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Das Zweites Halbjahr 2018

politische Buch
im Gespräch
Im Rahmen des aktuellen Programms unserer langjährigen
Reihe „Das politische Buch im Gespräch“ präsentieren wir
im 2. Halbjahr 30 Neuerscheinungen auf dem politischen
Buchmarkt in insgesamt 45 Veranstaltungen in allen Regio­
nen Thüringens.
Das breite Themenspektrum widerspiegelt unseren weit
gefassten Begriff von politscher Bildung. Gemäß dem
Selbstverständnis der Landeszentrale für politische Bil­
dung repräsentieren die von uns eingeladenen Autorin­
nen und Autoren unterschiedliche politische Positionen.
Mit unserer Lesereihe wollen wir Neuerscheinungen und
Autorinnen sowie Autoren vorstellen und zum Dialog bzw.
kontroversen Gespräch einladen.

fb.me/LandeszentraleThueringen

Ansprechpartner:
Leiter:
Franz-Josef Schlichting, 57 32 11 700
franz-josef.schlichting@tsk.thueringen.de
Referat 1, stellvertretender Leiter:
Peter Reif-Spirek, 57 32 11 710
peter.reif-spirek@tsk.thueringen.de
Referat 2:
Antonio Peter, 57 32 11 720
antonio.peter@tsk.thueringen.de
Referat 3:
Ursula Nirsberger, 57 32 11 730
ursula.nirsberger@tsk.thueringen.de
Referat 4:
Wieland Koch, 57 32 11 740
wieland.koch@tsk.thueringen.de

Landeszentrale für politische Bildung Thüringen


Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt
Telefon 0361-57 32 11 701
Fax 0361-57 32 11 702
www.lzt-thueringen.de
Das
politische Buch
im Gespräch
Zweites Halbjahr 2018
Harald Kirschner

CREDO. Kirche in der DDR

Harald Kirschner thematisiert in sei­


nem Bildband den Alltag und fest­
liche Höhepunkte beider Konfessi­
onen in der DDR der 1980er Jahre.
Traditionelle Feiern, Wallfahrten,
Jubiläen, Lutherjahr, Katholikentref­
fen, Gemeindeleben und gelebte
Ökumene bilden den inhaltlichen
Schwerpunkt. Sie dokumentieren
das facettenreiche religiöse Leben
in einem atheistischen und reli­
gionsfeindlichen Umfeld. Die Ein­
führung von Wolfgang Thierse über
die Situation und den Status der
Kirchen in 40 Jahren DDR sowie ein
Gesprächstext von Bernd Lindner sind dazu wertvolle Beiträge.
Harald Kirschner wird die Bilder präsentieren und dabei Entstehung
und Kontext erläutern.

Harald Kirschner, geb. 1944 in Reichenbach (Liberec/Tschechische


Republik) wuchs in Altentreptow/Mecklenburg-Vorpommern auf. Nach
der Fotografenlehre studierte er an der Hochschule für Grafik und
Buchkunst Leipzig und war bis 1981 als Aspirant und Hochschulleh­
rer dort tätig. Seither arbeitet er freischaffend als Fotograf mit den
Arbeitsschwerpunkten sozialdokumentarische Fotografie und Repor­
tage. Seine Fotografien waren und sind in zahlreichen Personal- und
Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. 2013 erschienen
im Mitteldeutschen Verlag der Bildband „Patina, Halle 1986 – 1990“
und 2015 der Bildband „Vom Heimischwerden, Leipzig-Grünau 1981
bis 1991“. Harald Kirschner lebt und arbeitet in Leipzig.

Dienstag, 28. August 2018, 20:00 Uhr


Jena, Katholisches Gemeindehaus, Wagnergasse 29

Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.

2
Bernd Lindner

NÄHE+DISTANZ. Bildende Kunst in der DDR

In der DDR sind 40 Jahre lang Gemäl­


de, Grafiken, Wandbilder und Plasti­
ken geschaffen worden. Im Auftrag
des Staates, der SED und deren Mas­
senorganisationen; vor allem aber
aus dem individuellen Antrieb der
Künstler, die sie umgebende Welt mit
ihren Mitteln abbilden, erklären und
hinterfragen zu wollen.
Nähe zum „Sozialismus in den Far­
ben der DDR“ stellte sich dabei mit
den Jahren immer seltener ein. Dafür
wuchs bei vielen Künstlern – deutlich
sichtbar – die Distanz in Form und
Inhalt. Der vom Staat vorgegebene
Stil des „Sozialistischen Realismus“
konnte sich nie wirklich durchsetzen.
Um dieses heterogene künstlerische
Erbe wie auch seine Schöpfer ist in den zurückliegenden zweieinhalb
Jahrzehnten intensiv diskutiert und gestritten worden. Anfangs wurde
mit Ausstellungen und Publikationen immer wieder versucht, sie pau­
schal als „Staatskunst“ und „Staatskünstler“ abzuwerten. Erst lang­
sam setzten sich differenziertere Sichten auf die bildende Kunst aus
der DDR durch.
Das Buch will einen Beitrag dazu liefern, diese Kunst in ihrer ganzen
Vielfalt wie auch Widersprüchlichkeit zu zeigen. Berichtet wird zu­
gleich über die große Resonanz, die viele Werke und Künstler bei den
Betrachtern in der DDR (und darüber hinaus) gefunden haben. In dem
reich bebilderten Band sind ausgewählte dieser Werke zu sehen, wie
auch künstlerische Arbeiten, die in der DDR neue Trends setzten.
Bernd Lindner, Prof. Dr., geboren in Lutherstadt Wittenberg 1952, ist
Kulturhistoriker und -soziologe. Seit Mitte der 1970er-Jahre beschäftigt
er sich mit der Kunst in der DDR. Von 1994 bis 2015 war er wissen­
schaftlicher Mitarbeiter am Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Dort
war er für den Aufbau der Kunst- und Fotografiesammlung zuständig
und als Ausstellungskurator tätig.

Donnerstag, 6. September 2018, 18:30 Uhr


Altenburg, Lindenau-Museum Altenburg, Gabelentzstr. 5
Montag, 15. Oktober 2018, 19:00 Uhr
Weimar, ACC Galerie, Burgplatz 1+2
Donnerstag, 25. Oktober 2018, 18:30 Uhr
Gera, Kunstsammlung Gera Orangerieplatz 1

Weitere Informationen gibt Referat 2.


3
Manfred Quiring

Putins russische Welt. Wie der Kreml Europa


spaltet

Der Russlandexperte Manfred Quiring


unterzieht das Regime Putin einer ra­
dikalen Kritik. Er untersucht die Struk­
turen des autokratischen Systems
und stellt die bisher kaum behandelte
Verquickung der russischen Eliten aus
Geheimdienst und Militär mit kriminel­
len Gruppen dar. Zugleich geht er auf
das Konzept der „russischen Welt“ ein
und beschreibt deren nationalistische
Vordenker. Quiring analysiert, wie der
Kreml versucht, Europa zu spalten, und
dabei Mittel der hybriden Kriegsführung
einsetzt, bis hin zu verdeckten Cyber­
attacken. Dabei bezieht er die Urteile
deutscher und internationaler Russlan­
dexperten ein.

Manfred Quiring, Jahrgang 1948, Journalist, ab 1973 Redakteur der


Berliner Zeitung und zweimal deren Korrespondent in Moskau (1982
– 1987 und 1991 – 1995), 1989/90 ein Jahr Korrespondent der Nach­
richtenagentur ADN in Athen, Korrespondent der Welt von 1998 bis
2010 in Moskau, Autor zahlreicher Sachbücher, darunter zuletzt „Pul­
verfass Kaukasus – Nationale Konflikte und islamistische Gefahren am
Rande Europas“ (2016).

Dienstag, 11. September 2018, 19:00 Uhr


Nordhausen, Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“, Markt 1

Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.

4
Eva Umlauf/ Stefanie Oswalt

Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie


deine Augen

„Vergessen Sie das Kind, es wird


nicht leben.“ Diese Worte erschüt­
tern Eva Umlaufs Mutter Anfang
1945 in Auschwitz. Aber die Progno­
se wird sich als falsch erweisen, die
zweijährige Eva überlebt und führt
jahrzehntelang ein erfülltes Leben
mit Höhen, Tiefen und Schicksals­
schlägen. Sie wächst in der Tsche­
choslowakei auf, heiratet 1966 und
folgt ein Jahr später ihrem Mann
nach München. Sie wird Mutter
dreier Söhne und ist erfolgreich als
Kinderärztin und Psychotherapeutin
tätig. Doch tief in ihrem Inneren ist
das Trauma ihrer Kindheit, über das
in ihrer Familie geschwiegen wurde,
stets präsent. Lange Zeit verdrängt
sie die Auseinandersetzung mit den
Erinnerungen und den Gefühlen der
Fremdheit und Heimatlosigkeit. Erst als Eva Umlauf einen Herzinfarkt er­
leidet, findet sie den Raum, sich der Vergangenheit zu stellen. Sie begibt
sich auf eine Reise zu sich selbst, sucht nach den Spuren ihrer ermorde­
ten Familie und bekennt sich 2011 in Auschwitz schließlich öffentlich
als Überlebende des Holocaust.

Eva Umlauf, geboren 1942 in Nováky, einem „Arbeitslager für Juden“ in


der Slowakei, überlebte Auschwitz. Sie promovierte in Kinderheilkunde
in Bratislava und ging 1967 nach München, wo sie zunächst als Kli­
nikärztin arbeitete. Später betrieb sie eine Kinderarztpraxis und ist bis
heute als Psychotherapeutin tätig. 2011 sprach Eva Umlauf bei der Ge­
denkfeier in Auschwitz, seither engagiert sie sich als Zeitzeugin.

Stefanie Oswalt promovierte in Potsdam in Jüdischen Studien. Sie ar­


beitet als freie Journalistin, u. a. für Deutschlandradio, und als Autorin in
Berlin. Zuletzt erschien 2012 „Ari heißt Löwe“ (mit Ari Rath).

Mittwoch, 12. September 2018, 19:00 Uhr


Gotha, Historischer Saal des Tivoli, Am Tivoli 3

Weitere Informationen gibt Referat 1.

5
Helmut Suter

Honeckers Letzter Hirsch. Jagd und Macht in


der DDR

Die Führungselite der DDR nutzte die


Jagd nicht nur als Freizeitvergnügen,
sondern auch als Mittel der Politik.
Im Jagdrevier Schorfheide nörd­
lich von Berlin, aber auch in den
anderen Sonderjagdgebieten der
Republik, wurden staatstragende
Entscheidungen getroffen, Intrigen
geschmiedet und zugleich illustre
Gäste aus West und Ost empfangen
– von Chruschtschow und Bresch­
new bis hin zu Helmut Schmidt und
Franz-Josef Strauß.
Dieses Buch blickt hinter die Kulis­
sen des Jagdwesens in der DDR von
den letzten Kriegstagen 1945 bis
hin zu Honeckers „letztem Hirsch“
im Jahr 1989.
Problematisch waren aber nicht nur die krassen Klassenunterschiede,
die offiziell ja längst abgeschafft waren, sondern auch der sorglose
und rücksichtslose Umgang mit den Wäldern. Nach dem Prinzip „Wild
vor Wald“ wurden weit überhöhte Bestände mit üppigen und teuren
„Waldmastplätzen“ gepäppelt – zu Lasten des angenagten Baumbe­
standes, der deshalb fast überall in einem jämmerlichen Zustand war.
Das war aber den Verantwortlichen deutlich weniger wichtig als das
Sammeln von Medaillen für besonders stattliche Trophäen. Sogar noch
nach seinem erzwungenen Rücktritt als SED-Generalsekretär am 18.
Oktober 1989 ließ es sich Honecker nicht nehmen, in seiner geliebten
Schorfheide auf die Jagd zu gehen. Das Ergebnis konnte sich sehen
lassen: In neun Tagen erlegte der damals 77-jährige 32 Stück Wild. Ins­
gesamt hat er von 1968 bis 1989 exakt 512 Rothirsche geschossen.
Helmut Suter, Leiter des Schorfheidemuseums, lebt in Groß Schöne­
beck und ist Jagdhistoriker. Von ihm erschienen sind zahlreiche Bücher
zur Jagd- und Landesgeschichte.

Donnerstag, 13. September 2018 2018, 19:00 Uhr


Suhl, Stadtbücherei, Bahnhofstraße 10

Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.

6
Uta Bretschneider

Neue Heimat Thüringen? Flüchtlinge und


Vertriebene um 1945

Am 20. Juni 2015 wurde erstmals der


bundesdeutsche „Gedenktag für die Op­
fer von Flucht und Vertreibung“ began­
gen. Das Datum markierte einen neuen
Erinnerungspunkt in der deutschen Ge­
denklandschaft. Sieben Jahrzehnte nach
dem Ende des Zweiten Weltkriegs rückt
der nationale Gedenktag das Erleben der
deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen
um 1945 in einen internationalen Erin­
nerungskontext. Und dabei bot sich mit
den Millionen Menschen, die sich 2015
auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und
Hunger befanden, ein erschreckend ak­
tueller Bezugsrahmen.
Diese Präsenz soll als Ausgangspunkt
dazu dienen, nach dem Einleben der
Menschen zu fragen, die um 1945 in Folge von erzwungener Migration
nach Thüringen kamen. Über 14 Millionen Menschen waren damals un­
freiwillig unterwegs. Es galt eine neue politische Ordnung zu etablieren.
Der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetischen Besatzungszone
brachte in vielerlei Hinsicht Gelegenheit, die Eingliederung der Flücht­
linge und Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs zu befördern. Rasch
wurden sie als „Umsiedler“ etikettiert und galten schon wenige Jahre
später als erfolgreich integriert. Flucht und Vertreibung sollten kein
Thema mehr sein, die Bürgerinnen und Bürger der DDR sollten viel­
mehr nach vorn, in ihre „sozialistische Zukunft“ blicken. Doch die in­
dividuellen Erfahrungen wichen zum Teil deutlich von den politischen
Zielstellungen und Erfolgsmeldungen ab. Viele „Umsiedler“ wurden in
Thüringen nie wirklich heimisch, das Land blieb ihnen eine „fremde
Heimat“. Andere wiederum, vor allem jene, die 1945 im Kindes- oder
Jugendalter waren, nutzten die Aufstiegsangebote und fanden in Thü­
ringen eine „neue Heimat“.
Uta Bretschneider, Dr. phil., ist Direktorin des Hennebergischen Mu­
seums Kloster Veßra.

Freitag, 14. September 2018, 18:00 Uhr


Hennebergisches Museum Kloster Veßra, Anger 35
Montag, 1. Oktober 2018, 19:00 Uhr
Meiningen, Stadt- und Kreisbibliothek „Anna Seghers“,
Ernestinerstr. 38
Donnerstag, 8. November 2018, 18:00 Uhr
Suhl, Volkshochschule „Karl Mundt“, Meininger Str. 89

Weitere Informationen gibt Referat 2.


7
Annette Leo

Das Kind auf der Liste. Die Geschichte von


Willy Blum und seiner Familie

Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in


Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, nur weil er
als Sinto geboren worden war. Über Willy Blum
und seine Familie wusste man bisher nichts.
Sein Name stand auf einer Transportliste nach
Ausschwitz. Getippt worden war die Liste in der
Häftlingsschreibstube des KZ Buchenwald: zwei
Seiten mit den Namen von 200 Kindern und
Jugendlichen. Der letzte Name, „Zweig, St.“ ist
durchgestrichen. An seine Stelle wurde „Blum,
Willy“ hinzugeschrieben. Der dreijährige Ste­
fan Jerzy Zweig verblieb im KZ Buchenwald und
überlebte. Seine Geschichte bildete später die
Vorlage für den Erfolgsroman von Bruno Apitz
„Nackt unter Wölfen“. Zwar löste die Liste mit
den ausgetauschten Namen kontroverse Debat­
ten aus, doch über Willy Blum und seine Familie
wusste man bislang nichts.
Willy Blum wurde 1928 als das siebte Kind von
Aloys und Toni Blum in Rübeland im Harz geboren. Er wuchs auf in einer Sinti-Fami­
lie, die mit einer Marionettenbühne durch das Land zog und ihre Vorstellungen prä­
sentierte. Das Buch erzählt von dieser mittlerweile versunkenen Welt der Wander­
marionettentheater, sie handelt von Diskriminierung und Ausgrenzung, mit denen
die Angehörigen der Minderheit seit Jahrhunderten gewohnt waren umzugehen.
Bis schließlich der mörderische Rassismus der Nationalsozialisten ihre Existenz
aufs äußerste bedrohte. Annette Leo erzählt die Geschichte der Familie Blum und
zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nach­
kriegszeit: die der Sinti und Roma.
Annette Leo, Dr. phil, Historikerin und Publizistin, lebt in Berlin. Veröffentlichun­
gen u.a.: „Vielstimmiges Schweigen. Neue Studien zum DDR-Antifaschismus“
(Hg. mit Peter Reif-Spirek, 2001), „Leben als Balance-Akt. Wolfgang Steinitz –
Wissenschaftler, Jude, Kommunist“ (2005), „Erwin Strittmatter. Die Biographie“
(2012).

Dienstag, 18. September 2018, 19:00 Uhr


Gotha, Historischer Saal des Tivoli, Am Tivoli 3
Montag, 5. November 2018, 19:00 Uhr
Meiningen, Langer Bau (Dorfgemeinschaftsvereinshaus), Schlossberg 3
Dienstag, 6. November 2018, 19:00 Uhr
Suhl, Stadtbücherei, Bahnhofstraße 10
Mittwoch, 7. November 2018, 19:00 Uhr
Arnstadt, Musikschule, Kammermusiksaal im Haus zum Palmbaum,
Markt 3, 19:00 Uhr
Donnerstag, 8.November 2018, 19:00 Uhr
Ilmenau, Katholische Kirche „St. Josef“, Unterpörlitzer Str. 15
Freitag, 9. November 2018, 19:30 Uhr
Jena, Jenaer Kunstverein, Markt 16

Weitere Informationen gibt Referat 1.

8
Ines Geipel

Die Tochter des Diktators

Ivano Matteoli, Sohn eines KP-Funkti­


onärs, verlässt Anfang der sechziger
Jahre sein toskanisches Heimatdorf
gen Leningrad. Dort lernt er Bea
kennen – Beate Ulbricht, das „ers­
te Staatskind der DDR“ und Tochter
von Walter Ulbricht. Dies ist der Be­
ginn einer Amour fou zwischen Ost
und West, einer Liebe im politischen
Geflecht zwischen Paris, Leningrad,
Rom, Ost-Berlin und dem erzkatho­
lischen Cigoli. Die Erzählerin Anni
kennt Ivano von Kindesbeinen an.
Auf den Dächern der alten Häuser
ihres toskanischen Heimatdorfes ha­
ben sie beide zusammen gesessen
und den Männern beim Bocciaspie­
len zugesehen. Auch, als es sie we­
gen des Studiums in unterschiedliche
Himmelsrichtungen verschlägt – sie
nach Paris, ihn nach Leningrad –, verfolgt Anni aus der Distanz Ivanos
Liebe zu der Deutschen Beate. Deren Eltern, Walter und Lotte Ulbricht,
versuchen die Ehe der beiden zu verhindern. Das gelingt nicht, aber
der Preis dafür ist hoch. Ines Geipel ist in ihrem ganz eigenen Ton ein
raffinierter und kontrastreicher Roman darüber gelungen, wie das Au­
toritäre ins intimste Innere des Lebens eindringt.

Ines Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin für


Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst
Busch“. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach ihrem
Germanistik-Studium aus Jena nach Westdeutschland und studierte in
Darmstadt Philosophie und Soziologie. Bei Klett-Cotta erschien von ihr
zuletzt das Sachbuch „Generation Mauer“.

Donnerstag, 20. September 2018, 19:30 Uhr


Saalfeld, Stadt- und Kreisbibliothek, Markt 7

Weitere Informationen gibt Referat 4.

9
Frank Reuter

Der Bann des Fremden. Die fotografische


Konstruktion des „Zigeuners“

„Zigeuner“-Stereotype haben sich


gleichermaßen in die Hoch- wie
Populärkultur eingeprägt. Sie
legen sich wie ein Raster über
unsere heutige Wahrnehmung,
meist ohne dass wir uns dessen
bewusst sind. Eine jahrhunder­
tealte Ikonografie des „Frem­
den“ macht den „Zigeuner“ zur
Projektionsfläche für Überlegen­
heitsfantasien. Das Buch legt die
Tiefenschichten des Sehens von
„Zigeunern“ frei und befragt den
mehrheitsgesellschaftlichen Blick
auf die Minderheit der Sinti und
Roma auf seine Voraussetzungen.
Mit der Fotografie liegt der Fokus
auf einem Schlüsselmedium der
Moderne, das die Entwicklung des
„Zigeuner“-Bildes seit Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich beein­
flusst hat.
An exemplarischen Bildanalysen werden die Stigmatisierungsmuster
und Mechanismen aufgezeigt, die dem Konstrukt „Zigeuner“ zugrunde
liegen. Einen Schwerpunkt bildet die Fotografie während des National­
sozialismus, die in der ethnologischen, kriminologischen und anthro­
pologischen Fotografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurzelt.
Besonderes Augenmerk widmet der Autor den politischen und sozialen
Kontexten, in die Fotografien eingebettet sind und innerhalb derer sie
wirken.
Antiziganistische Vorurteilsmuster haben nicht nur die Erinnerungskul­
tur beeinflusst, sondern sie sind bis heute in der medialen Darstellung
von Sinti und Roma untergründig wirksam.

Frank Reuter, Dr. phil, ist seit Januar 2018 wissenschaftlicher Ge­
schäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus am Historischen
Seminar der Universität Heidelberg. Von 1993 bis 1997 arbeitete er als
Historiker im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und
Roma in Heidelberg.

Montag, 24. September 2018, 19:00 Uhr


Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7

Weitere Informationen gibt Referat 1.

10
Daniela Döscher

Zeige deine Klasse- Memoiren meiner


sozialen Herkunft

Daniela Dröscher hat ein einzigartiges


Porträt über soziale Herkunft verfasst,
das überraschende Antworten auf die
Fragen nach dem Auseinanderdriften
unserer Gesellschaft und die Grundpro­
bleme politischen Engagements bereit­
hält. Anhand ihrer eigenen Geschichte
zeigt sie, warum Herkunft unser ge­
sellschaftliches Miteinander bis heute
bestimmt und weshalb wir noch immer
Scham empfinden, wenn wir darüber
sprechen – egal ob wir von ganz oben
oder ganz unten kommen.
Zeige deine Klasse beleuchtet die po­
litischen Verhältnisse aus einer radi­
kal subjektiven Perspektive. Dröscher
arbeitet dabei heraus, welche Unter­
schiede letztlich durch unsere Herkunft
bestimmt werden und warum wir das gesellschaftliche Wir-Gefühl verlo­
ren haben. Sie berichtet von Macht- und Ohnmachtsverhältnissen, die
sie von ihrer frühen Kindheit bis jetzt erlebt hat, und die ihr Bewusstsein
für die Klassenzugehörigkeit geprägt haben. Zeige deine Klasse wirft
einen hellsichtigen Blick ins Innere unseres sozialen Umgangs mitein­
ander: wütend über die Politikverdrossenheit unserer Gegenwart und
entwaffnend in der Offenheit, Unangenehmes zu benennen. Ein Buch,
wie wir es seit Didier Eribons Rückkehr nach Reims ersehnt haben.

Daniela Dröscher, geboren 1977, wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Nach


ihrem Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik in Trier und
London promovierte sie im Fach Medienwissenschaft an der Universi­
tät Potsdam mit einer Arbeit zur Poetologie Yoko Tawadas. Sie veröf­
fentlichte in Zeitschriften und Anthologien. Von 2008 bis 2010 studier­
te sie Szenisches Schreiben an der Uni Graz. Ihren ersten Roman „Die
Lichter des George Psalmanazar“, eine Romandoppelbiographie über
Samuel Johnson und den Orientbetrüger George Psalmanazar, nannte
Martin Halter in der FAZ eine „barocke Wunderkammer voll wunderli­
cher Fata, herzzerreißender Melancholie und Klugheit“. Sie ist Mitglied
im PEN-Zentrum Deutschland. Daniela Dröscher lebt heute in Berlin.

Mittwoch, 26. September 2018, 19:00 Uhr


Bad Salzungen, Stadt- und Kreisbibliothek, Kurhausstr.12
Donnerstag, 27. September 2018, 19:00 Uhr
Sonneberg, Stadtbibliothek, Bahnhofsplatz 1

Weitere Informationen gibt Referat 3.

11
Karsten Rudolph

Die Thüringer Arbeiterbewegung vom Kaiser-


reich bis zum Ende der Weimarer Republik

Die Thüringer Arbeiterbewegung


war anders. Ihre Geschichte zu
vernachlässigen würde bedeuten,
die Vielfalt in der deutschen Ar­
beiterbewegung zu unterschlagen.
Die LZT-Publikation zeichnet ihren
Weg nach: von einem zersplit­
terten Vereinsnetzwerk über den
Aufstieg zur Massenbewegung
und Staatsgründungspartei bis
zur letzten Bastion der Demokra­
tie. Dabei rücken drei Wesens­
merkmale immer wieder in den
Vordergrund der Betrachtung – ihr
Charakter als politische Vereins­
bewegung, der Mythos der Einheit
und der Versuch, das neu gegrün­
dete Land Thüringen zu einem bes­
seren Ort des Zusammenlebens zu
machen, zu einem Ort der sozialen
Demokratie mitten in Deutschland.

Karsten Rudolph, Dr. phil. ist apl. Professor für Neuere und Neueste
Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Seine Schwerpunkte in
der Lehrtätigkeit betreffen die Geschichte der Arbeiterbewegung, den
Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik sowie die
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und des Kalten Krieges.
Veröffentlichungen u.a.: „Die sächsische Sozialdemokratie vom Kai­
serreich zur Republik (1871–1923)“, „Wirtschaftsdiplomatie im Kalten
Krieg. Die Ostpolitik der westdeutschen Industrie“ (2004).

Donnerstag, 27. September 2018, 19:00 Uhr


Gotha, Historischer Saal des Tivoli, Am Tivoli 3

Weitere Informationen gibt Referat 1.

12
Christian Booß

Im goldenen Käfig. Zwischen SED, Staatssi­


cherheit, Justizministerium und Mandant –
die DDR-Anwälte im politischen Prozess
Die Studie analysiert erstmals
anhand von über 1000 Prozess-
und Ermittlungsakten die Rolle
und den Handlungsspielraum
der DDR-Anwaltschaft in den
politischen Prozessen der Ho­
necker-Ära. Der „sozialistische
Anwalt“ sollte das grundsätzli­
che Prozessziel in politischen
Verfahren, die Verurteilung des
Angeklagten, nicht gefährden.
Christian Booß gibt zudem einen
Einblick in die Umstrukturierung
der Anwaltschaft in Ostdeutsch­
land seit 1945 und bietet eine
kritische Sicht auf das Wirken
der Kanzlei Wolfgang Vogels.
Zu den zentralen Thesen des Bu­
ches zählt, dass Rechtsanwälte
in politischen Prozessen in der
DDR einen geringen Handlungs­
spielraum hatten, den sie auf Grund ihrer beruflichen Sozialisation
und staatlich beeinflussten Auswahl und Kontrolle auch weitgehend
akzeptierten. Dies war in der Regel nicht zum Vorteil der Mandanten.
In vielen Prozessakten der Studie waren vor allen Ausreisebemühun­
gen von Bürgern aus der DDR das politische Delikt. Verfahren gegen
diese Personen endeten meist mit ein bis zwei Jahren Haft. Besonders
auffällig war, dass sie oft schon in weniger als einer Stunde beendet
waren. Der geheime kurze Prozess war typisch für die politische Jus­
tiz der 1970er- und 1980er-Jahre. Viele der Anwälte in den Verfahren
verhielten sich vor Gericht relativ passiv. Sie fragten wenig, stellten
selten Anträge, setzten sich kaum mit der Sachverhaltsdarstellung des
Staatsanwaltes auseinander und plädierten für ein mildes oder sogar
gerechtes Urteil.

Christian Booß, Dr. phil., Historiker und Journalist, ist Projektkoordina­


tor in der Abteilung Bildung und Forschung des BStU.

27. September 2018, 19:00 Uhr


Teistungen, Grenzlandmuseum Eichsfeld, Duderstädter Str. 7–9

Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.

13
Thomas Wagner

Die Angstmacher. 1968 und die Neuen


Rechten

Wer sind die Neuen Rechten? Die


Neue Rechte droht breite bürger­
liche Schichten zu erfassen. Wer
sind ihre Ideengeber, wo liegen
ihre Wurzeln? Thomas Wagner
stellt erstmalig heraus, wie wich­
tig „1968“ für das rechte Lager
war, weil es einen Bruch in der
Geschichte des radikal-rechten
Spektrums markiert, der bis heute
nachwirkt. Das zeigen unter ande­
rem die Gespräche, die Wagner
mit den Protagonisten der Szene
geführt hat, darunter Götz Kubit­
schek, Ellen Kositza, Martin Sell­
ner, Henning Eichberg, Alain de
Benoist und Frank Böckelmann.
Wagners Buch liefert eine span­
nende Übersicht über die Kräfte
und Strömungen der Neuen Rech­
ten und ihre Ursprünge.
„Nur wer begreift, wie die Akteure
wirklich denken, ist in der Lage, angemessen auf ihre Provokationen
zu reagieren. Fest steht: ‚1968‘ ist nicht nur die Geburtsstunde einer
neuen Linken jenseits der Sozialdemokratie, sondern auch die einer
Neuen Rechten. Dieses Buch erzählt, wie es dazu gekommen ist.“ (aus
der Einleitung)

Thomas Wagner, Dr. phil., studierte in Aachen Soziologie, lehrte und


forschte in Dresden und promovierte in Münster. Er arbeitet als freier
Autor u. a. für „Die Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Neue Züricher Zei­
tung“, „Falter“ und „Der Freitag“. Publikationen u. a.: „Die Mitmachfal­
le“ (2013), „Robokratie“ (2015).

Dienstag, 16. Oktober 2018, 19:00 Uhr


Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7

Weitere Informationen gibt Referat 1.

14
Christian Schüle

Heimat. Ein Phantomschmerz

Derzeit verändert sich Heimat so ra­


sant, wie wir es noch nie zuvor erlebt Christian
haben. Politische, wirtschaftliche Schüle
und soziale Grenzen lösen sich auf.
Die Welt wird immer unüberschauba­
rer, und die Zahl derjenigen wächst,
die einen Verlust an Sicherheit und

Hei mat
Geborgenheit beklagen. „Wie kön­
nen wir diese Herausforderung be­
stehen?“, fragt Christian Schüle in
seiner Zeitdiagnose. Er begibt sich Ein Phantom-
in den deutschen Alltag, erkundet schmerz
die Erwartungen, Befürchtungen der
Deutschen und hinterfragt kritisch
ihre Traditionen. Sein Resümee: Der
Verlust von Heimat ist ein Phantom­
schmerz – denn die Betroffenen, die
Hiesigen wie die Fremden, verklären
das Vergangene und sind kaum be­
reit, die gegenwärtigen Möglichkeiten zu sehen. Denn die gibt es, wie
Christian Schüle gewohnt eindrucksvoll zeigt.

Christian Schüle, Jahrgang 1970, geboren in Friedrichshafen am Bo­


densee, Studium der Philosophie, Soziologie und Politischen Wis­
senschaft in München und Wien, war fünf Jahre Redakteur und Autor
im Dossier der Wochenzeitung „Die Zeit“ und kündigte mit Mitte 30
aus freien Stücken, um mehr Eigenzeit zu haben und den Alltag nach
seinen Bedürfnissen zu strukturieren. Der Härte des freien Marktes
trotzend, arbeitet er bis heute erfolgreich als Schriftsteller und Essay­
ist sowie als Publizist für Zeitungen, Magazine und den ARD-Hörfunk.
Seine Texte wurden mehrfach ausgezeichnet, und seine Bücher befas­
sen sich mit Deutschland, dem Gesellschaftsvertrag der Republik, der
Kultur von Menschen- und Todeswürde und der Suche nach Gerechtig­
keit. Seit April 2015 lehrt er im Fachbereich Kulturwissenschaft an der
Universität der Künste in Berlin.

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 19:00 Uhr


Meiningen, VHS „Eduard Weitsch“ Schmalkalden-Meiningen,
Klostergasse 1

Weitere Informationen gibt Referat 3.

15
Landolf Scherzer

Buenos Dias Kuba – Reise durch ein Land im


Umbruch

Landolf Scherzer hat bei Reisen den


Zufall auf seiner Seite. Kaum ist er
auf Kuba, stirbt Fidel Castro, und
er erlebt ein Land im Ausnahmezu­
stand. Umso drängender wird die
Frage, wie die Ideale der Revolution
in der Gegenwart bestehen.
Wer in Kuba viel fragt, dem wird we­
nig erlaubt, lernt Scherzer schon am
ersten Tag in Havanna. Also macht
er es bei seinen Recherchen wie die
Kubaner, er geht Umwege und im­
provisiert. Jede Busfahrt, jeder Ein­
kauf, jeder Spaziergang beschert
ihm überraschende Begegnungen
und Lebensberichte. Er bewun­
dert, wie unkonventionell die Ku­
baner den problematischen Alltag
meistern und wie ungebrochen der
Stolz auf die Revolution und ihre
Errungenschaften ist. Aber mit Schlitzohrigkeit und Optimismus allein
lassen sich die Konflikte, die die Öffnung Kubas mit sich bringt, nicht
lösen. Was also muss bewahrt, was soll verändert werden?

Landolf Scherzer, 1941 in Dresden geboren, lebt als freier Schrift­


steller in Thüringen. Er wurde durch Reportagen wie „Der Erste“,
„Der Zweite“ und „Der Letzte“ bekannt. Nach „Der Grenzgänger“ und
„Immer geradeaus. Zu Fuß durch Europas Osten“ erschienen zuletzt
vielbeachtete Reportagen über China „Madame Zhou und der Fahr­
radfriseur“ und über die aktuelle Situation in Griechenland „Stürzt die
Götter vom Olymp“. 2015 erschien „Der Rote. Macht und Ohnmacht
des Regierens.“

Mittwoch, 24. Oktober 2018, 19:30 Uhr


Gera, Stadt- und Regionalbibliothek, Puschkinplatz 7

Weitere Informationen gibt Referat 4.

16
Christian Schüle

Wir haben die Zeit. Denkanstöße für ein


gutes Leben

Wir leben immer länger und blei­


ben lange gesund. Wir hätten also
allen Grund, uns Zeit zu lassen.
Aber wem gelingt das schon? Noch
nie fühlten sich so viele Menschen
in Deutschland überfordert und er­
schöpft. Sich von zu vielen wider­
sprüchlichen Anforderungen und
Angeboten gejagt zu fühlen, ist
beinahe schon ein Markenzeichen
unserer Gesellschaft. Gibt es einen
Ausstieg aus dieser permanenten
Rushhour? Der Philosoph Christian
Schüle liefert jede Menge Anstöße
für eine Neuordnung des Denkens:
Wie lassen sich prägende Faktoren
unseres Lebens - Arbeit Familie,
Freizeit - in Einklang bringen? Ist
es planbar und gestaltbar, das gute
Leben von morgen?

Christian Schüle, Jahrgang 1970, geboren in Friedrichshafen am Bo­


densee, Studium der Philosophie, Soziologie und Politischen Wis­
senschaft in München und Wien, war fünf Jahre Redakteur und Autor
im Dossier der Wochenzeitung „Die Zeit“ und kündigte mit Mitte 30
aus freien Stücken, um mehr Eigenzeit zu haben und den Alltag nach
seinen Bedürfnissen zu strukturieren. Der Härte des freien Marktes
trotzend, arbeitet er bis heute erfolgreich als Schriftsteller und Essay­
ist sowie als Publizist für Zeitungen, Magazine und den ARD-Hörfunk.
Seine Texte wurden mehrfach ausgezeichnet, und seine Bücher befas­
sen sich mit Deutschland, dem Gesellschaftsvertrag der Republik, der
Kultur von Menschen- und Todeswürde und der Suche nach Gerechtig­
keit. Seit April 2015 lehrt er im Fachbereich Kulturwissenschaft an der
Universität der Künste in Berlin.

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 10:00 Uhr


Waltershausen, Rathaus, Markt 1

Weitere Informationen gibt Referat 3.

17
Dennis Burmeister, Sascha Lange

Behind The Wall. DEPECHE MODE-Fankultur in


der DDR

Depeche Mode gehören zu


den langlebigsten Bands der
schnelllebigen Popmusik-Ära
der 1980er-Jahre. Und sie ha­
ben bis heute die treuesten
Fans. „Behind the Wall“ erzählt
die Geschichte dieser beson­
deren Fankultur in den 1980ern
– hinter der Mauer, in der DDR.
Sascha Lange und Dennis Bur­
meister haben sich nach ihrem
2013 erschienenen Bestseller
„Depeche Mode Monument“
diesmal mit dem Phänomen der
Fans von Depeche Mode in der
DDR beschäftigt. Unmengen un­
veröffentlichter Fotos und Doku­
mente wurden gesichtet und mit
zahlreichen Fans, Konzertveran­
staltern, Fanzine-Herausgebern, Fanclub-Betreibern und anderen Zeit­
zeugen gesprochen. Entstanden ist ein bislang unbekannter Einblick in
das Innere einer Jugendkultur und das Alltagsleben in der DDR. Gleich­
zeitig ist „Behind the Wall“ auch eine Coming-of-Age-Geschichte. Eine
Do-It-Yourself-Geschichte. Eine Musik-Geschichte. Eine Geschichte
über Depeche Mode. Eine Geschichte, die zeigt, dass sich Jugendliche
in Ost und West in den 1980er-Jahren viel ähnlicher waren, als sie es
selbst damals wussten. Und doch waren sie anders – wegen der gesell­
schaftlichen Umstände. „Behind the Wall“ erzählt die Geschichte von
einem Mauerfall lange vor dem Mauerfall. Und von einer ungewöhnli­
chen und langlebigen Liebe der Fans zu ihrer Band.

Sascha Lange wurde 1971 geboren und lebt seither in Leipzig. Er ist
gelernter Theatertischler, ungelernter Musiker, motivierter Autor und
promovierter Historiker mit dem Schwerpunkt Jugendkulturen. Neben
Ausflügen in die Belletristik veröffentlichte Sascha Lange 2013 zusam­
men mit Dennis Burmeister „Depeche Mode MONUMENT“, die bislang
umfassendste Werkschau über die britische Popband.

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19:00 Uhr


Greiz, Alte Papierfabrik

Weitere Informationen gibt Referat 4.

18
Joachim Radkau

Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen,


Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute

Ein ungewöhnlicher Blick auf die


deutsche Geschichte: Wovon wir
träumten, was wir fürchteten – Zu­
kunftsprognosen von 1945 bis heute.
Bald werden uns kleine Reaktoren
im Garten mit Energie versorgen. Das
Waldsterben lässt sich nicht mehr
aufhalten. Der Sozialismus macht
ein Ende mit der sozialen Ungerech­
tigkeit. Wirklich? Joachim Radkau hat
erforscht, wie sich die Deutschen seit
1945 ihre Zukunft ausgemalt haben.
Hoffnungen und Ängste, Prognosen
und Visionen, fatale Irrtümer und un­
erwartete Wendungen: Im Rückblick
staunt man, wie sicher wir zu wissen
glauben, was auf uns zukommt. Dabei
sind diese Vorstellungen oft Grundla­
ge weitreichender Entscheidungen, ob es nun um die Umwelt geht, um
die Rente oder die Bildung. Ein ungewöhnlicher Blick auf die deutsche
Geschichte von einem der originellsten Historiker unserer Tage.

Joachim Radkau, Jahrgang 1943, lehrte als Professor bis 2009 Neu­
ere Geschichte an der Universität Bielefeld. Bei Hanser sind erschie­
nen: Das Zeitalter der Nervosität (Deutschland zwischen Bismarck und
Hitler, 1998), Max Weber (Die Leidenschaft des Denkens, 2005) und
Theodor Heuss (2013). Joachim Radkau lebt in Bielefeld. 2015 erhielt
er den Einhard-Preis.

Freitag, 26. Oktober 2018, 19:30 Uhr


Rudolstadt, Schiller-Haus, Schillerstraße 25

Weitere Informationen gibt Referat 4.

19
Richard C. Schneider

Alltag im Ausnahmezustand. Mein Blick auf


Israel

Alltag im Ausnahmezustand ist das


Porträt eines Landes, das hin- und her­
gerissen ist zwischen Normalität und
Ausnahmezustand, zwischen Konsum
und Krieg, zwischen Sehnsucht nach
Frieden und dem Bedürfnis nach Si­
cherheit. Richard C. Schneider bereist
als Journalist seit über 30 Jahren den
Nahen Osten und war von 2006 bis
2015 als Leiter und Chefkorrespon­
dent des ARD-Studios Tel Aviv verant­
wortlich für Israel und die palästinen­
sischen Gebiete. In seiner Analyse
konzentriert er sich vor allem auf die
komplexe und komplizierte Entwick­
lung der israelischen Gesellschaft in
den vergangenen Jahren. Zwischen
Hightech-Hub und religiösem Fun­
damentalismus droht die israelische Gesellschaft in jeder Richtung
extremer und radikaler zu werden, nicht zuletzt auch durch die Be­
drohungen von außen.

Richard C. Schneider, geboren 1957, ist Journalist, Buch- und Fernseh­


autor. Er war von 2006 bis 2015 ARD-Studioleiter und Chefkorrespon­
dent in Tel Aviv, 2016 Leiter TV und Chefkorrespondent im ARD Studio
Rom, und arbeitet jetzt wieder als Editor-at-large und Filmemacher für
die ARD. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Nahostkonflikt,
der israelischen Gesellschaft und der jüdischen Geschichte.

Erfurt, November 2018


Erfurt, Kleine Synagoge, An der Stadtmünze 4
Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Weitere Informationen gibt das Leitungsreferat.

20
Jana Hensel

Keinland

Eigentlich hatte Nadja nur ein In­


terview mit Martin Stern führen
wollen, aber von der ersten Sekun­
de an ist da eine schwer erklärba­
re Nähe – und eine Fremdheit, die
sich auch dann nicht auflöst, als
die beiden sich näherkommen.
Woher rührt diese Nähe? Und
warum ist diese Fremdheit nur
so schwer zu überwinden? Nadja
sagt ja zu dieser Liebe, an die Mar­
tin nicht recht glauben kann. Mar­
tin, der als Jude in Frankfurt am
Main aufgewachsen ist, Deutsch­
land aber nach der Wiedervereini­
gung verlassen hat und nach Tel
Aviv gezogen ist. Zu vieles liegt
zwischen den beiden: biographi­
sche Erfahrungen, geographische
Entfernung und eine Vergangen­
heit, die nicht nur mit den eigenen
Lebensläufen zu tun hat.
Das falsche Land, das richtige, das neue, das heilige – Jana Hensel
lotet in kunstvollen Zeitsprüngen und Erinnerungen an Tage in Berlin
und Nächte in Tel Aviv, an tiefe Innigkeit und immer wieder scheiternde
Gespräche die Grenzen zwischen zwei Liebenden aus. Dabei umkreist
sie mit großer sprachlicher Kraft und Intensität unsere Auffassung von
Heimat, Geschichte und Schicksal und stellt mit ihren Charakteren die
Frage, wie weit die Vergangenheit unser Leben bestimmt.
„Keinland“ ist ein Liebesroman, aber auch ein Roman über Schuld, Er­
innerung, Herkunft und Grenzen.

Jana Hensel, geb. 1976 in Leipzig, Studium der Romanistik und der
Neueren Deutschen Literatur in Leipzig, Aix-en-Provence, Berlin und
Paris. Als Studentin gab sie die Literaturzeitschrift Edit und gemeinsam
mit Thomas Hettche die Internetanthologie „Null“ heraus. Ihr Buch
„Zonenkinder“ über die Erfahrungen ihrer Generation vor und nach
dem Mauerfall war ein Bestseller. Seither arbeitet sie als Journalistin,
u. a. als stellvertretende Chefredakteurin des Freitag. 2010 gewann sie
den Theodor-Wolff-Preis. „Keinland“ ist ihr literarisches Debüt.

Montag, 5. November 2018, 19:00 Uhr


Hermsdorf, Stadtbibliothek (Stadthaus), Am Alten Versuchsfeld 1

Weitere Informationen gibt Referat 4.

21
Jürgen Neffe

Marx. Der Unvollendete

Karl Marx, der revolutionäre Querkopf


und Vordenker des 19. Jahrhunderts,
ist wieder da. Seit der Kommunismus
in seinem Namen – aber nicht in sei­
nem Sinne – Geschichte ist, feiert er
ein bemerkenswertes Comeback. An­
lässlich seines 200. Geburtstags er­
kundet Jürgen Neffe dessen Ursachen
– in Marx´ Schriften wie in seiner Bio­
grafie. Er schildert das Leben eines
Flüchtlings und geduldeten Staaten­
losen, der für seine Überzeugungen
keine Opfer scheut. Weder Krankheit,
Armut, Ehekrisen noch Familientra­
gödien halten ihn davon ab, beharr­
lich an seinem Werk zu arbeiten. Mit
seiner Analyse des Kapitalismus als
entfesseltes System sagt er die globa­
lisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. Neffe zeichnet
die Entwicklung der Marx‘schen Gedankenwelt von Entfremdung und
Ausbeutung in den Frühschriften bis zur ausgereiften Krisentheorie im
Kapital nicht nur nach. Als erfahrener Popularisierer der Wissenschaft
erklärt er die Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit
der Realität des 21. Jahrhunderts.

Jürgen Neffe, geboren 1956, ist promovierter Biochemiker und ein


mehrfach ausgezeichneter Journalist und Autor. Besonderes Aufsehen
erregte er mit seinen vielgerühmten Biografien von Albert Einstein und
Charles Darwin, die beide große Bestseller waren.

Montag, 5. November 2018, 18:30 Uhr


Meiningen, VHS Schmalkalden-Meiningen, Klostergasse 1

Weitere Informationen gibt Referat 4.

22
Antonia Meiners

Die Suffragetten. Sie wollten wählen –


und wurden ausgelacht.

Sie, die bürgerlichen Frauen, hatten


es Anfang des vorigen Jahrhunderts
satt: Lange genug hatten sie geredet,
friedlich gefordert und klug argu­
mentiert, nichts hatte sich geändert.
Nun wollten sie Taten sehen, und so
forderten sie das uneingeschränkte
Wahlrecht, damit ihre Interessen bei
parlamentarischen Entscheidungen
endlich berücksichtigt würden. Die
Suffragetten, wie man sie despektier­
lich nannte, gingen auf die Straße,
sie warfen Scheiben ein, sie traten
in den Hungerstreik und sie kämpf­
ten für ein Recht, das uns heute viel
zu selbstverständlich geworden ist.
Die Frauen, die in Deutschland, Ös­
terreich, England und den USA für
Frauenrechte kämpften, waren unge­
wöhnlich couragiert, und das, was sie uns überliefert haben, ist nicht
nur ein Frauenrecht, sondern ein Menschenrecht.
Ein Buch, das von ungewöhnlich couragierten Frauen erzählt, die vor
100 Jahren für das Frauen-Wahlrecht und damit für mehr Selbstbestim­
mung gekämpft haben.

Antonia Meiners, geboren im Bamberg, aufgewachsen in München


und Berlin. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaft an der Hum­
boldt-Universität und später der Germanistik an der Freien Universität
Berlin begann sie ihre freiberufliche Tätigkeit als Lektorin, Herausgebe­
rin und Autorin. Dabei widmet sie sich hauptsächlich historischen und
kulturpolitischen Themen.

Dienstag, 6. November 2018, 16:30 Uhr


Arnstadt, Stadt- und Kreisbibliothek, An der Liebfrauenkirche 2

Mittwoch, 7. November 2018, 19:30 Uhr


Heiligenstadt, Kath. Jugend-u. Erwachsenen-Bildungshaus
Marcel Callo, Lindenallee 21

Donnerstag, 8. November 2018, 19:00 Uhr


Erfurt, FrauenZentrum Erfurt, Pergamentergasse 36

Weitere Informationen gibt Referat 3.

23
Michael Butter

„Nichts ist, wie es scheint“ –


Über Verschwörungstheorien

Das mangelnde Vertrauen in die Po­


litik fördert das Entstehen von Ver­
schwörungstheorien. Doch wird tat­
sächlich alles schlechter? Nehmen
Verschwörungstheorien dank des In­
ternets immer weiter zu? Warum sind
sie für viele Menschen so attraktiv?

Antworten auf solche Fragen findet


man seltener als Verschwörungsthe­
orien selbst. Michael Butter erläutert,
wie solche Erzählungen funktionie­
ren, wo sie herkommen und welche
Auswirkungen sie haben können. Er
erklärt, dass diese Theorien die Eigen­
logik sozialer Systeme unterschätzen
und entsprechend immer falsch seien.
Sie müssen aber als Symptom ernst
genommen werden. Gegenwärtig sind
sie ein Indikator für die Zergliederung
der Öffentlichkeit, die die Demokratie in Gefahr stellt.

Michael Butter, Dr. phil.,  seit 2014 ist er Professor für Amerikanistik an
der Universität Tübingen. Er ist Initiator eines EU-Forschungsprojekts
zur vergleichenden Analyse von Hintergründen, Nutzen und Gefahren
von Verschwörungstheorien.

Dienstag, 6. November 2018, 19:00 Uhr


Greiz, Stadt- und Kreisbibliothek, Kirchplatz 4

Weitere Informationen gibt Referat 2.

24
Kathrin Gerlof

Nenn mich November

Marthe und David befinden sich im


freien Fall und müssen Privatinsol­
venz anmelden. Notgedrungen ziehen
sie an den Rand eines Dorfes in ein
gerade noch bewohnbares Haus, das
David geerbt hat. Selbst das Internet
macht einen Bogen um die Gegend.
Das Dorf – umzingelt von genmani­
pulierten Maisfeldern für Biogasan­
lagen – scheint seine Seele verloren
zu haben. Die Bewohner überlassen
es zwei Großbauern, ihre Angelegen­
heiten zu regeln. Als in ehemaligen
Zwangsarbeiterbaracken Flüchtlinge
untergebracht werden, zieht mit ihnen
Verunsicherung ins Dorf. Marthe, ge­
duldete Außenseiterin und unablässig
auf der Suche nach den schlimms­
ten aller Nachrichten, erlebt, wie
die Lethargie weicht. David jedoch verstummt mehr und
mehr, und eines Abends liegt ein Zettel auf dem Küchentisch.
Ein großer Roman über den Verlust der Mitte und ein Leben am Rand.

Kathrin Gerlof, geboren 1962 in Köthen/Anhalt, lebt als Journalistin


und Autorin in Berlin. 2008 debütierte sie mit „Teuermanns Schwei­
gen“. Ihr zweiter Roman „Alle Zeit“ wurde euphorisch besprochen.
Nach „Lokale Erschütterung“ erschien „Das ist eine Geschichte“
(2014), ein weiterer Roman über „Brandstellen und wunde Punkte der
deutschen Historie“ (Berliner Zeitung).

Dienstag, 13. November 2018, 19:30 Uhr


Rudolstadt, Stadtbibliothek, Schulplatz 13

Mittwoch, 14. November 2018, 19:00 Uhr


Neudietendorf, Verein Professor A. Krüger, Bergstr. 9

Weitere Informationen gibt Referat 3.

25
Andreas Speit

Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr

Als im Oktober 2016 im fränkischen Geor­


gensgmünd ein Sondereinsatzkomman­
do der Polizei in das Wohnhaus eines
„Reichsbürgers“ eindringt, um Waffen
zu beschlagnahmen, eröffnet dieser das
Feuer und verletzt vier Beamte. Einer von
ihnen stirbt. Der Schütze gehört zu jener
Bewegung von Verschwörungsfanatikern,
die die Bundesrepublik und ihre Gesetze
für nicht existent erklären.
Mit den tödlichen Schüssen von Geor­
gensgmünd änderte sich auch die Sicht­
weise der Sicherheitsbehörden auf dieses
Spektrum. Nachdem man lange Zeit das
Gefahrenpotential unterschätzt hatte und
die „Reichsbürger“ als Spinner entpoliti­
sierte, entwickelte sich nun eine breite öffentliche Debatte, in der ihre
grundsätzliche Ablehnung der demokratischen Verfassungsordnung
thematisiert werden konnte. Noch im November 2016 kündigte das
Bundesamt für Verfassungsschutz eine umfassende Beobachtung der
Szene an. Im Januar 2017 gab es dann auch das erste Mal Zahlen: Auf
rund 10.000 Personen schätzte der Verfassungsschutz die Reichsbür­
gerszene insgesamt. Auch die Darstellung dieses Spektrums änderte
sich und die hohe Gewaltbereitschaft der Szene wurde hervorgeho­
ben. Das Bundeskriminalamt sprach über die Bereitschaft zur „äußers­
ten Gewalt bis hin zu terroristischen Aktionen“.
Wer sind diese „Reichsbürger“ und welche Gefahren gehen von ihnen
aus? Welche Rollte spielen sie in der rechtsextremen Szene? Der ausge­
wiesene Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit beleuchtet in dem
Sammelband zusammen mit zehn Fachleuten die verschiedenen Erschei­
nungsformen dieser heterogenen Szene. Sie analysieren deren krudes
Weltbild und beschreiben ihre zunehmend gefährlichen Aktivitäten.
Andreas Speit, Sozialökonom und Journalist, zählt zu den renommier­
testen Kennern des Rechtsextremismus. Er war für das politische Feuil­
leton des Deutschlandfunks tätig und schreibt u. a. für die „taz“ sowie
für den „Zeit“-Blog Störungsmelder. Zahlreiche Veröffentlichungen
zum Thema Rechtsextremismus, zuletzt „Bürgerliche Scharfmacher.
Deutschlands neue rechte Mitte – von AfD bis Pegida“.
Mittwoch, 14. November 2018, 18:00 Uhr
Jena, Stadt- und Regionalbibliothek, Puschkinplatz 7
Donnerstag, 15. November 2018, 19:00 Uhr
Saalfeld, Stadt- und Kreisbibliothek, Markt 7 (Zugang über Brudergasse)
Weitere Informationen gibt Referat 1.

26
Ulrike Müller

Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst,


Handwerk und Design

Als das Staatliche Bauhaus 1919 von


Walter Gropius in Weimar gegründet wur­
de, geschah dies mit dem Ziel, Handwerk
und Kunst zu verbinden. Die künstle­
rischen Arbeiten von ungewöhnlichen
Frauen wurden lange nicht beachtet oder
waren im Laufe der Jahrzehnte völlig in
Vergessenheit geraten. „Ihr Eindringen
in andere Bereiche setzte ein großes
Selbstbewusstsein voraus, zudem muss­
ten sie in ihrer Arbeit besser sein als ihre
männlichen Kollegen“, so beschreibt
Ulrike Müller eine Situation, die Frauen
auch heute noch alltäglich erleben. Das
Buch würdigt erstmals die Leistung der
Frauen am Bauhaus in allen gestalterischen Bereichen und stellt in
einfühlsamen Porträts Leben und Schaffen vor.

Ulrike Müller, Dr., studierte Kirchenmusik, Philosophie, Theologie und


Literaturwissenschaft in Hamburg und promovierte 1989 über Else
Lasker-Schüler. Seit 1992 lebt sie in Weimar und ist dort als Reiseleite­
rin, Museumspädagogin, freie Referentin und Autorin tätig. Außerdem
tritt sie mit musikalisch-literarischen Salonprogrammen auf.

Donnerstag, 15. November 2018, 19:00 Uhr


Weimar, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Weimar,
Herdersaal, Herderplatz 8

Weitere Informationen gibt Referat 3.

27
Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff

Fake News machen Geschichte. Gerüchte und


Falschmeldungen im 20. und 21. Jahrhundert

Gerüchte und Falschmeldungen be­


gleiten die Menschheitsgeschichte
von Beginn an. Ihre politischen und
militärischen Folgen waren oft ver­
heerend. Mit dem Aufstieg von »Fake
News« ist klar, dass Gerüchte und
Falschmeldungen im Zeitalter der so­
zialen Medien geschichtsträchtiger
sind als je zuvor.
Die Autoren führen an elf Beispielen
aus dem 20. und 21. Jahrhundert
vor, wie Fehlinformationen und Ge­
rüchte im Spannungsfeld zwischen
Politik, Medien und Öffentlichkeit
ihren verhängnisvollen Lauf nahmen.
Dabei haben sie Fälle gewählt, die
für Deutschland von zentraler Bedeu­
tung waren - von der NS-Zeit (»Alpen­
festung«) über den Kalten Krieg (»Amikäfer«) bis in die allerjüngste
Gegenwart.

Lars-Broder Keil, Jahrgang 1963, Studium der Journalistik in Leipzig.


Seit 1989 als Journalist tätig, u.a. für die Freie Welt, Die Zeit und die
Welt am Sonntag, 1991/92 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaf­
ten Berlin-Brandenburg, Heute ist er Redakteur im Ressort Innenpolitik
der WELT-Gruppe und beschäftigt sich intensiv mit zeitgeschichtlichen
und literaturhistorischen Themen.

Donnerstag, 15. November 2018,19:00 Uhr,


Ilmenau, Universitätsbibliothek Ilmenau, Langewiesener Str.37

Weitere Informationen gibt Referat 4.

28
Tobias Ginsburg

Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern

„Ein irrwitzig-wahnsinnig-komisches Buch


über die weitverzweigte Sumpflandschaft
der rechtsradikalen Reichsbürger. Tobias
Ginsburg hat sich monatelang in ihrem
‚gemeinsamen Nest aus Menschenverach­
tung‘ aufgehalten und erzählt als Literat
und Aufklärer von dieser wahrhaft bedroh­
lichen Szene.“ Günter Wallraff

Wer sind diese Reichsbürger und Staats­


leugner? Und weshalb findet ihre Vorstel­
lung, die Deutschen seien Opfer einer
weltweiten Verschwörung, so viele Anhän­
ger? Der junge jüdische Autor Tobias Gins­
burg schleicht sich bei ihnen ein – und er­
fährt Seltsames und Beängstigendes über
gewaltbereite Neonazis und lichtumspülte
Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Sektierer und rechte Politiker.
Er schließt sich verschiedenen Gruppierungen an, sitzt am Lagerfeuer
und an Stammtischen, wird Mitglied eines selbstausgerufenen König­
reichs und plant mit bei unheilvollen Projekten zum Sturz der Regie­
rung. So dringt er immer tiefer ein in diese so gefährliche wie diffuse
Bewegung, die vom äußersten Rand der Gesellschaft bis in ihre Mitte
reicht. „Die Reise ins Reich“ ist eine Reportage über Macht, Wahnsinn
und Rechtsradikalismus, das Porträt von verzweifelten Menschen und
bösen Verführern, aber auch die Geschichte einer aberwitzigen und
grausig komischen Abenteuerreise.

Tobias Ginsburg studierte Dramaturgie, Literaturwissenschaft und Phi­


losophie an der Bayerischen Theaterakademie und der Ludwig-Maxi­
milians-Universität München. 2007 debütierte er als Autor und Regis­
seur. Sein Stück „Weltenbrand“, in Zusammenarbeit mit Daphne Ebner
entstanden, wurde mit dem Jugendstückepreis 2015 ausgezeichnet.
2016 war er Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs. Ginsburg ist
Gründungsmitglied der Theatergruppe Fake to Pretend.

Montag, 19. November 2018, 19:00 Uhr


Weimar, Kultur- und Freizeitzentrum mon ami, Goetheplatz 11

Weitere Informationen gibt Referat 1.

29
Wolfgang Niess

Die Revolution von 1918/19. Der wahre Be­


ginn unserer Demokratie

Der Aufstand beginnt bei der Hoch­


seeflotte, als Matrosen sich weigern,
trotz der unabwendbaren Kriegsnie­
derlage zu einem letzten Gefecht
gegen die Royal Navy auszulaufen.
Er verbreitet sich in wenigen Tagen
über das ganze Deutsche Reich und
erreicht am 9. November 1918 Berlin.
Hunderttausende von Arbeitern de­
monstrieren, die Garnisonen schlie­
ßen sich an, der Reichskanzler gibt
die Abdankung des Kaisers bekannt,
die Monarchie bricht zusammen, die
Republik wird ausgerufen.

Die Revolutionsbewegung will den


preußischen Militarismus und die
Reste des Kaiserreichs in Verwaltung,
Justiz, Schulen und Universitäten beseitigen und eine von Grund auf
demokratische Gesellschaft schaffen. Die Angst vor einer bolschewis­
tischen Revolution verhindert schließlich, dass der vorhandene Spiel­
raum zu einer wirklichen Entmachtung der etablierten Kräfte genutzt
wird, aber die erste Demokratie ist erfolgreich etabliert. Wolfgang
Niess schildert so spannend wie sachkundig die erfolgreiche Revolu­
tion, der wir die erste deutsche Republik verdanken. Bis heute ist sie
oftmals verkannt, instrumentalisiert oder vergessen worden. Die Zeit
ist reif, sie als größte und erfolgreiche Massenbewegung in der deut­
schen Geschichte zu würdigen.
„Ein glänzend geschriebenes Buch, dramatisch in der Schilderung, gut
strukturiert in der Darstellung und überzeugend in der Analyse. Wolf­
gang Niess hebt die Bedeutung der heutzutage vielfach vergessenen
oder unterschätzten Revolution hervor und versteht es vorzüglich, sie
einem breiten Publikum nahezubringen.“ Ian Kershaw

Wolfgang Niess ist Leitender Redakteur beim SWR Fernsehen. Er ist Au­
tor zahlreicher Radio- und Fernsehsendungen, Aufsätze und Buchpu­
blikationen zu Aspekten der Zeitgeschichte. Bereits seit den 1970er-
Jahren beschäftigt er sich mit der Revolution von 1918/1919; ihre
Deutungen in der deutschen Geschichtsschreibung der vergangenen
100 Jahre behandelte er in seiner Dissertation.

Mittwoch, 21. November 2018, 19:00 Uhr


Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7

Weitere Informationen gibt Referat 1.

30
Felicitas von Aretin

Mit Wagemut und Wissensdurst. Die ersten


Frauen in Universitäten und Berufen

Das grandios recherchierte Buch zeich­


net die innovativen und mutigen Le­
bensentwürfe der ersten berufstätigen
Akademikerinnen nach, die sich An­
fang des vorigen Jahrhunderts in allen
drei deutschsprachigen Ländern stark
für ihre Rechte einsetzten. Darunter
sind Frauen, die als Architektin, Juris­
tin, Zoologin, Pfarrerin oder Mathe­
matikerin nicht nur Männerdomänen
eroberten, sondern auch wegweisende
Frauenorganisationen begründeten,
wie den ersten Soroptimisten- oder
Zonta-Club und erste Verbände für Un­
ternehmerinnen.

Felicitas von Aretin. Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in


Frankfurt am Main, Heidelberg und München, Promotion am Europäi­
schen Hochschulinstitut in Florenz und Journalistin für die „FAZ“, den
„Tagesspiegel“ und „Die Welt“. 2004 erschien ihr vielbeachtetes Buch
„Die Enkel des 20. Juli 1944“. Sie leitete die Pressestelle der Freien
Universität Berlin, arbeite im Bereich Kommunikation der Max-Planck-
Gesellschaft und verantwortet seit 2015 die Abteilung Medien und
Kommunikation am Deutschen Jugendinstitut in München.

Montag, 26. November 2018, 20:00 Uhr


Jena, Evangelische Studierendengemeinde,
August-Bebel-Straße 17a

Dienstag, 27. November 2018,19:00 Uhr,


Ilmenau, Universitätsbibliothek Ilmenau,
Langewiesener Straße 37

Weitere Informationen gibt Referat 3.

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