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Das Studierendenmagazin des VSStÖ Linz. Seit 1966.

Ausgabe 10–WiSe 10/11

„Ein Stipendium für alle, die studieren“


Interview mit ÖH Vorsitzendem Stefan Etzelstorfer
Seiten 4 & 5

Die Quotenregelung Vorstellung der Studienschwer- Sparbudget - Sats es wo augrennt?


punkte

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Verband sozialistischer Student_innen Österreichs


http://linz.vsstoe.at
Die Quotenregelung
„Quotenfrauen“, oder „die hat den Job jetzt
nur bekommen, weil sie eine Frau ist“ - sol-
editorial che Aussagen hört man immer wieder,
Susi Aichinger wenn es um die Quotenregelung geht.
COGITO Chefredakteurin
Doch, dass eine Frau nur dann bevorzugt
susi.aichinger@oeh.jku.at
genommen wird, wenn sie mindestens frauen
genauso gut qualifiziert ist, wie der best- Sarah Ortner
Mut zur Elite geeignetste Mitbewerber, darüber spricht ÖH Frauenreferentin
kaum jemand. sarah.ortner@oeh.jku.at

Letzte Woche gab die ÖVP in einer Pres-


sekonferenz bekannt, wie sie sich eine Die Quotenregelung ist im Bundesgleich- profilen. Dann ist aber immer noch die so
Bildungsreform vorstellen. Neben mehr behandlungsgesetz geregelt, gilt also nur genannte Öffnungsklausel zu beachten.
Sprachförderung im Kindergarten und für alle öffentlich- und privatrechtlichen Diese bedeutet, dass der Bewerberin nur
der Volksschule, soll es laut ÖVP eine „Bil- Dienstverhältnisse zum Bund. Angewen- dann der Vorrang einzuräumen ist, wenn
dungsempfehlung“ am Ende der Volks- det darf sie jedoch nur dann werden, wenn keine überwiegenden Gründe für den Mit-
schule geben. Das heißt, die_der Lehrer_in eine Unterrepräsentation von Frauen von bewerber vorliegen. Gründe, die für den
beurteilt, ob ein Kind in ein Gymnasium 45 Prozent vorliegt. Doch auch dann ist die männlichen Bewerber sprechen, dürfen
oder in die Hauptschule kommt. Ohne Frau nur bevorzugt einzustellen, wenn sie aber in keinster Weise mittelbare oder un-
„positive Bildungsempfehlung“ soll kein gleich qualifiziert ist. mittelbare diskriminierende Wirkung auf
Übertritt in die Mittelstufe möglich sein. Frauen haben.
Gleiche Qualifikation in diesem Fall bedeu-
Statt einer Gesamtschule will die ÖVP wei- tet das Vorliegen von gleichen Eignungs-
terhin Hauptschule, die Neue Mittelschu-
le heißt und das Gymnasium. In beiden
Schultypen soll es eine Differenzierung
geben, Talente sollen gefördert werden.
Am Ende der 4. Klasse soll es eine Prüfung
zur Mittleren Reife geben, diese ist Vor-
raussetzung für den weiteren Besuch von Soziale Selektion
Schulen, die mit Matura abschließen. Be-
wegung gibt es im Bereich der modularen Soziale Selektion, also die Benachteiligung
Schule. Dies bedeutet, dass zum Beispiel aufgrund der sozialen Herkunft, im öster-
nur einzelne Module wiederholt werden reichischen Bildungssektor, passiert auf
müssen, nicht aber das gesamte Jahr. unterschiedlichen Ebenen: maßgeblich
sind Bildung der Eltern, soziale Schicht,
Die Umbenennung der Hauptschulen schulische Vorbildung und regionale Her- soziales
in Neue Mittelschulen ist lächerlich, da- kunft. Hannah Stögermüller
mit verändert sich nichts daran, dass die Der Bildungsgrad der Eltern spielt eine VSStÖ Vorsitzende
Bildung der Kinder sehr stark von der Bil- wesentliche Rolle für die Wahrschein- hannah.stoegermueller@oeh.jku.at
dung der Eltern abhängig ist. Dies kann lichkeit, ob jemand studiert oder nicht.
nur in einer Gesamtschule umgesetzt 1990 waren Kinder von Maturant_innen Hälfte aller inländischen Studierenden
werden. Mit den Plänen von einer zusätz- oder Akademiker_innen unter den Studi- verfügen über eine AHS Matura, nur 6 %
lichen Prüfung am Ende der 8. Schulstu- enanfänger_innen noch um den Faktor aller Studienanfänger_innen haben einen
fe wird dies weiter verschärft. Im neuen vier überrepräsentiert. Das bedeutet, die „nicht-traditionellen Hochschulzugang“,
Bildungskonzept der ÖVP wird vor allem Wahrscheinlichkeit ein Studium zu begin- beispielsweise über den zweiten Bildungs-
Elitenbildung und Talentförderung groß nen war für diese Kinder viermal so hoch weg. Ob jemand später studiert, scheint
geschrieben. Mit der Umsetzung der Zu- wie für andere. Heute ist die Wahrschein- sich aber schon im Alter von 10 Jahren
gangsbeschränkungen an Unis zeigt sich lichkeit für Akademiker_innenkinder noch abzuzeichnen. Die Wahrscheinlichkeit an
die Vision der ÖVP: Eliten fördern, alle an- immer dreimal so groß ein Universitätsstu- einer Hochschule zu studieren liegt bei
deren werdens schon irgendwie schaffen! dium zu beginnen. ehemaligen AHS-Unterstufen-Schüler_in-
Noch prägnanter zeigt sich soziale Selek- nen bei 75 %, bei ehemaligen Hauptschü-
tion aber bei der Vorbildung. Knapp die ler_innen bei knappen 25 %.

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Endspurt ist angesagt!
sie Papers zu schreiben oder Projekte aus-
zuarbeiten hatten. Auch in den kommen-
den Semesterferien werde viele an der öh-news
Uni oder im Science Park anzutreffen sein. Stefan Etzelstorfer
Teilweise sind bis Mitte Februar Tests und ÖH Vorsitzender
stefan.etzelstorfer@oeh.jku.at
tnf auch nach den Ferien gibt es wieder einige
Fabian Grabner Prüfungstermine.
VSStÖ-TNF-Gruppe Willkommen im Jahr 2011!
fabian.grabner@oeh.jku.at Besonders in den technischen Studienrich- Ich hoffe, du hast die Weihnachtsferi-
tungen empfiehlt es sich, im Zuge der 2. en gut überstanden, dich gut erholt und
Ein neues Jahr beginnt und damit steht für Übungstests auch gleich die Vorlesungs- Kraft tanken können für den Klausuren-
uns Student_innen das Ende des Seme- klausuren zu absolvieren. Die Theorie ist marathon, der vielen bevorsteht. Das
sters vor der Tür. Endspurt ist angesagt. In anhand der praktischen Beispiele meist neue Jahr bringt Gewohntes sowie auch
den letzten drei Wochen müssen immer- leichter verständlich und andernfalls einige Neuerungen für uns Studierende
hin noch einige Seminararbeiten abgege- muss man sich bei späteren Terminen die - von positiven bis leider weniger erfreu-
ben und zahlreiche Klausuren geschrieben Rechenbeispiele erst wieder geläufig ma- lichen. Hier ein kurzer Überblick:
werden. chen! Auch ist der Stoff noch viel frischer
in Erinnerung, sofern man ein_e fleißige_r Familienbeihilfe nur mehr bis 24
Wo andere schon dem Wintersport Vorlesungsbesucher_in war. Die größte Hiobsbotschaft für uns Stu-
frönten, hatten einige von uns kurz vor
dierende heuer, ist sicher die Kürzung
Weihnachten noch Prüfungen. Auch die Alles Gute für die letzten drei Wochen der Anspruchsdauer der Familienbeihilfe.
vorlesungsfreie Zeit fiel für viele flach, da wünscht dir dein VSStÖ TNF Team! Ab 1. Juli 2011 wird sie nur mehr bis zum
vollendeten 24. Lebensjahr ausbezahlt.
Ausnahmen gibt es für Bezieher_innen
von Studienbeihilfe sowie für bestimmte
Vorstellung der medizinische oder technische Studien-
richtungen mit höherer Durchschnittsstu-

Studienschwerpunkte diendauer.

Neue Masterstudien ab WS 2011/12


Vorstellung der Studienschwerpunkte von Neben dem einzigartigen Studium der
JUS bereits etwas Licht ins Dunkle bringen Webwissenschaften oder der Informati-
konnte, hofften viele die beim ersten Mal onselektronik wird es auch einige neue
nicht dabei sein konnten, auf eine Fortset- Master insbesondere für Bachelor-Absol-
zung. Nun geht die Veranstaltung am 26. vent_innen der SOWI geben.
jus Jänner 2011 in der Halle neben dem Chat,
Sabrina Seyrl in die zweite Runde. Ein weiteres Mal sol- Bürger_innenservice der Stadt Linz
VSStÖ -Jus-Gruppe len die Studierenden durch die Jus-Gruppe Ab 21. Februar 2011 kannst du wieder die
sabrina.seyrl@reflex.at des VSStÖ in Zusammenarbeit mit den Leistungen des Bürger_innenservice der
fachverantwortlichen Professor_innen, Stadt Linz direkt auf der Uni im ÖH-Sozial-
Welchen Studienschwerpunkt nehm ich aktiv in ihren Entscheidungen unterstützt referat nutzen. Bis einschließlich 25. März
überhaupt? Welcher deckt meine persön- werden. Sowohl durch informative Präsen- zählen dazu u.a. Wohnsitzmeldungen
lichen Interessen am besten ab? Mit wel- tationen der Lehrenden, als auch durch die oder Aktivpassausstellungen. Genauere
chem hat man später auch gute Berufs- Beantwortung sämtlicher im Anschluss Infos und Öffnungszeiten findest du in
chancen? Worum geht es in den jeweiligen noch offener Fragen durch die Profes- Kürze auf www.oeh.jku.at/sozialreferat.
Fächern? sor_innen, möchten wir den Studierenden
einen größtmöglichen Einblick in die jewei- Erweiterung Science Park II
Fragen, die wahrscheinlich vielen Student_ ligen Schwerpunkte verschaffen. Der Bauteil II des Science Parks wird heu-
innen bereits am Anfang ihres Studiums, er im Sommer fertiggestellt und eröffnet.
spätestens aber mit Beginn des zweiten Im Rahmen der Veranstaltung ist auch die Untergebracht werden hier u.a. die Kunst-
Abschnitts, durch den Kopf schwirren. VSStÖ JUS Schwerpunkt Broschüre gratis stofftechnik-Institute oder die Industrie-
Nachdem die im Oktober stattgefundene erhätlich. mathematik. Die Kosten belaufen sich auf
ca. 26 Millionen Euro.

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„Ein Stipendium für alle, die stu-
dieren“
COGITO sprach mit dem ÖH-Vorsitzenden Stefan Etzelstorfer über die derzeitige Situation der Universi-
täten, kommende Herausforderungen an der JKU und warum Studierende eigentlich für Ihr Studium vom
Staat bezahlt werden sollten.

COGITO: Trotz massiver Proteste wird mit 1. tig zeigen wir aber auch vehement Probleme COGITO: Die Anrechnung der Sani-Ausbil-
Juli 2011 die Familienbeihilfe für Studierende auf und bieten Lösungen im Interesse der dung im Rahmen eines Studiums klingt fürs
nur mehr bis zum 24. Lebensjahr ausbezahlt. Studierende an. Bundesweit haben nicht Erste ungewöhnlich. Was bezweckt ihr da-
War der massive Protest seitens der ÖH dann zuletzt die jahrelangen Proteste gegen die mit?
nicht umsonst? Studiengebühren maßgeblich zu deren weit- Stefan: Wir wollen damit ehrenamtlichen
Stefan: Nein, auf keinen Fall. Es gibt ja jetzt gehender Abschaffung im September 2008 Tätigkeiten neben dem Studium einen hö-
Ausnahmeregelungen, beispielsweise für beigetragen. Das war ein großer Erfolg, der heren Stellenwert geben. Es wird immer
jene, die Studienbeihilfe beziehen oder für gern vergessen wird. bemängelt, dass Bereiche wie soziale Kom-
bestimmte technische Studienrichtungen petenz und soziale Verantwortung nur in
mit längerer Studiendauer. Die Bundesre- COGITO: Du hast von Projekten an der JKU geringem Ausmaß an einer Universität ver-
gierung plante im vergangenen Herbst über gesprochen, die umgesetzt werden... mittelt werden können. Wir sind auch über-
Nacht den schwersten finanziellen Anschlag Stefan: In den letzten Jahren ist es uns ge- zeugt, dass diese Form des ehrenamtlichen
auf uns Studierende seit Einführung der Stu- lungen, zahlreiche Vorhaben zu realisieren, Engagements auch das Organisationstalent
diengebühren im Jahr 2001. Das konnten die aus dem studentischen Alltag kaum fördert. Und viele Arbeitgeber_innen schät-
und durften wir uns nicht gefallen lassen. mehr wegzudenken sind. Das Bürger_innen- zen ein derartiges soziales Engagement be-
Leider hat sich einmal mehr gezeigt, dass wir service oder die AK-Beratung im Sozialrefe- reits während des Studiums.
junge Menschen keine starke Lobby haben. rat, der freien Download von Lernunterlagen
Bei anderen Berufsgruppen hätte die Regie- auf unserer Open Couseware-Plattform, die COGITO: Im letzten Sommer wurde auch die
rung das nie in dieser Form durchgezogen. Bücherbörse im ÖH-Shop, die Erhöhung des OCW-Plattform erneuert und adaptiert. Was
Mensabonus oder die Samstag-Öffnung der ist anders?
COGITO: Muss man als Interessenvertretung Bibliothek sind nur die wichtigsten. Dazu Stefan: Ein großer Pluspunkt ist die verbes-
dann nicht verzweifeln angesichts des gerin- kommen noch die Lunch Lectures oder die serte Übersichtlichkeit sowie eine Such-
geren realpolitischen Einflusses? jüngst geschaffene Möglichkeit sich die funktion, die es erlaubt, nach bestimmten
Stefan: Man muss unterscheiden zwischen Sani-Ausbildung als freies Wahlfach anrech- Schlagworten auch dokumentübergreifend
der Vertretung gegenüber dem Rektorat an nen zu lassen. Und fast hätte ich jetzt die zu suchen. Wesentlichste Neuerung bei den
den einzelnen Universitäten einerseits und vielen neuen Steckdosen in den Hörsälen Lernunterlagen sind sicher die didaktisch
gegenüber der Politik andererseits. An der vergessen, die endlich ein vernünftiges Ar- hervorragend aufbereitenden Gesetzes-
JKU sind wir sicher eine starke Playerin und beiten mit dem Laptop ermöglichen! texte aus dem Öffentllichen Recht. Zurzeit
können viele Projekte umsetzen. Gleichzei- stehen den Studierenden alle relevanten

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Normen aus dem ersten Abschnitt sowie die Problem bereits durch die negative Aus- auch das fehlende Hochschulbudget - über
Gewerbe- und Bauordnung in ihrer jeweils lese Gymnasium - Hauptschule mit zehn höhere Abgaben auf große Einkommen und
aktuellsten Fassung zum freien Download Jahren beginnt. Studienbeihilfe lindert Vermögen.
zur Verfügung. Hier haben wir mit Prof. Bru- dieses Problem lediglich, bekämpft aber
no Binder einen großen Unterstützer gefun- nicht das Symptom. Zumal das heimische COGITO: Was tut sich 2011 an der JKU?
den, der hoffentlich noch viele Nachahmer_ Beihilfensystem dringend grundlegend re- Stefan: Neben der Fertigstellung des Bau-
innen finden wird. formiert werden muss. teils II des Science Parks wird es ab Herbst
auch einige neue Masterstudien, vor allem
COGITO: Ende Jänner jährt sich die Amtszeit COGITO: Inwiefern grundlegend refor- im wirtschaftlichen Bereich geben. Das
von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl miert? Masterstudium Webwissenschaften wird
zum ersten Mal. Welche Bilanz lässt sich zie- Stefan: Nur zwei von zehn Studierenden endlich starten, ein Studium das in seiner
hen? bekommen überhaupt Studienbeihilfe. Form bisher einzigartig ist - auch über die
Stefan: Die heimischen Hochschulpolitik Zudem kommt noch eine massive Un- heimischen Grenzen hinaus. Und gewählt
gleicht einer großen Baustelle. Den Unis gleichbehandlung zwischen unselbststän- wird auch wieder: Ende Mai sind alle JKU-
fehlt das Geld und es gibt keine zukunfts- digen und selbstständigen Einkünften bei Studierenden erneut aufgerufen, von ihrem
weisenden Konzepte. Die Vorschläge von der Bemessung der Stipendien. Studie- Wahlrecht Gebrauch zu machen und ihre
Ministerin Karl beschränken sich im Wesent- rende, deren Eltern Arbeitnehmer_innen studentischen Vertretungen neu zu wählen.
lichen auf Zugangsbeschränkungen, Stu- sind, erhalten schwieriger Beihilfen. Das Es wird uns daher sicher auch 2011 nicht
diengebühren und den Ruf nach mehr pri- eigentlich Absurde ist aber, dass sich die langweilig werden...
vaten Mitteln. Österreich braucht dringend Studienbeihilfe am Einkommen der Eltern
mehr und nicht weniger Akademikerinnen orientiert. Was ist, wenn die Eltern zu gut
und Akademiker. Das geht nur mit mehr verdienen, aber ihre Kinder trotzdem nicht
Geld und einem klaren politischen Bekennt- unterstützen? Ich könnte jetzt sofort zehn
nis. Dass Ministerin Karl dafür die richtige Personen aus meinem Bekanntenkreis
Person ist, glaube ich aber nicht. aufzählen, wo das so ist. Was wir brau-
chen, ist ein Grundstipendium.
COGITO: Bei all der berechtigen Kritik: Gibt es
wirklich keinen einzigen positiven Punkt an COGITO: Wie soll dieses „Grundstipendi- info
der Wissenschaftsministerin? um“ genau aussehen? Stefan Etzelstorfer
Stefan: Seit Amtsantritt plädiert sie für Stefan: Es ist ganz einfach. Jede_r Stu- ÖH Vorsitzender
Zugangsbeschränkungen und Studienge- dent_in erhält monatlich einen be- stefan.etzelstorfer@oeh.jku.at
bühren. Man weiß als ÖH, wie man dran ist, stimmten Fixbetrag, zum Beispiel 500
weil sie auch die Bundesvertretung nicht Euro. Und zwar unabhängig, ob die Mutter Stefan Etzelstorfer (26) studiert Wirt-
einmal ansatzweise ernst nimmt. Ärztin oder der Vater Facharbeiter ist. Das schaftswissenschaften, Jus und Wirt-
Grundstipendium ist eine Leistung, die schaftsrecht an der JKU Linz. Er war
bereits in vielen Bereichen innerhalb
COGITO: Du bist ja für die Liste „VSStÖ, IKS & alle bekommen, die studieren. Eigentlich
der ÖH-Linz aktiv, darunter im Team der
Unabhängige“ in der ÖH-Linz. Was sind eure wie bereits jetzt bei der Familienbeihilfe,
Studienvertretung WiWi, im Bildungs-
Positionen und Ziele? nur eben um einiges höher. Ein ähnliches politischen Referat (JKUrsiv) sowie
Stefan: Wir stehen für den bedingungslosen Modell ist in Dänemark jetzt schon Rea- zurzeit auch als Mandatar der Studien-
freien Hochschulzugang. Bildung darf nicht lität. Dort werden junge Menschen vom vertretung Wirtschaftsrecht. Seit Juni
von der finanziellen Situation des Eltern- Staat dafür bezahlt, dass sie studieren. 2010 ist er Vorsitzender der ÖH-Linz.
hauses abhängig sein. Die Realität sieht Das ist der richtige Zugang. Und finanziert
freilich immer noch anders aus, weil das werden könnte das Ganze - wie übrigens

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Sats es wo augrennt?
den durch die damalige Bildungsministerin seitens der Eltern verfügen. Eine zynische
Gehrer, oder das langsame Austrocknen der Rechtfertigung für diese Beihilfenkürzung
Uni-Budgets. Die Abschaffung der Studien- lieferte Vizekanzler Pröll (ÖVP): Es sei für Stu-
gebühren für die überwältigende Mehrheit dierende durchaus zumutbar, nach dem Ba-
der Studierenden und die Einführung der chelor arbeiten zu gehen, um sich ein etwai-
bipol Neuen Mittelschule als Pilotprojekt sind da ges Masterstudium finanzieren zu können.
Michael Gusenbauer nur Tropfen auf dem heißen Stein. Seinen Der zweite finanzielle Anschlag der Bun-
Politischer Sekretär des VSStÖ Linz vorläufigen Abschluss findet dieses Desin- desregierung trifft die Universitäten direkt.
michael.gusenbauer@oeh.jku.at teresse an Bildung im kurz vor Weihnachten Wissenschaftsministerin Karl (ÖVP) ver-
beschlossenen Sparpaket. kündete vollmundig, es werde 80 Millionen
Diese Überschrift mag polemisch klingen, Euro mehr für die Universitäten geben. Eine
spiegelt aber in vier Worten den Inhalt des Künftig wird die Familienbeihilfe nur mehr glatte Verdrehung der Faktenlage. Ab 2013
neu beschlossenen Sparbudgets wider. Es bis zum vollendeten 24. Lebensjahr aus- werden die österreichischen Universitäten
werden Leistungen gekürzt, mit Schwer- gezahlt. Stichtag ist dabei jeweils das Ge- keine weitere Budgeterhöhung bekommen.
punkt bei Familien, Studierenden & Co. burtsdatum. Zwar wurden noch kleinere
Nachbesserungen beschlossen, dennoch Das ist österreichische Bildungspolitik im 21.
Latente Bildungsfeindlichkeit hat in der ös- bedeutet diese Neuregelung einen massiven Jahrhundert. Finanziell ausgehungert und
terreichischen Innenpolitik schon seit Jahren finanziellen Einschnitt für tausende Studie- ohne Visionen. Mangelverwaltung per ex-
Tradition. Sei es die Einführung von Studi- rende. Es ist fraglich, ob ein Masterstudium cellence!
engebühren unter der schwarz-blauen Ko- auch für all jene möglich sein wird, die nicht
alition, die Streichung von Unterrichtsstun- über entsprechende finanzielle Absicherung

www.arbeiterkammer.com

MEHR.
FÜR UNSERE JUNGEN.

DR. JOHANN KALLIAUER


AK-Präsident

DIE AK – EINE STARKE PARTNERIN FÜR DIE JUGEND!


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jahresrückblick 2010 gut-böse-jenseits
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5
Gut
Platz 5 geht an die oberösterreichischen Grünen, die 2010
im Landtag für ein Burka-Verbot stimmten. Ob burkatra- In 22 Straßenbahnen der Linz AG ist es
genden Frauen wirklich damit geholfen ist, sie gar nicht ab sofort möglich im Internet zu surfen.
mehr aus dem Haus zu lassen, ist fraglich. WLAN in den Straßenbahnen ist ein wei-
terer Schritt zur Umsetzung der Open
Commons Region Linz. Neben öffent-
lichen Plätzen und Public-Space Server ist

4
Platz 4 geht an das Unwort des Jahres: „Verländerung“ der nun endlich auch die Straßenbahn mobil.
Man kann sich also nun auf die unend-
Lehrer_innen. Gefühlte tausendmal wurde diese Diskussi- lichen „Sitz-in-der-Bim-und-hab-Internet“
on aufgerollt um von anderen Themen abzulenken und ko- – Postings auf Facebook freuen.
stete uns 2010 nichts als Nerven. Dass bildungspolitischer
Föderalismus Reformen unmöglich machen würde, zeigt Böse
das Beispiel Deutschland und ist keinesfalls nachahmens-
Die ÖVP fordert die Wiedereinführung
wert. der Aufnahmetest an Gymnasien, die in
den 70er Jahren von Bruno Kreisky ab-
geschafft wurden. Gut ist dabei, dass da

3
Platz 3 geht an den Satz des Jahres: „Da bin ich jetzt super- sogar Protest aus den eigenen Reihen
nackt.“ Walter Meischberger, Unternehmer und ehemaliger kommt. Der AHS-Direktor_innensprecher
Wilhelm Zillner meint, dass dabei „zuviel
FPÖ-Politiker, teilte mit diesem Satz seine Sorgen vor einer
Potenzial“ verloren geht und kritisiert
Einvernahme der Polizei dem ehemaligen Finanzminister gleichzeitig Zugangsbeschränkungen an
Grasser mit. Ist aber nicht schlimm. Wieso sollte Meisch- der Uni.
berger auch wissen für was er 800.000 Euro von einer Firma
bezahlt bekommen hat. Einfach ein bisschen recherchieren Jenseits
und googlen.
2010 wurde zur Verminderung der Ein-

2
kommensdifferenz zwischen Männern
und Frauen ein Gesetz beschlossen, in
Platz 2 geht an Innenministerin Maria Fekter. Die österrei- dem nun Unternehmen mit mehr als
chische Politik erlangte durch sie ein neues Tief als sie im 1000 Mitarbeiter_innen anonymisierte
Oktober 8-jährige Mädchen abschieben wollte. Statistiken mit den Einkommen veröffent-
lichen müssen. Gleichzeitig wurde aber
beschlossen, dass Frauen, die sich über

1
die Ungerechtigkeiten beschweren, bis zu
360 Euro Strafe zahlen müssen. Firmen,
Platz 1 geht an Faymann und Pröll, die es schafften an die keine Statistik veröffentlichen, zahlen
einem Wellness Wochenende eines der unsozialsten Spar- nichts.

pakete zusammenzustellen und dabei keine Ahnung von


gar nichts zu haben.

linz.vsstoe.at 7
Schwerpunkt-Vorstellung
Mi, 26. Jänner 2011 :: 10:00 Uhr
Halle C (Kepler Gebäude bei Ch@t)
Die fachverantwortlichen Jus-Professor_innen präsentieren sämtliche elf
Studienschwerpunkte für das Diplomstudium Rechtswissenschaften.

Eine Veranstaltung der VSStÖ-Jus-Gruppe

http://linz.vsstoe.at http://facebook.com/vsstoe.linz http://twitter.com/vsstoelinz

Impressum
Medieninhaber_in und Herausgeber_in:
Verband Sozialistischer Student_innen Österreichs
Sektion Linz: J.W.Kleinstr. 72, 4040 Linz
Tel. 0732 24 38 58 | office@linz.vsstoe.at Dieses Werk ist unter einer
Für den Inhalt verantwortlich: VSStÖ Linz Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Fotos: Peter Kollroß http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/at/

ne
ei
Ich will (kostenlos):

ir
m
eb
Kl
Informationen über den VSStÖ Pocketcards: Broschüren
den VSStÖ Wandkalender Statistik Studieren und Arbeiten

den VSStÖ Taschenkalender Arbeitsrecht Richtiges Zitieren

die VSStÖ Sozialbroschüre Grundrechte Studieneinstieg („Roter Faden“)

das VSStÖ Grundsatzprogramm Römisches Recht How To Gender

beim COGITO mitschreiben Bürgerliches Recht

beim VSStÖ mitmachen Strafrecht


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