Sie sind auf Seite 1von 57

Dr.-Ing.

Stefan Otten
im Auftrag der

Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Architektur

SS 20
Mauerwerk

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
1

1. Grundlagen

a) Was ist Mauerwerk?

 Mauerwerk ist ein Verbundwerkstoff aus Mauersteinen und


Mauermörtel (Ausnahme: Trockenmauerwerk).

 Die Eigenschaften von Mauerwerk (Festigkeit, Dauerhaftigkeit,


Optik) werden durch die Eigenschaften der Einzelkomponenten
und durch ihr Zusammenwirken geprägt.

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
2

1. Grundlagen

a) Was ist Mauerwerk?

Quelle: Wendehorst Baustoffkunde, 27. Auflage, Vieweg+Teubner, Wiesbaden, 2011

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
3

2. Mauermörtel

a) Was ist Mauermörtel?

• Das Dreistoffsystem

 In seiner einfachsten Form stellt frischer Mauermörtel ein System


aus drei Stoffen dar:

 Gesteinskörnung (Sand)
 feinkörniges Bindemittel (Zement)
 Wasser

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
4

2. Mauermörtel

a) Was ist Mauermörtel?

• Erweiterung des Dreistoffsystems auf das Fünfstoffsytem

 Gesteinskörnung (Sand)
 feinkörniges Bindemittel (Zement)
 Wasser
 Zusatzstoffe
 Zusatzmittel

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
5

2. Mauermörtel

a) Was ist Mauermörtel?

• Abgrenzung Mörtel und Beton

 traditionell: Gesteinskorn ≤ 4 mm  Mörtel


Gesteinskorn > 4 mm  Beton

 aber: z.B. Selbstverdichtender Beton (SVB) ist oft ein feinkörniger


Beton mit Gesteinskorn ≤ 4 mm

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
6

2. Mauermörtel

a) Was ist Mauermörtel?

• Abgrenzung Mörtel und Beton

 zutreffendere Definition von Mörtel:

Material, welches in dünnen Schichten oder in kleinem


Volumen eingesetzt wird, wie z. B. Mauermörtel, Putzmörtel,
Estrichmörtel, Einpressmörtel oder Instandsetzungsmörtel.

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
7

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Gesteinskörnung

 vorzugsweise sind gemischtkörnige, rundkörnige Natursande zu


verwenden

 Sande mit gebrochenem Korn (Brechsand) sind möglich,


verschlechtern jedoch die Verarbeitbarkeit des Frischmörtels

 Sande künstlichen Ursprungs (z.B. Schlackensande) können die


Ausblühneigung stark vergrößern
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
8

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Gesteinskörnung

 ein möglichst großer Anteil an Gesteinskörnung reduziert das


Erhärtungs- und Trocknungsschwindmaß des Mörtels und damit
die Neigung zur Rissbildung (Raumbeständigkeit)

 zur Verbesserung der Wärmedämmwirkung können


Leichtzuschläge verwendet werden (Leichtmörtel)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
9

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Bindemittel

 genau wie im Betongefüge umhüllt der Bindemitteleim die


einzelnen Gesteinskörner und füllt ihre Zwischenräume

 bei Luftkalk-haltigem Mörtel ermöglicht eine gewisse Porosität


des erhärteten Bindemittelleims den Zutritt von CO2 in das
Gefüge, so dass der Kalk vollständig erhärten kann (zu CaCO3)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
10

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Bindemittel

 das Mischungsverhältnis von Mauermörteln wird üblicherweise


als Volumenverhältnis von Bindemittel:Sand angegeben
(z.B. 1:3  drei Eimer Sand und ein Eimer Bindemittel)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
11

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Bindemittel

 magere (bindemittelarme) Mörtel schwinden kaum, neigen jedoch


zum Absanden und sind wenig fest

 fette (bindemittelreiche) Mörtel sind besser verarbeitbar und


werden fester, neigen jedoch zur Schwindrissbildung

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
12

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Anmachwasser

 genau wie bei Beton muss das Anmachwasser frei von Fetten,
Ölen und Salzen sein

 zumeist geeignet sind Regenwasser, Leitungswasser und


Süßwasser aus Seen, Flüssen, Quellen und Brunnen

 Vorsicht wenn Abwässer eingeleitet werden


(chem. Verunreinigungen)
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
13

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Anmachwasser

 Besonderheit: wird Mauermörtel auf der Baustelle gemischt, wird


das Anmachwasser fast immer zugegeben bis die gewünschte
Verarbeitbarkeit entsteht und nicht genau abgemessen

 Dies steht im krassen Gegensatz zur Betonherstellung!


(Stichwort „w/z-Wert“, siehe BT I)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
14

2. Mauermörtel

b) Bestandteile

• Zusatzstoffe und Zusatzmittel

 Zusatzstoffe und Zusatzmittel werden in Analogie zum Beton


verwendet und zugegeben

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
15

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Baustellenmörtel

 Bindemittel, Gesteinskörnung und Zusatzstoffe/Zusatzmittel


werden auf der Baustelle witterungsgeschützt und getrennt
gelagert

 Waagen und/oder Messbehälter müssen vorgehalten werden

 Mischvorgang auf der Baustelle


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
16

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Baustellenmörtel

 allgemein aufwändig und braucht Platz auf der Baustelle

 großes Fehlerpotential, da immer von Hand abgemessen wird

 zusammenfassend insbesondere für größere Baumaßnahmen


unwirtschaftlich gegenüber der Verwendung von Werkmörteln

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
17

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Werkmörtel: Werk-Trockenmörtel

 genaue Dosierung und Mischung der trockenen Komponenten


im Werk

 Lieferung als Sack- oder Siloware

 lediglich Anmachwasserzugabe gemäß Herstellerangabe auf der


Baustelle
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
18

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Werkmörtel: Werk-Vormörtel

 Vormischung von kalkbasierten Bindemitteln,


Zusatzstoffen/Zusatzmitteln und Sand im Werk

 Zugabe von Zement auf der Baustelle ( Kalkzementmörtel)

 Anmachwasserzugabe angepasst an die jeweilige Rezeptur auf


der Baustelle
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
19

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Werkmörtel: Werk-Vormörtel

 Werk-Vormörtel ist länger lagerfähig als zementhaltiger Mörtel

 Werk-Vormörtel kann in großen Mengen industriell hergestellt und


Vertrieben werden; die spezielle Anpassung an die Einbausituation
(Zementmenge) erfolgt baustellenspezifisch vor Ort

 Werk-Vormörtel ist günstiger als Werk-Trockenmörtel


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
20

2. Mauermörtel

c) Mörtelherstellung

• Werkmörtel: Werk-Frischmörtel

 gebrauchsfertiger Mörtel, der wie Transportbeton in verarbeitbarer


Konsistenz auf die Baustelle geliefert wird

 Verzögerer sind zugesetzt, so dass die Verarbeitbarkeit für bis zu


36 Stunden erhalten bleibt

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
21

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Normalmauermörtel

 Trockenrohdichte von ≥ 1500 kg/m³

 Gesteinskörnung mit dichtem Gefüge

 Einteilung nach Druckfestigkeit in die Mörtelgruppen I, II, IIa, III

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
22

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten
• Normalmauermörtel: Mörtelgruppen

Quelle:
KALKSANDSTEIN –
Mauermörtel und Putz,
Dr.-Ing. Peter Schubert;
Stand Januar 2014

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
23

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Normalmauermörtel

 die Bindemittel der Normalmauermörtel sind Kalk und Zement in


variierenden Mischungsanteilen

 je größer der Zementanteil desto größer die Festigkeit

 je größer der Zementanteil desto größer die Feuchteresistenz

 je größer der Kalkanteil desto besser die Verarbeitbarkeit

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
24

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Normalmauermörtel: Mörtelgruppe I (Kalkmörtel)

 nicht zulässig für Gewölbe und Kellermauerwerk

 nicht zulässig bei mehr als zwei Vollgeschossen

 nicht zulässig für das Vermauern der Außenschale bei


zweischaligem Mauerwerk

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
25

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Normalmauermörtel: Mörtelgruppe II und IIa (Kalk-Zement-Mörtel)

 keine Einschränkungen der Verwendung

 guter Kompromiss zwischen Verarbeitbarkeit und Festigkeit

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
26

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Normalmauermörtel: Mörtelgruppe III (Zementmörtel)

 nicht zulässig für Verblendschalen von zweischaligem Mauerwerk


ohne Luftschicht (wird zu gefügedicht)

 besitzt die größte Nenndruckfestigkeit

 zeigt eine vergleichsweise schlechte Verarbeitbarkeit

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
27

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Dünnbettmörtel

 werkmäßig vorgefertigte Trockenmörtel zur Errichtung von


Mauerwerk mit Lager- und Stoßfugendicken von etwa 1 bis 3 mm
(im Gegensatz zu den üblichen etwa 12 mm)

 Größtkorn der Gesteinskörnung ≤ 1 mm

 Zement als Bindemittel, ggf. Zusatzstoffe und Zusatzmittel


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
28

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Leichtmörtel

 Trockenrohdichte von < 1500 kg/m³

 Gesteinskörnung mit porigem Gefüge (Leichtzuschläge)

 ab Trockenrohdichte von < 1000 kg/m³: Wärmedämm-Mörtel

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
29

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Fugenmörtel

 für regendichtes Sichtmauerwerk muss die Fuge genauso dicht


sein wie der verwendete Mauerstein

 Fugenglattstrich: Mauern und Verfugen in einem Arbeitsgang

 nachträgliche Verfugung: Auskratzen des Mauermörtels bis etwa


1,5 cm Tiefe; Verfüllen mit MG II, IIa oder III
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
30

2. Mauermörtel

d) Mörtelarten

• Fugenmörtel

 die Verwendung von Trass als Zusatzstoff verbessert die


Schlagregendichtigkeit durch größere Geschmeidigkeit des
Frischmörtels und größere Elastizität des Festmörtels

 Trass reagiert puzzolanisch und verdichtet so das Gefüge (Pore-


blocking-effect) und reduziert die Ausblühneigung von Kalk

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
31

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Was sind Ausblühungen?

 oftmals weißliche, seltener schwach farbige Ablagerungen auf der


Mauerwerksoberfläche

 verursacht durch ausblühfähige Sulfate, Chloride seltener Nitrate

 verursacht durch ausblühfähige Kalkanteile

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
32

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Herkunft ausblühfähiger Stoffe

 ausblühfähige Stoffe können enthalten sein im Mörtel, im


Mauerstein selbst oder im Anmachwasser

 sie sind als Verunreinigungen in den natürlichen und künstlichen


Ausgangsstoffen der Baustoffe enthalten

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
33

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Vorgang des Ausblühens

 bedeutsame Ausblühungen können nur entstehen wenn ein


Mauerwerk durch (übermäßige) Feuchte belastet wird

 die im Porenraum befindlichen, ausblühfähigen Stoffe werden im


eindringenden Wasser gelöst und durch den Porenraum an die
Bauteiloberfläche befördert

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
34

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Vorgang des Ausblühens

 an der Bauteiloberfläche verdunstet das Wasser und hinterlässt


die bis dahin im Wasser gelösten Stoffe als Ausblühung
(Feststoff)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
35

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Voraussetzungen für den Ausblühvorgang

 Anwesenheit löslicher, ausblühfähiger Stoffe

 starke Wassereinwirkung auf das Mauerwerk

 ausreichende Porosität der Bauteile

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
36

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Entfernung von Ausblühungen

 die meisten Ausblühungen verschwinden unter Witterungseinfluss


von allein, weil wasserlöslich

 trockenes Abbürsten beschleunigt die Entfernung

 feuchtes Abwaschen ist zu vermeiden, da die Ausblühungen


erneut im Waschwasser gelöst werden und so wieder in das
Porensystem eindringen können
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
37

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Entfernung von Ausblühungen

 Kalkablagerungen sind nur schwer wasserlöslich und


vergleichsweise fest mit der Bauteiloberfläche verbunden

 Kalkablagerungen können effektiv nur unter Verwendung von


Säuren entfernt werden

 Vorsicht: hierbei können neue ausblühfähige Salze entstehen

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
38

2. Mauermörtel

e) Ausblühungen

• Entfernung von Ausblühungen

 das Mauerwerk muss gut vorgenässt und nach der Anwendung


von Säuren kräftig abgewaschen werden

 die Verarbeitungsvorschriften zum Schutz von Mensch und


Umwelt sind zu beachten

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
39

3. Mauersteine

a) Allgemeines

• gängige Mauersteine

 Ziegel (siehe hierzu Vorlesung BT I)

 Kalksandsteine

 Porenbetonsteine

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
40

3. Mauersteine

a) Allgemeines

• Konstruktionsaspekte ( Vorlesung Baukonstruktion)

 Tragverhalten von Mauerwerk

 Steinformate und Mauerwerksdicken

 Festigkeitsklassen und Rohdichteklassen

 Mauerwerksverbände

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
41

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Ausgangsstoffe

 Kalk als Bindemittel

 quarzhaltige Gesteinskörnung (Sand)

 Wasser

 ggf. Leichtzuschläge oder Farbpigmente

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
42

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Herstellung

 Mischung von Branntkalk und Sand im Massenverhältnis von


etwa 1:12

 Zugabe von Wasser, so dass der Branntkalk zu Löschkalk


reagiert (Stichwort „Kalkkreislauf“)

 ggf. Zugabe von weiterem Wasser zur Konsistenzeinstellung


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
43

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Herstellung

 vollautomatisches Pressen der standfesten Steinrohlinge

 Überführen der Steinrohlinge in den Autoklaven

 Härten der Rohlinge bei 200 °C unter Sattdampfdruck

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
44

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Herstellung

 der Kalksandstein enthält nur Kalk als Bindemittel („C“)

 Kalk entwickelt im Vergleich zu Zement nur geringe Festigkeit,


weil kein C-S-H entsteht (Reaktionsprodukt der Zementerhärtung)

 bei Erhärtung an der Luft hätten KS-Steine nur geringe Festigkeit

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
45

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Herstellung

 die KS-Rohmischung enthält eine Siliciumkomponente („S“) in


Form des Quarzsandes

 nur bei hoher Temperatur und hohem Druck wird Quarz


wasserlöslich und steht für die C-S-H-Bildung zur Verfügung

 deshalb werden KS-Steine autoklaviert


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
46

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

• Herstellung

 Kalksandsteine erhalten ihre Festigkeit genau wie Zement durch


C-S-H

 das C-S-H entsteht obwohl kein Zement zugegeben

 der Trick ist dabei den Quarz löslich zu machen (im Autoklaven)

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
47

3. Mauersteine

b) Kalksandsteine

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
48

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

• Ausgangsstoffe

 Kalk und wenig Zement als Bindemittel

 quarzhaltige Gesteinskörnung (Sand)

 Gips (für die Standfestigkeit des Rohlings nach dem Treiben)

 Porenbildner/Treibmittel (zumeist Aluminiumpulver)

 Wasser
28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
49

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

• Herstellung

 Mischung aller Ausgangsstoffe

 Gießen der plastischen Masse in Formen

 in den Formen vollzieht sich der Treibvorgang

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
50

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

• Herstellung

 nach dem Abschluss des Treibvorgangs, warten bis der Rohling


soweit abbindet, dass Standfestigkeit erreicht wird (Gips+Zement)

 Entformen und Schneiden der Rohlinge ins endgültige Maß


(mit Draht)

 Härten der Rohlinge bei 200 °C unter Sattdampfdruck (Autoklav)


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
51

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

• Herstellung

 genau wie beim Kalksandstein wird die Festigkeit von Porenbeton


durch C-S-H erzeugt, welches aus dem Kalkanteil und dem Sand
nur im Autoklaven entstehen kann

 der enthaltene Zementanteil dient vornehmlich der Erzeugung der


Standfestigkeit des Rohlings und der Treibreaktion

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
52

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine Quelle: Porenbeton-Handbuch, 6. Auflage 2008

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
53

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

• Treibvorgang

 Aluminiumpulver reagiert mit Calciumhydroxid und Wasser unter


Bildung von Wasserstoff

 das Calciumhydroxid stammt aus dem Kalk- und dem


Zementanteil, die beide mit Wasser Calciumhydroxid bilden

 der Wasserstoff entweicht als Gas und hinterlässt Luftporen


28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten
Mauerwerk
54

3. Mauersteine

c) Porenbetonsteine

Quelle: www.heimhelden.de

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

28.05.2020 Baustofftechnologie II _ SS 20 Dr.-Ing. Stefan Otten


Mauerwerk