Sie sind auf Seite 1von 1

Wie Till Eulenspiegel auf jemanden ein Auge warf

Als Till Eulenspiegel einmal nach Hamburg kam, traf er einen Bauern, der gerade einen Gehilfen suchte. Sie begannen
ein Gespräch und jeder erzählte von sich. Der Bauer sagte: „Ich suche einen Knecht.“ „Ich könnte einer werden,
solange Ihr mich gut bezahl!“, meinte Till. Der Bauer überlegte nicht lange und bestätigte zufrieden nickend: „Das
hört sich gut an. Du kannst morgen gleich kommen. Außerdem kannst du auch bei mir wohnen.“ Der Bauer war glücklich,
denn er ahnte nichts davon, dass Eulenspiegel ein Schalk war.
Die Wochen vergingen im Flug. Vorerst lief es gut mit Eulenspiegel und dem Bauern. Einmal zum Beispiel befahl der
Bauer, Till solle einkaufen, manchmal auch er sollte er den Weizen ernten und Till erledigte alles zur vollsten
Zufriedenheit seines Herrn. Doch lange konnte es mit einem Schelm wie Till doch wieder nicht gut gehen.
Eines Tages kam der Bauer zu Till und informierte diesen: „In einer Woche kommt ein zweiter Knecht auf meinen
Bauernhof. Er wird auch hier arbeiten. Bitte wirf doch ein Auge auf ihn.“ „Damit bin ich einverstanden“, gab Till zur
Antwort. Diese Woche verging schnell. Eulenspiegel rätselte, welches Auge er auf den neuen Knecht werfen sollte. Er
ging einkaufen. Auf dem Heimweg sah er einen Tierpräparator. Er ging hinein und sagte: „Mein Herr befahl mir ein
Auge zu kaufen.“ „Warum denn das?“, fragte der Tierpräparator verwundert. „Ich muss ein Auge auf einen neuen
Knecht werfen“, meinte Eulenspiegel schelmisch. Verdutzt und ohne weiter zu fragen gab er Till ein Tierauge.
Als der neue Knecht kam, teilte ihm der Bauer mit: „Ich habe schon einen Knecht, er heißt Till Eulenspiegel. Wenn du
dich irgendwo nicht auskennst, kannst du ihn fragen.“ Als Till kam, stellte der Bauer die beiden einander vor. Als Till
mit dem Knecht aus dem Hausging, dachte er: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt!“ Er griff in seine Tasche, zog das
glitschige Auge heraus und warf das Auge auf den Knecht. Dieses klatschte auf dem Hinterkopf des nichtsahnenden
Mannes auf. Als der Knecht das geplatzte Auge sah, wurde ihm schlecht und er lief mit der Hand vor dem Mund ins
Haus. Die Nachbarn lachten und erzählten das den anderen. Der Bauer, der wütend aus dem Haus kam, schrie Till an.
„Du solltest doch auf ihn aufpassen!“ „Ihr habt nur gesagt, dass ich ein Auge auf ihn werfen sollte!“, gab Till
achselzuckend und mit seiner unschuldigsten Miene zurück.
In der ganzen Stadt spotteten die Einwohner über den Auftrag des Bauern.

Als Till jemanden auf den Arm nehmen wollte

Als Till Eulenspiegel in Berlin ankam, ging er zuerst auf den Markt. Dort stellte er sich zu den Arbeit suchenden
Männern dazu. Schon bald kam ein sehr wohlhabender Mann auf Till zu. Der Mann musterte den Arbeitslosen genau,
bevor er sagte: „Sehr geehrter Herr, ich würde mich freuen, wenn Ihr bei mir arbeiten würdet!“
Till konnte sein Glück gar nicht fassen! Er willigte ein und der Mann legte den Lohn fest. Es stellte sich heraus, dass
der Mann ein sehr gut verdienender Bauer war. Auf Till wartete harte Arbeit, denn er musste den Kuhstall ausmisten,
den Hof sauber machen und die Schweine füttern. Das waren Arbeiten, die ein Knecht eben ausführen musste. Lange
Zeit kam Till gut mit seinem Arbeitgeber aus.
Eines Tages aber kam es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden. Till wollte nicht, so wie der Bauer es verlangt
hatte, in die Stadt gehen und einkaufen. Er fand diese Arbeit sei für die Mägde wie maßgeschneidert. Doch der
Landwirt blieb bei seiner Forderung. Da sagte Till zu seinem Auftraggeber: „Gut, wenn Ihr meint, dass ich einkaufen
gehen soll, dann gehe ich eben einkaufen. Aber ich will mehr Lohn!“ Der Bauer sah ihn entgeistert an. Nach einer
kurzen Pause sprach er: „Du nimmst mich wohl auf den Arm! Keinen Kreuzer bekommt du mehr als ausgemacht!“ Till
war beleidigt. Er erfüllte den Auftrag, aber auf dem Rückweg grübelte er: „ So, so, ich nehme also den Bauern auf den
Arm. Gut, dann nehme ich ihn auf den Arm!“ Mit diesem Vorsatz kehrte er zum Bauernhaus zurück.
Als er in die Küche trat, sah er seinen Arbeitgeber auf der Bank ein Nickerchen machen. Till erkannte blitzschnell
seine Chance. Da niemand in der Küche war, hob er seinen wohlgenährten Chef auf, und trug in hinaus. Draußen
sammelten sich die Knechte und Mägde um Till. Alle Leute lachten und plötzlich wachte der Bauer auf und tobte. Er
fragte Till wütend, warum er ihn hinaus getragen und zum Gespött der Leute gemacht habe. Till antwortete mit einer
Engelsmiene: „Ihr sagtet doch, dass ich Euch auf den Arm nehmen sollte!“ Die Leute lachten. Der Bauer wollte nichts
mehr mit seinem Knecht zu tun haben.
Nach diesem Vorfall wurde Till hinausgeworfen. Er hatte seinem Ruf wieder einmal alle Ehre gemacht!!!!!