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LV 143.020, 143.

021 – ET, TM

PHYSIK

LV 138.029 – MB, VT, WI-MB

PHYSIK FÜR INGENIEURE

9. OPTIK

WS 2010/11
Vortragende:
N. GURKER, J. CUSTERS

Skriptum:
H. EBEL, N. GURKER, M. MANTLER, J. WERNISCH

Dieses Dokument unterliegt dem Urheberrechtsgesetz.


Vervielfältigungen, Übersetzungen, Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Medien sind nicht erlaubt.
9. OPTIK

9.1. Geometrische Optik

Das sichtbare Licht ist ein Teil des Spektrums der elektromagnetischen Wellen und umfaßt
den Wellenlängenbereich von 380 bis 750 nm. Den Lichtwellenlängen können in grober Nä-
herung die folgenden Farbeindrücke zugeordnet werden:

λ (nm) Farbe
400 violett
500 grün
600 gelb
700 rot

Tabelle 01o

In einer ausreichend großen Entfernung von einer Lichtquelle, die eine Kugelwelle aussendet,
kann ein begrenzter Teil der Wellenfront durch die Tangentialebene an dieser Stelle ersetzt
gedacht und damit die Kugelwelle in diesem räumlich begrenzten Gebiet als ebene Welle be-
schrieben werden. Der Normalvektor auf die Wellenfront (WF) gibt die Ausbreitungsrichtung
an und repräsentiert als solcher in der geometrischen Optik das Licht als Lichtstrahl
(Abb.01o).

Abb.01o

Breitet sich das Licht in einem isotropen Medium geradlinig aus, so erfährt es an der Grenz-
fläche zweier Medien, oder aber beim Durchsetzen von Öffnungen, typische Richtungsände-
rungen. Zur quantitativen Beschreibung dieser Erscheinungen werden in der Optik

a. das FERMATsche Prinzip

und

b. das HUYGENS - FRESNELsche Prinzip

verwendet.

112
Optik

Art der Richtungsänderung Prinzip zur Beschreibung


FERMAT HUYGENS-FRESNEL
Reflexion z z
Brechung z z
Beugung z

Tabelle 02o

FERMATsches Prinzip: Das Licht, welches durch Spiegelung oder durch Brechung von ei-
nem Raumpunkt zu einem anderen gelangt, schlägt stets denjenigen Weg ein, welcher am
schnellsten zum Ziele führt.

HUYGENS-FRESNELsches Prinzip: Es breitet sich von jedem (nicht abgeschirmten) Punkt


einer Wellenfläche eine kugelförmige Elementarwelle aus. Durch Interferenz aller Elemen-
tarwellen erhält man die weiterlaufende Welle.

Das Reflexionsgesetz

Fällt Licht auf die ebene Grenzfläche zwischen zwei Medien und beschreibt man die Richtung
des einfallenden Strahls durch den Winkel α und die des reflektierten Strahls durch den Win-
kel β - jeweils bezogen auf das Lot auf die Grenzfläche - so lautet das Reflexionsgesetz

α = β. Gl.01o

Das Brechungsgesetz

Fällt Licht auf die ebene Grenzfläche zwischen den Medien 1 und 2 und werden wieder die
Richtungen des auf die Grenzfläche auftreffenden Strahls durch den Winkel α und des in das
Medium 2 eintretenden Strahls durch den Winkel β auf das Lot auf die Grenzfläche bezogen,
so erhält man mit dem Quotienten n1,2 =c1/c2 aus den Phasengeschwindigkeiten c1 und c2 in
den beiden Medien das Brechungsgesetz
sin α
= n1,2 . Gl.02o
sin β
n1,2 ist die relative Brechzahl. Ist das Medium 1 identisch mit dem leeren Raum, so ist die
Phasengeschwindigkeit c1 gleich c0 und n1,2 wird durch n, die absolute Brechzahl ersetzt. n
steht dann für das Verhältnis n = c0 c . Anstelle von c2 wird c verwendet. Nachstehend sind
einige Zahlenwerte für n zusammengestellt (gültig für T=293,15 K und sichtbares Licht
λ=589 nm).

Kronglas BK1 1,5100 Flintglas F3 1,6128


Steinsalz 1,5443 Quarzglas 1,4588
Diamant 2,4173 Plexiglas 1,51
Wasser 1,3330 Benzol 1,5013
Äthylalkohol 1,3605 Schwefelkohlenstoff 1,6254

Tabelle 03o

113
Die Brechzahl n hängt von der Wellenlänge λ des Lichtes ab. Dieses Phänomen wird als Dis-
persion bezeichnet. Die folgende Zusammenstellung von Zahlenwerten soll die Größenord-
nung der Wellenlängenabhängigkeit veranschaulichen.

λ (nm) Wasser Kronglas Flintglas


397 1,3435 1,5246 1,6452
431 1,3406 1,5205 1,6355
486 1,3371 1,5157 1,6246
527 1,3352 1,5130 1,6190
589 1,3330 1,5100 1,6128
656 1,3312 1,5076 1,6081
687 1,3304 1,5067 1,6064
761 1,3289 1,5049 1,6029

Tabelle 04o

Aus der Abb.02o ist der Strahlengang bei der Brechung eines Lichtstrahls in einem prismati-
schen Glaskörper zu sehen und die Abweichung des Lichtstrahls von der ursprünglichen
Richtung mit δ - die sogenannte Deviation - gekennzeichnet. Einige einfache geometrische
Überlegungen und das Brechungsgesetz führen zu den folgenden vier Gleichungen:
δ = α1 - β1 + β2 - α2 Gl.03o
sin α1 = n·sin β1 Gl.04o
sin β2 = n·sin α2 Gl.05o
α2 + β1 + (180° - γ) = 180° Gl.06o
Vereinfacht man die Ausdrücke in den Gln. 04o und 05o für kleine Werte von α1, α2, β1 und
β2 so gelangt man zu dem Näherungsausdruck für die Deviation
δ = (n − 1)·γ Gl.07o

Abb.02o

114
Optik

Die Linsengleichung

In der Abb.03o ist der Abstand zwischen dem Auftreffpunkt P des Lichtstrahls auf der Lin-
senoberfläche und der optischen Achse gleich y. Der Lichtstrahl möge von einem auf der op-
tischen Achse befindlichen Gegenstandspunkt A ausgehen, dessen Abstand zur Linsenmitte a
betrage. Es gilt dann für eine dünne Linse in guter Näherung
y
tan α 1 = Gl.08o
a
Wird in ähnlicher Weise der Bildpunkt B behandelt, so gilt
y
tan α 2 = Gl.09o
b

α1
α2

Abb.03o

Die Linse wird durch zwei Kugelflächen begrenzt (Kugelradien r1=r2=r). Die in P einge-
zeichnete Tangentialebene an die linke Linsenfläche wird auch gleichzeitig als Begrenzungs-
fläche eines Prismas mit dem Keilwinkel γ angenommen. Das Lot auf die Begrenzungsfläche
ist der in der Abbildung gezeigte Radius r. Für diesen gilt
y
sin α = Gl.10o
r
und im weiteren
γ
α= Gl.11o
2
Mit der Näherung für kleine Winkel α folgt daraus
y
γ =2 Gl.12o
r
Da sich die Deviation δ als Summe der Winkel α1 und α2 beschreiben läßt, erhält man aus
δ=(n-1)γ
α1 + α 2 = (n − 1) ⋅ 2 ⋅
y
Gl.13o
r

115
Für kleine Winkel kann der Tangens durch das Argument angenähert werden (tanα ≅ α), so
daß Gl.13o in Verbindung mit Gl.08o und Gl.09o auch in der Form
y y y
+ = (n − 1) ⋅ 2 ⋅ Gl.14o
a b r
angeschrieben werden kann. Wird die Gleichung durch y dividiert
1 1 2
+ = (n − 1) ⋅ Gl.15o
a b r
und die Tatsache berücksichtigt, daß ein unendlich weit entfernter Gegenstandspunkt (a=∞) in
den Brennpunkt (b=f ) abgebildet wird
1 2
0 + = (n − 1) ⋅ Gl.16o
f r
so folgt mit der Brennweite f
1 r
f = ⋅ Gl.17o
n −1 2
die bekannte Abbildungsgleichung einer dünnen Sammellinse
1 1 1
+ = Gl.18o
a b f

Zur Bildkonstruktion sind im Falle einer dünnen Linse drei Strahlengänge zu empfehlen:
1. Ein vom Gegenstand parallel zur optischen Achse verlaufender Strahl wird nach dem
Durchsetzen der Linse zum Brennpunkt gehen.
2. Ein vom Gegenstand durch den Brennpunkt führender Strahl wird nach dem Durchsetzen
der Linse parallel zur optischen Achse verlaufen.
3. Ein durch den Linsenmittelpunkt gehender Strahl erfährt beim Durchtritt durch die Linse
keine Richtungsänderung.

Sammellinse Zerstreuungslinse
1 1
3 2
2 3
G G
F F -F B -F
f f B
f f
b
a b a

B3

G1 G2 G3
F F
f B1 B2
2f

Abb.04o

116
Optik

Das Lichtmikroskop

Der Abstand von 0,25 m eines Gegenstandes vom Auge wird als die deutliche Sehweite s0
bezeichnet. Das menschliche Auge ist dabei in der Lage, zwei Punkte mit einem Abstand von
dmin = 0,1 mm gerade noch getrennt zu erkennen.
Das Auflösungsvermögen beschreibt die Fähigkeit zwei Punkte getrennt erkennen zu können
und wird, wie aus Abb.05o zu ersehen ist, durch den Abstand der lichtempfindlichen Senso-
ren auf der Netzhaut des menschlichen Auges bestimmt. Eine Vergrößerung des Bildes auf
der Netzhaut gestattet ein Sehen mit einem verbesserten Auflösungsvermögen.
Es bietet sich dafür als einfachste Möglichkeit die Variation des Abstandes zwischen dem
Gegenstand und dem Auge an.

Abb.05o

Wird der Abstand a des Gegenstandes zum Auge auf a<s0 verringert, so wird
d
ε' a s
= = 0 >1 Gl.19o
ε d a
s0
gefunden und, wenn die Vergrößerung v als das Verhältnis von ε' zu ε definiert wird, eine von
a abhängige Vergrößerung v erzielt. Das Akkomodationsvermögen des menschlichen Auges
hat allerdings eine natürliche Grenze von etwa amin≅0,1 bis 0,15 m.

In Verbindung mit einer Sammellinse ergibt sich bei der Abbildung des Gegenstandes auf die
Netzhaut die in der Abb.06o dargestellte Situation. Der Gegenstand befindet sich knapp
innerhalb der einfachen Brennweite. Hauptstrahl (durch den Linsenmittelpunkt) und Brenn-
punktstrahl sind leicht divergent. Es wird ein stark vergrößertes virtuelles Bild B1v erzeugt.
Dieses ist der Gegenstand G2 für den Betrachter und wird auf der Netzhaut als Bild B2 wie-
dergegeben. Die Augenlinse bündelt diese Strahlen in der Netzhaut.

Lupe mit Augenlinse, Vergrößerung

Abb.06o

117
War bei der Betrachtung der beiden im Abstand d angeordneten Gegenstandspunkte in der
deutlichen Sehweite der Öffnungswinkel des Strahlenbündels ε0=d/s0, so beträgt er in Verbin-
dung mit einer Sammellinse der Brennweite fLupe
d
ε′ = . Gl.20o
f Lupe
Verwendet man die oben angegebene Definition der Vergrößerung v, so erhält man für die mit
einer Lupe erzielbare Vergrößerung vLupe
s
v Lupe = 0 Gl.21o
f Lupe
Es können damit bis zu 20-fache Vergrößerungen erzielt werden. Für die weiteren Überle-
gungen wird unter Verwendung der in der Abb.07o beschriebenen Geometrie der Quotient
aus der Bildgröße B und der Gegenstandsgröße G in Abhängigkeit von der Gegenstandsweite
a behandelt. Es erscheint naheliegend, die Vergrößerung der Sammellinse vLinse = B/G zu
setzen. Errechnet man b aus der Linsengleichung mit den bekannten Daten von f und a, so
erhält man
f
v= . Gl.22o
a− f

Abb.07o

Die Abhängigkeit der Vergrößerung v von der Gegenstandsweite a führt im Grenzfall zu einer
unendlichen Vergrößerung bei a=f. Darüber hinaus gilt im Bereiche f<a<2f für die Vergröße-
rung 1<v<∞ , wobei ein verkehrtes und relles Bild des Gegenstandes auf der Bildseite gewon-
nen wird.
In einem Mikroskop wird von der dem Gegenstand nahen Objektivlinse ein Zwischenbild
erzeugt. Dieses wird mit der dem Auge nahen Okularlinse als Lupe betrachtet. Die resultie-
rende Vergrößerung vMikroskop des Lichtmikroskops ergibt sich aus der Vergrößerung des Ob-
jektivs
f Objektiv
v Objektiv = Gl.23o
δ
und jener des Okulars
s0
v Okular = Gl.24o
f Okular
zu
v Mikroskop = vObjektiv ⋅ vOkular . Gl.25o
Die Gleichungen Gl.23o und 25o könnten zu der Annahme verleiten, daß es bei einem belie-
big klein gewählten δ möglich sein muß, vMikroskop auf beliebige Werte zu erhöhen. Tatsäch-

118
Optik

lich sind mit dem Lichtmikroskop nur Vergrößerungen bis maximal 1000-fach möglich und
alle darüber liegenden Werte der Vergrößerung sind Leervergrößerungen. Als Leervergröße-
rung bezeichnet man eine solche Vergrößerung, die keine zusätzliche Information über den zu
untersuchenden Gegenstand erbringt.

Abb.08o

Versucht man für das Phänomen der prinzipiellen Begrenzung der Vergrößerung eines Licht-
mikroskops eine Erklärung zu finden, so ist dies aus der Sicht der geometrischen Optik (auch
Strahlenoptik) unmöglich. Bei der Behandlung der Prinzipien zur Beschreibung der
Richtungsänderung des Lichtes an der Grenzfläche zweier Medien oder im Bereiche von Öff-
nungen ist aus der Tabelle 02o zu ersehen, daß die Beugung nur durch das HUYGENS-
FRESNELsche Prinzip, nicht aber durch das FERMATsche Prinzip erfaßt werden kann. War
das FERMATsche Prinzip die Grundlage der geometrischen Optik, so ist es das HUYGENS-
FRESNELsche Prinzip für die Wellenoptik.

Im Rahmen des vorliegenden Skriptums wird von der auch mit dem HUYGENS-
FRESNELschen Prinzip möglichen Beschreibung der Phänomene der Reflexion und der Bre-
chung abgesehen und ausschließlich die Beugung behandelt. Von der Vielzahl der Beugungs-
phänomene, wie beispielsweise jenem an einer Kante, an einem Kreuzgitter, an einem
räumlichen Gitter usw. werden nur die Beugung an einem ebenen Strichgitter und die Beu-
gung am Spalt vorgestellt. Die Behandlung der Beugung an einem ebenen Strichgitter dient
zur Erklärung der Grenze der Vergrößerung beim optischen Lichtmikroskop.

119
9.2. Wellenoptik

Beugung an einem ebenen Strichgitter

Wie in Abb.09o dargestellt, treffe eine ebene Welle - nach den bisherigen Ausführungen ist
dies eine Kugelwelle, die in einem entsprechend großen Abstand von der Quelle in einem
begrenzten Raumbereich als ebene Welle behandelt werden kann - auf eine ebene Fläche
senkrecht auf. Diese Fläche ist nur längs schmaler und gerader Streifen - Striche - für Licht
durchlässig. Der Abstand der Streifen, auch als Gitterkonstante bezeichnet, betrage a. Jede der
lichtdurchlässigen Öffnungen wird zu einem bestimmten Zeitpunkt von der Wellenfront der
ebenen Welle gleichzeitig erreicht. Wird nunmehr das HUYGENS-FRESNELsche Prinzip zur
Anwendung gebracht, so breitet sich die Lichtwelle von jeder der Öffnungen als Quelle einer
eigenen Kugelwelle weiter aus. Es muß dann die Überlagerung dieser Mannigfaltigkeit von
Teilwellen am Orte des Beobachters zur Angabe der resultierenden Schwingungsamplitude
und damit der Lichtintensität herangezogen werden.

Abb.09o

Der Wegunterschied Δs zwischen Teilwellen, die von benachbarten lichtdurchlässigen Strei-


fen am Strichgitter herrühren, beträgt am Orte des vom Gitter weit entfernten Beobachters,
der die Teilwellen unter einem Winkel α zum Lot auf die Gitterebene betrachtet
Δs = a ⋅ sin α . Gl.26o
Für eine gleichphasige Überlagerung der Teilwellen muß der durch Gl.26o definierte Wegun-
terschied gleich einem ganzzahligen Vielfachen der Wellenlänge zλ des Lichtes sein. z über-
streicht die Menge der positiven und der negativen ganzen Zahlen einschließlich z=0. Die
Beugungswinkel αz folgen aus der Beugungsbedingung am Strichgitter
zλ = a ⋅ sin α z Gl.27o
z wird als die Ordnung der Beugung bezeichnet. Die nullte Ordnung ist der Primärstrahl.

Errechnet man sinαz aus Gl.27o, so ergibt sich bei einem vorgegebenen Strichabstand a des
Gitters eine Einschränkung der möglichen Werte von z, da zusätzlich zu dieser Beziehung
auch |sinα| ≤ 1, also |αz| ≤ 90° erfüllt sein muß. Wird der Grenzwinkel von 90° noch als Lö-
sung der Aufgabe akzeptiert, dann errechnet sich für die Beugung einer Lichtwelle von gege-
bener Wellenlänge λ der minimal mögliche Strichabstand amin,z für eine vorgegebene
Ordnung z zu
a min,z = zλ Gl.28o

120
Optik

Wie bereits erwähnt, beträgt der Wegunterschied zwischen zwei benachbarten Streifen des
Gitters (a·sinα). Denkt man sich die beiden Streifen, die jeweils eine Kugelwelle mit einer
festen Phasenbeziehung aussenden, durch zwei leuchtende Gegenstandspunkte ersetzt, so be-
schreibt dies die Situation bei der Behandlung des Auflösungsvermögens eines Lichtmikro-
skops. Zur Darstellung eines Bildpunktes werden mindestens zwei Lichtstrahlen benötigt.
Wird für die Abbildung der Gegenstandspunkte verhältnismäßig kurzwelliges Licht blauer
Farbe gewählt, dann kann für die Wellenlänge etwa 450 nm eingesetzt werden. Für einen Ab-
stand der Gegenstandspunkte von 4500 nm (0,0045 mm) sind gemäß Gl.28o neben der nullten
Ordnung auch die Ordnungen 1 bis 9 und -1 bis -9 möglich. Damit sind insgesamt 19 Licht-
strahlen für die Bildkonstruktion verfügbar. Wird der Abstand systematisch verringert, so
vermindert sich damit gleichzeitig die Anzahl der zur Bildkonstruktion beitragenden Licht-
strahlen, um bei a=450nm auf einen Lichtstrahl, nämlich die Beugung in nullter Ordnung
abzusinken. Wäre langwelligeres Licht verwendet worden, so wäre die genannte Grenze
schon bei einem größeren Punktabstand a erreicht und das Auflösungsvermögen vergleichs-
weise verschlechtert worden.

Das Auflösungsvermögen des Lichtmikroskops wird durch die Wellenlänge des verwendeten
Lichtes begrenzt und kann in grober Näherung gleich der Lichtwellenlänge λ gesetzt werden.

Das Elektronenmikroskop

Wird in der Lichtmikroskopie die Abhängigkeit der Phasengeschwindigkeit c des Lichtes von
den Eigenschaften der Materie (Brechzahl n) zur Herstellung von optischen Linsen herange-
zogen, so können Elektronen in elektrischen (COULOMB-Kraft) und in Magnetfeldern
(LORENTZ-Kraft) abgelenkt und damit elektrostatische und magnetische Linsen für Elektro-
nen verwirklicht werden, die für Elektronen eine vergleichbare Wirkung, wie optische Linsen
für Licht aufweisen (Abb.10o).

Abb.10o
Das aus einer Analogiebetrachtung zum Lichtmikroskop zu erwartende Auflösungsvermögen
eines Elektronenmikroskops läßt sich aus der Materiewellenlänge der verwendeten Elektro-

121
nen abschätzen. Verwendet man den Ausdruck für die Materiewellenlänge λ aus der speziel-
len Relativitätstheorie
h
λ= Gl.29o
p
und verknüpft die kinetische Energie Ekin der Elektronen, die eine Potentialdifferenz von U
(Volt) durchlaufen haben
E kin = eU Gl.30o
mit dem Impuls p
m ⋅ v2 p2
Ekin = = Gl.31o
2 2m
so errechnet sich für Elektronengeschwindigkeiten, die wesentlich kleiner als die Vakuum-
lichtgeschwindigkeit sind, die Materiewellenlänge in Abhängigkeit von der Beschleunigungs-
spannung U zu
h
λ= Gl.32o
2meU
Die Rechnung erfolgte nichtrelativistisch. Bei einer Beschleunigungsspannung von 10 kV
erhält man λ=0,0123 nm. Vergleicht man mit der Wellenlänge λ = 450 nm des blauen Lich-
tes, so läßt die Elektronenmikroskopie ein wesentlich verbessertes Auflösungsvermögen er-
warten. Derzeit realisierbare Grenzwerte des Auflösungsvermögens von Elektronen-
mikroskopen liegen unterhalb von 0,2 nm. Um eine Vorstellung von den derzeitigen Grenzen
der Elektronenmikroskopie zu erhalten, ist in Abb.11o eine Durchstrahlungsaufnahme
(Transmissionselektronenmikroskopie) einer Mehrfachschicht Aluminiumarsenid (AlAs) -
Galliumarsenid (GaAs) - AlAs-GaAs wiedergegeben. Die Mehrfachschicht wurde in einer als
metallorganische Gasphasen Epitaxie (MOVPE) bezeichneten Technologie hergestellt. Derar-
tige Schichten finden in optoelektronischen Bauelementen Verwendung. Die Aufnahme läßt
die Atompositionen und die Orientierung des Kristallgitters in den einzelnen Schichten ein-
deutig erkennen. Zur Veranschaulichung der Dimension ist in der Aufnahme rechts unten ein
Maßstab eingeblendet, der es auch gleichzeitig gestattet, die Schichtdicke der Schichten mit
etwa 5 nm anzugeben. Der Abstand benachbarter Atompositionen errechnet sich aus Abb.11o
zu 0,3 nm. Aus dieser Sicht ist die oben angegebene derzeitige Grenze des Auflösungsvermö-
gens in der hochauflösenden Transmissionselektronenmikroskopie zu verstehen.

Abb.11o

122
Optik

Beugung am Spalt

Die Erklärung zum Phänomen der Beugung des Lichtes am Spalt erfolgt unter Verwendung
der in Abb.12o gezeigten geometrischen Verhältnisse. Die ebene Welle trifft in der durch den
eingetragenen Pfeil gekennzeichneten Richtung auf die Öffnung auf. Das gebeugte Licht wird
unter einem Winkel α zu dieser Richtung beobachtet. Für die folgenden Überlegungen möge
der Spalt in zwei Streifen der Breite b/2 aufgeteilt werden. Betrachtet man nun zwei Quell-
punkte in der Ebene der Öffnung, deren Abstand vom linken Rand, bzw. von der Mittengera-
de jeweils Δ beträgt, so ist der gegenseitige Abstand der beiden Punkte gleich b/2. Nach dem
HUYGENS-FRESNELschen Prinzip werden die beiden Punkte nach dem Auftreffen der
Wellenfront zu Quellpunkten von Kugelwellen. Der in großer Entfernung von diesen beiden
Quellpunkten befindliche Beobachter erhält zwei Teilwellen, deren Wegunterschied Δs durch
die Beziehung
b
Δs = ⋅ sin α Gl.33o
2
beschrieben wird. Damit sich die beiden Teilwellen gegenseitig auslöschen, muß der Wegun-
terschied gleich λ/2 betragen. Aus der Abb.12o ist zu ersehen, daß zu jedem Quellpunkt in der
linken Spalthälfte ein solcher in der rechten Spalthälfte existiert, der die genannte Auslö-
schungsbedingung erfüllt. Als Ergebnis dieser Überlegung kann zusammengefaßt werden,
daß die Bedingung
λ b
= ⋅ sin α Gl.34o
2 2
einen Beobachtungswinkel α = arcsin(λ/b) beschreibt, für den das beobachtete Lichtsignal
verschwindet. Die Winkelabhängigkeit der vom Beobachter gemessenen Intensität ist aus
Abb.13o zu ersehen. Der durch Gl.34o definierte Winkel ist in dieser Abbildung mit α1 be-
zeichnet. Wird das Beugungsbild auf einem 1 m vom Spalt entfernten und parallel zur Spalt-
ebene angeordneten Schirm betrachtet, so beträgt der Abstand zwischen dem
Intensitätsmaximum (α=0°) und dem ersten Minimum 50 mm. Die Spaltbreite ist, wie aus der
Abbildung zu ersehen ist, mit 0,01mm gegeben.

Abb.12o

123
Abb.13o

124
Optik

Beispiele

o01
Die Herleitung der Gln 01o und 02o zählt zu den Standardaufgaben der Extremwertrechnung.
Wie lautet der Ansatz und wie werden die beiden Gesetzmäßigkeiten gefunden?

o02
Ein Parallelstrahlbündel aus Sonnenlicht fällt unter einem Winkel α1=15° auf ein Kronglas-
prisma mit einem Prismenwinkel γ=20°. Befestigt man in einem Abstand von 1m vom Prisma
eine Projektionsleinwand parallel zur Winkelhalbierenden von γ, so ist darauf das in seine
Farben aufgelöste Licht zu sehen. In welchem Abstand Δ erscheinen die Farben violett und
rot, wenn dafür aus der Tabelle 04o die Brechzahlen entsprechend den Wellenlängen von 397
und 687nm herangezogen werden?

o03
Es möge das Prisma im Beispiel o02 durch ein ebenes Strichgitter ersetzt werden, das Son-
nenlicht senkrecht auf das Gitter auftreffen und die Projektionsleinwand in einem Abstand
von 1m parallel zur Gitterebene aufgestellt werden. Wie groß ist der Strichabstand a zu wäh-
len, damit die beiden Wellenlängen am Schirm dieselbe geometrische Trennung Δ erfahren?

o04
Die Mehrschichtaufnahme in Abb.11o weist eine Kantenlänge von 25nm/15nm auf. Aus ei-
nem Vergleich mit der im Skriptum gezeigten Bilddimension kann die lineare Vergrößerung v
der Aufnahme ermittelt werden. Wie groß ist v?

o05
Die Erklärung der Beugung am Spalt wurde unter der Annahme einer Zweiteilung der Spalt-
breite vorgenommen. Als Ergebnis wurde das erste Beugungsminimum gefunden. Wie könnte
die Lage weiterer Minima (s. Abb.13o) bestimmt werden?

o06
Welche Wellenlängen, Frequenzen, Quantenenergien können verschiedenen elektromagneti-
schen Wellen zugeordnet werden?

Lösungen zu den Beispielen

o01
Reflexion
s2 2 = ( x B − x R ) + y B 2
2
s12 = x R 2 + y A 2
Die Zeitspanne tAB , die der Lichtstrahl benötigt, um von A über R (Ort der Reflexion) nach B
zu gelangen, beträgt
t AB = ( s1 + s2 ) c
1
t AB = ⋅ ⎛⎜ x R 2 + y A 2 + ( x B − x R )2 + y B 2 ⎞⎟
c ⎝ ⎠

125
tAB hängt vom Ort R ab: tAB = f(xR ). Bildet man die Ableitung von tAB nach xR und setzt diese
gleich null, so ist damit jener Ort xR gefunden, für den, dem FERMATschen Prinzip entspre-
chend, die Laufzeit tAB ein Minimum ist.
dt AB 1 2 ⋅ xR 1 − 2 ⋅ (xB − xR )
= ⋅ + ⋅ =0
dx R c 2. x 2 + y 2 c 2. ( x − x )2 + y 2
R A B R B
xR xB − xR
sin α = sin β =
xR 2 + y A2 (x B − x R )2 + y B 2
sin α − sin β = 0
α =β

Abb.B_01o

Brechung
s1 = x p2 + y A2 s2 = ( xB − x P )2 + yB 2
s1 s2
t= +
c1 c2
dt AB
=0
dx P
1 1
.sin α − .sin β = 0
c1 c2
sin α c1
= = n1,2
sin β c2

126
Optik

Abb.B_02o

o02
δr=(1,5067-1)·20=10,13° δv=(1,5246-1)·20=10,49°
Bei einem Winkel α1=15° und einem Prismenwinkel γ=20° beträgt der Winkel zwischen dem
einfallenden Strahl und der Horizontalgeraden h 5°. Mit den oben berechneten Deviationen δr
und δv schließen der rote und der violette Lichtstrahl mit h einen Winkel von 5,13° bzw von
5,49° ein. Wird der Abstand zwischen den Auftreffpunkten des roten und des violetten Licht-
strahls auf der Projektionsleinwand einerseits und dem Schnittpunkt von h mit der Leinwand
andererseits berechnet, so erhält man arot=89,85mm und aviol=96,15mm. Es beträgt dann die
gesuchte Differenz Δ=6,30mm.

Abb.B_03o

o03
Es möge die Beugung in erster Ordnung betrachtet werden. Es gilt dann
λr = a ⋅ sin α r λv = a ⋅ sin α v
Man ersieht aus diesen beiden Gleichungen, daß, im Gegensatz zur Brechung am Prisma, hier
das rote Licht eine stärkere Deviation erfährt. In Übereinstimmung mit den Angaben zu dem
Rechenbeispiel beträgt der Abstand Δ
Δ = 1⋅ (tan α r − tan α v )

127
Abb.B_04o

Für kleine Winkel α kann


sin α ≅ tan α ≅ α
gesetzt und damit das auf die Lösung einer transzendenten Gleichung hinauslaufende Problem
in sehr guter Näherung elementar gelöst werden.
λr − λv = a ⋅ (sin α r − sin α v ) ≅ a ⋅ (tan α r − tan α v ) = a ⋅ Δ
Daraus folgt
λr − λv (687 − 397 ) ⋅10 −9
a= = = 46,0μ m
Δ 6,30 ⋅10 − 3

o04
Für die lineare Vergrößerung errechnet sich mit den Kantenlängen der Abbildung
69mm/25nm = 2,76·106 fach
39mm/15nm = 2,60·106 fach also etwa dreimillionenfach.

o05
Bei der Zweiteilung hat für die Auslöschung
b λ
⋅ sin α =
2 2
gegolten. Bei einer Vierteilung muß zwischen benachbarten Streifen für eine Auslöschung die
Bedingung
b λ
⋅ sin α =
4 2
gelten, bei einer Sechsteilung
b λ
⋅ sin α =
6 2
etc. Werden diese Gleichungen umgeschrieben, so gilt allgemein
b ⋅ sin α z = z ⋅ λ
z ist eine beliebige ganze Zahl (null ausgenommen), wobei der Betrag von sinαz nicht größer
als eins werden darf.

128
Optik

o06
hf [eV] f [Hz] λ [m] Bezeichnung Quelle Anwendung
103 ▲ ⎮
10-11 ⎮ Niederfrequenz ⎮
105 ► Generatoren
104 ⎮ Mikrophone
10-10 Längstwellen ⎮ Telegraphie
104 ⎮
105 ⎮
-9
10 Langwellen (LW) ⎮
103 ⎮
106 ⎮
-8
10 Mittelwellen (MW) ⎮
102 ⎮
107 ► Schwingkreis Rundfunk
-7
10 Kurzwellen (KW) ⎮
101 ⎮
8
10 ⎮
10-6 Ultrakurzwellen (UKW) ⎮
100 ⎮ Fernsehen
109 ⎮
10-5 Dezimeterwellen ⎮
10-1 ⎮ Richtfunk
1010 ⎮
10-4 Zentimeterwellen ⎮
10-2 ⎮ Radar
1011 ⎮
10-3 Millimeterwellen ► Klystron
10-3 ⎮
1012 ⎮
10-2 Mikrowellen ⎮ Energieübertragung
10-4 ⎮
1013 ⎮
-1
10 ⎮
10-5 Infrarot ⎮
1014 ⎮
100 ► Temperaturstrahlung Medizin
10-6 ⎮
1015 ⎮
101 Licht ⎮
10-7 ⎮
1016 ⎮ Medizin
102 Ultraviolett ⎮
10-8 ► Synchrotronstrahlung
1017 ⎮
103 ⎮
10-9 ⎮
18
10 ⎮
104 Röntgenstrahlung ⎮ Röntgendiagnostik
10-10 ⎮
1019 ⎮ γ-Strahlung ⎮
105 ⎮ ► Röntgenröhre
10-11 ⎮ ⎮ Materialprüfung
1020 ⎮ ⎮ Atomkerne
106 ⎮ ⎮
10-12 ⎮ ⎮
21
10 ⎮ ⎮
107 ⎮ ⎮
10-13 ⎮
22
10 ⎮ Hochenergiephysik
108 ⎮

Abb.B_05o

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