Sie sind auf Seite 1von 21

Duncker & Humblot GmbH

Heidegger und das Politische: Zum „Rechtsphilosophien“-Seminar


Author(s): Peter Trawny
Source: Heidegger Studies, Vol. 28, National Socialism Issue in Hermeneutic
Phenomenological Perspective - Reflections on Pindar, Aristotle and Meister Eckhart
(2012), pp. 47-66
Published by: Duncker & Humblot GmbH
Stable URL: https://www.jstor.org/stable/45013268
Accessed: 07-05-2020 21:30 UTC

JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide
range of content in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and
facilitate new forms of scholarship. For more information about JSTOR, please contact support@jstor.org.

Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of the Terms & Conditions of Use, available at
https://about.jstor.org/terms

Duncker & Humblot GmbH is collaborating with JSTOR to digitize, preserve and extend
access to Heidegger Studies

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische

Zum „Rechtsphilosophien-Seminar

Peter Trawny

I. Einleitung. Zum philosophischen Kontext


des „Rechtsphilosophien-Seminars

Hegels „Leitfaden zu den Vorlesungen [...] über die Philosophie des Rechts ul
ist nicht nur der einzige Text aus dem Kanon der politischen Philosophie, den Hei-
degger zur Grundlage einer Lehrveranstaltung gemacht hat. Es ist sogar der ein-
zige Text politischer Philosophie überhaupt, der im Gesamtwerk berücksichtigt
wurde.2 Das wirft ein besonderes Licht auf das Manuskript jener Übung, die Hei-
degger „für Anfänger "3 im Wintersemester 1934/35 an der Freiburger Universität
abgehalten hat.

Der Anlass, ein solches Seminar zu veranstalten, liegt allem Anschein nach auf
der Hand. Heidegger hatte sich 1933 als Nationalsozialist zu erkennen gegeben. So
ist das Seminar als „Kronzeugnis" dieser politischen Gesinnung gedeutet worden.4
Und doch trat der Philosoph 1934 vom Rektorat jener Universität, d.h. von der

1 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts. Auf der
Grundlage der Werke von 1832-1845 neu edierte Ausgabe hrsg. von Eva Moldenhauer
und Karl Markus Michel. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1971, p. 1 1.
2 Aus Piatons „Politeia" hat Heidegger lediglich das „Höhlengleichnis" ausfuhrlicher
behandelt, aus der „Politeia" des Aristoteles im Grunde nur die Passage über das Çcoov
Xóyov Exov.
3 Martin Heidegger, Seminare Hegel - Schelling (GA 86), p. 95. Auf das Seminar wur-
de zuerst von Jeffrey Andrew Barash im letzten Jahrzehnt des Zwanzigsten Jahrhunderts
hingewiesen in seinem Aufsatz „Martin Heidegger in the Perspective of the 20th Centu-
ry". In: Journal of Modern History , 64, Nr. 1, 1992, pp. 52-78. Barash und der im Weite-
ren häufiger genannte Emmanuel Faye kannten das Manuskript der Übung nicht. Alles,
was sie sagen, bezieht sich auf die Mitschriften entweder von Wilhelm Hallwachs oder
Siegfried Bröse.
4 Diesem Anschein folgt vor allem Emmanuel Faye, Heidegger. Die Einfuhrung des
Nationalsozialismus in die Philosophie. Im Umkreis der unveröffentlichten Seminare zwi-
schen 1933 und 1935. Berlin: Matthes & Seitz, 2009, pp. 279-319. Vgl. dazu Heidegger à
plus forte raison. Paris: Librairie Arthème Fayard, 2007. Um Fayes Text gerecht zu wer-
den, ist es unverzichtbar, den ersten Absatz der Vorbemerkung zur Kenntnis zu nehmen.
Dort konstatiert er, dass eine „Schlacht", „langwieriger und unterschwelliger" als ein
„Weltkrieg", stattfinde, „bei der die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht" (11).

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
48 Peter Trawny

institutionellen Organisation dieser


selbst, zurück.5 Nach eigenem Bekunde
vorgegebenen Parteilinie entfernt: „Sei
sität insofern, als ich mich um die , Vo
das Nötigste der Lehrverpflichtung n
Da ist es bemerkenswert, dass Heidegg
nar mit einer deutlich politischen Stoßr

Im selben Semester hielt Heidegger


„Germanien" und „Der Rhein". Die Di
Verwindung der Metaphysik erschien
das Seminar Bezug. Die „Wirklichkei
Hegel „der Staat, und dieser kann nur
endlichen Kraft des unendlichen Geiste
könne so nur denken, weil seine Philo
derholenden Vollzug der Urgedanken
„die ganze inzwischen abgelaufene Ge
Denkens einbegriffen und in seinen w
weise sind bedeutsam. Hegel selber ha
gebe, „den ich nicht in meine Logik a
Ortung seines Denkens wird im Sem
abendländischen Philosophie" (95). He
philosophie"-Seminar sehr anwesend ist

Jedenfalls lenkte Heidegger im Wint


„Staat". Dass er zur selben Zeit über d
diese Entscheidung zu bestätigen. In
Beginn von „unserem Vaterland Germ
gen der Eile des Alltags und dem Lär
daher Schwerste, das Letzte, weil i
Ursprung". (4) Gewiss, das „Väterland
diesen hinaus. Es ist, zumal für Hölde

Und inmitten dieser „Schlacht" die „Ges


Nationalsozialismus im Denken" (14) verb
5 Vgl. Heideggers Brief an Kurt Bauch
Bauch, Briefwechsel 1932-1975. Hrsg. von
Alber Verlag, 2010, p. 17-18. Die Loslösun
philosophisch gestaltet werden könnte, g
die offizielle Politik einen solchen Umbruch nicht erstrebte.
6 Martin Heidegger, „Tatsachen und Gedanken". In: Reden und andere Zeugnisse eines
Lehensweges (GA 16), p. 389.
7 Martin Heidegger, Hölderlins Hymen „ Germanien mt und „Der Rhein " (GA 39),
p. 133.
8 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie I.
Werke 18 , p. 320.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 49

Heidegger das „Volk" dieses „Vaterlandes" der Verfassung in e


fen. So gesehen wären die Hölderlin- Vorlesung und das Hege
der abgestimmt.

Wäre also keiner weiteren Frage mehr bedürftig, dass Heide


35 sein in der Rektorats-Rede dargestelltes politisches Progr
tung der Universität fortgesetzt hätte, dann könnte diese Fo
menspiel von Hegel-Seminar und Hölderlin- Vorlesung ausg
dem widerspricht die Vorlesung aus dem Sommersemester 19
frage der Philosophie". Dabei kann sie dazu dienen, Heidegger
den Nationalsozialismus zu belegen. So heißt es bereits ganz
deutsche Volk im Ganzen kommt zu sich selbst, d.h. findet
dieser Führung schafft das zu sich selbst gekommene Volk se
aus läge ein Übergang zu Hegels „Rechtsphilosophie" bzw. zu
über den Staat nahe. Doch die Vorlesung nimmt einen Verlau
griff"10 der Auslegung durchkreuzt.

Denn unmittelbar nach den Eröftnungssätzen kommt Heideg


chen, dass die „Grundfrage der Philosophie" nur „mit ihrem
(GA 36/37, 5) werden könne. Über den „Anfang der abendl
phie" hatte Heidegger im Sommersemester 1932 gelesen. In di
im Rahmen einer Anaximander- und Parmenides-Auslegung
Unterscheidung zwischen einem „ersten Anfang" und einem
„Künftige vielleicht wieder [...] anfangen können"11, dargest
anders als in der Vorlesung aus dem Sommer 1933, keine di
Bezugnahmen. In ihr spinnt Heidegger jedoch den Faden weit
noch und besteht als ferne Verfugung , die unserem abendländi
vorausgreift und das deutsche Geschick an sich kettet."
„Anfang" wird politisiert und auf die aktuelle historische L
Hegel ist nicht der Philosoph des „Anfangs". Sein Denken, so
lesung, sei „einmal nach rückwärts die Vollendung der Geschi
schen Philosophie". „Nach vorwärts" sei sie „unmittelbar und
gang für die Gegnerschaft" (15) Kierkegaards und Nietzsches.

Demgemäß sei die „Grundfrage der Philosophie" in der gesc


tion „unseres geistig volklichen Schicksals" (14) nicht einfach
Hegel 'scher Gedanken zu finden, sondern in einer „ geschich
setzung" mit ihnen. Mit anderen Worten: wenn es schon um

9 Martin Heidegger, Sein und Wahrheit (GA 36/37), p. 3.


10 Vgl. GA 16, p. 200 oder grundlegender Martin Heidegger, Ph
terpretationen zu Aristoteles. Einführung in die phänomenologisch
p. 62.
11 Martin Heidegger, Der Anfang der abendländischen Philosophie. Auslegung des
Anaximander und Parmenides (GA 35), erscheint 201 1 .

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
50 Peter Trawny

geschichtlichen Aufbruch gehe, dann


in einer „Auseinandersetzung", die ihn

Die „Vollendung der Geschichte der


hebt Heidegger in der Vorlesung vom
der abendländischen, insbesondere de
handelt sich um die „christlich-gläub
sche". Hegels Denken nimmt diese bei
in ihrer vollendeten Form: ,J~fegels Me
Heideggers entschiedenes Resümee. D
phie sei eine „Theo-Logik", ein Denke
tische Vernunft in einem systematis
Ungefähr zwanzig Jahre später wird H
logische Verfassimg der Metaphysik" e

In derselben Vorlesung findet sich a


phie. Der Philosoph habe Heidelber
Staatsphilosophie fertig sei" (19). Er h
Dozieren habe er keinen Geschmack
einen höchst merkwürdigen Einfluß a
auf zwei Briefe, die Hegel am selben
engeren Senat der Universität Heidelb
rium adressierte. In beiden Briefen s
Hegel gibt lediglich der Hoffnung Ausd
und gebraucht werden zu können".

Was den „merkwürdigen Einfluß auf


degger wahrscheinlich an Hegels Verh
stein, den in den Verhandlungen für

12 Was übrigens Hegel unter „Metaphys


Ausarbeitung der „Philosophie des Geist
„Die Philosophie des Geistes kann weder e
den Begriff des Geistes in seiner immanen
einem System seiner Tätigkeit zu betrach
Schriften 1818-1831. Werke 77, p. 524.
entgegengesetzt und bleibt daher einseitig
diesen Gegensatz nicht anerkennen.
13 Faye schreibt dazu: „Er benutzt sie [di
den Zwecken, denn auf dem Spiel steht
und völkischen Staates im Zeichen des Na
Philosophie vor den nationalsozialistischen
hauptet, dass in Hegel die gesamte abendl
degger , p. 283 Diese Deutung missversteh
rakters der Hegel'schen Philosophie. Vgl.
Verfassung der Metaphysik". In: Identität
14 Vgl. Briefe von und an Hegel . Hrsg.
Hamburg: Felix Meiner Verlag, 3/1969, B

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 5 1

verantwortlichen Minister. In diesem Kontext ist Hegels akadem


als ein Vorgriff auf die restaurativen Karlsbader Beschlüsse (1
worden. Hegels in der Rechtsphilosophie angesetzten polemis
über Jakob Friedrich Fries, der 1817 auf dem als revolutionär
Wartburgfest eine Rede gehalten hatte, konnte in diese Rich
werden. In Wirklichkeit waren die Gründe für Hegels Wechsel
dings eher wissenschaftlicher Natur. Dass der Philosoph dann a
Rolle spielen sollte, war nicht vorauszusehen.15
Heidegger selber hatte 1930 und 1933 zwei Rufe nach Berlin
München abgelehnt. Sie hätten ihm institutionell ganz andere p
keiten geboten. In Bezug auf München erwähnt er in einem Brief
an Elisabeth Blochmann die Möglichkeit, „an Hitler heranzuk
Anders als Hegel ist Heidegger dem Ruf in die „Hauptstadt" n
wollte seine politischen Absichten vom übersichtlichen Freibur
chen. Doch all das fand vor der Niederlegung aller institutionel
Pläne im Rektorat statt. Im Winter 1934/35 hatte Heidegger kein
tischen Mittel mehr, „Einfluß auf die Staatsgesinnung" zu nehme

Im Sommer 1933, inmitten der Zeit des Rektorats also, hatte


Denken als die „Vollendung der Geschichte der abendländischen
so als „Theo-Logik" charakterisiert, während er den „Anfang d
Philosophie" nachgerade beschwor. Jene Worte über Hegels „m
fluß auf die Staatsgesinnung" klingen nicht negativ, aber zweid
schließen, dass Heidegger im Seminar aus dem Winter 1934/3
Aktualisierung von Hegels Rechtsphilosophie anstrebte. Der „Vo
Tat ein anderer. In einer Aufzeichnung mit der Überschrift „H
stellt Heidegger klar, dass der Text „weder künstlich zurecht[zu]b
unwissendem Geschimpfe zurück[zu]weisen" sei. Vielmehr ge
aus" um eine „Überwindung". Diese bestehe in einer „Auseina
Antike - Christentum", eben mit Hegels Denken als der Einheit
Mathematik, und einem „Vorgriff in die Zukunft"18.

Heidegger hat in dieser Zeit das Thema von „Anfang" und „Ü


der Wendung vom „Aufhören mit ,der Philosophie4"19 in Ver

15 Vgl. Hegel in Berlin. Preußische Kulturpolitik und idealistische Ä


Todestag des Philosophen. Hrsg. von Otto Pöggeler. Berlin: Staatsbib
Kulturbesitz, 1981, p. 33-36.
16 Martin Heidegger/Elisabeth Blochmann, Briefwechsel 1918-196
chim W. Storck. Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft, 2
17 Faye meint: „Heidegger scheint sich [. . .J in der Tat mit Hegel z
Heidegger , p. 281. Eine solche Interpretation streicht jegliche herme
tät durch. Wie hätte sich Heidegger mit einem Philosophen „identifiz
sen Denken er gerade noch als „Theo-Logik" bezeichnet hatte?
is GA 86, p. 1 12.
19 GA 36/37, pp. 274-275 sowie auch GA 35.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
52 Peter Trawny

Der „Wille zur Ursprünglichkeit, zur


fachung , zum Ab-bau" seien „alles V
Heidegger das „Aufhören" auch als „A
„Um- und Hinwenden" zum Urspru
einer von vielen Versuchen, den Geda
Begründung der Philosophie zu fassen

Gewiss, damit ist geklärt, was Heid


Auslegungen bezweckte. Es ging eben
in sich erstarrten Philosophie - und n
Programms. Nicht geklärt aber ist da
ausgerechnet Hegels politische Philoso
dem Text der „Rechtsphilosophie" zuw
sein Projekt einer Überwindung der a
konkreten politischen Situation zu ve
nationalsozialistischen Staates sah He
Wende im Ganzen, nicht nur eine
„Revolution der Gesinnungen und V
Dieser Aspekt der politischen Situatio

Darum war er auch bereit, auf bestim


er aufmerksam den Ende 1932 erschi
„Der Arbeiter", um im November 19
„deutschen Studenten als Arbeiter"20
degger in jener Zeit in Jüngers wort
möglichkeit. Eine andere unmittelbar
Carl Schmitts. Im Jahre 1933 war der
Dreigliederung der politischen Einhei
ken gegeben, dass „an diesem 30. Jan
Jahrhunderts" „durch eine andere Sta
rhetorisch setzt er hinzu: „An diesem
, Hegel gestorben4." Freilich wird sog
das große Werk des deutschen Staats
Mehr noch: „Was an Hegels mächtige
ist, bleibt auch in der neuen Gestalt w
noch in der Neuauflage des „Begriffs

20 GA 16, pp. 198-208. Vgl. dazu auch


Ernst Jüngers Bedeutung für Martin H
Heidegger-Jahrbuch 5. Heidegger und der
pp. 209-234.
21 Carl Schmitt, Staat, Bewegung, Volk. Die Dreigliederung der politischen Einheit.
Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt, 1933, p. 32.
22 Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen. Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt, 3/
1933, pp. 43-44: „Trotzdem bleibt Hegel überall im größten Sinne politisch.44 Vgl. Rein-

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 53

Heidegger hörte vor allem die Worte vom Tode Hegels: „Am
gestorben' - nein! er hat noch gar nicht , gelebt'! - da ist er ers
- so wie Geschichte eben lebendig wird bzw. stirbt."23 Wenn
philosophisch als Metaphysik des Beamtenstaates" nehme, d
unsinnig". Eine bloße „Erneuerung" der Hegel'schen Rechtsp
unmöglich. So antwortet Heidegger auf Schmitts rhetorische
noch mehr gewesen sein in Schmitts Schrift, das den Philoso
Allein die schon im Titel genannte „Dreigliederung der poli
Staat, Partei und Volk hat zu denken gegeben. Auch berührt das
die „grundlegende Bedeutung des Führergedankens"24 schreib
politische Themata.

Damit wäre in der Auslegung von Heideggers „Rechtsphilo


eine These aufgeschlagen. Heideggers Hegel-Auslegung war im
dem hermeneutischen „Vorgriff" bestimmt, in der „Ausein
Hegel eine „Überwindung" der „abendländischen Philosophie
Besonderen aber verknüpfte er diesen „Vorgriff" mit der ko
Situation, was sich mithin in der Auswahl des Textes, in der Au
„Rechtsphilosophie" niederschlägt. Deshalb könnte sich für H
nahegelegt haben, seine Hölderlin- Vorlesung mit der Interpr
zu begleiten. Außerdem konnte er sich durch Jünger und noch
herausgefordert fühlen, auf die konkrete politische Situation
gehen. Auch dazu bot sich eine Auslegung von Hegels politisc
Ja, im Grunde bot es sich an, im Durchgang durch diese Aus
Position im politisch-philosophischen Diskurs des beginnend
mus aufzubauen.

Zu dieser Vermutung gibt es einen Anlass. Am Ende des Seminar-Manuskripts


befinden sich Ausführungen, die der Philosoph unter der Überschrift „Grundsätz-
liches zur Staatslehre" bündelte. Diese Aufzeichnungen gehen über die reine
Hegel-Interpretation hinaus. Sie scheinen einen eigenen Ansatz zur politischen
Philosophie bzw. zur Philosophie des Politischen darzustellen. Hegels „Rechtsphi-
losophie" bot also jenen Ausgangspunkt, von dem aus Heidegger sich konkret
nicht nur auf Schmitt einlassen konnte. Vielmehr zeigen diese Notizen, inwiefern
Heidegger u. a. in einer Transformation daseinsanalytischer Begriffe die politische
Dimension jener Zeit philosophisch zu erobern versuchte. Eine Betrachtung von
Heideggers Hegel-Seminar im Winter 1934/35 muss diese Aufzeichnungen beson-
ders berücksichtigen.

hard Mehring, Pathetisches Denken. Carl Schmitts Denkweg am Leitfaden Hegels. Berlin:
Duncker & Humblot, 1989.
23 GA 86, p. 85.
24 Schmitt, Staat, Bewegung, Volk , p. 36.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
54 Peter Trawny

Wenn hier von einer Philosophie de


darauf hingewiesen werden, dass dies
wieder angesteuert wird. Hegel kennt
Karriere des Begriffs ist ohne Zweife
, jetzt plötzlich überall das »Politisch
1942, während Schmitts „Begriff de
schen hat der Begriff des Politischen i
Philosophie neue Denkräume eröffnet.2

Mit dieser Vorklärung und jener Int


hensweise verdeutlicht. Der nächste S
Seminars verständigen. Dann wird au
sophie des Politischen in Auseinander
sein. Schließlich wird gezeigt, inwie
noch einmal auf die Frage nach dem
Position aus dem Winter 1934/35 hinter sich lässt.

Der vorliegende Aufsatz will vorzüglich keine historische Detallierung einer


ohnehin bereits historisch sehr detailliert erforschten Phase von Heideggers
Denken liefern.27 Er soll im Verlauf einer philosophischen Rekonstruktion einen
Zugang zum Verständnis des „Rechtsphilosophie"-Seminars öffnen.

II. Inhalt und Verlauf des Seminars

Heideggers Interpretation von Hegels „Rechtsphilosophie" ist ein in acht Sitzun-


gen abgehaltenes Seminar „fär Anfänger". In dieser Bestimmung verbindet sich
eine didaktisch-akademische Absicht mit einer didaktisch-politischen. Die didak-
tisch-akademische Absicht dient der Einfuhrung in Hegels Denken überhaupt, die
didaktisch-politische der philosophischen Vorbereitung auf die neue geschichtliche
Situation. Die didaktisch-akademische Einstellung wiederum hat vorbereitenden
Charakter für die didaktisch-politische. Hat die Philosophie eine besondere Didak-
tik, so kann diese nur in der Einheit des Akademischen und Politischen bestehen.28

Für das Seminar werde „nichts vorausgesetzt". ,,/Vn7aso/?/uekenntnisse", die


„irgendwoher angelesen und aufgeschnappt" worden seien, seien „zuhause [zu]
lassen". „Positiv" sei „der Wille zu einem echten Wissen" mitzubringen. Diesen
„Willen" möchte Heidegger auf eine „Philosophische Besinnung [. . .] vom Staat"

25 Martin Heidegger, Hölderlins Hymne „Der Ister" (GA 53), p. 98.


26 Vgl. Oliver Marchart, Die politische Differenz. Berlin: Suhrkamp Verlag, 2010.
27 Zuletzt Holger Zaborowski, Eine Frage von Irre und Schuld? Martin Heidegger und
der Nationalsozialismus. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2010.
28 Heidegger hat nie gemeint, man brauche Studenten und Studentinnen der Philoso-
phie bloß akademisch, d.h. nur wissenschaftlich zu belehren. Vgl. Martin Heidegger, Ein-
leitung in die Philosophie (GA 27).

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 55

lenken. Das sei zwar ein reichlich Veraltetes Unternehmen"


dem „Glauben, daß unser Volk auch noch nach 50 Jahren d
, »Anfänger" soll demnach alles Vorwissen ablegen, um in ein
schen Situation die „Grundfrage nach dem Staat: wohin - wo
an neu und anders zu stellen. Es geht also nicht um die akade
von „Erstsemestlern", sondern um „die Züchtung für die Zu
tung" meint dabei „Erziehimg", von der Heidegger behaupt
stets „»politisch'" sei, „d.h. das Dasein des Staates mitgründ
und erhaltend". Zu erziehen nämlich sei „das Volk zum Staa
wird es Volk" (177). Das „Politische" aber sei »jene ursprüngli
Gesinnung entspringen lassende Einheit" (176). Ich werde dara

Der Verbindung des didaktisch-akademischen und -politische


Seminarorientierung entsprach in den ersten Jahren nach 1933
tümliche akademische Situation. Jedenfalls dokumentiert nicht nur das erste Proto-
koll des Seminars „Über Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat" aus
dem Wintersemester 1933/34, inwiefern das Eindringen politischer Gesichts-
punkte in den Seminaren daselbst eine besondere Atmosphäre erzeugte.30 Im
Seminar über Hegels Rechtsphilosophie hatte sich Heidegger auf diese Situation
vorbereitet. So wird ganz grundsätzlich die Frage gestellt, ob „wir" die Philosophie
überhaupt „brauchen" (108-109), wobei Heidegger anscheinend die Studenten mit
einem Hinweis auf die Nutzlosigkeit des Philosophie-Studiums zu provozieren ver-
suchte: „Sie lernen praktisch hier nichts!" (560), soll der Philosoph betont haben.
Es wäre falsch, zu behaupten, Heidegger hätte sich besonders in den Jahren 1933/
34 für den Status des philosophischen Anfängers interessiert. Spätere Aufzeich-
nungen zum Wesen des Seminars überhaupt (498-499) bezeugen ein beständigeres
Interesse. Und doch scheint in der Engfuhrung des Akademischen und Politischen
die Didaktik vor einer spezifischen Herausforderung gestanden zu haben.

Heidegger versichert sich seiner Auslegungsvoraussetzungen, indem er hinsicht-


lich des Textes der „Rechtsphilosophie" von einem „Befremden" (147) spricht. Die
Situation ist die, dass einerseits bei Hegel „alle »Begriffe' anders" sind und „wir"
„diese Sonderbarkeiten des Philosophen mitmachen" müssen, andererseits aber
„vielleicht unsere Tagesbegriffe nichtig und höchst sonderbar in ihrer Beliebig-
keit " seien, während Hegel „wahrhaft in der großen Geschichte steht". Die Alter-
native ist didaktisch insofern, als für Heidegger Hegel in der Tat zur „großen
Geschichte" gehört. Denn in seinem Denken erlangt die abendländische Philoso-
phie ihr Ende.31

29 GA 86, p. 1 15.
30 Vgl. „»Über Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat'. Übung aus dem
Wintersemester 1933/34". In: Heidegger-Jahrbuch 4. Heidegger und der Nationalsozialis-
mus. Dokumente ., 2009, pp. 53-88.
31 Dass mit Hegels Philosophie ein Ende erreicht wird, ist nicht nur ein Gedanke Hei-
deggers. Vgl. Alexandre Kojève, Hegel Eine Vergegenwärtigung seines Denkens. Hrsg.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
56 Peter Trawny

Den thematischen Kern des Seminar


dere die Reihe der §§ 257-268 besp
Bestimmung des Staates im Dritten A
Ganzen die „Sittlichkeit" entwickelt.
bestimmt, ist die Hauptfrage. Freilic
Bestimmung der „Familie" und der „B
sichtlich der Bedeutung des „Kampf
haupt festgestellt werden, dass Heide
men der Anerkennung aufmerksam b
transformieren vermag. Auch das Verh
den Seminar-Aufzeichnungen reflek
zeigen, ohne in der Veranstaltung ge
der „Rechtsphilosophie über das „abs
„Eigentums" wird dagegen kaum in B
betrifft, bezieht sich Heidegger ledig
schen Verbundenheit von Vernunft und Wirklichkeit.

Der Verlauf der Seminarübungen, der ein Echo der konkreten politischen Situa-
tion enthält, orientiert sich zum allergrößten Teil an der didaktisch-akademischen
Lehre. Er gestaltet sich in weiten Teilen als eine Einführung in das Denken Hegels.
Heidegger legt viel Wert auf die Erläuterung der Methode dieses Denkens, der
„Dialektik", und der ihr innewohnenden Bedeutung der „Negativität". In der
zweiten Sitzung tritt eine Erörterung des Begriffs der „Aufhebung" sowie des
„Systems" hinzu. Sie wird in der dritten historisch vertieft.32 Zugleich diskutiert
Heidegger Hegels Verständnis der „Freiheit" und der „Anerkennung". Die fünfte
Übung führt tiefer in den Aufbau der „Grundlinien der Philosophie des Rechts"
hinein, um zuletzt die im § 257 explizierte Auffassung des Staates zu erreichen. In
der sechsten und siebenten Sitzung widmet sich Heidegger der bereits erwähnten
Reihe der §§ 257 bis 268. Zu ihr gehört u.a. die Bestimmung des Staates als eines
„Organismus4". Die achte und letzte Sitzung stellt eine Problematisierung des
Begriffs des Politischen (607) dar.

Allein in dieser Sitzung mag betont worden sein, dass Hegels politische Philo-
sophie nicht als Vorbild verstanden werden sollte. Schmitts Auslegung des Poli-
tischen als Verhältnis von Freund und Feind wird als nicht ursprünglich genug

von Iring Fetscher. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1975, p. 158: „Das besagt, daß
Hegels Rede alle Möglichkeiten des Denkens erschöpft. Man kann ihr keine Rede entge-
gensetzen, die nicht schon in der seinen enthalten wäre, die nicht in einem Paragraphen
des Systems als Moment des Ganzen enthalten wäre." Kojève geht sogar noch weiter als
Heidegger, indem er in Hegels Denken das Ende der Geschichte betrachtet. Das gilt für
Heidegger nicht, der überall über einem „anderen Anfang" der Geschichte nachdenkt.
32 Faye spricht von einem „Debakel der ersten drei Sitzungen, in denen sich Heidegger
in allgemeine Erörterungen verstrickt, die den Widerspruch der Studenten herausfordern".
Heidegger, p. 280. Im vorliegenden Textmaterial gibt es nichts, das eine solche Auslegung
bestätigen könnte.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 57

zurückgewiesen. Hegels Bestimmung des Verhältnisses von


wird angesprochen. So wie Heidegger vorher bereits Hegels
Rousseau'schen Verständnisses der volonté générale eher flüchti
muliert er zuletzt im Kontext einer Darlegung von Hegels Verst
einen negativen Hinweis auf Marx, um mehr oder weniger un
staltung zu beenden. Weder Mitschrift noch Protokoll der S
Anzeichen dieses Vorgangs. Es gibt aber keinen Anlass zur
weitere, nicht protokollierte Sitzung stattgefunden hat.
Den besonderen Charakter des Seminars unterstreicht Erik Wolfs Teilnahme an
der vierten Sitzung, in der er einfuhrende Überlegungen zum „Recht im Sinne der
Juristen" (580) beisteuert. Heidegger hatte Wolf im Herbst 1933 zum Dekan der
Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ernannt. Im März 1934 trat er
gemeinsam mit seinem Rektor zurück. Auch fur Wolf lag kein Grund vor, begeis-
tert für die Nazi-Ideologie einzutreten. So besteht sein Anteil am Seminar darin,
einen juristischen Rechtsbegriff zu skizzieren. Sachlich erläutert er knapp das Ver-
hältnis zwischen „Gesetz" und „Recht" (582) und differenziert das „ positive " vom
„ zweckmäßigen " und „ gerechten Recht" (583). Sodann gibt er einen Überblick
über die „drei Arten von Rechtstheorie ", der „Rechtsdogmatik' ', der „allgemeinen
Rechtslehre " und der „Rechtsphilosophie" . Im Allgemeinen sei die Frage zu stel-
len, „ob von unserem Recht die Rede" sei; eine Frage, die ambivalent klingt.

Der Aktualitätsbezug des Seminars dokumentiert sich z. B. in einer Aufzeich-


nung zur „Verfassung des nationalsozialistischen Staates", in der Heidegger ihren
„Beginn", „Anfang", „Grund" und „Ur-sprung" (74-75) differenziert, ohne aller-
dings diese Unterscheidung weiter zu erläutern. Es ging ihm darum, die „Entgrün-
dung des bisherigen und Begründung des Neues Staates" in den Blick zu nehmen.
Dazu notierte er sich die Titel des Ermächtigungsgesetzes „ zur Behebung der Not
von Staat und Volk " vom März 1933, des „Reichsstatthaltergesetzes 7. April 1933 "
sowie des „Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat", Gesetze, auf
die auch Schmitt in seinen damaligen Veröffentlichungen Bezug nahm. Anschei-
nend sah er in diesen Gesetzen eine „gründende" Funktion für den faktisch existie-
renden neuen Staat.

Diese Zusammenfassung des Inhalts und Verlaufs des Seminars ist zwar notwen-
dig unvollständig, doch sie deutet seinen eigentümlichen Charakter an. Es soll all-
gemein in Hegels Denken einführen, um in der Hinwendung zur Philosophie des
Rechts auch gleich über Hegel hinauszuführen. Die Engführung der philosophi-
schen und politischen Hinsicht bestätigt sich in der Verbindung des didaktisch-
akademischen und didaktisch-politischen Seminarstils. Doch das Ziel einer Über-
windung des die gesamte abendländische Philosophie in sich versammelnden
Hegel'schen Denkens wird kaum betont.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
58 Peter Trawny

III. Schwerpunkte der Auslegun

Heidegger hat den Aufzeichnungen z


„Grundsätzliches zur Staatslehre" zur
selbst kaum etwas verlauten lassen. Sie
matisch angelegt, s zuweilen beziehen
ganz eigenständigen Charakter. Es k
Notizen verschiedene Fragen zum Poli
stellten, bündeln und so vielleicht ei
politischen Philosophie.

Der Philosoph spricht jedoch nich


Fragen" (72)33. Das „Metapolitische" is
hältnis zum Politischen und zur Polit
Politik strukturiert, ohne als solches in
sche" das zu sein, was noch hinter ode
So gesehen wäre das „Metapolitische"
Politische bedingt. Freilich hat Heideg
weiter entfaltet. Doch selbst wenn er i
zu stellen sein, ob sich der Philosoph
das Politische interessierte.

In den Aufzeichnungen lassen sich verschiedene Leitmotive isolieren. Eines ist


der Versuch, von Hegel ausgehend, ihn überwindend, eigene Ideen zur politischen
Philosophie zu formulieren. Auf die Wichtigkeit des Geist-Begriffs jenseits von
Hegels systematischem Aufriss wurde schon hingewiesen. Ein anderes Leitmotiv
ist die Auseinandersetzung mit Carl Schmitt, die sich nicht nur auf die Frage nach
der Freund-Feind-Relation beschränkt. Schließlich hat Heidegger wie auch in Vor-
lesungen vom Beginn der dreißiger Jahre bestimmte Begriffe, die seit „Sein und
Zeit" sein Denken beanspruchen (z. B. „Dasein" und „Sorge"), in den Kontext des
Politischen einzuführen versucht. Diese Leitmotive treten nicht einfach differen-
ziert auf, sondern verflechten sich vielfach.

Für Heidegger ist Hegels Auffassung des Staates nur vom Begriff des Geistes
her zu fassen. Der unendliche Geist ' " sei „anfängliche Einigung tm, d.h. „| Bewe-
gung I Konkrete Freiheit - Rückkehr - erwirkende - sich entfaltende Selbstbehaup-
tung " (173). Wenn aber der Geist „anfängliche Einigimg" ist, liegt es nahe, dem
Staat in seiner einigenden Funktion eine prägende Bedeutung für die Auffassung
des Geistes zu konzedieren. So behauptet Heidegger auch, dass „Hegel von früh an
den Geist vom Staat aus - als Sittlichkeit" (143) gedacht habe. Geist und Staat
befinden sich demnach in einem hermeneutischen Zirkel; was Staat ist, ist nur
vom Geist, was Geist vom Staat aus zu verstehen.

33 Vgl. auch GA 36/37, p. 274.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 59

Über Heideggers eigenes Interesse am Begriff des Geistes


gesagt worden.34 Schon im Winter 1919/20 spricht Heidegge
zentrale Bedeutung zu.35 In der „Einfuhrung in die Metaphys
1935 spielt er eine (mit)tragende Rolle. In gewandelter Form
wieder im »Abendländischen Gespräch" (GA 75) sowie in den
um 1945 (GA 12). Im „Rechtsphilosophie"-Seminar heißt es
rend: „Der Staat ,hať nur Macht, weil er Macht ,isť - und er
Geist »ist4." (180) Es ginge über den Rahmen des vorliegende
das Verhältnis von Sein und Macht und Geist ztx erörtern. Es is
dass Heidegger sich mit solchen Überlegungen von den ideali
zungen des Hegel 'sehen Denkens entfernt und einer politis
Seinsfrage nähert. Ausgearbeitet hat er sie nicht.

Der Staat bzw. sein „Wesen" als Geist sei der „Ursprung des
In dieser Bestimmung zieht der Philosoph die in Homers „Od
charakterisierte jióXlç (172) mit dem neuzeitlichen Staat und
Geist zusammen. Dem Geist werden Eigenschaften zugeschr
ihm entwickelte. Eine ist die, dass seinem „Wesen" der „Org
springe. Indem der Geist den Organismus schlechthin hervor
Staat als ein solcher erfasst. Er ist also „sich in sich selbst gli
selbst unterwegs. In der „Einheit" des dem Geist entspringen
auch die „von politischer Verfassung und politischer Gesinnu
mag entsprechen, dass nach Heidegger „ Geist immer - Geist
■ 37
sei.

Wenn der Geist immer „Geist eines Volkes" sei, stellt sich nicht nur die F
nach dem Verhältnis von Staat und Volk, sondern auch die, was überhaupt ein
sei. Nach Heidegger sei der Staat insofern das „Seyn des Volkes" (116), als d
die „Quelle" des Staates sei. Das Volk in seiner geistigen Existenzweise beleb

34 Vgl. immer noch Jacques Derrida, Vom Geist. Heidegger und die Frage. Frankf
am Main: Suhrkamp Verlag, 1998.
35 Martin Heidegger, Grundprobleme der Phänomenologie (1919/20) (GA 58), p. 1
36 Es handelt sich um einen Vers aus dem 6. Buch: „Und er zog eine Mauer um
Stadt und baute Häuser und schuf Tempel der Götter und verteilte die Äcker."
Übersetzung Wolfgang Schadewaldts, V 9 f.)
37 In den „Grundlinien der Philosophie des Rechts" verwendet Hegel den Plural „
kergeister" etwa so: „Die konkreten Idee, die Völkergeister, haben ihre Wahrheit u
stimmung in der konkreten Idee, wie sie die absolute Allgemeinheit ist, - dem Wel
um dessen Thron sie als die Vollbringer seiner Verwirklichung und als Zeugen und Z
seiner Herrlichkeit stehen." (§ 352). Es ist übrigens bemerkenswert, dass Heidegger
nen Gebrauch von dem Gedanken gemacht hat, dass es ein „absolutes Recht" gebe, „
ger der gegenwärtigen Entwicklungsstufe der Weltgeistes zu sein" und dass die „Ge
der anderen Völker" gegen dieses „absolute Recht" eines „welthistorischen V
„rechtlos" (§ 348) seien.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
60 Peter Trawny

Organismus des Staates. Wenn der


schieht diese an der „Quelle".
Doch mit dieser Auffassung des Vo
nicht gefasst, was überhaupt ein Volk
gang vom Staat ausgehend wieder z
sei eben immer das dieses faktisc
Bestimmung des Volkes hinausliefe
übrigens einen, der Hegels Denken
wird auf eine ,,,Theophanie'" (139) z
dende Nähe des Künftigen Gottes"
selben Semester gehaltenen Hölderli
es „um das wahrhafte Erscheinen o
Volkes aus der Not des Seyns und f
Philosophie" hinein hat Heidegger a
nis der Volksentstehung festgehalten
Der Staat als Geist sei „sich entfalt
ger als „Kampf des Anerkennens " (
viduen denkt,39 überträgt Heidegger
Staat. Dennoch kann diesbezüglich
Beginn der dreißiger Jahre häufige
offenbar nicht auf die Vernichtung d
Anerkennung des Selbst, was vorau
vollziehen muss. Sich selbst zu beh
unterdrücken oder gar zu vernichte
sich der Anerkennungskampf verschä

38 Vgl. auch Martin Heidegger, Bei


p. 399. Hegels Religionsphilosophie ist f
fassung von Religion. Im Begriff des C
versalistischer Charakter angelegt.
39 Georg Wilhelm Friedrich Hegel, P
Bd. 9. Hrsg. von Wolfgang Bonsiepen u
lag, 1980, p. 110: „Das Verhältniß beyde
sich selbst und einander durch den Kam
duum, welches das Leben nicht gewagt
es hat die Wahrheit dieses Anerkannts
nicht erreicht."

40 Faye schreibt: „[. . .] so haben doch


dasselbe Ziel: den Feind ausmachen un
Volkes und des germanischen Stammes
verwickeln, der zu seiner Vernichtung
nicht zu verstehen wäre, wie ein Philoso
des Feindes" geht, jenseits von imaginär
tion erhalten könnte, fällt Faye hinter je
zurück. Er ignoriert den philosophisch
eine stumpfsinnige Bosheit nimmt.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 6 1

IV. Heidegger und Schmitt

Das Verhältnis von Heidegger und Schmitt jenseits biograph


ist noch nicht zureichend durchdacht worden. Diese schwierig
zunächst der Konzentration dieses Verhältnisses auf zwei Pos
aus eine philosophische Annäherung überhaupt erst möglich w
die hiesige Interpretation der fragmentarischen Äußerunge
hinaus.41

Im Hintergrund des „Rechtsphilosophie"-Seminars samt der Aufzeichnungen


über das „Grundsätzliche zur Staatslehre" befindet sich eine Provokation
Schmitťscher Ideen. Im „Begriff des Politischen", diesem Text, den Heidegger
nach einem Brief an Schmitt vom August 193342 in der zweiten Auflage von 1932
kannte, wird die „Unterscheidung von Freund und Feind " als „Begriffsbestim-
mung im Sinne eines Kriteriums, nicht als erschöpfende Definition oder Inhaltsan-
gabe"43 eingeführt. Heidegger interpretiert sie im Sinne eines metaphysischen
Prinzips, allerdings eines unzureichenden. Für ihn ist der „Kampf des Aner-
kennens" das phänomenale Fundament des Freund-Feind- Verhältnisses. Der
„Wesensursprung" sei das „Seyn" „ als geschichtliches In-der-Welt-sein" , das als
„Sichwollen", „AfrY- und WiderwoWzn" (GA 86, 176), d.h. als Anerkennungs-
kampf, gedacht wird. Anfanglich gefasst setze das „Geschichtliche Dasein"
„jróXspoç voraus und dessen metaphysischen Grund" als Wahrheit " (177). Dem-
entsprechend sei „Geschichtlichkeit entscheidungshaft-gefahrbildend und Gefahr
bergend und behebend". Der Unterschied von Freund und Feind, der in Krieg aus-
zuschlagen vermag, wird also „metapolitisch" zurückgegründet auf den JióXspoç,
wie Heraklit ihn denkt (Frg. 53), und wie Heidegger ihn als „Seyn" erläutert.
Schmitt hatte Heidegger die dritte Auflage seines „Begriffs des Politischen" offen-
bar mit dem nóXepoç-Fragment als Widmung zukommen lassen. Als Ursprung
der Freund-Feind-Unterscheidung wollte er es nicht verstanden wissen.44

Heidegger hat sich in seinen Überlegungen zum Staat nicht nur vom „Begriff
des Politischen", sondern vielleicht mehr noch von Schmitts Aufsatz „Staat, Bewe-
gung, Volk" provozieren lassen. Schmitt entfaltet in ihm die „Politische Einheit des

41 Vgl. dazu Bernhard Radioff, „Heidegger and Carl Schmitt: The Historicity of the
Political". Part one and two. In: Heidegger-Studies, Vol. 20 u. 21, 2004 u. 2005. Radloff
spricht in seiner reichen Studie von einem „common ground the two thinkers share" (vol.
20, p. 83). Ich meine, dass es unmöglich ist, im Verhältnis von Schmitt und Heidegger von
einem gemeinsamen Grund zu sprechen. Was Schmitts Position betrifft, so wäre folgende
Studie zu berücksichtigen: Heinrich Meier, Die Lehre Carl Schmitts. Vier Kapitel zur Un-
terscheidung Politischer Theologie und Politischer Philosophie. Stuttgart u. Weimar: J. B.
Metzler Verlag, 3/2009.
42 GA16,p. 156.
43 Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen. Mit einer Rede über das Zeitalter der Neu-
tralisierungen und Entpolitisierungen. München: Duncker & Humblot, 2/1932, p. 14.
44 Vgl. dazu Meier, Die Lehre Carl Schmitts , 114-115.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
62 Peter Trawny

gegenwärtigen Staates" in der Dreiein


heit unterscheide sich „von dem aus d
demokratischen Staatsschema von Gr
selben Schrift Hegel für „tot". Wenn
meint, dass Hegel mit der Machtergr
sei, dann denkt er an die philosophisc
dersetzung" mit Hegel eine Überwin
Charakters der Metaphysik erbringen
die politische Erneuerung ohne eine p
zung des Ganzen. Daher denke er „libe

Schmitt hatte in seinem Aufsatz dem


Staatsrechts", dem „Begriff der Führ
schenkt. „Führen" sei „nicht Komman
sches Regieren oder irgendeine belie
sei ein „Begriff unmittelbarer Gegenw
das „positive Erfordernis" der „ unbe
Gefolgschaft". In der „Artgleichheit
„fortwährenden untrüglichen Kontakt
gegenseitige Treue". „Artgleichheit" -
der „Rasse" - meint offensichtlich s
hörigkeit, obgleich Schmitts Antisem
brauchte.

Heidegger kommt diesem Problem m


rechtfertigen sei (170). Für ihn sei d
Handeln Knecht" (169). Er orientie
Ganzen. Doch der Bezugspunkt des „F
sondern das Volk. Der „Führer" „denk
will". Dieses wisse zwar nicht, was es
selbst. Zwischen „Führer" und Volk g
die gründend geschieht - wo das Volk
durchgestaltet". Schmitt hatte sich in
degger versucht, einen metaphysische
sehbaren Schiefheit beider Entwürf

45 Schmitt, Staat, Bewegung, Volk , pp. 1


46 GA 86, p. 174. Anscheinend weil Sch
keinen „metaphysischen Grund" für seine
kritisiert der Philosoph das Schmitťsche
Politik ,,,auch' eine Sphäre" und zweiten
tung". Vgl. zu Schmitt und dem Liberal
Carl Schmitt, Leo Strauss und ,Der Begri
senden. Erweiterte Neuausgabe. Stuttgart

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 63

nicht nur einem biologistischen Begründungsversuch der „Fü


Volkes überhaupt verweigert.

V. Das Politische als die Sorge

Diese Verweigerung wird dort ausgesprochen, wo Heidegg


einen politischen Zusammenhang zu rücken versucht. Diese
gisch4 her[zu]leiten" (162), sondern entspringe „aus der
Sorge". An diesem Punkt nun setzen Bemühungen ein, das Pol
nen philosophischen Mitteln zu deuten. Das Fundament für d
der Gedanke, dass das „Seyn" „Macht" sei (161, Vgl. GA 65,
entstammt dem jróhepoç, der die erste Herrschaftsstruktur
Sklaven/Freie) aufspannt.47 „Macht" ist nach Heidegger also
sches Phänomen, sondern seine „metapolitische" Ermöglichun

Die wahrscheinlich wichtigste Skizze eines Gesamtentwurfs


Philosophie im Kontext des „Rechtsphilosophie"-Seminars hat
Überschrift „Die metaphysische Grundmacht des künftigen
hen. Hier wird aus dem „Kampf, d.h. dem JióXspoç, die „So
politisches Existenzial entfaltet. Dabei wird sie in vier verschi
renziert. So erscheint sie zuerst als „Herrschaft". Diese werd
den " ergriffen und ausgeübt. Es gehe darum, das „Seiende
zweite Element der Sorge sei die „Arbeit", in dieser Bestimm
wort auf Jüngers Ausführungen zur „Arbeit" liegen, gemäß d
tenden Hinsichten für die Arbeit liefert. In ihrem dritten Element erscheint die
Sorge als „ Wahrheit ", die sich in „Natur - Boden - Blut - Heimat - Landschaft -
Götter - Tod"48 zum Austrag bringt. Schließlich erscheint die Sorge viertens „als
, Endlichkeit4 ", in der sich die „Zerklüftung" des Seins, d.h. die Modalitäten oder
überhaupt die temporale Differenziertheit des Seins bezeugen.

Die Frage ist, ob Heidegger einen eigenen Zugang zum Politischen gefunden
hat. Es gibt letztlich zwei Versuche der Annäherung. Die erste besteht darin, dass
das Politische „im Wesen des Staates44 (173) bestehe, in der „Weise in der er west44.

47 Vgl. dazu meine Ausführungen in Adyton. Heideggers esoterische Philosophie. Ber-


lin: Matthes & Seitz, 2010, pp. 55-57.
48 Die Tatsache, dass Heidegger hier „Boden" und „Blut" als zwei Weisen, wie die
„Sorge44 als „Wahrheit" geschehe, nennt, muss als eine Konzession an die politische Situa-
tion verstanden werden. Allerdings heißt es in der Vorlesung vom WS 33/34: „Blut und
Boden sind zwar mächtig und notwendig, aber nicht hinreichende Bedingung für das Da-
sein eines Volkes." „ Wissen und Geist " werden als das Fundament von „Blut und Boden"
eingeführt. Faye behauptet, hier würde das „Vokabular des Blutes" und das „Geistes44
„miteinander verbunden, wenn nicht gar miteinander verschmolzen" (GA 36/37, p. 136).
Eine offenere Lesart könnte auch darauf kommen, dass Heidegger den „Blut und Boden"-
Diskurs von der eigentlichen Bestimmung dessen, was ein „Volk" sei, abzuspalten ver-
sucht.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
64 Peter Trawny

Auch diese Bestimmung scheint zirke


der Staat mithin das Politische vorau
schen lautet folgendermaßen: „Das Po
,fur4 das Volk) [...]." (174) Diese weitg
das Politische mit dem Sein, um es da
Diese Sorge bezieht sich nicht auf di
gesagt, auf das „Seiende". Das Politis
volksmäßig gebundenen Sorge um das
den („metapolitisch" zu verstehenden) J

Heideggers Versuche, einen eigenen


fragmentarisch geblieben. Sie sind ab
Entwurf einer „Überwindung" der ab
rens". Nachdem Heidegger deutlich w
wurfs mit dem real existierenden Nat
wendig, die philosophische Relevanz d
neu zu fassen.

VI. Das Politische in seiner Herk

Heideggers „Rechtsphilosophie"-Sem
phen als Ausleger eines klassischen T
aber auch deshalb einzigartig, weil H
Seminar hingewiesen hat. Selbst in
erwähnt.49 Da erscheint es wie eine e
dem WS 34/35, wenn Heidegger in se
„Der Ister", in dieser Vorlesung aus d
hältnis der jió^lç zum Politischen zu sp

Im Seminar hatte Heidegger einen V


seiner Bestimmung der jióXlç gewäh
selbst bestimmenden geschichtlichen
Dieses „Dasein" sei „Inständigkeit" im
„Götter". Heidegger erinnert sogar d
scheidung", obwohl davon bei Homer
Ursinn des Politischen sein, dann wär
sich selbst bestimmenden geschichtlic
wachs hat Heidegger darauf hingewi
Staates als „status rei publicae = Zusta
der jtóXlç zu tun habe. Da Homer in

49 Lediglich der „Spruch aus der Rechtsp


(390) wird im Seminar über die „Phänome

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
Heidegger und das Politische 65

Heidegger sich in seiner Auffassung des „Daseins" als „Selbs


als „Kampf des Anerkennens", bestätigt.

In der Vorlesung vom Sommersemester 1942 ist nicht mehr


die wesentliche Referenz, sondern Sophokles' „Antigone" bzw
der Tragödie. Heidegger bezweifelt zunächst, dass die Wort
Politischen eine so simple Gleichung oder Deduktion eröffnet
lich angenommen. Das Politische gehe zwar auf das griechisch
jióXlç zurück. Doch in dieser Erklärung werde dann notwendig
wüsste, was die JtóÀ.iç im griechischen Sinne sei. Gleichzeitig
selbstverständlich gehalten, „die Griechen" hätten gewusst, w
Heidegger sei aber „vielleicht" der „Name jtóXiç gerade das W
der ständig neu fraglich werde und fragwürdig blieb und Entsc
zur Not machte, deren Wahrheit die Griechen jedesmal in da
das Unzugängliche"50 versetzte. Die JtóXiç wird zum Schaupla

Die Auslegung des Chorlieds eröffnet eine neue Sicht. Die jtó
Stätte [. . .] der Schickung, aus der sich alle Bezüge des Mens
[...] bestimmen" (102). Das „Wesen der JtóXiç" komme „dah
nach der Art, wie das Seiende als solches überhaupt ins Unve
jióXiç gründe sich demnach auf die aXf|0eia (113), auf dieses
und Verbergung. Ähnlich hatte Heidegger im Hegel-Semina
jróXepoç bezogen, ohne jedoch ausdrücklich zu betonen, das
jióXlç" gerade im „Offenen" dieses Gründungsgeschehens zu
lich" und „fragwürdig" ist dieses Wesen als Ursprung des Poli
weil unser Wissen mangelhaft wäre, sondern weil die jtóXi
Stätte" jede Gewissheit über ihr „Wesen" verweigert. Freili
einmal aufscheinen, inwiefern die Sorge eine Antwort auf diese
len könnte.

In der metaphysischen Auffassung des Politischen werde d


aus der afoļOsia und ihrer Offenheit, sondern von der Technik
So sei das Politische „die technisch-historische Grundgewißhe
„ausgezeichnet" „durch die unbedingte Fraglosigkeit". Da Fra
sei die Unbedingtheit der Fraglosigkeit verknüpft mit der „
schen. Dieser Vorgang könne nicht mit der „zufalligen Willk
begründet werden, sondern liege vielmehr „im metaphysischen
lichen Wirklichkeit". Im Sommer 1933 hatte Heidegger Heg
dieser „neuzeitlichen Wirklichkeit" charakterisiert.

Im Rückbezug auf die Tragödie eröffnete sich fur Heidegge


auf das Politische. Das Politische als die Sorge um das Seiende
Offenheit und Unsicherheit des nie zu organisierenden JtóXs

so GA 53, p. 99.

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms
66 Peter Trawny

Herrschaft. So zu denken, lässt keinesw


rücksichtigt. Es wird lediglich darauf
der Menschen die Politik niemals völl
sein kann. An diesem Punkt kann die
hat jene
„technisch-historische Grun
sprucht. Er wollte keine Sorge überne
Daher blieb ihm der Zugang zum Polit

Die Jiókiç ist das Offene und als die


Gedankens zitiert Heidegger jene Stel
hältnis von Philosophie und Herrschaft
Das Glück der Jiókeiç stehe in unmit
Bedeutung die Philosophie in ihnenei
sophen in Anbetracht dieses Fragwü
erlangen, ist offenbar. Denn sie fragen

This content downloaded from 128.59.222.107 on Thu, 07 May 2020 21:30:55 UTC
All use subject to https://about.jstor.org/terms