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Skript zur Vorlesung HNO SS 2014 1

Plastische Chirurgie des Kopf-Hals-Gebietes

 Übersicht

Plastische Chirurgie
- Chirurgie aus funktionellen oder ästhetischen/kosmetischen Gründen
- Veränderungen an den Organen oder der Körperoberfläche
- Ästhetische Chirurgie + Rekonstruktive Chirurgie (Verbrennungschirurgie,
Handchirurgie)

Ästhetische Chirurgie
- ≅ kosmetische Chirurgie
- Keine medizinische Indikation, ausschließlich Patientenwunsch
- Ziel ist die Verbesserung des Erscheinungsbildes

Rekonstruktive Chirurgie
- Wiederherstellung von Funktionen oder ganzen Körperteilen nach Verletzung (z.B. in
Folge einer TumorOP) oder Fehlbildung
- Bsp: Defektdeckung durch Gewebeverschiebung oder -verpflanzung
- Mikrochirurgie als Grundlage
- Verbrennungschirurgie: Akut- und Intensivbehandlung von Verbrennungen und deren
Folgen
- Handchirurgie: Eigenes Spezialgebiet der plastischen Chirurgie, schließt Behandlung
von Verletzungen bzw. Fehlbildungen von Hand und Unterarm ein, Mikrochirurgie als
wesentlicher Bestandteil

Plastische Chirurgie im Bereich der HNO-Heilkunde


- Wundversorgung im Gesicht
- Narbenkorrektur
- Defektdeckung
- Rekonstruktion von Schleimhautdefekten
- Korrektur von Formveränderungen der Ohrmuschel/Nase

 Narben

Entstehung
- Verletzung bis in die Dermis
- Spannungsfreie Adaption der Wundränder bis in die Dermis erforderlich

Einflussfaktoren
- Hautbeschaffenheit/Abstammung und Alter des Patienten
- Nahttechnik (Spannungsfreiheit/Wundrandadaption)
- Lange, gerade Narben vs. optische Auflösung
- Lage/Verlauf der Narbe
- Alter der Narbe

Dr. I. Fleischer, UKGM, Standort Gießen


Skript zur Vorlesung HNO SS 2014 2

Relaxed Skin Tension Lines


- Hautspannungslinien entsprechen fast immer den Faltenlinien
- Bei jüngeren Patienten den Relaxed Skin Tension Lines folgen, bei Älteren den
„wrinkled lines“

Keloid/hyperplastische Narbe
- Überschießendes Wachstum von Fibroblasten  gutartiger Tumor überragt das
Hautniveau in Folge einer Verletzung
- Gestörter Heilungsprozess
- Keloid dehnt sich im Gegensatz zur hyperplastischen Narbe über die ursprünglichen
Verletzungsgrenzen aus

Keloidtherapie
- Chirurgisch
- Lokal medikamentös (Cortison)
- Okklusionstherapie (Silikonfolien, -gel)
- Kryotherapie
- Kompressionstherapie
- Ionisierende Strahlen

Narbenkorrektur
- Zeitpunkt: Nach ca. einem Jahr, wenn die Narbe weich und hell ist
- Möglichkeiten: Z-Plastik zur optischen Auflösung der Narbe
Mehrfache Z-Plastik
Broken-line-Technik
Ausschneiden und durch ein freies Transplantat ersetzen

 Hautdefekte

Möglichkeiten der Deckung


- Sekundäre Wundheilung: Spontan
Unterstützt (Vakuumversiegelung)
- Primärer Wundverschluss: Einzeitig (ggf. Wundrandmobilisation)
Zweizeitig (passagerer Epigard)
- Hauttransplantation: Spalthaut (0,2-0,6mm, gute Verfügbarkeit, anspruchs-
loses Einheilen, Atrophie des Transplantats möglich,
geringe Belastbarkeit)
Vollhaut (>0,5mm, kaum Atrophie, Erhalt von Haut-
anhangsgebilden, begrenzte Verfügbarkeit, Notwen-
digkeit des Wundverschlusses an der Entnahmestelle,
ggf. Einheilungsprozesse)
Mashed Graft (Maschentransplantat)
Composite Graft
- Lappenplastiken: Nahlappen
Fernlappen

Dr. I. Fleischer, UKGM, Standort Gießen


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Composite Graft
- Definition: Zusammengesetztes Transplantat aus Knorpel und Haut bzw. Schleimhaut
- Vorteil: Oft hervorragende kosmetische Ergebnisse bei der Einheilung
- Nachteil: Misserfolgsquote bis zu 30%
- Begrenzte Größe: Durchmesser des Transplantates sollte 1,5cm nicht überschreiten,
sollte etwa 1mm breiter und länger als der Defekt sein
- Chirurgische Prinzipien: Keine Koagulation und Quetschung des Transplantates, keine
subkutanen Nähte, Verzicht auf vasokonstriktorische Substanzen, Verbandswechsel
wenn möglich erst ab dem 4./5. Tag

 Wundversorgung

Übersicht
- Sofortversorgung: 6-8h
- Frühversorgung: bis 72h
- Spätversorgung: nach 72h

Prinzipien der Wundversorgung


- Möglichst wenig Haut verwerfen
- Subkutane Nähte, um die Spannung aus den Wundrändern zu nehmen  Zug an den
Narben fördert die Bildung von hypertrophen Narben
- Ausbürsten aller Schmutzpartikel bei Schmutztätowierungen

Lappenplastiken
- Defektangrenzende Nahlappenplastik: Verschiebelappen, Rotationslappen
Transpositionslappen (Schwenklappen)
H-Lappen
Dehnungslappen
- Hautgestielte Fernlappenplastik: ≅ gestielte Lappen (zweizeitig)
Medianer Stirnlappen
Rundstiellappen
- Myocutane Insellappen: Pectoralis major Insellappen
Submentaler Haut-Platysmalappen
- Freie mikrovaskuläre anastomosierte
Transplantate: Radialislappen
Knochentransplantat

Gestielte Lappenplastik
- Ausreichende Durchblutung entscheidend  Schonung der Subkutis
- Längen-Breiten-Verhältnis im Gesicht: nicht mehr als 2:1 (bei Narben 1:1)
- Bei Arterienlappen ist ein Längen-Breiten-Verhältnis von bis 8:1 möglich

Verschiebelappen
- U-Lappen vs. H-Lappen
- Burow’sches Dreieck mit dem Ziel ungleich lange Wundränder auszugleichen

Transpositionslappen
- Winkel spitz- bis stumpfwinklig
- Bei zu kurz geratenen Lappen sog. Cutback (cave: Ernährung)

Dr. I. Fleischer, UKGM, Standort Gießen


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Fernlappen
- Myocutaner Pectoralis major Lappen: Stiel beinhaltet A. und V. thoracoacromialis
Sofort verfügbare große Mengen von Haut-
und Muskelgewebe
Ggf. Deformierung der Pectoralregion
Verwendung bei großen Wangen-, Gesichts-,
Mundhöhlen- und Oropharynxdefekten
- Mikrovaskulär anastomosierter Radialislappen: Gefäßgestielter Unterarmlappen,
Stiel beinhaltet die A. radialis
und Vv. comitantes, ggf.
subkutane Venen
Dünner, sehr anschmiegsamer
Lappen, heilt i.d.R. gut ein
Wenig Volumenersatz

 Ohrmuschelchirurgie

Ohrmuscheldysplasie
- Grad I: Fehlbildungen einzelner Strukturen der Ohrmuschel, Bsp. Apostasis, Darwin-
höcker, Makakusohr
- Grad II: Leichte Mikrotie, Bsp. Ohrmuschel verkleinert, einige Strukturen fehlen, oft in
Kombination mit Fehlbildungen des äußeren Gehörgangs
- Grad III: Mikrotie/Anotie, Strukturen der normalen Ohrmuschel fehlen, meist in
Kombination mit Atresie des Gehörgangs (nach Geburt Hörscreening, bei bds. Atresie
Versorgung mit Knochenleitungs-HG)
- Therapie: einseitig Stimmtherapie, OP / doppelseitig Sicherung der Atemwege,
Glottiserweiterung

 Rhinoplastik

Funktionelle Rhinoplastiken
- bei Höcker-, Schief-, Sattel- oder Breitnasen sowie Nasenspitzendeformität

Analyse
- Profilanalyse: Nasale Länge, Naso-frontaler Winkel, Naso-fazialer Winkel, Naso-labialer
Winkel
- Haut: Dicke Haut (postOP vermehrt Ödem und Vernarbung, weniger Korrektur
möglich) vs. dünne Haut (bessere Heilung, deutlichere Sichtbarkeit kleinerer
Asymmetrien)
- Palpation: Beurteilung von Nasenspitzenstütze, Septum und Knorpel

Geschlossene Technik
- Mobilisation des Flügelknorpels über einen interkartilaginären Schnitt

Dr. I. Fleischer, UKGM, Standort Gießen