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Montag, 09.05.2011

Neues Forum wähnte Stasi von Beginn an dabei

Günther Bormann stellt Buch über Wende vor

Glauchau. Ein Stasi-Spitzel wäre beinahe Sprecher des Neuen Forums in Glauchau geworden. Als sich die Gruppierung im Herbst 1989 formierte, war nach den Worten von Günther Bormann ein Stasimann von Anfang an dabei. "Er wollte sogar Sprecher werden. Um das zu verhindern, habe ich mich dazu bereiterklärt", sagt Bormann. Der Glauchauer hat ein Buch über die friedliche Revolution in der Stadt geschrieben und im Lesesaal der Bibliothek aus dem Nähkästchen geplaudert.

Es sei damals stadtbekannt gewesen, dass der betreffende Mann bei der Stasi war. Dennoch hatten laut Bormann die Gründungsmitglieder des Neuen Forums keine Angst. "Wir befanden uns auf dem Boden der Verfassung der DDR", sagt Bormann. Und die Verfassung habe durchaus Grundrechte wie Meinungs- oder Versammlungsfreiheit eingeräumt - wenn auch nur im Sinne der DDR- Gesellschaft.

Montag, 09.05.2011 Neues Forum wähnte Stas i von Beginn an dabei Günther Bormann stellt Buch über

Autor Günther Bormann.

Foto: Uwe Meyer/Archiv

Dies ist nur eine von vielen Episoden, die sich um die Ereignisse im Herbst 1989 in Glauchau ranken. Mit seinem Buch hat er erstmals eine zusammenhängende Darstellung der Ereignisse in Glauchau vorgelegt. Buchhändler Gerd Lehmann spricht von einem gutem Absatz der Schrift. Das Fazit von Bormanns Recherchen: Die Stadt Glauchau gehörte neben Plauen, Leipzig und Berlin zu den ersten Städten in der DDR, in denen die Bürger spontan auf die Straße gingen. Das war am 11. Oktober, ganze zwei Tage nach der legendären Großdemo in Leipzig. Bereits fünf Tage später gab es den ersten Dialog zwischen demonstrierenden Glauchauern und des Staatsapparates in Person des Bürgermeisters. "Da haben andere Städte noch geschlafen", sagt Bormann. Dennoch: Losgelöst von den zentralen Ereignissen in der DDR ging die Wende in Glauchau auch nicht vonstatten.

Für bedeutsam hält Bormann die Rolle der Kirche. Der damalige Pfarrer Christian Mendt lud am 11. Oktober unter dem Titel "Bleiben oder Gehen" in die Lutherkirche ein. Danach formierte sich der erste Demonstrationszug. Helmut Böhme, damals Superintendent und Organisator der Fürbittgebete in der St. Georgenkirche, stellte Bormann seine persönlichen Aufzeichnungen zur Verfügung. Eine sehr interessante Quelle waren die Stasi-Akten. So wusste die Staatssicherheit bereits im Juli, das Pfarrer Mendt einen Abend über die aktuelle Situation plante. Die Berichte über diese und die meisten anderen Veranstaltungen seien recht objektiv gewesen.

Doch längst nicht alle Wende-Ereignisse sind aufgearbeitet. Dazu gehören die Zusammenkünfte am Glauchauer Bahnhof, als die Züge mit Botschaftsflüchtlingen von Prag nach Hof in den ersten Oktobertagen durch das DDR- Territorium fuhren. Es gibt zwar einen kurzen Stasibericht darüber, aber das Dokument ist laut Bormann kaum noch lesbar.

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erschienen am 09.05.2011 ( Von Stefan Stolp )

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