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UE Zivilrecht WS 2018/2019

Fall 1

Lichtmaschine, Lenkstange
Tanja gegen Alois auf Rückzahlung des Kaufpreises iHv € 800,00 gem. § 877 iVm § 871
- (Fehlvorstellung) Irrtum ist die unzutreffende, weil falsche oder mangelhafte,
Vorstellung von der Wirklichkeit. Die §§ 871 ff regeln, unter welchen
Voraussetzungen derjenige, der bei Abgabe einer Willenserklärung einen Irrtum
unterliegt, sich von seiner Erklärung lösen kann. Grundvoraussetzung ist das
Zustandekommen eines gültigen Rechtsgeschäft, so dass der Erklärende an seine
Erklärung gebunden ist; bei Dissens kommt eine Anfechtungs wegen Irrtums nicht in
Betracht.
- (Kausalität) Der Irrtum muss in jedem Fall kausal für den Abschluss den konkreten
Geschäftes gewesen sein. Hätte der Irrende das Geschäft ohne Irrtum nicht anders
abgeschlossen, so war der Irrtum nicht kausal und ist daher unerheblich. Für die
erfolgreiche Berufung auf einen Irrtum ist entscheidend, ob ein Motiv- oder
Geschäftsirrtum vorliegt. Auf einem Motivirrtum kann man sich nur in vier Fälle
berufen:
● bei listiger Verursachung;
● wenn das Motiv zur Bedingung gemacht wurde (§ 901);
● bei letztwilligen Verfügungen;
● beim unentgeltlichen Geschäft (§ 901).

Im Gegensatz zum Motivirrtum ist der Geschäftsirrtum stets beachtlich.


● Erklärungsirrtum: Wenn der Erklärende etwas anderes will, als er
wirklich erklärt hat.
● Geschäftsirrtum im engeren Sinn: Punkte, die Inhalt des
Rechtsgeschäftes sind und umfasst: Natur des Geschäftes,
Gegenstand des Geschäftes und Person des Vertragspartners

Einem Irrtum über Zukünftiges unterliegt, wer im Zeitpunkt der Abgabe seiner
Willenserklärung einer Fehlvorstellung über eine zukünftige Entwicklung unterliegt.
Der Irrtum betrifft also nach Vertragsabschluss eintretende Umstände. Allgemein gilt,
dass der Irrtum über Zukünftiges ein Motivirrtum ist: Da künftige Entwicklungen
regelmäßig nicht vorhersehbar sind, muss nämlich in dieser Hinsicht jeder auf
eigenes Risiko disponieren. Fehlvorstellungen über Zukünftiges können aber beim
Wegfall der Geschäftsgrundlage und beim Widerruf von Schenkungen beachtlich
sein.
- (Voraussetzungen des § 871 Abs 1) Damit man sich auf den Irrtum berufen kann,
muss (zumindest) eine der drei Voraussetzungen des § 871 Abs 1 gegeben sein.
Grundsätzlich gilt, dass auch der sorgfaltswidrig Irrende bei Vorliegen einer dieser
Voraussetzungen den Irrtum geltend machen kann.
Der Irrende kann sich auf den beachtlichen Irrtum berufen, wenn
● der Geschäftspartner den Irrtum veranlasst hat (adäquate
Verursachung durch aktives Tun oder Unterlassen einer Aufklärung)
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● dem Geschäftspartner der Irrtum aus den Umständen offenbar


auffallen musste (ab fahrlässig nicht erkannt).
● der Irrtum rechtzeitig aufgeklärt wurde. Das ist der nach hA dann,
wenn der Partner noch keine vermögenswerte Dispositionen im
Vertrauen auf die Gültigkeit des Geschäftes vorgenommen hat.

→ Irrtum über Zukünftiges = Motivirrtum, daher nicht beachtlich. Anspruch besteht nicht.

Tanja gegen Alois auf Rückzahlung des Kaufpreises iHv € 800,00 gem. § 1447 iVm
§ 1435
Unmöglichkeit der Leistung liegt vor, wenn der Leistungserbringung ein dauerhaftes
Hindernis entgegensteht. Nachträgliche Unmöglichkeit bedeutet, dass die Leistung
bei Vertragsabschluss und vor Erfüllung noch möglich war.
Zufällige nachträgliche Unmöglichkeit (§ 1447): Die Leistung wird zwischen
Vertragsabschluss und Erfüllung unmöglich. Das Risiko des zufälligen Untergangs
trifft grundsätzlich den Eigentümer der Sache (casum sentit dominus).
Risikotragung durch den Verkäufer bis zur bedungenen Übergabe: Derjenige, der
Inhaber der Sache ist, kann die Gefahr des zufälligen Untergangs zumindest
abstrakt besser beherrschen. § 1447 normiert daher, dass der zufällige
Sachuntergang aller Verbindlichkeiten aufhebt:
● Der Vertrag zerfällt;
● ausstehende Leistungen müssen nicht mehr erbracht werden;
● bereits Geleistetes ist (bereicherungsrechtlich) zurückzugeben, es kommt
also zur Rückabwicklung (§ 1447, § 1435)

Erbringt der Schuldner die Leistung nicht rechtzeitig (Schuldnerverzug), so geht die
Gefahr auch dann nicht über, wenn der Zeitpunkt der bedungenen Übergabe schon
vorbei ist.
Beim Gläubigerverzug (Annahmeverzug) geht das Risiko im Zeitpunkt der
vereinbarten Fälligkeit auf den Gläubiger über (§ 1419).

→ Demnach besteht der Anspruch nicht zurecht, da ein Annahmeverzug vorliegt und die
Gefahr auf Tanja übergeht.

Motor
Ist Alois jemals Eigentümer geworden?
- gutgläubiger Eigentumserwerb, § 367: Wenn ein entgeltliches, gültiges
Titelgeschäft über eine bewegliche körperliche Sache vorliegt, die bereits
übergeben wurde, kann ein gutgläubiger Erwerber bei Vorliegen eines der
folgenden Tatbestände originär Eigentum erwerben:
● Erwerb in einer öffentlichen Versteigerung
● Erwerb vom Unternehmer im gewöhnlichen Betrieb seines
Unternehmens
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● Erwerb vom Vertrauensmann


- Ersitzung: ist Rechtserwerb durch qualifizierten Besitz während der gesetzlich
bestimmten Zeit. Die Ersitzungsfrist beträgt bei beweglichen Sachen
● 3 Jahre, wenn ein Titel vorhanden (eigentliche Ersitzung, §
1466);
● 6 Jahre, wenn zwar ein Titel vorhanden, aber der Vormann
unecht oder unredlich ist (§ 1476);
● 30 Jahre, wenn ein Titel fehlt (uneigentliche Ersitzung, § 1477)
Bei unbeweglichen Sachen stets 30 Jahre.

→ Alois ist nie Eigentümer geworden. Ebenso Tanja. John ist und bleibt Eigentümer.

Verkauf einer fremden Sache: § 367 - Das Rechtsgeschäft ist wirksam, jedoch wird
nicht die geschuldete Rechtsposition als Eigentümer vermittelt (Rechtsmangel).

Tanja gegen Alois auf Rückzahlung des Kaufpreises iHv € 700,00 gem. § 932 Abs 4
iVm § 1435
Gewährleistung ist die verschuldensunabhängige Haftung des Schuldners für
Mängel, die seine Leistung bei Erbringung aufweist.
- (Mangel) Der Prüfung der Mangelhaftigkeit geht stets die Ermittlung des
Vertragsinhaltes voraus. Dabei spielen eigens bedungene Eigenschaften
genauso eine Rolle wie gewöhnlich vorausgesetzte Eigenschafte. Ein
Rechtsmangel ist, dass zwar die richtige Sache übergeben, jedoch dem
Erwerber nicht die geschuldete Rechtsposition verschafft wird.
- (Maßgebender Zeitpunkt) Das Gewährleistungsrecht beschäftigt sich nur mit
Mängel, die im Zeitpunkt der Übergabe zumindest schon angelegt waren.
- (Rechtsfolgen) Primär: Verbesserung, Austausch - § 932 Abs 2
Sekundär: Preisminderung, Wandlung - § 932 Abs 4

→ Wandlung des Vertrages; der Anspruch besteht zurecht.

Tanja gegen Alois auf Schadenersatz statt Gewährleistung gem. § 933a


- Schaden: Vermögensnachteil beim Übernehmer
- Kausalität: Der Schaden wurde vom Übergeber durch Schlechterfüllung
verursacht
- Rechtswidrigkeit: Die Schlechterfüllung des Vertrages ist rechtswidrig (weil
vertragswidrig)
- Verschulden: Dem Übergeber kann die Schlechterfüllung vorgeworfen werden

→ Alois trifft kein Verschulden, weil er nichts dafür kann, dass er nie Eigentümer wurde.

Tanja gegen Alois auf Rückzahlung des Kaufpreises iHv € 700,00 gem. § 877 iVm § 871
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Tanja irrt über Zukünftiges, was regelmäßig einen unbeachtlichen Motivirrtum darstellt. Der
Irrtum besteht darin, dass Alois Tanja die geschuldete Eigentümerposition verschaffen hätte
sollen.
→ Anspruch besteht nicht zurecht, da Motivirrtum.

Werklohn
Igor gegen Alois auf Zahlung des Werklohns iHv € 80,00 gem. § 1170
- Liegt ein Werkvertrag vor?
Bei einem Werkvertrag verpflichtet sich der Werkunternehmer gegenüber dem Werkbesteller
zur Herstellung eines Erfolges. Der geschuldete Erfolg ist tatsächlicher Natur:
Rechtshandlungen sind nur Gegenstand eines Auftrages.
Schuldet der Vertragspartner keinen Erfolg, sondern bloß ein sorgfältiges Bemühen, liegt ein
Dienstvertrag vor. Für die Abgrenzung von Erfolgs- und Sorgfaltsverbindlichkeiten ist der
Parteiwille entscheidend, der durch Auslegung zu ermitteln ist. Die Bedeutung liegt in den
Rechtsfolgen bei Ausbleiben des gewünschten Erfolges.
- Was schuldet Igor?
Er hat sich verpflichtet, die Sachen bei Tanja abzuliefern, nicht, dass Tanja diese auch
annehmen soll.
→ Der Anspruch besteht zurecht.

Auftrag: Der Auftraggeber muss dem Auftragnehmer die notwendigen und nützlichen
Aufwendungen ersetzen (§ 1014). Auch muss der Auftraggeber dem Auftragnehmer jeden
schuldhaft verursachten Schaden ersetzen. Aus § 1014 wird überdies eine
verschuldensunabhängige Risikohaftung des Auftraggebers für Schäden abgeleitet, die aus
der Verwirklichung auftragstypischer Gefahren entstehen.
Da aber eine analoge Anwendung des § 1014 auf den Werkvertrag abgelehnt wird, kann
Igor nicht über die Risikohaftung Schadenersatz begehren.

Tanja gegen J: Anspruch auf Herausgabe des Motors (Besitzentziehungsklage) gem §339,
§346 ABGB

 Untersagung= Unterlassungsanspruch
 Zukünftige Eingriffe vermeiden (kein SE)
 Wiederherstellung alter Zustand (Besitz des Motors)
Voraussetzungen:
-Besitzer gewesen sein (corpus+animus)
-Besitz gestört
Eigentum ist unerheblich
 Eigenmächtige Eingriffe untersagt
=kein Rechtfertigungsgrund
Keine dringende Gefahr (Selbsthilfe §344 ABGB)
Anspruch besteht
Frist: 30d

Klagen: actio publiciana möglich, aber Einwand des Eigentümers möglich => X
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J hat die rei vindicatio

Tanja gegen DUI AG Anspruch auf Zahlung von 2000€ gem §10 Abs 2 PRG

Auslandsbezug => Welches Recht ist anwendbar??


 IPR= „Verweisungsnormen“, d.h. keine Lösungen für SV, verweist auf nationale
Rechtsordnung
Rom- Verordnungen:
Rom I: vertragliche Schuldverhältnisse
Rom II: außervertragliche Schuldverhältnisse (SE, Bereicherungsrecht)

Art 6: Verbraucherverträge (≠Verbraucherverträge gem KSchG)

Verbraucher? Tanja
Unternehmer? DUI AG
Ausgerichtet auf Ö? .at Domain
 Ö-Recht generell anwendbar, wenn nicht andere Rechtswahl vereinbart
PRG anwendbar? §1

§10 Abs 2 ungewöhnliche, außerordentliche Umstaände


 Ohne Zahlung einer Entschädigung v. Vertrag zurücktreten
(Wegfall der Geschäftsgrundlage)
 Gesamtanalogie -> Rückzahlungsgrundlage: §10 Abs2 (vgl lex generalis §1435
ABGB)
FAGG anwendbar? §1 Abs 2 Ausnahmen: nicht Pauschalreisen