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Der Genadier : der Elitesoldat der Armee

Autor(en): Heinze, Fritz

Objekttyp: Article

Zeitschrift: Schweizer Soldat + MFD : unabhängige Monatszeitschrift für


Armee und Kader mit MFD-Zeitung

Band (Jahr): 63 (1988)

Heft 11

PDF erstellt am: 28.07.2019

Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-716631

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Der Grenadier - der Elitesoidat der Armee
Von Korporal Fritz Heinze, Herisau

Sonntagabend für Sonntagabend fahren sie über den Ceneri nach Bironico, um dort ins Val d'lsone einzubiegen und die letzten Kilometer auf der
kurvenreichen und teilweise steil ansteigenden Strasse nach Isone unter die Räder zu nehmen. Es ist hier die Rede von den Grenadieren. Wo-
chen und Monate verbringen sie in diesem malerischen Tessinertal, von dessen anziehenden Eigenschaften sie jedoch bestimmt nicht viel mer-
ken, denn hier sind die Prioritäten anders gesetzt.

gehen der steilen Hänge und weiten Täler ihr


täglich Brot geworden. Das Val di Serdena
und Val di Caneggio bieten einerseits genü-
gend Platz für die zahlreichen Arbeitsplätze
der Schule und anderseits den Grenadieren
die Möglichkeit, weitab von Zivilisation (und
Tourismus) ihre Scharfschiessübungen und
Sprengeinsätze ohne Belästigung Dritter zu
absolvieren. Schon im Jahr 1954 hatte der da-
malige Schulkommandant, Oberst Brunner,
den jetzigen Standort der Schule als «das 7ä/
der unbegrenzten A4ög//c/7/ce/fen» bezeich-
net. Ein Urteil, das bestimmt auch von der
heutigen Generation bestätigt wird.

Die Geschichte der Grenadiere in unserer


Armee
Mit der Gründung der Grandierschule in Lo-
sone im Jahre 1943 und dem Einzug der Gre-
nadierkompanien in die Infanterie-Regimen-
ter hatte eine Elitetruppe in unserer Armee
ihren Platz gefunden. Einen Platz, den es
Die Grenadierschule mit dem Dorf Isone im Hintergrund dringend zu besetzen galt, der aber vor
Kriegsbeginn von niemandem besetzt werden
konnte. Dies ist auch einer Abhandlung über
Seit 15 Jahren, nämlich seit der Aufhebung man seinen Blick weiter hinauf, werden die den «A/rf/Vd/ensf 7939» von Oberst i
Gst
der Grenadierschule in Losone am Lago grossen Laub- und Nadelwälder an den steii- Scheitlin zu entnehmen: «... So b/'ess es 7940
Maggiore, erhalten die Grenadiere in diesem abfallenden Hängen sichtbar, und der Ein- efwa, es feb/e a//geme/u an Wa/fenbebe/r-
verlassenen Tal ihre Ausbildung. Zwar wird druck eines «ver/assenen 7a/es» erhärtet scbu/ig, Ge/ä/ideausuüfzuog und Zusam-
die Talschaft von den Einwohnern der beiden sich. menarbe/Y /'n Gruppe und Zug, wesba/b /'«Yen-
Dörfer Medeglia und Isone bevölkert, doch Diese gut sieht- und spürbare Eigenschaft des s/Ve AusMdung nd'7/g se/'.» Instruktions-
verlässt man die bewohnte Gegend in Rieh- Val d'lsone brachte es mit sich, dass schon im hauptmann Matthias Brunner, Kdt Füs Kp 11/
tung Kaserne, so dominiert der Waffenplatz Jahr 1954 erstmals Grenadiere in dieser Ge- 80, begann mit der Nahkampfausbildung in
Isone mit seiner Infrastruktur, den asphaltier- gend die Schiessverlegung absolvierten. seiner Einheit bei Kriegsbeginn. Er erhielt vom
ten Strassen und den Übungsplätzen. Hebt Mittlerweile ist Isone ihre Heimat und das Be- damaligen Kommandanten der 7. Division, Div

Der Flammenwerferspezialist beim Einfüllen des Der Flammenwerfer im Häuserkampf. Das als feiner Strahl durch das Flammrohr austretende Öl verwandelt
Stickstoffes, durch dessen Druck das Flammöl aus das getroffene Ziel in ein flammendes Inferno,
dem Flammrohr herausgepresst wird.

SCHWEIZER SOLDAT 11 /88 19


ke/'f be/' der flek/x/f/'e/'unp, e/bes boben Le/'-
sfx/ngspro//7s sow/'e e/ner Ausb/Wunp m/'f bo-
be/7 Anforate/x/npen s/nd d/'e Grenad/'ere be/ä-
b/pf, d/'e E/beverbände der //7/ar?fer/'e zu se/b.
E/b so//"der Korpsge/sf be/ab/pf s/'e zu beson-
dere/7 Le/'sfungen.» Die Truppe, der diese De-
finition sicher nicht zu Unrecht zugeschrieben
wird, ist ein wichtiger Teil des Regiments. So
rechtfertigt sich auch die direkte Unterstel-
lung unter den Rgt Kdt. Sie kann jedoch kurz-
fristig für einzelne Aktionen in einem Bataillon
aufgehoben werden.

Die Hauptaufgaben der Gren Kp sind:


• streichartige
Auslösen von Gegenschlägen (hand-
Vernichtung von aufgeiaufe-
nem Gegner)
• Auslösen von Gegenangriffen
Die Ausbildung im Nahkampf basiert nicht nur auf • Bekämpfung eines infiltrierten oder aus
der Luft gelandeten Gegners
dem Zweikampf mit Sturmgewehr und Bajonett.
• Besetzung von vorbereiteten Stellungen

Hans Frick, den Auftrag, eine Spezialeinheit


• Durchführung von Störaktionen

aufzustellen und auszubilden. Es war damals


allerdings nicht von einer Grenadierkompanie
die Rede, sondern von einer «/n/anfer/ep/o- Der Häuserkampf, eines der wichtigen Elemente in
n/er/rompame». Einen grossen Schritt nach der Ausbildung und im späteren Einsatz. Hier beim
vorne machte Hptm Brunner anlässlich einer Abrutschen am Tau.
Demonstration seiner Truppe auf der Schwä-
galp(KtAR)am 15. Juli 1942. General Guisan,
Heereseinheitskommandanten und Militärat- In die Zuständigkeit der Grenadiere gehören
tachés waren als Zuschauer anwesend. Der auch Gewässerüberschreitungen bei An-
Einsatz der Pioniere war grossartig und be- griffsaktionen. Hier handelt es sich um den
eindruckend. Am Fusse des Säntis zeigte die Einbau des Stegs 58, der es erlaubt, sehr
Spezialeinheit erstmals, was sie, die spätere kurzfristig auf- und wieder abgebaut zu wer-
Grenadierkompanie, zu leisten imstande ist: den. Einsatzmöglichkeiten finden sie auch bei
Handgranatenangriffe, Sturm gegen Häuser, raschen Verminungen in der ersten Phase.
Flammenwerfereinsätze und Scharfschiess- Dies aufgrund der grossen Zuteilung von Mi-
Übungen. Die Übung der Eliteeinheit ging als nen und Sprengstoff.
Modell in die Geschichte ein. Ebenso denk- Nicht eingesetzt (oder nur in Ausnahmefällen)
würdig bleibt der 15. Juli 1942. Denn hier ent- wird die Gren Kp in der Verteidigung. Damit
schloss sich General Guisan, für jedes Inf Re- würde die Kp gebunden, und der Rgt Kdt ver-
gimenteineGrenadierkompaniezu schaffen. löre die Handlungsfreiheit über ein Reserve-
element.
Die Spezialisten im Inf Regiment
Die Ausbildung
Aus einem Papier der Grenadierschulen über
die Eigenart der Grenadiere ist wörtlich zu Der Grenadier, Elitesoldat in der Armee. In-
entnehmen: «Au/p/x/ntf des böbere/7 Ausb/'/- nerhalb von 17 Wochen macht Schulkom-
c/unpss/andards, des P/7/?z/ps der F/e/Vv////p- Überquerung einer Schlucht auf dem «Nepalsteg». mandant Oberst Gst Ulrico Hess seine Re-
i

Letzte Handgriffe vor dem Beginn der Jagdkampfübung. Das Gesicht ist gesch- Der einheitliche und praktische Haarschnitt "der Rekruten in Isone.
wärzt und die Kämpferkapuze hochgeschlagen.

20 SCHWEIZER SOLDAT 11/88


Das Erinnerungsbuch
zur Mobilmachung:
Heiteres aus dem Aktivdienst 1939-1945

Ernst Herzig, 1914, leistete sei-


nen Aktivdienst als Wacht-
meister im bernischen Schüt-
zenbataillon 3. Von 1953 bis
1985 nebenamtlicher Chefre-
daktor der Monatszeitschrift
«Schweizer Soldat». Verfasser
und Herausgeber zahlreicher
militärgeschichtlicher Werke.

und ins Bild gesetzt


mit Zeichnungen
von Eugen W. Schmid

Ernst Herzig

Weisch no? Huber


132 Seiten, gebunden, Fr.34 —

Hunderttausenden Schweizerinnen und Schweizern in In diesem Buch ist ausgearbeitet und wiedergegeben, was
Uniform hat sich der Aktivdienst 1939 — 1945 als unaus- -
Aktivdienstveteranen aller Gradstufen vom Füsilier, vom
löschliches Erlebnis eingeprägt. Er hatte und hat seinen fe-
sten Platz in der Erinnerung an jene Zeit, die vor 50 Jahren
-
Kanonier bis zum Divisionär an Anekdotischem selber
erfahren haben. Das Geschriebene wird aufgelockert und
ihren Anfang nahm. Aber diese «dunklen Jahre» der Be- bereichert mit den bildlichen Darstellungen vom begab-
drängnis und der Bedrohung Hessen für den Soldaten des ten Zeichenstift des Oberleutnants Eugen Schmid - jedes
Aktivdienstes gelegentlich auch Helles und Freundliches Bild ist eine Geschichte für sich.
erkennen. Fast ein jeder weiss zu berichten, wie in Stun-
den schwerster körperlicher Anstrengung oder geisttöten-
der Monotonie oder fast unerträglicher Anspannung oder
in Augenblicken düsterster Verzweiflung ein trockener
Witz, ein komisches Ereignis wie Sonnenstrahlen aus dü-
sterem Gewölk aufblitzten und von Last und Druck be-
freiten. Es gab sie zu Tausenden, diese Anekdoten aus mi-
litärischem Erleben, und sie wurden während Jahren und
Jahrzehnten erzählt, wenn ehemalige Kameraden des Ak-
tivdienstes sich trafen und Erinnerungen austauschten
Weisch no?
-

I—

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Ex. Herzig, Weisch no?, zu Fr. 34 - (1004)
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8500 Frauenfeld Huber&Co. AG, Buchverlag, Postfach, 8500 Frauenfeld
men: «... was, we/7/7 /77fr ctes pass/'ert...?» Auf
Nichteignung zum Grenadier steht die Verset-
zung zur Infanterie.

Mit diesen Gedanken sind wir mitten in der


Ausbildung des Grenadiers. Doch wie sieht
der Beginn aus? Dem Stellungspflichtigen
stehen bei der Wahl der Waffengattung vor al-
lern drei Punkte im Vordergrund: 1. Die Grena-
diere sind eine Elitetruppe. 2. Die körperliche
Herausforderung und 3. Vielseitiger Einsatz
der Waffen (Sturmgewehr, Handgranaten,
Flammenwerfer, Sprengen usw.) Doch was
die Stellungspflichten noch nicht berücksich-
tigen, ist der Umstand, dass ihnen über 17
Wochen hinweg bei einem Leistungsabfall
oder beim Nichterfüllen einer Norm die Ver-
Setzung (oder für die Grenadiere die Degra-
dierung) zur Infanterie droht. Doch trotz
höchsten Anforderungen hält der Run in
Richtung Isone an. Wer bei der Turnprüfung
die erforderliche Punktzahl erreicht hat, will in
das Tessin, und wer sich zusätzlich über
bergsteigerische Fähigkeiten ausweisen
Kein Morast wird gescheut, denn schweres Terrain gehört zum Alltag. kann, meidet sich zu den Gebirgsgrenadie-
ren.
Trotz psychischen und physischen Belastun-
kruten zu knallharten und einsatzbereiten Ausbildung erfolgt zu diesem Zeitpunkt drill- gen ist der Grenadier überzeugt von seinem
Soldaten. Oberst Hess, selbst als Grenadier mässig. An allen Waffen und Geräten übt der Handwerk. Für ihn zählt die Leistung. Dass
ausgebildet, hat wohl als einer der wenigen Rekrut, bis die einzelnen Handgriffe im Schlaf der Grenadier aus anderem Holz geschnitzt
Kommandanten die Möglichkeit, vom Um- ausgeführt werden können. Der Drill, in den ist, offenbart sich schnell. Einsatzfreudig
stand, ausschliesslich Freiwillige auszubil- letzten Jahren eher auf dem Rückzug, gehört dürfte eines seiner ausgeprägtesten Prädika-
den, zu profitieren. Er vergleicht diese Situa- zu den Lehrmethoden von Oberst Hess. Seine te sein, das sich auch in Momenten von feh-
tion mit jener in der Offiziersschule. Die Leute Worte: «Wafrencfr/// /sf sehr gross gresc/7/te- lendem Leistungsdruck immer wieder be-
sind motiviert, und für ihn ergibt sich daraus öen.» Denn es ist falsch zu glauben, wenn et- merkbar macht. Die gute und aufgestellte Mo-
«e/'ne gefreute Arbe/'L» was einmal mit Erfolg durchgeführt wurde, es ral der Rekruten in isone ist deshalb ein Grund
Der kurze Haarschnitt, der in der Schule in auch zu beherrschen. Nach derdrillmässigen mehr, den Worten von Oberst Hess Glauben
Isone allenthalben getragen wird, ist bereits Ausbildung folgten der Häuserkampf mit dem zu schenken: Es ist ein schönes Arbeiten mit
ein Zeichen dafür, dass es nicht die normale Einsatz des Flammenwerfers, Jagdkampf, diesen Männern.
RS ist, die wir alle kennen. Dass hier die Haare Hinterhalt und die Stegbauwoche (der Einsatz Ist der Kampf für die Rekruten während der
sehr kurz getragen werden, hängt nicht mit des Stegs 58). Die Gebirgsgrenadiere erhal- Ausbilungszeit hart, so trifft dies nicht weniger
dem DR zusammen. Dies geschieht auf frei- ten ihre Spezialausbildung einerseits im Klef- auf die abverdienenden Korporale zu, die
williger Basis. Das beim Eintritt in die Schule tergarten in Isone und anderseits in der zwei- aspirieren. Sie gehen den beschwerlichen
vorhandene Modebewusstsein reduziert sich wöchigen Verlegung in Airolo. Höhepunkte in Weg, den sie bei der Stellung eingeschlagen
nach spätestens einer Woche auf ein Mini- der 17wöchigen Ausbildung sind zweifellos haben, konsequent zu Ende. Sie nehmen die
mum, und praktische Überlegungen gewin- die Jagdkampfwoche (Raum Malcantone) Mühsal auf sich, zu allen sehr anforderungs-
nen die Oberhand. und die Übung «Luga/70 Afofte», deren kurze reichen Prüfungen anzutreten. Und sie würdi-
Dauer von nur einer Nacht doch sehr typisch gen den bereitstehenden Pinzgauer, der sie
Nach dieser Zeitspanne ist auch dem letzten ist für die Grenadiere: kurz, aber präzis. Die aus der Prüfung heraus in die Kaserne fahren
Mann klar, was ihn in den kommenden Wo- Durchhaltewoche am RS-Ende gibt dem Sol- könnte, keines Blickes. Denn dann wären sie
chen erwartet. Doch so vielseitig die Ausbil- daten noch eine abschliessende Gelegenheit, aus dem Rennen. Sie haben alle ein Ziel. Ir-
dung des Grenadiers ist, ist davon in der An- seine erworbenen Kenntnisse einzusetzen. gendwann in den kommenden Monaten Gre-
fangsphase der Schule nichts zu spüren. Die Dies sowohl gefechtstechnisch als auch im nadierleutnant zu werden. Und, auch das ge-
Überlebenskampf. hört zu ihrem Stolz, in Isone, ihrer Heimat, den
Leutnant abzuverdienen.
Stress - der Begleiter des Grenadierrekruten
Die Einteilung zu einer Elitetruppe verpfiieh-
tet. Durchschnittliche Leistungen reichen
nicht aus. Zum einen ist der persönliche Ehr-
geiz sehr gross und zum anderen die Anfor-
derungen der Schule entsprechend dem Aus-
bildungsziel enorm. Neben der körperlichen
Belastung kommt die psychische, die Angst
vor dem Versagen, die Angst, die geforderte
Leistung nicht mehr erbringen zu können.
Man hat keine Wahl. Wer in isone zum Grena-
dier ausgebildet werden will und wird, trägt
die Konsequenzen. Die Freiwilligkeit hat ihren
Preis und macht täglich letzte Kräfte mobil.
Für manch einen guten Sportler mag diese
Belastung zu Beginn nicht präsent sein. Doch
das Tagewerk des Grenadiers findet weder in
Turnschuhen noch auf der Aschenbahn statt,
«/m Fe/d», auf Packungsmärschen, Stunde
um Stunde, auf Zeit. Der Grenadierrekrut be-
Der Grenadier. Nass, dreckig, mit verzerrtem Ge- merkt Kameraden, die am Ende ihrer Lei- Eine Alternative zum «Nepalsteg». Die Überwindung
sieht. Aber immer vorwärts drängend und immer zum stungsfähigkeit angekommen sind oder zu- der Schlucht per «Tyrolienne», das heisst an einem
Kampf bereit. sammenbrechen. Er überlegt sich beklom- Seil.

22 SCHWEIZER SOLDAT 11/88


im Verlaufe der Nacht verändert hatte,
jagdkampfmässige Verschiebung zu einem
Einkaufszentrum, wo den Grenadieren erneut
Absicherungsaufgaben zugewiesen wurden.
Die Exfiltration erfolgte vor Tagesanbruch
ebenfalls durch die Kanalisation.

Jagdkampf, das Thema einer Übungswoche


im Malcantone. Ausgerüstet mit den wichtig-
sten Gegenständen zum Überleben, aber
ohne privaten Proviant und mit Geld, das ge-
rade für einen Telefonanruf reichte. Von der
Achse Monte Ceneri-Lugano aus, bei Sigiri-
no, brach die Grenadier-Einheit auf. Mit Voll-
Packung und kompletter Bewaffnung. Hinauf
ins innere des Malcantone führte sie der Weg,
Eine Gruppe in einer Querpassage, wo sie auf einer Alp unweit der italienischen
Grenze zugsweise ihren Bereitschaftsraum
bezogen. Ihre Unterkünfte, Erdlöcher mit
Übungen der Grenadier-Schule Zeltblachen zugedeckt, waren nicht luxuriös,
und der Regen machte für die Grenadiere die
Die Angaben, die in diesem Artikel Auskunft Situation noch etwas unangenehmer. Vom
über die Aufgabenbereiche der Grenadiere Bereitschaftsraum aus wurden Hinterhalte, Hinterhalt doch noch korrekt abzugeben oder
geben, sind trockene Materie. Die Realität Brückensprengungen und Überfälle auf Rak- die Sprengung der Brücke planmässig durch-
dieser Soldaten sieht wesentlich spannender Stellungen von den Zugführern und Korpora- zuführen, im Verlaufe dieser Tage wird das
und manchmal auch atemberaubender aus, len rekognosziert, um anschliessend mit der korrekte taktische Verhalten zur zweiten Natur
als man sich das infanteristische Handwerk Gruppe oder dem Zug den Auftrag auszufüh- der Grenadiere. Die Worte »L/ngrese/ren und
gelegentlich vorsteilt. Denn trotz (oder we- ren. In diesem Wort «anschliessend» sind al- ungre/rörf» haben sich in ihnen fest verankert.
gen) der fehlenden hochentwickelten Tech- lerdings stundenlange Märsche mitenthalten, Und ihre Kampfkraft, die Schnelligkeit und
nologie, die bei anderen Waffengattungen was für aile Grenadiere auch hier wieder eine Aufmerksamkeit macht sie zu dem, was sie
eingesetzt wird, steckt die Dienstleistung des extrem hohe körperliche und nervliche Bela- sein müssen und was von ihnen verlangt wird:
Grenadiers voller befriedigender Momente, stung bedeutete, nach dem langen und be- zu furchtlosen Kämpfern, deren Einsatzwille
die sich jeder einzelne erarbeitet hat. Schnelle schwerlichen Marsch die Schüsse aus dem das Mass des Normalen übersteigt. D
Verschiebungen und blitzartiges Handeln
sind seine Spezialität. Der Slogan «ungese-
hen und ungehört» muss jederzeit befolgt
werden. Als Beispiel dafür sei hier kurz die Grenadierkommandantentreffen in Isone
Übung «Lugano Notte» geschildert, in deren Von Hptm Marcel Buttliger, Lenzburg
Verlauf die Grenadiere in Lugano infiltriert Am 12. August 1988 trafen sich die Kommandan-
wurden. Dort unterstützten sie die Stadtpoli- ten der Auszug- und Landwehrgrenadierkompa-
zei Lugano bei Sicherungs- und Bewa- nien auf dem Ausbildungsplatz der Grenadiere in
Isone/Tl zum Gedankenaustausch und zu einer
chungsaufgaben. Dauer: von 18.00 bis 05.00.
allgemeinen Orientierung über die Ausbildung
und den Einsatz der Grenadiere. Dabei genossen
Die Anfahrt erfolgte per Lastw bis Massagno. die aktiven und die angehenden Kommandanten
Nach einem gesicherten Halt und der Organi- sowie die interessierten Zugführer, die ebenfalls
sation der Gruppen wurde in die Kanalisation eingeladen waren, das Gastrecht der Grenadier-
eingestiegen, und im Laufschritt ging's unter schule.
der schlafenden Stadt durch in Richtung See. Neben einem Referat der Verantwortlichen des
Bundesamtes für Infanterie, Sektion Personelles Die Zuschauer bei der Schiessdemonstration.
Auf der Piazza fand der Lauf sein Ende. Aus-
der Truppe, über allgemeine Einteilungsgrund-
stieg aus der Kanalisation und Einweisung sätze und die Zusammenarbeit zwischen den Mi-
durch die Polizei. Nachdem sich die Feindlage lizkommandanten und der Verwaltung, bot der und Gefechtspisten im WK. Oberst Hess verstand
Schuikommandant, Oberst i Gst Ulrico Hess, es als ehemaliger Grenadier hervorragend, den
einen Einblick in das derzeitige Ausbildungspro- kurzen Tag so zu gestalten, dass die teilnehmen-
gramm der Schule. Die kurzen Ausbildungsse- den Kommandanten einerseits einen Überblick
quenzen, die gezeigt wurden, demonstrierten ei- über die derzeitigen Aktivitäten in Isone gewan-
nerseits erneut, dass die angehenden Grenadie- nen und andererseits genügend Zeit fanden, das
re nach wie vor aus jenem Holz geschnitzt sind, Gespräch und den Gedankenaustausch zu pfle-
das den Korps- und Elitegeist dieser Truppe aus- gen.
macht, und gab andererseits den Kommandan- Nach einer Besichtigung eines 12-cm-Mw-
ten einige Impulse für die Anwendung der Drill- Schiessens, welche ab 1990 auch im Feld Inf Rgt
eingeteilt werden, ergab der folgende, sehr an-
regende Gedankenaustausch, dass die Grena-
dierkommandanten nach wie vor bereit sind, von
sich und der Truppe mehr zu fordern und auch zu
leisten, und der Wille, sein Bestes zu geben, auf
allen Stufen vorhaden ist. Übereinstimmend
wurde dabei festgestellt, dass den Grenadieren
aber eine entsprechende Lobby fehlt, um bei den
politischen und Verwaltungsinstanzen Einfluss
geltend machen zu können. Bezüglich Ausrü-
stung und Bewaffnung stehen die schweizeri-
sehen Grendiere als Eliteverbände noch weit
hinter dem zurück, was vergleichbaren auslän-
dischen Truppen mit ähnlich hohem Ausbil-
dungs- und Leistungsniveau an Material und
Waffen zur Verfügung steht. Das Gremium der
Grenadierkompaniekommandanten will sich
weiterhin für die Förderung seiner Einheiten im
Der Kommandant der Grenadierschule Oberst i
Dienst und ausserdienstlich einsetzen.
Gst Ulrico Hess gibt den Besuchern engagiert Das nächste Kommandantentreffen ist für 1990
Impulse für die Ausbildung der Truppe. geplant.
Gebirgsgrenadier an der Leiter.

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