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Sinnesphysiologie: Insekten Insekten

Körperbau, Lebensweise und Sinnesphysiologie


Vorlesung SS 2006
Dr. Peter Rosenkranz
Landesanstalt für Bienenkunde

• Sinnesphysiologie
• Hören
• Sehen
• Riechen/ Schmecken
• Besonderheiten bei der Honigbiene
• Soziale Organisation im Bienenstaat

Reizformen Hören bei Insekten

Drei Typen:
Hörhaare : Sie gleichen mechanischen Haarrezeptoren für den Vibrations - und Tastsinn.
Schnelleempfänger, die relativ hohe Schallintensität erfordern. [Raupen, Rückenschwimmer].
Johnstohnsches Organ: In manchen Fällen dient die ganze Antennengeißel als Schnelleempfänger
[männl. Stechmücken, Zuckmücken]. Durch die Antennenbewegung wird das im 2. Antennenglied
gelegene Johnstohnsche Organ erregt. Dies enthält bei Culiden 30 000 stiftführende Skolopidien, die
dreidimensional angeordnet sind. Durch stempelartige und kippende Bewegungen der Geißel entsteht
ein raum-zeitliches Erregungsmuster, das eine gewisse Ortung der Schallquelle erlaubt. Die
Schwellenempfindlichkeit kommt an die des Menschen heran. Bei Hymenopteren und Dipteren wird mit
dem Johnstohnschen Organ auch die Fluggeschwindigkeit gemessen.
Tympanalorgane: Sie sind polyphyletisch entstanden und befinden sich
• im Meso- oder Metathorax bestimmter Schmetterlinge,
• im ersten Abdominalsegment bei bestimmten Heuschrecken und Schmetterlingen,
• im zweiten Abdominalsegment bei Cicada oder
• in den Tibien der Vorderbeine bei Singschrecken und Grillen.
An einer Hautfalte entsteht durch das Herantreten einer Tracheenvergrößerung ein Trommelfell
(Tympanum), das von einigen bis über Tausend Skolopidien abgetastet wird.
Bei den tibialen Tympanalorganen stehen sich zwei Trommelfelle gegenüber. Dadurch ergibt sich ein
Druckgradientempfänger.
Tympanalorgane sprechen bevorzugt auf hohe Frequenzen an (bis 240 kHz). Die Frequenzanalyse ist
kaum möglich, registriert wird die Amplitudenmodulation. Richtungshören ist möglich.

Hören bei Insekten Akustische Wahrnehmung


Tympanalorgan („Hören“)
Johnstonsches Organ im Fühler („Schallschnelle“) Insekten

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„Grillenbalz“ Hören bei Honigbienen

Insektenauge: Ocellen Insektenauge:Komplexauge

Funktion: Wahrnehmung von Licht


Lage des Insektenkörpers im Raum

Gehirn der Insekten Insektenauge:Komplexauge

• Unbeweglich
• Bestehen aus einzelnen Ommatidien
(z.B. Ameise: 6; Libelle: 28.000)
• Jedes Ommatidium bildet einen Einzelpunkt
der Umwelt ab à je mehr Ommatidien, desto
schärfer die Sicht à Mosaik-Bild

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Komplexauge Wahrnehmung mit Komplexaugen
Aufbau

Biologie der Honigbienen

Wahrnehmung mit Komplexaugen Wahrnehmung mit Komplexaugen

Biologie der Honigbienen Biologie der Honigbienen

Insektenauge Komplexauge
Linsenauge vs. Komplexauge zeitliche Auflösung
1. Aufl ösung • zeitliches Auflösungsvermögen höher als beim
Linsenauge: bis zu 250 Bilder pro Sekunde
2. Sehfeld (Mensch: 24)
3. Farbensehen (UV) • Grund:
4. Bewegungssehen
schnellere Lichtreaktion der Photorezeptoren
5. Polarisiertes Licht
à können höhere Bewegungsgeschwindigkeiten
auflösen

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Komplexauge Komplexauge
Auflösung (Lichtstärke) Optisches Superpositionsauge
3 verschiedene Typen
1. Appostionsauge
• hauptsächlich bei tagaktiven Insekten
• Ommatidien sind in ihrer gesamten Länge durch Pigmentzellen von
benachbarten Ommatidien isoliert
2. Optisches Superpositionsauge
• hauptsächlich bei nachtaktiven Insekten
• benachbarte Ommatidien nur teilweise durch Pigmentzellen isoliert
• Kristallkegel und Sehzellen sind getrennt
3. Neuronales Superpositionsauge
• Auch bei tagesaktiven Insekten
• Rhabdomere sind nicht zu einem Rhabdom verschmolzen
• Lediglich 2 Rhadomere bilden in der Mitte einen gemeinsamen
Sehstab; die restlichen 6 bilden separate Lichtwellenleiter

Insektenauge
Sehen im polarisierten Licht

Komplexaugen:
Polarisiertes Licht

Honigbienen: Optischer Sinn Sinnersorgane bei Insekten


Kommunikation im Außenbereich Generelles Bauprinzip
tormogene Zelle: Haarsockel
trichogene Zelle: Haarschaft/ Poren
thekogene Zelle: Dendritenscheide

90° Typen von Sinneszellen


90°
Sensilla trichoidea (Sinneshaar)
Sensilla basiconica (Sinneskegel)
Sensilla campanifolia (Sinneskuppel)
Bienentanz

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Geruchssensillum
Insekten
Geschmackssinnesorgan
Insekten

Riechen Reizentstehung
Sinnesorgane bei der Honigbiene
beim Riechen

Reizentstehung beim Riechen Geruchsstoffe bei Insekten

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Exokrine Drüsen
Riechen: Honigbiene
Wahrnehmung komlexer „Bouquets“

Pheromone

1. Chemische Botenstoffe zwischen Individuen einer Art


2. Wirken in kleinsten Konzentrationen
3. Einzelsubstanzen oder Duftmischungen (Bouquet)

Pheromone bei Honigbienen Pheromone bei Honigbienen

1. Stabilisierung der Sozialstruktur


2. Dominanzpheromon (Königin/ Arbeiterinnen)
3. Alarmpheromon
4. „Stockduft“? (eigen/ fremd)
5. Individualerkennung?
Alter
Verwandtschaftsgrad („kin selection“)
Geschlecht
Tätigkeit
Brut (Alter, Hungerzustand, Geschlecht)
6. Sexpheromon

6
Bedeutung der Königin Was ist besonders
an der Königin?

Königinnenpheromon!
Eiablage
• „Harmonie“ im Volk
• Unterdrückung der Fortpflanzung
von Arbeiterinnen

9-Oxodecensäure

Königinnenpheromon Honigiene Effekt des Königinnenpheromons


Ontogenetische Veränderungen
Versuch im Beobachtungsvolk:

Das Schwärmen Königinnenpheromon ist auch


„Sexpheromon“
„Verdünnung“ des
Pheromons?

Drohnensammelplatz Begattung in der Luft

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Versuch zur Wirkung von Verteidigung
9-Oxodecensäure auf Drohnen

Tote Biene
mit Königinnenpheromon

Feinde:
Vor allem andere Insekten:
Ameisen, Wespen, Termiten Mensch?
andere Bienen („Kleptoparasiten“)

Tropische Bienen
Verteidigung
sind verteidigungsbereiter
Beispiel Brasilien: afrikanisierte Bienen

Alarmpheromon:
„Bananenöl“
Während der Bearbeitung .... ... Und danach

„Brutpheromone“
Vermehrung: Brutaufzucht
„Brutpheromone“ Verdeckelung

• Brutstadien (Alter)
• Hunger
• Geschlecht
• gesund/ krank
Methylpalmitat
• Fettsäureester (z.B. Methylpalmitat)
Altes Nymphenhä utchen

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Regulation im Bienenvolk Organisation im Bienenstaat
- Sammeln (Nektar, Pollen, Wasser)
Verständigung
- Temperatur
- Verteidigung
Altersabhängige Arbeitsteilung
1. Zellenputzen
2. Amme
3. Baubiene
4. Sammelbiene
5. Dazw . evtl. Wächterbiene
• muss flexibel sein:
• Bedarf feststellen
• notwendige Aufgaben sofort übernehmen

Altersabhängige Arbeitsteilung Wie mißt die Biene die Vorräte im Stock?


ist flexibel!

1. Bedarf feststellen
2. Notwendige Aufgaben sofort übernehmen

Trophallaxis = sozialer Futteraustausch


Häufigkeit der Futtergaben
Eiweißgehalt des Futters (Pollen!)

Weiterer Informationsaustausch
zwischen Stockbienen

Anwendungen

Austausch von Duftstoffen über Fühlerkontakte:


• Alter der „Kollegin“
• Funktion (Amme, Sammlerin)
• Zum Stock gehörig

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Lernen Die Honigbienen
Abstraktionsvermögen

Giurfa 2002

Die Honigbienen Pflanzenschutz/ Bienenschutz


Abstraktionsvermögen

• Lernfähig
• Einstellen auf neue Situationen

Varroa-Wirtsfindung Varroa-Reproduktionssteuerung

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Kleiner Beutenkäfer Kleiner Beutenkäfer

Kleiner Beutenkäfer

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