einer langen und peinlichen Verfolgung, in der sich ihm Hitze, Müdigkeit und gemischte
innere Gefühle aufdrängen, betritt Aschenbach eine Kirche, in der sich auch Tadzio befindet.
Dort, inmitten eines liturgischen Rituals kann Aschenbach feststellen, dass Tadzio auch ihn
erwartet. “[...]Aber durch Dunst und Gefunke sah Aschenbach, wie der Schöne dort vorn den
Kopf wandte, ihn suchte und ihn erblickte.[...]”(Mann, 1986: 557). Aschenbach hat vor
kurzem wieder das sinnlichere Leben entdeckt. Leider hat er vergessen, wie man ein solches
Leben führt. Deshalb bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf den Spuren Tadzios
weiterzugehen. Plötzlich stellt er jedoch fest, dass Tadzio ihn ebenfalls sucht. Diese
Feststellung stellt hier das Ungewöhnliche dar. Deshalb steht hier das vordergründige
Präteritum „sah” in seiner zweitstelligen Funktion. Es geht um ein Ereignis, das für
Aschenbach und den Leser unerwartet auftritt. Der Leser kann dieses unverhoffte Ereignis mit
Aschenbach, dank des vordergründigen Erzähltempus des Deutschen, miterleben. Andererseits
rückt der Erzähler die Verben „wandte”, „suchte” und „erblickte” mithilfe des Präteritums
in seiner endstelligen Funktion in den Hintergrund. Damit signalisiert er dem Leser, dass
Tadzio und Aschenbach zwar Kontakt zueinander aufgenommen haben, aber Aschenbach ist
noch nicht in der Lage, die neue Erkenntnis bzw. das sinnlichere Leben in seinem eigenen
Leben zu integrieren. Deswegen geht Tadzio, sprachlich gesehen, weiter im Hintergrund,
sprachlich gesehen, während Aschenbach mit seinen erst wieder erlangten Gefühlen im
Vordergrund alleine verbleibt.

Im Spanischen verdeutlicht der Erzähler diese unerwartete Handlung, nämlich dass Tadzio
auch Aschenbach sucht und erblickt, mithilfe des pretérito imperfecto: “veía”. Tadzio
verbleibt, genauso wie im Deutschen auch, im Hintergrund der Erzählung, was durch die
Verwendung des pretérito imperfecto “miraba” zum Ausdruck gebracht wird. Zudem steht
das pretérito imperfecto “veía” im Dienste der Reliefgebung, im Vordergrund, insofern das
pretérito imperfecto die Funktion des vordergründigen pretérito perfecto simple in diesem Fall
übernimmt. Die Tempus-Form “veía” kann von der Tempus-Form pretérito perfecto simple
“vio” ersetzt werden. Tadzio bleibt im Hintergrund der Erzählung, genauso wie im Deutschen
mithilfe des pretérito imperfecto “miraba”, das in diesem Fall die Funktion besitzt, der Rede
Relief im Hintergrund zu geben, insofern es hier durch das pretérito perfecto simple nicht

48
ersetzt werden kann. Die Verben „wandte” und „suchte” wurden vom spanischen Übersetzer
nicht übersetzt.

“[...]Entre el incienso y el brillo de las luces, Aschenbach veía al muchacho, que lo


miraba. [...]” (Mann, 1986:104).

Fragment Q: Tadzio versichert mit einem Blick die Gefolgschaft Aschenbachs.

Da Aschenbach gar nicht mehr in der Lage ist, aufgrund seelischer und körperlicher
Erschöpfung weiterzugehen, wendet Tadzio jetzt seinen Kopf, um Aschenbachs Gefolgschaft
mit seinem Blick zu versichern. Tadzio agiert als der Wegweiser Aschenbachs auf dem Weg
zum Ursprung des Lebens bzw. zu Eos, weshalb es wichtig ist, dass Aschenbach durchhält. An
dieser Stelle verlässt Tadzio den Hintergrund und tritt in Vordergrund hinein. Er nähert sich
Aschenbachs Welt. Dies bewirkt, dass Aschenbach den Kontakt zu Tadzio nicht verliert. Um
dies hervorzuheben wird das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion verwendet: „ging”,
„ließ”, „wandte”, „sah”, „(nicht)verriet”. Er tut alles ihm nur mögliche, um das Weitergehen
Aschenbachs zu gewährleisten. Es handelt sich hier um eine unerhörte bzw. ungewöhnliche
Begebenheit: Tadzio tritt in das Leben Aschenbachs ein, wodurch ihre Seelen Kontakt
zueinander aufnehmen. Sie setzen sich in einer stillschweigenden Verbindung. Mit anderen
Worten bedeutet dies, dass das sinnlichere Leben jetzt in Aschenbachs einsame Welt
eingetreten ist. Er folgt seinen Gefühlen bzw. seinem Herzen und das Leben erwiedert ihm.
Zwar ist er nun aufgrund extremer Erschöpfung gezwungen, mit der Suche nach Tadzio, bzw.
dem Leben aufzuhören, aber das sinnlichere Leben und Aschenbach haben sich bereits im einer
stillschweigenden Verbindung gefunden.

Der oben genannten ungewöhnlichen bzw. unerhörten Handlung wird im Spanischen durch das
pretérito imperfecto vermittelt, indem dieses Erzähltempus die Funktion bzw. die Bedeutung
des pretérito perfecto simple in diesem Fall übernimmt: “iba”, “solía dejar”, “volvía”,
“seguía”, “veía”, “(no) denunciaba”. Das pretérito imperfecto kann mit der Form des
Erzähltempus pretérito perfecto simple ersetzt werden. Das bedeutet: “fue”, “dejó”, “volvió”,
“siguió”, “vio”, “(no) denunció” im pretérito perfecto simple.(vgl.Vallejo, 2013: 415). Der
Erzähler hätte hierfür auch das pretérito perfecto simple auswählen können, an dieser Stelle
bevorzugte er jedoch das pretérito imperfecto.

Aschenbach muss zugleich eine extreme seelische und körperliche Auseinandersetzung

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bewältigen, von der er nicht weiß, ob es mit der äußeren Welt oder mit seiner eigenen Existenz
zu tun hat.(Mann, 1986: 582). Hierfür werden Antworten gebraucht, weswegen im Folgenden
der Auftritt des Todes angekündigt wird.

Fragment S: Die Schatten fallen über das ganze Venedig, und bald über Aschenbachs Existenz.

Das ganze Venedig wird von einer Choleraepidemie eingenommen. Alles scheint kontaminiert
zu sein: das Wasser, die Luft, das Essen. Die Gäste verlassen die Strände und Hotels. Auch
Tadzio verlässt nach dem Mittagessen die Stadt, wovon Aschenbachs erfährt. Trotz dass er sich
innerlich und körperlich sehr unwohl fühlt, möchte er Tadzio noch einmal sehen. Deswegen
begibt er sich jetzt zum Meer und findet dort Tadzio beim Spielen mit den Freunden, die ihm
noch geblieben waren. Alles am Meer ist unbelebt. In der Mitte des verlassenen Strandes ist
eine herrenlose Kamera zu sehen, bedeckt mit einem schwebenden, schwarzen Tuch. Dieses
Bild steht als Metapher für die Ankündigung des Untergangs bzw. des Todes. Tadzio bzw. die
Sonne geht nach dem Mittag weg und mit ihm Aschenbach. Die herrenlose und bedeckte
Kamera steht als Metapher für die Ankündigung von Aschenbachs Tod: Aschenbach als bloßer
Beobachter Tadzios bzw. des Lebens, der in Kürze sterben wird, um sein sinnliches Leben
wieder herzustellen. Deswegen rückt der Erzähler das ganze sprachliche Bild mithilfe des
Präteritums in seiner zweitstelligen Funktion in den Vordergrund: „stand” und „flatterte”.
Davor wusste der Leser nicht genau, ob Aschenbach sterben würde oder nicht. Er konnte daran
zwar Zweifel haben, aber bis jetzt hatte er dafür keine Bestätigung bekommen. Jetzt ist es
jedoch gewiss: Der Tod nähert sich. Aschenbach wird im Verlauf sterben. Es handelt sich um
eine imminente Ankündigung bzw. Begebenheit, von der der Leser vorher noch nicht gehört
hatte. Es geht um das Ungewöhnliche, das den Leser dazu bringt, einer Geschichte
Aufmerksamkeit und Zeit zu widmen, deren Welt nicht sein Alltag ist.(vgl.Weinrich, 2001:118).

Der spanische Erzähler überträgt dieses metaphorische Bild mithilfe einer wechselseitigen
Dynamik zwischen pretérito perfecto simple “apareció” (erschien) und pretérito imperfecto
“descansaba” („stand”) und “flotaba” („flatterte”). Da es hier um eine Haupthandlung bzw.
eine ungewöhnliche unerwartete Begebenheit geht, nämlich die Ankündigung von
Aschenbachs Tod, sollte hierfür entweder das pretérito perfecto simple oder das pretérito
imperfecto ausgewählt werden, anstatt einer wechselseitigen Dynamik zwischen diesen zwei
Erzähltempora, wie es hier der Fall ist. Das Problem liegt darin, dass der Übersetzer das
deutsche Adjektiv “herrenlos” mittels eines ganzen Satz übersetzt hat: “[...]Un aparato

50
fotográfico, cuyo dueño no apareció por ningún sitio“[...],(Mann, 1986: 139). Es heißt auf
Deutsch: “Ein Fotoapparat, dessen Besitzer nirgendwo erschien.” Im Spanischen existiert
jedoch ein entsprechender Ausdruck für das deutsche Adjektiv “herrenlos” und zwar, “sin
dueño”. Deswegen hätte der Übersetzer die eigentliche Entsprechung auswählen müssen: “sin”
als Präposition plus “dueño” als Substantiv, was “ohne Besitzer” bedeutet. Hierdurch hat er
das deutsche Adjektiv “herrenlos” ins Spanische mit einem ganzen Satz und damit auch einem
zusätzlichen Verb im Unterschied zum Original übersetzt. Er hätte zwecks der Signalisierung
der hier unerwarteten Begebenheit entweder pretérito perfecto simple oder pretérito imperfecto
benutzen müssen. Auf diese Weise stellt die hier vorgeschlagene Paraphrasierung einen
Verstoß gegen die Originaltreue dar, weil das Verb “apareció” (erschien) nicht vorkommt,
geschweige denn, eine ähnliche Bedeutung. Abgesehen davon dienen die Verben
“descansaba” und “flotaba” im pretérito imperfecto zur Veranschaulichung des sprachlichen
Vordergrunds, da das pretérito imperfecto die Funktion des pretérito perfecto simple in diesem
Fall übernimmt.(Vallejo, 2013: 415).

Das vordergründige Präteritum in seiner zweitstellingen Funktion des Verbs: „stand” und
„flatterte” findet in diesem Fall keine Entsprechung im Spanischen im Sinne der Weinrichs
Theorie, da das pretérito imperfecto: “descansaba” und “flotaba” gilt hier ausschließlich als
Hintergrundtempus. Das pretérito imperfecto bildet hier einen sprachlichen Hintergrund. Dank
dieses Erzähltempus kann der Leser den Fotoapparat, bedeckt mit dem schwarzen flatternden
Tuch, unmittelbar im Hintergrund sehen. Es entwirft einen räumlichen Hintergrund. In diesem
Sinne steht das pretérito imperfecto als Metapher für den räumlichen Hintergrund. Es handelt
sich hier nicht um die Vermittlung von Nebenumständen, sondern um die Vermittlung von
zwei Haupthandlungen, die unmittelbar im Hintergrund stattfinden. Aufgrund dessen erlaubt
dieses Tempus in diesem Fall keinen Ersatz durch die Tempus-Form pretérito perfecto simple.
In der Tat hat sich der Übersetzer hier für die einzige mögliche Übersetzungsalternative
entschieden: das pretérito imperfecto in Form von “descansaba” und “flotaba”. Zwar dient
das pretérito imperfecto hier dazu, der Rede Relief im Hintergrund zu geben, und in diesem
Sinne findet Weinrichs Theorie Geltung. Aber das pretérito imperfecto in diesem Abschnitt
vermittelt zwei Haupthandlungen bzw. das Ungewöhnliche: die Ankündigung des Todes. Im
Dienst der Veranschaulichung dieser zwei Haupthandlungen steht im Deutschen das
vordergründige Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs: „stand” und
„flatterte”.

51
Aus diesem Gedankengang kann man ableiten, dass die hier analysierten Verben im pretérito
imperfecto: “descansaba“ und “flotaba“ eine Abweichung von der Anwendbarkeit der
textlinguistischen Theorie Weinrichs verkörpern.

Andererseits hat der Übersetzer des Spanischen in diesem Fragment ein Verb im Erzähltempus
pluscuamperfecto hinzugefugt: “habían echado“. Diese Verbform bzw. Handlung tritt im
Originaltext nicht auf. Auf diese Weise ist es zwecks der Verständigung des Fragmentes
unnötig. Deswegen wird das pluscuamperfecto “habían echado“ in der vorliegenden Analyse
dieses Fragmentes nicht berücksichtigt.

Fragment T: Aschenbach stirbt, wodurch er zum Ursprung des Lebens zurück kehrt.

Tadzio geht ins Meer hinein und Aschenbach folgt ihm. Tadzio wendet sich plötzlich um und
blickt über die Schulter zum Ufer. Dort sitzt Aschenbach.. Zwischen Traum und Wirklichkeit
findet zwischen Tadzio und Aschenbach ein stillschweigendes Gespräch statt. Tadzio bzw. der
Psychagoge Aschenbachs zeigt ihm den Rückweg zur Morgenröte und er folgt ihm. Dem
Mythos zufolge taucht die Morgenröte bzw. Eos aus dem “Okeanos” auf, um den Aufgang der
Sonne zu verkünden. Jetzt aber ist die Stunde des Sonnenuntergangs: Tadzio geht weg, die
Sonne geht runter und Aschenbach stirbt. Die Sonne geht nun zur Morgenröte in den “Okeanos”
zurück, damit sie am nächsten Tag neu aufgehen kann. Tadzio führt Aschenbach in Richtung
einer verheißungsvollen ungeheuren Welt, wo sich etwas Großes, etwas Kraft- und
Hoffnungsvolles befindet.(vgl.Mann, 1986: 584). Deswegen muss Aschenbach nun sterben. Er
taucht im Folgenden, metaphorisch gesehen, in den “Okeanos” ein, um längst vergessene
Erkenntnisse wiederherzustellen. Das Sterben als Gelegenheit einer innerlichen Wiedergeburt.
Aschenbach befindet sich in einer Sackgasse. Er hat ein heftiges Gefühl der Ratlosigkeit und
folglich der Ausweg- und Aussichtslosigkeit: „[...]Er hatte mit gewissen, nur halb körperlichen
Schwindelanfällen zu kämpfen, die von einer heftig aufsteigenden Angst und Ratlosigkeit
begleitet waren, einem Gefühl der Ausweg- und Aussichtslosigkeit, von dem nicht klar wurde,
ob es sich auf die äußere Welt oder auf seine eigene Existenz bezog.[...]”(Mann, 1986: 581-
582). Wenn man keine Antwort mehr in der Welt der Menschen findet, geht man dahin zurück,
wo das Leben seinen Ursprung immer wieder findet: zur Morgenröte. Aus diesem Grund gehört
das letzte Fragment der Novelle Thomas Manns nicht mehr zur Welt der Menschen bzw. der
Gedanken, sondern der geheimnisvollen Welt des Ursprungs: der Morgenröte. Hier steht das
Meer bzw. das Wasser als Metapher für die Gebärmutter. Simone de Beauvoir konkretisiert

52
diese Idee der Wiedergeburt in ihrem groβartigen Werk „Das andere Geschlecht“, einer
Untersuchung über die Weiblichkeit in Laufe der menschlichen Geschichte und ihrer Rolle im
20. Jahrhundert:

„[...]Im Innern des Meeres ist Dunkel: die Frau ist das mare tenebrarum.[...]Der
verhasste Tod bekommt den Sinn einer neuen Geburt und wird dann hoch gepriesen.
Der tote Held wacht in jedem Frühling wieder zum Leben auf, wie Osiris oder
Dumuzi, und gleichsam durch eine neue Zeugung wird er wieder verjüngt.[...] In den
meisten volkstümlichen Darstellungen tritt der Tod als Frau auf, und den Frauen
kommt es zu, die toten zu beweinen, denn der Tod ist ihr Werk.[...]So ist das Antlitz
der Mutter Erde in Finsternis gehüllt: sie ist das Chaos, aus dem alles
hervorgegangen ist und in das alles eines Tages wieder zurückkehren muβ.[...]“ (De
Beauvoir, 1968: 159).

Im Dienste der Gestaltung der Reliefgebung dieses entscheidenden Ereignisses steht das
Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion, wie es im Folgenden veranschaulicht wird.

„[...]Tadzio ging schräg hinunter zum Wasser.[...]”„[...]Und plötzlich, wie unter einer
Erinnerung, einem Impuls, wandte er den Oberkörper, eine Hand in der Hüfte, in schöner
Drehung aus seiner Grundpositur und blickte über die Schulter zum Ufer. Der Schauende dort
saß,[...]”„[...]Und, wie so oft, machte er sich auf, ihm zu folgen.[...]”(Mann, 1986: 583-584).

Tadzio geht ins Meer hinein, zeigt so Aschenbach den Weg zur Morgenröte und dieser macht
sich auf den Weg dorthin. Wenige Minuten später stirbt Aschenbach. Zur Hervorhebung des
entscheidenden Charakters dieses Ereignisses im Leben der Hauptfigur, steht das
vordergründige Erzähltempus Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion: „ging hinunter“,
„wandte“, „blickte“, „saß“, „machte sich auf“. Es geht um eine Reihe von unerhörten bzw.
ungewöhnlichen Handlungen, in denen Aschenbachs Existenz in Richtung einer anderen Welt
in Bewegung gesetzt wird: der Welt der Morgenröte bzw. einer verheißungsvollen ungeheuren
Welt. (Mann, 1986: 584). Diese Handlungen stellen die letzten Haupthandlungen der Novelle
dar. Deswegen treten sie mithilfe des Präteritums in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs
im Vordergrund auf.

Anschließend wird veranschaulicht, wie das Spanische den entscheidenden Charakter dieses
Ereignisses schafft:

53
“[...]Tadrio se dirigió en diagonal hacia el mar.[...]”“[...]De pronto, como si lo impulsara un
recuerdo, bruscamente, hizo girar el busto y miró hacia la orilla por encima del hombro. El
contemplador estaba allí, sentado[...]”(Mann, 1985: 141). „[...]Und, wie so oft, „machte” er
„sich auf”, ihm zu folgen.[...]”(Mann, 1986: 584).

“[...]Tadrio se dirigió en diagonal hacia el mar.[...]”(Mann, 1986: 141): Der Erzähler bringt
diese Handlung in den Vordergrund mithilfe des Erzähltempus pretérito perfecto simple: “se
dirigió”. Dadurch signalisiert der Erzähler dem Leser, dass es sich um eine Haupthandlung
handelt, von der der Leser vorher überhaupt nichts wusste. Deswegen wird es in den
Vordergrund gestellt.

“[...]De pronto, como si lo impulsara un recuerdo, bruscamente, hizo girar el busto y miró
hacia la orilla por encima del hombro. El contemplador estaba allí, sentado[...]”(Mann, 1986:
141): Anstatt einer Übersetzung bietet der Übersetzer hier eher eine Paraphrasierung zu der
deutschen Aussage „wie unter einer Erinnerung, einem Impuls” (Mann, 1986: 584). Er bildet
einen Satz: “[...]como si lo impulsara un recuerdo,[...]”(Mann, 1985: 141). Dafür verwendet
der Übersetzer das Verb “impulsara” im pretérito imperfecto des Subjuntivo hinzu, das im
deutschen Original nicht vorkommt. Hierfür hätte der Übersetzer des Spanischen in Anbetracht
der Originalgetreue die eigentliche Entsprechung benutzen müssen: como por un recuerdo, por
un impulso. Aus diesem Grund kann diese Handlung nicht verglichen werden.

Abgesehen davon finden die nächsten zwei deutschen Verben „wandte” und „blickte” ihre
Entsprechung in der spanischen Version. Der Erzähler stellt diese beiden Handlungen mithilfe
des vordergründigen spanischen Erzähltempus pretérito perfecto simple in den Vordergrund:
“hizo girar” und “miró”, wobei die Verbform “hizo girar“ eine Verbalperiphrase für das Verb
“giró“ (pretérito perfecto simple) darstellt: das Modalverb “hizo” im pretérito perfecto simple
plus das Hauptverb: “girar” im Infinitiv.

Die folgende Textzeile des hier analysierten Abschnittes verkörpert eine Abweichung von der
Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie Weinrichs.

„[...]Der Schauende dort saß,[...]”(Mann, 1986: 584).

“[...]El contemplador estaba allí, sentado[...]”(Mann, 1985: 141).

54
Es geht um eine entscheidende Haupthandlung. Tadzio zeigt jetzt den Rückweg zur Morgenröte
und Aschenbach sitzt dort, um diese Information zu erhalten. Tadzio und Aschenbach sind trotz
der schwierigen Umstände zusammen zum ihrem Ziel gelangt. Deswegen tritt diese Handlung
im Vordergrund auf. Dazu wird das vordergründige deutsche Präteritum „saß” verwendet. Im
Vergleich zum Deutschen schafft das Spanische den entscheidenden Charakter dieser
Handlung mithilfe des pretérito imperfecto: “estaba“ (allí) in Zusammenstellung mit dem
Adjektiv “sentado”. In diesem Fall erlaubt das pretérito imperfecto “estaba“ keinen Ersatz
durch das pretérito perfecto simple “estuvo”, da das pretérito imperfecto “estaba“ die
Bedeutung des vordergründigen Tempus pretérito perfecto simple “estuvo” hier nicht erfüllt.
Wenn man das pretérito imperfecto im Sinne der Bedeutung des pretérito perfecto simple
benutzt, muss es immer mit dem entsprechenden Verb im pretérito perfecto simple ersetzt
werden können, wie in diesem Beispiel mit “estuvo”.(vgl.Vallejo, 2013:415). Dies ist hier
nicht der Fall. “Estaba” bezieht sich nicht auf dieselbe Bedeutung wie “estuvo”. In diesem
Fall tritt eher das pretérito imperfecto als Hintergrundtempus auf. Tadzio ist dort vorne, mit
dem Gesicht der Weite zugekehrt. Plötzlich wendet er sich um und da hinten im Hintergrund
sitzt Aschenbach. Auf diese Weise steht das pretérito imperfecto “estaba” hier sogar als
Metapher für den räumlichen Hintergrund. Es geht hier um zwei Handlungen, die gleichzeitig
stattfinden. Das pretérito imperfecto erfüllt nämlich auch die Funktion, gleichzeitig ablaufende
Ereignisse zum Ausdruck zu bringen.(vgl.Vallejo, 2013: 416).

Die textlinguistische Theorie Weinrichs kommt in diesem Fall insofern zur Geltung als dass
das pretérito imperfecto hier zur Gestaltung des Reliefs im Hintergrund dient. Nach Weinrichs
Theorie ist das Hintergrundtempus pretérito imperfecto insbesonders für die Vermittlung von
Nebenumständen geeignet. Jedoch handelt es sich im deutschen Original um eine
entscheidendes Ereignis bzw. Haupthandlung und nicht um einen Nebenumstand.

„[...]Hintergrund ist im allgemeinsten Sinne das, was nicht unerhörte Begebenheit


ist, was für sich alleine niemand zum Zuhören bewegen würde, was dem Zuhörer
jedoch beim Zuhören hilft und ihm die Orientierung in der erzählten Welt
erleichtert.[...]”(Weinrich, 2001: 118).

Deswegen tritt hier das deutsche Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion in Form des Verbs
„saß” auf. Aus diesem Grund kann man in diesem Fall behaupten, dass das vordergründige
Präteritum „saß” nicht dem spanischen pretérito imperfecto entspricht, da das deutsche
Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion zur Reliefgebung im Vordergrund dient, während

55
das pretérito imperfecto “estaba” zur Gestaltung des spanischen Reliefs im Hintergrund
genutzt wird und so Ausdruck von gleichzeitig stattfindenden Ereignissen sein kann. Der hier
veranschaulichte Fall stellt eine Abweichung der Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie
Weinrichs in der spanischen Sprache dar. Laut der hier durchgeführten Analyse kann man
behaupten, dass das Spanische über zwei syntaktisch unabhängige null-perspektivische
Erzähltempora verfügt und somit viel Raum für eine dynamische Gestaltung des Reliefs im
Vorder- und Hintergrund bietet.

Aus diesem Gedankengang kann man feststellen, dass das vordergründige Präteritum „saß” in
dieser Textstelle keine Entsprechung dem spanischen pretérito imperfecto “estaba (sentado)”
findet, da dieses Verb im Zusammenstellung mit dem pretérito perfecto simple “miró“ das
gleichzeitige Geschehen zweier Haupthandlungen ausdrückt: das pretérito perfecto simple
“miró” signalisiert hier den räumlichen Vordergrund und das pretérito imperfecto “estaba
(sentado)” signalisiert den räumlichen Hintergrund. Nach dieser Analyse kann man feststellen,
dass das hier veranschaulichte Beispiel eine Abweichung von der Anwendbarkeit der
textlinguistischen Theorie Weinrichs in der spanischen Sprache darstellt.

Im nachfolgenden und letzten Abschnitt dieser Arbeit wird die letzte Textzeile der Novelle von
Thomas Mann analysiert:

„[...]Und, wie so oft, „machte” er „sich auf”, ihm zu folgen.[...]”(Mann, 1986: 584).

Aschenbach folgt Tadzio, und mit ihm geht er zur Morgenröte bzw. zum Ursprung des Lebens
zurück, um das sinnlichere Leben wiederzugewinnen. Es ist ein großartiges ungewöhnliches
Ereignis, da die rätselhafte Welt der Gefühle im Leben Aschenbachs verdrängt wurde. Und
jetzt macht er sich auf den Weg zur Morgenröte. Es geht um die Wiedergewinnung des
“sinnlicheren Blutes”, den Teil, den er von seiner Mutter mit auf seinen Lebensweg bekommen
hat und der ihm durch die ausschließlich väterliche Erziehung wieder abhandengekommen war.
Deswegen wird diese Handlung mithilfe des Präteritums in seiner zweitstelligen Funktion in
den Vordergrund gestellt: „machte er sich auf”, ihm zu folgen”.(Mann, 1986: 584).

In der spanischen Version wurde dieser Abschnitt leider nicht übersetzt. Infolgedessen ist hier
keine Analyse der Verwendung der entsprechenden Erzähltempus möglich.

56
4.3.3 Ergebnisse

Für die Veranschaulichung der Ergebnisse ist es wichtig in Betracht zu ziehen, dass die hier
analysierten Fragmente anhand des kontextbezogenen Inhalts des literarischen Textes
ausgewählt wurden und nicht in erster Linie anhand der in den Fragmenten vorkommenden
isolierten Erzähltempora. Das bedeutet, dass der Wahl der Fragmente in gewisser Weise ein
literarischer roter Faden zugrunde liegt. In diesem Fall handelt es sich um „die blutige rote
Linie“, die sich vom Anfang bis zum Ende in der Erzählung fortschreitend aus fallenden
Blutstropfen gestaltet und bestimmte Folgen für die Hauptfiguren nach sich ziehen wird.
Deswegen gibt es Fragmente, in denen das pretérito imperfecto auftritt, und andere Fragmente,
in denen es nicht verwendet wird. In der oben dargestellten Analyse wurde die erzählende
Funktion der auftretenden Erzähltempora analysiert und die daraus gezogenen
Schlussfolgerungen ausführlich skizziert. Im Folgenden werden nun konkret die Ergebnisse
der Erzählfunktion des pretérito imperfecto und seine Entsprechungen im Deutschen
veranschaulicht. Die Fragmente in welchen das pretérito imperfecto erscheint sind die
Fragmente A, C und L. In den Fragmenten D, J, K, in welchen das pretérito imperfecto nicht
erscheint, werden die Ergebnisse der Erzählfunktion der dort vorkommenden Erzähltempora
ebenfalls dargelegt. Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass die Übersetzer sowohl im Deutschen,
als auch im Spanischen, mehrmals nicht die genaue Übersetzung der Verbformen auswählen,
sondern Synonyme oder Metaphern der Verben verwenden. Dennoch bleibt die im Originaltext
vermittelte Bedeutung der Verben bestehen.

Fragment I: Aschenbach sieht Tadzio zum ersten Mal.

Das pretérito imperfecto gilt als Hintergrundtempus und findet seine Entsprechung im
Deutschen, indem das Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs der Rede Relief
nach Hintergrund leistet. Andererseits findet das vordergründige pretérito perfecto simple seine
Entsprechung in der deutschen Sprache, indem das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion
des Verbs der Rede ein Relief im Vordergrund verleiht.

57
Präteritum (Zweitstellige Präteritum pretérito pretérito
Funktion des Verbs) (Endstellige Funktion perfecto simple imperfecto
des Verbs)
bemerkte advirtió
war tenía

Fragment J: Tadzios und Aschenbachs Blicke begegnen sich zum ersten Mal.

Das pretérito imperfecto gilt als Hintergrundtempus und findet seine Entsprechung im
Deutschen, indem das Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs der Rede ein Relief
im Hintergrund leistet. Andererseits findet das vordergründige pretérito perfecto simple seine
Entsprechung in der deutschen Sprache, indem das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion
des Verbs der Rede ein Relief im Vordergrund verleiht.

Präteritum Präteritum pretérito perfecto pretérito


(Zweitstellige (Endstellige Funktion simple imperfecto
Funktion des Verbs) des Verbs)
wandte sich um se volvió
sich aufhielt quedaba
begegneten se encontraron
nachblickte seguía (con la
mirada)

Fragment K: Aschenbach taucht in das sinnlichere Leben ein, wodurch ein neuer Alltag sein
neues Leben prägt.

Das pretérito imperfecto agiert hier als Hintergrundtempus. Die Ansammlung des in der
spanischen Sprache verwendeten pretérito imperfecto findet seine deutsche Entsprechung im
regelmäßigen Wechselspiel zwischen Zweit- und Endstellung der deutschen Verben. Die

58
Verteilung der vordergründigen Tempora und der Hintergrundtempora angesichts der
syntaktischen Abhängigkeit zwischen beiden Stellungen wirkt zwar primär auf die syntaktische
Kleinstruktur, dann jedoch auch auf die Großstruktur. Angesichts der syntaktischen
Unabhängigkeit der beiden Erzähltempora pretérito perfecto simple und pretérito imperfecto,
ist das Spanische in der Lage durch eine Ansammlung von Verben entweder im Vordergrund
oder im Hintergrund Relief zu schaffen.

Das pretérito imperfecto “arreglaba”, “extendía”, “sacaba” hat keine Entsprechung für das
deutsche Plusquamperfekt: “bereitet”, “ausgespannt”, “gerückt hatte”, als dass es sich um
nachgetragene Informationen zu den null-perspektivischen Erzähltempora handelt. Aus diesem
Grund hätte der spanische Erzähler hierfür anstatt das pretérito imperfecto das
pluscuamperfecto verwenden sollen.

Auf der anderen Seite findet das spanische Pluscuamperfecto seine Entsprechung im
Deutschen, indem das deutsche Plusquamperfekt und das spanische pluscuamperfecto die
Funktion besitzen, Informationen zu den null-perspektivischen Tempora vor und nachzutragen.
In diesem Fall trägt dieses Tempus Informationen nach: „versäumt (hatte)” - “había pasado”.

Das spanische gerundio: “alcanzando” besitzt u.a. die Fähigkeit, die Hintergrundfunktion des
pretérito imperfecto zu übernehmen. Deswegen stellt es eine geeignete Entsprechung für das
Präteritum „gewann” in seiner endstelligen Funktion des Verbs dar.(Vallejo, 2013: 418). Das
gerundio wird hier aber nicht thematisiert.

Präteritum Präteritum Deutsches pretérito imperfecto spanisches


(Zweitstellige (Endstellige Plusquamperfekt pluscuamperfecto
Funktion des Funktion des (Endstellige
Verbs) Verbs) Funktion des
Verbs)
*se levantaba/
hacía/ se veía/
*war llegaba
war (no) quemaba
lag permanecía
grüßte saludaba

59
grüßte keine Übersetzung
bereitet, arreglaba/ extendía/
ausgespannt, sacaba
gerückt hatte
ließ sich nieder keine Übersetzung
waren transcurrían
. stieg iba ascendiendo
gewann alcanzando
(Gerundio)
blaute se hacía
sehen durfte apareciese
sah solía llegar
sah veía
fand se daba cuenta
había pasado
war veía
war volvía
*Thomas Mann bildet diese Textzeile anhand eines einzigen Verbs, „war“ in Verbindung mit Präpositionalphrasen. In diesem
Fall hat der spanische Übersetzer eine Reihe anderer Verben ausgewählt, die dennoch die Bedeutung des Originaltextes
beibehalten.

Fragment M: Aschenbach wünscht sich Kontakt mit Tadzio aufzunehmen, weshalb jetzt die
Göttin Eos auftritt.

In diesem Fragment entspricht das pretérito imperfecto dem vordergründigen Präteritum in


seiner zweitstelligen Funktion des Verbs, insofern, als dass das pretérito imperfecto in diesem
Fall die Bedeutung des vordergründigen Tempus pretérito perfecto simple innerhalb der
erzählten Welt übernehmen kann. Hier ist wichtig zu beachten, dass das pretérito imperfecto
die Funktion des pretérito perfecto simple nur übernehmen kann, wenn das pretérito imperfecto
die Bedeutung derjeniege des pretérito perfecto simple vermittelt. Nur dann ist das pretérito
imperfecto in der Lage, die Funktion des vordergründigen Tempus pretérito perfecto simple zu
übernehmen.(Vallejo, 2013: 415). Da das pretérito imperfecto laut Weinrichs Theorie und nach
der vorliegenden Abschlussarbeit die Funktion hat, der Rede Relief nach dem Hintergrund zu

60
verleihen, stellt seine Funktion als Vordergrundtempus eine Ergänzung zur textlinguistischen
Theorie Weinrichs bezüglich der Erzähltempora dar.

Präteritum Präteritum pretérito perfecto pretérito imperfecto


(Zweitstellige (Endstellige simple
Funktion des Funktion des Verbs)
Verbs)
Nahte se acercaba
raubte raptora(Substantiv
anstatt Verb)
genoß Gozó
Begann comenzaban
Schwebten flotaban
Fiel caía
schien parecía
zuckten hinauf resplandecía
Ward transformaba
wälzten sich herauf erguían
stiegen empor corrían
saß nicht übersetzt
schloß cerraba
besase
(pretérito.imperfecto,
ließ küssen Subjuntivo)

Fragment O: Aschenbach begnügt sich nicht mehr damit, Tadzio nur anzuschauen. Deswegen
begibt sich er nun auf dei Spuren Tadzios und dieser erwidert ihm darauf.

Das pretérito imperfecto “veía” agiert hier als vordergründiges Tempus, da es die Funktion
[im Sinne] des Erzähltempus pretérito perfecto simple übernimmt. Deswegen kann das Verb
“veía” mit dem Erzähltempus pretérito perfecto simple (“vio“) ersetzt werden. Auf diese
Weise findet das pretérito imperfecto seine Entsprechung im Deutschen, denn das Präteritum
in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs „sah“, bildet den Vordergrund innerhalb der
erzählten Welt.

61
Das pretérito imperfecto “miraba” agiert hier als Hintergrundtempus und findet seine deutsche
Entsprechung, indem das Präteritum („erblickte“) in seiner endstellingen Funktion des Verbs
der Rede ein Relief nach dem Hintergrund schafft. Hier kann das pretérito imperfecto durch
die vordergründige Funktion des pretérito perfecto simple (“miró“) nicht ersetzt werden.

Präteritum Präteritum (Endstellige pretérito imperfecto


(Zweitstellige Funktion des Verbs)
Funktion des Verbs)
sah Veía
wandte nicht übersetzt
suchte nicht übersetzt
erblickte Miraba

Fragment Q: Tadzio versichert mit einem Blick die Gefolgschaft Aschenbachs.


Das pretérito imperfecto agiert in diesem Fragment als vordergründiges Tempus, da es die
Funktion [im Sinne] des vordergründigen Erzähltempus pretérito perfecto simple erfüllt. Auf
diese Weise können die Verben “iba”, “solía dejar”, “volvía”, “seguía”, “veía”, “(no)
denunciaba” mit den Verben im pretérito perfecto simple “fue”, “dejó”, “volvió”, “siguió”,
“vio”, “ (no) denunció” ersetzt werden.

Das pretérito imperfecto findet seine Entsprechung im Deutschen, indem das Präteritum in
seiner zweitstelligen Funktion des Verbs der Rede ein Relief nach dem Vordergrund schafft:
„ging”, „ließ”, „wandte”, „sah”, „(nicht)verriet”.

Präteritum (Zweitstellige pretérito imperfecto


Funktion des Verbs)

ging iba
ließ solía dejar
wandte stand
Gefolgschaft (Substantiv) seguía (Verb)
sah veía(lo)
(nicht) verriet (no) denunciaba

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Fragment S: Die Schatten fallen über das ganze Venedig, und bald auch über Aschenbachs
Existenz.

Das pretérito imperfecto zeigt in diesem Fragment eine Abweichung von der Anwendbarkeit
der textlinguistischen Theorie Weinrichs. Es findet hier keine Entsprechung im Deutschen, da
das pretérito imperfecto in diesem Fall im Hinblick auf die Hervorhebung der Haupthandlung
bzw. des Ungewöhnlichen der Rede Relief im Hintergrund verleiht: “descansaba” und
“flotaba”. Das pretérito imperfecto signalisiert dadurch dem Leser, dass es sich, laut
Weinrichs Theorie, um eine ungewöhnliche Begebenheit handelt. Hier geht es jedoch um eine
Haupthandlung: Ein Fotoapparat gedeckt mit einem flatternden schwarzen Tuch war da. Diese
Metapher bedeutet, dass sich der Tod nähert. Deswegen rückt der deutsche Erzähler mithilfe
des Präteritums in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs die Handlungen in den
Vordergrund („stand” und „flatterte”). Dadurch signalisiert er dem Leser, dass es sich hier
um unerhörte bzw. ungewöhnliche Begebenheiten bzw. Haupthandlungen handelt.

Präteritum pretérito perfecto pretérito spanisches


(Zweitstellige simple imperfecto pluscuamperfecto
Funktion des Verbs)
apareció
(Die Aussage
erscheint im
Originaltext nicht.)
stand descansaba
habían echado (Die
Aussage erscheint im
Originaltext nicht.)
flatterte flotaba

Fragment T: Aschenbach stirbt, wodurch er zum Ursprung des Lebens zurück kehrt.

Das vordergründige pretérito perfecto simple findet seine Entsprechung im Deutschen durch
die Verwendung des Präteritums in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs, dessen Funktion

63
es ist, der Rede Relief im Vordergrund zu geben: (“se dirigió“, “hizo girar“, “miró“ - „ging
hinunter“, „wandte“, „blickte“).

Das pretérito imperfecto “estaba (sentado)” findet seine Entsprechung nicht im


vordergründigen Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs („saß”), denn das
pretérito imperfecto “estaba (sentado)” kann durch das vordergründiges pretérito perfecto
simple (“estuvo”) nicht ersetzt werden. Aus diesem Grund erfüllt das pretérito imperfecto die
Funktion [im Sinne] des vordergründigen Erzähltempus pretérito perfecto simple (“estuvo”)
nicht. In diesem Fall gibt das pretérito imperfecto der Rede ein Relief zwar im Hintergrund,
laut Weinrichs Theorie, signalisiert es aber dadurch dem Leser, dass es sich um eine
ungewöhnliche Begebenheit bzw. eine Haupthandlung handelt: “estaba (sentado)”. Nach
Weinrichs Theorie leistet das pretérito imperfecto der Rede ein Relief im Hintergrund und
signalisiert dem Leser dadurch, dass es sich um Nebenumstände handelt. Jedoch bringt das
pretérito imperfecto in der hier analysierten Textstelle anstattdessen eine Haupthandlung zum
Ausdruck.

Es ist so, dass das pretérito imperfecto die Funktion besitzt, Gleichzeitigkeit zu
gestalten.(Vallejo, 2013: 416). Bei dieser Textstelle handelt es sich nämlich um zwei
Haupthandlungen: Als Tadzio und Aschenbach zum letzten Mal Kontakt zueinander
aufnehmen, tritt das pretérito imperfecto als Hintergrundtempus auf, aber diesmal, um den
gleichzeitigen Charakter zweier Haupthandlungen zu signalisieren. Ein weiterer Beleg dafür
ist die Tatsache, dass der deutsche Erzähler alle Handlungen mithilfe des Präteritums in seiner
zweitstelligen Funktion des Verbs in den Vordergrund stellt. Dadurch schafft das Deutsche dem
Leser den ungewöhnlichen und zugleich gleichzeitigen Charakter der Situation dem Leser zu
signalisieren.

Aus den oben genannten Gründen kann festgestellt werden, dass das hier veranschaulichte
Beispiel eine Abweichung der Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie Weinrichs in der
spanischen Sprache darstellt.

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Präteritum pretérito perfecto pretérito imperfecto
(Zweitstellige Funktion simple
des Verbs)
ging hinunter se dirigió
impulsara (p.imperfecto,
Impuls (Substantiv) Subjuntivo)
wandte hizo girar
blickte miró
saß estaba (sentado)

4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

Aus der durchgeführten Analyse des spanischen Tempus pretérito imperfecto im Vergleich zu
den deutschen Erzähltempora anhand der spanischen Erzählung „El rastro de tu sangre en la
nieve“ (1992) von Gabriel García Márquez und ihrer Übersetzung ins Deutsche „Die Spur
deines Blutes im Schnee“ (1993) konnte festgestellt werden, dass das pretérito imperfecto dem
deutschen Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs entspricht. Des Weiteren kann
man konstatieren, dass das pretérito perfecto simple und das pluscuamperfecto jeweils dem
deutschen Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs und dem Plusquamperfekt
entsprechen.

Unter Einbeziehung der durchgeführten Analyse des spanischen Tempus pretérito imperfecto
im Vergleich zu den deutschen Erzähltempora der deutschen Novelle „Der Tod in
Venedig“ (1986) von Thomas Mann und ihrer Übersetzung ins Spanische „La Muerte en
Venecia“ (1985) kann man folgendes hervorheben:

Fragmente I, J:

Das pretérito imperfecto entspricht dem deutschen Erzähltempus Präteritum in seiner


endstelligen Funktion des Verbs. Darüber hinaus kann man hervorheben, dass das pretérito
perfecto simple dem deutschen Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs
entspricht.

65
Fragment K:

Das pretérito imperfecto entspricht dem deutschen Erzähltempus Präteritum in seiner


endstelligen Funktion des Verbs. Desweiteren entsprechen das pretérito perfecto simple und
das pluscuamperfecto jeweils dem deutschen Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des
Verbs und dem Plusquamperfekt.

Fragment M:

Das pretérito imperfecto entspricht dem deutschen vordergründigen Präteritum in seiner


zweitstelligen Funktion des Verbs, weil das pretérito imperfecto in diesem Fall die Bedeutung
des vordergründigen Tempus pretérito perfecto simple innerhalb der erzählten Welt
übernehmen kann. Da das pretérito imperfecto nach Weinrichs Theorie und nach der
vorliegenden Analyse die Funktion hat, der Rede ein Relief im Hintergrund zu verleihen,
verkörpert seine Funktion als Vordergrundtempus eine Ergänzung zur textlinguistischen
Theorie Weinrichs die Erzähltempora betreffend.

Fragmente O, Q:

Das pretérito imperfecto agiert grundsätzlich als Hintergrundtempus. Aber es kann auch als
vordergründiges Erzähltempus auftreten, nämlich dann, wenn das pretérito imperfecto die
vordergründige Funktion des pretérito perfecto simple erfüllen kann. Aus diesem Grund
entspricht das pretérito imperfecto dem deutschen Präteritum nicht nur in seiner endstelligen
Funktion des Verbs als Hintergrundtempus, sondern auch in seiner zweitstelligen Funktion des
Verbs als vordergründiges Tempus. Ob nun bezüglich der Reliefgebung im Vordergrund das
pretérito imperfecto oder das pretérito perfecto simple ausgewählt wird, liegt ganz im
Ermessen des Erzählers.

Fragmente S, T:
Das pretérito imperfecto verkörpert in diesen Fragmenten eine Abweichung der
Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie Weinrichs, weil es in seiner Funktion als
Hintergrundtempus dem Leser anstatt Nebenumstände bzw. des Gewöhnlichen, unerhörte
Begebenheiten bzw. Haupthandlungen signalisiert.

66
Das im Fragment T vorhandene vordergründige pretérito perfecto simple findet seine
Entsprechung im Deutschen durch das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs,
dessen Funktion es ist, der Rede ein Relief im Vordergrund zu verleihen.

5. Fazit

Diese Abschlussarbeit widmete sich der Analyse, ob und inwiefern die von Harald Weinrich
entwickelte textlinguistische Theorie der deutschen Tempus-Formen im Spanischen
Anwendung finden. Als Analysegegenstand diente die erzählende spanische Tempus-Form
pretérito imperfecto im Vergleich zu ihrer deutschen Entsprechung wofür zwei Analysen
erfolgten: eine erste Analyse zielte darauf ab, die Funktion des Erzähltempus pretérito
imperfecto anhand eines spanischen Originaltextes zu analysieren und mit seiner Übersetzung
im Deutschen zu vergleichen. Eine weitere Analyse, die zusätzlich dazu erfolgen sollte,
beabsichtigte, die Funktion des pretérito imperfecto anhand eines deutschen Originaltextes zu
analysieren und mit seiner Übersetzung im Spanischen zu vergleichen.

In der spanischen Erzählung „El rastro de tu sangre en la nieve“ (1992) von Gabriel García
Márquez und ihrer Übersetzung ins Deutsche „Die Spur deines Blutes im Schnee“ (1993),
wurde das spanische Erzähltempus pretérito imperfecto, verglichen mit den deutschen
Erzähltempora, analysiert, wobei festgestellt werden konnte, dass das Erzähltempus pretérito
imperfecto dem deutschen Präteritum in seiner endstelligen Funktion des Verbs entspricht. Des
Weiteren konnte konstatiert werden, dass die spanischen Erzähltempora pretérito perfecto
simple und das pluscuamperfecto jeweils dem deutschen Präteritum in seiner zweitstelligen
Funktion des Verbs und dem Plusquamperfekt entsprechen.

Unter Einbeziehung der durchgeführten Analyse des spanischen Erzähltempus pretérito


imperfecto im Vergleich zu den deutschen Erzähltempora in der deutschen Novelle „Der Tod
in Venedig“ von Thomas Mann und ihrer Übersetzung ins Spanische „La Muerte en
Venecia“ konnte folgendes hervorgehoben werden:

67
Das spanische Erzähltempus pretérito imperfecto hat die Funktion, der Rede ein Relief im
Hintergrund zu verleihen und entspricht im Deutschen dem Präteritum in seiner endstelligen
Funktion des Verbs. Insofern kann behauptet werden, dass die von Harald Weinrich entwickelte
textlinguistische Theorie, die deutschen Tempus-Formen betreffend, im Spanischen
Anwendung findet. Darüber hinaus konnte hier gezeigt werden, dass das Erzähltempus
pretérito imperfecto der Rede ein Relief im Vordergrund verleiht, wie den Fragmenten M, O
und Q zu entnehmen ist. Die hier gewonnene Erkenntnis über die vordergründige Funktion des
spanischen Erzähltempus pretérito imperfecto schafft eine Ergänzung im Hinblick auf
Weinrichs Theorie, insofern, als dass diese Erkenntnis seiner Theorie weder widerspricht noch
diese widerlegt.

Darüber hinaus zeigte die zweite Analyse eine Abweichung der Anwendbarkeit der
textlinguistischen Theorie Weinrichs, insofern, als dass das pretérito imperfecto in seiner
Funktion als Hintergrundtempus dem Leser nicht nur das Gewöhnliche bzw. die
Nebenumstände, sondern auch ungewöhnliche Begebenheiten bzw. Haupthandlungen darlegt.
Hier dient das pretérito imperfecto der Gestaltung der stattgefundenen Gleichzeitigkeit
zwischen zwei Haupthandlungen, wie den Fragmenten S und T zu entnehmen ist. Dabei drückt
das pretérito imperfecto ausschließlich Gleichzeitigkeit aus.(vgl.Vallejo, 2013: 416).

Abgesehen von der oben genannten Abweichung der Anwendbarkeit der textlinguistischen
Theorie Weinrichs bezüglich der Erzähltempora, findet sie Anwendung in der spanischen
Sprache, wie aus der vorliegenden Abschlussarbeit herauszulesen ist. Das Deutsche vermag
es, dem spanischen Erzähltempus pretérito imperfecto Ausdruck zu verleihen, auch wenn die
syntaktische Funktion des pretérito imperfecto und seine Übertragbarkeit in andere Sprachen
bzw. ins Deutsche ein sehr umstrittenes Thema darstellt, womit sich schon einige Grammatiker
beschäftigt haben.(vgl. Sánchez Prieto, 2010: 89). Zwar zeigen das Deutsche und das
Spanische deutliche Differenzen bei Syntax, Verteilung und Zahl der Erzähltempora, jedoch
verfügt die deutsche Sprache über eine äquivalente Entsprechung nicht nur für das spanische
Erzähltempus pretérito imperfecto, sondern auch für die Erzähltempora pretérito perfecto
simple und pluscuamperfecto.

68
Andererseits vermag das Spanische der wechselseitigen Dynamik zwischen zweit- und
endstelliger Funktion des deutschen Präteritums Ausdruck zu verleihen. Vor diesem
Hintergrund kann hier festgestellt werden, dass nicht nur der erzählten Welt eine eigene Sphäre
innewohnt, sondern dass jeder Sprache angesichts ihrer synchronen und diachronen
Entwicklung eine eigene sprachliche Sphäre immanent ist, die sich, trotz seiner Andersartigkeit
oder gerade deswegen, in die Sphäre anderer Sprachen übertragen lässt.

Laut Weinrich bietet die kontextbezogene bzw. textlinguistische Analyse der Erzähltempora
eine Reihe von inhaltlicher Perspektiven, die für die literarische Interpretation von Nutzen sein
können.(vgl.Weinrich, 2001: 130). Wenn man das Verhältnis zwischen den hier analysierten
spanischen Erzähltempora und den dazu gehörigen deutschen Entsprechungen betrachtet, kann
festgestellt werden, dass größtenteils die gleichen Ebenen im Vorder- und Hintergrunde,
sowohl im Spanischen als auch im Deutschen, zu finden sind. Aus diesem Grund stellt die
literarische Analyse anhand des von den Erzähltempora geleisteten Reliefs eine nicht
unerhebliche Methode zur literarischen Interpretation dar.

In der spanischen Erzählung „El rastro de tu sangre en la nieve“ (1992) von Gabriel García
Márquez sowie in ihrer Übersetzung ins Deutsche „Die Spur deines Blutes im Schnee“ (1993)
kann man durch die spanischen und deutschen vordergründigen Erzähltempora sowohl die
Spuren der Bewusstlosigkeit seitens Billy Sánchez, als auch die daraus resultierende
Einsamkeit wahrnehmen: er ist unfähig, seine eigene Existenz aufzubauen. Wenn das eigene
Leben unbeachtet bleibt, verschwindet es. Deswegen erlebt Billy Sánchez und mit ihm der
Leser, wie das Blut und somit das Leben, von Anfang an, tropfenweise unaufhörlich durch den
Hintergrund abfließt. Zur Skizzierung des kontinuierlichen Abflusses des Blutes dienen die
Hintergrundtempora in beiden Sprachen. Dies zieht Einsamkeit nach sich. Eine Einsamkeit,
welche ihren Höhepunkt erreicht, als Nena Daconte stirbt. Für die auftretende Präsenz der
kalten Einsamkeit in der Erzählung agieren die vordergründigen Erzähltempora sowohl im
Deutschen als auch im Spanischen als metaphorisches Äquivalent. Alles Weitere, sogar das
Faktum des Todes Nena Dacontes, welcher ein dramatisches Ereignis darstellt, bleibt
sprachlich und inhaltlich im Hintergrund. Es handelt sich hier um eine gewöhnliche
Begebenheit: Wenn man auf ein unaufhörliches Bluten nicht achtet, wird man verbluten.
Deshalb rückt der Erzähler mithilfe der Hintergrundtempora dieses dramatische Ereignis in den
Hintergrund und signalisiert damit dem Leser, dass das fließende Blut unbeachtet bleibt.
Infolgedessen konstituiert diese Handlung nichts Ungewöhnliches bzw. keine Haupthandlung.

69
Haupthemen in der Geschichte sind eher die Begebenheiten, die zu ihrem Tode führten:
Unwissenheit, Unachtsamkeit, Verwirrung, Einsamkeit, Bewusstlosigkeit und
Desorientierung. Die Erzähltempora stehen, alle diese Fakten betreffend, sowohl im Deutschen
als auch im Spanischen, im Vordergrund.

Es ist hinreichend bekannt, dass die Einsamkeit u.a. ein grundlegendes Leitmotiv der
Novellistik García Márquez bildet. Zu diesem Leitmotiv äußerte sich der Autor in einem
Interview anlässlich seiner Nobelpreisverleihung 1982 in Stockholm wie folgt:

„[...]Creo que toda mi vida y toda mi obra se me ha ido tratando de explicarme, de


contestarme a mí mismo la pregunta: ¿Qué es la soledad? En realidad se habla de
la soledad del poder, de la soledad del corredor de fondos, de la soledad del escritor,
se habla de la soledad de cada uno. Casi puede uno sospechar que lo que pasa es que
todos, absolutamente todos, estamos solos. En algún momento, yo lo vislumbré
como el contrario de la solidaridad. Sin embargo, creo que es bastante más profundo
y más complejo. Lo que pasa es que si yo llego a descifrarlo, probablemente no
vuelva a escribir, porque precisamente yo escribo es para tratar de averiguar qué es
la soledad, por consiguiente prefiero no saberlo y seguir escribiendo todavía mucho
tiempo.[...]“

Auch in der deutschen Novelle „Der Tod in Venedig“ (1986) von Thomas Mann sowie in ihrer
Übersetzung ins Spanische „La Muerte en Venecia“ (1985) kann der Leser durch die in beiden
Sprachen verwendete vordergründige Erzähltempora den Eintritt eines streng diziplinierten
und leistungsorientierten Mann ins Leben der tiefen Gefühle miterleben und somit die daraus
entstandene innere Auseinandersetzung mit seiner moralischen Außenwelt und seinen jüngst
endeckten tiefen Gefühlen. Durch die Verwendung der vordergründigen Erzähltempora
begegnet der Leser einem Menschen, der mit seinen inneren Konfrontationen einsam auf
seinem Weg des Lebens geht. Andererseits begegnet der Leser mithilfe der erzählenden
Hintergrundtempora Aschenbachs “Wegweiser” bzw. Tadzio, der ihn zur Auflösung seiner
inneren Verwirrungen führt, nämlich zur Morgenröte, aus der, laut des griechischen Mythos,
die Sonne bzw. das Leben entsteht. Auf diese Weise macht sich Aschenbach auf den Weg zur
Morgenröte, um seine weibliche Seite wieder zu finden und dadurch die lang vergessenen
Erkenntnisse wieder zu erlangen: den natürlichen Lebenszyklus, dem alle vorhandene
Gegensätze zugrunde liegen. Dafür muss seine einseitige Einstellung seinem Leben gegenüber
sterben. Das Sterben als Gelegenheit einer inneren Wiedergeburt.

70
Die griechische Göttin Eos bzw. die Morgenröte geht auf die uralte Muttergöttin zurück, die
in der uralten Zivilisation des Neolithikums im Mittelpunkt der Weltanschauung stand, und
deshalb im den zyklischen Rhythmus des Lebens als Wegweiser wirkte. Griechen und Römer
haben später in ihrer Zeit die weibliche Beschaffenheit der Muttergöttin in ihren Kulturen unter
anderen Namen übernommen und weiter verehrt. Dem deutschen Keltologen und Indologen
Heinrich Zimmer zufolge gehört die

„[Die] Weltgöttin‘, die ‚Allmutter‘, die ‚Muttergöttin‘ [gehört] zu den ältesten,


langatmigsten‘ der groβen tragenden Gottheiten, die den Mythen der Welt bekannt
sind. Sie ist die zusammenfassende Figur zahlloser weiblicher Lokalgottheiten;
zahlose Darstellungen vor ihr aus der jüngeren, ja einige sogar aus der älteren
Steinzeit sind gefunden worden. Den Mittelmeerkulturen war sie unter vielen Namen
bekannt: Isis, Kybele, Astarte, Ischtar, die Diana von Ephesos; sie war die Magna
Mater. Fragt man nach ihrem Ursprung, so kann man wohl die ältesten Idole und
Schriftzeugniβe zusammentragen, aber damit reiht man zufällig Erhaltenes
aneinander und kann zu dieser Aufzählung nur sagen: so und so weit läβt sie sich
zurückverfolgen, so und so sah sie in jenen Frühzeiten aus, so ward sie gennant, und
vielleicht noch: so wurde sie anscheinend verehrt. Aber eigentlich verstöβt man
damit gegen ihren Begriff und ihr Wesen. Denn eben sie die Groβe Mutter ist, war
sie früher da als alles andere.[...]”(vgl. Zimmer, 1961: 312).

Es handelt sich hier um die weibliche Gottheit, die im Rahmen des Neolithikums (ca.10.000 –
1.300 v.Chr.) in mehreren Kulturkreisen unter verschiedenem Namen als die Ur- oder
Allmutter verehrt wurde. Die Verehrung der Muttergöttin begann mit der Entstehung der
Landwirtschaft in Kleinasien etwa 8.000 v.Chr., erreichte ab etwa 6.500 v.Chr. Südosteuropa
und in den folgenden Jahrtausenden das übrige Europa, wobei Kretas Fund zur Forschung im
Rahmen der Mythologie der Antike einen besonders wichtigen Beitrag darstellt. Die Urmutter
trat als Ausdruck der Fruchtbarkeit auf und verkörpert daher sie das zyklische Lebenstempo
der Natur. In ihrem dreifaltigen Charakter stellte sie den natürlichen Lebenszyklus dar: Geburt,
Tod und Auferstehung. Sie war somit verantwortlich für die Blüte der Vegetation, die
Viehzucht und nicht zuletzt für die Zeugung und Weiterentwicklung des Menschen.(vgl.
Baring und Cashford, 2005: 68).1

1
Afanador, Martha (SoSe 2013). Die weiblichen Figuren als Leerstelle in Franz Kafkas Das Urteil. Leerstellen
als Katalysator der unsichtbaren weiblichen Beschaffenheit. Hausarbeit, S.7. Seminar: Kultur- und
literaturwissenschaftliche Konzepte und Methoden, Professor Dr.Georg Jansen. Abteilung Interkulturelle
Germanistik.

71
Joseph Campbell, der in seinem umfassenden Werk “The Masks of God: occidental Mythology”
(1965) einen wichtigen Beitrag der Vergleichsstudie der Mythologien der Urvölker, des
Westens, des Ostens und der Gegenwart leistete, beleuchtet in diesem Rahmen folgendes:

„[...]Now in the neolithic village stage of this development and dispersal, the focal
figure of allmythology and worship was the bountiful goddess Earth, as the mother
and nourisher of life and receiver of the dead for rebirth. In the earliest period of her
cult (perhaps c.7500-3500 B.C. in the Levant) such a mother-goddess may have been
thought of only as a local patroness of fertility, as many anthropologists suppose.
However, in the temples even of the first of the higher civilizations (Sumer, c. 3500
- 2350 B.C.), the Great Goddess of highest concern was certainly much more than
that. She was already, as she is now in the Orient, a metaphysical symbol: the arch
personification of the power of Space, Time, and Matter, within whose bound all
beings arise and die: the substance of their bodies, configurator of their lives and
thoughts, and receiver of their dead. And Everything having form or name –
including God personified as good or evil, merciful or wrathful – was her child,
within her womb.[...]”(vgl.Campbell, 1965: 7).

Ein wichtiges Beispiel für die weibliche Beschaffenheit des Neolithikums ist die sumerische
Muttergöttin: Inanna, deren Mythologie als erste schriftlich fassbare Mythologie der Region
Mesopotamiens gilt und die von nachstehenden Kulturkreisen unter verschiedenen Namen
angenommen wurde: als Mutter, Göttin und Ehefrau eines immer wieder sterbenden und
auferstehenden Ehemanns. Dank der sumerischen Keilschrift auf Tontafeln verfügt man über
umfangreiche Übersetzungen und Studien zur Geschichte der Muttergöttin Inanna, die in der
Bronzezeit (ca. 3.500 -1.250 v.Chr.) verehrt wurde. (vgl. Kramer, 1959: 129; Campbell, 1964:
324). Innana steht stellvertretend für ein Klima der Erschaffung, in welchem sich das Bild der
Göttin noch nicht in die himmlische und dämonische Sphäre erhoben hatte. Im Gegenteil, die
Gegensätze fungierten als verbindende Elemente des Lebens. (vgl. Baring und Cashford, 2005:
256).2

2
Afanador, Martha (SoSe 2013). Die weiblichen Figuren als Leerstelle in Franz Kafkas Das Urteil. Leerstellen
als Katalysator der unsichtbaren weiblichen Beschaffenheit. Hausarbeit, S.7. Seminar: Kultur- und
literaturwissenschaftliche Konzepte und Methoden, Professor Dr.Georg Jansen. Abteilung Interkulturelle
Germanistik.

72
Leider sind in den gegenwärtigen westlichen Gesellschaften die durch die uralte weibliche
Beschaffenheit vermittelten Informationen verloren gegangen. Joseph Campbell erläutert dazu
folgendes:

„[...]Greek and Latin and biblical literature used to be part of everyone’s education.
Now, when these were dropped, a whole tradition of Occidental mythological
information was lost. It used to be that these stories were in the minds of people.
When the story is in your mind, then you see its relevance to something happening
in your own life. It gives you perspective on what’s happening to you. With the loss
of that, we’ve really lost something because we don’t have a comparable literature
to take its place. These bits of information from ancient times, which have to do with
the themes that have supported human life, built civilizations, and informed religions
over the millennia, have to do with deep inner problems, inner mysteries, inner
thresholds of passage, and if you don’t know what the guide-signs are along the way,
you have to work it out yourself. [...]”(Campbell, 1991: 2).

Dennoch fanden die uralten mythologischen Inhalte, laut Campbell, eine neue Art und Weise,
sich in der modernen Welt auszudrücken: die großen Meister der Literatur. Sie skizzieren
mithilfe ihrer Figuren die geheimnisvollen Pfade des Lebens, mit denen die gegenwärtige
Menschheit konfrontiert wird, und mit denen sie sich ständig auseinandersetzen muss. Es
handelt sich um literarische Werken, die den modernen Menschen auf seinem Lebensweg
begleiten. Campbell beschäftigte sich in seinem umfassenden Werk “Schöpferische
Mythologie”(1992) mit dieser neuen Form des Mythos. Diesbezüglich präzisiert der Autor:

„[...]In diesem Werk nun mache ich mir den von Schopenhauer geäußerten und von
Arthur Keith bestätigten Gedanken zu eigen, jeden der schöpferischen Meister dieser
anbrechenden Zeit und Zivilisation des Individuums in seiner absoluten
Einzigartigkeit zu betrachten, jeden als eine eigene Spezies für sich. Ein jeder ist an
diesem oder jenem Ort, zu dieser oder jener Zeit in diese Welt gekommen, um unter
den Bedingungen seiner Zeit und seines Ortes die Eigengesetzlichkeit seines Wesens
zu entfalten. Obwohl ihm schon früh die eine oder andere autorisierte Form des
abendländischen religiösen Erbes im einen oder anderen seiner bekannten
historischen Zerfallsstadien eingeprägt wurde, ist ihm in seiner Jugend irgendwann
die Möglichkeit aufgegangen, selber zu denken, mit eigenen Augen zu sehen, sich
nach dem Kompaß seines eigenen Herzens zu richten.[...]”(vgl. Campbell, 1992: 55).

Da Thomas Mann sich in seinem Werk mit den immer wiederkehrenden Themen des
Menschen befasst, und da er auch auf die uralten mythologischen Hintergründe immer wieder
zurück greift, widmete sich Joseph Campbell in seinem Buch “Schöpferische

73
Mythologie”(1992) der Analyse von Thomas Manns Werk und sein Verhältnis zum Mythos.
Diesbezüglich erläutert Campbell:

„[...]Doch in der Art, wie er als Essayist die philosophischen und gesellschaftlichen
Hintergründe und Implikationen seiner eigenen schöpferischen Leistungen aufklärte,
dürfte Thomas Mann in der Literaturgeschichte nicht seinesgleichen haben. Die
zahlreichen Essays, die er so fleißig schrieb wie die belletristischen Werke auch,
gehören zum Erhellendsten und Wichtigsten, was über die Beziehungen der
modernen Literatur zu jenen Bereichen der Erfahrung und der symbolischen
Kommunikation, die in der Vergangenheit ausschließlich dem Mythos vorbehalten
waren, überhaupt gesagt worden ist. Und was das Studium der Mythologie selbst –
ihrer Quellen, Sinngehalte und moralischen Implikationen für uns heute – betrifft,
so gibt es niemanden, der sie differenzierter verständlich gemacht
hätte.[...]”(Campbell, 1992: 372).

Thomas Mann in seinem Buch “Bemühungen” (1925) bestätigte den erziehenden Charakter
seines Werks, indem es für das Leben gedacht sei, dass es zur Heiligung diene und dass es
infolgedessen auf die Zukunft abziele.(vgl. Mann, 1925: 270-74, zitiert nach Campbell, 1992:
389-90):

„[...]„Den Standard-Dialog von der Krankheit“ hat man das Buch genannt. Es
geschah nicht sehr lobenderweise, aber ich akzeptiere das Wort. Die ideelle
Schändlichkeit der Krankheit wird fühlbar gemacht, aber auch im Lichte eines
mächtigen Erkennungsmittels wird sie gezeigt und als der „geniale“ Weg zum
Menschen und zur Liebe. Durch Krankheit und Tod, durch das passionierte Studium
des Organischen durch medizinisches Erleben also ließ ich meinen Helden, soweit
seiner verschmitzten Einfalt das möglich ist, zum Vorgefühl einer neuen Humanität
gelangen.[...]”(Mann, 1925: 270-74, zitiert nach Campbell, 1992: 390).

Laut der hier durchgeführten Analyse bezüglich der Novelle Thomas Manns “Der Tod in
Venedig” kann festgestellt werden, dass dieser ein wichtiger mythologischer Hintergrund
zugrunde liegt, insofern, als dass sie sich mit den großen menschlichen Themen wie u.a. Tod,
Liebe, innere Konfrontationen und physische Krankheit beschäftigt und zugleich auf die
griechische Mythologie zurückgeht, um ursprüngliche wichtige Erkenntnisse für den
Menschen der gegenwärtigen westlichen Gesellschaften wieder zu erlangen.

Weinrichs Theorie stellt eine Revolution im Rahmen der Linguistik und der literarischen
Interpretation dar, insofern als dass das durch die Erzähltempora gestaltete sprachliche Relief
Informationen über den Menschen und seine kulturelle Weltanschauung schafft. Die Sprache

74
vermittelt die kulturelle Prägung einer bestimmten Kultur. Auf diese Weise ist zu erahnen, dass
die einzigartige Dynamik der Erzähltempora, die das Deutsche und das Spanische besitzen,
auch die Andersartigkeit ihrer Kulturen zum Vorschein bringt.

Gabriel García Márquez und Thomas Mann konturieren mithilfe der Erzähltempora die innere
Konfrontation, die zwei Männer angesichts ihrer Einsamkeit und Desorientierung im Leben
bewältigen müssen. Es handelt von zwei verschiedenen Arten der Einsamkeit: Die Einsamkeit
des Billy Sanchez entsteht aufgrund seiner Bewusstlosigkeit. Die Einsamkeit von Gustav von
Aschenbachs entsteht aufgrund seines streng disziplinierten und leistungsorientierten Lebens.
Die Bewusstwerdung tritt in Billy Sanchez Leben auf, als die weibliche Beschaffenheit bzw.
Nena Daconte stirbt. Gustav Aschenbach tritt in den natürlichen Zyklus des Lebens ein, als die
weibliche Beschaffenheit bzw. die Morgenröte in seinem Leben erscheint. Hierbei ergeben sich
vielfältige Fragestellungen, deren Antworten sicherlich jeweils in der kolumbianischen und
deutschen Kultur zu finden wären. Es handelt sich um zwei Helden aus zwei verschiedenen
Kulturen, die auf der Suche nach Antworten im Leben auf zwei verschiedenen Wegen gehen,
jedoch die gleiche Aufgabe gestellt bekamen: bewusst zu werden.

Diesem Gedankengang kann man auch entnehmen, dass die hier beschriebene Abweichung der
Anwendbarkeit der textlinguistischen Theorie Weinrichs eher ein Beleg für ihre Geltung
konstituiert, insofern, als dass die Sprachen in ihrer kulturellen Einzigartigkeit das sprachliche
Relief entwerfen und dadurch zum Vorschein bringen, wie vielfältig die innere Geographie
einer Kultur und den Lebensweg ihrer Helden aussehen. Aus diesem Grund wäre es nicht
unerheblich, mit der Forschung der Erzähltempora anhand der textlinguistischen Theorie
Weinrichs weiter zu machen, damit die dadurch vermittelten kulturellen Prägungen
thematisiert und analysiert werden können. Da die textlinguistische Theorie Weinrichs zum
Tempus-System nur wenig Raum in der traditionellen spanischen Grammatik findet, besteht
großer Nachholbedarf in Bezug auf die empirische Forschung der spanischen Erzähltempora
anhand dieser Theorie.

Abschließend sollte man nicht außer Acht lassen, dass die erzählte Welt die Quelle aller
möglichen Welten und aller möglichen sprachlichen Formen ist. Denn sollte das erzählerische
Gerüst nicht mindestens genauso wichtig sein wie die isolierte Analyse der einzelnen
sprachlichen Bestandteile?

75
Literaturverzeichnis

Afanador, Martha (2013). Die weiblichen Figuren als Leerstelle in Franz Kafkas Das Urteil.
Leerstellen als Katalysator der unsichtbaren weiblichen Beschaffenheit. Hausarbeit. Seminar:
Kultur- und literaturwissenschaftliche Konzepte und Methoden, Professor Dr.Georg Jansen.
Abteilung Interkulturelle Germanistik.

Baring Anne und Cashford, Jules (2005). El mito de la diosa: Evolución de una imagen.
Madrid: Ediciones Siruela.

Campbell, Joseph (1991). The power of Myth. New York: Anchor Books.

Campbell, Joseph (1992). Die Masken Gottes. Schöpferische Mythologie. Basel: Sphinx.

Campbell, Joseph (1965). The masks of God: occidental mythology (III). London:
Secker & Warburg Limited.

De Beauvoir, Simone (1968). Das andere Geschlecht. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch


Verlag GmbH.

García Márquez, Gabriel (1992). El rastro de tu sangre en la nieve. En: Doce cuentos
peregrinos.Web:http://biblio3.url.edu.gt/Libros/12_cuentos.pdf. Aufgerufen am 15.01.2015.

García Márquez, Gabriel (1993). Die Spur deines Blutes im Schnee. In: Zwölf Geschichten aus
der Fremde. Übersetzer: Ploetz, Dagmar und Zimmer, Dieter E. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Mann, Thomas (1986). Der Tod in Venedig. In: Die Erzählungen. Frankfurt am Main:
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH.

Mann, Thomas (1985). La muerte en Venecia. Las tablas de la ley. Übersetzer: Rivas,
Martin, cedida por Publicaciones Siglo Veinte S.A.C. e I. Barcelona: Editorial Seix Barral,
S.A.

Nueva gramática de la lengua española: manual (2010). Real Academia Española; Asociación
de Academias de la Lengua española. Madrid: Espasa Libros.

76
Sánchez Prieto, Raul (2010). Los sistemas temporales del español y del alemán. München:
Martin Maidenmauer Verlagsbuchhandlung.

Seemann, Otto (1910). Mythologie der Griechen und Römer. Leipzig: Verlag von E.A.
Seemann. Web:
https://books.google.com.co/books?id=RzDvkdNWpj0C&pg=PA101&dq=griechische+myth
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f=false Aufgerufen am 11.03.2017

Vallejo, Fernando (2013). Logoi. Una gramática del lenguaje literario. México: Fondo de
Cultura Económica.

Weinrich, Harald (1964). Tempus: Besprochene und erzählte Welt. Stuttgart: W.Kohlhammer
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Weinrich, Harald (1968). Estructura y función de lo tiempos en el lenguaje. Madrid: Editorial


Gredos.

Weinrich, Harald (1971). Tempus: Besprochene und erzählte Welt. Stuttgart: W.Kohlhammer
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Weinrich, Harald (2001). Tempus: Besprochene und erzählte Welt. München: Verlag C.H. Beck
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Weinrich, Harald (2007). Textgrammatik der deutschen Sprache. Hildesheim: Georg Olms
Verlag.

Zimmer, Heinrich (1961). Abenteuer und Fahrten der Seele. Zürich: Rascher & Cie. AG

77
Anhänge

Anhang I: Ausgewählte Fragmente aus der Erzählung „El rastro de tu sangre en la nieve”(1992) von Gabriel García Márquez und die entsprechende deutsche Übersetzung.

“El rastro de tu sangre en la nieve“(1992), Gabriel García Márquez. „Die Spur deines Blutes im Schnee“(1993), Gabriel García
Márquez. Übersetzer: Ploetz, Dagmar und Zimmer, Dieter E.

Konventionen zur Analyse der spanischen Erzähltempora: Konventionen zur Analyse der deutschen Erzähltempora:

a) In fett hervorgehoben ist das vordergründige Tempus pretérito perfecto simple. a) In fett hervorgehoben ist das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs.

b) In fett und unterstrichen ist das Hintergrundtempus pretérito imperfecto. b) In fett und unterstrichen ist das Präteritum in seiner endstelligen Funktion des
Verbs.

c) In kursiv hervorgehoben ist das Pluscuamperfecto. c) In kursiv hervorgehoben ist das Plusquamperfekt in seiner zweitstelligen Funktion des
Verbs.

d) Farblich markiert sind die spanischen analysierten Abschnitte, jeweils Fragmente d) In kursiv und unterstrichen ist das Plusquamperfekt in seiner endstelligen Funktion
A, C, D, J, K, L des Verbs.

e) Farblich markiert sind die deutschen analysierten Entsprechungen, jeweils Fragmente


A, C, D, J, K, L

78
Spanisches Original Deutsche Übersetzung
Fragment A: Die narrative Einleitung. (Pag.67) Fragment A: (S.197-198)

“Al anochecer, cuando llegaron a la „Bei Einbruch der Nacht, als sie zur Grenze
frontera, Nena Daconte se dio cuenta de kamen,
que el dedo con el anillo de bodas le
merkte Nena Daconte,
seguía sangrando.
El guardia civil con una manta de lana
daß der Finger mit dem Ehering immer noch
cruda sobre el tricornio de charol
blutete.
examinó los pasaportes a la luz de una
linterna de carburo, haciendo un gran
Der Zivilgardist mit dem rohwollenen
esfuerzo para que no lo derribara la
Umhang über seinem Dreispitz aus
presión del viento
Glanzleder prüfte im Licht einer
que soplaba de los Pirineos. Aunque
Karbidlampe die Pässe und mußte sich
eran dos pasaportes diplomáticos en
große Mühe geben, um vom Wind,
regla,
der von den Pyrenäen herabwehte, nicht
el guardia levantó la linterna para umgeworfen zu werden. Obschon es zwei
comprobar ordnungsgemäße Diplomatenpässe waren,
que los retratos se parecían a la caras. hob der Gardist die Lampe, um
Nena Daconte era casi una niña, con festzustellen,
unos ojos de pájaro feliz y una piel de
ob die Fotos mit den Gesichtern
melaza que todavía irradiaba la
übereinstimmten.
resolana del Caribe en el lúgubre
Nena Daconte war fast noch ein Kind;
anochecer de enero, y estaba arropada
sie hatte die Augen eines glücklichen
hasta el cuello con un abrigo de nucas
Vogels und eine Melassehaut,
79
de visón que no podía comprarse con el
sueldo de un año de toda la guarnición die noch in der düsteren Dämmerung
fronteriza. Billy Sánchez de Ávila, su eines Januarabends die Gluthitze der
marido, que conducía el coche, era un Karibik ausstrahlte,
año menor que ella, y casi tan bello, y und bis zum Kinn war sie in einem
llevaba una chaqueta de cuadros Nerzmantel gehüllt,
escoceses y una gorra de pelotero. Al der mit dem Jahressold der ganzen
contrario de su esposa, era alto y Grenzgarnison nicht zu bezahlen gewesen wäre.
atlético y tenía las mandíbulas de hierro
de los matones tímidos. Pero lo que Billy Sánchez de Avila, ihr Ehemann,
revelaba mejor la condición de ambos der den Wagen fuhr,
era el automóvil platinado cuyo interior war ein Jahr jünger als sie und fast
exhalaba un aliento de bestia viva, ebenso schön und trug ein Jackett mit
como no se había visto otro por aquella Shottenkaros und eine Pelotamütze. Im
frontera de pobres. Los asientos Gegensatz zu seiner Frau war er groß
posteriores iban atiborrados de maletas und athletisch und hatte die eiserne
demasiado nuevas y muchas cajas de Kinnlade schüchterner Schläger.
regalos todavía sin abrir. Ahí estaba,
además, el saxofón tenor que habia sido Doch was beider Status noch deutlicher
la pasión dominante en la vida de Nena machte,
Daconte antes de que sucumbiera al war der platinfarbene Wagen mit einem
amor contrariado de su tierno pandillero seinem Inneren entströmenden Hauch
de balneario von lebendem Tier,
Cuando el guardia le devolvió los wie an dieser Armengrenze noch nie einer
pasaportes sellados, Billy Sánchez le gesichtet worden war.
preguntó
dónde podían encontrar una farmacia Die Rücksitze waren mit viel zu neuen
para hacerle una cura en el dedo a su Koffern und immer noch ungeöffneten
mujer, Geschenkpaketen vollgepackt.
Außerdem befand sich dort das

80
y el guardia le gritó contra el viento que Tenorsaxophon,
preguntaran en Hendaya, del lado das in Nena Dacontes Leben die beherrschende
francés. Leidenschaft gewesen war, ehe sie der
Pero los guardias de Hendaya estaban mißbilligten Liebe zu dem zärtlichen
sentados a la mesa en mangas de Strandbanditen Platz machte. Als der Gardist
camisa, jugando barajas mientras ihnen die gestempelten Pässe zurückreichte,
comían pan mojado en tazones de vino frage ihn Billy Sánchez,
dentro de una garita de cristal cálida y wo sie eine Apotheke fänden, damit er den
bien alumbrada, Finger seiner Frau verbinden könne,
y les bastó con ver el tamaño y la clase und der Gardist schrie ihm gegen den
del coche para indicarles por señas que Wind zu, sie sollten in Hendaye auf der
se internaran en Francia. Billy Sánchez französischen Seite danach fragen. Doch
hizo sonar varias veces la bocina, pero die Grenzpolizisten von Hendaye saßen
los guardias no entendieron in Hemdsärmeln in einem geheizten und
que los llamaban, hell erleuchteten gläsernen Wachlokal
sino que uno de ellos abrió el cristal y am Tisch, spielten Karten und aßen
les gritó con más rabia que el viento:- Brot,
Merde! Allez vous en![…]”(Pag.67) das sie in Schalen mit Wein tunkten,
und ein Blick auf die Größe und Klasse
des Wagens reichte ihnen aus, um ihn
nach Frankreich durchzuwinken. Billy
Sánchez hupte mehrmals, doch die
Polizisten verstanden nicht,
daß sie herbeigerufen werden sollten,
und einer von ihnen öffnete das Fenster und
überschrie die Wut des Windes: „Merde!
Allez-vous-en![...]”(S.197-198)

81
Fragment B: Die Wunde im Finger ist kaum wahrzunehmen.(Pag.67) Fragment B: (S.198)

“[...]Entonces Nena Daconte salió „[...]Bis zu den Ohren in ihren Mantel


del automóvil envuelta con el abrigo gewickelt, stieg Nena Daconte daraufhin
hasta las orejas, y le preguntó al aus dem Auto und fragte den Polizisten
guardia en un francés perfecto in perfektem Französisch,
dónde había una farmacia. wo sich eine Apotheke befinde.
El guardia contestó por costumbre Der Polizist antwortete wie gewöhnlich
con la boca llena de pan mit dem Mund voller Brot,
que eso no era asunto suyo, y menos
con semejante borrasca, daß das nicht seine Sache sei, bei
solchem Sturm noch weniger,
y cerró la ventanilla. Pero luego se
und machte das Fenster zu. Dann jedoch
fijó con atención en la muchacha
blieb sein Blick an dem Mädchen
hängen,
que se chupaba el dedo herido
das in seinem schimmernden echten
envuelta en el destello de los visones
Nerz an dem verletzten Finger lutschte
naturales,
und in dieser Gespensternacht mußte er
y debió confundirla con una
es wohl für eine Zaubererscheinung
aparición mágica en aquella noche
halten, denn im Nu wechselte seine
de espantos, porque al instante
Laune. Er erklärte, die nächste Stadt sei
cambió de humor. Explicó que la
Biarritz, aber mitten im Winter und bei
ciudad más cercana era Biarritz,
so scheußlichem Sturm gebe es
pero que en pleno invierno y con
möglicherweise sogar bis Bayonne keine
aquel viento de lobos tal vez no
geöffnete Apotheke. “Ist es was
hubiera una farmacia abierta hasta
Ernstes?” fragte er. “Nichts”, lächelte
Bayona, un poco más adelante. -
Nena Daconte und zeigte ihm den Finger
82
¿Es algo grave? -Preguntó. - Nada – mit dem Diamantring,
Sonrió Nena Daconte, mostrándole an dessen Kuppe die Wunde von der
el dedo con la sortija de diamantes Rose kaum zu erkennen war.
en cuya yema era apenas perceptible “Ich habe mich nur gestochen.” Vor
la herida de la rosa. Bayonne begann es wieder zu schneien.
- Es sólo un pinchazo. Antes de Es war erst sieben Uhr, doch der Sturm
Bayona volvió a nevar. war so heftig,
daß die Straßen verlassen und die Häuser
No eran más de las siete, verschlossen waren, und nachdem sie
pero encontraron las calles eine Weile herumgefahren waren, ohne
desiertas y las casas cerradas por la eine Apotheke zu finden,
furia de la borrasca, y al cabo de beschlossen sie weiterzufahren..[...]”
muchas vueltas sin encontrar una (S.198)
farmacia decidieron seguir
adelante.[...]”(Pag.67)

83
Fragment C: Das Blut fließt weiter. (Pag.67-68) Fragment C: (S.199)

“[...]Billy Sánchez se alegró con la „[...]Billy Sánchez war froh über den
decisión. Entschluß. Er hatte eine unersättliche
Leidenschaft für seltene Wagen und einen
Tenía una pasión insaciable por los Papa mit zu vielen Schuldgefühlen und
automóviles raros y un papá con Geld im Überfluß,
demasiados sentimientos de culpa y
recursos de sobra para complacerlo, y so daß Billy sie sich leisten konnte, aber
nunca había conducido nada igual a nie hatte er ein Auto gefahren, das an
aquel Bentley convertible de regalo de dieses Bentley-Cabriolet, welches er als
bodas. Era tanta su embriaguez en el Hochzeitsgeschenk erhalten hatte,
volante, que cuanto más andaba menos herangekommen wäre.
cansado se sentía. Estaba dispuesto a
llegar esa noche a Burdeos, donde tenían So berauscht war er am Lenkrad,
reservada la suite nupcial del hotel daß er sich immer weniger müde fühlte,
Splendid, y no habría vientos contrarios
ni bastante nieve en el cielo para je länger er fuhr. Er gedachte an diesem
impedirlo. Nena Daconte, en cambio, Abend noch bis Bordeaux zu kommen,
estaba agotada, sobre todo por el último
tramo de la carretera desde Madrid, que wo die Hochzeitssuite des Hotels Splendid
era una cornisa de cabras azotada por el für sie reserviert war,
granizo. und es gab weder genug Gegenwind noch
zu viel Schnee am Himmel, ihn davon
Así que después de Bayona se abzuhalten. Nena Daconte hingegen war
enrolló un pañuelo en el anular erschöpft, vor allem durch das letzte Stück
apretándolo bien para detener la der Straße von Madrid,
sangre

84
que seguía fluyendo, das ein hagelgepeitschter kurviger
Ziegenpfad gewesen war.
y se durmió a fondo. Billy Sanchez
no lo advirtió sino al borde de la Hinter Bayonne also wickelte sie sich ein
medianoche, después de que acabó Taschentuch um den Ringfinger und zog es
de nevar y el viento se paró de fest, um das Blut zu stillen,
pronto entre los pinos y el cielo de
das weiter floß,
las landas se llenó de estrellas
glaciales. und schlief dann tief.
Había pasado frente a las luces dormidas Billy Sänchez bemerkte es erst kurz von
de Burdeos, pues aún le quedaba ánimo Mitternacht,
para llegar hasta París sin tomar aliento.
als es aufhörte zu schneien, auch der
pero sólo se detuvo para llenar el Wind zwischen den Kiefern sich legte und
tanque en una estación de la der Himmel über dem Heideland sich mit
carretera, pues aun le quedaban eisigen Sternen bestückte. Er war an den
animos para llegar hasta Paris sin verschlafenen Lichtern von Bordeaux
tomar aliento. vorbeigekommen, hatte aber nur gehalten,
um an einer Tankstelle an der Fernstraße
Era tan feliz con su juguete grande de
nach Paris zu tanken,
25.000 libras esterlinas
denn er hatte immer noch Lust, ohne
que ni siquiera se preguntó si lo
Pause durchzufahren. So glücklich war er
sería criatura radiante
mit seinem fünfundzwanzigtausend
que dormía a su lado con la venda del
englische Pfund teuren Spielzeug,
anular empapada de sangre, y cuyo
daß er sich nicht einmal fragte, ob das strahlende
sueño de adolescente, por primera vez, Wesen es gleichfalls wäre, das mit der
estaba atravesado por ráfagas de blutgetränkten Binde um den Ringfinger neben
incertidumbre.[…]”(Pag.67-68) ihm schlief und dessen jugendliche Träume zum
ersten Mal von Windstößen der Ungewißheit
heimgesucht wurden.[...]”(S.199)

85
Fragment D: Nena Daconte sticht sich an einem Dorn am Stengel in den Finger. Fragment D: (S.203-204)
(Pag.69)

“[...]La misión diplomática los „[...]Die diplomatische Vertretung ihres


recibió en el salón oficial. Heimatlandes begrüßte sie im
Empfangssalon. Der Botschafter und
El embajador y su esposa no sólo seine Gattin waren nicht nur seit eh und
eran amigos desde siempre de la je mit beider Familien befreundet,
familia de ambos, sino que él era el
médico que había asistido el sondern er war auch als Arzt bei der Geburt
nacimiento de Nena Daconte, von Nena Daconte dabeigewesen
y la esperó con un ramo de rosas tan
radiantes y frescas, und empfing sie mit einem Bukett so
strahlender und frischer Rosen,
que hasta las gotas de rocío
parecían artificiales. daß sogar noch die Tautropfen künstlich
wirkten.

Ella los saludó a ambos con besos


Sie begrüßte beide mit belustigten
de burla, incómoda con su condición
Wangenküssen, etwas verlegen wegen
un poco prematura de recién casada,
ihres etwas übereilten
y luego recibió las rosas. Al cogerlas
Jungvermähltenstatus, und erhielt dann
se pinchó el dedo con una espina del
die Rosen. Dabei stach sie sich an
tallo, pero sorteó el percance con un
einem Dorn am Stengel in den Finger,
recurso encantador. -Lo hice adrede
ging jedoch über das Mißgeschick mit
-dijo- para que se fijaran en mi
einer charmanten Ausrede hinweg.
anillo. En efecto, la misión
„Ich habe es absichtlich gemacht“, sagte
diplomática en pleno admiró el
sie,
esplendor del anillo,
„damit ihr auch meinen Ring anseht.“

86
calculando que debía costar una Tatsächlich bewunderte die gesamte
fortuna no tanto por la clase de los diplomatische Vertretung die Pracht des
diamantes como por su antigüedad Ringes und rechnete sich dabei aus,
bien conservada.
daß er nicht nur wegen der Güte der Diamanten,
Pero nadie advirtió sondern auch wegen seines wohlerhaltenen
que el dedo empezaba a sangrar. Alters ein Vermögen wert sein mußte.
[...]”(Pag.69) Niemand jedoch bemerkte,
daß der Finger zu bluten begann.[...]”(S.203-
204)

87
Fragment E: Die Wunde im Finger blutet weiter. Nena Daconte merkt es Fragment E: (S.205-206)
zum ersten Mal. (Pag.70)

“[...]Nena Daconte se dio cuenta por „[...]Daß ihr Finger blutete,


primera vez de que el dedo
bemerkte Nena Daconte zum ersten Mal
estaba sangrando, als sie an diesem nach dem Unwetter
durchscheinend gewordenen Nachmittag Madrid
cuando salieron de Madrid en una
hinter sich ließen.
tarde
Es überraschte sie,
que se había vuelto diáfana después
de la tormenta.
denn sie hatte die Gattin des Botschafters,die nach
Se sorprendió, offiziellen Lunchs gern italienische Opernarien
sang, auf dem Saxophon begleitet, und dabei war
porque había acompañado con el
ihr das kleine Malheur am Ringfinger kaum
saxofón a la esposa del embajador, a
aufgefallen. Später, als sie ihrem Mann die
quien le gustaba cantar arias de
kürzesten Straßen zur Grenze zeigte,
ópera en italiano después de los
almuerzos oficiales, lutschte sie,

y apenas si notó la molestia en el immer wenn der Finger blutete, unbewußt daran,
anular. und erst als sie die Pyrenäen erreichten,

Después, mientras le iba indicando a


su marido las rutas más cortas hacia
la frontera, se chupaba el dedo de
un modo inconsciente cada vez que
le sangraba,

88
y sólo cuando llegaron a los kam sie auf den Gedanken, nach einer
Pirineos se le ocurrió buscar una Apotheke Ausschau zu halten. Dann
farmacia. Luego sucumbió a los erlag sie dem während der letzten Tage
sueños atrasados de los últimos días, aufgestauten Schlafbedürfnis, und
y cuando despertó de pronto entsann sie sich eine ganze Weile nicht
des um den Finger gewickelten
con la impresión de pesadilla de que Taschentuchs. Auf der Leuchtuhr am
el coche andaba por el agua, Armaturenbrett sah sie, rechnete im
no se acordó más durante un largo Geist nach, und erst jetzt wurde ihr klar,
rato del pañuelo amarrado en el als sie plötzlich unter dem alptraumhaften
dedo. Vio en el reloj luminoso del Eindruck erwacht, daß der Wagen durch Wasser
tablero fuhr, daß es schon nach drei Uhr war, daß sie
Bordeaux längst hinter sich hatten und
que eran más de las tres, Angouléme und Poitiers ebenfalls und gerade den
Deich der Loire überquerten, die vom
hizo sus cálculos mentales, y sólo
Hochwasser angeschwollen war.[...]” (S.205-206)
entonces comprendió
que habían seguido de largo por
Burdeos, y también por Angulema y
Poitiers, y estaban pasando por el
dique de Loira inundado por la
creciente.[...]”(Pag.70)

89
Fragment F: Das Blut fließt weiter und diesmal auf irreparable Weise. Fragment F: (S.208-209)
(Pag.71)

“[...]Poco antes de amanecer se „[...]Kurz vor Tagesanbruch wuschen sie


lavaron la cara y orinaron en una sich in einem Lokal an der Straße das
fonda del camino, y tomaron café Gesicht, urinierten und tranken Kaffee
con croissants calientes en el und aßen warme Croissants an der Theke,
mostrador
wo Fernfahrer mit Rotwein frühstückten. Auf
donde los camioneros desayunaban der Toilette hatte Nena Daconte bemerkt, daß sie
con vino tinto. Nena Daconte se auf Bluse und Rock häßlich Blutflecken hatte,
había dado cuenta en el baño de que
tenía manchas de sangre en la blusa machte aber keine Anstalten, sie
y la falda, auszuwaschen. Sie warf das durchtränkte
Taschentuch in den Abfalleimer, steckte
pero no intentó lavarlas. Tiró en la den Ehering auf die linke Hand und wusch
basura el pañuelo empapado, se den verletzten Finger gründlich mit Wasser
cambió el anillo matrimonial para la und Seife. Die Stichwunde war fast nicht
mano izquierda y se lavó bien el zu sehen.
dedo herido con agua y jabón.
Kaum waren sie zum Wagen zurückgekehrt,
El pinchazo era casi invisible. blutete der Finger jedoch von neuem, so daß
Nena Daconte der Arm aus dem Fenster
Sin embargo, tan pronto como hinaushängen ließ, überzeugt, daß die eisige
regresaron al coche volvió a Luft der Äcker das Blut stillen würde.
sangrar, de modo que Nena Daconte
dejó el brazo colgando fuera de la
ventana, convencida de

90
que el aire glacial de las sementeras Es war auch das ein vergeblicher Versuch,
tenía virtudes de cauterio. doch immer noch war sie nicht
beunruhigt. „Wenn uns jemand finden
Fue otro recurso vano pero todavía will, hat er es sehr leicht“, sagte sie mit
no se alarmó. "Si alguien nos quiere ihrem natürlichen Charme. „Er braucht
encontrar será muy fácil", dijo con nur der Spur meines Blutes im Schnee zu
su encanto natural. "Sólo tendrá que folgen.“ Dann dachte sie näher über das
seguir el rastro de mi sangre en la nach,
nieve." Luego pensó mejor
was sie eben gesagt hatte,
en lo que había dicho
und im ersten Licht der
y su rostro floreció en las primeras Morgendämmerung wurde ihr Gesicht rot.
luces del amanecer. -Imagínate - „Stell dir vor“ sagte sie, „von Madrid bis
dijo: -un rastro de sangre en la nieve Paris eine Blutspur im Schnee. Findest du
desde Madrid hasta París. ¿No te nicht,
parece bello para una canción? No
tuvo tiempo de volver a pensar. daß das ein schönes Lied wäre?“

En los suburbios de París, el dedo Sie hatte keine Zeit, es noch einmal zu
era un manantial incontenible, denken. In den Pariser Vororten wurde der
Finger zu einem uneindämmbaren
y ella sintió de veras Blutquell, und sie hatte wirklich das
Gefühl,

daß ihre Seele durch die Wunde entwiche. Sie


hatte versucht, den Blutstrom mit der Rolle
Toilettenpapier aus ihrer Reisetasche zum Einhalt
zu bringen,

doch sie konnte den Finger gar nicht so


schnell verbinden,

91
que se le estaba yendo el alma por
la herida. Había tratado de segar el
flujo con el rollo de papel higiénico
que llevaba en el maletín, pero más wie sie das blutgetränkte Papier aus dem Fenster
tardaba en vendarse el dedo que en werfen mußte.
arrojar por la ventana las tiras del
papel ensangrentado. La ropa que Ihre Kleidung, ihr Mantel, die Sitze des
llevaba puesta, el abrigo, los Wagens saugten sich allmählich mit Blut
asientos del coche, se iban voll, und zwar auf irreparable Weise.
empapando poco a poco de un Billy Sánchez wurde ernsthaft besorgt
modo irreparable. und bestand darauf, eine Apotheke zu
suchen, doch ihr war inzwischen klar,
Billy Sánchez se asustó en serio e daß dies keine Angelegenheit für Apotheker
insistió en buscar una farmacia, war.[...]”(S.208-209)
pero ella sabía entonces que
aquello no era asunto de boticarios.

-Estamos casi en la Puerta de


Orleáns -dijo-. Sigue de frente por
la avenida del general Leclerc, que
es la más ancha y con muchos
árboles, y después yo te voy
diciendo lo que haces.[...]”(Pag.71)

92
Fragment G: Nena Daconte muss ins Krankenhaus gebracht Fragment G: (S.209-210)
werden.(Pag.71-72)

“[...]Los cafés y almacenes estaban „[...]Die Cafés und Läden waren


iluminados como si fuera la media erleuchtet, als wäre es Mitternacht, denn es
noche, pues era un martes típico de war ein typischer Pariser Januardienstag,
los eneros de París, encapotados y bedeckt und schmutzig und mit einem
sucios y con una llovizna tenaz que feinen hartnäckigen Regen,
no alcanzaba a concretarse en
nieve. Pero la avenida Denfert- der es nicht schaffte, zu Schnee zu werden.
Rochereau estaba más despejada,

y al cabo de unas pocas cuadras Aber die Avenue Denfert-Rochereau war


Nena Daconte le indicó a su marido nicht so verstopft, und nach einigen Blocks
que doblara a la derecha, y bedeutete Nena Daconte ihrem Mann,
estacionó frente a la entrada de nach rechts abzubiegen und er parkte vor
emergencia de un hospital enorme y dem Notaufnahmeeingang eines riesigen
sombrío. Necesitó ayuda para salir und düsteren Krankenhauses. Sie
del coche, pero no perdió la benötigte Hilfe, um aus dem Wagen
serenidad ni la lucidez. herauszukommen, verlor aber weder ihre
Gelassenheit noch das Bewußtsein. Bis
Mientras llegaba el médico de turno, zum Eintreffen des diensthabenden Arztes
legte sie sich (209) auf die fahrbare Trage
acostada en la camilla rodante, und beantwortete der Schwester die
contestó a la enfermera el Routinefragen zu ihren Personalien und
cuestionario de rutina sobre su ihrer Krankheitsvorgeschichte. Billy
identidad y sus antecedentes de Sánchez hielt ihre Handtasche und
salud. Billy Sánchez le llevó el bolso drückte ihr die linke Hand,
y le apretó la mano izquierda

93
donde entonces llevaba el anillo de an der sie jetzt den Ehering trug und die sich
bodas, schlaff und kühl anfühlte.

y la sintió lánguida y fría, Auch aus ihren Lippen war alle Farbe
gewichen. Er blieb an ihrer Seite,
y sus labios habían perdido el color.
bis der diensthabende Arzt erschien, der den
Permaneció a su lado, con la mano verletzten Finger rasch untersuchte.
en la suya, hasta que llegó el
médico de turno y le hizo un Er war ein sehr junger Mann mit einer
examen rápido al anular herido Haut wie altes Kupfer und kahlem Kopf.
Era un hombre muy joven, con la Nena Daconte beachtete ihn nicht,
piel del color del cobre antiguo y la sondern schenkte ihrem Mann ein
cabeza pelada. bleiches Lächeln. „Hab keine Angst“,
Nena Daconte no le prestó sagte sie mit ihrem unbezwinglichen
atención, sino que dirigió a su Humor. „Es kann ja höchstens passieren,
marido una sonrisa lívida. - No te
daß dieser Kannibale mir die Hand
asustes - le dijo, con su humor
abschneidet, um sie aufzufressen.“
invencible-. Lo único que puede
suceder es que este canibal me corte Der Arzt beendete die Untersuchung und
la mano para comérsela. El médico überraschte sie mit einem höchst
concluyó su examen, y entonces los korrekten, wiewohl seltsam asiatisch
sorprendió con un castellano muy gefärbten Spanisch. „Nein, Kinder“, sagte
correcto, aunque con un raro acento er. „Dieser Kannibale verhungert lieber,
asiático. - No muchachos – dijo-.
Este canibal prefiere morirse de als daß er eine so schöne Hand abschneidet.“
hambre antes que cortar una mano
Sie waren verlegen, doch der Arzt
tan bella. Ellos se ofuscaron, pero
beruhigte sie mit einer freundlichen
el médico los tranquilizó con un
Handbewegung. Dann ordnete er an, die
gesto amable. Luego ordenó que se
Trage fortzubringen, und Billy Sánchez,
llevaran la camilla, y Billy Sánchez

94
quiso seguir con ella, cogido de la der die Hand seiner Frau hielt,
mano de su mujer. El médico lo
detuvo por el brazo. - Usted no - le wollte folgen. Der Arzt hielt ihn am Arm
dijo-. Va para cuidados intensivos. zurück. „Sie nicht“, sagte er. „Sie kommt
Nena Daconte le volvió a sonreir al auf die Intensivstation.“ Nena Daconte
esposo, y le siguió diciendo adiós lächelte ihren Mann noch einmal an und
con la mano hasta que la camilla se winkte ihm zum Abschied zu,
perdió en el fondo del bis die Trage hinten im Gang
corredor.[...]”(Pag.71-72) verschwand.[...]”(209-210)

95
Fragment H: Billy muss in Paris allein bleiben. (Pag.72) Fragment H: (S.211-212)

“[…]Billy Sánchez se quedó parado „[...]Billy Sánchez blieb in dem düsteren


en la sala lúgubre olorosa a sudores Raum zurück,
de enfermos, se quedó sin saber qué
hacer mirando el corredor vacío in dem es nach dem Schweiß der Kranken
roch,
por donde se habían llevado a Nena
Daconte,
er blieb zurück, ohne zu wissen,
y luego se sentó en el escaño de
madera was er tun sollte,

donde había otras personas er blickte den leeren Gang hinunter,


esperando.
auf dem Nena Daconte fortgebracht worden
No supo cuánto tiempo estuvo ahí, war,
pero cuando decidió salir del
und dann setzte er sich auf die Holzbank,
hospital

era otra vez de noche y continuaba


la llovizna, y él seguía sin saber ni auf der auch andere Leute warteten.
siquiera qué hacer consigo mismo,
abrumado por el peso del mundo.
Er wußte nicht,
Nena Daconte ingresó a las 9:30 del
martes 7 de enero, según lo pude wie lange er dort gesessen hatte, aber als er
comprobar años después en los beschloß, das Krankenhaus zu verlassen,
archivos del hospital. Aquella
primera noche, Billy Sánchez

96
durmió en el coche estacionado war es wieder Nacht, es nieselte immer
frente a la puerta de urgencias, y noch, und immer noch hatte er keine
muy temprano, al día siguiente, se Ahnung,
comió seis huevos cocidos y dos
tazas de café con leche en la was er mit sich selber anfangen sollte,
cafetería que encontró mas cerca, bedrückt wie er war vom Gewicht der
pues no había hecho una comida Welt. Nena Daconte wurde am Dienstag,
completa en Madrid. dem 7. Januar um 9 Uhr 30
aufgenommen,
Después volvió a la sala de
urgencias para ver a Nena Daconte, wie ich Jahre später in der Registratur des
pero le hicieron entender que Krankenhauses feststellen konnte.

debía dirigirse a la entrada principal. In jener ersten Nacht schlief Billy Sánchez
in dem vor dem Notaufnahmeeingang
abgestellten Wagen, und sehr früh am
nächsten Morgen frühstückte er im
Allí consiguieron, por fin, un nächstgelegenen Café mit sechs gekochten
asturiano de servicio que lo ayudó a Eiern und zwei Tassen Milchkaffee,
entenderse con el portero, y éste
comprobó que en efecto, denn seit Madrid hatte er keine richtige
Mahlzeit mehr zu sich genommen.
Nena Daconte estaba registrada en
el hospital, pero que sólo se
Dann kehrte er zur Notaufnahme zurück,
permitían visitas los martes, de
um Nena Daconte zu sehen, doch man gab
nueve a cuatro. Es decir seis diás
ihm zu verstehen,
después.
daß er den Haupteingang benutzen müsse.
Trató de ver al médico

que hablaba castellano, Dort trieben sie schließlich beim


Hauspersonal einen Asturier auf,

97
a quien describió como un negro der ihm behilflich war, sich mit dem
con la cabeza pelada, pero nadie le Pförtner zu verständigen,
dio razón con dos detalles tan
simples. Tranquilizado con las und dieser stellte fest,
noticias de daß Nena Daconte tatsächlich im
Krankenhaus registriert war, Besuche
que Nena Daconte estaba en el
jedoch nur dienstags von neun bis vier
registro,
erlaubt waren.
volvió al lugar
Das heißt, erst in sechs Tagen. Billy
Sánchez suchte den Arzt ausfindig zu
donde había dejado el coche, machen,
y un agente del tránsito lo obligó a
estacionar dos cuadras más der spanisch sprach und den er als
adelante, en una calle muy estrecha kahlköpfigen Schwarzen beschrieb,
y del lado de los números
impares.[...]”(Pag.72) doch mit zwei so dürftigen Angaben
erhielt er von niemandem eine Auskunft.
Beruhigt von der Mitteilung,

daß Nena Daconte als Patientin registriert


war,

kehrte Billy Sänchez zu der Stelle


zurück,

wo er den Wagen geparkt hatte,

und ein Verkehrspolizist zwang ihn, diesen


zwei Blocks weiter in einer engen Straße
auf der Seite der ungeraden Hausnummern
abzustellen.[...]”(S.211-212)

98
Fragment I: Billy Sánchez muss ein Zimmer alleine in einem Hotel Fragment I: (S.212-213)
nehmen.(Pag.72)

“[…]En la acera de enfrente había “[...]Gegenüber befand sich ein


un edificio restaurado con un letrero: neugestrichenes Gebäude mit einem
“Hotel Nicole”. Tenía una sola Schild: HOTEL NICOLE: Es hatte nur
estrella, y una sala de recibo muy einen Stern und eine winzige
pequeña donde no había mas que Empfangshalle,
una sofa y un viejo piano vertical, in der nichts als ein Sofa und ein altes Klavier
pero el propietario de voz aflautada standen,
podia entenderse con los clientes en doch der Besitzer konnte sich mit
cualquier idioma a condición de que seiner flötenden Stimme in allen
tuvieran con que pagar. möglichen Sprachen mit seinen Gästen
unterhalten,
Billy Sánchez se instaló con once
solange sie nur zahlungskräftig waren.
maletas y nueve cajas de regalos en
el único cuarto libre,
Billy Sánchez richtete sich mit elf
que era una mansarda que olía a
Koffern und neun Geschenkpaketen in
espuma de coliflores hervidas. Las
dem einzigen freien Zimmer ein, einer
paredes estaban forradas de
dreieckigen Mansarde im neunten
colgaduras tristes y por la unica
Stock,
ventana no cabía nada más que la
claridad rubia del patio interior. zu der man außer Atem über eine Wendeltreppe
Había una cama para dos, un gelangte, wo er nach gekochtem Blumenkohl
ropero grande, una silla simple, un roch.
bidé portátil y un aguamanil con su Die Wände waren mit tristen Tapeten
platón y su jarra, de modo que la beklebt, und durch das einzige Fenster
única manera de estar dentro del drang nichts als die trübe Helle des
cuarto era acostado en la cama. Hinterhofs. Im Zimmer standen ein
Todo era, peor que viejo,
99
desventurado, pero también muy Doppelbett, ein großer Schrank, ein
limpio, y con un rastro saludable de einfacher Stuhl, ein tragbares Bidet
medicina reciente.[...]” (S.72) und ein Waschständer mit Schüssel
und Krug,
so dass man sich in dem Raum nur aufhalten
konnte, wenn man auf dem Bett lag.
Das Ganze war schlimmer als alt,
nämlich geizig, aber doch sehr sauber
und hatte einen gesunden Hauch eben
eingenommener Medizin.[...]”(S.212-
213)

100
Fragment J: Billy Sánchez kommt wieder zum Krankenhaus, aber er kann Fragment J: (S.215-216)
nicht eintreten.(Pag.74)

“[...]No sabía dónde encontrar a „[...]Er wußte nicht,


Nena Daconte, pero en su mente wo er Nena Daconte suchen sollte,
estaba fija la imagen providencial doch vor seinem geistigen Auge hatte er das
del médico asiático, y estaba schicksalhafte Bild des asiatischen Arztes,
seguro de encontrarlo. und er war sicher,

No entró por la puerta principal, daß er ihn finden würde.


sino por la de urgencias,
Er benutzte nicht den Haupt- sondern den
que le había parecido menos Notaufnahmeeingang,
vigilada,
der ihm weniger streng bewacht
erschienen war,
pero no alcanzó a llegar más allá gelangte jedoch nicht weiter al bis zu dem
del corredor Gang,
auf dem ihn Nena Daconte zum Abschied
donde Nena Daconte le había dicho zugewinkt hatte.
adiós con la mano.
Un guardián con la bata salpicada Ein Wärter mit blutbespritztem Kittel stellte
de sangre le preguntó algo al pasar, ihm im Vorübergehen eine Frage, und Billy
y él no le prestó atención. El Sánchez schenkte ihm keine Beachtung. Der
guardián lo siguió, repitiendo Wärter ging ihm nach, wiederholte die
siempre la misma pregunta en immer gleiche französische Frage und
francés, y por último lo agarró del packte ihn schließlich mit solcher Kraft am
brazo con tanta fuerza que lo Arm,
detuvo en seco.Billy Sánchez trató
daß er auf der Stelle stehenblieb.
101
de sacudírselo con un recurso de
cadenero, y entonces el guardián se Billy Sánchez versuchte, ihn mit einer
cagó en su madre en francés, le Kettenschlägerbewegung abzuschütteln,
torció el brazo en la espalda con worauf der Wärter auf französisch einen
una llave maestra, y sin dejar de Fluch auf seine Scheißmutter ausstieß,
cagarse mil veces en su puta madre ihm mit einem gekonnten Klammergriff
lo llevó casi en vilo hasta la puerta, den Arm auf den Rücken drehte und Billy
rabiando de dolor, y lo tiró como Sánchez, der fast schwebte und außer sich
un bulto de papas en la mitad de la war vor Schmerz, unter tausend
calle. Aquella tarde, dolorido por el Verfluchungen seiner Scheißhurenmutter
escarmiento, Billy Sánchez empezó zur Tür schleppte und ihn wie einen Sack
a ser adulto.[...]”(Pag.74) Kartoffeln mitten auf die Straße warf.
In dem Kummer über diese Niederlage
begann Billy Sánchez an diesem Nachmittag
erwachsen zu werden.[...]”(S215-216)

102
Fragment K: Dientag, Besuchstag. Billy kommt nochmal ins Krankenhaus Fragment K: (S.219-220)
und erfährt von Nena Dacontes Tod. (Pag.75)

“[...]El martes amaneció turbio y “[…]Der Dienstag brach trübe und eisig an,
helado, pero sin la llovizna, y Billy jedoch ohne den Nieselregen, und Billy
Sánchez se levantó desde las seis, y Sánchez stand gleich nach sechs auf und
esperó en la puerta del hospital junto wartete vor dem Krankenhausportal in einer
con una muchedumbre de parientes Menge von Angehörigen,
de enfermos cargados de paquetes de
regalos y ramos de flores. Entró con die mit Geschenkpäckchen und
el tropel, llevando en el brazo el Blumensträußen beladen waren.
abrigo de visón, sin preguntar nada y
sin ninguna idea Er gelangte mit der Herde hinein, über dem
Arm den Nerzmantel, ohne eine Frage zu
de dónde podía estar Nena stellen und ohne die leiseste Vorstellung,
Daconte, pero sostenido por la wo Nena Daconte zu finden wäre, jedoch
certidumbre de que había de aufrecht gehalten von der Sicherheit, daß
encontrar al médico asiático. er dem asiatischen Arzt begegnen
mußte.
Pasó por un patio interior muy
grande con flores y pájaros Er kam durch einen weiten Innenhof mit
silvestres, Blumen und Waldvögeln,
an dessen Seiten die Krankenpavillons
a cuyos lados estaban los standen: die Frauen rechts und die
pabellones de los enfermos: las Männer links.
mujeres, a la derecha, y los Er ging hinter den Besuchern her und betrat
hombres, a la izquierda. den Frauenpavillon. Er sah eine lange Reihe
von Kranken,

103
die im hellen Licht der Fenster in
Siguiendo a los visitantes, entró en Klinikhemden auf den Betten saßen,
el pabellón de mujeres. Vio una und alles dies kam ihm heiterer vor,
larga hilera de enfermas sentadas en als man es sich von außen vorstellen
las camas con el camisón de trapo konnte.
del hospital, iluminadas por las luces Er gelangte bis zum äußersten Ende des
grandes de las ventanas, y hasta Ganges und schritt ihn dann abermals in
pensó que todo aquello entgegengesetzter Richtung ab,
era más alegre de lo que se podía bis er sich überzeugt hatte, daß keine der
imaginar desde fuera. Kranken Nena Daconte war.
Dann ging er noch einmal die Galerie außen
Llegó hasta el extremo del corredor,
an den Männerpavillons entlang und spähte
y luego lo recorrió de nuevo en
durch die Fenster hinein,
sentido inverso, hasta convencerse
de que ninguna de las enfermas era bis er den Arzt, den er suchte, zu
Nena Daconte. erkennen glaubte.
Er war es tatsächlich. Mit anderen Ärzten und
Luego recorrió otra vez la galería Schwestern untersuchte er gerade einen
exterior mirando por la ventana de Kranken. Billy Sánchez betrat den Pavillon,
los pabellones masculinos, hasta que schob eine der Schwestern der Gruppe
creyó reconocer al médico beiseite und blieb vor dem asiatischen Arzt
que buscaba. Era él, en efecto. stehen,
Estaba con otros médicos y varias der über den Kranken gebeugt war.
enfermeras, examinando a un
enfermo.
Er sprach ihn laut an. Der Arzt hob seine
trostlosen Augen, dachte einen Augenblick
Billy Sánchez entró en el pabellón,
nach und erkannte ihn dann.
apartó a una de las enfermeras del
„Aber wo zum Teufel waren Sie denn
grupo, y se paró frente al médico
abgeblieben?[...]”(S.219-220)
asiático,
Billy Sánchez war bestürzt. „Im Hotel“, sagte
104
que estaba inclinado sobre el er „Hier gleich um die Ecke.“ Dann erfuhr er
enfermo. es.

Lo llamó. El médico levantó sus


ojos desolados, pensó un instante, y
entonces lo reconoció.
-¡Pero dónde diablos se había
metido usted!
Billy Sánchez se quedó perplejo. -
En el hotel -dijo-. Aquí a la vuelta.
Entonces lo supo.[...]”(Pag.75)

105
Fragment L: Tod und Beerdigung von Nena Daconte (Pag.75-76) Fragment L: (S.220-221)

“[...]Nena Daconte había muerto


desangrada a las 7:10 de la noche „[...]Nena Daconte war am Donnerstag, dem
del jueves 9 de enero, después de 9.Januar, um 7 Uhr 10 abends verblutet,
setenta horas de esfuerzos inútiles nachdem die besten Spezialisten Frankreichs
de los especialistas mejor sich siebzig Stunden lang vergeblich um sie
calificados de Francia. Hasta el bemüht hatten. Bis zum letzten Augenblick war
último instante había estado lúcida sie bei klarem Bewußtsein und gefaßt gewesen,
y serena, hatte ihren Mann im Hotel Plaza-Athénée
y dio mejor instrucciones para que suchen lassen, wo ein Zimmer für sie reserviert
buscaran a su marido en el hotel gewesen war, und hatte alle Angaben gemacht,
Plaza Athenée, die nötig waren, um Verbindung zu ihren
donde tenían una habitación Eltern aufzunehmen. Die Botschaft war am
reservada, Freitag durch ein dringendes Telegramm des
Außenministeriums informiert worden, als
Nena Dacontes Eltern bereits im Flugzeug nach
y dio los datos para que se pusieran Paris saßen.
en contacto con sus padres. Der Botschafter persönlich kümmerte
sich um alle Formalitäten bei der
La embajada habia sido informada Einbalsamierung der Leiche und der
el viernes por un cable urgente de Bestattung und blieb mit der
su cancillería, cuando ya los padres Polizeipräfektur von Paris in Verbindung,
de Nena Daconte volaban hacia um Billy Sánchez ausfindig zu machen.
París. Ein dringender Suchruf mit dessen
Personalien wurde von Freitagabend bis
Sonntagnachmittag über Rundfunk und
Fernsehen verbreitet, und während dieser

106
vierzig Stunden war er der meistgesuchte
El embajador en persona se Mann Frankreichs. Sein Foto,
encargó de los trámites del das man in Nena Dacontes Handtasche
embalsamamiento y los funerales, y . gefunden hatte,
permaneció en contacto con la wurde überall angeschlagen.
Prefectura de Policía de París para
localizar a Billy Sánchez. Un Drei gleiche Bentley-Cabrios waren aufgespürt
llamado urgente con sus datos worden, doch keines hatte ihm gehört. Nena
personales fue transmitido desde Dacontes Eltern waren am Samstagmittag
la noche del viernes hasta la tarde eingetroffen
del domingo a través de la radio y
und hielten in der Krankenhauskapelle
la televisión, y durante esas
bei dem Leichnam bis zum letzten
cuarenta horas fue el hombre más
Augenblick Totenwache, immer in der
buscado en Francia.
Hoffnung,
daß Billy Sánchez sich noch einfinden würde.
Su retrato, encontrado en el bolso
Auch dessen Eltern hatte man benachrichtigt,
de Nena Daconte, estaba expuesto
und sie waren bereit, nach Paris zu
por todas partes. Tres Bentley
fliegen, nahmen aber schließlich davon
convertibles del mismo modelo
Abstand,
habian sido localizados, pero
weil die Telegramme sich widersprachen.
ninguno era el suyo. Los padres de
Die Totenfeier fand am Sonntag um zwei
Nena Daconte habían llegado el
Uhr nachmittags statt, nur zweihundert
sábado al mediodía,
Meter entfernt von dem schäbigen
y velaron el cadáver en la capilla
Hotelzimmer,
del hospital esperando hasta última
wo Billy Sanchez vor Einsamkeit und
hora encontrar a Billy Sánchez.
Sehnsucht nach Nena Daconte verging. Am
También los padres de éste habían
Sonntagabend, als Billy Sánchez an seinem
sido informados,
Verlangen gelitten hatte,vor Wut zu weinen,

107
gaben Nena Dacontes Eltern die Suche
y estuvieron listos para volar a auf und nahmen den einbalsamierten
París, pero al final desistieron por Leichnam in einem Metallsarg mit, und
una confusión de telegramas. Los diejenigen, versicherten noch jahrelang,
funerales tuvieron lugar el
domingo a las dos de la tarde, a sólo denen es gelungen war, einen Blick auf die
doscientos metros del sórdido Tote zu werfen, daß sie nie eine schönere Frau
cuarto del hotel gesehen hätten, weder tot noch lebendig. Als
donde Billy Sánchez agonizaba de Billy Sánchez am Dienstagmorgen das
soledad por el amor de Nena Krankenhaus betrat,
Daconte. El mismo domingo por la war Nena Daconte also bereits in der
noche, mientras él soportaba las düsteren Familiengruft in La Manga
ganas de llorar de rabia, beigesetzt, wenige Meter von dem Haus
los padres de Nena Daconte entfernt,
desistieron de la búsqueda y se wo beide die ersten Codezeichen des Glücks
llevaron el cuerpo embalsamado entschlüsselt hatten.[...]” (S.221)
dentro de un ataúd metálico, y
quienes alcanzaron a verlo
siguieron repitiendo durante
muchos años

que no habían visto nunca una mujer más


hermosa, ni viva ni muerta.
De modo que cuando Billy Sánchez entró
por fin al hospital, el martes por la mañana,
ya se había consumado el entierro en el
triste panteón de la Manga, a muy pocos
metros de la casa donde ellos habían
descifrado las primeras claves de la
felicidad.[...]”(Pag.75-76)

108
Fragment M: Billy Sánchez bleibt inmitte des Schnees allein. (Pag.76) Fragment M: (S.221-222)

“[...]El médico asiático que puso a “[...]Der asiatische Arzt,


Billy Sánchez al corriente de la der Billy Sánchez über die Tragödie
tragedia quiso darle unas pastillas unterrichtete,
calmantes en la sala del hospital, wollte ihm im Krankenhaus einige
pero él las rechazó. Se fue sin Beruhigungstabletten geben, aber er lehnte
despedirse, sin nada qué agradecer, ab. Er ging, ohne sich zu bedanken, ohne
pensando que lo único sich zu verabschieden, erfüllt von dem
Gedanken,
que necesitaba con urgencia era daß er jemanden brauchte, dem er seine
encontrar a alguien a quien verdammte Kette über den Kopf schlagen
romperle la madre a cadenazos para könnte, um sein Unglück loszuwerden. Als
desquitarse de su desgracia. er das Krankenhaus verließ,
Cuando salió del hospital, ni bemerkte er nicht einmal,
siquiera se dio cuenta de daß vom Himmel ein Schnee ohne
que estaba cayendo del cielo una Blutspuren fiel, dessen zarte und reine
nieve sin rastros de sangre, cuyos Flocken wie Taubenflaum waren, und daß
copos tiernos y nítidos parecían auf den Pariser Straßen eine festliche
plumitas de palomas, y que en las Stimmung herrschte,
calles de París había un aire de denn es war der erste starke Schneefall in
fiesta, porque era la primera nevada zehn Jahren.[...]”(S.221-222)
grande en diez años.”(Pag.76)

109
Anhang II: Ausgewählte Fragmente aus der Erzählung „Der Tod in Venedig” (1986) von Thomas Mann und die entsprechende spanische Übersetzung.

„Der Tod in Venedig“(1986) von Thomas Mann. „La Muerte en Venecia“(1985) de Thomas Mann.
Übersetzer: Martín Rivas, 1985

.
Konventionen zur Analyse der deutschen Erzähltempora Konventionen zur Analyse der spanischen Erzähltempora
a) In fett hervorgehoben ist das Präteritum in seiner zweitstelligen Funktion des Verbs. a) In fett hervorgehoben ist das vordergründige pretérito perfecto simple.

b) In fett und unterstrichen ist das Präteritum in seiner endstelligen Funktion des b) In fett und unterstrichen ist das Hintergrundtempus pretérito imperfecto.
Verbs.

c) In kursiv hervorgehoben ist das Plusquamperfekt in seiner zweitstelligen Funktion c) In kursiv hervorgehoben ist das Pluscuamperfecto.
des Verbs.

d) In kursiv und unterstrichen ist das Plusquamperfekt in seiner endstelligen Funktion d) Farblich markiert sind die spanischen analysierten Entsprechungen, jeweils
des Verbs. Fragmente I, J, K, M, O, Q, S, T.

e) Farblich markiert sind die deutschen analysierten Abschnitte, jeweils Fragmente I, J,


K, M, O, Q, S, T.

110
Deutsches Original Spanische Übersetzung

Fragment A: Die erzählende Einleitung.(S.493) Fragmento A: (Pag.5-6)

„Gustav Aschenbach oder von Aschenbach, wie “Gustav von Aschenbach, nombre oficial de
seit seinem fünfzigsten Geburtstag amtlich sein Gustavo Aschenbach a partir de la celebración
Name lautete, hatte an einem de su cincuentenario, salió de su casa de la calle
Frühlingsnachmittag des Jahres 19.., das del Príncipe Regente, en Munich, para dar un
unserem Kontinent monatelang eine so largo paseo solitario, una tarde primaveral del
gefahrdrohende Miene zeigte,von seiner año 19...
Wohnung in der Prinz-Regentenstraße zu La primavera no se había mostrado agradable.
München aus allein einen weiteren Spaziergang Sobreexcitado por el difícil y esforzado trabajo
unternommen. Überreizt von der schwierigen de la mañana, que le exigía extrema
und gefährlichen, eben jetzt eine höchste preocupación, penetración y escrúpulo de su
Behutsamkeit, Umsicht, Eindringlichkeit und voluntad, el escritor no había podido detener,
Genauigkeit des Willens erfordernden Arbeit der después de la comida, la vibración interna del
Vormittagsstunden, hatte der Schriftsteller impulso creador, de aquel motus animi
dem Fortschwingen des produzierenden continuus en que consiste, según Cicerón, la raíz
Triebwerks in seinem Innern, jenem »motus de la elocuencia. Tampoco había logrado
animi continuus«, worin nach Cicero das conciliar el sueño reparador, que le iba siendo
cada día más necesario, a medida que sus
Wesen der Beredsamkeit besteht, auch nach
fuerzas se gastaban. Por eso, después del té,
der Mittagsmahlzeit nicht Einhalt zu tun
había salido, con la esperanza de que el aire y el
vermocht und den entlastenden Schlummer movimiento lo restaurasen, dándole fuerzas
nicht gefunden, der ihm, bei zunehmender para trabajar luego con fruto.[…]”(Pag.5-6)
Abnutzbarkeit seiner Kräfte, einmal
untertags so nötig war. So hatte er bald
nach dem Tee das Freie gesucht, in der
Hoffnung, daß Luft und Bewegung ihn
wieder herstellen und ihm zu einem
ersprießlichen Abend verhelfen
würden.[…]”(S.493)

111
Fragment B: Aschenbach bemerkt einen fremden Mann am Friedhof.(S.493-494) Fragmento B: (Pag.6-7)

„[...]Beim Aumeister, wohin stillere und “[...]En Anmeister, adonde había


stillere Wege ihn geführt, hatte llegado por senderos cada vez más
Aschenbach eine kleine Weile den solitarios,
volkstümlich belebten Wirtsgarten se detuvo un instante para contemplar la
überblickt, an dessen Rande einige animación popular de los merenderos,
Droschken und Equipagen hielten, hatte ante los cuales habían parado algunos
von dort bei sinkender Sonne seinen coches. Desde allí, y cuando el sol
Heimweg außerhalb des Parks über die comenzaba ya a ponerse,
offene Flur genommen salió del parque atravesando los campos.
und erwartete, Después, sintiéndose cansado,
da er sich müde fühlte und über Föhring como el cielo amenazase tormenta del
Gewitter drohte lado de Foehring,
am Nördlichen Friedhof die Tram, se quedó junto al Cementerio del Norte
die ihn in gerader Linie zur Stadt esperando el tranvía,
zurückbringen sollte. que le llevaría de nuevo a la ciudad, en
Zufällig fand er den Halteplatz und línea recta. No había nadie, cosa
seine Umgebung von Menschen leer. extraña, ni en la parada del tranvía ni en
Weder auf der gepflasterten sus alrededores. Ni por la calle de
Ungererstraße, Ungerer, en la cual los rieles solitarios se
deren Schienengeleise sich einsam tendían hacia Schwalimg. Ni por la
gleißend gegen Schwabing erstreckten, carretera de Foehring se veía venir
noch auf der Föhringer Chaussee war coche ninguno. Detrás de las verjas de
ein Fuhrwerk zu sehen; hinter den los marmolistas, ante las cuales las
Zäunen der Steinmetzereien, cruces, lápidas y monumentos expuestos
wo zu Kauf stehende Kreuze, a la venta formaban un segundo
Gedächtnistafeln und Monumente ein cementerio, no se movía nada. El
zweites, unbehaustes Gräberfeld bilden, bizantino pórtico del cementerio, se
112
regte sich nichts, und das byzantinische erguía silencioso, brillando al
Bauwerk der Aussegnungshalle resplandor del día expirante. Además de
gegenüber lag schweigend im Abglanz las cruces griegas y de los signos
des scheidenden Tages. Ihre Stirnseite, hieráticos pintados en colores
mit griechischen Kreuzen und claros, se veían en el pórtico
hieratischen Schildereien in lichten inscripciones en letras doradas,
Farben geschmückt, weist überdies ordenadas simétricamente, que se
symmetrisch angeordnete Inschriften in referían a la otra vida, tales como
Goldlettern auf, ausgewählte, das «Entráis en la morada de Dios» o «Que
jenseitige Leben betreffende la luz eterna os ilumine».
Schriftworte wie etwa: »Sie gehen ein in Aschenbach se entretuvo durante
die Wohnung Gottes« oder: »Das ewige algunos minutos leyendo las
Licht leuchte ihnen«; und inscripciones y dejando
der Wartende hatte während einiger que su mirada ideal se perdiese en el
Minuten eine ernste Zerstreuung darin misticismo de que estaba penetrada,
gefunden, die Formeln abzulesen und cuando de pronto, saliendo de su
sein geistiges Auge in ihrer ensueño,
durchscheinenden Mystik sich verlieren advirtió en el pórtico, entre las dos
zu lassen, als er, aus seinen Träumereien bestias apocalípticas que vigilaban la
zurückkehrend, im Portikus, oberhalb escalera de piedra, a un hombre de
der beiden apokalyptischen Tiere, aspecto nada vulgar que dio a sus
welche die Freitreppe bewachen, einen pensamientos una dirección totalmente
Mann bemerkte, dessen nicht ganz distinta.[…]”(Pag.6-7)
gewöhnliche Erscheinung seinen
Gedanken eine völlig andere Richtung
gab.[…]”(S.493-494)

113
Fragment C: Der fremde Mann schaut Aschenbach an. (S.494-496) Fragmento C: (Pag.7-14)

“[...]De mediana estatura, enjuto,


„[...]Mäßig hochgewachsen, mager, lampiño y de nariz muy aplastada, aquel
bartlos und auffallend stumpfnäsig, hombre pertenecía al tipo pelirrojo, y su
gehörte der Mann zum rothaarigen Typ tez era lechosa y llena de pecas.
und besaß dessen milchige und Indudablemente, no podía ser alemán, y
sommersprossige Haut. Offenbar war er el amplio sombrero de fieltro de alas
durchaus nicht bajuwarischen Schlages: rectas que cubría su cabeza le daba un
wie denn wenigstens der breit und aspecto exótico de hombre de tierras
gerade gerandete Basthut, remotas. Contribuían a darle ese
der ihm den Kopf bedeckte, seinem aspecto la mochila sujeta a los hombros
Aussehen ein Gepräge des por unas correas, un cinturón de cuero
Fremdländischen und amarillo, una capa de montaña,
Weitherkommenden verlieh. pendiente de su brazo izquierdo, y un
Freilich trug er dazu den landesüblichen bastón con punta de hierro, sobre el cual
Rucksack um die Schultern geschnallt, apoyaba la cadera. Tenía la cabeza
einen gelblichen Gurtanzug aus erguida, y en su flaco cuello, saliendo de
Lodenstoff, la camisa deportiva, abierta, se
wie es schien, destacaba la nuez, fuerte y desnuda.
einen grauen Wetterkragen über dem Miraba a lo lejos con ojos inexpresivos,
linken Unterarm, bajo las cejas rojizas, entre las cuales
den er in die Weiche gestützt hielt, había dos arrugas verticales, enérgicas,
und in der Rechten einen mit eiserner que contrastaban singularmente con su
Spitze versehenen Stock, nariz aplastada. Así - quizá
welchen er schräg gegen den Boden contribuyera a producir esta impresión
stemmte und auf dessen Krücke er, bei el verlo colocado en alto - su gesto tenía
gekreuzten Füßen, die Hüfte lehnte. algo de dominador, atrevido y violento.

114
Erhobenen Hauptes, so daß an seinem Y sea que se tratase de una deformación
hager dem losen Sporthemd fisonómica permanente, o que,
entwachsenden Halse der Adamsapfel deslumbrado por el sol crepuscular,
stark und nackt hervortrat, hiciese muecas nerviosas, sus labios
blickte er mit farblosen, rot parecían demasiado cortos, y no
bewimperten Augen, llegaban a cerrarse sobre los dientes,
zwischen denen, sonderbar genug zu que resaltaban blancos y largos,
seiner kurz aufgeworfenen Nase descubiertos hasta las encías.
passend, zwei senkrechte, energische ¿Aschenbach pecaba de indiscreción al
Furchen standen, observar así al desconocido en forma un
scharf spähend ins Weite. So - und tanto distraída y al mismo tiempo
vielleicht trug sein erhöhter und inquisitiva?
erhöhender Standort zu diesem Eindruck En todo caso, de pronto notó
bei - hatte seine Haltung etwas herrisch que le devolvía su mirada de un modo
Überschauendes, Kühnes oder selbst tan agresivo, cara a cara, tan
Wildes; denn sei es, abiertamente resuelto a llevar la cosa al
daß er, geblendet, gegen die último extremo, tan desafiadoramente,
untergehende Sonne grimassierte oder que Aschenbach se apartó con una
daß es sich um eine dauernde impresión penosa, comenzando a pasear
physiognomische Entstellung handelte: a lo largo de las verjas, decidido a no
seine Lippen schienen zu kurz, sie volver a fijar su atención en aquel
waren völlig von den Zähnen hombre.
zurückgezogen, dergestalt, En efecto, minutos después lo había
daß diese, bis zum Zahnfleisch olvidado. Pero, bien porque el aspecto
bloßgelegt, weiß und lang dazwischen errante del desconocido hubiera
hervorbleckten. Wohl möglich, daß impresionado su fantasía, o por obra de
Aschenbach es bei seiner halb cualquier otra influencia física o
zerstreuten, halb inquisitiven Musterung espiritual,
des Fremden an Rücksicht hatte fehlen lo cierto es que de pronto advirtió una
lassen; sorprendente ilusión en su alma, una

115
denn plötzlich ward er gewahr, especie de inquietud aventurera, un
daß jener seinen Blick erwiderte und ansia juvenil hacia lo lejano,
zwar so kriegerisch, so gerade ins Auge sentimientos tan vivos, tan nuevos o, por
hinein, so offenkundig gesonnen, die lo menos, tan remotos, que se detuvo,
Sache aufs Äußerste zu treiben und den con las manos en la espalda y la vista
Blick des andern zum Abzug zu clavada en el suelo, para examinar su
zwingen, daß Aschenbach, peinlich estado de ánimo.
berührt, sich abwandte und einen Gang Era sencillamente deseo de viajar;
die Zäune entlang begann, mit dem deseo tan violento como un verdadero
beiläufigen Entschluß, des Menschen ataque, y tan intenso, que llegaba a
nicht weiter achtzuhaben. Er hatte ihn in producirle visiones. Su imaginación, que
der nächsten Minute vergessen. no se había tranquilizado desde las
Mochte nun aber das Wandererhafte in horas del trabajo,
der Erscheinung des Fremden auf seine cristalizó en la evocación de un ejemplo
Einbildungskraft gewirkt haben oder de las maravillas y espantos de la tierra
sonst irgendein physischer oder que quería abarcar en una sola imagen.
seelischer Einfluß im Spiele sein: eine Veía claramente un paisaje: una
seltsame Ausweitung seines Innern comarca tropical cenagosa, bajo un cielo
ward ihm ganz überraschend bewußt, ardiente; una tierra húmeda, vigorosa,
eine Art schweifender Unruhe, ein monstruosa, una especie de selva
jugendlich durstiges Verlangen in die primitiva, con islas, pantanos y aguas
Ferne, ein Gefühl, so lebhaft, so neu cenagosas; gigantescas palmeras se
oder doch so längst entwöhnt und alzaban en medio de una vegetación
verlernt, lujuriante, rodeadas de plantas enormes,
daß er, die Hände auf dem Rücken und hinchadas, que crecían en complicado
den Blick am Boden, gefesselt stehen ramaje; árboles extrañamente
blieb, um die Empfindung auf Wesen deformados hundían sus raíces hacia el
und Ziel zu prüfen. suelo, entre aguas quietas de verdes
Es war Reiselust, nichts weiter; aber reflejos y cubiertas de flores flotantes,
wahrhaft als Anfall auftretend und ins de una blancura de leche y grandes

116
leidenschaftliche, ja bis zur como bandejas. Pájaros exóticos, de
Sinnestäuschung gesteigert. Seine largas zancas y picos deformes, se
Begierde ward sehend, seine erguían en estúpida inmovilidad
Einbildungskraft, noch nicht zur Ruhe mirando de lado, y por entre los troncos
gekommen seit den Stunden der Arbeit, nudosos de la espesura de bambú
schuf sich ein Beispiel für alle Wunder brillaban los ojos de un tigre al acecho.
und Schrecken der mannigfaltigen Erde, Su corazón comenzó a latir
die sie auf einmal sich vorzustellen aceleradamente, movido de temor y de
bestrebt war: oscuras ansias. Al cabo de un rato, se
er sah, sah eine Landschaft, ein pasó la mano por la frente y continuó su
tropisches Sumpfgebiet unter paseo por delante de las marmolerías.
dickdunstigem Himmel, feucht, üppig Por lo menos, desde que tuvo a su
und ungeheuer, eine Art von alcance medios para aprovechar a su
Urweltwildnis aus Inseln, Morästen und antojo las facilidades de comunicación,
Schlamm führenden no había considerado el viaje sino como
Wasserarmen,- sah aus geilem una medida higiénica,
Farrengewucher, aus Gründen von que en ocasiones tuvo que emplear aun
fettem, gequollenem und abenteuerlich contra sus deseos e inclinaciones.
blühendem Pflanzenwerk haarige Preocupado excesivamente por los
Palmenschäfte nah und ferne problemas que le ofrecía su propio yo,
emporstreben, sah wunderlich su alma europea, sobrecargada por el
ungestalte Bäume, ihre Wurzeln durch impulso creador y con escasa
die Luft in den Boden, in stockende, inclinación a dispersarse para sentir la
grünschattig spiegelnde Fluten atracción del complejo mundo interior,
versenken, se había conformado con la idea general
wo zwischen schwimmenden Blumen, que todos nos hacemos de la superficie
die milchweiß und groß wie Schüsseln de la tierra sin apartarnos gran cosa de
waren, Vögel von fremder Art, nuestro círculo, y ni siquiera había
hochschultrig, mit intentado nunca salir de Europa.
Además, desde que su vida había

117
unförmigen Schnäbeln, im Seichten iniciado el descenso lento, desde que su
standen und unbeweglich zur Seite temor de artista de no acabar su obra, de
blickten, que llegase su última hora antes de que
sah zwischen den knotigen realizara lo suyo, sin haber producido
Rohrstämmen des Bambusdickichts die cuanto en su interior fermentaba, desde
Lichter eines kauernden Tigers funkeln que su preocupación creadora había
– und fühlte sein Herz pochen vor dejado de ser preocupación caprichosa
Entsetzen und rätselhaftem Verlangen. de un instante, su vida exterior se había
Dann wich das Gesicht; und mit einem limitado casi exclusivamente a
Kopfschütteln nahm Aschenbach seine deslizarse dentro de la hermosa ciudad
Promenade an den Zäunen der en que fijara su residencia y a escapar
Grabsteinmetzereien wieder auf. de vez en cuando hacia la recia casa de
Er hatte, zum mindesten seit ihm die campo,
Mittel zu Gebote gewesen waren, die
que hizo construir en la montaña,
Vorteile des Weltverkehrs beliebig zu
genießen, das Reisen nicht anders denn donde pasaba los veranos lluviosos. En
als eine hygienische Maßregel efecto, aquel impulso oscuro que tan
betrachtet, die gegen Sinn und Neigung inesperada y tardíamente le acometía,
dann und wann hatte getroffen werden
fue pronto dominado y reducido a justas
müssen. Zu beschäftigt mit den
proporciones por la razón y por el
Aufgaben, welche sein Ich und die
dominio de sí mismo, adquirido a fuerza
europäische Seele ihm stellten, zu
de ejercicios.
belastet von der Verpflichtung zur
Produktion, der Zerstreuung zu Se había propuesto llegar, antes de irse
abgeneigt, um zum Liebhaber der al campo, hasta un punto determinado
bunten Außenwelt zu taugen, hatte er en la obra que entonces le absorbía. El
sich durchaus mit der Anschauung pensamiento de un viaje por el mundo,
begnügt, die jedermann, ohne sich weit que por fuerza tendría que ocuparle
aus seinem Kreise zu rühren, von der demasiado tiempo, le parecía cosa
Oberfläche der Erde gewinnen kann, absurda contraria a sus planes e indigna

118
und war niemals auch nur versucht de ser tomada en consideración. Sin
gewesen, Europa zu verlassen. Zumal embargo, comprendía perfectamente la
seit sein Leben sich langsam neigte, seit razón de aquellos súbitos deseos. Era un
seine Künstlerfurcht, nicht fertig zu ansia indudable de huir, ansia de cosas
werden,-- diese Besorgnis, die Uhr nuevas y lejanas, de liberación, de
möchte abgelaufen sein, bevor er das descanso, de olvido. Era el deseo de
Seine getan und völlig sich selbst huir de su obra, del lugar cotidiano, de
gegeben, nicht mehr als bloße Grille von su labor obstinada, dura y apasionada.
der Hand zu weisen war, hatte sein Cierto que la amaba y que casi amaba
äußeres Dasein sich fast ausschließlich ya también la lucha renovada todos los
auf die schöne Stadt, die ihm zur Heimat días, entre su voluntad orgullosa y terca,
geworden, und auf den rauhen Landsitz probada ya muchas veces, y aquel
beschränkt, den er sich im Gebirge agotamiento creciente que nadie debía
errichtet und wo er die regnerischen sospechar, y del cual no podía quedar en
Sommer verbrachte. su obra huella alguna. Pero parecía
Auch wurde denn, razonable no aumentar demasiado la
was ihn da eben so spät und plötzlich tensión del arco ni ahogar por capricho
angewandelt, un ansia tan vivamente sentida.
sehr bald durch Vernunft und von jung Pensó en su labor, pensó en aquel pasaje
auf geübte Selbstzucht gemäßigt und
que en todo tiempo había tenido que
richtiggestellt.
abandonar, sin que le valiesen su
Er hatte beabsichtigt, das Werk, für
paciente esfuerzo ni sus atrevidos
welches er lebte, bis zu einem gewissen
ímpetus.
Punkte zu fördern, bevor er aufs Land
La examinó una vez más, tratando de
übersiedelte, und der Gedanke einer
vencer o desviar el obstáculo, y, con un
Weltbummelei, die ihn auf Monate
estremecimiento de impotencia, hubo de
seiner Arbeit entführen würde,
confesarse vencido.
schien allzu locker und planwidrig, er
Lo que le molestaba no era una
durfte nicht ernstlich in Frage kommen.
dificultad insuperable, sino cierta falta
Und doch wußte er nur zu wohl,
de complacencia en su obra, que se le
119
aus welchem Grunde die Anfechtung so manifestaba como disconformidad.
unversehens hervorgegangen war. Cierto es que desde joven, la
Fluchtdrang war sie, disconformidad había sido para él la
daß er es sich eingestand, diese íntima naturaleza, la esencia del talento,
Sehnsucht ins Ferne und Neue, diese y que por ello había dominado y
Begierde nach Befreiung, Entbürdung enfriado el sentimiento, sabiendo que
und Vergessen, -der Drang hinweg vom éste se inclina a satisfacerse con un
Werke, von der Alltagsstätte eines «poco más o menos» optimista y con
starren, kalten und leidenschaftlichen una semiperfección. ¿No sería que el
Dienstes. sentimiento así dominado se vengaba
Zwar liebte er ihn und liebte auch fast abandonándole, negándose a animar su
schon den entnervenden, sich täglich arte, anulando de esa manera toda
erneuernden Kampf zwischen seinem complacencia, todo encanto en la forma
zähen und stolzen, so oft erprobten y en la expresión? No es que produjese
Willen und dieser wachsenden cosas malas;los años le habían traído la
Müdigkeit, ventaja de encontrarse cada vez más
von der niemand wissen und die das dueño y más seguro de su destreza.
Produkt auf keine Weise, durch kein Pero, mientras la nación rendía
Anzeichen des Versagens und der acatamiento a esta maestría, él no
Laßheit verraten durfte. estaba satisfecho por ello. Y era como
Aber verständig schien es, den Bogen si a su obra le faltase el fervor de esa
nicht zu überspannen und ein so lebhaft alegría ágil, que, como ninguna otra
ausbrechendes Bedürfnis nicht cualidad,
eigensinnig zu ersticken. Er dachte an produce el encanto del público.
seine Arbeit, dachte an die Stelle, Le temía al veraneo en el campo, solo,
an der er sie auch heute wieder, wie en la reducida casa, con la muchacha
gestern schon, hatte verlassen müssen que le preparaba la comida y el criado
und die weder geduldiger Pflege noch que servía la mesa; tenía miedo de las
einem raschen Handstreich sich fügen siluetas, conocidas hasta la saciedad, de
zu wollen schien. las cimas y laderas de las montañas, que,

120
Er prüfte sie aufs neue, versuchte die como todos los años, serían testigos de
Hemmung zu durchbrechen oder su cansancio y su desasosiego.
aufzulösen und ließ mit einem Schauder Necesitaba un cambio, una vida
des Widerwillens vom Angriff ab. Hier imprevista, días ociosos, aire lejano,
bot sich keine außerordentliche sangre nueva. Así, el verano sería
Schwierigkeit, fecundo y productivo. Había que
sondern was ihn lähmte, emprender, pues, un viaje. No muy
waren die Skrupeln der Unlust, lejos, no hasta los lugares de los tigres
die sich als eine durch nichts mehr zu precisamente. Bastaría con una noche en
befriedigende Ungenügsamkeit cada cama, y un descanso de tres o
darstellte. Ungenügsamkeit freilich cuatro semanas en una playa cualquiera
hatte schon dem Jüngling als Wesen und del Mediodía deleitable. Así pensaba,
innerste Natur des Talentes gegolten, mientras el ruido del tranvía iba
und um ihretwillen hatte er das Gefühl acercándose por la calle de Angerer.
gezügelt und erkältet, weil er wußte,
Ya subiendo al vehículo, decidió
daß es geneigt ist, sich mit einem
consagrar la noche al estudio del mapa y
fröhlichen Ungefähr und mit einer
de la guía de ferrocarriles. Al
halben Vollkommenheit zu begnügen.
encontrarse en la plataforma, se le
Rächte sich nun also die geknechtete
ocurrió buscar al exótico.
Empfindung, indem sie ihn verließ,
que había visto hacía algunos instantes,
indem sie seine Kunst fürder zu tragen
y que había tenido ya cierta
und zu beflügeln sich weigerte und alle
trascendencia para él.
Lust, alles Entzücken an der Form und
Pero no pudo verlo,
am Ausdruck mit sich hinwegnahm?
pues aquél no se encontraba ni junto al
Nicht, daß er Schlechtes herstellte:
pórtico ni en la parada ni tampoco en el
Dies wenigstens war der Vorteil seiner
coche.[…]”(Pag. 7-14)
Jahre,
daß er sich seiner Meisterschaft jeden
Augenblick in Gelassenheit sicher

121
fühlte. Aber er selbst, während die
Nation sie ehrte,
er ward ihrer nicht froh, und es schien
ihm, als ermangle sein Werk jener
Merkmale feurig spielender Laune,
die, ein Erzeugnis der Freude, mehr als
irgend ein innerer Gehalt, ein
gewichtigerer Vorzug, die Freude der
genießenden Welt bildeten.
Er fürchtete sich vor dem Sommer auf
dem Lande, allein in dem kleinen Hause
mit der Magd,
die ihm das Essen bereitete,
und dem Diener,
der es ihm auftrug;
fürchtete sich vor den vertrauten
Angesichten der Berggipfel und -wände,
die wiederum seine unzufriedene
Langsamkeit umstehen würden.
Und so tat denn eine Einschaltung not,
etwas Stegreifdasein, Tagdieberei,
Fernluft und Zufuhr neuen Blutes,
damit der Sommer erträglich und
ergiebig werde.
Reisen also, -er war es zufrieden. Nicht
gar weit, nicht gerade bis zu den Tigern.
Eine Nacht im Schlafwagen und eine
Siesta von drei, vier Wochen an irgend
einem Allerweltsferienplatze im
liebenswürdigen Süden... So dachte er,

122
während der Lärm der elektrischen
Tram die Ungererstraße daher sich
näherte,
und einsteigend beschloß er, diesen
Abend dem Studium von Karte und
Kursbuch zu widmen. Auf der Plattform
fiel ihm ein, nach dem Manne im
Basthut, dem Genossen dieses immerhin
folgereichen Aufenthaltes, Umschau zu
halten. Doch wurde ihm dessen
Verbleib nicht deutlich,
da er weder an seinem vorherigen
Standort,noch auf dem weiteren
Halteplatz, noch auch im Wagen
ausfindig zu machen war.[…]”( S.494-
499)

123
Fragment D: Die Beziehung Aschenbachs zu einem sinnlicheren Leben Fragmento D: (Pag.15-17)
wurzelt bei seiner Mutter. (S.499-501)

„[...]Der Autor der klaren und mächtigen “[...]El autor de la fuerte y luminosa
Prosa-Epopöe vom Leben Friedrichs epopeya de Federico II; el paciente
von Preußen; der geduldige Künstler,der artista que había tejido, en obstinada
in langem Fleiß den figurenreichen, so labor, el tapiz novelesco titulado Maía,
vielerlei Menschenschicksal im Schatten tan rico en figuras y en el cual se
einer Idee versammelnden congregaban tantos destinos humanos a
Romanteppich, »Maja« mit Namen, la sombra de una idea;
wob; der Schöpfer jener starken el creador de aquella fuerte narración
Erzählung, die »Ein Elender« titulada Un miserable, que mostró a
überschrieben ist und einer ganzen toda la juventud la posibilidad de una
dankbaren Jugend die Möglichkeit decisión moral más allá del más
sittlicher Entschlossenheit jenseits der profundo conocimiento; el autor también
tiefsten Erkenntnis zeigte; der Verfasser del apasionado ensayo Espíritu y Arte
endlich (und damit sind die Werke (con esto quedan sucintamente
seiner Reifezeit kurz bezeichnet) der enumeradas las obras de su edad
leidenschaftlichen Abhandlung über madura), cuya fuerza ordenadora y cuya
»Geist und Kunst«, deren ordnende elocuencia hizo que ciertos críticos
Kraft und antithetische Beredsamkeit autorizados
ernste Beurteiler vermochte, sie lo colocaran al nivel de la obra de
unmittelbar neben Schillers Schiller en el terreno de la poesía
Raisonnement über naive und ingenua y sentimental, Gustavo
sentimentalische Dichtung zu stellen: Aschenbach había nacido en L., capital
Gustav Aschenbach also war zu L., de distrito de la provincia de Silesia.
einer Kreisstadt der Provinz Schlesien, Hijo de un alto funcionario judicial, sus
als Sohn eines höheren Justizbeamten ascendientes fueron funcionarios
geboren. Seine Vorfahren waren públicos,
124
Offiziere, Richter, hombres que habían vivido una vida
Verwaltungsfunktionäre gewesen, disciplinaria y sobria, al servicio del
Männer, die im Dienste des Königs, des Estado y del rey. La espiritualidad de la
Staates, ihr straffes, anständig karges familia había cristalizado una vez en la
Leben geführt hatten. Innigere persona de un pastor.
Geistigkeit hatte sich einmal, in der En la generación precedente, la sangre
Person eines Predigers, unter ihnen alemana de sus antepasados se mezcló
verkörpert; rascheres, sinnlicheres Blut con la sangre más viva y sensual de la
war der Familie in der vorigen madre del escritor, hija de un director de
Generation durch die Mutter des orquesta bohemio.
Dichters, Tochter eines böhmischen
De ella provenían los rasgos extranjeros
Kapellmeisters, zugekommen.
que podían notarse en el aspecto exterior
Von ihr stammten die Merkmale
de Aschenbach. La combinación de ese
fremder Rasse in seinem Äußern. Die
espíritu de rectitud profesional con los
Vermählung dienstlich nüchterner
ímpetus apasionados y oscuros
Gewissenhaftigkeit mit dunkleren,
provenientes de su ascendencia materna,
feurigeren Impulsen ließ einen Künstler
habían producido un artista, el artista
und diesen besonderen Künstler
singular que se llamaba Gustavo
erstehen.
Aschenbach. Como su naturaleza iba
Da sein ganzes Wesen auf Ruhm gestellt
impulsada enteramente hacia la gloria,
war,
sin ser un escritor precoz precisamente,
zeigte er sich, wenn nicht eigentlich
früh reif, so doch, dank der pronto apareció ante el público, maduro
Entschiedenheit und persönlichen y formado, gracias a la decisiva y
Prägnanz seines Tonfalls früh für die definida personalidad de su genio.
Öffentlichkeit reif und geschickt. Cuando apenas había dejado el gimnasio
Beinahe noch Gymnasiast, besaß er (1) poseía ya un nombre. Diez años más
einen Namen. tarde había aprendido a desempeñar una
Zehn Jahre später hatte er gelernt, von función desde la mesa de su despacho: la
seinem Schreibtische aus zu de administrar su gloria manteniendo una

125
repräsentieren, seinen Ruhm zu correspondencia, que debía ser limitada
verwalten in einem Briefsatz, der kurz (¡tantos son los que acuden a los
sein mußte (denn viele Ansprüche favorecidos de la fortuna! ) para ser
drängen auf den Erfolgreichen, den sustanciosa y digna de su nombre. A los
Vertrauenswürdigen ein), gütig und cuarenta años, cansado de los esfuerzos y
bedeutend zu sein. alternativas de su profesión de escritor,
Der Vierziger hatte, ermattet von den ocupaba ya un puesto entre la
Strapazen und Wechselfällen der intelectualidad mundial, que diariamente
eigentlichen Arbeit, alltäglich eine Post le manifestaba su afecto y
zu bewältigen, reconocimiento en todos los países. Su
die Wertzeichen aus aller Herren genio, apartado por igual de lo vulgar y
Ländern trug. de lo excéntrico, era de la índole más
Ebensoweit entfernt vom Banalen wie apropiada para conquistar, al mismo
vom Exzentrischen, war sein Talent tiempo, la admiración del gran público y
geschaffen, den Glauben des breiten el interés animador de las minorías
Publikums und die bewundernde, selectas. Acostumbrado desde muchacho
fordernde Teilnahme der Wählerischen al esfuerzo, y al esfuerzo intenso, no
zugleich zu gewinnen. había disfrutado nunca del ocio.[…]”
So, schon als Jüngling von allen Seiten (Pag.15-17)
auf die Leistung -und zwar die
ni conoció la descuidada indolencia de la
außerordentliche -verpflichtet, hatte er
juventud.
niemals den Müßiggang, niemals die
Fahrlässigkeit der Jugend gekannt. […]”
(S. 499-501)

126
Fragment E: Aschenbach widmet sein Leben der Arbeit. Diese Einstellung kommt Fragmento E: (Pag.18-20)
aus seiner väterlichen Erziehung. Seine Sozialumgebung forderte es ihm ebenfalls ab.
(S.501-502).

„[...]Ärztliche Fürsorge hatte den “[...]Su delicada complexión hizo


Knaben vom Schulbesuch que los médicos le excluyesen durante
ausgeschlossen und auf häuslichen su niñez de la asistencia a la escuela,
Unterricht gedrungen. Einzeln, ohne por lo cual disfrutó una educación
Kameradschaft war er aufgewachsen casera.
und hatte doch zeitig erkennen müssen, Había crecido así, aislado, sin amigos,
daß er einem Geschlecht angehörte, in dándose cuenta prematuramente de que
dem nicht das Talent, wohl aber die pertenecía a una generación en la cual
physische Basis eine Seltenheit war, escaseaba, si no el talento, sí la base
deren das Talent zu seiner Erfüllung fisiológica
bedarf, - einem Geschlechte, das früh que el talento requiere para
sein Bestes zu geben pflegt und in dem desarrollarse; a una generación que
das Können es selten zu Jahren bringt. suele dar muy pronto lo mejor que posee
Aber sein Lieblingswort war y que rara vez conserva sus facultades
»Durchhalten«, - er sah in seinem actuantes hasta una edad avanzada. Pero
Friedrich-Roman nichts anderes als die su lema favorito fue siempre resistir,
Apotheose dieses Befehlswortes, y su epopeya de Federico no era sino la
das ihm als der Inbegriffleitend-tätiger exaltación de esta palabra, que le parecía
Tugend erschien. el compendio de toda virtud pasiva. Y
Auch wünschte er sehnlichst, alt zu deseaba ardientemente llegar a viejo,
werden, pues siempre había creído que sólo es
denn er hatte von jeher dafür gehalten, verdaderamente grande y realmente
daß wahrhaft groß, umfassend, ja digno de estima el artista a quien el
wahrhaft ehrenwert nur das Künstlertum Destino ha concedido el privilegio de
zu nennen sei, dem es beschieden war, crear sus obras en todas las etapas de la

127
auf allen Stufen des Menschlichen vida humana. Por eso, como la carga de
charakteristisch fruchtbar zu sein. Da er su talento tenía que ir sobre unos
also die Aufgaben, mit denen sein hombros débiles, y como quería llegar
Talent ihn belud, auf zarten Schultern lejos, necesitaba una extremada
tragen und weit gehen wollte, disciplina. Y la disciplina era, por
so bedurfte er höchlich der Zucht, -und fortuna, una parte de su herencia paterna.
Zucht war ja zum Glücke sein
A los cuarenta, a los cincuenta años, lo
eingeborenes Erbteil von väterlicher
mismo que antes, a la edad en que otros
Seite.
descuidan sus facultades, sueñan y
Mit vierzig, mit fünfzig Jahren wie
aplazan tranquilamente la ejecución de
schon in einem Alter,wo andere
grandes planes,
verschwenden, schwärmen, die
él comenzaba temprano la jornada
Ausführung großer Pläne getrost
cotidiana, dándose una ducha de agua
verschieben,
fría, y luego, alumbrándose con un par
begann er seinen Tag beizeiten mit
de velas altas en el candelabro de plata,
Stürzen kalten Wassers über Brust und
a solas con su manuscrito, brindaba al
Rücken und brachte dann, ein Paar
arte en dos o tres horas de intenso y
hoher Wachskerzen in silbernen
concentrado trabajo mental, las fuerzas
Leuchtern zu Häupten des Manuskripts,
que había acumulado durante el sueño.
die Kräfte,
Atestigua realmente la victoria de su
die er im Schlaf gesammelt,
robustez moral el hecho
in zwei oder drei inbrünstig
de que sus desconocidos lectores
gewissenhaften Morgenstunden der
creyesen que el mundo de su novela
Kunst zum Opfer dar. Es war
Maía, o las figuras épicas entre las que
verzeihlich, ja, es bedeutete recht
desarrollaba la vida heroica de
eigentlich den Sieg seiner Moralität,
Federico, procedían de una inspiración
wenn Unkundige die Maja-Welt oder
súbita y habían sido creados en
die epischen Massen, in denen sich
momentos de extraordinaria fuerza de
Friedrichs Heldenleben entrollte, für
expresión. Pero, en realidad, la grandeza
das Erzeugnis gedrungener Kraft und
de toda su obra estaba hecha de un
128
eines langen Atems hielten, während sie minucioso trabajo cotidiano; era la
vielmehr in kleinen Tagewerken aus resultante de cientos de inspiraciones
hundert Einzelinspirationen zur Größe breves, y debía la excelsa maestría de la
emporgeschichtet und nur darum so concepción total y de cada uno de los
durchaus und an jedem Punkte detalles al hecho de que su creador, con
vortrefflich waren, weil ihr Schöpfer tenacidad y energía semejantes a las del
mit einer Willensdauer und Zähigkeit, héroe que conquistara su provincia
derjenigen ähnlich, die seine natal,
Heimatprovinz eroberte, jahrelang unter supo perseverar años y años bajo la
der Spannung eines und desselben tensión de una misma obra, consagrando
Werkes ausgehalten und an die a la labor de ejecución, propiamente
eigentliche Herstellung ausschließlich dicha, sus horas más preciosas e intensas.
seine stärksten und würdigsten Stunden […]”( Pag.18-20)
gewandt hatte.[…]”(S.501-502)

129
Fragment F: Aschenbach ist der Dichter seines kulturellen Kreises.(S.503-505) Fragmento F: (Pag.21-22)

„[...]Über den neuen, in mannigfach “[...]Ya desde sus comienzos, un agudo


individuellen Erscheinungen crítico, al hablar del tipo de héroe
wiederkehrenden Heldentyp, den dieser preferido por Aschenbach, y que
Schriftsteller bevorzugte, hatte schon dominaba toda su obra, había escrito
frühzeitig ein kluger Zergliederer que «podía imaginarse como un tipo de
geschrieben: daß er die Konzeption intrepidez varonil, de inteligencia y
»einer intellektuellen und jünglinghaften juventud, que, poseído de altivo rubor,
Männlichkeit« sei, »die in stolzer Scham se yergue, inmóvil, apretando los
die Zähne aufeinanderbeißt und ruhig dientes, mientras su cuerpo sufre
dasteht, während ihr die Schwerter und traspasado por lanzas y espadas». Esta
Speere durch den Leib gehen«. observación resultaba muy bella, muy
Das war schön, geistreich und exakt, ingeniosa y muy exacta, a pesar de la
trotz seiner scheinbar allzu passivischen excesiva pasividad atribuida al héroe.
Prägung. Denn Haltung im Schicksal, Porque la serenidad en medio de la
Anmut in der Qual bedeutet nicht nur desgracia, y la gracia en medio de la
ein Dulden; sie ist eine aktive Leistung, tortura, no son sólo resignación; son
ein positiver Triumph, und die también actividad y encierran un triunfo
Sebastian-Gestalt ist das schönste positivo. La figura de san Sebastián es
Sinnbild, wenn nicht der Kunst por eso la imagen más bella, si no de
überhaupt, so doch gewiß der in Rede todo el arte, por lo menos del arte a que
stehenden Kunst. Blickte man hinein in aquí se hace referencia. Así, penetrando
diese erzählte Welt, sah man die en el mundo creado por las obras de
elegante Selbstbeherrschung, Aschenbach,
die bis zum letzten Augenblick eine se veía el elegante dominio del autor, el
innere Unterhöhlung, den biologischen dominio de sí mismo,
Verfall vor den Augen der Welt que esconde hasta el último momento a
verbirgt; die gelbe, sinnlich los ojos del mundo fisiológico. La

130
benachteiligte Häßlichkeit, die es fealdad amarillenta, que logra convertir
vermag, ihre schwelende Brunst zur en puro resplandor el rescoldo apagado
reinen Flamme zu entfachen, ja, sich zur que en su interior alienta y que lega a las
Herrschaft im Reiche der Schönheit cumbres más excelsas del reino de la
aufzuschwingen; Die bleiche Ohnmacht, belleza, es igual a la pálida impotencia,
welche aus den glühenden Tiefen des que del fondo ardiente del alma saca las
Geistes die Kraft holt, ein ganzes fuerzas suficientes para obligar a un
übermütiges Volk zu Füßen des pueblo descreído a arrojarse a los pies
Kreuzes, zu ihren Füßen de la cruz, a «sus» pies. Nada tienen que
niederzuwerfen; die liebenswürdige hacer con eso la amable apostura al
Haltung im leeren und strengen Dienste servicio vacío y severo de la forma, la
der Form; das falsche, gefährliche vida artificial y aventurera, el ansia y el
Leben, die rasch entnervende Sehnsucht arte enervadores del falsificador nato.
und Kunst des gebornen Betrügers: Considerando estos aspectos y otros
betrachtete man all dies Schicksal und semejantes, uno llega a dudar de que
wieviel gleichartiges noch, so konnte haya otro heroísmo que el heroísmo de
man zweifeln, la debilidad.
ob es überhaupt einen anderen Y, en todo caso, ¿qué especie de
Heroismus gäbe, als denjenigen der heroísmo podría ser más de nuestro
Schwäche. tiempo que éste? Aschenbach era el
Welches Heldentum aber jedenfalls poeta de todos aquellos que trabajaban
wäre zeitgemäßer als dieses? Gustav hasta los límites del agotamiento,
Aschenbach war der Dichter all derer, de los abrumados, de los que se sienten
die am Rande der Erschöpfung arbeiten, caídos aunque se mantienen erguidos
der Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, todavía, de todos estos moralistas de la
sich noch Aufrechthaltenden, all dieser acción que, pobres de aliento y con
Moralisten der Leistung, die, schmächtig escasos medios, a fuerza de exigir a la
von Wuchs und spröde von Mitteln, voluntad y de administrarse sabiamente,
durch Willensverzückung und kluge logran producir, al menos por un
Verwaltung sich wenigstens eine momento, la impresión de lo grandioso.

131
Zeitlang die Wirkungen der Größe Estos hombres abundan en todas partes,
abgewinnen. son los héroes de la época.
Ihrer sind viele, sie sind die Helden des Y todos se encontraban reflejados en su
Zeitalters. Und sie alle erkannten sich obra; se hallaban afirmados,
wieder in seinem Werk, sie fanden sich ensalzados, cantados en ella: por eso
bestätigt, erhoben, besungen darin, sie difundían agradecidos la gloria del
wußten ihm Dank, sie verkündeten autor.[…]”(Pag.21 -22)
seinen Namen.[…]”(S.503-504)

132
Fragment G: Aschenbach nimmt in seinem Werk die von seinem sozialen Kreis Fragmento G: (Pag.26)
verlangten stereotypen und traditionellen Formen an.(S.506-507)

„[...]Wieviel Spiel, Trotz, Genuß ist “[...]Por lo demás, ¡cuánto hay de juego
übrigens in der Selbstgestaltung des y de placer en la formación de un talento
Talentes! Etwas Amtlich-Erzieherisches en la soledad! Con el tiempo, las obras
trat mit der Zeit in Gustav Aschenbachs de Gustavo Aschenbach adquirieron
Vorführungen ein, sein Stil entriet in cierto carácter oficial, didáctico; su
späteren Jahren der unmittelbaren estilo perdió las osadías creadoras, los
Kühnheiten, der subtilen und neuen matices sutiles y nuevos; su estilo se
Abschattungen, er wandelte sich ins hizo clásico, acabado, limado,
Mustergültig-Feststehende, Geschliffen- conservador, formal, casi formulista.
Herkömmliche, Erhaltende, Formelle, Como Luis XIV, suprimió además toda
selbst Formelhafte, palabra ordinaria en sus escritos. Por esa
und wie die Überlieferung es von época se incluyeron escritos suyos en
Ludwig dem Vierzehnten wissen will, las Antologías de lectura para uso de las
so verbannte der Alternde aus seiner escuelas.
Sprachweise jedes gemeine Wort: Esto estaba en armonía con su
Damals geschah es, evolución. Por eso, al cumplir los
daß die Unterrichtsbehörde ausgewählte cincuenta años, cuando un príncipe
Seiten von ihm in die vorgeschriebenen alemán que acababa de subir al trono
Schullesebücher übernahm. le concedió el título de noble, por ser
Es war ihm innerlich gemäß, und er autor de Federico, él no lo
lehnte nicht ab, rechazó.[…]” (Pag. 26)
als ein deutscher Fürst, soeben zum
Throne gelangt, dem Dichter des
»Friedrich« zu seinem fünfzigsten
Geburtstag den persönlichen Adel
verlieh.[…]”( S.506-507)

133
Fragment H. Aschenbach kommt in Venedig an, kommt im Hotel unter und sieht Fragmento H: (Pag.45-48)
dort zum ersten Mal Tadzio und dessen Familie. (S.519-521)

„[...]Er betrat das weitläufige Hotel von “[...]Entró en el espacioso hotel por la
hinten, von der Gartenterrasse aus und parte de atrás, atravesando la terraza del
begab sich durch die große Halle und jardín, llegando a las oficinas por el
die Vorhalle ins Office. pasadizo del vestíbulo.
Da er angemeldet war, Como había anunciado su llegada,
wurde er mit dienstfertigem le recibieron con gran amabilidad.
Einverständnis empfangen. Ein Un maitre d'hótel, hombre pequeñito
Manager, ein kleiner, leiser, que se deslizaba silenciosamente con
schmeichelnd höflicher Mann mit finura servil, de bigote negro y levita de
schwarzem Schnurrbart und in corte francés,
französisch geschnittenem le acompañó en el ascensor hasta el
Gehrock, begleitete ihn im Lift zum segundo piso y le mostró su cuarto: una
zweiten Stockwerk hinauf und wies ihm habitación agradable, con el mobiliario
sein Zimmer an, einen angenehmen, in de madera de cerezo, con un ramo de
Kirschholz möblierten Raum, flores olorosas sobre una mesilla,
den man mit starkduftenden Blumen y desde cuyas altas ventanas se podía
geschmückt hatte und dessen hohe disfrutar de la visión del mar abierto.
Fenster die Aussicht aufs offene Meer Cuando se retiró el empleado,
gewährten. Aschenbach se asomó a una de las
Er trat an eins davon, ventanas,
nachdem der Angestellte sich y mientras le llevaban el equipaje y lo
zurückgezogen, und während man hinter acomodaban en la habitación,
ihm sein Gepäck hereinschaffte und im
se puso a contemplar la playa,
Zimmer unterbrachte,
que a aquella hora estaba casi desierta,
y el mar sin sol. Había pleamar. Las

134
blickte er hinaus auf den olas, bajas y lentas, morían en la orilla
nachmittäglich menschenarmen Strand con acompasado movimiento.
und die unbesonnte See, Los sentimientos y observaciones del
die Flutzeit hatte und niedrige, hombre solitario son al mismo tiempo
gestreckte Wellen in ruhigem Gleichtakt más confusos y más intensos que los de
gegen das Ufer sandte. las gentes sociables; sus pensamientos
Die Beobachtungen und Begegnisse des son más graves, más extraños y siempre
Einsam-Stummen sind zugleich tienen un matiz de tristeza.
verschwommener und eindringlicher als Imágenes y sensaciones que se
die des Geselligen, seine Gedanken esfumarían fácilmente con una mirada,
schwerer, wunderlicher und nie ohne con una risa, un cambio de opiniones,
einen Anflug von Traurigkeit. Bilder se aferran fuertemente en el ánimo del
und Wahrnehmungen, solitario, se ahondan en el silencio y se
die mit einem Blick, einem Lachen, convierten en acontecimientos,
einem Urteilsaustausch leichthin aventuras, sentimientos importantes. La
abzutun wären, soledad engendra lo original, lo atrevido,
beschäftigen ihn über Gebühr, vertiefen y lo extraordinariamente bello; la poesía.
sich im Schweigen, werden bedeutsam, Pero engendra también lo desagradable,
Erlebnis, Abenteuer, Gefühl, Einsamkeit lo inoportuno, absurdo e inadecuado. De
zeitigt das Originale, das gewagt und esta manera, el ánimo del viajero sentíase
befremdend Schöne, das Gedicht. todavía inquieto con las impresiones de
Einsamkeit zeitigt aber auch das la travesía, el repulsivo viejo verde con
Verkehrte, das Unverhältnismäßige, das sus gestos equívocos, el gondolero brutal
Absurde und Unerlaubte. - So
que se había quedado sin su dinero.
beunruhigten die Erscheinungen der
Herreise, der gräßliche alte Stutzer mit Todos estos hechos, sin ofrecer
seinem Gefasel vom Liebchen, der dificultades al entendimiento ni
verpönte, um seinen Lohn geprellte construir materia de cavilación,
Gondolier, noch jetzt das Gemüt des
Reisenden. Ohne der Vernunft

135
Schwierigkeiten zu bieten, ohne le parecían de naturaleza extraña. Las
eigentlich Stoff zum Nachdenken zu contradicciones que tales hechos
geben, waren sie dennoch envolvían,
grundsonderbar von Natur, le intranquilizaron. Sin embargo, saludó
wie es ihm schien, al mar con los ojos, y su corazón se
und beunruhigend wohl eben durch llenó de alegría al contemplarse tan
diesen Widerspruch. Dazwischen cerca de Venecia. Finalmente se apartó
grüßte er das Meer mit den Augen und de la ventana, se aseó, le dio a la
empfand Freude, Venedig in so leicht doncella algunas órdenes relacionadas
erreichbarer Nahe zu wissen. Er wandte con su instalación, y se fue al ascensor,
sich endlich, badete sein Gesicht, traf donde un suizo, de uniforme verde, le
gegen das Zimmermädchen einige llevó al piso inferior. Tomó el té en la
Anordnungen zur Vervollständigung terraza, junto al mar; bajó luego,
seiner Bequemlichkeit und ließ sich von siguiendo a lo largo del muelle un buen
dem grün gekleideten Schweizer, trecho en dirección al «Hotel Excelsior».
der den Lift bediente, Al retornar, creyó
ins Erdgeschoß hinunterfahren. Er que era ya hora de cambiarse de traje
nahm seinen Tee auf der Terrasse der para comer.
Seeseite, stieg dann hinab und verfolgte Lo hizo con parsimonia, con esmero,
den Promenaden-Quai eine gute Strecke como siempre,
in der Richtung auf das Hotel Excelsior. pues estaba habituado a trabajar
Als er zurückkehrte, mientras se arreglaba.
schien es schon an der Zeit, sich zur Después se encontró un poco antes de
Abendmahlzeit umzukleiden. Er tat es la hora, en el hall,
langsam und genau, nach seiner Art, donde estaban reunidos algunos
da er bei der Toilette zu arbeiten huéspedes, desconocidos entre sí, pero
gewöhnt war, en espera común de la comida.
und fand sich trotzdem ein wenig Tomó un periódico de la
verfrüht in der Halle ein, mesa, arrellanóse en un sillón de cuero y
se puso a pensar en aquellas personas,

136
wo er einen großen Teil der Hotelgäste, que se diferenciaban con ventaja de las de
fremd untereinander und in gespielter su residencia anterior.
gegenseitiger Teilnahmslosigkeit, aber
Había allí un ambiente mucho más
in der gemeinsamen Erwartung des
abierto y de mayor amplitud y tolerancia.
Essens, versammelt fand.
En los coloquios a media voz se notaban
Er nahm eine Zeitung vom Tische, ließ
los acentos de los grandes idiomas. El
sich in einen Ledersessel nieder und
traje de etiqueta, uniforme de la cortesía,
betrachtete die Gesellschaft,
reunía en armoniosa unidad aparente
die sich von derjenigen seines ersten
todas las variedades de gentes allí
Aufenthaltes in einer ihm angenehmen
congregadas. Veíanse los secos y largos
Weise unterschied.
semblantes de los americanos, numerosas
Ein weiter, duldsam vieles umfassender
familias rusas, señoras inglesas, niños
Horizont tat sich auf. Gedämpft,
alemanes con institutrices francesas. La
vermischten sich die Laute der großen
raza eslava parecía dominar. Cerca de él
Sprachen. Der weltgültige Abendanzug,
hablaban en polaco.[…]”(Pag.45-48)
eine Uniform der Gesittung, faßte
äußerlich die Spielarten des
Menschlichen zu anständiger Einheit
zusammen. Man sah die trockene und
lange Miene des Amerikaners, die
vielgliedrige russische Familie,
englische Damen, deutsche Kinder mit
französischen Bonnen. Der slavische
Bestandteil schien vorzuherrschen.
Gleich in der Nähe ward polnisch
gesprochen.[…]”(S.519 -521)

137
Fragment I: Aschenbach sieht Tadzio zum ersten Mal.(S.521-522) Fragmento I: (Pag.48-49)

„[...]Es war eine Gruppe halb und kaum “[...]Se trataba de un grupo de
Erwachsener, unter der Obhut einer muchachos reunidos alrededor de una
Erzieherin oder Gesellschafterin um ein mesilla de paja, bajo la vigilancia de una
Rohrtischchen versammelt: drei junge maestra o señorita de compañía. Tres
Mädchen, fünfzehn-bis siebzehnjährig, chicas de quince a diecisiete años,
wie es schien, quizás, un muchacho de cabellos largos
und ein langhaariger Knabe von que parecía tener unos catorce.
vielleicht vierzehn Jahren. Mit Aschenbach advirtió con asombro
Erstaunen bemerkte Aschenbach, que el muchacho tenía una cabeza
daß der Knabe vollkommen schön war. perfecta.
Sein Antlitz, -bleich und anmutig Su rostro, pálido y preciosamente
verschlossen, von honigfarbenem Haar austero, encuadrado de cabello color de
umringelt, mit der gerade abfallenden miel; su nariz, recta; su boca, fina, y una
Nase, dem lieblichen Munde, dem expresión de deliciosa serenidad divina,
Ausdruck von holdem und göttlichem le recordaron los bustos griegos de la
Ernst, erinnerte an griechische época más noble.
Bildwerke aus edelster Zeit, und bei Y siendo su forma de clásica perfección,
reinster Vollendung der Form war es había en él un encanto personal tan
von so einmalig-persönlichem Reiz, extraordinario, que el observador podía
daß der Schauende weder in Natur noch aceptar la imposibilidad de hallar nada
bildender Kunst etwas ähnlich más acabado.[…]”(Pag. 48-49)
Geglücktes angetroffen zu haben
glaubte.[…]”(S. 521-522)

138
Fragment J: Tadzios und Aschenbachs Blicke begegnen sich zum ersten Mal. (S.524) Fragmento J: (Pag.52-53)

„[...]Die Geschwister waren rasch “[...]Los muchachos,


aufgestanden. que se habían levantado rápidamente,
Sie beugten sich zum Kuß über die
se inclinaron luego para besarle la
Hand ihrer Mutter,
mano.
die mit einem zurückhaltenden Lächeln
Ella, la madre, con una sonrisa
ihres gepflegten, doch etwas müden und
contenida de su cuidado rostro, pero con
spitznäsigen Gesichtes über ihre Köpfe
cierta expresión de cansancio, miraba
hinwegblickte und einige Worte in
por encima de sus cabezas y dirigía a la
französischer Sprache an die Erzieherin
institutriz algunas palabras en francés.
richtete.
Luego se dirigió al comedor. La
Dann schritt sie zur Glastür. Die
siguieron las muchachas, por orden de
Geschwister folgten ihr: die Mädchen in
edades; a continuación, la institutriz y,
der Reihenfolge ihres Alters, nach ihnen
por último, el muchacho. Por no sé qué
die Gouvernante, zuletzt der Knabe. Aus
razón, este último se volvió antes de
irgend einem Grunde wandte er sich
penetrar por la puerta de cristales y,
um,
como no quedaba en la estancia nadie
bevor er die Schwelle überschritt, und
más,
da niemand sonst mehr in der Halle sich
sus singulares ojos soñadores se
aufhielt,
encontraron con los de Aschenbach
begegneten seine eigentümlich
que,
dämmergrauen Augen denen
sumido en la contemplación, con su
Aschenbachs,
periódico en las rodillas, seguía al grupo
der, seine Zeitung auf den Knien, in
con la mirada. La escena que acababa
Anschauung versunken, der Gruppe
de presenciar no tenía nada de particular
nachblickte. Was er gesehen, war
en los detalles. No habían ido a comer
gewiß in keiner Einzelheit auffallend
139
gewesen. Man war nicht vor der Mutter antes de la llegada de la madre; la
zu Tische gegangen, man hatte sie habían aguardado, para saludarla
erwartet, sie ehrerbietig begrüßt und respetuosamente y para entrar en la sala
beim Eintritt in den Saal gebräuchliche siguiendo sus hábitos tradicionales. Pero
Formen beobachtet. Allein das alles todo esto se había hecho con tanta
hatte sich so ausdrücklich, mit einem expresión, con tal acento de disciplina,
solchen Akzent von Zucht, de sentimiento del deber, de mutuo
Verpflichtung und Selbstachtung respeto,
dargestellt, daß Aschenbach sich
que Aschenbach se sintió singularmente
sonderbar ergriffen fühlte.
conmovido. Aguardó un instante, luego
Er zögerte noch einige Augenblicke,
entró, a su vez, en el comedor y pidió
ging dann auch seinerseits in den
una mesa. Con cierto sentimiento de
Speisesaal hinüber und ließ sich sein
disgusto, comprobó luego
Tischchen anweisen,
que su sitio resultaba muy alejado de la
das, wie er mit einer kurzen Regung des
familia polaca.[…]”(Pag.52-53)
Bedauerns feststellte, sehr weit von dem
der polnischen Familie entfernt war.
[…]”(S.524)

140
Fragment K: Aschenbach taucht in das sinnlichere Leben ein, Fragmento K: (Pag.80-83)
wodurch ein neuer Alltag sein neues Leben prägt. (S.543-544)

„[...]Viel, fast beständig sah “[...]Aschenbach veía frecuentemente a


Aschenbach den Knaben Tadzio; ein Tadrio. La limitación del espacio y la
beschränkter Raum, eine jedem regularidad del género de vida que todos
gegebene Lebensordnung brachten es estaban obligados a llevar, hacían que el
mit sich, hermoso muchacho permaneciese
daß der Schöne ihm tagsüber mit kurzen próximo a él casi todo el día, con ligeras
Unterbrechungen nahe war. interrupciones. Lo encontraba en todas
Er sah, er traf ihn überall: in den partes: en el comedor del hotel, en las
unteren Räumen des Hotels, auf den travesías marítimas a la ciudad, y hasta en
kühlenden Wasserfahrten zur Stadt und la misma confusión de la playa, y luego,
von dort zurück, im Gepränge des por obra del acaso, en las calles, en los
Platzes selbst und oft noch zwischenein paseos. Pero cuando tenía ocasión de
auf Wegen und Stegen, consagrar a la bella figura devoción y
wenn der Zufall ein Übriges tat. estudio, ampliamente y con comodidad,
Hauptsächlich aber und mit der era principalmente por la mañana, en la
glücklichsten Regelmäßigkeit bot ihm playa. Y esta complacencia de la fortuna,
der Vormittag am Strande ausgedehnte este favor de las circunstancias, que con
Gelegenheit, der holden Erscheinung uniformidad perenne se le ofrecía
Andacht und Studium zu widmen. Ja, diariamente, era todo lo que le llenaba
diese Gebundenheit des Glückes, diese verdaderamente de satisfacción y goce, lo
täglich-gleichmäßig wieder anbrechende que le hacía tan agradable su vida y lo
Gunst der Umstände war es so recht, que determinaba que los días soleados
was ihn mit Zufriedenheit und desfilaran sonrientes ante él, sin
Lebensfreude erfüllte, was ihm den interrupción. Se levantaba a una hora
Aufenthalt teuer machte und einen temprana, como lo hacía cuando se veía
azuzado por un trabajo apremiante, y

141
Sonnentag so gefällig hinhaltend sich an llegaba a la playa uno de los primeros,
den anderen reihen ließ. cuando el sol no quemaba aún y el mar,
Er war früh auf, wie sonst wohl bei de una blancura deslumbrante,
pochendem Arbeitsdrange, und vor den permanecía entregado a los sueños de la
meisten am Strand, mañana. Saludaba respetuosamente al
wenn die Sonne noch milde war und das guardia de la verja y al anciano de barba
Meer weiß blendend in Morgenträumen blanca que le arreglaba su sitio, que
lag. extendía la lona y sacaba a la plataforma
Er grüßte menschenfreundlich den los muebles de la caseta. Luego
Wächter der Sperre, grüßte auch transcurrían unas tres o cuatro horas
vertraulich den barfüßigen Weißbart, hasta que Tadrio apareciese; durante ese
der ihm die Stätte bereitet, das braune tiempo iba ascendiendo el sol y
Schattentuch ausgespannt, die Möbel alcanzando un terrible vigor. El mar se
der Hütte hinaus auf die Plattform hacía entonces de un azul cada vez más
gerückt hatte, denso. Tadrio solía llegar por la
und ließ sich nieder. Drei Stunden oder izquierda, siguiendo el borde del mar;
vier waren dann sein, Aschenbach lo veía aparecer de espaldas,
in denen die Sonne zur Höhe stieg und saliendo de entre las casetas. A veces se
furchtbare Macht gewann, in denen das daba cuenta súbitamente de que había
Meer tiefer und tiefer blaute und in pasado la hora de su llegada, y veíalo
denen er Tadzio sehen durfte. entonces, ya con su traje de baño azul y
Er sah ihn kommen, von links, am blanco, que no volvía a quitarse, y
Rande des Meeres daher, sah ihn von experimentaba un estremecimiento de
rückwärts zwischen den Hütten placer. El muchacho comenzaba en
hervortreten oder fand auch wohl seguida su actividad habitual bajo el sol
plötzlich und nicht ohne ein frohes y sobre la arena. Aquella vida,
Erschrecken, graciosamente frívola, ociosamente
daß er sein Kommen versäumt und daß inquieta, era juego y reposo, y se
er schon da war, schon in dem blau und componía de carreras por la playa, de
weißen Badeanzug, der jetzt am Strand chapuzones en el agua; su actividad

142
seine einzige Kleidung war, sein consistía en jugar con la arena, en tomar
gewohntes Treiben in Sonne und Sand golosinas, tenderse, nadar, vigilado y
wieder aufgenommen hatte, - dies llamado por las mujeres desde la terraza.
lieblich nichtige, müßig unstete Leben, Su nombre resonaba constantemente en
das Spiel war und Ruhe, ein Schlendern, voces chillonas «¡Tadrín! ¡Tadrín!» Y él
Waten, Graben, Haschen, Lagern und corría hacia ellas con gesticulación
schwimmen, bewacht, berufen von den vehemente a referir lo que le había
Frauen auf der Plattform, die mit ocurrido, a enseñar lo que había
Kopfstimmen seinen Namen ertönen encontrado: ostras, estrellas y cangrejos
ließen: »Tadziu! Tadziu!« und zu denen que andaban de lado. Aschenbach no
er mit eifrigem Gebärdenspiel gelaufen entendía una palabra de lo que el
kam, ihnen zu erzählen, was er erlebt, pequeño decía, pero en su oído sonaba
ihnen zu zeigen, was er gefunden, con deliciosa eufonía aunque fueran las
gefangen: Muscheln, Seepferdchen, cosas más corrientes. Así, el exotismo
Quallen und seitlich laufende Krebse. convertía en música la conversación del
Aschenbach verstand nicht ein Wort chico. Un sol potente regaba a manos
von dem, llenas su resplandor en honor suyo, y el
was er sagte, magnífico horizonte del mar servía de
und mochte es das Alltäglichste sein, es fondo y exaltación a su figura.[…]”(Pag.
war verschwommener Wohllaut in 80-83)
seinem Ohr. So erhob Fremdheit des
Knaben Rede zur Musik, eine
übermütige Sonne goß
verschwenderischen Glanz über ihn aus,
und die erhabene Tiefsicht des Meeres
war immer seiner Erscheinung Folie
und Hintergrund.[…]”(S.543-544)

143
Fragment L: Aschenbach möchte Tadzio ansprechen, weshalb er sich entschließt, Fragmento L: (Pag.90-92)
sich auf die Suche nach ihm zu begeben. (S.548-550)

“[...]A la mañana siguiente fue cuando, a


„[...]Es war am folgenden Morgen, punto ya de dejar el hotel, vio desde la
daß er, im Begriff das Hotel zu escalera
verlassen, von der Freitreppe aus que Tadrio se dirigía solo a la playa.
gewahrte, wie Tadzio, schon unterwegs El deseo, el sencillo pensamiento de
zum Meere--und zwar allein, - sich eben aprovechar la ocasión para trabar
der Strandsperre näherte. alegremente conocimiento con aquel
Der Wunsch, der einfache Gedanke, die que, sin saberlo,
Gelegenheit zu nutzen und mit dem, le había conmovido y agitado tanto,
der ihm unwissentlich so viel Erhebung de hablarle y gozarse en su contestación,
und Bewegung bereitet, en su mirada, surgió en él de un modo
leichte, heitere Bekanntschaft zu natural.
machen, ihn anzureden, sich seiner
Antwort, seines Blickes zu erfreuen, lag El hermoso muchacho andaba
nahe und drängte sich auf. Der Schöne lentamente. Podría, pues, alcanzarle.
ging schlendernd, er war einzuholen, Aschenbach apresuró el paso, y llegó
und Aschenbach beschleunigte seine junto a él cerca ya de las casetas.
Schritte. Er erreicht ihn auf dem Pensando en ponerle una mano en la
Brettersteig hinter den Hütten, er will cabeza, en el hombro, resultó
ihm die Hand aufs Haupt, auf die que una palabra, una frase amable en
Schulter legen und irgend ein Wort, eine francés rozaba ya sus labios.
freundliche französische Phrase schwebt Pero en aquel instante sintió
ihm auf en Lippen: da fühlt er, que su corazón latía fuertemente, acaso
daß sein Herz, vielleicht auch vom por lo rápido de su carrera, y que, como
schnellen Gang, wie ein Hammer respiraba con dificultad, sólo iba a
schlägt, daß er, so knapp bei Atem, nur poder hablar atropellado y tembloroso.

144
gepreßt und bebend wird sprechen Vaciló entonces, trató de dominarse; de
können; pronto le pareció
er zögert, er sucht sich zu beherrschen, que iba ya demasiado tiempo muy cerca
er fürchtet plötzlich, schon zu lange del bello mancebo;
dicht hinter dem Schönen zu gehen, Temió
fürchtet sein Aufmerksamwerden, sein que él lo notase,
fragendes Umschauen, nimmt noch Temió
einen Anlauf, versagt, verzichtet und que se volviese, interrogante;
geht gesenkten Hauptes vorüber. Zu hizo un último intento, que resultó vano
spät! dachte er in diesem Augenblick. también; renunció, pues, y pasó por
Zu spät! Jedoch war es zu spät? Dieser delante de él con la cabeza baja.
Schritt, «¡Demasiado tarde! –pensó -.
den zu tun er versäumte, er hätte sehr ¡Demasiado tarde!»
möglicherweise zum Guten, Leichten
und Frohen, zu heilsamer Ernüchterung
geführt. Pero, ¿era realmente demasiado tarde?
Allein es war wohl an dem, Aquel paso, que no se había atrevido a
dar, habría convertido probablemente la
daß der Alternde die Ernüchterung nicht
cosa en algo bueno, ligero y gozoso;
wollte, daß der Rausch ihm zu teuer
habría producido un efecto sedante.
war.
Pero no hay duda
Wer enträtselt Wesen und Gepräge des
Künstlertums! Wer begreift die tiefe de que el artista, ya en los linderos de la
Instinktverschmelzung von Zucht und vejez, no quería el sedante, a pesar de
Zügellosigkeit, que la exaltación en que vivía le era
worin es beruht! demasiado cara. ¿Quién podría descifrar
Denn heilsame Ernüchterung nicht el enigma de la naturaleza del artista?
wollen zu können, ist Zügellosigkeit. ¿Quién puede comprender esa fusión
Aschenbach war zur Selbstkritik nicht instintiva de disciplina y desenfreno en
mehr aufgelegt; der Geschmack, die que consiste? Porque el hecho de no
geistige Verfassung seiner Jahre,

145
Selbstachtung, Reife und späte querer un sedante saludable es
Einfachheit machten ihn nicht geneigt, desenfreno.
Beweggründe zu zergliedern und zu Aschenbach ya no se sentía dispuesto a
entscheiden, la autocrítica. Por sus gustos, por su
ob er aus Gewissen, ob aus madurez espiritual, por el respeto de sí
Liederlichkeit und Schwäche sein mismo y por simplicidad, no le
Vorhaben nicht ausgeführt habe. agradaba analizar los motivos de sus
Er war verwirrt, er fürchtete, actos ni averiguar si había dejado de
realizar su propósito por mandato de su
daß irgend jemand, wenn auch der conciencia, o por debilidad y molicie. Se
Strandwächter nur, seinen Lauf, seine sentía avergonzado, tenía miedo, de que
Niederlage beobachtet haben möchte, alguien hubiera podido observar su
fürchtete sehr die Lächerlichkeit. Im carrera, su derrota; temía
übrigen scherzte er bei sich selbst über extraordinariamente al ridículo. Por lo
seine komisch-heilige Angst. demás, se reía en su interior de su
»Bestürzt«, dachte er, »bestürzt wie ein pánico insensato. «Vencido -pensaba-,
Hahn, der angstvoll seine Flügel im vencido como un gallo que en la pelea
Kampfe hängen läßt. Das ist wahrlich deja caer desfallecido las alas.»
der Gott, der beim Anblick des Son, seguramente, los dioses los que de
Liebenswürdigen so unseren Mut bricht tal modo paralizan nuestro valor a la
und unsern stolzen Sinn so gänzlich zu vista del objeto amado y arrojan por los
Boden drückt...« Er spielte, schwärmte suelos toda nuestra altivez.[…]”
und war viel zu hochmütig, um ein (Pag.90-92). „[...]Er spielte, schwärmte
Gefühl zu fürchten.[…]”(S.548-550) und war viel zu hochmütig, um ein
Gefühl zu fürchten.[…]”(S.550). (Diese
Textstelle wurde nicht ins Spanische
übersetzt.)

146
Fragment M: Aschenbach wünscht sich sehr Kontakt mit Tadzio aufzunehmen, Fragmento M: (Pag.92-96)
weshalb jetzt die Göttin Eos auftritt. (S.550-552)

„[...]Schon überwachte er nicht mehr “[...]Sin cuidarse ya de llevar la cuenta


den Ablauf der Mußezeit, del tiempo que a sí mismo se concedía
die er sich selber gewährt; para el descanso, había dejado de pensar
der Gedanke an Heimkehr berührte ihn en el regreso. Se había provisto de
nicht einmal. dinero abundante. Su única
Er hatte sich reichlich Geld preocupación era que la familia polaca
verschrieben. pudiera marcharse pronto; pero,
Seine Besorgnis galt einzig der preguntando como por casualidad al
möglichen Abreise der polnischen peluquero del hotel, había averiguado
Familie; que las señoras habían llegado poco
doch hatte er unter der Hand, durch antes que él. El sol tostaba su cara y sus
beiläufige Erkundigung beim Coiffeur manos, el aire excitante, salado,
des Hotels, erfahren, daß diese fortalecía su fuerza sentimental, y si
Herrschaften ganz kurz vor seiner antes acostumbraba consagrar a su
eigenen Ankunft hier abgestiegen seien. obra todo el acopio de fuerzas que el
Die Sonne bräunte ihm Antlitz und sueño, el alimento, la Naturaleza le
Hände, der erregende Salzhauch stärkte prestaban, esta vez dilapidaba a manos
ihn zum Gefühl, llenas, en exaltación y fantasía, toda la
und wie er sonst jede Erquickung, die fuerza diaria que el sol, el ocio y el aire
Schlaf, Nahrung oder Natur ihm del mar le prestaban. Su sueño era
gespendet, sogleich an ein Werk zu breve. Los días, deliciosamente
verausgaben gewohnt war, monótonos, se separaban por noches
so ließ er nun alles, cortas, llenas de feliz inquietud. Es
was Sonne, Muße und Meerluft ihm an cierto que se acostaba temprano, pues a
täglicher Kräftigung zuführten, las nueve, cuando Tadrio se había
alejado, le parecía que el día estaba

147
hochherzig-unwirtschaftlich aufgehen terminado. Pero a las primeras luces de
in Rausch und Empfindung. Sein Schlaf la mañana le despertaba un dichoso,
war flüchtig; die köstlich einförmigen ligero estremecimiento; su corazón
Tage waren getrennt durch kurze recordaba su aventura; no podía
Nächte voll glücklicher Unruhe. Zwar quedarse en la cama, se levantaba, y
zog er sich zeitig zurück, denn um neun envuelto en una bata ligera, para
Uhr, preservarse del fresco de la madrugada,
wenn Tadzio vom Schauplatz se sentaba ante la ventana abierta en
verschwunden war, espera de la salida del sol. El
schien der Tag ihm beendet. Aber ums maravilloso acontecimiento de la aurora
erste Morgengrauen weckte ihn ein zart sumía en profunda adoración a su alma,
durchdringendes Erschrecken, sein Herz consagrada por el sueño. Cielo, tierra y
erinnerte sich seines Abenteuers, es litt mar permanecían aún envueltos en la
ihn nicht mehr in den Kissen, er erhob suave palidez fantástica del alba: una
sich, und leicht eingehüllt gegen die estrella lánguida flotaba aún en el
Schauer der Frühe setzte er sich ans infinito. Pero venía un suave soplo,
offene Fenster, den Aufgang der Sonne como un dulce mensaje de inasequibles
zu erwarten. Das wundervolle Ereignis lugares con la nueva de que Eros se
erfüllte seine vom Schlafe geweihte levantaba del lecho conyugal, y por ello
Seele mit Andacht. Noch lagen Himmel, acontecía aquel primer rubor dulcísimo
Erde und Meer in geisterhaft glasiger de las lontananzas del cielo y del mar,
Dämmerblässe; noch schwamm ein por el cual se anuncia que la creación
vergehender Stern im Wesenlosen. Aber toma formas sensibles. Se acercaba la
ein Wehen kam, eine beschwingte Aurora, seductora de mancebos, raptora
Kunde von unnahbaren Wohnplätzen, de Céfalo y que, a pesar de la envidia de
daß Eos sich von der Seite des Gatten todos los olímpicos,
erhebe, gozó los amores del bello Orión.
und jenes erste, süße Erröten der
Allá, al borde del mundo, comenzaban a
fernsten Himmels-und Meeresstriche
deshojarse rosas en un inefable
geschah,
resplandor divino mientras unas nubes
148
durch welches das Sinnlichwerden der infantiles, iluminadas, esclarecidas,
Schöpfung sich anzeigt. flotaban, como sumisos amorcillos, en el
Die Göttin nahte, die aire rosa y azul; caía sobre el mar un
Jünglingsentführerin, manto de púrpura, que parecía arrastrado
die den Kleitos, den Kephalos raubte hacia delante con sus olas levantadas;
und dem Neide aller Olympischen signos y manchas de oro resplandecían
trotzend die Liebe des schönen Orion sobre el mar; el resplandor se
genoß. transformaba en incendio; silenciosas y
Ein Rosenstreuen begann da am Rande con divina pujanza se erguían las llamas,
der Welt, ein unsäglich holdes Scheinen y la cuadriga divina corría con sus
und Blühen, kindliche Wolken, verklärt, cascos centelleantes sobre la superficie
durchleuchtet, schwebten gleich de la tierra. Iluminado por la pompa del
dienenden Amoretten im rosigen, dios, el contemplador solitario cerraba
bläulichen Duft, Purpur fiel auf das los ojos dejando que el resplandor divino
Meer, besase sus párpados. Sentimientos de
das ihn wallend vorwärts zu otra época, deliciosos ímpetus tempranos
schwemmen de su corazón, que habían muerto con la
schien, estrecha disciplina de su vida, volvían en
goldene Speere zuckten von unten zur aquel instante extrañamente
Höhe des Himmels hinauf, der Glanz transformados y él los reconocía con
ward zum Brande, lautlos, mit sonrisa confusa y asombrada. Cavilaba,
göttlicher Übergewalt wälzten sich Glut soñaba; sus labios murmuraban
und Brunst und lodernde Flammen lentamente un nombre, y sonriente, con
herauf, und mit raffenden Hufen el rostro vuelto hacia arriba y las manos
stiegen des Bruders heilige Renner über plegadas en el regazo, dormitaba en su
den Erdkreis empor. Angestrahlt von butaca. Pero el día iniciado así, con
der Pracht des Gottes saß der Einsam- aquella fiesta del fuego, transcurría
Wache, er schloß die Augen und ließ luego exaltado, en una extraña exaltación
von der Glorie seine Lider küssen. mística. ¿De dónde provenía el soplo
que de pronto envolvía sienes y vidas, tan

149
Ehemalige Gefühle, frühe, köstliche suave y misterioso como un susurro de
Drangsale des Herzens, die im strengen potencias elevadas? En el cielo se
Dienst seines Lebens erstorben waren alineaban numerosas nubecillas, como
und nun so sonderbar gewandelt rebaño de dioses que pastasen en el
zurückkehrten, espacio infinito.
-er erkannte sie mit verwirrtem,
Se levantó un viento más fuerte, y los
verwundertem Lächeln. Er sann, er
caballos de Neptuno galoparon
träumte, langsam bildeten seine Lippen
espumeantes.
einen Namen, und noch immer lächelnd,
Por entre las rocas alejadas de la playa
mit aufwärts gekehrtem Antlitz, die
saltaban como cabrillas las olas.
Hände im Schöße gefaltet,
Aschenbach sentíase anegado en un
entschlummerte er in seinem Sessel
mundo divino lleno de vida pánica, y su
noch einmal.
corazón soñaba dulces fábulas. A veces,
Aber der Tag, der so feurig-festlich
cuando el sol se ponía por detrás de
begann,
Venecia, se sentaba en un banco del
war im ganzen seltsam gehoben und
parque para contemplar a Tadrio, que,
mythisch verwandelt. Woher kam und
vestido de blanco y con un cinturón de
stammte der Hauch,
color, jugaba al balón. Entonces creía
der auf einmal so sanft und bedeutend,
estar viendo a Jacinto, el ser mortal por lo
höherer Einflüsterung gleich, Schläfe
mismo que era objeto del amor de los
und Ohr umspielte?
dioses. Y hasta sentía los dolorosos celos
Weiße Federwölkchen standen in
del Céfiro, de aquel rival que, olvidando
verbreiteten Scharen am Himmel, gleich
el oráculo, el arco y la cítara, se ponía a
weidenden Herden der Götter. Stärkerer
jugar con el mancebo; veía cómo el dardo
Wind erhob sich, und die Rosse
ligero, impulsado por los celos crueles,
Poseidons liefen, sich bäumend, daher,
alcanzaba la amada cabeza, recibía
Stiere auch wohl, dem
palideciendo el desfalleciente cuerpo, y
Bläulichgelockten gehörig,
la flor que brotaba de la dulce planta
traía la inscripción de su lamento

150
welche mit Brüllen anrennend die infinito... Nada resultaba más extraño ni
Hörner senkten. más irritante
Zwischen dem Felsengeröll des
que las relaciones que se establecen entre
entfernteren Strandes jedoch hüpften
hombres que sólo se conocen de vista,
die Wellen empor als springende
que diariamente, a todas horas, se
Ziegen. Eine heilig entstellte Welt voll
tropiezan, se observan, viéndose
panischen Lebens schloß den Berückten
obligados, por la etiqueta o por capricho
ein, und sein Herz träumte zarte
a no saludarse ni cruzar palabra,
Fabeln.
manteniendo el engaño de una
Mehrmals, wenn hinter Venedig die
indiferencia perfecta. Se produce entre
Sonne sank,
ellos inquietud e irritada curiosidad. Es la
saß er auf einer Bank im Park, um
historia de un deseo de conocerse y
Tadzio zuzuschauen,
tratarse insatisfecho, artificiosamente
der sich, weiß gekleidet und farbig
contenido, y, en especial, de una especie
gegürtet, auf dem gewalzten Kiesplatz
de estimación exaltada. Pues el hombre
mit Ballspiel vergnügte,
ama y honra al hombre mientras no puede
und Hyakinthos war es,
juzgarle. Y el deseo se engendra por el
den er zu sehen glaubte, und der sterben conocimiento defectuoso.[…]”(Pag.92-
mußte, weil zwei Götter ihn liebten. 96)
Ja, er empfand Zephyrs schmerzenden
Neid auf den Nebenbuhler,
der des Orakels, des Bogens und der
Kithara vergaß, um immer mit dem
Schönen zu spielen;
er sah die Wurfscheibe, von grausamer
Eifersucht gelenkt, das liebliche Haupt
treffen, er empfing, erblassend auch er,
den geknickten Leib, und die Blume,
dem süßen Blute entsprossen, trug die
Inschrift seiner unendlichen Klage..

151
Seltsamer, heikler ist nichts als das
Verhältnis von Menschen,
die sich nur mit den Augen kennen, - die
täglich, ja stündlich einander begegnen,
beobachten und dabei den Schein
gleichgültiger Fremdheit grußlos und
wortlos aufrecht zu halten durch
Sittenzwang oder eigene Grille genötigt
sind.
Zwischen ihnen ist Unruhe und
überreizte Neugier, die Hysterie eines
unbefriedigten, unnatürlich
unterdrückten Erkenntnis -und
Austauschbedürfnisses und namentlich
auch eine Art von gespannter Achtung.
Denn der Mensch liebt und ehrt den
Menschen,
so lange er ihn nicht zu beurteilen
vermag,
und die Sehnsucht ist ein Erzeugnis
mangelhafter Erkenntnis.[…]”(S.550-
552)

152
Fragment N: Tadzio lächelt Aschenbach an bzw. das sinnlichere Leben öffnet ihm die Fragmento N: (Pag. 96-98)
Tür, da Aschenbach die Selbstkontrolle verliert.(S.552-554)

„[...]Irgend eine Beziehung und “[...]Entre Aschenbach y Tadrio tenía


Bekanntschaft mußte sich notwendig que haber, necesariamente, cierta
ausbilden zwischen Aschenbach und relación y conocimiento,
dem jungen Tadzio, und mit de tal manera que el hombre maduro
durchdringender Freude konnte der pudo observar gozosamente
Ältere feststellen, que su simpatía y su atención no
daß Teilnahme und Aufmerksamkeit dejaban de ser en cierta forma
nicht völlig unerwidert blieben. correspondidas. ¿Qué había sido, por
Was bewog zum Beispiel den Schönen, ejemplo,
niemals mehr, lo que movió al muchacho a no entrar
wenn er morgens am Strande erschien, por la mañana, al llegar a la playa, por
den Brettersteg an der Rückseite der detrás de las casetas, sino a pasar por
Hütten zu benutzen, sondern nur noch delante,
auf dem vorderen Wege, durch den cerca de donde estaba Aschenbach,
Sand, an Aschenbachs Wohnplatz y en ocasiones rozando casi su mesa, su
vorbei und manchmal unnötig dicht an silla, para dirigirse a la caseta de los
ihm vorbei, seinen Tisch, seinen Stuhl suyos?
fast streifend, zur Hütte der Seinen zu
schlendern? Wirkte so die Anziehung, ¿Es que la fuerza atractiva, la fascinación
die Faszination eines überlegenen de un sentimiento superior, obraba sobre
Gefühls auf seinen zarten und su ánimo delicado e irreflexivo?
gedankenlosen Gegenstand? Aschenbach esperaba cotidianamente la
Aschenbach erwartete täglich Tadzios aparición de Tadrio; a veces fingía estar
Auftreten, und zuweilen tat er, als sei er ocupado al divisarle y dejaba que pasase
beschäftigt, ante él, aparentemente inobservado; pero
wenn es sich vollzog, otras, veces levantaba la vista y sus

153
und ließ den Schönen scheinbar miradas se encontraban. Ambos
unbeachtet vorübergehen. Zuweilen aber permanecían en tal caso profundamente
auch blickte er auf, und ihre Blicke serios. En el digno rostro del hombre
trafen sich. Sie waren beide tief ernst, maduro nada indicaba la conmoción
wenn das geschah. interior; pero en los ojos de Tadrio
In der gebildeten und würdevollen brillaba una curiosidad, una
Miene des Älteren verriet nichts eine interrogación pensativa; su paso
innere Bewegung; aber in Tadzios vacilaba; bajaba la vista, volvía a
Augen war ein Forschen, ein alzarla graciosamente, y cuando ya
nachdenkliches Fragen, in seinen Gang estaba lejos, algo en su actitud indicaba
kam ein Zögern, er blickte zu Boden, er que sólo la urbanidad le impedía
blickte lieblich wieder auf, volverse.
und wenn er vorüber war,
Sin embargo, una tarde las cosas
so schien ein Etwas in seiner Haltung
ocurrieron de otra manera.
auszudrücken,
Los hermanos polacos y su institutriz no
daß nur Erziehung ihn hinderte, sich
estaban en el comedor, y Aschenbach lo
umzuwenden.
había observado con pena.
Einmal jedoch, eines Abends, begab es
Después de cenar, muy inquieto por tal
sich anders.
ausencia, salió del hotel a pasear por
Die polnischen Geschwister hatten nebst
cerca de la terraza, cuando de pronto, a
ihrer Gouvernante bei der
la luz de los faroles, vio aparecer a las
Hauptmahlzeit im großen Saale gefehlt,
cuatro hermanas con su atavío monjil, a
- mit Besorgnis hatte Aschenbach es
la institutriz y a Tadrio, éste unos pasos
wahrgenommen.
detrás.
Er erging sich nach Tische, sehr
Sin duda, volvían del desembarcadero, y
unruhig über ihren Verbleib, in
habíanse quedado a cenar, por algún
Abendanzug und Strohhut vor dem
motivo, en la ciudad. En el mar hacía
Hotel, zu Füßen der Terrasse,
fresco; Tadrio llevaba una casaca de
als er plötzlich die nonnenähnlichen marinero, con botones dorados, y su
Schwestern mit der Erzieherin und vier gorra correspondiente. El sol y el aire
154
Schritte hinter ihnen Tadzio im Lichte marino no habían tostado su tez, que
der Bogenlampen auftauchen sah. conservaba su amarillo marmóreo de
Offenbar kamen sie von der siempre, pero en aquel instante parecía
Dampferbrücke, más pálido que de ordinario, quizás a
nachdem sie aus irgendeinem Grunde in consecuencia del fresco, o por el
der Stadt gespeist. Auf dem Wasser war resplandor de los faroles. Sus cejas,
es wohl kühl gewesen; armónicas, aparecían delineadas más
Tadzio trug eine dunkelblaue escuetamente, y sus ojos eran muy
Seemanns-Überjacke mit goldenen oscuros. Era aquello de una indecible
Knöpfen und auf dem Kopf eine belleza,
zugehörige Mütze. Sonne und Seeluft y Aschenbach sintió el dolor, tantas
verbrannten ihn nicht, veces experimentado,
seine Hautfarbe war marmorhaft de que la palabra fuera capaz sólo de
gelblich geblieben wie zu Beginn; ensalzar la belleza sensible, pero no de
doch schien er blässer heute als sonst, reproducirla. Como no esperaba la
sei es infolge der Kühle oder durch den amable aparición,
bleichenden Mondschein der Lampen.
como le sorprendió descuidado, no
Seine ebenmäßigen Brauen zeichneten
tuvo tiempo de componer tranquila y
sich schärfer ab, seine Augen dunkelten
dignamente la expresión de su rostro. De
tief. Er war schöner, als es sich sagen
esta manera, cuando su mirada tropezó
läßt, und Aschenbach empfand wie
con la del muchacho, debieron de
schon oftmals mit Schmerzen,
expresarse abiertamente en ella la
daß das Wort die sinnliche Schönheit
alegría, la sorpresa, la admiración. En
nur zu preisen, nicht wiederzugeben
aquel instante fue cuando Tadrio le
vermag. Er war der teuren Erscheinung
sonrió. Le sonrió expresiva, confiada y
nicht gewärtig gewesen,
acogedoramente, con labios
sie kam unverhofft,
que se abrían lentamente a la alegría.
er hatte nicht Zeit gehabt, seine Miene
[…]”( Pag.96-98)
zu Ruhe und Würde zu befestigen.

155
Freude, Überraschung, Bewunderung
mochten sich offen darin malen,
als sein Blick dem des Vermißten
begegnete,
-und in dieser Sekunde geschah es,
daß Tadzio lächelte: ihn anlächelte,
sprechend, vertraut, liebreizend und
unverhohlen, mit Lippen, die sich im
Lächeln erst langsam öffneten.[…]”
(S.552-554)

156
Fragment O: Aschenbach begnügt sich nicht mehr damit, Tadzio nur anzuschauen. Fragmento O: (Pag.103-105)
Deswegen begibt sich er nun auf die Spuren Tadzios und dieser erwidert ihm darauf.
(S.557-558)

„[...]Neuerdings begnügte er „[...]Neuerdings begnügte er sich nicht


sich nicht damit, Nähe und Anblick des damit, Nähe und Anblick des schönen
schönen der Tagesregel und dem Glücke der Tagesregel und dem Glücke zu
zu danken; er verfolgte ihn, er stellte danken; er verfolgte ihn, er stellte ihm
ihm nach. Sonntags zum Beispiel nach.[...]”(S.557). (Diese Textstelle
erschienen die Polen niemals am wurde nicht ins Spanische übersetzt).
Strande; er erriet, Los domingos, los polacos nunca iban a
daß sie die Messe in San Marco la playa;
besuchten, Adivinó
er eilte dorthin, und aus der Glut des que iban a oír misa en San Marcos;
Platzes in die goldene Dämmerung des fue allá él también, y entrando desde la
Heiligtums eintretend, fand er den plaza ardiente en la penumbra dorada
Entbehrten, über ein Betpult gebeugt del templo, halló al muchacho oyendo
beim Gottesdienst. Dann stand er im misa arrodillado en un reclinatorio. Se
Hintergrunde, auf zerklüftetem quedó en pie, atrás, sobre el mosaico, en
Mosaikboden, inmitten knieenden, medio de las gentes humildes
murmelnden, kreuzschlagenden Volkes, arrodilladas
und die gedrungene Pracht des que murmuraban plegarias y se
morgenländischen Tempels lastete santiguaban. La pompa armoniosa del
üppig auf seinen Sinnen. Vorn templo oriental posaba espléndida sobre
wandelte, hantierte und sang der sus sentidos. Ante el altar se movía,
schwergeschmückte Priester, Weihrauch rezaba y cantaba el sacerdote; flotaba
quoll auf, er umnebelte die kraftlosen el incienso, envolviendo en su niebla las
Flämmchen der Altarkerzen, und in den débiles luces, y al olor del humo del
dumpfsüßen Opferduft schien sich leise sacrificio, parecía mezclarse

157
ein anderer zu mischen: der Geruch der subrepticiamente otro olor, el de la
erkrankten Stadt. ciudad enferma. Entre el incienso y el
Aber durch Dunst und Gefunkel sah brillo de las luces, Aschenbach veía al
Aschenbach, muchacho, que lo miraba. Cuando,
wie der Schöne dort vorn den Kopf poco después, la multitud salía por las
wandte, ihn suchte und ihn erblickte. amplias puertas a la plaza
Wenn dann die Menge durch die resplandeciente, llena de palomas,
geöffneten Portale hinausströmte auf
Aschenbach se quedó en el pórtico,
den leuchtenden, von Tauben
escondido, al acecho. Desde allí vio
wimmelnden Platz,
que los polacos salían de la iglesia, que
verbarg sich der Betörte in der
las muchachas se despedían
Vorhalle, er versteckte sich, er legte
ceremoniosamente de su madre, y que
sich auf die Lauer. Er sah die Polen die
ésta se dirigía a casa por la Piazzeta;
Kirche verlassen, sah,
wie die Geschwister sich auf esperó
zeremoniöse Art von der Mutter que el muchacho, las monjiles hermanas
verabschiedeten und wie diese sich y la institutriz tomaran la derecha,
heimkehrend zur Piazzetta wandte; pasando por la puerta de la torre del
er stellte fest, reloj, y, penetrando en la Mercería, dejó
daß der Schöne, die klösterlichen que le tomasen alguna delantera; luego
Schwestern und die Gouvernante den los siguió disimuladamente en su paseo
Weg zur Rechten durch das Tor des por Venecia.
Uhrturmes und in die Merceria Tenía que pararse cuando se detenían;
einschlugen, und nachdem er sie tenía que guarecerse en un portal o en un
einigen Vorsprung hatte gewinnen patio cuando ellos daban de pronto la
lassen, vuelta, para dejarlos pasar. Los perdía,
folgte er ihnen, folgte ihnen verstohlen los buscaba, cansado y acalorado, por
auf ihrem Spaziergang durch Venedig. puentes y sucios callejones, y soportaba
Er mußte stehen bleiben, minutos de angustia mortal cuando, de
wenn sie sich verweilten, pronto, aparecían en algún pasaje

158
mußte in Garküchen und Höfe flüchten, estrecho donde no había modo de
um die Umkehrenden vorüber zu lassen; apartarse.
er verlor sie, suchte erhitzt und
Sin embargo, no puede decirse
erschöpft nach ihnen über Brücken und
que sufriese.[…]”(Pag.103-105)
in schmutzigen Sackgassen und
erduldete Minuten tödlicher Pein,
wenn er sie plötzlich in enger Passage,
wo kein Ausweichen möglich war, sich
entgegenkommen sah.
Dennoch kann man nicht sagen,
daß er litt.[…]”(S.557-558)

159
Fragment P: Die ersten Anzeichen des Todes beginnen aufzutreten. (S.578) Fragmento P: (Pag.133)

„[...]Lauwarmer Sturmwind war “[...]Soplaba viento cálido, de tormenta.


aufgekommen; Llovía rara vez y en escasa cantidad,
es regnete selten und spärlich, aber die pero el aire era húmedo, pesado y lleno
Luft war feucht, dick und von de olores putrefactos. El viento silbaba,
Fäulnisdünsten erfüllt. Flattern, azotaba, rugía. Aschenbach, febril, bajo
Klatschen und Sausen umgab das Gehör, su pintura, llegaba a creer que andaban
und dem unter der Schminke Fiebernden por el espacio espíritus maléficos del
schienen Windgeister üblen Geschlechts viento, aves de mal agüero que venían
im Raume ihr Wesen zu treiben, del mar, que revolvían en su comida y la
unholdes Gevögel des Meeres, llenaban de excrementos. Porque con el
das des Verurteilten Mahl zerwühlt, bochorno se le había ido el apetito, y
zernagt und mit Unrat schändet. tenía la impresión de que los alimentos
Denn die Schwüle wehrte der Eßlust, estaban envenenados con sustancias
und die Vorstellung drängte sich auf, contagiosas.[…]”(Pag.133)
daß die Speisen mit Ansteckungsstoffen
vergiftet seien.[…]”(S.578)

160
Fragment Q: Tadzio versichert mit einem Blick die Gefolgschaft Aschenbachs. Fragmento Q: (Pag.133-134)
(S.578-579)

„[...]Auf den Spuren des Schönen hatte “[...]Una tarde, Aschenbach se había
Aschenbach sich eines Nachmittags in hundido en el laberinto de callejuelas de
das innere Gewirr der kranken Stadt la ciudad enferma. Su estado febril le
vertieft. Mit versagendem Ortssinn, da hacía caminar desorientado. Las
die Gäßchen, Gewässer, Brücken und callejas, los canales, fuentes y plazuelas
Plätzchen des Labyrinthes zu sehr del laberinto se parecían demasiado
einander gleichen, unas a otras. Por eso procuraba no
auch der Himmelsgegenden nicht mehr despistarse y se veía obligado a
sicher, war er durchaus darauf bedacht, esconderse de un modo lamentable,
das sehnlich verfolgte Bild nicht aus den oprimiéndose contra un muro, buscando
Augen zu verlieren, und zu protección tras algún transeúnte que le
schmählicher Behutsamkeit genötigt, an precedía, perdida ya la conciencia del
Mauern gedrückt, hinter dem Rücken cansancio y agotamiento en que habían
Vorangehender Schutz suchend, ward sumido a su espíritu y su cuerpo su
er sich lange nicht der Müdigkeit, der excitación sentimental y la perpetua
Erschöpfung bewußt, ansiedad en que vivía. Tadrio iba detrás
welche Gefühl und immerwährende de los suyos; en sitios estrechos solía
Spannung seinem Körper, seinem Geiste dejar paso a la institutriz y a sus
zugefügt hatten. hermanas, y caminando solo, volvía de
Tadzio ging hinter den Seinen, er ließ cuando en cuando la cabeza para
der Pflegerin und den nonnenähnlichen asegurarse con una mirada de sus
Schwestern in der Enge gewöhnlich den singulares ojos de ensueño de que
Vortritt, und einzeln schlendernd Aschenbach los seguía. Veíalo y no lo
wandte er zuweilen das Haupt, um sich denunciaba. Los polacos habían
über die Schulter hinweg der atravesado un puente ligeramente

161
Gefolgschaft seines Liebhabers mit combado; la altura del arco los escondía
einem Blick seiner eigentümlich a los ojos de su perseguidor,
dämmergrauen Augen zu versichern. Er
de tal manera que cuando éste llegó
sah ihn, und er verriet ihn nicht.
arriba,
Berauscht von dieser Erkenntnis, von
ellos habían desaparecido.
diesen Augen vorwärts gelockt, am
Los buscó vanamente en tres
Narrenseile geleitet von der Passion,
direcciones, caminó adelante y a ambos
stahl der Verliebte sich seiner
lados del muelle angosto y sucio. El
unziemlichen Hoffnung nach - und sah
cansancio y el desfallecimiento lo
sich schließlich dennoch um ihren
obligaron a suspender sus pesquisas.
Anblick betrogen.
Die Polen hatten eine kurz gewölbte Su cabeza ardía, su cuerpo estaba
Brücke überschritten, cubierto de una transpiración pegajosa, le
die Höhe des Bogens verbarg sie dem temblaban las piernas, le atormentaba
Nachfolgenden, und seinerseits una sed insaciable,
hinaufgelangt, entdeckte er sie nicht
mehr. Er forschte nach ihnen in drei y se puso a buscar un refrigerio
Richtungen, geradeaus und nach beiden momentáneo.[…]”(Pag.133-134)
Seiten den schmalen und schmutzigen
Quai entlang, vergebens. Entnervung,
Hinfälligkeit nötigten ihn endlich, vom
Suchen abzulassen. Sein Kopf brannte,
sein Körper war mit klebrigem Schweiß
bedeckt, sein Genick zitterte, ein nicht
mehr erträglicher Durst peinigte ihn, er
sah sich nach irgendwelcher, nach
augenblicklicher Labung um.[…]”
(S.578-579)

162
Fragment R: Aschenbach befindet sich innerlich und körperlich in einer Sackgasse. Fragmento R: (Pag.138-139)
Er weiß nicht, ob es entweder mit der äußeren Welt oder mit sich selbst zu tun hat.
(S.581-582)

„[...]Einige Tage später verließ Gustav “[...]Algunos días después, Gustavo von
von Aschenbach, Aschenbach, que se sentía mal,
da er sich leidend fühlte, salió del hotel por la mañana más tarde
das Bäder-Hotel zu späterer de lo acostumbrado.
Morgenstunde als gewöhnlich. Er hatte Tenía que luchar con vértigos, sólo a
mit gewissen, nur halb körperlichen medias corporales, acompañados de
Schwindelanfällen zu cierto terror violento, de cierto
kämpfen, sentimiento de encontrarse sin salida y
die von einer heftig aufsteigenden Angst sin esperanza, y que no sabía
und Ratlosigkeit begleitet waren, einem claramente si se referían al mundo
Gefühl der Ausweg- und exterior o a su propia existencia.
Aussichtslosigkeit, von dem nicht klar En el vestíbulo vio una gran cantidad de
wurde, ob es sich auf die äußere Welt equipaje dispuesto para el transporte.
oder auf seine eigene Existenz bezog. Preguntó a un portero
In der Halle bemerkte er eine große quiénes eran los viajeros
Menge zum Transport bereitliegenden y le respondieron que era la familia polaca por quien él se
Gepäcks, fragte einen Türhüter, interesaba.
wer es sei, der reise, Oyó la noticia,
und erhielt zur Antwort den polnischen sin que los desfallecidos rasgos de su
Adelsnamen, rostro se contrajesen, con aquella ligera
dessen er insgeheim gewärtig gewesen inclinación de cabeza con que uno se
war. entera distraídamente de algo que no le
Er empfing ihn, ohne daß seine verfallenen Gesichtszüge interesa,
sich verändert hätten, mit jener kurzen y preguntó: «¿Cuándo?» Le
Hebung des Kopfes, mit der man etwas, respondieron: «Después de comer.»

163
was man nicht zu wissen brauchte, Dio las gracias y se fue hacia el mar.
beiläufig zur Kenntnis nimmt, […]”(Pag.138-139)
und fragte noch: »Wann?« Man
antwortete ihm: »Nach dem Lunch.« Er
nickte und ging zum Meere.[…]”
(S.581-582)

164
Fragment S: Die Schatten fallen über das ganze Venedig, Fragmento S: (Pag.139)
und bald über Aschenbachs Existenz. (S.581-582)

„[...]Es war unwirtlich dort. Über das “[...]La playa presentaba un aspecto
weite, flache Gewässer, desagradable. Sobre la ancha y plana
. das den Strand von der ersten superficie de agua que separaba la
gestreckten Sandbank trennte, playa del primer banco de arena, se
liefen kräuselnde Schauer von vorn nach rizaban estremecidas y tenues olas que
hinten. Herbstlichkeit, Überlebtheit corrían de delante hacia atrás. Otoño y
schien über dem einst so farbig decadencia parecían abrumar al
belebten, nun fast verlassenen Lustorte balneario días antes animado por tanta
zu liegen, profusión de colores, y en aquel instante
dessen Sand nicht mehr reinlich ya casi abandonado, tanto que ni
gehalten wurde. siquiera la arena estaba limpia.
Ein photographischer Apparat, scheinbar Un aparato fotográfico, cuyo dueño no
herrenlos, stand auf seinem apareció por ningún sitio,
dreibeinigen Stativ am Rande der See, descansaba junto al mar sobre su
und ein schwarzes Tuch, darüber trípode, y el paño negro que habían
gebreitet, flatterte klatschend im echado sobre él flotaba al viento.
kälteren Winde. Tadzio, mit drei oder Tadrio, junto con los tres o cuatro
vier Gespielen, compañeros de juego que le habían
die ihm geblieben waren, quedado, corría a la derecha de su
bewegte sich zur Rechten vor der Hütte caseta;
der Seinen, und, eine Decke über den luego se puso a descansar en su silla de
Knieen, etwa in der Mitte zwischen dem tijera, a mitad de camino entre el mar y
Meer und der Reihe der Strandhütten in la hilera de casetas, con una manta sobre
seinem Liegestuhl ruhend, sah las piernas.
Aschenbach ihm noch einmal zu[…]” Aschenbach lo contemplaba por última
(S.581- 582) vez.[…]”(Pag.139)

165
Fragment T: Aschenbach stirbt, wodurch er zum Ursprung Fragmento T: (Pag.141-142)
des Lebens zurück kehrt. (S.583-584)

„[...]Tadzio ging schräg hinunter zum “[...]Tadrio se dirigió en diagonal hacia


Wasser. Er war barfuß und trug seinen el mar.
gestreiften Leinenanzug mit roter Iba descalzo y vestía su traje listado con
Schleife. Am Rande der Flut verweilte una cinta roja.
er sich, gesenkten Hauptes mit einer Deteniéndose al borde del agua, con la
Fußspitze Figuren im feuchten Sande cabeza baja, empezó a dibujar en la
zeichnend, und ging dann in die seichte arena húmeda con la punta del pie;
Vorsee, luego entró en el agua,
die an ihrer tiefsten Stelle noch nicht que en su mayor profundidad no le
seine Knie benetzte, llegaba ni a la rodilla,
durchschritt sie, lässig vordringend, la atravesó dudando, descuidadamente,
und gelangte zur Sandbank. Dort stand y dejó el banco de arena. Allí se detuvo
er einen Augenblick, das Gesicht der un momento, con el rostro vuelto hacia
Weite zugekehrt, und begann hierauf, la anchura del mar, luego empezó a
die lange und schmale Strecke caminar lentamente, por la larga y
entblößten Grundes nach links hin angosta lengua de tierra, hacia la
langsam abzuschreiten. Vom Festlande izquierda.
geschieden durch breite Wasser, Separado de la tierra por el agua,
geschieden von den Genossen durch separado de los compañeros por un
stolze Laune, wandelte er, eine höchst movimiento de altanería, su figura se
abgesonderte und verbindungslose deslizaba aislada y solitaria, con el
Erscheinung, mit flatterndem Haar dort cabello flotante, allá por el mar, a través
draußen im Meere, im Winde, vorm del viento, hacia la neblina infinita.
Nebelhaft-Grenzenlosen. Abermals Otra vez se detuvo para contemplar el
blieb er zur Ausschau stehen. Und mar.
plötzlich, wie unter einer Erinnerung,

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einem Impuls, wandte er den De pronto, como si lo impulsara un
Oberkörper, eine Hand in der Hüfte, in recuerdo,
schöner Drehung aus seiner bruscamente, hizo girar el busto y miró
Grundpositur und blickte über die hacia la orilla por encima del hombro.
Schulter zum Ufer. Der Schauende dort El contemplador estaba allí, sentado en
saß, el mismo sitio donde por primera vez la
wie er einst gesessen, als zuerst, von mirada de aquellos ojos de ensueño se
jener Schwelle zurückgesandt, dieser había cruzado con la suya. Su cabeza,
dämmergraue Blick dem seinen apoyada en el respaldo de la silla, seguía
begegnet war. ansiosamente los movimientos del
ein Haupt war an der Lehne des Stuhles caminante.
langsam der Bewegung des draußen En un instante dado se levantó para
Schreitenden gefolgt; nun hob es sich, encontrar la mirada, pero cayó de
gleichsam dem Blicke entgegen, und bruces,
sank auf die Brust, , de modo que sus ojos tenían que mirar de abajo
so daß seine Augen von unten sahen, arriba, mientras su rostro tomaba la expresión
cansada, dulcemente desfallecida, de un
indes sein Antlitz den schlaffen, innig
adormecimiento profundo. Sin embargo, le
versunkenen Ausdruck tiefen parecía que, desde lejos, el pálido y amable
Schlummers zeigte. mancebo le sonreía y le saludaba. als ob er, die
Ihm war aber, Hand aus der Hüfte lösend, hinausdeute,
als ob der bleiche und liebliche Psychagog dort voranschwebe ins Verheißungsvoll-
draußen ihm lächle, ihm winke; als ob er, die Ungeheure.[…]”(Pag.141-142)
Hand aus der Hüfte lösend, hinausdeute,
„[...]Und, wie so oft, machte er sich
voranschwebe ins Verheißungsvoll-Ungeheure.
Und, wie so oft, machte er sich auf, auf, ihm zufolgen.[...]”(S.584). (Diese
ihm zu folgen. Minuten vergingen Textstelle wurde nicht ins Spanische
bis man dem seitlich im Stuhle Hinabgesunkenen übersetzt). “[…]Pasaron unos minutos
zur Hilfe eilte. antes de que acudieran en su auxilio;
Man brachte ihn auf sein Zimmer. Und noch había caído a un lado de su silla.[…]”
desselben Tages empfing eine respektvoll (Pag.141-142)
erschütterte Welt die Nachricht von seinem
Tode.[…]” (S.583-584)

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