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Die Entwicklungsstufen der deutschen Sprache:

Althochdeutsch: ca. 750 – 1050


Mittelhochdeutsch: ca. 1050 – 1350
Frühneuhochdeutsch: ca. 1350 – 1650
Neuhochdeutsch: ca. 1650 – heute

Das Althochdeutsche:

Althochdeutsch bezeichnet eine westgermanische Sprachvarietät.


Sie tritt in der Mitte und im Süden des Karolingischen Ostfrankenreiches
ungefähr ab Mitte des 8. Jh. auf und hat bis ins 11. Jh. Bestand.
Es grenzt räumlich im Norden an das Altsächsische.
Die Vorgeschichte des Althochdeutschen ist durch schriftliche Zeugnisse des
Indogermanischen und des Germanischen dokumentiert und erschließbar.

Das Indogermanische:
Indogermanisch wird eine Gruppe genetisch und damit strukturell verwandter
Sprachen genannt.
Derartige Sprachen bilden eine Sprachfamilie.
Die indogermanische Sprachfamilie ist eine der am besten bekannten und
erforschten Sprachfamilien.
Sie umfasst alle Sprachen vom östlich gelegenen Indischen bis zum westlichen
Germanischen.
Sie ist mit über 2 Milliarden Sprechern eine der größten Sprachfamilien.

Die indogermanischen Sprachen von West nach Ost


Keltisch – Italisch – Germanisch – Baltisch – Slawisch – Albanisch – Griechisch
Armenisch – Tocharisch – Hethitisch – Iranisch – Indisch

Von einer idg. Sprachbewegung wird ab dem 5.-4. Jahrtausend v. Christus


ausgegangen.
Die Verwandtschaft der indogermanischen Sprachen zeigt sich am Wortschatz,
am Flexionssystem und am Lautstand, der die verschiedenen Einzelsprachen
systematisch aufeinander beziehbar macht.
Die Überlieferung des Althochdeutschen

Inschriften Runen (Bügelfibel von Freilaubersheim)


Inschriften in lat. Schrift (Kölner Inschrift, Binger Inschrift)

Sachwörter Rechtswörter (lat. Rechtstexte und Urkunden)


in lat. Quellen Sachwörter (in Urkunden)

Namen geographische Namen (in Urkunden, Inschriften, Glossen)


Personennamen
Monatsnamen
Windnamen

Glossen Einzelglosse
Alphabetisches Glossar (Abrogans)
Sachglossar (Vocabularius Sancti Galli)

Übersetzungstexte Interlinearversion (ahd. Benediktinerregel)


Interlinearartige Übers. (ahd. Tatian)
Freie Übersetzungen (ahd. Isidor)
Umdichtungen (Otfrid)
Mischtexte (De Heinrico)

Autochthone Dichtungen (Hildebrandslied, Ludwigslied,


ahd. Texte Wessobrunner Schöpfungsgedicht
Zaubersprüche, Segenssprüche)
Prosadenkmäler (Markbeschreibungen, Straßburger Eide)
Die mittelfränkische Kölner Inschrift

HIR MAHT THV LERNAN GVL(D)


Hir maht thu lernan guld
Hier kannst du lernen, Gold

BEWERVAN WELOG INDE WI(S)


bewervan welog inde wis
zu erwerben Reichtum und Weis-

DVOM SIGI(NVFT INDE RVOM)


duom siginuft inde ruom
heit, Sieg und Ruhm

Lautgestalt des Althochdeutschen (Verhältnis Schreibung/Lautung)

1. Vokalismus:
-Alle Vokale sind kurz zu lesen, wenn sie nicht durch einen waagerechten Strich
als Langvokale gekennzeichnet sind (geba, tage)

-Langvokale: â, ê, î, ô, û
-Diphthonge ei, ou, ua, ie, io, iu werden mit Betonung auf dem ersten
Bestandteil gesprochen

-Wechsel zwischen den Buchstabenformen v und u – meist wird u gesprochen


(vunde)

-Betonung: Typisch ist Anfangsbetonung auf der Wurzel. Sie ist beizubehalten,
auch wenn in einer anderen Silbe später ein Langvokal folgt (strangêta)

2. Konsonantismus:
-Bei den meisten Konsonanten kann von den heutigen Lautwerten ausgegangen
werden (l, r, m, n, p, t, k, b, d, g)

-Die Schreibung th bezeichnete im Ahd. noch einen stimmhaften Reibelaut wie


im engl. Artikel the, geht dann aber zur Aussprache d über, so dass gelesen
werden kann ther = der

-Die Schreibung k begegnet auch als c (giscriban)

-Schreibung ph hat Lautwert pf (gilimphit)


Graphie Lautwert Beispiel

<k> k kneht
<c> gicostôt
<ph> pf gilimphit
<ch> kch trinchit
ch uuârlîcho
<h> vor Kons., im Auslaut ch kneht, vvuohs, thih
im Anlaut, intervokalisch heim, spâhidu
h
<f> f fol
<u> <v> f faran
u uunsera, unsaremo
<uu> <u> w uuârlîcho, zuelif
<vu> vuir
<vv> <v> vvuohs, vîp

<s> s sîne
<z> s thaz
ts zuelif
<zz> s wuazzar
ts sizzantan
<st> st strangêta
<ng> ng strangêta
<qu> kw quâmum
Die Präteritopräsentien im Althochdeutschen

Es gibt 11 Präteritopräsentien:

wizzan wissen, erkennen (I)


eigan haben, besitzen (I)
ih toug taugen, sich eignen, nützen (IIa)
unnan gönnen (IIIa)
kunnan kennen, können (IIIa)
durfan bedürfen, brauchen (IIIb)
ih gitar wagen (IIIb)
sculan sollen, müssen (IV)
ih ginah im Überfluss haben (IV)
magan/mugan können, vermögen (V)
ih muoz können,dürfen (VI)

Substantivflexion – gotische Beispiele

Genitiv Sg. Mask. han-in-s des Hahnes


Neutr. hart-in-s des Herzens
Fem. tugg-ôn-s der Zunge
Fem. gib-ô-s der Gabe

Akk. Pl. Mask. dag-a-ns die Tage


gast-i-ns die Gäste
sun-u-ns die Söhne
I. Die germanische Sprachstufe

Je nach Stammbildungselement gibt es bei der Substantivflexion 5 Klassen:

1. n-Klasse: z.B. got. han-in-s, hairt-in-s, tugg-ôn-s (Gen. Sg.)

(Das SBE endet auf –n; schwache Deklination oder konsonantische Deklination)

2. ô-Klasse: z.B. got. gib-ô-s (Gen. Sg.)


3. a-Klasse: z.B. got. dag-a-ns (Akk. Pl.)
4. i-Klasse: z.B. got. gast-i-ns (Akk. Pl.)
5. u-Klasse: z.B. got. sun-u-ns (Akk. Pl.)

(Starke Deklination oder vokalische Deklination)

II. Die althochdeutsche Sprachstufe

Die Hauptklassen der ahd. Substantivflexion:

Unterschieden werden 4 Klassen:

1. Klasse: n-Stämme (auch schwache Deklination genannt)


2. Klasse: ô-Stämme
3. Klasse: a-Stämme (auch starke Deklination genannt)
4. Klasse: i-Stämme
Unterklassen der ahd. Substantivflexion
Unterklassen der a-Stämme Unterklassen der ô-Stämme

wa-Stämme wô-Stämme
Mask. Neutr. Fem.
‘der See’ ‘der Schmutz’ ‘die Augenbraue’

Sg. Nom. der sêo daz horo diu brâwa


Gen. des sêwes des horwes dera brâwa
Dat. demo sêwe demo horwe deru brâwu
Akk. den sêo daz horo dia brâwa

Pl. Nom. dia sêwa diu horo dio brâwâ


Gen. dero sêwo dero horwo dero brâwôno
Dat dem sêwum dêm horwum dem brâwôm
Akk. dia sêwa diu horo dio brâwâ

ja-Stämme jô-Stämme
Mask. Neutr. Fem.
‘der Hirte’ ‘das Geschlecht’ ‘die Sünde’

Sg. Nom. der hirti daz kunni diu sunt(i)a


Gen. des hirtes des kunnes dera sunt(i)a
Dat. demo hirte demo kunn(i)e deru sunt(i)u
Akk. den hirti daz kunni dia sunt(i)a

Pl. Nom. dia hirta diu kunni dio sunt(i)â


Gen. dero hirt(i)o dero kunn(i)o dero suntôno
Dat dêm hirtim/-um dêm kunnim/-um dêm suntôm
Akk. dia hirta diu kunni dio sunt(i)â
Die u-Klasse
Maskulina:
der sunu ‘Sohn’, fridu ‘Friede’, situ ‘Sitte, Brauch’ (Nom./Akk. Sg.). Neben der
sunu im Nom. Sg. ist auch die endungslose Form sun belegt/ (Tatian 12,6).
Die übrigen Formen gehen nach der i-Deklination.

Neutra:
daz fihu (Nom./Akk.Sg)
Die übrigen Formen gehen nach der a-Deklination.

Feminina:
hantum, -un (Dat. Pl.von diu hant ‚die Hand’). Der Dat. Pl. hantum ist im Nhd.
noch in der Form ‚vorhanden’ bewahrt. Die übrigen Formen gehen nach der i-
Deklination. Ist in der Endung ein i enthalten, weisen diese Formen Umlaut auf
(diu hant/dio henti)

Verwandschaftsbezeichnungen auf -er

Maskulina Feminina
Sg. Einheitsformen: Einheitsformen:
fater, bruoder muoter, tohter, swester
daneben Gen., Dat.
nach der a-Dekl.

Pl. nach der a-Dekl. Nom., Akk. muoter


später Übergang zur
ô-Deklination

Wurzelnomina

Mask. Fem.
Sg. Einheitsform: man Einheitsform: naht
Gen. u. Dat. auch (Gen./Dat. Sg. teilweise
nach der a-Dekl.: auch nach der i-Dekl.)
des mannes, demo manne dera nahti, deru nahti

Pl. Nom/Akk.: man Nom./Akk.: naht


Gen./Dat. nach a-Dekl.: Gen.: nahto (Tat. 15,2)
dero manno, dêm mannum Dat.: nahtun, ferner
auch nach i-Dekl.
dêm nahtim
Neutra mit ir-Plural:

Sg. Pl.

Nom. daz lamb diu lemb-ir


Gen. des lamb-es dero lemb-ir-o
Dat. demo lamb-e dêm lemb-ir-um
Akk. daz lamb diu lemb-ir

Weitere Wörter, die ihren Pl. mit –ir bilden: kalb, (h)rind, blat, wîb.
Das starke Verb im Mittelhochdeutschen

Wechsel der Vokalverhältnisse

Inf. wahs-en (-a-) Prät. wuohs (-uo-)


gezem-en (-e-) gezam (-a-)
pfleg-en (-e-) pflâg-en (-â-)

Präteritumformen mit -a- gehören zu Infinitivformen mit -e- und -i- :

gezem-en gezam
sprech-en sprach
bind-en band

Dem Präteritumvokal -ie- können 6 verschiedene Präsensvokale entsprechen:


Hier sind bei der Ermittlung der Präsensform die nhd. Formen hilfreich:

Nhd. Mhd.

stoßen – stieß stôzen – stiez


raten – riet râten – riet
rufen – rief ruofen – rief
halten – hielt halten – hielt
laufen – lief loufen – lief
heißen – hieß heizen – hiez

Besondere Verben

IV. Ablautreihe
Neben den Verben, deren GM auf einfachen Nasal oder Liquid ausgeht, gehören
hierher einige Verben auf –ch (ahd. –hh) und ein Verb auf –ff:

brechen, sprechen, stechen, treffen


z.B. sprechen – ich spriche – ich/er sprach – wir/sie sprâchen – gesprochen
j-Präsentien
V. Ablautreihe
bitten bitte bat bâten gebeten ‚bitten’

ligen lige lac lâgen gelegen ‚liegen’

sizzen sizze saz sâzen gesezzen ‚sitzen’

VI. Ablautreihe
heven heve houp huoben gehaben ‚heben’

schepfen schepfe schuof schuofen geschaffen ‚schaffen’

swern swer swuor swuoren gesworn ‚schwören’

Umlautende Verben der VI. und VII. Ablautreihe


mit kurzem a als Wurzelvokal – Umlautung zu e

varn: ich var dû verst er vert wir varn

halten: ich halte dû heltest er helt wir halten

Unterschiede zwischen den starken Verben im Ahd. u. im Mhd.

Vergleich verschiedener Flexionsformen

Mhd. Ahd.

ich rîte rîtu


wir biegen biogemês
ich var faru
geriten giritan
Das schwache Verb im Mittelhochdeutschen

Merkmale

Abschwächung der Nebensilbenvokale

Verkürzung oder Wegfall der Endungen


Nach kurzer Wurzelsilbe, die auf r oder l endet, fällt der abgeschwächte
Endungsvokal e weg:

Wegfall im Wortinnern = Synkope ahd. wir faran varen mhd. varn


Wegfall am Wortende = Apokope ahd. ich faru vare mhd. var

Auslautverhärtung (ahd. b, d, g – mhd. p, t, c)


Ahd. boug, gab, ward Mhd. bouc, gap, wart

Graphische Kennzeichnung des Umlauts

Der ahd. Wurzelvokal erscheint in den Formen, in denen im Ahd. ein i folgte, im
Mhd. umgelautet: (u>ü)

Ahd. Mhd.
dû bugi dû büge
siu zugi siu züge

Unterschiede zwischen starken und schwachen Verben im Mhd.

st.V. sw.V.
Prät. Ablaut Dentalsuffix
sie sturb-en/sterben sie won-ten/wonen ‚sich aufhalten

Part.Prät. –(e)n (e)t


erkorn/erkiesen ‚sehen, erkennen’ genannt/nennen

Imp. Nullendung -e
wirf/werfen lebe/leben
Im Mhd. gibt es zwei Klassen schwacher Verben:

Klasse I Klasse II

ohne Rückumlaut mit Rückumlaut


mit Bindevokal ohne Bindevokal ohne Bindevokal

Inf. sagen zieren tröumen


Prät. sag-e-te zier-ten troum-te

Abschwächung der Nebensilbenvokale, insbesondere bei den ahd. Verben


auf –ôn und –ên:

ahd. mhd. ahd. mhd.

salbôn salben lebên leben


er salbôt er salbet er lebêt er leb(e)t
er salbôta er salb(e)te er lebêta er leb(e)te

Die 3 ahd. schwachen Verbklassen (jan-, ôn- und ên-Verben) fallen im Infinitiv
in einen Verbtyp auf –en zusammen.

Lediglich die rückumlautenden jan-Verben (eine Unterklasse der ahd.


schwachen Verben auf –en) bleiben im Mhd. von den übrigen schwachen
Verben getrennt.

Diese Gruppe hat sich aber im Mhd. vergrößert, weil im Mhd. alle
umlautfähigen Vokale umgelautet werden.
Daher muss hier bei relativ vielen Verben mit diesem Nebeneinander gerechnet
werden:

Mhd.

Inf. Prät.

küssen kuste
hoeren hôrte
waenen wânte
grüezen gruozte
tröumen troumte
Veränderungen bei den starken Verben vom Ahd. zum Mhd:

Auslautverhärtung

Verkürzte Endungen

Mehr Umlaut

Nebensilbenabschwächung

Synkopierung

Apokopierung

Das Substantiv im Mhd.

Aufgrund der lautlichen Veränderungen vom Ahd. zum Mhd. sind die
Flexionsformen im Mhd. stark vereinheitlicht worden.

Dies hat zur Folge, dass die Einteilung der Flexion der Substantive nach den
ursprünglichen Stammklassen für das Mhd. nicht mehr durchgehend erkennbar
ist.
Aus synchroner Sicht zeigen sich aber
4 Hauptklassen

1. Klasse 2. Klasse 3. u. 4. Klasse

einheitliche Endung –en enthält nur Fem. stimmen im Sg.


(außer im Nom. Sg. aller Genera (Fehlen des –n im Sg. weitgehend
u. im Akk. Sg. in allen Kasus) sowie im Nom. u. Akk. überein
Pl gegenüber Klasse 1) Pluralendungen
ebenfalls inden-
tisch (außer bei
den Neutra)

Unterschiede zwischen Klasse 3 und 4:

In der 3. Klasse haben Sg. und Pl. den gleichen Wurzelvokal.


In der 4. Klasse hat der Pl. Umlaut des Wurzelvokals.
Das mhd. Flexionssystem im Vergleich mit dem des Ahd.:

Die ahd. Endsilben –u, -a, -o, -i sind im Mhd. alle zu –e abgeschwächt.

-m ist in den Endungen zu –n geworden.

Mehrsilbige Endungen werden vielfach durch die Nebensilbenabschwächung


und Apokope reduziert (Gen.Pl. –ôno > -en)

Diese Abschwächungen bewirken eine Vereinheitlichung der Flexionsformen,


durch die die Unterschiede zw. den verschiedenen Klassen geringer werden.

Die 1. Klasse:
Die n-Klasse des Ahd. ist in der 1. Klasse der mhd. Subst. bewahrt.

Die 2. Klasse:
Die 2. Klasse der mhd. Substantive ist deutlich als Entsprechung der ahd. 2.
Klasse, der ô-Klasse, erkennbar.

Die 3. u. 4. Klasse:
Die Klassen 3 und 4 entsprechen nicht in derselben einfachen Weise den ahd.
Klassen der a- und i-Flexion.

Die Maskulina der 4. Klasse (Typ gast – geste) sind als Fortsetzung der
ahd. i-Stämme erkennbar.

Die Maskulina der 3. Klasse (Typ tac – tage) sind jedoch nur teilweise die
Fortsetzung ahd. a-Stämme (tag – taga > tac – tage).
Hinzugekommen ist ein Teil der alten i-Stämme.

Durch die Abschwächung der ahd. Pluralendungen –a und –i zu –e sind die ahd.
a- und i-Stämme im Hinblick auf die Endungen vollständig identisch geworden.

Ahd. i-Stämme mit nichtumlautfähigem Wurzelvokal (wie z.B. ahd. scilt – scilti,
mhd. schilt – schilde) können daher im Mhd. überhaupt nicht mehr von den
a-Stämmen unterschieden werden.

In Klasse 4 stehen also im Mhd. nur noch die ehemaligen Subst. der i-
Stämme mit Umlaut des Wurzelvokals im Pl.
Während im Ahd. der unterschiedliche Endungsvokal im Pl. die Klassen
unterscheidet, ist im Mhd. der Umlaut das Klassenmerkmal.

Von den femininen i-Stämmen des Ahd. gilt entsprechend den Maskulina, dass
diejenigen mit umlautfähigem Wurzelvokal im Mhd. in der Klasse 4 erscheinen.

Von ihnen unterscheiden sich die Feminina mit nicht umlautfähigem


Wurzelvokal (zît – zîte).
Diese bilden im Mhd. eine neue Klasse von Feminina, die nun der 3. Klasse
zugeordnet werden können.

Unverändert erscheinen die Neutra der 3. Klasse (daz wort – diu wort).
Die ahd. Neutra mit ir-Plural stimmen auch im Mhd. mit dem Sg. dieser
Klasse überein.
Je nach Wurzelvokal tritt vor dem Pluralkennzeichen –ir Umlaut oder kein
Umlaut auf (rint – rinder, lamp – lember).

Der umlautlose Typ wird in die 3. Klasse eingeordnet (rint).


Der umlauthaltige Typ wird in die 4. Klasse eingeordnet (lamp).

Die ahd. ja-Stämme sind nur noch im Hinblick auf den Nom./Akk. Sg. (u. Pl.
der Neutra) eine Variante innerhalb der 3. Klasse:
der hirte, daz künne – der tac, daz wort (hirte, hirtes, hirte, hirte ...)

Verwandtschaftsbezeichnungen auf –er bewahren ihre Ausnahmestellung mit


durchgehender Endungslosigkeit im Sg.:
z.B. Gen. Sg. des vater
Im Pl. flektieren sie nach 3. u. 4. Klasse (die vatere/die vetere)

Unterklassen und Sonderfälle sind im Mhd. stark reduziert.


So weist etwa von den Wurzelnomina noch man eine endungslose Flexion auf,
neben Formen nach der 3. Klasse:

Gen.Sg. des man – des mannes


Dat. Pl. den man – den mannen

Apokope (Wegfall des e am Wortende) und Synkope (Wegfall im Wortinnern)


begegnen im Mhd. regelmäßig nach kurzer Wurzelsilbe auf r,l
und auch in mehrsilbigen Wörtern, die auf –er, -el, -em, -en ausgehen.
Dadurch entsteht ein geregeltes Nebeneinander e-haltiger und e-loser
Endungen.

-e/-Ø -es/-s -en/-n


Z.B. Mask. 3. Klasse:

engel (Mask. der 3. Kl.) entspricht tac:


Im Gen. Sg. steht des engels gegenüber des tages.
Im Nom. Pl. steht die engel gegenüber die tage.

Es können aber auch weiterhin Varianten mit Erhaltung des e vorkommen:


des engeles
die engele

Neutra 3. Klasse:
des spils – des wortes, dem spil – dem worte

Feminina 3. Klasse:
der tür – der zîte
Arbeitsblatt, S. 20:

1. Bsp. Got. dag-a-ns (Akk. Pl.) = näher am Germ. / SBE ist a

Ahd. dia tag-a = nach dem SBE Klasseneint. im Ahd., a-Klasse

Mhd. die tag-e = NS-abschw. im Mhd., keine Klasseneinteilung


mehr erkennbar

2. Bsp.: Flexion „tag“ (Mask.) ahd./mhd.

-Auslautverhärtung (tag-tac)

-Nebensilbenabschw.
(dia taga- tage, dero tago- tage, dem tagum –tagen)

-Verkürzung der Endungen, dadurch auch einen größeren Anteil


gleicher Endungen im Flexionsparadigma im Vergl. zum Ahd.:
(dem tage, die tage, der tage, die tage)

-Verkürzung der Artikel


(demo-dem, dero-der)

3. Bsp.: Flexion „zunga“ (Fem.)

-Verkürzung der Endungen

-Endungen im Mhd. noch stärker angeglichen, als bei den Mask.


(diu zunge, sonst Endungen auf –en)

-Verkürzung der Artikel

-Nebensilbenabschwächung
(zungun/-en, zungono/-en, zungom/-en)
Der indogermanische Konsonantenbestand

Die einzelnen Laute unterscheiden sich durch die jeweils verschiedene


Verbindung der artikulatorischen Merkmale:

Artikulations- Stimmton- Behauchung Artikulationsstelle


art beteiligung Labial Dental Velar Lab.velar

Verschlusslaute stimmhaft unbehaucht /b/ /d/ /g/ /gw/


behaucht /bh/ /dh/ h wh
/g / /g /

stimmlos unbehaucht /p/ /t/ /k/ /kw/


behaucht /ph/ /th/ /kh/ /kwh/

Reibelaut stimmlos/ /s/


stimmhaft

Außerdem enthielt das idg. Konsonantensystem noch die Liquiden r, l und die
Nasale m, n, die sich jedoch nicht verändert haben.
Die 1. Lautverschiebung (Indogermanisch – Germanisch)

Die behauchten u. unbehauchten stimmlosen Verschlusslaute des Idg. sind


zusammengefasst worden, weil sie zum Germ. hin dieselbe Entwicklung
nahmen.
Die behauchten u. unbehauchten stimmhaften Verschlusslaute entwickelten sich
dagegen unterschiedlich.

1.
Stimmhafte unbehauchte Verschlusslaute b d g gw
(Medien)
Stimmlose Verschlusslaute p t k kw
(Tenues)

2.
Stimmhafte behauchte Verschlusslaute bh dh gh gwh

Stimmhafte Reibelaute b g gw

3.
Stimmlose Verschlusslaute p(h) t(h) k(h) kw(h)
(behaucht und unbehaucht)
w
a) stimmlose Reibelaute f Þ

b) stimmhafte Reibelaute b g gw

Das Nebeneinander von stimmhaften Reibelauten (germ. b g / ahd. b t g) und


stimmlosen Reibelauten (germ. f Þ / ahd. f d h) aus idg. p t k setzt sich bis ins
Ahd. und Mhd. fort.

Es zeigt sich v. a. in der Verbalflexion als Nebeneinander verschiedener


Konsonanten:

Ahd. zîhan zîhu zêh zigun gizigan (Ib)


Ahd. werdan wirdu ward wurtun wortan (IIIb)
Dem Nebeneinander von h und g im Ahd. entspricht im Germanischen ein
Nebeneinander von und g.
Beide gehen auf idg. kh zurück.

Dem Nebeneinander von d und t entspricht im Germ. Þ und .


Beide Laute gehen auf idg. th zurück.

Idg. k(h) Igm.t(h)

Germ. g Þ

Ahd. h g d t

Wir haben im Germ. ein Nebeneinander von stimmhaften und stimmlosen


Reibelauten (als Folgeformen von idg. p t k kw).

Stimmhafte Reibelaute germ. b g

ahd. b t g

Stimmlose Reibelaute germ. f Þ

Ahd. f d h

Die Ursache für dieses Nebeneinander ist der freie Wortakzent im Idg. und
frühen Germanischen.
Der Däne Karl Verner (1846-1896) entdeckte die Regelung der Verteilung von
stimmlosen und stimmhaften Reibelauten.

Nach ihm benannt ist VERNERS GESETZ.

Es erklärt, wann aus den idg. p, t, k, kw stimmlose Reibelaute und wann


stimmhafte Reibelaute entstehen.

Ging den idg. Lauten der Akzent voraus, entstanden die stimmlosen Reibelaute.

Akzent vor p t k kw stimmlose Reibelaute


w
germ. f Þ
(ahd. f d h)

Folgt der Akzent nach, entstehen die stimmhaften Reibelaute.

Akzent nach p t k kw stimmhafte Reibelaute


germ. b g gw
(ahd. b d g)

Bsp. zîhan:
In den h-Formen (zîhu, zêh ) lag der Akzent auch im Idg. auf der Wurzelsilbe,
der Wortakzent ging also voraus. (Es entstand im Germ. der stl. Reibelaut )

Dagegen in den g-Formen (zigun, gizigan) kann der Wortakzent ursprünglich


nicht vorausgegangen sein. (Es entstand im Germ. der sth. Reibelaut ....)

Grammatischer Wechsel

Idg. p(h) t(h) k(h) s (stimmlos) z (stimmhaft)

Germ. f b Þ d g s r

Ahd. f b d t h g s r

Zu den Folgelauten von idg. p, t, k, kw tritt im Germ. der bewahrte Reibelaut s


mit seiner stimmhaften Variante z.
Im West- u. Nordgermanischen wird sth. z durch Rhotazismus zu r entwickelt.
Beispiele:

f b: heffen huoben

d g: zîhan zigun

s r: wesan werun

Inf. Pl. Prät.


Präs. Part. Prät.
Sg. Prät.

Akzent Akzent
vor p,t,k nach p,t,k

Nasalausfall vor h

stV., IV. Reihe:

fâhan – fâhu – fieng – fiengun – gifangan

Im Inf. u. Ind. Präs. fehlt das n.


Das hängt von der Umgebung ab, in der das n auftritt.

Im Germ. schwindet n nicht nur vor h, sondern auch vor den Reibelauten f, Þ
und s, wobei Ersatzdehnung des vorangehenden Vokals eintritt.

Dieser Nasalausfall kommt aber nur in bestimmten germ. Sprachen vor:


Im Altenglischen u. Altsächsichen.
(Im Gotischen u. größten Teil des ahd. Sprachraumes bleibt n erhalten.)

Altsächsisch Altenglisch Gotisch Althochdeutschf

fîf fîf fimf fimf


(engl. five) (nhd. fünf)

mûÞ mûÞ mûnÞ mund


(engl. mouth) (nhd. Mund)

ûs ûs uns uns
(engl. us) (nhd. uns)
Primärer Berührungseffekt (PBE)

Er geht bereits auf Entwicklungen innerhalb des Idg. bzw. des frühen Germ.
zurück.

Auf ihn sind bestimmte konsonantische Besonderheiten innerhalb der


Verbalflexion zurückzuführen.

Der PBE betrifft den Zusammenstoß eines Konsonanten mit einem Dental
innerhalb des Wortes, was zu lautlichen Veränderungen führte:

Kombinationen:

Velar (g, k) + Dental = ht


Labial (b, p) + Dental = ft
Dental (d, t) + Dental = ss

Mit Hilfe dieser Regelung können Flexionsformen der Präteritopräsentien


erklärt werden:

dû weist: *wait-t > *waiss > *wais > ahd. weis > weis-t

-urspr. Wurzel + alte Personalendg. der 2. Sg. > Zusammenstoß von D+D > PBE
> Vereinfachung der Verdopplung im Auslaut > t-Endung im Ahd. ist nicht
lautgesetzlich, sondern später hinzugefügt worden.

dû muost: *môt-t > *môss > * môs > ahd. muos –t

dû maht: *mag-t > maht

ih wissa: *wit-ta > wissa

wir wissun: *wit-tun > wissun

muosa: *mot-ta > muossa > muosa


(Hier Vereinfachung des Doppelreibelautes nach Diphthong)

tohta: *tug-ta > tohta

mahta/mohta: *mag-ta > mahta; *mug-ta > mohta


Der PBE und Nasalausfall vor h ermöglichen eine Erklärung der schwachen
Präteritumsformen dâhta, dûhta (zu ahd. denken, dunken)

Inf. *Þank-jan > ahd. denken (Þ>d; a> e vor j)


*Þunk-jan > ahd. dunken ‚dünken, scheinen’

Ind. Prät.:
*Þank-ta > *danh-ta > ahd. ih dâhta
*Þunk-ta > *dunh-ta > hd. ih dûhta

(kein Bindevokal (Nasalausfall


im Prät., PBE) vor h, Ersatz-
dehnung des Vokals)
Die westgermanische Konsonantengemination?

Gemination?

Gemination bedeutet Dehnung des Konsonanten, die durch Doppelschreibung


ausgedrückt wird.

Neben j bewirken auch w,r und l Geminantion eines vorangehenden


Konsonanten.

Die Gemination vor j tritt am häufigsten auf, weil j in vielen Suffixen auftritt.
Nach Langvokal bzw. Diphthong wurde die Gemination meist wieder
vereinfacht.

Bsp.:

germ. *hugjan ae. hycgan


(got. hugjan) as. huggian
ahd. huggen ‘gedenken’

germ. *kunja ae. cynn


(got. kuni) as. kunni
ahd. kunni ‚Geschlecht’

germ. *bidjan- ae. biddan


(got. bidjan) as. biddian
ahd. bitten

germ. *apla- ae. aeppel


ahd. apfel (pf<pp)

germ. *akr- as. akkar


(got. akrs) ahd. acker
Innerhalb der Flexion kann die Gemination auf ein j-haltiges Stammbildungs-
element des Germ. verweisen, so dass diese geradezu ein Kennzeichen der
Unterklasse der ja/jô-Flexion ist:

daz kunni – ja-Stamm (mit den Genera Mask. u. Neutr.)


diu sippa – jô-Stamm (mit den Feminina).

Die mit jan-Suffix gebildeten swV. können die Gemination i.d.R. entsprechend
nur in den Flexionsformen zeigen, in denen j nachfolgte.

Zwischen Konsonanten erscheint j hier in seiner vokalischen Variante i, so dass


hier keine Gemination eintreten konnte:

ahd. sellen (mit Gemination) < *sal-jan


ahd. selita (ohne Gemination) < *sal-i-ta

Steht j vor einem i der Flexionsendung ist j ausgefallen, so dass auch hier keine
Gemination eintreten konnte:

ahd. ih bittu (mit Gemination) < *bid-j-u


ahd. dû bitis (ohne Gemination) < *bid-j-is

Das Nebeneinander geminierter und ungeminierter Formen innerhalb des


Flexionsparadigmas wurde im Ahd. vielfach vereinfacht.
Die germ. stl. Reibelaute f Þ s erscheinen im Ahd. als f d s h.

Die Reibelaute f s bleiben also unverändert.

Þ wird im Ahd. zuerst th geschrieben, was den sth. Reibelaut bezeichnet.

Der Reibelaut wird teilweise bewahrt (sehs), teilweise zum Hauchlaut h und
im Anlaut vor Kons. verschwindet er ganz.

Bsp. (as. u. got. Formen repräsentieren den germ. Lautstand):

Germ. Ahd.

f > f as. faran ahd. faran


Þ > d got. brôÞar ahd. bruoder
s > s as. wesan ahd. wesan
> h as. fehu ahd. fihu
> Ø (im Anlaut) as. hnigan ahd. nîgan

Die sth. germ. Reibelaute b g bzw. die aus ihnen entstandenen sth.
Verschlusslaute b d g erscheinen im Ahd, vielfach als b t g.
(Abweichungen davon sind sprachgeographisch zu erklären.)

Bsp.:

Germ. Ahd.
b > b as. geban ahd. geban
> t as. dag ahd. tag
g > g as. stîgan ahd. stîgan

Die wichtigste Veränderung innerhalb des Kons. betrifft die stl. Verschlusslaute
p t k, die sich zum Ahd. hin ganz speziell u. typisch weiterentwickeln.
Sie werden je nach Stellung im Wort verändert, u. zwar danach, ob sie nach
einem Vokal (postvokalisch) oder nicht postvokalisch (entweder im Anlaut,
nach einem Konsonant oder in der Gemination) stehen:

postvokalisch nicht postvokalisch


a) im Anlaut
b) postkonsonantisch
c) in der Gemination

Germ.p t k p t k

Ahd. ff ss hh pf ts kch

Doppelreibelaute Affrikaten
(Doppelfrikative) (Verbindung aus Verschluss- u. Reibelaut)

Die Doppelreibelaute ff ss hh werden nach Langvokal, Diphthong u. im Auslaut


vereinfacht.

Geschrieben werden die Doppelfrikative meist ff zz ch


Bei den Affrikaten begegnen die Schreibungen pf-ph, ts-zz/z/tz, kch-kh/ch

Beispiele
A) in postvokalischer Stellung:

Germ. p ahd. ff as. opan ahd. offan


ahd. ff > f (nach Langvokal) as. slâpan ahd. slâfen

Germ. t ahd. ss as. watar ahd. wazzar


ahd. ss > s (nach Langvokal) as. lâtan ahd. lâzan

germ. k ahd. hh as. makôn ahd. mahhôn


ahd. hh > h as. ôk ahd ouh
(nach Langvokal, Diphthong u. im Auslaut)
B) in nichtpostvokalischer Stellung:
(im Anlaut – nach Konsonant – in der Gemination)

germ. p ahd. pf as. porta ahd. phorta (Anl.)


as. sceppian ahd. scepfen (Gem.)

Nach Liquid (r, l) wird pf > f:


germ. p ahd. pf > f as. werpan ahd. werfan (n. Kons.)

germ. t ahd. ts as. tîd ahd. zît (Anl.)


as. luttil ahd. luzzil (Gem.)
as. herta ahd. herza (n. Kons.)

germ. k ahd. kch as. kind ahd. chind (Anl.)


as. akkar ahd. acchar (Gem.)
as. werk ahd. werch (n. Kons.)

Wie bei der 1. LV gibt es auch hier in Verbindung mit bestimmten Konsonanten
keine Verschiebungen. Dies betrifft:

p t k in den Verbindungen sp st sk sowie


t in den Verbindungen ft ht

Bsp.:
spil, stein, skôni
haft, naht

ebs. anlautendes t vor r: got. triggwa – ahd. triuwa.

Alle sonstigen Abweichungen sind sprachgeographisch zu interpretieren.


Die sprachgeographische Gliederung des Ahd. aufgrund der

2. Lautverschiebung (LV)

Die regionale Gliederung des Deutschen ist seit Beginn des Ahd. insbesondere
durch die unterschiedliche Ausprägung der 2. LV bestimmt.

NIEDERDEUTSCHER RAUM (in ahd. Zeit = Niedersächsisch)

MITTELDEUTSCHER RAUM
HOCHDEUTSCHER RAUM
OBERDEUTSCHER RAUM

N i e d e r d e u t s c h e r Raum:
Er wurde von der 2. LV nicht erfasst.
Hier sind die germ. stl. Verschlusslaute p, t, k und germ. b, , g /b d g
unverändert bewahrt.

H o c h d e u t s c h e r Raum:
Gemeinsamkeit aller hochdt. Mundarten ist:
-die Verschiebung von germ. p, t, k in postvokalischer Stellung zu ff, ss, hh
(außer bei t nach Vokal in Kleinwörtern wie dat, et, allet)

-die Verschiebung von t in nichtpostvokalischer Stellung, d.h. im Anlaut, in


der Gemination und postkonsonantisch zur Affrikate ts

Niederdeutsch

-----------Benrather Linie oder ik-ich-Linie----------

Hochdeutsch

Die Grenzlinie zwischen dem niederdeutschen und hochdeutschen Raum ist


nach dem Ort (Benrath) benannt, bei dem sie den Rhein überquert, die sog.
Benrather Linie. Sie trennt z. B.:

Postvokalisch p t k nichtpostvokalisch t

nd. open water maken tîd


hd. offen wasser machen zeit
Das Mitteldeutsche

Verschiebung von germ. p in nichtpostvokalischer Stellung

Westmitteldeutsch Ostmitteldeutsch

Bewahrung von germ. p Verschiebung von:


(im Anlaut, postnasal u. in der Gemination). p zu f (im Anlaut)
p zu pp (in der Gemination
p unverschoben (nach Nasal)

Im O b e r d e u t s c h e n ist p in allen diesen Stellungen zu pf verschoben.

Die Grenze zwischen den mitteldt. und den oberdt. Mundarten heißt Speyerer
Linie (auch Appel-Apfel-Linie). Sie trennt z.B.:

im Anlaut in der Gemination postnasal

md. pund (wmd.) appel damp


fund (omd.)

obd. pfund apfel dampf

Das südwestliche O b e r d e u t s c h e wird von der sog. Bodensee-Sundgau-


Linie (Verschiebung k-kch, daher auch kind-kchind-Linie) durchzogen.
Sie trennt das S ü d a l e m a n n i s c h e mit den verschobenen Formen
(kchind) vom N o r d a l e m a n n i s c h e n mit den unverschobenen Formen
(kind).

Nordalemannisch

----------kind-kchind-Linie-----------------------

Südalemannisch

Verschiebung von germ. k zu kch erfolgt in nichtpostvokalischer Stellung:

chind /kind
danch /dank
leckchen / lecken
W e s t m i t t e l d e u t s ch

Die meist schwach betonten Kleinwörter das, was, es alles haben t auch südlich
der Benrather Linie bewahrt.

Der Rheinische Fächer


(Untergliederung des westlichen Mitteldeutschen)

Ripuarisch

M i t t e l f r ä n k i s c h:---------dorp-dorf-Linie-------------

Moselfränkisch

------------dat-das-Linie---------------------------------------------------

Rheinfränkisch

Mittelfränkisch dat wat et allet


Rheinfränkisch das was es alles

Das Mittelfränkische gliedert sich heute wiederum in das nördlich gelegene


Ripuarische und das südlich anschließende Moselfränkische.

Die Grenze zwischen dem Ripuarischen und Moselfränkischen ist behaftet mit
dem Merkmal der Verschiebung von p (nach Liquid r, l).
Nördlich ist p unverschoben, südlich haben wir verschobene Formen:

Ripuarisch dorp helpen


Moselfränkisch dorf helfen