Sie sind auf Seite 1von 1

Reflektionen zu Artikel 1:„Rechtschreibung bei Schülern“ und Artikel 2: „Lernmethode bei

Schülern – Lesen durch Schreiben“ beides Spiegel online

Artikel 1 zwingt zur Reflektion des eigenen medialen Aufwachsens und des damit
verbundenen Umgangs mit Schrift(sprache).
Nach einer Untersuchung über mehrere Jahrzehnte an ca. 300 Schülern sollen signifikante
Veränderungen der Rechtschreibfähigkeiten bei SchülerInnen an Grundschulen festgestellt
worden sein. Diese Erkenntnis ist in der Reflektion anzuerkennen und bestätigt eigene
Beobachtungen durchaus auch an der eigenen Person. Allerdings glaube ich, dass keine
Generation vor der jetzigen, so offenen Umgang mit Schriftsprache und
Rechtschreibfähigkeiten pflegen konnte. Offen heisst eben auch, dass Schriftsprache von dem
Anwendenden verändert und geformt werden kann. Dies stösst dann an Grenzen, wenn
professionelle Bereiche der Schriftsprache Nutzenden eine Bewertung vorzunehmen haben,
ob nun z.B. aus dem Bereich der Orthographie, als Arbeitgeber oder der Wissenschaft.
Sprich: die Bewertung kann nur an vereinheitlichten Standards durchgeführt werden, deren
Aufstellung einer Diskussion und Verabredung bedarf und zwar in jedem einzelnen
Nutzungsbereich.
Wenn ich nun die Entwicklung von Rechtschreibfähigkeiten an Grundschulen professionell
untersuchen möchte bin ich in der Bewertung an die aktuell gültigen, d.h. gesellschaftlich
diskutierten, Rechtschreibregeln gebunden. Bis LOL in den Duden aufgenommen wird, kann
es schon noch etwas dauern.
Um professionelle Anwendung von Schriftsprache zu Erlernen sind SchülerInnen in der Regel
auf das öffentliche Schulsystem angewiesen, welches der Bewertung und Kontrolle der
Länder unterliegt. Die Untersuchung beschreibt den Umstand, dass dieses öffentliche System
häufig durch private Leistungen ergänzt werden muss (Nachhilfeunterricht etc.) oder von
vielen Eltern mittlerweile durch den Besuch von privaten Schulen ersetzt wird. Die Spaltung
der Gesellschaft in diejenigen, die ergänzende oder stellvertretende Leistungen finanzieren
können oder nicht.
Artikel 2 zu einer pädagogischen Lernmethode „Lesen durch Schreiben“ vertieft die
Erkenntnis aus Artikel 1 dahingehend, dass Eltern, deren Kind von der Lernmethode betroffen
sind gefordert seien eigene private Anstrengungen zu erbringen, um die Sinnlosigkeit der
Methode zu überwinden und auszugleichen.
Resumee:
Beide Artikel stehen etwas hilflos nebeneinander, obwohl ihr Grundtenor, die Kritik am
öffentlichen Schulsystem, im Gleichklang steht.

Hi, 24.05.2020