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Funktionentheorie-Die ganzrationalen Funktionen

SKHM Ming CHENG Institut


T4-Kurs
18.02.2020

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1 Zusammensetzen von Funktionen

Definition ganzrationale Funktion


Terme der Form
an xn + an−1 xn−1 + ... + a1 x + a0
mit n ∈ N und an ̸= 0 nennt man Polynome, die reellen Zahlen an , ..., a1 , a0 heißen Koeffizienten.
Der Exponent n heißt Grad des Polynoms. Eine Funktion f , deren Funktionsterm f (x) als
Polynom geschrieben werden kann, also

f (x) = an xn + an−1 xn−1 + ... + a1 x + a0

nennt man eine ganzrationale Funktion. Der Grad n des Polynoms heißt auch Grad der
ganzrationale Funktionen. Das Verhalten einer ganzrationalen Funktion vom Grad n wird für
x → +∞ bzw. x → −∞ vom Summanden an xn bestimmt.

Beispiele ganzrationaler Funktionen

1. f (x) = 2x2 + 3x − 5

2. f (x) = 3x + 45

3. f (x) = 0.2x3 + 5x2 − 9x − 0.8

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2 Gerade und ungerade Funktionen - Symmetrie

Definition Symmetrieeigenschaften
Gegeben sei eine Funktion f mit der Definitionsmenge D.
1. Gilt f (−x) = f (x) für alle x ∈ D, so ist der Graph von f achsensymmetrisch zur
y-Achse.
2. Gilt f (−x) = −f (x) für alle x ∈ D, so ist der Graph von f punktsymmetrisch zum
Ursprung O(0, 0).

Abbildung 1: f (x) symmetrisch zur y-Achse

Abbildung 2: f (x) symmetrisch zum Ursprung

Beispiele
1. Gegeben ist die Funktion f (x) = 2x4 − 2.5x2 − 5. Wir untersuchen diese Funktion auf
Symmetrie:
Es ist
f (−x) = 2(−x)4 − 2.5(−x)2 − 5 = 2x4 − 2.5x2 − 5 = f (x)
Demzufolge ist die Funktion symmetrisch zur y-Achse.

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2. Gegeben ist die Funktion f (x) = 2x3 + 12x. Wir untersuchen diese Funktion auf Symme-
trie:
Es ist
f (−x) = 2(−x)3 + 12(−x) = −2x3 − 12x ̸= f (x)
Dementsprechend ist die Funktion nicht Achsensymmetrisch. Wir überprüfen noch auf
Punktsymmetrie, indem wir das Minus ausklammern:
Es ist
f (−x) = −2x3 − 12x = −(2x3 + 12x) = −(f (x))
Somit können wir schlussfolgern, dass die Funktion punktsymmetrisch zum Ursprung ist.

Definition gerade/ungerade Funktionen


Eine ganzrationale Funktion f mit

f (x) = an xn + ... + a1 x + a0

ist gerade (ungerade), wenn der Funktionsterm f (x) nur Potenzen von x mit geraden Ex-
ponenten (ungeraden Exponenten) enthält. Es gilt auch die Umkehrung.

3 Nullstellen ganzrationaler Funktionen

Definition Nullstelle
Eine Zahl x0 ∈ Df , für die f (x0 ) = 0, heißt Nullstelle der Funktion f .

Satz
Ist xN 1 eine Nullstelle einer ganzrationalen Funktion f vom Grad n, dann lässt sich f (x) in der
Form
f (x) = (x − xN 1 ) · g(x)
schreiben. Dabei ist g(x) ein Polynom vom Grad n − 1.

Satz
Eine ganzrationale Funktion vom Grad n (n ∈ N) hat höchstens n Nullstellen.

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Beispiel
Gegeben ist die Funktion f (x) = x2 + 4x − 7. Wir berechnen die Nullstellen der Funktion:

f (x) = x2 + 4x − 5
0 = x2 + 4x − 5

4 4
x1/2 = − ± ( )2 + 5
2 2

x1/2 = −2 ± 4 + 5

x1/2 = −2 ± 9
x1/2 = −2 ± 3
x1 = 1
x2 = −5

4 Monotonie

Definition Monotonie
Die Funktion f sei in einem Intervall I definiert. Wenn für alle x1 , x2 ∈ I mit x1 < x2 gilt:

f (x1 ) ≤ f (x2 ) f (x1 ) ≥ f (x2 )


so heißt f in I so heißt f in I
monoton wachsend monoton fallend
Setzt man voraus, dass die Gleichheit ausgeschlossen ist, so heißt f in I streng monoton
wachsend bzw. streng monoton fallend.

Unter Berücksichtigung der Differenzialrechnung kann man ebenfalls Aussagen über das
Monotonieverhalten einer Funktion treffen:

Satz: Monotoniekriterium
Die Funktion f sei im Intervall I differenzierbar, wenn für alle x aus I gilt:

f ′ (x) > 0 f ′ (x) < 0


so heißt f in I so heißt f in I
streng monoton wachsend streng monoton fallend
Beispiel
Die Funktion f (x) = 2x5 + 5x3 + 2x wird im Intervall [−1; 1] auf Monotonie untersucht. Ent-
sprechend des Monotoniekriteriums bildet man zunächst die erste Abeleitung

f ′ (x) = 10x4 + 15x2 + 2

Für alle x ∈ [−1; 1] ist die Ableitungsfunktion größer Null f ′ (x) > 0, d. h. die Funktion f (x)
ist auf dem gegebenen Intervall streng monoton wachsend.

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Abbildung 3: Graph der Funktion f (x)

5 Extremstellen, Extrempunkte
Definition
Die Funktion f sei auf einem Intervall I definiert. Der Funktionswert f (xE ) heißt

lokales Minimum lokales Maximum


von f , wenn es eine Umgebung U (xE ) gibt, so dass für alle Werte x aus U (xE ) ∩ I gilt:

f (x) ≥ f (xE ) f (x) ≤ f (xE )


Nachdem das lokale Minimum bzw. Maximum definiert wurden, kann man die Bedingungen
aufstellen, mit deren Hilfe sich Funktion auf das Vorhandensein potenzieller Extremstellen
untersuchen lassen:
Satz: notwendige Bedingung für lokale Extremstellen
Die Funktion f sei auf einem Intervall I differenzierbar und xE eine innere Stelle von I. Ist

f ′ (xE ) = 0

, so besitzt f an der Stelle xE einen Extremwert.

Satz: Erste hinreichende Bedingung - Vorzeichenwechsel


Die Funktion f sei auf einem Intervall I differenzierbar und xE eine innere Stelle von I.
Wenn f ′ (xE ) = 0 ist und f ′ (x) für zunehmende Werte von x an der Stelle xE von

1. positiven zu negativen Werten oder

2. negativen zu positiven Werten

wechselt, dann hat f an der Stelle xE ein

1. lokales Maximum bzw.

2. lokales Minimum

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Satz: Zweite hinreichende Bedingung - Zweite Ableitung
Die Funktion f sei auf einem Intervall I zweimal differenzierbar.
Gilt für eine innere Stelle xE von I
1. f ′ (xE ) = 0 und f ′′ (xE ) < 0 oder

2. f ′ (xE ) = 0 und f ′′ (xE ) > 0


dann hat f an der Stelle xE ein
1. lokales Maximum

2. lokales Minimum

Beispiel
Die Funktion f (x) = x2 − 1 wird auf potenzielle Extrempunkte untersucht:
Es ist f ′ (x) = 2x. Die Nullstellen der ersten Ableitung werden bestimmt:

f ′ (x) = 2x
0 = 2x
x0 = 0

Nachfolgend wird die ermittelte Nullstelle in die zweite Ableitung eingesetzt:

f ′′ (x) = 2
f ′′ (0) = 2 > 0

Da die zweite Ableitung an der Stelle x0 = 0 größer Null ist, liegt ein Tiefpunkt vor, für welchen
man durch Einsetzen in die Ausgangsgleichung die entsprechende y-Koordinate ermittelt:

f (0) = −1

Demzufolge hat f also den Tiefpunkt T (0|1).

6 Wendepunkte
In der Mathematik ist ein Wendepunkt ein Punkt auf einem Funktionsgraphen, an dem der
Graph sein Krümmungsverhalten ändert: Der Graph wechselt hier entweder von einer Rechts-
in eine Linkskurve oder umgekehrt. Dieser Wechsel wird auch Bogenwechsel genannt. Die
Ermittlung der Wendepunkte kann mit Hilfe der Differentialrechnung ermittelt werden.

Satz 1
f sei auf einem Intervall I zweimal differenzierbar und xW eine innere Stelle von I.
1. Notwendige Bedingung: Wenn xW eine Wendestelle von f ist, dann gilt f ′′ (xW ) = 0

2. erste hinreichende Bedingung: Wenn f ′′ (xW ) = 0 ist und f ′′ (x) bei xW einen Vorzeichen-
wechsel hat, dann ist xW eine Wendestelle.

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Alternativ lassen sich Wendestellen auch unter Einbezug der dritten Ableitung einer Funktion
ermitteln:
Satz 2: Zweite hinreichende Bedingung
f sei auf einem Intervall I dreimal differenzierbar und xW eine innere Stelle von I. Wenn
f ′′ (xW ) = 0 und f ′′′ (xW ) ̸= 0 ist, dann ist xW eine Wendestelle.
Beispiel
Gegeben sei die Funktion f (x) = sin(x) + 1.5x. Alle Wendepunkte dieser Funktionen sollen
bestimmt werden. Hierfür berechnet man zunächst die ersten drei Ableitungen der Funktion:

f (x) = sin(x) + 1.5x


f ′ (x) = cos(x) + 1.5
f ′′ (x) = −sin(x)
f ′′′ (x) = −cos(x)

Nun berechnez man die Nullstellen der zweiten Ableitung:

f ′′ (x) = −sin(x)
0 = −sin(x)
x = k · π, k ∈ Z

Die Nullstellen der dritten Ableitung sind: f ′′′ (x) = −cos(x) = 0 ⇒ x = π2 + k · π, k ∈ Z


Demzufolge sind x = kπ keine Nullstellen der dritten Ableitung und somit liegen jeweils an den
Stellen x = kπ Wendepunkte vor.

Abbildung 4: Graph der Funktion f (x) = sin(x) + 1.5x

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7 Kurvenuntersuchungen ganzrationaler Funktionen
Nachdem die grundlegenden Eigenschaften einer Funktion und die Grundlagen der Differen-
tialrechnung behandelt wurden, kann man sich einem Schwerpunkt der Infinitissimalrechnung
widmen - der Kurvenuntersuchung. Die wesentlichen Eigenschaften, die es im folgenden zu
untersuchen gilt sind:

Was gehört alles zu einer Kurvendiskussion?

1. Bestimmung des Definitionsbereiches

2. Bestimmung der Achsenschnittpunkte

3. Bestimmung von Hoch-, Tief- und Sattelpunkten (Die Betonung liegt hierbei bewusst
auf dem Wort „Punkt“, denn die Angabe der jeweiligen y-Koordinate ist hierbei nicht zu
vernachlässigen!)

4. Bestimmung der Wendepunkte (vgl. Anmerkung oben drüber)

5. Anfertigung einer Skizze mit geeignetem Maßstab.

8 Kurvenuntersuchung an einem Beispiel


Gegeben ist die Funktion f (x) = x3 − 6x2 + 9x.

1. Definitionsbereich: Es gibt keinerlei Einschränkungen für den Definitionsbereich, d. h.


man kann jeden reellen Wert in diese Funktion einsetzen: D = R

2. Achsenschnittpunkte:
Den Schnittpunkt mit der y-Achse bestimmt man, indem man den Funktionswert an der
Stelle x = 0 berechnet:
y0 = f (0) = 03 − 6 · 02 + 9 · 0
y0 = 0
Die Schnittstellen mit der x-Achse werden untersucht, indem man bestimmt für welche x-
Werte der Funktionswert gleich 0 ist, d. h. man untersucht die Funktion auf Vorhandensein
von Nullstellen.

f (x0 ) = 0
x30 − 6x20+ 9x0 = 0
x0 · (x0 − 6x0 + 9) = 0
2

Ein Produkt ist 0, wenn einer der Faktoren 0 ist, also:

x1 = 0 oder: (x20 − 6x0 + 9) = 0

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Die rechte Gleichung wird mit der p-q-Formel gelöst:

x2/3 = 3 ± 32 − 9
x2 = 3
Zusammenfassend gilt: x1 = 0 und x2 = 3
3. Extremwerte:
Notwendige Bedingung für Extremstellen: f ′ (xE ) = 0
f ′ (x) = 3x2 − 12x + 9
3x2E − 12xE + 9 = 0
x2E − 4xE + 3 = 0

xE1/2 = 2 ± 22 − 3
xE1 = 1
xE2 = 3
Nun muss man untersuchen, was an diesen beiden Stellen genau vorliegt. Das geschieht
am besten mit der zweiten Ableitung:
f ′′ (x) = 6x − 12
Untersuchung der Stelle x1 = 1:

f ′′ (1) = 6 · 1 − 12 = −6 < 0 ⇒ Hochpunkt bei x1 = 1


yE1 = f (xE1 ) = 13 − 6 · 12 + 9 · 1 = 4
⇒ Es gibt einen Hochpunkt bei H(1|4)

Untersuchung der Stelle x2 = 3:

f ′′ (3) = 6 · 3 − 12 = +6 > 0 ⇒ Tiefpunkt bei x2 = 3


yE2 = f (xE2 ) = 33 − 6 · 32 + 9 · 3 = 0
⇒ Es gibt einen Tiefpunkt bei T (3|0)
4. Wendepunkte:
Notwendige Bedingung für einen Wendepunkt ist f ′′ (xW ) = 0
6xW − 12 = 0
6xW = 12
xW = 2
Nun muss geprüft werden, ob tatsächlich ein Wendepunkt vorliegt. Das geschieht am
einfachsten mit der dritten Ableitung:
f ′′′ (x) = 6
f ′′′ (xW ) = 6 ̸= 0 ⇒ Wendepunkt bei xW = 2
yW = f (xW ) = 23 − 6 · 22 + 9 · 2 = 2
⇒ es gibt einen Wendepunkt bei W (2|2)
W =R

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5. Skizze:

Abbildung 5: Funktionsgraph f (x)

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