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LV 143.020, 143.

021 – ET, TM

PHYSIK

LV 138.029 – MB, VT, WI-MB

PHYSIK FÜR INGENIEURE

12. RELATIVITÄTSTHEORIE

WS 2010/11
Vortragende:
N. GURKER, J. CUSTERS

Skriptum:
H. EBEL, N. GURKER, M. MANTLER, J. WERNISCH

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Relativitätstheorie

12. RELATIVITÄTSTHEORIE
Die Relativitätstheorie beschreibt physikalische Vorgänge und deren Gesetzmäßigkeiten,
wenn diese von Beobachtern in verschiedenen Koordinatensystemen erfaßt werden. Befinden
sich die Beobachter in zwei Koordinatensystemen, die relativ zueinander eine gleichför-
mige Bewegung ausführen, werden die Gesetzmäßigkeiten durch die spezielle Relativitäts-
theorie beschrieben. Bewegen sich die beiden Koordinatensysteme ungleichförmig zueinan-
der, so ist die allgemeine Relativitätstheorie in Anwendung zu bringen. Das vorliegende
Skriptum befaßt sich ausschließlich mit der speziellen Relativitätstheorie.

12.1. GALILEI-Transformation

Eine punktförmige Masse bewege sich relativ zu einem Koordinatensystem ohne Einwirkung
einer äußeren Kraft. Wenn die Bewegung gleichförmig verläuft, dann ist das Koordinaten-
system ein Inertialsystem. Die Bewegung wird durch die Gleichung
r r
(
r r r
r = r (t0 ) + vx + v y + vz ⋅ t ) Gl.01r
beschrieben. Soll in einem zweiten Koordinatensystem, das sich relativ zu dem ersten mit ei-
r
ner gleichförmigen Geschwindigkeit u bewegt, die Bewegung des Massenpunktes beschrie-
ben werden, so erhält man mit den Annahmen, daß

1. die Koordinatenachsen der beiden Systeme parallel zueinander liegen,


2. die Bewegung des zweiten Systems parallel zur x-Achse des ersten Systems in positiver x-
Richtung erfolgt,
3. zur Zeit t=0 die beiden Koordinatensysteme deckungsgleich sein mögen und daß
4. das zweitgenannte Koordinatensystem zur Unterscheidung vom erstgenannten als das "ge-
strichene System" bezeichnet wird

die Bahngleichung
r r
( r r r r
)
r ′ = r ′( t0 ) + (v x − u ) + v y + v z ⋅ t . Gl.02r
r r
r (t0) und r '(t0) geben in den beiden Koordinatensystemen den Ort des Massenpunktes zur
Zeit t=0 an und sind mit den getroffenen Annahmen gleich groß. Die im gestrichenen System
r r r r r r
beobachtete Geschwindigkeit ist erwartungsgemäß gleich v − u = (v x − u ) + v y + v z .

Die Geschwindigkeiten setzen sich additiv zusammen.

Da auch im gestrichenen System eine gleichförmige Bewegung beobachtet wird, ist dieses
ebenfalls ein Inertialsystem.

Bezeichnet man die Gesamtheit jener Größen, die zur Beschreibung eines physikalischen Ge-
schehens benötigt werden, als Systemgrößen, so können für das hier vorgestellte Beispiel im
ersten Koordinatensystem - dem ungestrichenen System - die Koordinatenachsen x, y und z,
die Länge l, die Masse m und die Zeit t als repräsentativ für das System Σ angesehen werden
und ähnlich für das gestrichene System Σ' die Größen x', y', z', l', m' und t'.

Die klassische Transformation der Systemgrößen von einem Inertialsystem in ein anderes er-
folgt durch die GALILEI-Transformation. Diese lautet für die genannten Systemgrößen:

171
Σ Σ’
x = x′ + u ⋅ t ′ x' = x − u ⋅ t
y = y′ y' = y
z = z′ z' = z
Gl.03r
l = l′ l' = l
t = t′ t' = t
m = m′ m' = m

Der linksseitige Satz von Gleichungen ermöglicht die Transformation vom gestrichenen in
das ungestrichene System und der rechtsseitige in umgekehrter Richtung.
Zur Unterscheidung von dem noch zu behandelnden relativistischen Additionstheorem der
Geschwindigkeiten, wird die durch die nachstehenden Gleichungen

Σ Σ’
r r r r r r
v = v′ + u v'= v − u Gl.04r

charakterisierte additive Zusammensetzung der Geschwindigkeiten als das GALILEIsche Ad-


ditionstheorem der Geschwindigkeiten definiert.

12.2. LORENTZ-Transformation

Bei der Auswertung von Experimenten hat es sich gezeigt, daß die GALILEI-Transformation
bei Geschwindigkeiten im Bereiche der Lichtgeschwindigkeit zu fehlerhaften Ergebnissen
führt. Dabei ist festzustellen, daß wider Erwarten keine größere Geschwindigkeit als die
Lichtgeschwindigkeit beobachtet wird, also das Additionstheorem der Geschwindigkeiten
versagt. Um den experimentellen Befunden durch eine modifizierte Transformation Genüge
leisten zu können, wurde von LORENTZ (1905), POINCARÉ und EINSTEIN (1906) der fol-
gende Weg eingeschlagen. Die bisher als absolut angenommenen physikalischen Größen
Länge, Masse und Zeit hängen von der jeweiligen Relativgeschwindigkeit ab und nur noch
die Ausbreitungsgeschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen im leeren Raum, die
Vakuumlichtgeschwindigkeit, verbleibt als absolute Größe. Es gelten also im allgemeinen
Falle die Ungleichungen l≠l', m≠m' und t≠t'. Um diese Überlegung in der Transformations-
gleichung berücksichtigen zu können, kann man z.B. in der GALILEI-Transformation einen
Faktor k einführen.

12.3. Transformation der Ortskoordinaten

Σ Σ’
x = k ( x ′ + ut ′) x ′ = k ( x − ut ) Gl.05r

Durch Differentiation nach der Zeit t bzw. t' erhält man Ausdrücke für die Geschwindigkeiten

172
Relativitätstheorie

dx d ( x ′ + ut ′ ) dx ′ d ( x − ut )
=k =k
dt dt dt ′ dt ′ Gl.06r
dt ′
v x ′ = k ( v x − u)
dt
v x = k ( v x′ + u)
dt dt ′

Diese beiden Gleichungen müssen auch für vx und vx’ gleich der Vakuumlichtgeschwindigkeit
c0 Gültigkeit besitzen und darüber hinaus den im Experiment von MICHELSON und
MORLEY beobachteten Befund widerspiegeln, daß unabhängig von der Relativbewegung
immer c0 und nicht c0 ± u gemessen wird.
dt ′ dt
c0 = k ( c0 + u) c0 = k ( c0 − u) Gl.07r
dt dt ′
Um die vorläufig noch unbekannten Ableitungen dt'/dt und dt/dt' eliminieren zu können, wird
das Produkt der beiden Gleichungen gebildet,
c0 2 = k 2 ( c0 + u)(c0 − u) Gl.08r
aus dem sich der gesuchte Proportionalitätsfaktor k zu
1
k= Gl.09r
2
⎛ u⎞
1− ⎜ ⎟
⎝ c0 ⎠
errechnet. Für die Ortskoordinaten lauten die Gleichungen der LORENTZ-Transformation

Σ Σ’
x = k ( x ′ + ut ′) x ′ = k ( x − ut )
y = y' y' = y Gl.10r
z = z' z' = z

12.4. Zeittransformation

Um zur Zeittransformation zu gelangen, kann man z.B. annehmen, daß zur Zeit t=0 an der
Stelle x=x'=0 ein Lichtstrahl in die Richtung der positiven x-Achse ausgesendet wird. Es müs-
sen dann in Σ bzw. in Σ' die Weggleichungen x=c0t bzw. x'=c0t' gelten. Setzt man in den
Transformationsgleichungen für x bzw x', x=c0t, x'=c0t' und t=x/c0 und t'=x'/c0, so erhält man
die gesuchten Transformationsgleichungen für die Zeit in den Systemen Σ und Σ'.

Σ Σ’
⎛ u ⎞ ⎛ u ⎞
t = k ⎜⎜ t ′ + 2 x ′⎟⎟ t ′ = k ⎜⎜ t − 2 x⎟⎟ Gl.11r
⎝ c0 ⎠ ⎝ c0 ⎠

173
12.5. Das relativistische Additionstheorem der Geschwindigkeiten
Mit dem für die LORENTZ-Transformation geltenden relativistischen Additionstheorem der
Geschwindigkeiten sollten die im Zusammenhang mit den anfänglich angestellten Gedanken-
experimenten erörterten Ungereimtheiten eine Erklärung finden. Dazu möge eine der Orts-
gleichungen nach der Zeit abgeleitet werden.
dx d ( x ′ + ut ′) d ( x ′ + ut ′) dt ′
=k =k ⋅ Gl.12r
dt dt dt ′ dt
Diese Gleichung lautet, wenn anstelle von
dx / dt = vx
dx '/ dt ' = vx '
und
dt'/dt = 1 ( dt dt ')
⎛ u ⎞
dt'/dt = Zeittransformation ⇒ k ⎜1+ 2 vx ' ⎟
⎝ c0 ⎠
gesetzt werden,
v x '+ u
vx = . Gl.13r
u. v x '
1+ 2
c0
Völlig analog erhält man die Gleichung für vx' Die folgenden Gleichungen beschreiben das
relativistische Additionstheorem der Geschwindigkeiten.
Σ Σ’
v '+ u v −u
vx = x vx ' = x Gl.14r
u. v x ' u. v x
1+ 2 1− 2
c0 c0

12.6. Massentransformation

Geht man von der Vorstellung aus, daß eine Masse unter der Einwirkung einer Kraft eine Be-
schleunigung erfährt, die, eine konstant gehaltene Kraft F vorausgesetzt, eine gleichförmig
beschleunigte Bewegung zu Folge hat, so kann in der NEWTONschen Mechanik bei bekann-
ter Masse m die Zeit t angegeben werden, nach welcher die Masse die Vakuumlichtgeschwin-
digkeit erreicht hat, bzw. überschreitet.

Da aber c0 die höchstmögliche Geschwindigkeit ist, sollte eine plausible Erklärung für den
oben aufgezeigten Widerspruch gefunden werden. Diese ergibt sich aus der Massentransfor-
mation.
r
Σ' bewege sich mit u parallel zur x-Achse von Σ. In Σ' bewegen sich zwei gleiche Massen mit
r r
den Geschwindigkeiten - u und + u parallel zur x'-Achse aufeinander zu. In Σ werden für die
beiden Massen die Geschwindigkeiten 0 und v=2·u/(1+(u/c0)2) beobachtet. Wird die ruhende
Masse mit m0 bezeichnet und die bewegte mit m, so betragen die Impulse aus der Sicht des
Beobachters in Σ m0·0 und m·v. Nach einem inelastischen Zusammenstoß befinden sich die
beiden Massen relativ zu Σ' in Ruhe und bewegen sich gegenüber Σ mit der Geschwindigkeit

174
Relativitätstheorie

r
u . Aus der Sicht eines Beobachters in Σ beträgt der Impuls der beiden Massen nunmehr
(m0+m)u.

Für die Errechnung der Größe der bewegten Masse m, wenn diese durch die Masse m0 im Zu-
stand der Ruhe zum Beobachter ausgedrückt werden soll, stehen die Gleichung aus dem
Additionstheorem der Geschwindigkeiten
2u
v= Gl.15r
u2
1+ 2
c0
und die Gleichung aus dem Satz von der Erhaltung des Impulses
mv = (m0 + m)u Gl.16r
zur Verfügung. Wird u aus dem Impulserhaltungssatz explizit errechnet und in die Gleichung
für das Additionstheorem eingesetzt, so folgt mit der schon bekannten Bedeutung des Faktors
k die Beziehung
m = km0 Gl.17r
m0 war jene Masse, die dem Beobachter in Σ vor dem Zusammenstoß im Zustand der Ruhe
erschien und m die Masse, deren Geschwindigkeit den Wert v hatte. Da es sich definitionsge-
mäß um identische Massen handelt, bedeutet dies, daß einem Beobachter ein und dieselbe
Masse, je nachdem ob sie sich relativ zu diesem entweder im Zustand der Ruhe oder der Be-
wegung befindet, unterschiedlich groß erscheint. Es ist nicht sinnvoll, die Transformations-
gleichungen für Σ und für Σ' in der Form m=k.m' und m'=m/k anzuschreiben, sondern das Sy-
stem Σ' fest mit der Masse zu verbinden. Es erscheint dann dem Beobachter in Σ' die Masse
als ruhende Masse m0 und dem Beobachter in Σ dieselbe Masse als eine sich relativ zu ihm
mit der Geschwindigkeit u bewegende Masse m. Unter Berücksichtigung dieser Überlegung
lauten die Transformationsgleichungen für die Masse

Σ Σ’
m = k ⋅ m0 m ' = m0 Gl.18r

Stellt man mit dieser Erkenntnis nochmals die Überlegung in Hinblick auf eine Masse an, die
mit einer konstant gehaltenen Kraft in Bezug auf das System Σ beschleunigt werden soll, so
setzt die Masse diesem mit zunehmender Geschwindigkeit einen immer stärker in Erschei-
nung tretenden Trägheitswiderstand entgegen. Das heißt, daß die tatsächlich erzielbare Be-
schleunigung bei konstant gehaltener Kraft abnimmt. Um eine Masse auf c0 zu beschleunigen,
wäre eine unendlich große Kraft erforderlich.

Es sei in Erinnerung gerufen, daß sich die Masse im System Σ bewegt und in Σ' im Zustand
der Ruhe befindet. Der Beobachter in Σ' mißt die Ruhemasse m0 , während der Beobachter in
Σ die bewegte Masse m mit Hilfe seiner Messungen feststellt.

Da gelegentlich der Begriff der Masse mit jenem der von der Masse ausgeübten Gewichts-
kraft gleichgesetzt wird, mögen die folgenden Ausführungen zur kinetischen Energie zu ei-
nem besseren Verständnis der Massentransformation beitragen.

175
12.7. Energiebetrachtungen

Werden die bisherigen Überlegungen in Hinblick auf eine Energiebilanz


r ausgedehnt,r so ist
zunächst die Definition der Kraft in Erinnerung zu rufen. Die Kraft F , der Impuls p bzw.
r
die zeitliche Änderung des Impulses dp /dt stehen in folgendem Zusammenhang
r r
F = dp / dt . Gl.19r
Die Kraft möge in Richtung der positiven x-Achse des Systems Σ wirken, die Bewegung der
betrachteten Masse in derselben Richtung, sodaß sich die folgenden Betrachtungen aus-
schließlich mit der x-Komponente der vektoriellen Größen befassen und damit in skalarer
Form weiter geführt werden können.
Die Bewegungsgröße - der Impuls p - ist durch p = m·v gegeben, und da die Masse m von der
Geschwindigkeit v abhängt, lautet der Ausdruck für die Kraft

dp dm dv dm dv dv ⎛ dm ⎞ dv
F= = ⋅v + m⋅ = ⋅ ⋅v + m⋅ =⎜ ⋅ v + m⎟ ⋅ Gl.20r
dt dt dt dv dt dt ⎝ dv ⎠ dt

Die Kraft wirkt über den Weg dx auf die zu beschleunigende Masse ein, verrichtet dabei eine
Arbeit dW=F·dx, die sich in Form einer Zunahme dEk der kinetischen Energie Ek manifestiert.
Das Wegstück dx errechnet sich aus dx=v·dt und somit folgt für dEk
⎛ dm ⎞ dv ⎛ dm ⎞
dE k = ⎜ ⋅ v + m⎟ ⋅ ⋅ v ⋅ dt = ⎜ ⋅ v + m⎟ ⋅ v ⋅ dv Gl.21r
⎝ dv ⎠ dt ⎝ dv ⎠
Um die gesamte kinetische Energie Ek einer sich mit der Geschwindigkeit u bewegenden
Masse m zu erhalten, ist das Integral über dEk von der Geschwindigkeit v=0 bis zu v=u zu
bestimmen.
⎛ dm ⎞
u
Ek = ∫ ⎜ ⋅ v + m ⎟ ⋅ v ⋅ dv = ( m − m0 ) ⋅ c0 2 Gl.22r
v =0 ⎝ ⎠
dv
Das Ergebnis der Integration wurde hier zwar ohne Zwischenrechnung angeschrieben, ist
aber, wenn die Ableitung der Masse m nach der Geschwindigkeit gebildet wurde, elementar
zu errechnen.
Um die in der Gleichung Ek = (m − m0 ) ⋅ c0 2 enthaltene Bedeutung besser veranschaulichen
zu können, sei dieselbe graphisch dargestellt.

Ek m0·c02

m·c02

Daraus ist zu ersehen, daß sich die kinetische Energie als Differenz zweier Ausdrücke der
Form mc2 ausdrücken läßt. Bezeichnet man mc02 als Gesamtenergie und m0c02 als jene Ener-
gie, die der Masse m0 im Ruhezustand eigen ist, also als Ruheenergie, dann ist die kinetische
Energie als die Differenz aus der Gesamtenergie Eges und der Ruheenergie E0 definiert.
E k = E ges − E 0 Gl.23r
Die Masse wird im System Σ, ausgehend vom Zustand der Ruhe und damit von der Ruhe-
masse m0 und der Ruheenergie E0 unter Aufwendung der kinetischen Energie Ek auf eine Ge-

176
Relativitätstheorie

schwindigkeit u gebracht. Diese Energie war erforderlich, um den Trägheitswiderstand der


Masse gegenüber einer Beschleunigung überwinden zu können. Die bewegte Masse m besitzt
eine Gesamtenergie E, die sich von der ursprünglichen Ruheenergie E0 durch die kinetische
Energie unterscheidet. Im System Σ war die Energie Ek aufzubringen und kann nach dem E-
nergieerhaltungssatz auch wieder zurückgewonnen werden.

Mit der Masse ist das System Σ' fest verbunden, sodaß für den mit Σ' mitbewegten Beobachter
die Masse als in Ruhe befindlich erscheint. Gegenüber Σ' weist die Masse keinen Bewegungs-
zustand auf, es war daher auch keine Energie aufzuwenden und die kinetische Energie ist null.
Daher kann auch in Σ' von der in Σ vorhandenen kinetischen Energie kein Gebrauch im Sinne
einer Rückgewinnung gemacht werden.

Die relativistische Massenänderung beschreibt in Verbindung mit der relativistischen kineti-


schen Energie
a) die für das Erreichen der Geschwindigkeit u aufzuwendende Energie und
b) die in einem Koordinatensystem für eine von null verschiedene Masse nur asymptotisch
erreichbare Grenzgeschwindigkeit u=c0 .

Im weiteren sei die Aussage erörtert, daß einer ruhenden Masse m0 eine Energie E0
E 0 = m0 c0 2 Gl.24r
äquivalent ist. Zur besseren Veranschaulichung mögen die Betrachtungen zur Materiewelle
beitragen.

12.8. Materiewelle

Im Rahmen der Behandlung der Spektren wurde einer elektromagnetischen Welle der Fre-
quenz f über die PLANCKsche Beziehung E=hf den Elementarteilchen der Welle - den Pho-
tonen oder Quanten - eine Energie zugeordnet. Die Masse der Elementarteilchen errechnet
sich aus der Anwendung des Äquivalenzprinzips zu
hf
m= 2 Gl.25r
c0
Licht muß, je nach der sich bietenden Aufgabenstellung, sowohl als Welle als auch als Teil-
chen modellhaft behandelt werden (Dualismus des Lichts).

Eine Umkehrung der gezeigten Überlegung gestattet es, einem "Teilchen" - z.B. einem Elek-
tron - eine Frequenz f und eine Wellenlänge λ zuzuordnen. Das heißt, Materie wird als Welle
behandelt (Dualismus der Materie). Die Wellenbetrachtung bewährt sich z.B.in der Quan-
tenmechanik und bei der Erklärung des mit einem Elektronenmikroskop im Vergleich zu ei-
nem Lichtmikroskop erzielbaren höheren Auflösungsvermögens.

Es möge in Σ' einer ruhenden Masse m0 mit


m0 c0 2
f '= Gl.26r
h
eine Frequenz und damit eine Schwingung y ' = A' sin 2πf ' t ' zugeordnet werden. Werden t'
durch den aus der Zeittransformation folgenden Ausdruck t'=k(t-ux/c02 ) und f ' durch f gemäß

177
f=mc02/h, also f '=f/k ersetzt, so ist die Schwingung in Σ' durch einen Wellenvorgang in Σ ge-
mäß
⎛ ⎛ u ⋅ x ⎞⎞
y = A ⋅ sin ⎜ 2π f ⎜ t − 2 ⎟ ⎟ Gl.27r



⎝ c0 ⎟⎠ ⎟⎠
zu beschreiben. Ein Vergleich mit der bekannten Gleichung einer Welle
⎛ ⎛ x ⎞ ⎞⎟
y = A ⋅ sin ⎜⎜ 2π f ⎜⎜ t − ⎟⎟
⎟ Gl.28r
⎝ ⎝ c Phase ⎠ ⎠
lehrt, daß die Phasengeschwindigkeit cPhase der Materiewelle gleich
c0 2
c Phase = Gl.29r
u
ist und, da u<c0 gilt, größer als c0 sein muß.

Aus der Phasengeschwindigkeit und der Frequenz errechnet sich die Wellenlänge λ der Mate-
riewelle zu λ=cPhase/f. Setzt man für cPhase und für f die oben behandelten Ausdrücke ein, so
erhält man mit dem Impuls p=m.u des Teilchens den für die Materiewelle besser bekannten
Ausdruck
c c 2 /u h h
λ = Phase = 0 2 = = Gl.30r
f m ⋅ c0 / h m ⋅ u p
Versucht man die Beschreibung eines Lichtquants in umgekehrter Richtung vom Teilchen zur
Welle vorzunehmen, so ist für den Impuls die Masse m=hf/c02 mit der Geschwindigkeit c0 zu
multiplizieren und es errechnet sich aus der Beziehung für die Materiewellenlänge λ zu
h c
λ= = 0 Gl.31r
p f
Das ist der bekannte Ausdruck für die Wellenlänge einer elektromagnetischen Welle.

12.9. DOPPLER-Effekt bei elektromagnetischen Wellen

Im bewegten System Σ' befinde sich in x'=0 ein Sender, der eine elektromagnetische Welle
der Frequenz f ' und der Wellenlänge λ'=c0/f ' in Richtung der negativen x'-Achse emittiert. Im
ruhenden System Σ befinde sich am Ort x=0 ein Empfänger. Der Sender entfernt sich von die-
sem "Beobachter".

Zum Zeitpunkt t'=t=0 möge der Anfang einer Welle emittiert worden sein. Da für diesen Zeit-
punkt x'=x=0 für den Sender und den Empfänger gilt, ist die Laufzeit für den Wellenanfang
gleich null. Nach der Zeit T ' in Σ' oder k.T ' in Σ - also der Dauer einer vollständigen Schwin-
gung des Senders - befindet sich der Sender an der Stelle x=u.k.T ' und das Ende der Welle
benötigt, um zum Empfänger zu gelangen, die Zeit k.u.T '/c0 . Zwischen dem Anfang und dem
Ende der am Ort des Empfängers beobachteten Schwingung - das ist die Schwingungsdauer T
- verstreicht eine Zeit
ukT ' ⎛ u⎞
T = kT '+ = kT ' ⎜ 1 + ⎟ Gl.32r
c0 ⎝ c0 ⎠
T=1/f bzw. T '=1/f '. Somit beträgt die am Ort des Empfängers gemessene Frequenz f, wenn
diese durch die Frequenz f ' des Senders ausgedrückt wird

178
Relativitätstheorie

u
1−
f' c0 ⎛ u⎞
f = = f '⋅ = kf ' ⎜ 1 − ⎟ Gl.33r
⎛ u⎞ ⎛ u⎞
2 ⎝ c0 ⎠
k ⎜1 + ⎟ 1− ⎜ ⎟
⎝ c0 ⎠ ⎝ c0 ⎠
Der gezeigte Ausdruck für die Frequenzänderung einer elektromagnetischen Welle zufolge
des DOPPLER-Effektes ähnelt dem für eine Schallwelle, und zwar für den Fall einer ruhen-
den Quelle und eines von dieser sich wegbewegenden Beobachters. Wäre bei der vorange-
gangenen Herleitung für den DOPPLER-Effekt anstelle der dort verwendeten Richtung der
Ausbreitung die entgegengesetzte Richtung gewählt und der Empfänger an einem ausreichend
vom Ursprung entfernten Ort x>0 aufgestellt worden, so hätte sich der Ausdruck nur im Zäh-
ler hinsichtlich des Vorzeichens derart geändert, daß an Stelle von 1-u/c0 nunmehr 1+u/c0
stünde. Auch dieser Ausdruck ähnelt dem für den DOPPLER-Effekt bei Schallwellen, und
zwar für eine ruhende Quelle und einen sich dieser nähernden Beobachter.

Trotzdem sind zwei wesentliche Unterschiede anzumerken:


1. Der Faktor k, der den Unterschied zwischen definierten Zeitspannen in den Systemen Σ
und Σ' bestimmt (Zeitdilatation).
2. Während beim Schall die Ausbreitung an ein Medium gebunden ist, breiten sich elektro-
magnetische Wellen im leeren Raum ohne die Existenz eines Äthers annehmen zu müssen
aus. Aus diesem Grunde ist nicht mehr zwischen den Fällen einer ruhenden oder bewegten
Quelle und einem bewegten oder ruhenden Beobachter zu unterscheiden. Es kommt bei
den elektromagnetischen Wellen nur auf die Relativbewegung an.

179
Beispiele

r01
Ein Lichtstrahl (z.B. ein Laserstrahl) durchläuft in einem mit Wasser gefüllten Glasrohr eine
Strecke a. Welche Lichtgeschwindigkeit wird in dem Rohr gemessen, wenn die Brechzahl des
Wassers n beträgt? Wie kann die Lichtgeschwindigkeit gemessen werden? Nunmehr möge
sich die Wassersäule einmal in der Richtung der Ausbreitung des Lichtes mit der Geschwin-
digkeit u bewegen und einmal in der entgegengesetzten. Welche Lichtgeschwindigkeit wird in
diesen beiden Fällen gemessen? Wie kann die mit dem Begriffe des Mitführungskoeffizienten
F=1-1/n2 verknüpfte Geschwindigkeitsänderung von F.u mit der Vorstellung eines Licht-
äthers in Verbindung gebracht werden?

r02
Im folgenden Gedankenexperiment möge im Hörsaal ein Schlitten mit der Masse m auf einer
horizontal angeordneten geraden Führungsschiene reibungsfrei bewegt werden. Dem Schlit-
ten möge, ausgehend vom Zustand der Ruhe durch einen Stoß eine Geschwindigkeit u erteilt
worden sein. Um welche Art von Bewegung handelt es sich? Läßt sich ein mit dem Hörsaal
fest verbundenens Koordinatensystem Σ als Inertialsystem definieren und ebenso ein mit dem
Schlitten fest verbundenes Koordinatensystem Σ'? In der Verlängerung der Führungsschiene
sei eine Lichtquelle (z.B. ein Laser) so angeordnet, daß der Lichtstrahl auf den Schlitten auf-
trifft. Welche Werte der Lichtgeschwindigkeit werden in Σ und in Σ' gemessen werden, wenn
sich der Schlitten in Ruhe befindet, sich gleichförmig auf die Lichtquelle hin-, bzw. von die-
ser wegbewegt? Ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit in Luft mit jener im Vakuum identisch?
Wie genau ist die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum bekannt? Mit welcher Genauigkeit müßte
das Experiment ausgeführt werden, um den zu erwartenden Meßeffekt nachweisen zu kön-
nen?

r03
Das folgende Experiment sei ähnlich dem vorangegangenen aufgebaut, nur sei diesmal der
Laser auf dem Schlitten montiert. Welche Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes wird in Σ
und in Σ' gemessen? Sodann möge das Licht am Ende des Schlittens mit Hilfe eines Spiegels
in die entgegengesetzte Richtung reflektiert und die Geschwindigkeitsmessung am reflektier-
ten Strahl vorgenommen werden. Welche Werte der Lichtgeschwindigkeit werden nunmehr
in Σ und in Σ' gemessen? Vergleichende Betrachtung zu dem von MICHELSON und
MORLEY ausgeführten Experiment.

r04
Welche Bedeutung kommt dem Mitführungskoeffizienten F im leeren Raume - Lichtäther? -
mit dem durch v'=v-u formulierten Additionstheorem der Geschwindigkeiten zu?

r05
Um eine bessere Vorstellung hinsichtlich des Unterschiedes zwischen der GALILEI- und der
LORENTZ-Transformation zu erhalten, möge der Faktor k für eine Reihe von Geschwindig-
keiten berechnet und damit eine Möglichkeit für eine Abwägung des Einsatzes einer der bei-
den Transformationen im Falle einer praktischen Anwendung geschaffen werden.

180
Relativitätstheorie

r06
Eine Länge l sei in Σ einmal durch den Abstand zweier Punkte auf der x-Achse und sodann
auf der y-Achse gegeben. Wie messen die Beobachter in Σ und in Σ' die jeweiligen Werte der
Längen l=x2-x1 und l=y2-y1 bzw. l'=x2'-x1' und l'=y2'-y1'.Wie ist das Ergebnis zu formulieren,
wenn die Länge l als Referenzwert verwendet wird? ................................. Längenkontraktion

r07
In Σ' sei in x' eine Uhr angeordnet, die es gestattet, eine Zeitspanne Δt' als eine Zeitdifferenz
zwischen den Zeitpunkten t2' und t1' anzugeben. Es möge dies beispielsweise die definierte
Lebensdauer eines Elementarteilchens sein. Welches Elementarteilchen wird üblicherweise
für die Erklärung der relativistischen Zeitdilatation herangezogen und warum? Dem Beobach-
ter in Σ erscheint diese Zeitspanne länger. Mit welchem Faktor ist Δt' zu multiplizieren?

r08
Bei der Diskussion des Experiments zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit in einer mit
Wasser gefüllten Glasröhre (r01) war eine scheinbare Bestätigung für die Existenz eines
Lichtäthers über den Mitführungskoeffizienten gegeben worden. Läßt sich der Mitführungs-
koeffizient F=1-1/n2 auch ohne die Annahme eines Lichtäthers unter Anwendung des relativi-
stischen Additionstheorems der Geschwindigkeiten erklären?

r09
Im Rahmen der Gedankenexperimente zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit im Hörsaal
wurde das Ergebnis erzielt, daß unabhängig vom Bewegungszustand des Schlittens immer c0
gemessen wird. Es seien nunmehr die einzelnen Versuche unter Verwendung des relativisti-
schen Additionstheorems der Geschwindigkeiten analysiert.

r10
In der klassischen Mechanik lautet der Ausdruck für die kinetische Energie Ek=mv2/2. Da mit
der Masse die Ruhemasse m0 gemeint ist und mit der Geschwindigkeit die in der Ableitung
für die relativistische kinetische Energie verwendete Endgeschwindigkeit u, soll gezeigt wer-
den, daß für Geschwindigkeiten u die wesentlich kleiner als c0 sind, aus der Reihenentwick-
lung für den Ausdruck Ek=(m-m0)c02 der Zusammenhang Ek=m0u2/2 entsteht.

r11
Es ist die einer Masse von 1μg äquivalente Energie, ausgedrückt in kWh, gesucht.

r12
Es möge die bei einer Kernspaltung und die bei einer Kernfusion freiwerdende Energiemenge
anhand konkreter Werte erörtert werden.

r13
Wie groß ist die Ruhemasse m0 eines Photons (Lichtquant), und die Masse m des mit c0 be-
wegten Photons? Das Photon möge sich gegen das Gravitationsfeld der Erde bewegen. Mit
anderen Worten, die Photonen bewegen sich von der Erde weg. Nach den bisherigen Überle-
gungen müßte es ähnlich einem nach oben geworfenen Stein eine verzögerte Bewegung aus-
führen. Was wird tatsächlich beobachtet, wenn die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen
c0 im leeren Raum unabhängig von der Richtung ist? Das von REBKA und POUND zur Be-
stätigung ausgeführte Experiment stellt extreme Anforderungen an die Meßgenauigkeit und
sollte deshalb ausführlich erörtert werden.

181
r14
In den bisherigen Ausführungen galt als gesichert, daß c0 die größtmögliche Geschwindigkeit
in einem System sei. Verstößt cPhase>c0 bei der Materiewelle gegen diese Aussage?

r15
Ein Elektron habe eine Potentialdifferenz von 10kV durchlaufen. Wie groß sind seine kineti-
sche Energie Ek, seine Geschwindigkeit u, seine Masse m, der Impuls p und die Materiewel-
lenlänge λ? Kann λ durch ein Experiment überprüft werden?

Lösungen zu den Beispielen

r01
c0
c=
n
z.B. durch eine Laufzeitmessung (siehe auch Beispiel r08).
r
r c0 r
c= ± F ⋅u
n
In der klassischen Vorstellung wird der Lichtäther teilweise - also mit einem gewissen
Schlupf - von der bewegten Flüssigkeit mitgerissen.

r02
Eine gleichförmige Bewegung.
Ja, wobei die Bewegungsrichtung mit der x-Richtung, die z-Richtung parallel zum Lot und
die y-Richtung so gewählt wird, daß xyz ein Rechtssystem bilden. Die Tatsache, daß die
Schwerebeschleunigung wirkt, ist ohne Belang, da nur Bewegungen in der xy-Ebene behan-
delt werden und für diese durch eine reibungsfreie Lagerung des Schlittens die Gültigkeit der
NEWTONschen Axiomatik angenommen werden kann. Es wird c0/nLuft gemessen. Auch bei
Bewegung wird c0/nLuft gemessen.
Nein. Es wurde bereits im Zusammenhang mit der Überlagerung von Schwingungen ein Re-
chenbeispiel (s06) behandelt und dort gezeigt, daß z.B. für das Licht eines He-Ne-Lasers und
bestimmte Bedingungen nLuft=1,00032 beträgt.
c0=2,99792458·108 m.s-1. Die letzte Nachkommastelle (8) entspricht 8m.s-1. Wird angenom-
men, daß die Geschwindigkeit des Schlittens im Bereiche von weniger als 10m.s-1 liegt, so
muß die relative Meßgenauigkeit bei der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit im Zusam-
menhang mit dem dargestellten Experiment zur speziellen Relativitätstheorie im Bereiche von
10-8 liegen, wobei von der klassischen Vorstellung her eine additive Zusammensetzung der
Geschwindigkeit des Schlittens und der Vakuumlichtgeschwindigkeit (gebrochen durch nLuft)
erwartet wird.

r03
Es wird wieder c0/nLuft gemessen.
Ebenfalls c0/nLuft.

r04
Da die Brechzahl des leeren Raumes gleich 1 ist, wird der Mitführungskoeffizient
( )
F = 1 − 1 n 2 = 0 . Mit dem klassischen Denkmodell eines Lichtäthers muß angenommen

182
Relativitätstheorie

werden, daß dieser bei einer Bewegung im leeren Raum nicht mitgeführt - mitgerissen - wird.
Da das MICHELSON-MORLEY-Experiment aber gerade dieses von der klassischen Vorstel-
lung her erwartete Ergebnis nicht zu verifizieren gestattete, mußte das Konzept des Licht-
äthers aufgegeben werden. Wenn nunmehr die klassische Vorstellung noch die einfache addi-
tive Zusammensetzung der Geschwindigkeiten fordert und diese im Experiment ebenfalls
nicht bestätigt werden kann, dann muß ein Additionstheorem der Geschwindigkeiten entwik-
kelt werden, das den Versuchsausgang des MICHELSON-MORLEY-Experiments quantitativ
zu beschreiben gestattet - das relativistische Additionstheorem der Geschwindigkeiten.

r05
Um den Unterschied gegenüber 1 besser hervorzuheben, wird in der folgenden Tabelle k -1 in
Abhängigkeit von der Geschwindigkeit u (m·s-1) angegeben.
u= 106 k -1= 5,602837·10-6
7
10 5,568266·10-4
108 6,075203·10-2
Zum Vergleich beträgt eine der sogenannten hohen Geschwindigkeiten, nämlich die Umlauf-
geschwindigkeit der Erde um die Sonne, etwa 3·104 m·s-1.
Der Unterschied zwischen der GALILEI- und der LORENTZ- Transformation wird erst bei
Geschwindigkeiten nahe der Vakuumlichtgeschwindigkeit bedeutsam.

r06
l = x 2 − x1 = k ⋅ (x 2 '+u.t ') − k ⋅ ( x1 '+u.t ')
Gleichzeitigkeit in Σ' für die Messung von l' vorausgesetzt, ergibt
l = k ⋅ ( x 2 '− x1 ') = k ⋅ l '
in der x-Richtung und
l = y 2 − y1 = y2 '− y1 ' = l '
in der y-Richtung.

r07
Δt = k ⋅ Δt '
μ-Mesonen sind Elementarteilchen, die z.B. in der äußeren Erdatmosphäre durch die Wech-
selwirkung hochenergetischer Strahlung mit dem Hüllgas der Erde entstehen. Deren Lebens-
dauer beträgt, gemessen mit einer Uhr in einem mit dem Teilchen mitbewegten System,
2,15·10-6 s. Dieser Wert der Lebensdauer kann dadurch so genau angegeben werden, da μ-
Mesonen auch durch Reaktionen in Laboratorien erzeugt werden können und in diesem Falle
eine Geschwindigkeit aufweisen, die noch keine relativistische Korrektur erfordern. Die Ge-
schwindigkeit der μ-Mesonen als Bestandteil der harten Komponente der kosmischen Strah-
lung ist hingegen nahezu gleich der Vakuumlichtgeschwindigkeit. Mit den beiden genannten
Zahlenwerten würde die Reichweite der μ-Mesonen, klassisch gerechnet,
2,15 ⋅ 10 −6 ⋅ 3 ⋅ 10 8 = 645 m betragen. Tatsächlich legen sie aber Distanzen von einigen 104 m
vom Orte ihrer Entstehung bis zum Beobachter auf der Erdoberfläche zurück. Der Wert von k
beträgt im Falle dieser Teilchen etwa 50, weshalb der Beobachter die Lebensdauer der μ-
Mesonen zu k.Δt'=50·2,15·10-6=Δt=1,08·10-4 s ermittelt.

r08
Die Geschwindigkeit der Wassersäule in der Glasröhre möge u sein. Im ruhenden Wasser be-
trägt die Lichtgeschwindigkeit c0/n. Dieser Wert wird auch von einem mit der Wassersäule
mitbewegten Beobachter gefunden. Das heißt, daß die Lichtgeschwindigkeit c' im gestriche-

183
nen System gleich c0/n ist. Nach dem Additionstheorem der Geschwindigkeiten wird von ei-
nem relativ zum Glasrohr in Ruhe befindlichen Beobachter eine Geschwindigkeit
c0 c0
+u +u
c= n = n
c0 1 u
1+ u ⋅ ⋅ 2 1+
n c0 n ⋅ c0
erhalten. Mit einer Wassergeschwindigkeit von etwa 1m.s-1 unterscheidet sich der Nenneraus-
druck nur wenig von 1 und es kann der obige Ausdruck sehr gut durch
⎛c ⎞ ⎛ u ⎞
c = ⎜ 0 + u ⎟ ⋅ ⎜⎜1 − ⎟⎟
⎝ n ⎠ ⎝ n ⋅ c0 ⎠
ersetzt werden. Führt man das Produkt aus
c u u2
c = 0 +u− 2 −
n n n ⋅ c0
und berücksichtigt die Tatsache, daß der letzte Summand im Vergleich zu den anderen we-
sentlich kleiner ist und deshalb vernachlässigt werden kann
c ⎛ 1⎞
c = 0 + u. ⎜ 1 − 2 ⎟ ,
n ⎝ n ⎠
so beschreibt der Klammerausdruck den Mitführungskoeffizienten F, der, wie die oben ange-
stellten Ausführungen gezeigt haben, ohne die Annahme eines Lichtäthers, der vom Wasser
teilweise mitgerissen wird, unter Verwendung der LORENTZ-Transformation erklärt werden
kann.

r09
Bewegter Beobachter und ruhende Lichtquelle
c' = ( c0 − u) (1 − u c0 ) = c0
Bewegte Lichtquelle und ruhender Beobachter
c' = ( c0 + u) (1 + u c0 ) = c0
Im Falle einer Richtungsumkehr tritt eine Vorzeichenumkehr ein, das Ergebnis c0 bleibt aber
erhalten.

r10
E k = (m − m0 ) ⋅ c0 2 = m0 ⋅ (k − 1) ⋅ c0 2
v2
Im Falle v bzw u«c0 wird k = 1 + und damit (k-1)·c02 gleich v2/2. Mit der hier gezeig-
2 ⋅ c0 2

ten Betrachtung wird der bekannte Ausdruck mv2 /2 als ein Sonderfall der relativistischen ki-
netischen Energie für den Fall von Geschwindigkeiten erhalten, die wesentlich kleiner als die
Vakuumlichtgeschwindigkeit sind.

r11
Mit dem Äquivalenzprinzip wird
E= m·c02 = 1·10-9· (3·108)2=9·107 J=9·107/3,6·106=25 kWh erhalten.

r12
Die Masse eines gebundenen Atomkerns ist kleiner als die Summe der Massen seiner Bau-
steine (Protonen, Neutronen). Dieser Massenunterschied Δm ist äquivalent zur Bindungsener-

184
Relativitätstheorie

gie EB=Δm·c02. Um die folgenden Überlegungen besser verstehen zu können, wird der Mas-
senunterschied Δm durch die Anzahl der im Kern enthaltenen Kernbausteine - Nukleonen -
dividiert und damit die mittlere Bindungsenergie je Nukleon eingeführt. Als Maß für die An-
zahl der Nukleonen im Kern wird das Atomgewicht A verwendet. Das folgende Bild zeigt
EB/A in Abhängigkeit vom Atomgewicht.

Abb.B_01r

Daraus ist zu ersehen, daß bei der Verschmelzung zweier leichter Kerne ein schwererer Kern
entsteht, dessen Bindungsenergie je Nukleon höher ist als die der Ausgangskerne - Prinzip der
Kernverschmelzung oder Kernfusion. Im Falle schwerer Kerne hingegen gilt, daß bei der
Auftrennung eines Kerns in zwei leichtere, die Bindungsenergie je Nukleon zunimmt - Prin-
zip der Kernspaltung. Berechnet man den Gesamtzuwachs an Bindungsenergie indem die mit
der jeweiligen Anzahl von Kernbausteinen multiplizierte Bindungsenergie je Nukleon vor der
Kernreaktion von jener nach derselben abgezogen wird, so ist dies die bei der jeweiligen
Kernreaktion freiwerdende Energie. Ohne nun die Rechnung im Detail auszuführen seien hier
die bei einigen Kernfusionen freiwerdenden Energien gezeigt
2
H + 1H → 3
He + γ + 5,49 MeV,
3
He + 3He → 4
He + 2.1H + 12,85 MeV,
12
C + 1H → 13
N + γ + 1,95 MeV

Für die Kernspaltung möge das folgende Beispiel dienen. Das in der Natur vorkommende U-
ranisotop 235U wird durch Anlagerung eines Neutrons in das instabile 236U übergeführt, das
z.B. bei einer symmetrischen Spaltung in zwei 118Pd zu einem Zuwachs von 0,78 MeV an
Bindungsenergie je Nukleon führt. Das heißt, daß bei der symmetrischen Spaltung des Uran-
isotops 236 eine Energie von insgesamt 236·0,78 = 184 MeV frei wird.

r13
Wenn elektromagnetische Strahlung der Frequenz f in lotrechter Richtung eine Höhendiffe-
renz H bewältigt, dann müssen die Quanten dieser Strahlung mit der Masse m=hf/c02 gegen
das Gravitationsfeld der Erde eine Arbeit mgH verrichten.

185
Die Energie stammt von der Quantenenergie, so daß die Quantenenergie von ursprünglich hf
auf hf '= hf-mgH abnimmt. Eine geringere Frequenz f '<f bedeutet eine Rotverschiebung und
da diese im Gravitationsfeld erfolgt heißt der Effekt "Rotverschiebung des Lichtes im Gra-
vitationsfeld".
Wird für mgH eingesetzt, die Differenzfrequenz berechnet und diese durch f dividiert, so er-
hält man die relative Frequenzänderung Δf/f = (f-f ')/f
Δf g⋅H
=
f c0 2
Im Falle einer Höhe H=30 m, einer Schwerebeschleunigung g=9,8 m·s-2 und einer Vakuum-
lichtgeschwindigkeit c0=3·108 m·s-1 errechnet sich die relative Frequenzänderung zu 3,3·10-15.
Dies ist der Grundgedanke des REBKA-POUND-Experiments.

r14
Nein, da die Begrenzung nur für die Bewegung von Energie bzw. Masse gilt und die Phasen-
geschwindigkeit davon nicht betroffen ist.

r15
Die kinetische Energie des Elektrons nach dem Durchlaufen einer Potentialdifferenz von
10kV beträgt 10keV=1,60·10-15 J. Aus der Beziehung Ek = (m-m0)c02 errechnet sich mit
m=m0k die gesuchte Geschwindigkeit zu
1
u = c0 ⋅ 1 − 2
= 5,88 ⋅ 10 7 m⋅ s −1 .
⎛ ⎞
⎜1 + E k ⎟
⎜ m .c 2 ⎟
⎝ 0 0 ⎠

Der relativistische Faktor beträgt damit k=1,02, sodaß für die Masse des bewegten Elektrons
m=9,29·10-31 kg, ein Impuls p=m·u=5,46·10-23 kg·m·s-1 und eine Materiewellenlänge
λ=h/p=1,21·10-11 m, also 12,1 pm folgt.

186