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Leseverstehen – Das Sozialversicherungssystem in Deutschland

Das Sozialversicherungssystem in Deutschland ist schon mehr als 100 Jahre alt. Die
Anfänge lagen in den 1880er Jahren.
Das Sozialversicherungssystem basiert auf dem Prinzip des Solidarausgleichs, d. h. der
Solidarität zwischen Jungen und Alten, zwischen Gesunden und Kranken, zwischen gut
Verdienenden und schlechter Verdienenden, zwischen Familien und Alleinstehenden.
Das Sozialversicherungssystem in Deutschland hat mehrere Säulen.
In der gesetzlichen Krankenversicherung sind ca. 90 % der Bevölkerung versichert.
Als Organisationsformen gibt es verschiedene Krankenkassen, z. B. die Barmer oder die
AOK. Sie gewähren ihren Versicherten verschiedene Leistungen bei
Gesundheitsproblemen. Dazu gehören unter anderem medizinische Behandlungen,
Untersuchungen zur Vorsorge und zur Früherkennung von Krankheiten, das Krankengeld
und die Rehabilitation. Die übrigen ca. 10 % der Bevölkerung gehören einer privaten
Krankenversicherung an.
Wer Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung ist, gehört zugleich der
Pflegeversicherung an. Bezahlte Pflege kann derjenige erhalten, der körperlich, geistig
oder seelisch erkrankt oder behindert ist und bei Dingen des täglichen Lebens Hilfe
braucht, z. B. bei der Ernährung, der Körperpflege oder der Versorgung des Haushalts.
Neben der Gewährung einer häuslichen oder einer stationären Pflege wird auch
Pflegegeld gezahlt.
Die Rentenversicherung sorgt dafür, dass Menschen im Alter (Altersrente) oder z. B.
bei eingeschränkter Erwerbsfähigkeit (Invalidenrente) finanziell versorgt sind. Dabei
richtet sich die Höhe der Altersrente z. B. für einen Arbeitnehmer danach, wie lange und
in welcher Höhe er Beiträge zur Rentenversicherung eingezahlt hat. Außerdem werden
die Renten im Allgemeinen dynamisiert, d. h., sie werden entsprechend dem steigenden
Niveau der Löhne und Gehälter zu bestimmten Zeiten erhöht. Organisationsformen der
Rentenversicherung sind für Arbeiter die jeweilige LVA (Landesversicherungsanstalt)
eines Bundeslandes, für Angestellte die BfA (Bundesversicherungsanstalt für Angestellte).
In der Arbeitslosenversicherung sind grundsätzlich alle Arbeitnehmer pflichtversichert,
auch Auszubildende. Sie gehört zum Arbeitsbereich der Bundesagentur für Arbeit. Wenn
ein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz und damit sein Einkommen verliert, erhält er aus
dieser Versicherung Arbeitslosengeld (ALG): ALG I entsprechend seinem bisherigen
Einkommen (in der Regel 60 % des letzten Nettoverdienstes) und zeitlich befristet
(12-18 Monate), ALG II bei nachzuweisender Bedürftigkeit. Die Arbeitslosenversicherung
kann aber auch unter bestimmten Bedingungen Kurzarbeitergeld oder für Arbeiter in der
Bauwirtschaft Wintergeld bezahlen.
Die gesetzliche Unfallversicherung erfasst alle Arbeitnehmer einschließlich der
Auszubildenden. Sie hat die Aufgabe, Arbeitnehmer und ihre Familien bei Arbeitsunfällen
oder Berufskrankheiten und deren Folgen zu unterstützen. Das schließt z. B. Verhütung
von Arbeitsunfällen/Berufserkrankungen, Heilbehandlung, Rehabilitation oder
Verletztenrente ein.

© Cornelsen Verlag 2006