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Panzerjäger Piranha - moderne Waffe mit Biss

Autor(en): Egli, Eugen

Objekttyp: Article

Zeitschrift: Schweizer Soldat + MFD : unabhängige Monatszeitschrift für


Armee und Kader mit MFD-Zeitung

Band (Jahr): 64 (1989)

Heft 8

PDF erstellt am: 28.07.2019

Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-716034

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Panzerjäger wurde feierlich der Truppe übergeben

Panzerjäger Piranha - moderne Waffe


ifl EM'DPOK
Von Fourier Eugen Egli, Ostermundigen
' -5"^/
-
Die ersten Panzerjäger Piranha 6x6 mit Lenkwaffensystem TOW 2 sind bei der Truppe; sie wurden kürzlich unter Anwesenheit von Bundesrat
-
Villiger der Truppe übergeben. Die mit dem Rüstungsprogramm 86 durch die Räte bewilligten 310 Panzerjäger lösen die rückstossfreien Pan-
zerabwehrkanonen 58 (BAT) sowie die Panzerabwehrlenkwaffe 65 Bantam ab, welche beide bezüglich Durchschlagsieistung den heutigen An-
forderungen nicht mehr genügen und zudem über keinen Splitterschutz verfügen. Umgerüstet werden bis 1992 31 Panzerabwehrkompanien der
Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen. Der schnelle, gewandte und treffsichere Panzerjäger, mit seiner Panzerabwehrlenk-
waffe TOW 2, vermag alle bekannten Panzerungen zu durchschlagen. Mit der Beschaffung des Piranhas erhält die Infanterie erstmals ein gepan-
zertes Fahrzeug.

Das angesprochene, englische «Go» ist in Tat


und Wahrheit ein unmissverständlicher Be-
fehl des Panzerjäger-Kommandanten an sei-
nen Fahrer, das Fahrzeug unverzüglich in Be-
wegung zu setzen. In eindrücklicher Weise
braust darauf der Piranha los, als befände er
sich an einer Rennveranstaltung. Bald aber
trifft der Fahrer auf schwierig zu befahrende
Geländeabschnitte, die Fahrpiste wurde
nämlich entsprechend mit Hindernissen
durchsetzt. Da sind einmal riesige Bodenwel-
len zu meistern, da ist eine grosse Steigung zu
überwinden, gefolgt von einem ebenso star-
ken Gefälle, wo der Fahrer sein Gefährt vor-
erst ins Leere zu lenken scheint. Dann wie-
derum geht es durch seifigen, rutschigen
Schlamm, und schliesslich müssen extreme
Neigungen befahren werden. Dies alles aber
scheint dem Piranha keinen besonderen Ein-
druck zu machen, er meistert alle Hindernisse,
als wäre es nichts. Die Journalisten sind zu
einer Probefahrt eingeladen, welche über die
eben beschriebene Strecke führt. Zum Teil et-
was benommen entsteigen die Medienleute
den Fahrzeugen allzugern wieder. Die riesi-
gen Bodenwellen haben ihre Spuren hinter-
lassen.

Wie kämpft der Piranha?


Der Piranha kämpft auf Distanzen von 700 bis
Bundesrat Villiger übergibt am 12. Mai 1989 der Truppe die ersten Panzerjäger (AP) 3700 Metern, wobei die idealen Schussdi-
stanzen über 2000 Metern liegen. Die höchst-
mögliche Einsatzdistanz von 3700 Metern
«D/'e Zähne ctes P/zanhas s/nd scharf wfe e/h und nun den durch das EMD geladenen Jour- liegt also über derjenigen gegnerischer
Fas/ermesser uncf /rönnen mühe/os e/'n S/üc/c nalisten die Einsatzmöglichkeiten dieser Kampfpanzer.
Ffe/sc/7 aus e/'nem Menschen /7eraussc/7ne/- neuen Panzerabwehrwaffe unserer Infanterie Wo feindliche Panzer, Schützen- oder Son-
den, mctem s/e /-/auf, F/e/'sch, Sehnen und vor Augen führen sollten. derpanzer auftauchen und andere Mittel we-
Knochen w/'e m/f e/'ner Gef/üge/schere durch-
/rennen. A//'e pre/Ten P//-ar?/7as e/'nze/n an, son-
dem s/e/s /'n Schwärmen, fl/'echen s/'e S/uf,
werden aus /'hnen wahre Teu/e/», steht in
Knaurs Tierreich über den vielgefürchteten
Fisch, der in Ost-Brasilien heimisch ist.
Ähnliches kann tatsächlich auch über unsere
neuste Panzerabwehrwaffe gleichen Namens
gesagt werden. Auch ihre Zähne sind scharf
wie ein Rasiermesser, durchdringt doch die
Panzerabwehrlenkwaffe TOW2 alle heute be-
kannten Panzerungen. Und eine weitere
Gleichheit mit dem Namensvetter aus den
Tiefen des Meeres: auch der Panzerjäger
greift nicht allein, sondern mindestens zugs-
weise, mit drei Panzerjägern an. Und
schliesslich werden auch die sechsrädrigen
Piranhas zu wahren Teufeln, wenn sie aus
ihren Feuerstellungen feindliche Panzer ins
Visier nehmen.

«Go/» ertönt es aus einem der bereitstehen-


den Panzerjäger Piranha, welche in einem
feierlichen Akt der Truppe übergeben wurden HansChristeller, Projektleiter Panzerjäger EMD, dankt allen Beteiligten am Projekt für die wertvolle Mitarbeit.

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Panzerjäger MOWAG-PIRANHA mit Lenkwaffen...

der lange Arm der Infanterie


Die weltbekannten Radpanzer MOWAG-Piranha mit ihrer günstigen Silhouette erbringen über-
durchschnittliche Leistungen sowohl auf der Strasse als auch im Gelände. Sie bilden ein dyna-
misches Element im Kampf und ermöglichen dem Kommandanten, Abwehrschwerpunkte rasch
zu verlagern.

MOWAG-PIRANHA's haben in zahlreichen Ländern härteste Evaluationen siegreich bestanden.


Sie sind unter anderem in grossen Stückzahlen eingeführt in den USA und in Kanada.

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Eine Ausstellung liess genauere Einblicke in die drei Im Panzerjäger werden unter anderem acht Lenkwaffen (Vordergrund) mitgeführt.
Teilsysteme der neuen Panzerabwehrwaffe zu. Im
Bild der Werferturm mit dem integrierten Panzerab-
wehrlenkwaffensystem TOW 2.

ekte von Morgen

Hans-U Weingart, Verkaufsdirektor der Mowag, zeig-


te sich erfreut darüber, dass für die Mowag mit der
Für Divisionär Sollberger, Waffenchef der Infanterie, war es ein ganz besonderes Ereignis, er durfte erstmals in Piranha-Bestellung eine lange Durststrecke mit
der Geschichte unserer Infanterie ein gepanzertes Fahrzeug entgegennehmen. EMD-Aufträgen endete.

Blick in den Ausbildungsfahrerstand, in welchem die


Panzerjägerfahrer ohne jeglichen Benzinverbrauch
trainieren können.

Moderne Waffen ziehen moderne Ausbildungsanlagen mit sich. Hier die neue Funkführungsanlage in Cham-
blon.

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Das Bild beweist es: Bei den Panzerjägerbesatzun- Zwei am Projekt Piranha massgeblich Beteiligte im Gespräch: links Ernst Rengger, Projektleiter TOW bei den
gen handelt es sich um aufgestellte Leute, welche F+W Emmen, rechts Alfred Lüthi, Direktor der Zulieferfirma Mecaplaex in Grenchen.
von ihrem neuen Waffensystem überzeugt sind.

Die Geländegängigkeit des Piranhas ist verblüffend: mit grosser Geschwindigkeit Schlammiger Boden ist dem Piranha kein Hindernis, Auch in solchem Gelände ist
meistert er problemlos auch grössere Bodenunebenheiten. Auf der Fahrpiste des das Fahrzeug «zu Flause» und sicher zu führen.
Waffenplatzes Chamblon können die Fahrer extreme Geländeabschnitte befah- Der Fahrer schliesst den Lukendeckel. Die Besatzung des Panzerjägers kann sich
ren. Der Piranha verträgt auch seitliche Neigungen von 35°. so völlig vor Splittern schützen.

Der Panzerjägerfahrer an seinem Arbeitsplatz. Major Gst Schenk, Kommandant der Einführung
i

Panzerjäger, erklärt den Einsatz des Panzerjägerzu-


ges und lässt der Theorie im Gelände eine Übung fol-
gen.

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gen ihrer kurzen Einsatzdistanz nicht einge- fizier. Von dieser Aussage sieht man sich
setzt werden können, da sind die Panzerjäger denn auch bestätigt, insbesondere wenn man
am richtigen Ort. Der Panzerjäger kann sich mit den Leuten einige Worte wechselt, oder
aber mit Panzern nicht duellieren, seine eige- dann eben auch bei deren Arbeit. Eine vorbe-
ne Panzerung ist zu schwach, seine Silhouet- reitete Zugsübung lässt darüber jedenfalls
te in der Feuerstellung zu gross und die Flug- keine Zweifel aufkommen.
zeit der Geschosse zu lang. Der Panzerjäger Der Zug Knecht wartet im Bereitschaftsraum
muss also überfallartig wirken. Unbesehenes, auf seinen Einsatz. Drei Panzerjäger Piranha
überraschendes Auftauchen in der möglichst stehen Oblt Charles Knecht für die Erfüllung
teilgedeckten Feuerstellung, rasche Schuss- seiner Aufträge zur Verfügung.
abgäbe nur weniger Lenkwaffen sowie Eben hat der Panzerwarner im Wirkungsraum
schnelle und oftmalige Wechsel der Feuer- des Zuges Knecht feindliche Panzer beob-
Stellung führen zum Erfolg. Diese Verschie- achtet. Mit grosser Geschwindigkeit brausen
bungen müssen aber aus den besagten die drei Panzerjäger in ihre letztmögliche
Gründen getarnt und gegen Flachbahnfeuer -
Deckung vor der Feuerstellung hier ein klei-
gedeckt erfolgen. Die Feuerstellungen befin- nes Laubwäldchen -, wo sie den richtigen
den sich in der Regel ausserhalb der Stütz- Zeitpunkt ihres Einsatzes abwarten. Als dieser
punkte und Sperren. dem Zugführer als gegeben erscheint, pre-
Der Panzerjägerzug führt den Kampf vor al- sehen die drei Piranhas in ihre Feuerstellun- Oberleutnant Charles Knecht ist von Beruf
lern in vorbereiteten Einsätzen oder zumin- gen, um hier innert kürzestmöglicher Zeit ihre Fotohändler in Dietlikon. Im Kampf mit
dest nach kurzer Vorbereitung nach den Be- Lenkwaffen abzufeuern. dem Panzer sei er mit seinem Piranha auf
fehlen des vorgestellten Kommandanten. Der Gespannt blickt Panzerjägersoldat Christian jeden Fall schneller, meint der Zugführer
Panzerjägerzug hält sich gedeckt und getarnt Rudolf durch das Zielgerät. Das ihm zur Be- überzeugt. Das neue Waffensystem wirke
im Bereitschaftsraum für verschiedene Ein- kämpfung zugewiesene Ziel hat er sofort er- auf die Truppe unheimlich motivierend,
satzvarianten bereit. Die Distanz zu den Feu- kannt und unverzüglich das Fadenkreuz des alle seien mit viel Begeisterung dabei, ver-
erstellungen kann dann von hier noch bis zu 5 Zielgeräts darauf gerichtet. Dann betätigt er sichert Oberleutnant Knecht. Von hierar-
Kilometern betragen. den Abzug. Mit sicherer und ruhiger Hand chischem Denken hält er allerdings nicht
Wie schon bei der Panzerabwehrlenkwaffe führt er nun die «Len/cwaffe» ins Ziel. Der allzuviel, entscheidend sei im Piranha die
Dragon und beim Kampfpanzer Leopard, wird -
Flugkörper folgte dabei sofern er jetzt effek- Teamarbeit, erklärt der Offizier.
auch beim Panzerjäger die Schiessausbil-
dung vorwiegend mit dem Simulations-Sy-
-
tiv abgefeuert worden wäre automatisch der
Ziellinie, Panzerjägersoldat Rudolf muss da-
stem 81 bestritten. Nur gerade die besten bei einzig das Ziel mit dem Zielgerät verfol-
Lenkwaffenschützen jeder Panzerjäger- gen. werk. Die Pneus verfügen über Einlagen, wel-
Kompanie kommen zum scharfen Schuss. Die Schussabgabe erfolgte allerdings simu- che eine beschränkte Weiterfahrt des Fahr-
liert, so dass kein Geschoss die Werfer ver- zeugs auch bei Schäden durch Geschosse
Major i Gst H P Schenk, Kommandant der lässt. Was der Realität aber nahe kommt, ist und Splitter ermöglichen.
Einführung Panzerjäger, kann seine Begei- das Abschussgeräusch des Geschützes und Der als Lafette dienende Werferturm besteht
sterung über den erfolgreichen Verlauf des die Reaktion des vermeintlich getroffenen aus geschweissten Stahlplatten, die densel-
Umschulungskurses der Pzaw Kp 28 kaum Zielfahrzeugs in der Ferne. Diesem entsteigt ben Schutz wie die Wanne des Fahrzeugs er-
zurückhalten: «v4//e s/nff bestens mof/V/'erf, nämlich, als Quittung des von der Simulation geben. Seitlich aussen am Turm sind zwei
von der neuen Waffe überzeugt unct machen bestätigten Treffers und nicht zuletzt als Moti- splittergeschützte Lenkwaffen-Abschussbe-
ctes/73/b m/'f E/'nsafzfreube m/t», erklärt der Of- vation für die Piranha-Besatzung, eine rote hälter angebracht. Innerhalb des Turms be-
Rauchwolke. Nachdem die Ziele erfolgreich finden sich die Zielgeräte und das Lenkgerät
bekämpft sind, ziehen sich die Panzerjäger des Lenkwaffensystems TOW2. Der Schütze
ebenso schnell wieder zurück, wie sie gekom- sitzt im Turm und bedient das Periskop. Alle
men sind. Tätigkeiten wie Nachladen, Laden, Richten
Die Panzerjägerkompanien bleiben in der Re- und Schiessen können unter Splitterschutz
gel den Regimentskommandanten unterstellt durchgeführt werden. Die Drehbewegung des
und werden aus dezentralen Zugsbereit- Turmes in Seite und Höhe erfolgt durch ein
schaftsräumen im ganzen Regimentsraum elektro-mechanisches System.
eingesetzt. Einzelne Panzerjägerzüge können
aber auch Kampfbataillonen unterstellt wer- Die Lenkwaffe ist drahtgesteuert. Die Len-
den. kung des Flugkörpers erfolgt halbautoma-
tisch. Der Schütze richtet das Fadenkreuz des
Zielgeräts auf das Ziel und betätigt den Ab-
Das Waffensystem zug. Der Flugkörper folgt automatisch der
Ziellinie, und der Schütze hat lediglich das
Der Panzerjäger, ausgerüstet mit der Panzer- Ziel mit dem Zielgerät zu verfolgen. Die Lenk-
abwehrlenkwaffe TOW2, verfügt über einen waffe ist mit einem grosskalibrigen Hohlla-
Splitterschutz, ist auf dem Gefechtsfeld be- dungs-Gefechtskopf ausgerüstet. Der Einsatz
weglich einsetzbar und ermöglicht es, rasche des Lenkwaffensystems ist auch bei Nacht,
Panzerjägersoldat Christian Rudolf ab- Schwergewichtsbildungen vorzunehmen. Er Rauch und schlechten Wetterbedingungen
solviert bereits den sechsten WK, wobei er vermag auch in der Nacht und bei schlechter gewährleistet. Der Schütze verfügt neben
die RS und einen WK noch auf der jetzt Sicht zu treffen und kann bei elektronischen dem Tagzielgerät auch über ein Nachtzielge-
durch den Piranha zu ersetzenden rück- Störmassnahmen ohne Leistungseinbusse rät mit Wärmebildkamera. Nach dem Auftref-
stossfreien Panzerabwehrkanone «BAT» wirken. fen der ersten Lenkwaffe im Ziel ist die zweite
absolviert hat. Soldat Rudolf ist absolut Der Panzerjäger besteht aus drei verschiede- nach drei Sekunden feuerbereit. Das Nachla-
überzeugt davon, mit der neuen Waffe im nen Teilsystemen: den der beiden Werfer dauert rund 45 Sekun-
Kampf gegen Panzer eine gute Chance zu • Werferturm
gepanzertes Radfahrzeug Piranha 6x6 den. Der Panzerjäger kann insgesamt acht
haben. Aus eigener Erfahrung beurteilt er • Panzerabwehr-Lenkwaffensystem TOW 2 Lenkwaffen mitführen. Pro Panzerjägerzug
die Treffsicherheit als sehr hoch, sofern
die Sicht und das Zusammenspiel des Zu-
• werden weitere Lenkwaffen auf dem Zugs-
Lastwagen mitgeführt. Diese Munition dient
ges stimmt. Er fühlt sich zudem durch die Das gepanzerte Radfahrzeug Piranha 6x6 ist zur laufenden Ergänzung der verschossenen
Bauweise des Fahrzeugs sicher und eine Entwicklung der Firma Mowag AG, Lenkwaffen.
glaubt deshalb an das Waffensystem. Kreuzlingen. Es ist dreiachsig mit Einzelrad- Die Besatzung des Panzerjägers umfasst fünf
Panzerjägersoldat Rudolf hat bereits vier aufhängung und zuschaltbarem Allradan- Mann. Sie setzt sich zusammen aus dem
scharfe Lenkwaffen abgeschossen und trieb. Der Piranha verfügt über eine hohe Mo- Kommandanten (Offizier oder Unteroffizier),
sicher ins Ziel gelenkt. torleistung, ein Automatengetriebe, eine Ser- dem Fahrer, dem Richter, dem Lader und der
volenkung und ein gut abgestimmtes Fahr- Gefechtsordonnanz.

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nung verliefen. Und er wagte die Prognose,
dass dies auch auf die Kosten zutreffe.
Hans-U Weingart, Verkaufsdirektor der Mo-
wag AG, gab seiner Freude darüber Aus-
druck, dass mit dem Auftrag des EMD an die
Mowag für diesen Betrieb eine Durststrecke
von etwa einem Vierteljahrhundert Dauer en-
dete. Damals verliessen nämlich gerade die
letzten Mowag-Geländewagen die Montage-
hallen der Fabrik in Kreuzlingen. Die Firma sei
stolz darauf, diesen Auftrag für unser Land
ausführen zu dürfen, versicherte Hans U
Weingart, man betrachte ihn als Resultat der
während vieler Jahre auf eigene Rechnung
geleisteten Entwicklungsarbeit. Der Schwei-
Aus ihrem Bereitschaftsraum brausen die drei Piranhas des Zugs Knecht in ihre letzte Deckung vor der Feuer- zer Auftrag bedeute aber für die Mowag auch
Stellung. Hier warten die Geschütze den günstigsten Moment ab, um unverzüglich die Bekämpfung der Ziele
aufzunehmen. Die Feuerstellungen sollen wenn immer möglich vorbereitet sein.
eine grosse Genugtuung - meinte Weingart
-
weiter nachdem eine Anzahl ausländischer
Staaten, darunter Kanada und die USA, den
Piranha in grossen Stückzahlen einsetzten.
Unter die Verantwortung der Mowag fällt ne-
ben dem Fahrzeug Piranha auch der Werfer-
türm für die Lenkwaffe TOW-2.

Das TOW-Lizenzprogramm sei bereits der


dritte Auftrag ans Eidg Flugzeugwerk Emmen
im Lenkwaffensektor, erklärte Ernst Rengger,
Projektleiter TOW bei den F+W Emmen. Den
Anfang habe der Dragon gemacht, gefolgt
vom Boden-Luft-System Rapier und nun eben
vom Boden-Boden-System TOW. Esscheine-
so Ernst Rengger-, dass mit dem Rüstungs-
Programm '89 wieder ein Boden-Luft-System
folge, nämlich der Stinger.
Der TOW-Projektleiter versicherte, dass alle
am Industrieprogramm Beteiligten stolz sein
Von der Vorderseite darf im Zeitpunkt des Abschusses der Lenkwaffen, vom Panzerjäger nurmehr der Werfer- dürften, dass bereits 20 Monate nach Auf-
türm mit dem Lenkwaffensystem TOW sichtbar sein. tragserteilung, d h im Sommer 1988, die ersten
TOW-Lenkwaffen erfolgreich abgefeuert wer-
den konnten und die Ablieferung der Zielge-
Die Ausbildung einen Panzerjäger-Umschulungskurs anstelle räte termingerecht ablaufe. Rengger hob
eines Wiederholungskurses, mit einem auf schliesslich noch den Know-how-Transfer von
In diesem Sommer absolvieren Instruktoren, eine Woche verlängerten Kadervorkurs. Die den amerikanischen Lizenzgebern zur aus-
die am Panzerjäger auszubilden haben, einen Unteroffiziers-Anwärter besuchen diesen führenden Schweizer Industrie hervor, wel-
neunwöchigen Lehrgang. Ebenfalls noch im Panzerjäger-Umschulungskurs als Rekruten- eher sehr positiv verlaufe.
laufenden Jahr beginnt die Ausbildung der schulvoliender. Aus der Sicht eines Zuliefernden äusserte
angehenden Offiziere. Die Panzerjäger-Aspi- In den Jahren 1990 bis 1992 werden sodann sich Alfred Lüthi, Direktor der Firma Mecaplex
ranten der Inf OS 5/89 werden bereits eine um die 31 Pzaw Kp umgeschult, wobei ebenfalls AG in Grenchen, einer Firma, die seit Jahr-
drei Wochen verlängerte OS zu bestehen ha- auf die Infrastruktur von Chamblon abgestellt zehnten regelmässig als Zulieferant für ver-
ben, in welcher sie an der neuen Waffe ausge- wird. Diese UK treten anstelle des WK, der schiedenste Projekte im Rüstungsbereich
bildet werden. In den folgenden Jahren wird in vorgängige KVK wird dabei auf eine Woche mitwirkt. Für Alfred Lüthi steht unbestritten
der Infanterie-OS Chamblon mit jährlich einer ausgedehnt. fest, dass Firmen in der Grösse der Mecaplex
Panzerjäger-Aspirantenklasse der Zugfüh- Die Kommandanten der umschulenden Pzaw durch Rüstungsaufträge rundum profitieren
rernachwuchs sichergestellt. Kompanien haben im Jahr vor dem Umschu- können. Er strich dabei, neben der Sicherung
Die erste Panzerjäger-UOS und RS findet im lungskurs einen einwöchigen technischen von Arbeitsplätzen, vier Punkte hervor:
Jahre 1990 in Chamblon statt. Ab 1993 werden
pro Jahr je 2 Unteroffiziers- und Rekruten-
Einführungskurs zu besuchen. • Know-how-Transfer in «/-//p/7-7ec/7»-Pro-
duktionsverfahren
schulen durchgeführt.
Die in der Rekrutenschule eingesetzten ab-
Alle an der Produktion Beteiligten zufrieden • Know-how-Gewinn mit neuen Materialien
und damit verbundenen Verfahren
verdienenden Kader absolvieren Ende 1989 Hans Christelier, Projektleiter Panzerjäger im
EMD, erklärte, dass die Entwicklung des Pan-
• Know-how-Gewinn im Aufbau und der An-
Wendung von Qualitätssicherungssyste-
zerjägers technisch die Aufgabe stellte, die men
drei individuellen Systeme TOW2, Piranha-
Fahrzeug und Werferturm so zu einem Ge-
• Aufbau von Geschäftsbeziehungen.

samtsystem zu integrieren, dass dabei jedes Für Divisionär Soliberger, Waffenchef der In-
der Systeme seine volle Leistung behielt. Ob- fanterie, sei es, wie er sagte, ein ganz beson-
wohl der Hersteller des Lenkwaffensystems derer Tag. Erstmals erhalte die Infanterie mit
für die Leitung dieser Aufgabe prädestiniert dem Panzerjäger ein Waffensystem, das auf
gewesen wäre, entschied sich die Projektlei- dem Gefechtsfeld splittergeschützt bewegt
tung dafür, die Systemverantwortung selbst werden und das den Panzerkampf auf eine
zu übernehmen. «H//'r öabeu c/a/rer cf/'e Fa/rr- Distanz führen könne, die grösser sei, als die
zeupe m/'f Lafeffe öe/' /Wowap und das TOW- Reichweite der Panzer. Die Eingliederung des
System /n den t/SA descda/ft und d/'e /n/egva- Panzerjägers verbessert die Fähigkeit der
f/'on se/öer durcdgeft/dd. Daöe/' daöen w/'r oberen taktischen Stufe, d h des Regiments,
Zum Nachladen verlässt der Piranha die Feuerstel-
lung. Wenn sich die Besatzung falsch verhält, kann
trotz ge/egent/tcde/- Prob/eme v/'e/ Ge/d und zur Panzerabwehr wesentlich, versicherte Di-
der Übungsleiter das Geschütz «abschiessen», in- Ze/'f pesparf», meinte Christeiler. Schliesslich visionär Sollberger.
dem er diesem die elektronische Simulationsanlage stellte der Projektleiter erfreut fest, dass nach
ausschaltet. Diese Schlappe für die Besatzung ist zweieinhalb Jahren praktisch alle Beschaf- Alle Bilder, mit Ausnahme Aufnahme von BR
durch die Rauchwolke auch äusserlich bemerkbar. fungsarbeiten im Rahmen der zeitlichen Pia- Villiger, von Eugen Egli. H

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