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Universität Zürich - Philosophisches Seminar Arbeitsgruppe 6 - 16.04.2015 Universität Zürich - Philosophisches Seminar Arbeitsgruppe 6 - 16.04.

2015

Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung Abs. 15. - 20. Sinn und Bedeutung eines Satzes (Behauptungssatz / Aussagesatz)
Inhaltliche Struktur des Aufsatzes 15. Sinn und Bedeutung eines Satzes (Behauptungssatz bzw. Aussagesatz). Ein Behauptungssatz enthält
einen Gedanken. Ist dieser Gedanke Bedeutung oder Sinn des Satzes? Anhand einer Ersetzungsprobe
Abs. 1. - 14. Fragestellung, der Begriffe Sinn und Bedeutung und was unter einem Eigennamen soll dies festgestellt werden.

und seiner Bedeutung zu verstehen ist Die Probe zeigt, dass das Ersetzen eines Wortes durch ein anderes mit derselben Bedeutung die
1. Ausgehend von der Frage, welche Art von Beziehung unter Gleichheit zu verstehen ist, wird die Bedeutung des Gedankens nicht verändert, wohl aber seinen Sinn (vgl. die beiden Sätze mit dem
Frage nach dem Erkenntnisgewinn aus folgenden zwei Identiätsaussagen gestellt:
 Morgenstern bzw. Abendstern). Für die Frage nach der Wahrheit oder Falschheit eines Satzes ist es

 erforderlich, bis zu seiner Bedeutung vorzudringen.
a = a und a = b

 17. These vom Wahrheitswert eines Satzes und Definition des Begriffs Wahrheitswert. Der Wahrheitswert
Diese beiden Gleichungen sind offenbar von verschiedenem Erkenntniswert. eines Satzes ist seine Bedeutung. Unter dem Begriff Wahrheitswert versteht man den Umstand, dass
2. Es wird festgelegt, was unter den Begriffen Bedeutung und Sinn eines Zeichens zu verstehen ist. ein Satz wahr oder falsch ist. Da ein Wahrheitswert entweder wahr oder falsch sein kann, können
dieses Wahrsein (das Wahre) und Falschsein (das Falsche) als (logische?) Gegenstände verstanden
3. Bestimmung von Eigennamen; Bedeutung eines Eigennamens. Unter der Bedeutung eines Eigennamens wird
werden. Wird nun die Bedeutung eines Satzes als Eigennamen aufgefasst, so kann diesem entweder das
ein bestimmter Gegenstand verstanden. Es handelt sich dabei um ein Repräsentationsverhältnis.
Wahre oder das Falsche zugesprochen werden (Prädikation).
Ein Eigennamen kann aus mehreren Worten oder Zeichen bestehen.
18. Verhältnis von Gedanke zu Wahrheit. Es wird die Frage gestellt, ob das Verhältnis von Gedanke zu
4. Was unter dem Sinn eines Eigennamens zu verstehen ist. Der Sinn eines Eigennamens umfasst all jenes,
Wahrheit jenem von Subjekt zum Prädikat vergleichbar ist. Dies wird von Frege verworfen: Das
was Bezeichnungen - und damit Eigennamen - umfassen können. Wie in den Abs. 1 - 2 ausgeführt
Subjekt-Prädikat-Verhältnis ist ein auf derselben Stufe der Erkenntnis stehendes, während das
wird, ist unter Sinn die Art des Gegenbenseins eines Bezeichneten zu verstehen.
Verhältnis von Gedanke und Wahrheit unterschiedliche Ebenen verbindet. Ein Wahrheitswert ist
5. Regelhafte Beziehung von Zeichen - Sinn - Bedeutung. Einem Zeichen kommt ein bestimmter Sinn ein Gegenstand (vgl. Abs. 17) und kann als solcher nicht Teil eines Gedankens sein.
zu und dem Sinn wiederum eine bestimmte Bedeutung. Eine Bedeutung kann durch verschiedene
19. Die These, dass der Wahrheitswert eines Satzes dessen Bedeutung ist, wird anhand eines Leibniz-Zitats
Zeichen bezeichnet werden. Aber auch einem Sinn können verschiedene Ausdrücke zukommen. Der
und mit Hinweise auf die Ersatzprobe bestätigt.
Kontext, in welchem ein bestimmter Ausdruck vorkommt, ist für den Sinn relevant, der mit jenem
Ausdruck verknüpft ist. Einer Bedeutung entspricht demnach mindestens einem Zeichen/Ausdruck 20. Erkenntnisgewinn als Kombination aus Sinn und Bedeutung. Auf Grund der Annahme, dass der
und damit auch mindestens einemSinn; aber nicht jeder Sinn hat auch eine Bedeutung. Wahrheitswert eines Satzes dessen Bedeutung ist, folgt der Schluss, dass es nur zwei Arten von
Sätzen gibt: wahre und falsche. Weil damit aber alles Einzelnen in den Sätzen verwischt, wird
6. (und Abs. 7.) Gebrauch von Worten (Gewöhnliche Bedeutung/Gewöhnlicher Gebrauch von
deutlich, dass es in der Frage nach der Erkenntnis nicht nur auf die Bedeutung eines Satzes
Worten). Wenn Wort gewöhnlich verwendet werden („gewöhnliche Bedeutung“), so verweisen sie auf
ankommt, sondern auch auf dessen Sinn.
ihre Bedeutung. Sie verweisen also auf jene Gegenstände, von denen man spricht bzw. sprechen will.
Will man von den Worten eo ipso reden oder wird auf die Rede eines anderen verwiesen (Zitat), so Abs. 21. - 51. Untersuchungen zu den Nebensätzen innerhalb eines Satzgefüges
dürfen diese Rede/Worte nicht in ihrer gewöhnlichen Bedeutung verstanden werden.

21. Ausweitung des zu ersetzenden Teils eines Satzes auf die Dimension eines Satzes.
Frege unterscheidet:

1. Worte werden gewöhnlich verwendet: Sie haben ihre gewöhnliche Bedeutung.
 22. Einleitende Bemerkungen zur Untersuchung der Nebensätze. Ein Satzgefüge ist logisch gesehen
2. Worte werden verwendet, um von den Worten selbst (Metasprache - Objektsprache) zu ein einzelner Hauptsatz (Behauptungssatz/Aussagesatz). Es wird untersucht, inwiefern die
sprechen, oder die Rede eines anderen wiederzugeben (Zitat, d. h. diese Worte müssen in Bedeutung eines Nebensatzes wahrheitsrelevant ist. Dabei wird eine erste These aufgestellt, dass im
Anführungszeichen gesetzt werden). Werden Wort in dieser Art verwendet, so verlieren sie ihre Sinn eines Nebensatzes nur ein Teilgedanke enthalten ist. Frege fragt an dieser Stelle, ob also solche
gewöhnliche Bedeutung. Nebensätze (Arten von Nebensätzen) durch ein in ihrer Bedeutung äquivalentes/r Wort/
Ausdruck/Satzteil ersetzt werden könnten.
8. (bis Abs. 12.) Unterscheidung von Sinn und Bedeutung zu Vorstellung und Anschauung. Diese
Ausführungen dienen dazu, die kantischen Begriffe Vorstellung und Anschauung von den fregischen 23. (bis Abs. 30.) Nebensätze mit ungerader Bedeutung ohne Wahrheitswert. Es werden in der Folge
Sinn und Bedeutung abzugrenzen und damit etwaigen Verwechslungen vorzubeugen. Nebensätze untersucht, die ihre Worte in ungerader Bedeutung (das entspricht ihrem gewöhnlichen Sinn)
haben. Es handelt sich um Nebensätze, deren Bedeutung und/oder Sinn ein Gedanke bzw.
13. Festlegung einer Arbeitsterminologie für den weiteren Verlauf der Untersuchung. Unter Eigennamen
Teilgedanke ist. In dieser Art von Nebensätzen ist kein Wahrheitswert vorhanden.
wird ein Wort, Zeichen, Zeichenverbindung oder Ausdruck verstanden. In ihm wird ein Sinn
ausgedrückt und er bedeutet/bezeichnet seine Bedeutung (Referenz auf einen Gegenstand). 31. (bis Abs. 41.) Nebensätze mit gewöhnlicher Bedeutung ohne Wahrheitswert. In diesem Teil der
Untersuchung werden Nebensätze angeschaut, bei denen die Worte in ihrer gewöhnlichen Bedeutung
14. Replik gegen Einwände von idealistischer und skeptischer Seite.

verwendet werden. Es ist jedoch in ihrem Sinn kein vollständiger Gedanken und somit als Bedeutung
auch kein Wahrheitswert enthalten. Der in diesen Nebensätzen enthaltene Sinn kann nicht als

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vollständiger Hauptsatz wiedergegeben werden, weil ein selbständige Subjekt fehlt (vgl. letzter Satz
Abs. 36).
42. (bis Abs. 44.) Nebensätze mit gewöhnlicher Bedeutung und Wahrheitswert. In diesem Teil der
Untersuchung werden Nebensätze angeschaut, in denen als Sinn ein vollständiger Gedanke und als
Bedeutung ein Wahrheitswert enthalten ist.
45. Zwischenfazit der unter Abs. 22. - 44. untersuchten Nebensätze. Nebensätze haben in der Regel als
Sinn keinen (vollständigen) Gedanken und damit als Bedeutung keinen Wahrheitswert. Dies hängt
damit zusammen, dass die in den Nebensätzen verwendeten Worte in einer ungeraden Weise
verwendet werden. Die Bedeutung in diesen Nebensätzen ist ein Gedanke. Es fehlt somit die
wahrheitsrelevante Referenz zu einem Gegenstand.
46. (bis Abs. 51.) Ausnahmefälle der unter Abs. 42. - 44. untersuchten Nebensätze. Hier werden
Ausnahmefälle untersucht, in denen im Nebensatz zwar ein vollständiger Gedanke enthalten ist,
der aber dennoch nicht ersetzt werden kann, ohne dass dabei der Wahrheitswert des ganzen Satzes
verändert wird.
Abs. 52. - 55. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen