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Zusammenfassung der Theologischen Hauptaspekte der Reformation des 16ten

Jahrhunderts

In diesem Jahr 2017 feiern wir 500 Jahren der Reformation. Soviel spricht man über die
historischen Merkmale der Reformation, aber was passiert in den Köpfen und Herzen der
Reformatoren im Verhältnis zum Glauben?

Wichtig wäre zu sagen, dass die Reformatoren eine neue christliche Branche gründen
nicht wollten, sondern sie verfolgten eine Rückkehr zu den biblischen Massstäben der
korrumpierten und zunehmend korrumpierenden Kirche ihrer Zeit (Ablasshandel,
Ablassbriefe u.a.). Auch waren die Reformatoren des 16ten Jahrhunderts - sowie alle
Menschen - nicht perfekt. Außerdem haben andere Menschen bevor Martin Luther - zum
Beispiel John Wycliffe und John Huss – versucht, die Kirche zu reformieren.

Als Reaktion auf die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, die einzig wahre
apostolische Kirche zu sein und als solche die einzig gültige Autorität zu besitzen, haben
die Reformatoren des 16ten Jahrhunderts ihre theologischen Prinzipen in 5 Mottos
zusammengefasst:

1. ​Sola Fide​ (allein der Glaube)


2. ​Sola Scriptura​ (allein die Schrift)
3. ​Solus Christus ​( allein Christus)
4. ​Sola Gratia​ (allein die Gnade)
5. Soli Deo Gloria (Gott allein gehört die Ehre)

Was versteht man unter ​Sola Fide​?

Dieses Motto nennt man das materielle oder Grundprinzip der Reformation. Martin Luther
sagte davon: es ist der Glaubensartikel mit dem die Kirche steht oder fällt. Auf diesem
Artikel ruht die ganze Rechtfertigungslehre.

Die römisch-katholische Kirche betonte ausdrücklich, dass Glaube allein nicht ausreicht,
um gerettet zu werden. Dazu sind nach Jakobus 2, 14 auch gute Werke nötig. Dagegen
argumentierten die Reformatoren, dass gute Werke niemals zu unserem Heil beitragen
können, weil das Gesetz Gottes von dem Sünder eine ​absolute Vollkommenheit verlangt.
Wir werden gerettet, in dem wir ​durch Glauben auf die Gerechtigkeit schauen, die Jesus
für uns am Kreuz erlangt hat. Dieser Glaube ist auch kein toter Glaube, sondern ein durch
den Heiligen Geist bewirkter Glaube, der anschließend gute Werke produziert.

So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes
Werke, allein durch den Glauben.
Römer 3,28
Galater 3,6-11


Was versteht man unter ​Sola Scriptura?

Dieses Motto ist das sogenannte formelles Prinzip der Reformation, weil das die Quelle
und Norm für das Sola Fide darstellt.

Die römische Kirche hielt sich für die einzige Autorität bei Glaubensfragen. In anderen
Worten, das Lehramt der Kirche (mit dem Papst und den Bischöfen) steht über der
Heiligen Schrift und bestimmt, wie die Schrift zu interpretieren ist. Die Heilige Schrift
genügt dem Glauben zwar (2 Tim 3,16) aber sie ist nicht deutlich genug (2 Petr. 3,16).
Dagegen argumentierten die Reformatoren, dass die Bibel doch verständlich genug ist
(Psalm 119, 130) und sich selbst interpretieren lässt. Das bedeutet keineswegs, dass
jeder sie vollkommen verstehen kann (dazu brauchen wir doch
Ämter) aber diese Lehrämter sind fehlbar und müssen ständig ​unter der Autorität des
Wortes Gottes stehen.

Die Bibel ist ​norma normans (sie normiert alles andere) und das Glaubensbekenntnis der
Kirche bleibt nur ​norma normata​ (eine von der Schrift normierte Norm).

Denn alle Schrifft, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur
Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass
der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.
2 Timotheus 3, 16-17


Was versteht man unter ​Sola Gratia?

Die römisch-katholische Kirche lehrte damals (und heute), dass der Mensch trotz seiner
Schwachheit bei seiner Erlösung mitwirken kann. Gott schenkt ihm seine Gnade
(zuvorkommend) und der Mensch antwortet mit Glauben. Die Reformatoren verwarfen
diese Idee und betonten, dass die Erlösung ein reines Geschenk Gottes ist. Der Mensch
ist geistlich tot und er muss deshalb wiedergeboren werden; sein Verstand, sein Herz und
sein Wille müssen komplett erneuert werden, bevor er sich entscheiden kann.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der
er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit
Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er
hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus
Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen
Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus
Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht
aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand
rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken,
die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Epheser 2, 4-10


Was versteht man unter ​Solus Christus?

Es war die Lehre der römisch-katholischen Kirche, dass der Mensch nicht nur Christus
sondern auch andere Mittler braucht, um die Gnade Gottes zu empfangen.

Für die Reformatoren hilft nur das, was Jesus Christus am Kreuz vollzogen hat. Es reicht
vollkommen, um die Fülle der Gnade Gottes zu empfangen.

Denn es ist „ein“ Gott und „ein“ Mittler zwischen Gott und den Menschen,
nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur
Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.
Timotheus 2, 5-6

Was bedeutet ​Soli Deo Gloria​?


Die Reformatoren wehrten sich mit aller Kraft gegen die Idee, dass neben Gott und Jesus
Christus die Heiligen irgendwelche Ehre empfangen könnten. Weil Gott allein unsere
Erlösung bewirkt, gehört die ganze Ehre nur Ihm allein.

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in
Ewigkeit!
Amen.
Römer 11,36

Ein Feste Burg ist Unser Gott


Martin Luther

1. Ein’ feste Burg ist unser


3. Und wenn die Welt voll Teufel
Gott,
wär’
Ein’ gute Wehr und Waffen;
Und wollt’ uns gar verschlingen,
Er hilft uns frei aus aller Not,
So fürchten wir uns nicht so
Die uns jetzt hat betroffen.
sehr,
Der alt’ böse Feind,
Es soll uns doch gelingen.
Mit Ernst er’s jetzt meint,
Der Fürst dieser Welt,
Groß’ Macht und viel List
Wie sau’r er sich stellt,
Sein’ grausam’ Rüstung ist,
Tut er uns doch nicht,
Auf Erd’ ist nicht seins
Das macht, er ist gericht’t,
Gleichen.
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
2. Mit unsrer Macht ist nichts 4. Das Wort sie sollen lassen
getan, stahn
Wir sind gar bald verloren; Und kein’n Dank dazu haben;
Es streit’t für uns der rechte Er ist bei uns wohl auf dem Plan
Mann, Mit seinem Geist und Gaben.
Den Gott hat selbst erkoren. Nehmen sie den Leib,
Fragst du, wer der ist? Gut, Ehr’, Kind und Weib:
Er heißt Jesus Christ, Lass fahren dahin,
Der Herr Zebaoth, Sie haben’s kein’n Gewinn,
Und ist kein andrer Gott, Das Reich muss uns doch
Das Feld muss er behalten. bleiben.

Version – J. Eduardo Von Hafe (auf Portugiesisch)

1. Castelo forte é nosso 3. Se nos quisessem


Deus. devorar
Espada e bom escudo; Demônios não contados,
Com seu poder defende os Não nos podiam
seus assustar,
Em todo transe agudo. Nem somos derrotados.
Com fúria pertinaz O grande acusador
Persegue Satanás, Dos servos do Senhor
Com artimanhas tais Já condenado está;
E astúcias tão cruéis, Vencido cairá
Que iguais não há na terra. Por uma só palavra.

2. A nossa força nada faz, 4. Sim, que a palavra


Estamos, sim, perdidos; ficará,
Mas nosso Deus socorro Sabemos com certeza,
traz E nada nos assustará
E somos protegidos. Com Cristo por defesa.
Defende-nos Jesus, Se temos de perder
O que venceu na cruz, Filhos, bens, mulher;
Senhor dos altos céus; Embora a vida vá,
E, sendo o próprio Deus, Por nós Jesus está
Triunfa na batalha. E dar-nos-á seu reino.
„Ecclesia reformata semper reformanda.“ (Die reformierte Kirche ist eine immerwährend
zu reformierende.)