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Konsequenzen von Witterungsextremen des

letzten Jahrtausends auf die


Nahrungsmittelproduktion in Zentraleuropa

Bertsch Andreas, 01540096


Graml Bettina, 01540282
Paul Iris, 01040699
Riedl Daniel, 01540014
Rogi Michael, 01331024
Betreuer:
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Josef Eitzinger
Wissenschaftliche Arbeit
LV 916112 Interdisziplinäres Projekt
Sommersemester 2018 im Rahmen der Studienrichtung
Umwelt- und Bioressourcenmanagement

25. Mai 2018, Wien


Abstract

Die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung sind immer öfter bemerk-


bar. Die Anzahl an vorkommenden Witterungsextrema, wie Starkregen oder
Dürreperioden, nimmt zu und hat gravierende Auswirkungen auf die Produk-
tion unserer Landwirtschaft. Diese Arbeit soll den Verlauf des europäischen
Klimas im Zusammenhang mit der Landwirtschaft im letzten Jahrtausend
untersuchen. Dabei liegt der Fokus auf den Witterungsextrema Hitze, Dürre,
Frost und Starkregen. Die Arbeit soll in Witterungsextrema Einblick geben,
ihre Folgen und Auswirkungen an Boden, Pflanze und Gesellschaft. Sie soll
dabei helfen erfolgreiche Anpassungen vergangener Gesellschaften wieder in
die heutige Landwirtschaft zu integrieren. Keywords: Witterungsextrem, Re-
silienz, Landwirtschaft
Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Material und Methoden 3

3 Theoretische Grundlagen 4
3.1 Skalen der grundlegende Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3.1.1 Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3.1.2 Raum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3.1.2.1 Vertikaler Raum . . . . . . . . . . . . . . . . 5
3.1.2.2 Horizontaler Raum . . . . . . . . . . . . . . . 9
3.1.3 Klimaelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
3.1.3.1 Faktor Temperatur . . . . . . . . . . . . . . . 11
3.1.3.2 Niederschlag als Einflussgröße . . . . . . . . . 12
3.1.4 Definitionen Wetter, Klima und Witterung . . . . . . . 12
3.1.4.1 Wetter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.1.4.2 Klima . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.1.4.3 Witterung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
3.1.4.4 Witterungsextrem . . . . . . . . . . . . . . . 14
3.1.4.5 Zusammenfassung der Unterschiede . . . . . . 14
3.1.5 Geographische Abgrenzung der Arbeit . . . . . . . . . 15
3.2 Klimaverlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

1
3.2.1 Klimarekonstruktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
3.2.2 Historische Klimaarchive . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
3.2.3 Natürliche Klimaarchive . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3.2.4 Klimamodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.2.5 Mittelalterliche Klimaanomalie . . . . . . . . . . . . . 23
3.2.6 Kleine Eiszeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.3 Bedeutung von Klimafaktoren auf die Bodenprozesse . . . . . 25
3.3.1 Ab- und Aufbau organischer Substanz . . . . . . . . . 25
3.3.2 Auswaschung von Nährstoffen und Versalzung von Böden 26
3.3.3 Bodenerosion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.3.4 Wechselspiel klimarelevanter Treibhausgase . . . . . . 28
3.3.5 Vulkanische Aktivitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.4 Bedeutung von Temperatur und Wasser auf das Pflanzen-
wachstum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.4.1 Temperatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.4.2 Wasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.4.3 Auswirkungen auf die Pflanze . . . . . . . . . . . . . . 33
3.4.3.1 Hitze-, und Wasserstress . . . . . . . . . . . 34
3.4.3.2 Frost . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.4.3.3 Starkniederschlag . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.4.4 Weizen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.4.4.1 Ansprüche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.4.4.2 Auswirkungen auf Erntemengen durch Kli-
mafaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
3.4.4.3 Extremwetterlagen und Auswirkungen auf
Schaderreger . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

2
3.5 Historische Auswirkungen von Klimata auf die Nahrungsmit-
telproduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.5.1 Erste Hälfte des zweiten Jahrtausends (bis Ende des
16. Jahrhunderts) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
3.5.2 Zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends . . . . . . . . . 43
3.6 Historische Anpassungen an Klimata/ Witterungsextreme in
der Nahrungsmittelproduktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
3.6.1 Anpassungen bei Hitze . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.6.1.1 Bewässerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.6.2 Anpassungen bei Frost . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.6.2.1 Abdeckung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.6.2.2 Räucherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.6.2.3 Bewässerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
3.6.3 Anpassungen bei Starkniederschlag . . . . . . . . . . . 50
3.7 Beispiele historischer Witterungsextreme des letzten Jahrtau-
sends . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.7.1 Starkniederschlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.7.2 Hitze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
3.7.3 Frost . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

4 Ergebnisse und Diskussion 54

5 Schlussfolgerung und Ausblick 56

6 Literaturverzeichnis 57
Abbildungsverzeichnis

1 Erdschichten (übernommen von Diercke 2018) . . . . . . . . . 6


2 Vertikaler Temperatur und Luftdruckverlauf der Erdatmosphäre
(übernommen von Häckl 2012, 58) . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3 Jahresdurschnittstemperatur in Österreich zwischen 1971 und
2000 (übernommen von ZAMG 2018) . . . . . . . . . . . . . . 9
4 Mittlerer jährlicher Anteil des festen Niederschlags an der Ge-
samtniederschlagssumme zwischen 1971 und 2000 (übernommen
von ZAMG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
5 Klimazonen Europas (übernommen von Wikipedia 2018) . . . 11
6 Betrachtetes Gebiet Zentral-Kontinentaleuropa . . . . . . . . 15
7 Schematische Übersicht der zeitlichen Abdeckung der einzel-
nen indirekten Klimaarchive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
8 Gemälde von Abraham Hondius der zugefrorenen Themse 1677 20
9 Temperaturverlauf der letzten 2000 Jahren der ZAMG . . . . 23
10 Vorkommen der Vulkane (Frater et al., 2009 zit. nach MMCD
NEW MEDIA) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
11 Produktion Pflanzen Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
12 Schaderreger des Weizens bei verschiedenen Witterungsextremen 39
13 Dreifelderwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
1. Einleitung

“Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.” (Hans-
Friedrich Bergmann)
Die vorliegende Arbeit behandelt die Witterungs- und Klimaextreme des letz-
ten Jahrtausends und ihre Konsequenzen auf die Nahrungsmittelproduktion
in Zentraleuropa. Unter Anwendung von Wissen aus verschiedenen Fachdiszi-
plinen wie Meteorologie, Geologie, Historik, Agrarwissenschaft, Klimatologie
und Ökologie wird eine interdisziplinäre Arbeit verfasst. Das Wetter und
Klima beeinflusst die Menschheit seit jeher. Aufgrund des wichtigen Zusam-
menhangs mit der Landwirtschaft und den daraus gewonnenen Nahrungs-
mitteln, ist das Verständnis über klimatische Zusammenhänge essentiell für
die menschliche Entwicklung und das Überleben. Eine der Voraussetzungen
um mit zukünftigen Klimaänderungen umgehen zu können, ist das Wissen
wie sich vergangene Generationen dem Wetter und seinen Extremen ange-
passt haben. Dabei stellen sich einige Fragen: Welche Anpassungen wurden
gegenüber Extremereignissen vorgenommen? War die Anpassung erfolgreich?
Welche Extrema waren besonders gravierend für die Produktion? Welche An-
passungen waren nicht erfolgreich? Um diese Thematik zusammenzufassen
kamen die Autoren auf folgende Forschungsfrage: “Welche Lehren können aus
der Vergangenheit für eine landwirtschaftliche nachhaltige Produktion gezo-
gen werden?” Ziel dieser Arbeit ist das Analysieren vergangener landwirt-

1
schaftlicher Methoden und ihrer Anpassungen auf Witterungs- und Klima-
extreme, um aufzuzeigen wie die heutige Landwirtschaft sich auf die moder-
ne Klimaerwärmung und ihre Extrema adaptieren kann. Wie Hans-Friedrich
Bergmann mit seinem Zitat zeigen möchte, muss erst die Vergangenheit ver-
standen werden um die Zukunft nachhaltig zu gestalten. Zur Beantwortung
der Forschungsfrage, wurde eine Literaturrecherche durchgeführt. Das Da-
tenmaterial stützt sich damit nur auf Sekundärdaten. Aufgrund der Fülle
an vorgefundenen Datenmaterial wurde auf eine Primärdatenerhebung ver-
zichtet. Die geographische Eingrenzung dieser Arbeit konzentriert sich auf
das Gebiet Zentraleuropa. Zeitlich wird das letzte Jahrhundert, also zwi-
schen 1000 und 2000 nach Christus behandelt. Im Bereich der Landwirtschaft
konzentrieren sich die Autoren auf den Ackerbau. Speziell wird dabei Wei-
zen, aufgrund seiner bedeutenden Funktion im vergangenen und derzeitigen
Ackerbau in Zentraleuropa, behandelt. Ausgewählte Witterungsextreme sind
Frost, Niederschlag, Hitze und Dürre. Die Gliederung der Arbeit beginnt mit
den Definitionen, Erklärungen und Bestimmungen verschiedener Elemente
wie Zeit, Raum, Wetter, Klima, etc. Anschließend wird die Bedeutung von
Klima und Wetter auf Bodenprozesse und Pflanzen behandelt. Die histori-
schen Auswirkungen und Anpassungen anhand bestimmter Witterungsextre-
me werden dargestellt um in der Diskussion und Schlussfolgerung sich mit
erfolgreichen Anpassungen, Lehren und Fehlern auseinanderzusetzen.

2
2. Material und Methoden

Nach dem geografischen und zeitlichen Eingrenzen des Themas wurde eine
systematische Literaturrecherche durchgeführt. Um einen Überblick zu er-
halten, wurden zunächst allgemeine Suchbegriffe im Internet eingegeben und
brauchbare Literatur weiterverfolgt. Um überwiegend wissenschaftliche Li-
teratur, also Primärliteratur zu verwenden, wurde eine spezifische Suche in
Bibliotheken, wie der Universitätsbibliothek der BOKU sowie der Instituts-
bibliothek für Meteorologie. Weiters erstreckte sich die Suche über online
Datenbanken wie BOKU LITSearch, Scopus, Elsevier, Google Scholar und
ScienceDirect. Gegebenenfalls wurde das Schneeballsystem eingesetzt, um
brauchbare Quellen aus Literaturverzeichnissen den verschiedenen wissen-
schaftlichen Texten zu verwenden (Gratzer et al., 2010).

3
3. Theoretische Grundlagen

Da sich diese Arbeit mit Witterungsextremen auseinandersetzt wird zuerst


ein Witterungsextrem definiert, beziehungsweise der Unterschied zu Klima-
ta sowie Wetter dargestellt. Hierfür müssen Grenzen verwendet und definiert
werden, da die Betrachtung der weltweiten Witterungsextreme nicht als sinn-
voll zu sehen sind. Das Wetter in den Alpen kann ersichtlicherweise schwer
mit dem Wetter der Sahara verglichen werden.

3.1 Skalen der grundlegende Elemente

Aus den gerade oben genannten Gründen werden nun bedeutende Elemente
beschrieben und erläutert, sowie auf die möglichen Skalen und Größen dieser
Elemente eingegangen.

3.1.1 Zeit

Die Bedeutung des Faktors Zeit lässt sich, bei einer Forschungsfrage mit
dem zentralen Aspekt der Vergangenheit, erahnen. Mit der Anwendung der
SI-Einheit Zeit wird vor allem dem betrachteten Zeitraum Bedeutung zuge-
schrieben. Es besteht hier die Möglichkeit betrachtete Zeitspannen zu verändern,
Daten aus Monaten bis hin zu Jahrtausenden können verglichen werden.
Es gilt aber, dieselben zeitlichen Parameter anzuwenden. Es wäre fatal die
Durchschnittstemperatur des Monats Juli im Jahr 2017 mit der Durchschnitt-

4
stemperatur des 18.Jahrhunderts zu vergleichen. Der Durchschnitt des letz-
ten Jahrtausends hat einen anderen Verwendungszweck als der Durchschnitt
des letzten Monats. Nicht nur die Grenzen der Zeitspanne sind von Bedeu-
tung, auch die Taktung der Messungen muss beachtet werden. Es ist nicht
sinnvoll Messungen von verschiedenen Zeitpunkten zu vergleichen, Messun-
gen zu Mitternacht mit jenen zu Mittag. Als letzte Ebene kann die Häufigkeit
von Messungen betrachtet werden. Diese Bedeutung ist am Beispiel der In-
tensität der Sonnenstrahlung zu sehen. Diese kann sich sich innerhalb von
Sekunden stark durch Wolkenbewegungen verändern (Häckel 2012, 317). An-
hand dieses Beispiels wird die Bedeutung von Klimafaktoren für die Ver-
gleichbarkeit ersichtlich.

3.1.2 Raum

Als nächster Faktor wird der Raum betrachtet. Für diese Arbeit wird der
Raum als Volumen, also als kartesisches Koordinatensystems inklusive sei-
ner 3 Richtungen, betrachtet. Einerseits kann vertikal in verschiedenen Höhen
gemessen werden, andererseits kann an verschiedenen Orten entlang der Ho-
rizontalen gemessen werden. Neben der Richtung ist die Größe zu betrachten,
diese liegt in der Größenordnung zwischen 10-3 und 107 Meter (Klose 2015,1).

3.1.2.1 Vertikaler Raum

Mit dem Ausgangspunkt Normalnull gibt es auf dieser Achse 2 mögliche


Richtungen, eine hin zum Erdkern, und eine weg von Diesem. Durch den
Radius der Erde, zwischen 6.378,137 km am Äquator und 6.356,752 km am
Pol, ist diese Achse in eine Richtung beschränkt (Grotzinger und Jordan,
2017, 9). In dieser Richtung gibt es unterschiedliche Erdschalen, zu sehen in
Abbildung 1.

5
Abbildung 1: Erdschichten (übernommen von Diercke 2018)

Die andere Richtung, weg vom Erdkern beginnend bei Normalnull, be-
trachtet die Atmosphäre. Diese wird, wie in Abbildunt 2 zeigt, unterteilt in

6
Tropo-, Meso-, Strato- und Exosphäre . Die Grenze der Atmosphäre ist jedoch
keine scharfe, der Übergang zum Weltraum ist kontinuierlich. Er beginnt mit
dem Ende der Stratosphäre, bei etwa einer Höhe von 50 km. (Grotzinger und
Jordan, 2017, 403)

7
Abbildung 2: Vertikaler Temperatur und Luftdruckverlauf der Erdatmo-
sphäre (übernommen von Häckl 2012, 58)

8
3.1.2.2 Horizontaler Raum

Neben der eben genannten Vertikalen spielt die Horizontale, also die betrach-
tete Fläche, eine beachtliche Rolle. Als Beispiel für diese Ebene werden die
unterschiedlichen atmosphärischen Verhältnisse Europas herangezogen. Be-
trachtet man den gesamten Kontinent kann man zwar Durchschnitte darstel-
len, jedoch werden hier die Unterschiede der einzelnen Gebiete vernachlässigt.
Ein Gedankenspiel: Eine Person befindet sich in Wien und fliegt 380 km in
eine Richtung. Fliegt Sie in Richtung West-Süd-West befindet Sie sich in
Innsbruck in der alpinen Klimazone, fliegt sie Richtung Nord-West-Nord be-
findet sie sich in Dresden, einer Stadt in der kontinentalen Klimazone. Um
diese Unterschiede genauer darstellen zu können werden die Durchschnitt-
stemperatur, Abbildung 3, sowie der Prozentsatz der festen Niederschläge,
Abbildung 4, zur Hilfe genommen.

Abbildung 3: Jahresdurschnittstemperatur in Österreich zwischen 1971 und


2000 (übernommen von ZAMG 2018)

9
Abbildung 4: Mittlerer jährlicher Anteil des festen Niederschlags an der Ge-
samtniederschlagssumme zwischen 1971 und 2000 (übernommen von ZAMG)

Allein durch die dargestellten Unterschiede wirkt es sinnvoll in Klimazo-


nen einzuteilen. Das Alpine Gebiet, beispielsweise um Innsbruck, hat bis zu
100 Prozent festen Niederschlag und Durchschnittstemperaturen um die 0 .
Konträr hierzu das kontinentale Klima, am Beispiel Linz, mit Durchschnitt-
stemperaturen um die 10 und festen Niederschlag Prozentsätze zwischen 10
und 20 Prozent. Werden diese Unterschiede europaweit betrachtet, und ver-
sucht diese zu kategorisieren erhält man mehrerer Klimazonen, zu sehen in
Abbildung 5.

10
Abbildung 5: Klimazonen Europas (übernommen von Wikipedia 2018)

3.1.3 Klimaelemente

Als letzte Ebene werden Klimaelemente betrachtet. Die wichtigsten sind


Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Windverhalten, Wolkenbede-
ckung, Wolkenart, Wettererscheinungen, Sonnenscheindauer, Sichtweite, Nie-
derschlagsmenge Schneebedeckungshöhe und Erdbodenzustand (Schönwiese
2008, 85). Im Zuge dieser Arbeit wird der Fokus vor allem die Faktoren
Lufttemperatur und Niederschlagsmenge gesetzt.

3.1.3.1 Faktor Temperatur

Die Temperatur stellt die bedeutendste Größe in der Beschreibung der Atmo-
sphäre dar, der Vergleich von Wärme wirkt durch Beschreibung wie “warm”

11
und “kalt” wenig aussagend. (Klose 2015, 86) Schon allein aus diesem Grund
sind Temperaturskalen notwendig. Verschiedene Skalen wurden im Laufe des
18. und 19. Jahrhunderts veröffentlicht, von Fahrenheit zu Celsius bis hin zu
Kelvin. Ohne die Möglichkeit Temperatur skalar darstellen zu können wäre
ein Vergleich schwer möglich, ein Temperaturunterschied von 5 wäre nicht er-
fassbar. Dies wäre für etwaige Situationen fatal, der Unterschied zwischen +2
und -3 ist gerade für den Niederschlag bedeutend ist, eben der Unterschied
zwischen Regen und Schneefall. Weiteres wird der Messhöhe, im Bezug auf
die Temperatur, Bedeutung gezollt. Es besteht eine Korrelation zwischen der
Messhöhe und der Temperatur, wobei diese Relation in Abbildung 2 schon
gezeigt wurde. Es ist somit relevant ob eine Messung auf dem Erdboden oder
in der Luft, zum Beispiel mit Hilfe eines Flugzeuges, durchgeführt wurde.

3.1.3.2 Niederschlag als Einflussgröße

Niederschlag gibt es in verschiedenen Formen, betrachtet werden Regen, Kon-


densation, Gefrieren, Sublimierung von der Atmosphäre, dem Boden bzw von
Pflanzen wie Tau und Reif. Messungen werden jedoch von fallendem Nieder-
schlag, in Niederschlagsvolumen pro Fläche, gemacht. Schönwiese (2008, S
83) sagte: “Leider sind die Messfehler beim Niederschlag sehr ausgeprägt.
Hinzu kommt noch eine gegenüber der Temperatur und dem Druck weitaus
größere räumliche und zeitliche Variabilität.”

3.1.4 Definitionen Wetter, Klima und Witterung

Sowohl Wetter, Klima als auch Witterung sind abhängig von den gerade
erläuterten Faktoren. Niederschlag und Temperatur sind notwendig um eben
diese zu beschreiben, erklären aber nicht den Unterschied. So kann durch
die tägliche Durchschnittstemperatur nicht zwischen diesen unterschieden

12
werden, lediglich zur Beschreibung verwendet werden. Um nun Wetter, Wit-
terung und Klima von Verwechslungen zu bereinigen werden vor allem die
Faktoren Zeit und Raum betrachtet.

3.1.4.1 Wetter

Wetter stellt die akute Situation der Atmosphäre dar (Klose 2015,2). Anders
kann Wetter laut Kuttler (2013, 15) auch als “ [...] Zustand meteorologi-
scher Vorgänge an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet
während einer kurzen Zeitspanne (meist einen Tag) bezeichnet”.

3.1.4.2 Klima

Laut IPCC ist Klima als ein statistisch fundierte Beschreibung verschiede-
ner Wetterfaktoren in einem Zeitraum zwischen Monaten und Jahrmillionen.
Klima wird laut dem deutschen Umweltbundesamt, 2018, auch als “mittlere
Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten
Gebiet über einen längeren Zeitraum”,gesehen. Durch diese offenen Defini-
tionen, sowie das außer Acht lassen das Klima nicht nur von der Atmosphäre
abhängig ist, sagt Schönwies 2003, 56:
Das terrestrische Klima ist die für einen Standort, eine definierbare Re-

gion oder ggf. auch globale statistische Beschreibung der relevanten Klima-
elemente, die für eine nicht zu kleine zeitliche Größenordnung die Gegeben-
heiten und Variationen der Erdatmosphäre hinreichend ausführlich charak-
terisiert. Ursächlich ist das Klima eine Folge der physikochemischen Prozesse
und Wechselwirkungen im Klimasystem sowie der externen Einflüsse auf die-
ses System“
Die World Meteorolgical Organization schlägt vor, für die nicht zu kleine
zeitliche Größenördnung, eine 30-Jahr Periode als Standard zu verwenden

13
(Häckel 2012, 317).

3.1.4.3 Witterung

Wie auch bei dem Begriff Klima, stellen Witterungen eine Gesetzmäßigkeiten
dar, jedoch gilt es zwischen Klima und Witterung zu differenzieren. Witte-
rung betrachtet zwar auch Wetterabläufe, diese sind aber innerhalb eines
Gebietes, sowie in kürzere Zeitspanne zu sehen, diese Zeitspannen betragen
meistens mehrere Tage bis Wochen (Kuttler 2013, 15). Somit stellen Wit-
terungen sich wiederholende, meist länger andauernde Wettererscheinungen
dar. Ein Beispiel für einen Regel-Witterungsablauf sind die Eisheiligen, ein
jährlich möglicher Kälterückfall Mitte Mai.

3.1.4.4 Witterungsextrem

Wird nun gegenüber dem Witterungsregelfall ein einmaliges Ereignis betrach-


tet spricht man von einem Witterungsextrem. Es wird eben auch zu einem
Wetterereignis unterschieden, da hier ein größerer Zeitraum betroffen ist, je-
doch dieses Ereignis keine rhythmischen Vorkommen aufweisen. Ein Beispiel
hierfür bildet der Sommer 1949 in Deutschland, wobei auf dieses Witterungs-
extrem genauer in Kapitel 3.7.2 eingegangen wird.

3.1.4.5 Zusammenfassung der Unterschiede

Zusammenfassend liegen die Unterschiede in den zeitlichen und räumlichen


Aspekten, die Dimension der Faktoren sind hier bedeutend. Klima beschreibt
größere Gebiete und längere Zeiträume. Wetter beschreibt die akute Situa-
tion in einem recht kleinen Gebiet. Witterung stellt eine mittel langfristige
atmosphärische Situation dar.

14
3.1.5 Geographische Abgrenzung der Arbeit

Wie in Abbildung 5 zeigt, kann die Region Europa unterschiedlich unterglie-


dert werden. Betrachtet man die geographische und klimatische Unterschiede
sind starke Schwankungen zu sehen. Beispielsweise kann das pannonische Be-
cken im Osten Österreichs schwer mit den Zentralalpen verglichen werden.
Allein aus diesem Grund sind politische Grenzen für diese Arbeit ungeeignet.
Da Daten vorallem für den deutschsprachigen Raum verwendet werden, wur-
de Zentraleuropa, sowie die kontinentale Klimazone, als Betrachtungsobjekt
gewählt. Die daraus entstandene gesamte Zone ist in Abbildung 6 in braun
dargestellt.

Abbildung 6: Betrachtetes Gebiet Zentral-Kontinentaleuropa

15
3.2 Klimaverlauf

Die Klimatologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft aus Meteorologie,


Physik, Geologie, Hydrologie, Historik sowie Ozeanologie, die sich mit der
Rekonstruktion des Klimas beschäftigt und somit Klimaverläufe darstellt
(ZAMG, 2018a). Die historische Klimatologie stützt sich auf standardisier-
te Klimamessungen wie Temperatur durch Thermometer, Luftdruck durch
Barometer und später durch den technischen Fortschritt mit weiteren Mess-
methoden. Zusätzlich werden schriftliche Aufzeichnungen verwendet sowie
sogenannte Proxydaten. Somit ist die Klimatologie eine Überschneidung zwi-
schen der Geschichtswissenschaft und der Naturwissenschaft, mit dem Ziel
quantifizierbare und kontinuierliche bzw. lückenlose und homogene Zeitrei-
hen zu erstellen (Kappas, 2009; Glaser, 2001, 4). Bei der Rekonstruktion bzw.
Modellierung und Simulation vergangener Klimata entstehen Fehler und De-
fizite, die sich mit Wetterprognosen vergleichen lassen (Glaser, 2001). Durch
das Fehlen genauer Daten ist es nicht möglich exakte Aussagen und eindeuti-
ge Ergebnisse hervorzubringen. “Dennoch lassen sich aus historischen Daten
wichtige Indizien ableiten, die zu Beweisen verdichtet werden können (Gla-
ser, 2001, 5)”. Für eine Bewertung der vergangenen 1000 Jahre in Mitteleu-
ropa bezüglich Klima ist interdisziplinäres Wissen notwendig um brauchbare
Daten zu gewinnen. Anhand dieser Daten können anschließend Klimainter-
pretationen oder Modellsimulationen erstellt werden

3.2.1 Klimarekonstruktion

Die regelmäßige Datengewinnung durch wissenschaftliche Instrumente ist in


Europa flächendeckend und zentralisiert seit dem Jahr 1850 (ZAMG, 2018b).
Um das Klima vor dem Zeitabschnitt der instrumentellen Klimamessung

16
zu rekonstruieren, das sogenannte Paläoklima, braucht man Proxydaten.
Zu Proxydaten zählen indirekte Klimazeiger bzw. Klimazeugen. Sie stel-
len natürliche Möglichkeiten dar, aus denen auf Klimaverläufe geschlossen
werden können. Proxydaten können aus natürlichen Archiven, wie Baumrin-
gen, Eisbohrkernen, Tiefseebohrkernen oder Seesedimenten gewonnen wer-
den. Aber auch historische, klassische oder auch gesellschaftliche Archive
können zum Beispiel durch Ernteertragszahlen, phänologische Phasen oder
Hochwasserangaben Daten überliefern. “Die Gegenüberstellung von klassi-
schen und natürlichen Archiven eröffnet dabei neue weitreichende Möglichkeiten
der Interpretation: Erkenntnisse lassen sich wechselseitig verifizieren (Glaser,
2011, 13)”. Die Abbildung 7 zeigt eine schematische Übersicht der einzelnen
Proxydaten und ihre zeitliche Rekonstruierbarkeit. Durch die Instrumentelle
Messung können nur 150 Jahre rekonstruiert werden, durch historische Archi-
ve bis zu 1000 Jahren. Anhand natürlichen Archiven, am Beispiel von Tief-
seebohrkernen oder Seesedimenten, kann das Klima einiger Millionen Jahre
analysiert werden.

Abbildung 7: Schematische Übersicht der zeitlichen Abdeckung der einzelnen


indirekten Klimaarchive

17
3.2.2 Historische Klimaarchive

Die historischen Archive bestehen aus einer großen Sammlung an Überlieferungen,


die meist über punktuelle bzw. über in kurzen Zeitspannen vorkommen-
den Klima- und Witterungsextreme berichten (Glaser, 2001, 13f; Riemann,
2010, 39). Der für diese wissenschaftliche Arbeit relevante Beginn dieser Auf-
zeichnungen ist im 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert. Hier werden aus
klösterlichen Chroniken und Annalen Informationen gesammelt, da hier ei-
ne nahezu lückenlose Beschreibung der Sommer und Winter, sowie teilweise
der Übergangsjahreszeiten, in Aufzeichnungen zur Verfügung stehen (Rie-
mann, 2010, 41). Da vor dieser Zeit keine genauen Quellen vorhanden sind,
wird für diese Arbeit die Grenze des letzten Jahrtausends gewählt. Obwohl
der damalige Wissensstandard nicht zum heutigen vergleichbar ist, sind diese
Überlieferungen, trotz der abweichenden wissenschaftlichen Methodik, für ei-
ne Klimarekonstruktion essentiell. Diese sporadischen und unsystematischen
Dokumentationen sind durch den Vergleich mit anderen Messungen (z.B:
Seesedimente) verifizierbar. Ein Wendepunkt für die historischen Klimaar-
chive kam durch die Neuzeit. Die Erfindung des Buchdruckes mit seinen
Konsequenzen bringt eine neue historisch-klimatologische relevante Quellen-
gattung, die Wetterjournale. In diesen Journalen werden täglich und systema-
tisch Wetterbeobachtungen eingetragen. “Damit erfüllen sie wie kein anderer
schriftlicher Quellentyp die Forderungen nach homogenen, kontinuierlichen,
gleichartigen und quantifizierbaren Daten und ermöglichen somit weitrei-
chende klimatische Aussagemöglichkeiten (Glaser, 2001, 15)”. Namenswer-
te Autoren dieser Wetterjournale sind unter vielen der damalige Dekan der
Universität Wien und Arzt Johann Emerich Aichholz, Kurfürst August I.
von Sachsen und Landgraf Hermann IV. von Hessen. Im 16. Jahrhundert

18
begann man auch mit Aufzeichnungen über die Art und das Ausmaß von
Ernteerträgen. So findet man zum Beispiel bei Weinchroniken verschiede-
ne klimatisch-relevante Angaben wie die Qualität und Quantität der Ernte,
dem Beginn der Blüte,der Reife der Trauben, aber auch direkte Angaben
über Frost- und Hagelereignisse. “Die Auswertungen basieren [...] auf Metho-
den, die von der Korrelation einzelner Klimaelementen über multiple Verfah-
ren bis zu Betrachtungen der Gleichläufigkeit von Schwankungen zwischen
Wetterlagentypen reichen (Glaser, 2011, 45)”. Eine weitere unterstützende
Überlieferung der damaligen klimatischen Ereignisse sind Bilder, Gemälde
oder Illustrationen in denen Witterungsextreme abgebildet sind. Diese sind
keine genauen Aufzeichnungen, dienen allerdings zur Verifizierung der vor-
handenen schriftlichen Daten. Abbildung 8 ist ein Beispiel für ein Gemälde
vom niederländischen Künstler Abraham Hondius, der die Themse zeigt wie
sie im Jahre 1677 durch eine extreme Kältephase zugefroren war. Die Themse
war zwischen den 15. und 19. Jahrhundert in 23 Winter zugefroren.

19
Abbildung 8: Gemälde von Abraham Hondius der zugefrorenen Themse 1677

3.2.3 Natürliche Klimaarchive

Natürliche Klimaarchive unterscheiden sich zu historischen Klimaarchiven,


indem sie nicht durch menschliche Berichte übertragen wurden, sondern durch
natürliche Materialien, wie Baumringe, Eisbohrkerne oder Seesedimente. Durch
die Anwendung technischer Verfahren können indirekt Rückschlüsse auf die
Temperatur, den Niederschlag oder die Veränderung der Sonneneinstrahlung
eines gewissen Jahres gezogen werden. Um dies an einem Beispiel zu veran-
schaulichen wird die Klimarekonstruktion anhand von Baumringen und Tief-
seebohrkernen beschrieben. Die Dendroklimatologie ist die Fachdisziplin die
sich mit dem Klimaeinfluss und seinen Auswirkungen auf das Baumwachstum
bzw. der Klimarekonstruktion anhand von Analysen des Baumwachstums
beschäftigt. Temperatur und Niederschlag besitzen einen großen Einflüsse auf
das Baumwachstum und wirken sich auf die Jahrringbreite und die Spät- so-

20
wie Frühholzdichte aus (Glaser, 2001). Die Jahrringe sind auch Speicher von
Isotopen und radioaktiven Elemente, die ebenso zur Rekonstruktion verwen-
det werden können (ZAMG, 2018c). Durch die Dendroklimatologie können
Rückschlüsse auf Temperatur, Niederschlag bzw. Feuchtigkeit, die chemische
Zusammensetzung von Luft, Biomasse und Vegetationsmuster, Vulkanaus-
brüche, Geomagnetische Änderung sowie die Sonnenaktivität gezogen werden
(Büntgen et al., 2008). Die Schwierigkeit hierbei liegt bei der Filterung der
gewünschten Klimasignale, da das Baumwachstum auch durch andere Fakto-
ren beeinflusst wird. Standortkundliche Beschaffenheit, die intra- und inter-
spezifische Konkurrenz, sowie die Tatsache, dass Bäume in der Regel in ihren
ersten Jahren schneller wachsen sind hierfür Beispiele (ZAMG, 2018c). Die
Möglichkeit einer jährliche Auflösung und die absolute Datierbarkeit macht
die Dendroklimatologie zu einer der wichtigsten Proxydatenquelle für die
Klimarekonstruktion. Anhand der Dendroklimatologie können Klimarekon-
struktionen bis zu den letzten 10.000 Jahren gemacht werden. Eine andere
Quelle zur Rekonstruktion von Klimadaten stammt aus dem Meer. Am Mee-
resboden können sich über mehrere Millionen Jahre Sedimente ablagern, die
dann als Tiefseebohrkerne analysiert werden. Die abgelagerten Sedimente am
Meeresgrund werden kategorisiert: biogene (abgestorbene Organismen), li-
thogene (Gesteinsstücke), hydrogene (chemische Substanzen gelöst im Meer)
und kosmische (Meteoriten) (ZAMG, 2018d). Bei der Analyse dieser Mate-
rialien ist neben der Kategorie auch die Quelle des Ausgangsmaterials, der
Transportweg, die Materialzufuhr sowie deren Abbauprozess zu erforschen
um eine aussagekräftige Rekonstruktion durchzuführen (ZAMG, 2018d). Ein
Verfahren zur Auswertung von Tiefseebohrkernen ist die Anzahl an gebunde-
nen Sauerstoffisotopen in fossilen Kalkskeletten (CaCO3). Durch die Messung
des Verhältnis von Sauerstoffisotopen 18O und 16O, wird gemessen wie viel

21
Wasser an der Meeresoberfläche verdunstet ist. Dadurch kann auf die da-
malige Temperatur geschlossen werden (ZAMG, 2018d). Durch die Analyse
von Tiefseebohrkernen können mehrere Millionen Jahren zurück modelliert
werden.
Die Multi-Proxydaten-Rekonstruktion ist in der Klimaforschung die Kom-
bination einzelner, von einander unabhängigen Proxydaten, die zu aussage-
kräftigeren Ergebnissen führt.

3.2.4 Klimamodelle

Abbildung 9, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG),


zeigt den Temperaturverlauf der letzten 1000 bzw. 2000 Jahre. Hier ist die
Y-Achse die Temperaturabweichung vom Mittel des 20. Jahrhunderts in [◦ C]
und die X-Achse stellt die Kalenderjahre dar. Die Abbildung besteht aus 3
ähnlichen Grafiken. Die erste Grafik wurde anhand einer Multi-Proxydaten-
Rekonstruktion erstellt und zeigt den Temperaturverlauf der Nordhemisphäre
über das ganze Jahr gemessen. Die zweite Grafik wurde durch die Baumring-
Rekonstruktion erstellt. Die Proben stammen aus den Alpen und geben In-
formation über den Zeitraum von Juni bis September. In der dritten Grafik
wurde eine Modellsimulation für Europa in der Zeitspanne zwischen Juni und
September erstellt. Aus allen 3 Grafiken ist ersichtlich, dass es zwischen dem
10. und den 13. Jahrhundert eine überdurchschnittliche absolute Temperatur
gab, die sogenannte mittelalterliche Klimaanomalie. Ebenso ist in diesen 3
Grafiken die kleine Eiszeit zwischen dem 15. und den 19. Jahrhundert er-
sichtlich. Auffallend ist außerdem die kontinuierliche Steigung ab dem 18.
Jahrhundert.

22
Abbildung 9: Temperaturverlauf der letzten 2000 Jahren der ZAMG

3.2.5 Mittelalterliche Klimaanomalie

Die mittelalterliche Klimaanomalie, auch als mittelalterliches Wärmeoptimum


oder mittelalterliche Warmzeit bekannt, wird nach den meisten Klimarekon-
struktionen zwischen dem 10. und den 14. Jahrhundert eingestuft. Wie schon
der Name Wärmeoptimum verrät, auch genannt Warmzeit, war hier die Tem-
peratur im Vergleich zum Mittelwert des restlichen letzten Jahrtausends teil-

23
weise zwischen 0,5◦ C - 1◦ C höher (Goosse et al., 2011; Glaser und Riemann,
2009). Dieser mittlere Temperaturwert kann mit dem des mittleren Tempera-
turwerts Mitte des 20. Jahrhunderts zu vergleichen. Allerdings ist der hydro-
logische Faktor sogar mehr von Bedeutung als die Temperatur. Zwischen dem
10. und dem 12. Jahrhundert herrschte die trockenste Zeit der letzten 1000
Jahre. Auch der Meeresspiegel senkte sich um 8cm. Jedoch weist die mit-
telalterliche Klimaanomalie keinen Einfluss auf Gletscher auf . Der Auslöser
dieser Klimaanomalie ist hauptsächlich durch die ozeanisch-atmosphärischen
Zirkulationssysteme, also den Wärmetransport von warmen Gewässer/Luft
in kühlere und viceversa, begründet. Weitere Ursache könnte die starke Son-
neneinstrahlung zwischen 1150 und 1300 sein, die einen regionalen Einfluss
auf die Ozonschicht hatte (Glaser, 2001).

3.2.6 Kleine Eiszeit

Die kleine Eiszeit fand zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert statt. In
Mitteleuropa ist der rekonstruierte Temperaturmittelwert, gemessen im ver-
gangen Jahrtausend, zwischen 1 ◦ C bis 2◦ C niedriger. Es dominierten lange,
kalte Winter und kühle Sommer. Typisch für die kleine Eiszeit ist das lange
Zufrieren von Flüssen und Seen, sowie das Vorstoßen der Gletscher im Ge-
birge. Als Ursache der kleinen Eiszeit wird ein verstärkter Vulkanismus, in
Kombination mit einer geringeren Sonneneinstrahlung und einer Änderung
der Erdumlaufbahn begründet. Weiters könnte der Effekt durch eine Ver-
ringerung des Kohlendioxidgehalts (Wiederbewaldung) in der Atmosphäre
und einer Abschwächung des Golfstroms verstärkt worden sein (Glaser und
Riemann, 2009).

24
3.3 Bedeutung von Klimafaktoren auf die Bodenpro-
zesse

Der Boden wird durch das Klima maßgeblich mit beeinflusst. Änderungen im
Temperatur- und im Niederschlagsverhalten verändern auch die im Boden
stattfindenden chemischen, biologischen und physikalischen Prozesse. Der
Boden selbst beeinflusst rückwirkend durch seine Prozesse und Kreisläufe
das Klima (Eitzinger et al., 2009, 99). In diesem Abschnitt wird auf die
für die Landwirtschaft wesentlichen Bodenprozesse eingegangen und welche
möglichen Auswirkungen sich durch Änderungen der Prozessparameter Nie-
derschlag und Temperatur ergeben können. Es ist darauf zu achten, dass jeder
Standort mit seinen spezifischen Bodeneigenschaften auf eine Veränderung
seines Klimas anders reagiert.

3.3.1 Ab- und Aufbau organischer Substanz

In den meisten Oberböden macht der Anteil an organischer Bodensubstanz


einen geringen Prozentanteil der Masse aus. Trotzdem spielt sie eine zentrale
Rolle im globalen Kreislauf des Kohlenstoffs. 80 des terrestrischen Kohlen-
stoffs sind in den Böden gebunden, 20% in der Vegetation. Die Pflanzen-
reste der Vegetation werden durch die Mineralisierung in anorganische Stof-
fe zersetzt und anschließend durch die Humifizierung erneut in organische
Stoffe umgewandelt. Dabei stellt sich bei konstanten Umwelt- und Vegetati-
onsverhältnissen ein Gleichgewicht zwischen dem Abbau von Pflanzenresten
und dem Aufbau von organischer Substanz ein. Die Humifizierung der orga-
nischen Substanz im Boden stabilisiert diese, was die biologische Aktivität
und das Wasserhaltevermögen des Bodens erheblich verbessert (Blume et
al., 2010, 51). Eitzinger et al. (2009) erklären wie sich durch einen Anstieg

25
der Temperatur der Abbau organischer Substanz verändern kann. Bei einer
ausreichenden Bodenfeuchte des Standorts wird die Nährstoff Mineralisation
beschleunigt, somit der Aufbau organischer Substanz erhöht. Andererseits
ergibt sich durch die erhöhte Temperatur eine höhere Verdunstung, welche
den Wassergehalt des Standorts verringern kann und damit die Mineralisie-
rung hemmt. Der durch die Verdunstung mögliche Trockenstress der Pflan-
zen kann die Zufuhr von organischer Substanz in Kombination mit einem
Temperaturstress weiter behindern. Ergibt sich eine verminderte Zufuhr an
Pflanzenresten bei erhöhtem Abbau an organischer Substanz, wird weniger
Kohlenstoff im Boden und der Vegetation gespeichert. In Feuchtgebieten, die
einen hohen Anteil an organischem Kohlenstoff speichern (z.B: Moore), wird
der Abbau durch eine Verringerung des Wassergehalts mit darauffolgender
Belüftung der organischer Substanz massiv erhöht. Für landwirtschaftlich
genutzte Böden kann sich also durch die erhöhte Temperatur bei ausreichen-
der Feuchtigkeit die Nährstoffmineralisation beschleunigen, und somit ein
erhöhter Aufbau von organischer Substanz erfolgen. Wird jedoch keine Tro-
ckenmasse bei der Ernte zurückgelassen, kann nichts mineralisieren und es
kommt zu einem Abbau an organischer Substanz.

3.3.2 Auswaschung von Nährstoffen und Versalzung


von Böden

Je nach Region und Klima ergibt sich für den Wasserhaushalt eine positi-
ve bzw. negative Bilanz. Fällt mehr Niederschlag als über die Verdunstung
verloren geht, spricht man von einem humiden Gebiet. In humiden Gebieten
besteht eine abwärts gerichtete Perkolation, welche besonders leicht lösliche
Stoffe wie Nitrat oder Kalzium aus oberen Schichten nach unten transportie-
ren kann. Besonders in den vegetationsfreien Phasen werden Nährstoffe durch

26
die Mineralisation angereichert und bei Niederschlag verstärkt ins Grundwas-
ser ausgewaschen (Eitzinger et al., 2009). Stickstoff in Form von Nitrat ist
einer der wichtigsten Wachstumsdünger. Wird zuviel Stickstoff aufgebracht,
kann der Boden diesen nicht vollständig aufnehmen. In nassen Jahresphasen
kann dies zu massiven Stickstoffauswaschungen führen. Durchgeführte Studi-
en in England und den USA zeigen, dass unter intensiv genutzten Ackerböden
zwischen 5-100 kg Stickstoff/Hektar/Jahr ausgewaschen werden können. Die-
ser Stickstoff ist dann im Grundwasser, Trinkwasser oder in Flüssen zu fin-
den, was besonders bei Kleinkindern ein hohes Gefahrenpotential (Blausucht)
birgt (Di et al., 2000).
Bei einer negativen Wasserbilanz, spricht man von einem ariden Gebiet.
In solchen Gebieten müssen Ackerböden bewässert werden. Dies geschieht
oft mit leicht salzhaltigem fossilem Grundwasser bzw. Flusswasser (Blume et
al., 2010, 51). Über die Jahre akkumulieren sich diese Salze, was zum Bei-
spiel in Indien, den USA, im Irak oder Ägypten bereits zu einer Versteppung
von Flächen geführt hat. Zusätzlich lässt eine Bewässerung grundsätzlich
den Grundwasserspiegel ansteigen. Der Anschluss von trockenen Böden an
einen gehobenen Grundwasserkörper unterstützt die Kapillarwirkung, wel-
ches Wasser mit seinen Inhaltsstoffen aus dem Grundwasser in obere Schich-
ten transportiert. Das Wasser verdunstet und die nicht flüchtigen Stoffe ver-
bleiben im Oberboden und reichern sich an. Der erhöhte Salzgehalt erhöht
das osmotische Potential des Bodens, was den Nutzpflanzen die Wasser-
aufnahme erschwert und die Produktivität weiter einschränkt. Die Klimae-
rwärmung kann die Versalzung durch eine zunehmend negative Wasserbilanz
besonders an trockenen und sehr warmen Standorten fördern.

27
3.3.3 Bodenerosion

Bodenerosion kann durch Wasser, Wind oder Bearbeitung auftreten (Blume


et al., 2010, 506ff). Das Ausmaß der Erosion hängt dabei von den jeweili-
gen Standorts- und Produktionsbedingungen ab. Wichtige Parameter sind
die Menge und Intensität des Niederschlags, die Windrichtung, die Art und
Dauer der Bodenbedeckung, die Hangneigung, das Relief, die Länge bzw.
Größe des Feldes, die Zusammensetzung der mineralischen Bodenteilchen,
die Art und das Ausmaß der Bodenbearbeitung sowie die Menge an or-
ganischer Substanz als Kitt. Abgesehen von Wind und Wasser lassen sich
daher fast alle Parameter hinsichtlich der Erosionsverminderung optimieren
(Eitzinger et al., 2009, 105). Der Abtrag von Bodenmaterial ist in vielerlei
Hinsicht schädlich. Nähr- und Humusstoffe werden von den Ackerböden abge-
tragen, Niederschlag wird nicht effektiv genutzt, Pestizide, Düngemittel und
Nährstoffe sind an den Akkumulationsstellen überdosiert und können das
Grundwasser belasten. Wege und Häuser werden verschmutzt und Gewässer
verlanden durch abgetragenes, mitgeführtes Material. Um Wind- und Wasse-
rerosion so gering wie möglich zu halten, sollten offene, nackte Agrarflächen
vermieden werden. Nach der Aussaat kann der Boden mit Mulchmaterial be-
deckt werden, da besonders in diesem Stadium die Gefahr von Erosion am
höchsten ist (Blume et al., 2010, 512f).

3.3.4 Wechselspiel klimarelevanter Treibhausgase

Mit Beginn der Bodenkultivierung vor ca. 10.000 Jahren haben sich die
Boden-C Vorräte kontinuierlich verringert (Blume et al. 2010, 76ff). Die
Umwandlung von Wäldern, Mooren oder Grünflächen in Ackerflächen ist
für 20% der aktuellen CO2-Konzentration in der Atmosphäre verantwort-

28
lich. Die Inkulturnahme mit folgender Entwässerung, Entwaldung und Be-
arbeitung der Böden baut organische Substanz ab. Dabei wird Kohlenstoff
in Form von Kohlendioxid, Methan und Lachgas freigesetzt. Besonders war-
me und feuchte Bedingungen sind für die Bildung von Methan und Lachgas
fördernd. Boreale Permafrostböden haben über die Jahrtausende ein Drittel
bis zu einem Viertel der weltweiten Boden-C-Vorräte gespeichert. Die durch
die Klimaerwärmung gestarteten Auftauprozesse ermöglichen eine Belüftung
dieser Böden und ein Abbau der gespeicherten organischen Substanz wird
ermöglicht. Die Entweichung dieser Kohlenstoffvorräte in die Atmosphäre
ist eine positive Rückkopplung der Klimaerwärmung. In landwirtschaftlich
genutzten Gebieten kann der Abbau von Kohlenstoff durch mehrere Maß-
nahmen vermindert werden. Durch eine pfluglose Bearbeitung, Einsatz von
Brachzeiten, Anbau tiefwurzelnder Pflanzen, Ausbringung von Mist, Gülle,
Kompost oder Klärschlamm, das hinterlassen von Ernterückständen oder ei-
ner Extensivierung kann Kohlenstoff erneut im Boden sequestriert werden
(Blume et al. 2010, 78f).

3.3.5 Vulkanische Aktivitäten

Es gibt mehr als 500 aktive Vulkane weltweit und viele weitere die als erlo-
schen gelten. Sie treten insbesondere an konvergierenden oder divergierenden
tektonischen Platten auf, wie dem Pazifischen Feuerring oder dem mittel-
ozeanischen Rücken. Die übrigen Vulkane, die nicht an Plattengrenzen lie-
gen, sind Hot Spots, also Stellen, an denen Magma bis an die Erdoberfläche
durchschmelzen kann (siehe Abbildung 10 (Frater et al., 2009).

29
Abbildung 10: Vorkommen der Vulkane (Frater et al., 2009 zit. nach MMCD
NEW MEDIA)

Sowohl kleine als auch große Vulkaneruptionen haben einen Einfluss auf
die Luftchemie und den Strahlungs- und Energiehaushalt der Atmosphäre.
Bei explosiven Vulkanausbrüchen, kann ein Gas-Partikel-Gemisch sogar die
Stratosphäre erreichen. Besondere Klimawirksamkeit haben Aerosole. Dies
sind winzige Schwebeteilchen oder Tropfen, wie beispielsweise Schwefeldi-
oxid (Frater 2009; Schmincke 2013). Eine große Menge an Schwefeldioxid in
der Troposphäre stammt aus Vulkaneruptionen. Die in der Stratosphäre be-
findliche Menge ergibt sich sogar zu rund 50 Prozent aus Vulkanausbrüchen.
Die Gassäulen kleinerer Vulkane steigen bloß wenige Kilometer auf und ge-

30
langen so hauptsächlich in die Troposphäre. Dadurch können die Aerosole
innerhalb von etwa 10-15 Tagen durch Niederschlag aus der Atmosphäre aus-
geschwemmt werden (Sirocko, 2013; Schmincke, 2013). Bei großen bis sehr
großen Eruptionen entstehen Aerosolschichten in der Stratosphäre die meh-
rere Kilometer dick sein können. Dort können sie global in Form von Schwe-
felsäuretröpfchen etliche Wochen bis zu 3 Jahre verbleiben. Vorerst führt
diese dicke Schicht zu einer Erwärmung der Stratosphäre durch Absorption,
dadurch wird die Sonnenenergie die auf die Erdoberfläche trifft, reduziert.
Infolge dessen können sich die globalen Temperaturen um bis zu 0,2-0,3 ver-
ringern (Schmincke, 2013). Die Aerosole sind hygroskopisch, dies bedeutet
sie können Wasser beziehungsweise Feuchtigkeit an sich ziehen. An den nun
gebildeten Kondensationskernen entsteht Regen. Aufgrund der hohen Kon-
zentration von Schwefeldioxid-Aerosolen kommt es dadurch zu ungewohnten
hohen Niederschlagsmengen (Schmincke, 2013 zit. nach TaschenAtlas Wetter,
2003).
Im heutigen Indonesien brach im April 1815 der Vulkan Tambora aus.
Dieser Vulkanausbruch gilt heute als eine der größten Eruptionen die es je-
mals gegeben hat. Dadurch gelang eine große Menge an Staub und Gasen in
die Stratosphäre, die jahrelang um die Erde zirkulierten und somit die Son-
neneinstrahlung verminderten. Die europäischen Sommer der Jahre 1816 und
1817 waren als Folge kalt und feucht. Schnee war in einigen Gegenden braun
oder rötlich verfärbt. 1816 war eine vergleichsweise kurze Vegetationsphase
und Schnee und Frost setzen schon im Frühherbst ein (Sanders, Zeilinga de
Boer, 2004; Buchwald, 2007 zit. nach Schmincke, 2000). Im Jahr 1817 kam es
zu noch größeren Überschwemmungen als im Jahr 1816, da der angesammelte
Schnee von zwei Wintern schmolz. Geringere und qualitativ schlechte Ern-
te, Verrottung der Pflanzen auf den Äckern, aufgrund von exzessiver Nässe,

31
waren nur Bruchteil der Auswirkungen auf Bauern und der Bevölkerung im
Allgemeinen (Buchwald 2007).

3.4 Bedeutung von Temperatur und Wasser auf das


Pflanzenwachstum

Temperatur und Wasser sind in dieser Arbeit die Hauptfaktoren auf welche
sich die Autoren bei Extremereignissen konzentrieren. In diesem Kapitel soll
vorgestellt werden, welche Auswirkungen sich bei Pflanzen durch Extrema
zeigen können. Seit Beginn des 2. Jahrtausends bildeten Getreidearten wie
Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, den Grundstock der Ernährung in Eu-
ropa. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat Weizen eine Vormachtstellung
eingenommen, weshalb sich das folgende Unterkapitel auf den Weizen, eine
der bedeutendsten Kulturpflanzen der Geschichte bezieht.

3.4.1 Temperatur

Die Entwicklung von Pflanzen wird maßgeblich durch klimatische Einflüsse


der Temperatur bestimmt (Eitzinger et al., 2009, 128ff). Für einen großen Teil
der wichtigsten Getreidearten werden Temperatursummen verwendet um für
die Entwicklung der Pflanzen wichtige Temperaturansprüche grob abschätzen
zu können. Ab einer Temperatur die Pflanzenwachstum ermöglicht, werden
bei der häufigsten Anwendungsmethode die Tagesmittel addiert, die über ei-
ner - pflanzenabhängigen - Basistemperatur liegen. Somit wird die Länge der
Vegetationsperiode durch den Temperaturverlauf innerhalb eines Jahres be-
stimmt (Eitzinger et al., 2009, 84). Dabei wird auch während des Wachstums
die Länge der einzelnen Entwicklungsphasen durch die Temperatur bestimmt.
Dies kann dazu führen, dass bei einer erhöhten Temperatur im Jahresdurch-

32
schnitt sich die einzelnen Wachstumsphasen verkürzen und es zu Ertrags-
einbußen bei Getreidearten kommen kann. Im Verlauf der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts zeigt sich in den mittleren bis hohen Breitengraden
der nördlichen Halbkugel eine Verlängerung der Wachstumsperiode um 1-2
Wochen. Unter Anwendung der Temperatursummenmethode wird bestätigt,
dass Blattaustrieb, Blüte und Eintritt der Abreife von Nutzpflanzen vielfach
eine Tendenz zu früheren Terminen haben, da die erhöhte Temperatur die
Entwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt. Bei Getreidearten zeigt sich, dass
bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1◦ bis zu 10% Ertrags-
verluste zu erwarten sind (Weigel, 2004).

3.4.2 Wasser

Wasser ist für alle Pflanzen essentiell um wachsen zu können. Wasser löst
Nährstoffe, welche die Pflanzen über ihre Wurzeln aufnehmen können. Wei-
terhin ist es für Transportvorgänge innerhalb des Organismus notwendig.
Der Prozess der Fotosynthese benötigt Wasser und Kohlendioxid um den
Aufbau von Biomasse zu ermöglichen. Die Möglichkeit des Gasaustausches,
bei dem CO2 eingeatmet und H2O ausgeatmet wird, wird ebenfalls über
die Verfügbarkeit von Wasser bestimmt. Bei Wassermangel verengen sich die
Spaltöffnungen der Blätter, um keinen unnötigen Wasserverlust über Tran-
spirationseffekte zu fördern. Aufgrund der Notwendigkeit für viele Prozesse
ist Wasser der am häufigsten limitierende Faktor für das Pflanzenwachstum
(Eitzinger et al., 2009, 85f).

3.4.3 Auswirkungen auf die Pflanze

In diesem Unterkapitel der Arbeit wird auf die spezifischen Auswirkungen


von Stresssituationen auf Pflanzen eingegangen. Der einzelne Stressor wird

33
betrachtet, um Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion durch das
Zusammenwirken von mehreren Faktoren innerhalb einer Wachstumsperiode
besser erklären zu können.

3.4.3.1 Hitze-, und Wasserstress

Hitzestress bewirkt in Pflanzen eine Abnahme der Photosyntheseleistung.


Bei erhöhten Temperaturen über der Optimaltemperatur wird die Atmungs-
leistung bis zur Höhe der Bruttophotosyntheseleistung beschleunigt und so-
mit das Wachstum reduziert, bzw. eingestellt. Bei Temperaturen von über
40 kommt es zu irreversiblen Schäden am Photosyntheseapparat, was das
weitere Wachstum der Pflanzen ernstlich behindert. Entscheidend für die
Stärke des Hitzestress ist die Temperatur des Blattes. Im Optimalfall ist
die Wasseraufnahme mit der Transpiration von Wasser aus den Blättern im
Gleichgewicht. Durch die Transpiration werden diese gekühlt, was normaler-
weise eine 1-3 geringere Temperatur der Pflanze zur Lufttemperatur einstellt.
Ist zu wenig Wasser vorhanden (Wasserstress), kommt es durch eine zu ge-
ringe Transpirationsleistung zu einer Überhitzung des Blattes. Wasserstress
tritt auf, wenn das Gleichgewicht zwischen Wasseraufnahme und Transpi-
ration nicht mehr gegeben ist. Die Schließung der Stomata, um Wasserver-
lust durch Transpiration zu verringern, vermindert die CO2-Aufnahme sowie
die Kühlwirkung, sodass das Wachstum gehemmt wird. Durch Wasserstress
kann auch die Nährstoffzufuhr in die Pflanze eingeschränkt werden. Fehlendes
Wasser löst keine festen Nährstoffe auf und der Transport zu den Wurzeln ist
vermindert. Wasser- und Hitzestress sind somit Stressoren die besonders in
Kombination auftreten können. Vor Allem in bestimmten Phasen des Wachs-
tums kann Wassermangel, Nährstoffmangel oder Hitze zu einer nachhaltigen
Schädigung der Pflanze führen und lässt Ertragseinbußen erwarten (Eitzin-

34
ger et al. 2009, 89f). Brunold et al. (1996, 69) beschreiben, wie bei den 10
wichtigsten landwirtschaftlich genutzten Pflanzenarten in den USA, im Viel-
jahresmittel nur etwa 50 Prozent der genetisch möglichen Erträge erbracht
werden und dabei zwei Drittel der auftretenden Ernteverluste auf die häufige
Kombination von Hitzestress mit Wassermangel zurückgeht.

3.4.3.2 Frost

Strenger Kälte- und Froststress löst bei empfindlichen Pflanzenarten vielfältige


Schädigungen aus. Hierbei treten je nach Pflanzenart unterschiedliche To-
leranzen und Empfindlichkeiten gegenüber tiefen Temperaturen auf. Diese
Empfindlichkeit wird in der Literatur als milder Stress oder strenger Stress
bezeichnet. Strenger Stress tritt bei bei kälteempfindlichen Pflanzen meist
zwischen 0 ◦ C bis 6 ◦ C ein, bei frostempfindlichen Pflanzen unterhalb von
-3 ◦ C (Brunold et al., 1996, 72). Schädigungen betreffen das Wachstum
und führen zu Veränderungen in physiologischen und chemischen Prozes-
sen. Frostschädigungen treten dominierend durch die Zerstörung der Zell-
membranen auf. Das Wasser in den Zellen gefriert, zerstört die Membran
und scheidet gelöste Stoffe aus der Eismatrix aus. Durch den Ausstoß der
gelösten Stoffe steigt die extrazelluläre Osmolarität an und saugt somit Was-
ser aus den Zellen. Bei -10 ◦ C können bereits 90% des osmotisch aktiven
Wassers der Zelle abgegeben sein. Diese extreme Konzentration von gelösten
Stoffen, die der Situation von Trockenstress ähnlich ist, kann zu Störungen
und Schädigungen von Zellfunktionen führen (Brunold et al., 1996, 86f). Be-
sonders in entwicklungskritischen Stadien, während der Keimung oder der
Blüte, können Frostphasen zu Ernteeinbußen führen.

35
3.4.3.3 Starkniederschlag

Starkniederschläge, die die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens überlasten,


führen zu einer Wassersättigung des Bodens. Dadurch sind die unterirdischen
Organe überflutet was im allgemeinen die Vitalität der ganzen Pflanze in
Mitleidenschaft zieht. Beim Eindringen von Wasser in den Porenraum wird
die vorhandene Luft verdrängt und bedingt einen nahezu anoxischen Zu-
stand im Bodensystem. Dies führt zu einem verringertem Nährstoffangebot
für die Pflanze, der Störung aller Energie- und Sauerstoffabhängigen Stoff-
wechselprozesse innerhalb der Pflanze, zu einem Stickstoffmangel und zu ei-
ner verstärkten Aufnahme von gelösten Schwermetallionen in die Pflanze
(Brunold et al., 1996, 133ff). Je nach Toleranz und Ausprägung der Emp-
findlichkeit gegenüber Staunässe können Pflanzen eine gewisse Dauer unter
anoxischen Bedingungen überleben. Es sind jedoch starke Schädigungen der
Pflanzen mit hohen Ertragseinbußen zu erwarten.

3.4.4 Weizen

Weizen ist das am zweithäufigsten angebaute Getreide der Welt. Der älteste
Nachweis für Frühformen des Weizens stammt aus Israel mit 19000 Jahren.
Erstmalige Beweise für kultivierten Weizen fand man auch in Israel vor ca.
10000 Jahren mit Beginn des Ackerbaus. Weizen wird auch gern Brotpflanze
genannt. Er liefert 20% der aufgenommen Kalorien und Proteine der mensch-
lichen Ernährung weltweit (Nevo et al., 2002). In Europa wurde bis Mitte des
19. Jahrhunderts mehr Roggen als Weizen angebaut. Durch Justus von Liebig
konnten Düngemaßnahmen die Ernteerträge des Weizens stark ausbauen und
Roggen als Hauptfrucht verdrängen. Es gibt Winter- und Sommerweizen. Die
Bedeutung von Sommerweizen ist jedoch relativ gering (Kübler, 1994). Der

36
Fokus in diesem Kapitel liegt deswegen auf dem Winterweizen.

3.4.4.1 Ansprüche

Weizen stellt hohe Ansprüche an den Boden, insbesondere an die Nährstoffversorgung.


Die Anbauregionen von Weizen korrelieren demnach mit den agrarischen
Gunsträumen. Besonders Schwarz- und Lösserden, basengesättigte Braun-
und Parabraunerden oder genügend feuchte Rendzina sind für den Weizenan-
bau sehr gut geeignet. Eine ausreichende Mineraldüngung, besonders mit
Stickstoff, Phosphor und Kalium muss von den Landwirten sichergestellt wer-
den. Beste Erträge werden bei dreijähriger Anbaupause erzielt. Entsprechen-
de Fruchtfolgen oder Brachen sollten eingehalten werden. Winterweizen kann
von Oktober bis Dezember ausgesät werden, überdauert den Winter im Bo-
den und setzt mit dem Wachstum im Frühling fort. Er benötigt wie alle Win-
tergetreidearten eine gewisse Vernalisationszeit um die Schosshemmung ab-
zubauen. Die Vernalisation benötigt Temperaturen von +1-+8◦ für 40-70 Ta-
ge. Insgesamt benötigt Winterweizen zwischen 1900-2500◦ (Temperatursumme)
zur Ausreifung. Als Basistemperatur zur Keimung werden 3-4◦ benötigt. Das
optimale Niederschlagsangebot liegt zwischen 500 - 600 mm im Jahr (Kübler,
1994, 39f)

3.4.4.2 Auswirkungen auf Erntemengen durch Klimafaktoren

In Abbildung 11 sind die Erntemengen für unterschiedliche Getreidearten in


Österreich ersichtlich. Man sieht, Weichweizen hat den größten Anteil in der
Produktion, gefolgt von Mais und Gerste.

37
Abbildung 11: Produktion Pflanzen Österreich

Weizen benötigt optimale Bedingungen um das Ertragspotential zu errei-


chen. Besonders eine kontinuierliche Wasserversorgung ist sicherzustellen, da
schon bei zeitweiligem Mangel Wasser zum ertragsbegrenzendem Faktor wer-
den kann (Kübler, 1994, 39). Die Entwicklung des Weizens ist nach Tempera-
tursummen geregelt. Erhöhte Temperaturen führen zur Verkürzung von Ent-
wicklungsstufen was zu Ertragsminderungen führt. Wegler (2004) zeigt, dass
bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1◦ bis zu 10% Ernteein-
bußen zu erwarten sind. Wärmere Winter- und Frühlingsmontate können die
benötigten Vernalisationszeiten beeinträchtigen, was die Erntemengen nega-
tiv beeinflusst.

3.4.4.3 Extremwetterlagen und Auswirkungen auf Schaderreger

Generell ist zu sagen, dass die oben beschriebenen Stressfaktoren Dürre und
Hitze, Frost und Starkniederschlag auch bei Winterweizen zu Schädigungen
führt. Das erhöhte Aufkommen von Extremwetterlagen betrifft nicht nur die
Pflanze selbst, auch das Vor- und Aufkommen von Schaderregern ist davon
betroffen. Seidel (2014) zeigt auf, dass die Forschung im Bereich der Scha-
derreger ungenügend ist. Insgesamt wurden von ihr 23 Arbeiten gefunden,

38
die sich mit dem Thema Weizen befassen. In Abbildung 12 ist linkerhand
die Anzahl an Veröffentlichungen für jedes Extrema abgebildet und rechts
die veröffentlichten Schaderreger. Durch unzureichende Forschung sind noch
keine gesicherten Aussagen bezüglich Extremwetterlagen und ihre Auswir-
kungen auf Schaderreger zu treffen.

Abbildung 12: Schaderreger des Weizens bei verschiedenen Witterungsextre-


men

3.5 Historische Auswirkungen von Klimata auf die Nah-


rungsmittelproduktion

Das zweite Jahrtausend nach Christus war geprägt von Ereignissen die sich
sowohl negativ als auch positiv auf die Nahrungsmittelproduktion und somit
auf die Wirtschaft und Bevölkerung ausgewirkt haben. Grundsätzlich kann
man diesen Zeitabschnitt mit einem Kreislauf von Hochphasen mit ausgiebi-
gen Ernten zu Hungersnöten und großer Armut ausgelöst durch Missernten
und wieder zurück zu besseren Jahren beschreiben.

3.5.1 Erste Hälfte des zweiten Jahrtausends (bis Ende


des 16. Jahrhunderts)

Begonnen hat dieser Abschnitt des zweiten Jahrtausends in einer guten Aus-
gangsposition. Durch eine klimatischen Gunstphase, gegeben durch die Wet-
teranomalie Mittelalterliche Warmzeit, (siehe Kapitel 3.2.6) kam es ab dem

39
11. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zu einer Ver-
doppelung der Bevölkerungszahl. Diese warmen Jahren förderten die Ent-
wicklung der Gesellschaft und führten zu einer vermehrten Städtebildung
und zahlreichen Innovationen. Bezüglich der Landwirtschaft weitete sich die
Landnutzung und auch die Bevölkerung am Land stark aus. Die landwirt-
schaftliche Produktion wurde vor allem durch die Verbesserung der techni-
schen Hilfsmittel vorangetrieben. Es wurden in dieser Zeit vermehrt bereits
gängige Produktionsmittel weiterentwickelt, wie zum Beispiel die Entwick-
lung zur modernen Sense oder der bodenwendene Pflug. Als wichtigen Punkt
dieser agrikulturellen Fortschritte sieht man die Änderung in der Bewirt-
schaftung der Felder. Die bisher gängige Art der Bewirtschaftung, Ein- und
Zweifelderwirtschaft, welche noch auf frühere Zeiten zurückgehen, wurden
durch die Dreifelderwirtschaft abgelöst. Diese Landbewirtschaftung zeichnet
sich durch eine differenzierte Fruchtfolge aus. Wie in Abbildung 13 graphisch
aufgezeigt, wurde die gesamte Anbaufläche in drei Teile geteilt und abwech-
selnd als Wintergetreide, Sommergetreide und Brache geführt. Die Brache
diente vor allem dem Boden als Erholungszeit und den Bauern als Weide-
nutzung. Durch diese Bewirtschaftungsart verbesserte sich die Bodennutzung
und führte zu einem Anstieg der Ernteerträge und bildete die Grundlage
für den wirtschaftlichen Aufschwung im hohen Mittelalter (Kiessling et al.,
2016).

40
Abbildung 13: Dreifelderwirtschaft

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Auswirkungen von Klimata


in diesem Zeitraum überwiegend positiv für die Entwicklung der gesamten
Gesellschaft waren. Vor allem die mittelalterliche Warmzeit förderte die Nah-
rungsmittelproduktion und die Fortschritte im landwirtschaftlichen Bereich.
Jedoch kam es mit Ende dieser warmen Phase zu Beginn des 14. Jahrhunderts
zu einem massiven Umschwung in der Gesellschaft. Die schlechte klimatische
Lage führte zu zu starken Missernten, folglich zum Anstieg der Getreide-
preise, zur Verknappung von Nahrungsmitteln und Hungersnöten. Witte-
rungsverhältnisse wie lange Winter, viele kalte Sommer, begleitet von Hagel,
Starkniederschlag und folglichen Überschwemmungen leiteten diese Zeit ein
(Abel, 1966; Spiegel). Somit gilt der Beginn des 14. Jahrhunderts als der Wen-
depunkt von einer gediegenen zu der von Hungersnöten und Armut geplagten
Gesellschaft. Der steigenden Bevölkerungszahl stand im Vergleich immer we-

41
niger zu bewirtschaftendes Land gegenüber. Durch das Zusammenspiel von
langen kalten Wintern, die die Vegetationsperioden verkürzten, und anhal-
tendem Regen, der die Anbauflächen überflutete und die Ernte verfaulen ließ,
lassen sich die Jahre 1310 bis 1330 mit keiner Zeit der europäischen Klima-
geschichte vergleichen. Ab 1310 folgten den genannten Witterungsextrema
immer wieder kühle und feuchte Sommer. Durch die daraus resultierenden
Missernten und die Nahrungsmittelknappheit entwickelte sich die erste große
Hungersnot, auch ‘der große Hunger’ genannt. In den Jahren 1315 bis 1322
breitete sie sich in Europa von England über Teile Deutschlands bis hin nach
Russland aus (Abel, 1966; Kiessling et al., 2016). Kurzzeitig verbesserte sich
die Witterungslage in Europa wieder, wodurch die Menschen auf eine erneute
wärmere Periode hofften. Jedoch folgte dem großen Hunger die Beulenpest,
die sich Ende des Jahres 1347 aus dem Orient wellenförmig in Europa aus-
breitete. In dieser Zeit, bis zirka 1353, minimierte sich die Bevölkerung um
ein Drittel, was jedoch nicht primär auf bestimmte klimatische Verhältnisse,
sondern auf die vorherrschenden Seuchen zurückzuführen ist. Besonders die
kalten Winter in den Jahre 1346 und 1347 beeinflussten die Nahrungsmittel-
produktion negativ, denn durch die Kälte und Nässe erfror und verfaulten
zahlreiche Kulturpflanzen. Die schleichend sinkenden Temperaturen leiteten
den Beginn der zweitwichtigsten Wetteranomalie in der Geschichte, der klei-
nen Eiszeit, zu Beginn des 15. Jahrhunderts ein. Durch den mehrere Mo-
nate anhaltenden Frost und den regnerischen Sommern, steigerte sich der
Hunger und die folgliche Unsicherheit in der Gesellschaft. Die Folgen waren
Aufstände der Bevölkerung, Bauernkriege und die Suche nach Halt bei der
Kirche. Mit Ende des 15. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung wieder, im
Vergleich vor dem Beginn der kalten und regnerischen Periode. Durch die
stabile Wetterlage begann man das vorher verlassene Land wieder auszu-

42
bauen. Mit Hilfe von Trockenlegungen konnten Sümpfe, Moore und andere
feuchte Landschaften für den Ackerbau verwendet werden. Somit wurden die
Landverluste der vorherigen Zeiten ausgeglichen. Zusätzlich entwickelte sich
das Wissen über Standortfaktoren von Kulturpflanzen und technische Hilfs-
mittel weiter, sodass mit Beginn des 16. Jahrhunderts bereits erste Bücher
zu diesen Themen erschienen sind. Diese bedeutenden Entwicklungen wären
ohne das stabile Klima nicht möglich gewesen (Abel, 1966; Kiessling et al.,
2016).

3.5.2 Zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends

Die von Ende 14. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorherr-
schende Wetteranomalie, die kleine Eiszeit, hatte große Bedeutung für die
Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Durch die niedrigen Tempe-
raturen verkürzte sich die Vegetationsperiode, was zu Schrumpfen der Er-
träge und in manchen Regionen zur kompletten Aufgabe von verschiedenen
Kulturpflanzen führte. Behringer (2007) führt auch Hunger- und Pestepi-
demien auf diese Klimaveränderung zurück. Nachdem sich die Bevölkerung
bis kurz vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges fast verdoppelt hat-
te, prägten Hungersnöte, ausgelöst durch zahlreiche Missernten, ausgelöst
durch strenge Winter, kühle und trockene Sommer und zahlreiche Starkre-
genereignisse, die Situation Mitteleuropas. Diese elende Zustände werden als
Grundlage für Aufstände und Kriege, wie den Dreißigjährigen Krieg, gese-
hen (Glaser, 2008). Zu betonen ist an dieser Stelle, dass historische Entwick-
lungen, wie der Dreißigjährige Krieg oder die zwei Weltkriege, nicht alleine
durch die schlechten Witterungsverhältnisse entstanden sind. Die Witterung
zu diesen Zeitpunkten beeinflusste solche Entwicklungen, wie Krieg oder Seu-
chen nicht direkt, sondern verstärkte oder schwächte sie ab. (Prass, 2016) Bis

43
zum Beginn des 18. Jahrhunderts herrschte in Europa Abkühlung, die das
Maunder-Minimum genannt wird. Vor allem in den letzten Jahren des 17.
Jahrhunderts nahmen die Temperaturen in allen Jahreszeiten ab. Betroffen
davon waren am stärksten die Regionen in West- und Mitteleuropa. Dieses
Minimum und die Zeit danach (bis zirka 1715) zählen zu einer der Klima-
schwankungen der kleinen Eiszeit. Den Höhepunkt fand diese Periode bei dem
Jahrtausendwinter um die Jahreswende 1708/09. In der Zeit dieser “grausa-
men Kälte” litt die Nahrungsmittelproduktion sehr unter den klimatischen
Zustände, sodass folglich eine weitere Hungerkrise ausbrach (Prass, 2016). Im
späten 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert führten kältere Klimaein-
flüsse zu gebietsübergreifenden Hungersnöten, was sich vor allem auf einen
Rückgang der Heirats- und Geburtenzahl auswirkte. Bedeutend ist für diese
Zeit, in der europäischen Klimageschichte, das sogenannte Jahr ohne Som-
mer, 1816, der auf den Ausbruch eines Vulkans in Indonesien zurückgeht. In
diesem Sommer fiel neben starken Regen, an vier Tagen, sogar Schnee. Solch
ein Ereignis ist jedoch kein Sonderereignis und dürfte laut Pfister (2009) da
die gesamte Zahl solcher Ereignisse nicht bekannt ist, nicht überbewertet wer-
den. Mit Ende der kleinen Eiszeit begannen die Menschen Hungersnöte und
Missernten als Missmanagement zu verstehen. Daraufhin begann durch ab-
wechselnde Sorten und eine ausgewogenen Fruchtfolge die sogenannte zweite
Agrarrevolution (Prass, 2016).

3.6 Historische Anpassungen an Klimata/ Witterungs-


extreme in der Nahrungsmittelproduktion

Im folgendem Abschnitt werden die Anpassungsstrategien der Landwirt-


schaft in der Nahrungsmittelproduktion, bezogen auf Hitze, Frost und Star-

44
kniederschlag. Zu Berücksichtigen ist vor allem, dass die vorherrschende Denk-
weise zu dem jeweiligen Zeitalter die Anpassungen bestimmte. Anfänglich
wurde ein extremes Witterungsereignis als Strafe Gottes für die Sünden der
Menschheit angesehen, erst mit fortlaufender Entwicklung der Bevölkerung
und im Zuge der Aufklärung rückten Anpassungsstrategien auf Basis von na-
turwissenschaftlicher Forschung mehr in den Mittelpunkt.Aus diesem Grund
dauerte es bis in 19. Jahrhundert hinein, bis auf akute Witterungsextreme
mit den nötigen technischen Lösungen reagiert wurde.

3.6.1 Anpassungen bei Hitze

Mit den in Kapitel 3.4 beschriebenen Auswirkungen auf Pflanzen durch Hit-
ze sind Schädigungen und Verluste meist mit fehlendem Wasser verbunden.
Die erwartete vermehrte Anzahl an Extremereignissen, wie Dürren und Hit-
zetage, bedarf einer zukunftsorientierten Planung der Wasserversorgung für
Kulturpflanzen. Im folgenden Kapitel sind Anpassungen und ihre Folgen er-
klärt.

3.6.1.1 Bewässerung

Seit jeher bestehen für die Landwirtschaft natürliche Grenzen, die vor al-
lem durch das Klima, gesteuert über die Faktoren Temperatur, Niederschlag
und Verdunstung gesetzt sind. Der Mensch schaffte es diese naturgegebenen
Grenzen zu überwinden und durch Eingriffe die Produktion trotz herausfor-
dernder Umweltbedingungen zu optimieren. Die Anfänge erster Anpassungen
im Zuge von Bewässerungsmethoden gehen bezüglich des Klimafaktors Hitze
bereits auf das Neolithikum (Jungsteinzeit) zurück (Leibundgut und Vonder-
strass, 2016a). Die geschichtliche Entwicklung verschiedenster Strategien zur
Bewässerung der landwirtschaftlichen Produktion wurden im zweiten Jahr-

45
tausend primär durch die damals vorherrschenden Kulturgemeinschaften ge-
prägt. Als Beispiel dafür dienen in Mitteleuropa der Kanalbau der Römer und
die anfängliche Wasserwirtschaft verschiedener kirchlicher Orden. Den ersten
Höhepunkt erlebte die Bewässerung im Hochmittelalter zur Zeit der mittelal-
terlichen Warmzeit. Während dieser Zeit entwickelte sich die Verteilung des
Wasser mittels Leitungen. Durch den Wechsel im Landbau zur Dreifelder-
wirtschaft wurde das System der Flurbewässerung verbessert. Diese Art der
Bewirtschaftung führte aber zu einem Mangel an Dünger, darum verwende-
te man diese Anlagen vorrangig für Wiesen (Leibundgut und Vonderstrass,
2016a). Selbst in Ländern wie Österreich oder Deutschland, in denen keine
dauerhafte Bewässerung notwendig ist bildete diese dennoch den Grundstein
für produktives Pflanzenwachstum, für sichere Erträge und eine stabile Land-
wirtschaft. Geschichtlich gesehen entwickelte sich in Deutschland ab der Mit-
te des 19. Jahrhunderts die erste Form der geregelten Feldbewässerung, wel-
che sich mit der Jahrhundertwende auf die Ackerkulturen ausweitete. Einen
ähnlichen Verlauf kann man in Österreich beobachten. Hier begann die erste
Bewässerung bereits im 18. Jahrhundert durch großflächig Anlagen. In beiden
Ländern setzte sich die Beregnungstechnik durch (Achtnich, 1980). Als his-
torisches Beispiel einer Anpassung kann man die traditionelle Bewässerung
sehen, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts, mittels Schwerkraft praktiziert
wurde. Diese Arbeit ist geographisch in Mitteleuropa begrenzt, daher werden
einige der dort vorherrschenden Bewässerungssysteme beschrieben (Leibund-
gut und Vonderstrass, 2016a).
Oberflächenbewässerung:
Bei dieser Art der Bewässerung wird das Wasser an der Oberfläche der
Bewässerungsfläche verteilt, wo es versickert. Zu den bedeutendsten Verfah-
ren dieser Bewässerungsart gehört das Rieselverfahren. Dieser Prozess der

46
Bewässerung, welcher bei der Hangbewässerung als auch bei der Talboden-
bewässerung eingesetzt wird, zählt zu den am häufigsten verwendeten in
Gebirgs-, Berg-, und Hügelgegenden sowie Tief- und Flachländern Europas.
Dabei wird am höchstgelegenen Punkt der zu bewässernden Fläche das Was-
ser über ein System aus Gräben und Kanälen durch die Schwerkraft gegebene
Bewegung auf den Flurboden verteilt. Es lässt sich jedoch keine gleichmäßige
Verteilung des Wassers sicherstellen, aber durch den sich langsam im Gefälle
bewegenden Wasserstrom kann Abtragung des Bodens oder Stillstand der
Wassermenge verhindert werden (Leibundgut und Vonderstrass, 2016a; Han-
ke, 1989).
Beregnung:
Im Vergleich zu dem oben vorgestellten System der Bewässerung wird bei der
Beregnung eine abgemessene Wassermenge an einem gewünschten Zeitpunkt
gleichmäßig auf der Fläche verteilt. Diese Bewässerungsart zählt nicht mehr
zur traditionellen Bewässerung, da es nur durch technische Unterstützung
funktioniert und vorwiegend in der modernen Landwirtschaft verwendet wird
(Hanke, 1989).
Neben der Funktion der Befeuchtung, als Ausgleich zu niederschlagsarmen
und durch Wassermangel und Hitze geprägten Zeiten, war der Hauptzweck
der Bewässerung Düngung und Melioration. Durch die Bewässerung von Kul-
turlandschaften fand eine positive chemische Veränderung der Bodeninhaltss-
toffe und somit Beeinflussung des Standorts statt. Diese Verbesserung wie-
derum erhielt und förderte die Biodiversität des jeweiligen Standorts. Der
Wert der Böden wurde erhöht und durch Kolmatierung, d.h. die Einbrin-
gung von feinen Sedimentstoffen wie Kies oder Sand, die Durchlässigkeit des
Bodengerüsts vermindert und somit vorher unnützes Land als Anbaufläche
gewonnen. Als Nebenfunktion diente im Winterhalbjahr die Bewässerung

47
als Bodenerwärmung und Frostschutz (siehe Kapitel 3.6.2.1). Weitere Ne-
benfunktionen waren Erosions- und Hochwasserschutz, die vorrangig durch
die damaligen baulichen Maßnahmen, welche die Naturgefahren dämpften,
funktionierten. Abschließend ist zu sagen das die traditionelle Bewässerung
und die damaligen Anpassungen an Witterungsextreme, nicht wie heute als
eine reine Wasserversorgung fungierten, sondern vielmehr als ganzheitliches
System verbunden mit der Natur (Leibundgut und Vonderstrass, 2016, 26).

3.6.2 Anpassungen bei Frost

Die Bewässerung von Flächen hilft nicht nur bei Hitze, sondern kann auch
Pflanzen, Blüten und Boden vor Minusgraden schützen. Im folgenden Kapitel
sind Anpassungen bei Minusgraden vorgestellt.

3.6.2.1 Abdeckung

Zu den frühesten Anpassungen zum Schutz von Frost gehört das einfache Ab-
decken der Kulturpflanzen mit Stroh, Stalldünger, Tüchern (Vlies) und/oder
Brettern. Aufgrund der abstrahlenden Wärme des Bodens wurden diese Ma-
terialien so bodennah wie möglich angebracht.

3.6.2.2 Räucherung

Diese Art des Frostschutzes zählt zu den ältesten Maßnahmen in diesem


Gebiet. Durch Verbrennen von nassem Holz oder ähnlichen Materialien, wird
versucht das fortschreitende Absinken der Temperatur zu Sonnenaufgang zu
reduzieren.

48
3.6.2.3 Bewässerung

Im Kapitel 3.6.2.1. wurde bereits die Anpassung an Hitze und Trockenheit


durch Bewässerung beschrieben. Wasser versorgt den Boden nicht nur mit
Feuchtigkeit und Nährstoffen, sondern schützt in kalten Tagen den Boden
mit seiner wärmenden Wirkung (Leibundgut und Vonderstrass, 2016a). Im
Zuge der traditionellen Bewässerung, die wie bereits erwähnt bis zirka Mitte
des 20. Jahrhunderts angewendet wurde, erfüllte Wasser die Funktion der
Bodenerwärmung. Dabei begann die Bewässerungszeit bereits im Spätwinter
und im Frühjahr. Das Ziel hierbei war vor allem den Schutz der Pflanze vor
anstehenden Frösten zu gewährleisten. Unterscheidet wird in der Praxis in
zwei Arten von Frostschutz. Aus historischer Sicht entwickelte sich zuerst
die sogenannte Vorwegbewässerung. Diese wurde bereits vor dem Frost ein-
gesetzt. Dabei wurde das Rieselverfahren eingesetzt (Leibundgut und Von-
derstrass, 2016a, 123ff). Dabei fließt das Wasser durch die Ackerfurchen in
einem leicht geneigten Gefälle. Durch die Temperatur des fließenden Was-
sers, welche deutlich über der Temperatur des ausgekühlten Bodens oder
der Luft liegt, entsteht eine Temperaturdifferenz, die es möglich macht den
Boden und die Vegetation kontinuierlich mit Wärme zu versorgen. Das Er-
gebnis dieser Bewässerung, die in vielen Teilen Europas bei strengen Wintern
und Spätfrösten angewendet wurde, ist der frühere Beginn der Wachstums-
phase und somit eine längere Vegetationsperiode (Leibundgut und Vonder-
strass, 2016a; Hanke, 1982). Ab den 1950er Jahren lässt sich eine weiter-
entwickelte Methode der Frostschutzbewässerung beobachten. Diese direkte
Möglichkeit beruht auf dem Prinzip des Beregnungsverfahren. Ab Lufttem-
peraturen von -0,5 ◦ C werden die Pflanzen dauerhaft mit kleinen Tröpfchen
beregnet. Dabei bildet sich um die frostempfindlichen Teile eine immer wei-
ter wachsende Schicht aus Frost. Bei der Frostbildung wird Wärme in Form

49
von Gefrierwärme frei, welche verhindert, dass die Temperatur innerhalb der
Eishülle nicht unter den Gefrierpunkt sinkt. Jedoch ist die Wirkung dieser
Art des Frostschutzes durch die vorherrschende Temperatur und Luftfeuch-
tigkeit begrenzt (Hanke, 1982).

3.6.3 Anpassungen bei Starkniederschlag

Bei der Betrachtung von Starkniederschlägen, ist wichtig zu betonen, dass


nicht jedes extreme Niederschlagsereignis eine Überschwemmung auslöst und
umgekehrt (Pfister 1999). Wichtig ist, dass in der Zeit, in der die Kirche noch
den Mittelpunkt der Gesellschaft bildete und entschied war richtig und falsch
ist, die Maßnahmen zum Schutz bei Starkniederschlägen und Überflutung
nicht, beziehungsweise nur in geringem Ausmaß praktiziert wurden. Begon-
nen hatte die Entwicklung der Anpassung an Niederschlags bezogene Witte-
rungsextreme mit dem Bauen von Deichen. Als Beispiel gehen hier die Regio-
nen an der Nordküste Deutschlands voran. Sowohl die Präsenz von Starknie-
derschlägen und Überschwemmung als auch das erfolgreiche Standhalten der
Deichbauten gegen die Wassermassen wurde unter religiösen Aspekten inter-
pretiert (Masius und Sprenger, s.a.). Mit der Entfernung der Kirche als wich-
tigsten Meinungsbildner, Beginn der Aufklärung und Entwicklung der Natur-
wissenschaften begann man die Baumaßnahmen zu technisieren. Man begann
mit dem Bewirtschaften der Brache während der Dreifelderwirtschaft und mit
dem Anlegen von Wiesen (Prass, 2016). Trotz der Anfänge in früheren Zei-
ten entwickelten sich erst im 20. Jahrhundert standhafte und praktizierbare
Anpassungstrategien. Pfister (1999) unterscheidet dabei in hochwasserver-
mindernden und abflussförderndern Maßnahmen. Bei ersten wurden Spei-
cherseen gebaut und flächendeckend aufgeforstet. Zu den abflussfördernden
Maßnahmen gehören das Urbanisieren und Mechanisieren der Landwirtschaft

50
um mehr Wasserabfluss zu bewirken (Pfister, 1999). Zusammen bilden diese
Maßnahmen die Grundlage für die heutigen Hochwasserschutzmaßnahmen.

3.7 Beispiele historischer Witterungsextreme des letz-


ten Jahrtausends

Platzhalter

3.7.1 Starkniederschlag

Es gibt viele Beispiele für Überschwemmungen und Hochwasser, zum Einen


kann ein großer Vulkanausbruch (siehe Kapitel 3.3.5) Starkniederschläge be-
einflussen, zum Anderen können beispielsweise Wetterlagen, die feuchte Luft-
massen aus dem Mittelmeerraum nach Zentraleuropa transportieren, dafür
verantwortlich sein (Sirocko, 2013). Im Jahr 1342 kam es zum sogenannten
Jahrtausendhochwasser, auch Magdalenenflut genannt. Es war vermutlich
eine der schlimmsten Flutwasserkatastrophen Mitteleuropas (Bauch, 2014).
Vom 2.-8. Juli gab es so starke Regenfälle, dass in zahlreichen Städten des
heutigen Deutschlands und dessen Umgebung, Brücken, Häuser, Stadtmauer
und Türme zerstört wurden. Aufgrund des langanhaltenden Niederschlags,
konnten die Böden kein Wasser mehr aufnehmen und führte zu starker Bo-
denerosion und Hangrutschen (Hermann und Kruse, 2010; Sirocko, 2013). Ne-
ben dem Starkniederschlag nennt Tetzlaff et al. (2001), das insgesamt feuchte
Jahr, den schneereichen Winter, die darauffolgend große Schneeschmelze und
das regenreiche Frühjahr als zusätzliche Indikatoren für das extreme Hoch-
wasser (Hermann und Kruse, 2010). Möglicherweise war auch die damalige
starke Entwaldung des Mittelgebirges und eine nachfolgende Bodenerosion
ebenfalls ausschlaggebend. Die spätere Landflucht der Kleinbauern in die

51
Städte und die dort verheerenden hygienischen Zustände, war eine Ursache
für die rasche Ausbreitung der Pest in Mitteleuropa (Sirocko, 2013). Ein wei-
teres Beispiel, ist der Starkregen im September 1890 in Mittelbünden, der
neun Tage anhielt. Der damalige Hochstand des Bodensees war fast aus-
schließlich dem Starkregen zuzuschreiben und entsprach dem Drei- bis Vier-
fachen heutiger gemessener Monatsmittel, welche seit diesem Datum nicht
mehr aufgezeichnet wurden. Schäden in über 130 Gemeinden war aufgrund
der Überschwemmungen und Erdbewegungen, die Folge (Pfister, 1999).

3.7.2 Hitze

Der Jahrhundertsommer 1949, in Deutschland auch Steppensommer genannt,


ist das bedeutendste Dürreereignis in diesen Jahrhundert. Betrachtet man die
Lufttemperatur im Sommer 1947, zeigt sich eine Abweichung von 2-4◦ C, im
Zeitraum April bis Oktober, über das Jahresmittel von 1901-1960. Diese star-
ke und anhaltende Hitze führte zu der Verringerung der Abflussmengen von
Flüssen und Reduktion der Wasserinhalte von Speicherseen. Des weiteren
mangelte es für die Viehzucht an Futtermittel, da es nicht ausreichend Gras
für die Grünfütterung gab. Man musste bereits frühzeitig mit der Fütterung
von Heu beginnen. Die Dürre brachte folglich auch starke Ernteverluste bei
Getreide und verschiedenen Kartoffelsorten. Im Gegensatz zu diesen Kul-
turpflanzen profitierte der Wein von den Witterungsverhältnissen (Pfister,
1999).

3.7.3 Frost

Platzhaltertext in diesem Kapitel

https://de.wikipedia.org/wiki/Winter 1962/63 in Europa

52
1964 Der Frost führte im Winter beim Wein zu keinen Schädigungen. Am
16. März begann es um Mitternacht zu schneien, und innerhalb von 7 Stun-
den fielen 45 cm Schnee. Der Verkehr war stillgelegt. Es dauerte eine ganze
Woche, bis der Schnee schmolz. Die Blüte verlief günstig, der Traubenansatz
war überdurchschnittlich gut und ließ bereits eine große Ernte erwarten. In
diesem Jahr wurde die bisher größte Weinernte Österreichs ein- gebracht.
Trotz der großen Menge waren die Weine sehr gut und haltbar.

53
4. Ergebnisse und Diskussion

Neben der Temperatur als Einflussfaktor auf die Produktivität sind auch das
Management der Landnutzung, technologische, politische und ökonomische
Rahmenbedingungen für Änderungen in den Erträgen verantwortlich.
Österreich ist von einer zunehmenden Versalzung der Böden bis auf die Ge-
biete rund um den Neusiedlersee nicht stark betroffen (Eitzinger et al. 2009,
125). Um dem Problem der künstlichen Versalzung zu begegnen, sollte trotz-
dem bei einer künstlichen Bewässerung auf den Salzgehalt des Wassers ge-
achtet werden.
Au-Abbau org. Substanz: Diese Änderungen können zu einem höheren An-
teil an Kohlenstoff in der Atmosphäre führen und damit die Klimaerwärmung
weiter verstärken.
Die Klimaerwärmung bewirkt nach derzeitigen Prognosen eine Verschiebung
der Starkniederschläge in Mitteleuropa in den Winter (Eitzinger et al. 2009,
23). Auch in Österreich kann dies zu einer verstärkten Auswaschung von
Nährstoffen führen.
Angesichts der Klimaerwärmung mit den häufiger auftretenden Extremer-
eignissen müssen Anpassungen an Starkniederschläge und Stürme getrof-
fen werden um die Erosion so gering wie möglich zu halten. Der Verlust
an Flächen durch Erosion kann durch eine kleinflächige, vielfältig genutzte
Landnutzung, mit unterschiedlich gut erosionsgeschützten Flächen stark ver-
mindert werden. Zusätzlich zu den Einflüssen auf die Pflanzen ist die Gefahr

54
der Bodenerosion gegeben. Dies kann die Fruchtbarkeit und Produktivität
des Standorts auf lange Sicht schädigen und bedingt für weitere Wachstums-
zyklen einen verminderten Ertrag.

55
5. Schlussfolgerung und Ausblick

Platzhalter

56
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