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LV 143.020, 143.

021 – ET, TM

PHYSIK

LV 138.029 – MB, VT, WI-MB

PHYSIK FÜR INGENIEURE

8. SCHALL

WS 2010/11
Vortragende:
N. GURKER, J. CUSTERS

Skriptum:
H. EBEL, N. GURKER, M. MANTLER, J. WERNISCH

Dieses Dokument unterliegt dem Urheberrechtsgesetz.


Vervielfältigungen, Übersetzungen, Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Medien sind nicht erlaubt.
8. SCHALL

8.1. Kenngrößen

Eine Schallwelle bewirkt in Gasen eine lokale Änderung des Druckes.


pres = pstat + p Schall Gl.01a
pSchall ist der Momentanwert des Schalldruckes und pstat der Gasdruck ohne Schallwelle.

In Gasen breitet sich der Schall als Longitudinalwelle aus. Das bedeutet, daß differentiell klei-
ne Gasvolumina um ihre Ruhelage schwingen und die Schwingungsrichtung parallel zur Aus-
breitungsrichtung der Schallwelle liegt.

Zur Vereinfachung der weiteren Überlegungen möge sich die Schallwelle als ebene Welle in
der x-Richtung ausbreiten.
⎛ x⎞
p Schall = pm ⋅ cos ω ⎜ t − ⎟ Gl.02a
⎝ c⎠
pm ist der Scheitelwert der Schalldruckamplitude und c die Schallgeschwindigkeit. Die Bewe-
gungsgleichung der differentiell kleinen Gasvolumina lautet
⎛ x⎞
ξ = A ⋅ sin ω ⎜ t − ⎟ , Gl.03a
⎝ c⎠
wobei A die Amplitude der Auslenkung aus der Ruhelage beschreibt. Die Geschwindigkeit u
eines differentiell kleinen Gasvolumens wird durch Ableitung von Gl.03a nach t erhalten.
⎛ x⎞
u = u 0 ⋅ cos ω ⎜ t − ⎟ Gl.04a
⎝ c⎠
u0 =ωA steht für den Maximalwert der Geschwindigkeit.

u0 wird als Schallschnelle bezeichnet.

pm kann auch durch u0 ausgedrückt werden.


pm = Zu0 Gl.05a
Z ist der Wellenwiderstand.

Er errechnet sich aus der Dichte ρ des Mediums und der zugehörigen Schallgeschwindigkeit c
zu
Z=ρc Gl.06a

Ein Vergleich der Schallgeschwindigkeiten (für Longitudinalwellen) in verschiedenen Stoffen


zeigt, daß die Ausbreitung im Festkörper um bis zu eine Größenordnung rascher erfolgt.

Stoff H2 He N2 O2 CO2 Al Stahl Cu Sn Au Pb


c(m/s) 1309 1007 349 326 266 5100 5100 3900 2600 2100 1300

Zum Vergleich des Wellenwiderstandes Z in Gasen und in Festkörpern sei für das Gas eine
Dichte von 1kg/m3 und für den Festkörper von 5000kg/m3 angenommen. Das Verhältnis der
Schallgeschwindigkeiten im Gas und im Festkörper betrage 1:5. Dann verhalten sich die Wel-
lenwiderstände ZGas:ZFestkörper wie 1:25000.

98
Schall

Der Wellenwiderstand eines Festkörpers ist wesentlich höher als jener eines Gases.

Zur Beurteilung von Schallereignissen müssen die Schalldrücke gemessen werden. Für jede
Welle gilt, daß das arithmetische Mittel über eine volle Periode gleich null ist. Das arithmeti-
sche Mittel wird aus diesem Grunde durch den quadratischen Mittelwert oder Effektivwert
pEff ersetzt.
T
1
p Eff =
T ∫
⋅ p Schall 2 (τ ).dτ Gl.07a
0
Für eine harmonische Schwingung ist pEff gleich pm 2.

Um den Zusammenhang zwischen pm und u0 gemäß Gln.05a und 06a zu erhalten, kann ent-
sprechend Abb.01a der auf das differentiell kleine Volumenelement dV=Q·dx wirkende resul-
tierende Druck dpres errechnet werden. Die resultierende Kraft dF=dpres·Q hat eine
Beschleunigung du/dt des Volumenelementes dV mit der Masse dm=dV·ρ zur Folge.
∂p ∂u
− res ⋅ dx ⋅ Q = Q ⋅ dx ⋅ ρ ⋅
∂x ∂t
Der Weg, der zu dieser Gleichung führt, möge nachvollzogen werden und das Ergebnis mit
den Gl.5a und 6a verglichen werden:

Abb.01a

pSchall − ( pSchall + dp Schall ) = − dp Schall ............. das ist der resultierende Schalldruck
− dF = − dp Schall ⋅ Q ............................................ das ist die resultierende Kraft
du
− dF = dm ⋅ .................................................... Kraft ist Masse mal Beschleunigung
dt
dm = ρ ⋅ Q ⋅ dx ..................................................... ρ ist die Gasdichte
Setzt man für dF und dm ein, so erhält man
dp du
− Schall ⋅ dx ⋅ Q = Q ⋅ dx ⋅ ρ ⋅
dx dt
dpSchall dpres
Da in Gl.01a psta. konstant ist, kann = gesetzt werden. p und u sind Funktionen
dx dx
dpres du ∂p ∂u
von x und t, daher sind die Ableitungen und durch res und zu ersetzen. Das Er-
dx dt ∂x ∂t
pm
gebnis lautet = ρ ⋅ u0
c

99
8.2. Schallintensität

Schall bedeutet Schwingung von Masse.

Nimmt man an der Stelle x ein Volumselement dV=Q·dx mit der Masse dm=dV·ρ an, so be-
trägt dessen kinetische Energie dEkin = dm ⋅ u 2 / 2 . Aus den Gln.04a, 05a, 06a und 07a erhält
man die maximale kinetische Energie dEmax.
2
dV ⋅ ρu0 2 1 p Eff
dEmax = = dV ⋅ ⋅ Gl.08a
2 c Z
Im Abschnitt "Schwingungen" wurde die Schwingung als ein Fluten der Energie von einer
Energieform in eine andere behandelt. Im Volumen dV flutet die Energie von kinetischer in
potentielle Energie ( hinsichtlich des lokalen Über- bzw Unterdruckes ).

Aus dieser Sicht beschreibt dEmax die gesamte im Volumen dV enthaltene Schallenergie
dESchall . Eine Umrechnung mit den bereits behandelten charakteristischen Schallgrößen er-
gibt für die Schallenergiedichte εSchall
2
dE 1 p Eff
ε Schall = Schall = ⋅ . Gl.09a
dV c Z
Da die Intensität gleich dem Produkt aus Energiedichte und Schallgeschwindigkeit ist, er-
rechnet sich die Schallintensität ISchall zu
p Eff 2 Z ⋅ u0 2
I Schall = = Gl.10a
Z 2

8.3. Schallwellenübergang an einer Grenzfläche

Die Grenzfläche trennt die beiden Medien 1 und 2. Die Schallwelle möge senkrecht auf die
ebene Trennfläche auftreffen. Es ist aus der Erfahrung anzunehmen, daß ein Teil der Welle an
der Grenzfläche in das Medium 1 reflektiert wird, während ein Teil in das Medium 2 eintritt.
Das Verhältnis der beiden zueinander wird durch die Wellenwiderstände der Medien be-
stimmt.

Zur Bestimmung der beiden Anteile benötigt man die Stetigkeitsbedingung an der Grenzflä-
che und den Satz von der Erhaltung der Energie.

Stetigkeitsbedingung

Gemäß Abb.02a sind an der Grenzfläche die Amplituden der hinlaufenden, der reflektierten
und der in das Medium 2 eintretenden Welle gleich ξ1 , ξ1’ und ξ2 . Im Medium 1 beträgt die
resultierende Amplitude ξ1 +ξ1’. Die Schwingungsamplitude der Grenzfläche ist gleich dieser
resultierenden Amplitude. Die Stetigkeitsbedingung besagt, daß die Amplitude ξ2 mit der re-
sultierenden Amplitude identisch sein muß. Wird ξ in der in Gl.03a gegebenen Form be-
schrieben und der Ausdruck mit ω multipliziert, so errechnet sich mit ω.A=u0 die
Stetigkeitsbedingung zu
u0,1 + u' 0,1 = u0,2 Gl.11a

100
Schall

Abb.02a

Energieerhaltungssatz

Die Intensität der hinlaufenden Welle spaltet sich in die der reflektierten und die der hin-
durchgehenden Welle auf. Beschreibt man die Schallintensitäten gemäß Gl.10a durch Z und
u0, so führt diese Überlegung zu
Z1 ⋅ u 0,12 = Z1 ⋅ u '0,12 + Z 2 ⋅ u0,2 2 Gl.12a
Die beiden Gleichungen 11a und 12a ermöglichen es, die beiden unbekannten Schallschnellen
u’0,1 und u0,2 der in das Medium 1 reflektierten und der in das Medium 2 eintretenden Teile
der Schallwelle zu berechnen.
Z − Z2 2 ⋅ Z1
u '0,1 = 1 ⋅ u0,1 u 0, 2 = ⋅ u0,1 Gl.13a
Z1 + Z 2 Z1 + Z 2
Ist der Wellenwiderstand Z2 größer als Z1 , so erhält die in das Medium 1 reflektierte Welle
ein negatives Vorzeichen der Schallschnelle. Die Vorzeichenumkehr besagt, daß bei einer
Reflexion am "dichteren" Medium 2 ( Z2 >Z1 ) die reflektierte Welle einen Phasensprung von
π erfährt.
Die in das Medium 2 gelangende Schallintensität
4 ⋅ Z1 ⋅ Z 2
I Schall , 2 = ⋅ I Schall ,1 Gl.14a
(Z1 + Z 2 )2
ist nur dann mit der auf die Grenzfläche auftreffenden Schallintensität ISchall,1 identisch, wenn
die Schallwellenwiderstände der beiden Medien gleich groß sind.

Generalisiert man diese Aussage, so besagt sie, daß nur dann ein reflexionsfreier Wellenüber-
gang von einem Medium in ein anderes möglich ist, wenn die Wellenwiderstände derselben
identisch sind.

Ist hingegen Z1 » Z2 , bzw umgekehrt Z2 » Z1, so wird die Schallwelle in erster Linie in das
Medium 1 reflektiert, wobei für Z2 » Z1 , also bei der Reflexion am dichteren Medium, die
reflektierte Welle noch zusätzlich eine Phasenumkehr erfährt.

101
8.4. Möglichkeiten zur Verminderung der Schallintensität

a) Eine Vergrößerung des Abstandes von der Schallquelle, da bei der Kugelwelle die
Schallintensität umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstandes von der Schallquelle
abnimmt.
b) Die Anbringung von Trennwänden, wo als Folge großer Unterschiede in den Wellenwi-
derständen ein Teil der Welle in den Raum der Schallquelle reflektiert wird.
c) Die Absorption der Schallwelle in den verschiedenen Medien zwischen der Schall-
quelle und dem Beobachter.

8.5. Schallabsorption

Eine ebene Schallwelle durchsetzt in einem absorbierenden Medium eine Strecke dx und er-
fährt dabei einen Intensitätsverlust -dIx. Das negative Vorzeichen besagt, daß die Intensität
abnimmt. Die Abnahme der Schallintensität ist direkt proportional zur Intensität Ix vor dem
Wegstück dx und zur Weglänge dx. Unter Verwendung des Proportionalitätsfaktors β lautet
die mathematische Formulierung dieser Aussage
− dI x = β ⋅ I x ⋅ dx Gl.15a
Trennt man die Variablen, indem dIx/Ix auf die linke Seite und -β.dx auf die rechte Seite der
Gleichung gebracht wird und integriert, so folgt
ln I x = − βx + const Gl.16a
Mit der Dicke D des Absorbers und const errechnet sich aus der in den Absorber eintretenden
Intensität I0 und die den Absorber verlassende Intensität I.
I = I 0 ⋅ e − βD Gl.17a
Der Proportionalitätsfaktor β ist der Absorptionskoeffizient des absorbierenden Mediums.

8.6. DOPPLER-Effekt bei Schall

Die folgenden Ausführungen befassen sich mit dem DOPPLER-Effekt bei Schallwellen
(f...Beobachter, f’...Quelle). Man unterscheidet bei Schallwellen zwischen:

1. Bewegte Quelle Q, ruhender Beobachter B


Im Falle a) eilt die Quelle der nach B emittierten Welle nach und verkürzt so die Wellenlänge
λ’ um u·T’.
Im Falle b) entfernt sich die Quelle von B und zieht die Wellenlänge λ’um u.T’ auseinander.

102
Schall

Ruhe
1 Schwingung
in T’ Sek.

a) Annäherung Gl.18a
λ+u·T’=λ’ f'
f =
c 1 c u
+u⋅ = 1−
f f' f' c

b) Entfernung Gl.19a
λ−u·T’=λ’ f'
f =
c 1 c u
−u⋅ = 1+
f f' f' c

Für u = c gilt: Abb.03a


a) f → ∞
f'
b) f =
2

2. Ruhende Quelle Q, bewegter Beobachter B

Im Falle a) empfängt der Beobachter in der Zeit T’ eine volle Schwingung zuzüglich u·T’/λ’.
Im Falle b) empfängt der Beobachter in der Zeit T’ eine um u·T’/λ’ verminderte Schwingung.

103
Ruhe
1 Schwingung
in T’ Sekunden

a) Annäherung Gl.20a
⎛ u ⋅T ' ⎞ ⎛ u⎞
⎜1 + ⎟ f = f '⋅⎜1 + ⎟
⎝ λ' ⎠ ⎝ c⎠
Schwingungen in T’
Sekunden
u ⋅T '
1+
f = λ'
T'

b) Entfernung Gl.21a
⎛ u ⋅T ' ⎞ ⎛ u⎞
⎜1 − ⎟ f = f '⋅⎜1 − ⎟
⎝ λ' ⎠ ⎝ c⎠
Schwingungen in T’
Sekunden
u ⋅ T'
1−
f = λ'
T'
Abb.04a
Für u = c gilt:
a) f = 2 ⋅ f ′
b) f = 0

8.7. Subjektive Schallwahrnehmung

Die in der Praxis vorkommenden und vom Ohr wahrnehmbaren Schalldrücke überstreichen
etwa 8 Zehnerpotenzen und die entsprechenden Intensitäten 16 Zehnerpotenzen. Daraus kann
geschlossen werden, daß das menschliche Hörvermögen einen großen Dynamikbereich auf-
weist. Aus diesem Grunde ist es naheliegend, die Meßgrößen effektiver Schalldruck, Schallei-
stung und Schallintensität als Pegel anzugeben.

Unter einem Pegel versteht man ein logarithmiertes Größenverhältnis, wobei im Zähler die
Meßgröße und im Nenner die Bezugsgröße aufscheint. Die Angabe erfolgt grundsätzlich in
dB (Dezibel). So lautet der Ausdruck für den Schalldruckpegel

104
Schall

p2
L p = 10·log Gl.22a
p0 2
mit p für den Effektivwert pEff der Meßgröße und p0 für den Effektivwert der Bezugsgröße
p0,Eff=20μPa. Der Effektivwert der Bezugsgröße ist gleich dem Schwellwert bei einer Fre-
quenz von 1kHz.

Abb.05a veranschaulicht die Hörempfindlichkeit des menschlichen Ohrs in Abhängigkeit von


der Frequenz. Die größte Hörempfindlichkeit besteht im Frequenzbereich von 500 bis 5000
Hz mit einem schwachen Maximum bei 1kHz. Außerhalb dieses Bereiches fällt sie ab. Geräu-
sche von Maschinen haben sehr unterschiedliche Frequenzzusammensetzungen. Wenn also
Geräusche hinsichtlich ihrer Auswirkung auf den Menschen beurteilt werden sollen, muß auf
die Hörempfindlichkeit Rücksicht genommen werden. Bekannt sind zwei Beurteilungsverfah-
ren:

a) Beurteilung nach dem Lautstärkepegel LN (phon).


b) Beurteilung nach einem bewerteten Schalldruckpegel LpA (dB(A) oder dBA).

Die Verfahren a. und b. unterscheiden sich durch die Art der Summation der Geräuschanteile
einzelner Frequenzbereiche.

Abb.05a

105
Der Lautstärkepegel eines Schalls beträgt n phon, wenn von normalhörenden Beobachtern der
Schall als gleich laut beurteilt wird wie ein reiner Ton der Frequenz 1 kHz, der als ebene fort-
schreitende Schallwelle genau von vorne auf den Beobachter trifft und dessen Schalldruckpe-
gel n dB beträgt.

Der Lautstärkepegel gestattet zunächst nur die Feststellung, daß zwei Töne oder Geräusche
als gleich laut empfunden werden. Er sagt nichts darüber aus, wie stark der Unterschied zwi-
schen zwei verschieden lauten Tönen empfunden wird.

Aus der Erkenntnis, daß im Bereich von 40 bis 100 phon ein Ton als doppelt so laut empfun-
den wird wie ein Vergleichston, wenn die Differenz der Lautstärkepegel 10 phon beträgt,
wird eine Lautheitsskala abgeleitet. In dieser ordnet man einem Lautstärkepegel von 40 phon
willkürlich die Lautheit 1 sone zu.

Abb.06a zeigt den Zusammenhang zwischen der Lautheit N und dem Lautstärkepegel LN .

Abb.06a

Für den Bereich von 40 bis 100 phon wird der Zusammenhang zwischen der Lautheit N und
dem Lautstärkepegel LN durch die folgende Gleichung beschrieben:
N = 2 0,1·(L N − 40 ) Gl.23a

106
Schall

Die Bestimmung der Lautstärke ist mit einem relativ hohen Aufwand verbunden, der für die
normale Meßpraxis nicht tragbar ist. Lautstärke und Lautheit müssen auch nicht unbedingt ein
Maß für die Schädlichkeit, Lästigkeit oder Störwirkung eines Schalles sein. In der Lärmbe-
kämpfung wird daher mit frequenzbewerteten Schalldruckpegeln gerechnet. Die bekannteste
derartige Größe ist der A-bewertete Schalldruckpegel LpA . Die A-Bewertungskurve definiert
ein Frequenzfilter, das ähnlich dem menschlichen Hörempfinden die Pegel bei tiefen ( < 500
Hz ) und hohen ( > 5000 Hz ) Frequenzen unterdrückt. Die Abb.07a veranschaulicht die A-
Bewertungskurve.

Abb.07a

Derartige Schallpegelmesser haben den in Abb.08a gezeigten prinzipiellen Aufbau.

Abb.08a

1 Mikrophon mit kugelförmiger Richtcharakteristik


2 Verstärker
3 Bewertungsnetzwerke: Verlauf innerhalb vorgegebener zulässiger Abweichungen
4 Gleichrichtung zur Erfassung des Effektivwerts
5 Anzeige: Dynamische Eigenschaften entsprechend Sollwerten,
Unsicherheit der Anzeige < 0.2 dB.

107
Beispiele
a01
Eine punktförmige Schallquelle sendet eine Schallwelle aus, die sich kugelförmig in den
Raum ausbreitet. Die Leistung der Schallquelle ist P=100W und die Schallfrequenz ν=1kHz.
Zunächst sei der Zahlenwert von Z für Luft abgeschätzt. Welche Werte von ISchall, εSchall, pEff,
pm, u0 und A werden im Abstand r=5m von der Schallquelle gemessen?

a02
Wie hängen die Begriffe Reflexion am festen und am losen Ende, Reflexion am dichteren und
am dünneren Medium mit dem Schallwellenwiderstand Z, oder ganz allgemein, mit dem Wel-
lenwiderstand zusammen? Elektromagnetische Wellen breiten sich im leeren Raum aus. Wie
groß ist der Wellenwiderstand des leeren Raumes?

a03
Die vom Beobachter gemessene Frequenz ν unterscheidet sich bei Schallwellen und identi-
scher Relativgeschwindigkeit u in Abhängigkeit von den Fällen 1 und 2. Diese Unterschei-
dung entfällt bei elektromagnetischen Wellen. Warum?
Was ist die Schallmauer und wie kann sie durch eine Reihe von Wellenbildern einer bewegten
Schallquelle veranschaulicht werden
Unter Verwendung dieser Darstellung möge auch der MACH-Kegel dargestellt und das den
Öffnungswinkel charakterisierende Verhältnis von u/c bestimmt werden.

a04
Vergleicht man die Frequenzänderungen Δf=f−f’ der Fälle 1 und 2 bei Schall mit jener bei
elektromagnetischen Wellen für u«c, so läßt sich eine für alle drei Fälle gültige Näherung
angeben. Wie lautet diese?
Es sei der Geschwindigkeitsbereich von u so gewählt, daß die Näherung anwendbar ist. Ein
Fahrzeug bewegt sich mit u auf die Schallquelle zu. Welche Frequenz f1 wird von einem am
Fahrzeug befestigten Frequenzmeßgerät ausgegeben?
Ein Teil der Welle wird vom Fahrzeug zur Quelle reflektiert und dort empfangen. Welche
Frequenz f2 wird dort beobachtet? Das Fahrzeug möge sich nunmehr unter einem Winkel α
zur Verbindungslinie zwischen Quelle und Fahrzeug bewegen.
Welche Frequenzen f1 und f2 werden dann gefunden?

a05
Von einem Flugzeug wird eine elektromagnetische Welle zum Boden gesendet, von dort re-
flektiert und im Flugzeug empfangen. Das Flugzeug fliegt mit einer Geschwindigkeit u paral-
lel zur Erdoberfläche und das gerichtete Wellenbündel schließt mit der Flugrichtung einen
Winkel α ein. Die empfangene Frequenz sei f. Wie lautet der Zusammenhang zwischen
Δf = f − f ′ und u und wieviele gerichtete Bündel sind für eine DOPPLER-Navigation er-
forderlich?

a06
Eine Schallquelle emittiert eine Schallwelle, deren Frequenz 10 kHz beträgt und die am Orte
eines Beobachters zu einem A-bewerteten Schalldruckpegel von 70 dB(A) Anlaß gibt.
Gesucht sind der Schalldruckpegel, der Lautstärkepegel, die Schallintensität und die Lautheit.
Welche Werte werden für die genannten Größen gefunden, wenn die Leistung der Schallquel-
le verdoppelt wird?

108
Schall

Lösungen zu den Beispielen

a01
Z = ρ ·c. Für Luft kann eine Dichte von ρ = 1,225 kg·m-3 und eine Schallgeschwindigkeit von
330 m·s-1 angenommen werden. Daher ist Z ≅ 400 kg·m-2·s-1 . Die Oberfläche O einer Kugel
mit einem Radius r von 5 m beträgt
O = 4·π ·r 2 = 314,15 m 2
P
I Schall = = 0,318 W·m − 2
O
Es gilt weiter (Gl.09a. 10a)
I
ε Schall = Schall = 9,646·10 − 4 J·m − 3
c
und (Gl.10a)
pEff = Z ·I Schall = 11,28 Pa .
Unter Verwendung der Gl.07a folgt pm unter der Annahme einer sinusförmigen Schallwelle
pm = 2 · pEff = 15,59 Pa
u0 errechnet sich Gl.05a zu
p
u0 = m = 3.987 ⋅ 10− 2 m·s −1
Z
und schließlich A zu
u
A = 0 = 6,346·10− 6 m
ω
Das in der Abb.B_01a gezeigte differentiell kleine Gasvolumen schwingt somit mit einem
Scheitelwert von rund 6μm um seine Ruhelage.

a02
Reflexion am dichteren Medium bedeutet einen Übergang der Welle von einem Medium 1
mit geringerem Wellenwiderstand in ein Medium 2 mit höherem. Bei der Reflexion am festen
Ende ist der Wellenwiderstand des Mediums 2 wesentlich größer als der des Mediums 1.
Analog ist die Reflexion am dünneren Medium bzw. am losen Ende zu beschreiben. Der Wel-
lenwiderstand Z0 des leeren Raumes errechnet sich aus der elektrischen Feldkonstante ε0 und
der magnetischen Feldkonstante μ0 in der nachstehend angegebenen Form
μ0
Z0 = = 376,7Ω
ε0
Soll von einer Antenne eine elektromagnetische Welle in den leeren Raum abgestrahlt wer-
den, so müssen die Wellenwiderstände der Zuleitung und der Antenne auf Z0 abgestimmt
werden. Andernfalls kann nicht die volle Sendeleistung abgestrahlt werden, da ein Teil der
Hochfrequenzenergie beim Übergang Antenne - leerer Raum zum Sender reflektiert wird.

a03
Die Ausbreitung der Schallwellen ist an ein Medium, also z.B. Luft, gebunden. Wie die Aus-
führungen zur speziellen Relativitätstheorie zeigen werden, ist dies bei den elektromagneti-
schen Wellen nicht der Fall. Das bedeutet, daß bei den Schallwellen zu unterscheiden ist, ob
sich die Quelle oder der Beobachter gegenüber dem Medium bewegen, während es bei den
elektromagnetischen Wellen nur auf die Relativbewegung der Quelle gegenüber dem Beob-

109
achter - bzw. umgekehrt - ankommt. Wenn sich eine Schallquelle im Medium bewegt - z.B.
ein Flugzeug in Luft - so eilt es in der Flugrichtung seiner eigenen Schallwelle nach. Die bis-
herigen Betrachtungen zur Energiedichte in einer Schallwelle und zum DOPPLER-Effekt
zeigen, daß für einen ruhenden Beobachter die Energiedichte und die Frequenz vor dem Flug-
zeug vergleichsweise höher sind. Wird die Geschwindigkeit gegen die Schallgeschwindigkeit
hin erhöht, so nehmen die Frequenz und die Energiedichte sehr hohe Werte an - Schallmauer.
Wird die Geschwindigkeit weiter gesteigert, so fliegt das Flugzeug seinem eigenen Schall
davon.
Wie aus der Abb.B_01a zu ersehen ist, wird die Schallwelle beim Überschallflug durch einen
Kegel eingehüllt - den MACH-Kegel. Der halbe Kegelwinkel α läßt sich durch
c
sin α =
u
ausdrücken, wobei c für die Schallgeschwindigkeit und u für die Geschwindigkeit des Flug-
zeugs stehen.

Abb.B_01a

a04
Steht f’ für die Frequenz des Senders und f für die vom Beobachter gemessene, dann lautet
der gesuchte Ausdruck im Falle einer gegenseitigen Annäherung von Quelle und Beobachter
u
Δf = · f '
c
Die Frequenz f1 beträgt
⎛ u⎞
f1 ≅ f '·⎜1 + ⎟ ≅ f '+ Δf
⎝ c⎠
und f2
⎛ u⎞ ⎛ u⎞
f 2 ≅ f1 ·⎜1 + ⎟ ≅ f '·⎜1 + 2· ⎟ ≅ f '+2·Δf
⎝ c⎠ ⎝ c⎠
bzw.

110
Schall

f1 ≅ f '+ Δf ·cosα
f 2 ≅ f '+2·Δf ·cosα

a05
Die im Flugzeug gemessene Empfangsfrequenz f beträgt
⎛ u⎞
f = f '·⎜1 + 2·cosα · ⎟
⎝ c⎠
und der durch Δf =f - f’ definierte Frequenzunterschied ist hier
u
Δf = 2·cosα · f ' .
c
Würde sich das Flugzeug ausschließlich in einem geradlinigen Horizontalflug bewegen, so
könnte mit einem einzigen gerichteten elektromagnetischen Strahlenbündel die DOPPLER-
Navigation bewerkstelligt werden. Um im allgemeinen Fall die drei möglichen Koordinaten-
richtungen x, y und z meßtechnisch erfassen zu können, sind insgesamt drei derartiger Strah-
lenbündel erforderlich, die unterschiedliche Winkel zur Flugrichtung einschließen müssen
und nicht in einer gemeinsamen Ebene liegen dürfen. Aus den mit jedem dieser DOPPLER-
Systeme gemessenen Frequenzunterschieden Δf1, Δf2 und Δf3 können durch Lösung eines li-
nearen Gleichungssystems die gesuchten Geschwindigkeitskomponenten ux, uy und uz be-
rechnet werden. Wird der Ort beim Abflug mit x=y=z=0 definiert, so kann durch Integration
r
∫ u·dt der Ort, bezogen auf den definierten Nullpunkt, laufend angegeben werden.

a06
Aus der Abb.07a ist ersichtlich, daß bei 10kHz der A- bewertete Schalldruckpegel LpA etwa
3dB kleiner ist als der Schalldruckpegel Lp (Lp ≅ 73 dB). Nach der Abb.05a entspricht einem
Schalldruckpegel von 73 dB eine Schallintensität von I = 2·10-5W·m-2 und bei 10 kHz ein
Lautstärkepegel LN von etwas weniger als 70 phon. Berechnet man daraus die Lautheit, so
wird N=8 sone gefunden.
Die Schallintensität ist direkt proportional zur Leistung der Schallquelle und proportional zum
Quadrat des Schalldruckes. Das heißt, daß sich bei einer Verdopplung der Leistung der
Schallquelle der Lautstärkepegel von
p2
L p = 10·log 2
p0
auf
2. p 2
L p ' = 10·log 2
p0
erhöht, wobei der Zuwachs 10·log2 = 3 dB beträgt. Mit diesem Ergebnis lauten die gesuchten
Größen:
LpA = 73 dB(A), Lp = 76 dB, I = 4·10-5 W·m-2 , LN = 73 phon, N = 9,85 sone.

111