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Wie werde ich ein Rennfahrer?

Ist man ein Kind, geboren in den 60er oder 70er Jahren, hat man im Fernsehen öfters
die Rennen der Formel 1 oder der Deutsche Rennsport-Meisterschaft gesehen.
Helden wie Lauda, Siffert, Stuck oder Dr. Marko geisterten durch den Kopf ebenso
wie die Sportgeräte dieser Fahrer.

Wer hat damals als Kind nicht stock und steif behauptet: „Wenn ich mal groß bin,
dann werde ich Rennfahrer!“.

Wie oft im Leben, fehlt


einfach nur ein kleiner
Schubs, etwas Mut und
Zuversicht um nach
allgemeinem Maßstab
verrückte Dinge zu tun.
Allein schon der Kauf
eines Oldtimers (in
unserem Fall eines
Triumph) ist eigentlich eine
Verrücktheit. Er kostet
Geld, nimmt in der
Garage, dank der vielen
Ersatzteile, der Ehefrau den Platz für ihren Wagen weg, bindet Zeit für Ausfahrten und
die immer wieder notwendigen Reparaturen.

Wieso nicht einen Schritt weiter gehen und ein Rennfahrer werden? Den Ursprung
unserer Fahrzeuge nachspüren.

Was ist nötig um ein Rennen zu fahren?

Eigentlich ist nicht viel erforderlich. Abgesehen von einer Rennlizenz, benötigt (~500€)
man nur einen Wagen (z.B. einen TR) mit einem Käfig, einem schaumgefüllten Tank,
einem Feuerlöscher, eine 2-Kreisbremse, eine Sitzschale, Gurte und
Haubenverschlüsse.

Hat man das Auto schon, dann kostet der Rest etwa 2500€. Dazu noch einen Satz
Rennreifen für etwa 500€ und es kann los gehen.

Okay – ich habe verschwiegen, daß man auch noch eine entsprechende
Fahrerkleidung haben muß. Overall, Helm, Unterwäsche, Handschuhe und Schuhe
sind nochmals fast 1000€.

Das sind nun schon 4500€ bevor man überhaupt den ersten Meter auf einer
Rennstrecke gefahren ist.
Die Einstiegssaison ist somit die teuerste.

Wie geht es weiter?

Wir haben nun eine Rennlizenz, ein Auto und schickes Outfit, das uns im Fahrerlager
als Rennfahrer ausweist.

Nun kommt der nächste Step: Die Nennung für eine Rennserie. Es gibt viele
Rennserien. Die Triumph Competition nimmt da schon eine Art Sonderstellung ein
und ist auf günstigen Motorsport ausgelegt. Eine vollständige Seriennennung kostet
im Jahr ca. 2500 – 3000€, je nach den Strecken, die angeboten werden.

Damit sind nun für die ersten Saison Kosten von knapp 8000€ entstanden.

Die Folgejahre werden in der Regel günstiger ausfallen, da kein Grundequipment


gekauft werden muß.

Transport:

Der Rennwagen muß zur


Rennstrecke. Auf eigener
Achse hinfahren, oder
Hängertransport?

Ich habe beide Varianten


ausprobiert.

Beides hat seine Reize. Ist der


Rennwagen
straßenzugelassen und mit
Kennzeichen ausgerüstet,
dann kann man den Renner mit Ausrüstung voll laden und zur Rennstrecke brausen.
Ich habe das vier Jahre lang gemacht. Meist konnte ich auch den Heimweg im
Rennwagen wieder antreten, aber eben auch nicht immer. Motorschäden haben
die Heimfahrt zwei oder dreimal verhindert. Der ADAC mußte dann einspringen.

Für das Rennen in Brands Hatch/England habe ich zum ersten Mal einen
Hängertransport durchgeführt.

Vorteil: Man kann mehr Ausrüstung mitnehmen und kommt auch mit einem kaputten
Auto wieder Heim.

Nachteil: Dieses leidige 80 km/h fahren zermürbt.

Aber es hat doch mehr Vorteile als Nachteile, so fahre ich nun mit dem Hänger zu
den Rennstrecken.

Was benötigt man: Ein Zugfahrzeug mit ein paar PS und ein Miethänger sollte
ausreichen.

Unterkunft:
Manch einer schläft im Hotel, ich meist im Zelt. Ich mag es morgens mit Motorenlärm
geweckt zu werden und Abgase zum Frühstück. Es gibt nichts belebenderes für
meine Begriffe. Lediglich bei widrigen Witterungen wechsel ich in eine Pension. Ich
kann ein gutes Zelt empfehlen, das ohne Abspannung hält.

Tuning:

Ein großer Spaß am


Rennsport ist das Tunen. Der
Versuch, den Wagen zu
verbessern, ihn schneller zu
machen. In stillen Stunden in
der Werkstatt, mit Werkzeug
und Hirnschmalz, rückt man
dem Rennwagen zu Leibe
und versucht, mit dem
technischen Reglement als
Leitfaden, das Maximum an
Performance zu generieren.

Die praktische Erprobung


des Tunings erfolgt dann auf
der Rennstecke.

Das Reglement stellt einige Optionen für das Tuning bereit, aber immer mit dem
Augenmerk auf Kostenersparnis. Vermeintlich kostspielige Dinge wie aus dem Vollen
gefräßte Stahlkurbelwellen kosten auf den ersten Blick viel Geld, verlängern aber das
Leben des Motors deutlich und senken dadurch die zu erwartenden Rennkosten für
die Zukunft. Im Gegensatz zu den gängigen Anhang K Rennserien, den streng
historischen (nach Meinung der FIA), dürfen in der TC GFK-Karosserieteile verwendet
werden. Durch GFK-Karosserieteile kann im Falle eines Unfalls der Wagen relativ
kostengünstig repariert werden, aber Unfälle sind zum Glück sehr selten in der TC. Als
Gratiszugabe wird durch die GFK Teile das Gewicht des Wagens
vermindert….dadurch wird er spritziger und rasanter.

Auch mit einem Serienwagen kann man natürlich mitfahren und wenn das Talent
des Fahrers ausreicht, dann sind sogar Pokale in der Klasse möglich. Aber für
Klassensiege reicht ein Serienwagen nicht aus. Erst durch Tuning und vor allem durch
Fahrkönnen gelangt man im Rennen nach vorne.
Fahrkönnen:

Manch einer denkt, ein starkes Auto führt zu Sieg. Sagen wir es so:

Ein starkes Auto


verhindert keinen
Sieg, aber
Rennerfolge
werden durch das
Ding zwischen den
Ohren geschaffen.
Soll heißen: It’s the
Driver and not the
Car!

Fahrkönnen kann man durch Bücher, Lehrgänge oder Onboard-Videos erwerben,


aber insbesondere durch Fahrpraxis. In einem Rennen gegen Gegner zu fahren ist
eine besondere Kunst, die sich erst entwickeln muß. Kein Meister ist bisher vom
Himmel gefallen. Viele Fahrer sind schnell, aber zu einem Rennfahrer gehört etwas
mehr als nur Schnelligkeit. Strategie, Fahrzeugbeherrschung, Einschätzungsvermögen
von Situationen sind wichtige Faktoren, die aber erst durch Übung erlernt werden
können. Manchmal ist man am verzweifeln, weil man irgendwie langsamer ist als
seine Gegner. Hier hilft nur Analyse, wo man eigene Fehler macht. Ein Fahrertraining
kann hier manchmal helfen.

Mut:

Mut sollte man haben, aber Übermut tut


selten gut. Zuviel Mut kostet Geld. Schnell
hat man durch zu riskante Fahrweise die
Strecke verlassen und schlittert mit
ungesunder Geschwindigkeit einer
Leitplanke entgegen. Die Folgen von
Übermut überlasse ich Eurer Phantasie.

Fahrerkategorien:

In einem Rennen gibt es nur zwei Typen von Fahrern:

- Die einen die gejagt werden


- Und die anderen, die jagen.

Witziger weise ändert sich dieser Zustand während eines Rennes für den einzelnen
Fahrer oft mehrfach.

Kameradschaft:

Kameradschaft unter den Fahrern ist selbstverständlich. Ihr währt überrascht, wie sehr
sich die Fahrer untereinander helfen. Mit Ersatzteilen, Ratschlägen, Werkzeugen. Ein
Fahrerlager ist während eines Rennwochenendes die best ausgerüstete Werkstatt
des Planeten. Vom Schweißgerät bis zur Drehbank findet man fast alles, was helfen
kann, einen lädierten Rennwagen wieder auf die Strecke zu bringen. Allein für die
Kameradschaft lohnt sich schon das Rennen fahren.

What is this all about:

Wieso sollte ein vernunftbegabter Mensch Rennen fahren?

Ich drücke es mal wie folgt aus:

Wer Spaß an Sex hat, wird feststellen, daß Rennen fahren die hundertprozentige
Steigerung von Sex ist, aber ohne die tödlichen Gefahren.

Im Motorsport sterben erheblich weniger Menschen als beim Sex. Insofern erhöht
man nahezu gefahrlos seine Lebensqualität….

Es gibt nichts Spannenderes


als ein START. Wer noch nie
auf einer Start-Ziel-Geraden
gestanden hat und auf
einen Start wartete, der hat
etwas verpasst und wird nie
erfahren, was echte
Spannung bedeutet.

Darum werdet Rennfahrer,


brecht aus dem Alltag aus
und genießt euer Leben.

Grüße

Chris